Kriegstagebuch von Franz Legler – Feldlazarett 2 im X. Armeekorps (10. August 1914 – 31. Mai 1915)

Über den Tagebuchschreiber Franz Leger lassen sich aus seinem Kriegstagebuch kaum biographische Informationen entnehmen. Legler war eingesetzt beim Feldlazarett 2 des X. Armeekorps. Eventuell stammte er aus Lindau. An einer Stelle seines Tagebuches erwähnt er, dass er mehrere Lindauer gesehen habe, was diesen Verdacht stützt. Ansonsten gibt er keinerleite persönliche Informationen über sich preis: Weder etwas über seine Familie, noch über seine Beruf.

Auffallend an seinem Kriegstagebuch ist die sehr fehlerhafte Rechtschreibung. Vermutlich hatte der Schreibe zumindest eine Schreibschwäche.

Das Kriegtagebuch umfasst den Zeitraum vom 10. August 1914 bis 31. Mai 1915. Nicht immer wird die Chronologie eingehalten. So springt der Verfasser gerade im Monat September zwischen den Daten. Einzelne Seiten des Tagebuches sind locker. Zumindest ein einer Stelle besteht der Verdacht, dass eventuelle Seite verloren gegangen sind. Vom zweiten Weihnachtstag 1914 bis 1. Februar 1915 sind keine Einträge vorhanden. Und die Seite vom 1. Februar liegt lose im Tagebuch. Es ist möglich, dass dort eine oder mehrere Seiten verloren gegangen sind.

Mit dem Eintrag vom 31. Mai 1915 bricht das Tagebuch ab. Die weiteren Seiten bleiben, bis auf einige wenige Einträge am Ende über u.a. Adressen, Geld- und Paketsendungen, leer.

Umschlaginnenseite mit Namenseintrag von Franz Legler
Erste Seite mit Tagebucheintragungen. Auf den drei Seiten vorher finden sich französische Wörter mit deutschen Übersetzungen.

Kriegstagebuch von Franz Legler - Feldlazarett 2 im X. Armeekorps (10. August 1914 - 31. Mai 1915)

1914

10-13 August auf Truppenübungsplatz Elsenborn. Da lagen Artillerie u. Infanterie u 1-4te Feldlazarett.

Am 15 August 10 ½ Uhr Abmarsch von Elsenborn nach Spa in Belgien großer Badeort.

Am 15 Augst Ognev [wohl Ogné]

Die ersten in Brand geschossenen Dörfer. In der einen Ortschaft hatten 2 Belgier einen Hauptmann erschossen, die sind Standrecht beide erschossen.

  1. August

300 Belgische Gefangene gefahren von 20 Mann 73 Infanterie bewacht.

Am Abend 22 August in Pontelu [Pont-de-Loup] 500 Verwundete untergebracht, die ganze Nacht von Hauptverbandsplatz nur Verwundete gefahren u. auf Bahren getragen.

Am 1 Sept Abmarsch in Pontelu [Pont-de-Loup] auf der Landstraße fiele Einwohner gesehen auf Wagen u. Esel ihr Hab u. Gut. Kinder u. Frauen, alte Männer ein trostloses Bield[.]

Am 2 Sept die französische Grenze ½ 10 Uhr morgens überschritten.

Des Abends Qutier Avesnes [Avesnes-sur-Helpe]. In der Herberge 2 Mann ein Bett. Am Sonntag 12 Sept. morgens 7 Uhr Abmarsch von Passankur [wohl Bazancourt], da haben wir den Abend 1000 Gefangene Franzosen u. Engländer gesehen. Die erste Nachricht v. d. Heimat erhalten. Nach Reims marschiert den 11 Sept. morgens 5 Uhr morgens, lagen wir auf der Straße um die Cathedrale schändlich gefroren[.] Die Nacht durch marschiert in Regen.

Von Passackur [wohl Bazancourt] nach Tagnon[.]

Sonntag mittag um 1 Uhr hier angekommen, den Wein aus einen Keller in Eimer geholt.

—–

Den Sonnabend 5 Sptb wo wir Ruhetag hatten habe ich mit 2 Kammera[d]en Laon angesehen u. hatten uns die Chattedrale einwendig angeschaut. v. 4 Uhr b. 8 Uhr Abends, dann zogen wir 3 Mann auf Wache, den Sonntag ging es um 7 Uhr morgens Abmarsch, durch Laon ein schöne Stadt, wir lagen nämlich eine Stunde davor.

Donnerstag 3 Septb. Marschierten wir um 6 Uhr von Avennes [Avesnes-sur-Helpe] nach Fonteine [Fontaine-lès-Vervins] wo wir die Nacht in der Scheune schliefen, unterwegs den Rückmarsch der Einwohner immer das selbe Elend.

Freitg. 4 Sptb. Rückten wir 6 Uhr von Fonteine [Fontaine-lès-Vervins] ab um 4 ¼ Uhr nachmittags in Chambry an.

Sonnabd. 5 Sptb. Ruhetag 8 Uhr morgens standen wir auf u. hatten Appell Nachmittags Gewehr reinigen u. Apell.

