Kriegstagebuch eines unbekannten Soldaten aus Schneeberg (1. August 1914 bis 9. August 1918)

Im Kriegstagebuch sind kaum Informationen zur Biographie des unbekannten Verfassers zu finden. Es steht fest, dass er aus Schneeberg in Sachsen stammte. Zu Beginn des Krieges verabschiedete er sich von Familie und Bekannten. Er hatte mit Sicherheit Geschwister und war seit dem 10. November 1910 verheiratet. Kinder hatte er vermutlich keine. Geboren wurde er am 4. Oktober, wobei wir sein Geburtsjahr nicht erfahren.

Seine Zugehörigkeit zu einem Regiment lässt sich auf Grund der fehlenden Angaben nicht genau bestimmen. Vermutlich war er Soldat in einem Artillerieregiment.

Am 5. Oktober 1915 wurde er mit der silbernen Friedrich-August-Medaille ausgezeichnet. Am Weihnachtsfeiertag 1914 wurde er zum Unteroffizier befördert. Am 27. Januar 1917 wurde ihm das Eiserne Kreuz II. Klasse verliehen. Mitte Februar 1918 wurde er zum Sergeanten befördert und am 1. Juli 1918 zum Wachtmeister.

Der unbekannte Soldat war bis April 1918 an der Ostfront eingesetzt. Im Anschluss daran erfolge sein Einsatz an der Westfront in Frankreich.

Kriegstagebuch eines unbekannten Soldaten aus Schneeberg (1. August 1914 bis 9. August 1918)

Die ersten Seiten des Kriegstagebuches des unbekannten Soldaten aus Schneeberg

I

Kriegs-Tagebuch

4. August 1914

Mit Gott

Schneeberg, den 1. August 1914

Es war am 1. August, wo die Kriegswirren das ganze Volk, auf höchste gespannt hatten, den Deutschland wollte nicht ins Gras beisen, bis am Nachmittag desselbigen Tages die Kriegsbereitschaft bekannt wurde, und am Abend gegen 5 Uhr die Kriegserklärung für unsere gesamte Armee, Reserve und Landwehr heraus kam.

Ungern, aber auch mit großer Freude, wurde dieser Befehl von allen Kameraden, und Bürgern der Stadt, entgegen genommen.

Mit großer Aufregung erwartete jeder, Sonntag den 2. August (als I. MobilmT) wo schon einige Kameraden und Freunde, die Heimath, Frau und Kind verlaßen musten, mehrere auch am 3. August.

Sehr feierlich war der Abschied aller Kameraden am 4. u.5. August, wo eine Abschiedsfeier von der Kirche und Stadtgemeinde auf dem Marktplatz angesetzt war, 7 Uhr früh, hatte sich alles nebst Angehörigen und der ganzen Bürgerschaft eingefunden. Herr Pastor Helm gab uns sehr tröstende Wörter, zum Abschied, und sehr erfreuliche auf Wiedersehn, mit auf den Weg, selbige Worte hörten wir auch aus dem Munde, des Kamerad Röser, im Namen der Stadt, mit dem Wunsche, auf ein gesundes Wiedersehn! Wir fangen mit Begleitung der [?] Kapelle, das schöne Lied: Ein feste Burg ist unser Gott!

