Berichte aus Einsätzen des 5. Thüringischen Reserve Infanterie Regiments (Großherzog von Sachsen) Nr. 94

Kürzlich habe ich in einer Versteigerung eine Sammlung von Berichten über Einsätze des 5. Thüringischen Reserve Infanterie Regiments (Großherzog von Sachsen) Nr. 94 ersteigert. Die  Berichte sind Schilderungen einzelner Soldaten zu besonderen Einsätze. Einige Soldanten schreiben z.B. den Einsatz auf, für den sie mit dem Eisernen Kreuz 2. Klasse ausgezeichnet wurden. Zahlreiche dieser Berichte wurden im Frühjahr 1918 für das Regiment verfasst. Sie decken Erlebnisse zwischen 1915 und 1918 ab. Ob diese Berichte in die Erinnerungsbücher an den 1. Weltkrieg aufgenommen wurden, konnte ich bisher noch nicht überprüfen.

Feldwebel Kruse

1. Komp. Landst.-Inf-Ers.-Batl.

Weimar

Ruisbroek, den 20.II.18.

Erlebnisse der Komp. am Grenzzaun

Am 17.3.15 wurde das Batl. Weimar zusammengestellt und als mobile Truppe zur Verwendung im besetzten Belgien bestimmt. Am 1.4.15, trat es die Reise nach seinem Bestimmungsort, Belgisch-Holländische Grenze, an. Es hatte dort den Granz- und Bahnschutz zu übernehmen. Die 1 Komp. erhielt die Grenzbewachung im Gebiet Maeseyck-Kinroy. Anfang Juni [1915] wurde die Komp. nach Cyel verlegt und erhielt den Granz- und Bahnschutz auf der Strecke Neerpelt-Hasselt.

Die Aufgabe

welche der Komp. in ihren dortigen Wirkungskreis zugewiesen war, war als eine besonders interessante, aber auch als eine außerordentlich wichtige und ernste zu bezeichnen. Die Ortschaft Vroenhoven bildet einen der Hauptübergänge von Belgien nach Holland und es war von der Komp. einerseits der reguläre Verkehr nach und von Holand zu überwachen und zu regeln, anderseits hat die Komp. auch die Aufgabe, in einer Entfernung von mehreren Kilm. Darüber zu wachen, daß verdächtige Personen weder die Grenze überschreiten, noch andere Personen Beihilfe zum Überschreiten leisten, noch auch Briefe und dergl. über die Grenze bringen. Die Komp. hatte zu diesem Zweck 5 Außenwachen aufgestellt[,] die die zuletzt angeführte Aufgabe zu lösen hatten und es ist den Posten gelungen eine ganze Anzahl verdächtiger Personen , welche teils den Drahtzaun übersteigen, teils Briefe etc. durchschmuggeln wollten, festzumachen. Die Abwickelung des regulären Verkehrs nach und von Holland – es passierten täglich mehrere hundert Personen die Grenze – erforderte gleichfalls ebensoviel Umsicht wie Pflichttreue und Ausdauer, da sämtliche Fuhrwerke u. Passanten auf das genaueste untersucht werden mußten. Die auch auf diese Posten – einer besonders starken Wache – bewirkten zahlreichen Verhaftungen beweisen, daß immer noch mit allen Mitteln versucht wurde, der belgischen Armee nicht nur junge Leute aus Belgien zuzuführen, sondern sie auch mit Nachrichten zu versorgen.

Demgegenüber kann jedoch mit Genugtuung festgestellt werden, daß Utffz. u. Mannsch. darin wetteiferten, ihre Pflicht getreu zu erfüllen und daß es ihnen in häufigen fällen glückte, nicht nur Personen festzunehmen, sondern auch das Gelingen von Spionage oder Briefschmuggel, welche bisweilen in der raffiniertesten Weise betrieben wurden, zu verhindern.

Ein Bsp. Der Aufdeckung einer größeren Spionage folgt.

Am 22.I.16 war abds. heftiges Schneegestöber. Solches Wetter wurde von den Spionen für ihr Treiben besonders bevorzugt, Ist doch dann die Beobachtung den Posten sehr erschwert. So wollte auch an diesem Abend eine getriebene Spionin Digna Paulissen das unsichtige Weter ausnutzen. Das Gelände war für ihren Zweck ebenfalls sehr günstig. Hohlwege von 4-5 m Tiefe kreuz und quer, dichtes Gebüsch und hohle Weidenbäume, in denen sicht leicht ein Mensch verbergen konnte, boten reichlich Gelegenheit sich dem wachsamen Auge des Postens zu entziehen. In einem solchen hohlen Baume wechselten sie ihre Kleidung und kam nun in ganz ärmlicher Kleidung näher an den Zaun heran. Sie machte den Eindruck einer armen Frau, die sich verirrt u. so in die Nähe des Zaunes gekommen war. Etwa 20 m vom Zaun erblickte sie der Posten, wie sie Ausschau hielt und sich gleich drauf im Hohlweg zu verbergen suchte. Er nahm sie fest und schaffte sie zu seinem Unteroffiziersposten. Die Frau gab an, für sich von ihren Verwandten Lebensmittel holen zu wollen, da sie wegen ihrer Armut nicht in der Lage sei sich den nötigen Unterhalt zu kaufen. Dem die Wache revidierenden Feldwebel fiel auf[,] das[s] die Person Schuhe hatte, wie sie nur Personen aus besseren Ständen zu tragen pflegen.

Eine genauere Nachforschung in der Umgebung brachte nun auch die Kleidungsstücke in dem hohlen Baume zu tage. Auch wurden mehrere zerrissene Adressen aufgefunden. Mit Hilfe derselben wurde bald eine groß angelegte Spionage ermittelt, die ihre Fäden bis zur Front ausdehnte.

Das anschließende Gerichtsverfahren führte dazu, daß eine ganze Anzahl Personen ihr gefährliches Treiben mit dem Tode büßen mußten; viele andere wurden mit längeren Freiheitsstrafen belegt. Ähnliche Fälle kamen häufiger vor, wenn auch nicht in so großem Maße.

Sie zeigen, daß unsere „hellen“ Sachsen und Thüringer die Augen offen halten.

Kruse

Feldwebel

Leutnant Janschke (Führer der 7. Kompagnie)

Schilderung gemäß Verfügung des A.O.K. 7 am 8.1.16 – I.E. 260.

Im Anfang August 1915 befand sich unser Regiment im siegreichen Vordringen. Die Russen, denen wir schon im Sturm so manche Stellung genommen hatten, befanden sich im Rückzug und versuchten uns durch ihre Nachhuten aufzuhalten, um ihre rückwärtigen Stellungen besser ausbauen zu können und Verstärkungen heranzubekommen.

Am 10.8.1915 hieß es also wieder früh heraus, um dem Gegner keine Ruhe zu lassen, auch waren starke russische Kavalleriemassen gemeldet. So marschierten wir etwa 30 km ohne einen Feind zu sehen, immer bereit eine Kavallerieattacke abzuschlagen, da das Gelände sich gut zu einem solchen Angriff eignete. Erst gegen Mittag erhielten wir wieder die üblichen Schrappnells, ein Zeichen, daß sich der Gegner irgendwo verschanzt hielt. Dich diesmal hatten wir uns getäuscht, denn als wir ausgeschwärmt vorgingen, waren die Russen bereits wieder verduftet. Also ging es wieder vorwärts, natürlich mit größter Vorsicht, da man ja jeden Augenblick unvermutet Artilleriefeuer bekommen konnte und erreichten, es dämmerte bereits, den Ort Nowy-Borek. Hier stießen wir auf eine Kosaken-Patrouille von etwa 20 Mann, welche unter unserem Feuer verschwand, es wurden aber trotz der Dunkelheit 3 Mann abgeschossen. Da es unser Herr Regiments-Kommandeur nicht für ratsam hielt in der Nacht weiter vorzugehen, schwärmten wir bei diesem Ort aus und schanzten uns ein in der Erwartung nach dem anstrengenden Marsche einige Stunden Ruhe zu haben.

Wir waren eben fertig mit Schanzen, als der Befehl kam weiter vorzurücken und möglichst die große Straße Sambrow [Zambrów]-Tshishew [Czyżew] zu erreichen. Nun war es mit der Ruhe wieder vorbei. –

7/94 bekam folgenden Auftrag, durch das Dorf Grochi [Grochy-Pogorzele] vorzustoßen, Rückmeldung, ob dasselbe vom Feinde frei, die Straße zu erreichen und daselbst den Brücken-Übergang bei Mrotschlei zu besetzen. Da es stockdunkel inzwischen geworden war, nahm der Führer einen Panje aus dem Dorfe mit. Grochi wurde vom Feinde frei gefunden, nur hinter dem Dorfe traf man auf 3 Kosaken, welche sofort in der Dunkelheit verschwanden. Nach etwa ¾ Stunde wurde auch der Brückenübergang an der Straße gefunden und von neuem fingen wir an und schanzten uns ein. An Schlaf war nicht zu denken, da die Russen die ganze Nacht schossen und demnach nicht weit von der Straße Stellung genommen hatten. Gegen morgen kam der Befehl vom Batls.-Kommandeur, daß das Regiment früh 700 in Richtung auf Tarnowo [Tarnowo-Goski] vorgeht, die Kompagnie hat sich dem Vorgehen des Regiments anzuschließen. Als die Zeit herankam, sahen wir links unser I. Bataillon im Vorgehen, doch bald erhielt dasselbe heftiges Artillerie- und Infant.-Feuer, gleichzeitig bemerkten wir, daß die Russen mit starken Kräften angriffen. An ein weiteres Vorkommen des Bataillons war nicht zu denken, im Gegenteil war große Gefahr, daß der Gegner dasselbe von rechts umklammerte. Hier beschloß der Führer der 7. Komp. selbst ohne Auftrag und Verstärkung vorzugehen. Durch einen Talgrund kamen wir unbemerkt und unbeschossen bis an das Dorf Tarnowo heran. Als die Spitze der Kompagnie durchgehen wollte, bemerkte sie eine feindliche Patrouille, welche jedenfalls den Auftrag hatte zu erkunden, ob das Dorf vollständig frei wäre. Diese Patrouille durfte auf keinen Fall entkommen; die Spitze bekam daher den Befehl die feindliche Patrouille entweder gefangen zu nehmen oder abzuschießen. Bis auf 20 m ließen wir sie herankommen, dann riefen wir sie an. Da die 3 Russen nach den Häusern liefen, um Deckung zu nehmen, wurden sie erschossen. Jetzt war Gefahr, daß bald stärkere feindliche Kräfte folgen würden, deshalb ging es im Laufschritt durch den Ort, um den Ostausgang zu gewinnen und Schußfeld zu haben. Als wir den Ostaufgang erreichten, war es die höchste Zeit, denn schon kamen starke feindliche Schwarmlinien auf das Dorf zu, um dasselbe zu nehmen und von da aus unserem I. Batl. in die Flanke zu fallen. Mit Geschwindigkeit besetzten wir den Dorfrand und eröffneten ein mörderisches Feuer auf den Feind. Die Russen hatten jedenfalls von da noch keinen Gegner vermutet, auch schoß unser I. Zug ihnen direkt in die Flanke. Jedenfalls dachten sie auch durch unser lebhaftes Feuer, daß wir viel stärker wären, sie machten kehrt und liefen dem nächsten Dorf zu, um Deckung zu suchen. Der Angriff war also von dieser Seite abgeschlagen. 2 Russ. Artillerie-Batt., welche zwischen den beiden Dörfern standen, kamen in unser Streichfeuer, fühlten sich, nachdem ihre Infanterie weg war, nicht mehr sicher und protzten auf, von uns lebhaft beschossen, eine Protze mußten sie stehen lassen. Es waren die beiden Batterien, die unserem I. Batln. schwere Verluste zugefügt hatten. Die nächste Zeit benutzten wir, um uns am Dorfrand einzuschanzen und das war auch die höchste Zeit, denn kaum waren wir etwas in der Erde, als auch die Russen wieder zur Vernunft gekommen waren und ein lebhaftes Inf.-Feuer auf uns eröffneten. Gleichzeitig fing auch die russ. Artl. an Tarnowo unter Feuer zu nehmen, wo sie jedenfalls starke Kräfte vermuteten. Uns schadete es wenig, denn wir lagen ja nun gut eingegraben vor dem Dorfe. Die russische Infanterie versuchte auch bald wieder vorzukommen, doch wurde sie durch unser Feuer verhindert. Schön war unsere Lage trotzdem nicht, denn die Kompagnie lag ganz allein, rechts wie links fehlte der Anschluß; auch fing unsere Munition an auszugehen; faßten uns die Russen von rechts an, so konnten sie uns abschneiden. Glücklicherweise kamen sie nicht auf den Gedanken, auch glaubten sie starke Kräfte hinter uns. So haben wir das Dorf den ganzen Tag über gehalten bis es gegen abend den andern Kompagnien, sowie unserem rechten Nebenregiment gelang in unsere Höhe zu kommen und uns zu verstärken. Entschädigt wurden wir durch die vielen Hühner und Gänse, welche noch im Dorf waren, denn die Einwohner waren bei dem plötzlichen Gewehrfeuer ebenfalls geflohen. Sogar ein Schwein haben wir trotz des Feuers im Schützengraben geschlachtet, denn Hunger hatten wir auch bekommen. Als die Russen dann am nächsten Tag aus der Stellung vertrieben worden waren und zum Vormarsch angetreten wurde, wurde der Kompagnie eine ganz besondere Freude zuteil. Der Herr Regiments-Kdr. Kam extra zu und geritten, um uns für Tarnowo zu beglückwünschen. Als die Kompagnie zum nächsten mal ins Gefecht kam, richtete kurz vor dem Sturm Sr. Kgl. Hoheit der Großherzog v. S.W.E. einige anerkennende Worte an die Kompagnie.

