„Es zogen die Ziethen-Husaren ins Feld“ – Husar Rahns Gedicht über Mars-la-Tour 1870

Ein Reitergedicht aus Rathenow

Unterschrieben ist es schlicht mit „Gedichtet von Husar Rahn, Rathenow“. Die Überschrift lautet „Erinnerung aus dem Deutsch-Französischen Krieg von 1870–71“. In 65 Versen erzählt ein einfacher Soldat der Zieten-Husaren, wie sein Regiment am 16. August 1870 in der Schlacht bei Mars-la-Tour zweimal attackierte – und dabei seinen Kommandeur und seinen Eskadronchef verlor.

Der Ortsname unter dem Gedicht ist kein Zufall: Rathenow an der Havel war seit 1851 die Garnison des Husaren-Regiments Nr. 3. Rahn schrieb also als Angehöriger des Regiments für seine Kameraden und seine Stadt.

Der Text

Die Wiedergabe folgt der Vorlage buchstabengetreu, einschließlich Rechtschreibung und Zeichensetzung. Eigentümlichkeiten wie „von einen gar tapferen Held“ oder „Kammeraden fiel“ (= viel) sind nicht verbessert.

Erinnerung aus den Deutsch-Französischen Krieg von 1870-71.

Es zogen die Ziethen-Husaren ins Feld,
Geführt von einen gar tapferen Held!
Oberst von Ziethen ward er genannt,
Der Name ist schon seit Jahren bekannt,
Er führte uns nach Frauenburg nach Saarbrück
Stetzt jagt er die stolzen Franzosen zurück,
Von da ginngs weiter vor nach Metz,
Dort hatten die Franzosen sich fest gesetzt,
Auf den Höhen von Gorze angekommen
Da ward die Blutige Schlacht begonnen.

Es war der Sechzente August
Er ist uns allen noch lange bewußt.
Dort in den dichten Kugelregen
Mußt Er beschließen sein Heldenleben:
Er war der Erste der da fiel
Ihm folgten von unserem Kammeraden fiel,
Als wir zurück gingen war es zwei!
Gar mancher fehlte aus unsrer Reih!
Doch unser Zweck er ist erreicht:
Die Französische Infantrie sie weicht
Nun hatten wie Ruhe bis die Nacht
Mit ihren Grauen bedeckt die Schlacht.

Um acht Uhr ward wieder auf gesessen
Und nohmals uns mit dem Feindt zu messen
Durch die Reihen der Zwanziger Infantrie
Marschierte unser Regement Kavallerie
An der Spitze leuchtet ein Schimmel hervor
drauf sitzet Herr von Hänlein unser Major,
Hell leuchtet wie sein Schimmel von fern
Ist auch das Aug des edlen Herrn.
Da plötzlich tönt sein Komando-wort
Marsch, Marsch, und alles stürmet fort
Die feindlichen Karres jetzt vor uns stehn,
Doch wenige Sekunden und es ist geschehen
das erste Karre ist schon durchbrochen
Der Feindt mit dem Säbel niedergestochen.
Was die Säbel verschonen, zermalmen die Pferde.
Doch die Rache läßt uns nicht wohn dort
Das Blut unseres Obersten treibt uns fort
An der Spitze nocheiner der Schimmel läuft
Bis wir das Ende des dritten Karres erreicht.
Und die Feinde in die Flucht getrieben sind.
Da sammelt der Major das Regiment geschwindt.

Doch ach was das für ein Anblick war
Zweidrittel des Regiments werden vermißt.
Darunter auch der beste Mann
Der Vater unsrer Eskadron
Der edle Rittmeister von Grimm,
Ihn raffte der Todes-Engel dahin
Von Feindes Kugeln durch bohrt er lag.
So fanden wir Ihn am andern Tag.
Bei Mars la Tour da floß sein Blut
Bei Gorze nun sein Leichnam ruht
Dort haben wir den Mann begraben
Um den wir alle Trauer haben.
Gar manche Trähne um ihn floß
Als sich das Grab des Theuren schloß,

Und diesen Tag nicht zu vergeßen
Hab ich an jetzo mich vermessen
Das in Reimen dies auf zu schreiben
Damit es stetz in Andencken bleibe,
Es war der Sechzente August
An dem das Blut in Strömen floß.
Noch lange denke ich mit Schmerzen
An zwei so Brave Männerherzen.

Gedichtet von Husar Rahn, Rathenow.

Die Strophengliederung ist zur besseren Lesbarkeit nach dem Inhalt gesetzt; die Vorlage schreibt den Text fortlaufend.

Das Brandenburgische Husaren-Regiment (Zietensche Husaren) Nr. 3 berief sich auf die Tradition des berühmten Reitergenerals Hans Joachim von Zieten aus der Zeit Friedrichs des Großen. Wenn Rahn schreibt, der Name sei „schon seit Jahren bekannt“, spielt er genau darauf an. Pikant ist, dass der Kommandeur von 1870 tatsächlich ebenfalls Hans Joachim von Zieten hieß: Er führte das Regiment seit 1867.

Im Krieg 1870 bildete das Regiment zusammen mit dem Schleswig-Holsteinischen Husaren-Regiment Nr. 16 die 15. Kavallerie-Brigade. Sie gehörte zur 6. Kavallerie-Division unter Herzog Wilhelm von Mecklenburg-Schwerin, die dem III. Armeekorps des Generals von Alvensleben zugeteilt war. Diese Zuordnung erklärt, warum die Husaren im Gedicht neben den „Zwanzigern“ reiten: Das Infanterie-Regiment Nr. 20 (3. Brandenburgisches) gehörte ebenfalls zum III. Armeekorps.

Die ersten Verse zeichnen den Marsch knapp nach. „Frauenburg“ ist vermutlich Frauenberg an der Blies bei Saargemünd, also an der Grenze. Mit „Saarbrück“ sind die Kämpfe um Saarbrücken und Spichern Anfang August gemeint. Danach ging es „weiter vor nach Metz“, wo sich die französische Rheinarmee unter Marschall Bazaine gesammelt hatte.

Als die Franzosen am 15. August endlich nach Westen auf Verdun abziehen wollten, überschritt das III. Armeekorps die Mosel und stieß über Gorze nach Norden auf die Straße Metz–Verdun vor. Die „Höhen von Gorze“, von denen Rahn spricht, waren genau dieser Anmarschweg.

Die Schlacht bei Mars-la-Tour – auch Schlacht bei Vionville oder Rezonville genannt – begann am Morgen, als die deutsche Vorhut bei Vionville auf die rastende französische Armee stieß. Das III. Korps griff an, obwohl es der Rheinarmee zahlenmäßig weit unterlegen war. Den ganzen Tag über hielten sich die Preußen zwischen Vionville und Flavigny, unterstützt durch verlustreiche Reiterattacken, darunter den berühmten „Todesritt“ der Brigade Bredow. Gegen Abend trafen Verstärkungen des X. Korps ein, gekämpft wurde bis etwa 22 Uhr.

Taktisch endete die Schlacht unentschieden, beide Seiten verloren je rund 16.000 Mann. Strategisch aber war sie ein preußischer Erfolg: Bazaine brach den Marsch nach Verdun ab, und zwei Tage später, nach Gravelotte–St. Privat, war seine Armee in Metz eingeschlossen.

Rahns Verse gliedern den Tag in zwei Attacken. Beide lassen sich mit der Überlieferung zur Deckung bringen.

Die erste Attacke. Das Gedicht schildert einen Angriff im „dichten Kugelregen“, bei dem der Oberst als Erster fällt. Die Regimentsüberlieferung berichtet, dass die Husaren zunächst Munitionskarren zu den Zwanzigern auf die Höhen schleppten, dann aufsaßen und angriffen; Oberst von Zieten wurde dabei von zwei Kugeln getroffen. Genau genommen „fiel“ er nicht sofort: Er wurde schwer verwundet und starb am 24. August in Gorze. Der Vers „Als wir zurück gingen war es zwei!“ meint wahrscheinlich die Uhrzeit, also etwa 14 Uhr.

Die zweite Attacke. „Um acht Uhr ward wieder auf gesessen“: Diese Angabe passt zur Schlussphase der Schlacht. In der Dämmerung griffen noch einmal Teile der 6. Kavallerie-Division südlich von Rezonville an. Nun führte Major von Haenlein das Regiment; die Überlieferung nennt ebenfalls „gegen 8 Uhr“. Die „Karres“ sind Karrees, also die Vierecke, in denen Infanterie sich gegen Reiterei formierte. Dass die Husaren gleich drei davon durchbrochen hätten, ist die Sicht des Reiters im Getümmel und lässt sich im Einzelnen nicht nachprüfen.

Die Verluste. „Zweidrittel des Regiments werden vermißt“ – dieselbe Zahl findet sich in der Regimentsüberlieferung. Nach einer nächtlichen Attacke waren viele Reiter versprengt und fanden sich erst später wieder ein; „vermisst“ heißt deshalb nicht „gefallen“. Die tatsächlichen Verluste des Regiments waren schwer; wie hoch sie genau waren, müsste die Regimentsgeschichte zeigen.

Angabe im GedichtBefund
Oberst von Zieten fällt als ErsterSchwer verwundet am 16. August, gestorben am 24. August 1870 in Gorze
Zweite Attacke um 8 Uhr durch die Reihen der 20erPasst zur Abendphase der Schlacht; IR 20 gehörte zum selben Korps
Major von Haenlein führt auf einem SchimmelHaenlein übernahm am 16. August die Führung des Regiments; der Schimmel ist nur hier belegt
Rittmeister von Grimm gefallenBelegt: gefallen am 16. August 1870
Zwei Drittel des Regiments vermisstEindruck unmittelbar nach der Attacke; Versprengte kehrten später zurück – genaue Verlustzahl noch zu prüfen

Oberst Hans Joachim von Zieten kommandierte das Regiment seit 1867. Für Rahn ist er der „tapfere Held“, dessen Blut die Husaren am Abend zur Rache antreibt.

Major Friedrich Wilhelm von Haenlein (1830–1893) stammte aus Kassel und hatte 1849 als einfacher Husar im Regiment Nr. 3 begonnen. Seit März 1870 war er etatmäßiger Stabsoffizier bei den Zieten-Husaren. Am 16. August übernahm er die Führung des Regiments und behielt sie für den Rest des Krieges, unter anderem bei Gravelotte und Orléans. Er brachte es später zum Generalleutnant. Rahns Bild vom Major auf dem leuchtenden Schimmel ist eine der lebendigsten Stellen des Gedichts.

Rittmeister von Grimm aus Potsdam ist in der Verlustliste der adeligen Offiziere 1870/71 als gefallen im Gefecht von Vionville am 16. August 1870 verzeichnet. Das Gedicht fügt hinzu, was keine Liste enthält: Er war „der Vater unsrer Eskadron“, wurde am nächsten Morgen von Kugeln durchbohrt gefunden und bei Gorze begraben. Die „zwei so braven Männerherzen“ der Schlussverse sind Zieten und Grimm.

Das Gedicht als Quelle

Rahn war kein begabter Dichter, und das Gedicht will auch keine Kunst sein. Die Paarreime holpern, einzelne Reime fehlen, und die Rechtschreibung folgt eher dem Ohr als der Regel. Gerade das macht den Text wertvoll: Er zeigt, wie ein einfacher Husar die Schlacht erinnerte und deutete.

Auffällig ist, wie eng die Erzählung der Regimentsüberlieferung folgt. Die Reihenfolge der Ereignisse, die Uhrzeit, Haenleins Führung und die „zwei Drittel“ finden sich auch in einer Darstellung, die auf einen Neuruppiner Bilderbogen von Oehmigke & Riemschneider mit dem Titel „Die Zietenhusaren bei Mars la Tour. 16. August 1870“ zurückgeht. Ob Rahn den Bilderbogen kannte, ob umgekehrt die Bilderbogen-Fassung auf Erzählungen von Veteranen wie ihm beruht, oder ob beide aus derselben mündlichen Regimentstradition schöpfen, lässt sich nicht entscheiden.

Wann genau Rahn das Gedicht schrieb, ist offen. Die Überschrift nennt den ganzen Krieg „1870–71“, und die Verse „Noch lange denke ich mit Schmerzen“ blicken zurück. Es entstand also frühestens nach Kriegsende, vermutlich in den Jahren danach in Rathenow.

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„Ihr seid in der eisernen Zange der Russen“ – ein sowjetisches Flugblatt aus dem Frühjahr 1944

Ein unscheinbares Stück Papier

Das Blatt ist klein, vergilbt und beidseitig bedruckt – und es gehört zu den Dingen, die ein deutscher Soldat im Frühjahr 1944 eigentlich nicht besitzen durfte. Es handelt sich um ein sowjetisches Propagandaflugblatt in deutscher Sprache, gerichtet an vier namentlich genannte Divisionen der Wehrmacht, die im März 1944 in der Westukraine eingekesselt zu werden drohten.

Das Papier ist dünn und holzhaltig. Die Überschrift ist in einer kräftigen, serifenlosen Groteskschrift gesetzt, der Fließtext in einer Antiqua; die Hervorhebungen im zweiten Teil wechseln wieder in die fette Grotesk. Der Druck ist ungleichmäßig, einzelne Buchstaben sind ausgebrochen oder verrutscht – typische Spuren einer mobilen Frontdruckerei, die unter Zeitdruck arbeitete. Der Text selbst betont diesen Zeitdruck: Das Blatt werde gedruckt und zugestellt, „während“ die Rote Armee den Ring schließe.

Unten links auf der Rückseite steht die Nummer 1042. Solche Nummern dienten den sowjetischen Propagandaabteilungen zur Verwaltung ihrer Druckserien.

Die Ränder des Blattes zeigen Knicke und Abrieb – das Blatt war offenbar gefaltet und wurde längere Zeit mitgetragen.

Der Text

Die Transkription folgt der Vorlage in Orthografie und Zeichensetzung; Silbentrennungen am Zeilenende sind aufgelöst, Hervorhebungen des Originals fett wiedergegeben.

An die übriggebliebenen Offiziere und Soldaten der zerschlagenen 6. Pz. D., 1. Pz. D., 96. I. D. und 291. I. D.

Ihr seid in der eisernen Zange der Russen. Unsere Truppen haben SARATJE und TREBUCHOWZY besetzt. In einigen Stunden, während wir dieses Flugblatt drucken und Euch zustellen, wird Euer einziger Rückzugsweg – die Rollbahn nach PROSKUROW abgeschnitten sein. Die Landstraßen, die nach TREBUCHOWZY führen, auf denen man wegen des starken Schlamms nur mit großer Mühe vorwärtskommen kann, sind bereits abgeschnitten. Bis Ihr dieses Flugblatt erhaltet, wird der dichte Ring der Russen um die Überreste Eurer Truppen geschlossen sein. Schon jetzt habt Ihr keinen Ausweg mehr. Euer Widerstand ist sinnlos. Rückzug bedeutet Tod. Alle Eure Rückzugswege, sogar die Dorfstraßen, sind unter Artilleriebeschuß. Die gesamte deutsche Heeresgruppe bei PROSKUROW ist zerschlagen, und ihre Überreste fliehen panikartig aus den verschiedenen Abschnitten. Doch vernünftigere Offiziere und Soldaten – und das bereits über 10 000 Mann – gaben sich gefangen. Folgt ihrem Beispiel! Wiederholt nicht den Fehler der Besatzung von TARNOPOL, die Hitlers und von Mansteins Hilfeversprechungen vertraute – und vernichtet wurde.

Merkt Euch: Hitler braucht Euren Tod. Durch Euren sinnlosen Tod will er sich eine Galgenfrist verschaffen. Deutschland und Eure Familien aber wollen, daß Ihr am Leben bleibt.

Denkt daran: Alle, die sich freiwillig gefangengeben, erhalten Vergünstigungen.

Das Kommando der Roten Armee.

1042

Der Hintergrund: Proskurow und der Hube-Kessel

Am 4. März 1944 eröffnete die 1. Ukrainische Front unter Marschall Schukow die Offensive, die die sowjetische Geschichtsschreibung später Proskurow-Czernowitzer Operation nannte. Ihr Ziel war die Nahtstelle zwischen der deutschen 1. und 4. Panzerarmee und die Eisenbahnlinie Lemberg–Odessa, die wichtigste Nachschubader der Heeresgruppe Süd. Nach einer ersten Welle blieb der Angriff zwischen Tarnopol und Proskurow im Frühjahrsschlamm stecken, ehe er am 21. März mit frischen Panzerkräften neu losbrach.

Dann ging es schnell. Am 23. März verlor die 1. Panzerarmee unter Generaloberst Hans-Valentin Hube die Verbindung zur 4. Panzerarmee. Am 25. März war Proskurow in sowjetischer Hand, am 26. März Kamenez-Podolski. Rund 200.000 Mann waren eingeschlossen. Gegen Hubes eigenen Plan, nach Süden über den Dnjestr auszuweichen, setzte Feldmarschall von Manstein den Ausbruch nach Westen durch. Der „wandernde Kessel“ schob sich bis zum 6. April an die Strypa bei Butschatsch, wo er auf das aus Frankreich herangeführte II. SS-Panzerkorps traf. Die meisten Soldaten kamen heraus – allerdings unter Verlust nahezu des gesamten schweren Geräts.

Alle vier Divisionen, die das Flugblatt anspricht, gehörten zu Hubes Armee:

DivisionRolle im März/April 1944
1. Panzer-DivisionIm Raum Proskurow eingesetzt; im Kessel Teil der Korpsgruppe von der Chevallerie
6. Panzer-DivisionIm Februar aus dem Raum Uman an die Nahtstelle bei Starokonstantinow verlegt; im Kessel eingeschlossen
96. Infanterie-DivisionBeim LIX. Armeekorps; am 5. April von der Armee als „nicht mehr einsatzfähig“ gemeldet
291. Infanterie-DivisionBeim LIX. Armeekorps, später XXIV. Panzerkorps; ebenfalls als nicht mehr einsatzfähig gemeldet

Stimmt die Zuschreibung? Eine Datierung

Die Angabe des Händlers hält der Prüfung stand: Das Flugblatt stammt aus dem März 1944 und gehört in die Entstehungsphase des Hube-Kessels. Genauer lässt es sich auf die Tage um den 22. bis 25. März 1944 eingrenzen. Vier Beobachtungen stützen das.

Die Ortsnamen. TREBUCHOWZY ist das heutige Trebuchiwzi (russ. Требуховцы) am Fluss Olchowez bei Medschybisch, etwa 30 Kilometer östlich von Proskurow. Wer von dort nach Westen zurück wollte, war auf die Straße nach Proskurow angewiesen – genau die „Rollbahn“, deren Sperrung das Flugblatt ankündigt. SARATJE ist vermutlich das Dorf Saruddja (ukr. Заруддя) am Fluss Buschok nordöstlich von Proskurow, das früher ebenfalls zum Amt Medschybisch gehörte. Die Schreibweise im Flugblatt wäre dann ein Umschrift- oder Satzfehler. Beide genannten Dörfer lägen damit im selben Raum zwischen Proskurow und Medschybisch.

Die Lage. Das Flugblatt beschreibt deutsche Truppen östlich von Proskurow, deren letzter Rückweg gerade abgeschnitten wird. Das passt auf die Tage ab dem 22. März, als die 1. Gardearmee Proskurow von Westen umfasste. Am 25. März war die Stadt gefallen. Danach hätte die Warnung vor dem Verlust der Rollbahn keinen Sinn mehr gehabt.

Manstein. Das Blatt nennt Mansteins Hilfeversprechen als aktuelle Gefahr. Hitler enthob Manstein am 30. März 1944 seines Kommandos. Ein Text, der nach Anfang April entstanden wäre, hätte ihn kaum noch erwähnt.

Der Schlamm. Die Klage über Landstraßen, auf denen man wegen des Schlamms kaum vorwärtskommt, beschreibt die Rasputiza, die im März 1944 beide Seiten lähmte.

Ein Widerspruch: Tarnopol

Ein Satz passt nicht ins Bild. Das Flugblatt behauptet, die Besatzung von Tarnopol sei bereits „vernichtet“. Tatsächlich hatte Hitler Tarnopol am 10. März zum „Festen Platz“ erklärt. Die Stadt wurde erst am 23./24. März eingeschlossen, und die rund 4.600 Mann starke Besatzung ging erst Mitte April unter; nur wenige Männer erreichten die deutschen Linien.

Nach Mitte April kann das Flugblatt aber nicht entstanden sein, denn dann lagen Proskurow und die vier Divisionen längst hinter der Front. Die wahrscheinlichste Erklärung: Die Propagandisten nahmen das Ende Tarnopols vorweg. Sowjetische Truppen waren bereits am 10. März in die Stadt eingedrungen, und der erste deutsche Entsatzversuch scheiterte am 25. März. Frontpropaganda arbeitete häufig mit solchen Übertreibungen.

Fazit der Prüfung

AngabeBefund
Jahr 1944Bestätigt
Bezug zum Hube-KesselBestätigt – genauer: zur Einschließung der 1. Panzerarmee, unmittelbar vor der Bildung des Kessels
Wahrscheinlicher Druckzeitraumca. 22.–25. März 1944
HerausgeberPolitische Verwaltung einer Front oder Armee der 1. Ukrainischen Front (Unterschrift „Das Kommando der Roten Armee“)
Offene FrageBehauptung zu Tarnopol

Wie das Flugblatt argumentiert

Das Blatt ist kein allgemeiner Aufruf, sondern auf eine konkrete Lage zugeschnitten. Genau das machte sowjetische Frontflugblätter der späten Kriegsjahre wirksam: Sie nannten Divisionsnummern, Dörfer und Straßen, die die Leser selbst kannten. Wer im Schlamm östlich von Proskurow lag, musste sich angesprochen fühlen.

Der Text folgt einem erkennbaren Bauplan:

  1. Lage schildern: Ortsnamen, Zeitangaben („in einigen Stunden“), der Schlamm – alles soll beweisen, dass der Absender genau Bescheid weiß.
  2. Ausweglosigkeit behaupten: Rückzug bedeutet Tod, selbst Dorfstraßen liegen unter Beschuss.
  3. Vorbild anbieten: Über 10.000 Mann hätten sich bereits ergeben. Die Zahl ist nicht überprüfbar und dürfte übertrieben sein.
  4. Warnendes Beispiel: Tarnopol als Schicksal derer, die der eigenen Führung vertrauten.
  5. Die Führung vom Soldaten trennen: Hitler brauche den Tod der Soldaten, um sich eine „Galgenfrist“ zu verschaffen – Deutschland und die Familien wollten, dass sie leben.
  6. Versprechen: „Vergünstigungen“ für alle, die sich freiwillig ergeben.

Auffällig ist, was fehlt. Viele sowjetische Flugblätter trugen einen aufgedruckten Passierschein, der beim Überlaufen vorgezeigt werden sollte. Dieses Blatt verzichtet darauf. Es setzt allein auf das Argument der verlorenen Lage.

Im Rückblick ging die Rechnung der Verfasser nicht auf. Der Ring um die 1. Panzerarmee blieb lückenhaft, der Ausbruch nach Westen gelang, und die Disziplin im Kessel hielt deutlich besser als bei Stalingrad oder Tscherkassy. Für die Soldaten, die das Blatt in der Hand hielten, war das Ende im März 1944 aber keineswegs absehbar.

Verbotene Lektüre: Warum es dieses Blatt eigentlich nicht geben dürfte

Dass dieses Flugblatt heute in einer Sammlung liegt, ist keine Selbstverständlichkeit. Feindflugblätter galten als „Feindpropaganda“. Soldaten hatten sie ungelesen einzusammeln und abzuliefern; Besitz und vor allem Weitergabe waren streng verboten und konnten mit Gefängnis bestraft werden. Wer ein solches Blatt weiterreichte oder mit Kameraden darüber sprach, riskierte im schlimmsten Fall ein Verfahren wegen „Wehrkraftzersetzung“. Die zunehmende Schärfe der Strafen und die „Aufklärung“ der Truppe über Feindpropaganda zeigen, wie nervös die Führung ab 1942/43 wurde.

Dazu kam eine ganz praktische Gefahr. Wer bei einer Kontrolle oder nach einer Verwundung mit einem sowjetischen Flugblatt in der Tasche angetroffen wurde, machte sich verdächtig, an Überlaufen zu denken. Die Masse der Flugblätter verschwand deshalb im Schlamm, im Feuer oder wurde als Zigarettenpapier verbraucht. Nur ein geringer Teil der abgeworfenen Blätter wurde überhaupt aufgehoben.

Trotzdem behielten Soldaten solche Blätter – aus Neugier, als Andenken oder als stille Rückversicherung für den Fall der Gefangenschaft.

Unser Blatt trägt die Spuren eines solchen Weges. Die Faltkanten und der Abrieb sprechen dafür, dass es zusammengelegt in einer Brieftasche, einem Soldbuch oder einer Uniformtasche steckte. Wer es mitnahm, muss es durch den Kessel und den Ausbruch nach Westen getragen haben – oder er geriet mit ihm in Gefangenschaft. Denkbar ist auch, dass es gar nicht aus deutscher Hand stammt, sondern von Einheimischen oder sowjetischen Soldaten aufgehoben wurde. Die genaue Herkunft ist unbekannt.

Ein Wort zur Echtheit: Auf dem Sammlermarkt kursieren auch Nachdrucke. Holzhaltiges, vergilbtes Papier, der unsaubere Druck, die Seriennummer und die Gebrauchsspuren sprechen für ein Original aus der Zeit. Ein Beweis sind sie nicht; ein Abgleich mit Sammlungen sowjetischer Flugblätter könnte Nummer 1042 zweifelsfrei zuordnen.

Fazit

Das Flugblatt Nr. 1042 ist ein Zeugnis aus den wenigen Tagen Ende März 1944, in denen sich der Ring um Hubes 1. Panzerarmee schloss. Es zeigt, wie genau die sowjetische Frontpropaganda inzwischen arbeitete, und zugleich, wie weit Behauptung und Wirklichkeit auseinanderliegen konnten. Vor allem aber ist es ein Stück Papier, das nach den Regeln seiner Zeit hätte vernichtet werden müssen. Dass jemand es trotzdem einsteckte und aufbewahrte, macht es zu mehr als einem Propagandadokument: zu einer stillen Spur eines einzelnen Menschen im Kessel.

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»Ihr lieben Schülerinnen!« – Zwei Feldpostbelege eines Wittinger Lehrers (1940)

Zu Ostern 1940 verließ an der Mittelschule Wittingen ein Mädchenjahrgang die Schule. Ihr Lehrer war bei der Abschiedsfeier nicht dabei – er stand seit 1939 als Soldat im Feld. Dass er den Kontakt zu „seinen“ Schülerinnen dennoch hielt, bezeugen zwei erhaltene Feldpostbelege aus dem Frühjahr und Sommer 1940.

Der Verfasser ist Paul Ahrens, von 1936 bis zu seiner Einberufung 1939 Rektor der Mittelschule Wittingen. Er unterzeichnet die Osterkarte mit „P. Ahrens“.

Das erste Stück, eine Postkarte vom 3. April 1940, ist ein Ostergruß an Grete Tietjen und Gertrud Meyer in der Wittinger Junkerstraße. Ahrens dankt den beiden für ihre Grüße von der Abschiedsfeier und bedauert, nicht „vor Eurem Abschied von der Schule noch einmal bei Euch sein zu können“ – ein knapper, herzlicher Gruß aus der Ferne.

Der zweite Beleg, ein Brief vom 25. Juni 1940 – wenige Tage nach dem Waffenstillstand mit Frankreich –, richtet sich an den ganzen Kreis der ehemaligen Schülerinnen. Ahrens war verwundet worden. Er dankt für einen Blumenstrauß, der ihn „in den ersten Tagen meines Lazarettaufenthalts in Hannover so sehr erfreute“, und berichtet, dass es ihm inzwischen wieder gutgehe. Geschrieben ist der Brief aus dem Fischerhof in Uelzen, einem früheren Ausflugs- und Wochenendhotel im Stadtforst, das im Krieg als Erholungsstätte für Verwundete diente (heute Jugendherberge). „In wenigen Tagen aber gehe ich auf meinen Wunsch wieder zur Kp. zurück“, kündigt er an.

Dem Brief ist ein Rundschreiben angefügt: Er sollte von Hand zu Hand weitergereicht werden, jede Empfängerin ihre Anschrift ergänzen und ihn weitergeben. Die beiliegende Liste nennt acht ehemalige Schülerinnen – Grete Tietjen (inzwischen in Erfurt), Chr. Berndt, Lotte Wobick (an einer BDM-Haushaltungsschule in Hinterpommern), Elisabeth Schlisky, Elsbeth Prange, Gerda Dreß, Gerda Schulze und Gertrud Meyer (in Hannover). Die Wohnorte zeigen, wie weit sich der Jahrgang binnen weniger Monate zerstreut hatte: von Wittingen und dem Umland bis nach Erfurt, Schleswig-Holstein und Pommern, meist im Haushaltsdienst oder in der Ausbildung.

Die Feldpostnummer des Absenders, 04398 B, lässt sich auflösen: Sie bezeichnete die 9. Kompanie im III. Bataillon des Infanterie-Regiments 548 und wurde in dieser Form vom 28. April bis zum 14. September 1940 geführt.

Beide Belege sind kleine, aber sprechende Dokumente: Sie zeigen einen Lehrer, der noch aus dem Lazarett heraus den Zusammenhalt einer Klasse pflegt, die kaum entlassen schon in alle Himmelsrichtungen verstreut war.

Feldpostkarte von P. Ahrens an Grete Meyer und Gertrud Tietjen

Frl. Grete Tietjen

Gertrud Meyer

Wittingen (Hann)

Junkerstraße

3.4.1940.

Liebe Grete u. Gertrud!

Euch beiden, die Ihr zum Osterfeste meiner gedachtet, grüße ich aus der Ferne und danke zugleich auch für die Grüße von Eurer Abschiedsfeier. Ich hätte gewünscht, vor Eurem Abschied von der Schule noch einmal bei Euch sein zu können, wünsche Euch nun aber für das fernere Leben alles gute.

Euer P. Ahrens

Feldpostbrief von Hptm. Ahrens an seine ehemaligen Schülerinnen

Abs. Hptm. Ahrens

Feldp. Nr. 04398B

25.6.1940

Ihr lieben Schülerinnen!

Erst heute kann ich Euch für den wundervollen Blumenstrauß danken, der mich in den ersten Tagen meines Lazarettaufenthalts in Hannover so sehr erfreute. Gertrud Meyer hat Ihre Sache wirklich gut gemacht. Ich habe nur bedauert, daß ich ihr am nächsten Tage nicht noch persönlich danken konnte.

Ich habe es denn schriftlich getan, wußte aber, da ich Ihre Anschrift nicht hatte, den Brief nicht loszuwerden.

Jetzt geht es mir schon sehr gut wieder. Der Fischerhof in Uelzen, wo ich jetzt bin und wo mich auch Sigrid Markwort vor einigen Tagen besuchte, ist mit seinem schönen Walde wirklich eine geeignete Erholungsstätte für Verwundete. In wenigen Tagen aber gehe ich auf meinen Wunsch wieder zur Kp. zurück.

Mit nochmaligem Dank grüßt Euch alle

Euer Ahrens.

Bitte um Weitergabe mit blauer Briefkarte vom 11.6.40 an: (wer die Anschrift weiß, schreibt sie hinter die Namen; wer d. Brief gehabt hatt, schreibt das dahinter.).

Grete Tietjen, Erfurt, Dalbergsweg 29 ja

Chr. Berndt, Rade, Post Wittingen, bei Heinicke gesehen

Lotte Wobick, Warnin, Krs. Belgard, BDM Haushaltungsschule ja

Elisabeth Schlisky bei P.G. Schröder, Wewelsfleth, Krs. Steinburg ja

Elsbeth Prange, Wiswedel, Wittingen Land ja

Gerda Dreß, bei Hamborg, Klein Liedern, Krs. Uelzen (Hann.) ja

Gerda Schulze, bei Hof-Schulz, Wittingen, Hindenburgwall 9? ja

Gertrud Meyer, Hannover, Brühlstr. 13III bei Schlüter ja

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Kriegserlebnisse von Hans Hansen – Füsilier-Regiment 86 (2. August 1914 – 1. März 1919)

Das hier veröffentlichte Kriegstagebuch führte Hans Hansen als Kriegsfreiwilliger und späterer Offizier des Füsilier-Regiments „Königin“ Nr. 86. Er selbst wählte dafür die Überschrift „Kriegserlebnisse“. Die Aufzeichnungen liegen in einer abgetippten Fassung vor, die Hans Hansen vermutlich selbst angefertigt hat. Sie umspannen die gesamte Dauer des Ersten Weltkriegs – von der Mobilmachung im August 1914 bis zur Entlassung aus dem Militärdienst im März 1919 – und geben in knappen, oft stichwortartigen Einträgen ein unmittelbares Zeugnis vom Alltag eines jungen Frontsoldaten. Zum Kriegstagebuch gehört zudem ein Fotoalbum, aus dem einige Aufnahmen in diesem Blogbeitrag gezeigt werden

Der Verfasser

Hans Hansen meldete sich am 7. August 1914 freiwillig zum Kriegsdienst; zunächst wurde er abgewiesen, wenige Tage später aber bei den „86ern“ angenommen. Sein Bruder Andreas Hansen – im Tagebuch mit dem vermuteten Spitznamen „Andje“ genannt – begleitete ihn durch weite Teile des Krieges. Aus den Einträgen wird deutlich, dass Hansen aus dem nordschleswigschen Raum stammte: Der vorangestellte Geburtstagsgruß der Großeltern und Verwandten trägt den Poststempel Lügumkloster (Løgumkloster) und erreichte ihn kurz vor seinem Geburtstag am 19. Dezember 1914.

Hansens militärischer Werdegang lässt sich anhand seiner Beförderungen ablesen. Vom einfachen Füsilier stieg er über die Ränge des Gefreiten (September 1915), Unteroffiziers (April 1916) und Feldwebels (Ende 1916) bis zum Leutnant auf, zu dem er am 11. Juli 1917 ernannt wurde. Für seinen Einsatz erhielt er das Eiserne Kreuz II. Klasse (August 1916) und I. Klasse (Sommer 1918) sowie das Verwundetenabzeichen.

Kriegsverlauf und Verwundungen

Das Regiment führte Hansen zunächst nach Belgien und an die Westfront in den Raum um Coucy-le-Château, Noyon und die Aisne. Die Einträge schildern den Stellungskrieg mit seinen Wachdiensten, Schanzarbeiten und Bombardements ebenso wie kurze Momente der Verbrüderung mit gegnerischen Landwehrleuten. Im Verlauf des Krieges lag Hansen dreimal im Lazarett. Zunächst führte ihn im Juni und Juli 1915 eine Kontusion des Kopfes für rund drei Wochen aus dem Dienst; über den Jahreswechsel 1915/16 folgte ein längerer Aufenthalt wegen einer Mandelentzündung. Am schwersten wog jedoch der Granatsplitter im Oberkörper, den er sich im März 1918 zuzog und der ihn bis Ende Juli desselben Jahres außer Gefecht setzte.

Nach seiner Genesung wurde Hansen zur Fliegertruppe versetzt und legte im November 1918 die Feldpilotenprüfung ab. In den letzten Einträgen spiegeln sich die Umbrüche der Novemberrevolution: In Pritzwalk erlitt Hansen einen Revolverschuss, kam kurzzeitig in Haft und wurde schließlich am 1. März 1919 vom Bezirkskommando entlassen – „endlich wieder in Zivil“.

Zwischen den Fronteinsätzen kehrte Hansen mehrfach in die Heimat zurück. Das Tagebuch verzeichnet vier Urlaube: einen ersten im September 1915, den Weihnachtsurlaub 1916, einen weiteren Ende August bis Mitte September 1917 sowie einen letzten im August 1918. Diese Wochen fern der Front bildeten wiederkehrende Ruhepunkte in einem ansonsten von Wachdiensten, Märschen und Gefechten geprägten Alltag.

Zur Wiedergabe des Textes

Rechtschreibung, Zeichensetzung und Wortwahl folgen dem Original; sie wurden bewusst nicht an heutige Normen angepasst, um den authentischen Charakter der Aufzeichnungen zu bewahren. Eckige Klammern kennzeichnen behutsame Ergänzungen zur besseren Verständlichkeit – etwa die Auflösung von Abkürzungen wie „2.K.F.R.86“.

Hans Hansen (vermutlich 1914)
Hans Hansen (vorn rechts), vermutlich zwischen 1914 und Juli 1916
Hans Hansen (links) bei den Minenwerfern, vermutlich 2. Hälfte 1917
Hans Hansen – vermutlich zwischen Juli 1917 und Juli 1918
Hans Hansen, wohl Ende 1917/Anfang 1918
Hans Hansen im Bett liegend im Lazarett – vermutlich 1918
Hans Hansen – Sommer 1918 nach der Verleihung des Eisernen Kreuzes I. Klasse und des Verwundetenabzeichens
Hans Hansen (rechts) während einer Segeltour im Juli 1918

Geburtstagsgruß an Hans Hansen (15. Dezember 1914)

Poststempel: Lügumkloster 15./12 14 2-3N.

Lügumkloster, den 15-12-14.

Lieber Hans!

Zu deine am 19 fallende Geburtstag sendet Dich Dein Großeltern ihre herzlichsten Gratulation und Glück wünsche unsere besondern Wunsch ist die daß du Gesundt und Wohl mit Siegesfreude im Elternhaus zurükkehren möge, das ist unsere diesjährige Geburtstagswunsch an Dich. Gesundes Weihnachtsfest und frohes Wiedersehen und herzl Gruß, an Euch beide Brüder von Euren Großeltern H. Tastensen und Müller

Liebes Hansele! Zum Geburtstagstage senden Tante Liesbeth und Onkel Hans Dir die besten Glückwünsche hoffend, Dich im Jahre 1915 heil gesund und munter hier begrüßen zu können.

Die besten grüße auch an Andreas. Dein Onkel Hans.

Kriegserlebnisse von Hans Hansen

August

2. Mobilmachung.

7. Ich melde mich freiwillig. Mit Heinz bei 84 in Flensburg. Nach stundenlangem Warten abgewiesen.

12. Bei den 86ern als  Freiwilliger angenommen. Fidele Ausbildungszeit auf dem M.T.V. Platz, dem Schützenhof und in Handewitt.

September

14. Schon werden wir eingekleidet in Grau.

15. Frühmorgens In die Kaserne. Patronen empfangen und mit Musik geht’s an die Bahn. Unglaubliche Begeisterung. Wir werden mit Liebesgaben überschüttet. Begeisterte Fahrt über Hamburg, Bremen, Osnabrück, Münster.

16. Wir kommen in Düsseldorf an. Abends in der Stadt in Quartier. Glänzende, begeisterte Aufnahme. Schöne Tage in der Stadt. Ausmärsche in die Umgegend über den Rhein.

23. nachts Alarm. An den Bahnhof. Endlich geht es los.

24. In Herbestal halten wir, viele Züge mit Gefangenen und auch Verwundeten kommen vorbei. Wir machen einen kleinen Marsch nach Belgien hinein. Weiter über Lüttich, Tirlemont, Löven, Brüssel

26. In Valenciennes bleibe ich beim Lebensmittelholen mit noch ein Paar Mann sitzen. Mit einem Munitionszug holen wir den Transport in Pepister wieder ein.

28. Nach endloser Fahrt, mit einigen erregenden Momenten, zum Schluss stoßen wir noch mit einem Zug zusammen, kommen wir in Coucy le Chateau an. Hier werden wir ausgeladen und marschieren in eine Schlucht bei Autreches. Dort bauen wir Zelte. Es ist lausig kalt. Tagsüber hausen wir in einer dreckigen Schlucht. Ich werde der 2. K. F. R. 86 [2. Kompanie Füsilier Regiment 86] zugeteilt. Wir bleiben noch Reserve.

Oktober

2. Wir kommen zur 2. Komp. nach vorne. In den Schützengraben. Ziemlich ruhig. Abgelöst, zurück in eine Schlucht bei Nampcell.

Schwer bepackt in einen Graben bei Moulin. Kalter Vorposten. Graben vertiefen mit kleinem Schanzzeug. Nachts kommt Essen ran. Schwere Schiffsgeschütze schiessen den 84er Graben zusammen.

Schon wieder abgelöst und belastet mit grossen Hacken und Schaufeln über Nampcel, Blerancourt, Pontoise, Noyon. Nach Chiry marschiert. Brigadeschutz. Herrliches Obst.

11. Auf Dorfwache. Abends abmarschiert nach Dreslincourt. In Kellergewölbe.

12. Durch den Wald hinauf in die Steinhöhlen zur 8. Komp. Nachts auf Horchposten.

Wir liegen an einem Waldrande, der Franzose etwa 80 m entfernt auch m Waldrande, dazwischen eine Lichtung. Wir liegen in 4 Unteroffiziersposten in Zelten, die Feldwache in einer Steinhöhle 200 m dahinter, die Komp. in einer Höhle und einem Haus 200 m hinter der Feldwache. Durch die Stellung geht eine Chaussee.

Wir liegen abwechselnd auf U. Posten und in der Höhle. Das Essenholen und Wasserholen ist ein Krampf, es dauert 4 Stunden. Der Zugführer Lübker schikaniert uns Freiwillige.

31. Hamburger Landwehr kommt als Ersatz.

November

1. Wir machen Streifen durch die ungeheure Höhle, in der sich grosse Champignonanlagen befinden.

Wir werden 400 m hinter der Linie gedrillt, zielen auf Pappscheiben!? Unterricht beim Hauptmann. Ruhe kennt man überhaupt nicht.

Wir bauen Stellung und die Höhle aus.

11. Ein blödsinniges Gewehrfeuer von den Franzosen, wir mit M.M. in unsere Feldwachstellung, in die nassen Löcher. Unser Artilleriezug, der in einer Waldecke lag, schiesst wie wild. Ob der Franzm. angreifen wollte? Wir hatten 3 Mann Verluste.

14. Es ist wieder ruhig. Hiller schleift uns weiter.

18. Bis jetzt habe ich in der Stellung 140 Stunden Wache geschoben.

23. Wir haben jetzt einen Schützengraben für unsere Vorposten ausgehoben. Auch Unterstände bauen wir. Das Wetter ist regnerisch und kalt.

29. Mit den Franz. uns gegenüber haben wir Freundschaft geschlossen, wir tauschen Zeitungen aus. Es sind Landwehrleute. Die Posten schiessen nicht mehr. Wir kommen gut miteinander aus.

Dezember

2. Die Freundschaft ist aus. 2 Elsässer von uns sind übergelaufen, worauf uns weiterer Verkehr verboten wurde.

8. Wir schiessen 2 franz. Meldehunde ab und holen sie nachts. Unsre Stellung bauen wir noch weiter aus, es ist schon die reine Festung.

14. Ein Zug der 8. verstärkt uns, wir bekommen mehr Ruhe in der Höhle.

19. Ich schiebe Posten, erst als Andje mir am Mittag gratuliert[,] merke ich, dass mein Geburtstag ist.

20. In der Höhle ist eine Weihnachtsfeier. Wir haben die Spitze einer Tanne abgesägt und in der Höhle geschmückt. Ich bin leider auf Posten. Wüste Schiesserei.

21. Wir werden abgelöst von 163. Ein doller Marsch durch den verschlammten Wald, an dem einst so schönen, jetzt gesprengten Turm in Chiry vorbei, todmüde, während des Marsches schlafe ich – Erst als wir mit „Schleswig-Holstein“ in Noyon einmarschieren[,] wird man wieder richtig wach.

22. In Noyon in Quartiere.

23. Wir sehen uns die wunderschöne Stadt an. Abmarsch über Pontoise, Blerancourt nach St. Paul.

24. Weihnachten. Wir haben den Verhältnissen entsprechend sehr nett gefeiert.

26. Wir exercieren. Nachm. marschieren wir bis dicht an die Front, da ein Angriff kommen sollte. Es kam aber nichts.

27. Am nächsten Morgen um 10 Uhr zurück.

Abends um 8 marschieren wir über Nampcel nach Moulin sous Touvent. Es klatscht Bindfäden vom Himmel.

28. Morgens um 2 kommen wir durchnass in Moulin an, wo wir in einer grossen Steinhöhle Unterkunft finden. Nun wird geratzt.

30. Wir schleppen die ganzen Häuser von Moulin in einen Verbindungsgraben, um ihn trocken zu legen. Nachts schleppen wir Material nach vorne in die Gräben, dicke Bohlen.

Kriegserlebnisse 1915

Januar

1. O diese Neujahrsnacht! Von Abends um 9 bis Morgens um 7 mit einer dicken Bohle durch die verschlammten Gräben unterwegs. Und dann am Tage wieder Steine geschleppt. Was sagt Tietz: „Rrrromi s ok nich an een Dag buut.“ Dreckig und lehmig sind wir von oben bis unten. Wir schleppen weiter. In der Höhle ist es ganz nett.

6-8 Abends zuckeln wir los im Regen in den aufgeweichten Schützengraben. Luftbude, Überschrift: „Der Durchlecken“. Es regnet weiter, bis an die Knie im Dreck. Alles ist weich und nass, nur der Humor ist trocken. Postenschieben alle 4 Stunden. Zur Erholung dann ins Brausebad. Stundenlanges Essenholen nachts durch den verschlammten Verbindungsgraben.