Hieran schloß sich das letzte Lebewohl, von meiner Lieben Frau, Geschwistern u. Bekannten, ich bin gern und mit Gott für König und Vaterland ins Feld gegangen und konnte Allen, als letztes Lebewohl zurufen, auf gesundes Wiedersehen. Der Zug setzte sich in Bewegung, die Musik spielte das Lied: Muß ich den zum Städtlein hinaus: Es war ein schwerer Moment, die Heimat mit allen Verwandten und Bekannten zu verlaßen. Es tauerte nicht lange, hatten wir die Heimat hinter uns unter Begleitung der Stadtkapelle, und der Stadt-Behörde ging es bis nach Aue, wo wir uns 10 Uhr vormittags zu stellen hatten. In der Turnhalle wurden wir Bezirksweise eingeteilt, und der Transport zusammen gestellt. Dann ging es nach Hotel Stadtbark, wo wir Mittag machten, nachdem wurde Transportweise angetreten, wir wahren in unserm Bezirk zirka 30 Mann z. Fß.Art., weiter ging es unter Bekleidung der Auer Stadtkapelle nach dem Bahnhof, wo wir verladen wurden, die Führung unseres Bezirks hatte Feldwebel d. R. Schubart aus Schwarzenberg. 4 Uhr ging der Zug von Aue ab, es herrschte hier, unter den Kameraden schon ein ganz andere Betrieb, als wie die letzten Tage in der Heimath. Einen schweren Moment hatte ich noch in Niederlößnitz, wo wo ich unsere Kirche zum letzten mal sah, aber dann war alles wieder im Herz und im Sinn, und Alle wahren Sie begeistert für den Krieg. Nachts 2 Uhr kamen wir in Zeithein an, wir fuhren bis ins Barakenlager, und wurden daselbst verquartiert, sehr ermütet von der Aufregung des ganzen Tages, hatten wir kaum ein Stündchen geschlafen, abr leiter, ehr wir soweit kamen, sahen wir das Ungeziefer auf den Strohsäcken rumlaufen, und vorbei wars mit den Schlaf. Bei dieser herrlichen Sommernacht haben wir einen Halt gemacht, bis der Morgen kraute, dann haben wir uns die Barake und den Schießplatz angesehen, wir hatten Zeit bis Mittag. Es war 2 Uhr wo wir unsere Ausrüstung empfingen, und eingekleidet wurden, die Bilder die wir hier gesehen haben, waren einzig, nach dem haben wir unsere Zivilsachen gepakt. 7 Uhr, ging es von Zeithein weg, nach Frauenhain, wir wahren 2 Std mit vollen Gepäck marschiert, und wahren am Ziel angelangt, da hatten wir Alle, den Krieg schon satt, denn der 6. August war ein sehr heiser Tag. Herr Offz. Stellv. Fischer, welcher uns abgeholt hatte, übergab die Kolonne dem Feldwebel, welcher schon auf uns gewartet hatte, um uns die Quartiere anzuweisen, ich Obgfr. Zobisch Kan Riedel, Zeitzer u. ________ kamen in ein Bauerngut zu liegen, wo wir 4 magere Tage auf Stroh verlebten. Während dieser Tage wurden die Garnituren paßend gemacht, und ein Appell nach dem anderen abgehalten. Am 9./8. abends 7 Uhr, es war Sonntag, als wir in Frauenhain, mit voller Kriegsausrüstung, den Marsch nach Zeithein antraten, sehr ermattet kamen wir dort an, da es wiederum ein sehr heiser Tag war. Wir hatten 2 Stunden Pause befor wir Wagen und Pferde verladen konnten, dann kam das Siegnal zum einsteigen. Während dieser Tage lernten wir auch unsere Vorgesetze kennen, Bttrführer war Herr Hauptmann Lehmann, dazu noch Offzstv Müller Fischer u. Beier, Vzfeldw Feudel und 20 Utffz. Es war früh 3 Uhr wie wir in Zeithein abfuhren und kein Mensch wusste wohin, auf dieser Fahrt wahren wir alle erstaunt als wir auf sämtlichen Bahnhöfen die Einrüstung des roten Kreuzes sahen, und viel des guten geniesen konnten. Auf dieser Fahrt herrschte große Bekeisterüng für den Krieg, denn wir sind hier im ganzen Btl gefahren, und es ging mit Sang u. Klang, durch Stadt und Land, nah der Ost Front zu. Als wir am 10/9. abends 9 Uhr in Posen ankamen, hieß es aussteigen, mit Gepäck, auch wurden für sämtliche Fahrzeuge abgeladen und wir marschierten vom Bahnhof ab, bis in die Nacht, wo wir vom Btl absprengten bis zur Berliner Str (Jersitz) hier wurde Quartier weise eingeteilt, ich kam mit 30 Mann, in eine leere Wohnung Eliesabettstr 2. Es ging nun gleig ans schlafen gehen, da es früh zeitig wieder weiter gehen sollte. Kaum hatten wir 3 Stunden geschlafen, da hieß es wieder aufstehen, die Hausleute und Nachbarn, hatten uns etwas Kaffe gebracht, dann ging es wieder weiter, wir marschierten durch die Nacht am Bahnhof vorbei, über Lazerus nach Gurtschin, zum Battriebau, wozu wir mit vollen Gepack ausrücken musten. Wie wir bei Front 9 ankamen, hies es halt, hier war unsere Bttr schon abgesteck[t], es wurde sofort Schanzzeug empfangen, und die Bauerei nahm seinen Anfang. Als wir die Battriestellung mit Unterständen vertig hatten wurden Geschütze und Zubehör empfangen, dann ging das Exerzieren los. Wir hatten es uns hier, ganz heimlich eingerichtet, früh wurde ausgerückt. Küche hatten wir in der Bttr, und abends ging es wieder ins Quartier zurück, so wurde dann einige Wochen Exerziert, und ein Tag war wie der andere. Einige Wochen später bauten wir noch eine Bttr bei Front 7, dann Exerzierten wir wieder weiter bis ins unendliche, wars nicht in der Battr, so war es Fußdienst oder Arbeitsdienst. Ich habe die langweiligen Dienst unterbrochen, durch einen Urlaub, zu meinen Lieben in die Heimath, vom 16-21 Dezember 14. Vom Urlaub zurück, hatten wir das Weihnachtsfest vor der Türe. Die Bürger von Posen, hatten sich vorgenommen, uns Sachsen, vern von der Heimath, recht fröhlige Weihnachten zu bereiten, so war es auch, ich sowie alle meine Kameraden, waren bei Familien eingeladen, um das Fest mitzufeiern. Im Bürgerligen Familienkreise der Familie ___________ habe ich einen sehr schön heilign Abend, und I. Feiertag verlebt habe auch die Christbescherung mit gemacht, und wurde sehr reichlich beschenkt, genau, wie die Kinder des Hauses. Besondere Freude brachte mir, das Christkind, am I. Feiertag früh, wo ich zum U[n]teroffizier befördert wurde. Bis zum Neuen Jahr welches mir im Kreise der Kammeraden feiert hatten wir keinen Dienst, am 29/12. feierten wir in der Bttr im Saale des Restaurant Alt – Posen unsere Christbescherung, wurden durch, verschiedene kleine Geschenke überrascht, und verlebten im Kreise unserer Offiziere, einen sehr schönen Abend, mit dem Wunsche, nächste Weihnacht wieder in der Heimarth bei den lieben zu feiern. Nach dem Feste hatten wir wieder den alten Dienst, bis ich es wieder mal satt hatte, und nochmals, durch einen Urlaub v. 19. Februar – 2 März 1915 unterbrach, um wieder einige frohe z Stunden in der Heimat zu verleben. Als ich vom Urlaub zurückkam, ging es nach alter Weise weiter, hatte es aber etwas beßer, da ich Utffz. war. Am 15/4. kamm der Befehl, das, daß Btl am 30/4. Marschbereitschaft melden sollte, dieser Befehl wurde mit großer Freude begrüßt, und gleich ging es an die Arbeit, wir empfingen nun Garnituren, Stiefel und was sonst noch nötig war. Der 30. April kam heran, und wir warteten Alle, um endlich ins Feld zu kommen, aber leider, es verging der schöne Monat Mai, bis die Himmelfahrt und das schöne Pfingstfest vor der Türe stand. So wie die letzten 3 Wochen, bei schönen Spaziergängen und Promenaden im Botanischen Garten, hatte ich mir auch die Pfingsten vorgestellt. Am 13/5. zur Himmelfahrt, früh 3 Uhr unternahm ich bei herrlichen Morgen, einen Spaziergang, nach dem Eichwald, habe mich in diesen bar Stunden sehr wohl gefühlt, denn der Eichwald bildet ein schönes Plätzchen in der Natur. Ich habe im Eichwald Restaurrant, mein Morgenkaffee eingenommen, und mir den ganzen Betrieb angesehen, gegen 9 Uhr machte ich mich auf, am Kondelteich vorbei, über Wilda, nach der Kaserne zurück. Ich basiere selten ververgnügt, 11 Uhr, in der Kaserne ein, und wundere mich, das die Bttr nicht zur Parole angetreten ist, war doch jeden Sonntag der Fall ist. Ich gehe nach unserer Stube, und Staune, das alles leer ist, ich wuste nicht was ich denken sollte, bis mir entlich Utffz v. D. Müller, die freudige Mitteilung machte, morgen früh 10 Uhr, steht das Btl marschbereit, auf dem Kasernenhofe. Alle meine Kameraden, wahren schon nach der Bttr im Geschütz, Fahrzeuge und Material zu verladen, ich hatte nichts eiligeres zu thun, als mich sofort der Bande anzuschließen, und so schanzten wir den ganzen lieben Himmelfahrtstag bis spät in die Nacht hinein, und früh ging es gleig wieder weiter, bis wir 10 Uhr, Feldmarschmäsig auf dem Kasernenhofe standen, dann wurden noch Stuben gereinigt und an die Kasernverwaltung übergeben, sodas wir 1 Uhr marschbereit waren. Aber von Stunde zu Stunde warteten wir, auf den Befehl zur Abfahrt, aber leider, wir mußten uns mit Kasernenbeschränkung bis Montag, den 17/5. nachmittag 5 Uhr, auf dem Kasernenhofe rumtreiben, Tag wie Nacht. Am Montag früh 10 Uhr kam der Befehl zur Abfahrt, 1+2 Bttr. 4 Uhr, 3+4 Bttr 8 Uhr nachmittags, so rüsteten wir uns auf Nachmittag 5 Uhr zum Abmarsch nach dem Bahnhof, denn wir konnte es fast erwarten. Bevor wir abmarschierten, war sämtliches sächs Militär auf unseren Kasernenhofe eingetroffen, um Paradenmarsch zu üben, da am 22/5. unser König nach Posen kommen sollte, worauf wir uns auch gefreut hatten, hier war nochmals, die beste Gelegenheit, den allen Bekannten Abschied zu unseren, denn Sie wahren alle zur Stelle. Punkt 5 Uhr, ging es mit Sang u. Klang zum Tore hinaus, die Musik konnte uns nicht Bekleiden, da selbige Parade übten, kamen aber später nach dem Bahnhof, brachten uns noch ein Ständchen und den Abschiedsgruß, bei der Abfahrt. Es hatten sich sehr viel Menschen am Bahnhof angesammelt, und so verblauterten wir die Zeit bis 8.25 Uhr unser Zug abging. Es war noch vor Dunkelheit ehe wir die Posener Gegend verliesen, und konnten feststellen, das die Fahrt nach Rußland ging, wir fuhren über Ostrowo, Kalisch, [Papinnia?] wo wir verpflegt wurden, weiter über Siratsch, Lotsch, Lowitsch. Die ganze Fahrt war sehr fiedel und luftig, bis wir nach Kalisch und weiter rein kamen, wo es manchen, anders ums Herze wurde, wenn er die Ruinen und Gräber der armen Kameraden sah. Ich selbst habe gestaunt als ich die Brücke und den Bahnhof von Lowitsch sah, es war sehr viel von unseren Pionier wieder hergestellt, aber so unheimlich hatte ich nicht gedacht, so war es auch mit der ganzen Stadt. Es war 2 Uhr Mittags wie wir den Zug verliesen, wir legten unser Gepäck, hinter dem Bahnhof nieder, dann haben wir unsere Geschütze u. Fahrzeuge abgeladen, und da selbst mit aufgestellt. Hier haben wir uns bischen gesäubert und einen Kriegszug, aus unserer Feldküche zu uns genommen, anschliesent, durften wir uns Lowitsch ansehen, kein Haus war unbeschädigt geblieben, was nicht niedergebrannt war, war von unserer vorzüglichen Munition derart ruiniert, das es nicht mehr bewohnt werden konnte. Auf den Straßen war ein reges Treiben, es gab hier nur Militär und Juden, einen guten Eindruk haben selbige nicht gemacht, aber das gehandel und Schachern ging schon feste. Als wir uns satt gesehen hatten gingen wir zum Stellungsplatz zurück, denn die Nacht war sehr nahe, und wir bezogen Nachtlager in Holzbaracken. Am anderen Morgen, mußte die erste Batteriebesatzung, wo auch ich dabei war, mit Geschützen und Bettungswagen, geschloßen im Btl hier abfahren, es ging auf der Warschauerstraße entlang, es war eine sehr schöne Straße, bis wir links einbogen, und dann auf Feldwagen in großen Sanddünen, 4 Stunden weit zu fahren hatten, bis wir an das Dorf Jasieniece kamen, wo wir ein kleines Halt machten. Von hier hörten wir die ersten Kanonenschüße, und als wir noch 2 Std. Marsch hinter uns hatten, hörten wir auch Gewehrfeuer und Maschinengewehre, auch das Artilerie war sehr nahe, wir fuhren bis an ein großes Gut, wo wir halten musten, wir nahmen hier unser Mittagbrod aus der Feldküche ein, wie wir so gemütlich beim Mittagessen auf unseren Wagen sitzen, fängt es an zu pfeifen, und kurz vor unseren Wagenbark war eine Granate eingeflogen, eine zweite folgte gleig nach, aber zu weit, es war sofort vorbei mit Eßerei, denn das war unsere Feuertaufe, und war mir sowie allen meinen Kameraden in den Bauch gefahren. Es folgten mehrere nach aber Gottsei dank zu weit, wir waren gezwungen, unsere Pferde abzuspannen, und zogen uns Truppweise zurück, um aus den Feuerbereich zu kommen, wir gingen bis in das Dorf [Lypwice?] zurück, wo wir Quartiere beziehen sollten. Hier mußten wir aber 2 Nächte unter freien Himmel aufnehmen da unsere Batterie noch nicht da war, und unsere Quartiere noch von den 11. belegt war, die wir erst ablösen sollen. Am selbigen Abend ging es wieder raus zum Batteriebau, früh 3 Uhr wurden wir verstärkt, durch die ganze Bttr., und so ging es den ganzen Tag d. 20/7. weiter bis wir abends 5 Uhr, die nesten 3 Schuß abgaben, um uns auf ein Ziel einzuschiesen, kaum hatten wir einen Schuß raus, da platzen auch schon die Schrapnels über uns, wie wir das Feuer einstellten, hörten auch die Rußen auf. Nach dem Einschießen, wurden wir durch die 2. Bedienung abgelößt, und gingen ins Dorf zurück, um unsere Quartiere zu beziehen, und einmal ordentlich auszuschlafen. Dem 21. + 22. richteten wir uns unsere Quartiere ein, und Abends 5 Uhr, lößten wir wieder ab. Es war Pfingstsonnabend wie wir aufzogen, und mußten uns nach der Ablesung gleig wieder einschiesen. Der erste Schuß war raus, da hatten wir auch schon wieder Antwort, und eine Granate, saß in der Brustwehr, so ging es bis zum 4. Schuß, es war gerade das Komando gekommen, unter Deckung feuern, es war gerade alles untergetreten, da kam wieder wieder eine gesaust, es war ein Schlag, da lagen wir Alle in einer Sandwolke, es war Unheimlich, wie wir zu Verstand kamen, sahen wir, das es, das III. Geschütz mit samter Bettung auf den Kopf gestellt hat. Jetzt hies es Battrie räumen, denn die Rußen hatten sich zu gut eingeschoßen, wir machten uns schwach, bis Sie Ihr Feuer eingestellt hatten, dann ging es wieder in die Bttr., ich und alle meine Kameraden, wir dankten unseren Herr Gott, das alles so gut verlaufen war, denn es war ein Wunder Gottes, alle unversehrt aus der Bttr. zu können. Das war Pfingstsonnabend, und wir haben gedacht, die Feiertage etwas Ruhe zu bekommen, aber nichts war es, wir mußten jetzt mit 3 Geschützen Stellung wechseln, 1 war unbrauchbar, und 2 blieben hier in [Schwarociu?], in der alten Stellung stehen, es war der III. Zug, welcher sehr gut in einen Gehöfte eingebaut war. Wir gingen sofort aus Werk, und rüsteten ab, denn bei anbruch der Dunkelheit ging es mit 3 Geschützen nach [Broweslabi?], wo die Arbeit von neuen bekann, wir haben sofort abgesteikt, und das shippen konnte wieder beginnen, als der Morgen kraute legten wir unsere Arbeit nieder, denn wir wollten uns nicht wieder verraden durch unsere Tagesarbeit. Es ging in die Quartiere zurück, um etwas zu ruhen, denn am Abend sollte es wieder weiter gehen. Als wir abends ausgerückt waren, kam der Befehl, 2 Geschütze an 4 Bttr. zurückgeben, das wurde mit großer Freude begrüßt, da wir blos eins einzubauen hatten, es war am 2.Feiertag früh 3 Uhr als wir Schußbereit wahren. Ich und eine Bedienung, hatten wieder das Glück am Geschütz zu bleiben, und kamen zur Ruhe, wie die Feiertage vor bei wahren. In den nächsten Tagen kamen wir etwas zur Ruhe, es wurde sich noch eingeschossen und auch Wirkungsschießen gemacht, um unsere Freude etwas zu beunruhigen, später hatten wir jeden Tag 30 Schuß zur Verfügung. Es ging soweite bis zum 11/7., es wurde noch sehrviel Artillerie herbei geschaft, da der Angriff mit Art. Vorbereitung sein sollte. Das Feuer wurde Nachmittag 5 Uhr eröffnet und endete Nachts 3 Uhr, es war eine unheimliche Kanonade die hier stadt fand, nach selbige wurde der Angriff mit Gas gemacht, konnten aber blos, auf den rechten Flügel Fortschritte machen, den vor uns, an der Bzura, bei [Soratscheff (Sochaczew)?], waren die Rußen beßer verschanzt wie in einer Festug. Es wurde das Feuer von Tag zu Tag weiter unterhalten. Unsere Infanterie unter nahm auch einen Gasangriff ohne Art. Vorbereitung, welcher aber Mißglückte, denn die Luft hatte umgeschlagen, und die Gaswolke kam zurück, wo viele Kameraden des Rgt (Regiment) 8 den Erstickungstod sterben mußten. Am 18/7. sollte sich der Angriff zum zweiten male wiederholen, vor Beendigung des selben, stellte die Infanterie fest, das die Rußen, Ihre Stellung verlaßen hatten, und im Rückzug waren. Alles bis auf die schwere Art. ging den Rußen nach. Sehr gerne wären wir mitgegangen, mußten aber hier liegen blieben, bis 22/7. Es war früh 4 Uhr wie wir Alarmiert wurden, wir schieden ungern aus Lipnice, wo wirs uns die 3 Monate, so gemütlich gemacht hatten. 10 Uhr vormittag sollte das Btl geschloßen, auf der Warschauerstraße stehen, wir hatten Gelegenheit, uns die Stellung der Rußen an der Bzura zu besichtigen, und wahren sehr erstaunt über die Bauart der Rußen. 10 Uhr 30 ging es weiter über Soratscheff, welches nur noch ein Schuthaufen war, nach Wiskitki, wo wir eine Nacht, an, und in der Kirche geschlafen haben. Am anderen Morgen ging es weiter über Zyrardow, nach Grodzisk, ehe wir in die Stadt kamen, schwankten wir rechts ab [Sliazencie (Ksiazenice?)], wo wir bei Nacht ankamen, stellten unsere Geschütze in ein großes Gut, wo auch unser 19er Ldsturm lag (Inf), wo ich auch einige Bekannte traf, wir hatten uns vor Mütigkeit jeder ein kleines [?] zum Schlafen ausgesucht, konnten aber nicht lange ruhn, denn 3 Uhr hies es 3 Geschütze fahren weiter und eins geht hier in Stellung, wir machten 3 Geschütze marschbereit, und weiter ging es, bis Kostow, wo wir in Stellung fuhren. Wir bauten sofort unsere Stellung in ein kleinen Wald aus, die Bagage, und der der Stab lagen in einem Gut seitwerts von der Stellung. Trotzdem wir sehr große Märsche hinter uns hatten, kamen wir hier, wieder nicht zur Ruhe, wir haben Tag und Nacht durch gefeuert. Auch haben wir hier in dieser Stellung, den Verlust unseres Kameraden Oscar Decker aus Zwönitz zu verzeichnen, welchen wir, im Schloße, Mlochow, zur Ruhe gebracht haben, er liegt im Parke des selben Schloßes u. neben Ihm, liegen zwei Kameraden d. Rgt 133. Sein Grab, ist mit Blumen, und sehr guten Pflanzen, aus dem Wintergarten des Schloßes, geschmückt, und mit einen großen Birkenkranz mit Aufschrift versehen! Auch hatten wir hier noch einige Leichtverwundete, welche aber bald wieder genesen wahren. Hier in dieser Stellung, hielten wir uns immer Bereit, zum ausreisen, den die Übermacht war zu groß. Wir lage 6 Tage in dieser veregneten Stellung, als der Befehl kam, das Btl 19, wird durch Btl 5 abgelößt, und zwar sofort, da wir, an die Bsurastellung gerufen wurden. Als wir abgelegt hatten, ging es zurück über Mlochow, wo wir, die ganze Bttr, nochmals Abschied, vom Grabe unseres Kamerad Decker nahmen, bis Zyrardow, wo wir eine Nacht, im Trockenraume der großen Spinnerei schliefen. Es war grauhaft anzusehn, wie die Rußen, das deutsche Unternehmen zerstört hatten, den fast der ganze Betrieb, welcher circa 5000 Arbeiter beschäftigt hatte, war ruiniert. Am anderen Morgen früh 8 Uhr ging es von hier weiter, mit dem Marschziele Blenge, über Wiskitki nach Regow, wo wir 5 Uhr Nachmittag ankamen, Wir wurden hier im Gute einquartiert, und zwar, die ganze Bttr, auf einem Heuboden, da alles andere, von Offizieren, u. Stab belegt war. Abends 9 Uhr, fuhren wir, in [Bouneslawo?] in Stellung, wir haben hier die Zweier mit Haubitzen 013 abglößt, es war ein sehr schön, ausgebaute Stellung, in einen Obstgarten, wo wir uns, einmal richtig satt gegeßen haben. Am 2/8. zog ich mit meiner Bedienung auf, es war sonst eine sehr ruhige Stellung. Wir beschoßen hier nur Schützengraben und auch heute, es tauerte auch nicht lange, kam die Meldung, Feuer einstellen, da der Graben leer war. Es war am 3/8. wie die Rußen auf der ganzen Front zurück gingen, unsere Beobachtung ging mit bis Blenge, aber vom Feind, war niemand zu sehen. Wir durften hier wieder nicht folgen, und musten warten bis 5/8., früh zeitig ging es ab, wir hatten einen großen Marsh auf sehr schlechten Wagen bis nach Babice, wo wir sofort in Stellung fuhren, ohne zu bauen, wir beschoßen von hier aus, die Feldbefestigung, zwischen Fort 2a + 3 von Warschau. Es war festgestellt, das die Forts schon gesprengt waren, mit uns, ist unheimlich viel Artillerie aufgefahren, es war 5 Uhr als das Schiesen begann, es war eine Kanonade, noch größer, als an der Bsura, sie endete gegen 9 Uhr, da viele Bttr, selbst auch wir, Munition verschoßen hatten, nur 10em und Feldgeschütze feuerten weiter. Beim Morgengrauen wollte die Infanterie stürmen, Batrolien stellten aber fest, das die Schützengräben, und auch die Forts 2a + 3 leer waren, sodas unsere Infanterie, am 6/8. früh 4 Uhr, in Marschkolonnen auf Warschau zu marschierten. Wir rüsteten ab, und waren sehr begeistert für den Einzug in Warschau, aber leider, es war wieder nichts. Wir blieben hier liegen bis 8/8., nachmittag 2 Uhr rückten wir ab, auf dem Wagen nach Nowo Georgiewsk, wir kamen bis Januvick, wo wir in großen Gehölze in Stellung fuhren, musten hier auch die ganze Nacht bauen, um uns früh zeitig einschiesen zu können. Wir unterhielten hier immer das Feuer, und beschoßen die Zwischenstellung von Fort 5 + 6. Am 11/8. nahmen wir weit der Infanterie 2 Dörfer, sodas die Inftr, direkt vor den Forts lag. Am 13/8. machten wir, mit der gesamten Artillerie einen Scheinangriff, um es unseren Kameraden auf der Nordfront etwas leichter zu machen. An, und seit dieser Tage, bekamen wir immer tüchtiges Feuer, haben aber Gott sei dank nicht einen Verlust zu verzeichnen, bis auf ein Pferd, welches einen Halsschuß hatte, auch hatten wir ein Schweinchen, welches eins abgekriegt hatte, der Verlust, war aber nicht groß, habens abgestochen u. Abends, ein Wellfleischessen, veranstaltet, was uns große Freude bereitet hat. Wir lagen hier ganz verlaßen in einen großen Wald, mußten uns hier mit Unterständen begnügen, da kein Dorf, und nichts in der nähe war, haben uns aber, trotzdem sehr wohlgefühlt, und haben, beim größten Granatfeuer nicht auf gehört; Skadt zu spielen, oder Doppelkopf, da wir sonst kein anderen Zeitvertreib hatten. Sonnabend den 14/8. Hatten wir sehr starke Feuertätigkeit, und bekamen aber auch tüchtiges Granatfeuer, sodas unsere Bagage, und wir mit unseren Quartieren rücken mußten, es ging etwas 2 km zurück bis wir aus den Feuerbreich waren, und uns die Feldküche, nicht wieder verraden konnte. Es wurde sich hier wieder aufs neue eingebaut, so verging auch der 15/8., am 16. Nachmittag lösten wir wieder ab. Am 17. + 18. haben wir tüchtig geschoßen, und bekamen derartiges Feuer, das wir selbige Nacht Stellungswechsel vernehmen musten, und zwar 2 kam nach vorn, im Wald vom [Odainmunek?], wo wir ohne zu bauen, unsere Geschütze in einer Lichtung aufstellten, da wir keine Zeit hatten, denn früh 8 Uhr mußte Schußbereitschaft gemeldet sein, da ein Angriff geplant war, wir hatten uns nur, ein wenig Schrappneldeckung aufgeworfen. Es war gleig nach 8 Uhr, wie wir uns einschoßen, anschliesend begann das Wirkungsschiesen, welches den ganzen Tag fortdauerte, bis zum späten Abend, wo wir nur noch Beunruhigungsschüße abgaben. Gegen 11 Uhr zog sich die Infanterie zurück, bis an den Waldrand sodaß wir noch vor der Inf. lagen. Es wurde hier auf einen Gegenangriff gerechnet, und hatten deswegen unsere Protzen, auch schon bespannt, zum schnellen abrücken. Es war gegen 12 Uhr, als bei Strömenden Regen, schweres Artilleriefeuer des Feindes einsetzte, denn von Norden her wurde der Angriff auf die Festung vorgenommen, die Rußen hatten versucht ein süden einen Ausfall zu machen, da Sie keinen Ausweg mehr hatten. Wir erwiederten ein derartiges Feuer, das es der Kolonne nicht möglich war, uns die nötige Munition nach zu bringen. Dies war eine Nacht, die ich in meinen Leben nie vergeßen werde, es war unheimliches Wetter, die Gesichtsbeleuchtung, und das krepieren der Granaten und Schrappnels in den Hochwald, es war mir, als stände ich vor der Türe der Hölle. Gegen 4 Uhr wurde das Feuer rusiger, und unsere Infanterie ging wieder vor, es war alles ein Feuerschein, und mann hörte nur noch Sprengungen, bis früh 6 Uhr 15, die Festung Kapitulierte, mit große Freude, und einer Salutsalve wurde dieser Sieg begrüßt. Auch kam durch das Telephon, das durch die Festung, sehr viel Rußen und Material erbeutet sei. Es wird mir und meinen Kameraden, der 20. August ein gr Tag in der Geschichte bleiben. Am selbigen Vormittag machten wir uns noch marschfertig, um mit in die Festung einziehen zu können, aber leider es war wieder nichts. Am selbigen Vormittag, kamen unendliche Trups von Gefangenen, an unserer Stellung vorrüber, wir lagen noch hier bis zum 23., wo wir bespannt von Bespannung, nach Nowo Georgiewsk vorrücken. Wir kamen bis ans südliche Ufer der Weichsel, wo große Kaserne und Depots vorhanden waren, auch ein großes Lazaret war hier, die Forts, und alles, was man sich denken könnte, war gesprengt u unbrauchbar gemacht. Wir bezogen hier Quartier in sehr schönen Zelten, welche zu den Lazaretten gehörten. An dem Ufer der Weichsel, und wo man hin sah, war alles voll Rußen, rechts und links der Straße lagen unheimlich viel tode Pferde, und auf den Fluhren, dummelten Pferde und Rind, sich in unzähliger Maße herum. Am 24/8. mußte ich mit 20 Mann Pferde einfangen gehen, selbige brachten wir in einen großen Zwinger, dasselbe auch am 25., so hatten wir in 2 Tage über 400 Pferde gefangen. Am 26/8. mußten wir unsere Zelte räumen, es war schon Infanterie Ldst gekommen, u wollte hier einzihen, wir rüsteten uns wieder und wurden auf der Weichsel übergesetzt, in die eigendliche Festung, welche vom Weichselufer aus einen herrlichen Anblick bod, besonders die Zitatelle. Wir wurden auf großen Kahne übergesetzt, ohne Geschütze u Fahrzeuge, die sollten erst nachkommen, wenn die erste Brücke gebaut war, welche von unseren Bionieren schon in Angriff genommen war, denn sämtliche Brücken von Warschau bis Nowo Georgieswsk waren gesprengt. Am rechten Ufer der Weichsel angekommen, ging es an selbigen entlang, hier sah man wieder wie die Rußen gehaust hatten, die Zittate [gemeint wohl: Zitadelle?] an welcher wir eine halbe Stunde entlang gelaufen sind, war total aus gebrannt, von den vielen tausend Fenstern, war nicht ein Kreuz mehr zu sehen, es sind herrliche Festungsbauten, mit Mauerstärke von 1 ½ bis 2m. Am Haupttor ging es in die Zitatelle rein, haben selbige durch durchquert, und kamen in einen herrlichen Park, welcher mit großen Latzerretten, Kasernen, und einer großen Menge, stattlicher Gebaude, zu Offizierswohnungen, aus gebaut war, hier machten wir halt, um uns Quartier zu suchen. Hier bezogen wir sehr feine Gebaude, wahren von den Rußen noch verschont geblieben, bis auf sämtliche Fensterscheiben, das hat den Brüdern jedenfalls sehr viel Spahs gemacht. Hier hatten wir nichts eiligeres zu thun, als, uns Wohnungseinrichtung zusammen zu holen, welche doch in sämtlicher Quallität und maßen hier wahren, es wurde auch sonst mitgenommen was zu brauchen war. Wir hatten uns alles ganz fein eingerichtet, ich mit 20 Mann kam wieder zum Pferdedepot, alles andere von Bttr war täglich bei Artdepot comandiert. Beim Pferdedepot, haben wir, den ersten Tag, mit einen transport Rußen drei großer Schuppen ausgeräumt, und dann als Pferdeställe eingerichtet, dann ging es hier wieder an die Arbeit Pferde fangen, auch haben wir die Pferde vom anderen Ufer der Weichsel geholt, so das wir in wenig Tagen die 1000 voll hatten. Es gab hier die erste Zeit sehr viel Ärger mit den Schindern, aber später wurde es beßer, jede Bttr hatte dann einen Stall, ich hatte Stall IV mit einen Bestand von 170 Pferden. Hierzu wahren wir 20 Mann, und 25 Rußen, später mußten wir Geshirre zusammen suchen, und selbige auf unsere Pferde verbaßen, denn wir mußten für uns Futter empfang, und auch jeden Tag 20 Geschirre stellen, an die Kommandantur. Während dieser 3 Wochen haben wir auch 4x Blut entnommen, welches zur Untersuchung nach Warschau kam, das war jedes mal eine schlechte Arbeit und hat viel Schweiß gekostet. Als die Blutuntersuchung vorbei wahren, hatten wir, 40 Gespanne, mit vollen Geschirr zu versehen, um selbige nach Brest Litowsk abzugeben, es war am 1/10. wo wir 80 Pferde loswurden. Am 3/10. war auch noch eine Kolonne zu stellen, für Nowo Georgiewsk, welche aber meist aus Stall 1-3 gestellt wurde. Seit diese Zeit, hatten wir nur noch Kutschwagen zu stellen und bekamen es bedeutent beßer, Herr Ldtn Rothe, Führer des Pferdedepot, hate uns die Erlaubnis gegeben, zum Reiten oder Fahren, je nach dem, wir Luft hatten, und haben jetzt, den feinen Herren gespielt, bis der 4. Oktober rankam, wo ich meinen Geburtstag hatte, es waren verschiedene Glückwünsche aus der Heimat eingegangen, und als Geburtstagsgeschenk, erhielt ich am 5 Oktober die Friedrich August Medaille in Silber, ich habe mich sehr darüber gefreut und konde selbige zu Ehren unseres Vaterlandes u Königs und zu Ehren des Ldw Btl tragen, Gott mag geben, das ich selbige, auch nach dem Frieden, recht lange zu Ehren derer tragen kann. Am 20/10. war wieder eine Ordensverleihung, wo es für die Offiziere hohe Auszeichnung gab, und auch für einig Utffz. u Manschaften Eiserne Kreuze. So ging es denn, im alten Tempo, beim Pferdedepot weiter, bis wir am 29./10. durch 11. abgelößt wurden, denn das Ldw. Btl. muste sich marschbereit machen. Es gab wieder einen kleinen Umsturtz, und die Begeisterung war groß, wieder ins Feld zu kommen. Wir wurden am 30. beim Pferdedepot abgelöst und gingen am 31. zur Bttr. zurück, nach Pomjechvek, wo die Bttr seit 2./10. haußte. Wir schliefen eine Nacht bei der Bttr, und am 1./11. früh ging das Verladen loß. So das wir Mittag 1.30 Uhr, in Nowo Georgiewsk, unter Führung des Herrn Hauptmann Leuthold abdampfen, da das erste Halbbatallion 2 Stunden früher gefahren war. Die Kapelle des 39. Ldstrm, gab uns den Abschiedsgruß, und wir verließen die schöne Festung im Winterkleide, und war auch schon ziemlich kalt. Unser Marschziel war Warschau, welches wir in 3 Std. erreicht hatten, wir fuhren bis Hauptbahnhof, wurden an Rampe 2+3 anrangiert, und schon ging es wieder ans abladen, was uns nicht gerade angenehm war, denn wir wollten doch wieder ins Feld. Wir wurden bespannt, von Feldartillerie 49 und schon ging es vom Bahnhof ab, durch die Stadt nach der Zitatelle, welche wir, in 3/4 Stunde erreicht hatten, und bezogen hier Quartiere. Was wir hier sollten, oder was aus uns werden sollte, wußte kein Mensch. Als wir eine Nacht hinter uns hatten, wurde bekannt, das es in nächsten Tagen wieder weiter geht, da hatten wir nichts eiligeres zu thun, als uns Warschau mal anzusehen, 2 Tage sind wir rumgepummelt, und haben uns auch verschiedenes Beßere geleistet, was wir die lange Zeit empöhren mußten. Am 6. früh 5 Uhr, hatten wir die Zitatelle schon wieder hinter uns, um unsere Geschütze und Fahrzeuge, aufs neue zu verladen, 10 Uhr waren wir fertig, und mußten warten, wie immer bis 2 Uhr bevor unser Zug ging. Diesmal, hatten wir Glük, denn es gab III. kl Wagen mit Heizung, und Unteroffz. II. kl, haben es mit Freude begrüßt, da es doch schon ziemlich kalt war, und hatten auch etwas Schnee. Es war 2 Uhr Mittag, wie wir in Warschau abfuhren, und kein Mensch wuste wohin, es war 5 Uhr wie wir in Nowo Minsk einfuhren, haben hier, eine Reissuppe und Kaffee zu uns genommen, und dann ging es weiter bis Schittleck, wo wir von 8-1 Uhr nachts liegen blieben, wir habens uns, in unserer II kl sehr bequem gemacht, im süßen Schlafe sind wir hier wieder weiter gefahren, über Biala nach Brest Litowsk (Ankunft 2 Uhr). Nach kurzen Aufenthalt ging es weiter, bis Regetiw, es war 8 Uhr Abends, und blieben wieder liegen bis 1 ½ Nachts. Weiter ging es bis Lysnaja, wo wir den ganzen Tag fuhren, und spät abends ankamen, im süßen Schlaf ruhten wir hier wieder eine Nacht, da die Strecke nicht frei war, mußten wir liegen bleiben bis Mittag 11 ¼ Uhr, wo wir noch eine Stunde fuhren, bis Baronowitsch [heute: Baronowitschi in Belarus], wo wir unser Ziel erreicht hatten, denn weiter kamen wir in den Feuerbereich der Rußen. Als wir den Zug verlaßen hatten, haben wir sämtliche Fahrzeuge abgeladen, und dann aus unser Feldküche welche uns auf der ganzen Fahrt gespeist hat, Mittag gemacht. Auf dieser 3 Tägigen Eisenbahnfahrt, haben wir eine sehr schöne zweikleisige Bahnstrecke benutzt, es lagen an selbiger, ganz wenig Ortschaften, nur Wald, Heide und Sumpf es war alles eine Ebene. Bei diesen schlechten Gelände, hat es, beim Kampf um diese Bah[n]linie sehr viel Blut gekostet, welches auch die vielen Gräber bezeugen, kein Bahnwärterhäuschen, kein Gehöfte und kein Bahnhof waren verschont geblieben, alles was man sich denken konnte, war unbrauchbar gemacht, um uns nichts im guten Zustande zu überlaßen. Ein sehr schönes Bauwerk, welches ebenfalls ausgebrannt war, ist der Bahof von Brest Litowsk, welcher schon wieder im Ausbau begriffen war. Noch mehr haben wir gestaunt, als wir in Baronowitsch, einfuhren. Hier hatten unsere Feinde, jedenfalls nicht genügend Zeit, oder wollen Sie sichs wiederholen, den hier war noch alles im guten Zustande. Es wahren hier einige kleine Bahnhofsgebäude, und einige Wohnhäuser, sonst alles andere war nur Bahnkleise, das Städtchen war nicht zu sehen, da es 1 Std entfernt, hinter einen großen Walde liegt. Dieser Bahnhof, welcher 5 km lang sein soll, und sich 5 Hauptstrecken hier kreuzen beweist, das es einer der Wichtigsten Knotenpunkte, für die Rußige Eisenbahn ist. Auch wahren auf diese Bahnhof unzählige Magaziene für Getreide, noch gut erhalten, aber leer. Es war 4 Uhr, als wir bespant von Feldart. 237, hier abfuhren, wir fuhren auf sehr schlechten Wegen, durch einen großen Wald nach Baronowitsch, wir fuhren durch die Stadt, welche mir, bei der Tunkelheit, einen sehr armsehlichen Eintruck machte, den die Straßen, war alles eine Waßerpfitze und unsere Fahrzeuge fuhren immer bis zu Achse im Schmand. Als wir durch das Städtchen wahren, kamen wir in einen Wald, wo die Rußen ein großes Barackenlager hatten. Wir haben gestaunt, den Deutschland wird kein derartiges Lager aufzuweisen haben. Wir machten hier halt, und parkierten unsere Geschütze unter einer großen Baumkruppe. Wir verbrachten die Nacht, vom 9-10 in der Kirche des selbigen Lagers. Am anderen Morgen bezog die 4. Bttr hier Quartiere, und wir rückten 7.30 Uhr, wieder bespannt von der Feld. Art, bis nach Malaki, es wahren 13 km, aber wir brauchten 5 ½ Stunde, denn die Wege waren kaum zum fahren. Hier sollten wir übernachten, hatten aber nichts weiter gefunden, als einige alte Scheunen, haben dort in der Nähe unsere Geschütze u. Fahrzeuge aufgefahren, und für Flieger gedeckt, dann gings in die Quartiere, es hat uns geschauert, als wir selbige sahen, blieb uns aber weiter nichts übrig, denn alles war noch gut war, war schon belegt. Dies auch noch heute am 10./11., wo ich mein 5 jähr. Ehejubeläum feierte. Wir wahren früh gut ausgefrohren, und hatten doch bischen geruht. Früh zeitig ging es wieder weiter, über Watetina nach Wodjatin, auf Wald und Feldwegen, wie man sich selbige gar nicht vorstellen kann, um hier in Stellung zu gehen. Wir sollten hier 2 Bttr. Feld. Art. ablösen, es wahren Ostreicher, denn hier wurde die ganze Front abgelößt. Eine Battr war schon abgereist, die andere blieb noch bis 13./11. Wir fuhren unsere Geschütze und Fahrzeuge in Dekung, und bezogen die Quartiere, der abgereisten Bttr, wir lagen hier zwei Nächte sehr änge, aber es mußte gehen, bis die andere Battr abging. Am 12 + 13. haben wir unsere Geschütze eingebaut, um, beim Abmarsch der Ostreicher, Feuerbereit zusein. An 14 bezogen wir dann unser Quartiere, welche aus Unterständen bestanden, u. direkt hinter der Bttr lagen, selbige waren sehr gut gebaut, aber in sehr vielen stand das Waßer sehr hoch darinnen, und mußten vorläufig vorlieb nehmen, bis es Zeit giebt neue zu bauen. Am 5 u folgende Tage haben wir uns auf 7 Ziele eingeschoßen, und bekamen auch Munition in Fülle, welche eingebaut werden mußte. Ich, Opitz und Orlovski, bezogen einen sehr schönen Unterstand, und hatten aber auch noch sehr viel Arbeit, um selbigen Salon fähig zu machen. So wurde denn immer gebaut u gebaut, bis endlich alles im trockenen war, und mitte Dezember herankam. Dann haben wir, Nordwestlich unsere Battrie, eine Scheinbattrie gebaut, welche auch wieder 8 Tage in Anspruch nach, 10 wahren wir bis an die Feiertage heran gekommen, ohne etwas besonderes an der Front gesehen zu haben, es war hier im allgemeinen, sehr ruhig. Auch hatten wir Vorbereitung getroffen um das liebe Weihnachtsfest, etwas festlich zu gestalten, viel war es nicht, aber jeder Unterstand hatte sein Weihnachtsbäumchen hergerichtet, schon die Vorabende wurden wurden mit großer Weihnachtsstimmung verlebt, da auch die Natur ein herrliches Winterkleid angenomen hatte. Es rückte der Heiligabend heran, es wurde schnell noch ein Plätzchen heraus gesucht, wo eine kleine Feier stattfinden sollte, direkt hinter der Bttr. stand eine dazu auserlese Fichte, etwa 6 m hoch. Es wurde ringsum, etwas Platz gemacht, der mit frischen Schnee bedeckte Baum mit Kerzen geschmückt, und nach der feindlichen Seite spannten wir 2 Wagenplanen, um uns dem Feinde nicht zu verraten, denn diese schöne Stunde, wollten wir in Ruhe und Frieden verleben, was uns „Gott“ auch beschenkte. Es war ½ 6 Uhr, als wir zu diesen auserwählten Plätzchen marschierten, um eine kleine Feier zu begehen. In Gedanken versunken, hörte ich natürlich das Läuten der Glocken, welche das schöne Feste ankündeten. Im Kreise aller Kameraden u. Offiziere, eröffneten wir die Feier durch einige Weihnachtslieder, unser Herr Battrfüh verschöhnerte das Fest, durch eine sehr schöne Ansprache, so das wir Alle, mit tränenden Auge, beim brennenten Weihnachtsbaum, im Gottesfreier Natur der lieben Heimat gedachten, mit dem Wunsche, die nächsten Weihnachten, in Frieden daheim zu verleben. Wir sangen noch einige Lieder, und gingen dann zur Christbescherung über, es waren nur Kleinigkeiten welche uns das Christkind brachte, freuten uns aber Alle, ebenso wie die Kinder in der Heimat, und verweilten uns am Baum bis selbiger aus gebrand war. Verschönert wurde der Abend, durch einen Punsch und Doppelkopf im Unterstand, bein Klanze unseres kleinen Baumes. Zum Schluße gab es noch einen Feiertagskaffee, und ein Stückchen Stollen aus der lieben Heimat, es war 12 Uhr geworden wie wir schlafen gingen. So verlebten wir die Feiertage sehr friedlich, denn es viel nicht ein Schuß während des Festes, natürlich mehr in der Heimat, als hier im Kriege. Nach dem Feste ging es in altgewohnter Weise weiter, bis ich am 30/12. Nachmittag 4 Uhr erfuhr, das ich mit 5 Kameraden sofort auf Urlaub fahren durfte, die Freude war natürlich groß u. die Sehnsucht, aufs hechste gespannt, zumal wir Weihnachten hatten. Kaum eine Stunde war vergangen, da waren wir unterwegs, auf dem Wege nach dem Bahnhof, Baronowitsch. Das war natürlich eine Leistung bei so hohen Schnee, wir hätten es gar nicht geschafft, wenn wir nicht auf halben Wege, einen Schlitten, fürs Gepäck erreicht hätten, so war es uns möglich den Zug nach der lieben Heimat zu erreichen; waren natürlich Glücklich, als wir uns im Bahnwagen befanden. Es war auch höchste Zeit, denn pünktlich 11.30 ging es ab über Prest-Litwosk nach Warschau, wo wir 3 Uhr Nachmittag ankamen, 5 Uhr ging es wieder weiter über Alexantrowo, Torn, Bromberg, Berlin, Silvester verlebten wir im Bahnwagen, und zwar in Bromberg, wo uns die Tannenbäume, vom Bahnsteig und Wartesäälen, im vollen Lichterklanze empfingen. Es war ein sehr troknes Silvester, waren aber frohes Mutes, denn es ging der lieben Heimat zu, wo ich am 1/1. Nachmittag 3.20 eintraf und zwar Aue. Auf mein Telegramm hin, wurde ich hier schon erwartet, mein liebes Frauchen und Schwieger Vater waren eingetroffen, nach glückseligen Empfang, ging es der Heimat zu, wo ich Alles gesund und munter begrüßen konnte. Nach glücklich verlebten Tagen, muste ich am 17/1. 16. die schöne Heimat wieder verlaßen. Ich fuhr auf derselben Bahnlinie wieder zurück, und war am 19. wieder bei der Bttr eingetroffen. Es ging nach alter Weise weiter, bis ich am 20/1. nach Baranowitschi, zur 4. Bttr. kommandiert wurde, um für beide Battrien Bespannungen aufzustellen. Ich hatte bereits mit 10 Mann v. jeder Bttr, Ställe eingerichtet, und bekamen am 23. die ersten Pferde, und zwar überzählige, von der Truppen der 3. L Div. So würschten wir weiter, bis am 31./1. Fahrer aus Posen kamen, und die Pferde übernahmen. Es wurden dann Pferde und Fahrer verteilt, sodas am 9/2. der erste Schupp nach Malucki abging, für meine Bttr., die daselbst schon Quartiere gemacht hatte. Dazu ging mit Vzwachtm Wolf u. Utffz. Paul, ich hatte weiter zu thun bei 4/19. Am selbigen Tage kam auch noch ein Teil Fahrer aus Dresden, ich konnte selbige gut brauchen, denn wir hatten 2x Blutentnahme, und bekam auch immer noch Pferde dazu. Am 11/2. verunglückte unser Bttrführer, auf der Fahrt zur Königsparade. Am 23/2. durfte auch ich mit den Rest Pferden und Fahrern zur Bttr zurück. In Malucki, muste ich das untere Gut, mit der Hälfte der Bespannung übernehmen, da gab es tüchtige Arbeit, denn es musten die Pferde, gründlich gereinigt und gepflegt werden, die Pferde kamen Alle, mit alten Geschirren, und erforderte viel Arbeit, die Bespannung Marschfähig zu machen. Am 25/2. hatten wir Wachmster wechsel, u. bekamen Wchmstr Thiele. Am 2/3. bekamen wir einen Teil unserer Geschirre durch neue ersetzt, es war auch höchste Zeit, da wir am 5./3. Stellungswechsel nach Baranowitschi hatten. Die Bttr für in Nordwald, in Stellung, daselbst blieben auch die Geschützpferde. Ich, Wachmsr Thiel, und der Rest der Bespannung, wir bezogen Quartier in Anisimowitschi [Anisimovichy], wo wir 3 Wochen in Ruhe und Frieden verlebten. Am 4./4. ging es wieder nach Baranowitschi, wo die ganze Bttr Quartiere bezog. Die Quartiere waren daselbst sehr schön, mit den Einzug in Baranowitschi, muste ich die Futtermstr geschäfte übernehmen. Hier hatten wir sehr viel zu fahren, da unsere Bttr., sich Bompensicher einbauen muste, als wir bald fertig wahren damit, bekamen wir eine neue Feuerstellung zugewiesen, und das bauen bekann von neuen. Die Fahrerei wurde noch toller, da die neue Stellung, in Beton gebaut wurde, selbige nahm ein halbes Jahr in Anspruch. Während dieser Zeit, hatten wir auch 2x Quartierwechsel, und hatten auch im Pferde bestand, die Räude durchgenaht, unter Tierärtzlichen Behandlung, des Herrn Obervetrinär Mai aus Lößnitz. Es war auch wieder ein halbes Jahr vergangen, und ich durfte von 27/9 – 14/10. 16. nach der lieben Heimat fahren, wo ich mich wieder einige Tage wohlgefühlt habe. Nach der Abreise aus der lieben Heimat welche bei jeden mal schwerer wird, ging es in alt gewohnter Weise wieder weiter. Im November verlohren wir unseren altbewährten Wachmst Thiele, welche zum Ersatzbtl. nach Metz kam, und daselbst Offz Stellv wurde, von hierweg ging Er ins Feld, und wurde Feldw. Ltn. An deßen Stelle, bekamen wir Whmst Große. An der Front, hatten wir am 2/7. einen Angriff unter nommen, welche auch sein Zeil erreicht hatte, am 26 – 28/7. arrangierte sich der Rußki, mit einen Zweitägigen Trommelfeuer, konnte aber nichts erreigen, da die Ldw. Rgt 6 + 7 [Teil der 17. Landwehr Infanterie Brigade, 3. Landwehr Division] zu fest standen, und sich daselbse Ihren Ruhm geholt haben. Am 15/8. unternahmen wir auch wieder einen Umzug nach den großen Ställen, und die Quartiere nach den Holzbaracken, die wir schon mit Pferden belegt hatten. Am 17 + 18/8. belegte der Rußki, die Ställe, das Lager u. die Stadt unheimlich mit Bompen, wobei wir mit unseren Stall großes Glück hatten. 11/10.  dagegen hatte große Verluste. Am 24./10. hatten wir einen Gasalarm, wir musten auch rücken, da sich Gas bei uns bemerkbar machte. Sonst hat sich, außer einen schön verlebten Weihnachtsfest, im Jahre 1916 nichts ereignet. Im Januar 17. wurde auch eine Kolonne für uns zusammen gestellt. Am 27 Januar, wurde mir anläßlich, des Geburtstages, seiner Maieität, das Eiserne Kr.I verliehen. Am 26. Marz hatten wir wieder einen Angriff welcher welcher zu unseren Siege entete. Vom 8 – 23. Juni, war ich auf Urlaub in der lieben Heimat, und habe denselben bei herlichen Wettr verlebt. Bis September, gab es nicht von Betäutung, im selbigen Monat, wurde ich entlich einmal von meinen Futtermstramt erlöst, um mich, wie die anderen Kamaden [sic!], etwas zu pflegen. Am 8/9. hatte ich Wache im Munitiondepot, und konnte von da aus, denn Absturtz eines Feßelballons sehr gut beobachten, selbiger wurde durch einen feindlichen Flieger zum Absturtz gebracht. Im Oktober, hatten wir wieder einen Wachmstrwechsel, warn sehr froh, das wir Wahmstr Maasberg, welchen wir ein ¼ Jahr hatten, wieder loswurden, es wurde Sergt Paul befördert, als ältester Utffz., so kam es, das ich die Futtermstrgeschäfte, wieder übernehmen muste. Im Dezember, kam es entlich, zu einen Waffenstillstand mit den Rußen, welcher unter großer Freude aufgenommen wurde, daraufhin hatten wir uns vorgenommen ein sehr fröhliges Weihnachten zu feiern. Mir wurde natürlich, die größte Weihnachtsfreude zu teil, denn ich durfte am 22. Dezember, einen 18 tägigen Urlaub antreten. Als ich in der lieben Heimat eingetroffen, traf ich auch meinen Bruder Mose u. Schwager Alex, welche sich ebenfalls im Urlaub befanden. Wir verlebten ein schönes Weihnachtsfest, im Kreise der Lieben in der Heimat. Im Intreße meines Geschäftes hatte ich Nachurlaub eingereicht, welcher mir aber nicht genehmigt wurde. So kam es, das ich schweren Herzens, am 8/1. die liebe Heimat wieder verlaßen muste. So kam es, das wir im Jahre 1918 wandelten, und noch in Kriegszustande lebten, mit Rußland, hatten wir die besten Hoffnung auf Frieden, aber auf den andern Kriegsschauplätzen, sah es noch böse aus. Am 9./2. kann es zum ersten Friedensschluß in diesen Kriege und zwar mit der Ukraine, am 11/2. folgte auch Rußland, welche aber nicht rechtskräftig wurde. So kam es, das am 18/2. die ganze Ostfront zum Vormarsch überging, und den Frieden zu erzwingen, was uns auch gelang, und derselbe am _____ in Brest-Litowst angenommen wurde. Hier in Baranowitschi war schon lange Zeit, vorgearbeitet zu dieser Offensive, alle Hände, hatten schon gearbeitet, um das Lager Baranowitschi als Gefangenlager einzurichten, so kam es, das auch wir am 15. das Lager verlaßen musten, wir zogen in die Nähe unsere Ställe. Am selbigen Tage, wurde ich auch zum Sergt befördert. Bei der Eröffnung des Vormarsches, durften auch wir mit 2 Geschützen mitgehen, durften aber am anderen Tag wieder zurück, da sich der Feind nicht zur Wehr gestellt hat, alle anderen Truppen gingen weiter noch voran. So verlebten wir einige sehr schöne Wochen den Krieg. Am 16.2 musten wir dreiviertel unsere Pferde abgeben, welche mit einen Transportkomanto von uns, nach Westen gingen. Während dieser Tage hatte sich auch das Gefangenlager überfüllt, ein großer Teil waren Ziviel Gefangene. Die Beute an Kriegsmaterial und Pferden war sehr groß. Es machte sich auch der Bahnbau erforderlich, wo auch Hunger Paul beschäftigt war, und konnten uns öfter einmal sprechen, zwar auf ganz kurze Tauer, da er ganz plötzlich, zum Ersatzbtl. versetzt wurde. Mitte März wurde die Beute so groß, das wir, sowie Alle Truppen aus Baranowitschi verträngt wurden, und bezogen am 20/3. Quartiere in Nowialisch. Hier richteten wir uns wieder häuslich ein, bekamen in den ersten Tagen Pferde, um unseren Bestand aufzufüllen, denn bis 1./4. sollten wir marschbereit sein. Ich hatte natürlich das Glück, während die Tage, den beurlaubten Futtermeister zu vertreten. Am 10.4. kam der Befehl zum Aufbruch, so kam es, das wir am 12. Mittags 12 Uhr den Bahnhof Baranowitschi verließen. Am 12. Nachts kamen wir in Kalisch an, daselbst musten wir gleig unsere Pferde an eine Trainkolonne abgeben, und wir gingen Mann für Mann in die Entlausung, wo wir die ganze Nacht zubrachten. 80 Morgens ging die Fahrt weiter, über Lissa, Taucha, Leipzig, wo wir nach einen kurzen Halt auf freier Strecke, unser geliebtes Sachsenland, wieder verlaßen musten. Es war früh morgens, des 14. April, wo wir die Sachsengrenze wieder pasierten, es ging über Sangerhausen, Nordhausen, Nordheim nach Köln; wo wir am 15/4. mittags entladen wurden. Es ging von hier aus, durch Köln, und kamen nach 3 stündigen Marsch, in Cleuel an, hier wurden nun erst Quartiere gemacht, und Fahrzeuge parkiert, sodas es spät Abends wurde ehe wir in die Quartiere ziehen konnten. Es war bereits 12 Uhr wie ich mit der Hälfte der Bespannung nach Burbach wanderte, um daselbst Quartiere zu beziehen. Die erste Nacht verbrachte ich in No 16, muste aber, wegen Platzmangel daselbst wieder ausziehen, und bezog mit Hechsteine u. Scheunert, Quartier in No: 28. bei Familie Pulheinis. In deren Familienkreise verlebten wir mange schöne Stunde, wovon einige Photographen Zeuge sind. Futterempfang hatte ich in [Colm?], und konnte mir dabei, die Stadt etwas näher besehen. Es war schade, das daselbst unser Aufenthalt so kurz war, auf dem schnellsten Wege musten wir Geschütze, und die dazu gehörigen Fahrzeuge empfangen, denn am 27./4. musten wir die schönen Quartiere verlaßen, und es ging weiter nach der Bahnhof Köln. Nachmittag 3 Uhr 15 Min. fuhren wir in Köln ab, es ging über Achen nach Lüttich, wo wir am 28./4. früh 6 Uhr ankamen, wurden daselbst entladen, und hatten einen 4 Stündigen Marsch, durch Lüttig nach [Essnau?], wo wir eine herrliche Gegend Belgiens, durchwanderten. Hierselbst wurde die Bttr einquartiert, die Bespannung kam nach [Fonton] zu liegen. Die Mannschaften, bezogen Maßenquartiere, die Pferde kamen in Scheunen und wir Untoffz. durften uns Bürgerquartiere suchen. Daselbst verlebten wir 10 ruhige Tage, und am 7/5. ging es hier wieder ab, nach Lüttich, wurden wieder verladen, und 950 0 ging unser Zug ab nach Namur, von hier ab führen wir südlich bis Charloville, dann wieder nach Westen bis Laon, wo wir, an den ersten frischen Granatdrichtern des Westens forbei fuhren, und 90 früh ankamen. Wir entluden, und kamen nach 3 Stündigen Marsch über [Molimhadt?], Cerny, Lucy in den Wald von Cesseries, wo wir das Waldlager Tannenruh bezogen. Es war spät Abends geworden, mußten unsere Pferde an die Bäume binden, und die erste Nacht unter freien Himmel zu bringen, und am nächsten Tag, wurde sich Biwak mäßig eingerichtet. Am 10./5 ging es zum Geschützeinschiesen nach den Schießplatz rückwärts, es war eine Leistung für Pferde und Mannschaften, da wir 65 km zurück gelegt hatten. Am 11. durfte wir auch schon Munitionieren am 13/5 gingen die Geschütze und zwar No: 357, hier waren sämtliche Stellungen Nomeriert. Ich durfte dazu nicht mit ausrücken, das ich wegen erkrankung des Vzwchtmstr, deßen Geschäfte, bis 17/5. übernommen hatte. Am selbigen Abend, hatte ich noch einen Munitiontransp. welcher unter Führung des Feldwebeltn. Kunze sehr intresant war, das selbe war mir beschieden am 18. nach unserer Feuerstellung, wo wir von feindlichen Fliegern verfolgt und pompatiert wurden, aber G. s. D. ohne Verluste. Auch die 3 Nacht am I Pfingstfeiertage durfte ich ausrücken, um die Protzen aus Feuerstellung zu holen, es waren herrliche [Pfingstauren?], denn das Wetter, war herrlich, und schön, war aber dabei, mehr in der lieben Heimat wie beim Dienst, am 2. +3. Feiertag durfte ich mich ausruhn und pflegen. Unsere Feuerstellung lag zwichen Molinchart u. Cessieres. Am 21/5 hatte ich wieder einen Munitionstransport von Bugny nach Grepy, wo wir von Abends 90 bis früh 100 unter Wegs waren. Am 25/5. zum Geburtstag unseres Königs hatte ich wieder Munitionstransport nach Stellung 382, welche in vordester Linie war. Wie wir an selbiger Nacht durch gekommen sind, ist mir ein Rätsel, denn es war die letzte Nacht vorm Angriff, es war ein Betrieb auf den Straßen, der unbeschreiblich ist. Und wie wir in die Stellung kamen die noch unbesetzt war, durften wir unsere Feuertaufe des Westens in Empfang nehmen, hatten aber Glück, und konnten ohne Verluste den Heimweg antreten, unter Wegs trafn wir unser aktives Rgt, welches in die genannte Stellung fuhren, um von da aus den Feind zu bekämpfen. Am 26.5. früh 1230 bekam das Trommelfeur an der ganzen Front, und entete früh 830, bis auf die weittragenden Geschütze die weiter Feuerten. Auch wir, in unseren Waldlage bekamen eine sehr gute Marke, hatten aber großes Glück, und keine Verluste. Am 27/5. ging unsere 1 Bttr. mit 10 cm Kanon, und sämtliche 3 Kolonnen mit vor, wir durften selbige Nacht Munition nach fahr. Am 28. Nachmittags 3 Uhr, ging auch 2. + 3 Bttr mit nach. Wir marschierten über die Feuerstellung, zur mitnahme der Geschütze u. Munition nach Anizy, wo wir den schwer erkämpften Kanal überschritten, die neuerbaute Brücke, war von den unserige Pioniere No: 22, erbaut, es ging weiter bis in den Wald von Pinon, wo wir Biwak bezogen. Am 29/5 muste ich mit Herrn Ltn Härtel, als Meldereiter nach Grouy, daselbst angekommen, muste ich gleig wieder zurück, um die Bttr nachzuholen. Es war 1 Uhr Nachts wie wir daselbst ankamen, musten gleig in einer Ferm in Stellung fahren um sofort zu feuern.Wir feuerten bis gegen 110 früh dann ging die Infantrie vor. Am 31. Mittag musten wir nachrücken, es ging über Sousson [Soissons] hinaus, und fuhren Nordlich Sousson [Soissons] in Stellung, wir protzten ab, und gleig bekann das feuern, das dieses Wäldchen, mit Art. voll besetzt war, hatten wir feindliches Feuer zu erwarten, welches auch gleig nach den ersten Schüßen eintraf, und auch in genügende Menge. Da wir mit unseren Protzen direkt in der Feuerstellung Befehle abwarten musten, verloren wir 3 Mann und 8 Pferde, ohne die vielen Verwundeten, auch die Battrie hatte Verwundete. Wir zogen uns natürlich 3 kg zurück, wo wir 3 Tage ohne Verluste im Feuer lagen. Am 3./8. Nachmittag, rückten wir wieder nach, und kamen bis Woux, wo wir Nachts 110 in Stellung fuhren, es verlief alles ganz gut bis auch den Rückweg zur Protzen stelle, wo wir durch düchtiges Feuer musten, und dabei unseren Wachmstr Paul, u. einige Pferde verloren. Auch unser Stabsarzt beim Btl. wurde in selbiger Nacht verwundet. Wir schlugen unser Quartier an einen Waldrande auf, da wir am Morgen erst in den Wald herein ziehen konnten, um uns für die Flieger etwas zu duken. Durch die Beschiesung der Dorfes, kam ein Handgranaten Lager zur explusion, welches einen herrlichen Anblick gab, leider aber sehr große Opfer forderte, selbst unsere Battrie hatte 4 Verwundete, darunter Herr Ltn. Härtel, welcher nach kurzen im Lazarett von Souson starb, und daselbst begraben liegt. Vom 4.6. an über nahm ich die Wachtienstegeschäfte, und hatte allerhand Arbeit. Am 8.6. musten wir wieder unser Protzenlager wechseln, und nach 2 tägiger Rast, verjachte uns der Franzmann bis nach Sousson [Soissons]. Trotzdem mußten wir 4 Tage lang, immer mit den Protzen in der Nähe der Bttr bereit stehen, musten aber jede Stunde ein anderes Plätzchen suchen, da uns der Eise[n]hagel immer verfolgte. Am 12/6. war der geplante Angriff, welcher aber wenig Erfolg hatte. Am 14. wurden wir durch Flieger heimgesucht, wo wir Tode und Verwundete hatten. Am 19. 6. kam der Befehl, die Battrie zurück zu ziehen, um entlich einmal in Ruhe zu kommen. Wir hatten die Geschütze zur Protzenstelle gebracht, und wurden am 21.6. der Armeereserve überwiesen. Wir wanderten 8 km. Rückwarts, und bezogen das Waldlager Marcyval, wo sich das ganze Btl. eingefunden hatte. Nach sechstägiger Ruhen, waren wir am 28/6 schon wieder Marschbereit, und fuhren im Hohlweg von _______ in Stellung. Dieselbe Nacht hatten wir noch 3x Munition zu fahren, wobei wir unseren Feldw. (Offz Stellf.) Lucas verloren, was von allen Kameraden sehr bedauert wurde. Am 1.7. wurde ich zu Wachtmstr befördert, und wurden aus dieser Stellung wieder entlaßen, wir zogen in unser altes Lager zurück, kaum angekommen, so erhielten wir einen neuen Marschbefehl, und musten abends 100 abrücken, wir wanderten die ganze Nacht, und kamen früh 60 in Norder damm an, am selbigen Tage Abends 100 ging es wieder weiter über Chery, [Devegni?], [Gesan?] in den Wald von ______ le Ponsart wo wir früh 70 ankamen, und bezogen daselbst Quartiere. Nach dem wir, von diesen Stapazen 2 Tage geruht hatten, ging es am 6.7. in Stellung, in die le Temple Fe., an die Straße nach Passi [Passy-Grigny? oder Passy-sur-Marne?]. Bei den vielen Munitionen hatten wir in dieser Stellung großes zu leisten, was uns eine stete Erinnerung bleiben wird. Am 14. war der Angriff, wo wir den Feind über die Marne zurück warfen, der Vormarsch begann, wir aber durften wieder zurück bleiben, Am 16.7. zogen wir uns in die Protzenstellung zurück. Der Vormarsch kam ins Stocken, so das wir am 17. Abends 100 wieder in Marsch gesetzt wurden, es ging auf dem selben Wege wieder vor, als wir bei unserer letzten Stellung, wo wir Munition mit nahmen, vorbei fuhren, kamen wir in ein Regenwetter, wie wir es noch nie erlebt haben, innerhalb 5 Minuten, wahren die Stiefel voll Waßer, und so Regnete es eine Stunde fort, trotzdem ging es weiter, über Passy Gringrey [Passy-Grigny] und fuhren in der Nähe von _________ in Stellung, daselbst blieben auch die Protzen. Am 20.7. mußte sich die Bagage 30 km nach Rückwärts bewegen, da mit einen Rückzug gerechnet wurde, denn wir hatten uns wieder einmal in unseren Feinde verkand. Am 23 mußten wir uns auch mit den Protzen 4 km zurück ziehen, in den Wald von Meuniere. Während dieser Tage wechselten wir 3x Stellung nach Rückwärts, da wir immer den großen Feuer wegen musten. Am 25. wurden wir auser Gefecht gestellt, aber nur einige Stunden, da wir wieder in Stellung fahren musten um den Rückzug mit zu halten, wir fuhren wieder in unsere letzte Stellung nach Arci le Ponsart. Nach zweitägigen Aufenthalt, ging es zurück in die Ferm le Grange au Boux, hier wahren wir einen tag und wir fuhren in [Golonges?] in Stellung, die Protzen kamen in die Nähe von [Drevenguiy?], hier war wir 3 Tage und wurden am 30.7 herausgezogen, und traten ein Marsch an, über St Gilles, Fissmes [Longueral?], wo wir einen Tag Rasteten. Es ging weiter über St Marck bis Jouy wo wir wieder einen Rast Tag hatten. Dann ging es weiter über Vaudoncourt nach [Joumencourt?]. Hier bezogen wir Waldlager, hatten 2 Tage Ruhe und fuhren am 3/8 in Stellung in die Nähe von [Tartieres?], wir hatten 3 ½ Std bis zum Protzenlager. Am 5/8. holten wir unsere große Bagage wieder zu uns, und hatten auch sehr viel zu Munitionieren, wodurch unsere Pferde die letzten Kräfte verlohren. Am 9/8 machte sich wieder ein Stellungswechsel nötig, da wir wieder ein Geschütz durch Volltreffer verlohren, wir zogen in die [Solpriere El?], und hatten nur noch den halben Weg bis ins Protzenlager.

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Kriegstagebuch eines Zahnarztes an der rumänischen Front (1. Januar 1917-31. Dezember 1918)

Das vorliegende Kriegstagebuch eines Zahnarztes umfasst den Zeitraum vom 1. Januar 1917 bis 31. Dezember 1918. Der Name des Verfassers ist nicht ganz klar. Ein Eintrag am Ende des Kriegstagebuches nennt den Namen Sebastian Mittea. Dieser Name wurde eindeutig mit einer anderen Tinte als der Rest des Kriegstagebuches verfasst. Handelt es sich hierbei um den Namen des Verfassers? Oder um den Namen desjenigen, der das Kriegtagebuch abgeschrieben hat? Wir wissen es leider nicht.

Klar ist, dass der Verfasser von Beruf Zahnarzt war. Zunächst sollte er als Militärischer Krankenwärter in Rumänien eingesetzt werden, bis er schließlich doch noch für eine Verwendung als Zahnarzt zugelassen wurde.