Im Felde, den 26. Januar 1916

[Unterschrift Janschke]

Leutnant u. Führer der

[Stempel der 7. Kompagnie]

Sergeant Otto

Erlebnisse des Sergt. Otto 1/94. Inf. Regt. 94.

am 7.III.18.

Bin am 8. August 1914 mit den Regt. 84 ausgerückt[,] habe alle Gefechte bis heute unverwundet mitgemacht. Einer der ersten Tag war der 2. Januar 1916. den ich gelebt habe. Wo der Feind den ganzen Tag Wirkungsschießen auf unsere Stellung machte und muß dabei fast sämtlich Unterstände Tromelte[,] wobei ich mit Knapper Not mit den Leben davon kam. Von den riesigen gang mit Wasser gefüllten Trichtern um meinen Unterstand waren einigen durch schwere Granaten auseinander gewüllt, und das braune Lehmwasser schoß in den Unterstand herunter. Bald standen wir bis über die Knie in Wasser und wußten, da dasselbe immer fort stieg, ein Fluß um die andern höher klettern, um nun drängte sich alles in den bis jetzt noch heil gebliebenen. Wir warfen hin u. her, ob es besser sei, sich ins freie zu legen, und wollen gerade den Ausgang zu, als mit ungeheuern Krachen u. Splittern unser letzten Ausgang zusammenbrach. Stockfinster wars auf der Treppe und nun das Glucksen und Riseln des immer noch eindringenden Wassers war zu hören. Nachdem sich der Schreck gelegt hate, und uns die ganze Größe der Gefahr vor Augen trat[,] fingen wir, ein Kerze war gottlob noch vorhanden, an, den Ausgang frei zu legen. Fieberhaft arbeiteten wir mit Picken und Seitengewehren, die zersplitterten Rahmen zu entfernen. Dabei drang aber noch unaufhörlich das gelbe Wasser herein. Es mußte woll unten bereits übermannstief sein. Und von draußen klang das dumpfe Dröhnen der krepierenden schweren Granaten herein. Endlich! Ein erlösendes Aufatmen. Den Druck der vereinten Kräfte vor der ersten Rahmen gewichen und nun fiel das Chaos von Splittern und Schlamm über uns herein. Hinter her wie ein Fluß Wasser. Aber wir fallen licht und luft. Jetzt gabs nur noch einen Gedanken: Heraus; lieber in freien Verwundet, als dort unten im Schlamm und Wasser ersticken. Und nun gings im stärksten Feuer heraus. Teilweise kriechend kamen wir endlich nach langen Minuten im Abschnitt der 4/94. Das fast gar nicht unter Feuer lag, an, und dankten unserem Schöpfer für diese Rettung.

Sergt. Otto.

1/94. G.

Krankenträger Josef Urbanek

Bericht über meine Erlebnisse bei meinem Regt 94 I Komp

Auf der Höhe 304 in Stellung wurden Sappen vorgetrieben, in einer derselben wurde ein Kamerad verwundet. Da die Sappe vom Feinde eingesehen wurde war es mir sehr schwierig dem Verwundeten Hielfe zu leisten, ich mußte deshalb um zu ihm zu gelangen auch dem Bauche hinkriechen. Da der Verwundete einen Kopfschuß hatte und deshalb Pfantasierte stach derselbe mit seinem Messer um sich. Nach größter Anstrengung gelang es mir ihm das Messer zu entreißen, und ihn dann zu verbinden, und kriechend zurück ziehen. Als ich ihn im Graben hatte so rief ich mir einen Kameraden zu hielfe und trugen ihn nach Verbandsplatz, wo wir abermals einen schwierigen weg hatten, da das hintergelände ständig unter starkem Ateleriesperrfeuer lag.

 

Krankenträger Josef Urbanek

1/94

G.

Vizefeldwebel Hiesch

Im Felde, d. 14 März 1918

Bericht des Vizefeldwebels Hiesch 1. Komp. Inf Regt 94 über Erlebnisse beim Regt.

Bin am 5. Oktober 1913 bei der 1. Kompanie eingetreten und rückte mit derselben Anfang August [1914] ins Feld und machte sämtliche Gefechte des Regts in Rußland und hier im Westen mit[.] Besonders in Erinnerung bleiben bei mir die Kämpfe bei Verdun auf Höhe 304. Der Sturmangriff am 16. Mai 1917 auf Bahnhof Roeux [Rœux]. Und die Schlacht am 31 Juli bei Üpern [Ypern]. Wir kamen im Mai 1916 nach Höhe 304, schon von weiten sah man die mit Schrappnell und [?] Dampf umhüllte Höhe, manchen von uns hatt es schon den Mut genommen, aber als der Befehl kam, die Kompanie geht heut Abend in Stellung, war alles voll Begeisterung. Besonders in Erinnerung blieb mir immer die Ablösung der Kompanie wie wir immer uns durch das mit Granaten überschüttete Hintergelände hindurch schlengelten[,] einige Wochen waren vorüber, als dann von höherer Führung eine Belohnung von 200 Mark ausgesetzt wurde festzustellen war für Truppen uns gegenüber lagen, als eines Abends die Franzosen unsre Sappe angriffen, die ich mit meinen Leuten zu verteidigen hatte, den Angriff aber zurückschlugen und wir aber einen Franzosen zu uns heranholten. Auch der Tag am 16 Mai 1917 bleibt mir in steter Erinnerung als unsre Komp. mit am Sturm auf Bahnhof Roeux [Rœux] bis in die dritte feindliche Linie mit teilnahm, eine Freude war es zu sehen, wie die Engländer unsern Ansturm auswichen, einen Graben in den andern zurückliefen, eine jeder freute sich bis in das befohlene Ziel fast ohne Verluste durchkamen, aber da unsern Erfolg zu verdeitigen gelang uns einige Zeit, ich schlug mit meinen Leuten einen feindlichen Gegenangriff mit zurück. 1 Stunde später als die Engländer uns mit kolosaler Überlegenheit wieder angriffen und uns von links abzuschneiden versuchten, mußten wir uns wieder bis in unsern Ausgangs Stellung zurückziehen, Dabei viele in Gefangenschaft kamen, war die Stimmung bei Führer sowohl bei den Leuten sehr gedrückt, nach diesen Tagen hatten wir eine längere Ruhezeit, als die Kompanie wieder kampfsüchtig waren, gingen wir Ende Juli bei Upern [Ypern] in Stellung und nahmen in der Schlacht am 31 Juli teil. Dieser Tag war mir der schwerste den ich hier im Regt erlebte. Ich hielte mit meinem Zug die Wilhelms Stellung besetzt, als der Engländer mit heftiger Wucht unsre Stellung angriff, ich wurde fast völlig mit mein Zug durch Artillriefeuer eingebaut, ich selber wurde dabei 2 mal verschüttet, aber durch rasches Ausgraben von meinen Leuten allemal wieder befreit. Die Aufgabe war mir d. Stellung unbedingt zu halten, welches auch gelang, als der Feind unsre vordere Stellung überrante und die übrigen Teile an das Bataillon zurück mußten, hielt ich selbige hie noch auf, und ich mit meinen übrigen Leuten zum Gegenstoß überging, wir lagen da 80-100 m vor der Wilhelms Stellung, bis wir Abends abgelöst wurden.

Hiesch

Vizefeldwebel

G.

Gefreiter Mai

Erlebnisse des Gefreiten Mai beim Inf. Rgt. 94. 1. Komp.