Sonntag 6 Sptb. Um 6 Uhr morgens rückten wir von Chambry ab nach Firmes [Fismes] wo wir die Nacht blieben, unterwegs trafen wir Kriegsgefangene Franzosen Engländer Turkos.

Montg. 7 Sptb. Rückten wir um 6 Uhr wieder von Firmes [Fismes] ab. um nach Reims zu gehen, die richtung wurde geändert wir kamen nach Port d Bison [Port-à-Binson] wo wir um 4 Uhr ankamen. Gewehr reinigen.

Dienstg. 8 Sptb. Um 7 Uhr abmarsch v. Port-Bison [Port-à-Binson] nach Montmort [wohl Montmort-Lucy] wo wir um 4 Uhr ankamen. In Montmort kamen viele leicht Verwundete, die wir die Nacht noch unterbrachten.

Mittwoch 9 Sptb. wurde von Montmort um 9 ½ Uhr morgens ab nach Bringy-Vand [wohl Brugny-Vaudancourt] wo wir Biwack machten um 5 Uhr abends Abgekocht. Donstg. 10 Spbt. Um 210 Uhr nachts verließen wir das Biwack um Sillery zu marschieren wo wir um 4 Uhr nachmittags Biwack machten, die Nacht marschierten wir um 11 Uhr Abend ab nach Reims zu.

Sonnabd 12 Sptb. kamen wir in eine Vorstadt v. Reims in Qutir auf einen großen Fabrikhof. Da kam der Rückzug von Reims nach Tagnon.

Sonntag 13 Sptb kamen wir um 1 Uhr mittags in Tagnon an lagen hier eine Woche u. hatten jeden Tag v. 7 Uhr Dienst in Sachen reinigen Gewehr Geografie Völkerrech[t]en Franzsch [Französisch] nachmittags um 5 Uhr Apell bis auf weitres

Sonntag 20 Sptb v. Tagnon 8 ½ Uhr abmarsch auf Roizi auf den Marsche begegnete uns ein Transport Verwundete Deutsche u. Französen. Hier in der Kirche lagen viele Verwundete Deutsche. Wir kochten ab auf einen freien Platz.

Montag 21 Sptb. Die Verwundeten Deutschen Franzosen haben wir den morgen auf Wagen geladen und zur Bahn befördert ein Elendes Bild. Heute mittag große Wäsche gehabt Unterhose u. Hemd.

Roizy Mittwoch 23 Sptb. nachmitags 4 Uhr hatte ein Französischer Flieger 4 Stk Bomben in eine Furback [Fuhrpark] Kolonne geworfen. 10 Mann schwer verletzt 5 Pferde tot. De Verwundeten hatten wir gleich hohlen müßen, Notverband dann kamen sie gleich weiter. 4 km [unleserliches, verwischtes Wort].

Sonnabend 26 Sptb. Von Roizy nach Asfeld 6 Klm. Hier konnten wir Wein kaufen 40 ch die Flasche. Von einer Furbark [Fuhrpark] Kolonne wurde ein Faß Amerikanisches Schmalz verteilt.

Sonntg 27 Sptb. Vormittags von 9-10 Uhr Feldgottesdienst in Asfeld. Dann wurde um 12 Uhr mittag gegessen. Um 3 Uhr nachmittags abmarschiert. Asfeld nach Bourgogne 15 Klm. Abend 6 Uhr dann zog ich auf Wache. Hier lagen 20 Artl. Garde Pioniere Husaren Maschinengewehrk.

Dienstag 29 Sptb. morgens abmarsch von Bourgonge [Bourgogne] nach Asfeld zurück. Am Abend vor Abmarsch war großes Geschütz Feuer 3 Klm von Bourgonge [Bourgogne].

Mittwoch 30 Sptb 2 Stunden ekzazieren [exerzieren] Kriegsspiele von 2-4 Uhr.

Freitag 16. Sptb. Abmarsch um Asfeld 12 Klm. 8 ½ Uhr abmarsch um ½ 12 Uhr wieder ankunft in Asfeld. Der Wirt hier wo wir liegen hat müßen 200 M strafe zahlen weil er 2 Deutsche Soldaten beleidigt hatte.

Sonnabend 17. Septb wurden mehre Ladungen Liebesgaben von Bahnhof abgefahren.

Neufschattel [Neufchâtel-sur-Aisne] 21. Oktob. abends 5 Uhr abmarsch von Asfeld nach hier abends um ¼ 8 Uhr hier an, kam gleich auf Parkwache die Nacht, am Mittag wurde hier die Ortskrankenstube von uns übernommen, nachmittags um 5 Uhr spielte hier Reg. Musik v. 77.

Neufschattel

Freitag 23 Oktb. nachmittags wurde an Mannschaften u. Unteroffz. das eiserne Kreuz verteilt v. General Kommando die Musik spielte Deutschland über alles Regmt. N. 77.

Sonnabd. 24 wurde ein Artillerist begraben auf den Friedhof in Neufschattel [Neufchâtel-sur-Aisne] mit Regm. Musik. Der war beim Karabiner reing. v. s. Kam. aus unforsichtichkeit erschossen. Landwehrmann Vater v. 3 Kind.