Im Kriegstagebuch findet sich auch eine Übersicht über die Ausbildung des Verfassers. Leider wird auch hier sein Name nicht genannt. Ungewöhnlich an diesem Eintrag ist die Tatsache, dass er überschrieben ist mit „Deine Assistententätigkeit“. Dies ist ein Hinweis, dass diese Zusammenstellung nicht vom Verfasser des Kriegstagebuches angefertigt wurde, sondern von einer anderen Person. Vielleicht hat diesen Eintrag die Person verfassst, die die Abschrift des Originalkriegstagebuches angefertigt hat.

Deine Assistententätigkeiten

Am Ende des Kriegstagebuches findet sich diese Seite "Deine Assisstententätigkeit"

Februar 1905. Examen

Mai – 1. Okt. 05 Zahnarzt Dunkel in Gelsenkirchen

1.Okt.05. – 1. Okt. 06 bei Zahnarzt Rümann in Augsburg

Jan/Febr. 07. bei Zahnarzt Bolten in Husum

1. April bis 1. Okt. 07. bei Riebeling in Cassel.

1. Okt.07 – 1. Juni 08. bei Lindewirth in Bielefeld

6. Feb. 08. – 1. April 11 bei Bahr in Hirschberg in Schles.

15. Mai 11 – 1. Okt.12 bei Zahnarzt Michal in München

1. Okt. 12 – Ende April 13. Wieder bei Bahr in Hirschberg in Schles.

13. Mai 1913 Tag deiner Niederlassung in Löwenberg in Schles.

Kriegstagebuch eines Zahnarztes an der rümanischen Front (vermutlich Sebastian Mittea)

Erste Seiten des Kriegstagebuches
Auf der letzten Seite ist der Name "Sebastian Mittea, Evgoroos" eingetragen. Es könnte sich um den Namen des Verfassers handeln.

Einberufung 1.I.17. an das Res. Laz. [Reserve Lazarett] Lauban als M.K.W. [Militärischer Krankenwärter] erhielt daselbst die Zahnstation. Chefarzt Stabsarzt Dr. Ronge (Görlitz). Sehr angenehmer Chef. Als Neujahrsgruß erhielt ich wegen einstünd. Verspätung vom Oberlaz. Insp. einen Anschnauzer. Später leidlich gute Behandlung. Oberarzt Dr. Dekler. zeitweilig Vertreter des Chefs. Von der Mordkom. K. d. geschrieben, später nach nochmaliger Untersuchung k. v. im Feld. (Oberlaz. Insp. Küster an der evang. Kirche.)

 

Abschrift meines Kriegstagebuches

 

Am 5.IV.17 Mitteilung, daß ich über Posen (Einkleidung ins Feld) nach Rumänien zu einer Krankentransportabt. kommen soll.

6.IV.17. (Karfreitag) früh 6.20 Abfahrt von Lauban über Kohlfurt – Hausdorf  – Sagan – Lissa nach Posen. Ankunft daselbst gegen 3 Uhr. Kalt, ohne Mantel!  Meldung in der Train*- Kaserne. Der dienstführende Unteroffizier bemüht sich vergeblich für uns (5 Mann) Unterkunft zu finden. Endlich gelingt es in der Wellblechbaracke einen Strohsack und 2 Decken a Mann zu erhalten. – Kälte, Schmutz, Massenquartier. Die Nacht schlaflos und frierend vollbracht. ½ 6. aufgestanden.

7.IV.17. Kaffee, 7.10 Apell. Erst bei tüchtigem Schneewetter und Schmutz auf dem Kasernenhof – Wagen geschoben – nette Arbeit, dann bis 11. Uhr auf der Kammer Gewehre reinigen. (Bisher noch nicht ein Gewehr in der Hand gehabt!) Der Sergeant Pertz, unser Berittführer, 2. Escadr.9. Beritt übt sich im Schnauzen. 11 Uhr Essenausgabe. Nudeln mit Fleisch – ganz gut – wenn auch Kriegsqualität, aber reichlich. Den um 12.30 angesagten Apell versäumte ich irrtümlicher Weise. Ich hatte 1.30 verstanden. Suche nach einem Zimmer in der Stadt darob ein fürchterlicher Anschnauzer vom Sergeanten, zum Schluß: „Sie melden sich um 5 Uhr auf der Schreibstube.“ Mir wird eine Stallwache mit seinen Annehmlichkeiten zugesagt. „Hängt.“ Meldung um 5 Uhr beim Wachtmeister, sehr anständiger Kerl, Ermahnung und „weg“! In der Stadt ohne Erlaubnis Wohnung gesucht und gefunden. Aug. Viktoriastr. 23 III., leidlich gutes Zimmer, aber ohne Heizung wegen Kohlemangel. Gut geschlafen!

8.IV.17. I. Osterfeiertag. ½ 1 Apell. Nachmittag Besichtigung der Stadt / Café / Kino / Abend zu Hause.

9.IV.17. II. Osterfeiertag 1Uhr Apell, Stadt – Urlaub – Karte. Spaziergang durch die Stadt, auffallend viel hübsche und elegante Mädels / Café, Kino / Abend Thomasbräu – Künstlerkonzert.

10.IV.17. Viel Dienst.

  1. ““ Mittwoch, Arbeitsdienst im Traindepot, alte Wagen abmontiert und kaput geschlagen.

12.IV. Donnerstag, endlich Einkleidung, im ganzen 149 Mann, Dienst fast den ganzen Tag.

13.IV. Freitag (Leo in der Stadt gesehen) Nichts besonderes. 3 x antreten täglich.

14.IV. Nichts besonderes.

15.IV. 12.30 Apell. Nachmittag mit Unteroff. Marquart-Hirschberg, Kaffee Steuferr + Gorgowsky, Mittagbrot Patzenhofer / Abendbrot Thomasbräu / Abend Alt Posen und in einem Kaffee in der Wilhelmstr….-

16.IV. Montag. Häcksel schneiden, Exzerzieren, Instruktionsstunde, furchtbares Aprilwetter.

(Wachtmeister Dworek!!!)

17.IV. Vormittag Gewehr reinigen, Nachmittag

15 Ctr. Kohlen reingeschippt und weggefahren. Auch eine nette Arbeit.

18.IV. Mittwoch. „Arbeitstag“ Vormittag Wagen zerkloppen Nachmittag Wagen putzen, Abend: Oper Zar und Zimmermann.

19.IV. Früh: Exzercierübungen + Ehrenbezeugungen, Nachmittag: Reinigen der Eßbaracke. Die schönste Arbeit bis jetzt!

20.IV. der Wachtmeister hat anscheinend gute Laune. Zum ersten Male Vormittag dienstfrei. Besuch des Zoo und des Hohenzollernmuseums. Mittagessen im Patzenhofer, Nachmittag: Exercierdienst, (abend Kollege Borchard – Berlin)

21.IV. Exzercieren und als Fahrballast auf Chaussee in schweren Trainwagen, lieber zu Fuß laufen. Bad genommen, Besuch des Schlosses. Abend: Czardaifürstin.

22.IV. Sonntag 12.30 Antreten / Kaffee / Kino Abends im Thomasbräu

23.IV: „Dienstfrei“ kaltes Aprilwetter seit einigen Tagen. Nichts besonderes

24.IV. Dienstag – Abfahrt ins Feld! 4.05 Nachmittag. Ab Posen über Bentschen – Guben. Großes

Hochwasser der Oder von Rothenburg [heute: Polen], Thiemdorf aufwärts. Wasser weit und breit. In Guben Ankunft gegen ½ 10 Uhr abends. Gute Verpflegung. Viel Wurst und Thee, was uns sicherlich nicht zustand. Weiterfahrt 12.26 Die Nacht in Kottbus auf einem toten Geleis abgestellt, keine Minute geschlafen. 6. Mann in einem Koupe!

25.IV. Mittwoch. Weiterfahrt von Cottbus über Falkenberg, Eilenburg – Leipzig. Ankunft 10.40 ab. 12.40 Weiterfahrt über Probstdeuben – Altenburg – Crimmitschau – Reichenbach nach Hof. Ankunft 6 Uhr abends. Verpflegungsstation: Rindfleisch mit Nudeln. In Weiden um 10 Uhr abends II. Verpflegung Wurst und Brot. Abfahrt von Weiden 1.17 Ankunft in Regensburg 5.15 Morgens

26.IV. Donnerstag / Die 2.te Nacht schlaflos verbracht/ entsetzliche Luft, viel zu warm und kein Platz zum Liegen. Regensburg ab. 10 Uhr an Landshut 1.30 über Freising nach München-Laim. Ankunft ½ 5 Uhr Nachmittag. Verpflegung das I. bayr. Bier getrunken! (nur 1. Glas!) Massenquartier. ¾ 12 Uhr nachts antreten. Ein Durcheinander aller Truppengattungen bei schönstem Sternenhimmel gegen 3 Uhr morgens. Tournister und Gepäck drücken mich so schwer, daß ich jeden Augenblick glaubte zusammen brechen zu müssen. Weiterfahrt in einem großen Transportzug von bayr. Offizieren des 22. Inf. Reg. Zweibrücken geleitet. ½ 6 Uhr Ankunft in Rosenhaim. Gute Verpflegung. Weiterfahrt über Traunstein nach Salzburg. Ankunft ¾ 11 Uhr. Gute Verpflegung, aber knappe Portionen. Herrliches Wetter, schöne Aussicht auf die Berge. Weiterfahrt über Tänneck, Werfen (Burg), Bischofshofen, Eben im Pongau, Radstadt-Schladming, Öblarn, Steinach – Irdning. Schöne Schlösser, herrlich gelegen – Salzthal. Verpflegung heimlich Wein geholt in Feldflasche. Nachher weiter über St. Michel-Leoben nach Bruck an der Mur.

Sonnabend 28.IV. Weiterfahrt über Fronleiten (Schlösser und Burgen) Peggau, Judendorf, nach Graz. Ankunft ¾ 10 Uhr. Abfahrt 12 Uhr. Graz liegt in näherer Umgebung ziemlich eben. Mittag Verpflegung. Weiterfahrt über Leibnitz mit Flüchtlingslager nach Marburg [Maribor, heute Serbien] in Steiermark 3.10, Große Weingegend. Abfahrt gegen ½ 5 Uhr. Österreich[isch]e Soldaten und ein russischer Gefangener betteln nach Brot!!! Bis jetzt noch nicht aus den Kleidern gekommen! Den ganzen Tag bei meist herrlichem Wetter auf dem Vorderperron zugebracht. Ankunft in Pragerhof gegen 6 Uhr, nachmittags, letzte Station in Steiermark. Ungarisches Fahrpersonal löst das österreichische ab. Abend. Verpflegung. Die „Verköstigungsstation“ in Pragerhof, a Mann eine  kleine russische Sardine und ein Stück Brot, erzeugte solche Juxstimmung, dass Alles in Zug mit Zweigen und Tannengrün schmückte. Österreichische Soldaten machen einen sehr schlechten Eindruck, keine Stimmung. Pragerhof, Abfahrt 7.30 Auf eingeleisiger Strecke kommt uns ein Zug entgegen. Wir fahren zurück. In unserem Transportzug sind alle Truppengattungen vertreten: Infanterie, Minenwerfer, Fußartillerie, Sanitätsformationen, Landsturmleute, Pioniere, Telegrafen, Husaren, Dragoner. (Unter den Landsturmleuten befand sich der Wirt des Bremer Ratskellers) Gegen ¾ 9 Uhr fahren wir bei Pettau über die Donau. Im Wagon, Durchgangswagon III. Kl befinden sich 46. Mann. Leider erwischte ich in München keinen Fensterplatz. Sonntag 29.IV. Weiterfahrt über Pettau – Friedau – Kotteri, Jakony, Lamoggy- Sobb nach Kaposvar, größere Stadt, schönes Wetter anhaltend, schöne Gegend das Ungarland. Großer, stattlicher, schöner Menschenschlag! Als Schlafgelegenheit, Bretter „geklaut“, durchgesägt und über das Gepäcknetz gelegt. Uydombovar, Verpflegungsstation 10 Uhr Vormittag. Kaffee + Mittagbrot, sehr gut. Abfahrt ¾ 12 Uhr, fruchtbares, leicht gewelltes Hügelland, in den Dörfern kleine, saubere Einfamilienhäuser, blühende Obstbäume. Bataszek Ankunft ½ 3 Uhr. Zwischen Bataszek und Baya  die Donau mit ihren Sümpfen überquerrt, herrliche Laubwaldungen dazwischen. Selbst größere Städte wie Kaposvar und Baya muten mit ihren ungepflasterten Straßen und kleinen Häuschen mit Altanen ländlich an. ¾ 6 Uhr Ankunft in Maria Theresiopel, eine sehr schöne, große Stadt. Abfahrt ½ 10 Uhr abends über Scegedin nach Makö.

Ankunft ½ 6 Uhr früh. Montag 30.IV. 20. Transportführer Hauptmann Erb, Oberamtsrichter in Kaiserslautern 22. Inf. Reg.

 

Ungarn ist ein sehr schönes fruchtbares Land mit herrlichen Buchenalleen, überall Ziehbrunnen. Ankunft in Arad ½ 10 Uhr: Abfahrt gegen 10 Uhr. Interessante Baumtypen, große Stadt. Weiterfahrt Cyorok-Meuer, Opallos-Megallo, Anfang des Siebenbürger Randgebirges, große Weingegend, große Obstgärten. Maria Radna, herrlich gelegen, anscheinend Wallfahrtsort am Maros  Mittagessen gegen 3 Uhr in Saborsin, Weiterfahrt über Zam, Kurrink, Kiterö, Piski (Simeria), Ankunft gegen 8 Uhr. Abfahrt ½ 9 Uhr. Früh gegen 5 Uhr Ankunft in Szerdahely.

Dienstag 1. Mai, Abfahrt gegen 6 Uhr, herrliche Laubwälder, Obstgärten, schöne Gebirgstäler, Weinberge. Große 20 km lange Steigung hat die Bahn zu überwinden. Dann ein ebenso langes Gefälle! nach Hermannstadt [heute: Sibiu]. Im Hintergrund werden die schneebedeckten Gipfel der transylwanischen Alpen sichtbar. Szelistl. / Orlat. / Hermannstadt. Schöne große Stadt mit elektr. Straßenbahn. Abfahrt von H. ½ 1 Uhr. Hier sieht man die ersten Spuren des Krieges, gesprengte Brücken (notdürftig repariert) über die Aluta. Herrliches Gebirgspanorama mit dem höchsten Berge, dem Negoi 2800 m. Ferner der Iguru. Große Viehweiden beiderseits der Bahn mit großen, büffelartigen, schwarzen, zottigen Tieren. Die Bauern fallen durch ihre besonderen Trachten auf. Gegen 5 Uhr Ankunft in Fogaras. Abfahrt gegen 10 Uhr abends. Um ¾ 2 Nachts Ankunft in Zeiden / Kronstadt [Brasov]. Hier mußte alles aussteigen und ½ Stund. Marsch in den Ort hinein, wo wir nach langem hin- und her ein armseliges Quartier bei einem Schuster auf der blanken Erde in seiner Werkstadt fanden. Ruhequartier! Schlafen war unmöglich. Die große Sehnsucht nach einem Bett blieb ungestillt. Der Rest der Nacht wurde, wie gewöhnlich schlaflos vollbracht. Ganz besonders anstrengend war nach der langen Reise mit vollgepackten Affen  und zwei Kisten der Fußmarsch zum Quartier.

Mittwoch 2.Mai. Ruhetag. Anschließend an Zeiden besichtigten wir eine Zigeunerniederlassung, unglaublich armselig und schmutzig. Diese Nacht schlief ich bei meinem Quartierwirt, unter Einwirkung eines tüchtigen Rausches, zum ersten Mal auf dem Heuboden.

Donnerstag 3.Mai. 6. Uhr Morgens wird bekanntgegeben, ¾ 8 Uhr antreten, 8 Uhr Abmarsch mit vollem Gepäck nach Kronstadt.

Unterwegs konnte ich Gott sei Dank auf requiriertem Ochsenwagen mein Gepäck verstauen. Ankunft an der Verladestelle bei Kronstadt gegen 3 Uhr. Abfahrt gegen 4 Uhr im Viehwagen, leider sehr schlechte Aussicht in Richtung Predeal-Pass. In Predeal und Sinaia große artelleristische Zerstörung, völlig zerschossenen Ortschaften. Herrliche alpine Gegend. Ankunft in Ploesti 12 Uhr nachts, wo unser Transport (5 Mann) ausstieg. Wir meldeten uns bei der Gruppe Ploesti der Kr.Tr.Abt. [Kranken Transport Abteilung] Nachtquartier auf Pritschen in einer Krankenbaracke. Kalt und unruhig, nicht geschlafen.

Freitag 4. Mai. Meldung beim Unteroff. vom Dienst, der mich besonders schlecht behandelte und mir befahl, meine beiden Kisten sofort nach Hause zu schicken. Vormittag Besuch der Zahnstation in Ploesti, Zahnarzt Veski. Nachmittag Weiterfahrt nach Buzau. Ankunft in B. gegen 5 Uhr. Quartier in der Krankenbaracke daselbst.

Sonnabend 5. Mai. Meldung beim stellvertretenden Chefarzt Stabsarzt Dr. Kramer. Überweisung nach der Station Giurgiu. Abends 10.40 Abfahrt mit dem Pendelzug (ein Etappenlazarettzug) nach Bukarest im Geisteskrankenwagon mit 2. Geschlechts. und 4. Geisteskranken. Eine fürchterliche Nacht in dieser Gesellschaft, da besonders letztere wegen häufigen Rangierens sehr unruhig wurden. Sonntag 6. Mai gegen 6 Uhr Ankunft in Bukarest, Abfahrt 7.35 nach Giurgiu.  Ankunft daselbst gegen 11 Uhr. Ein trauriges Nest in der Donauniederung gelegen, von den Bulgaren aufs äußerste zerstört und ausgeplündert worden, verseucht mit Malaria und Fleckfieber  

Als Sonntag Nachmittagsvergnügen eine Kammer nahe dem Hühnerstall geschrubbt und gesäubert, weil mich der Bursche des einen Arztes nicht in sein Quartier nehmen wollte, welches so schön und geräumig war, dass es leicht hätte zwei aufnehmen können. (Bursche des Oberarzt Dr. Wolff am Kriegslaz.) Auch Moskitonetze wurden hier für die Straße am Abend und über Nacht über das Bett zu stülpen ausgegeben. Wegen Seuchengefahr, glänzende Verpflegung, viel Butter. Schnaps und Wein, Kakao, reinen Bohnenkaffee, sehr gutes Mittagessen. Leitender Arzt der Gruppe dort Feldhilfsarzt Zühlke. Mit seinem Burschen Lenker, der sich mir anschloß, mich in seinem Quartier aufnahm (Küche) hatte ich Gartenarbeit zu verrichten im Kriegslaz. Da man nicht wußte, was man mit mir anfangen sollte, da ich nicht als Krankenwärter  ausgebildet war, konnte man mich nicht mit den Pflegern ins Seuchenlaz. abkommandieren. Dort sind von 25. Pflegern  9. an Fleckfieber gestorben! Wegen befürchteter Unruhen wurde jeder mit einem Gewehr bewaffnet. Große Temperaturschwankungen. Chinin musste prophylaktisch genommen werden. Alle drei Tage im Geschäftszimmer Telefonnachtdienst. Seit drei Tagen heftiger Durchfall

9./10. V. Wurde ich mit Desinfektion der Eßgeschirre im Seuchenlazarett beschäftigt und mit Beaufsichtigung rum. Kriegsgefangener. Meinen Darmkatarrh stoppte ich mit trocken Brot Kakao und Tannalbintabletten.

12.V.17 Fahrt mit Breber nach Rustschuck / Bulgarien zum Einkaufen. Überfahrt mit Fähre von Ramadan aus. Rustschuck, interessante Stadt mit Türkenviertel (Minaretts.) Jeden 2.ten Tag mussten wir baden und unsere Sachen entlausen lassen.

14.V.17 Erschien gegen 6 Uhr abends telegrf. Order, sofort nach Buzau zum Chef in Marsch zu setzen. Von hier aus ging mein erstes Gesuch an den Chef um Verwendung als Zahnarzt, welches, wie ich später konstatieren konnte, wegen nicht richtiger Abfassung, nur bis zum Chef nach Buzau gelangte und dort bei den Akten blieb.

15.V. Nachm. 3.55 Abfahrt über Bukarest nach Buzau. ½ 7 Ankunft in Bukarest. Rundgang durch die Stadt mit einem Pfleger der Kr.T.A. Auffallend in der Hauptstraße, eine ½ St. vom Bahnhof entfernt, eine sehr lange Straße (Calea Viktoriei) die mit Puder und Parfüm geschwängerte Luft. Viel angemahlte Huren und Damen! Hier giebt es für teures Geld uns alles zu kaufen.

16.V. In Buzau angekommen. Meldung beim Chef. Verwendung als Schreiber im Hauptgeschäftszimmer zwecks Bearbeitung der mediz. chirurg. Etats. Wohnungssuche. Eine scheußliche Nacht in einer völlig verwanzten Bude u. dito  Bett, ohne Beleuchtung zu haben, vollbracht.

17.V. heute erhielt ich den Auftrag ins Quartier des Chefs Oberstabsarzt Dr. Poddey (Kreisarzt in Lauenburg i. Pom.) als Wächter über seine Sachen zu ziehen (Villa eines früh. Bürgermeisters von Buzau) Sehr gute Verpflegung hatten wir in eigenem Kasino  neben dem Kasino unserer K.T.A.

Donnerstag 23.V. Makensen in Buzau. Seit Sonnabend vor Pfingsten wohne ich Ghita Dascalescu 43., erste Nacht Wanzenjagd in einem kleinen Häuschen zu ebener Erde. Zwei Zimmer mit einem Zwischenraum. Rechts Wohnt unser Gefr. Gottwald aus Traunstadt (Telefonist). Die Mitte war unser Toilettenraum, hinters wohnte ich. Rumänischer Landwein, ein gefährliches Getränk, aber ein gutes Schlafmittel. Heute hat mein Darmkatarrh, den ich seit meinem Aufenthalt in Buz. hatte wieder aufgehört. Poddey noch in Urlaub. Kramer tritt gleichfalls seinen Urlaub an, Oberstabsarzt Dr. Kronemeyer (Bremen?) vorübergehend Chef. Kommt plötzlich am 30.V. mit Krgr. Laz.129 nach dem Westen. Vertreter Assistenzarzt Pfaff.

1.Juni. Veiller, unsere tüchtigste Kraft, fährt in Urlaub. Ich erhalte zugleich den Postdienst. Überall werden die großen Reklamebilder, die den Straßen ein eigenartiges Bild gaben abgemacht. Die Straßen sehen direkt verödet aus. Die ganze Nacht – Hundegebell – und Floh-Wanzenplage.

2. VI. 17 Die Bevölkerung wird aufgefordert sich zum Hilfsdienst zu melden. Die Dirnen müssen die Straßen kehren!

Sonntag 3. VI. 17 Poddey vom Urlaub zurück.

4. VI. 17 Heute geht mein zweites Gesuch von Poddey befürwortet an den Etappenarzt weiter. Stelle am bakteriologischen Untersuchungsamt ausgeschlagen, da mein Gesuch weiter geht. Heute die ersten Kirschen gegessen!

7. VI. 17 Heute ging zwischen1/2 3 und 3 ein furchtbarer Hagelsturm über Buzau nieder, der viele Fensterscheiben zertrümmerte. Eisstücke über Kirschengröße. Riesige Wassermassen stürzten unter schwerer elektr. Entladung hernieder.

8. VI. 17 I.ste Choleraimpfung. Scheußlich ist das Kaffeeholen in der heißen Mittagzeit nach dem ½ St. entfernten Geschäftszimmer. Heute Nacht töte ich in meinem Zimmer neben Kellerasseln einen ungewöhnlich großen Tausendfüßler. Wegen Mangel an Getränken, Wasser darf wegen Seuchengefahr nicht getrunken werden, leidet man stark unter Durst.

27. VI. Thyphusimpfung. Schüsse des Nachts.

17. VII. – 24. VII. Eine Woche Nachtdienst im Geschäftszimmer. Wegen großer Fliegenplage, – Schlafen unmöglich.

17. VII. heute die ersten, neuen, Kartoffeln gegessen zu Mittag.

22. VII. heute höre ich das mein Gesuch beim Kriegsministerium bereits sein soll, nachdem es vom Armeearzt zurückkam.

  1. VII Urlaubssperre: Die Rumänen schlafen im Freien auf der Altane. Erste Kämpfe an der Front!

Die andauernde, große Hitze erzeugt eine lähmende Schlafheit und Müdigkeit.

1.VIII. Nachricht vom Kriegsminist. an Etappenarzt, daß gegen meine Beleihung nichts einzuwenden ist.

3. VIII. heute über 50° Cels. In der Sonne gemessen.

4. VIII. der erste Bierabend in unserem Kasino. Im Zimmer messe ich abends noch 28° Cels. Viele Truppentransporte kommen durch Buzau. Anscheinend steht eine neue Offensive bevor. Auch Türken und Bulgaren.

6. VIII. Differenz mit dem Chef, weil ich den Inspektor des Etappenarztes bat, telefonisch dem Chef meine Beleihung mitzuteilen. Ein großer dienstlicher Lapsus von mir. Wie ich zurückkomme[,] liegt auf meinem Platz der Marschbefehl als fliegender Telefonist für die neue Kr.Tr. Gruppe.

nach Rimnicul – Sarat in Marsch gesetzt. Wahnsinnige Hitze! Abfahrt 3 Uhr mit österreich. Transportzug. Unübersehbare Maisfelder und Sonnenblumen, weit und breit keine Dörfer. 5 Uhr Ankunft in Rimnic., trauriges, schmutziges Nest mit circ. 8000 Einwohnern. In der Ferne Kanonendonner. Abends Bier im Stadtpark getrunken. Quartier, echt rumänisch, mit dem Burschen vom Stabsarzt Kramer zusammen, Lehmboden mit viel Flöhen. Dienst von 7 Uhr morgens bis 10 Uhr abends, anstrengend aber interessant. Quartier im Verhältnis zu Buzau wesentlich primitiver, keine Fensterscheiben. Nachträglich Befehl, daß ich in Rimnic. bleibe, Stusser als Ablösung bestimmt.

8. VIII. Riesiger Andrang an der Sammelstelle, alles drunter und drüber. Wilder Krankentransport – Abends Donner schwerer Geschütze. Bis 12 Uhr nachts gearbeitet. Verpflegung sehr schlecht.

9. VIII. Dienst wieder den ganzen Tag bis ½ 12 Uhr nachts. Alles drunter und drüber, auch infolge Bildung der fliegenden Gruppe (Dr. Sturmköffel Landsturm. Arzt) Ausschlag am ganzen Körper infolge Chininschluckens oder Insektenstiches.

10.VIII. Ausschlag wieder völlig verschwunden. (oder entstanden auch dadurch, daß ich das ganze

Bett mit Globolpulver eingestäubt hatte!)

11.VIII. ½ 6 Uhr früh, sehr starker Kanonendonner. Verpflegung sehr schlecht. Hunger.

12.VIII. vom 11. zum 12.  keine Minute geschlafen, da von der Front die ganze Nacht hindurch große Umtransporte kamen. Es erschienen in ständigen Transporten sehr viel Verwundete und Kranke. 1300 Mann wurden den hiesigen Lazaretten überwiesen. Ein trauriges Bild, des Nachts bei Fackelbeleuchtung. ½ 3 Uhr zu Bett.

18.VIII. Heute kommt die Nachricht von meiner Beleihung.

19.VIII. Meldung beim Kriegslazerettdirektor 58. Oberstabsarzt Osaun, dann beim Abteilungschef Oberstabsarzt Järisch. Fahrt nach Bukarest mit Lkz. (Mobilgeld 550 M.). Schönes Coupe  II.Kl. allein mit weißer Wäsche. Leider nicht geschlafen. Um ½ 6 Uhr in Chitilla vor Bukarest ausgestiegen. Keine Bahnverbindung wegen Militärtransporten.

20.8. Nach 3 Stund. Aufenthalt in Chitilla Weiterfahrt auf einer Lokomotive. Ankunft dortselbst gegen 10 Uhr. Quartier bei Gottwald auf der Kr.S.Stelle der K.T.A. 15 Einkäufe im Offizierskaufhaus Trocadero, Kaffee Kronprinz. etc..etc…

21.8. Bummel durch die Stadt. Abend Kino. Gut gegessen und getrunken, besonders sehr gutes feines, Bier. Viel Schmutz in den Straßen. Großer Straßenhandel.

24.8. 17 Abfahrt 6.35 morgens nach Buzau zum Etappen-Intendanten. Bekleidungsfrage erledigt. Auf der K.T.A. Gruppe gegessen, um 3 Uhr Fahrt mit Etapp. Laz.15 nach Ploesti.

25.8. Rückfahrt nach Rimnic.

27.8. Meldung beim Kriegslaz.dir. Mittag im Kasino 58 g. Sofort nach 58 i. kommandiert. Abend im Casino 58 i. 30. 8. Bierabend, Feier meines Eintritts in das Kasino und meiner Beförderung. Sehr vergnügter Abend bis ½ 3 Uhr morgens. Gast des Kasinos – Physiologie-Prof. Krämer – Berlin. Chef: Oberarzt Zelle (Kreisarzt in Oppeln) Delegierter des roten Kreuzes Geheimrat Winter, Stabsarzt Prof. Beugsch, Stabsarzt Dr. Hornstein (Frauenarzt in Reydel) Oberarzt Dr. Pzell, Dr. Samuel, Unterarzt Knossella, Kollege Bunke, Inspektor Göhrden.

1.9. 17 Abkommandierung zum Korpsarzt I. Ins. Korps.

3.9. Früh 10 Uhr Abfahrt nach Focsani Meldung beim Korpsarzt Generaloberarzt Hildebrandt. Adjutant Oberarzt Fontaine. Werd der 89 I.D. Feldlaz. 264 als Stabsmäßiger überwiesen. Meldung beim Chefarzt des Feldlaz. Marinestabsarzt d. R. Dr. Steffen. Abends im Casino daselbst.

4.9. 17 Meldung beim Div. Arzt Oberstabsarzt Plöck. Nochmalige Meldung beim Korpsarzt. Ich soll für den erkrankten Kollegen Kaiser die Kieferstation übernehmen. Focsani, 15 klm. hinter Front, schöne Stadt, sehr gutes Qartier. Nachts 11 ¼ Uhr Fliegerangriff in mondheller Nacht. Maschinengewehre und Flakgeschütze treten in Tätigkeit. Mit Scheinwerfern wird der Himmel abgesucht. Um ½ 2 Uhr Wiederholung des Angriffs. Es sollen viel Bomben abgeworfen worden sein.

5.9. Meldung beim beratenden Chirurgen Oberstabsarzt Gollinsky, Leiter der Mund-chir. Station und gleich zwei Kiefer geschient. Meldung ferner bei Oberstabsarzt Scheffels, Chefarzt des bay. Feldlaz. 42, dem die Station angegliedert ist. Nachts 1 Uhr wieder ein Fliegerangriff.

6.9. ½ 6 Uhr nachmittags Geschwader-Fliegerangriff 6. Flugzeuge.

9.9. Fahrt nach Rimnic zur Besorgung meiner Sachen von dort. 9 Uhr abends Rückfahrt auf einem offenen, hoch mit Holz bepackten Wagen, kühler, aber herrlicher Abend. In der Ferne Mündungsfeuer und Aufsteigen von Leuchtraketen. Um 12 Uhr zu Haus. Rumänien ist ein sehr fruchtbares Land. Hier kennt man weder Kunstdünger noch Düngung mit Mist.

14.9. Schönes Sy[m]phoniekonzert in Stadttheater (Kappelmeister Hetzel – München) Im Offizierspeisehaus Sohn von Prof. Michaelis (Guben) als Art.Off. gesehen, aber nicht begrüßt.

18.9. Wagenfahrt nach Risipiti. Dortselbst interessante Aufnahmen. Die Verluste der letzten, mißglückten Offensiven werden auf 25000 Mann geschätzt, viel Tote!

21.9. Heute II. te Thyphusimpfung. Auf der Kieferstation der III. Todesfall. Morgen soll der Kaiser kommen! Abends 6 Uhr sitze ich im Offiziersspeisehaus als wieder feindliche Flieger erschienen, die lange Zeit beschossen wurden.

22.9. Heute soll der Kaiser in Odobesti gewesen sein. Früh um 8 Uhr machten wir eine Sektion. Abends erschienen wieder Flieger. Abend im Theater „Fledermaus“ gesehen. Die Fensterscheiben des Theaters sind durch Farbe abgeblendet. (grün angestrichen)

24.9. 17 Heute Eindruck geschunden. In Gegenwart des Chefarzt vom Feldlaz. 10 Stabsarzt Beneck (Görlitz) eine komplizierte Schienung mit schiefer Ebene (Matzeit) vorgenommen! Alles klappte tadellos, Zeiteinh. 1. Stunde. auf dem Operationstisch. U. starb leider später an einer nicht beobachteten Verletzung der Wirbelsäule, die Erscheinungen wurden für Tetanus oder eine Meningitis gehalten!

26.9. Theater „Weg zur Hölle“ ein Schwank, sehr lustig und nett. Neues Auftreten von Darmkatarrh. (Putna-Krankheit)

27.9. Heute Fieber und starker Darmkatarrh.

29.9. Postsperre. Besonders wurden sämtliche aus Deutschland ankommende Zeitungen auf telegraf. Befehl gesperrt.

1.X. Kieferstation, als selbstständige Station aufgelöst und im bayr. Feldlaz. 42. eingerichtet.

4.X. Morgens ¾ 4 Uhr Fliegerangriff. Nachmittag Wagenfahrt mit Insp. Schneider nach Carligele, herrliches Weingut. Die schönsten Trauben, so groß wie Pflaumen, direkt vom Stock weg gegessen.

6.X. Im Theater „Dollarprinzessin“ gesehen.

13.X. heute gab es einen herrlichen Puter zu Mittag (13 Lei /ä 0,80 n) = Kosten) 6. Personen haben 2 x davon gegessen.

14.X. (Sonntag) zwischen ½ 6 u. ½ 7 Uhr schwerer Fliegerangriff, bisher der Stärkste. Mehrere Tote und Verwundete am Bahnhof.

15.X. heute die ersten Läuse „geknackt“.

16.X. Meldung beim Div. Arzt bezüglich deiner Abkommandierung zur San. Komp. 64 nach Tifesti.

17.X. Wagenfahrt nach Tifesti, Meldung beim Chef daselbst. Besichtigung der für die Zahnstation in Aussicht genommenen Räume. Keine Fußböden (Lehm), keine Fenster. Nach Focsani zurückgefahren.

20.X. In einem Sanitätsauto bei hundsmiserablen Wetter nach Tifesti gefahren. Das Hämmern der Maschinen-Gewehre höre ich vom Bett aus bei Tag und Nacht.

21.X. heute Spaziergang nach der Surita, einem tief eingeschneiten Flussbett, in dem die Inf. Unterstände eingebaut und eine schwere Batterie bayr. Fuß. Art. 4 liegt. Hier sieht man die ganze Front mit seinen Stellungen vor sich. 3 km hinter Tifesti (Front 6 km.) Schlechtes, kaltes Wetter. Tifesti hat eine Belegziffer von 2400 Mann inclus. Brigadestab. Die „Zahnstation“ trifft im San. Unteroffizier Scholter, Techniker Schilling (Reichenbach – Langenbielau) einen Ordonnery, ein Schreiber, ein Bursche. Tafelrunde bei den San. Komp. 2. Stabsärzte, 2. Oberärzte, 1. Feldhilfsarzt, 1. Oberapotheker, 1 Zahnarzt, 1Zahlmeister 2. San. Vice-Feldwebel der etatsmäßige Wachtmeister, der kath. Dir. Pfarrer Schwanitz (Domprediger in Köln), der Div. Hilfspfarrer Thyssen aus Bremen (Pfarrer „Wunderbar“) „Authentisches“ aus dem rumänisch. Feldzug, der nach der Schlacht am Arges und bei Bukarest verloren worden wäre, da 5. Deutsch. Div. abgeschnitten waren, die nur durch das schnelle Heranholen einer türkischen Div. herausgeschlagen wurden. Generalstabschef Tappen flog sofort.

31.X. heute Abend wurde uns zum Abendbrot als kalter Aufschnitt Hundebraten vorgesetzt.