Das Regiment lag gerade vor Verdun und zwar am Ost-Abhang der Höhe 304, als ich am 10. Juni 1916 von Regiment 167 ebendahin versetzt wurde. Dasselbe hatte schon zweimal versucht die Höhe volständig in seinen Besitz zu bringen[,] der erste Sturm mißglückte und der zweite blieb ein nur vorübergehenden Erfolg; denn der Gegner, dem am Besitze der Höhe ebensoviel oder noch mehr gelegen war, brachte sie im Gegenangriff wieder in seinen Besitz. Das Regiment mußte wieder in seine alte Stellung zurück. Der Gegner legte ein mächtiges Sperrfeuer auf unsere Linie. Wir unsererseits arbeiteten am Ausbau der Stellung, hoben Sappen aus, um uns näher an den Feind heranzuarbeiten. Am 1. Juli griff das 2. Batl. die Höhe von neuem an[,] aber ohne Erfolg. Den ganzen August hindurch begnügten wir uns damit, die Stellung zu halten und so gut wie möglich auszubauen. Am 8. September wurden wir abgelöst und kamen an die Somme. Ein Sturm auf die englischen Linien mißglückte; die feindliche Gegenwirkung war zu furchtbar. Hierauf durften wir endlich die wohlverdiente Ruhe in Brügge genießen. Leider dauerte sie nicht allzulange; aber unsere nächste Stellung war umso erträglicher. Wir waren nämlich einer Artil-Division unterstellt, mußten Unterstände bauen und sonstige Schanzarbeiten verrichten. Das dauerte 3 Wochen und war bei Westende. Von hier trug uns die Eisenbahn wieder an die Somme. Zwischen Serre und Miramont [Miraumont] war unsere Stellung. Es war gerade am heiligen Weihnachtsabend, als wir sie bezogen. Silvesternacht! Sonst aller[l]ei Belustigungen, Tanz und alles mögliche, jetzt aber ein furchtbares Trommelfeuer dasselbe in der Neujahrsnacht. Die meistern unserer Unterstände wurden eingetrommelt. Tote, Verschüttete überall. 10 Tage lagen wir hier. Dann winkte und die Ruhe in Escadeuver [Escaudœuvres]. 4 Wochen Ruhe, die uns aber durch schweres Exerzieren gehörig versalzt wurden. Wieder stand das Regiment an der Somme und zwar bei Serre. Von hier begann der viel gerühmte und vielbesprochene Rückzug. 40 km bis Coussi [Boursies] vor Cambrai hatten wir uns zurückgezogen. Am 15 April 17. sollte dieses Dorf dazu noch Duanie [Doignies] und Demicourt von uns genommen werden. Der Sturm glückte auch, aber gegen Abend kam Befehl, wieder in die alte Stellung zuückzukehren. Nach einer Ruhe von einigen Tagen in Ecarllong [Écaillon] wurden wir vor Reux [Rœux] eingesetzt. Unsere Kompanie lag rechts vom Bahndamm. Am 16. Mai wurden wir zum Sturm auf Dorf und Bahnhof Reux [Rœux] angesetzt. Schon beim ersten Anlauf war Dorf und Bahnhof unser. Abends aber griff der Feind mit überlegenen Kräften an; wir mußten beides räumen. Zum Glück wurden wir am selben Abend noch abgelöst und kamen 5 Tage nach [Bebieres?]. 6 Tage kamen wir nochmals in die alte Stellung. Am 27. wurden wir abgelöst und hatten vom 10 Juni bis 28 Juli Ruhe in Vijfwegen. Die Division war Stoßdivision; sonst das übliche Exerzieren wie immer. Am 28. wurden wir wieder eingesetzt. Rechts von Zoonebeke war unsere Bereitschaftsstellung. Am 31. rückten wir vor zum R.I.R. Am selben Tage um 4 Uhr legte der Feind ein furchtbares Trommelfeuer auf unsere vordere Linie. Der Engländer trat zum Sturm an. Die erste Linie wurde überrannt. Wir mußten vor zum Gegenstoß. Ein furchtbarer Kampf, schwere Verluste, aber der Feind war aufgehalten, und das war die Hauptsache. Nach solchen schweren Verlusten mußten wir herausgezogen werden und kamen am 5. August nach Eckeren bei Antwerpen in Ruhe. Hier bekamen wir Ersatz von [Beverkov?]. Antwerpen hatte eine gewaltige Anziehungskraft. Die Hälfte der lieben Feldgrauen war darin anzutreffen. 3 Wochen dauerte die Ruhe bis wir am 29. August wieder an die Arrasfront kamen. Wir liegen da links der Scarpe. War an und für sich eine ziemlich ruhige Stellung. Das einzige, war wir hier aus zustehen hatten, war das feindliche Minenfeuer. Einen Angriff hatte unsere Kompagnie nie auszustehen, wohl aber das 3. Batl. und 95. Wir lagen dort in dem einen schönen Barakenlager bei Gouy. 6 Tage wurden Linie, 6 Tage Bereitschaft, 6 Tage Ruhe, das war unser Frontdienst. In Bereitschaft wurde gearbeitet, eine neue Stellung ausgehoben, Munition, Draht und Munierrahmen geschleppt, in Ruhe exerziert. Am 7. November kamen wir weg nach Flandern. Einige Tage in Harlebeeke [Harelbeke?], dann im [Velmerbeekergut?], von dort in Stellung bei Staden. Hier fiel nichts besonderes vor, bis wir am 26. Nach Roulers [Roeselare] kamen. Nach einigen Tagen wurden wir bei Paschendale [Passendale] eingesetzt. Am 31. Abends gingen wir vor. Unsere Kompagnie war Bereitschaftskompagnie dem R.I.R. unterstellt. Zweimaliges heftiges Trommelfeuer, wobei mehrere unserer Löcher verschüttet wurden. Am 2. Dezember in aller Frühe setzte ein noch stärkeres Trommelfeuer ein. Es folgte ein Angriff, wobei der Engländer die ersten Linie durchstieß. Vor ihn legte sich als Riegel unsere Kompagnie. Er ging nicht weiter, sondern schanzte sich ein. Gegen Abend wurde er im Gegenstoß wieder zurückgeworfen. Das war am Herdhof. Hierauf kamen wir noch einmal in Stellung bei Westrosebeeke [Westrozebeke]. 5 Stunden brauchten wir da[,] um eine Strecke von 2 km zurückzulegen. Stockdunkle Nacht. Sumpf und Schlamm, bis über die Knie stecken die Leute oft drinnen. Hierauf wurden wir abgelöst und kamen am 20. Nach Bernem [Beernem] in Ruhe. Unsere größte Freude war, daß wir endlich einmal Weihnachten in Ruhe feiern konnten. Eine schöne Weihnachtsfeier bereitete uns hier die Kompagnie. Das Exerzieren war auch nicht schlimm, es war im Großen und Ganzen eine schöne Ruhe, dauerte aber nicht gerade lange. Am 13 Januar 18. kamen wir weg und zwar nach Staden. Zweimal rückten wir in Stellung[,] um dann in Ruhe nach Ruiselede zu kommen.

G.

Offizierstellvertreter und Verpflegungsoffizier O. Fritzsche I/94

Als am 1. August 1914 das deutsche Heer mobilisiert wurde, begann für alle Soldaten eine an Erlebnissen reiche Zeit.

Als Zugführer mit der 12. Kompagnie des Regimentes ausrückend, nahm ich an den Kämpfen des Jahres 1914 teil. Der 1. Januar 1915 brachte mir die Ernennung zum Verpflegungsoffizier des III. Bataillons, bis am 16. Januar meine Versetzung als Verpfl. Offz. zum I. Bataillon erfolgte. Ein vollständig neuer Dienstabschnitt begann. Nicht Heldentaten sind in dieser Dienststellung zu verrichten, sondern in rastloser Tätigkeit heißt es die Verpflegung für das Bataillon zu beschaffen.

Während des Bewegungs-Krieges im Osten besonders hohe Anforderungen an die Marschleistung der Verpflegungsfahrzeuge stellte, waren die Schwierigkeiten, unter denen das Vorbringen der Verpflegung im Westen geschehen muß, besonders groß. Unvergessen werden mir die Tage des Oktobers 1916 bleiben, als das Bataillon an der Sommeschlacht teilnahm.

Am 22. Oktober 1916 ging das Bataillon am Ostausgang von Grandcourt in Reservestellung. Die Gefechtsbagage hatte Unterkunft in Sapignies bezogen. Am 23. abends führte ich die Feldküche des Bataillons von Sapignies über Achiet le Petit, Achiet le Grand, – Irles, – Miraumont nach Grandcourt. In Miraumont angekommen, begrüßten uns die ersten feindlichen Granaten. Bei grundlosen Wegen in stockdunkler Nacht gings durch Miraumont. Als wir die Bahnunterführung bei Miraumont erreichten, wurde das feindliche Artilleriefeuer so stark, daß wir zunächst eine Pause eintreten lassen mußten, wenn wir nicht Gefahr laufen wollten Pferde einzubüßen. Nach kurzer Wartezeit gings im Trabe nach Grandcourt, dauernd im heftigsten Artilleriefeuer. Ohne Verluste kamen wir beim Bataillon an. Nach erfolgter Essensausgabe wurde die Rückfahrt angetreten. Kurz vor dem Eingang nac hMiraumont wurden durch eine einschlagende Granate die beiden Rückepferde der 1. Kompagnie verwundet. Glücklicherweise waren die Verwundungen nur geringfügig, so daß wir nach notdürftigem Verband die Weiterfahrt antreten konnten.

Am 27. war das feindliche Artilleriefeuer besonders stark. Ein Durchfahren von Miraumont schien ausgeschlossen zu sein. Doch was hilfts. Verpflegung muß her! Um möglichst Verluste zu vermeiden, lasse ich die Feldküche mit Abständen von 100m durch Miraumont fahren. Schlag auf Schlag krepieren die Granaten. Um ein Durchgehen der aufgeregten Pferde zu vermeiden, lasse ich die Fahrer und Begleitleute neben den Pferden gehen und diese am Kopfstück führen. Kaum haben wir die Mitte von Miraumont erreicht, als eine Granate in die Protze der Feldküche der 2. Kompagnie schlägt. Glücklicherweise ists ein Blindgänger und treten sonstige Verluste nicht ein; doch die Protze ist in Stücke gerissen. So schnell wie möglich wird die Feldküche abgeprotzt, notdürftig bespannt und weiter geht die Fahrt. Von dem Inhalt der Protze ist bei der herrschenden Dunkelheit und dem tiefen Schlamm leider nicht zu bergen. Im heftigen Feuer geht’s nun im Galopp durch Miraumont nach Grandcourt. Der Rückweg kam nach Nachlassen des feindlichen Feuers ungehindert angetreten werden.

Am 30. Oktobr. belegt der Feind abermals Miraumont mit starkem Feuer. Doch ungehindert kommen wir durch den Ort. Kaum haben wir die Bahnüberführung passiert, als eine Granate dicht vor dem Wagen der 2. Kompagnie einschlägt. Beide Pferde wälzen sich sofort am Boden. Schnell werden die Pferde abgeschirrt. Doch, o Schreck, das eine Pferd ist so schwer verwundet, daß ein Gnadenschuß aus der Pistole seinem Leben ein Ende machen muß. Durch das dauernde Einschlagen der Granaten werden die Pferde des ersten Wagens so unruhig geworden, daß an ein Halten nicht mehr zu denken ist. Vorwärtsjagend bleiben sie endlich mit dem Wagen in einem verschlammten Granatloch stecken. Nun heißts hier Hilfe schaffen. Im heftigen Feuer wird der Wagen entladen und aus dem Loch gehoben. Nachdem der Wagen von neuem beladen, geht die Fahrt weiter nach Grandcourt. Der Wagen der 2. Kompagnie muß die Strecke mit einem Pferde zurücklegen. Nachm dem Entladen bei den 4. Zügen wird der Rückweg ohne weitere Zwischenfälle angetreten.

O. Fritzsche

Offizierstellvertreter,

Verpflegungsoffizier I/94

 

Gel. Fr. S.

