Feldpost von August Bauermeister an seine Familie in Hannover (1915-1918)

Biographische Informationen über August Bauermeister erfahren wir aus der Feldpost fast gar keine. Bekannt ist nur, dass seine Mutter Marie Klieber hieß. Sie war mit dem Zivilingenieur H. Klieber verheiratet. Ihre Wohnanschrift in Hannover war Hildesheimerstr. 17 III. Hier befand sich, einer Zeitungsanzeige im Hannover Kurier vom 10. Juni 1920, das Ingenieur-Büro Klieber & Co. Das Büro machte als Vertreter der Firma Kaiser & Co aus Kassel Werbung für Drahtseilbahnen.

Wann genau Gustav Bauermeister als Soldat im 1. Weltkrieg gedient hat, geht aus der Feldpost nicht genau hervor. Während seiner gesamten Zeit von 1915 bis mindestens Oktober 1918 diente er im Preußischen Feldartillerie Regiment 4 in der 4. Batterie. Am 13. Januar 1917 teilte er seinen Eltern mit, dass er Unteroffizier der Reserve geworden ist.

Von 1915 bis 1918 war Bauermeister die gesamte Zeit an der Westfront eingesetzt.

Im Jahr 1918 war Bauermeister mindestens zwei Mal im Lazarett. Im Mai 1918 war er wegen Rheumatismus im Kriegslazarett 686, Station 7, Saal 19 („Villa van Gulik“ in Goch) in Belgien. Im September 1918 im Lazarett in Linz am Rhein und im Oktober 1918 im Reserve-Lazarett Henriettenstift in Hannover. Die Gründen über den zweiten Aufenthalt werden in der erhaltenen Feldpost nicht genannt. Allerdings scheint er an der Schulter oder am Arm verletzt worden zu sein, wie eine Fotografie vom September 1918 nahelegt.

Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit haben auch nicht alle Briefe die Adressaten erreicht, wie aus Bauermeisters Aussagen in mehreren Briefen zu ersehen ist.

Weit über 100 Feldpostsachen von Gustav Bauermeister sind erhalten. Aber sicherlich ist die Sammlung nicht mehr vollständig, da aller Wahrscheinlichkeit nach seit 1918 Briefe verloren gegangen sind.

Von den in der Feldpost erwähnten Fotografien ist nur diese eine undatierte Fotografie erhalten:

Gustav Bauermeister auf einer undatierten Fotografie
Gruppenaufnahme in einem Lazarett? Gustav Bauermeister ist der dritte von links. Er sitzt auf dem Boden vor den Soldaten auf den Stühlen. (ohne Ortsangabe, undatiert – evtl. Mai 1918?)

Feldpost von Gustav Bauermeister an seine Familie in Hannover

Undatiert [Sommer 1915?]

Liebe Eltern!

Gestern Abend erhielt ich Eure lieben Sendung mit der Büchse Kochkäse und den lieben Brief. Ich danke Euch für das Paket herzlichst. Inzwischen habt Ihr ja meine anderen Briefe auch erhalten. Mutter fragt in dem Briefe an ob hier noch etwas zu kaufen sei. Ich glaube hier gibt es mehr als in Deutschland, denn wir beziehen unsere sämtlichen Sachen aus Belgien. Dieser Tage gab es sogar Butter natürlich das Pfund zu 3,20 M in unserer Kantine, Eier 20 Pfennig; auch alles bei andern Artikel wie Honig, Wurst und Gemüse, Erdbeeren sehr billig.

Dann haben zwei Inf. Soldatenheime hier steuerfreie Zigarren u. Zigaret., Militärlieferung zu verkaufen. Das einzige ist die Seife die mächtig teuer ist. – Heute bin ich für einen Tag hier in Lens beim Regiment als Befehlsempfänger für die verschiedenen Batterieverbände. Vergangene Nacht versuchten die Engländer einen Angriff mit vorhergegangener Ausräucherung. Sie hatten eine ziemlich starke Dosis genommen aber zu ihrem Leidwesen einen guten Teil selbst von ab gekriegt. In meinem briefschreiben bin ich unterbrochen worden vorhin und will nun bis meine Ablösung kommt den Brief an Euch vollenden.

Hoffentlich geht es Euch noch recht gut und seid Ihr noch recht hübsch gesund.

Jetzt geht es wieder los und muß ich noch schnell fertig machen, denn einen Extraritt haben sie noch auf Lager für mich heute Abend und da heißt es Beine machen, daß es nicht zu spät wird. Nun schließt mit den herzlichsten Grüßen Euer Gustav

Undatiert [1916?]

Liebe Eltern! Gestern war ich in Douai, haben ein Geschütz wiedergeholt. Bei dieser Gelegenheit habe ich diese Karten gekauft. Für jetzt will ich schließen. Heute Abend schreibe ich einen Brief; hoffentlich brauche ich nicht als Gespannführer weg.

Für Paket mit Zigarren meinen herzlichsten Dank; es kam noch am 19. an, als ob ich es das gewußt hätte. Nun seid recht herzlich gegrüßt von Euerm Lausebengel

Undatiert [März 1917?]

Liebe Eltern! Meine Karte von Charleville, die ich gestern sandte habt Ihr hoffentlich erhalten. Heute sende ich Euch noch einige Ansichtskarten. Es war sehr nett dort gestern Nachmittag. Wir sind nach dem Mittagessen hier abmarschiert und waren nach einem Marsch von 1 ¾ Stunden in Ch. Dann haben wir dort anständig und den jetzigen Umständen nach billig gespeist einige Bier verdrückt und uns nachdem zur Besichtigung der Stadt aufgemacht. Die beiden Villen, welche seine Majestät daselbst bewohnt hat haben wir in Augenschein genommen das Quartier des Großen Generalstabes, welches anbei auf der karte zu sehen ist. Gleichzeitig habe ich mir einen neuen Kneifer mit Futteral gekauft um wenn nötig besser sehen zu können. Vor allen Dingen haben wir natürlich unserm Magen gedacht und sind schnell in ein Kaffee gewandert, indem es schönen Kaffee und recht billiger Torte und Apfelkuchen gab. Da staunt der Fachmann…; ja diese Etappenonkel führen ein Leben besser als in Deutschland. Darauf haben wir uns noch verschiedene Sehenswürdigkeiten der Stadt bewundert. Dann kam das schöne Abendessen: Rinderbraten und 2. Gang Paprikafleisch, o das war ein Genuß. Dazu wieder einige feine Biers und dann machten wir uns gelassen auf den Heimweg. Leider war die Marketenderei geschlossen und konnten wir nichts kaufen.

Anfang nächsten Monats sollen wir wegkommen, es fragt sich nur, wohin?

Mit den herzlichsten Grüßen schließt Euer Euchliebender Gustav

Von Euch habe ich schon lange keine Post erhalten. Sendet mir doch bitte eine Tabelle der abgesandten Sachen, daß ich Euch ungefähr schreiben kann was ich erhalten. Ichbefürchte meine Post kommt ebenso unregelm.

Undatiert [August 1918?]

Absender:

Bauerm., Kriegsl. Missionssch. Abteil A. Hal (Belgien)

Empfänger:

Frau M. Klieber

Bad Eilsen

Haus 14

Liebe Mutter!

Einige Tage muß ich mich noch gedulden. Denn ich bin noch nicht so recht auf dem Damm. Halte Du Dich nur recht dran damit wir nachher beide zusammen gesund sind. Sei herzlich gegrüßt von Deinem Jungen

10. Oktober [ohne Jahr]

Liebe Eltern!

Heute habe ich nur eine Postkarte als Briefbogen. Hier gibt es auch schrecklich wenig Neues. Jetzt habe ich noch genügend Arbeit mich in alles Neue genauestens einzuarbeiten aber ich befürchten es wird hier mächtig langweilig. In Flandern hat es mir beinahe besser gefallen. Da gab es was zu sehen und jeden Tag fast veränderte sich die Lage dort. – Schließlich ist jedoch besser und denke ich wir können uns für diesen Winter hier heimisch machen. Das Wetter ist jetzt äußerst übel. Auch unsere Post scheint umzuziehen. Merkt Ihr das auch so stark? In den nächsten Tagen gehts vielleicht in Ruhe.

Es grüßt Euch recht herzlichst Euer Gustav

Undatiert

XIII.

Liebe Eltern! Durch ein Versehen ist der gestrige Brief an Euch abgegangen und habe ich vielleicht unzutreffende Hoffnungen hervorgerufen. Wir kommen leider nicht nach dort wie es erst bestimmt war, sondern nur unsere erste Abteilung und bleiben wir hier nach neuesten nahrichten noch einige Wochen. Es waren schon Quartiermacher eingeteilt, die den Brief mitnehmen sollten u. der hatte denselben gestern in Kasten gesteckt als Nachricht vom Nichtwegkommen kam. Mit herzlichsten Grüßen verbleibe ich Euer Gustav

Undatiertes Fragment

Nun will ich mit diesem Teile schließen und kommt jetzt die berühmte Wunschecke. Bitte sendet mir doch per Brief 10 M, ich bin mit meiner Kasse recht knapp geworden durch dies vielen Putzzeug kaufen, auch was unsere Verpflegung die eine Zeit nicht ganz auf der Höhe und gibt es bei uns jetzt allerlei schöne Sachen einiger maßen billig zu kaufen, da Militärlieferungen. Auch möchte ich Euch um Übersendung von etwas Tabak bitten, sowie Seife. Hier bezahlt man für diesen Artikel sehr viel Geld im Gegensatz zu anderen Sachen ein kleines Stück gewöhnliche Schmierseife 60 Pfennig, kl. Toilettenseife 1 M u. 1,30. Dennoch kostet eine Hemd auch 25 Pfennig zu waschen. Sendet mir nun bitte gewöhnliche Seife zu Drillzeug u. anderem Wäsche waschen. Nun muß ich schließen. Heute morgen von Munitionsfahren mit Zeug spät zurück gekommen. In d. nächsten Tagen mehr und seid recht herzlichst gegrüßt v. Euerm Gustav

2. Juli 1915

Geschrieben, de. 2. Juli 15.

Liebe Eltern! Nun komme ich endlich wieder dazu Euch einen Brief  zu schreiben. Wir liegen also jetzt in der Gegend La Bassée und der vielbekannten Ecke. Die beste Stellung der ganzen Abteilung haben wir wohl noch erwischt. Denn es geht seit dem letzten vergeblichen Bemühen der Engländer hier direkt vor uns ziemlich ruhig zu.

Vaters Photographie würde mich sehr freuen zu erhalten. Mit der Post ist es so wie ich Euch schrieb, nur erfahren wir nie bestimmte Zeit der Sperrung. Die Post v. Euch kommt deswegen doch immer pünktlich es betrifft ja nur unsere Post. Dieselbe wird nur an den Verladestellen zurückgehalten. Ichglaube einmal wird dieselbe in der nächsten noch zurückgehalten und braucht Ihr nicht in Besorgnis zu sein wenn Ihr einige Zeit keine Nachricht von mir erhaltet. Die Regelung bei Verwundungen oder dergl. ist jetzt so gut daß Ihr sofort Nachricht erhaltet und ist es bei der Artillerie nur halb so schlimm wie bei der Infanterie. Für die dünne Unterhose sowie anderen Geschenken meinen herzlichsten Dank. Über die Sache mit L. bin ich soweit hinweg und habe ich ja jetzt doch den ganzen Sachverhalt erkannt. Ich hatte ihn doch noch für ein wenig aufwändiger gehalten. Seit Rücksendung seiner Papiere schreibt er mir garnicht mehr. Ich werde ihm heute schreiben ob er meinen Brief nicht erhalten darauf muß er nun doch wohl antworten. Ob er immer noch hoffte, daß ich die Papiere unterschreiben würde.

Etwas ruhiger ist es bei der Lorettohöhe jetzt doch geworden. Die Verluste die diese Höhe gekostet hat sind ja auch riesig. Ebenfalls sind aber auch die Verluste der Russen im Monat Juli groß und werden sie doch nun bald zur Einsicht kommen. Hier werden ja schon viel Russen beschäftigt mit Harken u. dergl. Arbeit. Nun seid alle recht herzl. gegrüßt auch Großeltern von Euerm Gustav

20. Juli 1915

Geschrieben, d. 169 Juli 15.

                               20.

Liebe Eltern!

Meinen herzlichsten Dank für d. lieben Sendungen; auch für Vaters hübsche Soldatenphotographie. Vater ist ja sehr hübsch getroffen. Unter Vaters Kameraden sind sehr stramme Kerls und wird es Vater wohl sehr schwer fallen mit denselben Schritt zu halten. Ich wünsche Vater, daß er doch ein etwas besseren Posten erwischt. Mit seinen Augen u. auch sonst wird er seinen Dienst wohl nicht so gut erfüllen können.

Von L. habe ich das bewußte Paket nicht erhalten. Eine Karte habe ich aber bekommen mit der Mitteilung die in Silberpapier gewickelten Sachen nicht zu essen, da dieselben gesundheitsschädlich seien. Wegen meiner Krankheit heißt es in der Karte mußte ich Opium nehmen und habe das Paket im Opiumrausch gepackt. Hoffentlich ist das Paket nun nicht in falsche Hände geraten und dadurch jemand zu Unglück gekommen. Da macht Euch man keine Kopfschmerzen um mich, das ist alles nicht so schlimm. Der Krieg hat mich doch in allerlei Sachen abgehärtet.

Jetzt bin ich auch Dogartkutscher [Sic!] geworden. Näheres nächstens; dadurch habe ich nämlich jetzt viel Arbeit.

Ich wollte Euch nur schnell schreiben damit Mutter beruhigt ist. Mir geht es tadellos und gut und hoffe ich dasselbe von Euch.

Endlich habe ich meinen Brief so einigermaßen vollendet. Es hat ja lange genug gedauert. An Onkel Karl Westberg habe ich gleich wieder geschrieben.

Nun muß ich schließen und grüßt Euch herzlichst Euer Gustav

2. August 1915

Liebe Eltern! Ich habe gerade hier in aller Frühe eines herrlichen Tages und warte auf einen unserer Offiziere ihn nach der Bahn zu bringen. Die Engländer haben die Freundlichkeit sämtliche Straßen und Feldwege mit Schrapnells zu überstreuen, aber leider alle zu hoch. Sie sollten man wissen wie gemütlich ich hier in meinen Dogart sitze und schreibe trotz ihrer Funkerei. Na die haben manchmal einen kleinen Anfall sie werden bei dieser Gelegenheit wenigstens Munition los. Gestern habe ich eine schöne Partie gemacht nach Henin Litard von unserem Dorfe hier (Wingles)[.] Muß doch auf der Karte zu sehen sein zwischen La Bassée u. Lens, in der Mitte der beiden Schlachtorte. Von L. habe ich sonst noch nichts gehört, hat aber auch nun weiter keine Bedeutung. Onkel Karl hat wohl auch noch keinen Bescheid. Mit recht herzl. Grüßen verbleibe ich Euer Gustav

2. August 1915

Liebe Eltern! Meinen gestrigen Brief habt Ihr wohl inzwischen erhalten. Vaters Pakete sowie das Paket mit Kakao habe ich erhalten und danke Euch herzlichst dafür. Von dem Wurstpaket und Brief und was Mutter mir schrieb habe ich nichts erhalten. Ich habe augenblicklich Mutters Brief nicht hier, denn ich bin auf einer fahrt, habe Herrn W. nach unserer Abteilung gefahren. Sonst habe ich nicht mehr viel Zeit so schreibe ich Euch jetzt immer bei einem Halt wenn ich lange warten muß. Bei uns hier geht jetzt die Ernte los. In den nächsten Tagen fahre ich nach Lille mir eine Peitsche zu besorgen und verschiedenes andere. Jetzt kommen ich immer näher. Unser Hauptmann ist 14 Tage auf Urlaub kommt am 4. Aug. wieder dann gibt es noch mehr zu tun. Gestern sind wir zunächst gegen Typhus, heute alles dennoch einen dicken Besen.

Jetzt Fortsetzung v. 1. Brief.

Als erstes möchte ich Mutter bitten mir noch einmal eine Kartätsche zu besorgen, die alte ist schon vollständig alle und kann ich hier keine auftreiben. Es wäre sehr gut wenn Mutter dieses Mal eine etwas härtere und dichtere kaufen würde. Die wird länger halten und dann nimmt sie den Pferdeschmutz schneller fort; wäre also für mich auch viel bequemer. Dann habe ich nun noch eine Bitte und diese wäre an Vater; ich schrieb schon in dem anderen Briefe, daß ich nach Lille fahren werde. Da möchte ich Vater bitten doch etwas Geld an Frau D. zu senden. Dasselbe ich mir jetzt mächtig knapp geworden bei dem vielen u. weiten Fahrten. Meistens bin ich nicht zu Haus und esse u. trinke öfters unterwegs. Nun muß ich schon wieder schließen. Beim nächsten Halt wieder mehr.

Also wie aus dem vorigen Brief ersichtlich hat sich der Herr Gefreite herabgelassen den gemeinen Sauhasen zu bitten untertänigst. Schade das Vater kein Fahrer bei uns geworden ist.

Nun schrieb mir Mutter Ihr wolltet gern etwas über mein Leben als Kutscher erfahren. Um die Sache kurz zu fassen ich habe zwei Pferde, W. Hauers und mein Dogartpferd u. einen Dogart. Zu fahren habe ich nach der Bahn die Offiziere d. Wachtmeister oder alle möglichen anderen Sachen. Wenn nichts besonderes vorliegt muß ich des Nachmittags zur Post, meistenteils habe ich ja immer andre Fahrten. Ich hoffe nun wißt Ihr etwas von meinem neuen Beruf. Nun hoffe ich daß es Papa Klieber sowie Mama Karl recht gut geht, und verbleibe mit herzl. Grüßen Euer G.

3. August 1915

Liebe Eltern! Heute muß ich schleunigst die Nachricht von dem Nichtankommen d. ersehnten Würste widerrufen. Denn gestern Abend habe ich sie erhalten. Ich hatte auch gerade den nötigen Hunger seit morgens 9 Uhr nicht, zu Haus gewesen. Die Wurst schmeckt ausgezeichnet und muß ich Euch herzlichst dafür danken. So etwas feines zum Brote habe ich lange nicht gegessen, da unsere Verpflegung jetzt seit langer Zeit auf dem Nullpunkte steht und sind wir hier in einen höllisch teure Ecke geraten. Einige kleine Beispiele, 1 Pfund Magarine [Sic!] 3,20 M, 1 Ei 20 Pfennig, 1 Pfund Marmelade 2 Franc, aber etwa keine Fruchtwaren, sondern Zuckerkrams.

Dennoch ist immer noch das billigste diese Zuckersauen geblieben und leben wir außer den Sendungen von der Heimat nur von Brot und derselben Verpflegung d. Truppen in Deutschland gilt und hört man auch von Urlaubern besser als hier an der Front. Na deswegen kommen wir aber doch alle nach Haus wenn die lieben Nachbarn nicht so dumm sind und spielen mit ihre Schießgewehren.

Diesen Brief will ich beenden. Im nächsten mehr. Mit herzl. Grüßen Euer Gustav

3. August 1915

Liebe Eltern! Ich hoffe daß alles da heim bei bester Gesundheit ist. Wie aus dem vorigen Briefe schon ersichtlich hat mich die Leberwurst trotz einer kleinen Irrfahrt nun doch erreicht und mundet mir nun um so mehr. Morgen kommt unser Hauptmann vom Urlaub zurück und übermorgen fährt unser Wachtm. auf 14 Tage, einige von mir sind ja auch schon gefahren, aber nur alle die Grund hatten und sind ja noch so viele Leute die verheiratet sind noch nicht weg gewesen. Gestern unterhielt ich mich noch mit V. H. über die Zeit vor einem Jahr, er ist ja jetzt volle Freude, daß er auf Urlaub kommet. Vielleicht kommen wir bald alle auf Urlaub und ist mit der Bagage hier Schluß. Dann kann Mutter sich erst einen Schlüssel für d. Speisekammer anschaffen und sich ganz gehörig verproviantieren, denn zwei Soldaten zu füttern ist schon ein bisschen reichlich.

Ich träume schon immer von dem ersten Abend mit nachfolgendem gemütlichen Rauchabend.

11. Aug. 15 [Anmerkung jw: Poststempel vom 3. August 1915]

Aber wir schaffens noch, erst muß ich Unteroffizier [Textverlust unter der Perforation] Leutnant. Auf diese Hoffnung nehmen wir schnell auch einen [unleserliches Wort] herzl. Gruß Euer Gust.

10. August 1915

Liebe Eltern! Inzwischen habt Ihr wohl meinen Brief inbezug Urlaub erhalten. Ich muß Euch nun noch als Erklärung mitteilen, daß jetzt auch weniger dringende Fälle durch gehen, dennoch kann es glücken, daß ich den Urlaub bewilligt bekomme. Das heißt es muß schnell eingereicht werden beim Regiment, die Hauptsache ist wenn es von irgend einer Behörde unterstempelt oder befürwortet ist. Auf dem Lande ist der Ortsvorsteher schon zu ermächtigt u. nicht d. Landrat nötig wie ich im vorigen Brief schrieb! Es aber gleichgültig wenn nun ein Stempel drunter ist. Wenn Ihr keinen Stempel erhalten könnt durch eine Behörde so sendet es mit einem Schreiben v. Onkel Karl ein. Eben das mein Kommen dringend notwendig ist. All Heil, viel Glück vielleicht haben wir Glück. Mit recht herzl. Grüßen Euer Stromer

13. August 1915

Liebe Eltern! Gestern erhielt ich Euer liebes Paket. Meinen herzlichsten Dank für alles. Die Kartätsche müßte ja eigentlich von Borsten oder Pferdehaar vielmehr sein; aber es wird schon gehen. Sie sehr gut nur kann man sie mit einer Striegel zusammen nicht gebrauchen. Ich bin heute auf einer kleinen Tour mit dem Pferde zum Geldholen. Schreibe hier im Stehen und ab u. zu will mein Streitroß mit helfen. Dadurch müßt Ihr Euch die Schnörgel erklären. Ja, also mit d. Kart. wollen wir man warten vielleicht kann ich sie mir mit Euch zusammen selbst besorgen. Das Vater viel Dienst hat ist traurig, und ich bedauere ihn sehr. Hoffentlich bekommt er es bald einmal besser. An Großv. u. Onkel W. habe ich vor einigen Tagen auch geschrieben. Mit Aug. ist jedenfalls nur eine leichte Erkrankung. Mit herzl. Grüßen bis nächstens Euer Gustav

17. August 1915

Liebe Eltern! Euren lieben Brief sowie Schmalzsendung habe ich erhalten u. danke Euch herzlichst dafür. Vielleicht wird es mit meinem Urlaub. Augenblicklich vertrete ich neben meinem sonstigen Beruf unsern Batterieschreiber noch in seiner Arbeit, da er seit gestern krank. Übermorgen kommt ja Wachtmstr. Hauer wieder zurück. Euch geht es doch hoffentlich recht gut und macht Vater den Dienst nicht mehr so viel Beschwerden. Vielleicht hat er auch inzwischen einen besseren Posten erwischt. Nächstens mehr.

Mit herzl. Grüßen Euer Gustav

27. August 1915

Liebe Eltern!

Schweinefleisch, Zigaretten und die lieben Briefe habe ich erhalten und danke Euch herzlichst für dieselben. Das Vater beurlaubt ist freut mich sehr und ist ihm doch dadurch das Schützengrabenleben erspart. Auch ist die Beförderung garnicht so übel vom Infanterist zum Offiziersstellvertreter, hübsche Sache. Vielleicht hat Vater dann einen Burschenposten frei?

Das Urlaubsgesuch ist ja nun auch angelangt jedoch wird es wohl nichts werden da die Beurlaubungen laut Armeebefehl für 8 Wochen ein Ende haben. Entweder wird von uns der von feindlicher Seite eine offensive beabsichtigt. Sollte dieser Befehl wieder zurückgenommen werden würde es aber auch noch 3-4 Wochen dauern ehe ich fahren kann da vor mir schon zu viele Gesuche angelaufen sind und meist alle genehmigt werden. Na wir wollen die Hoffnung doch nicht verlieren, vielleicht komme ich diesen Herbst noch ganz nach Haus, wäre noch schöner. Zwar ist die Hoffnung darauf noch nicht so groß. Von L. erhielt ich bis jetzt nur eine Karte, Brief erhalten. Wie war es auf Urlaub. Schluß und Punkt. Ich weiß von einem Urlaub überhaupt nichts.

Meines Schreiberamtes bin ich durch Genesung des Schreibers wieder enthoben, aber seit einigen Tragen habe ich noch ein Pferd zubekommen.

Heute wieder großes Glockengeläut Brest-Litowsk gefallen. Nun muß doch wohl bald Schluß sein mit dem Russenvolk. Hauptsache ist daß wieder endlich etwas geschafft wird.

Hier herrscht jetzt eine unnötige Hitze und ist hier das beste Erntewetter. Mutter schreibt W. H. hätte das Eiserne Kreuz wohl noch nicht. Der hat es doch schon lange und muß ich Euch das auch geschrieben haben oder ist der Brief verloren gegangen.

Mit den herzl. Grüßen schließt Euer Gustav

12. September 1915

Liebe Eltern! Meinen herzlichsten Dank für die Pakete mit Wurst sowie Schmalz. Leider muß ich Euch die traurige Mitteilung machen, daß es meinen Urlaub leider noch nichts wird und war es Versehen des Herrn Wachtmeisters. Ich bin ja auch noch lange nicht an der Reihe, denn es sind noch 10-15 Mann mit ihren Urlaubsgesuch früher gekommen als ich. Es  tut mir ja sehr leid, daß ich Euch unnütze Hoffnung gemacht habe, für mich selbst ist es das selbe und habe ich mich mächtig darüber geärgert.

Heute oder morgen mehr, ich habe jetzt leider keine Zeit mehr.

Mit recht herzlichen Grüßen verbleibe ich Euer Gustav

14. September 1915

Liebe Eltern! Inzwischen habt Ihr wohl meinen Brief erhalten und Euch darüber gewundert. Erst hatte mir Herr Wachtmeister den Mund wässrig gemacht indem er sagte: Sie können fahren wenn Herrn Haupt. Bursche wieder zurück kommt. Ich war ja noch nicht an der Reihe sondern sind immer noch unsere Kameraden vor mir. Bis jetzt habe ich Herrn Wachtmeister über die Sache noch nicht sprechen können. Ich werde bei der nächsten Gelegenheit um Auskunft bitten wenigstens um Angabe der ungefähren Zeit. Ich habe mich ja sehr darüber geärgert Euch geschrieben zu haben da sich die Sache hier zu leicht ändert doch meinte Herr Wachtmeister bestimmt, daß ich am 11. fahren konnte. Nun müßen wir uns noch eine Weile vertrösten. Hoffentlich bleibt Vater noch recht lange zu Haus. Mit den herzlichsten Grüßen verbleibe ich Euer Gustav

15. Oktober 1915

Liebe Eltern! Ich danke Euch recht herzlichst für die lieben Pakete mit Wurst sowie mit Rauchwaren. Ich werde mir alles gut schmecken lassen. Wie haben jetzt gehörig was zu tun. Gestern rückte die Batterie wenigstens ein Zug in Feuerstellung. Heute Morgen sind wir erst wieder zurück und eine prächtige Stellungen haben wir wieder. Noch nicht gebaut und ausgeschachtet u. so haben wir wieder viel Arbeit. Heute Abend vier Wagen mit Holz und so geht das jetzt fortlauernd. D. 2. Zug rückt nächste Nacht auch in Stellung und haben wir noch einmal das Vergnügen. Unsere Stellung ist eine neue vorgeschoben zwischen Loos u. Souchez, in einem Zipfel. Ja, ich muß nun schließen und verbleibe ich mit herzl. Grüßen Euer G.

28. November 1915

Liebe Eltern! Paket No 10 mit Mutters lieben Brief habe ich erhalten und dank Euch herzlichst dafür. Leider ist nun mein Brief zu früh angelangt. Ich hatte mir so schön ausgemacht daß er gerade am Geburtstagstage morgens meinem Mamachen überreicht würde.

Für die Wurst meinen besten Dank u. werde ich mir dieselbe gut munden lassen. Über kleine Weihnachtswünsche schreibe ich Dir in den nächsten Tagen denn es hat ja noch Zeit; es sind ja nur einige Lichter und etwas Watte. Ich schreibe Euch dann noch näheres. Vorläufig meinen herzlichsten Dank und die dicksten Grüße u. Küsse von Euerm großen Jungen der Euch gern noch selbst einen dicken Schmatz geben möchte

7. Dezember 1915

7. Dez. 1915.

Liebe Eltern! Wir sind gerade von unserer Feuerstellung zurück und lohnt es sich nicht sich noch einmal hier zu liegen. So will ich Euch in aller Frühe einen Brief schreiben. Zuerst für das ff. Gänseschmalz meinen herzlichsten Dank. Ich habe eben zwei Stullen verdrückt. Gestern Abend ist es wohlbehalten hier angelangt. Um 12 Uhr hieß es heute Nacht Munitionhochbringen. Um 10 Uhr war der erste Transport hochgekommen. Gestern haben wir nämlich einen kleinen Angriff gemacht, jedes Geschütz rund 100 Schuß abgegeben. Nun werde ich noch eine Stulle m. Gänseschmalz essen u. dann meine Zeitung durchlesen ob noch nichts vom Frieden darin steht.

Dann ist es auch soweit zum Kaffee holen. Um 7 Uhr jetzt muß Kaffee geholt sein, sonst gibts nichts.

Nun seid recht herzlich gegrüßt u. bedankt von Euerm Gustav

9. Dezember 1915

Liebe Eltern! Mutters lieben Brief vom 4.12.15. habe ich erhalten und muß ich ihn doch gleich beantworten. Ders. enthält eine sehr traurige Nachricht. Ich habe ja immer eine kleine Ahnung gehabt nur glaubte ich Vater sei zu stark mit Arbeit überhäuft. Da habt Ihr eine schwere Zeit hinter Euch, ich wünsche Vater eine recht gute u. schnelle Besserung. Habe leider nicht viel Zeit. Heute Pferderevision.

Meine anderen Briefe habt Ihr doch inzwischen erhalten. Ich und wir alle sind ja mächtig gespannt was es mit Griechenland wird. Über Urlaub habe ich leider noch nichts gehört, vielleicht komme ich auch nicht. Vater recht viel Besserung wünschend und Euch alle herzlichst grüßen schließt Euer Gustav

14. Dezember 1915

Liebe Eltern! Gestern erhielt ich Euer liebes Paket No 19. Meine Karte habt Ihr wohl auch erhalten, und habe Euch doch den Empfang der vorigen beiden Pakete bestätigt. Ich dank Euch für alle Pakete recht herzlichst. Bitte schickt mir bei nächster Gelegenheit etwas Schreibpapier mit, nur nicht so viel denn ich verschmutze es höchstens wenn es mit auf Reisen muß. In 10 Tagen ist ja nun schon Weihnachten und verlebt Ihr es hoffentlich recht vergnügt und bei bester Gesundheit. Gestern Abend haben wir unter uns eine kleine Übungsstunde mit Ziehharmonikamusik gehabt. Bitten möchte ich Euch noch um einige M zum Weihnachtsbier und grüßt Euch herzl. Euer Gust.

18. Dezember 1915

Liebe Eltern! Die große Wurst ist glücklich angelangt; auch die drei Weihnachtspakete habe ich bekommen jedoch Mutters Bitte gemäß noch nicht berührt. Alle Weihnachtssachen kommen zusammen in ein Paket u. werden aufbewahrt bis zum Feste. Auch den Empfang d. Käses u. des Fisches habe ich noch nicht bestätigt. Vor allen Dingen dank ich Euch für die schönen, reichlichen Geschenke herzlichst u. verzeiht bitte daß ich in d. letzten Zeit wenig geschrieben. Wir haben jetzt sehr wenig Zeit da sehr viel geschossen wird u. wir jetzt eine neue Stellung bezogen haben. Also die Sachen, ich meine die beiden letzten schmecken sehr gut u. ist wieder etwas anderes. D. Zigarettenetui habe ich auch erhalten u. wird sich mein Kamerad sehr freuen. Der Tabak, den Ihr mir zuletzt gesandt habt schmeckt tipp-topp.

Vater ist also doch viel ernster erkrankt gewesen als Mutter mir zuerst schrieb u. tut es mir sehr leid. Hoffentlich sind Vaters dumme Schmerzen bald weg, daß Ihr Weihnachten recht schön feiern könnt. Da denke ich eben an einen dummen Gedanken von mir. Nach Mutters Geburtstag hat ich immer das Gefühl als ob jemand krank ist zu Haus, ich vermutete erst es sei Mutter die erkrankt sei. So fällt wohl Vaters Krankheit gerade auf diese Zeit.

Mutter schreibt die Briefe wären im mit Bleistift [Sic!] geschrieben meine sind es ja auch immer. Ich freue mich doch von Euch Nachricht zu erhalten.

Mir geht es sonst noch sehr gut. Nächstens mehr. Ich wünsche Vater recht gute Besserung und hoffe doch im nächsten Jahr auf Urlaub zu kommen.

Mit herzl. Grüßen schließt Euer Gustav

20. Dezember 1915

Liebe Eltern! Heute morgen habe ich mich um 5 Uhr aus den Federn gewickelt. Ich konnte nicht mehr liegen; dauernd sausen mir die schönsten Urlaubsträume im Kopfe umher. Hoffentlich ist Vater zu Weihnachten wieder vollständig hergestellt und könnt Ihr Weihnachten recht vergnügt verleben. Mir geht es soweit sehr gut und haben wir immer unsere Beschäftigung. Die Sache bleibt immer dieselbe wir sehen uns vor einen Angriff feindlicherseits vermutend und befürchten einen von uns. Nun wünsche ich Euch ein recht fröhliches Weihnachtsfest und hoffe ich daß Ihr es im gemütlichen Beisammensein fröhlich verleben könnt. Mit herzl. Grüßen v. hier Euer Gustav

21. Dezember 1915

Liebe Eltern! Gestern Abend habe ich die beiden Zigarrenpakete und das ff. Mittagsbrot erhalten; ich danke Euch herzlichst dafür, auch für Vaters liebe Zeilen. Ich habe mich endlich gefreut wie ich auf einmal eine Karte von Vater geschrieben vorfand. Das ist ja sehr traurig, daß Vater nicht aufstehen kann zum Fest; aber wenn es geht ist doch der Stuhl hoffentlich zur Zeit angebracht. Mutter geht es wohl noch gut. V. Großv habe ich lange nichts gehört, ist er krank. Nun seid recht herzlichst gegrüßt und frohe Feiertage von Euerm dank. G.

21. Dezember 1915

21.12.15.

Liebe Eltern! Wie geht es Vater? Hoffentlich doch viel besser und vielleicht hat er den neuen Stuhl bei Erhalt des Briefes schon einmal eingeweiht. Ich möchte Vater so gern ein bisschen Gesellschaft leisten in den schlechten Tagen, aber leider geht es nicht. – Euer liebes Paket vom 14. mit Butter usw. (No 23) habe ich gestern Abend erhalten und dank Euch herzlichst dafür. Wir werden uns das alles recht gut munden lassen. Die Herzchen haben wir gleich auf frischer Tat verzehrt. Genau so wie es Euch geht geht es mir auch und muß ich oft an Euch denken, aber hier heißt es etwas anderes und darf man sich nicht von der Stimmung unterkriegen lassen, immer tüchtig hoffen. Wenn jetzt d. Krieg nicht gekommen wäre dann war alle vergangene Zeit vorbei und wäre alles wieder gut geworden. Aber lange dauerts nicht mehr dann müssen unsere lieben Nachbarn links u. rechts sich doch fügen und dann wird aber ein feines Wiedersehen mit einem dicken Friedenskuß gefeiert. Dann machen wir zusammen eine schöne Biertour zu Hause an unserm kleinen Tischchen mit der lange Piepe. Die Zeiten kommen alle wieder drum Kopf hoch der große Stromer kommt noch früh genug um Mutter die Speisekammer auszuräubern. Ich habe mir vorgenommen, daß Ihr zu jeden Feiertag einen Brief erhaltet, wenn nun die Feldpost fungioniert [Sic!] dann muß es stimmen. Nun bleibt recht gesund u. munter bis der alte Bengel wieder kommt und seid recht herzlich gegrüßt von Euerm Gustav

22. Dezember 1915

Liebe Eltern! Heute am 22. Früh um ½ 6 Uhr sitzt der Bengel bei einem schönen Feuer und schreibt. Ich konnte nicht mehr schlafen, da habe ich mich hochgemacht einen Feuer angezündet u. erhaltet Ihr dadurch bald wieder einen Brief. Wir haben heute Besichtigung im Fußdienst durch unseren Regimentskommandeur.

Gestern erhielt ich Euer liebes Paket vom 16. mit Biergeld, Zig. u. Pfefferminz, meinen herzl. Dank dafür. Die drei Pak. No 16, 17 u. 18 habe ich erhalten u. habe ich wohl eins vorgestern zu bestätigen. Gestern eine große Portion Weihnachtspakete angelangt u. wird Bengel seins wohl bei sein. Im nächsten Briefe mehr u. grüßt Euch Herzlichst Euer dan[k]b. Gustav

9. Januar 1916

Liebe Eltern! Bin glücklich in H. angelangt. Heute habe ich gleich eine Pferderevision mitgemacht und jetzt komme ich vom Munitionsfahren. Nun habe ich wenigstens meine Arbeit gleich am ersten Tage hinter mir. Nun solltet Ihr doch schnell noch einen Brief haben und dieser geht morgen früh um 8 Uhr mit der Post fort. Hoffentlich geht es Vater recht gut und ist Mutter gut nach Hause gekommen. Nun seid recht herzlichst gegrüßt von Euerm Gustav

8.1.15. [Anmerkung jw: Poststempel 9.1.16]

12. Januar 1916

Liebe Eltern! Jetzt bin ich ja glücklich wieder im alten Gleise. Gestern haben wir eine kleine Fahrübung gehabt. Für Vaters liebe Karte meinen herzlichsten Dank, sehe ich doch auch daraus daß Mutter gut nach Hause gekommen ist. – Angeblich sollen wir jetzt Engländer vor uns haben; die Schießerei ist ja auch eine verrückte. In meiner Abwesenheit haben sie wieder einen großen Teil von Lenz [Lens] zerschossen. Sonst geht es mir ja wieder gut und hoffe ich daß auch Vater jeden Tag kräftiger wird. Ich hatte nur noch keine rechte Zeit sonst hätte ich schon mehr geschrieben aber die ersten Tage ist alles mögliche. Nun möchte ich Vater noch den guten Rat auf Mutter aufzupassen daß sie nicht zu viel schnäpst; u. Mutter daß Vater nicht soviel raucht. Bleibt recht schön gesund und übt Euch schon langsam im Trinken ein auf einen herzhaften Schluck zum baldigen Friedensschluß. Joffre hat mir im Vertrauen gesagt er habe keine Lust mehr. Nun seid alle recht herzlichst gegrüßt von Eurem Gustav

13. Januar 1916

Liebe Eltern! Meine Briefe u. Karten habt Ihr wohl inzwischen erhalten und habt daraus gesehen daß das alte Sprichwort: Unkraut vergeht nicht sich bewahrheitet, denn der Lausebengel ist immer noch im Gange. Hoffentlich ist Vater auch wieder recht gut auf den Beinen und geht es Mutter gut. Damit Mutter nun kein böses Gesicht mehr macht schreibe ich jetzt recht oft. Wenn Vater sich nun  garnicht mehr zu helfen weiß, wo er nun allein ist so werde ich ihm brieflich ein bisschen helfen; vor Kummer über ihre beiden Jungen nimmt dann Mutter schnell wieder son kleinen Alten [Sic!]. Nun Schluß mit herzlichen Grüßen von Euerm Gustav

Lieber Vater! Vergiß das Trommelfeuer nicht; ich glaube es hilft. Die Engländer verziehen dann doch etwas schneller. Wieviel würden die Lehrkosten einer kurzen Lehrzeit bei dir betragen: Bitte um baldigen Bescheid möglichst mit Lehrvertrag.

Mit Gruß u. Kuß von Blanche

Euer Gustav

18. Januar 1916

Liebe Eltern!

Endlich ist einmal wieder anständiges Wetter bei uns. Natürlich sind die Flieger gleich mächtig am Gange. Mit und durch meine Brille habe ich ja jetzt ein klares Bild der allgemeinen Kriegslage. Leider hat sich dieselbe noch nicht viel geändert. Lenz haben sie immer noch kräftig unter Feuer; jetzt eben sind sie gerade wieder dabei und belegen es wieder mit schweren Geschossen. Im Nächsten Briefe und grüßt Euch herzlich Euer Gustav

18. Januar 1916

Liebe Eltern! Soeben haben wir unser Sonntagsmahl beendet und war das selbe heute sehr gut, denn wir haben selbst gekocht. Heute Morgen waren wir zur Kirche. Unser Hauptmann ist nun auch abgedampft bis zum 2. Feb. auf Heimatsurlaub.

Heute schicke ich die Blechdose ab mit diesem Brief.

Wie steht es denn mit Vaters Befinden, ich hoffe, daß er schon einen kleinen Parademarsch durch halb Hannover machen kann. Mutter Karl hat sich hoffentlich auch wieder erholt nach dem vielen Ärger. Ich muß bei jeden Brief, den ich schreibe immer an das Wort Vaters „Mutter mach den Finger gerade“ denken. Herzlichste Grüße von Euerem Gustav

19. Januar 1916

Liebe Eltern! Heute geht der Tag schon wieder früh los. Ein Fahrer von uns, der schon immer fahren sollte ist heute morgen um 4 Uhr weg gefahren. Der Mittelreiter bringt ihn und noch einen zur Bahn und noch einen zur Bahn und stehe ich dafür solange Posten v. 4-6 Uhr. Lieber wäre ich ja schon mit nach Deutschland gefahren, aber ich glaube da wäre Mutter gar nicht recht mit einverstanden wenn der Stromer wieder 12 Tage zum Dummheiten machen kommt. Jetzt wird auch erst mal Dienst gemacht und aufgepaßt, daß die Fr. u. Engl. nicht in Mutters Speisekammer geraten. Das besorgt nachher der Gustav mit seinem großen Magen. Hoffentlich geht es euch noch recht gut und habe ich an Petrus schon eine Note geschrieben u. wird das Wetter wohl bald besser werden in Deutschland. Nun seid recht herzlichst gegrüßt von Eurem Gustav

26. Januar 1916

Liebe Eltern! Meine herzlichsten Dank für Paket 34 u. 35. Es schmeckt schon großartig. In einem Brief morgen oder übermorgen mehr. Jetzt haben wir sehr viel zu fahren und nebenbei Gespannführer. Jeden Tag muß ich mit meinen Pferden raus. Sonst geht es mir noch tadellos und wie ich aus Euren lieben Briefen sehe Euch auch. Bleibt man immer so recht schön gesund und seid recht herzlich begrüßt von Eurem Gustav.

Zeit ist Geld. (Arbeiten – Geldverdienen)

28. Januar 1916

Liebe Eltern! Für heute nur einen kurzen Kartengruß. Ich hoffe, daß noch alles im besten Zuge ist zu Haus. Bei uns ist jetzt auch wieder ein wenig Leben. Hoffentlich seid Ihr auch so gesund wie ich und grüßt Euch herzlichst Euer Gustav

1. Februar 1916

Liebe Eltern! Gestern Abend fand ich Eure liebe Post vor und zwar das Paket m. Mockturtel und Mutters Brief v. 27.1. Für alles meinen herzl. Dank. Ich schreibe ich Euch heute wieder in Kürze; vielleicht morgen mehr. Wir sind gerade von Stellung gekommen und es ist schon reichlich spät. Mein Rauchvorrat ist jetzt zur Neige gegangen, außer der Tabak; da hätte ich ja gern wieder eine kleine eiserne Bestandsauffrischung. Auf den Selleriesalat bin ich auch schon mächtig gespannt.

Nun muß ich erst mal in mein Bette gehen, es ist die zweite Nach. Morgen mehr. Mit herzl. Grüßen E. G.

3. Februar 1916

Liebe Eltern! Paket m. H. gestern in tipptopp Zustande angelangt; schmecken großartig und werden heute alle. Dose sende ich dann zurück mehr im Brief.