4.XI. 8 Uhr Morgens. Heute mit der ersten Reitstunde begonnen. Aller Anfang ist schwer! Zeitweilig sogar noch recht warm. Schönes Herbstwetter. An Regentagen fürchterlicher Schmutz. „Authentische Mitteilungen“ Während der Augustoffensive 1917 in Rum. standen am Nagrowalde 36 stundenlang 13. Battr. Artillerie untätig, während die Infanterie verblutete. Der Art. Kommandeur Oberst Schmid wurde daraufhin sofort abgesägt. Während des I. Teils des rum. Feldzuges mußten wegen Gewalttätigkeiten, Plünderungen etc… besonders durch bayr. Soldaten Buzau, auf höheren Befehl, zeitweilig von den Truppen geräumt werden. Die II. Offensive am [?] scheiterte hauptsächlich wegen Mangel an Artillerie und Truppen. Differenzen zwischen Mackensen – u. der obersten Heeresleitung

16.XI – 18. XI. in Focsani zwecks Einkäufe.

18.XI. Operette „Der Frauenfresser“

19.XI Zurück mit Postauto nach Purcelesti von dort zu Fuß nach Tifesti

20.XI. Ausflug bei schönstem Wetter auf die Magura Odobesti (Höhe 1001.) Artilleriebeobachtungsposten (2. Scherenfernrohre) mit Wagen bis Seanteia. Zu Fuß aufwärts 2 ¾ St. Abwärts den „Karrenweg“ herrliche Aussicht, besonders schön auf die transsylvanischen Alpen.

3.XII. der erste Schneefall.

4.“ herrliches Winterwetter. Die Artillerie darf nicht mehr schießen. Man munkelt von einem bevorstehenden Waffenstillstand.

5.XII. Schneidender Wind, Kälte, etwas Schnee. Heute Morgen erschienen bei der 2/2 I.D. ein rum. Art. Oberst zwecks Abschlusses eines Waffenstillstandes. Heute besuchten wir daraufhin die Art. Stellung der bayr. Fuß. A. 4. „Waffenruhe“. Unsere tägliche Fleischportion sind 250 g.

6.XII. heute wurde die Zahnstation von einer Kommission aus dem Kriegsministerium Oberstabsarzt Schmidt besichtigt.

8.XII. Ausflug nach den vorderen Stellungen und Höhe 151. Inf. Reg. 333. Abends Einweihung unseres neuen Kasinos

9.XII. Wagenfahrt nach Faucin, sehr kalt

12.00, ein kleines, herrlich gelegenes Örtchen, aber sehr zerschossen.

10.XII. heute wird offiziell von der Brigade bekannt gegeben, daß Waffenstillstand geschlossen worden ist. Alle Verteidigungsarbeiten sind einzustellen.

16.XII. Nach 6 Tagen ununterbrochenem Nebel heute wieder ein herrlicher Sonnentag. In den nächsten Tagen wieder Nebel mit schönen, milden Sonnentagen wechselnd, dann wieder Kälte mit scharfem, schneidenden Wind.

24.XII. Um 6 Uhr nachm. in der Barake Weihnachtsfeier der gesam. Korp. 7 Uhr Abendbrot und Feier. Große Besäuftheit an starkem Grogk ½ Wasser zu 2/3 Cognac.

27.XII. Frühlingswetter, dann wieder Regen, entsetzlicher Schmutz. Laut Bekanntmachung des Gasschutzoffiziers hatte Italien bei der großen Offensive infolge unseres Gasangriffs 5-6000 Tote infolge Gasvergiftung. Es werden abwechselnd Granaten mit den verschiedensten Gasen geschossen, die eine kombinierte Wirkung haben, die ersten neigen zu Erstickungsanfällen bei nicht dicht schließenden Masken. Die Betroffenen versuchen sich dann in ihrem Angstgefühl die Masken abzureißen und atmen dann das zweite tötlich wirkende (Clor) Gas ein. Von den in rum. Händen befindlichen circ. 40 000 Zivilgefangenen sind nur noch circ. 14 000 übrig geblieben. Die Meisten starben an Hunger u. Seuchen (Fleckfieber). In Serbien sind von circ. 70 000 österreich. Kriegsgefangenen nur noch circ. 5000 am Leben geblieben. Wetter im Monat Januar fast frühlingsmäßig – herrlich.

20.I. 18. Fußmarsch von Tifesti auf Höhe 1000 ½ 8 Uhr morgens Abmarsch, ½ 12 Uhr oben. Marsch über Gagerti- Jägerlager. ¾ 2. Zurück über Kloster Schitul – Tarnita – Gagesti – Tifesti. ¼ 6 Uhr

Abends zurück mit Oberapoth. Weinmann. Sehr schöne Aussicht (Wölfe) aber sehr anstrengend.

18.I. 18. Abends war bei uns der Brigadestab geladen. 1. Hauptmann + 2.Leutn. ¾ 11 erscheint per Auto. Unser Brigadier Generalmajor Siegner als Gast. Glänzendes Festessen: Tomatensuppe mit Reis, Krammetsvögel auf geröstetem Brot, Sauerbraten mit Wein-Sauce und Kartoffeln. Butter u. Käse. Später um 11 Uhr noch mehrere Platten mit Aufschnitt etc.. I.a. Wein mit gutem Bukarester Bier. Heißer Slivowitz! Eine Roulette wurde gedreht, jeder bekam eine Nummer, wems traf, der mußte einen Ganzen trinken.

Einige typische Unfreundlichkeiten unseres Div. Kommandeurs Exc. Melms: Pferdeappell am

Sonntag. Nach Waffenstillstand erscheint er vorn beim Drahtverhau, mißt die Breite nach und konstatiert statt 4 m. 3,60 m. Darob  großer Krach. Dieser Kleinigkeitskrämer!

26.I. 18 Ausflug nach Marasesti durch das zerschossene Dombrowawäldchen, an dem völlig zerstörten Dampfsägewerk Tisita vorbei, weiter die völlig zerstörte Zuckerfabrik (mit Weinmann)

Es wurden an diesem Tage Türken und Bulgaren (Dobrudscha) ausgetauscht. Sehr interessante Typen. Die rum. Offiziere fielen in ihren grauen Flauschmänteln mit ihren langen schwarzen und grauen Lammfellmützen ganz besonders auf. Viel Elend sah man da.

27.I. 18 9.15 Apell (Kaiser Geburtstag) 10.30 Feldgottesdienst

2.II. 18 Wagenfahrt mit Pfarrer Tomiak nach Jarestea. Von dort zu Fuß nach Odobesti und zurück nach Jarestea. Von dort wieder mit Wagen nach Tifesti.

5.II. Fahrt mit Stabsarzt Fast, Stabsarzt Scholz, Pfarrer Tomiak u. Oberapoth. Weinmann nach Focsani in zwei Wagen ins Theater „Dreimäderlhaus“. Sehr schöne Vorstellung. Nach dem Theater Einladung bei Pfarrer Schwanitz und dem Korpsintendanten. Sehr guter Wein und Rum. Sekt bis ½ Uhr getrunken bei Kerzenlicht.

10.II. 18 Heute einen historischen Moment miterlebt: den ersten Austausch deutscher und österreich. Kriegsinvaliden aus Rumänien. Von 17000 Gefangenen sollen nur noch circ. 3000 am Leben sein. Hunger und Seuchen, besonders im Lager Sipote sollen gewaltig unter ihnen aufgeräumt haben. Traurige, abgerissene, zum Skelett abgemagerte Gestalten, die vom Bahnhof Putna Seaga nach Bukarest mit Laz. gebracht wurden. Fußmarsch von Tifesti über Batinesti – Igesti – Patrascani und zurück mit dem Chef im Wagen.

12.II. Weilte bei uns der Zauberkünstler Conradi, sehr nett. Abends im Casino bis ½ 2 Uhr.

25.II. morgens 4.20 fand hier ein Erdbeben (ein tektonisches Beben) statt. Der 3.te Stoß war der Stärkste. Mein Wandkalender war in geruckt. Die Lampe pendelte hin und her. Nachmittags teilte uns der Chef eine geheime Mitteilung mit, daß wir stets innerhalb 24. Stunden marschbereit sein müßten. Es finden zur Zeit Friedensverhandlungen statt, mit deren Scheitern man rechnet.

1.III. Inzwischen ist den Rumänen ein Ultimatum gestellt worden. Wir machen aufregende Stunden durch. Heute Nacht 12 Uhr soll die Frist ablaufen. Innerhalb 3. Tagen soll dann der neue Kriegszustand beginnen. In den letzten Tagen sind bereits allerlei Vorkehrungen getroffen worden. Die Artillerie ging wieder in Stellung. Fußa. 4 [Fußartillerie 4] wurde abtransportiert.2. III. heute  kommt die offizielle Mitteilung, daß Rumänien die Bedingungen ablehnt.

3.III. 18 10.15 kommt Funkspruch, daß R. in letzter Stunde, nach Abbruch der Friedensverhandlungen, neue Verhandlungen angebahnt hat.

4.III. Abends ½ 11 Uhr kommt die telef. Nachricht, daß Rum. den Friedensvertrag unterzeichnet hat. Große Freude. Mal geht hier – mal da ein Haus in Flammen aus Dörfern. Brände wurden als rum. Signale angesehen. Wir waren nur noch 5 Stunden von neuen Kampfhandlungen entfernt. Erdleitungen, die die Rum. abhören konnten, waren gelegt, um sie zu irritieren. Angegriffen sollte bei Braila und Fundeni werden. Unsere Artell. sollte zur Täuschung 3000 Schuß abgeben. Vor uns lag nur ein Reg. 333. in Div. Breite auf 10 km. Wir hatten bei unserer Div. nur noch 5. leichte und eine schwere Batterie.

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Urlaub in die Heimat vom 22.III. bis 17. IV.

Die Zahnstation wurde inzwischen wieder nach Focsani verlegt. Ich bin wieder beim Feldlaz.

2.VI. 18 E.K. II erhalten. Die Rum. sagen, daß die Deutschen in Bezug auf Moral viel von ihnen gelernt hätten. Die tollsten Schiebungen sollen sich ereignet haben. Das Verhältnis der Stäbe zum Theater ist auch in moralischer, in vorbildlicher Beziehung auch wenig erfreulich.

4.XI 18 heute macht sich eine allgemeine Aufregung und Nervosität bemerkbar. Befehle überstürzen sich. Unser Abmarsch steht unmittelbar bevor, trotzdem der Div.Stab heute noch eine Schnitzeljagt abhält. Wir saßen bis ½ 2 Uhr im Kasino und besprachen die Lage. Ein Geheimbefehl bzg. Ungarn klärt die Lage. Wir müssen uns jedenfalls durch Ungarn durchschlagen. Alles nicht Abtransportierbare soll verkauft werden. Die Situation ist spannend und sehr ernst. Wie werden sich die Rumänen verhalten, die immer noch auffallend ruhig sind aber sehr selbstbewußt, manchmal sogar recht unverschämt auftreten. Auch der schamlose Waffenstillverstandsvertrag zwischen Italien und Österreich wurde heute Abend bekannt. Innerhalb 15 Tagen sollen wir durch Ungarn sein???

5.XI. heute wird alles nur entbehrliche verkauft. Überall wird Munition gesprengt.

6.XI. Schlechtes Wetter, keine besonderen Ereignisse.

7.XI. Abmarschbefehl für 8. XI. erhalten. Es soll über den Buzza-Paß in 9-10 täg. Marsch nach Kronstadt gehen.

8.XI. Nichts besonderes.

9.XI. Wird Abmarsch befohlen für 10. XI. Vormittag.

10.XI. Befehl: Sofortiger Abmarsch über Golesti nach Plaginesti 18 km. Dort Quartier. Wetter gut, kühl, windig. Man hört von einem rumänischen Ultimatum, daß wir in 8 Tagen Rumänien geräumt haben sollen. Abmarsch 9. Uhr Vormittag, Ankunft ½ 4 Uhr. In Plaginesti. Keine Verbindung mit dem Div.Stab. Die Rumänen haben die Bedingungen gestellt, daß Focsani bis 9 Uhr abends geräumt sein muß. Telefon ist abgebaut, wir haben keine Befehle. Der Etappenkommandeur Major Radke erscheint im Auto in Pl. mit den neuesten Nachrichten. Der Kaiser soll abgedankt haben. Funkentelegramm mit der Unterschrift „der Arbeiter- u. Soldatenrat“ sollen aufgefangen worden sein. Die Rumänen haben uns den Krieg erklärt. Der Abschnitt Golesti soll gehalten werden. Vor uns steht nur noch ein Regiment Infanterie und eine Batterie. Abend im Kasino sehr nett – Gänsebraten aus dem Wock und Sekt bis 12 Uhr.

11.XI. Aufbruch ½ 7 Uhr nach Rimnicul. Dort Verbindung mit der Div. 18 km. Marsch. Schönes, aber kühles Wetter, Quartier in einer Baracke des K. u. K. Spital 212. Auf einer Krankentrage geschlafen. Hier erreichen uns die verschiedensten Nachrichten aus Deutschland. Revolution, Soldatenrat etc… Die Rumänen sollen 8 Uhr morgens langsam in das mit Fahnen geschmückte Focsani eingezogen sein. Die Ententearmee soll von Giurgiu aus auf Bukarest marschieren. Ungünstige Nachrichten über das Verhalten der Ungarn. Eine wenig erfreuliche Lage. Abends eingeladen in der Messe des K. u. K. Laz. 212. Die Stimmung war sehr ernst. In der Baracke war es sehr kalt, da die Fensterscheiben kaput waren.

12.XI. ½ 7 Abmarsch nach Buzau (32 km.) Ankunft gegen 3 Uhr. Im Laufe des Tages wurde näheres über unseren Waffenstillstand bekannt. Hier sollen unter unseren Soldaten, besonders den Landsturmbat. Meutereien vorgekommen sein. Soldaten werfen Gewehre und Tournister weg.

Abends im Buz. Offizierspeisehaus guten Rotwein. Daran anstoßend ein Raum für die Manschaften.

Der General der 303. I. D., den ich beim Nachhause gehen vor dem Kasino treffe, ersucht mich zurückzugehen und allen dort befindlichen Offizieren zu ersuchen, nach Haus zu gehen.

Nebenan bittet er persönlich die Soldaten nach Haus zu gehen.

13.XI. Ruhetag in Buzau.

14.XI. Ruhetag. Sehr schlechtes Wetter. Unsere Leute Wählen einen Soldatenrat. 1. Unteroff + 1. Mann.

15.XI. Schneesturm und Regen. Scheußliches Wetter. Gott sei Dank, noch Ruhetag.

16.XI. Immer noch in Buzau. Schlechtes Quartier. Schnee und Kälte draußen. Im Ofen nasses Holz, Feuer, daß keine Wärme giebt. Im Zimmer in der Waschschüssel gebadet und selbst Wäsche gewaschen. Mein neuer Bursche in Vertretung des Erkrankten ist II. Vors. des Soldatenrats. Abend stets Dämmerschoppen – sehr guter Rotwein ½ Litr. 1,60 M. im Offiziersspeisehaus.

17.XI. Immer noch in Buzau. Heute haben wir Kälte. Gott sei Dank ist der Schmutz gefroren. Heute erfahren wir auch, daß wir am 19. XI. in Richtung Buzzapaß in Marsch gesetzt werden sollen. Es soll in einzelnen Gruppen marschiert werden. Wir gehören zur Gruppe Hauptmann Kallow, Inf. Reg. 375. Die Möglichkeit eines Marsches bis Oderberg soll ins Auge gefasst worden sein. Über Abtransportmöglichkeiten von Ungarn aus ist nichts bekannt.

18.XI. Letzter Ruhetag in Buzau. Schlechtes Wetter, kalt und regnerisch.

19.XI. Abmarsch 8.30 Morgens nach Cinderti (15 km) am Eingang des Buzzapasses. Scheußliches Wetter, Regen, Nebel. Quartier leidlich, aber nicht heizbar, kalt.

20.XI. Marsch (8 km) nach Ungurin. Quartier leidlich. Wetter immer noch scheußlich. Mein Bursche kündigt mir die Freundschaft, weil er des Nachts Wache schieben soll. Zwei Herren wurden des Nachts die Wäschesäcke mit sämtlichen Schuhwerk gestohlen. Kasino gemütlich, rauchige Bude.

21.XI. Aufbruch 7.30 (24 km) nach Aninoasa b/ Cislau Kalt, Frost, aber gutes Wetter. Schwieriges Fahren teilweise mit Vorspann. Herrliche Gegend.

22.XI. Aufbruch 9. Uhr nach Benga b./ Fartelege, Wetter schön, aber sehr kalt. 3. Stunden in der Kälte auf der Straße gestanden, ehe Quartier zu erhalten war. Quartier sehr dürftig ohne Ofen. Schöner Rotwein dortselbst gekauft, allgemeine Besäuftheit.

23.XI. Ruhetag und Ausflug nach Suditi auf die anderen Seite der Buzza. Alpenglühen!

24.XI. Abmarsch 9 Uhr über Nehoiu nach Nehoiasu 15 km. Sehr kalt und schneidender Wind, später schöner und wärmer. Herrliche Gegend. Wir mußten hier Feldlaz. 151 ablösen. Nehoin liegt wie Lähn aber mit alpiner Umgebung.

25.XI. Ruhetag.

26.XI. Abmarsch 7.30 (28 km) Krasna nach Brusso (Sägewerk) herrlicher, wildromantischer Engpaß. Wieder sehr schlechtes Wetter. Regen und Nebel. Im Laufe des Vormittags wurde uns gemeldet durch Div. Befehl, daß Rumänien um 6 Uhr geräumt sein mußte. Eine rum. – französische Kommission dicht hinter uns soll nach requirierten Sachen revidieren. 1.36 Mittag überschritten wir die rum. – ungarische Grenze, erkenntlich an einer im Feld befestigten bronierne Tafel. Quartier nur der blanke Boden, aber wenigstens ein Ofen, in einer Baracke des Sägewerks.

27.XI. Abmarsch 7 Uhr (29 km) nach Kreuzburg Wetter sehr schlecht, Schnee, Regen, Kälte, Nebel. Die Bevölkerung benimmt sich sehr unfreundlich. Quartier in einem Schulsaal. Hartes Lager auf einer Schulbank.

28.XI. 12 Uhr mittag 6 km Marsch nach Tartlau (Praszmar) Weg sehr schlecht, Schnee – Schmutz, aber wenigstens von oben trocken. Quartier heute wieder sehr schlecht, der blanke Boden in der Orts Kr. Stube. In einem Gasthaus herrlichen Schweinebraten gegessen und schönen Ungarwein getrunken. Nicht billig, aber sehr gut. Im Lokal Soldatenexess. Ein Sergeant reißt sich vor unseren Augen Knöpfe und Tressen ab.

29.XI. Gutes Quartier bei einer Sachsenfamilie erhalten. Über eventuellen Abtransport ist noch nichts bekannt. Vorläufig heißt es noch weiter marschieren. Allgemeine Stimmung sehr schlecht.

30.XI. Ruhetag. Sehr schlechtes Wetter. Tartlau ist ein sauberer Marktflecken mit vielen wohlhabenden, deutschen Bauern mit fast durchweg 150 – 300 Morgen. Interessante Kirche mit burgartiger Umwallung. Wohnung bei Johann Schmidt, Mühlgasse 688. Heute kommt ein Befehl, der auf bevorstehende Internierung und Entwaffnung schließen läßt. Ich verkaufe für 50 Kronen meinen Revolver.

1.XII. Unsere Internierung steht fest bis auf das Wie? Wir bekommen den Befehl mit einem Teil des Laz. des Nachts über Kronstadt nach Schässburg zu fahren. Alle nur entbehrliche Habe wird schweren Herzens verkauft. Abfahrt 8.45 bei großer Kälte in einem Wagen ohne Fenster. In Kronstadt gegen 1 Uhr Ankunft. Ohne Belästigung umgestiegen und nach Schässburg weitergefahren. Überall hört man Schüsse fallen von Radaubrüdern. Ankunft am  2. XII. gegen 7 Uhr morgens. Schässburg, sehr schönes, kleines Städtchen, ähnlich wie Marburg gelegen. Sehr gut gegessen und getrunken.

3.XII. Ruhetag. Wir sollen hier den Durchmarsch der Div. abwarten und die Kranken unterbringen.

Unter Führung des Realschuldirektors Both das Stadtmuseum und die Burg besichtigt. Ein begeisterter Sachsen – Deutscher. Ein nettes, kleines Weinlokal, daß wir die „Herberge zur Heimat“ tauften haben wir zu unserem Stammlokal gemacht.

4.XII. Ruhetag. Bei Dir. Both zum Abendbrot eingeladen. Ein herrlicher Abend.

5. u. 6. XII. / 7. XII. Ruhetag. Heute sehr schöner, kalter Wintertag. 12 Grad Kälte, was ich aber in meinem warmen, behaglichen Quartier nicht verspüre. Hier giebt es doch noch alles zu kaufen, wenn auch teuer. Sehr guter Kaffee mit Torte und Schlagsahne!

8. / 9. / 10. XII. Ruhetage.

11.XII. Abends 6 Uhr Abfahrt nach Pelvencz. Ankunft gegen 1. Uhr morgens. Bis 8 Uhr auf dem Bahnhof schlaflos verbracht. Dort Nachricht, daß rum. Banden einen unserer Proviantzüge überfallen haben, aber erfolglos. Quartier gut, Ehe – Schlafgemach mit Insp. Schneider, aber ohne Waschgelegenheit. Wein sehr gut. Einladung zum Schweineschlachten beim Kantor Peter Horvath. Unsere Leute benehmen sich dort übel als starke Alkoholiker. Man sieht doch allenthalben einen moralischen Verfall der sich auch in dem Offizierskorps sehr stark bemerkbar macht. Der Durch- u. Rückzug unser Truppen wird für lange Zeit einen üblen Eindruck hinterlassen. Die Kantortöchter sangen hübsche ungarische Volkslieder. Ein wohlhabendes, wie malerisches und evangelisches Dorf, daß starke Spuren der Revolution aufweist. Zerstörte Villa des Stuhlrichters. Die Nachmittage wegen Mangel an Beleuchtung im Bett gelegen. Pelvencz ist ein Weinort an der Marös [Mieresch] gelegen circ. 1800 Einwohner. 15. XII. (Sonntag) dem Gottesdienst in der Kirche beigewohnt, am Schluß sprach der Pfarrer ein Gebet in deutscher Sprache. 11.30 Nachts Weiterfahrt nach Banffy Hunyad, circ. 30 km hinter Klausenburg gelegen. Abschiedfeier beim Kantor, wo sich einige Herren wieder sinnlos betranken. (Fontaine wurde von mehreren Leuten in den Zug getragen) Sing viel aus dem Wagen!

16.XII. Früh Morgens 5 Uhr Ankunft in Baffy H. Kleine Stadt von circ. 6000 Einwohnern mit vielen jüdischen Familien. Sehr schwierige Quartierverhältnisse. Unterkunft im Komitatsspital. Dort freundlich und gastfrei  aufgenommen. Sehr gute Verpflegung. Leider müssen wir entdecken, daß wir verlaust sind und die Räume völlig verwanzt. Winterwetter. Geheim: Mitteilung über vermtl. Abtransport durch [Scha?] der Eisenbahnbehörden. Der Sonntag war für uns bedeutungsvoll. Sonntag Abmarsch von Focsani, Sonntag ab von Tartlau, von Schätzburg, von Pelvenecz, von Banffy. Ein großes Verkaufen begann wieder da das Gepäck für den Einzelnen sehr beschränkt sein soll.

2 Uhr Mittag Marsch zur Verladestelle am Bahnhof. Hier entwickelte sich allmählich ein wildes Kriegsbild, dass an Napoleons Rückzug erinnerte. Hunderte von Trainwagen, Feldküchen etc… waren zusammengefahren, wurden entzwei geschlagen, große Holzstöße wegen der Kälte angebrannt. Wir mußten bis ½ 8 Uhr abends im Freien stehen, ehe uns ein Wagon im Zuge angewiesen wurde. Die ganze Div. sollte hier in 7. Transportzügen abtransportiert werden bei großer Kälte und Schneegestöber. Wir waren im Ganzen 13 Personen im Wagon einschließl. der Offiziere der Fernsprechabt. 89 mit Oberrat. Waldhausen. Abfahrt gegen 10 Uhr. Allmählich wurde es ganz behaglich im Wagon. Der schnell eingebaute, eiserne Ofen spendete einige Wärme, der durch Alkohol nachgeholfen wurde. Wir lagen auf Heu.

23.XII. Gegen 6 Uhr Morgens in Großwardein, wo große Formalitäten zu erledigen waren. Major Wenke von O. K. Makensen wollte unsere Entwaffnung veranlassen, was aber verweigert wurde.

24.XII. Früh in Scolnok. Französische Posten marschieren an unserem Zug entlang. Einige Station vor Scolnok wurden wir für 10.000 Kronen entwaffnet. Wir fahren in Richtung Budapest weiter.

24.XII. abends gegen 7 Uhr auf dem Bahnhof in Budapest. Befehl; Alles soll sich mäuschenstill verhalten, kein Licht darf brennen, keine Öfen, die durch Funken auffallen könnten, dürfen brennen. Ich tröstete mich mit zwei Flaschen Wein. In Scolnok wurde unser Transport zum ersten Mal von den Ungarn aufgehalten, aber vergeblich.

25.XII. 7 Uhr Morgens Ankunft in Komorn. Gegen 11 Uhr kamen wir in Raab [Györ] an, wo uns das Schicksal erreichte. Ungarische Bürgerwehr kuppelte uns die Lokomotive ab und soll angeblich den Zug mit Maschinengewehren umstellt haben. Wir sollten von hier nach Fvoth b/ Stuhlweißenburg ins Internierungslager gebracht werden. Der Generalmajor Vogel, unser Div. Kom., der mit seinem Stabe in unserem Zug war, ließ die Führer der einzelnen Transporte zu sich kommen und entließ hier offiziell alle Offiziere und Mannschaften in die Heimat. Alles platzte auseinander.  Ein deutsch sprechender Eisenbahner half mir den Koffer tragen und führte mich in seine Wohnung. Mit meinem Wäschesack ging zu Eisenbahner der Soldat auf Nimmerwiedersehen ab. Nach einigem Suchen in Stadt fand ich freundliche Aufnahme bei einem ungarischen Kollegen. Nachtquartier im Hotel Royal. Der Kollege gab mir einen alten Filzhut, einen Lodenmantel hatte ich im Koffer. Meinen Koffer ließ ch dort zurück. Mit Rucksack und einem kleinen Köfferchen ging ich zur Bahn.

26.XII. Abfahrt früh 3.50 nach Wien. Ein riesiger Andrang. Der Zug wurde gestürmt. Ich konnte nur zum Fenster herein klettern und musste 5 Stunden stehen, fest eingekeilt. In Bruck, der ungarischen Grenzstation eine zweistundenlange, hochnotpeinliche zweimalige Gepäck- u. Leibesvisitation nach Lebensmitteln und Waffen, die aber für mich glücklich vorüber ging. Ankunft in Wien gegen 11 Uhr. Quartier im Hotel „Mariahilf“.

27.XII. Früh 7 Uhr Abfahrt nach Salzburg. Ankunft dort 8.30 abends. Quartier im

Hotel Helböck.

28.XII. 7.55 früh Abfahrt nach München, Ankunft gegen 3 Uhr.

29.XII. Abends 7.25 über Leipzig nach Dresden. Ankunft gegen 1 Uhr mittags.

30.XII. Abfahrt des Nachts nach Löwenberg. Ankunft daselbst am Sylvestermorgen.

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Sebastian Mittea, Evgoroos

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Berichte aus Einsätzen des 5. Thüringischen Reserve Infanterie Regiments (Großherzog von Sachsen) Nr. 94

Kürzlich habe ich in einer Versteigerung eine Sammlung von Berichten über Einsätze des 5. Thüringischen Reserve Infanterie Regiments (Großherzog von Sachsen) Nr. 94 ersteigert. Die  Berichte sind Schilderungen einzelner Soldaten zu besonderen Einsätze. Einige Soldaten schreiben z.B. den Einsatz auf, für den sie mit dem Eisernen Kreuz 2. Klasse ausgezeichnet wurden. Zahlreiche dieser Berichte wurden im Frühjahr 1918 für das Regiment verfasst. Sie decken Erlebnisse zwischen 1915 und 1918 ab. Ob diese Berichte in die Erinnerungsbücher an den 1. Weltkrieg aufgenommen wurden, konnte ich bisher noch nicht überprüfen.

Feldwebel Kruse

1. Komp. Landst.-Inf-Ers.-Batl.

Weimar

Ruisbroek, den 20.II.18.

Erlebnisse der Komp. am Grenzzaun

Am 17.3.15 wurde das Batl. Weimar zusammengestellt und als mobile Truppe zur Verwendung im besetzten Belgien bestimmt. Am 1.4.15, trat es die Reise nach seinem Bestimmungsort, Belgisch-Holländische Grenze, an. Es hatte dort den Granz- und Bahnschutz zu übernehmen. Die 1 Komp. erhielt die Grenzbewachung im Gebiet Maeseyck-Kinroy. Anfang Juni [1915] wurde die Komp. nach Cyel verlegt und erhielt den Granz- und Bahnschutz auf der Strecke Neerpelt-Hasselt.

Die Aufgabe

welche der Komp. in ihren dortigen Wirkungskreis zugewiesen war, war als eine besonders interessante, aber auch als eine außerordentlich wichtige und ernste zu bezeichnen. Die Ortschaft Vroenhoven bildet einen der Hauptübergänge von Belgien nach Holland und es war von der Komp. einerseits der reguläre Verkehr nach und von Holand zu überwachen und zu regeln, anderseits hat die Komp. auch die Aufgabe, in einer Entfernung von mehreren Kilm. Darüber zu wachen, daß verdächtige Personen weder die Grenze überschreiten, noch andere Personen Beihilfe zum Überschreiten leisten, noch auch Briefe und dergl. über die Grenze bringen. Die Komp. hatte zu diesem Zweck 5 Außenwachen aufgestellt[,] die die zuletzt angeführte Aufgabe zu lösen hatten und es ist den Posten gelungen eine ganze Anzahl verdächtiger Personen , welche teils den Drahtzaun übersteigen, teils Briefe etc. durchschmuggeln wollten, festzumachen. Die Abwickelung des regulären Verkehrs nach und von Holland – es passierten täglich mehrere hundert Personen die Grenze – erforderte gleichfalls ebensoviel Umsicht wie Pflichttreue und Ausdauer, da sämtliche Fuhrwerke u. Passanten auf das genaueste untersucht werden mußten. Die auch auf diese Posten – einer besonders starken Wache – bewirkten zahlreichen Verhaftungen beweisen, daß immer noch mit allen Mitteln versucht wurde, der belgischen Armee nicht nur junge Leute aus Belgien zuzuführen, sondern sie auch mit Nachrichten zu versorgen.

Demgegenüber kann jedoch mit Genugtuung festgestellt werden, daß Utffz. u. Mannsch. darin wetteiferten, ihre Pflicht getreu zu erfüllen und daß es ihnen in häufigen fällen glückte, nicht nur Personen festzunehmen, sondern auch das Gelingen von Spionage oder Briefschmuggel, welche bisweilen in der raffiniertesten Weise betrieben wurden, zu verhindern.

Ein Bsp. Der Aufdeckung einer größeren Spionage folgt.

Am 22.I.16 war abds. heftiges Schneegestöber. Solches Wetter wurde von den Spionen für ihr Treiben besonders bevorzugt, Ist doch dann die Beobachtung den Posten sehr erschwert. So wollte auch an diesem Abend eine getriebene Spionin Digna Paulissen das unsichtige Weter ausnutzen. Das Gelände war für ihren Zweck ebenfalls sehr günstig. Hohlwege von 4-5 m Tiefe kreuz und quer, dichtes Gebüsch und hohle Weidenbäume, in denen sicht leicht ein Mensch verbergen konnte, boten reichlich Gelegenheit sich dem wachsamen Auge des Postens zu entziehen. In einem solchen hohlen Baume wechselten sie ihre Kleidung und kam nun in ganz ärmlicher Kleidung näher an den Zaun heran. Sie machte den Eindruck einer armen Frau, die sich verirrt u. so in die Nähe des Zaunes gekommen war. Etwa 20 m vom Zaun erblickte sie der Posten, wie sie Ausschau hielt und sich gleich drauf im Hohlweg zu verbergen suchte. Er nahm sie fest und schaffte sie zu seinem Unteroffiziersposten. Die Frau gab an, für sich von ihren Verwandten Lebensmittel holen zu wollen, da sie wegen ihrer Armut nicht in der Lage sei sich den nötigen Unterhalt zu kaufen. Dem die Wache revidierenden Feldwebel fiel auf[,] das[s] die Person Schuhe hatte, wie sie nur Personen aus besseren Ständen zu tragen pflegen.

Eine genauere Nachforschung in der Umgebung brachte nun auch die Kleidungsstücke in dem hohlen Baume zu tage. Auch wurden mehrere zerrissene Adressen aufgefunden. Mit Hilfe derselben wurde bald eine groß angelegte Spionage ermittelt, die ihre Fäden bis zur Front ausdehnte.

Das anschließende Gerichtsverfahren führte dazu, daß eine ganze Anzahl Personen ihr gefährliches Treiben mit dem Tode büßen mußten; viele andere wurden mit längeren Freiheitsstrafen belegt. Ähnliche Fälle kamen häufiger vor, wenn auch nicht in so großem Maße.

Sie zeigen, daß unsere „hellen“ Sachsen und Thüringer die Augen offen halten.

Kruse

Feldwebel

Leutnant Janschke (Führer der 7. Kompagnie)

Schilderung gemäß Verfügung des A.O.K. 7 am 8.1.16 – I.E. 260.

Im Anfang August 1915 befand sich unser Regiment im siegreichen Vordringen. Die Russen, denen wir schon im Sturm so manche Stellung genommen hatten, befanden sich im Rückzug und versuchten uns durch ihre Nachhuten aufzuhalten, um ihre rückwärtigen Stellungen besser ausbauen zu können und Verstärkungen heranzubekommen.

Am 10.8.1915 hieß es also wieder früh heraus, um dem Gegner keine Ruhe zu lassen, auch waren starke russische Kavalleriemassen gemeldet. So marschierten wir etwa 30 km ohne einen Feind zu sehen, immer bereit eine Kavallerieattacke abzuschlagen, da das Gelände sich gut zu einem solchen Angriff eignete. Erst gegen Mittag erhielten wir wieder die üblichen Schrappnells, ein Zeichen, daß sich der Gegner irgendwo verschanzt hielt. Dich diesmal hatten wir uns getäuscht, denn als wir ausgeschwärmt vorgingen, waren die Russen bereits wieder verduftet. Also ging es wieder vorwärts, natürlich mit größter Vorsicht, da man ja jeden Augenblick unvermutet Artilleriefeuer bekommen konnte und erreichten, es dämmerte bereits, den Ort Nowy-Borek. Hier stießen wir auf eine Kosaken-Patrouille von etwa 20 Mann, welche unter unserem Feuer verschwand, es wurden aber trotz der Dunkelheit 3 Mann abgeschossen. Da es unser Herr Regiments-Kommandeur nicht für ratsam hielt in der Nacht weiter vorzugehen, schwärmten wir bei diesem Ort aus und schanzten uns ein in der Erwartung nach dem anstrengenden Marsche einige Stunden Ruhe zu haben.