Sergeant Radix

Am 3.11.1915 wurde ich der 2. Komp. Inf. Rgt. 94 überwiesen. Seitdem habe [ich] an sämtliche Gefechte teil genommen. Am tolsten ging es auf der Höhe 304 zu. Wir hatten der Furch[t]bat unter den Feindl. Sperrfeuer zu leiden. Auch war es mir oftmals vergönnt bei den Essenträgern zusein. Der Anmarschweg war zimlich weit, und dazu noch ebenes Gelände. Also der Franzmann konnte uns schon Frühzeitig unter Feuer nehmen. Sobald wir an die „Bärentatze“ kamen[,] erhielten wir jedesmal eine Feuertaufe, nun hatten wir noch ungefähr 20. Minuten bis zur Höhe mit den Essenkübel auf die Schulter in Marsch[.] Marsch bis zur Höhe, wohselbst uns die Kameraden herzlich empfingen. Am 6/10.16. wurden wir Abgelöst, und kahmen noch einen kleinen Dörfchen[,] in welchem auch noch Französische Zivilleute wahren. Es war sehr unsauber[,] aber die holden Weibligkeiten waren stehts Schieck, sauber[,] aber im Haus wimmelte es von 4- und mehrbeinigen Quälgeistern. Aber trotzdem habenwir uns köstlich amüsiert. Von da aus kamen wir nach der Somme und dort war allersamt dicke luft, der Schlamm und dazu das Wasser ging uns Fast bis an die Ohren, an uns zu Waschen war nicht zudeknen. Das Haar muß uns zur Mähne , und Seife war uns fremd, auch putzten wir keine Sehne und wechselten auch kein Hemd[,] doch dieses Hindernis hate vielen Reitz und zieht der Reumatismus für Vaterland durchs Kreuz. Am 16/5 18. kamen wir nach Roucy, um 4 Uhr morgends brechen wir vor zum Sturm oberhalb[,] klapte Großartig[,] wir machten viele Gefangene. Von da aus kamen wir nach Flandern[,] woselbst uns der Große Englische Durchbruchversuch zum zurük halten beschieden war. Ich hatte den Essenträgertrupp[,] es war am 31/7 17 als wir unsern Kameraden Essen besorgen mußten. Aber wir wahren kaum an die Atelrie Stellungen angelangt, schon mußten wir die Gasmasken aufsetzen[,] es war eine Stockfinstere Nacht und war es kaum möglich eine Genaue Richtung einzuhalten von etwa Granatloch zum andern schlängelten wir uns vor. Um 4 Uhr morgends Gelangten wir zu vorderster Stellung. Wir wahren kaum dort[,] schon setzte das M.G. Feuer ein[,] kurz darauf Feuerwerfer und Feindl. Trommelfeuer[,] auch recht[s] oder links kamen Tancker angefahren. Es wahr wirklich allerhant Gewesen. Aber trotzdem haben wir uns auf Geraft und haben den Tomy tüchtig besorgt. Nun wurden wir abgelöst und kamen nach Eckern bei Antwerpen in Ruhe[.] Dort haben wir die Leiden schnell vergessen[,] es war auch wirklich schön da.

Da wir nun im Osten freie Hand und Luft bekommen haben[,] wird der allgemeine Frieden hoffentlich auch bald kommen. Den nach all den herlichen Siegen unserer unbesiegbaren Truppen, sehnt sich doch ein jeder alter Träger nach so langer Zeit nach sein trautes Heim[.] Aber [?] müssen wir immer noch an die alte Parole Fest halten „haltet Aus!“

Sergeant: Radix

Gelesen [Unterschrift]

G.

Krankenträger Wilhelm Kolb

Im Felde, den 15 März 1918

Bericht.

Über erlebnisse[,] die ich, beim Intf. Regiment 94 mitgemacht habe,

Ich der Ldstfl. Wilhelm Kolb, bin seit dem 13 Juni 1916 zum 2ten mal bei der 1 Kompanie Intf. Regt 94[.] Habe die Gefechte auf Höhe 304 mitgemacht, die schwersten Stunden waren für uns die bei der ablösung wegen den feindlichen Sperrfeuer über die Bärentatze und wasserlöcher nach der Höhe, da ging es immer im Galopp, bis an das erste Blokhaus, da wurde erst mal nach Luft geschnappt, da war es dann ein jeden Kamerade wie ein Stein vom Herzen gewälzt, und machte die Angriffe mit bei Grankour da war nun unser schlimmste Stunde der dicke schlamm, wo man durch mußte, und das andauer schwere Artelrifeuer, 26 Oktober machte das 1 Batl. ein Angriff welche ich mit bei war, kam dann als Krankenträger nach den Angriff inbetracht, nach den Angriff ging ich und noch 1 Krankenträger vom Regt 109 und 2 Krankenträger von unser Regt 94  über Dekung vor unser Schützenlinie und suchten unser zurückgebliebenen Kamerade die durch feindliche Kugel und Granatfeuer verwundet waren, auf, welche wir verbinden taten, und zurük brachten nach dem ersten Verbandsplatz, Wir machten bis an den feindlichen Graben uns heran, konnte sehen, daß der feindliche Graben stark besetzt war, auch hat sich der Engländer mit uns unterhalten, weil der Feind blos vor uns herausfinden wollte, ob auch zwischen den verwunden und Gefallenen Kameraden Offzieren dabei waren, weil der Engländer für jeden deutschen Offzier eine Belohnung erhält, wie wir uns daraus nehmen konnte,

Auch habe wir Weihnachten 1916 schwere Stunden gehabt und das Neujahr 1917 mit großen Lebensgefahr Angefangen, welcher uns der Feind auf unser abschnitt der 1. Comp. ein Feuerüberfall machte, welche uns unser Stollen zusammen schossen, und wir alle dachten wir verloren, aber doch waren wir im großen Granatfeuer fest bei der Arbeit und wieder die verschütteten Kameraden zu retten, welche wir mit schweren Lebensgefahr die Kameraden wieder an Gottes frechen Natur brachten, 4 Kamerade waren dabei doch erstikt, konnten nus als Leichen geborgen werden,

Auch war ich bei Sturm am 15 Aprill 1917 mitbeteiligt, und habe meine Pflicht ausgeführt, wo wir den ganzen Tag bei den nassen Boden, schwere Stunden hatten, und viele verwunde Kamerade zurük zu tragen hatten,

Dann am 16 Mai 1917 bei Arras an der Scarpe mit großer überanstrengung unser Kameraden ua sdem Feuer des Feindes herausgeholt, welche es viele verwunde gegeben hat,

Am 31 Juli 1917 war unser Regiment auch die ersten welche bei der großen Flandernschlacht beteiligt war, Ich stand gerate Gasposten und beobachtungs für Leuchtkugel, am morgen den 31 Juli kurz vor 5 Uhr sah ich rote Leuchtkugel auf unser Abschnitt hoch gehe, ich meldete es sofort unser Kompanieführer welche sofort die Comp. Alarmirt und nach vorne ging, schon kam der Feind immer näher, und sah schon die Tanks des Feindes von rechts kommen, und die Kompanie welche ausgeschwärmt sich vorwärts bewegte, und wir durch schwere Granatfeuer empfangen, auf einmal hörte ich ein Hilfeschrei, welche mir die Kamerade gleich miteilte, rechte ein Volltreffer, ich machte mich von links nach rechts, und mit schwerer Mühe bei den starken Granatfeuer. Konnte wir unser Kamerade noch retten, welche nur Verschüttet waren, und leicht verwundtet durch Granatsplitter, Es war 1 Zugführer und 3 Mann, Ich habe sie verbunden, und wie sich etwas erholt hatten, von den schweren schreken, war sie wieder bei Sinne, da konnte sie noch alleine zurük gehen zum Verbandsplatz, und ich konnte dann noch bei den andern verwunden Kameraden zu Hilfe kommen.

Auch am 2 Dezember hatten wir ein feindliche Vorstoß wieder unser Regiment, zurükgeworfen, da gab viel Arbeit als Krankenträger, und mußten den ganzen Tag unter feindlichen Maschinengewehrfeuer machen Kamerade zu Hilfe sein, und auf den Bauch zu liegen, manchen Kamerade zurükzubringen, wegen andauertes Maschinengewehrfeuer und dann durch der schlamm noch mit, wo wir mit jeden Verwunden Kameraden mit durch mußten,

Geschrieben den 15 März 1918

vom Krankenträger

Wilhelm Kolb

G.

Gefreiter Patengl

18/3.18               2/94

Bericht

Kam am 21.7.1916 zur 2. Kompanie Inf. Regt. 94[,] nahm an allen Unternehmen der Kompanie teil. Auf der Höhe 304 ging ich das erstemal in Stellung es wollte uns gerade nicht so recht behagen denn es war immerhin Marsch von 3 Stunden und wenn es mal recht schlechtes Wetter war so bekam man kaum die Beine vorwärts, auf der „Bärentatze“ bekamen wir den ersten Zunder und durch die Wasserlöcher kam das Mienenfeuer dazu, waren aber die ersten 8 Tage rum[,] so waren wir wieder in unsern Ruhelager genannt Nußbaum-Ferm, gleich den ersten Frühmorgen so hieß es jedesmal Korporalführer Post empfangen das war das schönste wenn von der Liebsten ein so recht neigender Brief oder von zuhause ein Fettpaket kam, das ging bis in Oktober wir wurden abgelöst. Wie verlebten einige Wochen Ruhe was uns sehr angenehm war, darnach kamen wir an der Somme in Stellung wo das Schlammassel noch etwas größer war wie auf der Höhe 304 vielen unsere Kameraden liesen die Stiefeln stecken. Im Juni kamen wir nach Flandern wo wir richtig Flanderns Granatlöcher messen mussten, aber doch ein stolzer Feldgrauer läst den Kopf nicht sinken; nach dieser Zeit kommt auch wieder andere. Dann in Flandern gab es auch schöne Quartiere, wo wir verdiente Ruhe fanden, und dann kamen wir bei Arras an der Scarpe in Stellung. Hier ging es so einigen masen, als diese Zeit rum war[,] kamen wir wieder nach Flandern[,] wo wir jetzt noch sind.

Gelesen [Unterschrift]                   Gefr. Patengl      G.

Unteroffizier Muthesier

6/94      Verdun, Höhe 304

17.5.-4.9.16.

Vom 17. bis 21. Mai 1916 war die 6. Kompanie zum ersten mal bei Verdun eingesetzt. Da wir bis dahin in einer ruhigen Stellung gelegen hatten und ich nun dass erste mal in schweres Artilleriefeuer kam, sind mir diese Tage in besonders lebhafter Erinnerung geblieben.

Die Kompanie hatte einen Graben zu besetzen, der seine Flanke der französischen Front zu kehrte, sodaß wir fast ununterbrochen dem schweren Flankierungsfeuer der französischen Artillerie ausgesetzt waren. Die Ablösung vollzog sich unter Führung von Leutnant Bockmann trotz aller erschwerenden Umstände glatt. Aber dann sahen wir uns freilich vor Aufgaben gestellt, an die wir nur nicht zaghaft heran gingen. Da lag ein gefallener Franzose, der bis zur Unkenntlichkeit verwest war und durch einen mörderischen Geruch den Graben verpestete. Der mußte beseitigt werden. Da war der Graben voll Schlamm, daß wir bis an die Waden in der Nässe standen – und wir waren doch von Caisnes her gewöhnt, jeden Morgen unsern Schützengraben mit dem Besen fein säuberlich aus zufegen. Da gab es auch keine Unterstände. Ein trockenes Fleckchen gesucht und sich dort so häuslich wie möglich eingerichtet.