Mit herzl. Grüßen verbleibe ich Euer Gustav

4. Februar 1916

Liebe Eltern! Ganz großartig hat d. Abendbrot gestern Abend geschmeckt und noch mal so schön habe ich geschlafen gestern. Geträumt habe ich von allem möglichen schönen, natürlich hatte ich den Schweinsbraten u. Sal. zu Hause verzehrt. Also alle guten Gaben kommen diesmal nicht von oben sondern von Han., denn heute Abend kam schon wieder eine Dose Salat an. Diese Dose habe ich ganz bescheiden in zwei Teile gemacht heute u. morgen Abend. Mutter schreibt: Da gab sie… da meint Mutter wohl ihr Fräulein. Unangenehm auffallen tut eine Ctr. od. F. sendung nicht denn sehr viele vom Lande bekommen reichlich geschickt davon. Im nächsten Briefe mehr. Mit recht herzlichen Grüßen von Euerm Gust.

4. Februar 1916

Liebe Eltern! Wie ich schon im vorigen Briefe schrieb liegt der Grund nicht an der Unannehmlichkeit sondern ist es lediglich der Grund sparsam zu sein, welches uns junge Kerls leichter wird als den Familien in Deutschland.

Mutter ist jetzt wieder viel allein und wird sie sich manches Mal recht einsam fühlen. Aber immer den Kopf hoch meine Offensive schmeißt die Kiste, wenn sie man erst los ginge. Die Hauptsache ist, daß Trommeln immer gut fungioniert [Sic!], dann bleiben wir auch lebst gesund. – Bei uns ist auch mäßiges Wetter; wir haben jetzt auch die großen Gasschutzmasken bekommen und kann es los gehen. Ich hoffe doch, daß es Euch allen recht gut geht, Vater sich auch nicht wieder krank arbeitet, und seid herzlichst gegrüßt v. Euerm G.

4.1.16 (II). [Anmerkung jw: Muss laut Poststempel 4.2.1916 sein]

21. Februar 1916

Liebe Eltern! Meinen Brief von gestern habt Ihr wohl schon erhalten. War ja nur ein Wunschbrief. Jetzt wird es hoffentlich wieder etwas besser. Unsere Batteriestellung wird ja auch umgebaut. Da heißt es fleißig Kies und Sand, Zement und Eisen fahren.

Etwas weniger Munition haben wir ja jetzt zu fahren, denn darin nimmt uns die Feldbahn einen Teil ab. Nur dadurch daß wir selbst bauen gibt es soviel zu tun. Hoffentlich geht es Euch noch recht gut und ist alles noch bei bester Gesundheit. Euch alle herzlichst grüßend verbleibe ich Euer Bengel Gustav

21.2.16.

23. Februar 1916

23.2.16.              6.

Liebe Eltern!

Butter, Wurst u. Mittagsmahl war gut angekommen; auch der Schweiz. Emmenthaler hat keinen Schaden gelitten. Für alle Sendungen dank ich Euch herzlichst. Wie geht es Euch denn noch; hoffentlich recht gut geht. Über mein Befinden und Appetit kann ich ja auch gerade nicht klagen. Für gute Verdauung sorgt das tägliche Flachrennen. Nachher geht’s wieder los ¾ 3 bis 415 Beine raus, Knie durchdrücken. Vater weiß ja Bescheid.

Ist Großvaters Befinden schon wieder besser. Mit herzlichen Grüßen schließt Euer Gustav

5. März 1916

Liebe Eltern! Leider mußte ich gestern Abend fort und heute Abend auch. Da will ich Euch schnell eine Karte schreiben und muß ich Euch mit dem angekündigten Brief auf morgen vertrösten. Mit den herzlichsten Grüßen verbleibe ich Euer Gustav

19. März 1916

Liebe Eltern! Für die übersandten Pakete meinen herzlichsten Dank; Morgen Abend schreibe ich Euch einen Brief, bis dahin nur diese kurzen Grüße. Hoffentlich ist alles noch wohlauf. Mir geht es auch gut und grüßt Euch herzlichst Euer Gustav

21. April 1916

21.IV.16.             22.

Liebe Eltern! Vorm verderben u. umkommen ist der Inhalt des Paketes No 87 glücklich bewahrt, denn er ruht schon in unergründlichen Tiefen . Nun kann ich doch aber behaupten das Mutters Kochkünste immer noch dieselben sind und ich garnicht so abgeneigt bin wenn ich jetzt nach Hause könnte um Mutters Speisenkammer zu räubern.  Meinen herzlichsten Dank für die liebe Sendung und der liebe Brief von Vater. – Mir geht es wie Ihr seht noch tadellos und wünsche ich, daß auch Ihr so gesund und munter seid. Nun seid recht herzlichst gegrüßt u. bedenkt von euerm Jungen

22. April 1916

Geschrieben, den 22.April 1916.

Liebe Eltern!

Meinen Brief von gestern habt Ihr hoffentlich bei bestem Wohlsein erhalten. Ich wünsche Euch was ich ganz vergessen ein recht fröhliches Osterwetter als wie hier augenblicklich ist. Heute dachte ich zu meinem Schrecken erst daran daß morgen schon Ostern ist darum in Eile eine Karte. Es grüßt Euch und Großvater Euer Gustav

23. April 1916

23.IV.16.             22

Liebe Eltern! Der Himmel hat doch Einsehen gehabt und uns mit einem schönen Osterwetter beglückt. Hoffentlich habt Ihr in Deutschland auch so schönen Sonnenschein. Meine Karte ist doch wohl zu spät gekommen, man kommt hier ganz aus der Zeitrechnung. Großvater und Onkel habe ich keine Karten gesandt, da wir doch unsere Post die so schon genug zu tun hat nicht noch unnötig Arbeit aufbürden dürfen. Habt Ihr d. Feiertage recht schön verlebt, bei uns ist es nicht allzu viel Unterschied da die Arbeit doch nicht liegen bleiben darf; aber etwas weniger Dienst gibt es heute doch. Nun lebt recht wohl u. seid herzlichst gegrüßt v. Euerm Sohn

30. April 1916

30.IV.16.             25.

Liebe Eltern! Habt Ihr meinen Brief No 24 erhalten, denselben habe ich abgestempelt sofort nach d. Post getragen. Nun will ich heute Eure lieben Briefen, die schon einen kleine Haufen bilden beantworten. Wir waren jetzt voll Freude, daß unsere kleine Festung bald fertig; jetzt müssen wir schon wieder raus und eine neue Stellung bauen. So beginnt der Sport von neuem. Diese Woche bin ich doch um einige Pfund leichter geworden. 4 Nächte habe ich mich draußen rum getrieben, es war ja wunderschönes Wetter und machte es Spaß des Nachts. Jetzt ist die Sommerzeit bei uns, 5 Uhr raus aus den Federn bis abends 8 Uhr Dienst. Darum seid Ihr auch in der letzten Woche etwas zu kurz gekommen.

Also Eier u. Butter auch der Kuchen waren ein feines Festtagsessen und habe ich sie mit d. größtem Wohlgefallen verdrückt. Das Kraftfleisch hat mir in dieser Woche auch vorzüglich geholfen die Keks haben mir auch sehr gut geschmeckt. Wie mir der Sellerie geschmeckt unterliegt ja keiner Frage und auch der Braten war tipp-topp. Nur dürft Ihr davon keinen wieder schicken. Die Pakete sind 5 Tage unterwegs und ist schon eine anständige Hitze, ich glaube da könnte es leicht einmal 1 Flucht denken. Dafür könnt Ihr aber irgend welchen Fisch nur möglichst nicht in der roten Sauce, ich komme augenblicklich nicht auf den Namen der Frucht, senden. Den langersehnten Tabak habe ich natürlich auch erhalten. Für alles nochmals meinen herzlichsten Dank, aber das dicke Ende kommt erst, der große Wunschzettel. Mutter möchte ich bitten auch Zeug für Fußlappen zu kaufen u. zurecht zuschneiden. Strümpfe reiße ich bei diesem Wetter alle Tage und sind Fußlappen auch angenehmer am Fuße. Umsäumt brauchen dieselben nicht zu sein nur einfache Lappen. Dann muß ich zum zweiten Male in diesem Kriege um ein Taschenmesser bitten denn meins ist mitten durch gebogen. In den nächsten Briefen oder Paketen möchte ich Mutter auch um Beilage einiger Mark bitten zu meinem Geburtstage, sodaß ich zusammen 15-20 M hier habe.

[Rest fehlt!]

1. Mai 1916

24.

Liebe Eltern!

Heute wieder nur einen so kurzen Brief, aber ich komme jetzt garnicht dazu Euch immer sofort zu antworten da man mich zwecks Entfettungskur jetzt ordentlich bewegt. Paket mit Tabak, Eier, Kuchen, Braten u. Sellerie habe ich erhalten und dank Euch recht herzlich dafür. Sobald ich Zeit habe schreibe ich Euch einen ausführlichen Brief, hoffentlich morgen u. beantworte Euch alle die lieben Briefe. Bis dahin nehmt meinen herzlichsten Dank gnädig an. Ich hoffe, daß es Euch recht gut geht. Bei diesem schönen Wetter lebt man wieder ordentlich auf. Nun grüßt Euch alle herzlichst Euer Gustav

3. Mai 1916

3.V.16.                  26

Liebe Eltern! Unsere liebe Feldpost beglückt mich jetzt recht oft mit Nachrichten aus der Heimat! Gestern erhielt ich Sendung No 95 und heute No 96, sowie einen Brief von Großvater, und die Marmeladensendung ist auch glücklich angelangt. Für alle Pakete sowie die lieben Briefe meinen herzlichsten Dank. Heute Abend sitze ich her auf Wache und kann den Abend und die schöne Nacht so herrlich genießen. Augenblicklich geht es recht lebhaft zu und ist es ein hübscher Anblick von hier. Etwas dunkel ist es schon und vorn blitzen die Leuchtkugeln und Einschläge, auch Abschüsse in kurzen Abständen auf. Bei solch klarem Wetter hört man jeden Infanterieschuß in weiter Entfernung. Mir fehlt das Talent die Eindrücke in Worte zu kleiden um Euch eine solche schöne Maiennacht zu beschreiben. Es kamen einem da so komische Gefühle. Einerseits bedauere ich die schönen verlorenen Tage auf fremden Boden, andererseits fühle ich mich doch stolz auch mit helfen zu dürfen an dem großen Werk der Verteidigung unserer lieben Heimat vor allem alle Lieben zu hause vor dem Greuel eines solchen Krieges zu bewahren. Das Donnern der Geschütze heimelt einem jetzt orndlich [Sic!] und prickelt es in allen zehn Fingern in Erwartung der kommenden Dinge, wenn dieser Monat ist doch Anfang des großen Sommerkrieges. Wollen wir hoffen, daß wir uns nachdem allen glücklich und zufrieden bei Muttern wiedersehen.

Vaters süßen Grüße habe ich also erhalten und hat es mir nur noch an Zeit gemangelt Vater ob seines Riesenhungers zu bedauern. Ich bezweifle aber noch sehr stark daß unsere liebe Küchenmutter einen von uns verhungern läßt. Die Grüße waren aber auch in Wirklichkeit sehr süß denn etwas flüssige Marmelade hatte doch ein Bächlein gefunden und sich an Vaters Karte rangemacht. – Schön im nächsten Briefe muß ich wieder von Vaters großen Appetit lesen, ich glaube Vater will das Versäumte nachholen; aber tüchtig essen und Schießübungen erhält Leib und Seel und sind daran wohl noch keine Menschen krank geworden. Mutter kann nur von Glück sagen, daß ich Schreihals nicht auch noch zu Haus bin. – Zwei der Eier werde ich morgen nach überstandener Nachtwache verdrücken und mich dadurch sofort wieder erholen.

Als Wachhabender hat man jetzt nämlich die schönen Aussichten wenn alles gut klappen soll mit Wecken und Bestellen des Nachts, auf zu bleiben. Das heißt bei diesem herrlichen Wetter ist das ein Vergnügen immer schöne Gelegenheit alle lieben Sendungen zu beantworten. Mit dem Backen der Eier wird natürlich nichts, sondern die Butter wird zu Brot gegessen und die Eier ebenfalls gesondert. Mit solchen raren Artikeln darf man doch nicht so verschwenderisch verfahren. Bei meinem furchtbaren Magenleiden fand ich es angebracht daß eine starke Dosis von Magenpulver nötig ist um Beschwerden gründlich für eine Zeit zu entfernen und habe ich dasselbe schon so eines nach dem anderen verputzt, nun hat die liebe Seele wenigstens Ruhe  und ist die Zuckertasche leer. Das Pfeifchen schmeckt immer noch recht gut und ist das wohl ein Zeichen das meine Gesundheit durch das zeitweilig auftretende Magenleiden nicht gelitten hat. Nu ist aber Schluß sonst kommt Mutter überhaupt nicht zum Kaffeetrinken. Recht herzliche Grüße sendet Euch Euer Sohn Gustav

9. Mai 1916

9.V.16. 28.

Liebe Eltern! Jetzt haben wir hier seit einigen Tagen kühleres Wetter verbunden mit etwas Regen. Mit unserer Arbeit hat es ja nun etwas nachgelassen. Unsere neue Stellung liegt an der Kleinbahnstrecke da erspart uns dieselbe sehr viel Fahrerei. – Etwas lebhafter ist bei uns schon geworden, aber abgesehen von Trichtergefechten oder Patrouillengeplänkel haben unsere Feinde noch nichts rechtes gewagt. Die feindliche Heeresleitung sieht in diesem Jahre so schwankend und unschlüssig aus, sie wollen noch nicht ran an Speck. Nun seid herzlichst gegrüßt von Euerm Lausebengel

20. Mai 1916

20.V.16.

Liebe Eltern! Heute gibt es zur Abwechslung einen Kartenbrief. Hier ist immer noch das schönste Sommerwetter und hört das Gesumme in der Luft überhaupt nicht mehr auf. Gestern Abend hatten wir noch ein schönes Schauspiel in der Luft, ein feindlicher Flieger hatte sich reichlich weit nach hier gewagt und fast mitten im Artilleriefeuer, aber er gewandte Führer wußte immer wieder auszubiegen. Plötzlich schoß aus einer Wolke ein Flieger von uns auf den feindlichen herunter wie ein Habicht. D. f. Fl. machte sich dann auch sofort dünne leider ist er wohl doch noch entkommen. Heute habe ich zwei Pakete abgeschickt. Nun schließt mi d. herzl. Grüßen Euer Gust.

30. Mai 1916

Liebe Eltern! Alle Eure lieben Pakete habe ich erhalten und danke Euch recht herzlichst dafür. Ich kann Euch leider heute nur einen kurzen Kartenbrief schreiben bin in diesen Tagen noch garnicht zur Ruhe gekommen. Vergangene Nacht gefahren und zum Geburtstagstage gerade Pferderevision, dann morgen um 8 Uhr große Geschirrbesichtigung feldmarschmäßig u. Übungsfahren, übermorgen Abteilungsübung. Morgen hoffe ich jedoch einige Zeit abknappsen zu können, ich muß mich ja ordentlich schonen von allen Seiten und vor allen Dingen von Euch so reichlich beschenkt und dann einmal bedanken dafür. Also morgen ausführlicher, vorläufig einen herzlichsten Dank auch für die lieben Briefe und Geburtstagswünsche, ebenfalls die Einlage von Vater. In den nächsten Tagen wenn es einmal Bier gibt wird auch eins genommen. Bei uns ist das Bier jetzt noch viel sparsamer und ist das ja keine Schande. Nun muß ich schließen mein Geschirr in tadellose Verfassung versetzen damit der alte Krieger nicht auffällt. Seid recht herzlichst gegrüßt von Euerm Gustav

7. Juni 1916

Liebe Eltern! Heute brachte mir die Feldpost Euren lieben Brief und Paket No 17 mit einer feinen Mettwurst. Für beides meinen herzlichsten Dank mein Bauch hat ordentlich gelacht als er so etwas seltenes sah.

Ja, das glaube ich das bei solch großen Erfolgen unsererseits jeder in der Heimat an einen baldigen Frieden glaubt. Jedoch ganz so schnell wird es doch nicht gehen. Unser Seesieg ist ein großartiger Erfolg und mehr wert als eine große genommene Landschlacht denn hierbei haben doch nur die lieben Nachbarn und Seebeherrscher eins aufs Dach gekriegt. Das macht unsern lieben Kameraden zur See soleicht [Sic!] keiner nach und müssen wir beinahe neidisch auf sie herabsehen. Hier im Westen haben sie auch gerade eins auf ihr großes Maul bekommen und sagt der Heeresbericht auf gut Deutsch sie rückten schon bevor unsere Infanterie ankam aus.

Wir üben uns schon zur Friedens- oder Einzugsparade. Jeden Tag wie in der Garnison Fahrübung und die anderen Fahrern dann noch nebenbei. Hoffentlich dauerts nicht zu lange und findet die Besichtigung bald statt, dann gibt es wieder gibt’s nachricht [Sic!]. Morgen mehr und mehr Ruhe.

Seid herzlichst gegrüßt u. bedankt von Euerm G.

Nun hat Wunschmacher wieder Wünsche und zwar möchte ich um ein Putzzeug bitten. Eine scharfe Striegel, ähnlich des vorigen nur größer und eine Kartätsche, auch wie die damalige aber auch größer und dichter. Letztere wird wohl teuer sein jetzt 4 M ungefähr, aber mit meinem Brett bekommen nichts mehr runter und neue [Rest fehlt!]

16. Juni 1916

Liebe Eltern! Jetzt ist endlich der Tag der großen Besichtigung heraus, also Montag ist der berühmte Tag. Vater wird ja derartige Tage auch etwas kennen und wird wissen mit welchem Mordsaufruhr diese Tage vorbereitet werden u. mit einer halben Stunde ist die ganze Geschichte beendet.

Hoffentlich fällt alles gut aus und ist es bald vorüber.

Im Hause Klieber ist doch noch alles in bester Ordnung und seid Ihr alle munter und gesund wie ich.

Für heute muß ich Schluß machen, nach der Besichtigung wird das Versäumte wieder nachgeholt. Mit herzl. Grüßen Euer G.

19. Juni 1916

Liebe Eltern! Endlich ist die große Besichtigung vorüber und hat das Fahrerkomitee der 4. Batterie mit einem glänzenden Lob abgeschnitten. Eure lieben Pakete habe ich erhalten, Putzzeug und auch Schweinefleisch; für alle meinen herzlichsten Dank. In einigen Tagen wenn es geht morgen schreibe ich Euch näheres.

Heute meinen herzlichsten Dank für die lieben Briefe u. Pakete.

Gestern erhielt ich von der Redaktion d. Hannov. Tageblatts eine Rechnung über Juni u. Juli. Ist dies noch nicht bezahlt oder ist es ein Irrtum d. Redakt.

Nun seid recht herzlichst begrüßt u. bedankt von Euerm Gustav

Das Putzzeug ist sehr gut, Mutter hat fein eingekauft.

19.6.16.

25. Juni 1916

43.         24.6.16.

Liebe Eltern!

Vorgestern habe ich Büchsen mit Braten und Rhabarber erhalten u. danke Euch recht herzlich dafür. Meinen kurzen Brief von vorg. habt Ihr wohl auch inzwischen bekommen. – Ich vermisse nach Euren Briefen Kuchenpaket sowie das mit dem Pfingstbraten, dieses Mal habe ich versäumt nach der No zu sehen. Wie ich schon schrieb erhielt ich von Han. Tageblatt eine Rechnung über Juni u. Juli, seit drei Tagen erhalte ich sie täglich doppelt, da scheint auch keine rechte Ordnung zu herrschen. – Einige Photographien des abgestürzten Flugzeuges Immelmann sende ich in den nächsten Tagen; augenblicklich sind sie alle vergriffen. Heute ist unser Stangenreiter vom Hochzeitsurlaub wieder gekommen und gibt es jetzt wieder weniger Arbeit. 2 od. 3 Paar alte Strümpfe sendet mir bitte, bei diesem Wetter muß ich öfters wechseln. Also bis morgen oder übermorgen; jetzt schreibt der Lausebengel wieder fleißiger. Mit recht herzlichen Grüßen schließt Euer Junge

26. Juni 1916

44.

Liebe Eltern!

Heute ist ein etwas ruhigerer Sonntag als der vorige, auch scheint das Wetter heute schön zu bleiben. Der Sonnenschein ist aber auch sehr nötig, man merkte garnicht das es schon Sommer ist. Gestern Abend erhielt ich Euer liebes Paket mit rauchigem Inhalt und habt herzlichsten Dank für dasselbe, sowie den lieben Brief. In meinem Briefe bat ich um Tabak und kaum war er fort da hatte ich das Gewünschte in der Hand. Die dom. Zig. Ist eine sehr preiswerte angenehm u. gut schmeckende Zigarret. Bald wird nun das Rauchige im Preise anständig steigen und muß man sich auch darin etwas mehr einschränken. Großv. u. Tante habe ich gestern geschrieben. Im nächsten Briefe hoffe ich euch die versprochenen Photographien senden zu können. Für heute die herzlichsten Sonntagsgrüße von Euerm Gustav

28. Juni 1916

45.

Liebe Eltern!

Jetzt ist Sonntag bei uns langsam in Bewegung gekommen. Die Fliegerei ist außerordentlich rege meistens kommen sie in Geschwadern. So mancher geht ja hops durch unsere Fokker; das Neuste sind jetzt Brandbomben mit einer gemein scharfen Flüssigkeit, auch die Artillerie scheint wieder frischen Nachschub erhalten zu haben zum Teil eine sehr tolle Marke, 30 Schuß, 6 explodiert. Wenn die Herren Engländer hier in der Nähe einmal angreifen sollten können sie sich aber doch mal vorsehen; so wie im Herbst können sie es aber nicht wieder machen. Vorgestern glaube ich haben sie erst ihren Allerwertesten vollgekriegt, ebenfalls heute Nacht.

Nun Schluß für heute und seid herzlichst gegrüßt von Euerm Gustav

5. Juli 1916

5.7.16. 60 [Anmerkung jw: Nummerierung des Briefes nicht schlüssig!]

Liebe Eltern!

Gestern Abend habe ich Euer liebes Paket mit Kuchen und Mutters lieben Brief erhalten, ich danke Euch herzlichst dafür. Im allgemeinen hat sich hier recht wenig geändert. Dauernd ohne Unterbrechung erfolgt Angriff u. Gegenangriff. Gestern und vergangene Nacht waren zwei recht starke Angriffe, aber sind im allgemeinen gut abgeschlagen.

Das Wetter ist ja immer einigermaßen und wollen wir wünschen daß es noch recht lange so bleibt, damit unsere Ernte gut ins trockene kommt. Morgen oder über Morgen wieder mehr, wenn es auch nur wenig ist aber doch wenigstens jeden Tag etwas.

Nun seid recht herzlichst gegrüßt von Euerm Gustav

7. Juli 1916

48.

Liebe Eltern! Wie schon auf der Karte schrieb habe ich heute Pak. No. 37 erhalten. – Es könnte jetzt der Fall sein, daß wir Post des öfters gesperrt würde oder wir keine Zeit bekommen zu schreiben so macht Euch keine unnötige Sorge, denn sollte etwas passieren so erhaltet Ihr doch sofort Nachricht. Mit solchen Gedanken braucht man sich ja aber nicht abzugeben denn es hat bis hierher gut gegangen und wird schon weiter gut gehen. Also näheres kann und darf ich ja auch nicht schreiben. – Um Tante Lenis Hund ist es ja recht schade, aber besser töten als lange quälen. Der Mißerfolg an allen Fronten der Österreicher ist ja recht traurig u. verdirbt das unsere ganzen Anstrengungen. Nun will ich schließen für heute, morgen ist Übungsanspannen der gesamten Batterie u. Bagage. Nun seid recht herzlich gegrüßt v. Euerm Jungen

8. Juli 1916

8.7.16.                 49.

Liebe Eltern!

Schon seit einigen Tagen habe ich nichts von Euch gehört und geht es Euch vielleicht ebenfalls so mit meinen Briefsachen. Es ist eben mal wieder Krieg und will jetzt vorm Winter noch etwas erreichen.  Bis jetzt haben die Engländer und Franzosen bei uns ja noch gerade keine ihren Anstrengungen entsprechende Vorteile erreicht nicht einmal das was die Russen erreichen konnten. Ich glaube es liegt doch an der Truppe die feststeht oder nicht, denn da können die Russen mit ihrer Munition und Mannschaftsverschwendung doch nicht dran tippen an 5 tägiges Artilleriefeuer hier im Westen. Vielleicht gucken wir uns bald den Sport auch wieder an. Hoffentlich geht es Euch noch recht gut was ich auch in jeder Beziehung noch von mir behaupten kann und seid recht herzlich gegrüßt v. Euerm Gustav

23. Juli 1916

23.7.16.

Liebe Eltern!

Gestern habe ich Eure lieben Pakete erhalten mit Bohnensalat u. Roulade, ich danke für das Übersandte und die lieben Briefe herzlichst.

Wo wir uns aufhalten habt Ihr wohl aus dem Deutschen Heeresbericht v. 19. d. M. erfahren. Es geht hier immer noch recht lebhaft zu, aber hat sich nun doch wenigstens das Wetter gebessert und hoffentlich hält es an. Mir geht es ja noch den Verhältnissen entsprechend gut und hoffe ich, daß auch Ihr bei recht guter Gesundheit seid. Wie geht es Großvater.

Bitte grüßt ihn von mir. – Ein klein wenig hatte sich an dem letzten Tage das Feuer gemildert aber heute geht es mit frischen Kräften dran und wird die zweite große Schlacht dieses Tages erwartet.

Allem Anschein nach bekommen sie dieses Mal schwächliche Ziele. Nun schließt mit herzlichsten Grüßen Euer Junge

26. Juli 1916

26.7.16.              60

Liebe Eltern!

Birnencompot und Braten tadellos angekommen, ich danke recht herzlichst für die übersandten Pakete und Mutters Brief. Die Birnen haben großartig geschmeckt da hat das Fleisch auch keinen Schaden gelitten. Natürlich mußt ich solchen schönen Braten schnellstens verdrücken; denn hier ist das beste Hochsommerwetter, regnen tut es äußerst wenig da ist das Einfahren jetzt von früh morgens bis abends im besten Gange. – Die Ballerei rechts von und ist wieder im vollsten Betrieb; wie lagen diese Schlacht eigentlich noch andauern soll möchte ich einmal wissen und was dann werden soll. Für heute will ich schließen und grüßt Euch hoffend daß Ihr noch recht hübsch gesund seid, herzlichst Euer Junge

29. Juli 1916

Liebe Eltern! Meinen Brief von gestern habt Ihr doch hoffentlich inzwischen erhalten u kommt auch hoffe ich dieser zur rechten Zeit. Wir erhalten jetzt wegen voraussichtlich Abmarsch keine Post, und es würde mich recht ärgern wenn meine Glückwünsche zu spät kämen. Mir geht es noch recht gut u. die Gerüchte über unsern Verbleib sind noch so grundverschieden daß man nichts darüber sagen kann. Vorläufig greifen die Feinde noch recht tapfer an. Gestern Nacht haben wir glücklich noch bis ½ 2 Uhr hinter der Batterie in einer wenig beneidenswerten Lage gehalten aber sie wollten uns sicher nicht treffen sondern nur bange machen. Heute Nachmittag heißt es Munition fahren u. bleiben wir voraussichtlich zur Reserve hier. Nun wünsche ich, daß es Euch recht gut geht, ihr bei bester Gesundheit seid nun meine Schweinerei entziffern könnt.

Meinem lieben Vater wünsche ich nun zu seinem Geburtstage eine recht lange und gute Gesundheit und recht langes Leben, daß wir alle nach einem glücklichen Ende in Lust u. Freude vereint im Hause Klieber bei Muttern recht lange u. viele Jahre verbringen können.

Weiter kann ich ja meinen lieben Vater nichts zu seinem Geburtstage senden aber dies wenige kommt ebenso von Herzen ebenso wie alle Geschenke.

Nun seid herzlichst gegrüßt i. einen dicken Geburtstagskuß für Vater von Eurem Jungen

1. August 1916

1.7.16. [Anmerkung: Poststempel 3.8.16]            67

Liebe Eltern!

Morgen werden es nun zwei Jahr, daß wir uns zu der großen Reise vorbereitet haben und abmarschierten und immer noch kann man nicht sagen wann es ein Ende nimmt. Man kann ja unmöglich glauben, daß es noch länger dauert, denn dieses ist doch ein Ringen wie es die Welt noch nicht gesehen hat; auch sind diese Verluste an Menschenleben in Jahrzehnten nicht wieder ersetzt. Uns jagen die Engländer auch an einem Platz auf den andern, einmal sind es die Flieger mir ihrem Eierlegen (Enfanterie [Sic!] ist garnichts dagegen) und das andere Mal bepulvern sie uns mit einer schweren Sorte Granaten. Gestern haben wir leider auch wieder 4 Mann und 5 Pferde Verluste gehabt, und waren nun gezwungen gestern Abend ein neues Biwak zu beziehen. Die Verluste im Schützengraben sind jetzt nicht mehr ganz so arg wie im Anfang und kommen wir glaube ich bald hier aus dieser windigen Ecke. Sonst geht es mir wie Ihr sehr noch ganz gut und grüße ich Euch recht herzlichst Euer Gustav

5. August 1916 [Poststempel]

2.7.16. 58 [Anmerkung jw: Datum und Briefnummer nicht schlüssig]

Liebe Eltern!

Seit dem 24. haben wir schon keine Post erhalten, unsere Feldpost hat uns vollständig verlassen, sie liegt hinten an der belgischen Grenze. Heute hoffen wir nun stark, daß wir einige Nachrichten von zu hause erhalten.

Bis jetzt haben uns die Engländer in Ruhe gelassen, nur die Flieger schwirren dauernd hin und her über uns. Unsere Flieger haben doch mächtig versagt bei dieser Offensive, viele kamen nicht über den Graben, dafür sind die feindlichen desto frecher.

Das Wetter ist recht passen für die Ernte, bei Euch in Deutschland ist es wohl das gleiche sonnige u. trockene Wetter und muß das Korn jetzt wohl mit Gewalt reif werden. Für heute will ich schließen und mich noch ein bisschen ausstrecken, heute Nacht war ich oben in Feuerstellung und bin dadurch um meinen schönen Schlaf gekommen. Nun grüßt Euch alle recht herzlichst Euer Gustav

10. August 1916

10.8.16.              69

Liebe Eltern!

Heute Abend (9.) ist die Dose ff. Wurst eingetroffen die ist aber großartig und habe ich gleich ein paar Stullen mehr verdrückt. Gestern Abend erhielt ich die Dose mit Heringen und Vaters liebe Karte aus Magdeburg. Für alles danke ich Euch recht herzlich. Mutters lieben Brief beantworte ich in den nächsten Tagen aus führlicher. Wir müssen jetzt die paar schönen Tage wahrnehmen und da sind wir von morgens 8 – abends 9 Uhr auf dem Acker und unser Licht ist uns hier vollständig aus gegangen, gibt auch rein gar nichts zu kaufen. Das heißt wir kömmen voraussichtlich doch bald in andere Gegenden mitte dieses Monats treten wir allen Anschein nach eine größere Reise an. Nun seid recht herzlichst gegrüßt von Euerm Gustav

11. August 1916

Liebe Eltern!

Jetzt wird sich unsere Hoffnung die ich im letzten Briefe äußerte erfüllen. Dadurch stockt die Post wieder etwas, aber morgen hoffen wir regelmäßig Post wieder zu erhalten. Für heute nur diese kurzen Kartengrüße, in den nächsten Tagen mehr. Hoffend, daß Ihr bei bester Gesundheit seid grüßt Euch herzlichst Euer Gustav

28. August 1916

28.8.16                65

Liebe Eltern!

Soeben erhalte ich Euer liebes Paket vom 23. mit Zigaretten und einer Dose Schmalz. Nun habt Ihr glücklich einmal etwas Schmalz erwischt da müßt Ihr es natürlich gleich Euerm undankbaren Lausebengel schicken anstatt es selbst zu essen. Das macht ja nicht wieder, denn ich kann es schon eher verschmerzen, junges Gemüse kommt doch durch. Also meinen herzlichsten Dank für Euern lieben Brief und Paket. Mit dem Frieden wird wohl nichts Rechtes werden in diesem Jahre; aber auf Urlaub möchte ich doch gern einmal kommen. Wenn man  andere Kameraden fahren sieht, dann kommt doch so ab und zu das böse Heimweh wieder, welches aber beim alten Krieger mit einem herzhaften Ruck verschwinden muß.

Der Fettfleck ist vom neugelieferten tollen [unleserliches Wort]

Jetzt haben wir seit 3 Tagen Regenwetter und pflügen fleißig nebenbei Dünger fahren. Die Seife von Tante habe ich erhalten und schrieb doch vor längerer Zeit einen Brief. Hat Tante dies nicht erhalten?

Hoffentlich geht es Euch noch recht gut und seid hübsch gesund. Nun muß ich schließen mit den herzlichsten Grüßen von Euerm faulen Jungen

5. September 1916

5.9.16. 68.

Liebe Eltern!

Gestern Abend erhielt ich Euer liebes Paket mit Eiern und Brief sie sind sehr gut angekommen und ich dank Euch für beides recht herzl. Das Wetter ist bei uns trübselig wie in Deutschland und steht der größte Teil unserer Ernte auch noch auf dem Felde.

Daß muß aber hübsch sein wenn Vater einmal zu Haus ist und Familie Klieber zusammen.

Etwas gedrückte Stimmung herrscht ja immer noch bei uns und ist es schließlich nicht anders bei solchen Ereignissen zu erwarten; aber es wird schon bald wieder besser werden.

Nun seid alle recht herzlichst gegrüßt von Euerm Gustav

12. September 1916

12.9.16.              70

Liebe Eltern!

Euer lieber Brief vom 8. d. M. hat mich gestern Abend erreicht, auch der Inhalt dazu. Ich danke Euch für beides recht herzlich. Im vorigen Brief habe ich Euch, glaube ich, den Empfang des Geldes nicht bestätigt, auch dasselbe habe ich bekommen. Von unserer Wanderlust habt Ihr wohl Kenntnis genommen, wohin? Da gibt es wieder Gerüchte und stimmen tut wohl keins richtig.

Der Erfolg in Rumänien ist sehr schön, hoffentlich folgen dem bald noch recht viel. Die Bulgaren und Türken sind überhaupt bessere Soldaten als die Österreicher, bei denen vergeht jetzt kein Tag, andem sie nicht aus strategischen Gründen ein Stück aufgegeben haben.

Nun seid herzlichst gegrüßt von Eurem Gustav

17. September 1916

17.9.16.

Liebe Eltern!

Mutters lieben Brief v. 12. habe ich gestern erhalten; auch den Inhalt von 1 M. Ich danke Euch herzlichst dafür. Wir sind heute auf dem Marsch nach dem Punkte, andem [Sic!] wir vor 4 Wochen waren; heute Abend geht es schon in Stellung. Unsre Post fungioniert [Sic!] natürlich wieder nicht mehr und gebe ich den Brief einem Kameraden von einem andern Truppenteil damit Ihr wenigstens fürs erste etwas habt. Mit dem Gelde macht es nur so, daß Vater u. Onkl [Sic!] hat doch einen besseren Überblick als ich über derartige Sachen. Es geht heute recht in Eile und muß ich mit diesen wenigen Zeilen schließen; bleib hübsch gesund in den nächsten Tagen wird der Bengel wohl nicht schreiben können und seid herzlichst gegrüßt von Euerm Gustav.

Bitte lieber ab u. zu einen Brief denn der kommt eher als Pakete an.

22. September 1916

22.8.16.

Liebe Eltern!

Eure liebe Rauchsendung mit Brief habe ich gestern Abend erhalten und dank herzlichst dafür. Dieses Mal geht unsere Post noch recht regelmäßig und bleibt es auch hoffentlich. Unsere Wanderschaft ist schon seit mehreren Tagen beendigt und sind wir glücklich an einer recht lustigen Ecke angelangt.

Eingezogen wird scheinbar jetzt alles bis auf den letzten Mann, ich bekam erst einen Schreck, ich glaubte schon Vater sei auch weg. Dieses wollen wir natürlich nicht hoffen. Mir geht es den Umständen entsprechend noch recht gut und wünsche ich auch daß Ihr allzeit recht hübsch gesund bleibt. Euch alle herzlichst grüßend verbleibe ich Euer dankbarer Gustav

25. September 1916

25.9.16.

Liebe Eltern!

Mutters lieber Brief langte gestern bei mir an und danke ich Euch herzlichst dafür. Heute ist hier wieder eine Mordsschießerei und der Erdboden kommt überhaupt nicht wieder in seine ruhige Lage, einige Angriffe der Engländer sind glücklich abgeschlagen; aber die kommenden Tage bringen noch heiße Kämpfe für die Trümmer von Courabett durch welches wir beim letzten Hiersein gefahren sind hat wie Ihr aus der Zeitung ersehen habt der Engländer im Besitz. – Die Ansicht eines Friedens vorm Winter ist lachhaft, man scheint in Deutschland garnicht zu bedenken das wir auch verlieren können. Viele Hunde sind des Hasen Tod; immer von zwei Seiten muß man die Sache ansehen.

Heute ist nun die Hölle los auf der Erde und der Luft, 15 km hinter der Front dröhnen einem die Ohren. Die ganze Kunst und Wissenschaft wird jetzt angewandt, und kein Soldat kennt alle Waffen die gegeneinander angewendet werden, 38. und 42. Ist jetzt Losung, und die ganze Front voll Marinegeschütze schwerste und weittragenste [Sic!]. Hier wünschte ich den großschnäuzigen Herrn Meyer nur 2 Tag her, ich glaube er würde andere Gedanken bekommen. Der Kampf in der Luft ist jetzt auch schlimmer geworden und stürtzen [Sic!] täglich mehrere Flieger  an in unserm Bezirk, leider natürlich auch welche von uns. Nun genug hiervon; also sollen sie Onkel jetzt als Höchstkommandierenden eines Schipperkolonne rausbefördern. Dieses ist der schlechteste Posten noch lange nicht und kommen diese Soldaten durchschnittlich nicht weit nach vorn.

Nun gibst den Schluß gesund und munter seid und bleibt Ihr, hoffe und wünsche ich, darüber kann ich ja dank eines guten Morgens und der vorzüglichen Ventilation nicht klagen.

Nun grüßt Euch herzlichst Euer Gustav

28. September 1916

28.9.196.            75.

Liebe Eltern!

Vaters lieben Brief habe ich erhalten und mich sehr darüber gefreut. Ich weiß daß Vater sehr viel zu tun hat und keine Zeit zu Privatsachen, darum danke ich ihm doppelt für seinen lieben Brief. Gleichzeitig erhielt ich auch den lästigen SM Schein, der mir übrigens nicht im Geringsten zur Last liegt. – Ja eine Weihnachtsfeier zu Haus nach beendigtem Kriege wäre herrlich, aber mit diesem Gedanken darf man sich hier noch nicht unnötig beschweren, denn bis jetzt ist noch keine Aussicht vorhanden, daß wir dieses erleben werden. – Unsern Einsatz hier ist recht gemischt und haben leider die wenigen Tage unseres Hierseins viel Opfer gekostet, jedoch meist Verwundete. – Die Schlacht hat jetzt ihren Höhepunkt erreicht und die Massen an [Rest fehlt!]

30. September 1916

30.0.1916.         76.

Liebe Eltern!

Honig und Vaters Zeilen habe ich erhalten  und danke herzlichst dafür. Dieses Mal ist der Honig tadellos angekommen. Ich habe jetzt oft die Ehre von Vater selbst zu hören und freut mich dieses immer doppelt! – Ist Mutter der Hindenburgtrick gelungen und hat sie recht viele Gefangene hinüberfördern können. Mit Schreiben haberts [Sic!]  bei mir immer noch ab und zu, aber da ist recht oft auch die dösige Stimmung daran schuld und mit solchen Briefen plage ich Euch auch nicht gerne. Jetzt hat es ja aber immer noch gegangen u. arbeitet die Feldpost einigermaßen. Nun schließt mit recht herzlichen Grüßen und Dank Euer Gustav

4. Oktober 1916

4.10.16.              18.

Liebe Eltern!

Seit zwei Tagen ist wieder eine kleine Postsperre, die aber bald wieder zu Ende sein wird. Meine Briefe erhaltet Ihr doch deswegen immer noch pünktlich. – Das Wetter ist inzwischen auch ungeschlagen und gebietet dieses wenn es noch länger so bei bleibt schon Schluß der großen Offensive, denn bei diesem Matsch hat Artillerie wenig Wirkung am Aufschlaggeschossen im Graben und kann sich die Infanterie auch nicht halten.

So langsam fangen wir wieder an auf Ablösung zu warten. Ersatz haben wir nun glücklich zum 3. Male erhalten bei diesem Hiersein und sind es jetzt rund 25 Mann. Beim vorigen Male sind wir doch etwas besser weggekommen. Daß Ihr bei bester Gesundheit hoffe ich immer und grüßt Euch herzlichst Euer Gustav

6. Oktober 1916

Liebe Eltern! Meinen Brief von gestern habt Ihr wohl bekommen und hat sich unsere allgemeine Kriegslage hier noch nicht verändert. Es wird uns wohl weiter nichts übrig bleiben als nochmals die selbe Zeit abzudienen hier, aber auch dieser Schreck geht vorüber. Familie Kl. erfreut sich doch noch der besten Gesundheit und geht es auch dem einbeinigen Rinderschwarm gut. Wir bekommen hier bald Kähne geliefert und dann wird hier Krieg zu Wasser geführt. [unleserliches Wort] als bis auf die Haut gehts ja doch nicht. Nun seid recht herzlichst gegrüßt von Euerm Gustav

Herzl. Grüße u. besten Dank für alles Gute

Hauer

Wachtm.

21. Oktober 1916

Liebe Eltern! Gestern Abend erhielt ich Eure lieben Sendungen (2 Büchsen) und danke Euch herzlichst für dieselben. Habe sie natürlich gleich heute in Angriff genommen und gefunden, daß Mutters Küche immer noch ausgezeichnete Fabrikate liefert. Heute nur diese kurze Karte meine Briefe v. g. u. vg. Habt Ihr wohl erhalten. In der Hoffnung daß zu Haus noch alles bei bester Gesundheit ist grüßt Euch herzlichst Euer Gustav

29. Oktober 1916

29.10.16.            86.

Liebe Eltern!

Grützleberwurst, Tabak, Zigarren, Kochkäse, Kognak ebenfalls heute Gurken habe ich alles erhalten und danke Euch recht herzlichst dafür. Schmeckt mir alles recht gut. Heute ist der Befehl heraus gekommen, 4. Batt. arbeitet vorläufig in ihrer Stellung, heute ist die letzte Batterie unserer Abteilung abgerückt, recht erfreuliche Aussichten bei Verdun auch wieder eine recht dumme Geschichte für uns, eine ziemliche Anzahl Material und Mannschaften sind wieder in Feindeshand gefallen. Ich glaube diesen Winter gibt es überhaupt keine Ruhe denn hier ist immer noch keine Stillstand eingetreten. – Beim Erhalt meines Briefes ist Vater wohl wieder gesund und munter zurückgekehrt und geht es Mutter auch gut.

Mir geht es, nach den Umständen noch recht gut und grüßt Euch herzlichst mit bestem Dank Euer Gustav

30. Oktober 1916

30.10.16.            87.

Liebe Eltern!

Meinen Brief, in welchem ich den Empfang Eurer lieben Pakete bestätigte, habt Ihr doch, nun erhalten und muß ich heute noch hinzusetzen das die Gurken 1a geschmeckt haben. Da hat Mutter wieder recht ihre Kunst von Neuem bewiesen und muß ich wieder sagen daß es bei Muttern doch am besten ist. Mutter frug vor einigen Tagen an was ich gern möchte. Da kann ich nur darauf antworten es ist bei den jetzigen Zeiten ganz gleichgültig ob es Fisch oder Grützwurst, die übrigens auch sehr gut schmeckte ist, oder irgend etwas anderes. Die Honigsache ist nur, daß es etwas zum Brote ist. Heute gab es hier bei einer neu angekommenen Kantine ja wieder allerlei, auch Kunsthonig in Paketen und sogar Lebkuchen. Von diesen Sachen gibt es dann meistens nur 1 Paket pro Person zu kaufen, aber mit Hilfe einigen Tricks kommt man auch oft zu 2 oder 3. Es ist ja blos alles zu teuer; trotz alledem haut sich hier beinahe alles darum und werden oft Wege nach weit weggeliegenden [Sic!] Kantinen unternommen. Hier ist aber die Verpflegung immer noch ganz gut gegen ruhigere Stellungen. Vor Arras bekamen wir Brotbelag für 1 oder höchsten 2 Stullen dabei wurde uns oft von der zustehenden Brotration etwas abgezogen. Die bessere Verpflegung ist der Beste der Sommeschlacht. Gestern waren es glücklich 6 Wochen, zuerst in Stellung gekommen und zuletzt wieder raus. Das schlimmste ist hier der eingestellte Urlaub.