Wir waren eben fertig mit Schanzen, als der Befehl kam weiter vorzurücken und möglichst die große Straße Sambrow [Zambrów]-Tshishew [Czyżew] zu erreichen. Nun war es mit der Ruhe wieder vorbei. –

7/94 bekam folgenden Auftrag, durch das Dorf Grochi [Grochy-Pogorzele] vorzustoßen, Rückmeldung, ob dasselbe vom Feinde frei, die Straße zu erreichen und daselbst den Brücken-Übergang bei Mrotschlei zu besetzen. Da es stockdunkel inzwischen geworden war, nahm der Führer einen Panje aus dem Dorfe mit. Grochi wurde vom Feinde frei gefunden, nur hinter dem Dorfe traf man auf 3 Kosaken, welche sofort in der Dunkelheit verschwanden. Nach etwa ¾ Stunde wurde auch der Brückenübergang an der Straße gefunden und von neuem fingen wir an und schanzten uns ein. An Schlaf war nicht zu denken, da die Russen die ganze Nacht schossen und demnach nicht weit von der Straße Stellung genommen hatten. Gegen morgen kam der Befehl vom Batls.-Kommandeur, daß das Regiment früh 700 in Richtung auf Tarnowo [Tarnowo-Goski] vorgeht, die Kompagnie hat sich dem Vorgehen des Regiments anzuschließen. Als die Zeit herankam, sahen wir links unser I. Bataillon im Vorgehen, doch bald erhielt dasselbe heftiges Artillerie- und Infant.-Feuer, gleichzeitig bemerkten wir, daß die Russen mit starken Kräften angriffen. An ein weiteres Vorkommen des Bataillons war nicht zu denken, im Gegenteil war große Gefahr, daß der Gegner dasselbe von rechts umklammerte. Hier beschloß der Führer der 7. Komp. selbst ohne Auftrag und Verstärkung vorzugehen. Durch einen Talgrund kamen wir unbemerkt und unbeschossen bis an das Dorf Tarnowo heran. Als die Spitze der Kompagnie durchgehen wollte, bemerkte sie eine feindliche Patrouille, welche jedenfalls den Auftrag hatte zu erkunden, ob das Dorf vollständig frei wäre. Diese Patrouille durfte auf keinen Fall entkommen; die Spitze bekam daher den Befehl die feindliche Patrouille entweder gefangen zu nehmen oder abzuschießen. Bis auf 20 m ließen wir sie herankommen, dann riefen wir sie an. Da die 3 Russen nach den Häusern liefen, um Deckung zu nehmen, wurden sie erschossen. Jetzt war Gefahr, daß bald stärkere feindliche Kräfte folgen würden, deshalb ging es im Laufschritt durch den Ort, um den Ostausgang zu gewinnen und Schußfeld zu haben. Als wir den Ostaufgang erreichten, war es die höchste Zeit, denn schon kamen starke feindliche Schwarmlinien auf das Dorf zu, um dasselbe zu nehmen und von da aus unserem I. Batl. in die Flanke zu fallen. Mit Geschwindigkeit besetzten wir den Dorfrand und eröffneten ein mörderisches Feuer auf den Feind. Die Russen hatten jedenfalls von da noch keinen Gegner vermutet, auch schoß unser I. Zug ihnen direkt in die Flanke. Jedenfalls dachten sie auch durch unser lebhaftes Feuer, daß wir viel stärker wären, sie machten kehrt und liefen dem nächsten Dorf zu, um Deckung zu suchen. Der Angriff war also von dieser Seite abgeschlagen. 2 Russ. Artillerie-Batt., welche zwischen den beiden Dörfern standen, kamen in unser Streichfeuer, fühlten sich, nachdem ihre Infanterie weg war, nicht mehr sicher und protzten auf, von uns lebhaft beschossen, eine Protze mußten sie stehen lassen. Es waren die beiden Batterien, die unserem I. Batln. schwere Verluste zugefügt hatten. Die nächste Zeit benutzten wir, um uns am Dorfrand einzuschanzen und das war auch die höchste Zeit, denn kaum waren wir etwas in der Erde, als auch die Russen wieder zur Vernunft gekommen waren und ein lebhaftes Inf.-Feuer auf uns eröffneten. Gleichzeitig fing auch die russ. Artl. an Tarnowo unter Feuer zu nehmen, wo sie jedenfalls starke Kräfte vermuteten. Uns schadete es wenig, denn wir lagen ja nun gut eingegraben vor dem Dorfe. Die russische Infanterie versuchte auch bald wieder vorzukommen, doch wurde sie durch unser Feuer verhindert. Schön war unsere Lage trotzdem nicht, denn die Kompagnie lag ganz allein, rechts wie links fehlte der Anschluß; auch fing unsere Munition an auszugehen; faßten uns die Russen von rechts an, so konnten sie uns abschneiden. Glücklicherweise kamen sie nicht auf den Gedanken, auch glaubten sie starke Kräfte hinter uns. So haben wir das Dorf den ganzen Tag über gehalten bis es gegen abend den andern Kompagnien, sowie unserem rechten Nebenregiment gelang in unsere Höhe zu kommen und uns zu verstärken. Entschädigt wurden wir durch die vielen Hühner und Gänse, welche noch im Dorf waren, denn die Einwohner waren bei dem plötzlichen Gewehrfeuer ebenfalls geflohen. Sogar ein Schwein haben wir trotz des Feuers im Schützengraben geschlachtet, denn Hunger hatten wir auch bekommen. Als die Russen dann am nächsten Tag aus der Stellung vertrieben worden waren und zum Vormarsch angetreten wurde, wurde der Kompagnie eine ganz besondere Freude zuteil. Der Herr Regiments-Kdr. Kam extra zu und geritten, um uns für Tarnowo zu beglückwünschen. Als die Kompagnie zum nächsten mal ins Gefecht kam, richtete kurz vor dem Sturm Sr. Kgl. Hoheit der Großherzog v. S.W.E. einige anerkennende Worte an die Kompagnie.

Im Felde, den 26. Januar 1916

[Unterschrift Janschke]

Leutnant u. Führer der

[Stempel der 7. Kompagnie]

Sergeant Otto

Erlebnisse des Sergt. Otto 1/94. Inf. Regt. 94.

am 7.III.18.

Bin am 8. August 1914 mit den Regt. 84 ausgerückt[,] habe alle Gefechte bis heute unverwundet mitgemacht. Einer der ersten Tag war der 2. Januar 1916. den ich gelebt habe. Wo der Feind den ganzen Tag Wirkungsschießen auf unsere Stellung machte und muß dabei fast sämtlich Unterstände Tromelte[,] wobei ich mit Knapper Not mit den Leben davon kam. Von den riesigen gang mit Wasser gefüllten Trichtern um meinen Unterstand waren einigen durch schwere Granaten auseinander gewüllt, und das braune Lehmwasser schoß in den Unterstand herunter. Bald standen wir bis über die Knie in Wasser und wußten, da dasselbe immer fort stieg, ein Fluß um die andern höher klettern, um nun drängte sich alles in den bis jetzt noch heil gebliebenen. Wir warfen hin u. her, ob es besser sei, sich ins freie zu legen, und wollen gerade den Ausgang zu, als mit ungeheuern Krachen u. Splittern unser letzten Ausgang zusammenbrach. Stockfinster wars auf der Treppe und nun das Glucksen und Riseln des immer noch eindringenden Wassers war zu hören. Nachdem sich der Schreck gelegt hate, und uns die ganze Größe der Gefahr vor Augen trat[,] fingen wir, ein Kerze war gottlob noch vorhanden, an, den Ausgang frei zu legen. Fieberhaft arbeiteten wir mit Picken und Seitengewehren, die zersplitterten Rahmen zu entfernen. Dabei drang aber noch unaufhörlich das gelbe Wasser herein. Es mußte woll unten bereits übermannstief sein. Und von draußen klang das dumpfe Dröhnen der krepierenden schweren Granaten herein. Endlich! Ein erlösendes Aufatmen. Den Druck der vereinten Kräfte vor der ersten Rahmen gewichen und nun fiel das Chaos von Splittern und Schlamm über uns herein. Hinter her wie ein Fluß Wasser. Aber wir fallen licht und luft. Jetzt gabs nur noch einen Gedanken: Heraus; lieber in freien Verwundet, als dort unten im Schlamm und Wasser ersticken. Und nun gings im stärksten Feuer heraus. Teilweise kriechend kamen wir endlich nach langen Minuten im Abschnitt der 4/94. Das fast gar nicht unter Feuer lag, an, und dankten unserem Schöpfer für diese Rettung.

Sergt. Otto.

1/94. G.

Krankenträger Josef Urbanek

Bericht über meine Erlebnisse bei meinem Regt 94 I Komp

Auf der Höhe 304 in Stellung wurden Sappen vorgetrieben, in einer derselben wurde ein Kamerad verwundet. Da die Sappe vom Feinde eingesehen wurde war es mir sehr schwierig dem Verwundeten Hielfe zu leisten, ich mußte deshalb um zu ihm zu gelangen auch dem Bauche hinkriechen. Da der Verwundete einen Kopfschuß hatte und deshalb Pfantasierte stach derselbe mit seinem Messer um sich. Nach größter Anstrengung gelang es mir ihm das Messer zu entreißen, und ihn dann zu verbinden, und kriechend zurück ziehen. Als ich ihn im Graben hatte so rief ich mir einen Kameraden zu hielfe und trugen ihn nach Verbandsplatz, wo wir abermals einen schwierigen weg hatten, da das hintergelände ständig unter starkem Ateleriesperrfeuer lag.

 

Krankenträger Josef Urbanek

1/94

G.

Vizefeldwebel Hiesch

Im Felde, d. 14 März 1918

Bericht des Vizefeldwebels Hiesch 1. Komp. Inf Regt 94 über Erlebnisse beim Regt.

Bin am 5. Oktober 1913 bei der 1. Kompanie eingetreten und rückte mit derselben Anfang August [1914] ins Feld und machte sämtliche Gefechte des Regts in Rußland und hier im Westen mit[.] Besonders in Erinnerung bleiben bei mir die Kämpfe bei Verdun auf Höhe 304. Der Sturmangriff am 16. Mai 1917 auf Bahnhof Roeux [Rœux]. Und die Schlacht am 31 Juli bei Üpern [Ypern]. Wir kamen im Mai 1916 nach Höhe 304, schon von weiten sah man die mit Schrappnell und [?] Dampf umhüllte Höhe, manchen von uns hatt es schon den Mut genommen, aber als der Befehl kam, die Kompanie geht heut Abend in Stellung, war alles voll Begeisterung. Besonders in Erinnerung blieb mir immer die Ablösung der Kompanie wie wir immer uns durch das mit Granaten überschüttete Hintergelände hindurch schlengelten[,] einige Wochen waren vorüber, als dann von höherer Führung eine Belohnung von 200 Mark ausgesetzt wurde festzustellen war für Truppen uns gegenüber lagen, als eines Abends die Franzosen unsre Sappe angriffen, die ich mit meinen Leuten zu verteidigen hatte, den Angriff aber zurückschlugen und wir aber einen Franzosen zu uns heranholten. Auch der Tag am 16 Mai 1917 bleibt mir in steter Erinnerung als unsre Komp. mit am Sturm auf Bahnhof Roeux [Rœux] bis in die dritte feindliche Linie mit teilnahm, eine Freude war es zu sehen, wie die Engländer unsern Ansturm auswichen, einen Graben in den andern zurückliefen, eine jeder freute sich bis in das befohlene Ziel fast ohne Verluste durchkamen, aber da unsern Erfolg zu verdeitigen gelang uns einige Zeit, ich schlug mit meinen Leuten einen feindlichen Gegenangriff mit zurück. 1 Stunde später als die Engländer uns mit kolosaler Überlegenheit wieder angriffen und uns von links abzuschneiden versuchten, mußten wir uns wieder bis in unsern Ausgangs Stellung zurückziehen, Dabei viele in Gefangenschaft kamen, war die Stimmung bei Führer sowohl bei den Leuten sehr gedrückt, nach diesen Tagen hatten wir eine längere Ruhezeit, als die Kompanie wieder kampfsüchtig waren, gingen wir Ende Juli bei Upern [Ypern] in Stellung und nahmen in der Schlacht am 31 Juli teil. Dieser Tag war mir der schwerste den ich hier im Regt erlebte. Ich hielte mit meinem Zug die Wilhelms Stellung besetzt, als der Engländer mit heftiger Wucht unsre Stellung angriff, ich wurde fast völlig mit mein Zug durch Artillriefeuer eingebaut, ich selber wurde dabei 2 mal verschüttet, aber durch rasches Ausgraben von meinen Leuten allemal wieder befreit. Die Aufgabe war mir d. Stellung unbedingt zu halten, welches auch gelang, als der Feind unsre vordere Stellung überrante und die übrigen Teile an das Bataillon zurück mußten, hielt ich selbige hie noch auf, und ich mit meinen übrigen Leuten zum Gegenstoß überging, wir lagen da 80-100 m vor der Wilhelms Stellung, bis wir Abends abgelöst wurden.

Hiesch

Vizefeldwebel

G.

Gefreiter Mai

Erlebnisse des Gefreiten Mai beim Inf. Rgt. 94. 1. Komp.

Das Regiment lag gerade vor Verdun und zwar am Ost-Abhang der Höhe 304, als ich am 10. Juni 1916 von Regiment 167 ebendahin versetzt wurde. Dasselbe hatte schon zweimal versucht die Höhe volständig in seinen Besitz zu bringen[,] der erste Sturm mißglückte und der zweite blieb ein nur vorübergehenden Erfolg; denn der Gegner, dem am Besitze der Höhe ebensoviel oder noch mehr gelegen war, brachte sie im Gegenangriff wieder in seinen Besitz. Das Regiment mußte wieder in seine alte Stellung zurück. Der Gegner legte ein mächtiges Sperrfeuer auf unsere Linie. Wir unsererseits arbeiteten am Ausbau der Stellung, hoben Sappen aus, um uns näher an den Feind heranzuarbeiten. Am 1. Juli griff das 2. Batl. die Höhe von neuem an[,] aber ohne Erfolg. Den ganzen August hindurch begnügten wir uns damit, die Stellung zu halten und so gut wie möglich auszubauen. Am 8. September wurden wir abgelöst und kamen an die Somme. Ein Sturm auf die englischen Linien mißglückte; die feindliche Gegenwirkung war zu furchtbar. Hierauf durften wir endlich die wohlverdiente Ruhe in Brügge genießen. Leider dauerte sie nicht allzulange; aber unsere nächste Stellung war umso erträglicher. Wir waren nämlich einer Artil-Division unterstellt, mußten Unterstände bauen und sonstige Schanzarbeiten verrichten. Das dauerte 3 Wochen und war bei Westende. Von hier trug uns die Eisenbahn wieder an die Somme. Zwischen Serre und Miramont [Miraumont] war unsere Stellung. Es war gerade am heiligen Weihnachtsabend, als wir sie bezogen. Silvesternacht! Sonst aller[l]ei Belustigungen, Tanz und alles mögliche, jetzt aber ein furchtbares Trommelfeuer dasselbe in der Neujahrsnacht. Die meistern unserer Unterstände wurden eingetrommelt. Tote, Verschüttete überall. 10 Tage lagen wir hier. Dann winkte und die Ruhe in Escadeuver [Escaudœuvres]. 4 Wochen Ruhe, die uns aber durch schweres Exerzieren gehörig versalzt wurden. Wieder stand das Regiment an der Somme und zwar bei Serre. Von hier begann der viel gerühmte und vielbesprochene Rückzug. 40 km bis Coussi [Boursies] vor Cambrai hatten wir uns zurückgezogen. Am 15 April 17. sollte dieses Dorf dazu noch Duanie [Doignies] und Demicourt von uns genommen werden. Der Sturm glückte auch, aber gegen Abend kam Befehl, wieder in die alte Stellung zuückzukehren. Nach einer Ruhe von einigen Tagen in Ecarllong [Écaillon] wurden wir vor Reux [Rœux] eingesetzt. Unsere Kompanie lag rechts vom Bahndamm. Am 16. Mai wurden wir zum Sturm auf Dorf und Bahnhof Reux [Rœux] angesetzt. Schon beim ersten Anlauf war Dorf und Bahnhof unser. Abends aber griff der Feind mit überlegenen Kräften an; wir mußten beides räumen. Zum Glück wurden wir am selben Abend noch abgelöst und kamen 5 Tage nach [Bebieres?]. 6 Tage kamen wir nochmals in die alte Stellung. Am 27. wurden wir abgelöst und hatten vom 10 Juni bis 28 Juli Ruhe in Vijfwegen. Die Division war Stoßdivision; sonst das übliche Exerzieren wie immer. Am 28. wurden wir wieder eingesetzt. Rechts von Zoonebeke war unsere Bereitschaftsstellung. Am 31. rückten wir vor zum R.I.R. Am selben Tage um 4 Uhr legte der Feind ein furchtbares Trommelfeuer auf unsere vordere Linie. Der Engländer trat zum Sturm an. Die erste Linie wurde überrannt. Wir mußten vor zum Gegenstoß. Ein furchtbarer Kampf, schwere Verluste, aber der Feind war aufgehalten, und das war die Hauptsache. Nach solchen schweren Verlusten mußten wir herausgezogen werden und kamen am 5. August nach Eckeren bei Antwerpen in Ruhe. Hier bekamen wir Ersatz von [Beverkov?]. Antwerpen hatte eine gewaltige Anziehungskraft. Die Hälfte der lieben Feldgrauen war darin anzutreffen. 3 Wochen dauerte die Ruhe bis wir am 29. August wieder an die Arrasfront kamen. Wir liegen da links der Scarpe. War an und für sich eine ziemlich ruhige Stellung. Das einzige, war wir hier aus zustehen hatten, war das feindliche Minenfeuer. Einen Angriff hatte unsere Kompagnie nie auszustehen, wohl aber das 3. Batl. und 95. Wir lagen dort in dem einen schönen Barakenlager bei Gouy. 6 Tage wurden Linie, 6 Tage Bereitschaft, 6 Tage Ruhe, das war unser Frontdienst. In Bereitschaft wurde gearbeitet, eine neue Stellung ausgehoben, Munition, Draht und Munierrahmen geschleppt, in Ruhe exerziert. Am 7. November kamen wir weg nach Flandern. Einige Tage in Harlebeeke [Harelbeke?], dann im [Velmerbeekergut?], von dort in Stellung bei Staden. Hier fiel nichts besonderes vor, bis wir am 26. Nach Roulers [Roeselare] kamen. Nach einigen Tagen wurden wir bei Paschendale [Passendale] eingesetzt. Am 31. Abends gingen wir vor. Unsere Kompagnie war Bereitschaftskompagnie dem R.I.R. unterstellt. Zweimaliges heftiges Trommelfeuer, wobei mehrere unserer Löcher verschüttet wurden. Am 2. Dezember in aller Frühe setzte ein noch stärkeres Trommelfeuer ein. Es folgte ein Angriff, wobei der Engländer die ersten Linie durchstieß. Vor ihn legte sich als Riegel unsere Kompagnie. Er ging nicht weiter, sondern schanzte sich ein. Gegen Abend wurde er im Gegenstoß wieder zurückgeworfen. Das war am Herdhof. Hierauf kamen wir noch einmal in Stellung bei Westrosebeeke [Westrozebeke]. 5 Stunden brauchten wir da[,] um eine Strecke von 2 km zurückzulegen. Stockdunkle Nacht. Sumpf und Schlamm, bis über die Knie stecken die Leute oft drinnen. Hierauf wurden wir abgelöst und kamen am 20. Nach Bernem [Beernem] in Ruhe. Unsere größte Freude war, daß wir endlich einmal Weihnachten in Ruhe feiern konnten. Eine schöne Weihnachtsfeier bereitete uns hier die Kompagnie. Das Exerzieren war auch nicht schlimm, es war im Großen und Ganzen eine schöne Ruhe, dauerte aber nicht gerade lange. Am 13 Januar 18. kamen wir weg und zwar nach Staden. Zweimal rückten wir in Stellung[,] um dann in Ruhe nach Ruiselede zu kommen.

G.

Offizierstellvertreter und Verpflegungsoffizier O. Fritzsche I/94

Als am 1. August 1914 das deutsche Heer mobilisiert wurde, begann für alle Soldaten eine an Erlebnissen reiche Zeit.

Als Zugführer mit der 12. Kompagnie des Regimentes ausrückend, nahm ich an den Kämpfen des Jahres 1914 teil. Der 1. Januar 1915 brachte mir die Ernennung zum Verpflegungsoffizier des III. Bataillons, bis am 16. Januar meine Versetzung als Verpfl. Offz. zum I. Bataillon erfolgte. Ein vollständig neuer Dienstabschnitt begann. Nicht Heldentaten sind in dieser Dienststellung zu verrichten, sondern in rastloser Tätigkeit heißt es die Verpflegung für das Bataillon zu beschaffen.

Während des Bewegungs-Krieges im Osten besonders hohe Anforderungen an die Marschleistung der Verpflegungsfahrzeuge stellte, waren die Schwierigkeiten, unter denen das Vorbringen der Verpflegung im Westen geschehen muß, besonders groß. Unvergessen werden mir die Tage des Oktobers 1916 bleiben, als das Bataillon an der Sommeschlacht teilnahm.

Am 22. Oktober 1916 ging das Bataillon am Ostausgang von Grandcourt in Reservestellung. Die Gefechtsbagage hatte Unterkunft in Sapignies bezogen. Am 23. abends führte ich die Feldküche des Bataillons von Sapignies über Achiet le Petit, Achiet le Grand, – Irles, – Miraumont nach Grandcourt. In Miraumont angekommen, begrüßten uns die ersten feindlichen Granaten. Bei grundlosen Wegen in stockdunkler Nacht gings durch Miraumont. Als wir die Bahnunterführung bei Miraumont erreichten, wurde das feindliche Artilleriefeuer so stark, daß wir zunächst eine Pause eintreten lassen mußten, wenn wir nicht Gefahr laufen wollten Pferde einzubüßen. Nach kurzer Wartezeit gings im Trabe nach Grandcourt, dauernd im heftigsten Artilleriefeuer. Ohne Verluste kamen wir beim Bataillon an. Nach erfolgter Essensausgabe wurde die Rückfahrt angetreten. Kurz vor dem Eingang nac hMiraumont wurden durch eine einschlagende Granate die beiden Rückepferde der 1. Kompagnie verwundet. Glücklicherweise waren die Verwundungen nur geringfügig, so daß wir nach notdürftigem Verband die Weiterfahrt antreten konnten.

Am 27. war das feindliche Artilleriefeuer besonders stark. Ein Durchfahren von Miraumont schien ausgeschlossen zu sein. Doch was hilfts. Verpflegung muß her! Um möglichst Verluste zu vermeiden, lasse ich die Feldküche mit Abständen von 100m durch Miraumont fahren. Schlag auf Schlag krepieren die Granaten. Um ein Durchgehen der aufgeregten Pferde zu vermeiden, lasse ich die Fahrer und Begleitleute neben den Pferden gehen und diese am Kopfstück führen. Kaum haben wir die Mitte von Miraumont erreicht, als eine Granate in die Protze der Feldküche der 2. Kompagnie schlägt. Glücklicherweise ists ein Blindgänger und treten sonstige Verluste nicht ein; doch die Protze ist in Stücke gerissen. So schnell wie möglich wird die Feldküche abgeprotzt, notdürftig bespannt und weiter geht die Fahrt. Von dem Inhalt der Protze ist bei der herrschenden Dunkelheit und dem tiefen Schlamm leider nicht zu bergen. Im heftigen Feuer geht’s nun im Galopp durch Miraumont nach Grandcourt. Der Rückweg kam nach Nachlassen des feindlichen Feuers ungehindert angetreten werden.

Am 30. Oktobr. belegt der Feind abermals Miraumont mit starkem Feuer. Doch ungehindert kommen wir durch den Ort. Kaum haben wir die Bahnüberführung passiert, als eine Granate dicht vor dem Wagen der 2. Kompagnie einschlägt. Beide Pferde wälzen sich sofort am Boden. Schnell werden die Pferde abgeschirrt. Doch, o Schreck, das eine Pferd ist so schwer verwundet, daß ein Gnadenschuß aus der Pistole seinem Leben ein Ende machen muß. Durch das dauernde Einschlagen der Granaten werden die Pferde des ersten Wagens so unruhig geworden, daß an ein Halten nicht mehr zu denken ist. Vorwärtsjagend bleiben sie endlich mit dem Wagen in einem verschlammten Granatloch stecken. Nun heißts hier Hilfe schaffen. Im heftigen Feuer wird der Wagen entladen und aus dem Loch gehoben. Nachdem der Wagen von neuem beladen, geht die Fahrt weiter nach Grandcourt. Der Wagen der 2. Kompagnie muß die Strecke mit einem Pferde zurücklegen. Nachm dem Entladen bei den 4. Zügen wird der Rückweg ohne weitere Zwischenfälle angetreten.

O. Fritzsche

Offizierstellvertreter,

Verpflegungsoffizier I/94

 

Gel. Fr. S.

Sergeant Radix

Am 3.11.1915 wurde ich der 2. Komp. Inf. Rgt. 94 überwiesen. Seitdem habe [ich] an sämtliche Gefechte teil genommen. Am tolsten ging es auf der Höhe 304 zu. Wir hatten der Furch[t]bat unter den Feindl. Sperrfeuer zu leiden. Auch war es mir oftmals vergönnt bei den Essenträgern zusein. Der Anmarschweg war zimlich weit, und dazu noch ebenes Gelände. Also der Franzmann konnte uns schon Frühzeitig unter Feuer nehmen. Sobald wir an die „Bärentatze“ kamen[,] erhielten wir jedesmal eine Feuertaufe, nun hatten wir noch ungefähr 20. Minuten bis zur Höhe mit den Essenkübel auf die Schulter in Marsch[.] Marsch bis zur Höhe, wohselbst uns die Kameraden herzlich empfingen. Am 6/10.16. wurden wir Abgelöst, und kahmen noch einen kleinen Dörfchen[,] in welchem auch noch Französische Zivilleute wahren. Es war sehr unsauber[,] aber die holden Weibligkeiten waren stehts Schieck, sauber[,] aber im Haus wimmelte es von 4- und mehrbeinigen Quälgeistern. Aber trotzdem habenwir uns köstlich amüsiert. Von da aus kamen wir nach der Somme und dort war allersamt dicke luft, der Schlamm und dazu das Wasser ging uns Fast bis an die Ohren, an uns zu Waschen war nicht zudeknen. Das Haar muß uns zur Mähne , und Seife war uns fremd, auch putzten wir keine Sehne und wechselten auch kein Hemd[,] doch dieses Hindernis hate vielen Reitz und zieht der Reumatismus für Vaterland durchs Kreuz. Am 16/5 18. kamen wir nach Roucy, um 4 Uhr morgends brechen wir vor zum Sturm oberhalb[,] klapte Großartig[,] wir machten viele Gefangene. Von da aus kamen wir nach Flandern[,] woselbst uns der Große Englische Durchbruchversuch zum zurük halten beschieden war. Ich hatte den Essenträgertrupp[,] es war am 31/7 17 als wir unsern Kameraden Essen besorgen mußten. Aber wir wahren kaum an die Atelrie Stellungen angelangt, schon mußten wir die Gasmasken aufsetzen[,] es war eine Stockfinstere Nacht und war es kaum möglich eine Genaue Richtung einzuhalten von etwa Granatloch zum andern schlängelten wir uns vor. Um 4 Uhr morgends Gelangten wir zu vorderster Stellung. Wir wahren kaum dort[,] schon setzte das M.G. Feuer ein[,] kurz darauf Feuerwerfer und Feindl. Trommelfeuer[,] auch recht[s] oder links kamen Tancker angefahren. Es wahr wirklich allerhant Gewesen. Aber trotzdem haben wir uns auf Geraft und haben den Tomy tüchtig besorgt. Nun wurden wir abgelöst und kamen nach Eckern bei Antwerpen in Ruhe[.] Dort haben wir die Leiden schnell vergessen[,] es war auch wirklich schön da.

Da wir nun im Osten freie Hand und Luft bekommen haben[,] wird der allgemeine Frieden hoffentlich auch bald kommen. Den nach all den herlichen Siegen unserer unbesiegbaren Truppen, sehnt sich doch ein jeder alter Träger nach so langer Zeit nach sein trautes Heim[.] Aber [?] müssen wir immer noch an die alte Parole Fest halten „haltet Aus!“

Sergeant: Radix

Gelesen [Unterschrift]

G.

Krankenträger Wilhelm Kolb

Im Felde, den 15 März 1918

Bericht.

Über erlebnisse[,] die ich, beim Intf. Regiment 94 mitgemacht habe,

Ich der Ldstfl. Wilhelm Kolb, bin seit dem 13 Juni 1916 zum 2ten mal bei der 1 Kompanie Intf. Regt 94[.] Habe die Gefechte auf Höhe 304 mitgemacht, die schwersten Stunden waren für uns die bei der ablösung wegen den feindlichen Sperrfeuer über die Bärentatze und wasserlöcher nach der Höhe, da ging es immer im Galopp, bis an das erste Blokhaus, da wurde erst mal nach Luft geschnappt, da war es dann ein jeden Kamerade wie ein Stein vom Herzen gewälzt, und machte die Angriffe mit bei Grankour da war nun unser schlimmste Stunde der dicke schlamm, wo man durch mußte, und das andauer schwere Artelrifeuer, 26 Oktober machte das 1 Batl. ein Angriff welche ich mit bei war, kam dann als Krankenträger nach den Angriff inbetracht, nach den Angriff ging ich und noch 1 Krankenträger vom Regt 109 und 2 Krankenträger von unser Regt 94  über Dekung vor unser Schützenlinie und suchten unser zurückgebliebenen Kamerade die durch feindliche Kugel und Granatfeuer verwundet waren, auf, welche wir verbinden taten, und zurük brachten nach dem ersten Verbandsplatz, Wir machten bis an den feindlichen Graben uns heran, konnte sehen, daß der feindliche Graben stark besetzt war, auch hat sich der Engländer mit uns unterhalten, weil der Feind blos vor uns herausfinden wollte, ob auch zwischen den verwunden und Gefallenen Kameraden Offzieren dabei waren, weil der Engländer für jeden deutschen Offzier eine Belohnung erhält, wie wir uns daraus nehmen konnte,

Auch habe wir Weihnachten 1916 schwere Stunden gehabt und das Neujahr 1917 mit großen Lebensgefahr Angefangen, welcher uns der Feind auf unser abschnitt der 1. Comp. ein Feuerüberfall machte, welche uns unser Stollen zusammen schossen, und wir alle dachten wir verloren, aber doch waren wir im großen Granatfeuer fest bei der Arbeit und wieder die verschütteten Kameraden zu retten, welche wir mit schweren Lebensgefahr die Kameraden wieder an Gottes frechen Natur brachten, 4 Kamerade waren dabei doch erstikt, konnten nus als Leichen geborgen werden,

Auch war ich bei Sturm am 15 Aprill 1917 mitbeteiligt, und habe meine Pflicht ausgeführt, wo wir den ganzen Tag bei den nassen Boden, schwere Stunden hatten, und viele verwunde Kamerade zurük zu tragen hatten,

Dann am 16 Mai 1917 bei Arras an der Scarpe mit großer überanstrengung unser Kameraden ua sdem Feuer des Feindes herausgeholt, welche es viele verwunde gegeben hat,

Am 31 Juli 1917 war unser Regiment auch die ersten welche bei der großen Flandernschlacht beteiligt war, Ich stand gerate Gasposten und beobachtungs für Leuchtkugel, am morgen den 31 Juli kurz vor 5 Uhr sah ich rote Leuchtkugel auf unser Abschnitt hoch gehe, ich meldete es sofort unser Kompanieführer welche sofort die Comp. Alarmirt und nach vorne ging, schon kam der Feind immer näher, und sah schon die Tanks des Feindes von rechts kommen, und die Kompanie welche ausgeschwärmt sich vorwärts bewegte, und wir durch schwere Granatfeuer empfangen, auf einmal hörte ich ein Hilfeschrei, welche mir die Kamerade gleich miteilte, rechte ein Volltreffer, ich machte mich von links nach rechts, und mit schwerer Mühe bei den starken Granatfeuer. Konnte wir unser Kamerade noch retten, welche nur Verschüttet waren, und leicht verwundtet durch Granatsplitter, Es war 1 Zugführer und 3 Mann, Ich habe sie verbunden, und wie sich etwas erholt hatten, von den schweren schreken, war sie wieder bei Sinne, da konnte sie noch alleine zurük gehen zum Verbandsplatz, und ich konnte dann noch bei den andern verwunden Kameraden zu Hilfe kommen.

Auch am 2 Dezember hatten wir ein feindliche Vorstoß wieder unser Regiment, zurükgeworfen, da gab viel Arbeit als Krankenträger, und mußten den ganzen Tag unter feindlichen Maschinengewehrfeuer machen Kamerade zu Hilfe sein, und auf den Bauch zu liegen, manchen Kamerade zurükzubringen, wegen andauertes Maschinengewehrfeuer und dann durch der schlamm noch mit, wo wir mit jeden Verwunden Kameraden mit durch mußten,

Geschrieben den 15 März 1918

vom Krankenträger

Wilhelm Kolb

G.

Gefreiter Patengl

18/3.18               2/94

Bericht

Kam am 21.7.1916 zur 2. Kompanie Inf. Regt. 94[,] nahm an allen Unternehmen der Kompanie teil. Auf der Höhe 304 ging ich das erstemal in Stellung es wollte uns gerade nicht so recht behagen denn es war immerhin Marsch von 3 Stunden und wenn es mal recht schlechtes Wetter war so bekam man kaum die Beine vorwärts, auf der „Bärentatze“ bekamen wir den ersten Zunder und durch die Wasserlöcher kam das Mienenfeuer dazu, waren aber die ersten 8 Tage rum[,] so waren wir wieder in unsern Ruhelager genannt Nußbaum-Ferm, gleich den ersten Frühmorgen so hieß es jedesmal Korporalführer Post empfangen das war das schönste wenn von der Liebsten ein so recht neigender Brief oder von zuhause ein Fettpaket kam, das ging bis in Oktober wir wurden abgelöst. Wie verlebten einige Wochen Ruhe was uns sehr angenehm war, darnach kamen wir an der Somme in Stellung wo das Schlammassel noch etwas größer war wie auf der Höhe 304 vielen unsere Kameraden liesen die Stiefeln stecken. Im Juni kamen wir nach Flandern wo wir richtig Flanderns Granatlöcher messen mussten, aber doch ein stolzer Feldgrauer läst den Kopf nicht sinken; nach dieser Zeit kommt auch wieder andere. Dann in Flandern gab es auch schöne Quartiere, wo wir verdiente Ruhe fanden, und dann kamen wir bei Arras an der Scarpe in Stellung. Hier ging es so einigen masen, als diese Zeit rum war[,] kamen wir wieder nach Flandern[,] wo wir jetzt noch sind.

Gelesen [Unterschrift]                   Gefr. Patengl      G.

Unteroffizier Muthesier

6/94      Verdun, Höhe 304

17.5.-4.9.16.

Vom 17. bis 21. Mai 1916 war die 6. Kompanie zum ersten mal bei Verdun eingesetzt. Da wir bis dahin in einer ruhigen Stellung gelegen hatten und ich nun dass erste mal in schweres Artilleriefeuer kam, sind mir diese Tage in besonders lebhafter Erinnerung geblieben.

Die Kompanie hatte einen Graben zu besetzen, der seine Flanke der französischen Front zu kehrte, sodaß wir fast ununterbrochen dem schweren Flankierungsfeuer der französischen Artillerie ausgesetzt waren. Die Ablösung vollzog sich unter Führung von Leutnant Bockmann trotz aller erschwerenden Umstände glatt. Aber dann sahen wir uns freilich vor Aufgaben gestellt, an die wir nur nicht zaghaft heran gingen. Da lag ein gefallener Franzose, der bis zur Unkenntlichkeit verwest war und durch einen mörderischen Geruch den Graben verpestete. Der mußte beseitigt werden. Da war der Graben voll Schlamm, daß wir bis an die Waden in der Nässe standen – und wir waren doch von Caisnes her gewöhnt, jeden Morgen unsern Schützengraben mit dem Besen fein säuberlich aus zufegen. Da gab es auch keine Unterstände. Ein trockenes Fleckchen gesucht und sich dort so häuslich wie möglich eingerichtet.

Die erste Nacht schlich unter Postenstehen und Arbeiten dahin. Im fahlen Schein der Leuchtkugeln sahen wir, daß wir am Fuße eines Berges lagen. Wir betrachteten ihn mit erfurchtsvoller Scheu, als es hieß, das sei die vielumstrittene Höhe 304, von der wir in Zeitungen gelesen hatten. Und nun ein kriegerisches Bild: oben schien sich ein Angriff vorzubereiten. Die Luft wimmelte von Leuchtkugeln hüben und drüben, das Feuer steigerte sich zu erregter Heftigkeit. Die Maschinen-Gewehre knatterten in immer kürzeren Pausen. Aber als es hell war, wurde es ruhiger und ruhiger.

Drei Tage lagen wir in diesem Graben. Die Verluste waren beträchtlich: nicht nur, daß die Mehrzahl der Gruppenführer außer Gefecht gesetzt wurden, auch die Kompanieführer, dessen Führung alles voll Vertrauen folgte, mußte die Kompanie ihrem Schicksal überlassen.

In der dritten Nacht – ich stand gerade Posten – setzte unsere Artillerie urplötzlich mit einem überwältigenden Feuer ein. Es war, als ob auf einen Schlag die Luft über uns von zahllosen zischenden Nadeln durchschnitten würde. Das Feuer hielt an bis zum Morgen, da gingen unsere Sturmtruppen vor – und bald verbürgten uns hunderte von Überläufern, die mit erhobenen Armen auf unseren Graben zuliefen, ihren Erfolg. Nun mußten auch wir das Seitengewehr aufpflanzen und auf den Kamm der Höhe los gehen. Oben angekommen, lichteten die französischen Maschinen-Gewehre unsere Reihen. Wir schanzten uns notdürftig ein, indem wir die Trichter durch einen Graben verbanden, und warteten auf die Ablösung. Die denn auch um Mitternacht glücklich eintraf.