Sonntag 25 Oktb. Liebesgaben verteilt an Mannschaften u. Unteroffz. Den Abend Kranken Wache.

Montag 26 Oktb. Bein Fliegeroffz. auf Wache kommandiert.

Freitag 13. Nov. wurde derselbe geheilt entlassen.

Sonnabend 21 Novb. 12 Uhr mittags Kranke nach Laon gebracht per Bahn von Neufschattel [Neufchâtel-sur-Aisne]. Den Abend auf den Bahnhof v. Laon. Die Nacht geschlafen[,] um 8 Uhr morgens nach Neufschatel [Neufchâtel-sur-Aisne].

Dienstag 24 Novb. nachmittags 2 Uhr v. Neufschattel [Neufchâtel-sur-Aisne] nach Le Thour 15 Klm.

Sonnabend d. 28 Novb. Alarm sämmtliche Truppen im Orte darnach ein Übungsmarsch bis mittag wieder zurück.

Le-Thour, den 24 Novb. auf Nachtwache beim Brücken-Train.

26 abed. auf Nachtwache.

2ten Weihnachtstag Strafwache.

[Möglicherweise fehlten einige Seiten]

Montag, den 1. Febr. [1915] 9 Uhr morgens von Le-Thour nach St. Germont [Saint-Germainmont] 4 km, da wurden unser Ortsquart. zu recht gemacht.

Mittwoch den 24 März Marsch von St. Germainmont [Saint-Germainmont] nach Bassancourt [Bazancourt] dort Abfahrt 9 Uhr 50 vor den Verladen der Wagen Fuhrt über große Orte Rethel Hirson 3 Uhr nachmittags Verpflegung ein genommen, Fuormies [Fourmies] Sains [Sains-du-Nord][.] Mehre gespannte Talbrücken, wieder von unsern Pionieren hergestellt. Wiesen u. Wühler. Avesnis [Avesnes-sur-Helpe] unser früher Quartier Aulnoye [Aulnoye-Aymeries] Hautmont (Injustrigegen) [Industriegegend] Glas Tonwerke Einhartguswerk Leveau Mons Mormau [unleserliches Wort] Chlen

Sonntag, den 11 April Abmarsch von Brags [Brages] Belgien ¾ 4 Uhr vormittags nach den Bahnhof Turbriz [Turbize] um 5 ½ Uhr hier angekommen bis 7 Uhr Verladen der Wagen u. Pferde. Größte Bahn Station Ath Ligne Chapelle-a-Wattimes [Chapelle-à-Wattines]. Tournai Lille Mittagessen Karte bekommen. Lieberkur [Libercourt] Dunane [Douai] St.-Quetin [St. Quentin] Laon Sedan. Verpflegung bekommen Nacht i. d. Festung Montmedy [Montmédy] Ausgeladen am 12 April vormittags 10 ½ in Conflanz [vermutlich Conflans-en-Jarnisy] Frankreich dich[t] bei Verdun. Mittags 12 ½ Abmarsch nach Lorry [Lorry-lès-Metz] dich[t] bei Metz um ½ 3 Uhr die deutsche Grenze Marschiert in Deutschland hinein.

Am Sonnabend den 17 April 10 Uhr Abends Nachtübung bis 12 Uhr zurück. Wurde den Abend zur Nachtwache verurteilt, welche den Sonntag aabend wieder aufgehoben wurde, da ich den Befehl weiter gegeben hatte, ein Zeuge hatte das bestätig[t].

Sonnabend, 23 April um 1 Uhr mittags abmarsch von Lorry nach Vinoville [Vionville] 22 Klm. über Gravelotte die fielen Gräbern von 16.8.70 hier auch die Wohnhäuser v. K. W. I u. Mol[t]ke u. Bismar[c]k gesehen, durch das Dorf marschiert. In Gravilotte [Gravelotte] machten wir1/2 Std. halt, da traf ich einen Lindauer. Hier bei Vinoville [Vionville] ist das große Reiter Gefecht gewesen v. 70. Marslatur [Mars-la-Tour] liegt 4 Klm. von unser Quartier. Am 13 Mai ½ 8 Uhr Abmarsch von Vionville nach Lorry um 1 ¼ Uhr nacht angekm. gleich auf Wache. Gartenarbeit gemacht b. Regierungsrat.

Am 17. Mai Abmarsch v. Lorry 2 ¾ Uhr nachmittags nach Metz. Bahnhof Verladen um 7 ½ Uhr Abfahrt v. Metz nach Cambrey [Cambrai] Ankunft 18 Mai 10 Uhr vormittags. Abgeladen, dann Abmarsch nach Epinoy wurden in ein Saal einquartiert.

Am 31 Mai morgens 2 Uhr Abmarsch von Epinoy nach Corselles 26 Klm. morgens 8 Uhr ankunpft haben dorten ein Lazarett übernommen von 4 Armekor [Armeekorps].

"Rezept" für den magenkranken Fliegerunteroffizier Cassel über die Verschreibung von mehreren Flaschen Fachingen-Mineralwasser.
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