Nun seid recht herzlich gegrüßt von Euerm Sohn Gustav

7. November 1916

7.11.16.              90.

Liebe Eltern!

Nach langer Zeit ist wieder eine große Stille um uns; hier fällt fast kein Schuß, auch hört man hier sehr selten das Surren u. Brummen in der Luft. – Der große Plan hat sich wieder geändert und heißt es wir bleiben 3 Wochen hier. Das geht in diesem Jahre immer hin und her an keiner Stelle lange Ruhe. Ich glaube, daß macht unser Hindenburg, der zieht immer hin und her mit seinen Truppen. Euch geht es doch wohl wieder gut. Ich kann jetzt auch nicht klagen, meine Erkältung ist vollständig geheilt, auch komm ich mich jetzt wieder ruhig ausschlafen denn jetzt zwicken mich doch die alten Viechters [Sic!] nicht mehr.

Seid recht herzlich gegrüßt und grüß Großvater von mir, Euer Gustav

9. November 1916

9.11.16.              91.

Liebe Eltern!

Gestern Abend erhielt ich Euren lieben Sendungen Sauerkraut, Kognak, Tabak, Hustenbonbon und dann noch etwas später Vaters lieben Brief. Da könnt Ihr wieder was der gestrige Tag für ein schöner Tag für mich war [Sic!]. Vom Felde zu Haus gekommen war der halbe Tisch voll Sachen für mich. Ich danke Euch für das Übersandte recht herzlich. Den Kognak haben wir uns gemeinschaftlich beim Rübenfahren heute zu Gemüt gezogen u. das Sauerkraut mit Schweinefleisch habe ich heute nach getaner Arbeit verdrückt, dann noch eine kräftige Marmeladenstulle, eine Tasse Tee und eine Liebesgabenzigarette und schon hat der hungrige Magen seine Befriedigung.

Daß Vater wenig Zeit hat weiß ich ja genau und bin ich für seine Zeilen doppelt dankbar. Wir verstehen uns darin schon und freue mich wenn ich eine Nachricht von Euch erhalte daß Ihr hübsch gesund seid. Daß will ich auch weiter hoffen und grüßt Euch herzlichst Euer Gustav

Schickt blos keinen Selleriesalat, das Zeug mag ich doch nicht. – zwei Tage vorher hat mir Vater schon den Mund wäßrig gemacht.

12. November 1916

8.            12.11.1916.

Liebe Eltern!

Mit der Postverbindung ist noch keine Besserung eingetreten. Beefsteak erhielt ich glücklich vorgestern in schlechtem Zustand natürlich. Paket v. 2. Ist noch nicht gelandet.

Ich weiß garnicht woran gerade die Verzögerung der Hannoverschen Post leidet. – In Italien hat es ja nach dem gestrigen Bericht eine kleine Schlappe gegeben. Über Rußland liest man nichts, demnach scheint sich die mißliche Lage wieder mehr ausgeglichen zu haben. bei uns gibt es jetzt von oben herab sehr viel zu tun. Seid recht herzlichst gegrüßt von Eurem Gustav

14. November 1916

14.11.16.            92.

Liebe Eltern!

Gestern Abend habe ich Euer liebes Paket mit der schönen Wurst erhalten und vor zwei Tagen erhielt ich Euern lieben Brief, einliegend 5 M. Ich danke Euch für die lieben Gaben recht herzlich und auch nicht weniger für die schöne Wurst. Mit der Seife meinte ich ganz richtig Gesichtsseife und ist es sehr lieb von Tante wenn Sie mir wieder welche sendet. Handschuhe hätte ich gern möglichst dauerhafte, warmhaltende Fingerhandschuhe, welche sich bei der Arbeit nicht so leicht durchscheuern od. zerreißen; vielleicht gefütterte Lederh.

Bei uns war jetzt hier ein Mordbetrieb Einstellung von neuem Geschirr neuen Sachen, Pferderevision, Wagen und alles möglich, dazu noch sehr viel Fahren u. Ackern. Vor zwei Tagen war hier plötzlich aus sicherer Quelle ein Gerücht über Waffenstillstand in Rußland rund und allgemein große Freude. Wir warten ja täglich auf ein Wegkommen und ist jetzt alles ein unbestimmtes unruhiges Spannen, wohin? Nun muß ich schließen morgen mehr, bis dahin seid recht herzlichst gegrüßt von Euerm Gustav

16. November 1916

16.11.16.            93.

Liebe Eltern!

Jetzt ist es für einige Tage Winter bei uns geworden und ganz schön kalt. Trotz alledem geht es jeden Tag wieder lustig weiter im Bebauen des französ. Ackers. Besser war es schon wir bauten und säten zu Haus. – Jetzt sind wir immer noch am alten Platze aber auf recht unbestimmte Zeit und wohin es geht: Da munkelt man schon wieder alles mögliche. Jedenfalls steht fest daß wir hier nicht bleiben denn ein Regiment wird schon abgelöst. Nun möchte ich Euch bitten mit möglichst bald 10 M zu senden, bei mir ist nämlich höllisch mauer Bestand in meiner Geldbörse und ich habe mir hier eine kleinen Vorrat an Marmelade für eine Woche gekauft, denn d. Marmelade ist hier auch recht rar. Und wir wissen noch nicht wo wir hinkommen. Mit den herzlichsten Grüßen bleibe ich Euer Gustav

19. November 1916

19.11.16.

Liebe Mutter!

Zu Deinem Geburtstage sende ich Dir herzlichste Glückwünsche. Ich wollte Dir zu gern meine Wünsche selbst überbringen und hoffte noch bis heute es möglich zu machen, aber es geht nicht. Also bin ich doch gezwungen die Feldpost zu Hilfe zu nehmen. – Möge Dich der liebe Gott munter in unserer Mitte lassen und hoffe ich, daß Du Deinen Geburtstag in bester Gesundheit verleben mögest. – Jetzt sind wir wieder auf Wanderschaft; hoffentlich es mir dieses Mal die Feldpost behilflich, daß mein liebes Mütterchen meinen Brief noch zur rechten Zeit bekommt.

Euch recht herzlichst grüßend verbleibe ich Euer Bengel Gustav.

Übrigens wir sind auf d. Marsch nach einer ruhigen Stelle

21. November 1916

21.11.16.            95.

Liebe Eltern!

Heute hat unser liebes Mütterchen Geburtstag und wünsche ich, daß er recht fröhlich und bei bester Gesundheit verläuft. Ich hatte mir es schon so schön ausgemalt heute Mutter mir einem zarten Kriegerkuß persönlich ins Haus zu schneien, aber erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Es liegen augenblicklich zuviel dringende Urlaubsgesuche v. Kameraden vor daß es nicht möglich ist meine Bitte zu berücksichtigen.

In Gedanken bin ich bei Euch und hoffe, daß wenn ich auch in diesem Jahr nicht mit zu Hause sein kann uns der liebe Gott doch noch recht viele Geburtstage von Mutter u. Vater zusammen verleben läßt. – Wir sind jetzt in unserm neuen Quartier angelangt und ist es die Ecke in welcher wir die vorige Septemberoffensive mitgemacht haben, nur etwas rechts.

Euren lieben Brief mit 5 Inhalt habe ich erhalten und danke recht herzlich und seid herzlichst gegrüßt von Euerem Gustav

25. November 1916

25.11.16.            97.

Liebe Eltern!

Hurra, Selleriesalat mit Gänsefeines ist das; das wahr aber ein feines Abendbrot, den ganzen Nachmittag hatte schon nichts gegessen da ich draußen am Arbeiten gewesen und da habe ich schleunigst alles mit Stumpf und Stiel verdrückt. Ich danke Euch recht herzlich für das Übersandte und vor allem Mutter, unserer lieben Kochkünstlerin. – Mein Brief No. 91 ging hier am 9. dieses Monats ab und müßtet ihr denselben lange erhalten haben, Sellerie u. Wurzeln habe ich erhalten und erinnere mich noch genau wie fein es mir geschmeckt hat. Ich glaubte erst es seien Schwarzwurzeln und war offen gestanden etwas enttäuscht da ich doch kein großer Freund davon bin; aber als ich öffnete war ich doppelt erfreut. Mit dem Frieden stimmen wohl die ganzen Gerüchte nicht und geht die alte Leier lustig weiter. Nun seid recht herzlichst gegrüßt mit d. herzl. für Großv. von Eurem Gustav

9. Dezember 1916

Liebe Eltern! Von einer kleinen Spazierfahrt zurückkehrend fand ich Eure liebe Zigarrensendung vor. Nach einem kleinen Nachtmahl haben wir uns in Ruhe mein Stangenritter und ich eine von der kleinen Feinen angesteckt. Nun könnte ich es doch nicht übers Herz bringen mich ohne Dank an Euch ins Federbette mit Sprungfedernmatratze zu legen. Schnell habe ich mir noch eine von den Zigaretten angesteckt und muß sagen schmeckt alles großartig. – Also hat jetzt Mutter viel zu tun, hoffentlich geht es Euch trotz allem recht gut. Vater ist ja auch dauernd unterwegs und wird es ihm doch wohl nicht zu viel. Euch alle herzlichst grüßend verbleibe ich Euer dankbarer Gustav

Gute Nacht. Könnt Ihr mir nicht einmal ein solch schönes Frauchen in Natura schicken wie auf der Zigarkiste.

16. Dezember 1916

16.12.16.

Liebe Eltern!

Das ich gut angekommen und mir die Reise dieses Mal gut bekommen hat, schrieb ich Euch schon. Nun möchte ich Euch weiter mitteilen, daß die Kur bei Muttern doch recht viel genützt hat denn man kannte mich hier bald nicht wieder und waren alle über mein gutes Aussehen erstaunt. – An die kleine [Weppens?] habe ich heute auch eine Karte gesandt. – Hier ist es jetzt Frostwetter geworden und fühle ich mich in Vaters feiner Weste und den Strümpfen von Mutter recht mollig. Wachtmeister H. kommt am 19. d. M. wieder zurück voraussichtlich. Unser früherer Batterieführer ist schon an der Somme mit seine Abteilung. Bis jetzt haben wir noch keinen neuen wieder und geht es jetzt einigermaßen gemütlich her. Nun wünsche ich Euch, liebe Eltern beste Gesundheit und seid herzlichst gegrüßt von Euerm Jungen

17. Dezember 1916

17.12.16.

Liebe Eltern!

Heute zum Sonntag gibt es wieder einen Brief. Jetzt habe ich mich schon wieder einigermaßen eingewöhnt in allen Sachen hier. Heute haben wir auch einen neuen Stangenreiter bekommen. – Von dem abgegebenen Ersatz schrieb ich Euch schon, wie verlautet müssen wir im Januar nochmals 10 Mann abgeben. Jetzt 6 Fahrer mit Pferden zur Maschinengew. Abteilung da bin ich ja doch nicht bei. Nach unserer Ersatzabteilung zu wandern wäre ich nicht abgeneigt, vielleicht habe ich da auch mehr Glück.

Nun wüßte ich weiter nichts Neues und muß ich darum schon schließen. Mit den herzlichsten Grüßen bin ich Euer Gustav

26. November 1916

26.11.16.

Liebe Eltern!

Heute zum Sonntag die herzlichsten Grüße von Eurem Lausebengel. Heute ist hier das schönste Sonntagswetter und wenn man der Dauerurlaub schon da wäre könnten wir noch in Hannover die Georgstraße runter schlendern; aber nächsten Monat hoffe ich bestimmt mit an die Reihe zu kommen. Sonst werde ich mich bei meinen Landser Hindenburg beschweren. Ich hoffe aber es geht im guten und sie haben Einsicht mit einem alten Krieger. Nun grüßt Euch herzlichst Euer Gustav.

Im zweiten Brief schicke ich Euch die Auslese aus meinem Brief.

15. Dezember 1916

15.12.

Liebe Eltern!

Bin gut hier in meinem Heim angelangt und gleich mit allerhand erfreuliche u unerfreulichen Nachrichten empfangen. Erstens ist unsere liebe Batterie früher zum Abteilungskommandeur befördert nach Deutschland gekommen. Wachtmstr. H. seit vorgestern in Magdeburg zum Weihnachtseinkauf und hätte ich ohne Unannehmlichkeiten zu haben ruhig noch 1-2 Tage länger bleiben können. Also wieder zu genau gewesen, aber schaden kann es auch nicht, besser ist schon pünktlich sein. Mannschaften hat unsere Batterie schon abgegeben und ist das Urlaubfahren eingestellt denn die Leute sind mächtig knapp, werden wir vor 20. Januar keinen Ersatz bekommen. Ich habe etwas schnell geschmiert, d. Brief sollte aber noch mit der Nahmittagspost fort. Nun seid recht herzlichst gegrüßt von Eurem dankbaren Jungen

19. Dezember 1916

19.12.16.

Liebe Eltern!

Vor einigen Tagen habe ich mich aufnehmen lassen, es ist wir ich eben sehe ja einigermaßen geraten und will ich Euch den alten Krieger in Lebensgröße vorführen.

Wie geht es Euch, seid Ihr auch noch hübsch gesund. Ich habe mich jetzt schon in allem wieder fein eingewöhnt, auch schmeckt die altgewohnte Suppe schon wieder recht schön.. Heute hat sich bei uns der Winter mal wieder gemeldet und sieht es recht feierlich weiß aus, aber es ist doch nicht von langer Dauer. Heute Abend kommt voraussichtlich W. H. wieder und ich morgen die feinsten Feiertagsmine aufsetzen und mich bei mich melden.

Nun seid recht herzlichst gegrüßt von Euerm Jungen

23. Dezember 1916

23.12.16.

Liebe Eltern! Gestern Abend war ich bei W. H. und habe mit ihm die ganze Sache besprochen. Wie ich Euch schon schrieb müssen wir im Januar zwei Unteroffiziere und 10 Mann abgeben. Von einem Wegmelden nach einer neugebildeten Batterie riet mir Herr W. vollständig ab, denn meinte er sei jetzt für mich hier der günstigste Moment da Herr Haupt. weg ist und wir einen sehr netten Leutnant als Batterieführer haben. Er versprach mir sobald als möglich mit dem Leutnant Rücksprache zu halten und hoffte mich im Januar für einen der abzugebenden Unteroffiziere als Geschützführer einschieben zu können. Nur da jetzt die Fahrer sehr knapp seien mußte er mich bis Anfang Januar unten behalten. In einigen Tragen wird unser neuer Batterieführer zurück kommen von Deutschland und hofft Herr W. dann daß er es durchsetzen kann. Vorläufig würde ich natürlich erst Gefreiter bleiben um den ganzen Betrieb kennen zu lernen. Bestimmt ist natürlich alles noch nicht, denn es hängt doch schließlich noch von mehr Menschen ab und darum braucht es ja auch noch weiter keiner zu wissen als wie wir.

Wachtmeister K. soll wie mir W. H. erzählte auch Offiziersst. werden.

Nun wünsche ich, daß Ihr Weihnachten recht gesund und fröhlich erlebt oder verlebt habt. Mit unserer Angreiferei hat wohl das Wetter nicht einverstanden sein wollen und ist es dennoch noch verschoben. Es ist ja auch besser zu Weihnachten.

Grüßt bitte Großvater und Onkl [Sic!] von mir und seid rechtherzlich gegrüßt mit einem dicken Weihachtskuß von Euerm Euchlieb. Gustav

25. Dezember 1916

25.12.16.

Liebe Eltern!

Eure lieben Briefe vom 19. u. 21. habe ich erhalten und danke Euch recht herzlich dafür. Die Paketsperre was hier schon seit einiger Zeit bekommt, nur tut es mir leid, daß das Aalpaket verloren gegangen ist. Dasselbe habe ich noch jeden Tag erwartet aber nun wird es doch wohl einen anderen Empfänger gefunden haben. Mein Paket vom Urlaub hilft mir ja immer noch schön über die Festtage hinweg und brauche ich keine Not zu leiden.

Über meinen Brief inbezug des Wegmeldens hat sich Mutter recht geängstigt, so schlimm ist es aber noch nicht. Sowas überlege ich mir nun doch reichlich und wie Ihr wohl aus meinen Brief inzwischen gesehen habe ich garnicht die Absicht mich wegzumelden, trotzdem haben sich bei uns sämtliche alten Leute fortgemeldet.

Die Gänsebeine habe ich schön Heim gekriegt und bin garnicht abgeneigt wieder einmal so eine zähe Madame in Empfang zu nehmen. Marmelade ist glücklich angelangt. Nun Schluß und seid herzlichst gegrüßt von Eurem Gustav

26. Dezember 1916

26.12.16.

Liebe Eltern!

Heute habe ich Vaters liebe Weihnachtsgrüße erhalten und danke herzlichst dafür. Daß Euch mein Bild Freude bereitet hat freut mich auch recht und habe ich Euch doch eine kleine Freude zu Weihnachten bereitet. Bei uns ist ja die Weihnachtsfeier nicht so berühmt ausgefallen; daß ist ja schließlich auch klar, der Krieg dauert zu lange und die Kameraden passen auch alle nicht so zusammen..

Ich hoffe, daß Ihr Weihnachten recht gemütlich und vergnügt verlebt habt. Ja hoffen wollen wir, daß es bald besser wird und vielleicht kommt es doch noch zu Verhandlungen. Neuformationen sind heftig im Gange, den neusten Gerüchten nach werden wir auch noch umformiert.

Nun will ich schließen, liebe Eltern und seid recht herzlichst gegrüßt von Eurem Jungen

28. Dezember 1916

Bild der 100. Jahrfeier    28.12.16

Liebe Eltern!

Endlich nach langem schweren Leiden und anscheinend recht beschwerlicher Reise ist der schöne Aal gelandet. Ich habe jetzt ein Stück intus und kann sagen, daß ich sowie mein Bäuchlein recht zufrieden damit gewesen sind. Meinen herzlichsten Dank für denselben und auch für Euren lieben Brief indem Ihr mir auch den Empfang der Karte aus Lille bestätigt. Da habt Ihr doch wenigstens meine erste Nachricht aus Feindesland gut erlangt.

Nun grüßt Euch recht herzlich Euer Euchliebender Gustav

31. Dezember 1916

Liebe Eltern!

Euren lieben Brief vom 27.12. habe ich erhalten und danke Euch herzlichst dafür. Also in diesen Tagen will ich meine Pferde abgeben und werde ehrsamer Kanonier. In den nächsten Tagen wird unsere Division rausgezogen nach rückwärts in Ruhe od. um anderweitig verwandt zu werden wir aber bis Ende Januar dort hinten bleiben um sämtliche Mannschaften erst einzuexerzieren. Ich hoffe, daß es da hinten noch verschiedenes zu kaufen gibt.

Der Aal ist ja nun alle und ich habe immer bedauert, daß er nicht nachwächst.

Nun seid recht herzlichst gegrüßt von Eurem Gustav

5. Januar 1917

5.1.17.

Liebe Eltern!

Lagen Zeit habt Ihr nun keine Nachricht von mir erhalten. Inzwischen hat sich einiges geändert. Seit Anfang des neuen Jahres habe ich keine Pferde mehr. Mit Wachtmeister Köppen bin ich jetzt seit einigen Tagen schon hier hinten zum Quartiermachen. Wird sind hier heraus gezogen und noch an die belgische Grenze gekommen um 3 Wochen tüchtig zu bimsen [Sic!] und dann soll wir, glaube ich[,] ganz aus unserem vorigen Verbande ausscheiden. Morgen schreibe ich Euch mehr, ich hatte diese Tage auch keine Verbindung die Post wegzubefördern. Seid also recht herzlichst gegrüßt von Eurem Gustav

6. Januar 1917

Liebe Eltern!

In der letzten Zeit habt Ihr recht wenig gehört von mir. Wir haben recht viel zu tun gehabt. Jetzt gibt es hier nur Exerzieren und Fahren und werde ich gleich Gelegenheit haben mich in meinen Geschützexerzieren einzuarbeiten. Da möchte ich Vater bitten mir Geld zu schicken. Erstens gibt es hier schon etwas zu kaufen und dann habe ich allerhand ausgegeben in letzter Zeit. Ich glaube doch Vaters Grundsatz immer gute Mine zum bösen Spiel den Vorgesetzten gegenüber ist sehr gut. Darum seid mir bitte nicht böse, daß ich in dieser Zeit etwas viel verbraucht habe. Ich war wie ich schon schrieb zum Quartiermachen hier.  – Durch Abgabe von zwei Unteroffizieren habe ich wie mir einige Wachtm. erzählten jetzt mehr Aussicht auf Geschützführerposten und hoffe am Eden unserer Ausbildungszeit auch weiter zu kommen.

Näheres schreibe ich morgen. Ich wollte nur gerne, daß Ihr jetzt schnell etwas mit der Post bekommt. Unsere Post liegt 10 km von hier und geht die Briefpost zum ersten Male fort. Also bitte denkt nicht Gustav ist jetzt leichtsinnig geworden; aber Ihr glaubt nicht wie sehr ich mich freue endlich etwas lernen zu dürfen und Euch zeigen kann, daß Ihr auch einen Sohn habt der etwas erreichen kann. – Euer liebes Paket mit Eiern brachten mir gestern meine Kameraden mit und dank ich Euch recht herzlichst dafür. Für Vaters liebe Neujahrs- und Weihnachtsglückw. danke ich Vater auch recht herzl. Ich habe die ganze Zeit schon daran gedacht und tut mir recht leid daß ich nicht früher antworten konnte. Jetzt wird es besser.

Nun seid recht herzlichst gegrüßt von Eurem Gustav

8. Januar 1917

8.1.17.                 2.

Liebe Eltern!

So ungefähr ist jetzt heraus wo wir hin verschwinden werden nämlich nach dem Lande der jetzigen Offensive. – Seit heute mache ich regelrecht Unteroffizier und lerne jetzt fleißig in meinen Büchern, die ich mir damals mitgenommen hatte. Habe jetzt also mit Handarbeit nichts mehr zu tun sondern nur noch mit dem Kopfe. In d. nächsten Tagen hoffe ich Euch ein freudiges Ereignis mitteilen zu können und möchte Euch doch bitten von mir ein Guthaben 100 M abzuheben zu einer kleinen Eintaufungs- und Abschiedsfeier. Vielleicht könnt Ihr mir auch einige gute Zigarren u. Zigaretten senden. Es wird wohl gleich die Abschiedsfeuer von Frankreich.

Nun seid recht herzlichst gegrüßt von Eurem Euchliebenden Jungen

10. Januar 1917

10.1.17.

Liebe Eltern!

Die Ausbildung geht immer lustig vor sich und jeden Tag macht es mehr Spaß, denn mit jedem Tage arbeite ich mich auch besser ein. Heute gibt es nun sogar einen Brief mit Tinte geschrieben, die Feder ist ja ein bisschen verschoben aber sie geht doch. Augenblicklich haben wir recht mäßiges Wetter und sehen unsere Geschütze und Pferde noch einer Fachübung immer recht böse aus. Ist es bei Euch auch in solch mäßiges Wetter und geht es Euch denn noch gut. Seit einigen Tagen habe ich nichts von Euch gehört unsere Post scheint wieder nicht zu wollen. Nun schließe ich mit den herzlichsten Grüßen Euer Gustav

13. Januar 1917

13.1.17.

Liebe Eltern!

Unteroffizier der Res. erlaubt sich hiermit vorzustellen. Ja, das geht schnell. Wir sind jetzt noch eine tolle Gegend in die Nähe eines Schießplatzes geraten und wollen noch einige Tage bimsen. Morgen will ich Eure lieben Briefe aus fröhlich beantworten. Ich wollte Euch nur das Neueste schnell mitteilen. Brief vom 5. Inhalt vom 6.1. habe ich erhalten, ebenfalls Paket mit Strümpfe, Bratwürste und Kaffeegebäck habe ich erhalten und danke Euch herzlichst dafür. Also meine schönen langen Stiefel bin ich nun doch nicht los geworden. Die Wurst war großartig, nun möchte ich Euch noch um Rauchwaren bitten und nun erklärt sich auch meine Geldbitte, ich wollte doch nicht vor Abschluß meiner Beförderung Euch davon berichten.

Hier kriegen wir ja nun eine berühmte Etappenverpflegung, mächtig mau darum möchte ich eine kleine Auffrischung für meine Speisekammer und ab und zu böse bitten. Bis zur neuen Offensive werden wir jedenfalls hier gedrillt. Mit recht herzlichsten Grüßen schließt Euer Euchliebender Junge

17. Januar 1917

Liebe Eltern!

Heute sende ich Euch in Eile einige Grüße mit einem Urlauber. Bei uns ist das reinste Alpenwetter und jeden Tag eine Besichtigung.

Unsere Adresse hat sich jetzt geändert.

Preußisches Feldart. Reg. No. 4 4. Batt.

Bitte benachrichtigt alle von dem Wechsel der Adresse.

Mit herzlichsten Grüßen von Eurem Gustav

18. Januar 1917

Liebe Eltern!

Gestern Abend habe ich Vaters schwerwiegenden Brief erhalten und dank Euch recht herzlichst dafür. Inzwischen habt Ihr auch erfahren, zu welchem Zwecke ich das Geld benötigte. Nun möchte ich noch um Zusendung der Schießvorschrift für Feldart. bitten nebst Anhang od. Auszug.

Für heute Schluß haben Übung in Eile. Mit herzlichsten Grüßen Euch Euer dankb. Gustav [Sic!]

20. Januar 1917

20.1.17.

Liebe Eltern!

Gestern haben wir ein großes Übungsscharfschießen auf dem Schießplatz gehabt. Nachts 3 Uhr Abmarsch und Abend kehrten wir wieder zurück. Es war sehr schön und interessant wie mächtig kalt. – Unsere Post arbeitet jetzt recht schlecht und habe ich in den letzten Tagen nichts von Euch gehört. Im übrigen geht es uns recht gut, den Empfang des Geldes hatte ich bestätigt. Hoffentlich erhaltet ihr meine Briefe recht regelmäßig. Hier ist es wie in den Alpen, Berg an Berg und dauernd Schnee. Im übrigen haben wir fast jeden Tag Besichtigung zur Übung. Unsere 3. Abteilung ist auch angelangt und zwar mit Feldkanonen. Grüßt bitte Großvater und Onkel von mir, ich habe jetzt zu wenig Zeit. Wenn Vater die Stiefel und Gamaschen nicht gebrauchen sollt, so wäre ich Euch sehr dankbar wenn Vater mir dieselben schenken würde. Bei dieser Nässe können meine Stiefel sonst garnicht recht zum Austrocknen und ich habe immer nasse Füße. Ihr könntet dieselben in einen großen Pakete senden, denn dieselben sind jetzt in 14 Tagen bis 3 Wochen hier. Natürlich nur wenn Vater sie nicht braucht. Als Unteroff. habe ich auch die Berechtigung eine kleine Holzkiste mitzuführen und kann sich so meine Sachen besser unterbringen. Dann möchte ich noch um Tabak bitte, da Zigarrenrauchen doch für immer  zu teuer ist. Ja, der Bengel hat Wünsche, das ist toll. Jetzt ist aber auch Schluß und nehme mir eine kurze Pause. Nun grüßt Euch recht herzlichst Euer Euch immer dankb. Gustav

1. Februar 1917

1.2.17.

Liebe Eltern!

In diesen Tagen habe ich doch eine Masse schöne Sachen von Euch erhalten. Zuerst erhielt ich Eure lieben Pakete vom 17. mit Fisch u. Tabak u. das mit der feinen Sülze und Zigaretten, weiter gestern Abend die feine Mettwurst und Vaters lieben Brief vom 28. Jetzt habe ich erst die Sülze in Angriff genommen, dieselbe schmeckt ausgezeichnet. Für alle Pakete und Briefe meinen herzlichsten Dank. Von dem Fleisch könnt Ihr ruhig einige Dose kaufen denn etwas anderes gibt es beinahe nicht mehr. Ganz so schlimm ist es doch nicht hier, wir haben hier eine einigermaßen anständiges Bett und können uns des Nachts recht schön ausruhen.

Für Vaters liebe Glückwunschk. meinen herzlichsten Dank. Ein Zusammentreffen von Vater und Sohn unter den genannten Umständen wollen wir nicht erhoffen denn es ist doch für uns alle besser wenn alles so bleibt wie es ist. Ein guter Vorgesetzter bin ich immer bestrebt meinen Leuten zu sein und weiß ich ja aus meiner eigenen Dienstzeit wie es mir ergangen hat.

In den nächsten Tagen denken wir wegzukommen, wohin natürlich unbestimmt; aber aller Wahrscheinlichkeit nach weg von hier. Sonst geht es mir noch recht gut und hoffe ich vor allen Dingen, daß auch Ihr alle wohlauf seid. Die Kälte hält bei uns ja immer noch gleichmäßig an.

Bitte grüßt Onkel u. Tante von mir und ich wünsche recht baldige Besserung, werde heute oder morgen selbst schreiben.

Nun seid recht herzlichst gegrüßt von Eurem Euchliebenden [Sic!] Jungen

3. Februar 1917

3.2.17.

Liebe Eltern!

Unsere Geschütze und Mannschaften sind zurück gekehrt vom Schießplatz und haben mit einem Lob abgeschnitten. Hat also alles fein geklappt. Es wird jetzt immer noch kälter, anstatt wärmer und werden wir wohl vorläufig noch zu keiner Aktion verwendet werden.

Wie geht es Euch? Die Verbindung ist leider immer noch nicht geregelt. Bitte sagt auch dem Zeitungsfritzen Bescheid, daß meine Adresse umgeändert.

Für heute nur diese wenigen Zielen, hoffe ich daß meine Post etwas regelmäßig ankommt.

Mit den herzlichsten Grüßen verbleibe ich Euer Junge

28. Februar 1917

28.II.17.              XII.

Liebe Eltern! In wenigen Tagen kommen wir vielleicht nach Deutschland und zwar in die Nähe Magdeburgs. Sollten wir nach Deutschland kommen so telegraphiere ich wenn möglich sofort von meinem Quartierort nach Euch; denn voraussichtlich werden wir nur einige Tage dort bleiben. Es kann auch sein, daß es 14 Tage werden es ist alles noch unbestimmt.

Hoffentlich können wir uns dort wiedersehen. Ihr könnt dann sobald wie möglich nach dort kommen und nach mir fragen.

Mit recht herzlichsten Grü0e Euer Gustav.

Nur noch keinem etwas sagen da unbestimmt und auch möglichst geheim zu halten.

13. März 1917

13.3.17 XVI

Liebe Eltern!

Gestern erhielt ich Euer liebes Paket v. 1. mit Tabak, Zigar. u. Süßheiten. Ich danke für dasselbe sowie Euren lieben Brief herzlichst. Wie ich schon schrieb[,] sind wir jetzt in Stellung und zwar bin ich in der Beobachtung. Haben jetzt sehr viel zu tun da wir uns genau in das Gelände einarbeiten müssen und einrichten in unserem Felsenkeller aber ohne Limoausschank. Von Grete W. erhielt ich vor einigen Tagen ein Paket mit Tabak und einer kleinen Wurst. Bitte dankt Ihnen einmal, ich werde natürlich sehen, daß ich heute zum Schreiben kommen [sic!]. Für Großvaters Brief auch h. Dank u. grüßt bitte alle von mir. Mit den herzlichsten Grüßen verbleibe ich Euer Gustav

14. März 1917

14.III.17 XVII

Liebe Eltern!

Heute morgen habe ich Euer liebes Paket und Brief vom 5.III. erhalten, ich danke Euch herzlichst dafür. Brief vom 17. und 23. kann ich jetzt leider nicht schreiben ob ich erhalten. Habt Ihr sämtliche Nummern erhalten. Habe ich selbige Briefe erhalten so ist der Empfang darin bestätigt.

So einen ähnlichen Posten wie Onkel oder denselben habe ich auch. Bin jetzt auch Beobachter in unserer Hauptbeobachtung. Ein sehr abwechslungsreicher aber auch recht verantwortungsvoller Posten. Wir sitzen hier mit Ablösung Tag und Nacht am Scherenfernrohr und beobachten die feindlichen Gräben und Ettappen [Sic!]. Unsere Beobachtung hier ist großartig und bei guter Sicht können wir bis 25 km hinter den feindlichen Graben sehen. Unser größter Feind ist hier ein feindliches Fort. Im übrigen ist es hier noch einigermaßen ruhig und ist nicht allzu starkes Artilleriefeuer. Meine Arbeit ist nun den feindlichen Schützengraben, etwaige Erarbeiten, Batteriestellungen, Zugangswege und anderes im Auge zu behalten oder aufzusuchen. Zwei feindl. Batt. haben wir gestern schon entdeckt und mit Hilfe von Messinstrumenten genaue Stellung gefunden. Hier bekomme ich erst richtigen Einblick in sämtliche Hilfsmittel und Verteidigungsarten dieses Krieges und lerne ich hier recht viel Neues kennen.

Nach Mutters Brief zu urteilen ist Vatters Arbeitszeit jetzt anders reguliert und ist es für Vater recht gut. So kommt Ich doch beide mehr und öfters frische Luft zu schnappen.

Sollte ich in den nächsten Tagen einmal in Protzenstellung kommen, was ich aber nicht glaube, da wir hier nicht ablösen, will ich versuchen Kaffee zu bekommen. Leider waren wir schon fort von der Charlevilles [Charleville] Gegend als ich den Brief von Mutter bekam.

Jetzt sind wir schon besser eingerichtet und habe ich wieder mehr Zeit und werde wieder öfter schreiben.

Seid recht herzlichst gegrüßt von Eurem dankb. Sohn Gustav

15. März 1917

15.III.18.

Liebe Eltern!

Wie geht es Euch? Ich wünsche und hoffe, daß es Euch recht gut geht. Ich habe jetzt gerade 1. Nummer meiner Nachtwache. Es ist äußerst ruhig warm u. nicht viel zu sehen. Des Nachts bei ruhiger Gefechtslage sitzen wir hier oben zur Beobachtung und haben gleichzeitig den Fernsprecher unter uns. Da bleibt aber immer noch Zeit um einen Brief an die lieben Eltern zu schreiben. In einer Stunde ungefähr kommt der Wagen von der Protzenstellung und kann er gleich meinen Brief an daheim mitnehmen. An Onkel Willy und Großvater habe ich gestern geschrieben. – Unsere I. Abteilung steckt ja noch kreuzfidel in Altengrabow. Na, hier ist es ja auch nicht so übel; aber wir hätten uns einmal schön wiedersehen können. Die Aussichten zu einem Kriegsschluß in diesem Jahre sind anscheinend recht günstig. Wir wollen das Beste hoffen.

Nun seid recht herzlichst gegrüßt von Eurem Gustav

17. März 1917

17.III.17.

18

Liebe Eltern! Vorgestern kam Euer liebes Paket vom 1.III. nebst Brief an. Ich danke Euch herzlichst für die schönen Eier und die frischen Himbeeren. Ja, mit dem schönen Wiedersehen war Essig; vielleicht paßt es noch mal, daß auch wir nach Deutschland kommen können. – Bei uns schwirren in diesen Tagen recht viele Gerüchte umher in Bezug auf Rußland. Ein Aufstand in Petersburg soll ja tatsächlich andem [Sic!] sein und ist es sicher ein gutes Zeichen für die unzufriedene Volksstimmung dort. Das wäre unser größtes Glück wenn dieser Aufstand im Laufe der Zeit mehr um sich greifen würde. Eine Erledigung Rußlands bedeutet doch schließlich einen Friedensschluß unter guten Bedingungen für uns.

Hier ist das Wetter jetzt recht schön und bekommen die Flieger wieder Arbeit. Durch uns wird die Front hier rechtunruhig, da die viele nun hinzugekommene Artillerie den ganzen Tag ballert. Der Franzose ist sich noch nicht echt im Klaren was dies alles bedeutet. – Ich lege ein kleines Bild von unseren früheren Art. Zug und zwar Geschützpark bei [Anmerkung: Foto nicht mehr vorhanden]. Mit den herzlichsten Grüßen Euer Gustav

11. April 1917

30.         11.IV.17.

Liebe Eltern!

Gestern hat es die Feldpost recht gut mit mir gemeint, denn ich erhielt Eure lieben Briefe vom 1., 4., Pak. u. Br. v. 5. und Karte vom 7.4. Für alles meinen herzlichsten Dank. Der Osterkuchen und die Eier schmecken großartig. Mutters Patenstelle ist großartig u. vielleicht auch ganz gewinnbringend. Ich kann Euch heute nur in Kürze für alles danken, dann wir sind heute Nacht nach vorn gekommen.

Inhalt habe ich auch erhalten u. bitte Großvater herzlich zu danken. Vater hat Recht in der Gegend sind wir und werdet Ihr inzwischen auch wohl Näheres aus meinen Briefen ersehen haben. Ich schicke jetzt Karten, daraus könnt Ihr bei Ende einer Reise immer sehen wo das Ziel ist.

Die Verwüstungen hier sind furchtbar und sind die Zeitungsberichte wohl in keinem Falle übertrieben.

Dadurch wird dem Feinde ein Nachkommen sehr schwer gemacht.

Heute muß ich nun schließen. Bin hier auf der Gruppe abkommandiert für einige Tage.

Seid recht herzlichst gegrüßt von Eurem Jungen

14. April 1917

14.IV.17.

Liebe Eltern!

Eure liebe Karte vom 9. habe ich erhalten und danke Euch herzlichst dafür. Bei Euch scheint recht schönes Wetter zu sein, daß Ihr öfters wieder einen Ausflug ins Freie machen könnt. Seit zwei Tagen gefriert es hier nicht mehr und ist auch ganz angenehmes Wetter. Jetzt machen wir hier eine Art Bewegungskrieg, und haben wir die  Trümmer eines Dorfes, morgen die Engländer. – Von Onkel Willy habe ich gestern einen Brief bekommen. Einen schönen Anblick bot uns gestern der brennende Absturz eines feindlichen Fesselballons. Ich bin jetzt auf der Gruppe als Meldereiter und habe meine schöne Arbeit dabei. Die Beobachtern [Sic!] macht ja jetzt mehr Spaß, denn hier gibt es doch allerhand zu sehen.

Bitte grüßt Großvater recht schön von mir und seid herzlichst gegrüßt von Eurem Gustav

18. April 1917

33.         18.IV.17.

Liebe Eltern!

Hause seit gestern Abend wieder hier oben als Befehlsempfänger. Wir haben hier wieder das schlechteste Wetter der Welt; heute Morgen als ich aufstand war alles weiß und dabei sind wir Mitte April. Es scheint der liebe Gott will in diesem Jahre mit Gewalt ein Ende des Krieges herbeiführen.

Ich schreibe heute zur Abwechslung mit Tinte um nicht ganz aus der Gewohnheit zu kommen.

Vorgestern war ich unterw., Befehle abgeliefert, dabei traf ich Wachtmeister Hauer welcher einen Gruß bestellte und mir mitteilte es habe eine Sendung von Euch erhalten.

Bitte grüßt Großvater von mir und seid recht herzlichst gegrüßt von Eurem Gustav

24. April 1917

Geschrieben, den 24.,4.17.

Liebe Eltern!

Heute habe ich zwei Pakete vom 2. erhalten; es scheint doch noch alles zu kommen. Die offene Büchse war noch gut und die geschlossene kann wohl nicht schlecht geworden sein. Seid recht herzlichst gegrüßt von Eurem Gustav

22. Mai 1917

46          22.5.17.

Liebe Eltern!

Heute geht es wieder in den Krieg. Um 6 Uhr fährt der alte Krieger in Stellung. Nachher werde ich mir noch die Neueste Kölnische zulegen. Vielleicht kann ich gleich unten bleiben, das inzwischen Frieden gemacht worden ist. Na es ist schon besser da bin ich selbst mit dabei und winke dann noch den Engländern rüber. Heute habe ich Großvater geschrieben, auch Onkel Willy schrieb ich vor einigen Tagen.

Sollte ich in den nächsten beiden Tagen nicht zum Schreiben kommen so wünsche ich Euch heute schon recht vergnügte Pfingstfeiertage und den schönsten Sonnenschein, dazu beste Gesundheit.

Seid recht herzlichst gegrüßt von Eurem Jungen

4. Juni 1917

52           4.6.17.

Liebe Eltern!

Aus Bad Eilsen erhielt ich Eure liebe Karte, die Ihr am Schlußtage von Eurem hoffentlich recht schönen Ausflug mir sandtet. Das scheint ein hübsches Haus zu sein und wünsche ich Mutter recht gute und baldige Besserung. Hat Mutter denn immer noch mit der Hand zu tun? Hoffentlich bekomme ich heute einen Brief von Euch über die schöne Pfingstfahrt. Mit bestem Dank grüßt Euch herzlichst Euer Gustav

9. Juni 1917

9.6.1917

Lieber Vater!

Heute erhielt ich Deine Geldsendung und danke Dir recht herzlich dafür; auch für deine lieben Zeilen. Sehe ich doch daraus, daß es Dir gut geht. Heute sende ich mein Eisernes Kreuz ab und eine Brieftaube. Telegrammhülfe mit dem 1. Telegramm von unserem Schießen mit Brieftaubenverbindung. Jetzt gibt es reichlich Dienst hier, welcher morgens um 5 Uhr beginnt und sich an den Übungsabenden für Blinken bis 12 Uhr hinzieht. Zwischendurch eine 2-3 stündige Mittagsruhe. Sei recht herzlichst gegrüßt und bleibe hübsch gesund, lieber Vater von Deinem Gustav

14. Juni 1917

14.6.1917.

Liebe Eltern!

Die herzlichsten Grüße sende ich Euch heute wieder von oben. Verg. Nacht sind wir hochgewandert. Morgen schreibe ich mehr. Bis dahin seid herzlichst gegrüßt von Eurem Gustav

29. Juni 1917

29.6.17.

Liebe Eltern!

Hier regnet es tüchtig weiter und ich glaube, daß auch doch kein schönes Wetter zum Wandern ins Freie ist. Jedoch ist dieser herrliche, warme Regen für die Landwirtschaft von großem Wert. Ich hoffe, daß es unser Mutter in allem anderen recht gut geht und grüßt Euch herzlichst Euer Gustav

3. Juli 1917

3.7.17.

Liebe Mutter!

Jetzt leucht die Sonne wieder und wünsche ich, daß auch Du so schönes Wetter hast fort. Die lange Regenzeit muß doch recht langweilig gewesen sein. Morgen kommt Brief von mir geht heute auch ab. Sei recht herzlichst gegrüßt und lasse es Dir gut gehen von Deinem Gustav

7. Juli 1917

7.7.1917.

Liebe Eltern!

Heute erhielt ich Mutters Paket vom 29. Ich danke Euch herzlichst dafür. Wie geht es Euch? Ist bei Euch auch das herrliche Wetter. Heute Abend oder morgen schreibe wieder ausführlicher. Ich wünsche Dir, liebe Mutter weiterrecht gute Besserung und grüßt Euch herzlichst Euer Gustav.

Für Karte v. Arensburg besten Dank.

26. August 1917

16.8.1917.

Liebe Mutter! Für Deinen lieben Brief vom 21.8. danke ich Dir recht herzlichst. Morgen schreibe ich Brief. Vaters Paket ist unten gelandet wie ich heute hörte gesehen habe ich es noch nicht. Das ist ganz recht, daß Du mit Bleistift im Freien schreibst. Ich kann so auch recht gut lesen und du mußt Dich immer hübsch pflegen. Dein Befinden bessert sich jetzt zusehends. Darob große Freude und wünsche ich Dir weiter recht gute Besserung. Seid recht herzlichst gegrüßt von Eurem Gustav

7. September 1917

Liebe Mutter!

Jetzt ist es sicher auch schönes Wetter bei Dir. Genieße diese Tage nur noch recht schön. Es wird nicht mehr lange dauern dann wird´s wieder kalt werden. Morgen schreibe mir. Sei recht herzlich gegrüßt von Deinem Gustav

Herzl. Grüße an Großvater.

8. September 1917

Ansichtskarte von Reims

8.9.1917

Liebe Eltern!

Wie geht es Euch? Kennt Ihr diesen Ort wieder nach einigen Bildern, welche ich Euch zugesandt habe früher. In der Mitte der große jetzt zerstörte Prachtbau. Ich wünsche Euch bestes Wohlergehen und grüßt Euch herzlichst Euer Gustav

8. September 1917

Liebe Eltern!

Auf dem Baume, da sitzt ein (Pl. wie ein Artillerist) [Sic!]. Also soweit ist noch recht lustig hier. Ich wünsche, daß es auch Euch recht gut geht und Mutter inzwischen wieder 1 Pfund Zunahme melden kann. So seid recht herzlichst gegrüßt von Eurem Jungen

9. September 1917

9.9.1917

Liebe Eltern!