15. Abgelöst durch dir 9. Mit schwerem Affen über Nampcel nach Blerancourtdelle ins Quartier. Geratzt. Baden Blerancourt, Appell mit allen Sachen, Exercieren.

25. Abends marschieren wir wieder nach Moulin in den Schützengraben. Ganz ordentlicher Unterstand. Schönes Frostwetter, kein Artilleriefeuer.

Februar

1. Immer noch im Graben. Tauschnee und Regen. Es ist mords schmierig. Die ganzen Lehmwände rutschen ein. Wir haben mächtig zu schuften. Wir buddeln einen bombensichern Unterstand. Wir bekommen noch wenig Feuer. Nur beim Essenholen im Dorf gibt es Dunst durch die Schlucht.

6. Wir ziehen in unsern Bombensichern. Postenschieben – Regenschauer.

Jetzt gibt es auch Artilleriedunst.

15. Nachts abgelöst, in der Schlucht gibt es natürlich eine Abreibung, durch das immer mehr zerschossene Moulin über Nampcel nach Blerancourtdelle ins alte Quartier.

Grosse Reinemachetage des inneren und des äusseren Menschen. Exerciert wird auch heftig weiter.

20. Schon marschieren wir wieder nach vorne in die Höhle von Moulin. Sehr nette Tage. Nachts schanzen, tagsüber Klimbim in der Höhle. Harmonika und Trommelmusik, Tanz der Füsiliere.

25. Wir rücken in die Graben. Alle 2 stunden Posten stehen. Dabei dauernder Regen. Jeden Abend um 6 beehrt uns der Franzmann mit einem ausgiebigen Artilleriesegen.

März

1. Noch in derselben Stellung bei Hagel und Schnee.

9. Wir kommen 500 m  weiter links in Stellung, 600 m vom Feind ab, den man wegen eines Hügels vor der Stellung garnicht sieht. Nur ein Paar Joffreschüsse.

Wir schiessen Rebhühner im Drahtverhau und braten sie uns.

15. Man impft uns im Graben gegen Cholera.

15. Ich mache Bekanntschaft mit Läusen. Aber gleich die zünftige Sorte.

17. Abgelöst. Der Marsch nach Blerancourtdelle kostete nicht wenig Schweiss.

18. Grosse Entlausung in Blerancourt. Das übliche Scheuern und Exercieren. Schöne sonnige Tage. Wir machen Scheibenschiessen und spielen Schlagball.

27. Wir marschieren nach vorne und kommen als Arbeitsreserve in Unterstände am Hange der Moulinschlucht. „Genesungsheim“ Den ganzen Tag schleppen wir Baumaterial nach vorn in die Gräben

April

1. Noch im „Genesungsheim“. Holzhacken in der Schlucht. Ein fürchterlicher Dreck. Es regnet. Die Schlucht bekommt infamen Dunst.

11. Wir sprengen vorne einen entdeckten feindlichen Unterminierstollen, worauf der Franzose durch einen zweiten einen ganzen Zug von uns in die Luft sprengt. Riesige Trichter. Wir graben nachts noch 6 lebende und 2 Tote aus von den Verschütteten, die bald 6 Stunden lebend begraben waren. Sie sind halb irrsinnig vor Freude. 9 werden noch vermisst. Im Trichter gibt es asiges Feuer.

13. Wir lösen die 4. Komp. in den Trichtern ab. Ich stehe im grossen Trichter Posten, an dessen vorderen Rande wir uns Postenlöcher buddeln. Furchtbares Minen und Artfeuer auf den Trichter. In einer Nacht 3 Tote und 5 Verwundete. Dazu Tränengas, selbst in dem Unterstand, wo wir abgelöst unterkriechen, laufen uns die Tränen dauernd über die Backen.

16. Gott sei Dank abgelöst, im Laufschritt aus der Stellung. In der Schlucht sammeln wir uns und marschieren nach Le Fresnes.

Rache für die Sprengung.

18. Mit noch 50 Mann der Komp. marschiere ich zu einem Patrouillenunternehmen in den Graben. Wir sollen untersuchen[,] ob der Franz. von seinem 1. Graben aus noch mehr Minenstollen unter unsere Stellung getrieben hat. Wir legen uns in Unterschlüpfe in der 1. Stellung. Um 5 Uhr Nachm. beginnt unsere Art. 10,5 cm, 12 cm, 15 cm und 21 cm die hintereinander liegenden 3 Stellungen des Feindes zu bepflastern. Um 7 treten wir raus zum Sturm, da empfängt uns aus dem kaum versehrten 1. feindl. Graben ein wüstes M.G. und Gewehrfeuer. Wir zurück in unsern Graben. Unsere Art. schoss noch eine Stunde, doch das Unternehmen wurde aufgegeben. Wir marschierten noch die Nacht merkwürdigerweise ohne Revanchefeuer in die Höhle der Carrierferme bei Nampcel. Von dort 19. wieder nach Le Fresnes.

Schöne Tage. Appell.

26. Abends rücken wir wieder bei Moulin in Stellung. Ruhige Ecke. Sonnenschein.

Mai

1. Brennend heisse Tage in Graben. Die Franzosen sind ruhig, abends singen sie die Marseillaise im Graben, wir blasen ihnen etwas auf der Trompete vor.

7. Abgelöst kommen wir in die Höhle eines Steinbruches 1000 m hinter der 1. Linie. Nachts heben wir vorne Reservestellungen aus. Tagsüber hausen wir bei einer Bruthitze i Steinbruch oder bauen Unterstände in Tondern-Schlucht vor dem Steinbruch. Häufiger Fliegerbesuch.

17. Wieder in dieselbe Stellung neben den 89. Franzmann baut italienische Fahnen auf seinem Graben auf, da Italien uns den Krieg erklärt hat. Wie schiessen sie mit Gewehr runter.

25. Franz. bekommt, um seine Freude über Italiens Verrat eine Abreibung unserer 21er, Ringkanonen und 2 Z[e]tner Minen. Man dankt mit Gegenleistung.

27. Wir werden abgelöst und kommen in Carriereferme bei dem wunderschönen Schloss Audignicourt. Das Quartier ist ein schauderhafter Pferdestallt, wo einem die Ratten nachts über den Kopf laufen. Als ob das den Schlaf stören könnte! Schanzen und die üblichen Appels. In der freien Zeit spiele wir Schlagball mit der M.G.K.

Juni

1. Abends nach Le Fresnes marschiert. Ganz nette Quartiere. Spielen Fussball.

3. Wir sind jede Nacht vorne und heben mit Volldampf eine Reservestellung aus. Warum wohl die Eile? Vorne auf unsern Gräben liegt dauernd schweres feindliches Art. Feuer.

5. Abends werden wir plötzlich alarmiert und marschieren bis dich vor Nampcel, wo wir in einer Waldschlucht liegen bleiben. Vorn tobt schwerer Art.Kampf. Um 12 Uhr nachts werden wir an einen Hang südlich des Steinbruches, 500 m hinter der Stellung herangezogen. Wir buddeln dort mit kleinem Schanzzeug einen kaum 1 m tiefen graden Deckungsgraben.

6. Um 6 Uhr morg. belegt die feindliche Artillerie unsere Gräben und die Schluchten am Steinbruch mit mörderlichem Vernichtungsfeuer. Wir hocken in unserm Graben Mann hinter Mann mit angezogenen Knieen. Die Beine schlafen ein, es ist kaum auszuhalten, aber raus kann man nicht. Unser Graben bekommt nur einzelne Schüsse. Das Art.Feuer dauert mit kurzen Pausen an. Um 9 flaut es mächtig ab und heftiges Gewehrfeuer setzt ein. Plötzlich kommt Befehl: Der Feind hat angegriffen, die Komp. stürmt den 1. Graben wieder. Wir pflanzen das Seitengewehr auf und vor geht’s über freies Feld. Bald zwingt uns M.G. und Art.Feuer auf dem Bauch weiter vorzukriechen. Vor uns auf einer Chaussee liegen dauernd  schwere Art.Salven. Wir warten eine Salve ab und mit einem Sprung sind wir über die Chaussee , da Feuer liegt hinter uns. Wir springen in einen Verbindungsgraben und toben weiter vor. Bald sind wir in der 1. Stellung, der Feind hat sie noch nicht, nur ein unbedeutendes Sappenstück. Kaum haben wir uns auf der Rückenwehr des Grabens hingepackt, da greift der Feind zum 2. Male an. Es sind Inder, die mit ihren weissen Turbans und Hosen ein gutes Ziel bieten. Wir schiessen was aus der Knarre raus kann. Bald zwingt unser Feuer sie nieder und nur ein paar ab und zu zurückspringende weisse Gestalten bieten ein Ziel. Das nun wieder auf den 1. Graben einsetzende Art.Feuer kostet uns leider noch manchen lieben Kameraden. Jetzt macht sich der Durst bemerkbar. Unsere Tornister haben wir in der Schlucht liegen lassen. Wir hocken in den Unterschlüpfen des vollständig zerschossenen Grabens.

8. Ausser zweitweise furchtbarer Artillerieabreibungen ist nun ziemlich Ruhe.

10. Wir werden abgelöst und kommen als Reserve nach Tondern. Unsere Tornister in der Schlucht sind von hungrigen Kameraden vollständig ausgeräubert. Das halbe Regiment ist verwundet oder tot, unsere Komp. zählt kaum noch 100 Mann. Das III. Batl. ist fast ganz aufgerieben. Bis auf Art.Feuer leidliche Ruhe.

16. Schweres Feuer, teilweise aus Schiffgeschützen von hinten. Ich werde von einem Volltreffer einer schweren Granate in meinem Unterstand verschüttet. Wir ich wieder etwas zu mir komme, liege ich in einer Steinhöhle. Der Franzose hat wieder angegriffen, diesmal Weisse, 42er Krentruppen aus Belfort. Bis dicht vor den Steinbruch, wo ich liege[,] sind sie schon herangekommen, da wird der Angriff abgewiesen. Wir nehmen unsere Stellung restlos wieder und machen viele Gefangene. 5 Mann unserer Komp. nehmen 120 Franzosen im Verbindungsgraben gefangen. Von dem Lazarett im Steinbruch werde ich im Sanitätswagen nach Blerancourt und von [Ergänzung jw: dort] im Zuge nach Chauny gebracht. Contusion des Kopfes sagt der Arzt. ich habe wahnsinnige Kopfschmerzen.

18. Ich komme ins Lazarett nach Viy. Liege bald dauernd im Schlaf.

21. Mein Kopfweh nimmt ab. Sehr viel Ruhe. Gute und reichliche Kost. Schöne Tage in der Kirschenzeit.

26. Andje besucht mich.

28. Urlaub nach Chauny, wunderschöne Stadt.

Juli

1. Man will mich nach Belgien schicken, ich will zur Komp.

5. Aus dem Lazarett entlassen, über Chauny mit der Bahn nach Blerancourt zu Fuss zur Komp. nach Lombray. Reichlich Exercieren. Sonst aber sehr schöne Tage mit Butzbach zusammen. Nachts marschieren wir nach vorne zum Schanzen. Die Stellung ist noch arg zerschossen.

12. Wir rücken wieder ins Genesungsheim. Tag und Nacht schanzen wir an neuen Stellungen und Verbindungsgräben.

22. Wir lösen vorne im Graben ab. Täglich schweres Minenfeuer. Wir bauen tiefe Unterstände. In unserm Sappenkopf sind wir 4 m vom Franzmann ab, an sieht die Posten. Ein schwerer Marmeladeneimern von unsern M. Werfern zerstört seine Sappe. Jetzt liegt er bald 15 m entfernt. Die Läuseplage ist unbeschreiblich, man kann nicht schlafen vor Ungeziefer.

August

1. Abgelöst, kommen wir nach Le Mesnil in Reserve. Gründliche Entlausung. Dauerndes Arbeiten, dazu jede zweite Nacht nach vorne tippeln zum Schanzen. Der dauernde Hin- und Rückmarsch strengt mords an. Tagsüber Exercieren oder Bäumefällen.

10. Abends wieder in den Graben gerückt. ich mache mit Bönning verschiedene interessante Patrouillen in der Verlängerung unserer Sappe.

14. Franzmann sprengt unsern Sappenkopf und will den Trichterrand besetzen. Wir halten den Trichter. Dauerndes Handgranatengebolze. Wir werfen den Trichter voll Drahtigel. Der Franzose richtet den gegenüber liegenden Rand ein. Blödsinnige Gewehrknallerei.

15. Es ist wieder ruhig, wir bauen den Sappenkopf aus und fangen gleich an die französische Sappe zu unterminieren.

20. Abgelöst und in Arbeitsreserve in den Steinbruch. Materialschleppen, nachts Schanzen. Bruthitze.

29. Wieder in den Graben. Tiefe unterirdische Abreiten. Minenfeuer.

September

1. Wieder Patrouillengänge.

2. Der höchste Grad der Gemeinheit ist erreicht, ich werde Gefreiter.

8. In Reserve nach Le Mesnil marschiert.

9. Grosse Regimentsparade, die Kaiserin ist 25 Jahre Chef des regts.

10. Wir marschieren nach Camelin in Ruhe. Ich liege platt im heftigen Muskelrheumatismus.

16. Ich besucht Andje in St. Paul.

17. Der lang erwartete Urlaub ist endlich raus. Über Blérancourt, Chauny gehts durch Belgien nach Haus. 14 schöne Urlaubstage, ich mache mein Abitur mit mehreren Kameraden. Klappt blendend.

30. Der Urlaub ist zu Ende, ich fahre wieder los.

Oktober

2. In Chauny angelangt. nachm. nach Blerancourt, in den Steinbruch und in den Schützengraben. Ziemlich ruhig. Franzmann stellt dicke Schilder auf von seinen Siegen in der Champagne und bei Arras.

6. Ich bekomme die Nachricht von Vaters plötzlichem Tod. Wir bekommen keinen Urlaub, da das Korps abgelöst wird.

10. Die 84er lösen uns aus der Stellung ab. Wir marschieren über Chauny nach Tergnier, wo wir 2 Tage in Quartier liegen.

13. Wir werden auf die Bahn verladen. Man redet, wir kämen nach Serbien, aber in die Lausechampagne gehts.

15. Bei Challerange werden wir ausgeladen. Vorne tobt heftiges Art.Feuer. Nachtmarsch über Vouziers bis nach Pauvres. Ein kollosaler Marsch, man baut bald ab. In Pauvres ist alles übervoll, sodass wir uns Stroh heranschleppen müssen und unter freiem Himmel auf dem Felde schlafen müssen. Das Dorf ist wie der Name sagt „pauvre!.

16. Wir marschieren über Machault und Etienne in einen Kiefernwald, wo wir Zelte bauen. Eine furchtbar öde Gegend, das Wasser müssen wir kilometerweit herholen. Wir fangen gleich an Unterstände zu bauen und Bäume zu fällen. Es ist mächtig kalt nachts in den Zelten.

22. Wir marschieren nachts nach vorne, wo wir im Totenwäldchen in Luftbuden untergebracht werden. Tagsüber dürfen wir uns nicht sehen lassen, da der Franzmann das Wäldchen einsieht. Wir fangen nachts an Gräben zu bauen, da garkeine vorhanden sind. Wir schleifen die Toten, Zuaven, die von der Offensive massig auf dem Felde liegen in Granatlöcher zum Beerdigen. Der Feind ist nach seiner misslungenen Offensive recht still geworden.

26. Wir kommen in die Sackstellung. Den Feind kann man überhaupt nicht sehen. Wir graben die vielen Toten vor unserer Stellung ein. Unterstände werden angefangen, die Stellung wird ausgebaut.

November

1. In der Nacht auf den 1. abgelöst. Wir hausen wieder in Zelten im Walde auf der Blamonthöhe. Schaurige Regentage, die Zelte halten kaum mehr dicht. Wir bauen wieder an den Unterständen und heben eine 3. Verteidigungszone aus. Bei dem harten Kreideboden eine mühsame Arbeit.

6. Schon kommen wir wieder nach vorne zur Arbeit ins Hanseatenlager. Dauernde Schanzarbeiten und Drahtziehen vor der 2. Stellung, wobei die franz. Art. uns oft vertreibt. Wieder übles Regenwetter, sogar Schnee.

16. Wir kommen in den Graben. Recht übel. Wir schlafen auf den Unterstandstreppen. Tags wird der ganze Kram rausgepackt und der Unterstand weitergebaut. Wir stehen in der Sappe auf Posten. Beim Ausbauen graben wir dauernd Tote von den Herbstkämpfen aus, die eine üble Pestluft verbreiten.

26. Abgelöst ins „Königin Dorf“ in die endlich fertig gewordenen Unterstände und Baracken.

28. Besuche Andje im Lazarett in Machault. Das Lager ist nun ausgebaut, ganz nette Baracken, Wasserleitung ist auch da, ebenfalls Kantinenbuden.

Dezember

6. Wir rücken in 2. Linie. Arbeitsdienst. Liegen in Unterständen hinter dem Bremerlager. Schanzen schwer an Verbindungsgräben, immer durchnass nach dem Lager zurück. Gott sei Dank haben wir einen Ofen.

16. In Stellung gegangen. Ich liege mit Franz Morche als Arbeitsgruppe im Windloch. Tags bauen wir Spanische Reiter und Igel, nachts schleppen wir Bauholz aus dem Bremerlager in den Graben. Da wir das Holz meistens bei den Nachbarkompanien klemmen, nicht zum Depot gehen, haben wir ganz gute Tage.

24. Weihnachten. Franz und ich feiern bei einem kleinen Tannenbaum in unserm Unterstand. Es regnet dauernd.

26. Wir werden abgelöst und marschieren ins Königin Dorf. Appells mit allen Sachen.

28. In unserer Baracke haben wir wunderschön Weihnachten gefeiert. Das Rote Kreuz in Flensburg hatte uns sehr reichlich bedacht. Unsere alte Stellung vorne bekommt fürchterliches Art.Feuer von 21 cm Kaliber und wird ganz eingedeckt.

29. Wir marschieren 2mal am Tage den langen Marsch nach vorne und schanzen auch die Nacht dort. Es ist sehr kalt. Ich hole mir eine Mandelentzündung.

30. Auf kaltem offenen Wagen fahre ich nach St. Etienne, wodurch sich mein Fieber nicht verringert. Im Auto nach Attigny, wo ich mit 41 Grad ins Lazarett komme.

Kriegserlebnisse 1916

Januar

Aus dem Lazarett Attigny kam ich in das Genesungsheim Launois. Sehr nette Tage, gut erholt.

Februar

9. Aus Launois entlassen. Über Machault St. Etienne nach „Königindorf“. Mit der Feldküche zur Komp. In das Bremer Lager. Schwer geschanzt. Als Lorenbremser Minen nach vorne gefahren.

20. Es heisst, wir sollen stürmen. Zurück ins Königin Lager, wo wir eine Übungsstellung ausheben und den Sturm üben.

26. zum 27. Mit um das Kochgeschirr gerolltem Sturmgepäck, langem Spaten und 2 Gurten Patronen rückten wir nach vorne. Im Regts.Depot im Bremer Lager erhielten wir noch jeder 4 Handgranaten, die den genügend grossen Ballast noch erhöhten. Nun quälten wir uns durch den engen Verbindungsgraben nach vorne. Jeden Augenblick hing einem ein Draht im Wege. Meine Stimmung erhöhte sich noch dadurch, dass mein Kommissbrot in den Kreidekleister fiel und demgemäss verdreckte. In K. 1 packte man uns derart dicht in die Unterstände, dass niemand sich rühren konnte. Selbst die Treppe sass bis oben hin voll. Morgens um 10 ging das Vernichtungsfeuer los. Franzmann erwiderte erst wenig, bald aber legte auch er los. Wir unten pennten, rauchten und futterten. Die Luft war derartig dick, dass die Zigarette kaum mehr glühen wollte. Unsere Artillerie trommelte immer heftiger. Um 5 Uhr 15 gingen wir, froh, aus der Stickluft herauszukommen, in den Vorpostengraben, wo die Sturmleitern standen. Franzmann schoss gemeine Schrapnells; über uns ein feindlicher Flieger. Nun legte unsere Artillerie ihr Feuer auf die hinteren Gräben. Um 5 Uhr 35 traten bei den 89ern die Flammenwerfer in Tätigkeit. Das war das Sturmantrittzeichen. „Raus“ schrie alles und schon kraxelten wir die Sturmleitern hoch. Im Nu hatten wir den 1. französischen Graben erreicht, Drahtverhau usw. kaum zuerkennen. Der Boden war fürchterlich aufgewühlt, ein Granatloch neben dem andern. „Einbuddeln“ ruft Carsten Petersen. Ich zieh den Spaten aus dem Sturmgepäck und buddel los. Schon heisst es auch: „Weiter“. Gepäck umgehängt, schon rutscht das Kochgeschirr runter. Kochgeschirr auf das Seitengewehr gehängt, Gewehr um den Hals, Spaten in der linken, Handgranaten in der rechten krabbel ich mich durch den Drahtverhau. Links die Me[c]klenburger zu 6 hintereinander. Franzmann schiesst aus Souain mit M.G. ohne Erfolg. Ich hoppe in den 3. Graben, treffe Vzfw. Skov von der 4. Wir rennen nach rechts und kommen an einen Unterstand. Skov mit Revolver runter, holt 23 Mann raus. Teils sehr ängstlich, teils mit der Zigarette noch im Munde. Ich jage sie über Bank nach hinten. jetzt gibts Dunst , ein 21 cm Geschütz von uns schiesst dau[ernd] zu kurz. Ein Volltreffer davon schleudert Lt. Hambrock zerstückelt in die Luft. Jetzt ist der Komp. ihr Abschnitt zugeteilt und alles buddelt. In unserm Abschnitt ist ein grosser franz. Tunnelunterstand, der uns Verluste erspart. Die gemeine Blitzbatterie schiesst sich auf unsern graben ein.

28. Morgens fangen wir noch einige Franzosen, die sich in einem halbverschütteten Unterstand im Laufgraben verkrümelt hatten. Tags über leidlich ruhig.

29. Morgens kommen wir nach hinten in die Scheinstellung. Abends wieder mit Drahtwalzen nach vorne zum Schanzen.

30. Tagsüber Posten gestanden und im Tunnel gehaust, wo wir Weissbrot und eiserne Portionen futtern und die Briefe und Karten der Gefangenen studierten. Nachts durch Sachsen abgelöst.

März

3. Über St. Etienne, Machault nach Dricourt in Ruhe. Ausbildungszeit. Ende März nach Etienne. von dort nach vorne zum Schanzen, jede Nacht.

29. In Stellung.

April

3. Von Patrouille zurückgekehrt, finde ich mit Hugo Unruh den französischen Fourierunterstand vor der Navarin Ferme. Beute: 450 Fleischdosen, 80 Tafeln Schokolade, Keks, Zucker, Marmelade, Kaffee, Tee, Schnaps, Säcke Patronen, Raketen usw.

5. Zurück ins Bremer Lager.

7. Zum Unteroffizier befördert. Stellung und Ruhewechsel in regelmässiger Folge.

Mai

19. Unser langvorbereiterer Gasangriff steigt endlich bei leidlich günstigem Wind. Mässiger Erfolg.

27. Patrouillenunternehmen bei der Navarin Ferme unsrerseits. Wir machen 70 Gefangene.

30. Ich werde durch regts. Befehl zur 9. Kompanie versetzt.

Juni

1.-12. Schöne Tage im „Königin“ Lager.

13. Abgelöst aus der Champagne vom Res. Regt. 6.

Wir marschieren im Regen über Vaux-Champagne, wo wir von 12-6 Nachts ruhen nach 14. [Juni] Neuvizy. 3 Tage lagen wir dort. 1 Badetag in Launois.

17. Marsch über Wassigny nach Dreize. Zum ersten Mal seit Januar ein richtiggehendes Bett.

Täglich Exercieren.

Juli

2. Besuche ich per Rad Franz Morche in Wagnong.

3. Vom Abend des 2. transportbereit. Morgens um 8 Uhr Abmarsch zum Bahnhof Montmeillant-St. Jean. Bahnfahrt über Laon, La Fere, Tergnier bis nach Ham. Ausgeladen und Fussmarsch über Hombleux nach Rouy le petit. Dort sammelt sich das ganze Regt. und liegt alarmbereit.

9. Vorgezogen nach Pertain.

10. Nachts in Stellung, von Misery an im Gänsemarsch durch die Schlucht von Berny. eben hinter der 1. Stellung bemerkt uns der Franzose und macht einen mords Feuerüberfall. Der Graben ist knietief.

11. Ich hocke in meinem Loch. Mittags und Nachmittags heftige Schiesserei. Unsere Artillerie hilft unsern Graben ebnen. Kräftig gebuddelt.

12. und 13. Einigermassen Ruhe.

14. Minenfeuer.

15. Sehr klares Wetter. Franzmann schiesst mit schwerer. Wahnsinniges Minenfeuer aus Belloy, immer 10 gleichzeitig, noch zu weit. Ich zähle die Stunden. Die erwartete Ablösung kommt nicht.

16. Ziemlich ruhig Vormittags. Von 3-5 Uhr heftiges Minen. und Artfeuer immer näher. Abends löst die 12. ab. Im Marsch Marsch nach Berny. Verlaufen. Wir finden Unterstände in der Schlucht.

17. Tagsüber schweres Artilleriefeuer. Abends in die befohlenen Unterstände auf freiem Felde. Kaffee und Wasser holen. Ohne Essen.

18. In dem Unterstand gepennt. Gasschüsse in die Nähe. Abends zum schanzen nach vorne. Unter M.G. Feuer eingegraben. Bis 1 Uhr dicke Luft.

19. Tagsüber in den Unterständen dau[ernd] die Gasmaske auf. Die ganze Schlucht von Berny voll Gas. Essenholder mit Gasmaske Essen geholt. Abends sollen wir wieder am Verbindungsgraben schanzen, dickes Minenfeuer liegt draussen auf dem Graben. Zurück, alarmbereit.

20. Vorne Trommelfeuer hauptsächlich Minen. um 9.30 höchste Alarmbereitschaft. Um 10 raus zum Gegenstoss. An der Römerstrasse schon treffen wir auf die Franzosen. Gefangene gemacht, hinter der Chaussee Seitengewehr aufgepflanzt und im Marsch Marsch weiter. Alles heil durch das Sperrfeuer. In den 1. Graben, Franz. büxt aus. Nach Belloy reingeknallt, Gefangene über Deckung gejagt. Viele verwundete Gefangene in unserm Graben. Es wird Nacht, wir warten auf Ablösung. Es wird schon hell und grad fordert der Franzmann Sperrfeuer an. Da löst 12. 31 ab. Wir im Galopp nach hinten.

21. Nach Schloss Misery in die Quast Stellung. Bis Abends geschlafen.

22. Um 12.30 bis nach Croix getippelt. Ansprache des Grafen Kielmannsegg. Mit dem Ersatz kommt Andje. Ruhe bis zum 26.

26. Kilometermarsch über St. Quentin, Guise nach Villers les Guise.

27. Weiter nach La Neuville les Doreng. Nettes Quartier, reichlich Butter, Käse und Milch. Ruhe und Ausbildung.

August

3. Bekomme ich das E.K. II. Bis zum 15. Ruhe und Erholungszeit.

15. Wir wollen wieder an die Somme. Abmarsch über Guise, Orignon nach Neuvillette. Dort Nachtquartier.

16. Weitermarsch über St. Quentin nach Quivieres. Nächste Nacht sollen wir in Stellung, da bekomme ich den Bescheid: Zum Offz. Asp. Kurus nach Deutschland kommandiert.

17. Mit Bubi Weiss, Franz Morche und Eugen Commichau hauen wir freudestrahlend nach St. Quentin ab.

Bahnfahrt bis Flensburg zum E. 86. Urlaubstage.

Vom 1. September bis Dezember 1916 war ich beim Offz. Asp. Kurus im Sennelager. 11. Komp. Sonntagsausflüge nach Cassel, Teutoburger Wald, Lippe Detmold, Bielefeld, Porta Westphalica, Paderborn und Lippspringe. Weihnachtsurlaub nach Haus. Zum Vizefeldwebel befördert.

September, Oktober, November, Dezember Kursuszeit im Sennelager.

Kriegserlebnisse 1917

Januar

24. Nach beendetem Kurus Abfahrt an die Front. Langweilige, kalte Bahnfahrt über Hamburg, Münster, Opladen bis 27. Cambrai. Kürassierkaserne.

28. nach Escaudoevres zum Rekr. Depot.

29 über St. Leger nach Sapignie. Tadellose Aufnahme, bei den Feldwebeln gefeiert.

30. zur 9. Komp. nach Achiet le petit in die R. 1 Stellung.

Februar

2. Nachts in den Grandcourt Riegel, böse Ecke, im Granatloch mit 13 Mann.

4. Nachts bei feindlichem Gasdunst den Unterstand angezündet, im Laufschritt durch Grandcourt nach Bihucourt. Kalter vollgequalmter Stall.

5. Nachts nach Miraumont in Bereitschaftstellung. Kaum im Unterstand, los zum Drahtschleppen durch die Granatschlucht nach vorne. Kaum zurück, rote Leuchtkugel, alarmiert und den Miraumontriegel besetzt. Kaum eingerichtet werden wir nach vorn in die 1. Stellung gezogen.

6. Warmer Unterstand aber eng voll und Luftbude.

11. Schwere Artillerie mit Verz. 4. Zug verschüttet ohne Verluste.

11. bis 16. Tage Ruhe und jeden Abend Alarm.

16. Abds. Überläufer bei den I.P.R. erzählte Tommy will morgens angreifen.

Morgens 3 Uhr Ablösung 9.365. Ich als Nachtrupp dageblieben.

Von 6 Uhr Artillerievorbereitung.

Um 7 kommt Tommy massig an[,] nimmt die Moulin Ruine und 11.395 gefangen. 70 m vor uns buddelt er sich ein. Mein Unterstand eingeschossen. Um 12 Uhr abgelöst[,] durch wahnsinniges Sperrfeuer gerannt[.] Kollosales Schwein 4 Mann verwundet.

17. Von Achiet mit Auto nach Sapignie – Gefechtsbericht bei Hauptm. v. Knobelsdorf. Um 5 Uhr kommt Befehl III. 86 stürmt die Mühle wieder.

Todmüde bis Achiet geschleppt, wo Befehl „Gruppe wünscht keine Gegenunternehmung“. 2 Stunden  in Achiet gepennt, dann nach Sapignie zurück. Dort Ruhe bis 1 Uhr 30. Dann nach St. Leger marschiert, wo um 6 Uhr verladen nach Cambrai. Sofort entlaust und gebadet.

18. Morgens nach Escaudoevres. Gutes Quartier. Ausbildungszeit.

22. Morgens aus dem Bett geholt, um als Quartiermacher nach Ecoust St. Mein. Überfülltes Dorf. Ganz nette Schanztage an der Siegfriedstellung bei Bullecourt. Hugo Unruhs Grab in Cagnicourt ausgesucht.

März

2. als Quartiermacher nach Epinoy. Mit Spirka nach Cambrai.

7. Im offenen Kohlenwagen bei Hundekälte nach vorn. Nach Gomiecourt durch tiefen Schlick. Sofort in die R2 Stellung zum Quartier machen.

8. In die R2 Stellung am Logeastwalde gerückt. Gute Unterstände.

12. Nachts vorne die . Komp. abgelöst. ich mit Komp. Führer Jensen als M.G. Zugführer in 2. Linie.

Bis 18. alles vorbereitet zum Rückzug.

19. Rückzug durch den Morast des Waldes über das brennende Gomiecourt. Links und rechts die brennenden Dörfer als Rückzugsfackeln. Marsch bis Lagniercourt.

20. nach Fressies, Mairie.

22. nach Lourches, tadelloses Quartier.

27 nach Bryai bei Valenciennes, wo ich M.G. Trupps ausbilde.

April

8. als Quartiermacher nach Marchiennes-Villes.

9. 2. Ostertag, Kirche. Ich per Rad nach Laläng. Bei Gegenwind übe Fahrt. Eben dort Quartier gemacht, kommt Befehl §Regt. schon im Marsch, bezieht Alarmquartier in Douai“. Wir nach Douai geradelt, dort Quartier gemacht. Regt. bleibt jedoch auf der Strasse in Douai liegen. Während der Naht Lebensmittel empfangen, Regen.

10. Morgens zum Bahnhof. Ich als Quartiermacher mit 1. Transport. Dolle Fahrt, oft gehalten. Flieger beschiesst den Zug mit M.G., zerstört die Gleise durch Bomben. Um 3 Uhr kommen wir in Vitry en Artois an. Auf einem Boden Quartier gemacht. Da Bahn zerstört kommt Komp. erst später an. Bis 1 Uhr Ruhe. Nach Patronen und Handgranatenempfang Abmarsch nach Fesnes. Vor dem Dorf einen Graben ausgehoben. heftiges Schneegestöber. 6 volle Stunden, dann in das Dorf. Kartoffeln besorgt, dann bis 4 Uhr gepennt. Plötzlich raus und einen Bahndamm am Dorf besetzt. Dort bis 5 gelegen, dann weiter nach Biaches. Dort im zerschossenen Kaff bis 8 Uhr nach einem heilen Haus gesucht. Gepennt. Nachmittags Alarm. Das Batl. entfaltet sich links des Bahndammes nach Arras. Im Scarpegrund in Komp. Kolonne gelegen. Vorn grosser Tumult, aus Plouvain kommen unter dem Hagel der englischen Schrapnells die französischen Dorfbewohner, ihre Habe auf Karren oder in der Hand angerannt. Gegen 4 ziehen wir uns an den Bahnkörper ran. Vor uns fährt eine Batterie 15 cm Haubitzen auf und fängt sofort an zu feuern. Wieder heftiges Schneegestöber. Wir ziehen in Maschinenhäuser. 31 hat vorne gestürmt, wir lösen ab. Ich nach vorne Stellung übernehmen bei Reux [Rœux]. Längs dem Bahndamm nach Reux [Rœux]. Über Deckung nach vorn. Tommy schiesst mit Gewehr, Untffz. Päsler tot. Mit dem Rest durchnass zurück. Am Lagerfeuer getrocknet und die Stiefel verbrannt. Im Eisenbahnwagen gepennt.

12. nachts mit Komp. in Stellung. Mein Zug rechts Strasse Reux [Rœux]-Fampoux. Knietiefer Graben, ich in einem Loch mit Jensen. Graben vertieft. Schwerste Artillerievorbereitung. Mein Abschnitt ist ohne Feuer. Beim Tommy den ganzen Tag grosse Ansammlungen. Um 4 Uhr gehen von hinterer Höhe dichte Schützenlinien vor. Unsere Artillerie schiesst tadelloses Sperrfeuer, wir mit Gewehr und M.G. Visier 1400 dazwischengehalten. 4 Uhr 30 bekommt mein Abschnitt rasendes Schrappnellfeuer aus Grabengeschützen. Mein Putzer neben mir tot. Jetzt tritt der Tommy aus dem vordersten Graben an. Wir schiessen wir wild. Die Linie wird zusehends dünner. Auf 50 m baut Tommy ab. Seine Verluste sind unglaublich. Wir etwas ein Drittel der Komp. Gegen Abend flaut das Artilleriefeuer ab. Tommy trägt Verwundete[,] die auf dem Vorfeld jammern. Nachts einigermassen ruhig. Wir buddeln uns tiefer.

13. Tagsüber nur schweres Feuer aus Reux [Rœux]. Fliegertätigkeit. 2 Engländer abgeschossen. Unsere Artillerieverstärkung schiesst sich ein. Abends ruhig, links Tumult.

14. Vormittags viele englische Flieger. Unsere Artillerie schiesst lebhaft, Tommy ist anständig. Nachmittags sehr schwere Brummer auf den 2. Zug, ohne Verluste. Abends von derselben Sorte noch einige Beunruhigungsschüsse. Um 12 löst uns die 5. Komp. ab. Gelände gewonnen bis Plouvain. Gepennt in ganz netter Bude.

16. 17. 18. Im Dorf gelegen. Kartoffeln gefuttert. Tommy schiesst in unsern Garten. Tagsüber herrliche Luftkämpfe der Staffel Richthofen als 100 m Höhe über unserm Dorf.

18. Abends beziehe ich mit meinem Zug Ortsverteidigung. Gasgranaten.

19. Nachts über den Bahndamm nach R1 gerückt hinter Reulx [Rœux] Regt. „Olga“ abgelöst.

21. Abends nach vorne an die Scarpe um vom 1. Graben einen Verbindungsgraben zu buddeln. Unsere M.G. Patrouille schiesst vom linken Ufer der Scarpe Tommy in den Rücken. Gegen Morgen lassen wir eine Gruppe im Graben, wir mit dem Rest in die Schlossgartenunterstände.

22. Trommelfeuer. Nachmittags kommt die Gruppe plötzlich zurück, Tommy hinterher. Ich unter grossem Krampf bis zu 1. Kapelle an der Scarpe wiedergestürmt, 2 M.G. wiedererobert. Am Waldrand eingebuddelt, die Leute sind kaum zu halten. Links die Scarpe, rechts keinen Anschluss. Wie soll das werden.

23. Um 5 Uhr lösen uns 161er ab. Gott sei Dank. Durch Gasgranaten über Reulx [Rœux] nach Plouvain über Biaches, Vitry nach Brebières. Kaum gewaschen, muss ich zum Quartiermachen nach Douai. Quartier gemacht und eben zur Ruhe gelegt, kommt Radfahrer von der Komp., ich soll sofort zurückradeln, die Komp. wird wieder eingesetzt und kein Zugführer da.

24. Ich losgeeist, an der Scarpe verfahren, endlich zur Schreibstube. Von dort zu Fuss nachvorne, Komp. liegt bei Biaches. Als ich ankomme, ist die Komp. schon weg, zurück nach Brebieres.

25. Komp. kommt raus nach Corbehem.

26. Nach Matignie marschiert, von dort per Bahn nach Caudry. In Fabrik untergebracht. Nachmittags mache ich Quartiere, herrliches Bett.

27.-1. Mai Schöne Frühlingstage im Dorf.

Mai

1. Zum M.W. Kurus nach Asch, Belgien kdt. Fahrt über Brüssel, Hasselt nach Asch. 4 Wochen M.W. Ausbildung in der herr[lichen] Gegend am Limburger Zipfel.

Juni

Regt. ist inzwischen eingesetzt bei Cambrai. Havrincourt.

Am Pfingstsonntag Abfahrt nach Cambrai. Mit den Minenwerfern nach Noyelles. Schönes Quartier, gute Ruhetage.

3. Nach Havrincourt in Stellung. Abschnitt Nord. Schmidt und ich im Dorf im Heldenkeller. Schöner Garten, wenig Dunst. Stellung ganz gut. Noch wenig Feuer. 20 Tage in Stellung 10 Tage in Noyelles Ruhe.

Juli

Abwechselnd in Nord und Süd in Stellung. Immer noch leidlich ruhig.

21. Minenwerfer in Trichter Wally and am Parkteich eingeschossen für Patrouillenunternehmen. Abends aus jedem Werfer 100 Schuss Feuervorbereitung, ein doller Lärm. Unternehmen leider wenig geglückt.

Zum Offizier befördert. A.K.O. v. 11.7.

26. Zum Einkleiden von Cambrai nach Lüttich.

27. Tongres, Brüssel.

28. Brüssel, Valenciennes.

29. Zurück nach Cambrai.

30. Als M.W. Offizier im Abschnitt Nord.

August

3. Nach Noyelles. Als Adjt. und Grabenoffizier bei Graf Blücher. Wir sollen in die Flandernschlacht. Wieder in Stellung. Regentage.

16. Abgelöst nach Noyelles in Ruhe. Nette Tage beim Grafen. Übung im Bourlon Wald. Ritt nach Cambrai.

24. Die 84er lösen unser Regt. ab. Das III: Batl. marschiert über Cambrai nach Rieux in Quartier.

25. Das Regt. wird nach Flandern verladen. Ich fahre auf 14tägigen Urlaub. Schöne Urlaubstage bis zum 13. 9:

September

14. Verlebe einen netten Tag bei Frl. Seute in Elberfeld.

15. Über Aachen im übervollen Zug weiter nach Brügge. Nachm. zum Regt. in Oostkamp. Wunderschöner Ort. Das Regiment ist noch nicht eingesetzt.

16. Morgens um 6 schon verladen, mit der Bahn nach vorne. Bin grade zur rechten Zeit gekommen, wir werden eingesetzt. Ausgeladen in Geit St. Joseph. Wir marschieren nach Hooge-Schuer, wo ein Teil Zelte baut, ein Teil in Scheune unterkommt.

17. Vormittags gehe ich durch den Houthulster Wald nach vorne in die Stellung, um mich zu orientieren. Er ist noch garnicht mal so schlimm, wie ich dachte. Abends mit den Werfern in Stellung gerückt beim K.I.K. Ein riesiger Betonmunterstand.

18. Ich baue meine Werfer in eine alte Artilleriebetonstellung weiter vorne bei Draaibank ein und ziehe dort in einen kleinen Betonunterst. Schiesse die Werfer auf Sperrfeuer ein.

Links von uns ist dauernd heftige Schiesserei, bunte Leuchtkugeln. Wir bekommen nur einige schwere mit Verz.[,] dass der M.e.b.u. schaukelt.

24. Abgelöst, feldmarschmässig nach hinten geritten. In Quartiere in Hooge Schuer.

Dauernde Alarmbereitschaft, wir werden jeden Morgen in den Nebelstunden als Eingreifreserve an den Houthulster Wald herangezogen.

27. Den ganzen Tag im H.H. Wald, da vorne Angriff. Schiessen einen Amerikaner Flieger mit M.G. ab.

29. Schmidt geht mit den Werfern in Stellung, ich bleibe bei den Reservebedienungen in Stadenreke. Jeden Abend mit Munition und Essen nach vorne. Das Feuer unterwegs wird immer übler.

Oktober

4. Übles Regenwetter setzt ein. Es wird entsetzlich dreckig.

8. Wütendes Art.Feuer auf unsern Stellungen, die Essenträger können kaum mehr nach vorne kommen. Wir sollen am 9. abgelöst werden, um bei Poelkapelle eingesetzt zu werden. Ich warte auf den abgelösten Trupp. Der Feind, diesmal auch die Franzosen[,] haben grade während der Ablösung angegriffen, nur ein Teil unserer abgelösten Leute ist nach hinten gekommen. Schmidt ist verwundet, unsre Minenwerfer gesprengt in Feindeshand gefallen. Ich marschiere mit dem Rest nach Vuilpan. Kaum dort angekommen, bringt ein Meldereiter mir den Befehl: Lage vorne unklar, sofort neue Linie vor dem Corverbach am H.H.Wald bilden. Ich marschiere also mit meinen todmüden Leuten wieder los, in Stampcot empfangen  wir Handgranaten und nun schleichen wir uns ganz von Norden um den H.H.Wald und kommen daher auch gar ohne blutige Verluste bis ans Melaene Wirtshaus und von dort an den Corverbach. Hier bilde ich eine Linie, wir verteilen uns auf die Granatlöcher am Bach entlang. Es gibt schweren Dunst und die Löcher sind voll Wasser. Das I. Batl. macht einen gelungenen Gegenstoss. Der K.T.K. ist noch in unsrer Hand, aber 1. Linie.

11. ich mache eine Patrouille in das Papegut. Eine furchtbare regnerische Nacht, gemeine Art.Überfälle unterwegs. Bis an den Bauch in den von Granaten noch vertieften Corverbach. Papegut ist vom Feinde frei. Vollkommen eingeschossen. Voll von unsern Verwundeten, 3mal soll der Franzm. dagewesen sein, hat ihnen die Uhren p.p. abgenommen. Ich lasse die Schwertverwundeten mitnehmen. Eine furchtbar qualvolle T[o]ur.

12. Es wird schon hell, als wir am Melaenewirtshaus ankommen, wo wir gleich wieder in einen Artillerieschauer geraten. Ins Försterhaus mit den Verwundeten. Das III. Batl. ist schon wieder vorgezogen und liegt im Walde, ich schlage mich zu ihm. Wir bleiben als Bereitschaft beim B.T.K. liegen.

13. Abgelöst durch Württemberger. Unsre Art. gibt dem Tommy grade ein Gelb und Grünkreuzfest, als ich mit Ernst aus dem H.H.Wald tose. Mit einigen Schrecksalven nach hinten. Wir sammeln in Vuilpan. Ich fahre als Quartiermacher von Lichtervelde nach Gent.

14. Ohne Karte in der Dunkelheit nach Kerkbrügge. Beim Gemeindevertreter netter Quartier.

15. Endlich kommt das Batl. an. Ernst und ich nach Gent, ein herrlicher Tag.

17. Auf die Bahn verladen. Es geht nach Russland! Durch Belgien.

18. durch Aachen,

19. durch Hamburg, Lübeck, Me[c]klenburg, Pommern

20. West- und Ostpreussen.

21. Bei Wirrballen [Wirballen; Virbalis] über die Grenze.

22. In Wilna in Quartier. Wilkomirstr. 3. Herrliche Tage in der Stadt. Ausbildungszeit.

November

1. Grosse Batls.Übung in den Bergen. Herrliche Casinotage „Berta“! und „Katharineum“.

20. Grosse Parade vor Eichhorn.

21. Fliegeruntersuchung. Plötzlich Befehl: Fertigmachen zum Transport. Wir werden wieder auf die Bahn verladen. Richtung Cambrai, wo die Tankoffensive entbrannt ist. 5 tägige Reise über Warschau, durch Schlesien, Sachsen, nach Frankfurt a.M. Dort werden wir abgelenkt nach Süden, bei Mülheim gehts über den Rhein nach Mühlhausen. Dort 25. in Riedisheim in Quartier. Hier bleiben wir als Eingreifdivision liegen. Abends gleich in die Stadt.