Die erste Nacht schlich unter Postenstehen und Arbeiten dahin. Im fahlen Schein der Leuchtkugeln sahen wir, daß wir am Fuße eines Berges lagen. Wir betrachteten ihn mit erfurchtsvoller Scheu, als es hieß, das sei die vielumstrittene Höhe 304, von der wir in Zeitungen gelesen hatten. Und nun ein kriegerisches Bild: oben schien sich ein Angriff vorzubereiten. Die Luft wimmelte von Leuchtkugeln hüben und drüben, das Feuer steigerte sich zu erregter Heftigkeit. Die Maschinen-Gewehre knatterten in immer kürzeren Pausen. Aber als es hell war, wurde es ruhiger und ruhiger.

Drei Tage lagen wir in diesem Graben. Die Verluste waren beträchtlich: nicht nur, daß die Mehrzahl der Gruppenführer außer Gefecht gesetzt wurden, auch die Kompanieführer, dessen Führung alles voll Vertrauen folgte, mußte die Kompanie ihrem Schicksal überlassen.

In der dritten Nacht – ich stand gerade Posten – setzte unsere Artillerie urplötzlich mit einem überwältigenden Feuer ein. Es war, als ob auf einen Schlag die Luft über uns von zahllosen zischenden Nadeln durchschnitten würde. Das Feuer hielt an bis zum Morgen, da gingen unsere Sturmtruppen vor – und bald verbürgten uns hunderte von Überläufern, die mit erhobenen Armen auf unseren Graben zuliefen, ihren Erfolg. Nun mußten auch wir das Seitengewehr aufpflanzen und auf den Kamm der Höhe los gehen. Oben angekommen, lichteten die französischen Maschinen-Gewehre unsere Reihen. Wir schanzten uns notdürftig ein, indem wir die Trichter durch einen Graben verbanden, und warteten auf die Ablösung. Die denn auch um Mitternacht glücklich eintraf.

Untffz. Muthesier

6/94

[Unterschrift: Hock]

1. A. d. K. F. Leutnant d. R.

Sergeant Herbert

Im Felde, den 17.3.1918.

Im Oktober 1916 rückten wir mit in die Somme-Schlacht. Zu Ende des Monats wurden wir in erste Linie vorgezogen, nachdem wir eine Nacht in der Stahlmulde, eine verlassene Artilleriestellung, gelegen hatten. In der ersten gab´s gar bösen Dunst. Der Tommy hatte da anscheinend im Sin,, uns mit Bonbons reichlich zu füttern. Leider konnten wir dieselben aber schlecht verdauen. Also gegen Morgen kamen wird endlich in Stellung an. Ich muß das Wort endlich betonen, weil wir, anstatt um 1 Uhr in 1. Linie zu rücken, kurz vorm Morgenrot daselbst ankamen. Und warum? Die Führer, die uns beigeeben waren, konnten den Weg absolut nicht finden, was ja auch mit an der kollossalen Dunkelheit, vermischt mit ziemlich viel Regen, liegen mochte. Trotzdem, wenn ein 94er uns den Weg weisen sollte, ich bin der festen Überzeugung, daß wir nicht so im Gelände rumlaufen brauchten. Als uns gesagt wurde, wir ziehen in erste Linie, dachten wir, daß wir einen richtig gehenden Graben vor uns hätten; aber uns sollte ein anderes Licht aufgehen. Zuerst kamen wir durch etwas tiefer liegende Trichter, die als Laufgraben bezeichnet waren; kurz, eine Stellung war garnicht vorhanden. Trichter an Trichter, in welchen die auf Ablösung harrenden Jäger lagen. Ich bekam den Auftrag, mit meiner Gruppe den Sappenkopfposten abzulösen. Wir gingen nun vor und als wir an einen Posten kamen, den wir für den Sappenposten hielten, wies uns derselbe noch weiter vor und weiter ging´s. Trotz größter Anstrengung konnten wir aber keinen Posten finden; und doch fanden wir etwas: es war zwar kein Sappenkopf; aber ein verlassener Unterstand. Ich hielt es nun für´s Sicherste, denselben zu beziehen und stellte meine Posten aus. Der Tag brach bald an, und da sahen wir, wo wir steckten. Unweit vor uns lief der Tommy in seiner Stellung umher. Zurück konnten wir nicht, also blieben wir, wo wir waren. Mit echter Frechheit eines deutschen Soldaten wurde erst der Morgenkaffee gekocht und schöne, selbstgeröstete Zwiebacke dazu gegessen. Hernach zogen wir die unentbehrlichen Karten heraus und ein Skat wurde geklopft. Wie aber der Abend kam, war mein erstes, daß ich eine Patrouille nach hinten schickte, die die Komp. suchen sollte. Mir wurde bald gemeldet, daß die Komp. ziemlich weit zurück liegt und zog ich mich nun mit der Gruppe zurück. Mit großer Freude wurden wir empfangen, hatten die Kameraden doch angenommen, daß wir längst beim Tommy wären und war auch schon beim Bataillon gemeldet, daß ich mit meiner Gruppe vermißt wäre. Gottseidank war dies nicht der Fall und war keiner froher als wir, wieder in der Mitte der Unsrigen zu sein.

Ersatzreservist August Most

Bericht des Ers. Res. August Most 3. M.G.K. I.R. 94. über den Erwerb des Eis. Kreuzes II. Klasse.

Nachdem ich seit März 1915 sämtliche Gefechte bei der 9/94 mitgemacht habe[,] wurde ich am 15.12.16 zur 3. M.G.K. versetzt und wurde als Fahrer kommandiert. Meine Hauptaufgabe bestand darin Verpflegung und Munition in Stellung zu fahren, was mir des öfteren recht Beschwerde machte. So an der Somme [,] wo wir die Räder bis über die Achsen im Schlamm, bei stärkstem Artilleriefeuer fast täglich nach vorne fahren mußten. Ebenso erging es mir bei Arras und in Flandern. Am 31.7.17. bei Zonnebecke [Zonnebeke] war das Artilleriefeuer zu einer ganz ungeheuren Stärke gesteigert. Wir waren zur Zeit des Angriffs in den frühesten Morgenstunden des 31. Auf der Rückfahrt[,] als das heftige Feuer einsetzte[,] man glaubte nicht mehr an ein Durchkommen. Leider mußte da die Kompagnie auch 1 Wagen und 2 Pferde einbüßen. Mit gelang es jedoch glücklich durch das Feuer zu fahren

Ers. Res. August Most

Zeugen.

Muskutier Otto Schmidt

Musketier Bernh. Renner.

 

Gelesen

[Unterschrift]

Leutnant der Res. + Komp.-Führer

Schütze Willi Ortloff

Bericht: des Schützen Willi Ortloff 1. Masch. Gew. Komp. 94. über die Verleihung des E.K. II. Kl.

Am 27. Juli rückte ich mit der 1. Masch. Gewehr Komp. in Stellung. Ich war dem 7. Gew. unter Führung des Gef. Gruschwitz zugeteilt. Wir lagen nordwestlich Zonnebecke [Zonnebeke] in Bereitschaft. In der Nacht vom 30. zum 31. Verstärkte sich das feindliche Artilleriefeuer. Von 11 Uhr abends an, wurden wir auch schwer vergast. Gegen morgens 4 Uhr machte ich mich mit einem Kameraden auf den Weg, um Verpflegung herbeizuschaffen. Ungefähr 5 Uhr gelangten wir glücklich zu unserm Zugführer. Dieser ließ uns der starken Vergasung wegen nicht weiter. Nachdem gegen 5 Uhr das feindliche Artilleriefeuer sich aus höchste gesteigert hatte, setzte die feindliche Infanterie, unterstützt durch Tanks, und Flammenwerfer ihren Angriff ein. Sofort schloß ich mich, dem nächsten Gewehr, welches Stellung genommen hatte, an und unterstützte dasselbe durch Heranschaffung von Munition. Die englische Infanterie konnte sich doch, unterstützt, durch die moralische Wirkung der Tanks bis auf kurze Entfernung an unsere Stellung heranarbeiten. Nun war auch unser Kompf. zu uns gekommen[,] sofort wurde ich bestimmt eine Meldung zum Regimentsgefechtsstand zu bringen. Trotzdem der Feind schwerstes Artilleriefeuer auf das rückwärtige Gelände legte, gelang es mir durch schnelles Springen von Granatloch zu Granatloch meine Aufgabe zu erfüllen.

Ges. Oberlnt. [Unterschrift]

 

Zeugen

Schütze August Höhle

Gefr. Mechelke

Gefreiter Hartmann

Im Felde den 17/3. 18.

Bericht über meine Erlebnisse beim Rgt.

Rückte mit der Comp. In der Nacht vom 26/7 zum 27/7 17 bei Zonnebeeke in Stellung. Am 31/7 morgens 2 Uhr fing der Engländer an, unsere Stellungen mit Gas und schwerer Artillerie zu beschliesen, dies dauerte bis fünf Uhr. Um fünf Uhr griff er dann mit starken Kräften an und drang bis zu unserer zweiden Stellung vor. Gegen acht Uhr trat ich mit der Comp. Zum Gegenstos an und warfen den Gegner ein Stück zurück und verteidigten uns bis Nachmittags drei Uhr. Links hatte uns der Gegner überflügelt[,] deshalb kamen wir acht Mann in Gefangenschaft. Wir wurden von vier Mann ab transportiert. Auf den Wege nach der feindlichen Lienie verstäntigten wir uns durch Zeichen und lasten den Moment ab, um uns wieder der Gefangenschaft zu entziehen. Auf ein gegebenes Zeichen fielen wir über den Gegner her und überwältigten letzteren. Bei Dunkelheit kamen wir wieder bei der Komp. an und wurden am selbigen Abend noch abgelöst.

Gefr. Hartmann

gelesen [Unterschrift Hock]

Leutn. d. R. u. Komp. Führer

Schütze E. Brand

Kriegserlebnis des Schützen E. Brand.

1.M.G.K.

In der Nacht vom 27. zum 28.7.17. rückte ich mit Gewehr Wolffs in Stellung; dieselbe bezogen wir in dem Gehöft Strohgut an der Straße Zonnebecke [Zonnebeke ]-Ypern. Obwohl die Artillerietätigkeit an den folgenden Tagen ziehmlich stark war, verlebten wir sie ganz ruhig. Jedoch in der Nacht vom 30. Zum 31.7. beschoß uns der Gegner bis zum frühen Morgen mit Gas und griff morgens 5 Uhr mit einem wirksamen Feuerüberfall an. Wir waren Sicherheitsbesatzung und beschossen die vor uns liegenden Tanks und Truppen. Meine Aufgabe war auch in solchen schweren Feuer dauernd zu beobachten[,] wo der Feind sich am ersten nähert.

Für meine Tapferkeit erhielt ich am 19. März 1918 das E.K. II. Kl.

Untffz. Karl Wolff

Gefr. Otto Schmidt

Wehr. Ernst Möller

 

Gel. [Unterschrift]

Musketier Kurt Reißmann

Bericht des Muskt. Reißmann 3. M.G.K. über den Erwerb des Eisernen Kreuzes II. Kl.