Noch immer ist uns Petrus mit seinem schönen Wetter hold. Auch geht hier noch alles seinen alten Gang. Dennoch gibt es herzlich wenig Neues zu berichten. Ich wünsche Euch auch recht schönes Wetter und noch viele vergnügte Tage. Es grüßt Euch recht herzlichst Euer Gustav

23. September 1917

Geschrieben, den 23.9.1917.

Liebe Eltern!

Ein Wunder im Westen: Ende September gutes Sommerwetter. Diese schöne Zeit muß Mutter in Hannover aber noch wahrnehmen und tüchtig spazieren gehen. So kommt doch hoffentlich wieder jede Woche ein neues Pfund dazu. Vater hoffe ich geht es auch recht gut. Morgen schreibe ich aus führlicher [Sic!]; mir geht es noch recht gut und grüßt Euch herzlichst Euer Gustav

21. September 1917

Geschrieben, den 21.Sept. 1917.

Liebe Mutter!

Das pikante Frühstück habe ich so ziemlich intus. Ich danke Dir für dasselbe sowie Deine lieben Zeilen herzlichst. Ich glaube Du siehst schon in H. und habe meinen letzten Brief nach dort gesandt. Da muß der Brief verloren gegangen sein. Karten habe ich mitgeschickt. Grüße Vater von mir und sei herzlichst gegrüßt v. D. Jungen

23. September 1917

Liebe Eltern!

Gestern habe ich Mutters Brief herhalten, auch Dein Mutter wieder in H.

Mit geht es noch recht gut. Seid recht herzlichst gegrüßt von Eurem Jungen

30. September 1917

Liebe Eltern!

Für Mutters Brief vom 24.9. meinen herzlichsten Dank. Unsere Ablösung ist da. Heute oder morgen dampft d. 234 Div. [Anmerkung jw: 234. Infanterie-Division] ab. Also ist der Rummel für uns vorüber. Morgen schreibe mehr. Muß heute Nachmittag kleine Fahrt nach den Gräbern der Gefallenen von uns machen, zwecks Photographieren. Seid recht herzlichst gegrüßt von Eurem Jungen

30. September 1917

30.9.1917.

Liebe Eltern!

Man höre und staune in 3 Tagen ein Paket beim Jungen. Paket vom 26. mit Schinken und Keks ist gelandet. Danke Euch recht herzlich für die lieben Zeilen von Mutter und Inhalt. Keks habe ich zum Kaffee verzehrt und beim Schinken habe ich zum Frühstück angefangen. Ich habe immer Angst es wird schlecht!! – Aus meinem Brief habt Ihr gehört, daß Ablösung in nächster Nähe ist und dauert es nicht mehr lange und wir verschwinden. Jetzt ist es hier recht ruhig geworden.

Es grüßt Euch recht herzlichst Euer Gustav

18. Oktober 1917

18.10.1917.

Liebe Eltern!

Gestern habe Euch Honigkuchen und Zigarillos erhalten. Ich danke Euch für beides recht herzlichst.

Vielleicht fahre ich übermorgen nach Lille. Dort wird eine nette Oper gegeben. – Jetzt habe ich hier eine Marketenderei ausgekundschaftet. In 4-6 Tagen bekommen sie wieder Zucker, Kakao, Schokolade. Da kann ich 20-25 Pfund von Ersterem bekommen, unter der Hand natürlich. Ich schicke Euch dann denselben bei nächster Gelegenheit mit. Habt Ihr meinen Koffer erhalten? Im Brief schickt bitte kein Geld wieder, Brief ist nicht da. Seid recht herzlichst gegrüßt v. E. Gustav

19. Oktober 1917

19.10.1917.

Liebe Eltern! Heute ist hier Mutters Brief vom 16. eingetroffen. Meinen herzlichsten Dank dafür. Das rückständige Paket und ein Brief mit Inhalt ist nicht angekommen. Sendet auch bitte nichts mehr im Briefe. Es wisse hier auch schon zu viele, daß ich ab und zu Geld im Brief geschickt bekommen und hier und da ist doch jemand darunter, der es auch gut gebrauchen kann. Mit meiner Theaterreise wird es nichts, ich muß wieder in Stellung da ein Kamerad abkommandiert ist. Fahre vielleicht in 8 Tagen bei meiner Rückkehr einmal nach dort. – Bin heute Nachmittag bei den Logarithmen angekommen. Schon lieber wäre es mir wenn ich mit Vaters Hilfe weiter arbeiten könnte. Wenn wir doch wenigstens Rußland zu einem Frieden zwingen könnten. Mit den anderen Mächten ist nicht viel zu bestehen. In Rußland gibt jetzt von Zeit zu Zeit immer eine Überraschung.

Es grüßt Euch recht herzlichst Euer Gustav

Ist d. Koffer noch nicht angekommen?

20. Oktober 1917

10.20.1917

Liebe Eltern!

Bin wie ich Euch schon geschrieben beim Berechnen von Logarithmen. Mein Buch kommt hier immer auf die eine Buch von Schlömilch zurück: Fünfstellige Logarithmen und trigonometrische Tafeln, heraus gegeben von Dr. Schlömilch, Vieweg & Sohn, Braunschweig. Da möchte ich Euch bitten mir doch dasselbe, falls Vater nicht etwas besseres hat, zu besorgen. Ich werde solange an die Gleichungen mit zwei Unbekannten gehen. Anfang Dezember hoffe ich auf Urlaub zu kommen und kann ich dann mit Vater noch eingehend über alles sprechen.

Seid recht herzlichst gegrüßt von Eurem Gustav

9. November 1917

7.            9.11.1917

Liebe Eltern! Gestern war die Post so freundlich mir wieder einen Brief von Euch zu bringen und zwar vom 5. Ich danke Euch für denselben herzlichst. Also die Hoffnung auf Beefsteak und Sellerie und auch die vielen ausgebliebenen Briefe kann ich ruhig begraben. Die Post von hier nach Euch scheint doch wenigstens etwas besser zu arbeiten. – Zu dem Hasen wünsche ich Euch recht guten Appetit. An die schöne Kriegsgans denke ich schon noch, aber geschmeckt hat sie mir doch. Ich hoffe meinen Urlaub zu Weihnachten oder Neujahr schieben zu können. Ich greife natürlich zu wenn es paßt.

Vater wünsche ich recht gute Besserung und grüßt Euch recht herzlichst Euer Gustav

10. November 1917

10.11.1918.

Liebe Eltern! Heute habe ich den Bericht vom 8. bekommen: 250000 Gefangene, 2300 Geschütze. Das ist ganz schön; eigentlich müßte in Italien das Volk bald zur Vernunft kommen. Bei uns wurde gestern alles Möglich gemunkelt. Es kann es nur noch nicht recht glauben, denn es war nicht amtlich. Vielleicht bewahrheitet sich Mutters Voraussage auf meine letzten Urlaub. Ich kann es mir noch garnicht recht vorstellen, das wird Mordsfest geben.

Heute Abend hoffe ich von Euch Nachricht zu erhalten. Seid herzlichst gegrüßt von Eurem Gustav

13. November 1917

13.11.1917.

Liebe Eltern! Die Hannoversche Post ausgerechnet scheint eine Sperre eingeführt zu haben. Letzte Nachricht von Euch ist vom 5. Das ist doch bald nicht mehr schön. Ich verstehe nicht, daß fast alle Post sogar die Briefe nicht ankommen. Sonst gibt es ja recht wenig Neues. Unsere höheren Vorgesetzten lassen jetzt Stöße von Meldungen los und heißt es dauernd machen, schreiben im Gelände rum laufen und neu einschießen. Ich hoffe, es geht Euch recht gut und grüßt Euch recht herzlichst Euer Gustav

14. November 1917

10.         14.11.1917.

Liebe Eltern! Heute hat mir endlich nach langen Warten die Feldpost wieder die ersten Zeilen zukommen lassen. Ich habe Paket vom 7. mit Rauchartikeln und Keks bekommen, danke Euch für dasselbe recht herzlichst.

Das ist rein haarsträubend was jetzt alles bei mir an Post ausbleibt. Mit dem Dauerurlaub wird es ja noch nichts; aber vielleicht wird irgend ein feindliches Land noch vernünftig in diesen Jahre. Unsere neuen Geschütze sind schon gelandet; in einigen Tagen  werden wir sie hoch bekommen. Jeden Tag gibt es jetzt bei und von oben herab einen Berg Befehle, ein Haufen Arbeit. Seid recht herzlichst gegrüßt von Eurem Gustav

16. November 1917

16.11.1917.

Liebe Eltern! Das war aber eine Freude, gleich zwei Briefe von Vater und von Mutter, meinen herzlichsten Dank dafür. Ganz so eilig geht es meiner Meinung nach mit dem Frieden nun doch nicht. Der Engländer bemüht sich mit allen ihm zur Verfügung stehenden Kräften einen Erfolg in Flandern zu erringen. Das ist mir immer recht auffallend, denn es ist doch furchtbar sinnlos wenn er bis zum nächsten Jahr aushalten könnte.

Ohne einen aufständigen Kater allerseits darf es natürlich nicht abgehen. Bei der vielen Arbeit jetzt kann ich nicht von hier weg; meinen Junker bekomme ich jedoch bestimmt. Seid recht herzlich gegrüßt von Eurem Jungen

20. November 1917

20.11.1917.

Liebe Eltern!

Jetzt haben mich aber doch zwei Fleischklöße richtig gehend und in gutem Zustand erreicht. Ich danke für das Paket recht herzlichst. Bei uns geht alles einen alltäglichen Gang. Heute hatten wir vom frühen Morgen bis jetzt Befehlsübung, eine schöne Arbeit wieder. Fast die ganze Stellung hatte d. Rind. Es ist aber inzwischen dank unserer allgemeinen Tüchtigkeit wieder raus geworfen. Ich denke ja jetzt schon eifrig an die kommenden Urlaubstage.

In nächster Zeit soll wieder ein kleines Unternehmen von uns gemacht werden.

Morgen schreibe mehr, Brief soll noch mit. Seid recht herzlichst gegrüßt  von Eurem Gustav

27. November 1917

27.XI.1917.

Liebe Eltern!

Regen und ununterbrochen Regen, das schöne Herbstwetter. Mir geht es soweit noch recht gut und hoffe ich, daß es Euch hervorragend geht. Meinen Kursus ist zur Abwechslung wieder verschoben oder vielleicht auch gänzlich weggefallen. Jetzt ist wieder eine Zeit der Vermutungen und Erwartungen.

In den nächsten Tagen mehr.

Seid recht herzlichst gegrüßt von Eurem Gustav

5. Dezember 1917

5.12.1917.

Liebe Eltern! Mutters Brief vom 1. ist gestern gelandet, für die lieben Zeilen herzlichen Dank. Und erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Mit der Ruhe war nichts, mit dem Besorgen von Zucker auch nicht, denn ich hätte auch nicht gewußt wie ich ihn transportieren sollte. Mit meine Urlaub wird dennoch auch vorläufig nichts und werde ich noch verschiedene Wochen zu warten haben. Frieden wird es im Westen ohne Kämpfe nicht geben und geht es hoffentlich bald ran an den Speck. – So muß ich leider auch vorschlagen mit der 2. Gans nicht zu lange zu warten; da ich in diesem Jahr in Anfang nächsten auf keine Urlaub rechnen kann. Ich glaube in einigen Tagen darf wieder ein ganz minimaler Satz abreisen. Ich hoffe aber für Anfang nächsten Jahres auf einen baldigen Dauerurlaub wenigstens Frieden.

Nun seid recht herzlich gegrüßt von Eurem Jungen

7. Dezember 1917

7.12.1917.

Liebe Eltern!

Eure Sendung Geld habe ich erhalten, ich danke Euch recht herzlichst dafür. Wir sind schon wieder auf Reisen und daher wenig Zeit. Hoffe morgen mehr schreiben zu können. Mir geht noch gut und hoffe, daß es meinen lieben Eltern auch recht gut geht. Seid recht herzlichst gegrüßt von Eurem Gustav

15. Dezember 1917

15.12.1917

Liebe Eltern!

In Eile einige Zeilen. Für Eurer Paket und Vaters liebe Zeilen herzl. Dank. Mir geht es so lala und freut es mich auch von Euch zu hören, daß Ihr Euch wohlauf befindet.

Das Weihnachtsfest rückt immer näher und noch hat sich nichts geändert.

Seid recht herzlichst gegrüßt von Eurem Gustav

23. Dezember 1917

23.12.1917

Liebe Eltern! Morgen ist schon d. hohe Festtag, auf welchen man sich so sehr freut. Ich wünsche, daß Ihr es recht fröhlich habt und vergnügt gefeiert habt. Morgen Abend werden ich Euer gedenken und mich auf das kommende Fest freuen, daß doch endlich im Frieden gefeiert werden muß. All zu lange kann der Krieg doch nun nicht mehr anhalten und wird uns dann ein recht sonniges Zusammensein beschert sein. Bleibt hübsch gesund und lustig liebe Eltern und seid recht herzlichst gegrüßt von Eurem Jungen

25. Dezember 1917

25.12.1917.

Liebe Eltern! Zum allgemeinen Entsetzen ist der Witterungsumschlag doch schon da. Heute Morgen begrüßte uns die Natur gleich mit dem in solchem Gelände von hier üblichen Morast. Für manchen Menschen in Deutschland ist die milde Temperatur besser, denn die Kohlen sind doch wohl recht knapp. 50 Kälte im ungeheizten Zimmer ist auch keine verlockende Aussicht. Darum hat dieses Wetter auch sein gutes. Vielleicht ist morgen die Post so gütig und bringt mir Nachricht von der Haus. Einen herzlichen Weihnachtsgruß von Eurem Gustav

3. Januar 1918

3.1.1918

Liebe Eltern!

Schinken ist angekommen; auch der Nachtisch lag oben darauf. Das ist aber wieder was für den Schlot.

Ich danke Euch herzlichst mit einer Träne im Auge.

Rein fürstlich lebt der Krieger jetzt. Etwas scheint sich unsere Post zu bessern. Vielleicht gehen die Briefe auch noch der Heimat etwas schneller.

Seid recht herzlichst gegrüßt von Euerm dankb. Jungen

4. Januar 1918

4.1.1918.

Liebe Eltern!

Gestern sind die Eier bei mir gelandet. Trotzdem die Kiste entzwei war, war keins derselben kaputt. Für das Paket und die lieben Seiten herzlichsten Dank.

Hier heult jetzt die ganze Welt und ist es wieder garnicht dreckig. Die schönen Alarmgerüchte haben sich leider noch nicht bewahrheitet, aber was nicht ist das kann noch werden.

Einen herzlichen Gruß von Euerm Jungen

7. Januar 1918

7.1.1918.

Liebe Eltern!

Mein Handtuch geht seinem Verfall entgegen und bin ich zu dem Entschluß bei Muttern anzufragen wegen Ersatz des alten. Es soll auch nur ein älteres sein aber möglichst eines wo ich nicht immer mit meinen ganzen Kopf durchrutsche.

Der Engländer vergnügt sich heute Nachmittag damit, daß er in den vorliegenden Grund schießt in dem Glauben eine Batt. Stellung ausräuchern zu können. Früher hat einmal dort etwas gestanden, 70 Schuß habe ich schon gezählt. Seid recht herzlichst gegrüßt von Eurem Jungen

8. Januar 1918

Liebe Eltern! Recht lange habt Ihr nichts von mir erhalten. Einige Zeit hatte ich recht wenig geschrieben; aber so lange war der Unterschied denn doch nicht. Mutters Brief vom 3. habe ich gestern erhalten. In Russischer Sache hat es eine Meinungsverschiedenheit gegeben. Wir befinden uns in vollem Recht und hat es keinen zweck derartige Forderungen zu bewilligen. Vielleicht wird der Russe doch vernünftig, sonst ist auch der Haupthalt der Bolschewikis fort. Mutters dumme Hand streikt also doch schon wieder, das ist recht betrübend. – Da läuft mir das Wasser im Munde zusammen bei den feinen Klößen.

Ich wünsche Euch beste Gesundheit und grüßt herzlichst Euer Gustav

9. Januar 1918

Liebe Eltern! Leider sind die Verhältnisse mit Rußland noch nicht geklärt. Ein direkten Abbruch der Verhandlungen kann ich mir nicht recht vorstellen. Jetzt ist wieder eine kritische Zeit in welcher man gespannt auf jede Nachricht wartet. Haltet mir die Daumen steif ich komme vielleicht doch noch früher mit Urlaub an die Reihe, Anfang nächsten Monats.

Mit den herzlichsten Grüßen Euer Gustav

10. Januar 1918

Liebe Eltern! Heute habe ich Mutters Brief vom 4.1. erhalten. Für alles meinen herzlichsten Dank. An unsere gemütliche Eck bei Vater, sowie hinten habe ich recht oft gedacht. Ich hoffe doch, daß nun bald der endgültige Schlag kommt. Dann wollen wir die Tage recht zufrieden und froh zusammen verleben.

An Paketen habe ich Schinken, Eier u. Rauchpaket bekommen, Selleriepaket fehlt noch ebenfalls Tante l. Paket. Wird aber noch kommen, da noch recht viele Sachen bei Kameraden fehlen. Rußland ist doch wieder angetanzt gekommen, nur noch reichlich Unklarheit herrscht dort.

Euch, liebe Eltern gute Gesundheit wünschend, grüßt  herzl. Euer Junge

17. Januar 1918

17.1.1918.

Liebe Eltern! Mutters Brief vom 13. und das Paket mit Marmelade ist angekommen. Ich danke für beides recht herzlichst. Mein Urlaub wird wenn alles gut geht Anfang Februar, günstigenfalls auch Ende d. M. kommen. Da muß ich Vaters Geldbeutel noch einmal zur Last fallen. Dieses Mal gedenke ich eine anständige Portion Zigarren mitzubringen, die ich hier in einigermaßen anständiger Verfassung und so viel wie ich will erhalten kann. Meine 100 M sind noch nicht alle aber recht viel bekommt man heute nicht mehr dafür. – Die Rede von Hoffmann in Brest-L. hat mir recht gut gefallen, das würde zu toll mit den Russen. Nun wünsche ich uns, daß der Urlaub nicht wieder gesperrt wird.

Mit recht herzlichen Grüßen verbleibe ich Euer Gustav

20. Januar 1918

Liebe Eltern! Zum allgemeinen Ärgernis ist der Urlaub schon wieder auf 2% Prozent herabgesetzt. Das verschiebt meinen Urlaub nahezu um einen Monat. Ja, das ist zum Steinerweichen. Wenn nicht d. Befürchtung eines gänzlichen Schlusses da wäre ginge es ja. Jedoch in diesem Jahre ist es richtig unsicher. Nun noch 14 Tage brauchten die Brüder zu warten dann wär ich an der Reihe. Die Heringe habe ich gutem Zustand erhalten, die Dose hat sehr gut geschlossen. Ich wünsche nun, daß es meinen lieben Eltern recht gut geht und grüßt Euch herzlichst Euer Junge

17. Januar 1918

Liebe Eltern! Mutters Brief vom 13. und das Paket mit Marmelade ist angekommen. Ich dank für beides recht herzlichst. Mein Urlaub wird wenn alles gut geht Anfang Februar, günstigenfalls auch Ende d. M. kommen. Da muß ich Vaters Geldbeutel noch einmal zur Last fallen. Dieses Mal gedenke ich eine anständige Portion Zigarren mitzubringen, die ich hier in einigermaßen anständiger Verfassung und so viel wie ich will erhalten kann. Meine 100 M sind noch nicht alle aber recht viel bekommt man heute nicht mehr dafür. – Die Rede von Hoffmann in Brest-L. hat mir recht gut gefallen, das würde zu toll mit den Russen. Nun wünsche ich uns, daß der Urlaub nicht wieder gesperrt wird. Mit recht herzlichen Grüßen verbleibe ich Euer Gustav

Kriegslazarett 686, Station 7, Saal 19 („Villa van Gulik“ in Goch)

19. Mai 1918

Liebe Eltern!

Jetzt bin ich hier in Mons angekommen gestern Abend zwei einhalb Tag haben wir in [Arbux?] auf der Sammelstelle gelegen und waren wir von jeder Postverbindung abgeschnitten. Hoffentlich habt Ihr Euch nicht zu arg beunruhigt. Besser ist meine Krankheit gerade noch nicht und hat mir auch hier der Stabsarzt Bettruhe verordnet. Es ist aber doch alles keine wirksame Kur zum Rheumatismus raustreiben. Hier habe ich aber wenigstens anständig borden können und liege in einem weißen Bett. Ich werde mich diese Tage noch dem Namen des Stabsarztes erkundigen, der uns behandelt. Es ist hier recht schwer fort zu kommen, werde aber mein Möglichstes tun. Hier ist ein bayer. Kriegslaz. und augenblicklich ganz voll. Ist Mutter wieder in Eilsen und wie geht es meinen lieben Eltern. Der Zug, der uns gestern Abend nach hier brachte ist heute weiter nach Aachen gefahren. Wäre mächtig gern mitgefahren mußten aber alle raus. Vielleicht glückt es noch einmal.

Seid ihr herzlichst gegrüßt von Eurem Gustav

20. Mai 1918

20.5.1918

Lieber Vater!

Heute kann ich Dir den Namen des Arztes welcher mich behandelt schreiben. Er heißt Stabsarzt Molitor. Also, lieber Vater wenn sich irgend etwas machen läßt ich würde mich riesig freuen.

Wir liegen hier zu 100 Mann in einem großen Saal und kann man beim Durchgang herzlich wenig sagen.

Der Brief soll noch schnell fort. Es grüßt Dich und Mutter herzlichst Dein Junge

Adresse für Arzt genügt Kriegslaz. 686, Stat. 7, Deutsche Feldpost 35.

21. Mai 1918

Liebe Eltern!

Seit 2 Tagen ist hier im Garten des Abends Musik und ist dies eine recht nette Abwechslung. Sehr lagen ist es schon her gewesen, daß ich keine Musik gehört. Ein Kamerad von meiner Batt. liegt auch hier. Soweit ist es ganz nett. Nur unsere Schwester taugt absolut nichts. Von Freundlichkeit keine Spur, den ganzen Tag der Feldwebelton.

Schreibt mir bitte sofort was Vater in der Sache getan hat. Hier wird bei Rheumatismus und ähnlichen Krankheiten lediglich nach dem Fieber geurteilt und merkwürdigerweise geht es gerade hier bei mir runter, trotzdem ich noch immer Rheumatismus habe. Wenn es denn hier nicht möglich si versuche ich von der Genesungskomp. meinen Urlaub zu bekommen. Ich wünsche Euch bestes Wohlergehen und grüßt Euch herzlichst Euer Junge

21. Mai 1918

21.5.1918

Liebe Eltern!

Da mein Fieber seit heute aufgehört hat glaube ich kaum, daß Vaters Bemühungen etwas nützen werden. Ich habe mich allerwärts eingehend erkundigt und erfahren, daß ich eventuell von der Genesungsabteilung aus Urlaub bekommen kann. Von hier aus komme ich voraussichtlich 14 Tage nach dort. Bei dem jetzigen Trubel könnt Ihr Euch denken daß hier Schnellkuren an der Mode sind. Es läßt sich ja allerwärts etwas machen und ich habe die feste Absicht mein Möglichstes zu tun. Nun möchte ich Vater noch einmal wieder um Geld bitten; aber damit kommt man immer am weitesten. Ich will es versuchen. In der Gen. Abt. gibt es allerhand schöne Abkommandierungen, z.B. Transporte nach Deutschl., Ukraine und Posten im Lazarett usw. Vielleicht ist es mir dann auf diese Art möglich. Seid recht herzlichst grüßt von Eurem Jungen

22. Mai 1918

Liebe Mutter!

Heute habe ich erst Deinen lieben Brief erhalten indem Du mir Deinen neuen Aufenthaltsort mitteilst. Durch die Umherzieherei ist die Adresse beständig eine andere. Jetzt ist jedoch kein Grund zur Beunruhigung da, vorläufig bin ich noch hier im Lazarett und dann geht es erst zur Genesungsabteilung. Außerdem schreibe ich auch vorher. Hier ist es ganz nett. Vor allen Dingen liege ich hier sauber u. nicht so traurig in einem Holzbett wie in Palluel.

Nun wünsche ich Dir, liebe Mutter bestes Wohlergehen und recht gute Erholung. Nimm recht gut zu, vielleicht komme auch ich doch noch einmal nach Deutschland.

Sie recht herzlichst gegrüßt von Deinem Jungen

23. Mai 1918

23.5.1918

Liebe Mutter!

Dein Brief aus dem neune Heim habe ich heute erhalten. Nun weißt Du ja auch schon, daß ich in Mons liege. So einfach mit dem Wunsch äußern ist das nicht, schließlich will jeder krank nach Deutschland. Die Ärzte haben aber doch Befehl möglichst viel zur Front zurück zu senden. Gerade mein Leiden kommt häufig vor und gibt sich oder wenigstens wird besser noch einige Tagen im warmen Bett bei guter Verpflegung. Natürlich darf man die Hoffnung nicht aufgeben, vielleicht glückt es dennoch. Lazarettzüge gehen von hier jeden Tag nach Deutschland. Die 50 M habe ich erhalten und habe dies auch sofort bestätigt, auch glaube ich sämtliche mir angekündigte Pakete erhalten zu haben. Jedes erhaltene Parket habe ich aber auch bestätigt. Da müssen Briefe von mir verloren gegangen sein. Ich schrieb vom Feldlaz. aus sehr oft und hoffe ich, daß Ihr die rückständige Post noch erhaltet.

Meiner lieben Mutter wünsche ich recht gute Erholung und Dir reichliche Zunahme am Körper.

Bitte grüßt Vater und sei auch herzlichst gegrüßt v. Deinen Gustav

20. Juli 1918

Am 20. Juli 1917 abgesandte Ansichtskarte

Liebe Mutter!

Umstehend eine Ansicht einiger vornehmer Behausungen. Durch diesen Hohlweg bin ich schon des öfteren streift, nur etwas bunter siehts dort aus.

Hoffend, daß noch alles frisch u. munter grüßt Dich herzl. D. Gustav

3. August 1918

3.8.1918.

Liebe Mutter!

Das erst Paket ist auf der Bestimmungsstation gelandet. Ich dank Dir herzlich für die süßen Grüße und Zigaretten. Hier hat d. neue Jahr mit Regen begonnen und sieht wenig erfreulich aus. Man munkelt heute von einem Friedensgedankenaustausch zwischen Hertling u. Wilson. Nur scheint mir dieses Gerücht wenig glaubhaft. Hoffentlich ist dort die Witterung etwas günstiger. Dir gute Besserung wünschend, grüßt Dich herzlichst Dein dich liebender Junge

Lazarett in Linz am Rhein (September 1918)

Widmung des Fotos

Linz a/Rh. 28/9.18

Zur freundlichen Erinnerung an unsere Leidenstage im schönen Linz a/Rh.

Dein Kam. Rainer

+ Frau Hbg. 12. Grindelallee 102 I

Reserve-Lazarett Henriettenstift (Hannover)

17. Oktober 1918

Liebe Mutter!

Wat mocket Sei denn! Immer noch lustig und fidel. Wir haben auch gestern einen vergnügten Tag verlebt bei Onkel. Natürlich mit riesig viel Kaffee u. Kuchen wurden wir versehen, sodaß ich ernstlich bange um meinen hoch wohllöblichen Bauch war. Eigentlich solltest Du in einer Gummiblase eine Portion zu 2,50 M haben, aber Gummi ist knapp. Nun erscheinst Du auch bald im schönen Hannover, schreibe Deinen Bengel inzwischen einmal. Iß Dir inzwischen noch einen kleinen Schmerbauch am und bleib hübsch munter.

Es grüßt Dich herzlichst Dein Junge

19. Oktober 1918

Liebe Mutter!

Nun hast Du´s aber bald erreicht. Um einen Tag hat sich Deine Ankunft verschoben, aber Vater kann ja auch nicht. Jetzt ist bei ihm wieder Hochkonjunktur, ein Mordsbetrieb. Großmutter ist immer in Angst, daß Kaffee oder Essen kalt wird wenn Vater wieder das Essen bei der vielen Arbeit vergessen. – Gestern habe ich Tante Leni begrüßt, sieht trotz ihrer überstandenen Krankheit großartig aus und kommt es mir vor als ob sie noch dicker geworden.

Vergnüge Dich noch recht schön, auf frohes Wiedersehen. Es grüßt Dich herzlichst Dein Junge

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Feldpostbriefe von Karl Paelecke aus Schneflingen (1940-1944)

Karl Paelecke wurde am 9. November 1911 in Emmerstedt (Kreis Helmstedt) geboren. Er heiratete Erna, geb. Wolf aus Schneflingen zu einem bisher unbekannten Zeitpunkt. Erna Paelecke (1913-1987) war die einzige Tochter von Heinrich Wolf und Martha, geb. Klopp (1888-1954). Heinrich Wolf (1886-vermisst 1914) wurde im September 1914 während seines Einsatzes an der französischen Front als vermisst gemeldet. Erna Wolf war die Erbin der Hofstelle in Schneflingen.

Karl Paelecke und seine Ehefrau Erna hatten einen gemeinsamen Sohn, Heinrich Paelecke (1933-2023).

Karl Paelecke wurde am 1. März 1940 eingezogen und wurden nach seiner Ausbildung bei der Infanterie-Divisions-Kolonne 123 eingesetzt. Im November 1943 erfolgte die Versetzung zum Grenadierregiment 418.

Besonders zu erwähnen ist sein 14-monatiger Einsatz während der Kesselschlacht von Demjansk.

Für seinen Kriegseinsatz erhielt Paelecke folgende Auszeichnungen:

  • Ostmedaille (Winterschlacht im Osten 1941/42)
  • Demjanskschild
  • Kriegsverdienstkreuz 2. Klasse mit Schwertern

In den Unterlagen der Familie Paelecke gibt es ein Schriftstück über Karl Paeleckes Einsatz im Zweiten Weltkrieg. Vermutlich wurdes dieses von seiner Ehefrau angefertigt.

Karl Paeleckes Einsatz im 2. Weltkrieg

Karl wurde eingezogen am 1. März 1940[,] war 4 Wochen in Hannover am Welfenpl. zur Ausbildung bei der Fahrkolonne, kam dann nach der Eifel, rückte als der Westfeldzug begann ins Feld. War daselbst bis September, kam dann nach Landsberg (in der Nordmark) bis März 1941. Dann begann die Fahrt mit Pferd u. Wagen durch Postpreußen hinauf bis Gumbinen. Überschritt die russische Grenze am 22. Juni [1941] als der Ostfeldzug begann. Der Vormarsch ging bis zum Ilmensee[,] wo er mit seinen Kameraden 14 Monate eingeschlossen war. Der Kessel wurde geräumt[,] im Februar 1943 kam [er] zurück bis Veliskije Luki[,] von wo er nach 30 Monaten in Urlaub fahren konnte. Im September ging die Fahrt zum Süden der Ostfront. Am 10. November wurde er zur Infanterie gerufen[,] wo er am 24.11.[1943] zum Einsatz kam bei Saboronje. Nach schweren Wochen kurz vor seinem Urlaub ist er am 29.I.44 bei Jelenovka (Südwestlich Dnjepropetrowsk) gefallen u. in Nowi-Wassiljewka zur letzten Ruhe gebettet. Sein Alter beträgt 32 Jahre 2 Monate 20 Tage.

Feldpost von Karl Paelecke an seine Familie in Schneflingen

Die überlieferten Feldpostbriefe von Karl Paelecke an seine Familie in Schneflingen sind nur lückenhaft erhalten. Den letzten Brief schicke Paelecke im Januar 1944 ab, jedoch ist nur der Briefumschlag überliefert. Der Inhalt fehlt.

Wie in Feldpostbriefen üblich, wird auf Grund der Zensur nicht viel über Kriegsereignisse und das Leben an der Front berichtet.

Um so erstaunlicher ist, dass er in einem Feldpostbrief vom 1. Mai 1943 über die Tötung von 100 Partisanen durch seine Einheit schreibt.

Die Rechtschreibung und Zeichensetzung wurde vom Original übernommen.

Feldpost von und an Karl Paelecke

18. Juli 1940 – Erna Paelecke an ihren Mann Karl Paelecke

Schneflingen d 18.7.40.

Lieber Karl!

Zum dritten Mal will ich jetzt deinen Brief beantworten es heißt doch alle gute Dinge sind drei. Hoffentlich werden wir Morgen dann Post erhalten. Es sind dann wieder vierzehn Tage her vom vorigen Schreiben u. beklommen wartet man doch wieder auf Post. Ob meine Post ebenso langweilig ist? Du wirst doch sicher inzwischen schon etwas näher gekommen sein oder seid Ihr nicht alle Tage auf Fahrt? Bei Euch wird sicher noch beständiges Wetter sein. Hier hat es gestern den ganzen Tag geregnet, den wir aber auch noch schön gebrauchen können für die Kartoffeln kommt er grad günstig sie stehen so furchtbar voll in diesem Jahr da wird auch sicher die Frucht nicht ausbleiben. Die ersten stiegen stehen bereits schon im Feld Bammels haben vorgestern schon gemäht hier vor Schulzen Hof. Herr Bammel hat aber auch selber mithelfen müssen, daß hab ich noch nie gesehn daß der schon mal eine Sense in der Hand gehabt hat. Aber die Arbeit ist ja auch nicht nur für die kleinen Leute sie sollen doch alle mithelfen das die Volksernährung sicher gestellt wird. Nun Lieber Karl, Du schreibst mir das, so lange Ihr nach Feindesland seid, an Urlaub nicht zu denken sei daß ist sehr schade, ich hatte bestimmt damit gerechnet daß du wohl zur Ernte hier sein würdest hast Du von dem Urlaubsgesuch wieder nichts vernommen? Herr Schröder meinte jetzt ich sollte doch mal Reklamieren. Das hab ich nun getan, ich hab es mir aufsetzen lassen u der Ortsbauernführer hat es unterstempelt so ist es nun an die Kreisbauernschaft weitergeleitet, hoffentlich wird es überall genehmigt u dann nicht verworfen, wie all deine Urlaubsgesuche, wir haben doch bis jetzt von keins etwas zu hören u zu sehen bekommen u Du doch auch nicht, wo wir von der Kreisbauernschaft immer Nachricht erhielten daß es genehmigt u an die zuständige Stelle weitergegeben sei; Sollte auch dieses Entlassungsgesuch wieder nicht zur Entscheidung kommen, werde ich noch ein Urlaubsgesuch abschicken u dann an Dich persöhnlich daß du es selbst vorlegen kannst u wir dann uns doch wenigstens im klaren sind ob, oder aus welchem Grunde dir kein Urlaub gewährt werden kann. (33 Morgen, 5 Kühe, 25 Schweine, Arbeitskräfte Mutter und ich)

Vater wurde vermißt am 14. September 1914 bei Laon, wenn Du einmal gefragt werden solltest. Wir wollen hoffen es dieses Mal seinen Zweck erreichen wird ich habe mein möglichstes versucht war auch wohl meine Pflicht war für dich zu tun Lieber Mann. Hoffentlich bist du wieder hergestellt u kannst diene Fahrt fortsetzen. Heinrich Jagemann liegt augenblicklich auch im Lazarett in Hamburg wegen seine Polypen. Vielleicht auch noch ein Grund zur Entlassung. Er kam von hier nach Oldenburg u dann zurück nach Hamburg, wobei er richtig angesetzt ist kann ich dir nicht schreiben auf dem Flugplatz ist er ob als Bodenpersonal, sicherlich.

Lieber Karl!  Hier die Krieger schreiben auch alle daß sie auf Rückreise wären u auch teilweise damit rechnen daß sie entlassen werden. Den guten Wein in Frankreich werden wohl die meisten probiert haben. Fritz Götje schrieb auch davon. Dann wirst du aber ziemlich schlank geworden sein wenn du deinen Koppel noch enger geschnallt hast. Wirst sicher schon mein Gewicht errechnet haben 99 Pf. Na wenn du einmal wieder zu Hause bist sollst du dich aber gründlich erholen, oder muß ich jetzt noch Päckchen schicken ½ Pf. ist nicht viel aber vielleicht könnt Ihres Euch besser kaufen. Nun sei vielmals gegrüßt von Deine Erna u alle im Hause. Schreib bald wieder

 

26. August 1940 – Karl an seine Mutter

Frankreich d. 26.8.40.

Meine Lieben da zu Hause!

Auch heute ist auch mal wieder Sonntag und ein wunder schönes Wetter, jetzst wird es ist wohl [?] wetter werden und da müßt Ihr jetzst schwer arbeiten müßen. Ich stand diese Nacht wider Wache Sonabend zum Sonntag es war ganz schön frisch stand von 1 ¼ Uhr bis um 4 Uhr in und wenn so geht die Nacht und die andern so schön schlafen ist doch son anderes gefühl und es ist ja doch immer noch Feindesland aber es war ja heute nun Sonntag u hatte frei habe mir so recht aus schlafen können sonst geht es mir ganz gut und hoffe von Euch dasselbe Liebe Mutter habe das letzste Stückschinken diese letzsten tage auf gegessen u heute nachmittag habe ich die erste dunkle Dose L Wurst auf gemacht das ist doch die schöne Heimatwurst schmeckt doch ganz anders als die wir ihn kriegen da ist doch kein fett mit rin gekommen bischen wurde Ich mir noch davon halten bischen Butter bekommen wir jetzst auch können uns auch Milch holen von der Molkerei ist hier auch im Dorf auch schuh Laden u einen Frisör ist auch da u noch manch andre Läden Bäcker usw ist auch alles zu hause liegen auch priefat steht die Frau auch so allein die ihr Mann hat sich mich schon 5Mal nicht gemeldet hat zwei kleine Kinder und da schläft unsere grupe oben im zweiten Stock haben auch neue Betten bekommen zwei überein andern.

Liebe Mutter hier giebt es recht viel Obst die Pflaum Bäume hengen hier so voll das welche zweige sind zum teil abgebrochen oder müssen so was unter gestellt werden so ist es mit den Äpfeln auch Tomaten giebt es hier 3 st bestimt 1 Pfund gewaltige Dinger sind es. Mutter habt Ihr den meine Bilder erhalten oder meine andern Briefe hoffe doch das es so wohl ehr gehen wird den Mutter hat mann doch eher zeit zum schreiben als damals im Vormarsch u ist ja doch nicht mehr so weit auch Mutter unsere Kolone hat Zucker bekommen jeder kriegt 10 Pfund wird noch etwas beuch euch ankommen.

Nun Meine Mutter

ist mir nun wider Dunkel geworden und werde schließen Meine andern Kameraden liegen auf den Bette u so singen fangen das Lied an nach meiner Heimat ziehts mich wider

Mutter jeder möchte wohl nach Hause

Nun Mutter bleibt Alle recht Gesund u Munter

Vielen Grüßen Papa!

Hofflich paßen die Strümpfe.

 

3. Oktober 1940 – Karl nach Scheflingen

Polen, den 3.X.40

Ihr Lieben Alle!

Auch heute noch mal schnell einen Brief denn es dauert jetzst nicht mehr lange denn wird wohl mal wieder eine pause zwischen sein wo es denn erst herkommt muß ich noch nicht haben wieder 2 Tage Bahnfahrt es wird schon eine ganze eke wieder sein schicke mir nun erst mal nichts mehr an pakete bis ich erst mal wider meinen festen sitz haben werde werde Ich sofort schreiben Meine Lieben habe wieder viel gesehn wenn es auch Polnischewirtschaft muß doch auch mal an gesehen werden die hauptsach das wir Alle gesund sind und das schreibe Ich von mir

Ich habe es sehr eilig es ist Mittag und da geht es sehr schnell in der halben stunde schnel so ein fertig machen von urlaub noch nichts gehört

Meine Lieben wie mag es auf den unseren neuen stelle sein hoffendlich braucht mann da nicht so lange auf den urlaub zu warten also nächste Woche ist denn das Ich wegkomme Erna hast Du Behne schon einmal gefragt das Ich nur 14 Tage haben sol sonst müßt Ihr noch mal eine reklamation einschicken Oberkomando der Wehrmacht ob ich mein urlaub kriege weiß ich nicht von hier. Erna auch unseren schaden ersatz werden wier auch noch ein reichen habt Ihr Euch schon mal drum kümmert Es sind viel die haben schon was bekommen Auch heute ist mal wieder schlechtes Wetter Es ist des Morgens schon ganz friesch Mantel habe ich noch nicht angehabt Morgenabend ist schon Abschiedfeier

Nun noch mal viele Grüße von Euren Papa!

hoffe das wir uns bald wieder sehn.

Aufwiedersehen!

 

 

Feldpost während der Kesselschlacht von Demjansk (8. Januar 1942 bis 2. März 1943)

11. Mai 1942 – Karl an Mutter und Großmutter

Losten, den 11.5.42.

Liebe Mutter u Großmutter!

Heute ist der Montag ich bin heute beim Pferde Weiden es steht ja nicht viel aber Heu u Stroh gibs doch hier nicht mehr so suchen sie sich das trocken Gras so habe ich ebend grade mein Mietag aus gegessen es gab Eintopf Reis gestern waren Erich u Ich fahren Nun Mutter u Großmutter, so hatten wir heute früh schon unter suchung es doch immer noch welche gebraucht zur Infanterie Da muß ich nun schreiben das der Erich nun mir verläßt wann weiß man ja noch nicht die sind doch zwei aus ein Dorf alle beide sind sie angenohmen

Da freue ich mich doch das bei den Pferden bleiben kann ich bin ja das gewöhnt über Mir waren sie ja nicht über die Füße zu frieden ob sie zu groß waren oder wegen den starken Senkfuß also Platfüße da bin ich doch zu frieden das mann da nicht mit braucht den fahren geht doch besser als zu Fuß Nicht wahr! Heute ist es wider mit das Wetter so schlecht es ziehen immer mer den schauern u auch diese Hagel sind noch so dick aber es wird sich bald aus gehagelt haben Wie geht’s es Euch noch Alle: Hoffendlich seid Ihr Alle doch noch gesund so ichs auch von Mir schreibe Wie weit ist die arbeit fertig, geht den Grosmutter auch noch öfters mit raus zum Keller son bischen neu gierig nicht mehr! Mutter wie das mit das Holz was wir damals da von dem alt Bau dahin gefahren haben liegt das noch da das kann auch kaput gesägt werden das wierd doch faul da es dauert doch zu lange dachte so ist da am Keller noch ein schützen anzuhängen da wird dann auch noch mal wat werden. Ach! Mutter! es geht wie so oft viel durch den Kopf die Wand sollte doch auch Maddif werden da am Rinderstall u Keller es belibt doch vielles durch den Krieg so nach aber es wird nach her mal werden wenn wir Alle wider zusammen sind u das hoffendlich gesund.

Wie ziehen den die Kühe kriegen doch gar kein Kraftfutter wie weit sind die Schweine habt ihr schon mal wider zu gekauft noch Zucht im gange

heute sehe ich wie die Russen die Kartoffeln

Die machen sich nicht so viel Arbeit mit den Acker, mein die sind noch über 100 Jahr zurück es ist wirklich ein dreckliches Volk die haben kein Lokus u die Häuser kaput Die machen nichts heil Wir haben jetzst so vielle diese [Minnken?] in der Stube hatten wir [läßsten?] bisher ja nicht bekommen alles saß voll aber ich hatte meines in son kleines Glas wie Semmb Glas groß u konnte es zuschrauben in der Kiste waren sie auch schon heute giebs auch wider was. Ja an Päckchen Mutter ist nun noch nichts ran ob es noch kommt Ich weiß es ja auch nicht u kann keiner etwas dafür da sicher was anders befördert was nötiger tuht! Aber auch gaben kann manns auch noch nicht ist doch nichts zurück gekommen, habt ihr den Brief nicht bekommen mit den Flugmarken schreibst die mal wie lange die gehen nicht wahr!

Und vielleicht hat Erich das Geld auch schon überreicht u kommt Euch gut zu paß das grade was bezahlt ist.

Der Lehnert Fritz aus Eischot ist auch bei Mir da habe ich ja doch noch gesellschaft

Der möchte auch gerne in Urlaub u wandert auch so viel umher sehen uns alle Tage wollen doch beide wider zusammen in Urlaub aber der Sommer wird einmal wider vergehn bloß dan Winter hier wider durch so geht mann doch zu lätzst vor die Hunde.