Dezember

4. Als Nachkommando in Zillesheim.

Arbeits und Exerciertag in Zill. Ich wohne in einem Predigerseminar am Rhein-Rhone Kanal. Ab und zu machen wir einen schönen Ritt oder Wagenfahrt nach Mühlhausen. Sonst grosse Übungen in der schöne Umgegend. Arbeite vorne bei Gaslingen an Betonunterständen der Wotan St. Orientierung der Anmarschwege nach Bernweiler.

8. Vorne in Ammerzweiler die 1. Stellg. angesehen. Es fällt kein Schuss. Es wird Winter.

19. Wieder zurück in Quartier Riedish. Geburtstag gefeiert. Winterfreuden, Schlittenfahrten im Mühlhauser Zoo.

24. Wunderschönes Weihnachtsfest mit der Kompanie und dann im Casino gefeiert. Weitere schöne Ruhetage.

Kriegserlebnisse 1918

Januar

1. Wir liegen noch in Mühlhausen. Neujahrsnacht im Zoo durchgetanzt bis Morgens um 8 Uhr.

2.-10- werde ich zum M.W. Kurus nach Kandern kommandiert. Herrliche Tage im Schwarzwald. Abstecher nach Freiburg.

12. Zurück zum Batl., das in Zillesheim als Nahtkommando liegt. Quartier im Predigerseminar.

Nette Tage. Schanzen und Übungen der Durchbruchschlacht. Stellung besucht bei Ammerzweiler. Hochstadt. Ruhetage in Riedisheim bei Mühlhausen.

Februar

10. Mit Petersen auf Urlaub über Freiburg, Frankfurt a.M., Hamburg nach Flensburg.

26. Wieder an die Front. In Cöln ein fürchterliches Gedränge auf dem Bahnhof, da alles bis 28. Februar wieder bei der Truppe sein soll.

27. Über Brüssel nach Cambrai.

28. Mit der Bahn nach Caudry. von dort nach Walincourt, da das Batl. aus der Stellung bei Villers Guislain rauskommt, fahre ich gleich wieder nach Caudry und gehe nach Inchy-Beaumont. Leidliches Quartier. Besuche Detemeier.

März

1. Mein M.W. Trupp kommt aus Stellung.

2. Kaltes Schneewetter.

3. Besprechung beim M.W.O. Neuregelung der M.W. Wir werden wahrscheinlich Stossdivision.

4. Vormittags den ersten Dienst. Sauwetter. ich werde bestimmt mit zwei Flachbahn M.W.s den Sturm mitzumachen.

5. Willing den 1. Hasselmann den 2. Ich den 3. Zug. Ende des Monats wirds wohl losgehen.

6. Wir bekommen neue Werfer, Bruch!

7. Morgens grosse Durchbruchsübung. Wir kommen mit den schweren Werfern nicht mit. Die in Aussicht gestellten Flachbahnlaffetten, Pferde, Protzen, nichts ist bisher geliefert. Bruch!

8. Fortsetzung der Übung. Heilloser Krampf.

9. Wieder eine Übung, 2 Werfer durch das Gelände geschleift. Ob wir bis zur Offensive die Sachen noch bekommen.

10. Sonntag. Mit Willing einen herrlichen Geländeritt gemacht. Tolle Jagd. Nachmittags nach Le Cateau. Blendendes Essen und Wein im Casino. Abends Wettfahrt in der Gig nach Inchy.

11. Mit den Pferden vor den Werfern durch das Gelände getobt. Herrliche Sonne.

12. Übung vor Exzellenz v. Kathen. Bis Mittag endlich zurück. Wir sollen die Quartiere räumen.

13. Morgens abmarschiert nach Troisvilles. Ganz gutes Quartier. Essen beim I. glänzend. Herrliches Wetter. Was ich von der Offensive weiss: Unsere Div. macht den Durchbruch in vorderster Linie. Gegend bei Le Catele südlich Cambrai. Durchbruch zwischen den Dörfern Ronsoi-Hargicourt. Rechts an 85 links an 31 angelehnt. Über 50 Flüg-M.W. sind in unserm Abschnitt auf den 1. englischen Graben angesetzt. 400 m. I. Batl. in 1. Linie, II. in 2., III. als Div. Reserve dahinter. Ich mit 2 Werfern beim I. Am 20. denke ich, gehts los.

14. Morgens exercieren. Nachmittags marschieren wir nach Bertry.

15. Exercieren. Nachmittags ritt ich zur Besprechung zum I.

16. Morgens um 3 eine Nachtübung mit dem I. 42 cm Mörser fahren in Stellung. Abends um 7.30 marschieren wir recht fidel nach Malincourt. Schauriges Quartier.

17. Oh Sonntag, diese Bude. Den ganzen Tag herumgekrampft[,] um meine Fahrzeuge heranzubekommen. Ungeheure Munitionsmengen liegen im Dorf. Bagage füllt die Strassen. Wir rücken in den Versammlungsraum um 10.30 nach Beaurevoir. Netter Nachtmarsch. Englische Flieger im Scheine von 6 Scheinwerfern über uns. Das Quartier war leidlich[,] aber wir waren auf Biwak gefasst.

18. Herrlicher Morgen, früh heraus, um die Fahrzeuge heranzubekommen. Im laufe des Tages kommt endlich der Rest der Sachen, Pferde und Geschirr. Oh weh! Papierstrikke. Morgen früh muss ich nach vorne zum Erkunden. Morgen Abend versammeln wir uns, übermorgen Nachtstellen wir uns zum Sturm bereit. Nachts Jutestricke geklaut.

19. Es regnet gemein. Morgens mit dem Rade nachvorne über Gouy, St. Martin im 3. Riegel Quartier gemacht. Anmarsch bis an die Quennemont Ferme erkundet. Von oben bis unten verdreckt in Beaurevoir wieder an. Gepennt. Um 5 Uhr alles besehen. Um 9 Uhr ziehen wir unter dauerndem Halten und Stocken los. Es regnet Bindfäden. In Gouy empfangen wir Munition. Weitergekrampft bis zur Martinferme, wo ich die Fahrzeuge lasse. Bei strömendem Regen die Leute in die Unterstände der 3. Stellung geführt. Endlich durchnass selbst zur Ruhe.

20. Die Vorbereitungen sind getroffen. 21er Werfer, 15 cm Langrohr gehen in Stellung. Der Regen begünstigt es. In der Martinferme stehen 2 42er und eine Batterie 38er in Stellung. Munition liegt haufenweise vorne. Morgen 9.40 sollen wir stürmen. Es regnet weiter, ein furchtbarer Matsch im Gelände. 5 Stunden Art.Vorbereitung. 2 Stunden vorher sollen wir schon bereit liegen. Das wird das Schwerste werden.

Morgens gehe ich mit Willing nach vorn. Es ist noch neblig. Wir gehen bis von den Vorpostengraben. Auf dem Rückweg klart es etwas auf. Wir schicken die Werfer voraus nach dem Quennemontkreuz. Sie kommen nur bis zur S. Stellung, es wird zu hell. Um 7.30 futtern uns die Feldküchen ab. Das Wetter ist gegen Abend gut geworden. Um 11.15 rücken wir nah vorn ab. Ob Tommy etwas merkt. Er schiesst nur wenig nach hinten. An der S. Stellung holen wir unsere Werfer ab. Ohne einen feindlichen Schuss kommen wir an den Stellungen der Flügelminenwerfer vorbei an unsern Bereitstellungsgraben. Tommy schweigt sich aus. Wir stellen die Werfer vor den Graben und buddeln uns ein. In der Nähe ein zerschossener Stollen.

21. Um 4.40 setzt schlagartig das Artilleriefeuer ein. Der Stollen zittert von der Masse der Abschüsse. Während unsere Art. noch nach hinten schiesst, knattert Tommy mit M.G. und verwundet 2 Mann. Die englische Artillerie schiesst wenig. Alle Augenblicke muss man die Gasmaske aufsetzen. Ich setze mich in den Stollen und rauche eine Zigarre. Die Zeit vergeht recht schnell und wir freuen uns, dass diesmal der Tommy der leidtragende ist. Um 9.20 gehe ich raus und hole meine Leute zusammen. Es ist ein Rauch, Gas, Nebel und Qualm, dass man keine 2 m weit sieht, wir gehen an die Werfer. Um 9.40 treten wir den Sturm an. Die Augen tränen. Gasmaske aus. Nun sehen wir garnichts. Gasmaske runter, Einsatz in den Mund. Die Träger und Pferde sind nicht da. Es ist gewaltig schwer die Werfer durch das aufgewühlte Grabengewirr zu ziehen. Ich gehe nach dem Kompass stur nach Westen. Nach 2 Stunden sind wir an der Spinne. Ist überhaupt eine Linie vor uns? Infanterie beschiesst uns und man sieht nicht woher. Ob der Tommy vielleicht die ersten gefangengenommen hat. ich lasse die schweren Werfer stehen und gehe als Infanterie vor. Pistole in der einen, Handstock in der andern, führe ich durch einen langen Verbindungsgraben in einen Hohlweg. Dort nehmen wir mehrere Tommys gefangen. Aus dem Hohlweg weiter nach Westen. Ich lasse ausschwärmen. „Marsch“ An 2 Unterständen verkriechen sich dicke Haufen unserer Leute hinter den Aufwürfen. Ich schimpfe, will sie vorwärts jagen, da knattert ein M.G. Wir werden beschossen. Ich hole mir ein M.G. auf den Kalkaufwurf und schieße wieder, da steigt der Nebel etwas. Wir liegen im Gefecht mit eigenen Leuten. Ich hebe meinen Stahlhelm hoch, worauf das Feuer eingestellt wird. Jetzt reisse ich die Leute mit vor und lasse wieder ausschwärmen und mit Bruno B. gehts durch das Toinewäldchen. Plötzlich Handgranaten und Schüsse. 2 englische Stützpunkte. Den ersten nehmen wir sofort ohne Verluste. Ich stürtze hinein nehme ein Levisgewehr und beschiesse den zweiten. Dann hinaus, hinter mir in einem Graben eine ganze Komp. 85er mit vorgerissen. Am Steinbruch Templeux vorbei in eine engl. Stellung. Brix und ich treten zum Sturm an, da gibts M.G. „Hinlegen Drüben fahren in einem Hohlweg 3 Tanks auf. Ich schicke Meldung zur Begleitartillerie sofort auffahren Tanks beschiessen. 2 Geschütze fahren auf und schiessen bald die Tanks zusammen. Ich renne zu Knobel, der mit seinem ganzen Stab im Granatloch liegt, um näheren Bescheid zu holen. Tommy schiesst mit Granaten, wir wollen uns zerstreuen. Ich sause los, – da bekomme ich einen Schlag in die Seite. Ich falle in den Graben hinein – verwundet. Denkert verbindet mich. Ich wanke zurück. In der Templeux Schlucht bekomme ich M.G. Feuer. Ruhig weiter. Die Schmerzen werden unerträglich. Bald kann ich nicht mehr, in jedem zweiten Granatloch mache ich Halt. Schwere Art. geht nach vorne. Ein Arzt einer Batterie gibt mir eine Tetanusspritze. Endlich an einer Verbandstelle. Im Wagen nach Bony. Von Bony mit dem Sanitätsauto über Malincourt nach Elincourt. Res. Feldlaz. 110. Noch in derselben Nacht operiert.

22. Erwache ohne grosse Schmerzen. Bekomme nichts zu trinken. Unter wahnsinnigen Schmerzen 2 Kochsalzeinläufe.

23. Zuletzt etwas geschlafen. Bekomme schon ein paar Tropfen zu trinken.

24. Es wird schon besser. Wenig geschlafen. Bekomme schon Milch, Kakao, Keks und Ei. Verlegt in ein andres Quartier.

25. Befinden leidlich. Schmerzen in der Lunge. Huste viel.

26. Frisch verbunden, oh Schmerz.

27. Hustenschmerzen. Abends Morphium.

28. Befinden ganz nett.

29. Verbunden.

30. Wieder verbunden. Das Feldlaz. rückt weiter vor. Mittags soll ich verladen werden. Bis Abends gewartet. Dann bei strömendem Regen im Auto los. Kalt und nass. Nach Le Cateau. Auf dem Hofe des Kriegslaz. 10 gelegen. Alles voll. Endlich schleppen mich Tommys 3 Treppen hoch in einen Fabriksaal, wo 120 Mann liegen. Schlechtes, hartes Lager. Erst Morphium bringt mich in Schlaf.

31. Üble Stiche in der Seite. Keine Behandlung. Morphium.

1. Stiche und Husten. Ich warte auf den L.Zug.

April

1. Endlich werde ich runtergeschafft und mit dem Auto zur Bahn. Gegen Abend fährt der Zug glücklich ab.

2. Ich liege unten, ganz gut. Tags gelesen. Nachts unter Morphium geschlafen.

3. In Halle will ich raus, muss aber bis Dessau durchhalten. Nach 4 Stunden Warten ins Kreiskrankenhaus. Herrliche Aufnahme. Abends verbunden. Meine Wunde ist geplatzt. Alles vereitert.

4. Es geht schon besser. Keine Schmerzen.

6. Nach oben verlegt zu Schwester Lydia.

7. u. 8. Schlecht geschlafen, die Wunde eitert fürchterlich.

9. Vorm. kommt unerwartet Andje.

10. u.11. bleibt Andje noch bei mir. Ich freue mich, da ich doch Abwechslung habe.

12. Fange ich an mich zu erholen.

13. Es wird langweilig im Bett.

15. Hauptmann Kessler geht fort.

16. Lt. feine wird mein Stubenkamerad. Nachm. auf dem Dach gelegen.

21. Um 9 Uhr kommt Mutter. Grosse Freude. Der überreichliche Genuss macht sich bestraft. Mutter bleibt bis zum 24.

24. Die Wunde von der Sonne beschienen.

25. Ich werde geröngt. Mein Splitter sitzt noch im Leib. 2,5 cm ist er lang.

Bis 30. Bald dauernd draussen gelegen. Der Splitter wird nicht rausgeholt.

Mai

Ich lerne Schach bei Guttowsky.

16. Ich stehe auf. Es geht ganz gut.

20. Isi King und Dora Besendahl besuchen mich.

Ich lerne Gretel Textor und Ille kennen. Herrliche Tage. Morgens mit Gutto Billard, Ausflüge mit den Mädels.

Juni

Herrliche Zeit in Dessau.

17. werde ich nach Flensburg verlegt.

Mein Splitter wird rausgeholt.

Schöne Tage auf Privat I der Diakonissenanstalt.

Juli

Liege noch in der Anstalt. Schöne Segelfahrten.

30. Geheilt zur 3. E.M.G.K. entlassen.

Urlaub bis Ende August. E.K. I. Klasse erh.

Ich bin zu den Fliegern versetzt.

September

2. Über Hamburg, Berlin nach Schneidemühl zur Fea 2 [Fliegerersatzabteilung 2]

10. Nach Bromberg zur Nachuntersuchung. Netter Tag mit Gretel und Ille.

14. Zur Fliegerschule Albatros. Herrliche Wohnung. Gutes Essen. Bald jeden Tag geflogen.

Oktober

Feste weitergeschult. Ich mache bald meine Pilotenflug. Weitere Bedingungsflüge.

November

2. Ich mache die Feldpilotenprüfung.

4 zur Fea zurück.

7. Die Revolution geht los. sturmtage in Schneidemühl.

12. Ich haue mit der Bahn ab.

14. In Pritzwalk bekomme ich einen Revolverschuss in die Backe.

15. Im Perleberger Stadtgefängnis.

17. Nach Flensburg. In die Anstalt.

Dezember [1918] und Januar [1919]

An wiederoperierter Bauchwunde gelegen.

16. Aufgestanden.

20. Zur E.M.G.K. entlassen.

21.-28. in Schneidemühl meine Sachen geholt.

Am 1. März vom Bezirkskommando entlassen. Endlich wieder in Zivil.

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Feldpost an Grete Schulz, geb. Tietjen und ihren Mann Albert Schulz aus Wittingen (1943-1945)

Die hier versammelten Feldpostbriefe geben Einblick in die Lebenswelt zweier junger Menschen aus Wittingen während der Zeit des Nationalsozialismus und des Zweiten Weltkrieges: Grete Tietjen, geboren am 29. Dezember 1923 in Wittingen, und ihr Bruder Hinrich Tietjen.

Grete wuchs in Wittingen auf, wo die Familie unter der Adresse Am Markt 2 wohnhaft war. Im November 1943 heiratete sie Albert Schulz und zog in die Junkerstraße 28, wo das junge Paar seinen gemeinsamen Haushalt begründete. Ihr Bruder Hinrich, am 15. November 1925 geboren und damit knapp zwei Jahre jünger, wurde im Laufe des Krieges zur Wehrmacht eingezogen. Er durchlief eine Ausbildung zum Flieger und war unter der Feldpostnummer L 52145 E erreichbar, die ab Oktober 1943 dem Stab III des Flieger-Regiments 32 zugeordnet war. Seine Briefe führen von einem Standort in Frankreich über Oschatz in Sachsen bis zur Luftkriegsschule 7 in Tulln bei Wien, wo er sich Anfang 1944 auf den Fahnenjunkerlehrgang vorbereitete. Hinrich Tietjen verstarb am 20. Januar 2022 im Alter von 96 Jahren.

Neben den Briefen Hinrichs sind im Konvolut auch Schreiben von Helmut Schröder aus Wathlingen erhalten. Schröder stand bereits seit Ende der 1930er Jahre in brieflichem Kontakt mit Grete – die frühen Briefe aus den Jahren 1937 und 1938 zeigen eine vertraute, kameradschaftliche Verbindung, die auf eine verwandtschaftliche Beziehung hinweist. Auch Schröder war im Krieg eingesetzt; sein letzter erhaltener Brief datiert vom 3. Januar 1945.

Die Briefe sind weit mehr als persönliche Zeugnisse: Sie spiegeln den Alltag junger Soldaten ebenso wider wie die Sorgen und kleinen Freuden des Lebens fern der Heimat – Päckchen und Kuchen zu Weihnachten, die Enge der Kaserne, die Sehnsucht nach Urlaub und die zaghafte Hoffnung auf ein baldiges Kriegsende. Hinrichs Briefe zeigen einen Achtzehnjährigen, der mit jugendlichem Humor und gelegentlich unverblümter Offenheit über den Soldatenalltag schreibt, dabei aber auch die Erschöpfung und das Heimweh nicht verbirgt. Helmut Schröders letzter Brief vom Januar 1945 klingt gedämpfter; er mahnt Grete, trotz allem „mitten im Leben“ zu stehen – ein stilles Zeugnis der Kriegsmüdigkeit kurz vor dem Ende.

Die Rechtschreibung folgt den Originalen.

Feldpostkarte aus Salzburg von Helmut Schröder an Grete Tietjen, Am Markt 2 in Wittingen (Poststempel 25.08.41)
Feldpostumschlag von Hinrich Tietjen an seine mittlerweile verheiratete Schwester Grete Schulz, Junkerstraße 28 in Wittingen (Poststempel 2.3.44). Links der rote Stempel der „Luftkriegsschule 7 in Tulln – Vorfliegerischer Lehrgang“.

Post von Helmut Schröder (Wathlingen) an Grete Tietjen

25.11.1937

Liebe Grete!

Für Deinen Brief vielen Dank! – Diese Woche ist hier in der Hitlerjugend Hochbetrieb. Am Sonntag steigt nämlich ein gewaltiger Elternabend, an dem die Hitlerjugend und das Jungvolk zusammen ihr Können beweisen sollen. Ich habe Dir das Programm des Abends mitgeschickt, weil es Dich doch sicher interessieren wird. In dem lustigen Laienspiel werde ich als wohlbeleibter, bärtiger Vorsitzender eines landwirtschaftlichen Vereins auftreten. Also, halte bitten den Daumen, damit es glückt!

In den letzten beiden Wochen ist hier allerlei passiert. Ein Junge (Hans-Jürgen Seffer) ist angekommen. Ein kräftiger Knabe, der jetzt das Dutzend der Lehrerkinder vervollständigt hat. Ich hatte das große Glück, ihm am Bußtag bei der Taufe Pate zu stehen. (Oh, wie ich mich jetzt würdig fühle!)

Übrigens wie geht es meinem kleinen Kollegen Richard in Kakabeck [Kakerbeck]? Hat er noch kein Heimweh nach Wathlingen?

Am Montag, dem 15. Nov. fand in unserer Schule auch ein Hausmusikabend statt, der sicher so ähnlich wie bei Euch aufgezogen wurde. Das Programm war sehr vielfältig. Ich habe natürlich wegen meiner „allzu großen musikalischen Begabung“ nicht mitgewirkt!

Morgen findet die große Kurzschriftabschlußprüfung statt. Es ist gut, daß diese Nachmittagsstunden von jetzt ab wegfallen. Wir haben nämlich außerdem noch zweimal nachmittags Unterricht (Physik u. Turnen).

Schreib bitte bald einmal wieder! Ich muß jetzt schnell noch einige Kürzel für die Prüfung lernen.

Es grüßt

Dein Helmut


11.01.1938

Liebe Grete!

Für Deine freundlichen Grüße herzlichen Dank! Also Du hast mit alkoholischen Getränken Sylvester gefeiert? Na, wenn das man gut geht! Allerdings wir waren auch sehr lustig. Ich wünsche Dir nun nochmals alles Gute für das Jahr 1938 und hoffe, daß wir uns in diesem Jahr einmal wiedersehen werden!

In den Weihnachtsferien habe ich mich wirklich gut erholt. Es ist zuerst garnicht leicht, sich wieder an französische Vokabeln und ähnliche Scherze zu gewöhnen. – Die Schneelandschaft ist wieder verschwunden. Alles ein Matsch. Das Schlittschuhlaufen ist daher leider auch vorbei.

Am Sonnabend ist bei uns großes Schlachtefest. Schade, daß Du unsere Leberwurst nicht probieren kannst!

Übrigens, am Sonntag war ein Klassenkamerad von mir in Wittingen zu Besuch bei seinem Onkel, Euerm Herrn Direktor Ahrens. Kennst Du ihn vielleicht?

Herzliche Grüße

Dein Helmut.


22.12. [ohne Jahr]

Wathlingen, d. 22.12.

Liebe Grete!

Ich sende Dir herzliche Weihnachtsgrüße und einen feucht-fröhlichen Rutsch ins neue Jahr? – Du bist doch sicher augenblicklich zu Hause. Bis zum 4.1. ist es mir vergönnt, mich von Mutti pflegen zu lassen Prima Sache, was!? Mit frischen Kräften geht´s dann in die B-[?] bordfunkerausbildung. Halt den Daumen für gutes Flugwetter im Januar u. Februar. Alles Gute. Helm. Schröder

Feldpost an Grete Schulz, geb. Tietjen und ihren Ehemann Albert Schulz

23.08.1941 Helmut Schröder an Grete Tietjen

Salzbg., d. 23.8.41.

Liebe Grete!

Aus Salzburg herzliche Grüße! Wir sitzen eben gerade nach Vollendung eines interessanten Stadtrundganges beim Frühschoppen und entwickeln das Programm für den Nachmittag. – Von den Festspielen wirst Du schon gelesen haben! Für Deine Glückwünsche danke ich Dir herzlich! Bist Du augenbl. Haustochter?

Herzliche Grüße!

Helmut Schröder


17.11.1943 Hinrich Tietjen (L 52145 E) an Schwester Grete Schulz, geb. Tietjen und deren Ehemann Albert Schulz

A…, den 17.XI.1943

Liebe Grete, lieber Albert!

Habt recht herzlichen Dank für Euern Brief vom 7.XI. Ich habe mich sehr darüber gefreut.

Sicher habt Ihr herrliche Urlaubstage verlebt. Beinahe vier Wochen – das ließe ich mir schon gefallen. Wie gefällt es Euch denn als junges Ehepaar in den Flitterwochen? Ich stelle es mir herrlich vor! – Doch verzeiht, ich bin ja auf diesem Gebiet noch blutiger Laie und kann mir darüber noch kein Urteil erlauben.

Schlieslich bin ich ja vorgestern erst 18 geworden – also noch nicht mal 1000 Wochen alt!

Ihr könnt Euch wohl denken, daß mein Geburtstag etwas anders verlief, als es sonst der Fall war. Genau wie andern Tagen, pfeift der U.v.D. morgens um 6 Uhr Wecken. Wie sonst auch verläuft der Dienst. Nur Abends, nach Dienstschluß, wird man sich richtig bewußt, daß man Geburtstag hat. Dann werden die Päckchen hervorgeholt und nach alter Väter Sitte ein bischen geschmaust. Wenn solch ein Geburtstag fern der Heimat einen nicht gerade erhebend ist – schön ist er auf jeden Fall! Schon allein deshalb, weil plötzlich bei der Postverteilung Briefe und Päckchen etwas zahlreicher anrollen, und man dann seit langer Zeit zum ersten Mal wieder richtig Kuchen essen kann! –

Nun, für heute Schluß

Mit den herzlichsten Grüßen bin ich Euer

Hinrich


10.12.1943 Hinrich Tietjen an seine Schwester Grete Schulz, geb. Tietjen

O.U., den 10.XII.1943.

Liebe Grete!

Ein recht frohes und glückliches Weihnachten wünscht Dir Dein Bruder

Hinrich.

Ich hab versucht, hier noch ein paar Geschenke für Dich aufzutreiben – aber wie Du siehst ist der Erfolg nur recht mäßig. Na ja, Du wirst schon verstehen, daß man als armer Landser hier in Frankreich nicht allzuviel besorgen kann! Jedenfalls habe ich mir redliche Mühe gegeben. Du glaubst es mir doch?

Hoffentlich hab ich mit den kleinen Büchlein auch das Richtige getroffen!

Nun, liebe Grete, für heute Schluß!

Nochmals ein recht, recht frohes Weihnachtsfest!

Dein Hinrich


12.12.1943 Hinrich (L 52145 E) an Grete Schulz, geb. Tietjen

O.U. den 12.XII.43.

Liebe Grete!

Vielen herzlichen Dank für Deine beiden Briefe und für das Weihnachtsgeschenk von Dir und Albert. Ich habe mich sehr darüber gefreut!

Entschuldige bitte, daß ich heute erst wieder schreibe. In der letzten Zeit hatte ich immer sehr viel zu tun. Die Briefe stauen sich bei mir schon ordentlich. An sich natürlich eine feine Sache – aber wenn es dann ans Beantworten geht[,] fehlt es meistens an der Zeit. Außerdem war ich ja – wie du wohl weist – schon immer ziemlich schreibfaul. Hoffentlich kommt nun dieser Brief wenigstens bis Weihnachten bei Dir an, so daß Ihr wenigstens ein Lebenszeichen von mir habt! Für die Weihnachtsgeschenke – ich schickte sie gestern an Euch ab – sehe ich ja beinahe schwarz. An sich brauchen ja beinahe Briefe schon 10-14 Tage, wie soll das erst mit den Päckchen werden! –

Mit den Urlaub zu Weihnachten ist es ja leider nichts geworden. Hoffentlich wird hier das Weihnachtsfest im Kreise der Kameraden einigermaßen nett! Immerhin scheint unser Spieß in dieser Beziehung ja allerhand los zu haben. So schön und feierlich wie zu Hause wird es freilich wohl nicht werden. Die schönen Päckchen werden natürlich am Heilig Abend viel dazu beitragen, die Stimmung ein bischen zu haben. Denk Dir ich habe sogar von Tante Elise auch ein Päckchen zu Weihnachten erhalten! Ich war natürlich  sehr erstaunt. Verspätet traf auch noch ein Geburtstagspäckchen von Alma v. Frieling mit Topfkuchen ein. Natürlich eine feine Sache. – Von Euch habe ich jetzt wieder ein herrliches Päckchen erhalten und zwar vom 16.XI. Habt alle vielen herzlichen Dank dafür. Bestelle bitte auch Gertrud, daß ich mich über die Schokolade und die Zigaretten riesig gefreut habe.

Bei Mama und Papa werde ich mich noch besonders in einem Brief bedanken! –

Nun, für heute will ich schließen!

Ein recht schönes Weihnachtsfest wünsche ich Dir! Mit den herzlichsten Wünschen für ein paar schöne und unbeschwerte Festtage

bin ich Dein

Hinrich.

Grüße auch bitte alle Bekannten recht herzlich von mir und bestelle Ihnen, daß ich allen ein herzliches Weihnachtsfest wünsche!

DO.


19.12.1943 Hinrich Tietjen (L 52145 E) an Grete Schulz, geb. Tietjen

O.U. den 19.XII.1943

Liebe Grete!

Es ist wohl langsam an der Zeit, daß ich Dir einen Geburtstagsbrief schreibe! Immerhin haben wir heute schon den 19.XII. – bis zum 29. sind es also gerade noch zehn Tage. Hoffentlich kommt der Brief nun auch noch rechtzeitig an! –

Zu Deinem 20. Geburtstag möchte ich Dir nun alles, alles Gute und recht viel Glück wünschen. Bedenk, daß Du nun schon 1000 Wochen als bist!

Immerhin ein bedeutsamer Schritt, wenn man vom Alter der …-zehner in den Bereich der …-zwanziger hinüberwechselt, nicht wahr? Mit zwanzig Jahren wirkt man doch bestimmt gleich etwas würdiger!?-

Ein Geschenk habe ich für Dich leider nicht mehr auftreiben könne. Ich hoffe aber, daß Du Dich über ein Bild von mir auch ein wenig freuen wirst. – –

Bei uns ist bislang immer noch nichts Neues los. Die ganze Woche lang machen wir Arbeitsdienst. Am Sonnabend und Sonntag gibt es dann zur Abwechslung mal etwas Ausgang.

Leider ist unsere Kaserne ziemlich weit außerhalb der Stadt. So müssen wir immer erst eine dreiviertel Stunde laufen, ehe wir in die „City“ kommen. In der Stadt ist dann aber auch wirklich was los. Überall sind Caffes, Restaurants usw. Alle denkbaren Arten von Geschäften gibt es – ja sogar ein Markt gibt es! Für uns Soldaten sind zwei Soldatenheime und ein Caffee requiriert. Außerdem gibt es dann noch eine Frontbuchhandlung. Für eine Stadt von 90000 Einwohnern gewiß tadellos! Nur hat die Sache einen Haken. Meißtens fehlt nämlich der nötige Betriebsstoff: das Geld! Meine Finanzlage ist augenblicklich schon wirklich mal wieder katastrophal! Da heißt es eben warten! „Löhnungstag, Du schönster aller Tage, Du endigst unser aller Plage! Und haben wir das Säckel wieder voller Geld – dann fühl´n wir uns als Herrn der Welt“, so heißt es in einem alten Soldatenlied.

Wahrscheinlich wurden auch früher die Landser von demselben Übel geplagt, die Geldknappheit! Du weißt ja, daß ich an sich eine ziemlich sparsame – ja, manchmal sogar geizige Seele bin. Hier in Frankreich kommt man aber auch als Sparsamer mit seinen Finanzen einfach nicht mehr klar.

Eine höchst begrüßenswerte Einrichtung ist da das Postgeld. Aber leider gibt es das ja nur jeden Monat einmal…..

Aber ich glaub, ich bin jetzt etwas vom Thema abgekommen! Eigentlich wollte ich Dir doch einen Geburtstagsbrief schreiben. Statt dessen jammere ich Dir die Ohren von meinen Finanzschwierigkeiten voll! Womöglich langweilst Du Dich dabei noch?! – Entschuldige bitte also, wenn ich mich etwas vergaß! –

Nochmals möchte ich Dir für Dein neues Lebensjahr alles Gute und beste Gesundheit wünschen!

Mit den herzlichsten Grüßen bin ich Dein Bruder

Hinrich


03.01.1944 Hinrich an Grete Schulz, geb. Tietjen

Oschatz, 3.I.1944

Liebe Grete!

Habe vielen, vielen Dank für das Päckchen, daß Du mir zu Weihnachten schicktest! Ich habe mich riesig darüber gefreut. – Hoffentlich hast Du nun auch mein kleines Päckchen noch rechtzeitig erhalten! Es war ja herzlich wenig – aber ich konnte bei besten Willen nicht mehr auftreiben.

Natürlich habe ich auch die Päckchen von Mama erhalten! Der Inhalt hat mir freilich so gut geschmeckt, daß ich gleich beim Probieren geblieben bin, als ich die Sachen bekam.

Unter Aufbietung aller Selbstbeherrschung hab ich dann schlieslich den Rest für Weihnachten zurückgelegt! Also, liebe Mama und liebe Grete, ich habe mich über alles, was Ihr mir zu Weihnachten geschickt habt, wirklich ungemein gefreut! Habt alle nochmals recht, recht herzlichen Dank!!! –

Jetzt bin ich also glücklich hier in Oschatz gelandet. Wann, wir, wie, wo, was – habe ich Euch ja schon geschrieben! Hoffentlich habt Ihr den Brief nun auch schon erhalten, denn ich glaube ich habe Euch wieder mal eine ganze Zeit lang auf Post gewartet. Entschuldige bitte, aber ich hatte in den letzten Tagen wirklich nur sehr wenig Zeit. –

Heute hätte ich nun noch ein paar Wünsche:

Könnt Ihr mir vieleicht meine Aktentasche, 5 Bügel, die beiden kleinen Bände von Gehl (Geschichte und Erdkunde), Hansaplast und Panflavintabletten schicken?

Ich wäre Euch sehr dankbar! –

Für heute seid alle aufs herzlichste gegrüßt von Euerm

Hinrich.


12.02.1944 Hinrich Tietjen an seinen Schwager Albert Schulz

Oschatz, den 12. Febr. 44.

Lieber Albert!

Vielen Dank für Deinen Brief. Ich habe mich sehr darüber gefreut! Es ist doch wirklich zu schade, daß es mit dem Anrufen nun nicht mehr geklappt hat. Es war aber auch wirklich Pech. Ausgerechnet am 1. Weihnachtsfeiertag mußte damals unser Transport beginnen!

Na ja, das ist ja nun nicht mehr zu ändern. Das ist immerhin schon bald zwei Monate her – und doch ist es mir, als ob es erst ein paar Tage gewesen wären. – Jetzt sind meine Tage hier in Oschatz auch schon gezählt! Den 22. Febr. wird nun schon die Besichtigung sein – und dann heißt es wieder mal das Bündel schnüren. Aller Wahrscheinlichkeit nach werden wir nach Wien kommen auf einen „Vorfliegerischen Lehrgang“. Das heißt soviel wie Segelfluglehrgang! Natürlich eine tadellose Sache! Du kannst Dir wohl denken, daß ich mich freue, endlich mal wieder etwas anderes, interessanteres zu machen. Immerhin spiele ich jetzt beinahe ein halbes Jahr lang den „lustigen“ Rekruten. Allmählich stinkt mir das nämlich gewaltig.

Immer spielt man den dummen Jungen, Tag täglich wird man zusammengeschissen, bekommt den Arsch aufgerissen, steht sich auf dem Exerzierplatz die Beine in den Leib und so weiter und so fort! Und alles das nur – um zum Fliegen zu kommen. Es stehen einem beim Kommis doch bestimmt bequemere Laufbahnen offen, als durch eine solche Schleifmühle zu gehen! – Aber wenn einen das Fliegen mal gepackt hat, dann gibt es kein Halten! – Auf nach Wien!!! Hoffentlich klappt alles! –

Nun Thema Urlaub!

Du hoffst also im Mai mal wieder in die Heimat zu kommen. Vielleicht, vielleicht bekomme auch ich dann gerade Urlaub! Das wäre wirklich herrlich. – Hoffen wir also das Beste, lieber Leser!

Für heute sei aufs herzlichste gegrüßt von Deinem Hinrich


01.03.1944 Hinrich Tietjen (Luftkriegsschule 7 in Tulln) an Grete Schulz, geb. Tietjen

Tulln, 1.3.1944.

Liebe Grete!

Soeben sind wir hier in Tulln – einem kleinen Städtchen etwa 30 km nordwestlich Wien – angekommen. Vorläufig sind wir auf die Stuben verteilt worden und haben Freizeit. Natürlich eine feine Sache. Aber so wird es wohl nicht bleiben . denn noch wird über unser Schicksal beraten, ob wir nun hier bleiben und den U.L.K. machen, oder ob wir erst zum Segelfliegen kommen. Was für uns nun günstiger ist, weiß ich, ganz ehrlich gesagt, selber nicht. Einmal müssen wir sowohl den U.L.K. wie auch den Segelfluglehrgang machen. Darum: frisch auf! Frisch gewagt ist halb gewonnen! –

Wenn man so zurückdenkt – die Bahnfahrt war eigentlich ganz schön. In den Personenwagen lässt es sich schon leben . wenn es warm ist und wenn man zu essen hat. Beides war vorhanden . was wollten wir also noch mehr!

Von Sonntag bis heute konnten wir tun und lassen was wir wollten – lesen, schreiben, schlafen, essen – eben alles was ein armes Landserherz begehrt.

Der erste Eindruck hier in Tulln war nur mäßig. Das mag nun ja mit am Wetter liegen, der Schnee taut gerade und es ist eklig naßkalt. – Die Gegend scheint so ähnlich wie bei Oschatz zu sein, nur leicht hügelig. Freilich war in Sachsen weit mehr Wald! So liegt der Fliegerhorst hier auch nicht so schön wie in Oschatz. Dort muß es im Sommer geradezu herrlich sein. Na ja, das sind ja alles nur Äußerlichkeiten. Ich bin ja nur gespannt, wie das hier wird. –

Hab recht, recht herzlichen Dank für das Päckchen von Dir. Ich habe mich sehr darüber gefreut. Die Schokolade konnte ich auf der Fahrt gut gebrauchen. Sie hat einfach herrlich geschmeckt.

Mit der Besichtigung hat ja nun alles geklappt. Bei unserer Verabschiedung sagte der Chef sogar, daß wir als beste Kompanie abgeschnitten hätten. Natürlich eine feine Sache. So waren die letzten Tage in Oschatz auch angefüllt mit Freizeit. Ein ideales Leben… –

Für heute alles Gute!

Mit den herzlichsten Grüßen

Dein Hinrich

P.S. Übrigens hätte ich noch einige Wünsche, die Ihr mir, wenn ich mal schreibe, erfüllen könntet. Also könnte ich sehr gut ein blaues Oberhemd mit Kragen und Schlips und eine Schirmmütze gebrauchen, und ein Paar schwarze Halbschuhe (oder Schnürschuhe).

D.O.


05.03.1944 Hinrich Tietjen an seinen Schwager Albert Schulz

Tulln/Wien, 5.3.44.

Lieber Albert!

Nun bin ich schon beinahe eine Woche hier in Tulln auf der L.K.S.! Als wir am 1.3. hier einrollten, stank mir der Betrieb gleich wieder ganz gewaltig. Wir müssen nämlich hier noch mal wieder infantrische [sic!] Ausbildung machen. Immerhin ist es ja ein U.L.K! So macht der Betrieb schon mehr Spaß – vor allem ist der Dienst doch etwas interessanter. Wir haben nur noch zwei Stunden am Tag Exerzieren, und dafür dann massenweise Unterricht (milit. u. allgemeinbildend). Leider ist es nun so, daß wir alle Gruppenführerthemen und alle Offiziersthemen schriftlich ausarbeiten müssen. Aber da für die Ausarbeitungen besondere Arbeitsstunden angesetzt sind, läßt sich die Sache schon machen. Eben haben wir zum Beispiel auch solch eine Arbeitsstunde. Du siehst, daß sie auch zum Briefschreiben ganz gut ist….- Das schöne an dieser ganzen Sache ist ja nun, daß wir schon nach den vier Wochen U.L.K. auf den Fahnenjunkerlehrgang kommen – vorausgesetzt natürlich, daß alles klar geht! – Mit Urlaub sind wir hier allerdings ziemlich betrogen. Nun in Ausnahmefällen wird einem während der Zeit auf dem U.L.K. und dann später auf dem Fahnenjunkerlehrgang Urlaub gewährt.

Allerdings soll nach dem F-Lehrgang der Jahresurlaub fällig sein. Das wäre allerdings erst in gut einem halben Jahr – also im Oktober. Na, hoffen wir das beste, lieber Leser! – Dafür geht hier – wenigstens auf dem Fahnenjunkerlehrgang – endlich mein Wunsch in Erfüllung zum Fliegen zu kommen. Du kannst Dir wohl vorstellen[,] wie ich mich darauf freue. An sich sei unser U.L.K. vorfliegerischer Lehrgang. Leider ist es nun aber so, daß nur ein Teil zum Segelfliegen gekommen ist. Da ich schon etwas Segelflugausbildung habe[,] brauche ich hier nur noch den U.L.K. zu machen. Dafür haben wir dann aber den Vorteil, daß wir gleich anschließend zum Fahnenjunkerlehrgang kommen, während die andern dann erst den U.L.K. machen müssen. –

Für heute hätte ich ja nun eigentlich mit Ausgang nach Wien – oder wenigstens nach Tulln gerechnet. Denn wer würde wohl nicht versuchen, wenn es so dicht bei Wien liegt, diese herrliche Stadt einmal kennen zu lernen. In Wien soll es außerdem noch allerhand zu kaufen geben – und dann die feschen Wienerinnen….- der Fall wäre also eindeutig klar: Auf nach Wien – wenn Du Ausgang hast! –

Für heute wünsche ich Dir alles Gute.

Dein Hinrich


14.06.1944 Hinrich Tietjen (Lufkriegsschule 7 in Tulln) an Grete Schulz, geb. Tietjen

Deutsch-Wagram, 14.6.1944.

Liebe Grete!

Habe recht vielen Dank für Deine beiden Briefe vom 4.6 und 25.5.

Ich habe mich sehr darüber gefreut.

Die Bilder sind wirklich tadellos geworden, besonders die von Eurer Wohnung!

Ich bin wirklich gespannt, wie nun Euer Heim in natura aussieht.

Wenn ich Urlaub bekomme, werde ich dazu ja wohl mal Gelegenheit genug haben -.

Die 20,- RM hättest Du mir aber nicht schicken brauchen! Wir bekommen hier nämlich Geld genug – und außerdem haben wir hier ja wenig Gelegenheit Geld auszugeben. Hier in Deutsch-Wagram gibt es nämlich nur eine kümmerliche Kantine, in der man außer Bier nichts bekommt! Und im Dorf selber ist es anscheinend nicht viel besser. – Aber dennoch gefällt es mir hier ganz gut, obwohl wir viel und anstrengenden Dienst haben. Das Essen jedenfalls ist tadellos! Und das gleicht natürlich wieder viel aus.

Augenblicklich ist hier bei uns ganz herrliches Wetter – faßt schon zu warm. Bei solchem Wetter  kommen natürlich die Tommy´s des Öfteren zu Besuch. Natürlich weniger schön, aber bisher hat der Tommy uns ja noch übersehen. Hoffen wir, daß es auch in Zukunft so bleiben möge! – Wie sieht es eigentlich bei Euch in dieser Beziehung aus? Habt auch Ihr oft Fliegeralarm?

Die alte Frau Gurr schrieb mir kürzlich, daß die Terrorbomber auch Uelzen schon etwas mit ihrem Segen bedacht hätten. Der Bahnhof und die Bahnhofstraße sollen schon zum Teil zerstört sein. Hoffentlich ist es gar zu arg geworden! Ob die alte Penne noch steht? Das Gebäude war ja nicht gerade schön, aber trotzdem wäre es sehr bedauerlich, wenn diese alte „Burg“ auch zerstört worden wäre – allein schon wegen ihrem kult-historischen Wert! –

Für heute sei nun aufs herzlichste gegrüßt von Deinem

Hinrich.


01.07.1944 Hinrich Tietjen (Luftkriegsschule 7 in Tulln) an Grete Schulz, geb. Tietjen

Deutsch-Wagram, 1.7.1944.

Meine liebe Grete!

Für Deinen lieben Brief vom 18.6. habe recht vielen Dank! Ich habe mich sehr darüber gefreut – insbesondere über die Bilder! Ich habe inzwischen nun schon wieder zwei Filme verknipst und werde sie Dir demnächst schicken. Ich habe das Paket schon so weit fertig – außer den Filmen, etwas schmutziger Wäsche befinden sich noch 200 Zigaretten darin. Du kannst sie ja an Albert schicken. Sicher kann er die Zigaretten gut gebrauchen. –

Eigentlich habe ich Dich ja wieder mal reichlich lange auf Post warten lassen. Schon in den ganzen letzten Tagen hatte ich vor, Dir endlich für Deinen lieben Brief zu danken – aber immer kam wieder etwas dazwischen. Man ist eben als Soldat wie ein freier Mann und ebensowenig sein eigener Herr bzw. über seine Zeit. – An sich gefällt mir der Kommis schon ganz gut. Aber dieses ewige von den anderen Abhängig-Sein gefällt mir gar nicht! Und auch deswegen bin ich froh, daß ich nicht für immer Offizier werde – vorausgesetzt, daß ich überhaupt jemals Offizier werde -, denn für immer, auch im Frieden Soldat zu sein, – dafür könnte ich mich wirklich nicht begeistern. Manchmal stinkt einem der Betrieb bis zum Himmel – und eigentlich bin ich doch nun erst ein Jahr dabei! Was sollen da erst diejenigen sagen, die schon vier, fünf und mehr Jahre Soldat sind. Wenn man so überlegt – eigentlich gibt es auch wieder viele schöne Tage, die man als Soldat erlebt. –

Heute freilich, am Wochenende, habe ich mal wieder so richtig Pech gehabt. Ich muß – während die Genossen ausgehen – U.v.D. machen – natürlich weniger schön bei dem schönen Wetter in der Bude rumzusitzen.