Am 28.7.17. rückte ich mit meiner Komp. in die Stellung bei Verlorenhoek. Ich war meinem Gewehr als Essenträger zugeteilt. Am 31.7. früh war ich gerade mit dem andern Essenträger zurückgegangen[,] um die Verpflegung zuholen, als plötzlich starkes Sperrfeuer einsetzte. Wir gelangten zum Fahrzeug, aber infolge des starken Feuers, was es uns doch nicht möglich, die Verpflegung zuempfangen, auch wurde der Wagen nach kurzer Zeit durch einen Volltreffer zerstört. Sämtliche Essenträger darunter auch ich versuchten wieder zu den Gewehren zurückzukehren, aber es war nicht mehr möglich. Entschlossen bewaffneten wir und jeder mit einem Inf. Gewehr und nahmen an der Bekämpfung des Gegners teil. Später meldete ich mich beim Regts. Gef. Stand, und wurde dann 1 Gewehr der 1. Masch. Gew. Komp. zugeteilt. Wie besetzten dann einen der Stützpunkte, von wo aus wir den Engländern durch gutgezieltes M.G.Feuer große Verluste beibrachten.

Kurt Reißmann

Zeugen:

Musk. Seifert

Musk. Rosenbusch

 

Gelesen

[Unterschrift]

Leut. D. Res. + Kp.Führer

Viezefeldwebel Kneifel

Houthoulster Wald

26.1.-4.2.18.

recht gut

Bericht

des Vfvw. Kneifel vom 2.II.18

Ein nächtlicher Spaziergang am Houthulster Wald.

Wundervoller Mondenschein – gleich duckenden Gestallten stehen die alten Wunderbäume und spiegeln sich in dem blinkenden Wasser der riesigen Granattrichter zwischen dem dunklen Moor. – Über dem Bahndamm zu dem Posten geht mein Weg; eigenartig leuchten die zersplitterten Spitzen der zerschossenen Bäume herüber vom Houthulster Wald, kreuz und quer liegen Stämme, lustig tanzen die Mondlichter auf den vom Winde leicht bewegten Zweigen des Unterholzes. Posten an Posten geht´s vorbei, sie lauschen angestrengt, denn der leise Wind läßt die todmüden Weiden knarren und ächzen. Daneben im schwach gegen Witterung und Artl. Feuer schützenden Unterschlüpfen liegen die Leute in die Mäntel gefüllt, alarmbereit, erst vor kurzer Zeit haben wir dem Tommy diesen Stützpunkt entrissen, so schnell verschmerzt er so einen Verlust nicht. Auch mag er kommen, wir sind bereit.

Weiter auf schmalem Pfade, an den Rändern der dunklen Granattrichter entlang führt mich mein Weg. Die dunklen Umrisse des Patrouilienpostens heben sich ab gegen den hellen Nebelstreifen, der dicht, doch schmal über dem Teich liegt und hell im Mondenlicht leuchtet. Mein Weg führt mich zur hohen Weidenreihe, in der unsere M.G. Posten gut gedeckt aufgebaut sind. Kurze geflüsterte Worte – dann weiter, noch zum rechten Flügelposten der Nachbarkompagnie. Auch hier ist alles in Ordnung. – Heimwärts geht’s, in den Unterstand; da knistert ein warmes Feuer. – Ein Schluck heißen Tees, die Meldung geschrieben und dann sich mollig gestreckt. Leise noch summe ich ein Liedchen, harrend der Pflicht bis sie mich wieder ruft. –

Kneifel Vzfw.

Kenntnis genommen.

I.a.d.R.I

[Unterschrift Hock]

Leutnant d. R.

Musketier Vogler

Auszug vom 9. u. 10.III.18.

Am späten Nachmittag des 9.III.18 bekam die erste u. vierte Komp. erstes Batl., welches sich noch der Ruhe erfreuen durfte[,] um dann mit frischen u. neuen Kräften in den Kampf einzutreten[,] hier einen glücklichen Frieden u. eine sichere Zukunft, den Befehl, Material zu Drahverhauen in die vordere Stellung zu schaffen. Von unserer Komp. wurden daher 2 M.G. Gruppen u. eine Inf. Gruppe bestimmt. Pünktlich am 10 III frühmorgens 3 Uhr sanden die Gruppen bereit den Marsch nach dem Pionier-Park Westerosebeke [Westrozebeke], unter Führung des Herrn Leutnant Bleich anzutreten, welchen auch die Gruppen bis zum Pionier-Park Ostnieuwkerke [Oostnieuwkerke] konnten wir auf festen Wegen gehen[,] dann mußten sich aber der Zug in Reihen über die Roste[,] die über das unendliche Trichterfeld gelegt sind[,] zum besseren u. schnelleren vorkommen in die vorderste Stellung nach dem Pionier-Park Westerosebeke [Westrozebeke]. Dort angekommen wurde mir das Material[,] welches aus Drahtrolle und Pfählen bestand[,] zugeteilt. Die drückende Last auf den Schultern glitt der Zug langsam weiter teils auf Rosten teils auch auf zerschossenen Wegen. Die Sterne blinkten hell am Horizont u. Leuchtraketen erhellten uns zuweilen den Weg. Plötzlich um 5 Uhr, nicht mehr allzuweit von der Haubtwiederstandslinie entfernt, setzte feindliches Artilleriefeuer in einem großen Abschnitt[,] indem sich auch unser Pfad sich hindurch schlängelte. Unsere Gemüter erregt, durch das platzen der Granaten in unserer Nähe ging es im Laufschritt, oftmals durch Fehltritte in die mit Wasser gefüllten Trichter versinkend nach dem bestimmten Platz. Am Bestimmungsort angekommen suchten wir gleich Deckung hinter den zwei Stollen, die sich dort befanden und lauschten dem zwischen u. krachen der Granaten[,] die in unserer Nähe einschlugen[,] um so lange dort zu verbleiben[,] bis sich das Feindliche Feuer beruhigte. Das Feuer hält aber an u. wir wurden schließlich durch das Morgengrauen gezwungen unseren Rückmarsch anzutreten[ um noch in der Dämmerung aus dem Feuerbereich zu kommen. So traten wir den Rückmarsch an in ein Eilmarsch[,] ging es über die Roste zurück. Von 6 Uhr ab legte sich allmählich das Feindliche Feuer. Glücklich und ohne Verluste kamen wir um 7 Uhr in unseren Quartieren an.

Musketier Vogler. 1/94.

g.

Landsturmmann Krüger

Wie ich mein Eisernes Kreuz II. Klasse erwarb

In der Nacht vom 15. zum 16. [März] 18 wurden wir mit einigen Kameraden der Kompanie der ehrenvolle Auftrag  die Leiches unsers Kompanieführers Ltn. d. Ldwehr Reitz und des Krankenträgers Untoffz. Bienensack aus vorderer Stellung zwecks Beisetzung zurück zu führen. Auf unsern Vor- und Rückmarsch erhielten wir starkes Artillerie u. Maschinengewehr Feuer. Außerdem haben wir noch einen schwer verwundeten unserer Kompanie glücklich zurück bringen können. Unsern Auftrag haben wir trotz schweren Feuers ehrenvoll erfüllt. Für diese Tat und mit Rücksicht auf meine längere Dienstzeit bei der Komp. wurde mir zum 17.3.18. das Eiserne Kreuz II. Klasse verliehen.

Als Zeugen meiner Taten nenne ich den Gefrt. Schmidtchen und den Ldstrm. Jamnnemann.

Ldstrm. Krüger

  1. Komp. I. Regt. 94.

Zeugen: Gefr. Schmidtchen

Ldstrm. Hannemann

Musketier Peter Wüsthofen

Bericht des Musketiers Peter Wüsthofen über Verleihung des Eisernen Kreuzes II. Klasse

Am 8ten August 1917 kam ich zum 5ten Thüringischen Infanterieregiment (Großherzog von Sachsen) zur 4ten Comp. Von da ab nahm ich an allem Anteil. Am 12ten März 1918 machte ich eine Aufklärungspatrollie mit. Dafür erhielt ich das Eiserne Kreuz II. Kl.

Musketier Peter Wüsthofen

Zeugen Musket. Weiser 4te Comp.

Gefrt. Andäng

Gelesen

[Unterschrift]

Leutn. u. Komp. Führer

Gefreiter Fr. Grimm

R.I.R. 94. R. St. Qu. 6.3.18.

Sr. Hochwohlgeborenen

Herrn Hauptmann Freiherr von Gregory

Pers. Adjut. Sr. Kgl. Hoheit des Großherzogs

Als Nachtrag zur ersten Sendung

Ab.

[Unterschrift]

Gefr. Fr. Grimm

  1. Komp. R.I.R. 94.

3./R.I.R. 94 Dem Bataillon weitergereicht

i/Res. 94.            

Dem Regiment 5.3.18.   6.3.

[Unterschrift]

Lt. u. Kompf.

[Unterschrift]

Hauptmann u. B. Kdr.

Flandern

In einem recht flandrischen Dorfe mit den eigentümlichen einzelgelegenen Gehöften, den großen wasserumgrenzten Weiden liegt das Batl., bereit, jede Stunde eingesetzt zu werden. Tag und Nacht hören wir das Getrommel an der Front u. sind uns bewußt, daß wir selbst bald mit eingreifen werden. Erst ist die Stimmung allgemein, doch abends sitzen wir in unserm Quartier, singen unsre Thüringer Heimatlieder, u. die Familie des vlämischen Wirts kauert am Kamine u. lauscht den fremden Klängen.

Da kommt am Mittag des 4. Oktobers [1917], des Großkampftages, der Alarmbefehl. Durch zerschossene Ortschaften führt uns der Anmarschplan ins Trichterfeld. Reihenweise geht’s im Marschmarsch durchs Sperrfeuer, aber trotzdem gibt’s bittere Verluste. Die M.G.K. unsres Batls, die vor uns marschiert, erhält etliche Volltreffer, u. im Vorwärtseilen grüßen wir die jungen schwerverwundeten teils zerrissenen Kameraden, die kurz vorher mit uns aus Thüringens Landen gekommen waren, zum letzten Male. „Di Herzen zusammengerissen, di Zähne zusammengebissen und vorwärts“ – Di Worte muß Walter Flex aus einem flandrischen Anmarschwege geprägt haben. Di Dunkelheit bricht herein, rechts u. links flammende Dörfer, schauerlich schlagen di Bohnen der Brandgranaten gen Himmel, wie Opferfeuer eines antiken Leichenbegängnisses. Endlich sind wir vorn. In den Trichtern werden kleine Höhlen eingebaut, mit Eisenbahnschwellen u. Dachpappe notdürftig gedeckt; so sucht man sich, wie mit Zeltbahn u. Sanddämmen, gegen den unaufhaltsamen niederrieselnden Regen zu schützen. Doch alles ist umsonst. Das Wasser steigt immer höhen im Trichter; kaum kann man mit den Kochgeschirren genügend schöpfen. –

Und immerzu trommelt traurig auf unsre Stellungen, dieweil di Flieger dutzendweise über uns umhersurren. Man hockt in den Erdlöchern, sich gegen Sich zu decken, hört di Splitter pfeifen u. starrt gedankenlos vor sich hin. Di Nacht bricht herein, alles zieht auf Posten. Über den Trichterrand schauen wir ins öde Feld, der Regen rieselt unaufhaltsam nieder, vom Stahlhelm rinnen di Tropfen in den Nacken, an den Manteltaschen staut sich das Wasser u. sichert in di Stiefel, der Körper zittert in Fieberschauern, mir tanzen die Gedanken durcheinander, ohne Sinn u. Zusammenhang. Di heimatlichen Täler u. Berge fliegen am nächtlichen Himmel vor meinem Auge umher, im Kreise der Lieben sehe ich mich daheim – da platzt eine Granate dicht vorm Rande; – hinweg, alberne Gedanken, wir sind in der Flandernschlacht. Doch der Wille ist nicht Herr übers Hirn. Ich sehe im Geiste den Hamburger Hasen, das Heer der Schiffe, di einst di Früchte deutschen Erfindungsgeistes, deutschen Fleisches über di Meere hinaustrug in alle Welt. Und so solls wieder werden! Darum hoch den Kopf, moralisch wenigstens! Fröstelnd raffe ich mich zusammen u. stiere ins Dunkel. Wills denn immer noch nicht tagen? Di Nacht ist so lang, so entsetzlich lang! Und di 12 Stunden schleichen so träge dahin; noch immer ist man ans wassergefüllte Granatloch gebannt. Endlich, endlich grauts im Osten; ich höre nicht mehr das zermürbende Gekrache, Tag wird’s ja! Wann wird sich di Prophezeiung der alten Tragödie erfüllen:

Mit froher Kunde, wie´s im Sprichwort heißet, wird das Morgenrot uns kommen von der  Mutter Nacht.“

Erschöpft wanken di Posten in ihre Höhlen. Im Brotbeutel finde ich ein durchweichtes Reklamheft; Mörikes Gedichte sinds; ich schlage aufs Geratewohl eine Seite auf und lese:

„Herr schicke, was du willt,

Ein Liebes oder Leides.