Nun werde ich schließen

Was macht der Junge alle tage ist der Ostern mit den andern in Schule mit gekommen oder is er sitzen geblieben aber in seine letzsten Brief kann er gut schreiben u das Singen geht auch gut wenn ich den mal komme da werden wir die Mama doch unter kriegen mit singen

Nicht wahr! Heinrich

Es grüßt doch Euch Allen

Der Liebe Papa!

 

12. Juli 1942 Karl-Heinrich Paelecke an seinen Vater Karl Paelecke [Rückseite Feldpostbrief von Karl Paelecke vom 23. Juli 1942]

Sontag, d. 12.7.42.

Lieber Papa!

Deinen Geburtstagbrief mit Bilder habe ich erhalten, vielen Dank. Nun will ich Dir auch schreiben war ich noch aller erhalten habe: ein Sporthemd. Teller und Sammeltasse Halter und Bleistift, Pralinen und eine Karte von Europa, darauf habe ich schon gefunden wo Du bist.

Am 8. Juli haben wir Ferien bekommen bis zum 7. August; deshalb habe ich heute Zeit zu schreiben, zumal,  da es schlechtes Wetter ist heute. und beim spielen auf der Straße nicht schön ist.

Viele Grüße aus der Heimat sendet Dir Dein lieber Sohn Karl-Heinrich.

Schreib bald wieder.

 

23. Juli 1942 – Karl an seinen Sohn Heinrich Paelecke

Im Felde, den 23.7.42.

Lieber Heinrich!

Diesen brief habe ich gestern erhalten habe mich aber doch sehr gefreut, da hat es ja doch wider etwas zum Geburtstag geschaft, da hast dir der Kaffee aber doch sicher gut geschmeckt. Die karte von Europa kann ich die nicht gebrauchen ist der Ilmsee mit drauf, seit drei Tagen haben wier wider Regenwetter, da ist das Heu fahren erst mal wider vorbei, Ihr Lieben Alle, Daheim will euch noch schreiben das Fritz Lehnert, Eischot in Urlaub ist ich habe einen Gruß mit geschickt wenn er durch Brechtorf käme ist am 21. abgefahren auf 21 Tage, einmal käme er immer mal durch Brecht. durch.

Ann ich an der reihe bin weiß ich nicht, es geht nach Kinderzahl denke der letzste werde ich nicht, ich weiß ja nicht ob du diesen zu der zeit erfüllt das er schon wider weg ist wenn du Nähres wissen wilst setzst Dir im Zug nach Brecht. u von da nach Eischott fährt Christel noch mit rüber. Hoffendlich erhälst den noch zur der zeit, aber nun wirst Du in der viellen arbeit sein beim Roggen mähen vielleicht kann gar noch mit einfahren helfen aber versprechen tuhe ich noch nichts.

Das ihr mir nicht sagt ich will mich davon drücken habe noch gesagt zu Ihm wollen zusammen fahren wie das letzste mal, aber nun kann ich auch nichts dran ändern sonst geht es Mir noch gut hoffe es auch von Euch Allen. Nun bin ich von Heinrichs Brief ab gekommen das währe ja für mich auch was neues allerdings für mich auch so hat mann doch auch mal hoffnung das es mal wider Juli ist ja bald wider hin aber ich habe ja doch arbeit wenn mal kommen sollte es wird eine überraschung sein weil ichs nicht schreiben kann, so hoffe Wir nun das beste u Grüße Euch Allen auf ein baldiges Widersehn, noch mals Der Papa!

 

8. Dezember 1942 – Karl nach Schneflingen

Russland, den 8.12.42.

Ihr Lieben Alle, Daheim!

Dachte ja heute einen Brief zu kriegen aber es war diese Tage nichts dabei, so werde ich si ein paar Grüße schreiben vor allen Dingen, bin ich noch gesund, Ihr Lieben, das ich doch nun von Euch auch hoffen tuhe! es war diese Woche mal wider sehr eilig da kommt mann gar nicht mal zur bestimmung

Wir haben nun alle Tage Schnee bekommen so liegt er schon ebend so hoch wie im vorigen Jahr aber es ist doch lange nicht kalt, meine dicken Handschuhe habe ich noch nicht gebraucht. Ich schreibe nun heute Abend ich bin grade ebend von die Wache gekommen, es ist 8 Uhr u Golla der hat mir abgelößt 2 Stunden muß jeder stehn. Eich hat Stallwache der muß die Pferde anbinden die sich Nacht über los reißen und wenn so 2 Stunden draußen gestanden hat u dan so in den schönen warmen Bunker das ist doch angenehm nicht wahr! wenn ich das nun so schreibe zu Euch, da schütelt Ihr selber über haupt, wenn son gewaltiger Schneesturm ist, heute bin ich das erste mal mit den Schlitten gefahren hatte Heu geladen bin nicht mal umgekipt. Was macht Ihr nun so alle Tage wie sieht es aus im Stall habt Ihr schon geschlachtet oder wohlt ihr erst was machen Die Kühe wie viel giebt die neue Kuh, Erna! Habe ich das kleine Rind noch immer soll nun mal wider gedroschen werden müßen. Doch nun auch so viel hin bringen, das die Schrotmühle, frei wird.

Was giebts so ist neues zu Hause.

Heinrich, hast Du schon gezählt die Tage bis Weih., was hast Du gutes bestellt u schreibst Mir mal was Ihr Alle zu Hause bekommen habt.

Noch mals viele Gesunde Grüße von dem lieben Papa!

Erhaltener Zeitungsartikel über die Kesselschlacht von Demjansk (Zeitung und Datum unbekannt)

Einsatz an der Ostfront nach der Kesselschlacht von Demjansk

 

Ostern 25. April 1943 – Karl nach Schneflingen

Ostern, den 25.IV.43.

Liebe Familie!

Werde doch heute nachmitag auch noch die fortz [sic!] von heute morgen weiter schreiben, jetzst habe ich wohl mal ein Mietagsschläfchen gehalten habe sehr gut geschlafen, so hoffe ich auch von Euch, dasselbe oder habt ihr dort Besuch, bekommen, es ist ja ein herliches Wetter, aber es nun zu Abend doch Wolkig zu werden den es ist windig geworden, Lieber Heinrich! Wie Soter Eier hast du den heue gefunden vielleicht schreibst dus mir doch mal, hat den Mama, auch die beiden Omas, auch welche gefunden aber für mich hat er wohl keine mehr gelegt den ich steh ja schon in Russland mit auf der Karte, aber Ihr Lieben, vielleicht erlaubt es auch die zeit u schreibt zu Mir! Da bin ich ja gut zufrieden. Jetzst die andern schon mit Kaffee Und was es giebt, wohl mal 13 Bonbons, 3 Eier, stückchen Magarine u ein Eslöfel Apfelmus da mit feiner wie Ostern es wird auch wider vorüber gehen da habe Ich doch mal abloesen müßen, nun hat das Wetter doch schon geändert wir haben jetzst ein Gewitter wie furchtbarer Sturm u auch Reggen also in einer stunde ist schon alles geändert u da wird es morgen schon wider besser sein. Wie weit ist die Wirtschaft seit Ihr so weit mit der arbeit der Monat April wird so vergehn vielleicht ist der Mai so gut das ich in Urlaub kann, wollens abwarten aber nächsten Monat wird nicht so viel arbeit sein am besten zur Heuernte Ich weiß nicht u kann es nicht sagen wann wieder zu steht, sonst ist alles noch hier Lehmans, auch Backeberg, Pärschke, wir bleiben wohl hier Post habe ich die letzst zeit nicht bekommen denk das heute abend noch etwas kommt Da schreibe ich heute abend mal weiter. muß wieder paar Tage weg

Gruß der Papa

 

1. Mai 1943 – Karl nach Schneflingen

Ihr Liebe Alle! Daheim!

Endlich komm ich heute doch mal wider an Euch paar zeilen zu schreiben wo ich ja weiß, das Ihr so auf Post wider wartet aber Ihr Lieben, nehmt es nicht von übel ich habe am ersten Ostertage noch so schön geschrieben u hatte es Mir auch ein bischen bequem gemacht aber es ist mal alles wider nicht so gekommen als ich doch dachte, so habe ich die beiden Briefe nur mein Namen unten geschrieben u weg Liebe Erna, ich bin seit den Ostern nicht mehr bei der Einheit gewesen es ging so schnell wie möglichst von da ab u war drei Mann wir mußten uns doch eine stelle melden aber mit Pferde u habe ein anders Reitpferd bekommen, da sind wir 60 Mann alles auf Pferd gehen jetzst die Partisanen auf den Leibe gestern haben wir davon 100 erledigt es ging aber doll hier wir hatten nur ein Verwundeten es waren viele Frauen dabei da bleibt nichts von über so 30 waren Gefangen aber ich schreibe nun heute Gesund u hoffe doch das Ihr Euch auch Gesund befindet so habe ich die letzste Nacht Wache geschoben u gehe heute Abend wider los wie es mit Urlaub wird weiß ich nicht aber die Urlaubskarten gehen ja aber ganz lange kann es nicht mehr dauern denke das ich bald wider zurück mache ich bin nun die ganze zeit ohne Post habe noch nicht mal Deinen Ostergruß bekommen den du doch sicher an Mir geschrieben hast ich muß Mir wider beeilen es geht schon wider 6 Uhr los u so hoffe ich Ihr Lieben, das es Euch Alle gesundheitlich gut geht das eine kann ich Euch auch von Mir schreiben Und grüßt Euch aus herzlichste also ich treibe ebend Partisanen Jagd hoffe das alles gut geht und rechne doch auch auf ein baldiges Wiedersehen!

Es grüßt Euch Allen der Papa!

 

10. Mai 1943 – Karl nach Schneflingen

Osten den 10.5.43.

Liebe Mama!

Deine schönen Päckchen auch Dosen habe ich gestern abend bei  Abendessen erhalten es schmeckte Mir ganz ausgezeichnet denn ich hatte mir, mal wider Bradtkartof. Gemacht u so gar noch 3 Eier rüber. Das war sehr gut aber anschließend mußte ich doch das Päckchen untersuchen was darin war so gab es gestern mal schönen Bonen Kaffee u habe Deine Kuchen doch mal Probirt.

Liebe Mama! Das schmeckt nach mehr, hoffentlich kannst Du mir zu Pfingsten wenn ich daheim bin, bei Euch hoffentlich gelingt es mit den Urlaub also heute sind 3 Mann weg gemacht, auch muß sagen es steht nun so dicht vor der Tür das mann immer mit rechnen kann da sind die Tage doch lang da hat mann so ein richtigen Urlaubskoller hoffentlich bleibt es so.

Dein Päckchen hatest du am 18.4 ab geschickt u die Dose am 2 Ostertag also hat die Dose doch schneller gewolt, Heinrich muß mir den wohl abhohlen vom Bahnhof u hat er mein Rad auch im Schwunk u hat den Sattel recht so hoch raus gezogen u ich selber nicht mehr rauf kommen kann,

Nach Schule gehst du wohl zu Fuß.

So schließe ich heute abend wider Gesund u hoffe demnächst u auf frohes Widersehn

Die lieben Grüße sende Papa!

 

2. Juli 1943 – Karl nach Schneflingen

Russland, den 2.7.43.

Liebe Mutter!

Heute abend werde ich doch mal an Dich schreiben, dran beteiligen tut, Ihr ja Euch, Alle an die Briefe die ich schreiben werde, Liebe Mutter! heute ist Freitag u ich war mal wider über Land, wir mußten Holz fahren für die Knüpeldämme die Weg sind schon wider so kaput gefahren als wie im Herbst oder Frühjahr, da hoffe ich doch Mutter, das Ihr da besser Wetter habt, heute hat es gar nicht mal aufgehört, Da bin ich durch bis aufs Fell weiter ging es ja nun nicht, hoffentlich läuft nun die Post auch so regelmäßig ein, so habe ich all um andern Tag geschrieben nach dem Urlaub wenn mir sonst nichts dazwischen kommt Ihr Lieben, bleibe ich so da bei. Ich weiß ja wie es ist keine Post kommt. Und Heinrich macht nicht so unnütze Wege, bis lang ist bei mir noch keine Post von Euch ein getroffen aber die wird schon kommen paar sein ja doch schon unter Wegs von Euch.

Ihr Lieben! So kann ich Euch Allen, bei beste gesundheit grüßen, Kamerad Lehnert liegt noch im Rievier, am Magen, Wie habt ihr das Heu nun noch laden können ist das auch etwas verbleicht oder hat das nichts von Regen ab gekriegt. Habt ihrs geschaft auf drei Wagen,

es ist jetzt 7 Uhr, die Nacht muß ich wider auf Wache, ziehen. Heute sind auch wider Urlauber zurück gekommen den Schuster da von der Altmark, Verchau da hinter Brome, ebend ist noch bischen vorrat da für das Essen es doch schön Mutter, so wie der Alte Onkel aus Einbeck immer sagte über den Daumen Messen, Nicht mehr, da bin ich immer zu Hause. Wenn nun sollte der Otto Pärschke in Urlaub kommen die Leine ist schon fertig die schickt sie ab von zu Hause aber aus Leder u auch die selben Knebel dran am Eden seines Urlaub sollst Du da ein Paket für mich hin schicken er bringt es schon mit, denn packe mann wider ordentlich ein da gebe ich ihm eine Dose ab es kostet ja Ihm auch nur die Arbeit eben für uns ists doch auch gut er schreibt auch dabei noch ein Brief er rechnet Juli August. Es grüßt Papa!

 

6. Juli 1943 – Karl an seine Mutter

Russland, den 6.7.43.

Liebe Mutter!

Endlich, endlich bekomme ich heute von Euch Lieben Daheim die schönsten Grüße, den Du doch am 25. Juni geschrieben hattest, u sage hiermit vielen Dank.

Wenn mann doch drauf wartet so dauert doch die zeit so lange aber wie och schon lese habe ihr doch wehnigstens den von der grenze den Gruß erhalten, u jetzst sicher noch mehr. Ich wollte gestern u auf Heinrichs Geburtstag schon schreiben aber die zeit war sehr knapp, Ich bin alle Tage unter Wegs, u mus fahren sehr schlecht das Wetter hier, ist ja als wenn es schon Herbst sei. Der Roggen liegt alle am Boden durch den Regen ist schöner Roggen hier wie viel wird davon wohl um kommen währ will das alle mähen die Bevölkerung ist doch alle weg, dieses Dorfe soll an 200 Morgen R haben. Es freut mich ja sehr das Heinrich, auch wider besser ist, u jetzst wieder zur Schule kann, und wie ist es mit Grosmutter, hoffendlich ist sie nun auch Erkältung wider los.

Ihr Lieben Alle! Ich schreibe und Grüße bei bester Gesundheit, gestern am 5. Juli mußte Fritz Götze auch seine Reise wider antreten so geht die zeit hin, ganz viel gutes Wetter hat er auch nicht gehabt. Was hat den Heinrich alles gutes bekommen zum Geburtstag ja es auch Kuchen hätte ja gerne ein probe gehabt.

Fritz Lehnert ist noch nicht besser hat immer hohe Fieber, gestern abend habe ich Ihm doch mal Besucht, auch Ich habe wider ein Spritze bekommen. Dieses alle Imfen die Brust wird gar nicht heil. Tag 8 giebt schon wider eine. Wie ich sehe in Deinem hast Du noch Spargel bekommen in Boitzen ladest mich ja nun zum Essen Mutter aber es bleibt einem doch nichts übrig, ich muß doch an meiner Gulaschkanone halten, so will ich für heute schließen es ist so weit Dunkel u wünsche Euch Allen ein gute Nacht. letzste Nacht hatte ich doch Wache die ganze drei Stunden lang im Regen gestanden aber eine Pferdedecke u die Zeltbahn drüber weg war ich ganz trocken geblieben heute steht der Sattler

noch mals grüßt der liebe Papa!

 

17. Juli 1943 – Karl an Heinrich

Russland, den 17.7.43.

Lieber Heinrich!

Für Deinen lieben Brief, den Du Mir heute geschrieben hast, Dank ich Dir auch Herzlichst, es war für mich eine große Freude, uns sehe doch das Du nun wider gesund bist! U meinen Geburtstagsgruß hast Du ja auch erhalten, so ebend hast Du ja eine schöne zeit da die großen Ferien sind, da kannst Du doch die Mama, u Ohma schön mit helfen, aber zu Deinem Geb. hat es ja doch „1mal“ geschafft, den Schlafanzug ziehe mann nicht an zur Schule da schläfst Du ja ein, die beiden Trinkgläser die könnte ich ha heute abend schon gebrauchen, da wir pro Mann ein Dreiviertel Liter Wein kriegen u wen den Teller kann man da alles von Essen, oder blos Eierkuchen u Salat.

Und die Schokolade die will ich Dir gerne schenken aber die Torte die Ihr da zum Kaffee gegessen habt da muß ich ja viel dran denken, da läuft mir ja das Wasser im Mund zusammen. Hoffendlich hat es Euch Allen gut geschmeckt

Ich habe dafür ein Dose im Angriff genohmen, Ich dachte für Dich mal Fisch ab zuschicken, aber wir empfangen ebend gar keine als Verpflegung so ist heute der Sonnabend Ich bin heute beim Heu Mähen, u habe ebend Mietag gegessen es gab süße Nudeln, aber es regned jetzt schon wider, da wird es wohl für heute schluß sein, so haben wir zu Abend wider Kino, da gehen wir da hon.

Lade Euch auch Alle dazu ein, Sonst geht es mir gut, Pärschke ist noch hier, und wie sieht es sonst auf dem Felde aus unser Roggen liegt wohl nicht, was habt ihr da ein gesäht wo doch der Ingernatklee [Anmerkung jw: Inkarnat-Klee] stand, ach die Erbsen noch, die ersten stehen wohl gut. Erna sind wohl genug drauf das hat ja auch Mama selbergemacht. Die Kartoffeln sind auch grün auch die bei Schafkule. Morgen der schöne Sonntag Ich wünsche Euch Allen, alles gute und nochmals vielen Dank Heinrich. Es grüßt Euch Papa!

 

18. Juli 1943 – Karl an Erna Paelecke

Russland, den 18.7.1943.

Ihr Lieben Alle Daheim!

Den schönsten Sonntagsgruß werd ich Euch heute senden, Und kann bei Gesundheit schreiben und habe heute auch mal was vom Sonntag gehabt vor allem ist heute mal gutes Wetter es trocknet sehr gut da werden wir den Klee noch kriegen den ich gemäht habe, u auch den Roggen wird es jetzst helfen u wird bald reif werden, da ist es schade das ich nicht bei Euch sein kann, u Dir viele Arbeit  abnehmen kann, bin eigendlich doch zu früh im Urlaub gefahren, meint Ihr es nicht auch, aber es ist nun nicht zu ändern, Ihr Lieben! hoffe das Ihr jetzst Alle gesund seit, u denke dieses Jahr noch was zu schaffen, vor allen wen ich nun erst mal wider in Urlaub, und denke wenn der Heinrich ordentlich Post bringt wird die Arbeit ein halb so schweres sein, die letzste Nacht hatte ich Wache es war sehr still, hatte nur ein bischen geselschaft durch ein Igel der lief mir oft mals über die Füße, dürfte mir aber nicht rühren den rollt er sich gleich zusammen, aber der hat mir die zeit so schnell hin gebracht machte ordentlich spaß wenn er tanzste. Gestern ist Wachtm. Otto auch wider gekommen, es hat Ihm auch sehr gut gefallen zu Hause mit seiner jungen Frau, den Urlaub so richtig zu verleben, im letzsten hätte er ja zu viel zu laufen gehabt da her er doch die Hochzeit gehabt. Fritz Lehnert ist doch jetzst gesund, und haben uns beide zusammen gebadet in der Sauna, da hat er mich gleich ein geladen zum Kaffee trinken so haben wir uns wo sein Quartier ist unter ein Baum nieder gelassen an Tisch u Bank, er hatte nehmlich zu Mietag Post erhalten ein Br. U zwei Päckchen eins zu 4 Pfund. Das andere mit Kuchen u lebten wie zu Hause bei Willi. Das mit 4 Pfd. Da hatte seine Frau 2 Marken drauf geklebt. so eins mach mir auch mal zu recht nur Speck vielleicht hängt das andere noch wo ich das letzste von runter gehauen habe. Der Urlaub geht sein gang weiter. Pärschke wird noch 14 Tage Zeit haben.

Liebe Mama, so bin ich heute abend fleißig am schreiben das kannst du ja schonsehen, Nicht wahr, heute haben wir aller hand erhalten erstens 100 Ziegaretten, ein Päckchen Tabak, pro Mann, ein Liter Bier, u gestern nun doch ein dreiviertel Liter, Wein, also so leben wir, mein Kochgeschirr mit Bier habe ich bei mir stehn und schmiere oft mal, wenn der Bleistift nichts weiß. Backeberg hat Tageswache heute früh habe ich nur ein Fuder Klee geholt habe aber zu schwer geladen das die Rungen gebrochen sind Iusujemat,, aber es hat mir doch den gefallen getan, u hielt sich bis zum Stall. Mußte ebend mal abbrechen die Waschfrau kam ebend, da mußte ich meine Wäsche raus suchen die können das auch nicht alle wissen weihl sie Waschen für die ganze Kolone, hat sehr gut gewaschen, ich habe sie nur ein Trinkbecher Bier abgegeben da mit ist sie den abgefunden. Die werden ja Verflegt von der Kolone und kriegen Ihre Sachen von da.

es gleich halb neun, mit gedanken ganz zu Hause, was möget Ihr ebend so machen, bald geht es zum Federnball, auch ihr werdet so denken, habt ihr heute auch Besuch gehabt. Wie mit ist den das Haus nun voll geworden mit Heu. zu Dreschen braucht ihr sicher auch nicht gleich so viel alles Stroh, wenn ja auch das im Stall ist alles in Ordnung sitzst das Kalb noch drin im Schweinestallt, Mutter seht doch mal zu ob ihr den Boden noch mit legen könnt über der Schweineküche. Bretter sind doch noch genug da. Der alte Stacke Boitzenhagen geht doch noch zum Platzse währe doch zum Winter sehr schön. Wie ist das eigendlich mit der Mädel Erna, das ihr angemeldet habt, kommt die noch ran zur Ernte hoffentlich. So werde ich schließen noch den rst vom Bier aus trinken u da will ich mier doch mal von ihnen besehn, der letzsten Brief das war Heinrich seiner, vielleicht hast Du auch schon ein unter Wegs Mama, den ich diese Tage erhalten werde.

 

14. August 1943 – Karl nach Schneflingen

Rußland, den 14.8.43.

Ihr lieben Alle! Daheim!

Heute muß ich doch mal wider an Euch einen Gruß schreiben. Ich schreibe heut mal wider, die Tageswache oben auf dem Dach es ist ja heute mal bischen Windig aber die Sinne scheint auch dabei, so habe ich ebend 2 stunden abgerissen nun kann ich wieder 4 stunden schlafen, aber jetzst werde ich doch erst mal ein bischen Schreiben sonst wird mann schließlich zu faul in der vorigen runde habe ich meine Strümpfe u Drilligjacke gewaschen da bin ich morgen dan wider frisch, Wier sind nun auch schon mit den Roggen Dreschen im gange es wird alles draußen auf dem Felde gemacht seit gestern ist die Maschine hier, es ist die selbe die Wir haben eine Ködel u Böhm da komm ich ja nun nicht aus der gewohnheit durch wie Zucker geblieben ordentlich trocken ist ja der Roggen nicht was nicht raus geht bleibt ebend sitzen lohnen thut der Ro. gut er ist aber lange noch nicht ab gemäht die bleibt so lange hier bis alles fertig ist auch Heu wird noch heute, mit ein gefahren es geht alles mit hoch Druck jetzst, aber es sind doch hier viele Hände die auch der arbeit bald ein ende machen, Und wir weit seit Ihr nun mit euren Stroh, müßt ihr auch bald Dreschen, der halbe August ist ja nun auch schon hon, auch der Urlaub geht noch sein gang u Ich habe immer die hoffnung das es zum Herbst mit meinem U noch mal werden kann, Ich kann Euch Allen! bei guter Gesundheit schreiben, und hoffe ja von Euch, dasselbe, Post ist diese Tage nicht recht ran gekommen u doch weiß ich nicht, ob wider ein Zug gestern gehengt worden ist, Backeberg ist heute auch schon eine Woche zu Hause auch Pärschke, hoffendlich hast Du Erna, nun alles erhalten was ich Dir mit gegeben habe ich lauer ja auch sehnsüchtig auf Deinen lieben Brief was Dir der unbekannte Soldat P wohl doch geschrieben hat, auch von Tante Gertrud habe ich wider ein Brief, mit ein schönes Buch drin zum lesen bekommen sie schreib das sie während Ferien in Einbeck sei u da Ihre guten Tage verbringen wird, Wie weit seit ihr nun dort mit der Arbeit ist schon alles um gesteckt u wider besucht von Gründung wie weit ist das stück in der In ger nahtklee [Anmerkung jw: Inkarnat-Klee] wo die jetziegen Erbsen u wie ist das Kartoffelngeschäft nimmt Mayer noch nicht ab. Wachtmeister Otto ist krank der hat auch mit dem Magen zu tuhn. Mit Lehnert das geht jetzst wider gut, da er jetzst doch dicht vorm Urlaub steht, da tritt dem die freude allein u geht alle Tage mit Roggen mähen hat auch zwei Russen Mädchens die ihm was Binden morgens um 5 Uhr sind sie schon am mähen also der Tauh, macht nichts.

Wie geht es nun Mutter mit der Hand war doch sicher schon aus arbeit gegen die andern Jahre, u Grosmutter schläft sie noch so viel, Heinrich geht jetzst wider feste zur Schule da ist er ja nun wider mit schreiben im gange u Ich werde dan auch bald mal wider mit nehmen können Was giebt es sonst neues im Dorf, Ist Willy Schulze, Nachbar schon ran mit sein Urlaub. Und Heinrich, sich schon mal wider gemeldet von Zizilien. Da bin Ich doch immer noch in einem guten ecke, hier hört man nichts von Krieg wier machen ja Landwirtschaft. und ist man ja doch gewöhnt, es müßte bald ein ende haben da währe es zu Hause doch besser bei, so will ich nun heute mit diesem schließen und hoffe das Ihr diesen Alle, mit Gesundheit lesen könnt morgen Mietag soll es neue Kartofffeln mit Gulasch geben die ersten schönen Pellkartoffeln zu abend auch Heinrich mag die nun auch so gern aber nur mit Öl dann wird er sich bald recht erhollen

Morgen ist sonst Sonntag aber wier müssen ja doch Arbeiten wie schön hatte mann zu Hause seine ruhe u wünsche Euch hier mit die schönsten Grüße euer lieber Papa!

 

22. August 1943 – Karl nach Schneflingen

Rußland den 22.8.43.

Ihr Lieben Alle! Daheim.

Doch muß ich heute abend noch einen Brief an Euch schreiben mann hat doch gar keine zeit, wir sind abends gewaltig im Einsatz, wir müßen 14 Stunden arbeiten da von ist nur eine ganze stunde die Mietagspause u den jeden zweiten Abend ist mann mit der Wache dran, da kannst Du Dir denken, das mann da sehr müde ist, um 4 Uhr ist früh schon Wecken den trinkt mann Kaffee den bis Mietag durch 11 Uhr u vor 12 Uhr bis 7 Uhr ist den noch der Stalldienst dan Waschen u Essen da muß mann sich schon Licht machen, so kann ich sagen, ist mann wirklich froh, wenn mann sich ein bischen legen kann. Da schläft mann gleich ein. Nun heute ist es nun der Sonnabend abend bin fertig mit den Essen u sitze so allein in meiner Russen Donze alles anderen sind zur Wache, weihl ich gestern mal wider ein Gruß los wird Liebe Mama! hast Du mir aber eine große Freude gemacht, hast dich gar nicht mal geschrieben das Du ein Päckchen mit Kuchen unter Wegs hattest, u das ist ja ein so schönes großes 4 Pfd. und es ist noch alles so schön ganz geblieben, es ist doch mal ein schöner Leckerbissen, so habe ich es doch heute abend noch probirt sonst könnte ich Dir ja nicht schreiben wie es schmeckt, Ausgezeichnet ist der geraten hat Heinrich den auch probirt!! Der hat sicher da nichts nach gefragt, deshalb habe ich den gekriegt aber ich muß Euch Allen da für reicht herzlich danken, so denkt an Morgen Sonntag Kaffee mit Kuchen, was das heißt in Rußland, nun hoffe Ich doch, das Ihr diesen Brief auch bei Gesundheit erhalten werdet Auch schreibe ich heute bei guter gesundheit, nun warte ich auf Deinen lieben Brief, und was der Pärschke Dir da über die Bühne für ein gedicht geschrieben hat, heute in 14 Tagen sind sie wider ran hoffendlich gefällt die Euch, aber mal so lange hält die doch als die jetzigen Strickleihern ist doch nichts mehr dran. Heute war ich auch wider den ganze Tag unter Wegs habe für den Trecker der hier drescht u flügt neus zu saufen geholt! Es war sonst herliches Wetter ich als Beihfahrer u ein Russe als fahrer, aber wenn mann doch nicht selbst die Leine in der Hand hat, schläft mann dreckt auf den Wagen ein. Der Roggen ist nun Gott sei Dank ab, nur noch dreschen, Wie weit seit Ihr nun dort mit der ganzen Rabotik. Heute sind auch zwei in Urlaub gefahren auch am Mietwoch noch mal 4. Ob es so bleibt, September durch, es wird schon wider gemunkelt von sperre hoffe doch das beste, für Heinrich habe ich jetzst auch ein schönes Paket ob ichs abschicke oder warte noch ein bischen vielleicht kommt Lehnert doch noch zum fahren, zwei große Büchsen Fisch habe ich für Dich, Heinrich, auch viele Dropse auch Tabak Zigaretten u Zigarren wenn doch mal Besuch ost da kannst du doch mal ein spendieren, so muß ich nun doch mal auf hören, mir fallen schon die Augen zu was für manche Nächte hat mann draußen gestanden u wie lange noch, abend ist es ganz doll.

So Dank ich Euch Allen, doch noch mal, u hoffe und wünsche Euch alles gute Gesundheit

So schreibe ich auch von Mir

es grüßt Euch Allen, der liebe Papa!

 

9. September 1943 – Karl nach Schneflingen

Den 9.9.43.

Ihr Lieben Alle daheim!

Heute abend kann ich noch mal einen Gruß an Euch schreiben. Ich kann immer noch bei Gesundheit schreiben, Und hoffe es doch von Euch Allen, hier ist ebend sehr gutes Wetter, und die Krähen zogen heute auch sehr stark, da wird die schöne zeit auch bald wieder vorbei sein. Ich habe ja schon mal geschrieben das wir auf fahrt sind ob Fritz Lehnert auch wohl gut im Urlaub gekommen ist, auch ich das Paket schon bekommen. Gestern erhielt ich Post von Chrissel u die Suderwittingen auch beide stellen ist alles noch Gesund, aber Chrissel schreib mir, das Wilhelm in Berlin durch den letzten Fliegerangriff gelitten habe, hat es Wilhelm noch nicht geschrieben an Euch, denke doch das seine Frau schon länger aus Berlin u. Ihrem Wohnsitz in Warmenau haben wird, Nun teilte mir Bruder Chrissel, noch mit das sie am 18. September die Silbernehochzeit feihern können, ist ja schade das nichts zu kriegen ist zu kaufen, u. zweitens sind Wir ja nicht zu Hause. Euch hat sich auch wieder an seine Truppen gewöhnt schrieb letztens ein Karte Otto Pärschke ist auch am schreiben er schreibt an seine Brigitte da ist er auf Urlaub gewesen, u hat sie nicht mal besucht u sie hat Ihm ja viel eingeladen, nun stichel ich immer, das er angst habe für die Weiber, aber das will er auch nicht hören, und das nächste mal, u meinst er fährt bald mal wieder, Backeberg, ist draußen auf den Hof u singt mit den Hilfswilligen er versteht sich da ganz gut mit, Und was macht nun die viele Arbeit seit ihr nun schon bei den Kartoffeln in Urlaub sind auch wider zwei gefahren hoffentlich bleibt es so, aber ich glaube es nicht, denn wir sind doch auf fahrt, noch 10 Mann sind noch vor Mir nun ist mann doch gehsp. [Anmerkung jw: „gespannt“?] mit wie lange es sich hin schieben wird (Weihnachten) Was giebt es sonst neues zu Hause über die Beiden schönen Paketen habe ich mich sehr gefreut u nun ist mann wohl mal wider für eine Zeit geholfen, Ich Danke noch mals Euch Allen, das Kuchen Paket habe ich heute morgen mal probirt, da, ab u zu son kleines Stückchen des morgens zu Kaffee, habt Ihr das Geld noch nicht bekommen 150 M. Wenn ich nun wider schreibe ist unbestimmt.

Und hoffe nun von Euch Allen, das Ihr gesund seit das ich heute Abend auch von Mir schreiben kann.

so grüßt Euch Allen, der liebe Papa!

ging eilig.

Und nun recht schöne guten Nacht!

 

19. Oktober 1943 – Karl nach Schneflingen

Oktober, den 19.X.43.

Liebe Mama!

Deinen lieben Brief von 3.X. habe ich gestern erhalten, es war doch mal wider eine große Freude für mich. auch Fritz Götje hatte mir doch, gestern auch mal wider geschrieben so wie er schreibt geht’s ihm auch ganz gut, so werde ich nun doch heute Abend noch gleich wider Antwort zurückgeben.

Doch noch mal vielen Dank liebe Mama! Ich schreibe immer noch bei gesundheit, abend bin ich alle Tage im Dorfe u habe mir paar Zivilisten geholt die hier ein bischen arbeiten müßen da stehe ich nun den ganzen Tag über dabei es ist nämlich Erdarbeit, u bin nun schon paar Tage damit im gange da stehn meine beiden Kameraden mal im Stahll es gefällt sie gut den Hafer kriegen sie so viel sie mögen, es giebt ja hier genug, so bin ich nun heute abend mal allein in mein Heim u es stört mir keiner alles andere ist nich mit Gespann unter Wegs wenn sie zurück kommen kann es noch Nacht werden, es jetzst 6 Uhr so kann ich doch schon früh schlafen gehen, u bin aber nun auch fertig mit Abendbrot essen.

allerdings hatte ich kalte Küche am Sonntag hatten Backeberg u ich dich Enten geschlachtet die haben uns gut geschmeckt, da von haben wir noch 6 sitzen so auch noch etliche Hüner, du mußt denken wo haben wir die her, es ist doch eine Deutsche Kolonie gewesen u die Leute sind alle weg gekommen. Die haben uns diese alle versprochen haben auch was dafür bezahlt. Und für diese sind nun Russenzivilisten gekommen u Wirtschaften munter. Hoffentlich, liebe Mama! seit Ihr Alle gesund u es freut mich doch das ihr jetzst mit der grobsten Arbeit so weit fertig seit. Leider kann ich doch euch den gefallen nicht tuhn u zum Dreschen mit helfen, es geht ebend mal nicht mit dem Urlaub, aber wenn es mal wider los geht bin ich bald vorne mit dran wenn es den mann doch zu Weihn. Würde. Nun wirst Du ja doch schon wissen in welcher ecke ich bin. Auch heute brichte die Zeitungen

Mit den Terrorangriff Hannover muß es ja doch furchtbar gewesen sein da bei uns nur noch alles hell, u bist mal wider ausgerissen aus den Schlafzimmer sind sie da bei uns auch geflogen so wie Ich lese haben Schröders unser mit den Trecker geflügt hat den Onkel Ernst , keine zeit. Auch Kartoffeln habt ihr nun doch noch liefern können das war ja ein schönes Fuder 67 Ctr. u 200 Ctr ist das Kontingent. Auch für Schweine habt ihr Gerste bekommen u fünf sollen wir liefern noch, vier tuht, auch schon wenn aber liebe Mama! Da hast Du mir aber doch beleidigt, u meinst soll die Dreschmaschine besser einstellen. Da hast du sicher wider von einer andern Fierma bezogen, doch Diestellblumen habe ich doch nicht gedroschen, war da wirklich so viel zwischen, das reicht doch alle mit. Euch Brennecke hat mor noch nicht ein mal geschrieben er kam doch damals weg u ist wohl jetzst mit im einsatz Das ist wohl wider böse her gegangen ob der Russe nun welche gefangen genohmen hat. Muß ich mal an seine Frau schreiben ob sie Post von Ihm bekommt, werde aber noch bischen warten mit den schreiben weil es erst jetzst gewesen ist, den ist auch der Golla dabei gewesen, habt ihr nun das Paket was Mutter verteilen sollte bekommen da wird er mal wider gelacht haben der Heinrich, aber so habe ich gestern ein Liter Weinbrand Verschnitt bekommen, wenn doch der Urlaub nicht so weit währ erst mal hege ich die Pflasche doch mal auf bis zun mein Geburtstag, wann wird doch schon alle Tage älter u Heinrich hat seine Jahre zur Schule gehen auch bald hin wo ich wirklich erst wenig von seine Schulgang gesehen habe. So hofft mann von ein Tag zum andern u immer vergebens

nun müßen wir den Winter erst mal den Winter hinter uns haben ich mach noch garnich dran denken die Kälte wider schicke doch mal paar Fausthandschuhe mit.

So will ich für heute mal wider schließen

Liebe Mama! So grüße Ich Euch Allen.

Der Papa! Gesund u munter!

 

4. November 1943 – Karl nach Schneflingen

Russland, den 4.11.43.

Ihr lieben Alle! Daheim!

Endlich kamm ich doch mal wider zum schreiben, es war eine eilige Zeit für uns, mann liegt doch dauernd auf der Landstraße, von früh bis in die Nächte hin ein, aber ich kann noch heute Abend noch bei guter Gesundheit schreiben u hoffe das gleiche von Euch Allen.

Liebe Erna! Da hatten wir nun nicht die zeit zum schreiben, u zweitens war auch die Postsperre so müßt ihr Euch da mit abfinden ich tuhe schon mein möglichstes, aber es war doch die Hölle los, da bin ich noch gut davon gekommen sind doch alle im einsatz viele sind zur Infantrie gekommen u ich kann da noch mit Pferden fahren, wie Kamerad meiner Gruppe ist Verwundet u viele andere die ich so kenne ab morgen soll nun wider Post abgehen so muß ich nun heute das möglichste tuhn mit dem schreiben. vor 8 Tagen habe ich noch mal Post bekommen vom 17.X. 24.X. habe mich sehr gefreut und sage mein herzlichsten Dank. Doch besonders auf die schöne Geburtstagskarte, wider muß ich hier in Feindesland mein Geburtstag feiern, das feine ist zu viel gesagt, aber so hofft mann doch wider ein Jahr, das mann doch von alles verschont bleibt.

Heute ist ja doch erst der 4. November, aber denke doch das ich den Tag frei haben werde.

Wir haben noch alle Tage offenes u trockenes Wetter der Wind ist ja schon bischen scharf ist ja bis so lange noch gut gegangen es war sehr schönes Herbstwetter u es freut mich ja das ihr ja auch mit der Arbeit so weit fertig seit, auch an Zeitungen ist diese Zeit nichts gekommen. Lehnert geht es auch noch gut. Von Erich Brennecke kann ich nicht mitteilen der ist Verwundet schade das ich den Tag nicht mit war beim fahren. Da hätte ich Ihm getroffen ob er ein Armschuß hat oder Schulterschuß aber er sollte noch guten muht gehabt haben wie er nun ist weiß ich nicht in Latzarett.

Nun das traurige von den Nachbarn Schulzen von den lieben Ernst so werden die jungen blühten raus geholt u wie viele was giebt es sonst neues so da Otto Meinecke hat sich die kleine Stammhalter bestelt auf den Kahrens ist doch ein zeichen das sie viel in Urlaub waren, Was macht nun unser Heinrich! Denke doch das er von seiner Krankheit her nichts behalten hat u wie sich nun gut gebessert haben auf zu genohmmen jetzst muß er wohl feste heran in der Schule u Grosmutter wird doch die Schule jetzst auch schon wider heitzen. Wie du schreibst müßt ihr auch Dreschen ist ja schade das mann doch im Kopf wider nicht los bekommen kann, u wir sieht es aus im Stall

Alles noch in ordnung

ist das Geld was ich zu letzst ab geschickt habe, auch schon da es sind 100 M. so habe ich wider paar Marken mit hin ein gelegt hast du eine gefunden wo ich bin immer näher kommt das schwarze Meer, nun will ich schließen u Ich grüße Euch Allen bei Gesundheit.

Und hoffe das ich in mein neues Lebensjahr gesund bleibe

Es grüßt herzlichst

Euer Papa!

 

9. November 1943 – Karl nach Schneflingen

Russland, den 9.11.43.

Ihr lieben Alle! zu Hause!

Doch kann ich heute abend noch bei guter Gesundheit an Euch Daheim einen Brief schreiben, du das nach auf meinem Geburtstag es kommt auch augenblicklich sehr wenig Post, u das ist nu die Flugpost, so habe Ich auch heute dich mal wider gefreut, liebe Mutter, u erhielt heute zur Feier des Tages Dein lieben Brief, vom 31.X. vielen Dank liebe Mutter. Das Geburtstagsfeiern ist nun hier mal so ich hatte mir nun mal 1 Ltr. Schnaps über gespart, u kam einer und der andere zum Gratulieren mann freut sich ja doch wenn da etliche daran denken, so habe ich nun auch hier mit nun ein Gläschen Schnaps zum besten gegeben u auch noch eine Zigarette an geboten so weit es in meinen Kräften stand, bin nun abend gerade vom Rundfunk zurück es war doch die übertragung noch mal von der Führerrede habt Ihr die vielleicht auch selber gehört. Oder geht unser Radio nicht mehr aber Heinrich versteht ja doch das Antennenlegen gut dort im Apfelbaum Ich bin ja heute ganz zu Hause mit den Gedanken, u sitz allein in mein Quartier alles anderen Wache so feier ich nun mein Geburtstag im stillen

Ich weiß Ihr Lieben das auch eure Gedanken heute sehr bei mich sind, u wollen hoffen das mich doch der liebe Gott so beschützst wie ers bis lang getan hat, so geht es nun auf das neue Lebensjahr. hoffentlich den nächsten zu Hause feiern zu können denn nur bekleinen [sic!] giebts doch bald graue Haare es ist nicht mehr schön nur noch diese Donnern von Kanonen u noch kein ende ist zu sehn, von früh bis spät ist mann auf den Beinen. Und jetzst wird wohl zur Infanterie gesucht, ob ich schon da bei bin weiß ich nicht. Ich tuhe meine flicht u hoffe immer das beste, doch über mir ist einer der uns beschützt. Nun werde ich noch mehr aus Deinen Brief antwort geben.

Nun Ihr lieben Alle. Ich weiß ja wie ist wenn keine Post kommt, u Mutter, schreibt auch das wider eine Woche vergangen sei ohne Post von Mir zu haben. Aber das ist für uns auch nicht so leicht von früh bis in Nacht u dazu wohl die nötige Verflehgung da liegt mann wie so Brett es geht mir nicht allein so auch andere das könnt ihr sehn an der Frau Backberg. Da bekam ich gestern ein Brief von, frägt an wie es Ihren Mann geht, so wie Mutter schon schreibt hat sie auch schon an Euch geschrieben, da war es denn mit dieser Post schwere es ging doch nur Flugpost ab. u vor dem hatte ich meine Marken zu Hause geschickt da erst mein schreiben bis 14 Tage verschoben. Nun geht’s schon wider so und werde nun hier auch mit schließen Ich freue mich das euch Ihr alle gesund u munter seit so sich heute auch von Mir schreiben kann. Der Urlaub läuft auch allmählich ob es wohl noch wird vor Weihnachten weiß ich nicht.

Wie ich lese habt ihr schon gedroschen auch die Gräben auf der Wiese auf gemacht. Das war ja doch das Heinrich Schulze es nicht ganz geschafft hat zur Beerdigung des guten Ernst, mußte sich schon so früh verabschieden habt Ihr ihn auch noch mal gesehen, auch Heinrich schade das ich nicht da war, das Wetter hatt sich geändert seit gestern Regen u es giebt viel Dreck

So schließe ich heute Abend u Danke Euch Allen für die guten Geburtstaggrüße.

Herzlichst euer Papa!

 

Versetzung zum Grenadierregiment 418

14. November 1943 – Karl nach Scheflingen

Russland, den 14.11.43.

Ihr lieben Alle! Daheim!