Untffz. Muthesier

6/94

[Unterschrift: Hock]

1. A. d. K. F. Leutnant d. R.

Sergeant Herbert

Im Felde, den 17.3.1918.

Im Oktober 1916 rückten wir mit in die Somme-Schlacht. Zu Ende des Monats wurden wir in erste Linie vorgezogen, nachdem wir eine Nacht in der Stahlmulde, eine verlassene Artilleriestellung, gelegen hatten. In der ersten gab´s gar bösen Dunst. Der Tommy hatte da anscheinend im Sin,, uns mit Bonbons reichlich zu füttern. Leider konnten wir dieselben aber schlecht verdauen. Also gegen Morgen kamen wird endlich in Stellung an. Ich muß das Wort endlich betonen, weil wir, anstatt um 1 Uhr in 1. Linie zu rücken, kurz vorm Morgenrot daselbst ankamen. Und warum? Die Führer, die uns beigeeben waren, konnten den Weg absolut nicht finden, was ja auch mit an der kollossalen Dunkelheit, vermischt mit ziemlich viel Regen, liegen mochte. Trotzdem, wenn ein 94er uns den Weg weisen sollte, ich bin der festen Überzeugung, daß wir nicht so im Gelände rumlaufen brauchten. Als uns gesagt wurde, wir ziehen in erste Linie, dachten wir, daß wir einen richtig gehenden Graben vor uns hätten; aber uns sollte ein anderes Licht aufgehen. Zuerst kamen wir durch etwas tiefer liegende Trichter, die als Laufgraben bezeichnet waren; kurz, eine Stellung war garnicht vorhanden. Trichter an Trichter, in welchen die auf Ablösung harrenden Jäger lagen. Ich bekam den Auftrag, mit meiner Gruppe den Sappenkopfposten abzulösen. Wir gingen nun vor und als wir an einen Posten kamen, den wir für den Sappenposten hielten, wies uns derselbe noch weiter vor und weiter ging´s. Trotz größter Anstrengung konnten wir aber keinen Posten finden; und doch fanden wir etwas: es war zwar kein Sappenkopf; aber ein verlassener Unterstand. Ich hielt es nun für´s Sicherste, denselben zu beziehen und stellte meine Posten aus. Der Tag brach bald an, und da sahen wir, wo wir steckten. Unweit vor uns lief der Tommy in seiner Stellung umher. Zurück konnten wir nicht, also blieben wir, wo wir waren. Mit echter Frechheit eines deutschen Soldaten wurde erst der Morgenkaffee gekocht und schöne, selbstgeröstete Zwiebacke dazu gegessen. Hernach zogen wir die unentbehrlichen Karten heraus und ein Skat wurde geklopft. Wie aber der Abend kam, war mein erstes, daß ich eine Patrouille nach hinten schickte, die die Komp. suchen sollte. Mir wurde bald gemeldet, daß die Komp. ziemlich weit zurück liegt und zog ich mich nun mit der Gruppe zurück. Mit großer Freude wurden wir empfangen, hatten die Kameraden doch angenommen, daß wir längst beim Tommy wären und war auch schon beim Bataillon gemeldet, daß ich mit meiner Gruppe vermißt wäre. Gottseidank war dies nicht der Fall und war keiner froher als wir, wieder in der Mitte der Unsrigen zu sein.

Ersatzreservist August Most

Bericht des Ers. Res. August Most 3. M.G.K. I.R. 94. über den Erwerb des Eis. Kreuzes II. Klasse.

Nachdem ich seit März 1915 sämtliche Gefechte bei der 9/94 mitgemacht habe[,] wurde ich am 15.12.16 zur 3. M.G.K. versetzt und wurde als Fahrer kommandiert. Meine Hauptaufgabe bestand darin Verpflegung und Munition in Stellung zu fahren, was mir des öfteren recht Beschwerde machte. So an der Somme [,] wo wir die Räder bis über die Achsen im Schlamm, bei stärkstem Artilleriefeuer fast täglich nach vorne fahren mußten. Ebenso erging es mir bei Arras und in Flandern. Am 31.7.17. bei Zonnebecke [Zonnebeke] war das Artilleriefeuer zu einer ganz ungeheuren Stärke gesteigert. Wir waren zur Zeit des Angriffs in den frühesten Morgenstunden des 31. Auf der Rückfahrt[,] als das heftige Feuer einsetzte[,] man glaubte nicht mehr an ein Durchkommen. Leider mußte da die Kompagnie auch 1 Wagen und 2 Pferde einbüßen. Mit gelang es jedoch glücklich durch das Feuer zu fahren

Ers. Res. August Most

Zeugen.

Muskutier Otto Schmidt

Musketier Bernh. Renner.

 

Gelesen

[Unterschrift]

Leutnant der Res. + Komp.-Führer

Schütze Willi Ortloff

Bericht: des Schützen Willi Ortloff 1. Masch. Gew. Komp. 94. über die Verleihung des E.K. II. Kl.

Am 27. Juli rückte ich mit der 1. Masch. Gewehr Komp. in Stellung. Ich war dem 7. Gew. unter Führung des Gef. Gruschwitz zugeteilt. Wir lagen nordwestlich Zonnebecke [Zonnebeke] in Bereitschaft. In der Nacht vom 30. zum 31. Verstärkte sich das feindliche Artilleriefeuer. Von 11 Uhr abends an, wurden wir auch schwer vergast. Gegen morgens 4 Uhr machte ich mich mit einem Kameraden auf den Weg, um Verpflegung herbeizuschaffen. Ungefähr 5 Uhr gelangten wir glücklich zu unserm Zugführer. Dieser ließ uns der starken Vergasung wegen nicht weiter. Nachdem gegen 5 Uhr das feindliche Artilleriefeuer sich aus höchste gesteigert hatte, setzte die feindliche Infanterie, unterstützt durch Tanks, und Flammenwerfer ihren Angriff ein. Sofort schloß ich mich, dem nächsten Gewehr, welches Stellung genommen hatte, an und unterstützte dasselbe durch Heranschaffung von Munition. Die englische Infanterie konnte sich doch, unterstützt, durch die moralische Wirkung der Tanks bis auf kurze Entfernung an unsere Stellung heranarbeiten. Nun war auch unser Kompf. zu uns gekommen[,] sofort wurde ich bestimmt eine Meldung zum Regimentsgefechtsstand zu bringen. Trotzdem der Feind schwerstes Artilleriefeuer auf das rückwärtige Gelände legte, gelang es mir durch schnelles Springen von Granatloch zu Granatloch meine Aufgabe zu erfüllen.

Ges. Oberlnt. [Unterschrift]

 

Zeugen

Schütze August Höhle

Gefr. Mechelke

Gefreiter Hartmann

Im Felde den 17/3. 18.

Bericht über meine Erlebnisse beim Rgt.

Rückte mit der Comp. In der Nacht vom 26/7 zum 27/7 17 bei Zonnebeeke in Stellung. Am 31/7 morgens 2 Uhr fing der Engländer an, unsere Stellungen mit Gas und schwerer Artillerie zu beschliesen, dies dauerte bis fünf Uhr. Um fünf Uhr griff er dann mit starken Kräften an und drang bis zu unserer zweiden Stellung vor. Gegen acht Uhr trat ich mit der Comp. Zum Gegenstos an und warfen den Gegner ein Stück zurück und verteidigten uns bis Nachmittags drei Uhr. Links hatte uns der Gegner überflügelt[,] deshalb kamen wir acht Mann in Gefangenschaft. Wir wurden von vier Mann ab transportiert. Auf den Wege nach der feindlichen Lienie verstäntigten wir uns durch Zeichen und lasten den Moment ab, um uns wieder der Gefangenschaft zu entziehen. Auf ein gegebenes Zeichen fielen wir über den Gegner her und überwältigten letzteren. Bei Dunkelheit kamen wir wieder bei der Komp. an und wurden am selbigen Abend noch abgelöst.

Gefr. Hartmann

gelesen [Unterschrift Hock]

Leutn. d. R. u. Komp. Führer

Schütze E. Brand

Kriegserlebnis des Schützen E. Brand.

1.M.G.K.

In der Nacht vom 27. zum 28.7.17. rückte ich mit Gewehr Wolffs in Stellung; dieselbe bezogen wir in dem Gehöft Strohgut an der Straße Zonnebecke [Zonnebeke ]-Ypern. Obwohl die Artillerietätigkeit an den folgenden Tagen ziehmlich stark war, verlebten wir sie ganz ruhig. Jedoch in der Nacht vom 30. Zum 31.7. beschoß uns der Gegner bis zum frühen Morgen mit Gas und griff morgens 5 Uhr mit einem wirksamen Feuerüberfall an. Wir waren Sicherheitsbesatzung und beschossen die vor uns liegenden Tanks und Truppen. Meine Aufgabe war auch in solchen schweren Feuer dauernd zu beobachten[,] wo der Feind sich am ersten nähert.

Für meine Tapferkeit erhielt ich am 19. März 1918 das E.K. II. Kl.

Untffz. Karl Wolff

Gefr. Otto Schmidt

Wehr. Ernst Möller

 

Gel. [Unterschrift]

Musketier Kurt Reißmann

Bericht des Muskt. Reißmann 3. M.G.K. über den Erwerb des Eisernen Kreuzes II. Kl.

Am 28.7.17. rückte ich mit meiner Komp. in die Stellung bei Verlorenhoek. Ich war meinem Gewehr als Essenträger zugeteilt. Am 31.7. früh war ich gerade mit dem andern Essenträger zurückgegangen[,] um die Verpflegung zuholen, als plötzlich starkes Sperrfeuer einsetzte. Wir gelangten zum Fahrzeug, aber infolge des starken Feuers, was es uns doch nicht möglich, die Verpflegung zuempfangen, auch wurde der Wagen nach kurzer Zeit durch einen Volltreffer zerstört. Sämtliche Essenträger darunter auch ich versuchten wieder zu den Gewehren zurückzukehren, aber es war nicht mehr möglich. Entschlossen bewaffneten wir und jeder mit einem Inf. Gewehr und nahmen an der Bekämpfung des Gegners teil. Später meldete ich mich beim Regts. Gef. Stand, und wurde dann 1 Gewehr der 1. Masch. Gew. Komp. zugeteilt. Wie besetzten dann einen der Stützpunkte, von wo aus wir den Engländern durch gutgezieltes M.G.Feuer große Verluste beibrachten.

Kurt Reißmann

Zeugen:

Musk. Seifert

Musk. Rosenbusch

 

Gelesen

[Unterschrift]

Leut. D. Res. + Kp.Führer

Viezefeldwebel Kneifel

Houthoulster Wald

26.1.-4.2.18.

recht gut

Bericht

des Vfvw. Kneifel vom 2.II.18

Ein nächtlicher Spaziergang am Houthulster Wald.

Wundervoller Mondenschein – gleich duckenden Gestallten stehen die alten Wunderbäume und spiegeln sich in dem blinkenden Wasser der riesigen Granattrichter zwischen dem dunklen Moor. – Über dem Bahndamm zu dem Posten geht mein Weg; eigenartig leuchten die zersplitterten Spitzen der zerschossenen Bäume herüber vom Houthulster Wald, kreuz und quer liegen Stämme, lustig tanzen die Mondlichter auf den vom Winde leicht bewegten Zweigen des Unterholzes. Posten an Posten geht´s vorbei, sie lauschen angestrengt, denn der leise Wind läßt die todmüden Weiden knarren und ächzen. Daneben im schwach gegen Witterung und Artl. Feuer schützenden Unterschlüpfen liegen die Leute in die Mäntel gefüllt, alarmbereit, erst vor kurzer Zeit haben wir dem Tommy diesen Stützpunkt entrissen, so schnell verschmerzt er so einen Verlust nicht. Auch mag er kommen, wir sind bereit.

Weiter auf schmalem Pfade, an den Rändern der dunklen Granattrichter entlang führt mich mein Weg. Die dunklen Umrisse des Patrouilienpostens heben sich ab gegen den hellen Nebelstreifen, der dicht, doch schmal über dem Teich liegt und hell im Mondenlicht leuchtet. Mein Weg führt mich zur hohen Weidenreihe, in der unsere M.G. Posten gut gedeckt aufgebaut sind. Kurze geflüsterte Worte – dann weiter, noch zum rechten Flügelposten der Nachbarkompagnie. Auch hier ist alles in Ordnung. – Heimwärts geht’s, in den Unterstand; da knistert ein warmes Feuer. – Ein Schluck heißen Tees, die Meldung geschrieben und dann sich mollig gestreckt. Leise noch summe ich ein Liedchen, harrend der Pflicht bis sie mich wieder ruft. –

Kneifel Vzfw.

Kenntnis genommen.

I.a.d.R.I

[Unterschrift Hock]

Leutnant d. R.

Musketier Vogler

Auszug vom 9. u. 10.III.18.

Am späten Nachmittag des 9.III.18 bekam die erste u. vierte Komp. erstes Batl., welches sich noch der Ruhe erfreuen durfte[,] um dann mit frischen u. neuen Kräften in den Kampf einzutreten[,] hier einen glücklichen Frieden u. eine sichere Zukunft, den Befehl, Material zu Drahverhauen in die vordere Stellung zu schaffen. Von unserer Komp. wurden daher 2 M.G. Gruppen u. eine Inf. Gruppe bestimmt. Pünktlich am 10 III frühmorgens 3 Uhr sanden die Gruppen bereit den Marsch nach dem Pionier-Park Westerosebeke [Westrozebeke], unter Führung des Herrn Leutnant Bleich anzutreten, welchen auch die Gruppen bis zum Pionier-Park Ostnieuwkerke [Oostnieuwkerke] konnten wir auf festen Wegen gehen[,] dann mußten sich aber der Zug in Reihen über die Roste[,] die über das unendliche Trichterfeld gelegt sind[,] zum besseren u. schnelleren vorkommen in die vorderste Stellung nach dem Pionier-Park Westerosebeke [Westrozebeke]. Dort angekommen wurde mir das Material[,] welches aus Drahtrolle und Pfählen bestand[,] zugeteilt. Die drückende Last auf den Schultern glitt der Zug langsam weiter teils auf Rosten teils auch auf zerschossenen Wegen. Die Sterne blinkten hell am Horizont u. Leuchtraketen erhellten uns zuweilen den Weg. Plötzlich um 5 Uhr, nicht mehr allzuweit von der Haubtwiederstandslinie entfernt, setzte feindliches Artilleriefeuer in einem großen Abschnitt[,] indem sich auch unser Pfad sich hindurch schlängelte. Unsere Gemüter erregt, durch das platzen der Granaten in unserer Nähe ging es im Laufschritt, oftmals durch Fehltritte in die mit Wasser gefüllten Trichter versinkend nach dem bestimmten Platz. Am Bestimmungsort angekommen suchten wir gleich Deckung hinter den zwei Stollen, die sich dort befanden und lauschten dem zwischen u. krachen der Granaten[,] die in unserer Nähe einschlugen[,] um so lange dort zu verbleiben[,] bis sich das Feindliche Feuer beruhigte. Das Feuer hält aber an u. wir wurden schließlich durch das Morgengrauen gezwungen unseren Rückmarsch anzutreten[ um noch in der Dämmerung aus dem Feuerbereich zu kommen. So traten wir den Rückmarsch an in ein Eilmarsch[,] ging es über die Roste zurück. Von 6 Uhr ab legte sich allmählich das Feindliche Feuer. Glücklich und ohne Verluste kamen wir um 7 Uhr in unseren Quartieren an.

Musketier Vogler. 1/94.

g.

Landsturmmann Krüger

Wie ich mein Eisernes Kreuz II. Klasse erwarb

In der Nacht vom 15. zum 16. [März] 18 wurden wir mit einigen Kameraden der Kompanie der ehrenvolle Auftrag  die Leiches unsers Kompanieführers Ltn. d. Ldwehr Reitz und des Krankenträgers Untoffz. Bienensack aus vorderer Stellung zwecks Beisetzung zurück zu führen. Auf unsern Vor- und Rückmarsch erhielten wir starkes Artillerie u. Maschinengewehr Feuer. Außerdem haben wir noch einen schwer verwundeten unserer Kompanie glücklich zurück bringen können. Unsern Auftrag haben wir trotz schweren Feuers ehrenvoll erfüllt. Für diese Tat und mit Rücksicht auf meine längere Dienstzeit bei der Komp. wurde mir zum 17.3.18. das Eiserne Kreuz II. Klasse verliehen.

Als Zeugen meiner Taten nenne ich den Gefrt. Schmidtchen und den Ldstrm. Jamnnemann.

Ldstrm. Krüger

  1. Komp. I. Regt. 94.

Zeugen: Gefr. Schmidtchen

Ldstrm. Hannemann

Musketier Peter Wüsthofen

Bericht des Musketiers Peter Wüsthofen über Verleihung des Eisernen Kreuzes II. Klasse

Am 8ten August 1917 kam ich zum 5ten Thüringischen Infanterieregiment (Großherzog von Sachsen) zur 4ten Comp. Von da ab nahm ich an allem Anteil. Am 12ten März 1918 machte ich eine Aufklärungspatrollie mit. Dafür erhielt ich das Eiserne Kreuz II. Kl.

Musketier Peter Wüsthofen

Zeugen Musket. Weiser 4te Comp.

Gefrt. Andäng

Gelesen

[Unterschrift]

Leutn. u. Komp. Führer

Gefreiter Fr. Grimm

R.I.R. 94. R. St. Qu. 6.3.18.

Sr. Hochwohlgeborenen

Herrn Hauptmann Freiherr von Gregory

Pers. Adjut. Sr. Kgl. Hoheit des Großherzogs

Als Nachtrag zur ersten Sendung

Ab.

[Unterschrift]

Gefr. Fr. Grimm

  1. Komp. R.I.R. 94.

3./R.I.R. 94 Dem Bataillon weitergereicht

i/Res. 94.            

Dem Regiment 5.3.18.   6.3.

[Unterschrift]

Lt. u. Kompf.

[Unterschrift]

Hauptmann u. B. Kdr.

Flandern

In einem recht flandrischen Dorfe mit den eigentümlichen einzelgelegenen Gehöften, den großen wasserumgrenzten Weiden liegt das Batl., bereit, jede Stunde eingesetzt zu werden. Tag und Nacht hören wir das Getrommel an der Front u. sind uns bewußt, daß wir selbst bald mit eingreifen werden. Erst ist die Stimmung allgemein, doch abends sitzen wir in unserm Quartier, singen unsre Thüringer Heimatlieder, u. die Familie des vlämischen Wirts kauert am Kamine u. lauscht den fremden Klängen.

Da kommt am Mittag des 4. Oktobers [1917], des Großkampftages, der Alarmbefehl. Durch zerschossene Ortschaften führt uns der Anmarschplan ins Trichterfeld. Reihenweise geht’s im Marschmarsch durchs Sperrfeuer, aber trotzdem gibt’s bittere Verluste. Die M.G.K. unsres Batls, die vor uns marschiert, erhält etliche Volltreffer, u. im Vorwärtseilen grüßen wir die jungen schwerverwundeten teils zerrissenen Kameraden, die kurz vorher mit uns aus Thüringens Landen gekommen waren, zum letzten Male. „Di Herzen zusammengerissen, di Zähne zusammengebissen und vorwärts“ – Di Worte muß Walter Flex aus einem flandrischen Anmarschwege geprägt haben. Di Dunkelheit bricht herein, rechts u. links flammende Dörfer, schauerlich schlagen di Bohnen der Brandgranaten gen Himmel, wie Opferfeuer eines antiken Leichenbegängnisses. Endlich sind wir vorn. In den Trichtern werden kleine Höhlen eingebaut, mit Eisenbahnschwellen u. Dachpappe notdürftig gedeckt; so sucht man sich, wie mit Zeltbahn u. Sanddämmen, gegen den unaufhaltsamen niederrieselnden Regen zu schützen. Doch alles ist umsonst. Das Wasser steigt immer höhen im Trichter; kaum kann man mit den Kochgeschirren genügend schöpfen. –

Und immerzu trommelt traurig auf unsre Stellungen, dieweil di Flieger dutzendweise über uns umhersurren. Man hockt in den Erdlöchern, sich gegen Sich zu decken, hört di Splitter pfeifen u. starrt gedankenlos vor sich hin. Di Nacht bricht herein, alles zieht auf Posten. Über den Trichterrand schauen wir ins öde Feld, der Regen rieselt unaufhaltsam nieder, vom Stahlhelm rinnen di Tropfen in den Nacken, an den Manteltaschen staut sich das Wasser u. sichert in di Stiefel, der Körper zittert in Fieberschauern, mir tanzen die Gedanken durcheinander, ohne Sinn u. Zusammenhang. Di heimatlichen Täler u. Berge fliegen am nächtlichen Himmel vor meinem Auge umher, im Kreise der Lieben sehe ich mich daheim – da platzt eine Granate dicht vorm Rande; – hinweg, alberne Gedanken, wir sind in der Flandernschlacht. Doch der Wille ist nicht Herr übers Hirn. Ich sehe im Geiste den Hamburger Hasen, das Heer der Schiffe, di einst di Früchte deutschen Erfindungsgeistes, deutschen Fleisches über di Meere hinaustrug in alle Welt. Und so solls wieder werden! Darum hoch den Kopf, moralisch wenigstens! Fröstelnd raffe ich mich zusammen u. stiere ins Dunkel. Wills denn immer noch nicht tagen? Di Nacht ist so lang, so entsetzlich lang! Und di 12 Stunden schleichen so träge dahin; noch immer ist man ans wassergefüllte Granatloch gebannt. Endlich, endlich grauts im Osten; ich höre nicht mehr das zermürbende Gekrache, Tag wird’s ja! Wann wird sich di Prophezeiung der alten Tragödie erfüllen:

Mit froher Kunde, wie´s im Sprichwort heißet, wird das Morgenrot uns kommen von der  Mutter Nacht.“

Erschöpft wanken di Posten in ihre Höhlen. Im Brotbeutel finde ich ein durchweichtes Reklamheft; Mörikes Gedichte sinds; ich schlage aufs Geratewohl eine Seite auf und lese:

„Herr schicke, was du willt,

Ein Liebes oder Leides.

Ich bin vergnügt, daß beides

Aus ein deinen Händen quillt.“..

Schweigend sitzen di Kameraden da; jeder hat seine eigenen Gedanken. Wir haben alle das Dasein unsers Gottes wieder einmal erfahren u. das Vertrauen auf ihn gibt Kraft. Wie rief doch der deutsche Philosoph seinen Studenten zu, di in den Freiheitskrieg zogen?: „Willst du Gott schauen, wie er in sich selbst ist, von Angesicht zu Angesicht? Such´ ihn nicht mehr jenseits der Wolken, du kannst ihn allenthalben finden, wo du bist. Schaue an das Leben seiner Ergebenen, u. du schauest ihn an, ergib dich ihm selber, u. du findest ihn in deiner Brust.“

Und mancher, glaube ich, hat ihn in sich gefunden. Wohl krachts u. heults um uns herum – doch „Tod, wo ist dein Stachel, Hölle, wo ist dein Sieg?[“] Das Gefühl der Ängstlichkeit ist gewichen. „Wie´s kommt, so wird’s gefressen, mein lakonisch mein erprobter Hamburger Kamerad; – ist´s nicht dasselbe wie das „dein Wille geschehe“?

Zwölf Nächte und zwölf Tage gehen dahin. Wir stehen staunen u. blicken nach Westen. Aber soviel der Engländer auch trommelt, einen Angriff wagt er nicht. Er hat es oft genug erfahren, daß der Deutsche seinem Eisenhagel standhält u. im Nahkampfe di Stellung behauptet, weil für ihn der Krieg etwas anders ist als eine Geldspekulation, weil jeder Deutsche an der Front im Gedanken an die Heimat di Wahrheit des Lutherwortes an sich selbst erfahren hat: „Den Kriegs- oder Schwertsamte muß man mit männlichen Augen zusehen; so wird´s sich von selbst erweichen, daß es ein Amt ist, an sich selbst göttlich und der Welt nötig u. nützlich.[“]

 

Lothringen

[In blauer Schrift: ?]

Von Flandern kamen wir aus dem schreckenvollen Trichtergelände bei Zonnebeke. Und nach Deutschland sollte es gehen; zwar nicht in den Frieden unserer Thüringer Heimat, sondern nach Lothringen in di Stellungen, wo man aus der vordersten Linie zum Schulschießen rückt, wie uns bayrische Kameraden auf der Fahrt von Douai nach dem Norden versichert hatten. Aus der Trommelei sollten wir heraus kommen, deutsche Städte u. Dörfer sehen, endlich einmal wieder anstatt der welschen u. vlämischen Laute deutsche Zungen hören – Der Gedanke hob di gedrückte Stimmung bald, ein Kamerad vom Walde stimmte ein Liedchen an, und alles fiel freudig ein. So brachte uns der singende Zug nach Lothringen.

Bald gings in die herrliche Stellung. Die Höhen erinnerten uns an unsre Thüringer Heimat, der Delmer Rücken grüßte den Posten, der sich kaum bewußt war, daß hier Krieg geführt würde, di Geschütze schwiegen meist, u. schossen sie ja einmal, so klangt uns wie di Böllerschüsse eines Schützenfestes.

Und war in Flandern auch di Stimmung gesunken, der frische Mut, des Draufgängertums, war noch da, lebte u. wirkte. Wir sehnten uns, nach den Tagen tatenlosen Aushaltens selbst zu handeln, sehnten uns danach, zu jagen, daß der Deutsche nicht nur im Granatloch hocken u. auf Tommys Angriff warten kann. „Die Begeisterung für die rechte Tapferkeit ist der Jugend schönstes Vorrecht“ hatte man uns einst mit des Altmeisters Worten vom Katheder zugerufen. Wir hatten die Begeisterung mit hinausgenommen, nach des Wortes Sinn die „rechte Tapferkeit“ gesucht, doch in der flandrischen Herbstschlacht vermochten wir sie nicht zu finden. Es wurden Freiwillige für einige Patrouillen gesucht, u. der Freiwilligen waren genug. Das Gelände war wie für Patrouillen geschaffen. Zwischen beiden Stellungen fließt die Seille, am Westufer stiegen sanft weitere Weinberge hoch, hinter denen sich auf einem Gelände di franz. Postenlinie hinzog. Unsre Vorgänger hatten einst an ein feindliches Telefonkabel eine Leitung geschlossen, die freilich längst entdeckt u. zerstört war, das war Wasser auf unsre Mühle. Die Verbindung mußte auf jeden Fall wiederhergestellt werden. In einer mondhellen Novembernacht gings los durch di Sumpfniederungen des hochgeschwollenen Flusses[,] wateten bis zum Ufer, im Schilfe lag ein Kahn bereit, u. nach dreimaliger Überfahrt waren alle am feindlichen Rande. Vorsichtig arbeitete sich das Boot durchs dichte Schilf, jedes Geräusch zu vermeiden, u. uns wars, als führen wir durch indische Dschungeln, als müßte plötzlich irgendwo ein Tiger hochspringen, wie wirs als Buben in Abenteuerromanen  gelesen. Nun schnell das Schiffchen versteckt und los! Die Hauptstraße, die von Létricourt nach Thézey führt, war bald erreicht, links lag deutlich sichtbar, das erstgenannte Dorf, das in weitem Bogen umgangen werden mußte. Das Sumpfgelände der Wiesen war ein Hindernis, das fünffache Drahtverhau ward zerschnitten, di Gasen mit spanischen Reitern maskiert; Sicherungen, – Maschinengewehre u. Posten – blieben an den Durchgangsstellen zurück. Vorsichtig tastete sich der Rest, ein Führer u. 3 Mann, weiter vor bis an einen Obstgarten, hinter dem sich di von Létricourt nach Abaucourt führende Straße deutlich am hellen Nachthimmel abhob. Da – was ist das am Rande des Hohlwegs? Ein Postenstand? – Mit einem Sprunge standen wir davor u. fanden eine Baracke mit etwa 8 Lagerstätten, allerdings leer. Bald war di Straße erreicht, in fieberhafter Ungeduld di Maskierung zerschnitten ui. Da hatten wir, was wir suchten: eine Telefondoppelleitung schnellte uns ins Gesicht als wir aus dem geschnittenen Loch aufrichteten. Das war der Lohn.

Am folgenden Abend wurde ein Kabel, sorgfältig im Geäste eines Baumes versteckt, an die Leitung geschlossen. Doch der Erfolg lockte zu weiteren Wagnissen. Wir wollten wissen, wer uns gegenüberlag, wie stark das Dorf besetzt war. So wagte sich die Patrouille nach Létricourt hinein. Ein alter Garten bot Gelegenheit, unbemerkt einzudringen, aber kein Posten war zu bemerken, kein Lichtstrahl an Fenstern und Kellern zu entdecken. Mit der Taschenlampe leuchteten wir durch di einzelnen Häuser, doch alle Kellerquartiere fangen wir verlassen. Das erhöhte den Wagemut. So gings weiter di Dorfstraße entlang, durch Drahthindernisse, über Laufgräben hinweg. Halt – ein Geräusch, einem Klopfen ähnlich! Man stutz u. lauscht. „Da hat mal ein altes Scheunentor geknarrt“ mein spöttisch ein Kamerad; wir gehen weiter, stoßen plötzlich auf wirres Drahthindernis, u. während wir, die Schere in der Hand, nach einer Gasse tasten, werden wir mit lautem „Hallo“ angerufen. Schon kracht ein Gewehrschuß, ein zweiter folgt, u. im selben Augenblicke nimmt ein MG die Straße unter Feuer. Schon stiegen Leuchtkugeln in di Höhe, di ganze Bande war alarmiert. Was blieb uns also übrig, als das Weite zu suchen? Der Posten hatte zu gut aufgepaßt u. mit seinem Klopfen die MGbedienung aufmerksam gemacht.

Ohne Verluste gelangten wir zur Seille zurück, setzten über, u. wenn wir auch keinen Gefangenen brachten, so hatten wir doch di Genugtuung den braven Franzosen eine schlaflose Nacht bereiter zu haben.

Gefreiter Fr. Grimm 3. Komp.

R.I.R. 94.

 

Sundgau

Das 4. Kriegsweihnachten naht. Als Ruhebatl. Liegen wir in einem Dorfe unweit Altkirch u. helfen den Pionieren beim Stollenbau. In einem Walde treiben wir di Gänge in den felsigen Boden; Meisel, Hammer u. Sprengladung sind das einzige Werkzeug. Vorm Eingange prasselt ein wärmendes Feuer, wir lösen uns während der 8stündigen Arbeitszeit gegenseitig beim Bohren ab, u. wenn ich am flammenden Holzstoße sitze u. durch di Waldblöße hinüber zu den schneeigen Bergen blicke, träume ich von den heimlich-geschäftigen vorweihnachtlichen Treiben in der Heimat, u. wehmütige Sehnsucht beschleicht das Herz. „Wenn nur das Fest erst vorüber wäre“ seufzt mein Kamerad. Wir hatten beide bisher geschwiegen, doch wußte einer des anderen Gedankens.

Nun ist er da, der heilige Abend. In der Kirche, in der Tannenbäume notdürftig das Kreigs Zerstörungswerk zu verdecken suchen, wird ein Gottesdienst abgehalten, während der Schnee durch di geborstenen Scheiben weht. Di Quartiere sind festlich geschmückt. Ein Glasbläser vom Walde, kurz vorher aus dem Urlaub gekommen, hat prächtigen Christbaumschmuck mitgebracht, unter den leuchtenden Tannen lagen di Geschenke ausgebreitet, mit denen di Kompagnie uns überrascht. Der Bataillonskommandeur kommt u. verteilt  nach kurzer Ansprache Eiserne Kreuze; auch di Heimat, di Stadt des Ersatzbataillons, hat unser gedacht, u. uns die Bestätigung so wohl drinnen nicht vergessen zu sein. Doch eine fröhliche Stimmung will nicht aufkommen. Jeder ist mit seinen Gedanken daheim. Jetzt werden wohl Eltern u. Geschwister, das Weib, di Kinder unterm Baume stehen, sorgenvoll uns vielleicht irgendwo auf Posten im Schlachtenwetter während. Da grollt auch von ferne der Donner einiger Granaten zu uns. Es erinnert mich an di Großkampftage der flandrischen Herbstschlacht – wann folgen die nächsten Schwaden? Und da sprecht ihr noch vom Feste der Liebe, der all umfassenden, weltversöhnenden Liebe, – Lächerlich! Dieweil Freund u. Feind auf der Lauer liegen, Tage u. Nächte, Nächte u. Tage, mißtrauisch, ists nicht das Fest der Hoffnung? Muß nicht wie nach des Winters Nacht der Frühling, der Friede kommen u. berechtigt nicht di Lage im Osten zu freudigen Hoffnungen? Ja, Weihnachten ist das Fest der Liebe? Ich Heimat u. Front nicht eins, die drinnen im bangender Liebe u. Sorge um die Kämpfer, wir in der Liebe zur Heimat? Für den Allerweltsfrieden des Kosmopoliten ist eben die Menschheit noch nicht reif genug.

Dunkel ists im Stübchen geworden, di Kerzen sind niedergebrannt. Selbst Alltröster Skat hat heute keine Macht. „Wenn wir wieder in Stellung kommen, werden di Tage schon ein klein wenig länger“ bricht ein Kamerad das Schweigen.

Ja, Weihnachten, Sonnenwende, Hoffnungsfest! –

Musketier Ludwig Böttger

Bericht

des Musketiers Ludw. Böttger zur Verleihung des E.K. II.

Am 4. Februar 1918. Gegen 8 Uhr Abens legte der Engländer starkes Artelerie feuer auf unßere Stellung bei Staaden. Ich befand mich im 1. Zug[,] welcher das Vorfeld besetzt hatte. Während des Artl.feuers hatten sich Engländer aber bereits auf wenige Meter an unßere Stellung heran gearbeitet. Plötzlich fiel Er mit großer Übermacht in unßere Stellung ein. Ein Teil gelang es in die Hauptwiederstandslinie zu kommen. Während es mir mit noch einigen Kameraden nicht gelungen ist. Wir verbergen uns kurz entschlossen unter alte Balken, und Steinen. Auch nahmen wir einen schwer verwundeten Kameraden zu uns. Doch sollten wir nicht in dieser gefährlichen Lage lange bleiben. Denn die Komp. war sofort zum Gegenstoß angetreten, der Feind aber war wieder in seine Ausgangsstellung zurück gegangen. Wo von ich mich zu meiner und meiner Kameraden Freude wieder mit beteiligen konnte.

Musketier Böttger

Zeugen

Hornist Finger

Musk. Fischer

 

gelesen: [Unterschrift Anacker]

Leuntn. u. Komp. Führer

Musketier Moschinski

21.3.18.

Bericht

des Muskt. Moschinski zur Verleihung des Eisernen Kreuzes 2. Klasse. Am 12.III.1918 lösten wir die 8. Komp. in der ersten Linie ab. Die Kameraden erzählten uns gleich[,] daß wir nicht weit auseinander von Feind lägen und daß hier rege Patrollien Tätigkeit ist. Der Feind machte am ersten Abend stark Feuer Überfälle auf unsere Linie, da wir aber nicht wußten[,] ob der Feind bei uns angreifen will[,] mußten wir Patrollie ausgeschickt werden[,] zu dieser Patrollie meldete ich mich auch. Als wir uns etwa 60 Meter vorgearbeitet haben[,] bekamen wir Feindliches Maschinengewehr Feuer. Wir zogen uns halbrechts vor und hatten beobachtet[,] wie sich Posten zurück zogen. Wir gingen noch weiter vor und da konnten wir die feindlichen Postenstände im Backzahn feststellten. Die Erkundung gab aufklärung für ein späteres Patrollienunternehmen. Am 2. Dez. [1917] habe ich mit meinem Maschinengewehr en Gegenstoß bei Paschentale mit gemacht. Wir haben am rechten Flügel tüchtig in den Feind hinein Geschossen und das Vorfeld wieder gewonnen.

Muskt. Moschinski

Als Zeugen Gefr. Sturkebecher

Musk. Fuchs

 

gelesen: [Unterschrift]

Leutn. u. Komp. Führer

Musketier A. Schalbe

Im Felde, d. 19.3/18.