Ich bin vergnügt, daß beides

Aus ein deinen Händen quillt.“..

Schweigend sitzen di Kameraden da; jeder hat seine eigenen Gedanken. Wir haben alle das Dasein unsers Gottes wieder einmal erfahren u. das Vertrauen auf ihn gibt Kraft. Wie rief doch der deutsche Philosoph seinen Studenten zu, di in den Freiheitskrieg zogen?: „Willst du Gott schauen, wie er in sich selbst ist, von Angesicht zu Angesicht? Such´ ihn nicht mehr jenseits der Wolken, du kannst ihn allenthalben finden, wo du bist. Schaue an das Leben seiner Ergebenen, u. du schauest ihn an, ergib dich ihm selber, u. du findest ihn in deiner Brust.“

Und mancher, glaube ich, hat ihn in sich gefunden. Wohl krachts u. heults um uns herum – doch „Tod, wo ist dein Stachel, Hölle, wo ist dein Sieg?[“] Das Gefühl der Ängstlichkeit ist gewichen. „Wie´s kommt, so wird’s gefressen, mein lakonisch mein erprobter Hamburger Kamerad; – ist´s nicht dasselbe wie das „dein Wille geschehe“?

Zwölf Nächte und zwölf Tage gehen dahin. Wir stehen staunen u. blicken nach Westen. Aber soviel der Engländer auch trommelt, einen Angriff wagt er nicht. Er hat es oft genug erfahren, daß der Deutsche seinem Eisenhagel standhält u. im Nahkampfe di Stellung behauptet, weil für ihn der Krieg etwas anders ist als eine Geldspekulation, weil jeder Deutsche an der Front im Gedanken an die Heimat di Wahrheit des Lutherwortes an sich selbst erfahren hat: „Den Kriegs- oder Schwertsamte muß man mit männlichen Augen zusehen; so wird´s sich von selbst erweichen, daß es ein Amt ist, an sich selbst göttlich und der Welt nötig u. nützlich.[“]

 

Lothringen

[In blauer Schrift: ?]

Von Flandern kamen wir aus dem schreckenvollen Trichtergelände bei Zonnebeke. Und nach Deutschland sollte es gehen; zwar nicht in den Frieden unserer Thüringer Heimat, sondern nach Lothringen in di Stellungen, wo man aus der vordersten Linie zum Schulschießen rückt, wie uns bayrische Kameraden auf der Fahrt von Douai nach dem Norden versichert hatten. Aus der Trommelei sollten wir heraus kommen, deutsche Städte u. Dörfer sehen, endlich einmal wieder anstatt der welschen u. vlämischen Laute deutsche Zungen hören – Der Gedanke hob di gedrückte Stimmung bald, ein Kamerad vom Walde stimmte ein Liedchen an, und alles fiel freudig ein. So brachte uns der singende Zug nach Lothringen.

Bald gings in die herrliche Stellung. Die Höhen erinnerten uns an unsre Thüringer Heimat, der Delmer Rücken grüßte den Posten, der sich kaum bewußt war, daß hier Krieg geführt würde, di Geschütze schwiegen meist, u. schossen sie ja einmal, so klangt uns wie di Böllerschüsse eines Schützenfestes.

Und war in Flandern auch di Stimmung gesunken, der frische Mut, des Draufgängertums, war noch da, lebte u. wirkte. Wir sehnten uns, nach den Tagen tatenlosen Aushaltens selbst zu handeln, sehnten uns danach, zu jagen, daß der Deutsche nicht nur im Granatloch hocken u. auf Tommys Angriff warten kann. „Die Begeisterung für die rechte Tapferkeit ist der Jugend schönstes Vorrecht“ hatte man uns einst mit des Altmeisters Worten vom Katheder zugerufen. Wir hatten die Begeisterung mit hinausgenommen, nach des Wortes Sinn die „rechte Tapferkeit“ gesucht, doch in der flandrischen Herbstschlacht vermochten wir sie nicht zu finden. Es wurden Freiwillige für einige Patrouillen gesucht, u. der Freiwilligen waren genug. Das Gelände war wie für Patrouillen geschaffen. Zwischen beiden Stellungen fließt die Seille, am Westufer stiegen sanft weitere Weinberge hoch, hinter denen sich auf einem Gelände di franz. Postenlinie hinzog. Unsre Vorgänger hatten einst an ein feindliches Telefonkabel eine Leitung geschlossen, die freilich längst entdeckt u. zerstört war, das war Wasser auf unsre Mühle. Die Verbindung mußte auf jeden Fall wiederhergestellt werden. In einer mondhellen Novembernacht gings los durch di Sumpfniederungen des hochgeschwollenen Flusses[,] wateten bis zum Ufer, im Schilfe lag ein Kahn bereit, u. nach dreimaliger Überfahrt waren alle am feindlichen Rande. Vorsichtig arbeitete sich das Boot durchs dichte Schilf, jedes Geräusch zu vermeiden, u. uns wars, als führen wir durch indische Dschungeln, als müßte plötzlich irgendwo ein Tiger hochspringen, wie wirs als Buben in Abenteuerromanen  gelesen. Nun schnell das Schiffchen versteckt und los! Die Hauptstraße, die von Létricourt nach Thézey führt, war bald erreicht, links lag deutlich sichtbar, das erstgenannte Dorf, das in weitem Bogen umgangen werden mußte. Das Sumpfgelände der Wiesen war ein Hindernis, das fünffache Drahtverhau ward zerschnitten, di Gasen mit spanischen Reitern maskiert; Sicherungen, – Maschinengewehre u. Posten – blieben an den Durchgangsstellen zurück. Vorsichtig tastete sich der Rest, ein Führer u. 3 Mann, weiter vor bis an einen Obstgarten, hinter dem sich di von Létricourt nach Abaucourt führende Straße deutlich am hellen Nachthimmel abhob. Da – was ist das am Rande des Hohlwegs? Ein Postenstand? – Mit einem Sprunge standen wir davor u. fanden eine Baracke mit etwa 8 Lagerstätten, allerdings leer. Bald war di Straße erreicht, in fieberhafter Ungeduld di Maskierung zerschnitten ui. Da hatten wir, was wir suchten: eine Telefondoppelleitung schnellte uns ins Gesicht als wir aus dem geschnittenen Loch aufrichteten. Das war der Lohn.

Am folgenden Abend wurde ein Kabel, sorgfältig im Geäste eines Baumes versteckt, an die Leitung geschlossen. Doch der Erfolg lockte zu weiteren Wagnissen. Wir wollten wissen, wer uns gegenüberlag, wie stark das Dorf besetzt war. So wagte sich die Patrouille nach Létricourt hinein. Ein alter Garten bot Gelegenheit, unbemerkt einzudringen, aber kein Posten war zu bemerken, kein Lichtstrahl an Fenstern und Kellern zu entdecken. Mit der Taschenlampe leuchteten wir durch di einzelnen Häuser, doch alle Kellerquartiere fangen wir verlassen. Das erhöhte den Wagemut. So gings weiter di Dorfstraße entlang, durch Drahthindernisse, über Laufgräben hinweg. Halt – ein Geräusch, einem Klopfen ähnlich! Man stutz u. lauscht. „Da hat mal ein altes Scheunentor geknarrt“ mein spöttisch ein Kamerad; wir gehen weiter, stoßen plötzlich auf wirres Drahthindernis, u. während wir, die Schere in der Hand, nach einer Gasse tasten, werden wir mit lautem „Hallo“ angerufen. Schon kracht ein Gewehrschuß, ein zweiter folgt, u. im selben Augenblicke nimmt ein MG die Straße unter Feuer. Schon stiegen Leuchtkugeln in di Höhe, di ganze Bande war alarmiert. Was blieb uns also übrig, als das Weite zu suchen? Der Posten hatte zu gut aufgepaßt u. mit seinem Klopfen die MGbedienung aufmerksam gemacht.

Ohne Verluste gelangten wir zur Seille zurück, setzten über, u. wenn wir auch keinen Gefangenen brachten, so hatten wir doch di Genugtuung den braven Franzosen eine schlaflose Nacht bereiter zu haben.

Gefreiter Fr. Grimm 3. Komp.

R.I.R. 94.

 

Sundgau

Das 4. Kriegsweihnachten naht. Als Ruhebatl. Liegen wir in einem Dorfe unweit Altkirch u. helfen den Pionieren beim Stollenbau. In einem Walde treiben wir di Gänge in den felsigen Boden; Meisel, Hammer u. Sprengladung sind das einzige Werkzeug. Vorm Eingange prasselt ein wärmendes Feuer, wir lösen uns während der 8stündigen Arbeitszeit gegenseitig beim Bohren ab, u. wenn ich am flammenden Holzstoße sitze u. durch di Waldblöße hinüber zu den schneeigen Bergen blicke, träume ich von den heimlich-geschäftigen vorweihnachtlichen Treiben in der Heimat, u. wehmütige Sehnsucht beschleicht das Herz. „Wenn nur das Fest erst vorüber wäre“ seufzt mein Kamerad. Wir hatten beide bisher geschwiegen, doch wußte einer des anderen Gedankens.