Doch endlich kamm ich mal wider zum, u muß Euch nun doch mitteilen das ich nicht mehr bei der Kolone bin, wir wahren unser 8 Mann, die da weg kamen, aller Diengs ist Fritz Lehnert noch nicht mit Mir gekommen auch so der Backeberg der ist ja auch Kinderreich, mein Geburtstag habe ich noch dort feiern können, so werde ich jetzst als Infanterist gehen, so kann ich aber heute Abend noch bei guter Gesundheit schreiben hoffe es ja nun auch von Euch Allen, werde nun erst ausgebildet wie lange weiß ich ja nicht, habe viel zu tuhn so bleibt das ganze schreiben ebend ein bischen nach so ebend müßt auch Ihr das schreiben einstellen da ich keine richtige Feld.N. habe ganz lange wird es mit den Fritz L. auch nicht dauern den er ist auch Jahrgang 11, ihm hat es gedauert das er mit mir nicht mit konnte, Nun hoffen wir doch das aller beste das mann gesund da bei bleibt. Auch bekomme ich ebend keine Post, die Ihr noch geschrieben habt die geht zur Kolone u weiter zu Mir.

Otto Pärschke wohlte auch noch schreiben an Euch das ich da weg kam er wird ja nun wohl bei der Kolone bleiben weihl er doch Sattler ist. Heute ist nun der schöne Sonntag gewesen aber ich habe nicht viel davon bemerkt. Dienst. Hoffendlich seit Ihr doch Alle gesund, das auch von Mir, ihr werdet ja schön auf Post warten, ich weiß es aber es ist einmal nun so jetzst geht’s noch zum kalten W.

So will ich schließen so bald ich seit habe schreibe ich mehr. Und mich geht es gut. So die schönsten Sonntagsgrüße von den Lieben Papa!

 

22. November 1943 – Karl nach Schneflingen

Liebe Mama! u. Heinrich!

u die beiden Ohmas!

Doch heute kommt man doch mal zur besinnung das ich dann mal wieder an Euch, die herzlichsten Grüße aus dem Osten, senden kann, bin nun schon 14 Tage von meiner Fahrkolone [sic!] weg, u bin nun grade ein mal zu schreiben, gekommen, ich weiß eure Sehnsucht nach mein Brief so groß ist, aber ihr müßt doch mal bedenken, mein Dienst geht von morgens 4.30 bis abends 20 Uhr. Dann habe ich Feierabend. Dann muß ich schon sorgen für den nächsten Tag das ich alles in ordnung habe den es geht doch beim Infanterist anders zu als vorher, werde ebend noch ausgebildet aber es kann diese Woche vielleicht von [Textverlust] muß man weiter sehn. so Ihr Lieben Alle, geht es mir noch gesundheitlich gut. Hoffe es doch auch von Euch Allen noch dasselbe. Wir haben ebend noch gutes Wetter das meine größte freude jetzst immer noch war, den wenn es hier Regen giebt da klebt es ganz gewaltig mann hat den gleich mal so breite Füße. U den noch bei dieser Übung hin legen da würden wir aussehen wie die Schweine von Lehnert habe ich noch nichts gehört dachte Ihm immer mal zu treffen denn die Kolone fährt öfters hier durch mein Ort durch, den Pärschke habe ich letzten Zigarren mitgeschickt da er die gerne Raucht der wird uns doch schon schön vermißt haben der Otto!

Nun Wie geht es Euch sonst noch, was macht die viele Arbeit, ist sonst noch alles im Stall gesund heute Nacht wird es schon mal ein bischen frieren habt ihr die Diemen schon versorgt = Keller. auch Post habe ich nun so lange Ich hier bin nicht bekommen als nur die Zeitungen u habe es noch gelesen von den Ernst Schulze glaubst ja nicht wie das ist, habe es drei, vier mal über gelesen u was machen nun die andern Krieger alle, Ich habe schon gesagt, liebe Erna, mann ist doch entweder 20 Jahr zu früh oder zu spät aber möchten das beste hoffen. Das wir uns bald einmal Wider sehn  mit den Urlaub fählt es wohl erst mal wider flach, ist Fritz Götje schon mal wider gewesen, ich habe ja ebend keine richtige Feldposte, so schnell es noch an der alten No 41110 es kömmt die schon an bis hier. Die wissen ja wo ich bin. So die schönsten Gesundheitsgrüße sendet der Papa! Liebe Erna, Heinrich, Mutter u. Großmutter, guten Nacht!

Kein Lebenszeichen Dezember 1943

Anscheinend hatte sich Karl Paelecke im Dezember 1943 nicht mehr bei seiner Familie gemeldet, so dass Erna Paelecke an Karls Kameraden Otto Pärschke mit der Bitte um Hilfe geschrieben hat. Otto Pärschkes Antwort ist erhalten:

18. Januar 1944 – Otto Pärschke an Erna Paelecke
18.1.1944.

Liebe Frau Paelicke.

Schon eine ganze Zeit, hatte ich schon den Gedanken gehabt, an Sie zu schreiben. Nur es geht ja bei uns Lanzern nicht immer so, wie man es gern möchte. Vorallem in den letzten Tagen. Wo wir mal wieder solch kleinen Marsch gemacht haben. Dabei wurde ich die Gedanken von Ihren Mann nicht los. Wie er mög diesen Marsch überstanden haben. Wie es hier zwar aussah, ist wohl die Infantrie mit Autos befördert worden. Obwohl er mir das versprechen beim Abschied gegeben hatte, sich zu melden, und mir somit seine No. mitzuteilen, habe ich bislang noch keine Nachricht von ihm erhalten.

Nun am Sontag den 16.1. erhielt ich Ihre lieben Zeilen vom 19.12. Sage Sie dafür meinen aller besten Dank. Doch wie ich leider daraus ersehen muß, geht es Ihnen nicht besser, als mir. Nur daß Sie doch seine neue Anschrift wissen. Wo diese mir auch noch unbekannt ist. Nun liebe Frau Paelecke, inzwischen werden Sie doch wohl schon ein Lebenszeichen von Ihren Mann erhalten haben. Sollte es Ihnen nichts ausmachen, und Sie einige Minuten Zeit aufbringen können, möchte ich Sie doch herzlichst bitten, mir diese mal mitzuschicken. Auch ich verspreche Ihnen, sollte ich was hören bei welchem Regiment sich Ihr Mann befindet, teile ich es Sie sofort mit. Da es schon des öfteren nach vorhandenen Fahrer einige alten Kameraden sprechen konnten. Warum solte dies nicht auch mal der Fall mit Ihren Mann sein.

Wie Sie liebe Frau Paelecke aus diesen meinen Zeilen ersehen werden, konnte ich Sie leider auch keine genaue Mitteilung geben. Sondern gänzlich im Dunkeln bin. Alles., was ich zu berichten wuste, habe ich bestimmt getan.

Und muß nun somit leider schließen. Ich hätte Sie liebe Frau Paelicke ehr gern genaue Auskunft erteilt, wenn ich nur ein klein wenig wüste.

In der Hoffnung, daß Sie diese meine Zeilen in der besten Gesundheit, und recht bald erhalten.

Auch in der Zwischenzeit von Ihnen Wenn Nachricht bekommen haben,

Grüßt Sie Allen

hiermit vielmals

Otto Pärschke

Brief von Karl Paelecke (Januar 1944)

Im Januar 1944 schicke Karl Paelecke noch einen Brief nach Schneflingen. Das genaue Datum lässt sich auf Grund einer Beschädigung nicht mehr feststellen. Der leere Briefumschlag ist im Gegensatz zum Inhalt erhalten.

Beschädigter Poststempel vom Januar 1944. Der Inhalt ist nicht erhalten.

Undatierte Korrespondenz zwischen Vater und Sohn

Heinrich Paelecke, Karls Sohn, hatte seinem Vater ein Zeitungsfoto mit der Frage Bist Du das, Papa?

Karl Paelecke schickte das Foto mit folgender Anmerkung an seinen Sohn zurück:

So ähnlich sieht es aus auch jetzst fahr ich so ein paar schwarze Pferde.

Wie sie heißen Olaf und Quinten

leider bin ichs doch nicht!

Zeitungsfoto mit der Frage des Sohnes und der Antwort des Vaters (undatiert)

Gedenken an Karl Paelecke

Todesanzeige für Karl Paelecke
Gedenkstein für Karl Paelecke auf dem Ehrenmal auf dem Schneflinger Friedhof

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Brief über die Folgen der Luftangriffe in Berlin nach Schneflingen bei Wittingen (18. März 1943)

Auf Berlin gingen während des Zweiten Weltkrieges mehr Bomben nieder als auf jede andere deutsche Stadt. Das erste Mal wurde Berlin in der Nacht vom 7. auf den 8. Juni 1940 von französischen Marinefliegern als Vergeltungsaktion angegriffen. Zahlreiche weitere Angriffe folgten dann bis Anfang 1943. Am dem 16. Januar 1943 bombardierte die britische Royal Air Force Berlin erneut und bis zum 30. März 1943 wurden u.a. weite Teil des Bezirks Tempelhof, die Deutschlandhalle, die St. Hedwigs-Kathedrale sowie das Deutsche Opernhaus getroffen. Bei diesen Angriffen entstanden über 600 größere Brände und Schäden an mehr als 20.000 Häusern. Es wurden ganze Stadtteile zerstört und mehrere hundert Menschen starben. Während dieser Zeit der intensiven Luftangriffe wurde der unten stehende Brief von Berlin nach Schneflingen geschickt.

Am 18. März 1943 verfassten Wilhelm, Elisabeth und Kläuschen einen Brief nach Schneflingen bei Wittingen. Darin schildern die Verfasser die Bombenangriffe sowie die Folgen sehr deutlich.

Wer genau die Empfänger waren und wo sie in Berlin wohnten, lässt sich nicht mehr klären. Der dazugehörige Briefumschlag mit Absendernamen und Adresse ist nicht mehr erhalten. Gefunden wurde dieser Brief auf der Haushaltsauflösung des Hofes Wolf/Paelecke in dem kleinen Dorf Schneflingen südlich von Wittingen. 

Berlin, d. 18.III.43.

Ihr Lieben alle!

Da Ihr mich und unseren kl. Liebling noch nicht kennt und auch in dieser ernsten Zeit keine Meinung habt uns zu besuchen, wollen wir uns doch wenigstens im Bild mal vorstellen. Der Kleine ist jetzt recht drollig, ein richtiger kl. Wildfang. So ganz wie ein Junge sein muß und so wie ich ihn mir immer gewünscht habe. Aber trotzdem ist er sehr artig dabei, verwöhnt habe ich ihn nicht. Bei diesem schönen Wetter ist er von 12-7 Uhr draußen. Weinen tut er selten, er wie genau, daß er nichts damit erziehlt. Ein Kindchen bringt dich unendlich viel Freude. Vor 4 Wochen war Rieckchen 3 Tage hier. Sie kann froh sein, daß sie den Angriff hier nicht miterlebt hat. Der war zu furchtbar. Mir steckt der Schreck noch in den Gliedern. Beim geringsten Geräusch zucke ich zusammen und denke es ist Allarm. Das letzte mal wird es auch nicht gewesen sein. Es waren nachdem schon wieder Aufklärer hier und warfen am hellen Tage Bomben. Also müßen wir auf alles gefaßt sein. Wenn es Abend wird, ist einem schon angst und bange und vorher war ich immer so gleichgültig und war immer froh wenn Wilhelm nichts sagte, daß wir in den Keller wollten. Und jetzt zittere ich an allen Gliedern, wenn die Sirene geht. Es war aber auch zu furchtbar. Beschreiben kann ich es gar nicht. Um uns herum sieht es böse aus. Wir sind wie durch ein Wunder verschont geblieben. Sonst immer und Außenfenster alle zertrümmert. Aber wir haben doch unser Heim noch. 56000 haben es nicht mehr. Davon fallen auf Steglitz allein 20000 Obdachlose. Wir sollten auch welche aufnehmen. Als man sich jedoch überzeugt hatte, das alle Fenster raus waren, nahm man Abstand. Sonst hätten wir es gern getan, denn die armen Menschen tun einem so leid, wenn sie vor einem Nichts stehen. Und wer weiß ob es nicht uns das nächste Mal trifft. Wir haben im Keller gesessen und sahen den Todt nur jeden Augenblick vor Augen. Wir hörten wie die Bomben einschlugen und dazu das Geballter der schweren Flack. Es hat auch Niemand geglaubt, daß wir das Tageslicht wieder erblickten. In unserem Hinterhaus ist eine Wand eingestürzt. Als der Kellerfenster zerschlug und Staub und Mörtel hereinflogen war es bei den meisten mit der Fassung aus. Einer sah dem Andern entsetzt an und Jeder hatte nur ein Gebet auf den Lippen.

Und als wir denn raus kamen, nein dieser Anblick war zu schrecklich. Ich werde es in meinem ganzen Leben nicht vergessen. Als ob die Hölle los wär. Wo man auch hinsah überall Schutt und Scherben. Feuer an allen Ecken und Enden und dazu der fürchterliche Sturm. Es war ein entsetzliches Chaos, und hatte den Anschein als ob ganz Berlin in Flammen aufgehen sollte. Die Feuerwehr war jedenfalls nicht wo sie hin sollte. In unser ganzen Umgebung war jedenfalls keine. Uns schräg gegenüber und hinter uns brannte fast die ganze Straße aus. Von oben bis zum Erdgeschoß. Die Menschen hatten Last wenigstens die noch nicht brennenden Häuser zu schützen. In unserer Wohnung sind die Decken gerißen und ein Türschloß rausgerißen. Der Wind heulte nur so durch die Wohnung. Ich war die Nacht und am andern Tag mit dem Kleinen bei den Leuten unter uns. Die hatten wenigsten im Wohnzimmer heile Fenster.  Alle Fenster wurden mit Pappe vernagelt. Wer weiß wenn sie noch gemacht werden. Die Glaser sind ja schon aus aller Welt eingesetzt. Aber es ist ja auch unendlich viel kaputt. Zu beiden Seiten der Straße lag ein Wall von Scherben. Am nächsten Tag waren wir wie von aller Welt abgeschlossen. Es kam keine Post und keine Zeitung, ging kein Telefon, fuhr keine S- und Straßenbahn. Die Feuerwehr rasselte andauernd, Sicherheits- und Hilfsdienst, Rettungswagen und Volksgenossen mit ihrem letzten Hab und Gut auf Wagen, Karren oder im Bündel belebten das Straßenbild. Überall vergrämte Gesichter. Diese eine Nacht hat die Menschen um vieles ernster gemacht. Wie hoch die Zahl der Opfer ist wird gar nicht bekannt gegeben. In der ersten Woche waren es 486 Tote und 377 Schwerverletzte. An manchen Stellen arbeiteten Bagger um Verschüttete zu bergen. Aus einem Keller wurden 45 Leichen geborgen; Sie sollen sich in ihrer Todesangst alle aneinander geklammert haben. 40 Soldaten, welche Aufräumungsarbeiten machten, wurden von einem einstürzenden Haus verschüttet und zerschmettert. Auf einem Friedhof in unserer Nähe wurden an einem Tag 100 beerdigt. 2 Tage nach dem Angriff brach in unserer Nebenstraße nochmal Feuer aus, Phosfor war trocken geworden und hatte sich wieder entzündet. Es ist nur gut, daß das Wetter jetzt so schön ist, sonst würde der Schaden immer noch größer. Als es natürlich regnete kam es bei uns auch schon durch. Ich wüßte noch vieles mehr, kann es aber nicht alles auf Papier bringen.

In der Hoffnung daß es Euch allen gut geht grüßen Euch Wilhelm, Elisabeth u. Kläuschen.

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Adolf Blanke – gefallen am 13. Oktober 1916 bei St. Mihiel

Adolf Blanke wurde am 7. Mai 1894 geboren. Sein Zwillingsbruder war Rudolf (1894-1963). Sie waren Söhne des Fabrikbesitzers Diedrich Blanke (1848-1929)und dessen Ehefrau Luise, geb. Käseberg (1856-1898). Diedrich Blankes  Kriegstagebuch von 1870/71 ist hier zu lesen. 

Sein jüngerer Bruder Werner Blanke (1896-1991) schreibt in seinen Erinnerungen über seinen Bruder Adolf:

Der Erste, der aus dem Leben scheiden musste, war Adolf. Er war der Zwillingsbruder von Rudolf. Beide wurden am 7. Mai 1894 in Ahlden geboren. […] Sie waren unzertrennlich, obgleich sie sehr unterschiedlich waren. Rudolf war klein und hatte fast schwarze Augen, Adolf war groß und blauäugig. Beide hatten weißblonde Haare. Rudolf war das schwarze Schaf der Familie. Adolf war ein sehr artiges, folgsames Kind, das keinen Streit leiden konnte. […]

Rudolfs Zwillingsbruder Adolf hat nur ein sehr kurzes Dasein erlebt. Auf der Schule war er ein Musterschüler, gewissenhaft, fleißig und ausdauernd. Nach der Konfirmation ging er mit Rudolf nach Verden und zwar in eine Weingroßhandlung. Man hätte ihn nach den Lehrjahren gern dort behalten, aber dann wäre er allein in Verden gewesen. Vater war bereits in Berlin, Rudolf zog nach Frankfurt. Deswegen nahm Adolf Stellung bei den Hackethal-Kabelwerken in Hannover, wo er an Robert und Hedwig verwandtschaftlichen Halt fand. […]

Adolf war mein Lieblingsbruder. In den Ferien waren wir oft zusammen. Hatte er frei, so wanderten wir.

Adolf lernte den kaufmännischen Beruf in einer Weingroßhandlung Verdens. Nachdem er ausgelernt hatte, ließ man ihn nur ungern nach Hannover ziehen, wo er in den Hackethalwerken sich bald eine Vertrauensstellung erwarb. Sein Aufstieg wurde durch den frühen Tod als Kriegsfreiwilliger verhindert. […]

Dann brach der (erste) Weltkrieg aus. Adolf und ich traten als Kriegsfreiwillige in das Heer, Adolf wurde als Telefonist ausgebildet. Er trug als Soldat eine Rolle Draht auf dem Rücken, die sich beim Gehen abrollte. Ein anderer Soldat hängte den Draht seitwärts an Gebüsch usw. auf. Bei dieser Tätigkeit blieb er meistens in der zweiten Linie, die nur durch Artillerie beschossen wurde. Nur da, wo der inzwischen eingetretene Stellungskrieg in Angriffskrieg sich wandelte, war Adolf allen Waffen ausgesetzt.

Für mich war schon der Krieg vorbei. Zum 2. Male verwundet, war ich als dienstunfähig entlassen und war schon Lehrer in Hankensbüttel, als ich die mir unbegreifliche Nachricht bekam, dass Adolf am 19. Oktober 1916 in der Nähe von St. Mihiel bei Verdun gefallen sei. […]

Er hatte das fürchterlichste Trommelfeuer in der Champagne hinter sich. Sie lagen bei St. Mihiel „in Ruhe“. Da wurde er zur Schreibstube gerufen und bekam einen Urlaubsschein. Er telegrafierte die freudige Nachricht an Vater in Berlin. Sein Zug aber fuhr erst am nächsten Morgen. So ging Adolf mit anderen Urlaubern in einen Unterstand. Sie sangen, lachten, scherzten und freuten sich auf morgen. Im Tagesanbruch eilten sie zur Bahn. Zwei Wege führten zum Ziel, ein weiter, sicherer und ein kurzer, gefahrvoller und deswegen verbotener Weg. Er wurde vom Feind immer wieder heftig beschossen. Trotzdem wählten die Urlauber diesen. Schon waren sie fast aus der Gefahrzone, da schlug eine Granate zwischen sie. Adolf trug ein schwarz-rot-goldenes 10 cm breites Band in der Brusttasche, das ihm ein böhmischer Offizier bei Kriegsausbruch in Aussig geschenkt hatte. Ich habe es zurückbekommen. Es war zusammengefaltet 1 dm² groß. Darin sind allein 4 Einschläge von Granatsplittern. In einem mir zurückgesandten Bilde zähle ich sogar 9 Einschüsse. Ein Bild, das ihn zeigt, hat zwar nur 3 Treffer, aber einer ist 16 cm² groß. Eine Skizze zeigt die Stelle, wo er verblutete.

Adolf Blanke Telegraphist bei der Fernsprechabteilung des 18. Armeekorps (Fernsprechabteilung 18). Gefallen ist er am 13. Oktober 1916 während Kämpfe auf den Maashöhen bei St. Mihiel, an denen das 18. Armeekorps vom 09.10.1916 bis 12.11.1916 teilnahm. 

Karte aus der Brusttasche von Adolf Blanke. Die Schäden durch den Granattreffer sind deutlich zu erkennen. Adolf Blanke steht links hinter dem Schild in feldgrauer Uniform. Die Aufnahme entstand im Festungslazarett Germersheim (1915).
Skizze des Ortes, wo Adolf Blanke am 13. Oktober 1916 gefallen ist. Das rote Kreuz rechts markiert den genauen Ort östlich von St. Mihiel.
Skizze der Lage des Grabes auf dem deutschen Soldatenfriedhof in St. Mihiel
Das ursprüngliche Grab auf dem deutschen Soldatenfriedhof in St. Mihiel

Deutscher Soldatenfriedhof St. Mihiel

Der in St. Mihiel in der heutigen Rue de la Porte à Metz gelegene deutsche Soldatenfriedhof wurde in den 1920er Jahren aufgelöst und die 600 bis 700 Gefallenen – die Angaben widersprechen sich –  wurden auf die Kriegsgräberstätte Troyon und die Kriegsgräberstätte St. Mihiel im Gobessart-Wald umgebettet.

Noch heute ist die Einfriedungsmauer des ehemaligen Friedhofs St. Mihiel vollständig erhalten. Gut zu erkennen ist hier noch der ehemalige Eingang zum Friedhof, in dessen Nähe die Gräber von Adolf Blanke und Franz Burg lagen.

Im Hintergrund auf dem Foto der beiden Gräber ist das Haus Rue de la Porte à Metz 20 zu sehen. Das Aussehen des Hauses heute sieht dem auf dem Foto des ursprünglichen Grabes äußerst ähnlich und die Lage stimmt mit der obigen Skizze überein. Gegenüber dem Haus befand sich der Eingang zum Soldatenfriedhof – heute Rue Porte à Metz 27. 

In den Namenslisten der Kriegsgräberstätte Troyon findet sich der Name Adolf Blanke nicht, dafür aber ein Andreas Blanke mit gleichem Sterbedatum wie Adolf Blanke. Vermutlich handelt es sich dabei um Adolf Blanke. Vielleicht war der Name bei der Umbettung nicht mehr genau zu entziffern und aus dem eigentlichen Namen Adolf wurde dann fälschlicherweise Andreas.

Foto eines deutschen Fotografen des Soldatenfriedhofs St. Mihiel (vor Kriegsende 1918). Rot markiert ist die mutmaßliche Lage der Gräber von Adolf Blanke und Franz Burg. Die Friedhofsmauer ist heute noch fast vollständig erhalten.

Feldpost von Adolf Blanke an seine Schwester Hedwig, seine Schwager Albert und seine Nichte Ruth Velten

Insgesamt sind sieben Feldpostkarten und -briefe vollständig erhalten sowie ein Fragment, bei dem mindestens die erste Seite fehlt. Die sieben vollständigen Dokumente werden hier im Wortlaut wiedergegeben:

Undatiert

Meine liebe süsse Maus!

Sei Deinem Onkel bitte nicht böse, dass er Dir zu Deinem Geburtstag nicht geschrieben hat. Ich hatte es tatsächlich vergessen, wie ich Vater 4 Wochen zu früh schrieb. Wenn meine Glückwünsche auch verspätet kommen, so sind sie aber noch eben so herzlich gemeint. Anbei meine Aufnahme aus dem Schützengraben, wirst Du mich erkennen.

Für heute recht herzliche Grüsse

Dein Onkel Adolf 

Undatierte Feldpostkarte mit Foto von Adolf Blanke an seine Nichte Ruth Velten

31. März 1915

Meiner süssen Maus herzliche Grüsse. Dieses ist eine Aufnahme aus unserer Ruhezeit, ich kam s. Zt. fort und bekomme daher erst jetzt die Aufnahme. Die mit x beschrieben sind meine Kameraden, mit denen ich jetzt immer zusammen bin. Herzlichste Grüsse Onkel Adolf

Feldpostkarte vom 31. März 1915 an seine Nichte Ruth Velten
Bearbeitetes Gruppenfoto - Das Kreuz ganz rechts markiert Adolf Blanke

1. April 1915

Meine lieben Hannoveraner,

habt recht herzlichen Dank für Eu[e]r liebes Päckchen, habe auch über alles sehr gefreut. Auch für Deinen lieben Brief, liebe Tille, danke ich Dir herzlichst. Weshalb ich nicht schrieb und wo ich ste[c]kte, kann ich Euch leider nicht schreiben, hier ist für uns Briefsperre, es können nur Karten geschrieben werden, die dann vom Kommandeur durchgelesen und gestempelt werden. Vielleicht kann ich Euch später ja mal darüber ausführlicher schreiben. Es wird Euch ja vorläufig genügen, wenn ich Euch schreibe, dass es mir noch immer vorzüglich geht. Die Briefsperre hat seine strategischen Gründe, und ich weiss nicht, wie lange sie noch dauert. Ihr könnt nun aber Briefe weiter schreiben. Ich habe innerhalb 14 Tagen bis 3 Wochen knapp 3 Briefe im Ganzen bekommen. Da kannst Du Dir denken, liebe Tille, worüber ich mich gefreut habe, als Dein Brief ankam. Ich hoffe, dass es Euch allen auch sehr gut geht und wünsche Euch allen recht fröhliches Osterfest.

Euer Adolf

13. Mai 1915

Roye, den 13. Mai 15.

Liebe Hete!

Ich habe in meinem Briefe vergessen, zu fragen, wozu der Zettel von der Sparkasse der Kapital: Versich. Anstalt, den Ihr mir in einem Brief gesandt habt, sein soll? Muss der evtl. ausgefüllt werden?

Recht herzlichen Gruss

Dein Adolf

14. Mai 1915

Roye, den 14. Mai 1915.

Mein lieber Albert!

Dein l. Paket mit Zigarren habe ich bekommen und mich riesig darüber gefreut. Hab herzlichen Dank. Meinen Brief habt Ihr wohl schon bekommen? Mir geht es gut.

Euch allen recht herzl. Grüsse von Eurem Adolf.

18. Juni 1915

Winterlager, den 18.6.15.

Mein lieber Albert!

Habe herzlichen Dank für Deine Pastillen gegen den Durst, habe mich sehr darüber gefreut. In den nächsten Tagen schreibe ich mal wieder ausführlicher. Ist Werner schon in Hannover angekommen? Mir geht es noch immer gut. Gestern haben wir schwer Feuer gekriegt.

Allen herzliche Grüsse, besonders Dir Dein Adolf.

25. Oktober 1915

Poststempel 25.10.15. 1-2N Kais. Feldpost-Station Nr. 45 C

Liebe Hete und lieber Albert!

Nehmt es mir bitte nicht übel, dass ich Euren Hochzeitstag ganz vergessen hatte, aber trotzdem sind meine Glückwünsche noch eben so herzlich gemeint. Das wäre mal wieder solch eine schöne Gelegenheit gewesen, sich bei Euch mal durchzufüttern, da ist mir mal wieder etwas aus der Nase gegangen. Dass Mausi so krank war, tat mir aber leid, die lüttje Süsse, nur gut, dass sie wieder besser ist. Mir geht es noch immer, wie ich besser garnicht verlangen kann. Seid für heute recht herzlich gegrüsst

Von Eurem Adolf.

Feldpost im Andenken an Adolf Blanke

Zwei Feldpostbriefe sind im Andenken an Adolf Blanke überliefert. Über die beiden Verfasser liegen keine weiteren Informationen vor.

Brief an Albert Velten (Schwager von Adolf Blanke) von Sergeant Lömcker vom 26. Dezember 1916

Sehr geehrter Herr Velten!

Aus Ihren Zeilen v. 8.12. habe ich ersehen, daß mein Brief u. die Aufnahme des Grabes in Ihrem Besitz sind. Es ist mir eine große Freude, daß meine Zeilen Ihnen wenn auch nur kleiner Trost waren. Wie sehr haben auch wir unseren lieben Blanke besonders jetzt in den Weihnachtstagen vermißt. Er war ja auch jedem ans Herz gewachsen. Am heilig Abend haben wir seiner besonders gedacht und Ihren, mir übersandten guten Wein getrunken, wofür ich im Namen aller vielmals danke. Auch für Ihre l. Zeilen Ihnen sehr dankbar gestatte ich mir, Ihnen ein fröhl. u. zufriedenes Neujahr zu wünschen. Mit deutschem Gruß Ihr ergebener Fz. Lömcker.

Brief von Karl Röttjer an Hedwig Velten (Adolf Blankes Schwester) vom 25. Juni 1918

Liebe Hedwig!

Hoffentlich ist die Zeichnung gut wieder in Deine Hände gelangt und Du hast gesehen, daß ich Adolf´s Grab gefunden habe. Nun habe ich ihm gestern für die mir gesandten 5 M, einen sehr schönen Kranz aufs Grab gelegt und hoffe, so bald die Comp. wieder aus Stellung kommt, daß unser [unleserliches Wort], wenn er Farbe bekennt, nun die Schrift erneuert. Mit den besten Grüßen für Dich und Deine lieben Angehörigen Dein Karl Röttjer.

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Mitteilung über den Tod des Unteroffiziers Gustav Ermert vom 3. November 1944 (Panzergrenadier Regiment 5)

In einem Brief vom 3. November 1944 wurde Karl Ermert aus Kirchen/Sieg der Tod seines Sohnes Gustav Ermert mitgeteilt. Dem Schreiben nach ist Gustav Ermert am 29. Oktober 1944 bei Abwehrkämpfen bei Augt in Kurland, dem heutigen Lettland, durch Granatsplitter gefallen. 

Laut der Seite des Volksbundes ist er bei Mugt gefallen. Sein Grab befindet sich heute auf der Kriegsgräberstätte Saldus (Frauenburg) – Block D Reihe 27 Grab 840. 

Den genauen Ort seines Todes konnte ich bisher nicht verifizieren.

Die Feldpostnummer 24680 B, unter der die Todesmitteilung abgeschickt wurde, gehört zur 5. Kompanie des Panzergrenadier Regiments 5. Dieses war im Jahr 1944 der 12. Panzer-Division unterstellt, welche 1944 bei der Heeresgruppe Nord eingesetzt war. Aus Geheimhaltungsgründen wurde nur die Feldpostnummer angegeben, aber nicht die genaue Einheit.

In der Kesselschlacht von Kurland wurde die deutsche Heeresgruppe Nord ab Oktober 1944 eingeschlossen. In der Zweite Kurlandschlacht am 27. Oktober 1944 traten sowjetische Divisionen gegen die deutschen Stellungen an. Die sowjetischen Truppen konnten zwar mehrere Einbrüche in die deutschen Linien erzielen, aber der herangeführten deutschen Reserve gelang es, zahlreiche Panzer abzuschießen, allerdings zum Preis hoher eigener Verluste. Das X. Armeekorps verzeichnete fast 50% Ausfälle. Die Heeresgruppe Nord verlor über 68.000 Mann an Gefallenen und Verwundeten.

Gustav Ermert war einer der Gefallenen dieser Zweiten Kurlandschlacht. 

Der Briefumschlag mit der Todesmitteilung trägt den Feldpoststempel mit Datum vom 16.12.44. Der Brief mit der Todesmitteilung datiert auf den 3.11.1944.
Originalbrief der Todesmitteilung
Beglaubigte Abschrift vom 14. Mai 1946.
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Briefe von Richard Grimm an seine Frau Thekla (Hamburg 1940)

Richard Grimm war in der zweiten Hälfte des Jahres 1940 beim SHD (Sicherheits- und Hilfsdienst) in Hamburg tätig. Der SHD war ein Aufgabenbereich des Luftschutzes, der im Deutschen Reich für den Einsatz nach Luftangriffen ab 1939/40 aufgebaut wurde. Das Aufgabenspektrum umfasste neben der Brandbekämpfung auch sanitätsdienstliche und technische Hilfeleistungen sowie Entgiftungseinsätze. Der SHD lag im Verantwortungsbereich der Polizei. Die Angehörigen des SHD waren vom Wehrdienst befreit. Im „Forum der Wehrmacht“ wird in einem Beitrag angemerkt, dass es den Angehörigen des SHD nicht erlaubt war, einer zusätzlichen Beschäftigung nachzugehen. Allerdings arbeitete Richard Grimm auch während seines SHD-Dienstes weiterhin für die Firma H. Landmann & Söhne.

Richard Grimm war verheiratet mit Thekla und sie hatten drei Kinder: Margret, Klaus und Werner. Im Sommer 1940 ist Thekla mit den Kindern zu seiner Mutter umgezogen, wie er in seinem Brief vom 13. Oktober 1940 erwähnt. Ein Briefumschlag mit Stempel vom 16.10.40 ist adressiert an Thekla Grimm, Hamburg Volksdorf, Wiesenhöfen No. 3 bei Reuter. Dies war vermutlich die Adresse seiner Familie. 

Als Absender ist SHD: R. Grimm, Hbg.-Wandsbek, Bleicherstrasse 59, Goetheschule angegeben. Dort war er also beim SHD tätig. Später war er auch in der Feldstraße eingesetzt.

An der Adresse Bleicherstraße 59 in Wandsbek war von 1922 bis Ostern 1940 die Freie Goethe-Schule aktiv. Dies war eine Waldorfschule, die ihren Betrieb Ostern 1940 durch den Druck des NS-Regimes einstellen musste. Alle Lehrkräfte wurden zum Hilfsdienst im Haupternährungsamt einberufen, so dass eine Fortführung des Schulbetriebes unmöglich war.

Das Schulgebäude stand somit zur Verfügung und wurde dann spätestens ab Sommer 1940 vom SHD genutzt.

Neben seinem Dienst beim SHD war Richard Grimm auch noch für die Firma H. Landmann & Söhne tätig. Dies war eine im Jahr 1938 arisierte Firma, die mit Hopfen handelte. Der Firmensitz war in Fürth, eine Außenstelle An der Alster 35 in Hamburg. Inhaber der Firma waren bis zur Arisierung Siegfried und Hans Landmann. Erwerber der Firma war Otto Bieling.

Siegfried Landmann (*1877 in Fürth) floh 1938 nach Schweden und ging dann 1939 nach Brasilien. Sein Bruder Hans Landmann (*1880 in Fürth) floh 1938 in die Niederlande und noch vor der deutschen Besetzung weiter nach Schweden, wo er 1950 verstarb.

Im Hamburger Fremdenblatt (Abend-Ausgabe Nr. 285, S. 4) vom Dienstag, 14. Oktober 1941 wird eine Veränderung im Handelsregister erwähnt: „[…] Die bisherige Firma wird neben der neuen Firma Otto Bieling K.G. mit dem Nachfolgezusatz fortgeführt als H. Landmann & Söhne, Otto Bieling Nachf. K.G.„

Richard Grimm erwähnt seine Tätigkeit für die Firma H. Landmann & Söhne an mehreren Stellen und auch ein von ihm verwendeter Briefumschlag verweist auf diese Firma, denn auf der Rückseite ist die Firmenadresse aufgedruckt. Welche Funktion er genau hatte, geht aus den Briefen nicht genau hervor. Fest steht, dass er Überweisungen tätigte und die Firmenpost bearbeitete.

Das weitere Schicksal der Familie ist unbekannt.

Insgesamt sind elf Briefe vom 9. Juli bis 22. Dezember 1940 überliefert. 

Rechtschreibung und Zeichensetzung der Briefe wurden übernommen.

Adresse von Thekla Grimm: Wiesenhöfen No. 3 bei Reuter in Hamburg-Volksdorf
Absender Richard Grimm, Bleicherstraße 59, Goetheschule, in Hamburg-Wandsbek; darunter die durchgestrichene Firmenadresse von H. Landmann & Söhne.
  1. Juli 1940

Hbg-Farmsen, 9.7.40

Liebe Mutti!

Ich kann Dir heute durch Franz Duve ein kleines „Anbei“ übersenden. Das Feinbrot ist schon von Freitag, vielleicht kannst Du es Hofmanns geben, da Ihr ja noch genügend habt. Die Kruke mache bitte sauber.

Der Rotwein ist für Mutter bestimmt, die Sukkade zum Backen; Das Stück Fleisch ist dänisches Bacon-Fleisch (Schweinefl.) frisch von gestern, schmeckt gut zu Euren Bohnen. Backpulver habe ich auch bekommen; Zucker auch.
Das Wetter ist ja heute herrlich; ich werde mich heute mittag bis 20 draussen sonnen; von 2-40 habe ich wieder Wache! Heute abend rufe ich bei Euch an. Ist Werner mit seinem Stuhlgang wieder in Ordnung?

Jetzt gehen wir gleich zum Essen; mein Magen knurrt schon. Meiner Erkältung geht es besser.

Herzliche Grüsse Euch Allen und einen Extrakuss von Deinem getreuen Männe

 

13. Oktober 1940

Hamburg-Farmsen, den 13. Okt. 40.

Meine liebe Thekla!

Es ist jetzt 7 Uhr abends und Du sollst jetzt von Zeit zu Zeit, ausser unseren telefonischen Unterhaltungen, auch briefliche Nachrichten von mir erhalten, damit du weisst, was ich tue und treibe und welche Gedanken mich bewegen. Es soll kein Rechenschaftsbericht sein, mein Deern, denn ich glaube doch, dass Du mir allmählich Vertrauen schenken wirst, sondern diese Zeilen sende ich Dir aus freien Stücken, vielleicht dass sie Dich ein wenig aufheitern und Zerstreuung bringen werden.

Unser Gespräch von heute nachmittag hat mich natürlich sehr betrübt und nachdenklich gestimmt, dass Euch Werner einen dicken Strich durch die Rechnung mit seinem Fremdsein gemacht hat. Aber ich hoffe bestimmt, dass sich dies in ein paar Tagen, vielleicht schon heute nacht geben wird, dass er sich dann an die neue Umgebung gewöhnt hat.

Meine liebe, gute Thekla, Du musst nicht alles so furchtbar schwer nehmen, denn vor allen Dingen musst Du Dich unseren Kindern gesund erhalten, denn was sollen die armen Würmer anfangen, wenn Du auf der Nase liegst; Omi ist doch nicht mehr kräftig genug, sich um die Erziehung von 3 Kindern zu kümmern. Also Kopf hoch; es wird schon alles wieder besser werden, und, wie Du neulich selbst sagtest, man weiss nie, wozu es gut ist, was einem das Schicksal auferlegt.

Ich habe es doch nur gut gemeint mit dem Umzug zu Mutter, weil Du erstens nicht so allein abends sein sollst und zweitens natürlich auch wegen der sicher noch zu erwartenden Luftangriffe bei Nacht; gestern abend war übrigens von 220 bis nachts gegen 3 Uhr Luftgefahr, Alarm wurde aber nicht gegeben.

Dass  ich diese Zeilen mit der Hand schreibe, geschieht aus zweierlei Gründen, einmal weil ein mit der Hand geschriebener Briefe persönlicher wirkt; es soll Dir einen Teil meines Ichs übermitteln, auf dass er Deine „Einsamkeit“ (trotz unserer Dich sicher in Atem haltenden beiden Buben) ein wenig aufhelle; andererseits will ich auf einem Sonntag abend nicht mit der Maschine zu klappern anfangen, und drittens kann ich den Brief, wenn ich ihn hier in meiner Ecke mit der Hand schreibe, vor unberufenen Augen der Kameraden schützen.

Meine liebe Mutti; ich muss jetzt (1925 Uhr) auf einen Augenblick unterbrechen, Hein Borger bringt soeben den heissen (aufgewärmten) Abendkaffee; ich will dabei auch essen; Ihr werdet wohl schon in Eurer neuen, doch auch ganz gemütlichen Behausung Euer „Abenddiner“ intus haben.

Dass Franz, der getreue Paladine, wieder da ist, sagte ich Dir bereits am Telefon, was für Dich eine grosse Beruhigung ist, wenn es auch mir einen kleinen Stich gibt, in Hinblick auf das noch mangelnde Vertrauen. Aber den will ich gern einstecken, mein Muttchen, wenn es Dich beruhigt, und ich selbst muss auch sagen, dass mir Franz Duve der angenehmste und zuverlässigste Kamerad ist, nicht nur weil ich ihn vom September 1939 her kenne, sondern weil er auch ein vernünftiges Wort reden kann. Er lässt Dich auch jedes Mal grüssen, wenn ich auf Urlaub gehe.

Gestern abend bin ich hier mit meinem ganzen Gepäck gut, wenn auch ziemlich verschwitzt, gelandet, und daher rührt auch mein eintägiger Schnupfen her, der heute abend schon wieder im Abklingen ist. Letzte Nacht habe ich zeitweise stark gehustet, aber es scheint doch, als wenn die Drops, die Du mir besorgtest, etwas geholfen haben. Um 5 Uhr heute früh wurde ich dann geweckt (von Bernhard Franck, der von 3-50 Aussenwache bei den Fahrzeugen hatte), um meinen Telefondienst anzutreten. Die 2 Stunden vergehen  verhältnismässig schnell: 2 illustrierte Zeitschriften, die Abendzeitung verdaut, und zum Schluss Kasse gemacht.

Während meiner Urlaubszeit hat mich Jankowski am Telefon vertreten. Ob ich nun hier dauernd von den Aussen-Nachtwachen entbunden bin, was ja sehr angenehm wäre bei der vorschreitenden Jahreszeit, weis such noch nicht. Jedenfalls habe ich morgen vormittag von 9-110 wieder Telefondienst. Blankenburg hat inzwischen einmal nachts und einmal am Tage Unterkunftswache gehabt.

Heute morgen nach dem Kaffee – von 7 bis 7 ¾ Uhr hatte ich mich nochmal wieder hingelegt – habe ich erstmal die noch unerledigte Post abgelegt und die Aufträge eingetragen. Post war gestern abend schon für mich da, aber nur Hamburger Post, nicht von Fürth. Ab 1130 habe ich die Morgen-Zeitung gelesen, und um 12.25 sind wir zum Essen abmarschiert; es gab heute Rotkohl, Rindfleisch & Kartoffeln, vorweg eine salzige Brühe und hinterher einen schönen Pudding.

Sonst ist das Essen während der letzten 8 Tage ziemlich mies gewesen. Am Sonnabend haben sie sich alle über das Zubrot (ausgekochtes Rindfleisch) beschwert. Auch die sogenannte „Gekochte“ war heute sehr fettarm. Nach dem Essen habe ich „der Ruhe gepflegt“, fast zu lange, da ich mit entsetzlichen Kopfschmerzen um ½ 40 aufwachte. Draussen suchte ich für kurze Zeit Kühlung und Linderung, aber das ungemütliche Wetter zwang mich bald zum Umkehren an die „festliche Kaffeetafel“ in unserem Ess- und Schlaf-„Salon“; ein ziemlicher Gegensatz zur vorigen Woche, wo wir trotz der Arbeit doch stets eine gemütliche, „Vesper“ hielten. Aber ich will nicht klagen und Dir das Herz schwer machen, denn für Dich ist die Trennung doch härter, mein Medl, das sehe ich ein; denn die rauhen Männernaturen lassen es nicht zu, für längere Zeit trüben Gedanken nachzuhängen.

 Bis zum Dunkelwerden habe ich gelesen in der „Menschlichen Tragikomödie“ von Scher, (die 2 Bände, die ich von Scheln zum letzten Geburtstag erhielt) und dann diesen Brief zu schreiben begonnen. Die Uhr geht jetzt auf 210. Ich mache einstweilen Schluss und sage Dir herzlich Gute Nacht, mein liebes Weibi; hoffentlich habt Ihr eine ruhige Nacht in Bezug auf Werner und die Sirenen, damit Ihr morgen mit frischem Mut Euer Tagewerk beginnen könnt.

Glaube mir, der Übergang ist immer das Schlimmste, und morgen wird es bestimmt schon besser gehen.
Grüsse bitte Margret und Klaus und auch Werner recht herzlich von ihrem Pappi, auch Mutter natürlich, und Klaus soll mir nächstes Mal erzählen, was er im Kino gesehen hat. Und Du selbst, mein Medl, sei innig umarmt von Deinem stets Dein gedenkenden Richard

 

Dein kleiner Liebesbrief hat mich trotz der Kürze sehr erfreut und ist auch ein Anlass zum heutigen Schreiben mit gewesen. Franz liest augenblicklich „Krösus Vagabund“ und sieht und hört nicht von der Mozart´schen schönen, wenn auch etwas schweren Musik und der angeregten Unterhaltung; wir sind alle hier, bis auf Blankenburg; ich werde mich noch für eine halbe Stunde zu Franz setzen und auch lesen. Soeben kommt der Hauptwachtmeister herein und meldet die Anwesenheit des Majors hier in Farmsen, vielleicht dass er auch noch zu uns kommt.