Wie ich mir das Eiserne Kreuz II. Klasse erwarb

 

Am 15. Januar [1918] lag unsere Kompagnie in Bereitschaft bei Staden. Den 18.ten rückten wir nach vorn und besetzten die Hauptwiderstandslinie u. das Vorfeld. Vor unserm Vorfeld waren feindliche Posten aufgestellt. Um sich über die Lage der Posten u. den Stand der Maschinengewehre genau zu orientieren, wurde eine Patrouille ausgeschickt. Zur selbigen wurden Freiwillige gesucht. Zwei Mann und ich meldeten uns zu dieser Unternehmung. Um eine festgesetzte Zeit schlichen wir uns über das Vorfeld in Richtung der vermutlich aufgestellten Posten. Wir erkundeten die Lage der Postenaufstellung und Maschinengewehrstände. Mit größter Vorsicht schlichen wir uns trotz des schlammigen Geländes in ziemlicher Nähe der feindlichen Posten. Da uns aber die Zahl der feindlichen Posten unserer Stärke gewaltig überlegen war, mußten wir uns auf die Beobachtung beschränken. So lautlos, wie wir uns auch verhielten, müssen wir doch von einem feindlichen Posten bemerkt worden sein. Auf einmal krepierten Handgranaten und ein heftiges Maschinengewehrfeuer setzte ein. In dieser gefährlichen Lage blieb uns nichts übrig, als uns zurückzuziehen. Bei dem Zurückgehen mußten wir die größte Strecke durch den tiefen Schlamm kriechend zurück legen. Dabei wurden 2 Kameraden durch Maschinengewehrfeuer verwundet.  So haben wir den Auftrag zwecks Aufstellung der feindlichen Posten und der Maschinengewehrstände erfüllt. Für diese Tat wurde mir das Eiserne Kreuz II. Klasse verliehen.

Musk.

A. Schalbe

Zeugen

Gefr. Stanb. Musk. Claus

[Unterschrift Hock]

Leutn. u. Komp. Führer

Musketier Otto Claus

Den 20. März 1918

Wie ich mir das eiserne Kreuz II. Klasse erwarb

In der Nacht vom 18. auf 19. Januar [1918] lag ich mit im Vorfeld bei Staden in Stellung. Eine Patrouillie, welche die Postenaufstellung des Feindes erkunden sollte[,] wurde raus geschickt, wozu ich mich freiwillig meldete. Unter großen Schwierigkeiten, durch tiefen Schlamm u. Wasser watend, hatten wir uns der feindl. Linie genähert. Wir blieben dann vielleicht 1 Stunde lang liegen + beobachteten[,] das[s] vor uns 2 M. G. Posten standen. Da der Feind uns bemerkt hatte[,] bekamen wir Handgranaten + M.G.-feuer u. mußten wir uns daraufhin zurückziehen. Die Postenaufstellung hatten wir genau erkundet + wurde mir als Anerkennung das eiserne Kreuz II. Klasse verliehen.

Otto Claus

Musketier

Gefr. Stanb.

Musk. Schalbe

 

[Unterschrift Hock]

Leutn. u. Komp. Führer

Schütze Pflug

Den 20.3.18.

Bericht

des Musk. Pflug über den Erwerb des Eisernen Kreuzes II. Klasse.

Am 4.3.18. ging ich mit meiner Komp. in Stellung. Gegen Morgen um 430[,] als ich auf Posten stand[,] lag schweres Minenfeuer auf unseren Gräben[,] kurz darauf bemerkte ich eine feindliche Patroile in Stärke von ungefähr 10 Mann[,] welche versuchten in unsern Graben einzudringen. Ich alarmierte sofort die Bedienung, wir eröffneten plötzlich das Feuer und konnten dem Feinde Verluste beifügen; sodaß sich der Feind fluchtartig in seine Ausgangsstellung zurückzog. Für meine Aufmerksamkeit wurde mir am 18.3.18. das Eiserne Kreuz II. Klasse verliehen.

Schütze Pflug

3. Masch. Gew. Comp.

Inf. Regt. G.v.S.

 

Zeugen:

Gefr. Voigt

Musk. Vollmer

gelesen

[Unterschrift]

Lt. d. Res. + Kp.Führer

Sergeant Hohmann

Bericht No. I 2/94 18/7.18

Die Kompanie lag in vorderster Linie, unsere Kameraden bräuchten Essen. Der Kessel wird gefüllt bis oben an, und versuchten es noch. Unsre zwei wohlgenährten Pferde griffen tüchtig aus, und anfangs gings auch ganz gut. Doch bald wurde die Sache anders. Als wir das Dorf [Arhiet?]-la-petite erreichten, setzte uns der Tommy einige kräftige Marken vor die Nase. Jetzt hieß es frei weg doch als die [Kohlen?] so rechts und links vom ganzen, wurde die Verwirrung immer größer. Mehrere Geschirre sausten im Galopp ans uns vorbei, und auch unsere beiden wackeren Rappen griffen schnell aus. Krampfhaft stehe ich auf dem Kaffeekessel und hielt mich mit dem Mute der Verzweiflung fest, um nicht herabgeschleudert zu werden. Ca – hinter uns, wo lauter Geschrei, – vorsichtig blicke ich mich um u. sehe[,] wie eine führerlose Feldküche in voller [Karävra?] auf uns zu rast. Was tun? Vor uns waren andere Feldzeuge, die Küche mußte also auf gefallen oder doch wenigstens ihre Geschwindigkeit Vermindert werden, denn die Rasselbande hätte uns totsicher mit der Deichsel den Kessel eingerammt, und das schöne Essenfutsch. Ich werfe mich also rum und lege mich der länge nach auf den Kessel, da sind die scheu geworden Tiere auch schon dicht hinter uns. Ich beuge mich so weit wie möglich vor fahre den Pferden in die Zügel. So gings nun weiter [?] im sausenden Galopp und ich hatte Mühe, mich auf dem glatten Kessel zu behaupten. Gott sei Dank ließ jetzt das Feuer etwas nach, wir fielen allmählig in Schritt und wurden dadurch auf unsre Quälgeister los. Beim vierten Zuge angelangt[,] füllten wir das Essen in die Trupkübel und begaben uns ohne Säumen auf den Heimweg. Wir hatten den Pionir-Park noch nicht erreicht, da ging die tolle Schießerei von neuem los. Der Kutscher peitschte auf die Pferde ein und im sausenden Galopp gings voran. Da, ein lauter Krach, dicht links von der Straße ist eine eingeschlagen. Die Pferde bäumten sich hoch auf und rasten weiter. Da tuts einen Ruck, das uns beinahe vom Sitze schleudert, und die Karre steht. Wir besahen uns die Bescherung. O weh, die Protze vollständig zerschossen, Achse und Räder gebrochen, das ganze nicht mehr zu gebrauchen. Kurz entschlossen [?] wir die Protze in den Straßengraben, spannen die Pferde vor den schäbigen Rest und weiter geht’s. Spätabends erreichten wir, von nun an unbehelligt, unser Quartier.

Sergt. Hohmann

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Kriegserinnerungen eines unbekannten Soldaten vom August 1914 bis 6. September 1916 (Hannoversches Jägerbataillon Nr. 10)

Die Kriegserinnerungen des unbekannten Soldaten beginnen mit dem Beginn des Ersten Weltkriegs in Antwerpen. Hier lebte der namentlich nicht bekannte Soldat vor Beginn des Ersten Weltkrieges, ohne dass wir erfahren, was er dort gemacht hat und wer alles zu seiner dort lebenden Familie gehörte. Über seine Familie sind in den Kriegserinnerungen keine weiteren Informationen zu finden.

Von Antwerpen ging es zunächst nach Neumünster. Zwar hoffe er auf einen baldigen Kriegseinsatz als Soldat, allerdings musste aber aus unbekannten Gründen zunächst über ein Jahr hinter der Front arbeiten. Vom 4. September 1915 bis zum 28. November 1915 arbeitete er dann im Reserve Lazarett I „Weißes Roß“ – Braunschweig, nachdem er eine dreiwöchige Ausbildung absolviert hatte. Vom 28. April 1915 bis zum 26. April 1916 arbeitete er im städtischen Krankenhaus. Am 26. April 1916 beginnt dann seine infanteristische Ausbildung bei dem 1. Bataillon des Reserve Regiments 78. Später trat er dem Hannoverschen Jägerbataillon Nr. 10 in Clausthal bei. Am 17. Juli 1916 fuhr er in einem Zug Richtung Frankreich zur Front. Am Mittag des darauffolgenden Tages kommt er in Spincourt an. Am 19. Juli wurde er der 3. Kompanie des Hannoverschen Jägerbataillons Nr. 10 zugeteilt. Am 20. Juli ging es dann nach Villers le Rond. Aufgrund dessen, dass das Lager in Villers le Rond überfüllt war, folgte am 25. Juli die Verlegung nach Petit Failly. Hier blieb der Soldat bis zum 3. August stationiert. Dann ging es zur Front nach Verdun. Zunächst ist er in der Nähe von Fort Douaumont beim Steilhang, dem Dorf Fleury und der Fosses-Schlucht eingesetzt. Am 12. August verlässt der Soldat den Kriegsschauplatz Verdun und wird zusammen mit dem Bataillon in den Argonnerwald verlegt. Das Kriegstagebuch endet am 6. September 1916. Sein Kriegseinsatz ging allerdings noch weiter, wie eine den Kriegserinnerungen beiliegende Seite mit der Überschrift „Meine Wanderung durch die Truppenteile“ zeigt.

Leider ist es bisher nicht gelungen, alle vom Soldaten verwendeten Geländebezeichnungen zu entziffern und zu identifizieren! Einzelne Worte der Kriegserinnerungen konnten bisher auch nicht entziffert werden.

Erste Seite der Kriegserinnerungen des unbekannten Soldaten

Meine Wanderung durch die Truppenteile

04. September 1915 1. Rekruten-Depot 1. Ers. Batl. I.R.92

24. September 1915 Res. Lazarett I Braunschweig

26. April 1916 Ers. Batl. Inft. Reg 78 (Braunschweig)

13. Juli 1916 II. Ers. Batl. Jäger Batl. Nr.10[,] 2. Kompagnie

17. Juli 1916 Feld Rekr. Depot Alpenkorps

19. Juli 1916 3. Komp. Hann. Jäger-Batl. 10, Feld-Batl.

  1. Juli – 11. August 16 Schlacht bei Verdun

15. Aug.-6. Sept. 16 Argonnen

23. Sept.-7. Okt. 16 Rumänien

  1. Oktober [16] verwundet am Roten Turmpaß auf Bilcinlui östl. Veresteroug

08. Oktober 16 Res. Laz. 58 A Hermannstadt

16. Oktober 16 Res. Laz. B München

30. Oktober 16 Res. Laz. Braunschweig

25. Januar 17 Vereinslaz. Herzgl. Krankenhaus Braunschweig

27. April 1917 2. Jäger Erd. Batl. 10 Clausthal

1. Mai 1917 4. Komp. 2. Jäger Ers. Batl. 10 (Osterode)

9. Juni 1917 4. Komp. IV. Landst. Infa. Ers. Batl. Braunschweig (X 20) Vördener Moor

30. Juni 1917 5. Ers. Eskadron Train Ers. Abt. 10

2?. September 1917       1. Ers. Eskadron Ostpreuß. Ers. Abt. 1

1. November 1917 Et. Fuhrpark Kol. 457, Et. Infg. 8

20. Juni 1918 – 21. Dezember 1918 Gouvernement Riga

20. Juni 1918 4. Landst. Inf. Batl. Posen (V 4)

18. Oktober 1918 2. Landst. Inf. Batl. Cüstrin III/5[,] 3. Komp.

14. Dezember 1918 Gouv. Riga

16. Dezember 1918 Rgt. Pr. Wirtschafts-Komp. 248 (Pillau)

21. Dezember 1918 Braunschweig

Kriegserinnerungen eines unbekannten Soldaten des Hannoverschen Jägerbataillons Nr. 10 (August 1914 - 6. September 1916)

Erinnerungen aus der großen Zeit

Gesehenes und Erlebtes

Wie in den ersten Tagen des August die Nachricht von dem Kriegsausbruch nach Antwerpen kam[,] hieß es für mich, die Familie zu verlassen und dem Rufe des Vaterlandes zu folgen. Leicht war der Abschied von Frau und Kind nicht. Das eiserne „Muß“ half aber auch hier den Abschied erleichtern. Wer wollte denn auch in den großen Tagen zurückstehen. Wir sahen zu der Zeit Tage, wie sie Deutschland wohl noch nicht erlebte und auch wohl kaum jemals wieder haben wird. Hoch gingen die Wogen der Begeisterung[,] wie wir am Sonntag, 2. August 1914 auf dem Bahnsteig des Zentralbahnhofs standen. Wohin das Ohr lauschte überall deutsche Leute. Was irgend konnte[,] wer finanziell um den Scheidenden bis dahin das Geleit zu geben. 1700 Männer, junge und alte stiegen in den wartenden Zug, um ihre Kräfte in den Dienste des Vaterlandes zu stellen. In dem Augenblick, daß der Zug abfuhr, wurde vorne bei der Lokomotive die deutsche Fahne gehißt. Ein donnerndes Hurra und unter dem Gesange: [„]Es braust ein Ruf wie Donnerhall“ verließ der lange und auch zu gleicher Zeit der letzte Zug die Bahnhofshalle. Nach der langen, fortwährend unterbrochenen Fahrt durch Belgien kamen wir endlich um 1 ½ Uhr in Rheydt an. Hier wollten wir uns bei dem Bezirkskommando stellen. Nachdem wir dort die Erlaubnis zur Weiterfahrt erhielten, setzte ich gegen 4 ½ h meine Fahrt fort. Über Elberfeld, Hannover, Hamburg kam ich in Neumünster an. Vom frühen Morgen bis spät in die Nacht hinein standen die Leute in Scharen an großen und kleinen Haltestellen. Sie alle wollten ihre Vaterlandsverteidiger begrüßen.

Meine Hoffnung, in den nächsten eingezogen zu werden, wurde zu nichte. Ich habe im Gegenteil noch viel, viel Zeit gehabt[,] bevor ich den bunten Rock anbekam. Während dieser Zeit hieß es eben hinter der Front arbeiten. Endlich am 4. September 1915 hatte für mich noch die Stunde geschlagen. Nach dreiwöchentlicher Ausbildung hieß es Dienst im Lazarett zu verrichten. Bis zum 28. November 1915 pflegte ich die Verwundeten im Reserve Lazarett I „Weißes Roß“ – Braunschweig. Danach folgte ich einem Rufe ins „Städtische Krankenhaus“, fast ½ Jahr habe ich in dieser Anstalt der unruhigen Abteilung vorgestanden. So lieb ich die Arbeit auch gewonnen hatte, sie mußte aufgegeben werden. Im Oktober war ich schon felddienstfähig geschrieben worden – am 26. April 1916 erfolgte die Ablösung. Und nun begann die infanteristische Ausbildung bei dem Ers. Batl. des Res. Reg. 78 in Braunschweig.

Eines guten Tages wurden Mannschaften für das Jägerbatl. Clausthal ausgesucht. Ich war dazwischen. In der Meinung, dort noch eine weitere Ausbildung zu erfahren, fuhren wir 12 an der Zahl frohen Mutes in den Harz. Wie wurden wir aber enttäuscht. Es wurde nur ein Transport für das Feld zusammengestellt. Am Donnerstag kamen wir an, Freitag, Sonnabend und Sonntag Einkleidung. Und am 17. Juli am darauffolgenden Montage saßen wir schon im Zuge. Unter strömendem Regen war die Verladung vor sich gegangen. Im Sonnenschein verließen wir das kleine Harzstädtchen. Ist´s eine gute Vorbedeutung?

Wie ganz anders als vor gut zwei Jahren damals die alles einreißende Begeisterung. Und heute – gewiß wir wurden überall begrüßt, fuhren wir doch in Feindesland, damit unsere Grenzen bewehrt blieben.

Wo war aber die erste Liebestätigkeit geblieben. Damals wurden die Reservisten und f.w.[,] die zur Fahne eilten förmlich mit allen möglichen guten Gaben überschüttet. Heute gab es nur auf den Verpflegungsstationen die nötigsten Mahlzeiten. Satt sind wir aber dennoch überall geworden – Mangel hat keiner gehabt. Göttingen, Marburg und Limburg durchfuhren wir am ersten Tage. Dort ertönte der Ruf: Kartoffelsupp.

Morgens am 18. Juli nahmen wir den Kaffee in Trier ein.

Noch waren wir im Ungewissen, wohin die Reise gehen sollte. Als wir uns nach wenigen Stunden auf französischem Boden befanden, unterlag er keinem Zweifel mehr: Es geht nach dem gefürchteten Verdun.

Um die Mittagszeit werden wir in Spincourt ausgeladen. In Feindesland, welch eigentümliches Gefühl. Jetzt wird es ernst. Und manch einer, der früher über das Garnisonsleben gescholten hatte, sagt nun – Wär ich doch dahin – Gar eindringlich ertönt das Brummen der Kanonen. Jetzt heißt es noch schnell das Fehlende empfangen und dann ertönt der Befehl: Fertigmachen, umhängen, – Gewehr… – in – die Hand, . umhängen, – ohne Tritt marsch. Und nun begann ein beschwerlicher Marsch. Ich hatte bis dahin mit meiner 8 wöchentlichen Ausbildung noch niemals einen feldmarschmäßigen Dachs auf dem Rücken gehabt. Wie oft wurde pausiert. Trotzdem bauten viele ab – ältere Mannschaften, die des öfteren schon in ähnlicher Weise losmarschiert waren. Leicht was ja fürwahr nicht. Der Regen hatte die Straßen, die durch die vielen Autos schon zerfahren waren, bis zur Grundlosigkeit aufgeweicht. Tags, Tags ging es durch diesen fürchterlichen Matsch. Nein, ich kann nicht mehr, die anderen drohen im Kopfe zu platzen. Wird denn nicht endlich einmal Halt gemacht. Aber immer weiter geht es. Die Maschine scheuert weiter. Es ist nur noch ein Hinschleppen. Endlich – Halt – Im nu liegt alles; was kümmert uns der Schmutz – wir können uns ausruhen. Lange dauert die Pause nicht. Bald ist alles wieder in Bewegung. Und wie schnell drückt der fürchterliche Affe wieder. Der Koppelriemen scheuert die Hüften wund – aber weiter nur weiter. Immer kürzer werden die Marschleistungen, immer länger die Pausen. Zur Abwechselung geht es über Knüppeldamm. Wie merkt man jede Unebenheit des Bodens durch die dicken Sohlen der Bergstiefel. Ich muß auf jeden Fall schon Blasen an den Füßen haben. Aber was hilft´s, wir müssen weiter. Stolpernd und fallend geht es ein lange, lange Zeit über Feldeisenbahnschienen. Soll ich mich hinwerfen. Meine Brust hämmert wie der Hammer auf dem Ambos. Der Schweiß rinnt in Strömen; jetzt ist auch alles wund – wie weit ists denn noch? Vorwärts, vorwärts. Die Zähne werden einen Augenblick zusammengebissen; dann keucht aber schon wieder der Blasebalg. Aber nein, schlappmachen darfst du nicht. Mit Aufbietung der letzten Kräfte schleppt man sich in dem fürchterlichen Dreck bis zum nächsten Haltepunkt. Und nun sehen wir vom weiten einen Ort. Es ist[,] als gebe es nun Kräfte. Aber kurz vor dem Dorfe drohen wir wieder niederzubrechen, es war noch eine halbe Stunde weit gewesen. Nun liegen wir in den Straßen und warten auf Kaffee und auf Quartiere. – Welch eine Enttäuschung! Nach einer halben heißt es wieder aufbrechen.

Und nun ging ein Suchen an. Die Führer wußten nicht Bescheid. In der Dunkelheit verliefen wir uns noch etliche Male. Umkehren – ein fürchterliches wettern der müden, kraftlosen Menschen.

Endlich um 11 ½ Uhr erreichten wir eine Baracke. Todmüde warfen wir uns hin. Unter dem Donner der Kanonen und dem Aufbrüllen der einschlagenden Granaten schliefen wir. Wäre in der Nähe eine Granate geplatzt, ich glaube keiner hätte sich gerührt. Und hätte uns eine Kugel getroffen – es wäre uns eine Erlösung gewesen. Am nächsten Morgen kochte ich zum ersten Male ab. Bald brodelte es in allen Kesseln. Es war dort draußen doch etwas anderes. Das Wasser floß aus einer Röhre – einwandfrei war es nicht. In dem Wasserloch wusch sich nebenbei die ganze Gesellschaft. Glücklicherweise wurden uns bald andere Quartiere angewiesen. Dort unten im Wiesengrund der Kaplagers war gut wohnen. Natürlich durfte man nicht zu hohe Ansprüche stellen. Ein Sack mit Holzwolle und Spähnen bildete das sogenannte Bett. Die Wolldecke zum Zudecken hatten wir ständig bei uns. Obwohl in Gesellschaft von Ratten schliefen wir tadellos. Wir wachten wohl ab und zu auf, wenn in der Nacht eine Granate einschlug und unsere Bretterbude wie ein Schiff hin und her schwankte. Aber an diese Kleinigkeiten gewöhnt man sich gar schnell. Am zweiten Tage wurden wir dann einzelnen Kompanien zugeteilt. Und nun war ich Jäger im Feld-Batl. Jäger 10. Unsere Zeit verbrachten wir mit nichts tun. Es war aber andauernd ein Hangen und Bangen. Kommen wir noch voran oder erhält die Kompanie endlich einmal die wohlverdiente Ruhe. Am 22. Juli wars soweit. Antreten, es ging zurück. In der glühenden Sonne marschierten wir auf der staubigen Landstraße. In Mangiennes wurde Nachtlager bezogen. Früh morgens am 23. Juli ging der Marsch weiter nach dem Dörfchen Villers de Ronde. O, wie wurden wir dort zusammengepfercht. Wie die Heringe lagen Mann an Mann auf einem Boden. Schnell Heu und Stroh zusammengerafft und das Bett war fertig. Endlich konnten man [sic!] einmal Post absenden. Wegen Raummangel mußte unsere Wohnung am 25. Juli geräumt werden. Glücklicherweise erreichten wir nach einer Stunde unsern Bestimmungsort Petit Failly. Das dortige Quartier war groß und luftig. Hier sollten sich nun die Truppen erholen. Des morgens wurde exerziert, nachmittags mußte im Dorfe gearbeitet werden. Es gab in den vielen zerstörten Häusern noch vieles aufzuräumen. Vor allen Dingen hieß es aber, das Heu von den Wiesen einzubringen. Am 30. Juli wohnte ich dem ersten Feldgottesdienst in Villers de Ronde [Villers le Rond] bei. Der Prediger war entschieden aber nicht ganz auf der Höhe. Einige Tage später hatten wir das Vergnügen nach Longeyon [Longuyon] zu marschieren. Entlausung war die Parole. Obwohl ich noch nichts mit den kleinen Quälgeistern zu tun gehabt hatte, ich mußte auch mit. Auf dem Rückwege fuhr der Kronprinz an uns vorbei. Wer das Glück hatte erhielt einige Zigarren und Zigaretten, die er aus dem Auto uns zu warf.

Lange sind wir nicht in dieser schönen Ruhestellung geblieben. Am 3. August abends 9 Uhr wurden wir plötzlich allamiert. In aller Eile wurde alles gepackt und ¾ 10 Uhr stand die Kompanie feldmarschmäßig auf dem Apellplatze. Unser Kompanieführer kam: „Leute! Das Batl. ist aus unbekannten Gründen allamiert  worden. Wohin es geht, keiner weiß es. Sollten wir aber in die Scheiße hineinkommen, so erwarte ich, daß ein jeder seine Pflicht tut.“ Ohne Tritt – marsch! Stolpernd ging es die düsteren Landstraßen entlang- Wohin gehts. Nach einer Stunde waren wir wieder vor Villers de Ronde. Was nun? Keiner wußte es. Auf einer Wiese wurde Halt gemacht. Nach längerem Warten legte sich einer nach dem anderen hin. Der Dachs diente wie immer wieder als Kopfkissen. Naß von Schweiß lagen wir im taufrischen Gras. Da noch immer keine Anstalten zum Weitermarsch gegeben wurden schnell die Decken heraus – so wars doch wärmer.  In der Ferne hörten wir die Kanonen brummen, Lichtsignale stiegen draußen auf. Kommen wir an die Front, oder gehts nach einem anderen Kriegsschauplatz. Vielleicht fuhren wir durch Deutschland. Mit diesen Gedanken verfiel bald jeder in Schlaf. Weit von dem nicht angenehmen Lager erhob man sich dem Morgen. 4. August 6 Uhr. Dort, sieh ein Lastauto, noch eins and dann kamen noch immer wahr. Sie halten bei uns. Abzählen! Einsteigen! 30 Mann in einen Wagen und fort ging die wilde Fahrt. Fahrwohl lieb Deutschland, wir müssen in das Gebrüll der Schlacht. Stiller und stiller wurde die Gesellschaft. – es gehe nach Verdun. [?], ein Auto hat sich verfahren. Unter fürchterlichem Schütteln gehts weiter. Rums, da sitzen wir in dem aufgeschütteten Schotter fest. Ein Bündel Stroh wird untergelegt – endlich kanns weiter gehen“ O, wie sehen überall die Landstraßen aus, was haben die vielen Automobile die Wege zerrissen. Und wir werden hindurch geholpert. Gegen Mittag hört die Fahrt auf. Alles aussteigen. Wie glücklich fühlten wir uns, wie wir die Marterinstrumente verlassen konnten. Draußen vor Azannes lagerten wir. Und nun wurde empfangen – Brot und kalte Portionen und – Handgranaten – Antreten – ohne Tritt marsch! Nach einer halben Stunde waren wir im Kaplager Zelte aufbauen, Mittagessen und Verproviantierung für den Stellungskrieg. ¼ Pfund Speck, 1 Pfund Schweizerkäse, nochmals Brot und doppelte eiserne Portionen. Enttäuscht brachen wir gegen 4 Uhr unsere Zelte wieder ab. Um 8 Uhr waren wir wieder in Bewegung immer näher gings dem Verdun zu. Wir waren in der Ruhe ja nicht zu Ruhe gekommen. Manchen Marsch hatten wir zurückgelegt, so fiel uns das Gehen über Hügel und Tal nicht gar zu schwer. Trotzdem mußte öfters gehalten werden. Es war noch tageshell und aufmerksam mußten ausgelugt werden, ob wir nicht vom Feinde bemerkt würden. Einzelne aus der Stellung zurückkehrende Kameraden darunter verschiedene Verwundete trösteten uns – da vorn ist dicke Luft.“ Bald hieß es in Gruppenkolonnen, dann wieder Reihenmarsch.  Jetzt zur Deckung in einen alten Laufgraben. Es würde dunkler und begann ein Stolpern über die vielen Drahte im Graben. Du, was ist das? Die erste Batterie. Sind wir schon so nahe an dem Feinde.“ Obacht, schneller gehen, Laufschritt! Was ist es dann. Wir waren an einer Stelle, welche von den Franzosen ständig unter Sperrfeuer genommen wurde. Gott sei dank, wir sind durch. Lange dauerte die Freude nicht. Wir hatten bald dasselbe Manöver. Frisch waren wir so nicht mehr, aber was konnten wir Beine machen nun noch durch ein Stück Wald, überall die zerborstenen Bäume. Hier hatten die Granaten gewütet. Aufgedunsen liegt dort ein Pferdekadaver. Schnell! Schneller nun noch diesen Abhang herunter. Wir sind vorläufig in Sicherheit in der Brule-Schlucht. Und nun beginnen darüber die Kanonen einzuschlagen, wo wir noch vor einem Augenblick gingen. Eine nach der anderen kommet angebrüllt – huiii. Dort schlägt eine ein bergehoch steigt der stinkende Qualm, Sand und Steine wirbeln in der Luft – eine fürchterlich[e] Detonation. Das also sind Granaten. Gut, daß sie angeflogen kommen da wir in Sicherheit einer [Berg…?] sind. Die tun uns nichts. Unheimlich aber ists doch – dieser Höllenlärm wie der Schall sich zwischen den Bergen bricht. Zu den bombensicheren Unterständen des Berges wird Nachtquartier bezogen. Über uns sausen die großen Zuckerhüte – wir brauchen uns nicht zu fürchten. Nun gestärkt erheben wir uns am Morgen des 5. August. Wunderbares Bergwasser dient zum Kaffeekochen. Eine Handgranate spendet Feuer. Nun kommen auch die ersten Morgengrüße des Feindes. Heulend kommen die Granaten wieder angeflogen. Ein Kamerad, welcher nicht genügend in Deckung war wird getötet. – da heißts aber auch schon wieder – Antreten. „Das kann nur gutes werden.“ Am hellen Tage noch weiter vor. Im allgemeinen ist es üblich des Abends im Dunkeln in Stellung gehen; um vom Feinde nicht bemerkt zu werden. Granate auf Granate platzt, während wir antreten. In Reihen rechts um einer hinter dem anderen. Glücklicherweise schießt der Franzose noch zu weit. Durch das erste Sperrfeuer sind wir glücklich hindurch. Über Berg und Tal und bald sind wir in der Todesschlucht. Totenstille ringsumher, aber die tiefen Trichter links und rechts, die zersplitterten Baumstümpfe zeugen davon, daß es hier schon laut sein kann. Und lange sollen wir auch nicht mehr warten. Dort kommt schon die erste Granate huii-i und rags [sic!] vorne platzt sie. Das war die erste auf uns . Die apathische Ruhe ist dahin. Unruhig dringen die Hinteren noch. Nun platzt eine links und dann wieder echts. Wir sind im Sperrfeuer. Nun packt es, in unseren Reihen sind einige gefallen. Also so sieht ein gefallener Jäger aus. Grausig, aber schnell vorbei; denn überall wartet der Tod. Unaufhaltsam kommt eine Granate nach der anderen an; immer neue Opfer. Jetzt stolpern wir über einen gefallenen Kameraden. Vorwärts, vorwärts! Aber es stockt; dann wieder hat eine der großen Kugeln nur zu gut getroffen. Die Splitter schwirren um die Schreu [sic!]. Einige werfen sich hin und bedenken das Gesicht. Aber warum das – im nächsten Augenblick kann es dort auch treffen. Darum, nur nicht stehen bleiben. Wo ist die Muttigkeit [sic!] geblieben, merkst du etwas von dem Druck des Dachses. Alles ist verschwunden. Aber der Selbsterhaltungstrieb peitscht an und schneller den je ist die gefährliche Feuerszene durcheilt. Nun haben wir doch endlich wieder etwas Ruhe. Aber wie bald ist etwas ähnliches da. Jetzt kommen wir zu einer besonders gefährlichen Stelle. Dort an der Anhöhe steht unserer Batterien, welche dauernd unter feindlichen Feuer liegt. Und wir Schaffens auch ohne Verluste. Links taucht Fort Douaumont auf. Bald sind wir am Ziele. Laufschritt marsch marsch. Alle Kräfte werden noch einmal angespannt. Jeder Muskel strafft sich; dann noch einmal geht es durch einen Todesweg. Jetzt sieht man auch keinen nahe fallen, dazu haben wir keine Zeit. Dort hinten liegt der sog. Steilhang unserer Reservestellung. Dort sind wir erst einmal wieder geborgen – also schnell. Zu Ende ermattet schleppen wir uns hinter die schützende Mauer des Berges. Zu tausenden wimmelt es dort. Nirgends ein Plätzchen wo wir die müden Knochen ausruhen können. Ich schlüpfe endlich bei einigen bayrischen Jägern unter. Kaum sind wir in Sicherheit so beginnt der Franzose ein wütendes Feuer. Er hatte uns nur zu gut bemerkt und beobachtet. Über zwei Stunden trommelt er. Der kann uns ja gewogen bleiben. Hierhin kann er nicht treffen. Zu früh hatten wir triumphiert. Eine kurz gehaltene Granate, ein fürchterlicher Einschlag – Sanitäter, Sanitäter! Grauenhaft erklingt der Jammerruf. Wohin nun; nirgends ein bombensicherer Unterstand. Also aushalten! Nur wie bald hatten wir uns eingelebt. Der Mensch ist eben ein Gewohnheitstier. Bald lief alles durcheinander. Nur das Signal „Flieger Deckung“ brachte schnell Ruhe. Alles legt sich hin oder bleibt stehen. Dann heißt es noch ein Unterkommen für die Nacht suchen. Eifrig arbeitet Spaten und Spitzhacke. So hier am Berge liegen wir sicher. Kaum ist das Wort ausgesprochen – eine fürchterliche Erschütterung, die Erde bebt. Geduckt bleiben wir hocken. Nein – hier ist es nicht gut sein. Nun schnell noch etwas anderes suchen. Nur wir sind vom Glück begünstigt. Mit zwei anderen Kameraden krieche ich in einen verlassenen Bau. Hier schliefen wir mit dem Bewusstsein ein, jeden Augenblick kannst du von einer Granate getroffen werden. Merkwürdig wie der Mensch schnell abstumpft. Ich habe mit einer Ruhe geschlafen als wäre ich daheim. Während des 6. August blieben wir in der Befehlstellung. Auch am 7. August hatten wir verhältnismäßig Ruhe. Die Beschießung war die gleiche wie am ersten Tage. Überall hatten wir Verluste. Dort wo die Granaten einschlugen erforderten sie Opfer. Ruhig lagen wir in unserem Unterstand. In einer Entfernung von 4 Metern krepiert plötzlich einer der Zuckerhüte. Die großen Erdklumpen flogen auf uns zu. Wie ein Wunder blieben die Bewohner des Unterstandes, welcher betroffen wurde verschont; nur einer hatte eine leichte Verwundung im Rücken. Unsere Hoffnung in Reserve bleiben zu können, wurde am 8. August zu nichte. Die aktiven 10er Jäger gehen heute Abend in Stellung! Die Truppe, welcher ich angehörte blieb zum Waffentragen bestimmt zurück. So war ich am 9. August tagsüber noch einigermaßen in Sicherheit. Aber am Abend hatte auch unser Stündlein geschlagen. Ich wurde zum Kranken- bezw. Verwundetentragen kommandiert. Im fahlen Mondlicht zogen wir in einer Reihe um 11 1/2 Uhr ab. Zuerst hatten wir einen noch einigermaßen gangbaren Weg vor uns. Bald änderte sich aber das Gelände. Granatenloch an Granatenloch drüber weg. Zu allem Überfluss wurde noch ein Kaffeekessel defekt. Wir mußten ihn auf der Bahre schleppen. In Kaffee [sic!] brachten wir nach vorne. Mit Lebensmittel war jeder so ziemlich versorgt aber an Trinken mußte man auch denken. Ganz unhaltbare Zustände herrschten schon am Steilhang. Überall fehlte es an Wasser. Nach dem Fort Douaumont hin befand sich freilich eine Quelle. Aber das Wasserhohlen wurde gewöhnlich mit dem Tode bestraft. Zu genau wußte der Feind wo unser Wasserspender war. Fortgesetzt lag die Quelle unter Feuer. Die vielen Leichen ringsum sagten zu deutlich wie wenige zurückgekehrt waren. Aber wir mußten doch etwas zum Trinken haben. Mit dem Becher konnte doch keiner auskomme. Aus den Granatenlöchern wurde das schmutzige grüne Wasser geschöpft. Oft hatte es noch den Pulvergeschmack. Es wurde aufgekocht und dann mit Todesverachtung getrunken. Und auch das holen des Wassers aus diesen Löchern war mit Todesgefahr verbunden. Man mußte immer eine Feuerpause abwarten. Also nun waren wir dabei unseren Kameraden Kaffee zu bringen. Wie obern bemerkt war das Gelände von Granaten schrecklich durchwühlt. Die Löcher waren nicht nebeneinander, sondern im wahrsten Sinne des Wortes aufeinander. Grausig war der Anblick der vielen Gefallenen. Ein unsagbarer Geruch ging von ihnen aus, schrecklich, oft bis zur Unkenntlichkeit gerissen. Wie manches mal stolperten wir über abgerissene Gliedmaßen. Bis zum Bahndamm von Fleury fanden wir uns gut zurecht. Nach einigen suchen erreichten wir dann auch glücklich unsere Stellung. Schnell den Kaffee abgeladen. „Habt ich schon Verluste?“ „Nein! Aber dort liegt seit 3 Tagen noch ein 14er, nehmt den nur mit, wir können sein Jammern nicht mehr aushalten.“ Also los! Wo sind die bestimmten Krankenträger; nur zwei Mann. Wie ziehen ab. Der Gegend unkundig verlaufen wir uns. Immer durch Granatenlöcher, soweit wir sahen, nichts als Löcher, ein aufgewühltes Erdreich wie von einen riesigen Dampfpflug durchwühlt. Nach 10 Minuten Schleppens finden wir unsere Kameraden. Wir beide sind aber auch schon von den fürchterlichen Strapazen vollständig marode. Ablösung vor. Diese hat nun schon wenigstens etwas von einem Weg. Trotzdem fordern sie nun nach kurzer Zeit wieder zum Tragen auf. Es geht kaum. Und nun zu allem Unglück, wir haben wieder nur Granatenlöcher zu durchqueren. Die anderen Kameraden eilten voraus. Nur durch andauerndes Schreien ließen sie sich bewegen zu warten. Sie lösten einmal wieder ab. Nach kurzer Zeit mußten wir aber wieder heran. Keuchend fast zusammenbrechend schleppten wir uns dahin. Das war noch viel schlimmer als seiner Zeit auf dem ersten Marsch in Frankreich. Dazu summten die Granaten um uns herum. Ein Ausweichen gab es nicht, sie konnten unseren Verwundeten doch nicht kurzerhand hinwerfen. Nur heraus aus dem offenen Gelände. Also Laufschritt mit der Bahre. In welcher Verfassung wir endlich den Steilhang erreichten, kann sich ja jeder vorstellen. Erschöpft und ermattet bis zur Bewusstlosigkeit legten wir uns in den Unterstand. Nur endlich einmal etwas Ruhe. An Schlaf konnte ich nicht denken, die Erregung war zu stark. Mit offnen Augen hatte ich wohl eine Stunde gelegen. „Alle Mann heraustreten.“ Wir rührten uns nicht. Aber nun wurden wir gesucht und gefunden. Von jeder Gruppe wurde ein Führer ausgewählt. Führer, die unsere Ablösung in die Stellung bringen sollte. Und ich war wieder dabei. Es geht nicht und es mußte gehen. Nach einer Weile standen wir feldmarschmäßig bereit, freilich mit zitternden Knien. Um 6 Uhr des 10. August, dem dem Geburtstag meiner Mutter marschierten wir ab. Wie oft habe ich an dem Tage nach Hause gedacht. Nun schnell durch die Schlucht nach oben – zurück zur 2. Reservestellung – zur Fosses-Schlucht. Glücklicherweise blieben wir von Feuer ziemlich verschont, aber wir hatten 1 Stunde zu gehen und das mit vollem Gepäck. Mit Aufbietung meiner letzten Kräfte schleppte ich mich dahin. Die Brust hämmerte, die Lunge arbeitete wie ein Blasebalg. Wie erquickend war es von den Pionieren im Walde eine Trunk Wasser zu erhalten. Noch waren wir aber nicht am Ende unseres Weges. Und wenn wir dachten endlich einmal zur wohlverdienten Ruhe zu kommen, wir hatten uns geirrt. Wie lange mußten wir an dem Morgen noch nach einer Unterkunft suchen. Alle Quartiere waren belegt. Endlich fanden wir einen Bau. Vertrauenserweckend sah er ja freilich nicht aus, ein Erdloch mit einigen Baumstämmen bedeckt. Wenn hierauf nur eine Granate fällt, so sind wir alle verloren. Aber die große Ermattung ließ schließlich alle Bedenken schwinden. Wir krochen hinein. Wie bald wurden wir aber dort wieder vertrieben. Nach kurzer Zeit begann der Franzose sein Morgenkonzert. Wir vermeinten in der Hölle zu sein. Krachend unter donnerndem Getöse schlugen die fürchterlichen Brummer ein. „ Stollen aufsuchen!“ ertönte überall der Ruf. Mit einigen anderen fand ich dann auch einen solchen unterirdischen Bau. Froh , einigermaßen in Sicherheit zu sein, erwarteten wir die Beschießung ab. Schweres Kaliber kam ununterbrochen angesaust. Von den fürchten lachen Explosionen erzitterte die Erde. Als würde das unterste nach oben gekehrt. Solch fürchterlicher Spektakel herrschte um uns. Mit Schrecken gedachten wir des kommenden Abends. Keineswegs konnten wir in unserer leichten Sommerwohnung verbleiben. Zum Glück währte die Beschießung nur eine Stunde. Bald waren wir wieder auf der Wohnungssuche. Leider vergeblich. Alles war überfüllt. Eines tröstete uns nur noch: Das Reservebatl. . Der 10er Jäger geht heute Abend weiter zurück. Schnell handeln, ein Stollen wird im voraus bestellt. Unsere Geduld wurde aber noch einmal auf eine recht lange Probe gestellt. Sollten wir denn garnicht einmal zur wohlverdienten Ruhe kommen. Bis Abends 11 ½ Uhr verblieben noch die alten Bewohner in ihrer Höhe. Dann konnten wir sie in Beschlag nehmen. 3m lang, 1,70m hoch und vielleicht 1,20m breit. Mit 3 Mann hielten wir unseren Einzug. Nun konnten die Franzosen ruhig weiter donnern; sie waren schon ein Weilchen wieder dabei. Wir saßen erst einmal wieder geschützt in der Erde. Wie schnell paßt sich doch der Mensch neuen Verhältnissen an, wenn es sich um das liebe Leben handelt. Jetzt waren wir Höhlenbewohner. So, nun konnten sich die müden Knochen einmal wieder strecken. Am nächsten Tage sorgte der Regimentsstab für unser leibliches Wohl. Wenn nicht bloß jeder Weg mit Lebensgefahr verbunden war, so hätten wir es lange aushalten können. Unsere Ablösung, Inf. Reg. 130 war am Abend auch angekommen. Bald sollten wir in Arbeit treten. Tagsüber wurden wir fürchterlich beschossen. Während des ganzen Nachmittags bis gegen 10 ½ Uhr abends kam eine Grabet nach der anderen angeflogen. Um diese Zeit wurde abgetreten. Überall formierten sich die Kompagnien. Mir wurde der dritte Zug der dritten Kompanie zugewiesen. Unter Kanonendonner und Granatenfeuer ging’s zuerst dem Steilhang zu. Mitten durch unsere feuernden Batterien führte uns der Weg. Ein gefährlicher Augenblick, jeden Moment konnten wir von den feindlichen Granaten, die unsere Batterien zum Ziel hatten, getroffen werden. Die langen Feuerstraßen aus unseren Kanonen beleuchteten den Weg. Wir kamen glücklich hindurch. (11. August) Mit dem Stecken in der Hand schritt ich meinem Zuge vorauf. Dort hinten lag der Steilhang. Nun schneller; denn wir kamen wieder in eine gefährliche Feuerzone. Laufschritt, nun kommt der Hang. Da stockt es! Aus der Reihe heraus nur vorbei. Da Habens wir. In die Reihen der 130er schlägt ein. Also nun schon Verluste! Nun sind wir glücklich in Sicherheit. Ermattet warfen sich die Leute hin. Eine kurze Rast. Wir erhalten noch zwei Führer von der Kompanie. Nun kommt das schlimmste Stück. Im Halbdunkel stapfen wir dahin. Vielleicht haben wir Glück und kommen ohne Feuer durch. Aber so etwas gibts ja einfach nicht. In die vorderste Reihe kommt ein Volltreffer. Führer nach vorne! 5 waren wir gewesen. Wie wir uns umschauen sind wir noch zu zweit, Wir beide hier an die Spitze der Kompanie. Langsam gehts Schritt vor Schritt. Nun wieder Sperrfeuer. Alles sucht Deckung in den vielen Granatenlöchern. Weiter! Wieder das selbe und so fort. Aber allmählich gewinnen wir doch Raum. Jetzt sind wir am Bahndamm von Fleury. Wie geht der Weg nur weiter, keiner weiß es. Jeder Weg und Steg hielt hier auf. Was nun? – Suchen! Zuerst links, dann rechts, dann einmal gerade aus. Wohin wir uns wenden, Überall heftiges Feuer. Weit können wir nicht von unserer Stellung entfernt sein. Mein geraden wegs [sic!] sinds nur 10 Minuten. Aber wo ist er? Daß wir vorne waren erzählen uns schon die vielen Infanteriegeschosse, das Rattern der Maschinengewehre, das platzen der Gewehrgranaten und das Jaulen der Mienen.