Nun ist er da, der heilige Abend. In der Kirche, in der Tannenbäume notdürftig das Kreigs Zerstörungswerk zu verdecken suchen, wird ein Gottesdienst abgehalten, während der Schnee durch di geborstenen Scheiben weht. Di Quartiere sind festlich geschmückt. Ein Glasbläser vom Walde, kurz vorher aus dem Urlaub gekommen, hat prächtigen Christbaumschmuck mitgebracht, unter den leuchtenden Tannen lagen di Geschenke ausgebreitet, mit denen di Kompagnie uns überrascht. Der Bataillonskommandeur kommt u. verteilt  nach kurzer Ansprache Eiserne Kreuze; auch di Heimat, di Stadt des Ersatzbataillons, hat unser gedacht, u. uns die Bestätigung so wohl drinnen nicht vergessen zu sein. Doch eine fröhliche Stimmung will nicht aufkommen. Jeder ist mit seinen Gedanken daheim. Jetzt werden wohl Eltern u. Geschwister, das Weib, di Kinder unterm Baume stehen, sorgenvoll uns vielleicht irgendwo auf Posten im Schlachtenwetter während. Da grollt auch von ferne der Donner einiger Granaten zu uns. Es erinnert mich an di Großkampftage der flandrischen Herbstschlacht – wann folgen die nächsten Schwaden? Und da sprecht ihr noch vom Feste der Liebe, der all umfassenden, weltversöhnenden Liebe, – Lächerlich! Dieweil Freund u. Feind auf der Lauer liegen, Tage u. Nächte, Nächte u. Tage, mißtrauisch, ists nicht das Fest der Hoffnung? Muß nicht wie nach des Winters Nacht der Frühling, der Friede kommen u. berechtigt nicht di Lage im Osten zu freudigen Hoffnungen? Ja, Weihnachten ist das Fest der Liebe? Ich Heimat u. Front nicht eins, die drinnen im bangender Liebe u. Sorge um die Kämpfer, wir in der Liebe zur Heimat? Für den Allerweltsfrieden des Kosmopoliten ist eben die Menschheit noch nicht reif genug.

Dunkel ists im Stübchen geworden, di Kerzen sind niedergebrannt. Selbst Alltröster Skat hat heute keine Macht. „Wenn wir wieder in Stellung kommen, werden di Tage schon ein klein wenig länger“ bricht ein Kamerad das Schweigen.

Ja, Weihnachten, Sonnenwende, Hoffnungsfest! –

Musketier Ludwig Böttger

Bericht

des Musketiers Ludw. Böttger zur Verleihung des E.K. II.

Am 4. Februar 1918. Gegen 8 Uhr Abens legte der Engländer starkes Artelerie feuer auf unßere Stellung bei Staaden. Ich befand mich im 1. Zug[,] welcher das Vorfeld besetzt hatte. Während des Artl.feuers hatten sich Engländer aber bereits auf wenige Meter an unßere Stellung heran gearbeitet. Plötzlich fiel Er mit großer Übermacht in unßere Stellung ein. Ein Teil gelang es in die Hauptwiederstandslinie zu kommen. Während es mir mit noch einigen Kameraden nicht gelungen ist. Wir verbergen uns kurz entschlossen unter alte Balken, und Steinen. Auch nahmen wir einen schwer verwundeten Kameraden zu uns. Doch sollten wir nicht in dieser gefährlichen Lage lange bleiben. Denn die Komp. war sofort zum Gegenstoß angetreten, der Feind aber war wieder in seine Ausgangsstellung zurück gegangen. Wo von ich mich zu meiner und meiner Kameraden Freude wieder mit beteiligen konnte.

Musketier Böttger

Zeugen

Hornist Finger

Musk. Fischer

 

gelesen: [Unterschrift Anacker]

Leuntn. u. Komp. Führer

Musketier Moschinski

21.3.18.

Bericht

des Muskt. Moschinski zur Verleihung des Eisernen Kreuzes 2. Klasse. Am 12.III.1918 lösten wir die 8. Komp. in der ersten Linie ab. Die Kameraden erzählten uns gleich[,] daß wir nicht weit auseinander von Feind lägen und daß hier rege Patrollien Tätigkeit ist. Der Feind machte am ersten Abend stark Feuer Überfälle auf unsere Linie, da wir aber nicht wußten[,] ob der Feind bei uns angreifen will[,] mußten wir Patrollie ausgeschickt werden[,] zu dieser Patrollie meldete ich mich auch. Als wir uns etwa 60 Meter vorgearbeitet haben[,] bekamen wir Feindliches Maschinengewehr Feuer. Wir zogen uns halbrechts vor und hatten beobachtet[,] wie sich Posten zurück zogen. Wir gingen noch weiter vor und da konnten wir die feindlichen Postenstände im Backzahn feststellten. Die Erkundung gab aufklärung für ein späteres Patrollienunternehmen. Am 2. Dez. [1917] habe ich mit meinem Maschinengewehr en Gegenstoß bei Paschentale mit gemacht. Wir haben am rechten Flügel tüchtig in den Feind hinein Geschossen und das Vorfeld wieder gewonnen.

Muskt. Moschinski

Als Zeugen Gefr. Sturkebecher

Musk. Fuchs

 

gelesen: [Unterschrift]

Leutn. u. Komp. Führer

Musketier A. Schalbe

Im Felde, d. 19.3/18.

Wie ich mir das Eiserne Kreuz II. Klasse erwarb

 

Am 15. Januar [1918] lag unsere Kompagnie in Bereitschaft bei Staden. Den 18.ten rückten wir nach vorn und besetzten die Hauptwiderstandslinie u. das Vorfeld. Vor unserm Vorfeld waren feindliche Posten aufgestellt. Um sich über die Lage der Posten u. den Stand der Maschinengewehre genau zu orientieren, wurde eine Patrouille ausgeschickt. Zur selbigen wurden Freiwillige gesucht. Zwei Mann und ich meldeten uns zu dieser Unternehmung. Um eine festgesetzte Zeit schlichen wir uns über das Vorfeld in Richtung der vermutlich aufgestellten Posten. Wir erkundeten die Lage der Postenaufstellung und Maschinengewehrstände. Mit größter Vorsicht schlichen wir uns trotz des schlammigen Geländes in ziemlicher Nähe der feindlichen Posten. Da uns aber die Zahl der feindlichen Posten unserer Stärke gewaltig überlegen war, mußten wir uns auf die Beobachtung beschränken. So lautlos, wie wir uns auch verhielten, müssen wir doch von einem feindlichen Posten bemerkt worden sein. Auf einmal krepierten Handgranaten und ein heftiges Maschinengewehrfeuer setzte ein. In dieser gefährlichen Lage blieb uns nichts übrig, als uns zurückzuziehen. Bei dem Zurückgehen mußten wir die größte Strecke durch den tiefen Schlamm kriechend zurück legen. Dabei wurden 2 Kameraden durch Maschinengewehrfeuer verwundet.  So haben wir den Auftrag zwecks Aufstellung der feindlichen Posten und der Maschinengewehrstände erfüllt. Für diese Tat wurde mir das Eiserne Kreuz II. Klasse verliehen.

Musk.

A. Schalbe

Zeugen

Gefr. Stanb. Musk. Claus

[Unterschrift Hock]

Leutn. u. Komp. Führer

Musketier Otto Claus

Den 20. März 1918

Wie ich mir das eiserne Kreuz II. Klasse erwarb

In der Nacht vom 18. auf 19. Januar [1918] lag ich mit im Vorfeld bei Staden in Stellung. Eine Patrouillie, welche die Postenaufstellung des Feindes erkunden sollte[,] wurde raus geschickt, wozu ich mich freiwillig meldete. Unter großen Schwierigkeiten, durch tiefen Schlamm u. Wasser watend, hatten wir uns der feindl. Linie genähert. Wir blieben dann vielleicht 1 Stunde lang liegen + beobachteten[,] das[s] vor uns 2 M. G. Posten standen. Da der Feind uns bemerkt hatte[,] bekamen wir Handgranaten + M.G.-feuer u. mußten wir uns daraufhin zurückziehen. Die Postenaufstellung hatten wir genau erkundet + wurde mir als Anerkennung das eiserne Kreuz II. Klasse verliehen.

Otto Claus

Musketier

Gefr. Stanb.

Musk. Schalbe

 

[Unterschrift Hock]

Leutn. u. Komp. Führer

Schütze Pflug

Den 20.3.18.

Bericht

des Musk. Pflug über den Erwerb des Eisernen Kreuzes II. Klasse.

Am 4.3.18. ging ich mit meiner Komp. in Stellung. Gegen Morgen um 430[,] als ich auf Posten stand[,] lag schweres Minenfeuer auf unseren Gräben[,] kurz darauf bemerkte ich eine feindliche Patroile in Stärke von ungefähr 10 Mann[,] welche versuchten in unsern Graben einzudringen. Ich alarmierte sofort die Bedienung, wir eröffneten plötzlich das Feuer und konnten dem Feinde Verluste beifügen; sodaß sich der Feind fluchtartig in seine Ausgangsstellung zurückzog. Für meine Aufmerksamkeit wurde mir am 18.3.18. das Eiserne Kreuz II. Klasse verliehen.

Schütze Pflug

3. Masch. Gew. Comp.

Inf. Regt. G.v.S.

 

Zeugen:

Gefr. Voigt

Musk. Vollmer

gelesen

[Unterschrift]

Lt. d. Res. + Kp.Führer

Sergeant Hohmann

Bericht No. I 2/94 18/7.18

Die Kompanie lag in vorderster Linie, unsere Kameraden bräuchten Essen. Der Kessel wird gefüllt bis oben an, und versuchten es noch. Unsre zwei wohlgenährten Pferde griffen tüchtig aus, und anfangs gings auch ganz gut. Doch bald wurde die Sache anders. Als wir das Dorf [Arhiet?]-la-petite erreichten, setzte uns der Tommy einige kräftige Marken vor die Nase. Jetzt hieß es frei weg doch als die [Kohlen?] so rechts und links vom ganzen, wurde die Verwirrung immer größer. Mehrere Geschirre sausten im Galopp ans uns vorbei, und auch unsere beiden wackeren Rappen griffen schnell aus. Krampfhaft stehe ich auf dem Kaffeekessel und hielt mich mit dem Mute der Verzweiflung fest, um nicht herabgeschleudert zu werden. Ca – hinter uns, wo lauter Geschrei, – vorsichtig blicke ich mich um u. sehe[,] wie eine führerlose Feldküche in voller [Karävra?] auf uns zu rast. Was tun? Vor uns waren andere Feldzeuge, die Küche mußte also auf gefallen oder doch wenigstens ihre Geschwindigkeit Vermindert werden, denn die Rasselbande hätte uns totsicher mit der Deichsel den Kessel eingerammt, und das schöne Essenfutsch. Ich werfe mich also rum und lege mich der länge nach auf den Kessel, da sind die scheu geworden Tiere auch schon dicht hinter uns. Ich beuge mich so weit wie möglich vor fahre den Pferden in die Zügel. So gings nun weiter [?] im sausenden Galopp und ich hatte Mühe, mich auf dem glatten Kessel zu behaupten. Gott sei Dank ließ jetzt das Feuer etwas nach, wir fielen allmählig in Schritt und wurden dadurch auf unsre Quälgeister los. Beim vierten Zuge angelangt[,] füllten wir das Essen in die Trupkübel und begaben uns ohne Säumen auf den Heimweg. Wir hatten den Pionir-Park noch nicht erreicht, da ging die tolle Schießerei von neuem los. Der Kutscher peitschte auf die Pferde ein und im sausenden Galopp gings voran. Da, ein lauter Krach, dicht links von der Straße ist eine eingeschlagen. Die Pferde bäumten sich hoch auf und rasten weiter. Da tuts einen Ruck, das uns beinahe vom Sitze schleudert, und die Karre steht. Wir besahen uns die Bescherung. O weh, die Protze vollständig zerschossen, Achse und Räder gebrochen, das ganze nicht mehr zu gebrauchen. Kurz entschlossen [?] wir die Protze in den Straßengraben, spannen die Pferde vor den schäbigen Rest und weiter geht’s. Spätabends erreichten wir, von nun an unbehelligt, unser Quartier.

Sergt. Hohmann

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