 

 15. Oktober 1940

Hamburg-Farmsen, den 15. Oktober 1940 330 morgens

 

Meine liebe Thekla!

Ich hoffe, dass mein erster Brief gestern nachmittag noch rechtzeitig in Deine Hände gelangt ist. Du, oder derjenige, die die gerade den Brief angenommen hat, wirst Dich wohl über die Art der Zustellung gewundert haben. Da aber der junge Mann de als Maurer schon seit Anfang an bei uns beim Bau des Luftschutzkellers tätig ist, ganz in der Nähe von Mutter, Im alten Dorfe wohnt, erklärte er sich gern bereit, die Besorgung des Briefes für mich zu übernehmen. Auf diese Art gelangtest Du einen Tag früher in den  Besitz meiner Zeilen, die, wenn sie auch nichts Wichtiges enthalten, Dich vielleicht doch erfreut haben.

Während ich diese Zeilen schreibe, schlaft Ihr Alle hoffentlich ungestört dem neuen Tag entgegen. Ich sitze hier im Rektorzimmer wieder meine Telefonwache von 3-5 Uhr ab. Ja, mein Kind, diese Nacht haben wir noch nicht viel Ruhe gehabt. Ihr werdet wohl auch um 2150 Uhr durch das Sirenengeheul aufgeweckt worden sein, ich lag gerade ¼ Stunde im Kahn, genau so erging es allen Andern auch; Bode wollte gerade das Licht ausdrehen und die Vorhänge aufziehen, um zu lüften, als der Alarm uns wieder aus den Betten holte. Die Schiesserei war ja nicht schlimm, wenn sie sich auch fast 1 ½ Stunden hinzog, und die Entwarnung um 2350 Uhr liess uns natürlich Alle wieder schleunigst in die Koje kriechen. Doch der Traum war kurz, um 135 Uhr ertönten aufs neue die Sirenen; wieder raus aus den Betten, hinein in die Hosen, um uns um 2 Uhr abermals aufs Ohr zu legen. Hoffentlich lassen sie uns jetzt in Ruhe, denn um 220 wurde erneut Luftgefahr durchgegeben, die bisher (355) noch nicht aufgehoben wurde.

Und wie habt Ihr den gestrigen Tag verlebt? Na, das erfahre ich ja heute mittag, wenn ich wie versprochen bei Dir anwecke. Hoffentlich ist dann auch solch schönes Herbstwetter wie gestern; solche Tage müsst Ihr ausnutzen. Schade nur, dass vergangene Woche nicht mal so ein Tag dazwischen war. Na, aber darum war die Ferienwoche doch schön, nicht mein Medl; trotzdem wir beide nicht die Hände in den. Schoss legten, haben wir doch viel von einander gehabt.

Vom gestrigen Tag ist eigentlich nicht viel zu berichten. Eine Tasse mit blau-goldenem Rand habe ich gestern mittag in Farmsen erstanden für 45 Pfennig! Während der Mittagsruhe bis 3 Uhr habe ich mich lang gemacht und einen leichten Unterhaltungsroman in Heftform angefangen zu lesen, den ich gestern abend dann auch schon durch hatte. Von 3 bis ½ 5 Uhr hatten wir Unterricht über Grusspflichten der Polizei und des SHD. Zum Kaffee wurden 3 Scheiben Honig-Brot (kein Honig-Kuchen) verdrückt, und anschliessend draussen in der Sonne an einer geschützten Stelle am Haus habe ich den Aufsatz aus der Menschlichen Tragikomödie über Kaiser Maximilian von Mexico beendet (ganz solo im Kasten, ohne Belästigung!)

Übrigens bereiten sich bei uns auch irgendwelche Veränderungen vor, die auch für uns von Bedeutung sein können. Ich sage: können, weil Positives noch nicht raus ist. Mit der vorrückenden Jahreszeit muss nämlich für unsere Fahrzeuge, die bisher Tag und Nacht bei Wind und Wetter draussen standen, eine Unterkunft besorgt werden uns das ist ein Problem, das wegen Raummangels nicht so leicht zu lösen ist.  Der Führer der Kraftfahrstaffel war gestern bei uns, um die Sache in die Hand zu nehmen. Die Turnhalle als Autogarage kommt nicht in Frage wegen des linoleum-belegten Fussbodens. Auf dem gegenüber liegenden Hof von Krogmann kann auch kein dementsprechender Raum (für 3 Wagen und 2 Krafträder) freigemacht werden. Nun ist die Motorsportschule der SS in Berne (von Farmsen aus gleich links am Eingang der dunklen Waldstrecke) gestern nachmittag zu dem Zweck besichtigt worden.

Weiteres steht noch nicht fest, besonders in Bezug darauf, was alle, falls uns diese Räume, die angeblich jetzt leer stehen sollen, zur Verfügung gestellt werden, nach dorthin verlegt wird; ob nur die Kraftfahrer, oder das ganze Sofortkommando; man sagt sogar („man“) dass dann auch die Feuerwehr dorthin übersiedeln soll, da auch deren Wagen und Geräte bisher den Unbilden der Witterung stets ausgesetzt waren. Wie gesagt, ich will Dir noch keine Hoffnung machen, dass wir von der Rettungsstelle getrennt werden; aber irgend etwas muss geschehen. Die Entscheidung fällt natürlich nicht von heute auf morgen, man muss für alles, was von oben kommt, Geduld haben.

So mein Medl, das wäre für heute morgen (es ist jetzt 440 so ziemlich alles, was ich Dir zu erzählen hatte. Diesen Brief werde ich wohl heute durch die Post befördern lassen, nachdem ich mit Dir telefoniert habe. Ich will jetzt noch eine Viertelstunde lesen und mich dann noch für 2-3 Stunden hinhauen. –

Einstweilen herzlichen Gruss und Kuss von Deinem Männe!

 

Abends, um 190 Uhr

So, mein Deern, nun wollen wir schnell noch ein paar Zeilen schreiben. Das war heute ein aufregender Tag, und wer weiss, was noch folgt. Ja, das war eine Überraschung heute vormittag, als es durchsickerte, dass wir versetzt werden sollten; es hiess zuerst, wir kämen nach der Feldstrasse, eine halbe Stunde später verkündete der Wachtmeister, dass wir heute abend um 21 Uhr versetzt würden. Das gab natürlich grosses Hallo. Vorher hatte ich schon, wie ich dir bereits am Telefon mitteilte, mit Blankenburg auf dessen Wunsch verabredet, dass ich morgen früh von 7-120 Uhr für ihn Urlaub nehme und er dafür meinen Urlaub am Montag morgen antritt. Na, das kommt so nun vielleicht noch ganz anders und wird sich erst herausstellen, wenn wir in der Bleicherstrasse sind. Ob das Problem mit der Motorsportschule Berne noch starten wird, entzieht sich noch unserer Kenntnis. Jedenfalls kommt eine Gruppe aus der Bleicherstrasse hierher und wir dafür dorthin. –

Eben habe ich Abendbrot gegessen; es ist 20 Uhr. Alle sind in Bewegung und packen ihre letzten Sachen zusammen. Die Hauptsache haben wir schon heute nachmittag gepackt. Jeder hat mindestens 2 grosse Bündel; ich habe allein 4 „Päckchen“; alle Sachen werden in den Wagen gepackt; wer ein Rad hat, fährt per Rad; die übrigen werden per Auto dorthin expediert. Wir warten nun alle der Dinge, die da kommen sollen; alle Schränke sind leer, alle Betten der schwarzen Decken beraubt, alle Fächer kahl.

Also, liebe Mutti, erstmal Schluss für heute; man kann hier nicht mehr in Ruhe schreiben. Wir sehen uns ja hoffentlich morgen wieder. Bis dahin viele herzliche Grüsse und Küsse von Deinem Dich stets liebenden Richard

 

16. Oktober 1940

Hamburg-Wandsbek, den 16. Oktober 40 1830 Uhr

Meine liebe Thekla!

Bevor der Briefkasten ausgenommen wird (1915), will ich Dir noch schnell ein paar Zeilen für morgen zukommen lassen. Über die gestrigen Ereignisse bist Du ja durch meine heutige Anwesenheit bei Dir (wenn sie auch leider nur kurz war) im Bilde. Ich lege, wenn sie auch überholt sind, meine gestrigen Zeilen noch bei, da ich vermute, dass sie Dich trotzdem noch interessieren.

Gestern abend sind wir um 2125 (Edel, Jani und ich) von Farmsen abgedampft per Rad, während die übrigen per Auto mit unseren Sachen vorweggefahren waren. Der kleine Trunk bei Mitzingen an dem Adolf Hitler Damm wurde, kaum, dass wir Platz genommen hatten, durch das Sirenengeheul unterbrochen, und als wir kurz vor unserem Ziel in der Bleicherstrasse waren, platzten hinter uns bereits die Flakgeschosse; auch ein Leuchtschirm erleuchtete über Ostwandsbek die ganze Gegend. In der Nacht dann nochmals von 2330 bis nach 1 Uhr Fliegeralarm. Der Schlaf in der ungewohnten Umgebung, mit 14 Mann in einem kleinen Raum, war natürlich auch nicht erquickend. Um 430 war ich einmal hoch, und um 625 bin ich endgültig aufgestanden, um gleich nach der Ankunft Blankenburgs dann Kurs auf Volksdorf zu nehmen.

Heute mittag bin ich kurz vor 1230 Uhr bei Wilhelms angelangt. Es gab an tischtuchbedeckten Tischen (welch ein Gegensatz zu dem düsteren muffigen Saal bei Klinkrad) Fliederbeersuppe mit 2 Griesklössen, Goulausch mit kräftiger Sosse & Kartoffeln und Gurkensalat; letzteres für jeden in einer kleinen Glasschale. Anschliessend bin ich kurz bei Clara vorgewesen; Theo war gerade hoch im Baum und schnitt Aeste heraus; er wollte nicht erst herunterkommen. Die Neuigkeit von Elmshorn ist Euch wohl unbekannt. Die beabsichtigte Fahrt ist wieder nur eine Woche, auf den 27.1040, verschoben worden, weil Amsel am kommenden einer Führerinnen-Tagung oder ähnlich beiwohnen muss. Da ist insofern schade, als dass ich am übernächsten Sonntag kein Urlaub habe, wie alle übrigens nicht. Die Sache ist so geregelt, dass an einem Sonntag die Feldstrasse, am nächsten die Bleicherstrasse „Dienst“ oder sich in Bereitschaft halten muss; am nächsten, kommenden Sonntag, hat die Bleicherstrasse, also wir alle frei von morgens 6 Uhr bis abends 20 Uhr. – Ausserdem komme ich wahrscheinlich am kommenden Freitag um ca. 140 zu Dir bis abends 90. Fein, nicht wahr? Falls ich Dich morgen telefonisch nicht erreichen sollte, komme ich also übermorgen, Freitag, um 140 nach den Wiesenhöfen.

Ja, Mammi, es wird Zeit, dass der Brief fortkommt. Heute nachmittag habe ich erstmal probeweise hier in der Unterkunft Post erledigt, nach Fürth und an die Banken geschickt. Einen Tag muss ich auch mal kurz ins Kontor, um verschiedenes nachzusehen; vielleicht kommst Du dann mal mit, dass wir zusammen uns die Nachmittags-Vorstellung von Jud Süss ansehen!!!

Inzwischen sei Du herzlichst gegrüsst und geküsst von Deinem Dir stets treuen Richard

 

Heute abend wird, falls kein Skat zustande kommt, „Volk ohne Raum“ angefangen!

 

17. Oktober 1940

Hamburg-Wandsbek, den 17. Okt. 40

Meine liebe Thekla!

Ich will heute noch mal die schriftliche Epistel fortsetzen, um meine Berichte fortlaufend zu ergänzen. Allerdings müssen wir in 10 Minuten unseren „Dienst“, Verbände üben, antreten, von 15-160, und anschliessend bis 170 Wiederbelebungsversuche unter Zugführer Piening. Eigentlich wollte ich heute nachmittag bis 150 schlafen, um den versäumten Schlaf der letzten Nacht nachzuholen; dann bis 115 Uhr haben wir wieder im Luftschutzkeller gesessen. Gestern abend hatte ich gerade das 1. Kapitel vom „Volk ohne Raum“ beendet, als ich von zwei Seiten gewünscht wurde; die beiden Heins (Edel und Berger) wollten mit mir Skat spielen und ein Neuer, Schick, suchte jemand zum Schach spielen. Ich habe mich natürlich für das Letztere entschieden und bis 2130 2 Partien (1:1) durchgefochten. Dann habe ich noch beim Skat zugesehen und wollte mich gerade in meine Gemächer zurückziehen, als Jankowski vom Urlaub mit der Nachricht zurückkam, dass der Hamburger Sender eben bereits wieder abgestellt, also demnach Fliegeralarm zu erwarten sei. Infolgedessen legt man sich garnicht erst hin; nur Bernhard Franck hatte sich schon um 9 Uhr hingelegt. Und richtig, eben nach 100 ging der Tanz los, alles in den Keller, wo sich bald Skat- und Schachecken bildeten. Mit meinem Lesen im „Volk ohne Raum“ wurde des nicht viel, da ich bald zu den zahlreichen Kiebitzen beim Schach gehörte. Gegen Zwölf schoss ich die Dir bekannten, unsympathischen Böcke; meine Augendeckel klappten immer wieder zu; bis auch dieser tote Punkt überwunden war. Gegen 1 Uhr sind einige von uns, darunter Bode, Janki, Bankenburg und meine Wenigkeit, nach oben in unseren Tagesraum gegangen und haben „zu Nacht“ gegessen, denn von der vielen Schiesserei wird man wieder hungrig.um ¼ nach 1 erfolgte die Entwarnung; 5 Minuten später habe ich, glaube ich schon geschlafen, fest bis ¼ nach 60; da war es aus, ein Kribbelhusten reizte mich wieder; am Tage huste ich fast garnicht. Um 7 ½0wurde aufgestanden; Borger, der natürlich schon vorher hoch war, hatte schon die grosse 10 Ltr Milchkanne mit heissem Kaffee, der nebenan in der „Herberge der Heimat“ gekocht wird, geholt, und das Spachteln konnte beginnen.

Es schlägt gerade halbsechs von der nahen Johanniskirche am Marktplatz. Inzwischen haben wir unseren „Dienst“ hinter uns; auch bin ich eben zum Telefonieren gewesen, am Marktplatz, leider vergebens, da ich unter No. 209727 keinen Anschluss bekam. Vielleicht hast Du heute vormittag vergeblich auf meinen Anruf gewartet; ich konnte es aber leider nicht ändern. Heute morgen hatten wir Stubendienst, darunter fallen folgende Räume: unser Schlafraum, unser Tagesraum, der Corridor, eine Treppe, das Arztzimmer, das Geschäftszimmer und der Luftschutzraum. Unser Dienst begann heute morgen infolge des Alarms erst um 100; anschliessend bis 110 Handball auf dem Sportplatz am Gasweg. Um 110 konnte ich auch nicht weg, da jeden Augenblick der Major zur Inspektion kommen sollte; er erschien aber erst um 1230, als wir schon zum Essen waren. Vorher um 1230 hatte ich von der Zelle an der Marktkirche aus noch versucht, Dich zu erreichen, aber nein.

Unser Essen war wieder sehr schön: Frische Suppe mit Nudeln und Karotten, sehr fett, dann Sauerkraut, Kartoffeln und ein schönes Ende Bockwurst. Den Nachtisch habe ich mir dann bei Clara geholt in Form von Apfelmus. Theo war auch da; sie waren gerade mit dem Essen fertig. Wir haben uns nochmal über den Elmshorn-Besuch unterhalten. Ich schrieb Dir gestern schon, dass der Besuch um einen Sonntag verschoben wurde. Auf meine Veranlassung hin soll der Besuch nun erst am Sonntag in 14 Tagen erfolgen, damit Du, mein Deern, an dem Sonntag dann nicht allein bist. Aenderungen vorbehalten, haben wir alle 14 Tage Sonntag Urlaub von 6-200.

Ausserdem würde es Clara am 27. ds. auch nicht passen, da sie dann wahrscheinlich ihren „Konzertabend“ hat.

Ich werde jetzt gleich noch mal versuchen, bei Dir anzurufen, hauptsächlich um Dir mitzuteilen, dass [Ergänzung: ich] morgen (leider) noch nicht komme, sondern erst am Sonnabend die gleicht Zeit von 14-220 infolge der Neueinteilung sind verschiedene Änderungen eingetreten.

Aber mit kommenden Sonntag bleibt es von 6-200.

Soeben habe ich noch zweimal bei Dir anzuwecken versucht, um 180 und um 1820. Damit Du rechtzeitig von meinem Nichterscheinen morgen unterrichtet bist, habe ich bei Butte angerufen; Frau Butte wollte Dir die Bestellung ausrichten. Ich komme aber wie gesagt am Sonnabend. Morgen werde ich um 11-11 ¼0 bei Dir anrufen, dann um 1220, wenn wir zum Essen gehen, und wenn das nichts nützt, um 1715 und 180 noch mal.

Eben habe ich Abendbrot gegessen, 6 Scheiben mit Edamer Käse und Wurst; das Kaffeetrinken nachmittags haben wir uns schon abgewöhnt, da der heisse Kaffee erst um 180 geholt werden kann. Durch das frühe Abendessen bekommt man Nachts dann wieder Hunger.

Ja, mein Medl, die Uhr hat eben 70 geschlagen; ich muss den Brief jetzt beenden, da um 1915 der Kasten geleert wird; dann erhältst Du diesen Brief hoffentlich morgen vormittags.

Wart Ihr gestern mit Kind und Kegel im Keller? Denn geballert wurde ja ganz nett. Hoffentlich braucht Ihr diese Nacht nicht hoch. Aber gute Nacht, meine liebe Frau, liebe Kinder und Omi, seid alle vielmals gegrüsst, und Du, liebe Mutti, herzlichst umarmt von Deinem lieben Männe

 

22. Oktober 1940

Hamburg-Wandsbek den 22. Oktober 1940

Meine liebe Thekla!

Noch keine 6 Stunden bin ich von Dir weg, und schon sitze ich wieder am Pult, um Dir weitere „Erlebnis-Berichte“ zu übermitteln.

Als erste Neuigkeit diene Dir, dass ich für 8 Stunden wieder abkommandiert bin zur Rettungsstelle oder richtiger zum Sofortkommando I in der Kurzen Reihe, wo ich vergangene Woche bereits einmal war. Ich nehme diesen Posten ja lieber als vielleicht als Ersatzmann nach Farmsen oder Rahlstedt verlegt zu werden. Dies sind hier alles ruhige vernünftige Leute; wo Schach und Skat gespielt wird und Radio zu hören ist. Ausserdem liegt der Raum nach Süden, wo jetzt die Sonne mein graues Haupt bescheint.

Ja, mein Medl, heute morgen war es ja eine ziemliche Hetze, auch für Dich wohl? Bist Du gut nach den Wiesenhöfen gekommen mit Sack und Pack? Margret wird wohl Dir einen Teil per Rad angenommen haben. Für heute nachmittag wünsche ich Euch noch viel Spass mit Frau Hofmann.

Punkt ¾ 90 war ich heute morgen in der Bleicherstrasse, dort gab e natürlich grossen Hallo seitens der Kameraden, von wegen kann von der Frau nicht wegfinden usw. usw. Na, auch das muss ertragen werden; Dienstbeginn war infolge des Alarms erst 9 ¾0; antreten auf dem Gasplatz zum Exercieren, Formschule bis 110

Bei Wilhelms gabs heute „fleischlos“; Heringe in sauer mit Bratkartoffeln, die aber nicht reichten, sodass andere Kartoffeln (ohne Sauce) aushelfen mussten; vorweg eine Kraftbrühe mit Wurzeln und Sternchen-Nudeln und hinterher Kronsbeeren-Kompott mit Pudding. – Zu Clara konnte ich nicht mehr gehen, da ich nach dem Essen gleich hierher musste, um einen Urlauber zu vertreten.

Um beim Urlaub zu bleiben, also der Tagesurlaub ist ab sofort um 2 Stunden abends gekürzt, also bis 200, anstatt bis 220, und zwar infolge der frühzeitigen Angriffe von gestern und Freitag; das ist natürlich bitter für die, die einen weiten Weg von 1 Stunde und mehr. Das Sofortkommando hier steht sich insofern besser, als dass es alle 5 Tage 24 Stunden Urlaub hat; allerdings haben sie Sonntags keinen Urlaub, wie wir alle 14 Tage. – Man munkelt bereits davon, dass der Nachturlaub für alle vollkommen gesperrt werden sol. Na, abwarten, wir haben unseren erstmal gehabt und 9 Tage sind eine lange Zeit, wo noch viel Wasser vom Berge läuft.

Meinen letzten Brief sandte ich Dir, glaube ich, am Donnerstag abend, Dir mitteilend, dass ich statt Freitag erst am Sonnabend zu Dir komme. Am Freitag vormittag hatten wir Sport: Handball auf dem Gasplatz. Mittags war ich bei Clara und habe dort meinen Rucksack abgegeben, den ich am Sonnabend mittag wieder gefüllt mit Äpfel und Birnen wieder abholte. Nachmittags sollten Verbände geübt werden, was genau wie bei uns meistens so vor sich geht, dass der Kasten mit den Übungsbinden auf den Tisch gesetzt wird und im übrigen jeder tut, was er will. Am Sonnabend morgen war, wie ich Dir bereits mitteilte, grosses Revierreinigen mit 3 zerrissenen Feulen [sic!] für das ganze Haus. Es wird monatlich 1 Feudel geliefert! Otto Bode und ich haben wieder unten im Parterre das Zimmer des Arztes und dasjenige des Zugführers Piening vorgenommen, während die anderen, soweit sie nicht zum Kartoffelschälen abkommandiert waren, die oberen Räume zu säubern hatten.

Über unser Treffen in der Stadt am Sonnabend brauche ich mich ja nicht weiter auslassen; es war doch schön, mal wieder bei guter Musik im Alstereck zu sitzen und zu plaudern, als ob noch Friedenszeiten wären. Na, auch das wird vielleicht wiederkommen!

Dass [Ergänzung: ich] von Sonnabend auf Sonntag Wache hatte, sagte ich Dir schon von 10-120 und von 4-60. Die ersten 2 Stunden vergingen sehr schnell, da die Kraftfahrer, in deren Raume das zu bedienende Telefon steht, dort noch 66 spielten. Du siehst, auch dieses Alte-Tanten-Spiel ist selbst bei Männern hier nicht aus der Mode; ich habe dabei das ganze Sonnabend-Freudenblatt durchstudiert; gleichzeitig hatte ich vorher einen 30 Pfg.-Roman angefangen, den ich morgens von 4-50 beendete. Um ½ 50 habe ich einen Kameraden geweckt, der um 6 ¼0 per Bahn nach Rahlstedt fahren wollte; die übrigen wurden von mir um ½ 10 geweckt. Punkt 605 sind Franz Duve und ich dann abgedampft Richtung Volksdorf. Auch dieser Tag, mein Medl, war schön trotz der vielen Allbereien und Quälereien mit den Kindern, wie überhaupt es immer schön sein soll, wenn ich bei Dir bin, nicht wahr?

Unterwegs am Sonntag abend traf ich in Berne Höppner, den ich von der Feldstrasse vom September her kenne. Bis Sonntag mittag hatte er Urlaub, fuhr aber schon jetzt wieder zurück, da er allein in der Wohnung wohl nicht sein mochte. Im Frühjahr ist ihm seine Frau gestorben, sein Junge ist in der Lehre und wohnt bei seiner Schwester. So ist die Wohnung kalt, wenn er nach Hause kommt; wenn er nicht sein Land dabei hätte, das er zu bestellen hat, würde er seinen ganzen Hausstand auflösen. Kannst Du es ihm da verdenken, dass er sich unter diesen Umständen in seiner Gruppe wohler fühlt als zu Hause?

Wenn abends oder nachts Alarm ist, versammeln wir uns oben auf dem Flur, um die anwesende Stärke festzustellen und gehen dann geschlossen in den Keller zu gehen, wo sich gleich Skat-, Schach- und Leseecken bilden. Am Schachtisch wirst Du mich stets finden, um als Zuschauer den Gang der einzelnen Züge zu verfolgen. Man kann dabei, auch wenn der betreffende Spieler kein grosses Schach-Licht ist, immer etwas lernen.

Unter den Kraftfahrern befinden sich verschiedene, die ich wohl so leicht nicht schlagen könnte. Von dem einen Halbjapaner Nischi Scheel, der ein Photogeschäft in der Mönckebergstrasse hat, bin ich schon zu einer Partie aufgefordert worden; es hat sich aber noch keine Gelegenheit geboten. Beim letzten Alarm am Sonntag abend von 21-22.450 spielte er selbst 3 Partien mit einem Kameraden und nachher beim 2. Alarm von ½ 4-620 waren wir alle zu müde, um unseren Geist noch anzuspannen.

Die meiste Zeit habe ich auf einem Tisch an der Wand geschlafen, mich lang gelegt, Gasmaske als Kopfkissen; man lernt allmählich in jeder Lage und zu jeder Tageszeit zu schlafen. Bis ½ 90 am Montag morgen haben wir geschlafen; der Dienst fiel ganz aus, was mir insofern gut passte, als dass ich die ganzen Fürther-Buchungen für September eintragen konnte; und mittags nach dem Essen war ich schon wieder auf dem Wege zu Dir!

Ja, meine Mammi, wenn nichts dazwischen kommt, wie Urlaubssperre oder so, bin ich also übermorgen schon wieder da!

Wird es nicht ein bischen zu viel? Ich glaube nicht; wir können es beide vertragen, unseren Urlaub zu geniessen.

Also erst mal Schluss für heute, mein Deern; morgen nachmitttag rufe ich Dich wie versprochen an zwischen 50 und 60; vielleicht gleich kurz nach 50 und dann um 530 und 60.

Inzwischen sei Du und die Kinder herzlichst gegrüsst und geküsst von Deinem Dir stets treubleibenden Richard

 

Auch an Mutter natürlich einen herzlichen Gruss!

 

 29. November 1940

Hamburg-Farmsen, den 29.11.40

Meine liebe Thekla!

Ich stehe hier am offenen Fenster in meinem Zimmer, um ein wenig Sonne zu atmen, denn das Wetter ist ja seit heute morgen klar, sonnig und rein. Ich freue mich für Euch, dass Euch an Eurem Freitags-Reinmachetag Petrus so hold ist. Hoffentlich bleibt es ein paar Tage so.

Entschuldigt bitte die schlechte Schrift, aber erstens schreibt es sich an der Fensterbank im Stehen nicht besser, und zweitens ist meine Feder durch die vielen Schreibereien der letzten Tage fürs Geschäft so spitz und kratzig, dass es wirklich nicht besser geht.

Heute ist wohl Frau Köhncke wieder bei Euch; zum Rasenausstechen für das Rundbeet beim Schlafzimmer bin ich ja leider nicht mehr gekommen. Na, hoffentlich kann ich am Montag vormittag noch ein bischen im Garten arbeiten, denn am kommenden Sonntag wird wohl nicht viel daraus werden; oder hat sich der Besuch von seiten Hildegard und Kurt zerschlagen? Evt. Wolltest Du ja noch mal anrufen. – Und Willi + Ida kommen am Sonnabend in einer Woche?

Kommen Sie schon zum Essen oder später?

A propos, Essen. War es so abgemacht, dass ich am Sonntag mittag bei Euch essen soll? Ich glaube ja. Ich komme dann also um 130. Sonst ist das Essen hier immer derselbe Frass, ohne viel Geschmack, damit muss man sich abfinden; dafür wird Brot und Zubrot auch immer so ziemlich alle. Etwas Butter habe ich schon für Euch gespart und bringe sie am Sonntag mit; ebenso die 60g Kaffee, die wir vorgestern erhielten.

An Kurt Heesch habe ich heute geschrieben und lege Kopie für Dich hier bei an Frl. Fürböter schrieb ich vorgestern einen kurzen Brief und an die Wäscherei wolltest Du ja schreiben, da ich hier keine Karte zur Hand hatte und auch keine bekommen kann, da die Post von 12-150 geschlossen hat und wir ja nur mittags beim Essen mal. Schnell etwas besorgen können.

Heute nachmittag oder abend werde ich wohl wieder Telefonwache haben, sowie heute von 3-50. Gestern habe ich meine Ordereintragungen beendet und die Ultimo-Arbeiten angefangen, wie Geldabschreibungen. Auch das Geld für Frau Fehling geht morgen ab, ausgeschrieben ist die Anweisung schon. Du siehst, Dein Mann hat stets etwas um die Ohren, und wenn nicht, steckt er die Nase ins Buch und liest. In was für eins, wird noch nicht verraten; das soll Mutti zu Weihnachten haben; also 1 Teil bekommst Du bestimmt. Ja, in einer Beziehung mag man garnicht an die Festtage denken. Man tappt in dieser Hinsicht vollkommen im Dunkeln. Höchstwahrscheinlich werdet Ihr doch wohl auch hier sein, wenn es weiterhin so ruhig bleibt. Hoffentlich kann ich am 24.12. zu Euch kommen. Dass Du Dir weiter nichts wünscht zum Fest als dass wir alle zusammen sind, weiss ich ja. Welche Wünsche Du aber sonst noch hast, musst Du mir mal sagen, mein Medl; das heisst, ich glaube ja kaum, dass ich zu Weihnachten von H.L. + S. etwas bekomme; dann müssen wir natürlich unser Geld für Eure Winterreise zusammenhalten und dürfen nichts verklendern [sic!].

Was soll Margret denn von uns bekommen? Mutter wollte noch immer ein Teil zulegen zum Dynamo und die Hälfte von dem Buch für Werner Hofmann. Darüber müssen wir wohl auch einen Streich machen. Für Klaus haben wir ja schon genügend und Werner? Der erhält irgend ein kleines Spielzeug, nicht wahr? Und Mutter? Gegenseitig wollen wir uns ja nichts schenken, aber das will ich Dir überlassen, wo Du an Mutter ja immer eine grosse Hilfe gehabt hast und auch noch hast.

Ja, nun liebes Medl; es ist jetzt 150 Uhr; ich weiss nicht, ob wir heute nachmittag noch „Dienst“ haben; das bestimmt neuerdings der Wachtmeister, der den Dienstplan macht. Heute gegen Abend rufe ich Dich noch an; Hast Du letzte Nacht gut geschlafen? Auf jeden Fall wünsche ich Dir eine störungsfreie Nacht. Darf ich übrigens schone in Kreuz im Kalender machen? Danach zu fragen, habe ich gestern ganz vergessen.

Schicke bitte Margret doch mal zu Hanitz oder in ein Papiergeschäft evtl. auch zu Boysen und lasse bitte 50 von diesen Bogen (weisses Maschinenschreibpapier) besorgen, sowie 1 Dutzend Federn, aber nur Bremer Börsenfedern EF, sonst keine andern.

Es grüsst und küsst Dich vielmals Dein getreuer Richard

 

8. Dezember 1940

Hamburg-Farmsen, den 8.12.40.

Meine liebe Mutti!

Du bist jetzt knapp 2 stunden wieder fort und hoffentlich wohlbehalten mit Klaus zu Hause angelangt. Ich dachte garnicht, dass Du auf meine „Berichte“ solch grossen Wert legst; denn Deine Bemerkung im Bahnhof Farmsen, dass Du nie wüsstest, was ich hier treibe verriet mir das. Ein klein wenig bist Du wohl dich noch unruhig, womit ich meine ganze freie Zeit hier ausfülle. Aber wenn ich so zurückdenke an die bisherigen Tage hier in Farmsen, so muss ich sagen, dass ich nie über Langeweile zu klagen gehabt habe. Wie Du weisst, betreibe ich jetzt wieder meine Sprachstudien, um die freie Zeit möglichst nutzbringend anzuwenden, und zwar vorerst spanisch; englisch kommt auch noch an die Reihe. Wenn sich das „Lernen“ mal nicht passt, sei es durch Radio oder lautes Skat- oder 66-Dreschen, nehme ich meinen Roman, der zu Weihnachten Dein Lesestoff darstellen soll, und lese. Zweimal abends habe ich mir Patiencen gelegt und gestern abend haben wir uns zum Beispiel so vom Kriege 1914-18 unterhalten, wo Kamerad Picol und auch Thiede ihre Erlebnisse zum besten gaben.

Ja, Dein Pappi kann später garnichts erzählen; denn die SHD Tätigkeit wird ja nicht für voll genommen und bisher haben wir ja auch nichts erlebt. Aber Du musst nun nicht denken, dass ich darauf aus bin, etwas „zu erleben“; dazu ist man doch nicht mehr jung genug und hat Frau und Kinder, für die man lebt und strebt und u derenthalben man sich nicht unnötig in Gefahr begeben darf und will. Sonst sässe ich bestimmt nicht hier zwischen Leuten, die 10-20 Jahre älter sind und alle einen Krieg bereits hinter sich haben. Ich will nicht sagen dass sie unkameradschaftlich sind, aber ihre Einstellung zum ganzen Leben ist, bedingt durch den Altersunterschied, eine ganz andere als meine, und sie lassen doch, wenn auch vielleicht unbewusst, durchblicken, dass wir Jüngeren doch noch garnicht mitreden könnten.

Ja, meine Deern, ich will erstmal eine Pause einlegen, um Abendbrot zu essen. Ich sitze hier in meiner Schlafkammer „Solo im Kasten“. Nebenan im verqualmten Zimmer sitzen die übrigen und spielen Karten. Besuch von Ehefrauen etc. scheint nicht gekommen zu sein. Nur 2 Kameraden von einer andren Gruppe, die ich aber nicht kenne, kamen gleich nachdem Ihr fort wart, und sitzen noch drüben beim Skat.

Ich bin gleich heute nachmittag zu Steibel gegangen; wir haben gemeinsam das Zimmer (Telefon-Z.) verdunckelt, ich habe meine Maschine geholt und dann für ihn die 3 Seiten ausgefüllt; anschliessend haben wir uns noch über „Tod und Teufel“ unterhalten, über Gehalt, Dienst, Zivilberuf usw; wenn ich nicht Schluss gemacht hätte, sässe ich noch dort und holte mir Eisbeine, denn fusskalt ist es dort sehr.

Morgen berichte ich Dir weiter über meine SHD Tätigkeit; den Brief selbst werde ich Dir wohl am Mittwoch mittag, wenn mein Urlaub zu Ende ist, persönlich übergeben, denn es hat ja keinen Zweck, ihn morgen auf die Post bringen; dann bin ich ja früher bei Dir, als der Brief.

Aber, mein Medl, ich wünsche Dir eine angenehme und Dich für Deinen Waschtag, stärkende Nachtruhe, sowie viel Spass und Unterhaltung morgen nachmittag bei Hofmanns.

Inzwischen sei innigst gegrüsst und umarmt von Deinem Richard

 

Den 9.12.40, nachmittags 160

Liebe Medl, ich habe ich vergebens bei Euch angerufen, bis mir einfiel, dass Ihr heute ja nicht dort seid, sondern in Kaffee und Kuchen bei Hofmanns schwelgt. Ich sitze hier wieder mit Eisbeinen auf Telefonwache von 15-170.

Gestern abend habe ich noch bis 9 ½0 gelesen, dann konnte ich es von Schmerzen in der Magengegend nicht mehr aushalten; heute morgen war der Druck gottseidank weg; das kommt sicher von dem halbgaren Fleisch, das wir die letzten Tage erhielten.

 

Heute mittag war das Fleisch zum ersten Male besser, es gab Goulasch, süss-sauren Kohl, als Vorspeise eine Fruchtgrütze aus Kartoffelmehl mit einer gelblichen Sauce. Leider weiss die Klinkrad´sch ja ganz genau, dass sie keine Konkurrenz zu fürchten hat; daher wird auch der heutige Besuch des Hauptmanns bei uns, der sich gleich nach dem Essen erkundigte, nicht viel daran ändern, auch wenn er in der Küche bei Kl. War und dort ziemlichen Krach geschlagen hat.

Sonst hat sich bis jetzt nichts ereignet. Heute morgen sind wir alle schon um 630 aufgestanden, da um 650 bereits sämtliche Decken zur Desinfektion von Piening selbst abgeholt wurden. Bis 90 habe ich nach dem Morgenkaffee noch Eintragungen gemacht; der Dienstplan, den ich inzwischen auch noch abschreiben musste, da nur ein Exemplar davon gesandt worden war, sah von 9-1130 „Formale Ausbildung“, unter Leitung des Hauptwachtmeisters vor. Steibel liess uns auch draussen bis kurz vor 100 herum marschieren; dann wurde eine Frühstücks- oder Cigarettenpause eingelegt; anschliessend haben wir dann, um uns im Nebel erforderliche Bewegung zu verschaffen, Faustball bis 110 gespielt. Ich habe mich dann gleich wieder in die Arbeit gestürzt und alles abgelegt und eingetragen. Nun kann neue Post kommen und Arbeit bringen.

Heute nacht von 1-30 habe ich wieder Wache und werde vielleicht noch einige Zeilen hinzufügen. Einstweilen also Innigst Dein Richard

Schluss.

 

10.12.40 Nachts 130

Mehr als 2 Stunden Schlaf habe ich bisher nicht gehabt; aber der Rest wird nachgeholt nach 30 hoffentlich, vorausgesetzt, dass ich dann gleich einschlafen kann, was bei mir immer ein ziemlich wunder Punkt ist.

Jeden nachmittag habe ich bis 1730 im Telefonzimmer gesessen, da Schwart mich nicht pünktlich ablösen konnte. Inzwischen waren nämlich unsere Schlafdecken zurückgekommen, deren Anzahl genau kontrolliert wurde. Sie stanken noch entsetzlich; wir haben sie noch ½ Stunde in die frische Luft gehängt. Bis gegen 190 habe ich mich dann noch mit spanischen Übersetzungen beschäftigt, bis Bader hereinkam und mich fragte, ob ich an einem warmen „Abendessen“ bestehend aus aufgewärmten Kohl und Kartoffeln, teilnehmen wollte, da sie beide, Bader und Reese, es nicht allein  schaffen könnten. Pappi liess sich nicht lange nötigen und haute rein! Hinterher nach einem kleinen Klöntje mit den beiden, an dem sich auch Schwart beteiligte (die „männliche“ Rettungsstelle nimmt ihre Mahlzeiten stets im Telefonzimmer ein) war es dann auch soweit, mit meinen anderen Kameraden auf unserer Stube die Abendmahlzeit in Form von 5 Scheiben Vollkornbrot fortzusetzen. Danach. Habe ich ja dann mit Dir telefoniert, mein Deern; hoffentlich hast Du Werner bald wieder zur Ruhe bringen können. Nach dem Gespräch wurde ich gleich im Telefonzimmer festgehalten, da Reese gern Schach spielen wollte und Bader, den er dazu aufforderte keine Lust hatte. Drei Partien haben wir gemacht, alle zu meinen Gunsten; angeblich spielt es noch nicht lange: Kurz vor 80 kamen nacheinander die beiden diensttuenden Ärzte angetrudelt: Dr. Bach und Dr. Sappl, beides noch jüngere; den ersteren kenne ich von der Feldstrasse her. Beide waren interessierte Zuschauer, bis sich auch Schwart einfand als dritter Mann zum Skat. Zwischendurch musste Reese einen Korb Flaschenbier besorgen, von dem mir 2 Flaschen zugedeckt waren; aber eine habe ich nur getrunken und mich gegen 1030 verdrückt, da ich ja um 10 wieder hoch musste. Dr. Bach wollte mit mir noch eine Partie machen, aber Reese hatte die Nase voll vom Spiel und seine, Dr. Bachs , Skatplatz nicht einnehmen.

So, mein Medl, das ist der Abriss des gestrigen Abends; ich hoffe Dich zufrieden gestellt zu haben und will jetzt noch ein bischen lesen; zum Spanisch bin ich doch nicht genug ausgeschlafen; das werde ich morgen vormittag von 9-110 auf meiner Telefonwache vornehmen. Inzwischen sei Du, mein Spatzi, herzlichst gegrüsst von Deinen Männe,

der sich schon auf den morgigen Tag freut.

 

12. Dezember 1940

Hamburg-Farmsen, den 12.12.40.

Meine liebe gute Thekla!

Unserem heutigen Telefongespräch habe ich leider entnommen, dass Du wieder einen schweren Tag und eine unruhige Nacht mit Werner hinter Dir hast. Hoffentlich bessert es sich bald mit Werners Erkältung; sonst musst du doch am Dr. Ledermann zu Rate ziehen. Na, hoffentlich sehen wir klarer, wenn Du diese Zeilen zu Bericht bekommst, und das wird wahrscheinlich übermorgen mittag sein, wenn ich wieder fort gehe. In 2 Tagen kann sich ja schon vieles ändern.

Gestern mittag bin ich noch rechtzeitig zum Essen erschienen; es gab Bratwurst, Sauerkohl und Kartoffeln, also mal ein annehmbares Essen; dafür war der heutige „Frass“ wieder um so schlechter: Labskaus mit kleinen, meist unverdaulichen Fleischresten, und Sauerkohl; beides zusammen gemanscht in den üblichen Hunde-und Katzenschüsseln. So nennen wir neuerdings die Emailleschüsseln, worin das Essen auf den Tisch kommt. Der Ausdruck stammt von unseren neuen Ersatzmann Theodor Hansen, ein feiner Kerl, ist Steward auf S/S „New York“ 7 Jahre gewesen, kennt auch Deinen Onkel „Jonny Hansen“ (wie er ihn nennt) und ist ein leiblicher Vetter von ihm! Da staunst Du, wie? Die Welt ist doch klein. Wie die Verwandtschaft nun zusammenhängt, weiss ich noch nicht.

Gestern nachmittag hatte ich Telefonwache von 15-170 ich rief Dich während der Zeit (ca 160) ja auch an. Abends habe ich dann eingegangene Post erledigt und abgelegt. Auch die Anweisung für Frau Fehling ist abgegangen. Ich finde es übrigens allerhand, dass sie heute nochmals angerufen hat. – Nach dem Abendbrot haben wir noch politisiert mit Tetje Hansen, der politisch ein heller Kopf ist; man merkt, dass er viel in der Welt herumgekommen ist und seine Nase überall hineingesteckt hat.

Während der Nachtwache von 3-50 habe ich mal ausnahmsweise kein Spanisch betrieben, sondern einen angefangenen Heftroman zu Ende gelesen.

Heute morgen bin ich von der „formalen Ausbildung“ wieder befreit worden, weil ich zur Kraftfahrbereitschaft wegen der s.zt. zerbrochenen Scheibe am Lastwagen musste, wo abermals darüber ein Protokoll aufgenommenwurde1! Bei Clara  war ich auch vor; sie wird Dich in den nächsten Tagen anrufen.

Für Mutter hat sie eine Vergrösserung von Meta machen lassen; na, sie wird Dir schon Näheres erzählen, vielleicht nimmt sie ja noch den Rahmen dazu; denn irgend etwas sollte noch hinzukommen. – Margrets Uhr habe ich auch geholt; Preis M 1.20.

Grosse Sorge macht mir mein Dir zugedachtes Weihnachtsangebinde; es ist schon so, wie Du sagtest. Man kann laufen von Pontius zu Pilatus, und bekommst überall die gleiche negative Antwort.

Ja, mein Deern, die Hauptsache ist, dass wir uns immer gut verstehen und nach Möglichkeit keine Misstimmung aufkommen lassen; und dass vor allen Dingen die Kinder gesund und mobil sind. Und wenn ich dann auch noch zum 24. Kommen könnte, wäre wohl alles in Lot; aber leider schwebt man in dieser Beziehung noch immer im Ungewissen. „Es heisst“, dass nächsten Woche die Bramfelder hier abgelöst und in ihr altes Quartier nach Bramfeld zurückkommen werden. Wie aber die ganzen Sofort-Kommandos eingeteilt werden, ist noch nicht bekannt. Also abwarten!

Die Uhr geht auf 70 (190). Hoffentlich ist bald der Kaffee fertig; denn mein Magen knurrt schon; trotz der 2 Scheiben Marmeladenbrot heute nachmittag. – Mein Druck auf den Magen hat sich gebessert; ich spüre immer noch die Stelle, besonders nach dem Essen.

Inzwischen sei herzlichst gegrüsst und geküsst von Deinem Richard

 

Heute vormittag, den 13.12. sollten wir Unterricht haben, der aber um 100 abgeblasen wurde. Die heutige Post war sehr umfangreich; ich habe sie eben 1200 erledigt und kann nun auf Urlaub gehen. Hoffentlich ist alles klar bei Euch Dein Männe

 

15. Dezember 1940

Hamburg-Farmsen, den 15. Dez. 40

Meine liebe Thekla!