Gottseidank geht der Dienst aber nur bis morgen Mittag. Am Nachmittag werde ich dann wieder Ausgehen können.

Hoffentlich ist wenigstens das Wetter einigermaßen, dann hatte ich mir eigentlich vorgenommen zur Abwechslung mal zum Baden zu gehen!

Für heute sei nun aufs herzlichste gegrüßt von Deinem

Hinrich.


03.01.1945 Helmut Schröder (L 38059) an Grete Schulz-Tietjen

O.U., 3.1.1945

Liebe Grete!

Dein liebes Weihnachtspäckchen kam heute wirklich mehr als überraschend und unerwartet für mich an. Du, habe recht herzlichen Dank für das niedliche Tannenzweiglein – vorallendingen Deine grosszügige Nikotinunterstützung. Da schlägt mein Raucherherz wieder höher, d.h. bisher hat es im neuen Jahr noch keinen Mangel zu erleiden gehabt.

Ich hoffe, das Du mit Deiner Kusine das Weihnachtsfest doch mit etwas Frohsinn angesichts der strahlenden Kinderaugen verlebt hast, und dass für Dich diese Tage etwas Licht in Dein Inneres getragen haben. Das wünsche ich Dir von ganzem Herzen und möchte Dir hiermit auch gleichzeitig alles Gute für das neue Jahr wünschen, viel Glück und ein frohes Gesicht.

Bedenke, dass Du ja noch sooo jung bist und musst Du auch oft Deine Gedanken von der Wirklichkeit in eine andere Welt tragen lassen, zu der Du niemanden anders Zutritt gewähren möchtest – so stehe doch mitten im Leben, denn es braucht Dich, Du!

Von mir persönlich wäre, bescheiden wie ich nun mal bin (!), nicht viel zu berichten. Strategische Leistungen haben wir kaum aufzuweisen während der letzten Wochen, bleiben der Mutter Erde immer treu und – erfüllen auch so unsere Pflicht. Trotzdem haben wir an der Schwelle des neuen Jahres natürlich den Wunsch, dass uns 1945 wieder schwungvolle Einsätze und damit innere Befriedigung beschert!

Hoffen und glauben, das einzigste, was uns augenblicklich möglich ist! – In diesem Sinne wünsche ich Dir noch einmal alles Gute. Viele Grüsse von Herzen kommend zu Dir von

Helmut

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Florian Leister – Reserve-Infanterie-Regiment 92 (Kriegstagebuch 18. Dezember 1915 – 13. Dezember 1918)

Florian Leister wurde am 30. Januar 1877 in Herbstein geboren. Seine Eltern waren Adrian Leister (1831-1918) und Lucia Leister, geb. Sauer (1836-1918). Am 22. Oktober 1900 heiratete er Katharina Magdalena Traud (1881-?). Ihre gemeinsame Tochter Maria Katharina Staubach, geb. Traud (1901-2002) war mit dem Sattler Nikolaus Staubach (1896-1945) aus Herbstein verheiratet. Dessen Kriegstagebuch zum 1. Weltkrieg ist hier nachzulesen.

Florian Leister verstarb am 16. Februar 1948 im Alter von 79 Jahren in Herbstein.

Für die freundliche Bereitstellung der Fotos danke ich der Urenkelin Claudia Ruhl-Michler.

Florian Leister als Soldat (undatiert)
Florian Leister im Jahr 1946

Wann genau Florian Leister zum ersten Mal als Soldat gedient hat, geht aus dem vorliegenden Kriegstage nicht hervor. Auch ist unklar, in welcher Einheit er zu Beginn seiner Aufzeichnungen Soldat war. Ab dem 15. September 1916 war Leister Soldat beim Reserve-Infanterie-Regiment 92.

Sein Kriegseinsatz endete am 13. Dezember 1918 mit der Rückkehr in seine Heimat Herbstein. An dem Tag beendete er auch seine Aufzeichnungen.

Auf der rechten Seite beginnen das Kriegstagebuch am 18. Dezember 1915. Links stehen Adressen von anderen Soldaten.
Auf der linken Seite endete das Kriegstagebuch mit der Nennung des Namens sowie des Geburtsdatums. Auf der rechten Seite hat er die Todesdaten seiner Eltern vermerkt. Sein Vater Adrian Leister verstarb am 10. Juni 1918 im Altern von 87 Jahren 3 Monaten 10 Tagen. Seine Mutter Lucia Leister, geb. verstarb am 21. Dezember 1918 im Alter von 82 Jahren 5 Monaten 28 Tagen. Die Namen seiner Eltern nennt er auf dieser Seite allerdings nicht.

Florian Leister – Kriegstagebuch vom 18. Dezember 1915 bis 13. Dezember 1918

Ausmarsch 18.12.15.

am 18.12.15 wahren wir in Sedan von Sedan sind wir der Grenze entlang bis nach Grandpre [Grandpré][.] Da haben wir 1 ½ Tage gelegen dan sind wir in Arkanen [Argonnen] Wald in Reserve Stellung da haben wir 1 Tag gelegen. Dann sind wir ins Tafelland[,] da lagen wir wieder in Unterständen 3 Tage[,] da haben wir das Weihnachtsfest gefeiert. Es wahr ein drauriges[,] wir haben Holz in die Stellung schaffen müssen[,] dann sind wir ins Muther Lager da haben wir wieder 4 Tage gelegen[,] dan wahr ich bis zum 10.1.16 an der Front[,] dan bin ich hinter die Front als Pferde Fleger gekommen[,] da wahr ich vom 10.1.16 bis zum 6.4.16. Dan bin ich wieder zur Kompanie in den Argonen [Argonnen]. Daselbst hatten wir am 15.4.16 einen schweren Tag[,] am 17.4.16 hatten wir wieder einen[,] dan sind wir 5 Tag in Ruh dan 5 Tage in Reserve[,] dan 5 Tage in I. Stellung[,] am 31ten 4.16 hatten wir wieder schweren Mienentag. Am 1.5.16 hatten wir wieder einen. Am 1 Mai nachts ½ 12 Uhr fiel mein Nebenmann durch einen Granatsplitter. Thomas von Gersweit.

Am 5.5. drangen die Franzmänner in unseren Graben ein[,] sie haben aber den Asch gewaschen bekommen. Dan hatten wir ziemlich Ruhe vom 22.6.16 bis 5.7.16 hatte ich Uhrlaub[,] wurde aber schon am 27.6.16 wieder zurückgerufen[,] am 29.6.16 sind wir verladen worden[,] am 30.6.16 wahren wir in Marville[,] da haben wir bis zum 11.7.16 in Ruh gelegen[,] von dort bin ich von dem Regiment 168 wechgekommen am 11.7.16. Dann habe ich 2 Tage in Aute [Authe] gelegen[,] dan bin ich vom 13.7.16 bis zum 13.9.16 in Brikqunäy [Briquenay] gelegen. Von da haben wir 3 Tage im Feld Rekruten Depot in Otrief [Autruche?] gelegen[,] am 15.9.16 sind wir ins Res. Ift. Reg. 92 gekommen[,] wo wir als bald in Stellung gingen[,] in welche wir am 29.6.16 verlassen haben in den Argonnen. Ich kam in die erste Kompanie. In den Arkonen [Argonnen] wahr ich dan bis zum 4.10.16. Da wurden wir abgelast[,] dan sind wir in Tagemärsche weitergerückt[,] am 5.10.16 bis nach Grandpre [Grandpré] daselbst wahren wir noch am Abend im Kino am 6.10.16 sind wir von Grandpre [Grandpré] bis nach Fosse [Fossé?] unterwegs habe ich auch mal abgemacht. Am 8.10.16 wahr ein Sontag[,] da hatten wir Ruhetag morgens hatten wir Katoliken Kirchgang[,] wo wir Alle zu den heiligen Sakramenten gewesen[,] am 9.10.16 sind wir von Fosse [Fossé?] nach Harikourt [Barricourt?][,] wo wir abends um 9 Uhr verladen wurden dan sind wir durch Belgen [sic!] gefahren und kamen am 10.10.16 abens 10 Uhr in Velu an[,] dan hatten wir noch einen Marsch bis nach Neuville[,] wo wir um 1 Uhr nachts ankamen[,] am 11.10.16 morgens bin ich dan nach Betingcourt [Béthancourt-en-Vaux?][,] von wo ich 14 Tage in Uhrlaub gefahren bin[,] am 27.10.16 bin ich wieder von zu Hause wegefahren[,] als ich dort ankam[,] wahr unßer Batalon schon von der Same [Somme] weg[,] ich bin dan nachgereist und kam am 31.10.16 Nachmittags in St. Mauricie [Saint-Maurice-sous-les-Côtes] bei der Kompanie an[,] wo auch unßer Ruhelager ist[,] von da sind wir am 1.11.16 in Stellung gegangen auf die Compleshöhe [Combreshöhe – Combres-sous-les-Côtes] da wahren wir abwechlent auf Feldwache und Postenstehn im Graben. Feldwache wahr in Longoug [Longeau] Thal zwischen La Barsche [Les Éparges] und St. Maures [Saint-Maurice-sous-les-Côtes] vom 24.11.16 bis zum 30.11.16 wahr ich in Hanville [Hannonville-sous-les-Côtes] und habe ein Kursus über Brieftauben durchgemacht.

Am 1.12.16 gingen wir wieder in Stellung wo ich am 5.12.16 abends um ¼ vohr sieben Uhr bei einen Sturmangriff durch eine Gewehrgranate verwundet wurde ich kam dan ins Res. Feld Laz. N. 48[,] welches in Labeuwille [La Neuville, Belgien] wahr[,] am 12.12.16 wurde durch Oberation ein Eisensplitter[,] welcher mir im rechten Unterarm stekte[,] entfernt. Im Res. Feld. Laz. habe ich gelegen vom 9.12.16 bis zum 3.1.17[,] dan kam das Lazarett nach Mars La Tur [Mars-la-Tour][,] da wahr ich vom 3.1.17 bis zum 1.2.17[,] dan kam ich ins Ersatz Depot nach Moel[,] da wahr ich bis zum 3.2.17[,] da wurde ich abkomantiert nach St. Maurice an die Bahn bis zum 10.2.17[,] von da wahr ich wieder bei der I Kompanie R. 92[,] am 15.2.17 wurden wir an der Kompres Höhe [Combres-Höhe] abgelöst[,] am 16.2.17 morgens 3 Uhr wurden wir dan auf Station Vinelles Wald verladen[,] wir kamen gegen Mittag auf Station Longong [Languyon] an[,] wo wir ausgeladen wurden[,] dan sind wir marschiert bis nach Tellangcourt [Tellancourt] [,] da wahren wir vom 16.2.17 bis zum 29.2.17 in Ruhe. Am 24.2.17 kamen wir wieder wech[,] morgens um 6 Uhr sind wir an einer Station zwischen Longwy und Longong [Longuyon] verladen worden[,] dan sind wir 12 Stunden mit der Bahn gefahren[,] abens um 8 Uhr wurden wir ausgeladen und kamen dan des Nachts nach einem schönen Marsch in ein französisches Dorf ins Quatir in Froitmont [Froidmont-Cohartille] [,] da haben wir zwei Tage gelegen[,] dan sind wir am 28ten morgens um 5 Uhr abmarschiert und kamen abens um 10 Uhr in Stellung an[,] das wahr ein bößer Marsch. Die Füße ganz durchgelaufen[.] Die Stellung nante man die Caronner Höhen [Craonne Höhen] [,] dan lagen wir vom 28.2. [bis] 7.3.17[,] dan wurden wir etwas mehr nach rechts geschoben und kamen in die Souffen Höhle[,] wo unsere Krieger schon in 1870 gelegen haben[,] da wahren wir vom 7.3.17 bis zum 9.3.17[.] Dann zogen wir in die Maiwald-Höhle[,] das sind ausgegrabene Kreiden Berge. Da wahr ich bis zum 22.3.17[,] dan kam ich zum Fahrbaren Taubenschlag 89VII[,]da sind wir dan abwechselnt mit Tauben nach Stellung[,] da wahren vom 6.4.17 zum 18.4.17 schwere Schlachten im Gange[,] die schreklichsten[,] die in diesen Kriege geführt worden sind[.] Der Franzmann hat sich aber den Kopf gehörig eingerant. Am 4.5.17 sind wir dan von Coucy les Eppes [Coucy-lès-Eppes] wech[,] fuhren dan von Liessy [Liesse-Notre-Dame] mit der Bahn nach bis nach La Gagelle[,] wo wir über Nacht blieben[,] von da wurden wir dan am 5.5.17 verladen und fuhren abens 5 Uhr nach Rußland ab und kamen am 10.5.17 Morgens 8 Uhr in Mitau an[,] da wurden wir ausgeladen[,] von Mitau bin ich dann am 11.5.17 wieder wech 30 Kilometer weiter zurük[,] da wahr dan unßere Leben Arbeitsdienst und Exiezieren[,] wir wahren auf 2 Großen Höfen untergebracht[,] die Wohnungen wahren gut. Wir lagen in der Schule auf Gut Hayden bis zum 27.5.17. An diesen Tage sind wir morgens 8 Uhr abmarschiert und kamen nach 3 Stunden Bahnfahrt und 20 Kilometer Marsch durch einen Endlosen Wald von Tannen in der Reserve Stellung zwischen Riga und Tokum [Tukum] an[,] es wahr das Sumerak Lager. Am 10.6.17 wurde ich mit der Hessischen Tapferkeits Metalie ausgezeichnet. Am 14.6.17 sind wir morgens 8 Uhr in Lager Sumerak abmarschiert und kamen abend 6 Uhr in unsern alten Quatieren auf Gut Hayden an[,] es wahr ein böser Marsch in Sommerhitze und Straßen Staub[.]

Von 9.6.17 bis 15.7.16 wahr ich in Uhrlaub. Am 12.7.17 bin ich dan abens 8 Uhr von Herbstein ab und kam am 15.7.17 nachts um 12 Uhr in Tokum [Tukum] an[,] vom 18.7.17 bis zum 12.8.17 wahr ich Fahrer beim Batalion am Pakwagen. Am 22.7. kamen wir wieder von Tokum [Tukum] wech[,] abens um 7 Uhr wurden wir verladen und kamen am 24.7.17 morgens um 2 Uhr in Soly an und kamen östlich Wilna [Vilnius] in Stellung bei Smorgon [Smarhon bzw. Smorgon], wir lagen in Pomary [Ponara?][,] am 25[.] wahren die Rußen geworfen und zogen wieder ab am 27.7.17 sind wir wieder von dort abgezogen und kamen abens bis nach Potele[,] da blieben wir bis nachts um 1 Uhr[.] Dann wurden wir am 28.7.17 morgens wieder in Soly verladen und kamen am 29.7.17 wieder nach Mitau [Jelgava][.] Da blieben wir bis zum 24.8.17. Da sind wir morgens 7 Uhr von Mitau [Jelgava] abmarschiert und kamen Abends bis nach der Oberförsterei Annenberg[.] Da blieben wir die Nacht[,] es war ein schreklich heißer Tag[,] wir hatten keinen trockenen Faden mehr an uns fohr lauter Schweis[.] Von da sind wir am 25.8.17 morgens um 6 Uhr abmarschiert und man abens nach dem Gehöft Jonsen[,] da blieben wir die Nacht[,] am 26.8.17 morgens um 5 Uhr marschierten wir wieder ab und kamen nachmittags in einen großen Wald wo wir Biwak bezogen zwei Stunden von Neu Gut[,] da blieben wir bis zum 31.8.17[,] von da sind wir dan am 31.8. wieder nach vorne[,] am 1.9.17 ging dan die Sache los um 4 Uhr morgens fing unßere Atielerie an zu schießen[,] um 9 Uhr morgens began das übersetzen über die Düna um 12 Uhr Mittag hatten wir die 3 Rußischen Stellungen überrant[,] am 2ten 9. ging es weiter immer kämpfend vohr an den wahren wir als Reserve und lagen in einem großen Wald[.] Da haben wir sein gelebt wir haben uns aus den verlaßenen Dörfern geholt[,] was wir brauchten[,] es wahr ein richtiches Ziegeuner Leben. Am 7.9. hatten wir Kaißer Parade [Anmerkung jw: Die Parade war in Riga]. Am 10.9.17 wahren wir bei Riga aus gebracht[,] morgens ½ 8 Uhr sind wir aus unßeren Lager abmarschiert zurük über die Düna und blieben in Salit [Zālīte] bis zum 11.8.17 abens[,] um 6 Uhr gings nach dem Bahnhof Gedeny[,] wo wir verladen wurden[,] am 11.9.17 erhielt ich das Eiserne Kreuz wegen tapferem verhalten beim Übergang über die Düna und die dadurch folgende Kämpfe. Unsere fahrt ging dan von Osten nach dem Westen. Am 13.9.17 fuhr unser Zug bein Einfahren in den Bahnhof auf einen Güterzug[,] da gab es aber bei uns Burzelbäume[,] es schlug Alles durch einander[,] toten hatten wir keine[,] aber ein ganzen Batilon zürka 40 leicht verwuntete und einige Verschiedene Pferde von dem Güterzug wahren 5 Wagen in Trümmer. Ich bin mit einem kleinen Schreken davongekommen. Am 17.9.17 abens um 6 Uhr wahren wir in St. Gobert[,] wo wir aus geladen wurden. Vom 17.9.17 lagen wir bis zum 21.7.17 in Rougeries, von da sind wir morgens um 10 Uhr am Bahnhof St. Gobert verladen worden und sind am 22.9.17 Morgens um 2 Uhr an einem Bahnhof in der Nähe von Gent ausgeladen und marschierten dan nach Zülte [Zulte][,] wo wir ins Qwatier kamen. Da lagen wir bis zum 24.9.17 morgens[,] um 7 Uhr marschierten wir wieder ab bis nach dem Bahnhof Waregem[.] Da lagen wir bis abens 5 Uhr[,] dan fuhren wir ab nach Menien [Menen] und kamen nach Halluin zuliegen.

Am 26.9.17 morgens um 7 Uhr gings mit Sturmgepäck los und kamen bis bei das Dorf Schellouwe [Geluwe?][.] Da lagen wir in den Büschen als Reserven[,] da gabs schon mal ziemlich Saures. 5 Mann verwundet[,] ein Mann tot verwundet[,] am 27.9.17 lagen wir auch noch da und gingen dan abens bei Maschäde in Stellung[.] Da wir die Schlagt nicht Schlagt[,] ein schlachten wahrs zu nennen am 4.10.17 began der Ankriff von neuem[.] Das englische Tromelfeuer wahr nicht zum aushalten.

Die englischen Strum Kolonnen kamen in Haufen und bei allen dem haben wir stand gehalten[.] Die Schlacht dauert von morgens 5 Uhr bis abens 8 Uhr[,] es wahr ein schreklicher Tag[,] der schlimste[,] den wir bis dahin mitgemacht haben[,] in der Nacht von 6ten zum 7.10.17 wurden wir abgelöst und kamen nach Derlik [Deerlijk][,] wo wir blieben bis zum 8.10.17[.] Da marschirten wir nachts ½ 12 Uhr ab und in eine Station in Belgien verladen und fuhren bis nach Garignan [Carignan] und gelangten dann bis nach Tetäine [Tétaigne] [,] von da fuhr ich dan am 11.0.17 abens um 8 Uhr in Uhrlaub.

Am 17.10.17 kam das Regiment von Tetäine [Tétaigne] wieder wech und kam nach Romagne und kamen dan in Stellung im Wald von Malangcourt [Malancourt] [,] am 28.10.17 Nachmittags um ½ 4 Uhr fuhr ich von Herbstein wieder ab und kam am 29.10.17 Nachmittags in Romagne wieder an und kam noch am selben Abend in Stellung im Wald von Malangcourt [Malancourt] vohr der Höhe 304[,] eine Trostlose Gegend von Wald keine Spur mehr[.] Da blieben wir bis zum 17.12.[.] Da wurden wir abgelöst und kamen am 18.12. nach Stenay in die Kaserne[.] Da wahren wir bis zum 16.1.18. Da marschierten wir morgens um 6 Uhr ab bei Sturm und Regen[,] kamen dan nach Louby [Louppy-sur-Loison ][,] fuhren mit der Kleinbahn bis nach Romagne [Romagne-sous-les-Côtes] bei Verdun und gingen dan noch 11 Kilometer bis nach Billy[,] kamen daselbst in eine große Scheune und blieben über Nacht[,] am 17.1.18 zogen wir wieder in Sturm und Regen von Billy nach Romagne [Romagne-sous-les-Côtes] zurük[,] kamen dort in eine große Barake[,] blieben die Nacht und am 18.1.18 den Tag über da liegen und gingen von da am 18.1.18 abens in Stellung in der Orneschlucht [Ornes-Schlucht][,] wo wir 1916 schon gelegen haben aber die Gegend ist nicht wieder zu erkennen[,] vom Wald ist nichts mehr zu sehen. Alles verwüstet und zerstört. Alle Dörfer in der ganzen Gegend nur noch ein Schutthaufen. Am 5.3.18 haben wier morgens früh 5 Uhr 50 Minuten einen Sturm gemacht[,] haben aber nicht viel erreicht[,] 28 Gefangene[,] das wahr die beute. Am 28.3.18 in der Nacht von Grünendonnerstag zum Charfreitag wurden wier abgelöst und marschierten am 30.3.18 morgens 2 ½ Uhr vom Lager bei Romagne ab bis nach Springcourt [Spincourt] [,] wo wir die Nacht blieben. Am 31.3.18 am ersten Ostertag marschierten wir um 7 Uhr morgens wieder ab und kamen abens nach Villieres[.] Da kamen wir in Bürgerquatier und blieben da bis zum 10.4.18. Da marschierten wier abens 7 ½ Uhr wieder ab bis nach Autun[,] wo wir abens um 10 Uhr verladen wurden und kamen am 12.4.18 morgens um 8 Uhr in Touhrout [Torhout] in Flandern an [,] wo wier ins Quatier kamen. Da blieben wir bis zum 16.4.18 morgens um 4 Uhr marschierten wier wieder von Thouraut [Torhout] wieder ab fuhren eine Strecke Wegs mit der Bahn bis nach Lichterfelde [Lichtervelde] marschierten über Staten [Staden] und blieben den Tag über im Gelände liegen[,] am abend marschierten wier wieder zurük[,] blieben dan hinter Übern [Ypern] als Reserve liegen[,] suchten uns Unterkunft so gut es ging und haben dan am 17.4. und 18.4.18 die Straße aus gebessert. Am 18.4.18 abens ging es wieder weiter bis nach Rouliers [Roeselare, frz. Roulers] [,] wo wier die Nacht blieben[,] morgens um 8 Uhr ging es wieder weiter eine Strecke Wegs zu Fuß[,] dan sind wir mit der Bahn gefahren bis nach Lendelede. Da kamen wier ins Quatier und blieben da bis zum 21.4.18. Da ging es wieder am 21.4.18 morgens um 8 Uhr los in einem Marsch bis nach Halluin[,] wo wier im September 1917 schon mal gelegen haben. Da lagen wier bis zum 24.4.18. Da sind wir morgens abmarschiert bis zur Bereitschaft Stellung[,] am 25.4.18 morgens um 4 Uhr began das Tramelfeuer um 6 ½ Uhr ging der Sturm los der Engländer wehrte sich tapfer[,] mußte aber weichen[,] wir nahmen eine Stellung nach der anderen bis über den Kemmel Berg hinaus[,] bis unßere Atilerie nicht mehr so weit schießen konnte. Dan lagen wier fest[,] wier machten 7000 Gefangene am es wahren böße Tage[,] am 1.5.18 wurden wier abgelöst und kamen nach einem langen bößen Marsch nach Kuurne ins Quatier hier blieben wier bis zum 5.5.18. Da marschierten wir mittags um 2 Uhr ab und wurden um 4 Uhr nachmittags in Halebeke [Harelbeke?] verladen[,] fuhren dan 24 Stunden mit der Bahn bis nach Juniville[,] wo wier ausgeladen wurden[,] gingen dan bis in ein Waldlager[,] wo wier blieben bis zum 9.5.18[,] am Tage Himmelfahrt gingen wier abens in Stellung am Pöhlberg in der Champagne[,] am 26.5.18 erhielt ich eine Depesche[,] daß mein guter Vater im sterben liegt am 27.5. wurde unßer Batallion mehr nach rechts verschoben näher an Reims heran. Am 29.5.18 fuhr ich in Uhrlaub[,] abens um 9 Uhr ging ich im Waldlager wech und kam nachts um ½ 1 Uhr in Juniville an[.] Der Zug fuhr morgens 6 Uhr 40 Minuten von da ab[,] am 31.5.18 um 4 Uhr nachmittags wahr ich zu Hauße. Am 10.6.18 nachmittags um 6 Uhr ging mein Vater 87 Jahr 3 Monate und 10 Tage als in die Ewigkeit. Am 16.6.18 bekam ich 14 Tage Nachuhrlaub am 17.6.18 habe ich mir den rechten Fuß verbrant. Ich habe dan zu Hauße gelegen[,] am 3.6.18 kam ich dan nach Gießen ins Lazarett. Von da wurde ich ins Lazarett nach Osnabrück überwiesen und kam am 4.7.18 abens um 6 Uhr dort an[,] ich kam ins Reserve Lazarett Harmonie Glub [Harmonieclub] Hakenstraße [.] Da blieb ich bis zum 13.7.18. Da kam ich ins erste Ersatz Batallion Ift. Regt. 78 zur 5[.] Kompanie. Von 22.8. bis 2.9.18 wahr ich in Uhrlaub. Am 10.9.18 morgens 6 Uhr ging es von Osnabrück auf den Truppenübungsplatz Munster. Am 26.9.18 Nachts 1 Uhr sind wir wieder in Munster nach dem Westen ausgerükt. Am 29.918 abens kamen wier in Crepy [Crépy] bei Laon an[,] blieben die Nacht in Crepy [Crépy] und gingen am nächsten Morgen zur ersten Kompanie R. 93. Die Schreibstube lag in Vivaise[.] Da wahr ich bis zum 11.10.18. In der Nacht vom 11. zum 12ten 10.18 haben wir uns freiwillig zurükgezogen 40 Kilometer[,] kamen am 12ten 10.18 morgens um 7 Uhr in St. Gobert an. Da sind wir im September 1917 auch schon gewesen[,] von da sind wir dan hin und her gewantert[,] wo waß los wahr kamen wir hin[,] am 4. und 5ten 11.18 hat unßere 19 R-D. den Rest bekommen von meiner Kompanie der 1 R. 92 kamen noch 16 Mann zurük[,] am 9.11.18 wurde der Rest von der Division heraus gezogen[,] am 11.11.18 morgens wurde es bekannt gemacht[,] daß um 12 Uhr mittag Waffenstillstand wahr, um ½ 12 Uhr mittags hieß es[,] alles fertig machen[,] um 12 Uhr abmarsch nach Deutschland[.] Das wahr eine große Freude[,] wir konten es nicht fassen[,] daß es auf eimal Schluß wahr[,] wir lagen an einem Hof 4 Kilometer von Thuin[,] von da ging es wieder stram weiter am 19.11.18 hatten wir Ruhetag. In der Nacht vom 21.11. zum 22.11.18 wahren wir zum letzten mal in Qutier. Unßere Marschleistung wahr Marbäx [Maubeuge] Charleroi Namur-Stavelot. Am 22.11.18 Mittags ½ 12 Uhr ginge wir über die deutsche Grenze die erste Deutsche Statd wahr Malmedy[,] am 23.11.18 hatten wir Ruhetag. Am 24.11.18 wurden wir schon um 3 Uhr morgens rausgeschmissen es wahr eine bittere kälte[.] Am 28.11.18 hatten wier in Mechernich Ruhetag[,] das wahr das erste Stätdchen in Reihnland[,] nun wahr wier endlich nach schweren Märschen aus der Eifel raus. Am 29.11.18 ging es um 3 Uhr wieder raus bis nach Roitzheim. Am 30.11.18 kamen wir bis nach Duisdorf. Am Sontag 1.12.18 morgens um 8 Uhr gingen wier durch Bonn[,] es wahr der reinste Triumpfzug[.] Die Bevölkerung überschüttet uns mit Blumen und Bändern und theilten an uns Geschenke aus[,] um 9 Uhr marschierten wir über die Reihnbrücke[.] Die Bevölkerung bildet Spalier das Grüßen und Wiken nahm kein Ende[,] so kamen wir nach Hennef. Am 2.12.18 gingen wir weiter konten aber keine Unterkunft finden wir gingen wieder nach Hennef zurük. Wir sollten in Blankenberg und Umgegend liegen bleiben als Grenzschutz bis zum Friedensschluß[.] Da gab es aber Krach im Regiment entweder die Offizieren gehen mit uns nach Osnabrück oder wir handeln selbstständig bis zum 3ten 12.18 verlangten wir Antwort[.] Da gab es bei dem Herrn dume Gesichter zur festgesetzten Zeit erklärten Sie[,] wir sollten zusammen bleiben[.] Sie gingen mit. Am 4.12.18 morgens hauten wir ab[.] Der Hauptmann macht ein dumes Gesicht an diesem Morgen sagte Er nicht guten Morgen Leute die Herrn wollten hier einen guten Winter verleben und wir wahren die dumen[.] Am 4.12.18 kamen wir bis nach Bruchhaußen [Bruchhausen]. Von da gingen wir am 6.12.18 nachmittags 5 Uhr wech und kamen abens um 10 Uhr nach Grünebach[.] Von da gingen wier am 7.12.18 nachmittags 4 Uhr von Grünebach wech und kamen nachts 1 Uhr in Osthelden an[.] Das wahr ein bößer Marsch bei Nacht und Regen. Vor Osthelden gingen wir am 9.12.18 morgens um 9 Uhr wech und kamen nachmittags um 3 Uhr nach Silberg. Von da wurde ich am 12.12.18 nach der Heimat entlaßen[,] ich ging am abend nach Welschenennest [Welschen Ennest ][,] fuhr mit der Bahn und kam am 13.12.18 morgens um 3 Uhr nach Gießen und abens um 4 Uhr nach Hauße.

Das wahr das Ende für mich von dem Feldzug 1914-18[,] geschrieben den 13.12.18

Florian Leister

geb. am 30.1.1877.

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Nikolaus Staubach – Infanterie-Regiment 116 (Kriegstagebuch 11. Oktober 1915 – 22. März 1917)

Nikolaus Johann Staubach wurde am 4. November 1896 in Herbstein geboren. Seine Eltern waren der Landwirt und Sattler Wilhelm Staubach und dessen Ehefrau Justine, geb. Leister. Er erlernte, wie bereits sein Vater, den Beruf des Sattlers.

Sein Schwiegervater war Florian Leister, dessen Kriegstagebuch hier nachzulesen ist.

Nikolaus Staubach verstarb am 20. September 1945 in Herbstein an Lungen- und Bronchialkrebs mit Herzschwäche. Er war seit 26. Januar 1926 verheiratet mit Maria Katharina Therese, geb. Leister (geb. 25. September 1901 – gest. 26. März 2002). Die Eheleute wohnten im Haus Lange Reihe 14 in Herbstein. Gemeinsam hatten sie vier Kinder.

Das ehemalige Haus der Familie Staubach (Lange Reihe 14 in Herbstein) in der Mitte des Fotos wurde 1994 abgerissen.
Hochzeitsfoto des Ehepaares Maria und Nikolaus Staubach (26. Januar 1926)

Nikolaus Staubach wurde am 11. Oktober 1915 beim Infanterie Regiment 116 in Griesheim bei Darmstadt zur Grundausbildung einberufen. Seine Ausbildung erfolgte dann beim Infanterie Regiment 168. Danach wurde er dann am 11. März 1916 an die Westfront nach Frankreich verlegt. Hier war er Soldat in der 1. Kompanie (Leibkompanie) des Infanterie Regiments 116.

Nikolaus Staubach als Soldat.

Nach seinem Militärpass hat er folgende Gefechte mitgemacht:

  • 20.-21.3.1916 im Chauffour- und Albain-Wald
  • 11.-28.4.1916 bei Forts Douaumont
  • 17.5.-8.9.1916 Stellungskampf der 25. I.D.
  • 13.-15.9.1916 bei Bouchavesnes

Am 15. September 1916 wurde Staubach durch eine Artilleriegranate am Kopf bei Bouchavesnes an der Somme verwundet. Nach langem Lazarettaufenthalt mit mehreren Operationen wurde er am 5. Oktober 1917 zur 3. Kompanie I. Ersatz Bataillon Infanterie Regiment 116 kommandiert. Am 13. November 1917 wurde er als kriegsunbrauchbar eingestuft und ihm wurde ab dem 1. Dezember 1917 eine Rente auf Grund von Kriegsbeschädigung zuerkannt. Am 11. September 1918 wurde ihm das Verwundetenabzeichen in Schwarz verliehen.

Seine Aufzeichnungen sind insgesamt nicht sehr lang. Interessant ist, dass er seine Aufzeichnungen anscheinend zeitnah zu den Ereignissen gemacht hat. Am Ende des Kriegstagebuches hat er dann angefangen, ausführlichere Erinnerungen zu verfassen. Diese decken allerdings nur den Zeitraum vom 11. Oktober 1915 bis 20. März 1916 ab. Dann enden diese, obwohl noch ausreichend Seiten im Heft zur Verfügung gestanden hätten.

Für die freundliche Bereitstellung der Fotos danke ich der Enkelin des Ehepaares Staubach, Claudia Ruhl-Michler.

Die Seiten 2 und 3

Nikolaus Staubach – Kriegstagebuch vom 11. Oktober 1915 -22. März 1917

Musketier Staubach geb. zu Herbstein am 4. Nov. 1896

(Oberhessen Kr. Lauterbach, Wohnort Herbstein Lange Reihe 14[)]

Am 11. Okt. 1915 eingerückt zum Militär bei das Inf. Reg. 116 z.Z. in Griesheim b. Darmstadt nach Bad-Orb Lager Wegscheide zu den Inf. Reg. 168 am 11. März [1916][,] ausgerückt ins Feld nach Frankreich. Die erste franz. Bahnstation war Audun le Roman [Audun-le-Roman].

In Longuyon ausgeladen. Dann marschiert nach Marville dort einquartirt in ein Schloß[.] Dort eine Explosion gehört.

Seit 20. März in St. Laurent [Saint-Laurent-sur-Othain] dem Inf. Reg. 116 zugeteilt bei der Leibkompanie. Seit 6. April in Rupt [Rupt-sur-Othain].

Seit 10. April in Stellung. Erst ins Forts Douaumont. (Ruheposten in der Brielschlucht [Brûle-Schlucht] eine Granate 1 m hinter dem Unterstand eingeschlagen.)

(ha[l]blinks v. Fr. Doautmont [sic!] das Fr. Faux)

Dort einige Tage Nachts geschanzt[.] Karwoche und an Ostern im Schützengraben in gr. Dreck, Schlamm, Regen, Feuer verlebt[.] Am 20. April Gründonnerstag gestürmt. / 25-60 m v. Franzmann entfernt. Dabei großes Glück gehabt / Regenwetter / abends

Ein Tag im Fort verw. in großem Feuer.

Am 26. April aus Stellung fast 2 Tage durch Azzan [Azannes-et-Soumazannes] marschiert bis 27. April mittags Millers [Villers-lès-Mangiennes] in Grand Faili [Grand-Failly] am 29. abends dort wegmarschiert[.] Am 30. April morgens Weißersonntag verladen in Aransie [Arrancy-sur-Crusne] über Mondmedy [Montmédy], in Sedan verpflegt, Mahon [Mohon?], Laon.

Seit 30. einquatiert in Barantont Bugny [Barenton-Bugny]. Hier einquatiert in einer Schule am Speicher[,] am 15. Mai abmarschiert nach Laniscurt [Laniscourt] durch Aulnois [Aulnois-sous-Laon][,] einquatiert in einer Schule[.] Dort in einem Fort v. Festung Laon gewesen.

Am 16. Mai abmarschiert abends, durch Mons und andere Ortschaften. An einem Bergabhang hinter der Stellung einquatiert (sehr ermüdet).

Dort das Dorf Cernay [Cerny-lès-Bucy] daselbst mit Kirche total verschossen (Viele Unterstände eingerichtet)[.]

Am 21. Mai in Stellung Schützengraben 8-90 m v. Franzm. weg.

Am 22. Mai abkomendiert zu dem Bayrisch Feldluftschifferabteilung 7 nach Laval [Laval-en-Laonnois].

Am 28. Mai in Preßles [Presles-et-Thierny ] (Kirchgang) gewesen.

am 1. Juni Cr. Himmelfahrt (1. Ballonwache)[.]

Pfingsten ohne Dienst verlebt. (am 11. Juni zum Ballon jedes mal durch Nouvon [Nouvion] gekommen.

Am 22. Juni (Frohnleichnahm) mit einen Lastauto in Laon gewesen.

Ab u. zu Feuer beim Ballon bekommen.

Am 25. Juni Ballon abgerüstet u. schwer gearbeitet[.]

Seit 26. Juni nach Festung gekommen mit Ballon. Am 13. Juli in Laon u. Aulnois [Aulnois-sous-Laon] gewesen (Sattlerwerkz. geholt. [)]

Am 17. Juli zurück zur Komp. marschiert nach Cerny [Cerny-lès-Bucy][.]

Am 22. Juli in Stellung. Ab und zu großes Minenfeuer und Artilleriefeuer[.]

Am 27. in Ruhestellung[.]

Am 1. August in Stellung. Am 3. Aug. einen 8 Uhr Ab. Feuerüberfall von uns mit Minen- und Artilleriefeuer.

105 eine Gewaltsame erkundung [sic!] eines Großes Feuer gewesen.

Am 6. Aug. aus Stellung Ruhestellung.

Am 11. Aug. in Stellung.

Am 15. Aug. morgens großes Minen- und Artl. Feuer v. uns und einen Angriff rechts von uns von unserer[sic!][.]

Am 16. Aug. in Stellung.

Um 205 Uhr Sprengung der Franzosen vor Ihren eigenen Graben in unserm (1. Z. Abschnitt) darauf Allarm und es erfolgte beiderseits Artillerie und Minenfeuer[.]

Am 26. Aug. in Ruhestellung.

Am 25. Aug. wurde der Ballon III.[,] wo ich gewesen bin[,] abgeschossen.

Am 31. Aug. in Stellung.

Am 5. Sept. in Ruhestellung.

Am 8. Sept. abgelöst v. Cerny u. abends wegmarschiert durch Bruyers [Bruyères-et-Montbérault] nach Laon[,] dort einquatiert.

Am 11. Sept. Abds. verladen. Vor Cambrai ausgeladen und hineinmarschiert einquatiert in einer Kaserne. Am 12. Sept. nachts allarmiert u. z. Front gekommen.

Schweres Artilleriefeuer ausgehalten.

Am 14. Sept. ein franz. Angriff vollständig abgeschlagen b. Buchavenes [Bouchavesnes-Bergen]. Am 15. Sept. Mittags durch einen Granatsplitter durch den Stahlhelm am Kopf schwer verwundet. Abends durch 4 Kameraden zurückgeschafft und ins Feldlaz. gekommen nach Bellicourt.

Am 24. Sept. weiter zurückgekommen in ein Kriegslaz. nach Caudry.

Am 27. Sept. opperiert.

Am 9. Ockt. verladen in ein Lazarettzug nach Deutschland.

Am 11. morgens ins Lazarett nach Witten a. d. Ruhr Evgl. Diakonissenhaus.

Am 20. Jan. [1917] nach Bedburg-Hau verlegt in Spezialbehandlung.

Am 22. März opperiert.

Vorstehende Erlebnisse ausführlicher beschrieben

Ich Musketier Staubach am 4.11.1896 zu Herbstein geboren / Oberhessen rückte am 11. Ocktober 1915 ein zum Militär[.] Zuerst war ich beim 2. Ersatz Batl. 2. Komp. Inf. 116 auf dem Truppenübungsplatz bei Darmstadt (Griesheimer Sand)[.] Dort ein strenger Hauptmann Namens Mannig[.] Am 29. Nov. 1915 kamen wir auf den Truppenübungsplatz nach Bard-Orb (genannt Lager Wegscheider) bei die 3. Komp. II. Ersatz Battl. Inf. 168[.] Dort wurden wir weiter ausgebildet bis zum 11. März 1916. Dann rückten wir aus ins Feld nach Frankreich und kamen in die Ofensive [sic!] die damals war bei Verdun. Schon an der Grenze hörten wir schon stark den Donner der Kanonen die erste französische Bahnstation war Audun le Roman [Audun-le-Roman]. Von da fuhren wir weiter bis nach Longuyon / Unterwegs sah man[,] daß Krieg war / Hier wurden wir ausgeladen. Am Bahnhof hatten wir einen kleinen halt. Hier war schon allerhand Betrieb. Truppen auf Truppen[,] Donner auf Donner und Dreck auf Dreck[.] Wir gingen dort erst in eine Kantine und tranken einen Schippen Bier. Es war Abends gegen 5 Uhr da ging es nun zu Fuß weiter, mit feldmarschmäßigem Gepäck. Wir mußten neben den Straßen marschieren auf durchweichtem Boden, da die Lastautos die Straßen benutzten[.] Wir marschierten bis etwa Mitternacht und kamen bei Marville in ein Schloß ins Quartier genant St. Schange [Saint-Jean-lès-Longuyon][.] Hier waren wir bis zum 20. März. Tagsüber wurde noch etwas exezirt. Während dieser Zeit war eines Abends eine schwere Explosion, daß alles bei uns im Quatir wackelte. Der ganze Himmel war feuer rot. Die Franzosen hatten ein Munitionslager von uns in die Luft geschossen.

Am 20. März ging es weiter, und kamen nah St. Laurent [Saint-Laurent-sur-Othain]. Hier kamen wir bei das Inf[.] Reg[.] 116[.] Ich kam in die erst Komp (genannt auch Leibkomp.)[.]

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Soldatenberichte des Infanterie Regiments 94 über die Schlacht bei Lutomiersk (2.-4. Dezember 1914)

Das Infanterie Regiment Großherzog von Sachsen (5. Thüringisches) Nr. 94 war vom 16. November bis 15. Dezember 1914 an der Schlacht um Lodz beteiligt. Am 2. Dezember kam der Befehl, die Höhe 181 südöstlich von Lutomiersk zu erobern. Auf dieser Höhe 181, dort wo sich auch heute noch ein Friedhof befindet, hatten sich die russischen Truppen verschanzt. Alle 12 Kompanien des IR 94 waren an dem Einsatz beteiligt.

Die Karte 18 aus Weltkrieg 7. Bd. herausgegeben vom Reichsarchiv zeigt den Frontverlauf bei Lodz Anfang Dezember 1914.
Karte von Ludomiersk und Bechcice heute. Der Anfang Dezember 1914 umkämpfte Friedhof ist eingekreist. (Quelle: openstreetmap.org)

Über die Ereignisse vom 2. bis 4. Dezember 1914 haben zahlreiche Soldaten des IR 94 Augenzeugenberichte angefertigt. Die Sortierung erfolgt aufsteigend nach den Kompanien. Zuerst kommt ein Bericht von Feldwebel Frischmann aus der Maschinengewehr-Kompanie, dann folgen die Berichte über die Kompanien 1 bis 12.

Soldatenberichte über die Eroberung von Höhe 181

Feldwebel Frischmann (MGK 94)

Sturm auf die Höhe 181 südlich Lutomiersk

Da es trotz mehrfacher, verzweifelter Anstrengungen dem Feinde nicht gelungen war, über den Ner zu gelangen, zog er sich in der Nacht vom 30.XI. zum 1.XII. zurück. Unser Regiment trat den Vormarsch an. Doch schon bald bekam unsere Spitze heftiges Feuer von einer Höhe , wo sich der Feind festungsartig verschanzt hatte. Ein Kirchhof, in deren Mitten gelegen, bildete schon von Natur aus den gegebenen Stützpunkt für die Verteidigung. Unsere Spitze nahm das Feuer auf. Indessen bot sich dem Regiment, sich in einem Wäldchen zu entwickeln, Gelegenheit. So kamen wir gedeckt und ohne Verluste ziemlich nahe an den Feind heran. Währenddem hatte die Artillerie die russische Stellung stark unter Feuer genommen und anscheinend gute Erfolge erzielt. Da kam um 20 Nm. der erneute Befehl zum Angriff. Unter dem heftigen feindlichen Feuer kamen wir nun langsam vorwärts. Jeder Schritt Bodens mußte buchstäblich dem Feinde abgerungen werden, ein Schützengraben lag hinter dem andern. Unsere Leute bedienten sich wacker des Spatens und hoben immer neue Gräben aus. Unsere geringen Verluste beweisen, daß sie um Decken und Schanzen ein gut Teil Fertigkeit erworben haben. Mein Zug M.G. hatte Befehl erhalten, sich in die Kompagnie einzuschieben, die am Friedhofe einbrechen sollte. Von hier kam ja auch das stärkste feindliche Feuer. Als wir in die Linie eingerückt waren, erhielten wir mörderisches Feuer. Es verstummte jedoch sofort, als wir unsere M.G. in Tätigkeit setzten. Durch unser M.G. Feuer wurde der Feind so niedergehalten, daß unsere eigenen Schützen ohne stärkere Verluste bis auf 100 m an den Feind sich heranarbeiten konnten. Die Infanterie machte sich zum Sturm fertig. Da erhielt ich on vorn den Befehl: „M.G. vor!“ Sofort befahl ich Stellungswechsel und war gerade dabei mich mit unseren beiden Gewehren einzurichten, da gingen die Russen zum Gegenangriff über. Gleich einer wilden Horde schreiend, schießend, stehend und um sich schlagend stürmten sie auf uns ein. Solchen Massen war unsere geringe Schar nicht gewachsen. Die Infanterie hielt den Stoß nicht aus und ging zurück. Wegen des schweren Gerätes konnten wir ihr nicht so schnell folgen. Auch war es uns nicht möglich, die Gewehre in Stellung zu bringen, da mittlerweile 1 Gewehrführer und 3 Mann verwundet waren. Ehe wir uns versahen, waren wir nun noch allein auf der Höhe, der Gegner hatte uns überrannt und drängte heftig hinter der Infanterie drein. Mit der Pistole verteidigten wir uns und unsere Gewehre so gut es ging, und retteten so unsere M.G. vor sicherem Verluste. Erst dem erneuten Vordringen der Infanterie gelang es, den vorderen Teil des Grabens und somit auch die Höhe an sich zu reißen. Der Feind trotz großer Überlegenheit war zurückgeschlagen und nun erfolgte sogleich die Neubesetzung der erreichten Höhe und Einrichten in den Schützengräben. In jede Kompanie wurden 2 Geschütze eingebaut, und jedes Bataillon erhielt ein Zug M.G. Ferner war der Scheinwerferzug aufgestellt, und die Munition der Infanterie wurde ergänzt.

Nachdem all das beendet, der letzte Spantestich getan war, drückte sich der eine oder der andere in eine Ecke, um ein wenig zu ruhen. Es war gerade Mitternacht, da kamen unsere vorgeschobenen Horchposten im Laufschritt mit dem Rufe zurück: „Die Russen kommen!“ Es bedurfte keines Kommandos, alles war am rechten Platze. Sofort setzte ein heftiges Feuer der Geschütze, M.G. und Infanterie ein. Im Lichte des Scheinwerfers konnten wir beobachten, wie der Feind in Kompaniefronten vorging und bereits bis auf 300 m an unsere Stellung heran war. Da wurde seinem Vorgehen ein Ziel gesetzt. Die Russen wurden niedergemäht, der Angriff fiel in sich selbst zusammen. Ein einzelner Russe, bekleidet, wie wir am andern Morgen feststellen konnten, mit einem deutschen Tornister, Helm und Mantel hatte sich bis auf 15 Schritt an mein linkes M.G. herangeschlichen. Noch zur rechten Zeit wurde er bemerkt, es kam nicht weiter. Gegen 50 Mgs wiederholte der Feind den Angriff; doch dies mal nicht so heftig wie in der Nacht. Auch er wurde abgeschlagen unter ziemlichen Verlusten für den Gegner. In der kommenden Nacht waren die Russen abgezogen und hatten, wie wir zählen konnten, 887 Tote zurückgelassen. Besondere Anerkennung gebührt bei dem 1. Nachtangriff einem Unteroffizier der Artillerie, der seine ganze Bedienung bis auf einen Mann an andere Geschütze, deren Bedienung abgeschossen war, abgegeben hatte und mit ausgezeichnetem Erfolge sein Geschütz während des ganzen Gefechts allein bediente. Doch wurde er leider kurz vor dem Abzuge der Russen noch schwer verwundet.

Frischmann

Feldwebel M.G.K. 94

Feldwebel Meihs 1/94

Meine Erlebnisse und Beobachtungen beim Sturm auf Höhe 181 bei Lutomiersk

Am 2. Dezember 1914 früh marschierte unser Regiment von Kazimierz ab. Kurz hinter Lutomiersk entfaltete sich unser Regiment und schob eine Schützenlinie nach vorn. Die Unterstützung folgte unter dem Schutz eines Waldstücks, welches 1 klm südl. Lutomiersk hinter dem Friedhof lag, bis dicht an die Höhe 181. Ich war zur Zeit Fahnenträger und konnte von dem Waldstück aus beobachten, wie sich unsere Leute nach vorn arbeiteten. Die Höhe 181 war sehr verschanzt und stark von Russen besetzt. Gegen Mittag erhielt das Regiment den Befehl zum Angriff. Auf Händen und Füßen, in einer Hand das Gewehr[,] in der andern den Spaten, ging es ungeachtet des heftigen feindl. Feuers immer näher an den Feind. Nachdem die feindl. Stellung durch unser heftiges Artilleriefeuer angriffsreif wurde, ging das Regiment 410 Uhr nachm. zum Sturm vor. Trotzdem der Feind uns stark überlegen war, wurde er mit dem Bajonett und Kolbenschlägen zurückgeworfen. Die Unterstützung ging nach einiger Zeit im Grunde weiter vor und die Nacht brach ein. Ich blieb bei dem Unterstab des I. Batl. und erwartete mit letzterem weitere Befehle. Das Feuer ließ auf beiden Seiten nach. Plötzlich machten die Russen einen Gegenangriff und ein heftiges Feuer überschüttete uns. Wir lagen einige 110 Meter vor der vorderen Linie zurück und befanden uns[,] da die Russen zu hoch schossen, hier direkt im Streufeuer. Etwa 1 Untffz. und 6 Mann lagen als Hüter der Fahnen neben mir. Zwei Mann wurden gleich verwundet und wir konnten nicht länger liegen bleiben. Um nun zu dem Reservezug der 4/94 zu kommen[,] mußten wir ein etwa 300 Meter breites ebenes Gelände überschreiten, in dessen Mitte ein stärkerer Bach floß. Die Dunkelheit brach an und ich verfügte zum Res. Zug der 4/94 zu gelangen. Unmittelbar vor dem Bach legte ich mich hin um auszuruhen. Beim nächsten Sprung fiel ich, da ich das Ufer des Baches verpaßt hatte, bis ans Koppelschloß ins Wasser. Der Kugelregen ließ nicht nach und ich konnte kaum an den steilen Ufern des Baches aus dem Wasser. Eine Stimme rief von dem Friedhof aus: „Hier bleiben.“ Es war der Regimentskommandeur, der von hier aus das Regiment befehligte. Trotzdem der feindl. Angriff sehr heftig war, wurde er abgeschlagen und die Höhe gehalten. Es folgte dann am Abend noch ein Angriff, der ebenfalls sehr heftig war, und gegen 500 Uhr Morgens ein dritter. Beide Angriffe wurden aber unter schweren Verlusten für die Russen abgewiesen. Das Regiment verblieb am 3.12.14 noch in seiner Stellung bis am 4.12.14 morgens die Meldung kam, daß der Feind abgezogen sei.

Meihs, Feldwebel

1. Komp. Inf. Regt. Großh. von Sachsen (5. Thür.) Nr. 94

Zeugen:               Vizefeldwebel Kühn III/94

                               Untffz. Albrecht 1/94

Uffz. Stellrecht 1/94

Meine Erlebnisse vom 2-5. Dez. bei der Stürmung der Höhe 181

Am 1. Dez. mußte meine Gruppe nach Lutomiersk, unter dem Kommando des V´Feldw. Schmidt auf Feldwache. Am andern Vormittag um 9 Uhr kam der Befehl, wir sollten zur Komp. zurück. Die Komp. war um 6 Uhr morgens von Kaschimir [Kazimierz] abgerückt, und lag hinter Lutomiersk in einem Wäldchen als Reserve, während unser II. Batln. Vorne im Gefecht lag. Nach einigem Suchen fanden wir die Komp. Als der Befehl zum Angriff kam, rückten wir vor bis zu einer Talmulde, und lagen dort bis zum Einbruch der Dunkelheit. Dann gingen wir, unter heftigem Gewehrfeuer der Russen, bis zu einem Birkenwäldchen vor. In demselben blieben wir einige Zeit liegen. Feindl. Geschosse schlugen fortgesetzt in den Bäumen ein, ohne zu treffen. Wir gruben uns dann vor dem Wäldchen ein, und blieben für die ganze Nacht. Am andern Vormittag mußte der erste Zug Patronen zur vorderen Reserve vorbringen, und blieb gleich dort als Reserve liegen. Abends gingen wir dann wieder zurück zum Birkenwäldchen, um in dem tags zuvor ausgehobenen Gruben zu übernachten. Ungefähr um 10 Uhr am andern Vormittag rückten wir vor. Die Russen hatten sich in der Nacht zurückgezogen. Wir gingen durch die Stellung unserer Artillerie vor, und wurden durch feindl. Artillerie beschossen. Wir gingen in Schützenlinien vor, sammelten hinter einem Hause, und blieben wieder als Reserve zurück. Am andern Abend lösten wir die vorderste Linie ab. Wir kamen auf Feldwache. Morgens um 1 Uhr wurde durch eine Patrouille von uns festgestellt, daß die Russen ihre Stellung verlassen hatten. Um 4 Uhr wurde unsere Feldwache von der 12. Komp. abgelöst. Ungefähr um 9 Uhr rückte alles in der Richtung Lodz vor. Wir wurden ungefähr eine halbe Stunde vor Lodz einquartiert. Dort blieben wir 2 Tage.

U´offz. Stellrecht 1. Komp

zu damaliger Zeit Gefreiter

Krug von Nidda 2/94

Abschrift

II/94 Gefechtsbericht für 2. 3. 4. 5. 6. Dezember 14

II/94 hatte am Abend des 1.12. Vorposten u. Vert. Stellg. südlich u. südöstl. Lutomiersk eingenommen. Am 2.12. 430 Vorm kam Befehl: feind steht bei Höhe 181 südlich Bechcice. 83 I.B. greift im Einklang mit 76 I.B. an, I.R. 96 von Norden über Ner, 94 von Westen, Beginn 700 vorm. Batl. gesammelt 645 Vorm. am Südosteingang Lutomiersk. 700 Vorm. Antreten, Reihenfolge 6/94 – 500m Abstand – 8, 7, 5/94. 710 Vorm. Bachlauf südöstl. Lutomiersk überschritten, 715 Vorm. Antreten auf Friedhofshöhe, 6/94 entwickelt. 720 Vorm. beginnt Feind aus Schützengräben, vom Bachgrund unsichtbar, lebhaftes Inf.u. M.G. Feuer auf 6/94. 8/94 wird rechts neben 6/94 eingesetzt. Angriff schreitet vor. Komp. I/94 verbleibt zunächst als Regtsreserve westlich des Bachlaufes. 800 Vorm. greift I.R. 96 nördlich neben 6/94 ein, aber nicht von Norden kommend, sondern gleichfalls über Lutomiersk anmarschierend.

Erste Verluste durch Strichfeuer. 1000 Vorm. sind 6 u. 8/94 über Westrand Höhe 181 nach vorn verschwunden. Meldungen u. Verkehr noch wegen starken Strichfeuers erschwert, 7/94 wird mit geringer Verlängerung nach rechts, wo auch Teile I/94 eingesetzt werden, in die Linie der 8/94 eingeschoben. Angriff kommt nicht erheblich weiter. Grund: Einklang mit 76. I.B. noch nicht hergestellt. Lage ändert sich wenig bis 130 Nachm. 130 Regts.-Bef. „130 Nachm. ist Angriff erneut vorzutragen.“ Einklang mit 76. I.B. war zwar immer noch nicht hergestellt; 83. I.B. hatte aber ohne Rücksicht herauf vorzugehen befohlen. Teile 5/94 daraufhin zur Verstärkung und Befehlsübermittlung zwischen 8. u. 6. eingesetzt. Flächenfeuer von halbrechts vorwärts. Es ergibt sich, daß russ. Stellg. Etwa 700-800 m jenseits des Westhanges Höhe 181 auf flachem, galcisartigem Plateau beiderseits des Friedhofes liegt. Vordere Linie arbeitet sich von 200-400 Nachm. von 600-700 m heran. Fd. hält trotz günstig scheinender Artillerie-Wirkung; fdl. Art. im Abschnitt II/94 nicht beobachtet. Am linken Flügel können Teile der I/94 hinter westlichen Häusern von Bechcice eingerafft werden, da rechter Flügel 96 regen Anschluss an 6/94 hat. 400 Befehl zum Sturm auf Kirchhofshöhe, 410 Nachm. ausgeführt, rechter Flügel 96 schießt sich selbständig an. Sturm gelingt, Russen flüchten mit schweren Verlusten durch Verfolg. Feuer. 5/94 nimmt im Sturm feindl. M.G. 430 Nachm. Befehl: auf Höhe 181 eingraben, nicht weiter vor, da 76 I.B. noch im Kampf um zu Businow. 500 Nachm. Ordnung u. Sammlung der vorderen Linie beendet, 1 ½ Züge 8/94 als Reserve bei westlichem Gehöft Bechcice. 530 Nachm. Gegenstoß der Russen, die sich anfänglich als Überläufer geberden [sic!] und auf 50x feuern. Mit schweren Verlusten für sie, aber nur mit äußerster Mühe abgewiesen. Feuer dauert indes den ganzen Abend mehr oder weniger an, da Fd. nur 700 m entfernt einen rückwärtigen Graben besetzt hält. Zwischen 700 und 900 Abends treffen ein und werden eingebaut: Scheinwerferzug, 1/F.A. 55, 8/94 kann aus vorderer Linie ganz in Reserve genommen werden. Anschluss rechts an I/94 (11. Komp) hergestellt. Höhe 181 von einem Gewirr alter u. neuer Schützen- u. Deckungsgräben in allen möglichen Fronten durchzogen. Schwierigkeit der Übersicht u. Feuerleitung. 1215 Nachts (2./3.12)-1245 Nachts 2. starker russ. Gegenstoß, bricht mit ungeheuren Verlusten 100 m vor der Front an alten Schützengräben zusammen, den Fd. für unsere Stellung hielt. Diesseits äußerste Erschöpfung. Hervorragendes Nutzen der Scheinwerfer und Batterien: 300 Nachts erneutes lebhaftes Gefecht, partielle Vorstöße, es droht Panik, Russen folgen aber nur unsicher, und durch Festhalten der 5. u. 6/94 an ihrer Stellung, Einsatz der 8/94 gelingt 615 Vorm. halten u. Wiederbesetzung der gesamten Front. Zwischen 1000 und 1200 Abends am 2. war Feldküchen + Verpflegungsaus. Größten Teils der vorderen Linie gelungen, ebenso Patronenergänzung durch einzelne Gruppen 8/94. Am 3.12. blieb die Lage tagsüber unverändert. Flankenfeuer aus Richtung Ziegelei zwischen Konstantijnow u. Bechcice am nördl. Ner-Ufer erschwerte die Verbindung u. machte Ablösungen der vorderen Linie unmöglich. Mittags wurde 1 Pi. Komp. als weitere Reserve zur Verfg. gestellt, bei Dunkelheit 7/94 durch 8/94 und die zeitweilig unterstellte 11/94 durch die gleichfalls eintreffende 8/71 abgelöst. Nachts 3. 4.12. kein russ. Angriff. 600 Morg. ergab sich, daß Fd. zurückgegangen war. 4.12. Vorm. einige Aufräumungsarbeiten, Verlustfeststellung ungefähr (rund 200-250 Mann Tote u. Verwundete, Stärke vor dem Angriff rund 650 Mann.) Vor der Front II/94 rund 500 tote Russen, in größerer Entfernung noch erheblich mehr. 4.12. 130 Nachm. Befehl zum weiteren Angriff gegen Höhe 192 südwestlich Jozefow. 7. 5. 8. gehen in vielen Lienen hintereinander in Richtg. Wäldchen zu Florentynow vor, 6/94 zur Verfg. d. Regts.

Feindl. Art. Feuer liegt auf ganzem Raum, Verluste unerheblich (3 l. verw). 400 Nachm. Ostrand Waldstückes erreicht, Batln gräbt sich ein, I/94 war durch Grabszyna in gleiche Höhe vorgegangen, 96 blieb um 1-1 ½ km zurück (Flankierung von Konstantynow her). Aufstellung für die Nacht: 5. 7. In vorderer Linie, linken Flügel zurückgebogen, 8. im Waldstück als Reserve. Patr. Gang Ner-∆ 192. Fd. auch hier wieder nahe dem Ostrand verschanzt. 5.12. Brig. soll 700 Vorm. angreifen. Einklang mit 76. I.B.! Untunlich, solange Konstan[t]ynow in Feindes Hand, Regt. also auch II/94 warten ab, da am weitesten vorn. Angriff durch Lage der Nachbartruppen verzögert bis zur Dunkelheit, dann von 83. I.B. aufgegeben. Nacht 5. 6.12. Patr. Gang wie .4. 5.12.. 500 Vorm. Jozefow u. 800 V. Ner-Brücke südl. Konstantynow frei vom Fd. Gemeldet. Desgl. 600 Vorm. Räumung der feindl. Stellung östlich 192 gemeldet.

gez. Krug von Nidda

F. d. R.

[Unterschrift: v. Mutius]

Reservist Hugo Tonndorf 3/94

Bericht über den Sturmangriff der 94. auf Höhe 181

Am 1. Dezember verließen wir Kasemier [Kazimierz], wo wir bereits 10 Tage unter heftigen Kranatfeuer [sic!] gelegen haben. Wir marschierten 5-6 Kilometer vor wo wir wieder auf den Feind stießen. Die Russen werden zurück geschlagen und setzen sich auf Höhe 181 fest. An 3. Dezember wurde die Höhe von der 2. und 11. Kompanie in Sturm genommen. Wir lagen in Reserve und bekamen am 4. Dez. den Befehl in die vortere [sic!] Linie einzuschwärmen. Am 5. Dez. verließen die Russen Nachts Fluchtartig ihre Stellung, worauf wir Ihnen wieder unter schweren Artilleriefeuer folgten.

Reservist Hugo Tonndorf. 3./94

Gefreiter August Bolender 5/94

Bericht!

Der heiße Kampf um Höhe 181 am 2. Dez. 1914 war gegen Abend beendet. Die Komp. schanzte sich auf derselben ein. Bald lag alles nach des Tages Last und Hitze in tiefem Schlummer, und nur die Posten waren auf ihrer Hut. Ich hatte das Glück mit einem Kameraden um Mitte der Nacht auf Horchposten zu ziehen. Kaum späten [sic!] wir eine halbe Stunde in das Dunkel der Nacht hinein, als ein dicke Masse sich gegen unseren Graben heran wälzte. Sofort erkannten wir einen Angriff der Russen und im Laufschritt ging ich zurück, alarmierte die Kompagnien sodaß der feindliche Angriff erfolgreich abgeschlagen wurde. Schon nach 2 Stunden versuchte der Feind dasselbe aber mit genau so blutigen Köpfen machten sie: Kehrt Marsch.

Gefreiter August Bolender

5./94

Zeugen: Gefr. Rifka

Gefr. Schäfer Untffz. Kaiser 5/94

Für die Glaubwürdigkeit!

[Unterschrift: Diener]

Leutnant d. R. u. Komp.-Führer

Gefr. Karl Deckert 5/94

5. Kompagnie

Inf. Regt. Grossherzog von Sachsen

(5. Thüringisches) Nr. 94

5/94

Ein Erlebnis auf Höhe 181

Im Gefecht am 2. Dezb. 14 auf Höhe 181 war es mit Schwierigkeiten verknüpft. Lebensmittel für unsre kämpfende Truppe vorne zu schaffen.

Da fast das ganze Gelände beschossen wurde, konnten wir nur auf unsern Lebensmittelwagen bis an den östlichen Ausgang von Lutomiers [Lutomiersk] fahren. Hier erhielt ich in der Nacht vom 2. zum 4. Dezb. von Herrn Vizefw. Lohfink den Befehl mit den Muskt. Gerard u Urbahn unserer Komp. jeder ein Sack Brot auf die Schulder [sic!] zu nehmen, um selbiges in die forderste [sic!] Linie zu bringen.

Kaum waren wir aus der ungefähr 500 mtr gedeckten Stellung heraus, so summten uns schon die blauen Bohnen um die Ohren. Um den Tod oder einer Verwundung aus dem Wege zu gehen, mußten wir uns Sprungweise vorarbeiten. Bald außer Adtem [sic!] gelangten wir an einem einzeln Gehöft an u wir benutzten hier die Gelegenheit um etwas zu Verschnaufen, in dem selbigen Augenblick bemerkte uns Sergt. Simon unser jetziger Komp. Feldw. er freute sich darüber[,] daß wir angelangt waren u zeichte [sic!] uns sofort den Weg nach der ungefähr 6 Minuten noch entlegenen Stellung. Mit frischem Mut liefen wir nun dem Ziel entgegen, trotzdem wir hier tüchtig beschossen wurden, verlohren wir doch die Lust nicht, aber nicht seltenes war es, viele unserer tapferen Kameraden tod auf den Erdboden zu sehen u starten Kalten Blickes auf uns. Endlich im Schützengraben angelangt, meldete ich mich bei unserm Komp. Führer Herrn Ltn. d. Reserve Rohsendorf[,] das wir Brod für die Komp. gebracht haben. Gleichzeitig übergab ich Herrn Ltn R. auch einige gut belegte Brode, welche unsere Herrn auf einige Tage hatten verschmertzen müssen.

Als wir das Brod verteilt hatten, gab mir Herr Ltn Rohsendorf den Befehl, ein Trupp Kameraden mit nach hinten zu nehmen, welche je mit 4 Kochgeschirren versehn waren, um bei der Feldküche, welche auch am östl. Ausgang von Lutomiers [Lutomiersk] stand, Essen zu holen.

Ohne von einer feindl. Kugel getroffen zu werden kehrten wir bei Herrn Vizefdw. Lohfink zurück.

[Unterschrift Karl Deckert]

Gefr. der Landw. 5./94

Zeugen Feldw. Simon

                Muskt. Gerard

                Muskt. Urbahn

Utffz. Höfer

Leutnant Brockmann 6/94

Über die Mitwirkung der M.G. auf Höhe 181

Die Verluste, die das II. Bataillon I.R. 94 während der Kämpfe um Höhe 181 hatte, stammen nur zu einem kleinen Teile von Angriff und Sturm selbst. Sie rühren der Hauptsache nach vom ersten Ansturm der Russen her, der noch am Abend des 2. Dez. verfolgte und in zweiter Linie vom dritten Angriff der Russen, am Morgen des 3. Dez.

Daß der eigentlich Sturmangriff, durch den das II. Bataillon sich in den Besitz der Kirchhofshöhe setzte, unter verhältnismäßig sehr geringen Verlusten vor sich ging, ist hauptsächlich der eifrigen Mitwirkung der Maschinengewehre zu verdanken, die den Moment sofort ergriffen und den Sturm des Bataillons durch ununterbrochenes Feuer nachhaltig unterstützte.

Von unserer linken Flanke ein Zug M.G. 96 (Offz. Lt. Oschatz), von der rechten Flanke ein Zug M.G. 94 (Fw. Frischmann) deckten mit ihrem Feuer den russischen Schützengraben zu und schossen solange, bis das geschlossene vorstürmende Bataillon an ihre Garben kam.

Brockmann

Leutnant u. Komp. Führer 6/94

Vizefeldw. d. R. Hans-Joachim Stahlschmidt 6/94

31. Juli 1915

1-2.XII 15

Bei Kriegsausbruch diente ich als Einj. Freiw. bei der 6. Comp. des Regiments und nahm an sämtlichen Gefechten bis zum 2. Dezember des vorigen Jahres teil. –

Nachdem die Comp. während der Nacht vom 1. zum 2. Dez. südöstlich Ludomiersk geschanzt hatte, rückte das Bataillon, die 6. Comp. als Spitzenkompagnie auf der Straße nach Bechcice vor. Ich befand mich beim 2. Halbzug des I. Zuges und erkannte die auf der Anhöhe vor uns im Morgenlicht schanzenden Gestalten unzweifelhaft als Russen. Durch Zuruf wurde die Spitze aufmerksam, ebenfalls erkannte uns der Gegner im nächsten Augenblick. Der 1. Halbzug wurde von Feldwebel Schmaun rechts heraus entwickelt, während der 2. Halbzug nachdem er kurze Zeit das Feuer der Russen halber sich hingelegt hatte, rechts anschließend ausschwärmte und in Stellung ging. 1 Truppen waren bei dieser Gelegenheit hinter die Schützenlinie gekommen und waren außerstande, in einer Art Graben liegend, ihrerseits auf den Gegner das Feuer zu eröffnen. Ich nahm die Gruppe neben mir an mich, nachdem der Truppenführer verwundet worden war und brachte sie beide nun in mehreren Sprüngen an die richtige Stelle, wo wir in Wirksamkeit treten konnten. Leider hatten wir wenig, meistens gar keine Deckung und waren gezwungen, uns im Liegen einzugraben, während ein Teil der beiden Gruppen schanzte. Ich hatte kaum den Spaten zur Hand genommen, als ich durch einen Gewehrschuß verwundet wurde. Als die Maschinengewehre eingesetzt wurden, erstattete ich noch einem Leutnant der 7. Comp. Bericht – die Comp. war auch bereits im Feuer – über die Lage weiter bei der 6. Comp., worauf ich bald durch einen Wald gedeckt zum Verbandplatz kam. – Nach meiner Wiederherstellung traf ich in Rawa bei meiner alten Compagnie wieder ein.

Hans-Joachim Stahlschmidt

Vizefeldw. d. R.

[Drei Unterschriften von Zeugen]

Musketier Willy Schulze 6/94

Bericht vom 2 Dezember 1914

Als wir von 1 Dezember zum 2 Dezember, an einen Waldrande Schützengräben ausgehoben, haben kam der Befehl sofort zum Vorgehen es war früh zwischen 5 u 6 Uhr als wir den Marsch an traten, wir sind ungefähr eine ½ Stunde geschlossen gelaufen, da hieß es halt und alles in den Graben legen. Von hier aus wurde 1 Spitze vorgesant u das andre folgte ungefähr ¼ Stunde später, auch einmal hieß es Spitze halt, u erster Zug ausschwärmen, u nun ging es quer über Feld ich war Schütze ihn ersten Zuge, u da sahen wir vor uns auf der Höhe 181 welche Schanzen, u da hieß es auf eimal [sic!] es sind 96 u nun wurde de gemeldet durch die Verbindungsleute es sind eigene Truppen, u wir sind ihnen weiter for gegangen bis auf 600 hundert meter, u da sahen wir, wie uns 4 bis 5 Mann auf uns zukommen, u sie machten aber gleich wieder zurük u sobald erhielten wir lebhaftes Feuer von den Russen, u es hieß bei uns gleich Stellung u wir haben sofort das Feuer auch eröfnet. Als wir ungefähr 1 ½ Stunde in größten Feuer lagen wurde von links u rechts gemeldet das Patronen bald fehlen, u der Feldwebel Lehmann gab dem Schützen Kuch den Befehl, er soll zurück laufen, u Patronen bestellen als er ungefähr 200 hundert meter zurück gelaufen war stürzte er hin und war tot. Und die Artillerie hat aber von uns sehr gut in die Russische Schützengraben geschossen so das es uns sehr viel Spaß machte, u bald bekam ich den Befehl zurück zu laufen u Patronen zu bestellen, da der andere doch tot war, u ehe ich den Befehl erhielt bekam ich einen Schuß durch die linke Hand. Und sofort namm ich mein Gewehr u lief was ich laufen konnte zurück, u bei zurück gehen, erhielt ich 4 Schuß durch den Tornister welche ihn Schnürschuhen stecken bliebe, u zu gleicher Zeit bekam ich einen streifschuß an linken Arm u an Bein. Als ich ungefähr 400 hundert meter zurük gelaufen war, stand ein Haus u hinter den haus lagen 96 u da stand unser Hauptmann, u er fruch [sic!] was ich wollte u warum, ich in so einen Feuer zurück gelaufen war.

Da hab ich ihnen gesagt das Patronen fehlen, u da sagte er, ich sollte ins das Dorf laufen, es war ungefähr 10 Minuten zu laufen, u sollte Patronen bestellen beim Wagen, u da bin ich gelaufen so gut ich konnte, u hab Patronen bestellt.

Und Müller der den Patronenwagen führt ist sofort forgefahren. Und ich bin auf den Verbandsplatz gelaufen, wo ich Verbunden worden bin. Denselben Nachmittag sind wir noch nach der Grenze gekommen, es hat 2 Tage gedauert, ehe wir an die Grenze kammen.

Von der Grenze aus sind wir nach Augsburg in Lazaret gekommen, wo ich bis Ende Januar war, u dan bin ich nach Weimar gekommen.

Von Weimar aus sind wir nach Jena gekommen, von wo aus ich den 6 April 1915 wieder mit ins Feld gerückt bin. Und bin auch wieder bei meine alten Kompanie gekommen, worüber ich mich sehr gefreut habe, und meine Kameraden haben sich auch sehr gefreut. Damit ich wieder da bin.

Geschrieben von Musketier Willy Schulze

6/94

[Unterschrift Brockmann]

Leutnant d. R. Stier, Zugführer des 2. Zuges der 7/94

Der Kampf um die Höhe 181

Bericht von Leutnant d. Res. Stier

I.

Bei Beginn des Gefechts am 2.XII.14 war ich Zugführer des 2. Zuges der 7/94. Die Komp. führte Leutnant d. R. Höhn. Sie war zunächst in 2 Linie und folgte der 8/94, die in vorderster Linie focht, aufgelöst nach der 2. Zug innerhalb der Komp. an 2. Stelle. Durch die Verschiebung der 8/94 nach links kam der vorderste Zug 7/94 in 1. Linie. Auf den gegen Mittag gegebenen ersten Angriffsbefehl hin arbeitete ich mich mit dem Zuge gruppenweise links neben dem inzwischen auch eingesetzten Zuge Müller (Ltn. d. Res.) der 5/94 bis in die vorderste Linie vor, in dem wir uns nach jedem Sprung immer wieder rasch eingruben. Der Angriffsstreifen der beiden Züge deckte sich ungefähr mit der südwestlich-nordöstlichen Diagonale des Friedhofs. 150 m vor dem Friedhof kam die Bewegung einige Zeit zum Ruhen, weil die Linie links und rechts noch zurück war, auch die eigene Artillerie uns gefährdete. Erst kurz nach 4 Uhr Nachm., als die Dämmerung schon einsetzte, ging dann alles vor, links gegen den russ. Schützengraben 8/94 (Zug Ltn. d. Res. Reichardt), 7/94 auf den Friedhof zu, dessen Mauern auch von den Russen besetzt waren. Der Feind ging zunächst zurück. Der notwendigen energischen Verfolgung stellten sich nun folgende Umstände entgegen: die Vermischung der Verbände, herbeigeführt durch die Konzentrierung der Angriffe auf die Höhe, die Notwendigkeit für 7/94, erst durch den Friedhof zu gehen, plötzlich einsetzendes Flankenfeuer von links und die hereinbrechende Dunkelheit. Daher spielte sich in den folgenden Minuten der Kampf  so ab: die verfolgende, aus allen beteiligten Kompagnien zusammengesetzte Schützenlinie hatte schon vor der russischen Stellung IV eine große Anzahl Russen als Gefangene zusammen getrieben, als sie von Feind aus der linken Flanke und von rückwärts, wahrscheinlich von eigenen Truppen (Reg. 71?), beschossen wurden. Sie mußten deshalb zurückgehen und die Gefangenen im Stich lassen. Letztere bemächtigten sich darauf wieder der Gewehre und eröffneten ebenfalls auf unsere zurückgehende Angriffslinie ein lebhaftes Feuer, folgten aber nicht nach. Durch diese für uns günstige Unterlassung konnten unsere Truppen durch die Offiziere u. Zugführer vor den Friedhof zum stehen gebracht werden, zumal d. Feind durch die lebhaft feuernden Maschinengewehre des Regiments auch on einem Gegenstoß abgehalten wurden. Bis dahin hatte 7/94 ihre Hauptverluste erhalten, die sich aus den Berichten der Komp. ergeben werden. Auch Ltn. d. R. Höhn war beim Sturm verwundet worden.

II.

Ich übernahm die Führung der Komp. und besetzte, unterstützt von dem bei Milegti schwer verwundeten u inzwischen verstorbenen Lt. v. Wurmb, mit den Resten der 7/94, etwa 80 Gewehren, Leuten der 2. 5. u. 11. Komp. den verlassenen, von russischen Leichen und Schwerverwundeten angefüllten Schützengraben I. Teilweise mussten sich die Leute dahinter neu eingraben, weil sie im Graben neben den einzelnen Toten keinen Platz hatten. Da die verfügbaren Kräfte zu einer kampfkräftigen Besetzung nur etwa bis zum Punkt (siehe Skizze [Anmerkung: Skizze fehlt]) reichten, hatte sich der mit anwesende Führer der links anschließenden Komp. Res. 96 eben bereit erklärt, links zu verlängern, als der Befehl kam: „II/94 am Friedhof sammeln!“ Das feindliche Feuer hatte inzwischen fast ganz aufgehört. Major Krug v. Nidda versammelte die Komp. Führer u. setzte die Verteidigungslinie fest, wie sie sich aus der Skizze ergibt [Anmerkung: Skizze fehlt] 6 u. 8/94 kam in Reserve. 5 u.7/94 legten Schützengräben mit Eindeckungen an; das Material wurde aus den russ. Gräben geholt, die überhaupt abgesucht wurden. Der russische Deckungsgraben III 150 m nördl. der Front wurde nach Vereinbarung mit 5/94 durch je eine stehende Patrouille besetzt. Gegen 9 Uhr abends war alles fertig und geordnet, einen Teil der verwundeten Leute konnte Ruhe gegönnt werden. Stellung der der 7/94 zugeteilten Geschütze und der großen Scheinwerfer: siehe Skizze.

III.

Kurz nach 12 Uhr nachts kam die stehende Patrouille 7/94 durch den russischen Schützengraben II zurück mit dem Ruf: Die Russen kommen. Sofort begann der große Scheinwerfer zu leuchten. In seinem Lichte sah man den Feind (siehe Skizze) in zwei dichten Linien herankommen, die erste in gerader Front, die zweite in schräger Front, offenbar aus dem Schützengraben IV. Hinter der ersten Linie folgten Kolonnen. Die Komp eröffnete ein wohlgezieltes Feuer. Die Artillerie schoß lebhaft; reihen weise fielen die angreifenden nach manchem Schuß. So brach der Angriff etwa 100 m vor der Stellung zusammen. Der Feind ging zurück. Die Regte der vordersten feindl. Linie retteten sich in den Laufgraben III. Von dort her feuerten sie den Rest der Nacht und am 3.XII. lebhaft u. brachten der Artillerie und der 7/94 noch manchen Verlust. Die Schutzschilde der Artillerie waren vollständig durchlöchert, der Scheinwerfer konnte nicht mehr abgedreht werden, sein Spiegel wurde zerschossen.

IV.

Bei dem zweiten Versuch der Russen gegen Morgen, die Höhe wieder zu gewinne, ging gegen die Komp. kein Gegner vor. Da aber der Scheinwerfer nicht mehr wirkte, es auch inzwischen neblig geworden war, die beiden Geschütze nicht mehr schossen – es fehlten die Bedienungsmannschaften, der rechte war unbrauchbar, bei dem linken hatten Leutn. Binder die letzten 6 Schüsse alleine gefeuert – konnte nun kein klares Bild gewinnen.

Die Kompagnie hielt daher das Vorgelände bis zum anbrechenden Morgen unter lebhaften Feuer, um einem etwaigen Angriff von dieser Seite vorzubeugen. Unter denen, die bei diesem zweiten Angriff aus mir unbekannten Gründen zurückgingen, befanden sich nur einige Leute der 7/94, die links eben dem linken Geschütz gelegen hatten. Aus der Linie vor dem Friedhof, in der Komp. Führer lag, ging kein Mann zurück.

V.

Im Laufe des 3.XII. wurden durch das eigene Feuer u. durch die von Norden her flankierende Batterie Hiller die Russen im Laufgraben III zum Überlaufen gezwungen. Sie kamen teils zu 5, teils zu 7/94. Einige wurden von Leuten der 7/94 zum Ausbuddeln angestellt. Bei Eintritt der Dunkelheit wurde 7/94 durch 8/94 abgelöst.

[Unterschrift: Stier]

Leutnant u. Kom. Führer

Leutnant Reinhardt 8/94

Erinnerungen an den 2. Dezember 1914

Nach den schweren Tagen des 14. bis 19. Nov., die für uns den hervorragenden Erfolg des schnellen Vordringens über Poddembice [Poddębice] nach Süden, allerdings unter sehr großen Verlusten, besonders für unser Regiment, brachten, lagen wir 10 Tage lang den Russen am Ner unmittelbar gegenüber. Diese Ner-Linie mußte unbedingt gehalten werden u. wurde von uns auch gehalten, trotzdem die russische schwere Artillerie unter vorzüglicher Beobachtung von ihrem höher gelegenen Stützpunkt Lutomiersk auf unsern gegenüber liegenden Ort Kazimierz tagtäglich mit einer fast mathematisch genau zu beschreibenden Pünktlichkeit u. Dauer beschoß.

Wenn genügend schwere Granaten verschwendet waren, so wurde mit Schrapnells der Feldartillerie abgewechselt, die teils mit Brenn- teils mit Aufschlagzünder wirken sollten, der Erfolg war der, daß unsererseits nicht einen Schritt gerückt wurde, es wurden höchstens einige wenige Häuser, die durch Volltreffer, bei denen es naturgemäß auch Verluste gab, oder durch Einschläge in der unmittelbaren Nähe, die die Fensterscheiben bersten, unbrauchbar gemacht waren, mit dem Ausdruck des Bedauerns um das schöne Quartier verlassen, um ein benachbartes Haus oder einen Unterstand zu beziehen.

Dagegen hat die russische Artillerie die prachtvolle, neue steinerne Kirche von Kazimierz vollständig ruiniert, die mit einem für solch kleinen Ort ganz erheblichen Kostenaufwand von 60000 Rubel gebaut u. gerade fertiggestellt war. Es wurde jedenfalls ein Beobachtungsstand unserer Artillerie im Kirchturm vermutet, denn ein Geschoß nach dem andern schlug in oder neben der Kirche ein. Ich hatte Gelegenheit, den Einschlag einer Granate in das Dachgebälk des Turmes zu beobachten: Das ist kaum glaublich, mit welcher Wucht die langen, schweren Balken in weitem Umkreis herumgeschleudert wurden. Als ich mir die Kirche dann im Innern ansah, bot sie ein Bild vollständiger Verwüstung, bis auf den Hochaltar, der dank seiner Lage entgegengesetzt dem Turm vollständig erhalten war, während starke steinerne Pfeiler, die bis zur Decke gereicht hatten, vollständig geknickt waren.

Es ist dies ein Beweis dafür, wie wenig die Russen – auch selbst im eigenen Land – hervorragende Bauwerke u. dergl. verschonen, wenn sie den Verdacht haben, daß diese in irgend einer Weise für unsere Zwecke dienstbar gemacht sein könnten. Das Gegenstück hierzu bildet die fast regelmäßige Besetzung der Friedhöfe durch die Russen, die hier in Polen meist auf den Höhen sehr schön angelegt sind. Die Friedhofsränder werden stets in die Verteidigungslinie einbezogen u. stark befestigt, hinter dem Friedhof Batterien aufgestellt, sodaß unsere Artillerie zur Beschießung u. mehr oder weniger Vernichtung der Friedhöfe direkt gezwungen wird. Erfolg: großes Geschrei u. Beschwerden bei den Neutralen über unsere unmenschliche Kriegsführung, die nicht einmal die Gräber verschont u. jeder Spur von Pietät bar ist!

Nach dieser kleinen Abschweifung, verursacht durch die Kirche von Kazimierz, bringt mich der Kirchhof wieder auf meine eigentliche Schilderung der Höhe 181, die auch mit einem Friedhof gekrönt war.

Nachdem am Abend des 30. Nov. bereits verdächtiges Rollen u. Wagenrasseln von jenseits Lutomiersk zu vernehmen gewesen war, konnte am Morgen des 1. Dezember plötzlich eine unserer Patrouillen bis auf den Marktplatz von L. vordringen u. feststellen, daß der Ort, von dem aus wir so oft u. lange – allerdings ohne Erfolg – geärgert worden waren, von den Russen vollständig geräumt war. Auch die dahinter befindlichen Höhen waren frei u. sofort vorgetriebene Kavallerie-Patrouillen brachten bald Meldung, daß der Feind nach Süden abgezogen, der Ort Wygoda Mikolajewska  [Wygoda Mikołajewska], ungefähr 4 km südl., aber noch besetzt sei.

Das II. Batl., dem ich als Komp.-Offizier der 8. Komp. angehörte – war erst am 24.11. dahin versetzt worden, u. zwar zu meinem größten Bedauern, da ich bisher den ganzen Feldzug mit seinen Freuden u. Leiden bei meiner 2. Komp. mitgemacht hatte – erhielt den Befehl, über den Ner vorzugehen, Lutomiersk zu besetzten u. jenseits desselben für die Nacht eine Verteidigungsstellung auszuheben, was auch geschah. Die Nacht verlief jedoch ruhig, da der Gegner aus begreiflichen Gründen auf einen Angriff auf Lutomiersk verzichteten.

Dagegen erfolgte am frühen Morgen des nächsten Tages der Befehl zum Vormarsch nach Südosten u. wir merkten bald, daß ein heißer Tag bevorstand. Der 2. Dezember war für unser Regiment vom Kriege 70/71 her ein Ehrentag, denn an diesem Tage hatten unsere Väter bei Loigny Poupry heldenmütig gekämpft, u. beim Vormarsch dachte ich daran, wie ich oft ehrfürchtig als junger Soldat den begeisterten Erzählungen der alten Kameraden des Regiments von anno 70 gelauscht hatte, die alle in dem einen Namen vor manchem anderen gipfelten: Poupry; ferner gedachte ich der erhebenden Feier, die ich später als junger Leutnant im Casino des Regiments zu Ehren des Tages u. der Kämpfer von Poupry mitfeiern konnte, u. mit mir wird wohl jeder von uns an diesem Morgen nur den einen Gedanken gehabt haben: „Heute wird´s den Alten gleich getan!“

Befohlen war: Regiment greift an, nimmt u. hält russische Stellung auf Höhe 181 südöstl. Lutomiersk!

Das II. Batl. war vorn, das aus dem I. u. III. vereinigte Bataillon in zweiter Linie. Unsere 6. Kompagnie war noch im Helldunkel früh bereits an der Höhe auf den Gegner gestoßen, mit kolossalem Feuer begrüßt worden u. hatte sich mit 2 Zügen gegenüber der Russenstellung links von dem bereits erwähnten Friedhofe im feindlichen Feuer eingeschanzt. Rechts davon mit Richtung u. Front auf den Teil der Höhe rechts vom Friedhof verlängerten 11. u. 12. Kompagnie.

An einem Bachübergang, ungefähr 2000 m vom Friedhof noch entfernt, wurden noch 2 Komp. des II./94 zum Angriff angesetzt, davon links meine 8. Komp., u. zwar diese zunächst mit 2 Zügen, mit Richtung auf die vorn liegende Linie der 6. Komp. bezw. Auf einzelne links davon befindliche Häuser des Dorfes Bechcice, das in halber Höhe etwas seitlich liegt. Das Nachführen von Unterstützungen beim Angriff auf russische Stellungen ist an sich schon keine sehr leichte Aufgabe, die russischen Infanteristen legen im Schützengraben das Gewehr nur unvollkommen auf, zielen ungenau u. überschießen dadurch vielfach die vordere Linie, während die Geschoßgarbe mit erheblicher Tiefenstreuung weiter rückwärts einschlägt u. unseren Unterstützungen u. oft sogar mehrere 2-3 Kilometer rückwärts befindlichen Truppenteilen ziemliche Verluste beibringen. Bei unserem Angriff war es nun ganz besonders toll, denn als der Gegner den ernstlichen Angriff erkannt hatte, schoß er ganz besonders heftig u. von da ab jedenfalls absichtlich auf die vorgehenden Verstärkungen, denn unsere vorderste Linie war später weniger im Feuer u. konnte sich den ganzen Tag über gut halten ohne große Verluste.

Dagegen fingen diese bei meinem Zuge gleich beim ersten Sprung aus einer Deckung bietende Mulde an; weit u. breit war keine Deckung auszumachen, es mußte also über das freie Feld weiter vorgegangen werden, das ging natürlich in diesem Kugelregen nur in ganz kurzen, schnellen Sprüngen, u. jeder Mann mußte sich sofort nach dem Hinlegen mit dem Spaten eine einigermaßen hinreichende Deckung aus heben. Auf diese Weise gelang es, jedoch erst nach Stunden, den Zug unter Vermeidung größerer Verluste bis hinter die ersten Häuser von Bechcice zu bringen, wo er nur noch 150 m hinter der vorderen Linie war u. vorläufig bereitstehen sollte. Später brachten dann einzelne Gruppen Munition in die vordere Linie u. dann setzte ich am frühen Nachmittags den Zug ganz ein.