Ich sitze hier heute nachmittag im Telefonzimmer bei Eisbeinen und will Dir schnell noch ein paar Zeilen senden, die ich in einer Stunde Mutter mitgeben werde.

 

Heute mittag nach dem Essen ist der Befehl herausgekommen, unsere Ablösung betreffend. Wir kommen also am 19. ds nach Rahlstedt, Barsbüttelerstr. 19, und zwar zusammen mit den Gruppen 100, 101 und 102. Jede Gruppe hat 2  Tage Sofortkommando und 4 Tage Bereitschaftsdienst; innerhalb dieser 4 Tage hat man 1 mal 24 Stunden Urlaub von 13-130, und einmal von 13-190 dienstfrei; sodass wir alle 6. Tag Nachturlaub haben und dazwischen einmal nachmittags frei. Das bedeutet also eine Verschlechterung gegenüber unseres jetzigen Dienstes. Gruppe Braun kommt am 19. wieder an ihren alten Platz in Bramfeld.

Nach dem neuen vorliegenden Plan werde ich am 20. (Freitag) nachmittags von 13-190 frei haben, dann Nachturlaub am 23.12. ab 130 bis 24.12. 130, also äusserst ungünstig. Nun ist der „Extra“-Weihnachtsurlaub ja noch nicht heraus; da muss ich abwarten bis Donnerstag, wo ich noch mal mit Dede sprechen werde. – Weiter habe ich am 2. Feiertag von 13-190 frei, am 1. Feiertag aber garnicht. – Nachurlaub dann wieder am Sonntag den 29 ab 130 bis Montag 130 und Neujahr dienstfrei von 13-190.

Das wäre das Kapitel Urlaub und Versetzung! Hier nach Farmsen kommt der Sanitätszug 12/X, der aber mit 3 Gruppen gleiche Diensteinteilung hat wie wir, aber mit dem Urlaub wie bisher jeden 4. Tag ist es auch aus! Man weiss ja nun nicht, was für Wachtmeister in Rahlstedt sind, die muss man erst mal kennen lernen. Hier die beiden Steibel und Schwart kennt man zur Genüge, und Schwart hätte mir auch für den 24. von sich aus Sonderurlaub gegeben, und dies auch bei Steibel für mich evt. durchgesetzt. Nun muss ich meine ganze Hoffnung auf Dede setzen, dass der für mich eine Extrawurst herausholt. Bei meinem gestrigen Besuch bei ihm habe ich ihm einen Brieföffner mit Lupe von Landmann versetzt, worüber er sich sehr freute und der ihm gut zu Pass käme, wie er sagt! Abwaschen und Daumen kneifen. Die Entfernung per Rad nach Rahlstedt ist ungefähr die gleiche wie nach Farmsen; nur die Bahnverbindung ist ja katastrophal! Das war hier ja besser.  

Gestern mittag nach dem Essen fand ich noch Post in Farmsen vor, die ich erst mal beantworten musste; dann rasieren, für Scheibel etwas dienstliches schreiben, und aufs Rad nach dem Pol. Revier 101, nach dort Befehle und Meldungen überbracht; von dort aus bin ich dann schnell noch zum Abschnitt zu Dede gefahren. Als ich zurückkam, war es bald Abendbrotzeit.

Veränderungen hat es inzwischen hier auch gegeben. Oldenburg ist als Turm-Wächter nach Bramfeld versetzt, wo er auf dem Kirchturm die Feuer-Wache hat. Als Ersatz dafür haben wir einen frisch-eingezogenen Jüngling von 38 Jahren bekommen, de stets ein weinerliches Gesicht macht, Buchhalter bei der GEG war und nebenbei Opernsänger werden will. Er nimmt Unterricht, 5x die Woche zu M 80.- im Monat! Er ist seelisch vollkommen herunter, wie er sagt.

Heute morgen habe ich Post geschrieben und abgelegt und 2 Partien Mühle mit dem Neuling gespielt. Heute mittag gab es Schweinebraten, Rotkohl und Nachtisch. Zum ersten Mal hat das Essen gut geschmeckt.

Entschuldige die eilige Schrift mit einer fremden dicken Feder, aber ich muss Schluss machen, um Mutter am Bahnhof nicht zu verpassen.

Heute Nacht habe ich wieder Wache von 1-30 wahrscheinlich; aber ich wünsche Euch Allen eine gute Nacht, geruhig und kräftigend.

Morgen wecke ich so zwischendurch mal wieder an. Inzwischen sei Du und die Kinder herzlichst gegrüsst und geküsst von Deinem stets an Dich denkenden Richard

 

Der Zettel wegen der Notiz wegen Frau Busse´s Rechnung über Elektrizität fand sich in meiner Mappe.

 

22. Dezember 1940

Hamburg-Wandsbek, den 22.12.40.

Meine liebe gute Thekla!

Nun bin ich seit 7 Stunden hier in der Feldstrasse in unserem „wunderschönen“ Quartier. Ich muss sagen, dass ich einen solch trostlosen Sonntag bisher nicht erlebt habe.

Als ich 5 Minuten nach 120 bei Witten ankam, hiess es, dass das Essen eine ¼ Stunde später stattfinden würde. In der Feldstrasse angekommen, wurde mir auf dem Telefonzimmer der Bescheid, dass ich sofort in die Goethe-Schule kommen sollte „für Blankenburg“! Und dabei ist Blankenburg garnicht in der Goethe-Schule, sondern hier in der Feldstrasse in Gruppe B (ich bin in A)

Na, allmählich wird man ja dickfällig; erst mal Essen gehen zu Witten, das andere findet sich dann. Nach dem Essen bin ich dann, wie ich Dir bereits am Telefon sagte, auf eigene Faust zum Abschnitt gegangen, da auch Jenfeldt mir keine weitere Auskunft erteilen konnte.

Auf dem Abschnitt habe ich ausführlich mit Hptwachtmstr Dede und mit Siede gesprochen mit dem Ergebnis, dass ich doch hier bleibe, was ich aus dem Grunde gern wollte, um den Weihnachtsabend mit Euch zu verbringen, was mir anderswo nicht möglich gewesen wäre. Sonst wäre es mir einerlei gewesen, denn die Goetheschule kenne ich ja und das Sofortkommando in der Kurzen Reihe kenne ich ja auch. Der Eindruck meiner Unterkunft hier ist für einen Neuling ziemlich trostlos; es mag ja sein, dass man sich daran gewöhnt, die Scheiben im Treppenhaus blau bemalt, die Aborte halb draussen auf dem Hof! Ausserdem waren heute nachmittag wenig Leute hier; von unseren 10 Mann ist einer abkommandiert zu einem anderen Abschnitt, einer war auf Tannenbaumsuche, zwei gingen 50 ins Kino (Trenck der Pandur!), vier Mann hielten Mittagsschlaf; zwei waren im Telefonzimmer, sodass ich mich mit dem Fahrer allein heute nachmittag im Tagesraum befand. Est habe ich Leitungskabel aus Pappe für Klaus Eisenbahn geklebt und nachher gelesen.

Ein kleines Weihnachtspäckchen habe ich auch noch bekommen enthaltend eine Zeitschrift, ein kleines Büchlein mit Erzählungen und 10 Cigaretten, überreicht im Auftrage des Abschnitts X!

Meine Gedanken sind stets bei Dir, mein Deern, hoffentlich schaffst Du alles. Ob ich morgen kommen kann, bezweifle ich sehr, falls wir Dienst haben sollten; ansonsten werde ich natürlich zur Stelle sein. Falls ich morgen nicht kommen kann, werde ich auf jeden Fall versuchen, am 24. schon eher als 1-1 ½0 zu erscheinen. Ich werde ja morgen noch mit Dir telefonieren, mein Spatzi!

Es ist jetzt ½ 80; Abendbrot habe ich bereit um ¼ vor 60 als der heisse Kaffee kam, der von Witten geholt werden muss. Ausgerechnet habe ich nur Feinbrot bekommen, wo ich erst nur Schwarzbrot abends esse. Den Sonntags-Nachmittagskaffee habe ich mir mal wieder an den Hut gesteckt; den Kuchen werde ich morgen früh verdrücken.

Morgen nacht werde ich wohl Wache auf dem Abschnitt im Eichtalpark haben; es befindet sich aber eine geheizte Unterkunft dort für die jeweils 3 Wachhabenden, die sich alle 2 Stunden ablösen, sodass jeder einmal 2 und einmal 1 ½ Stunden herankommt, Beginn abends um 90; Schluss um 70 morgens.   

Ich will für heute auch erstmal Schluss machen, mein Spatschi! Schlaf recht wohl und ungestört und sei einstweilen innigst gegrüsst und umarmt von Deinem stets nur Dich liebenden Richard

Diese beiden Bestellscheine des Haupternährungsamtes Hamburg (HEA Hamburg) für jeweils 187,5 g Schweineschlachtfett lagen den Briefen bei. Eingelöst wurden sie nicht.
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Kriegstagebuch eines unbekanntes Verfassers beim RAD 5/312 (April bis Dezember 1941)

Der unbekannte Tagebuchschreiber ist am 2. April 1941 in Bremen-Lesum in den Reichsarbeitsdienst eingetreten. Nach einer kurzen Grundausbildung fand die Vereidigung am 20. April 1941 statt. Anschließend kam er dann zur Abteilung 5/312 in Polen in die Nähe der damaligen russischen Grenze bei Brest. Bei seinem ersten Einsatz musste er beim Bau eines Knüppeldamms helfen. Am 21. Juni 1941 – dem Tag vor Beginn des Überfalls auf die Sowjetunion – hat er dann Munition empfangen. Dies zeigt, dass der RAD auch militärisch hinter den Truppen der Wehrmacht tätig war! Unser unbekannter Schreiber war also ab dem ersten Tag am Überfall auf die Sowjetunion beteiligt. In den folgenden Monaten bis November 1941 war er mit seiner Einheit, wohl einer Radfahrtruppe, bis in die heutige Ukraine unterwegs. Während dieser Zeit war er an Bauarbeiten, wie z.B. dem Bau von Knüppeldämmen oder der Entschlammung von Straße beteiligt. Auch berichtet er, wie er auf Menschen geschossen hat.

Wohl am 4. November 1941 erreichte ihn der Rückmarschbefehl. Am 16. November begann die Rückfahrt per Bahn ab Orel mit einem elftägigem Aufenthalt in einer Kaserne bei Gomel. Am 1. Dezember wurde die Einheit dann in Gomel per Bahn auf die Rückreise geschickt. Unser unbekannter Schreiber kam am  12. Dezember 1941 in Bremen an. Damit endet auch das Tagebuch.

Das Kriegstagebuch selbst liegt nicht handschriftlich, sondern in einer maschinengetippten Version im Umfang von sechs DIN A4-Seiten vor. Wer wann diese Abschrift angefertigt hat, ist nicht vermerkt. Der Name des Verfassers wird nicht erwähnt.

Reichsarbeitsdienst.

Eingetreten am 2. April 1941 in Bremen-Lesum.

Vereidigung am 20. April.

Nach Ansprache des Generalarbeitsführers Blank Einsatz unserer Abt. ab 17 [Uhr] truppweise verteilt auf Abteilungen vom Gau 31 in Polen. Abfahrt nach Polen am 11. [Juni] über Berlin Warschau und Siedlce nach Biala Podlaska. Dort Ausladung und Marsch nach Plebanska 5 km von B.P. [Biala Podlaska] entfernt. Hier in die Abteilung 5/312 und gleich am nächsten Tag zum Einsatz an einem Knüppeldamm. Länge 1,1 km. Zwischendurch Empfang und Ausbildung mit der Waffe.

Am 21.6. höchste Aufregung. Munitionsempfang.

22.6. Morgens 5 Uhr wüstes Geknalle. Alles wacht auf. Gasmaskenempfang. Gegen 10 Uhr Abrücken. Die ersten russischen Flieger erscheinen, alles liegt flach. Unzählige Abschüsse. Russischer Fliegerleutnant erschiesst sich, als wir ihn gefangen nehmen wollen. Das erste Grab. Man schläft gut. (Friedhof)

23.6. Wecken 3 Uhr. Per Rad durch unzählige Kraftfahrkolonnen über die Eisenbahnbrücke bei Brest. Der erste Verwundete. Steckschuss im Bein. Schützenlinie hinter dem Bahndamm. Willi Loithmann fällt bei den Fahrrädern. Zurück nach Cerny, dort hundemüde ins Zelt.

24.6. 8 Uhr Aufbruch. Richtung Zalinska, Einsatz an der Strasse. Der erste Sonnenstich: Döll. Guter Schlaf.

25.6. 60 km sollen gefahren werden. In elender Sandwüste nur Schieben möglich. Der erste russische zerstörte Tank. Die Schinderei hat abends 9 Uhr ein Ende. 60 Mann sind ausgefallen.

26.6. Wir beobachten Luftkampf zwischen Messerschmitts und russischen Fliegern, die sich deutsche Hoheitszeichen angemalt haben. Alle sechs werden abgeschossen. Ein Fallschirm öffnet sich nicht.

27.6. Morgens um 6 Uhr Einsatz: Bau einer neuen 15t Brücke. Ich schleppe Bretter und Baumstämnme. Von Ferne das Donnern der Front.

28.6. Ruhe: Gewehrreinigen, Wäsche usw. in Sielec. Doppelposten wegen Heckenschützen.

29.6. 2,30 Uhr Wecken. Marsch nach Kosow. Man merkt schon mehr vom russischen Rückzug: Patronen, Mg’s, Kartuschen, Autos, dicke Geschütze aber auch deutsche Tote bedecken das Gelände, Quartier auf einem Friedhof. Sehr schöne Kirche. Stadt fast ganz zerschossen.

30.6. 2 Stunden: Alarm: Habe kein Auge zugetan‚ da ich Wache hatte. Abmarsch in die Nacht hinein, nach fluchwörterreichem Durcheinander im Dunkel[.] Pionierbatallion braucht uns. Ich falle morgens aus: Gabelbruch. Dolle Erlebnisse mit Heinz Kiehle. Wir erschiessen den ersten Russen beim Fluchtversuch. Kommen Mittags hundemüde auf einem alten, zerschossenen polnischen Schloss an. Bauen Zelte, legen uns lang. Alarm: Wir reissen die Zelte wieder ab, sollen Pionierbattallion rausschlagen.

31.7. Marschieren die ganze Nacht hindurch. Beschuss von hinten und von vorn. Unsere Mg´s schiessen wieder. Liegen 2 Stunden auf demselben Fleck. Leuchtkugeln und Geschützfeuer in der Nähe. Erreichen Slonim. Panzer hielten uns für Russen. Machen Quartier und pennen. Radieschen finden wir. Kolonnen fahren auf der Strasse, Wir schlafen in Alarmbereitschaft. Aber es geschieht nichts.

2.7. Wir reiten die laue Tour. Am Abend Abfahrt nach Albertin[,] sind aber nur 6 km. Müssen den Pionieren beim Bau einer Brücke helfen, Zur Abwechslung einmal Nachtarbeit.

3.7. Gegen Morgen ist die Brücke fertig. Wir rollen ab. Nachmittags, nach dem Erholungsschlaf, wird gebadet.

4.7. Grosse Hetzerei heute Morgen. 20 km durch Regen, Wald und Sand. Todmüde.

5.7. Früher Aufbruch von Tzeagkowichet. Gute Strasse. Schneller Vormarsch[,] da viele Russen überlaufen. Viel Durst. Zielort Hruskowo 60 km.

6.7. Jawohl um2Uhr nix wie raus. Ab. Zwischendurch Arbeitseinsatz. Man kann sich aber auch hinter ein Getreidefeld legen und schlafen. Um 8 Uhr Arbeit beendet, es geht noch 60 km weiter. Zuletzt noch Schieben: Sand.

Dazu 3 Scheiben Brot. In Swierzen Zeltebau.

7.7. 6 Uhr Wecken, Fahrradreinigen usw. keine Post. Wir sind an der Grenze Polen – Russland. Die grosse Pleite: Einsatz nach Mittag. Wir schleppen Bohlen aus einem Sägewerk. Abends sieben Säcke Post. Man lebt gut.

7.8. 2 Uhr Wecken. Ziel Simineowice. Affenfahrt über sehr schlechte Strasse. Poln.-Russ. Grenze überschritten. Falle bald mit Egon Meyer aus. Durst. 10 Mann vom ersten Zug erreichen das Ziel. Acht Säcke Post werden verteilt. Arbeit fällt aus.

9.7. Wir leben von Paketen. Mittags geht es unerwartet weiter bis Saack. Dies verdammte Pflaster, man kann kaum noch auf dem Rade sitzen. Unterwegs sehen wir ein ulkiges Bild. Ein russischer Soldat fährt auf einem ebenso schmutzigen und drolligen Traktor ein deutsches Geschütz. Wir übernachten auf einer sumpfigen Wiese, auf der sich die Mücken von ganz Russland ein Freudenfest geben, so scheint es uns. Kein Mensch schläft. Man haut bis 2 Uhr um sich.

10.7. Dann geht es weiter. Wir erreichen Dojnewa. Grosses Reinigen. Unterwegs Luftangriff: Volle Deckung.

11.7. Morgens Zeugdienst, mittags natürlich wieder Alarm , wie die Irren ab. Gegen 12 Uhr nachts am Ziel nach endloser Schieberei. Zelten.

12.7. 3 Uhr los. Wir sehen deutlich die Spuren des Kampfes. Auf der erfolgreichen Suche nach Wasser fahre ich platt. Erreichen dann aber endlich Polotino bei Beresino. Ungeheure Ausfälle.

13.7. Endlich mal wieder vernünftig Waschen. Einsatz an der grossen Beresinabrücke. Etwas eher als gewöhnlich Arbeitsschluss: Löhnung, Baden.

14.7. Grosser Einsatz.

15.7. Einsatz mit Fahrradputzen.

16.7. Früher Aufbruch. 90 km in Aussicht. Wegen Russendurchbruch anderes Ziel: Zababy. Fahre natürlich platt. Dann Lenkerbruch. Prost. Komme nachts ans Ziel.

17.7. Schlafen endlich mal bis 9 Uhr. Fahren dann 50 km nach Süden Ziel Dubrowo. Unterwegs Arbeitseinsatz. Am Ziel gibt sich ein Haufen Russen gefangen. Arbeitseinsatz.

18.7. 7 Uhr Wecken ab. Arbeitseinsatz unterwegs . 1. Zug baut Brücke. Müssen den anderen Zügen natürlich helfen[,] die Trottel werden nicht fertig. Abends 10 Uhr am Ziel. Zwischendurch noch ’n paar Häuser zerlegt. Erledigt.

19.7. Wecken 7 Uhr, ab nach Stary Bischoff. Zuerst viel Geschiebe. Kommen durch St. B. [Stary Bischoff] vollkommen zerstört. Treffe Bremer Flak. Ein russischer Flieger wagt es in 50 m Höhe über unsere Köpfe hinzukriechen. Unser Gewehrfeuer geht daneben, er verzieht sich mit beneidenswertem Selbstbewusstsein. Wir müssen noch 15 km weiter, bis an den Dnjipr. Auf allen Vieren in die Zelte.

20.7. Arbeitseinsatz : Brückenanfahrt und Knüppeldamm. Egon Meyer geht ins Lazarett. Nachmittags etwas Ruhe. Zeugdienst.

21.7. 7 Uhr Wecken. Wir sehen nachts Artilleriefeuer und Brände. Fahren 8 km zurück nach Mokroje an der Bahnlinie. Man fängt allmählich an, sich selbst zu verpflegen.

22.7. 7 Uhr Wecken. Russen lassen sich mal wieder sehen. Wir hören[,] dass wir von drei Seiten umschlossen sind. Abends gibt es Schokolade für die Arbeit an der Beresina. Grossreinemachen.

23.7. Anständiger legen. Wir spenden 16 Rmk. für die Einnahme von Moskau.

24.7. Es giesst aus den Wolken[,] wir nehmen in unseren Zelten ein Sitzbad. Apell, Apell, und nochmals Apell.

25.7. Wir beeilen uns mit dem Bau von Zeltgräben , sonst müssen wir schwimmen. Es gibt einen Sack Post.

26.7. Heute mal zur Abwechslung Ordnungsdienst: „Ehrenbezeigung durch erheben der rechten Hand im Gleichschritt – Marsch!“ Gewehrreinigen.

27.7. Wieder Ordnungsdienst, diesmal mit Knalleinlage, von oben natürlich. Wir müssen Feldwache Tag und Nacht aufstellen, es wird brenzlicher. Nebenbei mal „Singen“.

28.7. Ordnungsdienst. Abends Post, wird bei Kerzenschein gelesen.

29.7. Baustellendienst an einer weit entfernten Strasse, habe Wache und bleibe deshalb im Lager. Koche mir Kartoffeln von Wassersuppe allein kann man nicht leben. Unser Tross erreicht uns zum ersten Mal seit Polen. Abends auch Kartoffeln. Kein Brot.

30.7. Wieder Baustelle. Haus abgebrochen für Knüppeldamm. Wieder Kartoffeln.

31.7. Wieder Knüppeldamm. Abends wenig Post. Stahlhelmempfang.

1.8. Wir bleiben im Lager: Apelle. Dafür kommt abends der Knall: Abfahrt im Dunklen 25 km. Ziel Maninka. Kommen morgens erschöpft an[.] Liege die halbe Nacht noch im feuchten Gras. Es knallt wie toll um uns.

2.8. 11 Uhr Wecken. Denselben Tag gibt es noch russisches Bier. Es knallt ganz laut zum zweiten Mal in dieser Woche: Wir marschieren denselben Weg wieder zurück[,] den, wir in der Nacht gekommen sind, Regengüsse begleiten unseren aufgeweichten Weg. Zielort noch 15 km weiter: Dabuscha. Hinein in die Klappe.

3.8. 50 km weiter nach Gishuja. Heut zur Abwechslung mal: Kampf dem Morast. Seit Stary Bischoff scheinen sich Läuse in unserer Abteilung zu befinden. Wer Hunger hat[,] muss was essen; also ruck zuck und weg war das Brot.

4.8. 25 km bis Glin gefahren. Gute Fahrt. Leute dort sehr freundlich, es gibt Eier und Milch. Aepfel nicht zu vergessen. Auch Schokolade wird verteilt. Gute Verpflegung. Fahrräder müssen natürlich schon wieder gestriegelt werden.

5.8. Morgens grosse Wäsche, nachmittags leichte Arbeit.

6.8. Einsatz an einer Brücke, Nachmittags Rück[k]ehr. Abends plötzli[ch] „Fertigmachen mit Stahlhelm“. Wir fahren 15 km bis an den Schosch: Nachteinsatz. Unser Erscheinen löst wildes Gewehr- und Geschützfeuer auf der Gegenseite aus. Wir ziehen uns hinter Häuser zurück. Ich esse erst mal Abendbrot. Wir ziehen uns siegreich zurück. Und kommen nach für uns siegreich verlaufenem Fliegerangriff um 24 Uhr im Quartier an.

7.8. Morgens wieder Brückeneinsatz. Mittags Abfahrt zum Schosch. Legen uns hinter eine Schnapsfabrik in Deckung. Neben uns bekommt ein Panjehaus Volltreffer. Geht in Flammen auf. Genaues Artilleriefeuer zwingt uns beim ersten Versuch zum Rückmarsch. Nach 2 Stunden gelingt es uns an die Brücke heranzukommen und die Abfahrt zu vollenden. Es regnet stark, noch mehrmals müssen wir hinein in den Dreck, Schlafen in einem verlassenen Panjehaus.

8.8. 5 Uhr Wecken Abfahrt nach Glin zurück. Bis Mittag geschlafen. Grossreinemachen.

9.8. Ruhiger Tag. Nur Apelle.

10.8. Neue Baustelle. Sumpfloch wird mit Knüppeldamm ausgebessert. Eine Tafel Schokolade bekommt jeder am Abend.

11.8. Arbeit nach unserer Meinung überhaupt nicht wichtig. Kein deutscher Soldat ist hier vorbeigekommen. Murkserei. Trotzdem lange Arbeitszeit.

12.8. Am Schosch schon um 3 Uhr Kreide gekratzt. Mittags zu aller Entsetzen andere Baustelle. Brücke. Abends im Dunklen nach Haus geschoben.

13.8. 8 Uhr raus es geht weiter nach Tscherikoff. Elend langer Weg zur Baustelle. Bauen Abfahrt von einem Riesendamm. Vorsicht Blindgänger und Minen.

14.8. Um 3 Uhr raus, weil die Brücke fertig muss. Mittags geschafft, Nachmittags Wäsche. Aus.

15.8. 3,30 Abfahrt über Tscherikoff nach Sjabenij. Fahrt durch nur Wald. Roter Kommissar erschossen.

16.8. 6 Uhr Wecken. Es kracht wieder einmal hörbar im Gebälk einiger Führer: Wir fahren die Strecke bis Tscherikoff zurück. Fahre platt[.] Noch weiter nach Propojsk. Kriege die Abteilung aber wieder. Wir sehen viel zurückgelassenes Kriegsgerät. Wir zelten in einem Obstgarten[.]

17.8. Fahren ganz früh ab auf einer Schotterstrasse in Richtung Tschetschersk. falle bald aus. Versuche mit Wehrmachtswagen nachzukommen. Gelingt nicht. Uebernachte bei einer anderen Abteilung. Sämtliche Führer ausgefallen.

18.8 .Breche extra früh auf, dass ich die Abteilung erreiche. Als ich ankomme (Theater mit Klavier) will die Abteilung gerade wieder losfahren. Ich flicke wie ein Irrsinniger und rase hinterher. Schinderei. Zum Glück nur 10 km. Nach 1 km platt. Ich schiebe den Rest. Halleluja. Es wird schon Dunkel, als ich da bin. Umwege!

19.8. Frühe Abfahrt nach dem 30 km entfernten Bopowka. Neblig. Ueberraschend schnelle Fahrt zum grössten Teil auf Backsteinstrasse. Vor Gomel. Quartier in Zelten. Abends brennt Gomel. Bei der Löhnung Fliegerdeckung.

20.8. Fahren in Richtung Gomel zur Baustelle. Strassendurchlass auffüllen, mit Sand. In 100 m Strasse 8 abgeschossene Panzer. Gestern wurde hier noch gekämpft. Vorsicht Minen. Bei der Arbeit explodiert eine. 1,30 Uhr Mittag im Lager.

21.8. Nachts Alarmbereitschaft. Wecken 6 Uhr. Erst nach Mittag Abrücken nach Scherstin 20 km weiter. Abends Post.

22.8. Nachts Alarm. Packen im Stockdunkel. Nachtmarsch. Wir müssen schnell über eine Brücke. Warten aber 4 Stunden morgens auf den Uebergang. Auf der Rast bieten uns die Ukrainer Mais, Gurken und Wurzeln an. Wird dankbar angenommen, da unsere Küche stecken geblieben ist. Zwischendurch Arbeitseinsatz.

23.8. Morgens 10 km Weiterfahrt. Zurück bis zum letzten Mittagsort. Regen. Verpflegung: Aepfel, Gurken, Kartoffeln. Post.

24.8. Gegen Mittag Weiterfahrt 12 km. Dort Zeltbau. Verpflegung: Kartoffeln. Wache!

25.8. Wir holen mal Sonntag nach, Selbstverpflegung. Reinigen. Armbinden werden wieder verteilt.

26.8. Wir fahren weiter nach Antonowka. Passieren eine Eisenbahnlinie[.] Zelten.

27.8. Allgemeines Kochverbot. Grosse Wäsche. Gewehrreinigen. Milch wird organisiert, Birnen.

28.8. Abfahrt mit unbekanntem Ziel auf Rollbahn in Richtung Kiew. Minen. Wir warten unterwegs auf weitere Befehle, Lager auf einem Friedhof. Selbstverpflegung: Kartoffeln, Birnen.

29.8. Baustelle. Man stützt sich auf die Schaufel. Einige spielen Gärtner, Nachmittags Rück[k]ehr ins Lager. Man spricht[,] wir sollen nach Smolensk. Zu einem Panzerkorps. Kartoffeln.

30.8. Morgens Bratkartoffeln. 1. und 2. Zug morgens zur „Arbeit“. Abend wieder Kartoffeln.

31.8. Heute Morgen gehts los: Nördlich nach Smolensk. Rollbahn mit Schotter. Erreichen abends nach endloser Fahrt Gomel. Dort Quartier in einem Obstgarten. Auf der Rückfahrt zieht eine ganze Infanteriedivision an uns vorbei (Berliner). Zerstörungen an der Strasse.

1.9. Aenderung des Marschbefehls, es geht nach Osten. Sand!

2.9. Abfahrt nach Korop. Quartier bei einer Kirche. Platzregen.

3.9. Noch 30 km weiter nach Starodub. Arbeitsführer: Am 1. November seid ihr zu Hause. Wir trocknen unser klitschenasses Zeug in den Panjehäusern.

4.9. Späteres Wecken. Bekommen unsere Geräte wieder. Vorkommando unter Ivo fährt los. Gewehrreinigen.

5.8. Nach kurzer Fahrt Brückenbau. Viel Aepfel, Später Strassenentschlammung. Nasse Füsse. Gutes Quartier.

6.9. Wieder Einsatz auf der Strasse, Nachmittags Abfahrt nach Tscheikin. Quartier in einer Scheune.

7.9. Reinigungstag. Scheune zieht des nachts fürchterlich.

8.9 Arbeitseinsatz. Fällt für mich aus. da ich Wache habe. Ich werde mal wieder satt.

9.9. Auf der Baustelle haut mir so ein Esel einen Baumstamm auf die Schulter. Ich mache mir deshalb einen ruhigen Tag. Wir sehen den Abschuss von 5 russischen Flugzeugen, die vorher Flugblätter abgeworfen hatten. Täger fährt vorbei.

10.9. Ich mache heute blau. Gehe nicht mit zur Baustelle. Theater mit dem Heilgehilfen. „Anstrengender Küchendienst“ im Lager.

11.9. Nochmals ganze Ruhe für mich. Platzregen, Scheune hält nicht dicht.

12.9. Morgens Brief geschrieben im Panjehaus. Nachmittags Grossreinemachen. Apell in Unterhose. Nachmittags „Entlassungssingen“.

13.9. Wieder Apelle.

14.9. Neue Baustelle. Lange Fahrt. Knüppeldamm. Raserei nach Hause.

15.9. Nochmals Baustelle, und nachmittags Fertigmachen zur Weiterfahrt.

16.9. Abfahrt nach Adejewka. Gute Fahrt. Unterwegs Fliegeralarm. Unbequemes Quartier im ersten Stock eines Kollektivhofes. Treffen viele andere RAD-Abteilungen.

17.9. Weiterfahrt durch Regen nach unbekannten Ziel. In Obolonje Zieländerung von Süd nach Nordwest. Ziel : Sosnitza. Furchtbare Schinderei gegen den Wind. Ufm. [Unterfeldmeister] Ivo wirft mehrmals vor Wut seine Karre in den Dreck. Ueberholen aber wie Verrückte eine andere Abteilung[.] Unterkunft in einem Gerichtsgebäude.

18.9. Arbeitseinsatz bei Ufm.[Unterfeldmeister] Ivo. Muss Holz organisieren. Prima Reibekuchen.

19.9. Rückfahrt über Obolonje, dann über die Dessna, Ziel Baturin. Hier Bombenangriff ganz in unserer Nähe. Tote unter der ZiviIbevölkeru[ng.]

In den nächsten 14 Tagen Arbeitseinsatz für einen Knüppeldamm. Ich schlage Holz. Es wird schon recht kalt. Gute Verpflegung. Front sehr weit entfernt.

Weiterfahrt zu einem unbekannten Ort. Hier nehmen wir das erste Privatquartier. Lubjanka

Morgens frühe Weiterfahrt nach Gluchow. Wegen schlechtem Wetter Ziel nicht erreicht. Uebernachten in einer Fabrik. Morgens die ersten Schneefälle. Weiterfahrt bis Gluchow, über eine Behelfsbrücke. Liegen neben dem Stabsquartier von Guderian. Hier Arbeitseinsatz, Brückenbau.

1.10. Mittags Weiterfahrt bis in die Nacht ungeheure Strecke. Uebernachtung in einer Schule mit Panzern. Habe Wache.

2.10. Habe frei wegen Wache. Bekomme Eier. Fahren aber mittags schon weiter bis 5 km vor Sewsk beim Flugplatz. Uebernachten hier im Kollektiv. Auf der Fahrt versuchen uns zwei Bomber anzugreifen. Im Tiefflug wird der eine getroffen und stürzt 200 m von uns ab.

3.10. Rückfahrt zu einem Dorf (25 km zurück). Hier Arbeitseinsatz an einem Knüppeldamm. Liegen hier 3 Tage. Am 5. Okt. der unerwartete Kosakenüberfall bei der Arbeit. Es geht aber noch mal gut aus. Die Knarre raucht. Während der Nacht Alarmbereitschaft. Tolles Schiessen mit Mg.

6.10. Abmarsch mit Arbeitseinsatz zum Kollektivhof zurück. Wieder sehen wir einige Abschüsse.

7.10. Abmarsch über Sewsk. Kommen ganz schlecht vorwärts. Regen, Schnee, Hagel. Erreichen eine Ortschaft mit ungeheuer luftscheuer Bevölkerung. Hier 4 Tage „Schlammschippen“. Dauernde Luftangriffe.

11.10. Ausrücken zur Arbeit bei 5 Grad Kälte nur mit Geräten. Wir marschieren 20 km weiter nach vorn. Ungeheurer Schneesturm. Erreichen Wolubujewo. Haben hier 5 Tage schwere Arbeit bei starker Kälte. Vormarsch stockt gewaltig. Selbstverpflegung. Dauernd Fliegerangriffe. Vom Tross 2 Verwundete, 2 tote Pferde. Tross bring unsere Sachen nach. Die Hälfte fehlt.

19.10. Versuch eines Vormarsches misslingt kläglich . Wir schaffen mit unseren Wagen 800 m. Uebernachten im nächsten Ort.

20.10. Auch der nächste Tag bringt einen Misserfolg. Wir schaffen die gleiche Strecke und übernachten im selben Dorf.

21.10. Endlich entschliessen sich die Führer ohne Wagen zu arbeiten. Wir hauen auf eigene Faust ab. Spät am Abend erreichen wir einen Ort vor Kromy und bleiben hier. Die meisten haben Zugmaschinen und Panjewagen benutzt. Hier liegen wir 4 Tage, haben nur mässig Dienst und besorgen uns die besten Sachen zu essen: Honig, Butter, Eier, Milch. Ein Schuss = Zwei Gänse.

25.10. Abmarsch nach Orel. Obgleich die Strasse einigermassen fahrba[r] ist, fährt man am besten mit einem leeren Wehrmachtswagen. Ausserdem geht das auch wesentlich schneller. In Orel Einsatz mit Stalinwagen. Strassenausbesserungsarbeiten. Entlausung: Gott sei Dank. Viel Post.

28.10. Aufbruch nach Woin ein Ort 7 km vor Mzensk. Fahre mal wieder platt. Bleibe mit Bormann zurück. Uebernachte mit Panzern in einem verlassenen und zerschossenen Panjehaus. Morgens Weiterfahrt bis Mzensk. Immer noch nicht bei der Abteilung. Nehmen dort Privatquartier[.] Ergattern fabelhafte Konfitüre! Fahren am nächsten Morgen wieder zurüc[k] und finden endlich unsere Abteilung. Bei Mzensk notgelandete He 111 [Heinkel 111].

Hier Arbeit an Knüppeldämmen. Anmarschweg immer mehrer Kilometer. Der Rückmarschbefehl erreicht uns am 4. Okt. [evtl. Fehler des Verfassers: 4. Nov.?]. Wir fahren eiligst mit Kraftfahrzeugen der Pioniere nach Orel zurück. Beziehen dort Quartier und warten 2 Wochen auf das Verladen. Nebenbei Zeugdienst und wenig Einsatz. Wir Baden mal wieder. Einige Fahrräder brennen bei einem Benzinbrand auf.

16.11. Nächtliche Verladung auf dem Bahnhof in Orel in russische Waggons (65 Mann in einen russischen „Salonwagen“). In Dobrudscha vier Tage Aufenthalt wegen Maschinenschaden. Keine Verpflegung. 5 km vor Gomel nächtliches Ausladen ohne Rampe! Anschliessend Nachtmarsch mit Affen und Rad zu einer russischen Kaserne 30 km. Hier bleiben wir vom 21. Novemb. bis zum 31. liegen. Ordnungsdienst usw. Friedensbetrieb.

1.12. Letzte Radfahrt nach Gomel, dort Entlausung. In einem entlausten Quartier geschlafen. Auf letzter Fahrt Pedale gebrochen. Lenker wackelt. Morgens Verladung in deutsche Eisenbahnwaggons. Mittags Abfahrt in Richtung Minsk, Ich treffe Täger. Wir liegen mit. 35 Mann in einem deutschen Waggon.

Fahrtstrecke: Minsk, Baranowitschi‚ Brest, Lukow, Warschau.

Hier haben einen halben Tag Aufenthalt, ich esse für 30 Mark Abendbrot[.]

Abends Weiterfahrt; am 5.Dez. Ostrowo, Lissa, Glogau, Kottbus, Torgau, Halle, Erfurt, Fulda, Hanau, Worms, Kaiserslautern. Hier wird der Zug geteilt. Dann Weiterfahrt nach Rehweiler. Ankunft am 7. Sonntags. Herzlicher Empfang. Allmähliche Auskleidung. Der General hält Abschiedsrede. Am 12. Dez. morgens 6,13 verlasse ich den Ort Rehweiler, fahre bis Kaiserslautern.

Von dort im D-Zug Paris – Berlin bis Frankfurt. Hier 2 1/[2] Stunden Mittag. Dann D-Zug bis Hannover und Umsteigen bis Bremen.

Ankunft 11,15 Uhr in Bremen Hbf.

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Feldpostbrief von Rudolf an seinen Vater (25. Februar 1944)

In dem einzigen mir vorliegenden Feldpostbrief von Rudolf an seinen Vater äußerst der Verfasser eindeutig Kritik am Krieg – Er bezeichnet das alles als „Mist“.

Über den Verfasser und den Empfänger wissen wir nichts außer dem, was im Brief zu lesen ist. Weder Einheit noch Feldpostnummer sind überliefert.

Feldpostbrief von Rudolf an seinen Vater vom 25. Februar 1944

Russland, 25.2.43.

Lieber Vater!

Habe deinen lieben Brief vom 13.2. erhalten, und sage dir meinen besten Dank. Und von den schönen Bilde zu sprechen, es geht alles vorüber es geht alles vorbei. Kommentar überflüssig, da brauchen wir uns wohl nicht darüber zu unterhalten. Und Hansi hat auch sein Zeugnis erhalten, und Singen gut bekommen. Das ist ja sein bestes Fach. Na es ist ja auch egal. Und jetzt musst du schon Papier aus den Block nehmen. Na das ist ja auch egal. Deshalb geht aber der Krieg doch weiter. Aber wir wollen das beste hoffen, lieber Vater. Hoffentlich hat der Mist bald ein Eden. Damit man wieder nach Hause kommen kann. Und Fischer ist auf Urlaub, und ist noch in Frankreich. Ja manch einer hat gewaltiges Glück. Aber wir können ja nichts daran ändern. Man muß eben aus halten, und zusehen das alles gut an einem vorüber ziehen tut. Und das ist ja auch die Hauptsache. Und dann lieber Vater grüße man folgende Arbeitskameraden recht schön von mir, Hebelschorse, Richard Uelger, Albin Fritsche Karl Kromberg. An Richard Uelger habe ich auch heute eine Karte geschrieben. Liebe Eltern nun seid herzlich gegrüßt von Euern lieben Sohn Rudolf

Schreib bald mal wieder!

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Feldpostbriefe des Gefreiten Lages an seinen Sohn Hans Joachim Lages in Braunschweig (April-Juni 1944)

Über den Soldaten Gefreiter Lages ist bisher nichts Genaues bekannt. Die Feldpostnummer 01758 gehörte bis zum 30.12.1943 zum Regimentsstab des Grenadier-Regiments 252. Das Regiment wurde am 2. November 1943 aufgelöst, der Regimentsstab und das II. Bataillon kamen zur Divisionsgruppe 321 und zum Grenadier-Regiment 255. Zu welcher Einheit die Feldpostnummer 01758 dann 1944 gehörte, ließ sich bisher nicht herausfinden.

Vier Feldpostbriefe des Gefreiten Lages an seinen Sohn Hans Joachim Lages sind überliefert. Familie Lages wohnte in der Ottweilerstraße 125 in Braunschweig. 

Feldpostbriefe des Gefreiten Lages an seinen Sohn Hans Joachim Lages

Den 29/4.44.

Mein lieber Hanni!

Was machst du noch, alles gesund und munter! Wie Mutti mir geschrieben hat, unterstützt du ja Mutti mit allen Kräften bei der Arbeit im Garten. Das hat mich sehr gefreut, das ich so etwas Gutes von meinem Jungen lesen konnte. Mache man so weiter mein lieber Junge, Mutti kann doch nicht mehr so. Wie sie gern möchte, aber das Spielen das klappt noch immer. Immer noch das Alte, den ganzen Tag rumhocken und nur nach Mutti kommen und rufen, Mutti ich habe Hunger. Und dann werden die Karos weggeputzt. Das ist man gut, das es schmeckt so lange was da ist.

Alos mache es gut, mein lieber Junge. Und grüße unser Gold (unsere liebe Mutti)

Es grüßt dein lieber Papa

Vorderseite der Feldpostkarte vom 5. Mai 1944 mit Feldpostnummer des Absenders und der Adresse in Braunschweig
Rückseite mit Text

Den 5/5.44.

Mein lieber Junge!

Wie geht es dir, und unserer lieben Mutti. Seid ihr noch alle gesund und munter. Und kommen die Flieger nicht mehr so oft, das ihr immer in den Bunker müßt. Und hilfst du Mutti auch immer schön bei der Arbeit. Und was machen unsere Muckchen. Sind dieselben noch alle gesund. Also mach es gut mein Junge. Und grüße Mutti recht schon von mir. Es grüßt dein lieber Papa

Den 28/5.44.

Lieber Hanni!

Wie geht es dir noch, alles gesund und munter[.] Was ich von mir auch berichten kann! Bist du auch artig, und ärgerst Mutti nicht. Das mache ja nicht, sonst raucht es wenn ich nach Hause komme. Und was machen die Kaninchen versorgst du dieselben auch ordentlich. Das was daran kommen tut. Damit wir was zu essen haben. Also mein Junge mache es gut, und grüße deine liebe Mutti, von mir herzlich und sei selbst vielmals von mir gegrüßt

Dein lieber Papa

7/6.44.

Lieber Hanni!

Habe deine liebe Karte vom 27/5. Erhalten, mit deinen schönen Pfingstgrüßen und spreche dir meinen besten Dank aus. Ich sehe immer wieder, das du an deinen Papa denken tusst. Und das ist das schönste für mich! Wenn man hier in den weiten Rußlands einen Gruß von seinen Lieben, erhalten tut. Bestelle man schöne Grüße an Mutti und ich hatte mich auch sehr über ihre Pfingstgrüße gefreut, wenn auch etwas spät gekommen sind.

Lieber Hanni, ich hatte dir noch ein kleines Päckchen geschickt, wo ein paar Bonbons drin waren. Und ein Paket Tobak was du Opa geben solltest zu seinem Geburtstag, hast du dasselbe erhalten oder nicht.

Schreib mir doch bitte, mal etwas näheres darüber.

Es grüßt dich, dein lieber Papa

Viele Grüße an Mutti

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Zeichnungen von Lucie Chapel (1914-1916)

Vor einiger Zeit habe ich auf einem Internetportal das Zeichenheft von Lucie Chapel erworben. Es trägt den Titel „Souvenir de la Grande Guerre 1914-191“. Auf dem Titelblatt hat sich die Zeichnerin mit ihrer Signatur „LC“ verewigt. 

Leider ist über die Zeichnerin nichts weiter bekannt. Sie stammt aus Frankreich, was eindeutig aus den Zeichnungen hervorgeht, und hatte einen Bruder, der Anfang 1916 anscheinend als Soldat im Krieg gekämpft hat, wie wir aus der letzten Zeichnung erfahren. In der Widmung auf eben diesem Blatt hat sich Lucie Chapel auch mit ihrem Namen verewigt. Diese letzte Zeichnung ist datiert auf den 10. Januar 1916.

Insgesamt umfasst das Zeichenheft ein Titelblatt sowie 22 Zeichnungen. Die restlichen Seiten sind leer.

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