Nach Verlauf von weiteren 3 Stunden waren rechts von uns die Kompagnien auch bis in unsere Höhe vorwärts gekommen, die Unterstützungen hatten sich herausgearbeitet, das Rgt. 96 hatte links von uns sich in den Besitz eines weiteren Teiles des Dorfes Bechcice gesetzt, leider nur teilweise, wie sich später herausstellte, u. nun kam gegen 5 Uhr nachm. für uns der Befehl zum Sturm, u. zwar sollte vom linken Flügel aus angetreten werden.

Das galt also mir, als dem Zugführer am weitesten links; ich nahm also einen Halbzug der 6. Komp., der noch links von meinem Zuge lag u. ohne Führer war, mit unter meinen Befehl u. trat aus dem schützenden Graben hinaus, mein Zug hinter mir. Wie durch einen Zauberspruch verlängerte sich die Linie nach rechts, u. ich kann wohl sagen, daß ich ein Gefühl freudigen Stolzes hatte, als auf „Marsch“ die ganze Linie antrat u. sich wie eine eherne Mauer vorwärts schob. Wie ein Blitz durchzuckte mich noch einmal der Gedanke an Poupry 1870, dann gab´s keine Zeit mehr für anderes, denn die Russen, die über unsere Frechheit, uns ihnen in ganzer Größe vor die Flinten zu stellen, vielleicht anfangs etwas verdutzt waren, fingen jetzt an, wieder etwas lebhafter zu schießen, sodaß in unserer Linie manche Lücke entstand, die sich aber sofort magnetisch wieder zusammenzog.

Jetzt zeigte sich nun der Erfolg einer guten u. sorgfältigen Bearbeitung der russischen Stellung durch Infanterie. Während uns unsere Artillerie bei dem Angriff für die vordere feindliche Stellung nicht unterstützten konnte, war auf diese Stellung den ganzen Tag über von uns ein wohlgezieltes sorgsames Schützenfeuer unterhalten worden, sodaß sie tatsächlich lediglich durch Infanterie „sturmreif“ gemacht worden war, denn, als wir die letzten 50 m des Sturmanlaufes mit „Marsch, marsch, Hurra!“ u. gefälltem Bajonett vor dem Einbruch zurückgelegt hatten, da waren nicht mehr sehr viele Russen da, die ernstlichen Widerstand versuchte, die meisten gaben sich gefangen oder ergriffen die Flucht, um sich in weiter rückwärts gelegene Gräben in Sicherheit zu bringen. Dies gelang aber nur ganz wenigen, den[n] ich stürmte über die genommene Stellung weiter vorwärts u. geriet mit 2 Zügen, die ich mittlerweile zusammengebracht hatte, in einen wundervollen russischen Deckungsgraben, der wie für uns ausgehoben schien u. aus dem wir die fliehenden Feinde in ein gutes Verfolgungsfeuer nehmen konnten, bis die Dämmerung dem weiteren Feuern ein Ziel setzte. Leider waren bei diesem Weiter-Vorwärts-Drängen noch Verluste entstanden durch feindl. Feuer von rückwärts, von wo wir es am wenigsten vermuteten: es kam aus den weiter links gelegenen Häusern von Bechcice, von denen wir unbedingt annehmen mußten, daß sie ebenfalls von Russen gesäubert wären, was aber bedauerlicherweise nur unvollständig geschehen war (weil angeblich russisches Artilleriefeuer daran gehindert hatte.)

Nun kam der fast noch schwierigere Teil unserer Aufgabe: Den genommenen Vorteil ausnutzen u. die Höhe halten; denn daß der Feind zum mindesten den Versuch machen würde, uns mit noch stärkeren Kräften wieder zu verdrängen, lag ziemlich nahe, darüber war sich wohl jeder klar.

Unsere neue Stellung schob sich wie ein Keil in die Russen hinein u. mußte daher nach 2 Fronten hin befestigt werden, denn vor allem die rechte Flanke war stark bedroht. Jetzt kam nun unsere Feldartillerie nach vorn u. stellte einen Teil ihrer Geschütze in unserer vorderen Linie auf, während andere weiter rückwärts hinter der Höhe, aber immer noch im Feuerbereich bei feindlichem Angriff, auffuhren. Maschinengewehre wurden in unseren schnell ausgehobenen Schützengraben eingebaut, u. wir hatten unsere so eingerichtete Stellung noch nicht lange besetzt, als richtig auch bereits der erste Ansturm des Gegners ansetzte, nachts ungefähr 12 Uhr. Der Sturm wurde mit vereinten Kräften der Infanterie u. Artillerie glänzend abgewiesen, dagegen legte sich neue feindl. Linien in naher Entfernung von wenigen Hundert Metern unserer Stellung vor u. beschossen diese die ganze Nacht; sie versuchten in dieser schweren Nacht noch zweimal, uns zu werfen, wurden aber jedesmal unter enormen Verlusten abgewiesen, sodaß das Gebiet vor uns am folgenden Morgen einem wahren Leichenfeld glich.

Weitere Versuche der Russen, um im Laufe des 3.12. durch Beschießung aus neu gebildeten Stellungen mit immer wieder verstärkten Kräften mürbe zu machen, mißlangen vollkommen, im Gegenteil konnten wir ihnen immer wieder neue Verluste beibringen, wobei uns wieder die Artillerie wacker unterstützte, die infolge der guten Beobachtung, die aus unserer vorgeschobenen Stellung möglich war, geradezu verheerende Wirkung auf die feindl. Schützengräben ausübte.

In der folgenden Nacht zogen die Gegner abermals ab, u. am 4. waren wir unangefochtene Beherrscher dieses wichtigen Punktes, dessen Besitz uns allerdings auch manchen lieben Kameraden u. treuen Freund gekostet hat, die teils oben in dem heißumstrittenen Friedhof den ewigen Schlaf schlummern, teils erst später ihren schweren Verwundungen erlegen sind.

Die sofort eingeleitete Verfolgung brachte uns weitere Kämpfe in den folgenden heißen Tagen von Lodz [Łódź], Miazga u. Rawka, deren Leistungen u. Erfolge uns wohl einige Berechtigung geben werden, uns den alten Kameraden, sollten wie sie je wiedersehen, bescheiden zur Seite zu stellen.

Reinhardt, Lt.

Leutnant und Kompanieführer Schaefer 8/94

Gefechtsbericht über Höhe 181 (2.-4. Dezember [1914])

Beim Vormarsch am 2. Dezember folgte die 9. Komp. der 6. in zweiter Linie. Als die 6. Komp. Feuer erhielt, schwärmten die beiden ersten Züge sofort aus, der 3. Zug konnte gedeckt in einer kleinen Mulde liegen bleiben. Als das feindl. Feuer, das sehr heftig eingesetzt hatte, etwas nachließ, zog ich den 3. Zug um die Höhe herum durch ein Birkenwäldchen bis hinter das westlichste Haus von Bechcice (an der Höhe). Auch der 2. Zug, der die vorderste Schützenlinie nicht erreichen konnte, sammelte hinter dem Gehöft, auch ein Zug 6/94 war inzwischen hinter dem vorderen Gehöft angekommen. Der Feind sollte vom linken Flügel beginnend angegriffen werden, doch war ein Angriff wegen des heftigen Flankenfeuers von rechts nicht möglich. Der auf 130 Uhr angesetzte gemeinsame Angriff fand gegen 3 Uhr statt, um ½ 5 Uhr folgte der Sturm und die Einnahme des Feindhofes. 8/94 blieb als Bataillonsreserve mit 2 Zügen hinter dem letzten Gehöft, den Abend und die Nacht fortwährend mit dem Vorbringen von Patronen in die Schützenlinie und den Rücktransport von Verwundeten beschäftigt, wodurch die Komp. schon manchen Verlust erlitten.

Gegen 4 Uhr morgens fluteten Truppen in der Nähe des Feindhofes zurück. Es drohte ein Zurückweichen auf der ganzen Linie, da erhielt 8/94 den Auftrag, vorzugehen und alles wieder mit sich zu reißen. Schon waren Teile bis in der Gehöft gekommen, da gelang es durch Zusammenfassen der Komp. und ihr energisches Vorgehen alles wieder mit vor zunehmen. Leider brachte dies der Komp. auch gar manchen Verlust ein, viele brave Leute sollten hierbei ihr Leben lassen. So wurde auch der von den Russen versuchte Angriff abgeschlagen und die beiden Geschütze zurückerobert, woran 8/94 ihren ruhmreichen Anteil hatte. Der Kampf dauerte während des ganzen 3. Dezember an. Die Komp., die durch den Angriff auf der ganzen Linie verteilt lag, sammelte sich am Abend links des Friedhofes, um 7/94 aus seiner Stellung abzulösen. Am Morgen des 4.12. waren die Russen abgezogen und das Gelände zum Vormarsch. Die Toten vor der Front zeigten, welche Arbeit das Regiment geleistet hate. Auch 8/94 hate sein gutes Teil zum Erfolg beigetragen.

Schaefer

Leutnant u. Komp. Führer 8/94

Offizierstellvertreter Hemmann 8/94

Bericht über das Gefecht am 2-4 Dezember bei Bechice und Höhe 181

Bei Morgengrauen verließen wir die in der Nacht vom 1 zum 2 Dezember ausgehobenen Schützengräben bei Ludomiersk [Lutomiersk] um vorzurücken. Am Ausgang von Ludomiersk versammelte sich das Bataillon die 6 Kompagnie ging in erster Linie mit Sicherung gegen Höhe 181 vor. Auf halber Höfe bekam die Spitze Feuer vom verschanzten Gegner der Rest der 6 Komp rückte in Schützenlinien vor. Die 8 Komp folgte in zweiter Linie zugweise vor. Der Gegner konnte nicht richtig erkannt werden, da wir von der linken Flanke Feuer erhielten. Im weitern vorgehen verstummte das feindliche Feuer etwas. Auf Befehl sammelte sich die Komp nach links in einem kleinen Birkenwäldchen und rückte hinter das westl. Haus von Bechcice. Die andern Komp hatten inzwischen eine Stellung südlich Bechcice vor dem besetzten Friedhofe eingenommen. Gegen Mittag kam der B B [sic!] der Friedhof soll 3 Uhr im Sturm genommen werden der erste Zug der Komp wurde hierzu mit eingesetzt.

Spätnachmittag war der Friedhof in unserm Besitz. Bei Dunkelheit wurde vom Friedhof südlich und nördlich eine Stellung eingenommen. Eine Batterie kam mit in die Schützenlinie. Gegen 12 Uhr versuchten die Russen einen Gegenstoß mit großer Übermacht wurden aber zurückgeschlagen. Ein teil der feindlichen Kräfte hatte sich beim zurückgehen vor unserer Stellung eingeschanzt. Die in Reserve befinden 2 Züge der 8 brachten Munition in die Schützengräben und schafften die aus der Schützenlinie zurückkommenden Verwundeten zur Verbandstelle. Gegen 4 Uhr früh kam ein großer Teil Mannschaften aus den Schützenlinien zurück. Jetzt kam an den 2 Zuge der Komp der Befehl vorzugehen und zurückgehende mit vorzunehmen. Die Züge verteilten sich auf der ganzen Linie, der größte Teil am gefährdeten Friedhof. Ein lebhaftes Infanterie und Artilleriefeuer setzt gegen die in Stellung befindlichen feindlichen Kräfte ein. Besonders wirksam war das Artl. Feuer, da gegen 60 Überläufer in unsern Schützengraben kamen. Am nächsten Tag am 4 ging eine Patrouille vor und stellte fest, daß der Gegner gegen Morgen abgezogen sei. Gegen 800 tote Russen vor der Front wurden im Laufe des Vormittags beerdigt.

Hemmann Offz-Stellvertreter 8/94

Reservist Gärtner 8/94

In einem Wäldchen links von Lutomiersk sammelte sich unser Regiment 94. Von da sind wir gegangen über ein klein Fluß u. dort hieß es schwärmen. Davor lagen wir in einer Multe [sic!] in Zugkolonne. Auf einmal pfiffen die Kugeln schon über und hin und ich bekam ein Gewehrschuß in mein Kochgeschirr.

Jetzt sind wir ausgeschwärmt vorgegangen und es gelang uns Kompanieweiße vor zugehn. Mein Gruppenführer Löwenstein lag neben mir und bekam ein Schuß durch den Kopf wobei er sehr schwer verwundet war und etliche Tage danach er verschied. Wir kamen jetzt vor eine Scheue um uns da längere Zeit auszuruhen. Da erhielt ich den Befehl, Unteroffizier Löwenstein mit Zerbst u. Jeier zurück zu bringen. Als wir dies vollbracht hatten sind wir wieder zurück bis an die Scheune. Vor uns lagen die fünfte sechste und siebende Komp. rechts vor uns die 96. Gegen elf Uhr hieß es die Russen kommen. Wir erhielten den Befehl Seiten-Gewehr pflanzt auf und wir mußten wieder zurück bis an das Wäldchen wo die Kugel immer an uns herum pfiffen.

Jetzt mußten wir wieder auf u. hinter die Scheune wo wir erst lagen. Jetzt kamen wir vor in den Schützengraben. Leutnant von Häßler befielt uns um Munition der Artillerie zu hohlen. Natürlich keiner erhob sich zurück zu gehen durch das Feuer. Ich bin zurück und habe zwei Körbe aufgeholt. Wobei Lohnwagner auch zwei Stück hatte vir zu schleppen. Nun gingen wir wieder in unseren Schützengraben.

Am andern Morgen d. 3. Dez. musten wir die siebende Komp. ablösen. Jetzt bekamen wir ein Stückchen Brot mit Suppe auch eine Cigarre erhielt ich die mir sehr angenehm war.

Jetzt mußte Unteroffezir Kühn mit einer Patrolje vor. Da schnarrgte [sic!] und wimmerte es in den Schützengraben es waren Russen die verwundet u. geschlafen hatten. Etliche verwuntete brachten wir zurück. Aber die Russen waren über die Höhe verschwunden. Jetzt wurden wir komandiert die Toten zu begraben.

Reservist

Gärtner

Gefreiter Schirmer 8/94

Anfang

In den 1. Morgenstunden des 2. Dezember lagen wir in einem kleinen Wäldchen östlich Lotumerts [Lutomiersk] als der Befehl kam zum Angriff auf der Höhe die vor uns lag.

Ein banges Ahnen überkam aller unserer Gemüter als sich der Himmel blutrot färbte. Die 6. u. 4. 94 gingen in 1. Linie vor während 7 u 8 94 in zweiter Linie vorgingen. Kaum hatten erstere den Anfang der Höhe erreicht, als wir von einem mörderischen Feuer überfallen wurden. Die in 1. Linie liegenden erwiederten sofort das Feuer und schanzten sich dabei ein. Da kam der Befehl an unsern Bataillonskommandeur die Höhe mußte auf alle Fälle genommen werden. Die 8/94 bekam den Befehl ausgeschwärmt vohrzugehen und die 6/94 mit fohrzureißen. Dieser Befehl wurde sofort ausgeführt und wir arbeiteten uns sprungweise vorwärts. Unter dem treffliche Schießen unserer Artillerie kamen wir vor, bis wir Mittags hinter einer Scheune uns sammelten. Da wir sehr angestrengt waren nahm jeder einen Schluck aus der Feldflasche und wurde auf ein Inbis genommen. Hier bekam ich mit Musk. Jung den Befehl einen Verwundeten der schon von Morgens da lag zurückzubringen. Unter heftigem Kugelregen brachten wir den zurück und schlossen uns nach kurzer Abwesenheit unserer Kompanie wieder an welche immer noch hinter der Scheune stand. Hier erfuhren wir erst die Verluste die wir schon erlitten hatten. Inzwischen war die Nacht herbei gekommen der III. Zug blieb zur Deckung des Herrn Major hinter der Scheune liegen. Als plötzlich der Befehl kam, die Russen wehren zwischen 94 u. 96 durchgebrochen, nahmen wir eine Aufnahmestellung in einem kleinen Wäldchen auf, kamen aber in die Geschoßgarben der Maschinengewehre und gingen wieder in unsere alte Stellung zurück. Durch Patronenvorbringen und Verwundeten zurückschaffen war es inzwischen 11 Uhr geworden als mit einem male einige von der 7/94 ankamen es ging alles zurück das energische Vorgehen der 8/94 mit aufgepflanztem Seidengewehr und dem guten Stand halten[,] der 5 u. 6/94 gelang es aber die Russen wieder zurückzuschlagen, welche einige Schützengräben und 1 Geschütze schon erogert [sic!] hatten. Die Nacht mußten wir in der eingenommenen Stellung verbringen, welches bei der großen Kälte und das Jammern der Verwundeten nicht grade angenehm war. Unter dauerntem Feuer verging die Nacht und der 3. Dezember verlief in derselben Weise. Aber große Erheiterung erhiellten aller unserer Gemüter als dauernt Überläufer zu uns rüber kamen. Da nun keiner mehr seinen Platz verlassen durfte verging der Tag in der Hoffnung, daß wir des Nachts abgelöst würden. Aber die Sache wurde anders, weil wir die 7. ablösen mußten. Wie bezogen den Schützengraben der 7. und harrten nun der dinge die noch kommen wurden. Aber auch diese verging und am Morgen warn die Russen abgerückt. Noch in der Dunkelheit untersuchten wir die Schützengräben und fanden blos noch Tode und Verwundete in den Gräben liegen. Auch rissen noch einzelne aus, die wir in der Dunkelheit nicht treffen konnten.

Am 4. des Morgens beerdigten wir die Toden.

Gefr. Schirmer 8/94

Unteroffizier Kubc 8/94

Gefecht vom 2ten Dezember 1914.

Am 2ten Dez. Morgens 4 Uhr wurde die 8te Komp. alarmiert. Die 6te Komp. war als Spitze vor dem Bataillon vorgegangen.  Ungefähr 600 Meter vor der Höhe bekam die Spitze Feuer. Die 8. Komp. erhiell [sic!] den Befehl in die 6ten Komp. einzuschieben. Ungefähr um 10 Uhr erhielt die Komp. alles einzusetzen [sic!]. Der Zugführer vom 3. Zug erhielt den Befehl die ganze Komp. sollte in die 6te Komp. einschwärmen, und zum Sturm mitreißen. Inzwischen kam der Befehl, die Komp. sollte sich eingraben. Da daß Feuer zu heftig wurde, bepfahl Feldw. Junge vom 3ten Zug links in ein kl. Wäldchen vorzugehen und hinter ein Gehöft zu sammeln. Mittags gegen 1 Uhr kam der Befehl es soll angegriffen werden. Leutnant Reichard vom 1ten Zug erhielt den Bepfehl durch die ganze Schützenlinie, alles soll zum Sturm vorgehen. Leutnant Reichard war der erste welcher in die Feindlichen Schützenlinie einbrach. Ein Teil der Russen gab sich gefangen. Als es schon dämmerte versuchten die Russen mehrere Gegenstöße wurden aber unter großen Verlusten zurückgeworfen. Der dritte Gegenstoß der Russen war so heftig, daß wir uns ein Teil zurückziehen mußten. Die Russen erbeuteten hierbei 2 Geschütze vom Rgt 55. Viele Bedienungsmannschaften von regt 55 erhielten hierbei den tot. Jetzt kam der Hauptmann vom Rgt 55 und sagte. – Wen Ihr deutsche Männer sein wollt, dan helft mir mein Geschütz wiederholen. Der Rest der 8ten Komp. welche grade wieder vorgehen wollte, probirte die 2 Geschütze, zwei Artilleristen und Musketier Stegmann der 8ten Komp. bedienten das eine Geschütz und gaben nun Schnellfeuer auf den Russen. Am 3ten Dez. blieb alles im ersten Schützengraben den Tag über liegen. Abens musten die 8te Komp. den Schützengraben der 7ten Komp. mitbesetzen. Am Morgen des 4 Dez. schickte Leutnant v. Haessler Patroillien aus. Dieselben kamen mit der Meldung zurück daß die Russen die Stellung verlassen hatten. Viele Verwundete und ein Teil welche bei den Verwundeten zurückgeblieben waren, wurden gefangen genommen. Die 8te Kom. Erbeutete ein Maschinengewehr.

Gefreiter Ernst Grimm II 8/94

Die Ereignisse am 2. Dez. auf Höhe 181

Am zweiten Dezember mittags hatte sich 8/94 hinter einem Haus vor dem Feindhof auf Höhe 181 gesammelt. Hier mußte der Unteroffizier Bechmann mit seiner Gruppe in der sechsten Kompagnie einschwärmen, weil eine Lücke entstanden war. Um 4 Uhr 20 komantirt [sic!] Herr Hauptmann Ohnesorg Seitengewehr pflanzt auf, und es ging zum Sturm vor. Mit Leichtigkeit erstürmten wir den ersten Schützengraben, die Russen rissen aus, und wir feuerten stehend freihändig, was uns großen Spas machte. Als es Dunkel wurde kamen die Russen wieder, und wollten ihren Schützengraben wieder nehmen. Wir gingen auch wieder zum Sturm vor, es waren uns aber nur sieben Mann in erster Linie, ich selber schlug mit den Kolpen [sic!] drein, so das der eine Russe tod niedersank, als die andern Russen das sahen, warfen sie ihre Gewehre hin. Halblinks kamen aber die Russen in großen Massen an und wegen starken Gewehrfeuer mußten wir paar Leute im marsch marsch zurücklaufen. Aber nicht weit, dann ging es nochmals mit Verstärkung vor, bis die Russen in ihre Schützengräben verschwanden. Wir hatten noch einige Gefangene gemacht, und dann haben sich die Kompagnien wieder gesammelt. 8/94 war in Reserve, haben aber die ganze Nacht vom 2. bis 3. im größten Gewehrfeuer Patronen vortragen müssen.

8/94 Gefrt. Ernst Grimm II

[Unterschrift]

Gefreiter der Reserve Wilhelm Först 8/94

Gefecht am 2. Dez. 1914.

Am 2. Dez. wurde die 8. Comp. gegen 5 ½ Uhr morg. alarmiert. Das Batailon rückte vor bis am Ausgang eines kleinen Wäldchens. Hierauf entwikelte sich der 1. und 2. Zug. Der 3. Zug blieb in Reserve zurück. Nach einiger Zeit kam der Befehl an 8/94 den 3. Zug einzusetzen und 6/94 mit vor zu reißen um die Höhe zu erstürmen und zu halten, im lebhaften Feuer ging die Comp. vor bis wir an einige einzelne Gehöfte kamen. Hier wurde die Compagnie gesammelt, nach einiger Zeit wurde der 1. Zug wieder eingesetzt, während der 2. u. 3. Zug in Reserve blieben. Des Morgens gegen 4 Uhr setzte plötzlich ein sehr lebhaftes Feuer ein, hierauf kamen auch schon Mannschaften unsers Regiments zurück mit dem Bemerken es geht alles zurück.

Der Kompagnie-Führer befahl sofort Seiten-Gewehr aufpflanzen und im fürchterlichen Feuer stürzte alles vor bis wir an einen Schützen-Graben kamen welchen wir besetzt nach einiger Zeit kamen einzelne Leute von 11/94 welche den Schützen Graben verlassen hatten wieder vor, bei Tages Grauen  sahen wir unseren Gegner etwa 80 Meter vor uns, in dieser Stellung blieben wir unterlebhaften Feuer bis durch Patrouillen der Rückzug des Gegners festgestellt wurde.

Gefreiter d. Reserve

Wilh. Först 8/94.

Gefreiter Jacob 8/94

Am 2 Dezember 1914 früh schwärmten wir aus, und gingen so sprungweise vor bis in Höhe des Gehöftes, wo sich die Kompagnie (Es kam ein Befehl noch links sammeln) sammelte. Durch das Einschwärmen waren viele abgekommen, und der Zug Gäseler war sehr schwach. Nach einer Erholungspause entwickelten wir uns rechts heraus, und mußten nach einigen Sprüngen, gezwungen durch den Befehl nicht weiter vorzugehen in unsrer Stellung, welche wir uns im feindlichen Feuer notdürftig gegraben hatten, verharren. Es war wohl 11 Uhr als ein Befehl kam 130 soll angegriffen werden. Als Einbruchsstelle wurde der Friedhof bezeichnet. Es waren mit mir noch einige Kameraden vom zweiten Zug, wir lagen links vom Friedhof etwa 350 Meter vorm feind. Es wurde 130 und alles blieb ruhig. 330 setzte alles zum Sturm ein jedoch langsam. Durch starkes Feindliches Feuer waren wir gezwungen den Laufgräben, welcher in der rechten Ecke des Friedhofs herunter ging als vorläufige Deckung zu benutzen, u. von hier aus etwas in die rechte Flanke Feuernt [sic!], den Feind zum zurück gehen zwangen. Die Dunkelheit war herein gebrochen, jetzt erst bekann [sic!] der eigentliche Sturm. Wir nahmen die Stellung rechts vom Friedhof unter Hurra; konnten aber nicht weiter, denn unsere Artillerie hatte noch dasselbe Ziel wie am Tage. Wie der Feind merkte das sie nicht weiter verfolgt wurden, unternahmen sie mit Verstärkung einen neuen Vorstoß. Gingen aber ohne Erfolg zurük, unter heißen Bajonettkampf u. Gewehrfeuer, und schweren Verlusten. In den Wirrwarr erfuhr ich das die 8 Komp. links gesammelt hatte. Mit Feldw. Gerhold ging ich u. mehre Gefangene zur Komp. zurük. Nicht lange da mußten wir Munition zur 7. Komp. vor bringen. (2 Gruppen) An der linken Ecke des Friedhofs kam ich im Schützengraben an. Als ich wieder zurük wollte, Befahl mir Herr Ltn. Stier (7 Komp) sie bleiben hier. In der Nacht vom 2. z. 3. Dez ging die 7 Komp. zurük, es war durch die Ablösung gekommen, nicht durch die Russen. Herr Ltn. Stier u ich behaupteten nach kurzer Zeit weiter unseren Platz, linke Ecke des Friedhofs. Da lag ich mit der 7 Komp. bis zum 3 Dez. Abens [sic!], und als die 8 Komp. kam zur Ablösung, mußte ich noch hier bleiben bis zum 4 Dez. morgens. Am Abend des 3 Dez. hatten wir 2 Komp von Regt. 71 als Verstärkung erhalten, worüber sich Herr Ltn. Häseler u. ein Hauptmann vom Regt 71 noch Meinungen austauschten. Aber wir freuten uns alle über die Verstärkung. Auch war ich in der Nacht trüben [sic!], rechts vom Friedhof da stand Mann an Mann weil die 71 Ersatz bekommen hatten waren die Kompagnien noch sehr stark. So lag ich vom 2 Dez bis 4 Dez früh in Gefecht ohne Ablösung.

Gefr. Jacob

Gef. Lemnitzer 10/94

Fatar, den 27. Juni 1915

10/94

Erlebnisse des Gef. Lemnitzer 10/94 in der Nacht vom 2. zum 3. Dez. 1914

Beim Sturm am 2. Dez. auf die russische Stellung gingen gleichzeitig mit der Inf. auch die M.G.K. vor. Wir richteten uns im Schützengraben ein und auch die Mannschaften des M.G. wollten ihr Gewehr einrichten. Als dieselben ihre Gewehre auf die Deckung stellten, kamen plötzlich 6 Russen auf die Deckung gerannt, in der Absicht, das M.G. zu erobern oder wenigstens unschädlich zu machen. Kurz entschlossen nahm ich mit meinen Kamerad, Reservist Unger, die Russen aufs Korn, und es gelang uns auch 5 durch wohl gezielte Schüsse kampfunfähig zu machen. Da in Eile der dritte Schuß in die Erde ging und der letzte Russe seine Absicht auch noch nicht auf gab, so sprang ich heraus und ging demselbigen mit dem Bajonett zu Leibe. Ein kurzer Kampf und er lag zu Boden, obwohl neben mir plötzlich noch ein Russe auftauchte, welcher aber durch meinen Kamerad, dasselbe Schicksal, von den ersten erreichte.

Meine Kameraden, welche Zeuge dieses Kampfes waren, sind aber in den folgenden Gefechten gefallen, so daß ich das Erlebnis nicht weiter begründen kann.

Gef. Lemnitzer 10/94

Gelesen 28.6.15

[Unterschrift Margraf]

Lt. u. Kompführer

Graf von Hennin, Hauptmann und Kompagniechef 11/94

Der Sturm, dazu Skizze 1. [Anmerkung: Skizze fehlt]         Boguslawki Male, 20.1.1915      11/94

Die Kämpfe der 11. Kompagnie I.R. Großh. v. Sachsen (5. Thür.) Nr. 94 bei Lutomierz und südlich Bechcice auf Höhe 181 am 2., 3. u. 4. Dezember 1914

Am 2.12. früh 6 Uhr war das combinierte (I. u. II.) Bataillon /94 aus Cazinierz abmarschiert, einen Flecken, den die 11. Kompagnie vom 20.11-1.12. in der Verteidigung zu halten hatte. Zwischen 7 u. 8 Uhr Vorm. erreichte das Bataillon die Walstückchen südlich Lutomierz [Lutomiersk], wo bereits schwaches feindliches Feuer von Höhe 181 sich bemerkbar machte. I.R. 94 wurde nun zum Angriff von Westen her auf Höhe 181 angesetzt, und zwar II. Bataillon in erster Linie, comb. Bataillon sollte rechts gestaffelt folgen.

Comb. Bataillon Wangenheim nahm 2. U. 12. Komp. in erste Linie, 4. u 11. Komp. in zweite Linie und folgte im Laufe des Vormittags, zunächst bis zum Friedhof, dann bis in die Waldstücke östlich des Friedhofs. Das II. Bataillon ging im allgemeinen genau in östlicher Richtung auf Höhe 181 vor, südlich sollte die 76. Brig. vorgehen, deren Einwirkung von Südwesten oder Süden her abgewartet werden sollte. Im Verlaufe des Kampfes schob sich das II. Bataillon aber etwas mehr nach Norden, so daß am rechten Flügel eine Lücke entstand, die um die Mittagszeit durch 2/94 ausgefüllt wurde.

Gegen 2 Uhr nachmittags kam der Befehl, daß die Höhe 181 und der Friedhof im Sturm genommen werden sollten. Die 11. Kompagnie ging darauf in Halbzugswellen über den Bach hinüber und schloß näher an die erste Linie heran. Gegen 3 Uhr kam der Befehl, daß erneut eine Lücke rechts entstanden sei. Die 11. Kompagnie sollte diese ausfüllen und den Sturm in erster Linie mitmachen. Die Kompagnie stürmte darauf auf die Höhe 181 vor, die sich lange von Ist nach Westen dahin streckte mit Abfall nach Süden und schwächerem (flacherem) Abfall nach Norden, und zwar zunächst rücksichtslos mit allem, obwohl durch eine glänzende Patrouille des Leutnants Freiherrn von Spessart einwandsfrei Maschinengewehre in der rechten Flanke (s. Skizze 1) festgestellt waren.

Die Kompagnie 11/94 erreichte um 415 Uhr den russischen Schützengraben und warf die Russen im Handgemenge zurück. Nun kam aber der 1. u. Teile des 2. Zuges in ein rasendes Maschinengewehrfeuer der oben erwähnten Gewehre von rechts, der sie zum Hinlegen zwang, und so konnte, da rechts niemand vorging, zunächst nicht weiter durchgestoßen und verfolgt werden. Die Russen gingen daher nur wenige 100 Meter zurück und zogen starke Reserven nördlich zu Prusinow vor (siehe Skizze 1). Inzwischen war es Nacht geworden, die Mond hell war. Gegen Morgen aber bildeten sich Nebel, die dem 1. Gegenangriff sehr zustatten kam.

Als nach dem Handgemenge die Verbände geordnet waren, erhielt die 11. Kompagnie den Befehl, die höchste Höhenlinie südwestlich und westl. Höhe 181 zu besetzen. Es wurden die russischen Schützengräben (vgl. Skizze 1) hierzu benutzt und diese mit 1 ½ Zügen besetzt. Die andere Hälfte der Kompagnie wurde in Reserve westlich des Friedhofes gelegt in einem alten Graben, den die Kompagnie in der Nacht vom 19. zum 20.11. aufgehoben hatte. Einen neuen auszuheben, war nicht möglich, da es hart gefroren war und die Höhe von den Russen dauernd mit Feuer belegt wurde. Da die Truppen links nicht über Bechcice vorgekommen waren, so wurde die 7. Kompagnie zurückgezogen und nahm genau die Front nach Osten. Da auch die Truppen rechts nicht weiter vorgekommen waren, so wagte die Kompagnie keilförmig nach dem Feind vor und hatte infolge dessen unter starkem Feuer von vorn, von rechts und später auch von links schwer zu leiden.

Für die Nacht wurde nun in die Stellung der Kompagnie zur Verstärkung eine Batterie vorgeschoben, außerdem ein Scheinwerferzug (siehe Skizze II [Anmerkung: Skizze 2 nicht vorhanden]). Hiervon wurden 2 Geschütze in den vorderen Schützengraben, später 2 Meter hinter diesem postiert. Vor Mitternacht begannen die Russen ein lebhaftes Schützenfeuer, welches sie die ganze Nacht unterhielten.

Um 1230 nachts erfolgte nun der erste Gegenangriff der Russen, der aus der Richtung a-a (siehe Skizze 2) gegen unsere Stellung geführt wurde. Unser Scheinwerferzug trat in Tätigkeit und bei der hellen Beleuchtung konnte die Infanterie und Artillerie den anstürmenden Gegner (1-2 Bataillone sibirische Schützen) gut unter Feuer nehmen, so daß der Gegenangriff 40-50 Meter vor den vordersten Schützengraben zusammenbrach.

Als dieser Angriff mißglückt war, gewann man nach Aussagen von Patrouillen und Schützen in der vorderen Linie und dadurch daß nun auch die Deckungsgräben von links direkt bestrichen werden, den Eindruck, daß sich die Russen mehr nach Osten verschoben, um mehr von dieser Seite her einen zweiten Angriff anzusetzen. Zwischen 2 u. 3 Uhr vormittags ließ daher der Kompagnie Chef, Hauptmann Graf von Hennin, den Zug (1.) des Leutnant der Res. Kögler die Front nach Osten hinter den kleinen Friedhof und südlich davon einnehmen, währen der übrige ½ 2. Zug (Offizierstellvertreter Haupt) die vordere Linie verstärkte. Trotzdem aber waren die Schützengräben zu schwach besetzt, da die Kompagnie durch das lebhafte Feuer von 3 Seiten schwere Verluste erlitten hatte. Einzelne Leute trugen auch Schwerverwundete zurück, und von halfen bei der Artillerie [sic!], die besonders die beiden vordersten Geschütze einen großen Teil ihrer Bedienungsmannschaften verloren hatten. In der Vermutung, daß ein 2. Gegner Angriff, jetzt mehr von Osten her bevorstehe, schickte der Kompagniechef daher in Anbetracht des Ernstes der Lage direkt zum Regiment mit der Bitte, 1 oder 2 Züge aus der Reserve zur Verdichtung der Schützen in den Graben heraufzusenden. Das Regiment schickt nun zu seiner Orientierung den Ordonanzoffizier des Regiments, Leutnant von Canta, auf die Höhe. Derselbe wurde aber, als er eben am Friedhof zu dem Kompagnie Chef in den Schützengraben gesprungen war, durch einen Schuß in die Brust schwer verwundet und erlag später seiner Verletzung. Das comb. Bataillon schickte zu seiner Orientierung den Adjutanten, Leutnant von Gödel, vor, der auf dem Wege zur Höhe ebenfalls einen Schuß durch die Brust erhielt. Gegen 430 traf nun auch der Adjutant des II. Bataillons beim Kompagnie Chef im Schützengraben ein, um sich zu orientieren. In diesem Augenblick erfolgte der 2. Gegenangriff und der kritische Moment des Kampfes trat ein, da immer noch keine Reserven eingetroffen waren:

Es war gegen Morgen dunkler geworden; der große Scheinwerfer usw. durchschossen und so kam es, daß die Geschütze westlich des Friedhofs in die eigenen Schützengräben vorderer Linie schossen und dort von den spärlichen Resten der schon von 3 Seiten von den Russen beschossenen Kompagnie nun auch noch von hinten mehrere Leute der Kompagnie töteten und verwundeten. Die wenigen Leute, die noch übrig waren, suchten nun dem eigenen Artilleriefeuer zu entgehen und irrten in dem Dunkel der Nacht auf der Höhe einzeln umher. So blieben einige Zeit die beiden vorderen Geschütze allein gegen den Feind verlassen stehen. Als die hinteren Geschütze nun ihr Feuer verlegten, gelang es dem heldenhaften Verhalten der Unterführer der Kompagnie und der 1. Batterie einzelne Leute wieder an die vorderen Geschütze vorzubringen und zu bedienen und so den Angriff der Russen abzuschlagen, die bereits den linken Flügel des Schützengrabens erreicht hatten. Nun trafen auch die Reserven ein uns so war auch der 2. Gegenangriff der Russen abgeschlagen.

Den ganzen 3. Dezember dauerte das Feuergefecht auf der Höhe 181 weiter an. Einen Angriff wagten die Russen indessen nicht mehr. Aber es kostete noch manchen braven Musketier und Kanonier; schwer verwundet wurde auch noch der Batteriechef der heldenhaften 1. Batterie/Art. Regt. 55, Hauptmann Krähe und zu Tode getroffen lang auch er Offizierstellvertreter Winkler neben dem Geschütz westlich des Friedhofes. Um 9 Uhr abends wurde die Kompagnie nach fast 40 stündigem Kampfe durch eine Kompagnie Inf. Regt. 71 abgelöst. Die Kompagnie sammelte sich hierauf hinter dem Haus, wo der Regimentsstab lag; es waren aber zunächst nur 1 Offizier, 2 Unteroffiziere und 67 Mann, die sich noch sammelten. Die Verluste der Kompagnie waren groß; sie betrugen ___ Tote und ___ Verwundete [Anmerkung: Zahlen fehlen], darunter tot Vizefeldwebel der Res. Müller, und Vizefeldwebel Dewitz, schwerverwundet Offizierstellvertreter Graf Medem.

Trotz der schweren Verluste wird es aber für die 7. u. 11. Kompagnie eine freudige Erinnerung sein, daß es ihnen geglückt war die Friedhofhöhe 181 zu stürmen und gegen große Übermacht (2 sibirische Regimenter) im Verein mit Teilen andere Kompagnien und der 1. u. 3. Batterie/Art. Regt. 55 zu halten.

Und dieser Ehrentag wird auch über die Kriegsdauer hinaus die 2 Kompagnien mit den 2 heldenhaften Batterien besonders kameradschaftlich verknüpfen. – Am 4.12. früh fand die Sanitätskompagnie vor den Stellungen der beiden Kompagnien am Friedhof 885 tote Russen.

Von den zahllosen heldenhaften Toten sind einzelne dem Bericht nach eigenen Angaben und Aussagen der Betreffenden nach Bestätigung durch die Unterführer angeschlossen.

Dazu 2 Skizzen [Anmerkung: nicht mehr vorhanden]

[Unterschrift Graf von Hennin]

Hauptmann u. Kompagniechef 11/94

Wehrmann Hagemann 11/94

Erlebnisse auf der Höhe 181

Abschrift

Als der I. Zug, dem ich angehörte[,] auf der Höhe hinter dem kleinen Friedhof gesammelt hatte, besetzten wir den dort befindlichen Schützengraben und wurden hier frisch mit Patronen versorgt. Als später der Feind von links vorging, mußten wir die Front dorthin nehmen und den kleinen Friedhof besetzen. In dieser Stellung lagen wir schon einige Zeit, als von rechts durch die Schützenlinie gerufen wurde: „Der III. Zug hat keine Patronen mehr und möchte möglichst schnell welche erhalten.“ Ich wußte, daß am hintersten Ende des Schützengrabens hinter uns vorhin mehrere Pakete übrig geblieben waren. Das feindliche Granatfeuer war sehr heftig, aber die Gefahr die uns drohte, wenn der III. Zug ohne Patronen lag, ließ mir keine Ruhe. Ohne Befehl rannte ich hin und fand noch die Patronen vor. Ich nahm sie und meldete dem Zugführer Leutnant Kögler mich mit den Patronen, worauf dieser mir den Befehl gab, dieselben dem III. Zug zu bringen. Da der Mond uns auf der Höhe so hell beleuchtete, war es für mich sehr gefährlich, diese Stellung zu erreichen. Ich legte daher mein Gepäck ab und lief, so schnell ich konnte, dem etwa 200 m entfernt liegenden Zuge zu. Kaum war ich jedoch hinter dem Friedhof hervorgetreten, da eröffneten die Sibirier auf mich ein mörderisches Feuer, ich hatte noch nicht die Hälfte des Weges zurückgelegt, als mir eine Kugel den rechten Arm zerbrach. Die mir entfallenen Patronen nahm ich nun in die linke Hand und stürzte weiter. Noch etwa 50 m vorm Ziele entfernt durchklatschte ein Geschoß meinen Helm. Hierbei stolperte ich und fiel zu Boden. Ich konnte mich in diesem Augenblick vor Schmerz nicht mehr erheben, ich rief daher: „Kameraden ich habe für Euch Patronen und bin verwundet, ich kann nicht weiter.“ Ich hörte die Stimme einen nur gut Deckung, wie haben sie schon. Etwa 10 Minuten lag ich als das feindl. Feuer etwas nachließ und einer vom III. Zug herüber kam, um die Patronen zu holen. Nun lief ich in den leeren Schützengraben. Aber wieder hatten die Feinde mich gesehen und wurden von den vielen Schüssen, die mir zu gute kamen, traf dies mal nur eine meinen Mantelärmel. Nachdem ich mich in dem Schützengraben etwas erholt hatte, konnte ich mich erheben, um mit dem ebenfalls verwundeten Kameraden Bosse, die Verbandsstelle in Lutomiersk aufzusuchen. Hoffentlich haben diese Patronen ihren Zweck erfüllt.

Gez. Wehrmann Hagemann

z.Zt. Reserve Laz. Kaiserhof in Alfeld a/Leine

Dem Bataillon:

Als Anfang zu den Erlebnissen auf Höhe 181 der 11/94

[Unterschrift Graf von Hennin]

Hauptmann u. Komp. Chef

Gefreiter Deist 11/94

Gefechtsbericht vom 2.-3. Dezember 1914 auf der Höhe 181 bei Bechcice

Am 3. Dezember früh kam der Befehl zum Abrücken. Unser Bataillon I. u. III./94 marschierten über Lutomiersk bis vor den Waldrand. Hier blieb das Batl. vorläufig in Reserve. Das I/94 lag vor uns und stieß nun auf den auf der Höhe 181 verschanzten Gegner. Dann zogen wir uns in das nächste Wäldchen. Hier erhielten wir starkes Gewehrfeuer. Dann zogen die 5. u. 11./94 sich in die nächste Mulde und 11/94 von da nach rechts hin. Wir schanzten uns am Abhange ein. Gegen Abend kam der Befehl zum Sturm. Wir gingen nun vor, von unser Kompagnie der III. Zug in vorder. Linie und auch am weitesten rechts. Die 12/94 lag hinter uns im nächsten Wald in Reserve. Regt. 2/12 kam jedoch nicht so rasch vorwärts und dadurch kam es, daß wir von rechts von der Straße her ein heftiges Maschinen- und Gewehrfeuer erhielten. Wir kamen eben nicht weiter vor. Inzwischen hatte der Rest der Kompagnie sich auch links weiter vorgearbeitet. Aber es dauerte gar nicht lange, so bekamen wir auch von links (vom Friedhof) her Maschinengewehrfeuer. Da hörte man fortwährend rufen, „Am Friedhof ist Regt. 96;“ aber da hatte man sich geirrt; denn es war doch Russenpack. Inzwischen waren wir schon an den vordersten Schützengräben vorn und hatten sich auch schon ein Teil von Russen ergeben und hatten ihre Waffen fortgeworfen. Auch hier wer ein Offizier hierbei. Durch die Zurufe dann es seien links von uns Russen am Friedhof, gingen einige Leute von uns zurück und sofort forderte der Offizier die Russen auf ihre Waffen wieder zu nehmen. Jedoch das merkten wir und einer meiner Kameraden nahm sein Gewehr und erschoß diesen. In diesem Moment kamen jedoch neue russische Unterstützung von rechts und uns blieb nichts über als in den ersten russischen Schützengraben Deckung zu suchen. Wir eröffnen nun gegen die an uns stürmenden Russen Schnellfeuer. Aber von rechts erhielten wir ein solches Maschinengewehrfeuer, daß an Weiterkommen nicht zu denken war. Da auf einmal ließ das Feuer nach und unser Rest der Kompagnie kam zum Sturm weiter vor. Dann ging es von Neuem weiter und hierdurch gelang es einige unserer Kameraden, welche vorher verwundet wurden und wie tot auf dem Boden lagen. Wieder in unsere Hände zu erhalten. Bei dem Bajonettkampf gab es schwere Verluste für die Russen, aber leider hatten wir auch viele Tote und Verwundete. Dann war alles ruhig und nun sammelte sich die Kompagnie wieder und nahm neue Stellung. Wie erhielten zur Verstärkung in vordere Linie 2 Geschütze FA 55. Dann rechts vom Friedhof noch 4 Geschütze. Hinter dem Friedhof lag 7 u. 5/94. Dann links Regt. 96. Gegen 10 Uhr unternahmen die Russen den ersten Vorstoß[,] wurde aber mit Hilfe der Artillerie zurückgeworfen. Hierbei leistete der hinter dem Friedhof aufgestellte Scheinwerfer große Dienste. Gegen 12 Uhr Nachts kam der zweite Sturmangriff der Russen. Jedoch diesmal erhielten diese ein solches Artilleriefeuer[,] da man jedesmal eine Lücke sah, wo das Geschoß eingeschlagen hatte; denn die Russen kamen in dichten Kolonnen anmarschiert. Die FA 5 schickte auch gleich eine Sendung und es dauerte nicht lange, so waren diese in ihre Schützengräben zurück. Die ganze Nacht durch dauerte das Gefecht. Dann ging die Infanteriemunition aus und mußten erst die Patronenwagen herangeholt werden. Auch die Artillerie hatte keine Munition mehr da, und schafften unsere Infanteristen Artillerie Munition vor. Die Bedienung der Artillerie war auch größtens verwundet und waren meistens nur die Offz. noch da. Es wurden Kol. aus Lutomiersk geholt. Der Scheinwerfer war von den Schüssen todal [sic!] zerstört. Um 4 Uhr morgens versuchten die Russen den 3. Vorstoß[,] aber auch dieser wurde zurückgewiesen. Diesmal kam der Sturm direckt von rechts und waren ziemlich an die beiden Geschütze ran, aber die Artillerie ließ sich nicht abschrecken, sondern blieb an ihrem Geschütz. Den ganzen Tag dauerte es weiter. Am Abend des 3. Dezember wurde unsere Kompagnie durch 8/71 abgelöst und kam in Regimentsreserve.

Am 4. Früh war der Rest der Russen abgerückt und es ging dann weiter. Unser gebliebenen Kameraden wurden auf dem Friedhof Bechcice beerdigt. Auf der Höhe 181 fand man jedoch ungefähr 860 Tote der Russen. Die Laufgräben waren gefüllt bis oben ran. Es war ein schweres aber schönes Gefecht und bleibt dem[,] der mitgemacht[,] eine ewige Erinnerung.

Deist

Gefreiter 11/94

Reservist Albin Möller 12/94

Gefechtstage von 2-4 Dezember 14

Der 3. Zug[,] welchen ich damals zugeteilt war, lag im Schützengraben am Abhange der Höhe 181 als Reserve. 1. und 2. Zug lagen etwa 4-500 weiter lings [sic!] vorwärts von uns ebenfalls in Schützengraben. Wir erhielten den ganzen Tag Gewehrfeuer von den Russen[.] Wir schossen auch dann und wann auf die Russische Stellung. Wir lagen da in unser Stellung bis zum 4. Dez. früh 9 Uhr. Am 3. Dez. abend machten die Russen einen Sturmangrief[,] wurden aber wieder zurück gewiesen. Am Morgen den 4. Dez. versuchten die Russen noch einmal Durchzubrechen, wurden aber trotz des Abrückens der 11. Komp. und ein Teil der 12. Komp. wieder zum stehen gebracht, weil der 3. Zug, bei welchen ich damals auch war, Stand hielt und aus seiner Stellung nicht heraus ging, die Russen wurden dann wieder zurück geworfen, hatten sehr große Verluste[,] welches wir am andern Morgen dann selber sahen. Wir wurden nämlich zur Batroille komandiert (unsere Gruppe) unter Führung des Feldwebels Gartenstein. Sollte feststellen, wie weit die Höhe, und ob die Russische Stellung frei seien. Wir gingen dann vor, und fanden die Russische Stellung alle frei, die Schützengräben lagen alle voll Tode, und wir fanden auch noch einige Verwundte[,] welche die Russen zurück mußten lassen, viele Gewehre und Munition lag ebenfalls da. Wir wurden dann wieder zurück geschickt, mit der Meldung, das alles frei wäre. Ich ging dann mit der Meldung zurück und gab diese ab. Bleiben dann noch eine ganze Zeit auf der Höhe bis zum weiteren Abmarsch.

Res.

Albin Möller

12/94

Reservist Gustav Greiner 12/94

Gefechtstage von 2.-4. Dezember [1914]

Den 3 Zug[,] welchen ich damals zugeteilt war[,] lag in Schützengraben am Abhang der Höhe 181 als Reserve. 1 und 2 Zug lagen etwa 4 bis 500 Meter weiter lings [sic!] vorwärts vor uns[,] ebenfalls im Schützengraben[.] Wir erhielten den ganzen Tag Gewehrfeuer von den Russen. Wir lagen da in unßerer Stellung bis zum 4. Dezember früh 9 Uhr. Am 3. Dezember abends machten die Russen einen Sturmangriff[,] wurden aber wieder zurückgeworfen. Am Morgen den 4 Dezember versuchten die Russen noch einmal durchzubrechen[,] wurden aber troz des Abrückens der 1. Komp. und ein Teil der 12 Komp. wieder zu stehen gebracht[,] weil der 3. Zug[,] bei welchen ich damahls auch war[,] Standt gehalten und aus seiner Stellung nicht herausging. Die Russen wurden wieder Zurückgeworfen und hatten sehr große verluste[,] welches wir am andern Morgen dan selbst sahen. Wir wurden nämlich zur Patrolie komandiert unter Führung des Feldwebels Hartenstein[,] sollten feststellen[,] wie weit die Höhe und ob die Russische Stellung frei sein[,] wir gingen dan vor und fanden dieselben frei. Die Schützengräben lagen alle voll Tode und mehrere Verwundete[,] welche die Russen zurück ließen. Von da wurde eine Meldung zurück geschickt[,] das die Stellungen frei sind. Wir gingen noch 2-300 Meter vor und fanden keine Russen[,] dan gingen wir zurück und blieben bis zum Abmarsch.

Reservist

Gustav Greiner

12/94

Gefreiter Franz 12/94

Meine Erlebnisse vom 2. und 3.12.[1914]

Am Morgen des 2.12. 630 marschierten 11. u. 12. Komp. von Kasymiersk nach Ludomiersk[,] wohselbst sich das I./94 sammelte. Nach kurzem Halt wurde in das Wäldchen bei Ludomiersk weiter und daselbst in Gefechtsformation aufmarschiert. Als wir am Waldrande angelangt[,] ertönte plötzlich von halblinks vor uns Gewehrfeuer, daraufhin ging das Battl. In Richtung auf den Friedhofvor, daselbst blieb 2. u. 4. Komp. Die 12 Komp ging vor mit 11/94. Der erste Zug zuerst durch das vor uns liegende Unterholz, übersprangen eine dazwischen liegende Lichtung[,] daselbst hatten mein Zug den ersten Verwundeten. Lagen darauf an den erreichten Waldrande, woselbst die feindl. Geschoße durchschlugen. Blieben da eine Zeit liegen, dort kam der Befehl: „Den andern Waldrand erreichen und Anschluß an I.R. 71 aufnehmen!“ Daraufhin zog sich mein Zug nach rechts. Im dichten Unterholz riß die Verbindung des einen Halbzuges mit dem andern ab, Vzfeldwebel Bosse schickte mich zurück, den abgeschnittenen Halbzug heranzuholen, ich ging mit einem Mann nach links rückwärts und führte den Halbzug vor. Von da aus ging der erste Halbzug des zweiten Zuges rüber. Nach diesem Vorgehen griff der Feind nicht wieder an, beschoß uns tagsüber schwach, auch die darauf folgende Nacht, blieb Alles im Schützengraben, und im Schutze der Nacht zog sich der Feind dann, wie wir am 4.12. beim Weitermarsch sahen[,] sehr große Verluste, dieses Anstürmen gekostet hatte, zurück.

Gefr. Franz

12/94

Reservist Vogelmann 12/94

Erlebnisse vom 2ten zum 3ten Dezem[ber] 1914

Am 2tem früh um 6 Uhr rückten wir von Kasimiersk nach Lutomiersk vor. Hinter Lutomiersk kamen wir ins Gefecht. Wir lagen rechts von der 10ten Komp., welche unseren 1ten Zug bildete, bis zum Abend und erhielten daselbst ein lebhaftes Flankenfeuer. Nachdem am Abend Regt. 96 und die 11. Komp. 94 die Höhe gestürmt hatten, rückten wir ebenfalls vor und verlängerten rechts der 11ten Kompagnie. Um 12 Uhr Nachts und 5 Uhr Morgens machten die Russen heftige Angriffe, wurden jedoch unter großen Verlusten abgewiesen, so daß sie sich in der Nacht vom 4ten zum 5ten zurückziehen mussten.

Reserv. Vogelmann

12/94

Reservist Karl Jauch 12/94

Erlebnisse des Reservisten Karl Jauch vom 2-4 Dez. 1914

Am 2 dieses Mon. rükten wir frühmorgens von Kasimiers aus, durch ein Stadtviertel von Ludomiers nach dem Friedhof von dieser Stadt, daselbst war ein kurzes Halt, jedoch es dauerte nicht lange[,] erhielt unsere Komp. den Befehl zum angreifen, wir rückten vor in diesen Nadelwald[,] wo alsbald der erste Zug[,] bei welchem ich mich befand[,] ausschwärmen mußte. Wir hatten schon beim Verlassen der Stadt Feuer bekommen, nun ging es ausgeschwärmt dem feindlichen Schützengraben sprungweise entgegen, das feindliche Feuer wurde immer stärker und wir hatten Mühe und Arbeit uns immer näher an die feindliche Stellung ranzumachen. Wir schanzten uns ein und erhielten Verstärkung vom 2. Bataillon[,] dieses ging noch weiter vor[,] während wir liegen bleiben sollten, jedoch am Abend kam der Befehl zum allgemeinen Sturm, ich ging mit der 2ten Komp vor und wir besetzten zum Teil den russischen Graben. In der Dunkelheit sammelten sich die Kompagnien und ich ging nach rechts zu meiner Komp.[,] dort schanzten wir uns auf Höhe 181 ein, und blieben in dieser Stellung. In der Nacht wollten uns die Russen stürmen [,] was ihnen aber nicht gelang[,] sie mußten wieder zurückgehen, wir hielten die Stellung den nächsten Tag und die darauf folgende Nacht, in der die Russen sich verzogen, und wir dann am 4ten die Verfolgung aufnahmen.

Musketier Keck 12/94

Meine Aufzeichnungen über unsere Gefechte von 2.-4. Dezember 1914.

Nachdem die Russen ihre Stellungen bei Ludomierzk am 1. Dezember verlassen hatten, folgten wir am 2ten morgens 6.30 Uhr. Die Russen hatten 4 km hinter Ludmierzk sich von neuen ferschanzt. Die Hauptmacht lag auf 181, wie lagen im Walde am Grunde vor der Höhe. Rechts von uns war Regiment 96, links der Höhe Regiment 71, in der Mitte Regiment 94. Der 1te und 2te Zug von 12.94 ging vor und verschanzten sich auf halber Höhe[,] der dritte Zug lag in Reserve ihm Wäldchen[,] gegen Abend kam der Befehl zum vorgehen[,] wier verschanzten uns auf der Höhe[,] die ganze Stellung bildete einen rechten Flügel[.] Der Dritte Zug[,] welcher sich jetz in der Linie mit befand, schickte eine Laufpatrolie[,] bis 12 Uhr nachts war es gans ruhig[,] von 12 bis 1 Uhr kam ich und noch 2 Man alz Batrolie for[,] gegen ½ 1 Uhr erhielten wier Feuer und die Russen kamen in Schützenlinien an[,] wier zogen uns zurük[,] alz wir in die Schützenlinie zurük kamen[,] flutete die 1te Kompanie zurük[,] doch durch unseren 3ten Zug der Linkschwenk gemacht hatte[,] um die Richtige Front zu gewinen[,] wurden sie aufgehalten und mit lauten Hura eroberten wier die bereits verlorene Stellung wieder[,] gegen Morgen versuchten die Russen noch einmal anzugreifen[,] aber ohne Erfolg. Der Tag und die Nacht von 3. bis 4ten verlief ruhig[,] früh gegen 3 Uhr schaften wier einen Verwundeten nach Ludomierzk[,] der 24 Stunden schon dort gelegen hatte und wegen des Gewehrfeuers nicht geholt werden konnte[,] alz wier wiederkamen[,] sammelten [sich] die Bataillone. Die Russen waren zurük. Es war dan gezählt[,] das in einen Schützengraben 824 tote Russen lagen[,] doch auch wier hatten vielle Kameraden[,] die verwuntet oder tot waren Ehreiches Antenken

Musk. Keck 12.94.

Unteroffizier Schwabe 12/94

Raura, d. 13.I.1915.

Gefecht auf Höhe 181 am 2.12.14.

Es war am 1. Dez. 14, wo sich die Russen aus Lutumiers [Lutomiersk] nach Höhe 181 etwa 2 Klm nordöstl. L. zurückgezogen hatten.

Am 2. Dezb. erhielt unser Regiment den Befehl zum Angriff. Um 70 Uhr früh machten wir den Vormarsch. Vor unserem II. Battl. befand sich unser II. Battl., welches schon mit dem Feinde in Berührung stand. Um 9 Uhr wurde das III. Battl. auch eingesetzt und zwar rechts vom II. B. Unsere Komp. (die 12. Komp.) kam am rechten Flügel des Regt. und nahm die Verbindung mit dem rechten regt, es war das Regt. Nr. 71, auf. Am Abend, als unser Regt. die Höhe 181 schon in ihrem Besitze hatte[,] kam auch die 12. Komp. dorthin, unser Abschnitte, den wir bisher hatten, nahm eine Komp. von dem Regt. Nr. 71 ein. Die 12. Komp. erhielt den östl. Abhange der oben genannten Höhe und verschanzte sich daselbst. Während dem Schanzen wurde ich mit noch 2 Mann als Sicherung vorgeschickt. In einer Ackerfurche arbeitete ich mich mit meinen 2 Mann etwa 400 m vor und gruben uns dann ein. Daselbst konnte ich die Russen auf etwa 400-500 m Entfernung schanzen sehen. Auch die Russen hatten eine Sicherung vorgeschickt, die sich kurz vor uns ebenfalls einschanzte. Nach zweistündiger Beobachtung wurde ich eingezogen. – Es war kurz vor 120 Uhr, wo die Meldung kam, die Russen versuchten anzugreifen, kaum paar Minuten darauf wurde links von uns das Feuer eröffnet, auch wir bemerkten vor uns Feuer und nahmen auch diesen heftig unter Feuer, die Art., die kurz hinter uns stand, fing jetzt auch an ihr Wort mit zu sprechen. Es war ein mörderisches Feuer[,] was wir, Infanterie und Artl. auf den Feind abgeben. Die Russen vermochten sich nicht mehr zu halten und verschwanden alle von der Erdfläche. Nachdem das Feuer nach gelassen hatte, hörten wir, durch das Schreien und Wimmern der Verwundeten Russen, daß unser Feuer eine fürchterliche Wirkung gehabt hat. Bei diesem Gefechte hat uns der liebe Gott sehr mit dem Mondenschein unterstützt und dank ihm dafür. Um 3 Uhr nachts schoben sich die Wolken vor den Mond und diese Dunkelheit haben die Russen ausgenützt und hatten sich bis kurz vor unserer Stellung heran geschlichen, wir sich später rausstellte. Alles hatte sich schon über diese Abwehr beruhigt und glaubten alle, einen zweiten Angriff werden die Russen wohl nicht mehr versuchen. Es war etwa 5 Uhr früh, da hörte ich mit einem mal, etwa 100 m links von mir, ein recht breites Hurra rufen („Hurrä“) [,] es begann eine schnelle[,] aber kurze Schießerei und sah daß sich links ein heftiges Bajonettkämpf entspann. Durch die Übermacht der Russen konnte die 11. Komp. nicht stand halten, und ging einige Meter und dadurch kamen die Russen dem II. Zuge der 12. Kompanie[,] von dem ich mit meiner Gruppe den l. Flügel bildete[,] in die linke Flanke. Das Feuer auf diese anflutenden Russen eröffnen, war unmöglich, sonst hatte einer dem andern erschossen. In diesem Augenblick dachte ich, du mußt eigenmächtig handeln. Ich nahm den zweiten Halbzug des II. Zuges auf meine Verantwortung etwas zurück, nahm die richtige Front ein und nahm den Feind stark unter Feuer. Der Feind bot für uns ein gutes Ziel, er kam in Haufen an. Nachdem sie mit dem Feuer meiner Mannschaften tüchtig überschüttet wurden, machte, was noch stand, reißaus. Mein Bestreben war jetzt, die zwei Geschütze, die den Russen schon in ihrem Besitze hatten, wieder zu bekommen. Ich rief meinen Leuten zu „Kerls unsere Geschütze müssen wir wieder haben.“ In diesem Moment sah ich mich um und sah[,] daß sich der übrige Teil des II. Zuges sich etwa 100 m hinter mir befand und hörte das energische Eingreifen des Herrn Hauptmanns Sorge und des Vizefeldwebels Hindermanns. Nachdem ich noch einige Mann bekommen hatte, machte ich den Vorstoß in die alte Stellung und warfen die darin steckenden Russen raus. Bei diesen Vorgehen ist mir der Landwehrmann Koch besonders aufgefallen, der sich freiwillig zum Vorgehen meldete. Das weitere Zurückfluten des Restes des II. Zuges wurde durch den Zugführer des III. Zuges noch aufgehalten. Dieses Vorgehen mit dem II. Zuge war und ist noch heute die schönste Tat[,] die ich verrichtet habe. Nachdem der 2. Zug die 12. Komp. ihre Stellung wieder besetzt hatte[,] ging auch die 11. Komp. in ihr alte Stellung.

Schwabe Untoffz.

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Alfred Krah – Soldat bei der Flugabwehr im 1. Weltkrieg – Teil 2 (Einsatz in Palästina und Kriegsgefangenschaft in Ägypten – 28. Juli 1918 bis 21. November 1919)

Von Alfred Krah sind zwei Kriegstagebücher erhalten, die ganz unterschiedliche Zeiträume abdecken. Der erste Band 1915/16 kann hier nachgelesen werden. Das zweites Kriegstagebuch umfasst seinen Einsatz in Palästina und die Zeit seiner Kriegsgefangenschaft in Ägypten (Juli 1918 bis November 1919). Allerdings wurden nicht alle Notizen in das Kriegstagebuch gemacht, sondern Krah nutze hierzu auch einzelne Zettel.

Insgesamt ist die Schrift in dem Zeitraum von Juli 1918 bis zu seiner Rückkehr nach Deutschland am 21. November 1919 nicht so gut zu lesen wie in dem anderen erhaltenen Band (1915/16).

Vom 28. Juli bis 7. August war Krah auf dem Weg Haydarpaşa nach Nazarett. Hierzu nutze er die Bahn von Haydarpaşa in Istanbul bis Konya. Von dort aus dann mit der Bagdadbahn bis Aleppo. Von Aleppo reist er anschließend weiter mit der Bahn bis Damaskus, dann weiter von Cedem nach Darʿā, wo er am 7. August 1918 morgens ankommt. Krah erwähnt dann noch die Abfahrt um 11 Uhr. Dann enden die Aufzeichnungen abrupt.

Seine Notizen während der Kriegsgefangenschaft beginnt Krah dann vom anderen Ende des Notizbuches. Hier beginnt er zunächst mit den Schilderungen der Kampfhandlungen am 19. September 1918 in Jakobsbrunn. Vermutlich handelt es sich um Bir Ya’qub, das am östlichen Rand der Stadt Nablus liegt. In der Nähe des Jordan wurde Krah am 23. September 1918 nach seinen Angaben von einer Indischen Kavallerie-Patrouille gefangen genommen. Dann beschreibt er die Reise nach und das Leben im Kriegsgefangenenlager Tel el-Kebir in Ägypten. Die Aufzeichnungen enden mit dem Datum 25. Dezember 1918.

Weitere Aufzeichnungen hat Krah auf einzelnen Zetteln angefertigt: Zum einen vom 4. Oktober 1918 bis 29. Juni 1919 Notizen zum Lagerleben. Zum anderen vom 30. Oktober bis 21. November 1919 die Rückfahrt mit dem Schiff von Ägypten nach Deutschland. Die Aufzeichnungen enden am 21. November 1919 mit dem Ankern in der Elbe.

Erhalten ist auch von Krah handgeschriebenes Lied über das Kriegsgefangenenlager Tel el-Kebir mit dem Titel „Poutpouri Tel-el-Kebir“.

28. Juli bis 7. August 1918 – Fahrt von Haydarpaşa nach Nazarett

Erste Seite des Kriegstagebuches beginnend am 28. Juli 1918

Fahrt von Haidar Pascha [Haydarpaşa] nach Nazareth

28.VII.18 ½ 10h Abfahrt on Haidar-Pascha [Haydarpaşa] nächtliche Fahrt gebirgig Sapandja [Sapanca], fruchtbar, Obst längs des Sakaria [Sakarya], wenig Wasser, zerklüftetes Gebirge. Nachts gefahren

29.VII. Morgens etwa gegen 400 Ankunft in Eskistehir [Eskişehir] größere Stadt Verpfleg.

Hier Abfahrt 900

abends gegen 700 Ankunft in Razakisat

30.VII. Morgens 700 in Konia [Konya] größere Stadt. Werden durch öde Steppen gefahren Kamelherden, abends Eugeli. Ödes Steppengebiet durchfahren immer in einer Höhe von über 1000m.

31.VII. nachts gegen 200 Achsenbruch der einen Lokomot. Wie halten in ödem gebirgigem Steppengebiet. Die eine Lok holt auf der nächsten 50 km entf. Station Werkzeug u. kehrte gegen 8h zurück. Das Rad wird abgen. u. nach ca. 3 Std. zieht die Lok die andere fort. Unterdeßen kosten wir von Lok.-Wasser Tee [unleserliches Wort] u. finden in dem öden Gebiet eine kleine Quelle. ½ 12h mal weiter gefahren an den Taurusbergen vorbei 900 in Karabonar [wohl: Karapınar], inges. hohe Berge eingeladen in Kleinbahn. Brausebad. Erstklassig geschlafen in Liegestuhl.

1. Aug. ½ 800 Abfahrt. An tiefen Schluchten sonst vorbei. Endlose Tunnels teils im Bau. Um 1200 in Gelebek [Kelebek] umladen in Großbahn. Abgefahren ½ 400 Fahrt durch fruchtbare Ebene.

2. Aug. Morgens um 500 in dem Amano-Geb. [Amanosgebirge oder Nurgebirge] erwacht. Tunnels. Teils fruchtbare Gegend. Abend gegen 600 in Aleppo angekommen. Typisch arab. Stadt. Viel Staub. Weiße Steinhäuser. Flache Dächer. Gepäck auf Auto in die versch. Quartiere gefahren. Unser Quartier kleines Zimmer. Steinwände, Steinfußboden. Man legt sich auf den Fußboden u. schläft gut trotz Wanzen i. Flöhen.

3. Aug. 700 aufgest. [Sodatuh?] Kaffee getr. Verpflegung gefaßt. Mittag gegessen. Auto beladen.

1200 mittags abgefahren.

4. Aug. 700 morgens Station Homs. Gegen 600 Rajak [Rayak] Feldbahn 1100 abgefah. Da Holzfeuerung der Lokom. viel Funkenflug Brände der Waggons. Munition.

5. Aug. 400 Demakus [Damaskus]. Mit Auto in Quartier.

6. Aug. Stadt erleben

Abends 900 abgefahren ab Kadem [Cadem]. Schmalspurbahn. Morgens 7. Aug. 800 in Derat [Darʿā ] ¼ 1100 abgf.

19. September 1918 bis 25. Dezember 1918 – Notizen während der Kriegsgefangenschaft

Erste Seite mit Notizen aus der Kriegsgefangenschaft

19. Sept.: ½ 4h-500 morgens starkes Trommelfeuer an der Front, woraus wir den Anfang der engl. Offensive erraten. Gegen 500 als wir uns eben von unserem Nachtlager erheben wollten, sehen wir ganz tiefe engl. Flieder über uns, die mit Bomben u. M.G.-Feuer allerlei Schaden anrichteten. Tagsüber ist bis auf größere feindl. Fliegertätigkeit Ruhe. Abend kommt der Befehl zum Packen der Sachen. noch abends u. Nachts fahren Wagen mit Gepäck nach Jakobsbrunn [wohl Bir Ya’qub am östlichen Rand von Nablus]

20. Sept.: ½ 7 müssen wir mit dem letzten Gepäck aus der Stellung. In J.-b. melden nochmals die Sachen sortiert 2 Ochsenwagen wurden gepackt mit Sanitätstubensachen u. Lebensmittel. Um 500 marschieren wir ab. Die Wagen folgen später. Wir kommen nicht weit, da werden wir aufs Gräßlichste von Fliegern bombardiert u. mit M.G. beschossen. Hinter Steinen u. Gebüsch suchen wir Zuflucht, ein Geschwader löst das andere ab. Es ist schrecklich, wir denken uns letztes Stündlein hat geschlagen. Gott sei Dank bricht die Nacht mit hellem Vollmondschein herein u. wir können ungestört unseres Weges ziehen mit vollem Rucksack, der das Nötigste nur enthält auf dem Rücken geht es dann tiefen Schluchten entlang, bergauf bergab, das Wasser im Sand. Oft muss man ruhen, denn als nichts gewöhnter Körper hält solche Anstrengungen nicht aus. Nach 10 Stund. Marsch gelangt man endlich an unserm heutig. Ziel, eine Wegegabelung, an. Unterdessen hat schon der 21. Sept. begonnen. [unleserliches Wort] traut man sich wieder. Beim Morgengrauen wird man durch das Rasseln einer Autokolonne geweckt. Auch wir gehen weiter. Hochplateau. Sturmtruppe formiert zunächst Engl. uns den weg abgeschnitten. Bei Besam Rebellen (Beduinen). Fliegerangriffe Nachmitt. ab mit Auto bis Besam. Schlechtes Sumpfwasser, Salzwasser Engl. Art. b. Besam ansch. Angriff. Per Auto zurück nachts Jordantal in Geb., 22. Sept., 2. Std. geschlafen. Nach 1 Std. zurück um etwas fast fad ungenießbares Wasser zu trinken. Mit Auto Mittags wieder vor ins Jordantal. Benzinmangel. Zerstörte Wagen. [unleserliches Wort] Zeit, Pferde, Kamele, Chaos. Zu Fuß weiter vor. Da eine Versammlung von über 100 Deutschen. Wir wollen dort beraten. Gegen Abend Beduinendorf noch eing. [unleserliches Wort] Sumpf. Gegen 1100 am Jordan. Feindkontakt. Sachen auf dem Kopf durch den Jordan, Kamele mit [unleserliches Wort]. Im Schilfdschungel. Das Gebirge [unleserliches Wort] Beduinendorf. Schüsse. Kurzes Gefecht.

23. Sept.: M.G. Feuer. Hände [Monti?] Station. Indische Kav. Patroille. Waffenabgabe. Abgerückt durch die Ebene durch den Jordan bis zum Bauch im Wasser Marsch durch Beduinensiedlungen bis Besam. Indisch. Kavall. sehr freundlich u. zuvorkommend. Total schlapp u. wunde Füße, geschlafen wie ein Toter.

24. Sept.: Mit anderen Kranken durch Vermittl. eines [?arztes] in ein Lazarett aufgen. Leicht Essen. Kamen Nachmittags mit Autos fort.

25. Sept.: Ankunft in Tel Kebir. Noch 1 Std. weiter mit Auto in ein Gef. Lager. Gutes Essen. Abend mit ca. 500 Deutschen nach der Deutschen Kolonial Wilhelm. Viele sehr kaput nach dem langen Marsch. Geschlafen im Lager.

26. Sept.: Sämtliche Alman nach Ludd [Lod]. Nachm. Ankunft im Lager. Gutes Essen. Engl. überall zuvorkommend u. nett. Abends Untersuchung des Gepäcks nach Briefschaften und scharfen Gegenständen. Angabe des Namens und Funktion Verteilung einer Nummer. Nr. 727 trage ich. Seid Lager Ludd mit Reinhard Müller zusammen. Schlafen.

27. Sept.: Nachdem gegessen Abmarsch zum Bahnhof. Verladen gegen ½ 500 Abfahrt durch die Sandwüste. Eisenbahn herrlich in Ordnung.

28. Sept.: Morgens Ankunft auf dem Riesenbahnhof Cantara [El Qantara] am Suez-Kanal, große Lager mit Material. Ca. 1 Std. Marsch nach dem Lager. Entlausung. Lysolbad. Essenempfang. Brot, Marmelade, Tabak, Reis, Zucker, Tee.

29. Sept.: Schätzungsweise sind wir 800 Deutsche im Lager. Es soll nach Kairo weitergehen [unleserliches Wort]. Essenempfang.

30. Sept.: Wir sind immer noch im Lager. Es ist eine Quarantänestation. Das eintönige Leben fängt an langweilig zu werden. Man sitzt und liegt im Sande. Das Essen ist gut u. endlich gibt genug Brot, Zwiebel u. an frischem Gemüse mangelt es. – Es ist alles sehr [unleserliches Wort] eingerichtet.

1. Okt.: Noch immer bevölkern wir das Lager die Langeweile wird immer größer, denn man hat nichts zu tun. Abends gegen 600 Uhr fängt es etwas an zu regnen. Wir hocken zu 20 Mann in einem kleinen Spitzzelt. Nach dem Regen schläft man in seinen Mantel eingewickelt herrlich auf dem naßen Boden.

2. Okt.: Immer noch können wir nicht aus diesem Lager fort kommen, was unser aller größter Wunsch ist.

3. Okt. Wieder ein Tag vorbei, ereignislos wie jeder. Nach einem Gerücht soll es morgen fortgehen.

4. Okt.: Morgens gegen 800 nach dem Bahnhof. In schönen Wagen Fahrt am Suezkanal längs diesem nach Westen abzweigend bis Tel-el-Kebir, dem riesigen Gefangenen-Lager. Da es neu ist, noch nicht eingerichtet. Gegen abend kam ich erst mein Geld gegen Quittung abgegeben. Creosolbad, Durchsuchung u. Abnahme einzelner verbotener Sachen. Dann Verteilen auf die Zelte je 10 Mann, 2 Decken erhalten. Ohne Essen schlafen.

5. Okt.: 500 Wecken. Antreten. Um von den Türken los zu kommen, bauen wir uns selbst Zelte auf. Das Essen ist gut u. reichlich. Ein Tag vergeht wie der andere.

13. Okt. Heute ein Sonntag in Gefangenschaft. Es wird wie die Tage bisher etwas gearbeitet. Gesund u. munter ist man Gott sei Dank, aber etwas mehr zu essen könnte es geben. Es gibt täglich morg. Tee, Marmelade, mittags eine süße Schleimsuppe, abends Gemüsesuppe mit Fleisch. Den Tag ¾ -1 Brot. Heute ist mein 4jähr. Dienstjubiläum.

1. Nov. Bisher hat das Lagerleben seinen eintönigen gleichmäßigen Verlauf genommen. Tagsüber werden kleine Arbeiten verrichtet. Die meiste Freude bereiten einem jedem die 3 Mahlzeiten am Tage, denn Hunger hat jeder bei der nicht allzu reichlich bemessenen Kost. – In den Gesprächen bildet der Friede das Hauptthema, denn viele Gerüchte geben genug Anlaß dazu. Auch gestern endlich am 31. Okt. wurde auch bei der Nachmittagszählung offiziell bekannt gegeben „Die Feindseligkeiten zwischen der Türkei u. der Entente sind eingestellt.“ Allgemeine Freude, besonders bei den Türken, die sich wie Verrückte gebärdeten, herrschte natürlich überall.

23. Dez. 1 Tag vor dem heiligen Abend. Bisher hat ein Tag den anderen getrieben. Gerüchte tauchten auf, waren aber kaum etwas Wahres ist. Mitte Novemb. Kam es des Nachts zu einer Schlägerei mit den Arabern, wobei es Lazarettfähige gab. – Vom Frieden ist noch nichts zu spüren. Hoffentlich gibt es Weihnachten mal satt zu essen, denn Kohldampf muß man sehr schieben.

24. Dez. Grau u. düster dämmert der Tag herauf. 700 ist antreten, dann Einteilung zur Arbeit wie gewöhnlich. Bald regnet es, u. dabei ist recht kalt. Ich bleibe zu Hause als Zeltdienst. Antreten zum Empfang von Kleidungsstücken. Ich bin so glücklich und schnappe 1 Hemd u. 1 Unterhose, worüber ich glücklich wie ein kleines Kind bin. In der Küche ist heute Hochbetrieb. – Mittags werden 60/70 Brote u. gekochte Fische geliefert. – Nachmittags wird das Wetter schön, überall herrscht eine gewisse Unruhe. Es wurden allerhand Sachen geschleppt, eine große Schilfbaracke mit Decken ausgehängt. Um ½ 6 tönte der Ruf zum Essenempfang. Es gibt Goulasch mit Speck u. Pellkartoffeln. Leider alles recht kalt aber trotzdem gut. ½ 7 Empfang der Weihnachtssachen, bestehend aus 10 herrlichen Zigaretten, 1 Zigarre, 1 Schachtel Streichhölzer, 2 Apfelsinen, 2 Brote u. 2 Eier. Danach Empfang. Um 8h beginnt die Feier in der Baracke. Der Raum ist mit Decken ausgehängt. Aus Kisten ist ein erhöhter Platz gebaut auf dem ein kleines Bild steht. Rechts davon steht der Christbaum, der aus großen Palmzweigen gebunden ist. Er ist schön mit Lichtern, Sternen u. Watte geschmückt. In der Feier wechseln allgem. Gesänge, solche des Doppelquartett, Vorträge des Orchesters u. verschiedene Kameraden ab. Hervorzuheben sind ein Lied über Tel-el-Kebir und eine Schnitzelbank. Zu allgemeiner Zufriedenheit endet die Feier etwa gegen 1100. Als Gäste waren viele engl. Offiziere dabei, von denen der Major unser Lagerkommandeur zu nennen.

25. Dez.: [Hier enden die Aufzeichnungen]

Notizzettel vom 4. Oktober 1918 bis 29. Juni 1919

Notizzettel beginnend am 4. Oktober 1918.

4. Okt.: Abfahrt in Kantara gegen ½ 10h. Nach interess. Fahrt von ca. 2 Std gelangten wir nach einer kleinen Station. Bis Ismailia, einer größeren, herrlich in Palmen lege. Bahnstat., gings nach Suezk. längs. Dann bog d. Bahn rechts ab u. hielt bald an einer kleinen öden Wüstengegend geleg. Station Tel-el-Kebir. Hier ausladen zu unserm Erstaunen. In diesem mit Stacheldraht umgebenen Lager Halt. Ausziehen, Krosolbad [wohl: Kresolbad], Abnahme des Geldes gegen Quittung, Empfang der P.o.W. Nr. (389). Darauf Ankleiden ins Zeltlager. Einige Afrikanische Gef. waren die einzige die da waren. Während der nächsten Tage wurden Zelte in Nebenlagern errichtet, was bei der enormen Hitze eine ziemliche Anstrengung war, gutes Essen war Lohn.

Am 7. kamen wieder Deutsche, die Hemden alles war in schönster Ordnung.

Tage. Wecken um 5h. ¾ 6h antreten zum Zählen (etwa 1000 Mann mit ca. 100 Östr.). Danach Frühstück Tee Marmelade. Hierauf Arbeitsdienst in Lazarett od. andern Lagern. Dort Aufräumungsarbeiten. 11h Schluß. Unter Bewachung von Juden (Indern) zurück zum eigenen Lager. Nachm. 2-4h das Gleiche. Matten, Decken Kochgesch. angerichtet vor den Zelten wegen Verpflg. 7-9/10 gutes Weißbrot für 1 Tg.

Mittags Reis od. Linsen mit Fleisch. 3h nochm. Zählen 5h Abendbrot Tee, Mehlsuppe jeden 2. Tg. Danach Unterhaltung von ehemaligen schönen Zelten

So ein Tag wie der andere.

16. Okt. Entlausung. Große Hitze Nackte Körper einige Std. in der Sonne.

Nov. Arabienschlacht. Im Bett wie jeden anderen Tag von 7h da wir kein Licht hatten. Da um 10h etwa der Ruf „Alles raus aus den Zelten“. Wir dachten denen aber nicht sondern schliefen weiter. Nach einiger Zeit „Wollt Ihr nicht raus, wollt Ihr Euch von den Banausen den Hals abschneiden lassen?“ Raus. Große Menschenmenge. Schüße fallen alles stürmt nach einer Seite. Schlägerei mit den Arabern mit denen wir in einem Lager lagen. Es gab bei Ihnen mehre mit den Spaten Einschlagene u. Verwundete. Da Verpfl. schlecht, wird anscheinend vieles am Drahtzaun verkauft.

Ein [unleserliches Wort] war kostenfrei für mich. – Langeweile ein Buch große Wohltat gewesen. Glücklich war man wenn man einen Zigarettenstummel fand.

29. Dez.: Gerüchte werden ja dauernd gemacht. Heute wieder wie ein Lauffeuer geht’s durch Lager „Am 18. Jan. beginnt unser Abtransport in die Heimat.“ Jubel über all. Seelig war auch ich. Ich konnte es nicht fassen, das Glück.

1919

21. Jan. Die ersten Tage des neuen Jahres fielen leider nicht so aus wie wir hofften. Bei einer Besichtigung fielen wir so auf, daß wir zunächst 1 Woche Strafexerzieren hatten. Ferner fanden vormittags 2 Besichtigungen statt. Daraufhin allerhand Vorbereitungen. Jeden Sonntag war wenige Monate lang Zeltemachen. Umkleidung des wenigen Gepäcks.

Mit der Einkleidung wurde begonnen dunkelblauer Rock u. Hose sodaß alles fertig zum Abmarsch war. Gerüchte dieser Art traten auch in Massen auf.

Der 18.I. hatte uns eine große Enttäuschung gebracht.

31.I. Man wurde d. Tag zu Tag gleichgültiger. Das einzige worauf man bedacht hatte war das Essen denn Kohldampf hatte man zum Verrecken. Der Speisezettel war ein Tag wie der andere. Morgens bitteren Tee, gegen 12h Reis mit Kartoffeln u. Fleisch, abends gegen 5h Tee mit Zucker. Trotzdem stürzte man nicht täglich mit unbeschreibl. Hunger auf das Essen. Das Gleicheinige wurde einem nicht über. – kleinste Sandstürme waren wöchentlich 2-3 mal – Glücklich war der, der Latrine reinigen durfte, denn man bekam einen doppelten Betrag vom Mittagessen (was aber dem Schweinefutter gleich)

16.III. In diesen Tagen keimte Gerücht auf daß sich Ägypten in hellem Aufruhr befände. Heute bemerkten wir daß der Bahnverkehr unregelmäßig wurde. Verhaltensmaßregeln bei einem Gefangenenalarm wurden beim Zählen bekannt gegeben.

17.III. Keine Leute gingen zur Arbeit. Tolle Gerüchte.

18.III. Aufstand Tagesgespräch. Verbindung mit Cairo ist unterbrochen. Dagegen rege Fliegertätigkeit. Lebensmittel knapper.

21.III. Engländer wieder Herr der Lage. Lebensmittel eingt., endlose Truppentransporte verkehren wieder. Sprengungen waren Tauben gewesen. Krähne wurden transportiert.

April: nichts Besonderes

1. Mai Von dem Lied „Der Mai ist gekommen“ wird das Lager um 5h morg. etwas geweckt u zwar durch 4 Mann unserer Lagerkapelle. Mit Flöte, Guitarren zogen sie im Lager umher u. sangen das Lied.

12.V. Elsässer verlassen das Lager um in die Heimat zu fahren. Schwedischer Konsul betrachtet unser Lager.

29.VI. Abfahrt nach Kantara zur Arbeit in engl. Depots.

Notizzettel vom 30. Oktober bis 21. November 1919

30. Okt.: 820 Abfahrt von Rano. Gegen 200 in Alexandr. – Bevölkerung – Autofahrt Hafen Alz-Deniz.-

31. Okt. An Bordnahme von Lebensmitteln und Passagieren (P.o.W.) Geplante Abfahrt 400. Stürmisches Wetter zwingt zum Bleiben.

1. Nov. 630 mit Schlepper bis außerhalb der Mole.  Sodann Volldampf voraus Richtung Malta-Gibraltar. Stündl. ca. 10 Meilen. Auf See nichts besonderes, ruhig, sonnig. Wetter.

2. Nov. Trübes Wetter. Kein Seegang.

3. Nov. Bedeckte Himmel. Gegen 1100 Begegnung eines engl. Dampfers in nächster Nähe. Gegen 400 in großer Entfernung Dampfer sichtb. Abends schwerster Seegang.

4. Nov. Schönes sonniges Wetter ruhige See. Mittag 200 Malta in Sicht. 3 Std. lang. Herrlicher Abend Mondschein – „Mann über Bord“ gerettet. Boote, Ring (Geisteskranker).

5. Nov. Sonnig, gegen Mittag sehr starke Dünung. Kalt.

6. Nov. Trübes Wetter, gegen Mittag aufklarend, nachm. sonnig, angenehm. Vereinzelt Nordküste Afrikas sichtbar, starker Wellengang. Abends stirbt ein Kamerad.

7. Nov. Sonniges, stürmisches Wetter, Wellengang. Mittags ¾ 11 Absenkung des Toten am Heck des Schiffes. Schiff hält Ehrensalve, Ansprache, – Nordküste Afrikas dauernd sichtbar. Hin und wieder Dampfer Segler.

8. Nov. Spanien sichtbar von früh bis abends

9. Nov. Sonntag. Gibraltar. Hafen. Fort. Händler. Engl. Boot. Stadt.

10. Nov. Hafen schleppen Kohlen Wasser nachm. Abends 900 ausgeschleppt u. losgefahren

11. Nov. gutes Wetter, sonnig, portug. Küste.

12. Nov. längs der Küste, etwas Regen, sehr kalt (170) Wind kommt auf

13.Nov. Sturm, haushohe Wellen über die Brücke, Windst. 9 später 10-11 Schlängeln, Wasser im Schiff. Feuer aus, Treiben

14. Nov. Sturm unvermindert. Wir sind kaum vorwärtsgekommen. Stündl. 1 Meile weniger.

15. Nov. Sturm nimmt ab. Es geht vorwärts. [unleserliches Wort] Wasser schöpfen. Abends ziehmlich ruhig Barometer steigt.

16. Nov. Sonntag. Sonnig, fahren volle Meilenzahl (10-11) 200 Leuchtturm von Avesant [Ouessant?]. Gegen 200 erkennt engl. Küste viel Dampfer. 400 Hafen Plymouth, Wasser nehmen.

17. Nov. Kohlen den ganzen Tag. Nachts Verpflegung.

18. Nov. Lotse kommt an Bord. Ausfahrt 1000 mit eigener Kraft längs der engl. Küste ausgez. Fahrt.

19. Nov. Morgens Dover. Anker werfen warten auf Lotzen. Minenstra.

20. Nov. Nordsee Leuchtschiff Elbe 2 1000 Lotsenboot. Cuxhafen Anker bis nachm.

21. Nov. Anker auf Elbe aufwärts.

Poutpouri Tel-el-Kebir

  1. Laßt es laut erklingen, lustig wollen wir jetzt einmal besingen, hier Tel-el-Kebir
  2. Wie schön, wie schön, wie schön ist´s hier, wie schön, wie schon ist´s hier.
  3. Wir zogen einst aus deutschen Grenzen begeistert in das Türkenreich, die Welt sollt Heldensöhne scheinen uns Herz war´s uns so wonnig weich.
  4. Doch sollt es anders kommen und neulich schlugen wir mit Türken und Banausen uns in Tel-el-Kebir.
  5. Tunlich geführt zogen wir dann, Inder nach Guarkas, die gingen voran, die gingen voran, hin, hin,…
  6. Hinüber in der Wüste der Satard sprach der Isaak mit der Salah.
  7. Ach wenn das meine Mutter wüßte, wie mir´s in der Wüste geht, Schuh u. Strümpfe sind zerrissen, durch die Hose pfeift der Wind.
  8. Du hast ja goldene Pfunde, Piaster, Kantinenbons sicher noch mehr, du rauchst ja die dicksten Zigarren, sag Emil was willst du noch mehr.
  9. Das Meer glänzte weit hinaus im letzten Abendscheine.
  10. In der Nacht, i. d. N., i. d. N.
  11. In der Nacht hat doch jemand Brot mir geklaut, Brot mir geklaut, Bort mir geklaut.
  12. Doch sei nicht böse, sei wieder gut, Reis u. Linsen schmecken auch gut, dreimal Linsen u. dreimal Reis.
  13. Und am letzten Tag der Wert hat´s gemengt denn unser Koch und er denkt wenns euch schmeckt, sechsmal eßt ihr´s siebenmal auch noch.
  14. Dann ist mir´s heut ach heut noch so molig, ach so mollig, ach so mollig… ja das kommt vom …
  15. Bibabibabiba bayrisches Bier, das fehlt täglich mir jetzt hier.
  16. Hinaus mit dem Naß aus dem Faß, hinaus mit dem Naß in das Glas.
  17. Heute Mutter die Landnahme kommt.
  18. Es geht bei gedämpftem Trommelklang als Abends am Stacheldrahtzaun entlang.
  19. … Ach wenn ich doch bei meiner lieben Mutter wär, ach wenn ich doch bei meiner Mutter wäre, ach ja.
  20. Warum stehst Du denn so traurig auf dem Sande, warum mit deinem Blick so sehr nach Afrika?
  21. Teure Heimat sei gegrüßet, sei gegrüßet, usw.
  22. Ich glaube, ich glaube, dort oben fliegt…
  23. Ein Automobil von Hamburg nach…
  24. Hause, nach Hause ist unser aller Ziel.
  25. Wenn das Schifflein, Schifflein schaukelt auf blauer Flut.
  26. Kehren wir dann heim und alles ist wieder gut.
  27. Hurra – Hurra bald sind wir da…

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Alfred Krah – Soldat bei der Flugabwehr im 1. Weltkrieg – Teil 1 (Kriegstagebuch 11. Juli 1915 bis 22. Mai 1916)

Alfred Gustav Krah wurde am 20. April 1896 in Elbing (Verwaltungsbezirk Danzig) geboren. Am13. Oktober 1914 ist Krah als Einjähriger Freiwilliger in der stehende Heer bei dem 13. Rekruten Depot des Feldartillerie Regiments 48 eingetreten. So heißt es zumindest in einer von Krah angefertigten Abschrift seines Soldbuches. Er wurde am 5. Dezember 1914 vereidigt und am 22. März 1915 zur 3. Ersatz-Batterie versetzt.

Am 14. August 1915 rückte er als Kanonier mit dem M Flakzug 26 ins Feld. In seinem Kriegstagebuch erwähnt er, dass die zwei Ballon-Abwehr-Kanonenzüge am 11. März 1915 abmarschbereit waren. Sein erster Einsatz erfolgte in Amelécourt nordöstlich von Nancy. Am 2. Februar 1916 erfolgte dann ein Stellungswechsel zunächst nach Straßburg. Von dort aus ging es dann nach Heiligblasien (Saint-Blaise-la-Roche) in den Vogesen. Die Einheit hatte ihre Flugabwehrstellung am Hohenlohe-Turm. Bis zum Ende des Kriegstagebuches am 22. Mai 1916 erfolgte kein Stellungswechsel mehr.

Alfred Krahs Kriegstagebuch ist anscheinend nicht vollständig überliefert. Der erste Teil, der in diesem Blogbeitrag veröffentlich wird, deckt den Zeitraum vom 11. März 1915 bis 22. Mai 1916 ab.

Der andere erhaltene Teil geht vom 28. Juli 1918 bis zum 22. November 1919. Am 23. September geriet Alfred Krah in Palästina in englische Gefangenschaft und verbrachte diese dann im Kriegsgefangenenlager Tel el-Kebir im heutigen Ägypten. Dieser Teil wird in einem gesonderten Blogbeitrag veröffentlicht.

Im zweiten Band des Kriegstagebuches findet sich Krah militärischer Werdegang, den er wohl eigenhändig verfasst hat:

Militärische Personalnotizen

3. Okt. 1914 Eintritt bei F.A.R. 48 Rekr. Dep. III.

Mitte März 1915 Versetzung in III. Ers. Batt.

14. Aug. 1915 Ausrücken ins Feld mit M Flak Zug 26

27. Okt. 1916 Verleihung des F.A.R i Br

17. März 1917 Ernennung zum überz. Gefr.

4. Juni 1917 Verleihung des E.K. II. Kl.

1.-31. Juni 1918 Kursus für Eig. Bericht der Flakgruppe 40 der IV. Armee

18. Febr.-7. März 1918 Lazarett Ahlst

22. Febr. 1918 Versetzung nach Flakea I.

11.-31. März 1918 Flakea I Frankfurt/M

31. März 1918 Versetzung zu Flakzug 96

12. April 1918 Meldung bei Flakzug 96

28. Juli 1918 Abfahrt nach N. zu Flakjunker 55

8. Aug. 1918 Versetzung zu Flakzug 177

23. Sept. 1918 Gefangennahme

Militärische Personalnotizen von Alfred Krah im zweiten Band seines Kriegstagebuches

Kriegstagebuch vom 11. März 1915 bis 22. Mai 1916

Nachdem wir, d.h. die 2 B.A.K. Züge [Ballon-Abwehr-Kanonenzüge] von Mittwoch d. 11. Juli ab marschbereit waren, konnten wir endlich die Reise ins Feindesland am Sonnabend, den 14. Juli 1915 nachm. 622 ab Verladerampe des Neust. Bahnhof in Dresden beginnen. Kurz fast zu kurz war der abschied am Sonnabend morgen ½ 5h gewesen. Nachdem wir von der Regimentskapelle zum Bahnhof gebracht worden waren und Pferde und Geschütze verladen waren ging es unter Jubel ab. Nachts gegen ½ 11h kamen wir nach Chemnitz,  wo wir vom Roten Kreuz gespeist wurden. Bald ging es weiter. Am Sonntag morgen kamen wir in Hof, also schon in Bayern, an. Am Mittag waren wir in Nürnberg. Nachmittags fuhren wir über die württembergische Grenze. Den Rhein passierten wir leider nachts, so daß wir nichts davon sahen. Wir wußten nun wenigsten, daß wir nach Lothringen kamen. Gegen 10h vorm. kamen wir an unserer Endstation Schâteau-Salin [Château-Salins], einem kleinen, hübschen aber schon echt franz. Aussehendem Städtchen an. Wir luden die 16 Pferde aus und spannten sie vor unsere 2 Geschütze und 1 Munitionskarren. Zuerst möchte ich noch die Mannschaften angeben, mit denen ich mein weiteres Feldleben verbrachte:

Hauptw. + Zugführer: Herr Hauptm. Freund

Entfernungsw. Unteroff.: Einj. Hauptm. Frey

Entfernungsw. Gehilfe: Kriegsfr. Grothusen

I. Geschützbedienung:

Gesch.Führer: Einj.Freiw. Unteroff. Lewicki

Kanon. 1: Einj. Freiw. Schiebler

Kanon. 2: Gefr. Bäuchler

Kanon. 3: Kan. Zimmermann

Kanon. 4: Kan. Hofmann

II. Geschützbedienung:

Gesch.Führer: Einj. Freiw. Unterof. Feldhauer

Kan. 1: ich

Kan. 2: Einj. Freiw. Wittlinger

Kan. 3: Einj. Freiw. Reinhard

Kan. 4: Kan. Christmann

Weiterhin haben wir 6 Fahrer:

I. Gesch: Hartmann, Förster

II. Gesch: Werkling, Andres

Mundsack, Hauschild

—

Nachdem Herr Hauptmann mit anderen Offizieren Stellung gesucht hatte, fuhren wir bis ins nächste Dorf, d.i. Amélécour [Amelécourt]. Hier bekamen wir aus einer Infant. Feldküche Mittagessen. Nachmittags fuhren wir in Stellung (siehe nebenst. Skizze).

Zum Schießen kamen wir nicht, denn entweder sahen wir überhaupt keine Flieger oder weit entfernt vorüber. Trotzdem hatten wir viel zu tun, denn wir mußten wie immer richtig früh unsere Unterstände ausschachten. Der kleine Unterstand ist eingerichtet, wie nachfolgende Skizze zeigt:

Während der ganzen Woche konnten wir nun Flieger in großer Entfernung sehen, also kamen wir nie zum Schuß. Ein Tag glich also dem andern auch der erste Sonntag im Feld war ein Sonntag der Arbeit. Man steht um ½ 3h auf und legt nach getaner Arbeit wieder in einen alten verlassenen, zugigen Unterstand, in dem es von Mäusen wimmelt, schlafen. So kam denn endlich der 25. Aug. der denkwürdige Tag. Morgens bekam ich die erste Feldpost, einen Brief von Hans Naumann. Es war wohl gegen 10h als uns von allen umliegenden Orten Flieger gemeldet wurden. 20 feindl. Flieger und noch mehr oft wurden gemeldet. Bald sahen wir auch welche, von denen einzelne in unser Feuerbereich kamen. Wir schossen das erste Mal. Nach etwa 80 Schüssen hörten wir den Motor nicht mehrlaufen und sahen das Schwanzende in die Höhe klappen. Der Apparat senkte sich und ging in steilem Gleitflug nieder. Wie uns bald gemeldet wurde ging er vor unserer Artillerie nieder, un[d] das er gänzlich zerschossen wurde. Also den 1. Flieger hatten wir heruntergeholt. Ein schöner Erfolg. Bei der Beschießung eines Fliegers bekam mein Geschütz leider eine Ladehemmung infolge schlecht gegurteter Patronen. – am 26. bekam ich das erste Paket, meinen Regenmantel und eine Karte von Lotte. Sonst nicht besonderes. Am 27. hatten wir überhaupt nichts zu tun. Es war ein ganz fauler Tag.

Der 28. Aug. brachte wieder Arbeit. Gegen 11h kam in Richtung Schâteau ein franz. Flieger. Ehe wir es uns versehen hatten, warf er 2 Bomben ab. Wie bald bekannt wurde explodierte nur eine Bombe. Die andere war ein Blindgänger, der im Pflaster stecken geblieben war. Die andere Bombe aber tötete 5 Personen darunter 2 Artilleristen und verwundete 2 Personen schwer. Einem Mädchen wurde der Leib aufgerissen, und der anderen Person ein Bein abgerissen. – Wir beschossen den Flieger. Leider trafen wir nicht, da er sich gleich in große Höhe begab. – Der Mittag war ruhig. Wie schliefen das erste Mal im neuen Unterstand.

Der 29. Aug. ein Sonntag, der 3. im Feld, brachte wenig Abwechslung. Während des Vormittags regnete es. Trotzdem machte sich ein Kamerad von 84en Art., die uns seit einer Woche zur Hilfe beigegeben waren, auf, um eine Eule zu fangen. Etwa 30 m von unserer Stellung befindet sich ein zerschossenes Gehöft. In diesem hausten 5 Eulen. Eine davon schoß er am Freitag vormit. und gab sie nach Straßburg zum ausstopfen. Heute brachte er nun tatsächlich eine lebende Eule an. Wir verwenden einen geräumigen Käfig, in den wir sie setzten, der Nachmittag war wieder eintönig.

Am 30. Aug. war das Wetter vorm. auch nicht viel besser als am Sonntag. Trotz des Regens und der Winde ging ich an die Quelle und wusch mich fast ganz. Ich zog der erste Mal im Felde reine Unterwäsche an, was eine Wohltat war, denn die alte Wäsche war durch Schweiß nahezu schwarz geworden. Nachmittags mußte ich mit Christmann und Reinhard nach Schâteau-Salins, um bei der Abteilung Art. 84 ein Rockgeschirr umzutauschen. Zuerst gingen wir in eine Weinstube, wo Christmann so viel trank, daß ziehmlich angeheitert daraus kam. Auch ich trank 1 ½ Fl. Dann gingen wir, aber ohne Christmann, da er Post hinauf schaffen mußte, Einkäufe machen. Unterwegs trafen wir Grothusen, der Frey Blutvergiftung durch Wespenstich im Lazarett besucht hatte. Wir gingen nun zusammen nach „Stadt Metz“ wo wir zu Abend aßen und wir einen Liter Wein tranken. Gegen 9h waren wir wieder zu Hause im neuen Unterstand.

31. Aug. Vormittags nichts besonderes. Nachmittags zogen wir in den neuen Unterstand ein. Nachts hatte ich von 9h-11h Wache. Nebenstehend unser neuer Unterstand.

1. Sept. Der Vormittag verlief eintönig. Nach dem Essen gingen Wittlinger und ich in den Wald und schossen unsere Revolver ein. Heute fasten wir auch unsere 2. Kriegslöhnung (5.30M) Abends flogen einige deutsche Flieger über uns hinweg. Feindliche bekamen wir heute nicht zu sehen.

2. Sept. Wie schon lange geplant wurden jetzt die Ruhetage eingerichtet. Wie ich wohl schon erwähnt habe, gibt es jetzt für jedes Geschütz Bedienungsmannschaften. Abwechselnd haben diese nun Dienst. So kommt es, daß die, die 48er Leute den ersten Ruhetag haben. Wir sitzen, da es ja einmal regnet, beisammen in unserm Unterstand und vertreiben uns die Zeit mit Kartenschreiben in die Heimat, Kartenspielen, Zeitungslesen (die neueste ist die vom Sonnabend). Sonst ist nichts besonderes.

3. Sept. Wieder schlechtes Wetter. Früh machte ich das Geschütz rein. Nachmittags bauten wir einen Knüppeldamm vor dem Unterstand zur Küche. Sonst nichts neues.

4. Sept. Es regnet von früh an ununterbrochen. Wenn man aus dem Unterstand in die Höhe kommt versinkt man bis an die Knöchel in den Dreck. Da hier alles Lehm- und Tonboden ist, ist nach dem wenigstens Regen eine furchtbare Schmiere. – Nachmittags gingen wir 4 Einj. nach Château Salins, um verschiedene Einkäufe zu besorgen und einige Lokale zu besuchen. Im großen und ganzen war es aber öde. Als ich abends nach Hause kam war ein Paket von Mutter, das erste, da.

5. Sept. Wieder ein Sonntag, der 4. im Felde. Morgens standen wir 48er um 5h auf, denn wir hatten heute Dienst. Vormittags holten wir Knüppel, um den Weg weiter zu bauen, Machmittags wäre auch nichts besonderes zu verzeichnen.

6. Sept. Ein sog. Dienstfreier Tag. Morgens bauten wir unsern Knüppelweg weiter. Es war ein lebhafter Fliegerbetrieb. Wir schossen aber nicht, da alle zu hoch waren. – Nachmittags gingen wir alle zus. Nach der Saline in Château-Salins, um zu baden. Es war geradezu herrlich unter den Brausen. Abends kehrten wir zusammen zurück. Abends von 11h-1h hatte ich Wache.

7. Sept. Morgens reinigte ich mein Geschütz gründlich und baute dann den Knüppelweg weiter. Nachmittags schlief ich bis 4h dann weitergebaut. Heute nachm. bekam ich 2 Pakete von Mutter. Sonst nichts besonderes.

8. Sept. Da Ruhetagerst im ½ 7h aufgestanden. Unteroff. und Hauptm. ritten bis Mittag spazieren. Wittlinger und ich bauten Orientierungstafeln. Nachm. nichts besonderes, als 84er, die Dienst hatten, beschossen feindl. Flieger. Dieser machte schleunigst kehrt.

9. Sept. Nichts besonderes.

10. Sept. Nichts besonderes.

Morgens gingen Steffen, Wittlinger und ich in die Schützengräben und Unterstände vor unserer Stellung um Bretter zu holen. Nachmittags bauten wir unseren Unterstand weiter, d.h. den Anbau.

11. Sept. Vormittags Karabiner gereinigt, da nachm. Apell. Sonst nichts neues.

12. Sept. Wieder ein Sonntag. ½ 8h gingen Unteroffz. Feldhaber, Wittlinger, Schiebler, Zimmermann und ich weg, um in Amelécourt die Kirche zu besuchen. Unten gesellten sich noch die Fahrer Andres und Förster zu uns. Die Kirche war voll. Vorn saßen Offiziere. In der Kirche waren noch all die Schmuckgegenstände einer kathol. Kirche. Die Predigt war recht nett, wenn sie auch kurz war. – Dann gingen wir wieder hinauf zu unserem Unterstand. Hier fand ich gleich Post von Naumann, Trude Hachenberger und Siekwitz vor. – Nachmittags machten Schiebler, Wittlinger und ich einen netten Spaziergang zum großen Blockhaus, das einst die Bayern bauten. Dort wurden wir auch von einem zufällig anwenden bayr. Unteroff. photographiert. Dann gingen durch den Schützengraben der längs der Straße Château-Fresnes sich hinzog. Sonst war nichts neues,

13. Sept. Wir haben wieder Dienst. Also 5h aufstehen und alles in Ordnung bringen. – Eben sind wir mit Kaffeetrinken fertig, als Alarm gepfiffen wird. Wir rennen also zu den Geschützen. Leutnant Wiedmer von 84, der gleich Dienst hat, ist eben beim Waschen. Es hat den Oberkörper entblößt und kommt so, sich noch im Laufen einen ergriffenen Mantel anziehend, zu den Geschützen gerannt.

Also nun laden. Der Hptm. ist auch zugegen. Ich bin nun auch eifrigst bemüht ein Geschoss in den Lauf zu bekommen. Aber mein Zubringer will heute keine Patrone fassen. Bis ich endlich mit dem Hammer dreinschlage. Endlich geht es das andere Geschütz hat längst gefeuert. Der Hauptmann flucht und schimpft. Der Leutnant wettert und wirft die Kommandotafel hin. Bei mir gehts jetzt. Da stockts beim andern Geschütz, also heute Pech über Pech. Die Flieger surren über uns hinweg und wir treffen nichts. Endlich wird wieder Ruhe. Wie wir später erfuhren hat ein Flieger 3 Bomben über Château-Salins abgeworfen, ohne Schaden anzurichten.

Das war im Großen und Ganzen ein großer Witz. Vom Leutnant wurden ganz dämliche Kommentare gegeben, sonst hätten wir etwas treffen müssen. – Nachm. gurteten wir sämtliche Geschoße.

14. Sept. Um 7h standen wir erst auf. Ich hatte Stubendienst. Den ganzen Morgen schleppten wir Feuerholz herbei. Nachmittags fing es an zu regnen. Wir konnten nichts anfangen. Von 9h-11h hatte ich Wache.

15. Sept. Heute wieder mal Dienst. Ich werde als Telephonist ausgebildet, da einer auf Urlaub ist. Die Franzosen beschießen heute vormittag stark Salonnes. Nachmittags Holz gehackt.

16. Sept. Vormittags Holz gehackt. Nachmittags nach Amelécourt gegangen, wo der Stabsveterinär Pferderevision über unsere Pferde abhielt. Sonst nichts besonderes.

17. Sept. Heute vormittag gefaulenzt. Von Erich die erste Karte erhalten. Nachmittags auf Flieger gewartet, die nicht kamen.

18. Sept. Vormittags Holzstämme für Feuerholz herbeigeschleppt. Nachmittags mit Feldhahn, Schiebler und Wittlinger in die Saline bei Château Salins in Wannen gebadet. Wache von 11h-1h. Herrliche Mondnacht.

19.Sept. Heute Dienst. Im Laufe des Vormitags klärt sich das Wetter auf. Wir warten auf Flieger. Wir bekommen aber nichts zu sehen, da starker Wind weht. Nachmittags gegen 4h hören wir feindliche Flieger. Wir können aber nicht schießen, da alle zu weit sind. Alle kreisen über Hampont, da dort im Walde schwere 38 cm Geschütze aufgestellt sind. Davor sind Scheinstellungen. Darüber kreisen jetzt die Franzosen. Plötzlich hören wir einen starken Kanonenschuß. Einige Zeit danach sehen wir bei der Scheinstellung eine graue Rauchwolke aufsteigen. Dies wiederholt sich gegen 40 Mal. Die französ. Batterien beschießen also über uns hinweg die Scheinstellung. Am Horizont sehen wir 2 französ. Fesselballons. – Sonst nicht besonderes. Abend weht ein kalter Wind. Es ist recht kühl.

20. Sept. Nichts besonderes zu melden. Die Franzosen beschießen wieder Scheinstellungen Hampont.

21. Sept. Vormittags sind wir bei den Geschützen. Wir sehen auch Flieger. Sie kreisen wie in den letzten Tagen immer über Hampont. Aber kein Deutscher läßt sich sehen. Wir können nicht schießen, da sie zu weit sind. 3h nachm. kam der Schimmel (Löhnung). Sonst am Tage nichts neues.

22. Sept. Vormittags nichts besonderes. Gegen ½ 11h klingelt das Telephon. Herr Hauptmann wird dem A.O.K. gewünscht. Dieses befiehlt, daß wir unsere Stellung wechseln. Wir sollen nachm. 5h auf dem Marchant dem Standplatz von B.A.K. 18 (franz. Lewy. rohrgeschütze). Das hieß es nun schnell alle Sachen zusammenpacken, denn um 2h war Abmarsch. Vor 5h waren wir da und stellten unsere Geschütze auf. Diesen Abend konnten wir nicht mehr schießen, obwohl einige Flieger kamen. Auch große deutsche Kampfflieger kamen und schoßen mit den Masch.-Gewehren.

23. Sept. Heute hat wieder 48 Dienst, gegen 11h beschießen wir mit nur 5 Schuß einen franz. FarmanDoppeldecker. Nun eine Skizze unserer neuen Stellung:

Nachm. war nichts besonderes.

24. Sept. Morgens schossen wir wieder. Unsere Schüsse lagen besser als sonst. Nachmittags gingen Unteroffz. Feldhahn, Wittlinger und ich nach Vic. Um 2h marschierten wir ab, quer auf die Straße, die von Château-Salins nach Salonnes führt. Über der Straße hinwegsteht ein größeres zerschossenes Haus, wohl früher eine Mühle. Natürlich gingen wir hin um sie zu besichtigen. Das halbe Dach fehlte. Einige Granaten hatten hinein geschlagen. Innen war es zum Teil ausgebrannt. Doch gab es auch noch leidlich erhaltene Zimmer. Wir fanden auch den in franz. Häusern typischen Raum der durch einen Lichtschacht der durch´s ganze Haus geht. Wir gingen dann weiter über Salonnes, wohin die Franzosen vor einigen Tagen hingeschossen hatten. In 1 ¼ Std. erreichten wir Vic. Ein interessantes Städtchen, getrennt durch die Seille, ein kleiner Fluß. Wir kamen zuerst in die sog. Altstadt, die z.T. sehr zerschossen war. Auch eine Brücke war versenkt, die aber durch provisorische ersetzt war. Dann kamen wir zum Quartier der 1. Bayr. Pioniere einem früheren Kloster. Sehr interessant. Dort bekamen wir auch bayr. Bier. Jetzt ist in dem Kloster Schule. Das übrige sehenswerte der Stadt war auf dem großen Platz, das Denkmal, der Jungfrau von Orléans (Pucelles d´Orléans dort genannt), das alte Tor, das Schloß, das Rathaus (l´hôtel de ville), die kath. Kirche und besonders die alte Münze am Palast Platz. 1910 wurde sie erneuert. Kaiser Wilhelm II. war bei der Einweihung sowie auch 3 Jahre später zugegen und schrieb sich auch eigenhändig in das Fremdenbuch ein, worin auch wir uns eintrugen. Auch von den Franzosen die 3 Tage in Vic waren hatten sich viele Offiziere eingetragen. Merkwürdigerweise hatten sie dort überhaupt nichts zerstört. – Riesig befriedigt von all dem Interessanten gingen wir wieder heim. Dort wurden wir nicht gerade sehr nett empfangen. Der Hauptmann schnauzte uns an, daß wir uns ohne seine Erlaubnis wohl einen Ausweis nach Vic geben ließen. Na, wir hatten ja 2 Ohren, da gings zu einem herein und zum anderen heraus. – Nachts hatte ich von 3h-5h Wache.

25. Sept. Heute trübes Wetter. Mittags wird von A.O.K. telephoniert, daß wir unsere Stellung verlassen sollen und die alte wieder beziehen sollen. Um 5h waren wir wieder hin und lebten gleich wieder so gemütlich wie zu Hause. Jetzt gehe ich auf meinem Strohsack, denn ich bin verdammt müde.

26. Sept. Wir hatten frei. Nichts besonderes während des ganzen Tages.

27. Sept. Es regnet heute. Wir können also nichts weiter beginnen.

28. Sept. Morgens Arbeitsdienst. Nachm. nichts besonderes. 9-11h Wache.

29. Sept. Es regnet von früh bis abends, also ein Vorgeschmack für den Winter- Wir konnten also nichts besonderes anfangen.

30. Sept. Heute keinen Dienst. Hauptw. zu mir und fragt, ob ich mit nach Viviers fahren will. Gern tat ich das, weil ich da ein neues Stück Land zu sehen bekam. Um 8h kam Hartmann und wir fuhren los. Wir sollten Decken, Carbid und Taschenlampenbatterien [Ergänzung jw: holen]. Wir fuhren erst nach Oriocourt. An Laneuveville vorbei waren wir in 1 Std. dort. Nonnenkloster. Decken gefaßt. Weitergefahren nach Viviers. Pferd eingestellt. Einen gekümmelt. Bei der Feldküche gegessen. Abfahrt wieder um 1h an den vielen Franzosengräbern vorbei. Furchtbar dreckig alle die Dörfer. Hier großer Dorfplatz mit Kirche. 2h waren wir wieder zu Hause. Es war nur schade, daß es so geregnet hatte. – Nachts um 3- ½ 6h Wache.

1. Okt. Bis mittags nichts besonderes. Nachm. waren deutsche und franz. Flieger zu sehen teils über den Wolken. Wir kamen nicht zum Schuß. Abends Löhnung.

2. Okt. Morgens arbeiteten wir an dem Blockhaus das für den Hauptmann am Waldesrande (wo die Küche früher war). Nachm. fuhren Zimmermann und ich mit den beiden Fahrern Clemens und Hartmann  in den Pionierpark von Château Salins, um Bretter usw zu holen. –

3. Okt. Nichts besonderes.

4. Okt. Morgens und nachm. bauten wir an dem Blockhaus. Nachts Wache 11-1h.

5. Okt. Vor- und nachm. am Blockhaus gebaut.

6. Okt. Man baute.

7. Okt. Man baute von morgens bis abends.

8. Okt. Nachmittags in der Saline baden.

9.-11. Okt. Nichts weiter als bauen, Holz hacken usw. Auf der Front ist es jetzt ziehmlich ruhig. Auch Flieger kamen kaum mehr.

12. Okt. Heute keinen Dienst. Morgens nichts besonderes. Nachmittags gingen Bickel und ich nach Château-S, in die Saline zum Waffenmeister, um meinen Karabiner machen zu lassen. Dann trafen wir Frey und Grothusen. Mit diesen in Bahnhofrestaurant. Hier tüchtig getrunken. Einen Halben hatten wir hier schon weg. Wir gingen also ins Café d´Agriculture (Ackerbaukaffe) auf der Nancy-Straße. Hier wurden wir ganz besoffen, daß wir kaum stehen konnten. Nur noch nach Hause. 8h wars um 9h mußte ich auf Wache. Wir torgelten also im Finstern nach Hause. Plötzlich lagen wir 4 im Straßengraben. Ein Wagen kam und nahm uns mit rauf. Gott sei dank, daß wir oben waren.

13. Okt. 1 Jahr Soldat. Nichts besonderes.

14.-16. Okt. Nichts besonderes. Man machte Holz zum Feuern klar. Heute am 16. gehe ich zum Waffenmeister nach Château.

17. Okt. Nichts besonderes. Abends hatten wir Mondschein. Es klingelt am Telephon. Fliegermeldung. Wir waren also alarmiert. (½ 9h abends). Da hören wir es auch schon rauschen, doch sehen können wir nichts. Wir durften aber nicht schießen, da wir nicht ganz genau wissen, daß es ein feindl. Flieger ist. Das Geräusch verliert sich in der Ferne. Da plötzlich in Richtung Puttigny ein Feuerschein. Es waren Leuchtbomben auf dem dortigen Flugplatz. Wie wir später erfuhren. Nun platzen auch am Himmel fortgesetzt Schrapnells. Ein großartiger Anblick. Der Flieger fährt wieder heim. ¾ Std. darauf kommt er wieder. Dasselbe Schauspiel wiederholt sich. Außerdem wirft er auch noch 7 Bomben, die allerdings zum Teil in einen Misthaufen fielen. Trotzdem werden einige Mann verwundet.

18.-19. Okt. Nichts besonderes.

20. Okt. Nachmitt. baden in der Saline, danach Kaffee getr. (scharf), dasselbe im Bahnhofsrestaurant mit Frey Grothusen, Wittlinger den ganzen Tag. Von 9-11 Wache.

21. Okt. Nichts besonders als Löhnung.

30. Okt. Heute schossen die Franzosen lebhaft nach den Scheinstellungen bei Hampont und dem im oberhalb davon gelegenen Walde liegenden Forsthaus Hühnerhof. Bis dahin war es noch bewohnt. Heute war überhaupt das erste Mal wieder regere Fliegertätigkeit.

31. Okt. Heute wieder mal klares Wetter, deshalb auch am Morgen rege Fliegertätigkeit. Trotzdem kamen wir nicht zum Schuß. Sämtl. Flieger wieder den Telegraphenberg, als unser Stellung. Sonst nichts besonderes.

1. Nov. heute der kath. Feiertag Aller Heiligen. Die kath. Kameraden hatten die 3 Gräber von Bayern (1 Hptm. 1 Unteroffz. 1 Jäger) hergerichtet. Abends wurden darauf Lichter angebrannt. – Die neue Wachbestimmungen treten von heute ab in Kraft. Es wird Wache von 6h abends bis 6h morgens gestanden. 2x 2 Std.

2. Nov. Sturm, Regen und dgl. Annehmlichkeiten empfingen uns als wir ½ 6h aufstanden. Den ganzen Tag im Unterstand gehockt. Abends 6h Besprechung mit Ltn. Beck über Entstehung des Krieges und über allgemeine Kriegslage. Ganz interessant.

3. Nov. Morgens dichter Nebel. Nachmittags klärt es sich auf. Gegen abend kamen Flieger. Wir beschossen einen engl. Apparat. Während des Nachmittags fing ich 12 Mäuse, dies ist oft ein Hauptvergnügen.

6. Nov. Heute nehmen Art. Reg. 84 Stellungswechsel vor. Sie wechseln die Stellung mit Art. Reg. 25, die bisher bei Delme standen. Unsere Ablösungsmannschaft von 84 müßen uns daher auch verlassen. Wir sind also für einige Tage alleine. Heute haben wir auch an dem einen Geschütz (Nr. 9) die Räder abgenommen und Stützen unter das Geschütz gemacht. Somit können wir nun die Oberlafette um 3600 drehen.

7. Nov. Waschsalon (Beteiligte Unteroffz. Gläser, Wittlinger, Reinhard und ich) vergrößert. – Abends ½ 7h hören wir die Glocken in Chateau und Fresnes läuten anläßlich der Einnahme von Nisch.

9. Nov. Heute große Fliegerbeschießung. Großer Kampfflieger mit 2 Propellern überfliegt unser Stellung in 1800 m Höhe. Schüße liegen gut. Leider beide Geschütze Ladehemmung. Sonst glatt getroffen. Elende Sauerei.

12. Nov. Furchtbarer Sturm. Fast alle Telephonleitungen sind zerstört.

13. Nov. Frey, ich und Fahrer Clemens fahren nach Habudingen [Haboudange] um Munition zu holen. Das sind von unserer Stellung bis Habud. ungefähr 19 km. Früh ½ 8h fuhren wir ab. Über Almerichshofen [Amelécourt], Château-Salins Gehöft Olimpré, wo einige 100 Russen einquartiert liegen, Hampont, Burlioncourt, wo der Flugplatz der Feldfliegerabt. Nr. 12 ist (8 große Zelte stehen dort) und Habudingen [Haboudange]. Am Bahnhof laden wir Munition. Dann Frühstück in der Schenke. Im Dorf gibt’s weiter nichts als Sardinen. Im Dorf fast keine Bewohner mehr. Russen liegen hier. Schönes Schloß (französisch) im Barockstil. Heimfahrt dichter Sturm und Regen. Wir sind durchnäßt. Im Château nehmen wir Pakete mit heim. ½ 3h zu Hause. – Wache von 6 h -8 h und 12 h -2h.

14. Nov. Nachts um 1 h kommt Befehl von Brig. Château daß Großherzog von Baden Division besichtigen will und daß so bald wie möglich Geheimbefehl geholt wird. Hauptw. Freund bestimmt mich. ¾ 6 h gehe ich. In Brig. schläft noch alles. ¼ 8 h bin ich wieder oben in der Stellung. ½ 9 h fällt der erste Schnee und zwar ziehmlich stark.

22. Nov. Bis dahin nichts besonderes. Immer kaltes z.T. Schneewetter. Heute ein wunderbar klarer Tag. Viel Fliegertätigkeit. Forsthaus Hühnerhof wird wieder beschossen.

28. Nov. Heute ist es verdammt kalt. -80, aber gutes Wetter, Fliegertätigkeit.

29. Nov. Es taut. Es werden Stellungen neben unserm Unterstand gebaut. ½ 5 h nachm. müssen wir im größten Regen Sträucher als Deckung pflanzen.

30. Nov. Es wird mächtig von einer Parkkomp. geschanzt. Art. Stellungen.

1. Dez. Es ist ein furchtbares Dreckwetter. Man versinkt bis an die Knöchel in den Dreck.

2. Dez. Es regnet durch unsern Unterstand. Nachts erwecke ich und sehr mich in er Pfütze liegen. Wir stehen bis über die Knöchel im Wasser. Tüchtig arbeiten. Schacht 2 m tief graben zum Entwässern. Unterstand abermals mit Wellblech abdecken.

3. Dez. Es tropft nur noch wenig. Sauwetter.

4. Dez. Wir sitzen wieder im Trockenen.

5. Dez. Es wird während der letzten Woche von einer deutsch. Offensive gemunkelt. Geschütze werden herangebracht. Wir bauen Knüppelweg.

18. Dez. In den letzten Tagen besseres kälteres Wetter. Fesselballon bei Vaxy. 21cm Mörser schossen öfter Franzosen antworten stark. Vielfach beschossen wir Flieger.

20. Dez. Fahre nachm. mit Clemens nach Habudingen [Haboudange] Munition holen.

21. Dez. Nach den schönen Tagen wieder furchtbares Schneewetter und Schneesturm. Ich fahre mit Werkling nach Château Wein, Rum etc. fassen. Dann nach unserer Stellung, wo verschiedenes abgeladen wird. Dann um 4 h erst gehts nach dem ca 15 km entfernten Delme zu Abt. 84 (Art). Furchtbares Wetter, 8 h wieder in der Stellung.

22. Dez. Baden in der Saline.

23. Dez. Vorbereitungen für´s Fest.

24. Dez. Morgens Ausschmückung des Unterstandes mit Tannenreißig. Um 5 h beginnt die Feier. Hptm. Freund und Ltn. Beitz sind anwesend. Ansprachen, B.A.K. Lied, Schnitzeltank beleben das Fest.

25. Dez. Wir, d.h. die Unteroffz. und einige von uns, hatten eine große Sauferei. Es war der lustigste Abend, den wir bisher im Felde hatten.

31. Dez. Nachm. dienstlich in Château. In die Gegend des Lazaretts, wohin schon einige Tage vorher (am 28. ds.) einige Schüsse gingen, kam auch wieder ein Schuß. Neujahrsfeier mit Hptm. u. Leutnant sehr lustig. –

1916.

1. Jan. Gegen Mittag schießt unser großes Geschütz (38 cm) nachdem der ganze Wald in große Rauchwolken gehüllt war. Der 1. Schuß fiel ¾ 11 h. Im Ganzen 12 Schüße nach Nancy, wo viel Schaden angerichtet sein soll. Als Erwiderung darauf beschießen die Franz. Château-S. mit mindest. 30 Schüßen. Reitpost zerstört, 2 Tote, diverse Verwundete.

2. Jan. 38 cm schießen 2 Schuß um ¾ 2 h nachm. Darauf die Franz. Etwa 15 Schuß nach Hühnerwald und 6 Schuß nach Château-S..

4. Jan. Starke Beschießung von Nancy. Nachm. starkes Schießen der Franzosen. Château-S. wird beschoßen. Fliegertätigkeit.

17. Jan. Bis dahin nichts besonderes. Frey u. Bäuchler fahren als erste 48er auf Urlaub. Heute wieder Fliegertätigkeit. Großer, franz. Farmanapparat kommt. Sehr beschossen. Kleiner deutscher Fokker kommt und nimmt den Kampf mit ihm 3 mal stürzt er habichtartig auf ihn zu, und beschießt ihn mit seinem Maschinengewehr. Im Motor getroffen muß er im Gleitflug bei Moyenvic niedergehen.

Insassen 2 engl. Unteroffz., die gefangengenommen werden.

19. Jan. Mit Lewicki und Wittlinger in Fresnes baden. – Über meinem Bett treibt eine Ratte ihr Wesen. Wirft mir Erde und sonstigen Dreck ins Gesicht.

23. Jan. Früh ½ 9 h -9 h feuert das große Geschütz 11 Schuß nach Nancy.

27. Jan.1/2 9 h morgens fahre ich mit Hauschild über Gerbécourt, Vannecourt dem gänzlich zerschossenen Dahlheim [Dalhain], Bollingen [Bellange] nach Habudingen [Haboudange]. Hier fassen von verschiedenen Dingen. Rückfahrt ebenso. ½ 3 h wieder in der Stellung.

28. Jan. Munition holen in Hédival mit Clemens.

29. Jan. Proviant fassen in Habudingen [Haboudange]. Achsenbruch.

31. Jan. Baden in dem Lazarett Château-S. Bekanntmachung des Stellungswechsels.

2. Febr. Stellungswechsel. Nachts Abmarsch nach Bahnhof Château. 9 Std Fahrt nach Straßburg. In der Art.-Werkstatt in Bischheim Geschütze auseinandergenommen und ausgebessert.

10. Febr. Heute noch in Straßburg. Jeden Tag entweder morgens oder nachm. Arbeit in Bischh. Straßburg Kamerad Wittlinger angesehen. Abend entweder im Café, Kino, einmal im Stadttheater (Mona Lisa).

15. febr. Abmarsch von Straßburg nachts 12 h.

16. Febr. Morgens 8 h Ankunft in Heiligblasien [Saint-Blaise-la-Roche] in den Vogesen. 12 km bis nach Bellemont [Belmont]. Immer Steigung. ½ Std. bis nach unserm Quartier nach dem Hochfeld. Quartier ist eine alte Restauration. Gleich Wache. Schneesturm.

17. Febr. Weitere Einrichtung. Es schneit.

19. Febr. Fouragieren mit Hauschild in Heiligblasien. Sauwetter oben Sonnenschein unten.

20 Febr. Herrliches Wetter. Allgemeines Pferdeputzen (ich 5 Stck).

8. März Bisher nichts besonders. Hauptsache Einrichtung unseres Quartiers. Es ist eine herrliche Gegend. Wir haben viel Schnee. Folgend Grundriß u.a.m. des Hauses „Morel“

16. März In den letzten Tagen schönes Wetter. Schnee schmilzt. Es war sehr warm schon. Wir schaffen auf Schlitten das zerlegte Blockhaus für Hauptm. in die Nähe des Turms, wo es aufgebaut wird. Sonst nichts neues. Offiz. Stellvertreter Sewer kam als Ersatz für Lewicki in den letzten Tagen. Man wird wie ein dummer Junge behandelt. Schreckliche Zustände. Wenn der Krieg nur alle würde.

18. März Bei herrlichem Wetter das erste Mal einen Flieger der dicht über Gehöft „Morel“ flog, mit 35 Schuß beschossen.

3. April Morgens fahren wir die Geschütze neben den Hohenlohe-Turm [Champ du Feu] in Stellung. Nun geht es täglich hinauf arbeiten. Wir haben schon herrliches Wetter.

17. April Seit einigen Tagen furchtbarer Schneesturm. Schneehöhe im allgemeinen ½-1 m. viel Wehen bis 1,50 u 2 m. – Jeden 2. Tag verbringt man 1 Nacht als Wache oben.

20. April Mein Geburtstag. Kein Mensch erfährt etwas. Es stürmt und schneit immer noch. Wie sind auch zur Wache oben in der Stellung.

22. Apr. Es fängt an zu tauen.

23. April Ostern. Dieser Tag wird ganz friedlich verlebt.

24. April Es ist wieder schönes Wetter. Deshalb wird tüchtig gearbeitet von früh bis abends an der Wachtmeisterhütte.

25. April Wetter schön warm. Der Schnee ist bald weg. Wir arbeiten tüchtig.

30. April Wir haben immer schwer zu tun.

2. Mai Die Flieger kommen nicht hoch. Wahrscheinlich Stellungswechsel. Ein heftiges Gewitter geht heute abend nieder.

6. Mai Nachdem nach dem schönen, warmen Vormittag ein starkes Gewitter nachmittags niederging, war es am spätnachm. u. Abend wieder ganz herrlich.

Deshalb unternahmen auch Kamerad „Wittlei“ u. ich einen Spatziergang nach dem ca 6 km weit entfernten Hohwald. Ca. 500 m tiefer liegt dieser herrliche Kurort. Steil war der Abstieg durch die herrlich grünen Buchenwälder an der Andlau entlang. Lang hingestreckt liegt der Ort da. Außerhalb meistens sehr sauber aussehende Bauerngüter, und dann die vielen sich der Gegend recht gut anpassenden geschmackvollen Villen reicher Städter, die jedoch jetzt während der Kriegszeit alle leer stehen.

An dem einen Ende des Ortes liegt die evang. und am andern die kath. Kirche. Ein Hotel, was z.Z. als Genesungsheim eingerichtet war, ist auch vorhanden. Frischgrüne Matten auf dem das Rindvieh weidet und die herrlichen Baumblut z.T. Apfelblut [wohl gemeint: Apfelblüte] erfreut das Auge ganz besonders. – Rückzu nahmen wir unseren Weg über den Andlauwasserfall [Cascade du Hohwald] der in 3 Teilen ca 10-15 m hoch von moosbewachsenen Felsen herunterfällt. Weiter ist zu erahnen die sog. „Stein Tanne“, d. i. eine große Fichte von ca 40-45 m Höhe und 5-6 m Umfang, dazu wunderbar schlank gewachsen. – Der Abstieg dauerte ca. 1 Std. dazu der Aufstieg 2 ½ Std.

7. Mai Sonntag. Abends ein Spatziergang nach dem zerschossenen Forsthaus Schirrgut. Von dem Hochfeldturm erreichten wir es auf herrlichen Waldwegen ca 100-150 m tiefer liegend. Schirrgut liegt an der Passstraße [sic!] Foudey [Fouday]-Weiler Schlettstadt od Straßburg usw. Das Forsthaus ist ganz u gar ausgebrannt. Es wurde von den Deutschen so arg zugerichtet, da mit die franz. Alpenjäger, die bis dahin vorgedrungen waren, darin verschanzt hatten. Die Bäume ringsum sind zerschossen. Auf der Wiese nebenan liegt 1 deutscher Offiz. von den 8. Jägern, 29 Infanteristen und 14 franz Alpenjäger vom Alpenjägerbat. Nr. 11 begraben. Zurück führt uns der Weg ganz herrliche Weg über den Edelweißfelsen nach Hof Morel.

8. Mai Leider arges Regenwetter, jedoch es klar sich nachmittags auf und ich unternehme mit Frey u. Grothusen einen Spatziergang nach Forsthaus Kreuzweg. Es liegt auch ca 200 m tiefer als unsere Stellung. Der Weg führt uns wie immer durch die frischgrünen Buchenwälder bis zur Kälberhütte [Chaume des veaux]. Das sind 5 auf einer steilen großen Waldwiese gelegene Bauerngüter. Wir gehen jetzt nicht den kurzen steilen Weg sondern einen bequemen viel sichereren Hangweg. Steil vielleicht 100 m fällt es rechts ab. Am Hang befinden sich versch. Gräber von Deutschen u. Alpenjägern. – Bald kommen wir nach Kreuzweg wiederum herrlich gelegen. Wir nehmen hier Kaffee und einen Schoppen Wein ein. Rückzu geht es den steilen Weg hoch bis Kälberhütte [Chaume des veaux] dann jedoch wie wir kamen. Was herrliches man hier sieht lassen sich mit Worten nicht ausdrücken.

9. Mai Heute einen Plan unserer Stel[l]ung:

Stellung am Hohenlohe-Turm (rechts)

14. Mai Ahrens, Wittlei und ich gehen bei starkem Nebel nach Forsthaus Kreuzweg, wo wir Vzw. Frey u. Gläser treffen. Bei einigen Karaffen Wein verging die Zeit herrlich. Man wird wieder mal richtig Mensch.

15. Mai Starker Nebel. Trotzdem machen wir 3 Ahr., Wittl. u. ich uns auf, um nach dem 1 ¼ Std. weiten Forsthaus „Rotlach“ zu laufen. Ein nettes, sauberes Häuschen mit Bauernwirtschaft. Bei „gutem“ Kaffee und einigen Litern Landwein vergeht die Zeit angenehm. Bei furchtbarem Regen u. Sturm kommen wir bis auf die Haut naß auf dem Hochfeld an. –

18. Mai Fahrer u. Pferde kommen heute weg. Der erste Mal seit Straßburg gebadet in Hohwald. Wannenbad.

20. Mai Heute endlich mal wieder geschoßen. Abends gegen ½ 8h kommt ein franz. Voisin Doppeldecker auf den wir 124 Schuß abfeuerten. Schüsse lagen gut. Flugrichtung des Fliegers Donnon [Donon]-Schlettstadt.

22. Mai Es wird von einem Stellungswechsel nach der Gegend von Markirch [Sainte-Marie-aux-Mines] gemunkelt.

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