Zurück, vorwärts! Ein hin und her. Einen Augenblick Deckung. Jetzt wieder in den Regen der geschossen. Ping, ping Fliegen die kleinen Spitzkugeln um die Ohren. Die Kompagnie bleibt in Deckung liegen. Führer suchen die Stellung. ¾ Stunde dauert dieses entsetzliche Umherirren. Kann man denn nicht einmal einen Menschen fragen. Nein, wer kommt wohl hier her? Endlich stoßen wir auf Truppen. Gebückt gehen, schreien Sie uns entgegen. Warum denn? Dabei kann man eben so gut eine Kugel bekommen. Gibt es überhaupt einen Punkt, der nicht getroffen ist? Es scheint so, als bleiben wir beide nur verschont. Unsere oder ich will lieber sagen meine Gedanken sind längst vollständig ausgeschaltet. Mit einer fast krankhaften Ruhe kriechen und stolpern wir weiter über Granatlöcher. Endlich haben wir Anschluss mit unseren Jägern. Auf dem selben Wege zurück und die 130 heran holen. Dort sind sie. Die Leute folgen einzeln gebückt in größeren Abständen. In der Stellung angekommen haben wir sämtliche Offiziere und 12-15 Mannschaften hinter uns. Wo sind die anderen geblieben? Ein fürchterliches Wettern unseres Kompagnieführers! Was bleibt uns beiden Führern übrig nochmals auf die Suche. Über ¼ Stunde suchen wir das unwirtliche Gelände ab. Überall hören wir in dem einerlei grau nur unsere eigene Stimme. Dazu haben wir nochmals das Vergnügen in die blödsinnige Schießerei hineinzurennen. Nimmt das denn garkein Ende? Der Kopf brummt, die Füße schmerzen; denn es ist ein andauerndes Ausgleiten! Mit den endlich gefundenen Feldgrauen rutschen wir endlich in die Granatlöcher unserer Kameraden. Da habt ihr eure Ablösung! Nun aber hurtig. Schnell wie der Wind sausen wir mit unseren Recken den Rückweg entlang. Als ob der Böse hinter uns sei – und ists denn nicht so? Aus wie viel Mündern spuckt es Tod uns Verderben hinter uns drein? Trotz der feldmarschmäßigen Bepackung werden wir überrannt. So schnell sind die Jäger noch niemals gelaufen, wie damals auf dem Rückweg zum Steilhang. Leider haben wir in dem Sperrfeuer noch arge Verluste gehabt. Engelmann fiel!

Unseren Vorsatz in der 1. Reservestellung zu übernachten gaben wir auf. Obwohl müde zum Umfallen rafften wir beide uns nachmals auf und wankten noch 1 Stunde weiter. Bis zur Fosses-Schlucht bekamen wir kein Feuer. Wie tat die Ruhe im Walde wohl. Das Herz floß über und Dankbarkeit gegen Gott, der mich so gnädig bewacht hatte. Wieder tränkten uns die Pioniere mit frischen Bergwasser. Eine Wohltat. 5 Uhr morgens wars geworden, wie wir unsere Lagerstätten aufsuchten. Die seelische Erregung war aber so stark, kein Schlaf kam in meine Augen. Um 10 Uhr (11.8.16) packten wir unsere Sachen und nun ging es dem Batl. nach. Glück muß der Mensch haben. Von der Fosses-Schlucht bis Deutsch Eck konnten wir mit der Feldbahn fahren. Endlich waren wir aus dem Bereich der Kanonen heraus. Gegen. 1 ½ Uhr trafen wir um Lager „Neuer Wald“ ein. Essen aus unserer Feldküche – ein Hochgenuß. Können wir uns denn nun endlich ausruhen? Nein, es kam anders. Verschiedene Apells. Und am Abend die Nachricht: Morgen früh 3 Uhr steht die Kompagnie feldmarschmäßig auf der Landstraße. Wieder wars einmal ein Sonntag, an einem solchen Tagen hatten wir doch schon immer etwas besonderes gehabt. Was war das für ein Mensch am 13. August? Die ermattete Truppe mußte bis 10 Uhr marschieren. Niemals hätte ich früher gedacht, daß der Mensch so etwas aushalten könnte. Und es ging, weil es gehen mußte. Bis drei Uhr lagen wir vor dem Bahnhof Spincourt! Gehts nach Deutschland? Ach, dieses Sehnen die Heimat zu sehen! Bis 1 Uhr nachts sind wir gefahren und gar bald wußten wir, Richtung Norden von Verdun. Mit 16 Mann richteten wir es uns in unserem Güterwagon etwas gemütlich ein. Es war doch einmal wieder etwas anderes, ein bisschen Reisender zu spielen. Kurz war aber nur die Freude. Endstation „Grandpre“. – Alles aussteigen. Im dunkeln hockten wir auf Brettern und schlürften mit behagen den warmen Kaffee. Antreten! Dort lag das Stückchen, dort werden wir zur Ruhe kommen. Aber nein, wie sollte uns dieses Glück beschieden sein. Die Maschine setzte an und schnurr begann sie zu laufen. Mechanisch setzten wir die Beine. Was nützte uns die wunderbare Mondlandschaft and der Aisne, wir blieben ja doch nicht. Bis 4 Uhr morgens pilgerten wir. Wie manche Pause mußte gemacht werden. Wie heißt das Nest? Champigneule [Champigneulle]. Um 5 Uhr durften wir die müden Knochen hinstrecken. Wie lange. Um 7 Uhr wurde geweckt. Und um 8 Uhr standen wir wieder in Gruppenkolonnen. (14. August) Eine Erleichterung. Die Dachse wurden gefahren. Und doch bittersüßer ist uns der Marsch geworden; denn um 2 Uhr erreichten wir erst unser Ziel. Zwei Stunden bergan hinein in den Argonnerwald. Eine schönre Gegend wie dort im Nollte-Lager konnten wir uns garnicht denken. Mittagessen aus der Feldküche. Düfte empfangen. Wie ich mein Essgeschirr spüle lese ich „Bad“. Da mußt du einmal hineinsehen. Ein warmes Brausebad. Wie lange wars schon her, daß ich einmal das Hemd gewechselt hast? Bist du der noch, der früher so Tee petete war. Brr. Ich schwelgte förmlich, wie das warme Naß hernieder rieselte. O, wie tat das gut. Nun ists aber Zeit, einmal aus Zurufen. Kaum lagen wir. Hui – rax und dann noch mal und wieder und wieder. Sollten wir denn ohne Schlaf bleiben? Jaulend sausten die schwarzen Dinger in den Wald hinein. Auf in einen Stollen. Nach einer halben Stunde krochen wir wieder ans Tageslicht. Antreten und antreten. Gibts denn nichts anderes, wollen sie uns denn heute schon kaputtmachen? Von 10 Uhr abends bis 12 ½ Uhr durften wir dann endlich ruhen. Wieder war es nichts mit einem Ruhetag, garnicht daran zu denken, daß wir in Ruhe liegen bleibenkonnten. Morgens um 1 Uhr (15.08.) standen wir marschbereit. Zu allen Überfluss begann es leise zu regnen. Das kann auf den Waldwegen ja gut werden: Unsere mißhandelten Füße! Wie weit ists denn? 1 ½ Stunde! Das geht ja noch. Unsere Büchse mußten wir freilich schleppen. Nach einer Stunde waren wir glücklich am Anfang des Laufgrabens. Voll froher Hoffnung nach einer halben Stunde das müde Haupt hinlegen zu können ging es fürbas. Gar bald war die halbe Stunde und noch eine dazu herum. Von einem Ende dieses schmalen Grabens war aber nichts zu sehen. Links und rechts stieß man gegen die Kalkmauern des Grabens. Ein Stolpern über abgebröckelte Steine. Lebensgefährlich wurde dieses wenn man scheinbar endlose Stufen nach oben klettern mußte. Endlich trafen wir Kameraden. Wie weit ists noch? 10 Minuten! Nach einer Viertelstunde wieder; Wie weit haben wir noch? Zwanzig Minuten! Bald wieder unser Fragen, und immer dieselbe Antwort, bald heißt es 10 Minuten, bald 1/2 Stunde. Alles nimmt ein Ende so auch dieser Schmerzensweg. Ein solcher war im er im wahren Sinne des Wortes. Es war auch wohl keine Stelle am Körper, die nicht mehr oder weniger wehtat. Morgens 5 ¼ Uhr erreichten wir den uns zugewiesenen „Grabenabschnitt“. Büchse abnehmen; der Graben wird so eng, daß wir uns zwängen müssen. Ein Werk unser freundlichen Nachbarn von drüben. Ich trollte als letzter meiner Gruppe hinterdrein. Meinen Dachs zog ich wie einen Schlitten hinter mir her. Im Zwielicht erblickte ich plötzlich zwei Soldaten in Mänteln. Es wohl zwei von den naseweisen 178ern sein, die uns nun schon so oft angeödet hatten. „Nun machen Sie nur etwas schnell“ ertönt ihr Kommando. „Ihr habt hier klug reden, aber seit 10 Tagen haben wir keine Nacht Ruhe gehabt.“ Meine Antwort. „Wie heißen Sie?“ Die Stimme meines Kompagnieführers. Ein ruckartiges Zusammenfahren meinerseits. Kurz und knapp erfolgt die militärische Antwort. Ein Abwinken und die Sache wäre erledigt gewesen. Da besitze ich die besondere Frechheit und entgegne noch: „Es ist aber auch wirklich so, Herr Leutnant.“ „Halten Sie’s Maul!“ Ich schlurfte weiter. Mir war doch alles so egal. – Am anderen Tage erzählte mir ein Kamerad, daß unser Leutnant sich zu einem Pionieroffizier geäußert hätte, seine Leute hätten in der letzten Zeit fast unmenschliches geleistet. Eine Genugtuung für mich. Wenn wir nun dachten, jetzt endlich schlafen zu können, so waren wir wieder auf dem Holzweg. „Keiner darf sich vor der Sprengung hinlegen. Kohlengase (Kohlenoxidgase) Was verstanden wir von einer Sprengung. Wir krochen trotz des Verbots in unsere unterirdische Höhle. Gegen 6 Uhr werden wir von einem furchtbaren Erdbeben geweckt. Die Sprengung. Der ganze Bau schwankte wie eine Schaukel hin und her. Wir dachten, alles würde über uns zusammenfallen. Es war für mich aber trotzdem nur ein kleiner Zwischenfall. Ich nahm eine andere Seite und döste weiter. Um 10 Uhr wurde ich aber auf unliebsame Weise geweckt. Auf Posten ziehen. Also etwas neues. Feldmütze auf, umgeschnallt, Gewehr in die Hand, so krache ich ans Tageslicht. Handgranatenposten. Wären an dem Tage die Franzosen gekommen, sie hätten kinderleichtes Spiel gehabt. Mit drei Mann saßen wir in einem Stollen und erzählten uns etwas. Glücklicherweise wurden wir bei der Ablösung nicht beschossen. Am 16. August bekam ich eine neue Bestimmung – Patrouille im Graben. Ich hatte hinfür nur Nachtdienst. Dafür sollte ich aber des nachmittags Arbeitsdienst verrichten. Abends 10 Uhr bezog ich zum erstmals meinen neuen Posten. Der Einfachheit halber hatten wir miteinander ausgemacht, uns alle 4 Stunden abzulösen und nicht alle 2 Stunden. So hatten wir dann doch etwas mehr schlaf. Bis morgens 2 Uhr verblieb ich draußen. Viel Schlaf habe ich dann aber doch nicht gehabt. Morgens um 5 Uhr wurde ich schon wieder geweckt. Kaffee holen. Bei dieser Gelegenheit habe ich mich nun ganz gewaltig verlaufen. Wo bin ich an dem Morgen überall gewesen? Eine Stunde bei der Küche vorbei habe ich sie in den Schluchten gesucht. Nach vielen Fragen landete ich dann aber doch bei unserer Küche. Für die nächsten Tage war mein Dienst derselbe wie eben gesagt. Das heißt, Ich habe nicht jeden Tag Kaffee geholt, das gehen abwechselnd. Aber in der Nacht ging ich meinem Grabenabschnitt entlang. Schöne Stunden habe ich dort verlebt. An dem Endpunkte meines Ganges traf ich mich mit meinem Nachbarn. Nur hier wurde nun politisch. 21. August 1916, mein Geburtstag. Geburtstag in Feindesland, fern von den Lieben, ein eigentümliches Gefühl. Morgens um 1 Uhr, wie ich auf Posten stand erinnerte ich mich dessen, daß ich wieder einmal ein Jahr älter geworden war. Am Nachmittag verrichtete ich Arbeitsdienst. Wie weilten wieder meine Gedanken daheim. Am 22.8. wurden wir zwei Stunden von den Franzosen mit schweren Minen belegt. Wir hatten dort einen vorgeschobenen Trichter besetzt. Mit Granaten konnte uns der Franzmann nichts anhaben. Aber desto mehr schleuderte er und seine unheimlichen Minen herüber. Gefährlich waren die kleinen Fallminen. So klein sie waren, so unheimlich wirkten sie. Blitz schnell waren sie da und rissen alles in Stücke was sie trafen. So schnell konnten nun die großen Dinger nicht heran kommen. Man konnte sie gut in der Luft beobachten. Im flachen Bogen kamen sie angesaust um steil herniederzufallen. Also zeitig in Deckung gehen. Wo eines dieser unförmigen Dinge hinschlug, da wuchs kein Gras mehr. Angenehm war’s ja auch nicht im Unterstand. Dieses fürchterliche Getöse, das Krachen der eingeschlagenen Minen. Der ganze Unterstand erbebte in seinen Fugen. Er war ja ziemlich bombensicher 10-12m unter der Erde. Doch war unser Gespräch nur das eine – hält er stand? Wie oft haben wir während einer solchen Beschießung die Kerze anzünden müssen. Durch den gewaltigen Luftdruck saßen wir alle Augenblicke im Dunkeln. Wie sah es denn überhaupt dort unten aus? Einladend gewiss nicht. Der Abstieg in unserer Wohnung war jedes Mal alles andere, nur nicht angenehm. Eng und schmal ging die Treppe nach unten. Das Wasser tropfte von der Decke. Unten ein Raum 2,50 m im Geviert. Wohnung für 9 Mann, eigentlich 10. 5 Betten unten, 5 darüber. Maschendraht war zwischen Baumknüppel gespannt. Und doch fühlten wir uns in der muffigen Luft ganz wohl. Wir waren wenigstens in Sicherheit. Wir hatten einen Ort, wo wir die müden Glieder hin strecken konnten. Die Beschießung war beendet. Schnell die Posten auf ihre Runde. Wie sah unsere schöne Stellungen nur aus. Was hatten in den zwei Stunden die Franzmänner wieder erreicht. Die Graben und leichteren Unterstände waren zerschossen. Die dicken Balken und Eisenträger waren wie Streichhölzer geknickst. Von Glück konnten die Bewohner eines zerstörten Unterstandes sagen, wenn sie ihr Leben gerettet hatten. Immer ging es nicht so glimpflich ab. Gar manche Opfer haben wir zu beklagen gehabt. Von Granatsplitter getroffen liegen sie da. Schwierig war es oft noch dem Postenstande zu kommen, wenn die Minen so gewütet hatte. Da hieß es, wenn der Graben zusammengefallen war, oben drüber weg. Eine lebensgefährliche Geschichte. Dort drüben stand der Feind. Jedem, den er sah sandte er mit dem Maschinengewehr einige blaue Bohnen nach. Ich hatte am [Socler?]-Weg meinen Postenstand. Beim Aufräumen nach einer solchen Beschießung pfiff eine solche abgesandte Kugel feuerscharf an meinem Kopfe vorbei. Also wenige Millimeter und es wäre gewesen. Nachts patrouillierte ich jetzt von der Diplomatenecke bis zum untersten Sperrposten. Kinners war das ein Betrieb wie ich am 28. August [1916] zum 1. Male abends um 10 Uhr aufzog. Gefr. Fink löste ich ab. Er sollte mich nun schnell in meine Tätigkeit einweisen. Soweit kam es aber nicht. Kaum hatten wir uns etwas von der Diplomatenecke entfernt, da hörten wir überall in den französischen Gräben helle Signalhörner. Gleich darauf begann ein unheimliches Geschieße, ein Getöse, daß einem Hören und Sehen verging. Leuchtraketen, weiße, grüne und rote gingen hoch. Es war ein fürchterliches Durcheinander. Unsere Kanonen und Maschinengewehre antworteten. Wir dachte doch nichts anderes, der Franzmann wolle einen Angriff machen. Mein guter Mann lief davon. So da stand ich und wußte nicht wohin. Kurzerhand kehrte ich schließlich um und suchte vor den Minen etwas Deckung. Wie die Schießerei sich schließlich gelegt hatte ging ich meinen Patrouillienweg. Ich habe mich dann auch allein zurecht gefunden. Die Zeit von 10-12 Uhr war immer schnell dahin. Aber die von 4-6 Uhr morgens. Nachdem ich noch einmal den Nachtposten bezog mußte ich um 4 ½ Uhr am [Socler?] Weg auf Tagesposten stehn. Der war nun kein Vergnügen. In Wind und Wetter stand ich dort ohne Schutz, keine Hand konnte ich vor Augen sehen. Drei Sandsäcke waren unter mir. Von einem Fuß auf den andern trat ich darauf herum. Ganz schlimm wurde die Geschichte, wenn es regnete. Nun wurde ordentlich eingeweicht. O, wie sah unsere Stellung aus, wenn sie zerschossen war, aber wenn ein schöner Landregen in der Nacht dazu niederging, man wußte nicht, ob es im Schweinestall sauberer war. Bis zu den Knien kam man in den Schlamm hinein. Dazu suchte man mit den Händen Stütze an den Grabenwänden. Jedesmal griff man in Schmodder oder fiel dagegen. Salonfähig war ich ganz gewiß nicht. Nach Ablösung legte man sich dann hübsch mit dem Dreck schlafen. Um vier Uhr ließ man sich dann vom Regen durchweichen. Angenehm war schließlich etwas anderes. Wie schmeckte dann aber um sechs Uhr der Kaffee. So haben wir bis zum 6. Sept. 2 Stunden Posten gestanden 4 Stunden Ruhe gehabt. Zuletzt waren wir kaum noch zu kriegen. Der Schlaf war bleiähnlich. Man konnte ja niemals durchschlafen, immer wurde man wieder geweckt. Ich glaube dieses Parkoursystem halten auch wir aus. Andere Truppenteile wurden immer nach einigen Tagen vom Postenstehen abgelöst um ausschlafen zu können. Unser Zug hat eben Dauerpostenstellung gehabt. – Das angenehme in den Argonnen war die Verpflegung. Zuerst haperte es gewaltig. Dann nachdem unsere Jäger bei anderen Truppenteilen Brot gebettelt hatten[,] wurde es gut. Jeden Nachmittag erhielten wir noch extra ein Brötchen. Das schmeckte großartig. Postverbindung war auch gut. Wenn diese Minengeschieße und vor allen Dingen die Sprengungen nicht gewesen wären, man hätt es schon aushalten können. Bei der Beschießung wurden jedesmal die Posten zurückgezogen. Alles kroch in die Heldenkeller. Hier hörte man sich dann das Höllenkonzert an. Wie oft haben wir infolge des fürchterlichen Luftdruckes, den die Minen verursachen, unsere Kerzen anstecken müssen. Ganz arg waren auch die kleinen Pfeilminen, so klein sie waren, sie hatten eine unheimliche Wirkung. Das ärgste waren aber die Sprengungen. Das ganze Gelände war durchwühlt, wie es die Maulwürfe nicht schlimmer machen konnten. Die einzelnen Stollen wurden in die Erde gebaut, so 20 m tief und noch tiefer und dann wurde langsam geradeaus gearbeitet. Die Pioniere hatte sehr viel unter [Erd?] zu leiden. Dauernd arbeiteten die Ventilatoren. War ein solcher Stollen nun weit genug vor getrieben, so wurde ein darüber gefunden feindlicher Stollen abgequetscht und damit unbrauchbar gemacht. Oder es fanden große Sprengungen statt. Zu dem Zweck wurden hinderte von Centnern Sprengstoffe hineingeschafft, dort wo sie in die Höhe gingen entstand ein gewaltiger Trichter. (Wir hatten ja auch einen solchen besetzt.) Ca. acht Tage bevor wir abgelöst wurden, hatten sich die Franzosen unter uns gewühlt. In Angst und Bangen sind wir die Zeit noch dort gewesen. Jeden Augenblick konnten wir allesamt in die Luft gehen. – Wir haben aber Gott sei Dank Glück gehabt. Fand eine solche Sprengung statt – morgens von 5 ½ -10 Uhr war Sprenggefahr – so konnte man die gewaltigen Erschütterungen [?…weit] warnehmen. Die Erde schwankte wie bei einem Erdbeben.

Am 6. September erkrankten wir in unsrem Unterstand an Gasvergiftung, hervorgerufen durch eine am Morgen stattgefundene Sprengung. Durch entstandene Spalten waren Gase in den Unterstand gelangt. Während unser Batl. abgelöst wurde, bezogen wir 9 Mann das Revier. Glücklicherweise hatten wir es zur rechten Zeit bemerkt, sodaß wir mit leichterem Unwohlsein davon kamen. Es war aber auch die höchste Zeit, daß wir aus unserem Bau herauskamen; denn der Franzmann war mit seinem Stollen schon unter unserem Unterstand.

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Kriegstagebuch des Musketiers Wilhelm H**** aus Bockel – IR 77 (Heideregiment) (8. August – 9. September 1914)

Musketier Wilhelm H**** aus Bockel bei Wietzendorf war Soldat im in der 4. Kompanie des Infanterie Regiments 77 (Heideregiment) in Celle. Sein Kriegstagebuch umfasst nur den verglichsweise kurzen Zeitraum vom 8. August bis 9. September 1914.

Die vom Verfasser gemachten Angaben konnten mit Hilfe des Buches „Das Heideregiment – Königlich Preußisches 2. Hannoversches Infanterie-Regiment Nr. 787 im Weltkriege 1914 – 1918 von Oberleutnant a. D. Helmut Viercke (Celle 1934) bestätigt werden. Einige Ortsangaben, wo Wilhelm Leerstellen gelassen hatten, konnte durch dieses Werk ergänzt werden. Am Ende des Kriegstagebuches ist eine vermutlich vom Verfasser selbst angefertigte Karte eingeklebt, auf der seinen Weg eingezeichet hat, den er mit seiner Kompanie am 7. und 8. September 1914 zurückgelegt hat. Dies war der weiteste Vorstoß der Deutschen auf französisches Gebiet, wie Wilhelm selbst schreibt.

Die fehlerhafte Rechtschreibung des Verfassres wurde übernommen. Zum besseren Verständnis der Aufzeichnungen wurden Satzzeichen eingefügt, was durch eckige Klammern kenntlich gemacht wird.

Die Karte zeigt den weitesten Vorstoß des IR 77 (rote Markierung) am 7. September 1914. In der Nacht vom 7./8. September 1914 erfolgte der Rückzug. Eine Wiedereroberung am 8. September scheiterte. (Quelle: Das Marnedrama 1914 2. Teil)

Der Verfasser des Kriegstagebuches hatte anscheinend seine Aufzeichnungen einem Kameraden zur Verfügung gestellt, wie er am Ende des Kriegstagebuches selbst schreibt. Hierin bittet er darum, seinen Namen nicht zu nennen – was auch in diesem Blog respektiert wird. Hier nun der Eintrag vom Ende des Kriegstagebuches:

Werte Kamerad[,] übersende sie hiermit meine aufzeichnungen[,] welche ich noch ergänzt habe, sollten sie etwas davon gebrauchen können, sollte mich das freuen, aber bitte mich nicht nennen.

Mitt Kameradengrus!

 

Pächter Wilhelm H**** [Name durch den Blogbetreiber anonymisiert]

Bockel Post Wietzendorf

Kreis Soltau

 

Es sollte mich freuen[,] wenn sie nach gebrauch es mir wider schickten.

Kriegstagebuch des Musketiers Wilhelm H**** aus Bockel (4. Kompanie im I. Bataillon IR 77) vom 8. August bis 9. September 1914

Monat August

¾. 4. austreten 3-6. Unt. 6. Löhn. ½ ). Aget.

8. August morgens 6 Uhr ankunft in Saurbrot [Surbrot] Abmarsch nach Lager Elsenborn.

9. Morgens um 2 Uhr abmarsch aus Elsenborn nach Belgien ungefähr 15 km vor Lüttich machten wier halt[,] wier sahen bis jetzt noch nichts von den schrecken des Krieges[,] aber von nun an geht’s zu dem Feind[,] zum Teil sind die Bewohner friedlich gesund[,] es sind grausamkeiten an Deutsche vorgekommen[,] welches sie bitter haben büßen müssen[,] heute den 10. haben wier geschlafen bis um ½ 6 und wir werden heute wohl die Feuertaufe erhalten, wir werden unsern Mann aber stehen[,] denn wie das gerücht geht[,] soll unser Geliebter Oberst Örtzen [Oberst v. Oertzen, Kommandeur der 38. Inf. Brig.] meuchlings ermordet sein, wurde aber nicht bestätigt, von unsere abmarsch ist nichts geworden[,] haben noch immer ruhe[,] welche wier aber auch gut gebrauchen können nach dem anstrengenden marsch von Sonntag. Dieses Nest[,] worin wier Biwackieren heißt Theux, die bewohner sind zum teil hinterlistig, gestern wurden ein der auf einen Wachtmeister geschossen, ist ein Mann gewesen von 35 Jahre[,] wurde gestern abend aber noch gleich erschossen[.] Das war der Lohn für seine tat, womit er sich wohl für sein Vaterland verdient machen wollte.

Dienstag d. 11/8. 14. Gab es Löhnung[,] aber es ist nichts mehr in der Stadt [Theux] zu haben, wier mußten noch ein paar Stunden Dienst machen.

Mittwoch, 12/8. 14. Sollte alles wieder in gewohnter weise fort gehen[,] als um 3 Uhr der Befehl zum abrücken kam, es war ein anstrengender marsch[,] man hatte heufig steile Berge zu erklimmen, um ½ 9 langten wir in ___________ [Lincé und Higne] an[.] Dort wurde Alarm quatier, wier logierten uns in der Küche mit 5 Mann ein[,] das Haus mußte aber vor unsere ankunft geräumt sein[,] denn die Kohlen auf dem Herde wahren noch glühend[,] wier machten es uns so bequem wie möglich.

Donnerstag d. 13/8. 14. Um 5 Uhr morgens rükten wier aus[,] hatten heute aber noch einen beschwerlichen Weg wie gestern[.] Die Sonne brannte furchtbar auf uns hernieder auf den Felsenstraßen[,] die sozusagen Diereckt in den Felsen hinein gehauen sind, wäre dies unser Vaterland es wäre kein Feind hinein gekommen[,] sie hätten sich alle den Schädel eingerannt, auch diesen marsch hatten wie den höchsten Berg zu erklimmen[,] bis jetzt marschierten noch unseren bestimmungsort Xhoris, wo wier völlig ermattet um 10 Uhr ankamen, ich weis nicht wenn dem Regimentskommandör die Hitze in den Kopf gestiegen[,] das er nach dem mittag 2 stunden Dienst machen ließ.

Freitag d. 14/8. 14. Heute haben wier Ruhetag[,] aber damit die Leute nicht ganz und gar ausruhen können[,] mußte heute nachmittag wieder Dienst gemacht werden, hätten wier doch unsern lieben Oberst von Ortzen [von Oertzen] [,] der konnte alles von uns verlangen[,] für den gingen wier durchs Feuer, aber es hat nicht sollen sein.

Sonnabend, d. 15/8. 14. Heute sollte alles in gewohnter weise weiter gehen, wier hatten von 8-8.30 Uhr Unterricht und von 9-11 Uhr Exazieren[,] hatten dann noch Fußrevision[,] als plötzlich Alarm gemacht[,] um 12 Uhr rückten wier aus und marschierten bis 3.30[,] da machten wier eine Stunde pause[,] um 4.30 war Gewehrfeuer hörbar[,] werden wohl einen Flieger beschossen haben, Essen haben wier bis jetzt heute noch nicht gehabt[,] wie heute morgen etwas Kaffee, zu kaufen gabs nichts mehr, da wahr ein jeder froh wenn man trocken Brod hat, um 9 Uhr kammen wier in Biwack [in Suheit-Tinlot], da bekammen wier das langersehnte Essen.

Sonntag d. 16/8. 14. Heute morgen hatten wier Gewehrappell, nach dem appe[l]s hatten wier anschließend Grüßen[,] die Herren schienen verrückt geworden zu sein, um 2.30 wurde Arlarm gemacht nun mußten wier ausrüken[,] heute hatten wir keinen großen marsch[,] kamen schon rechtzeitig ins Biwack[,] mußten aber um 8 Uhr wieder abrechen und alarm quatier rüken [nach Yernée-Fraineux].

Montag d. 17/8. 14. Freineux [Fraineux] Heute hatten wier ruhetag[,] wier blieben in unsern quatier, nachmittags hatten wier Ezezieren.

Dienstag d. 18/8. Morgens um 4 Uhr rükten wier ab[,] um die Maas zu überschreiten[,] die Pioniere hatten die Brücken noch nicht ganz fertig[,] wier mußten die alte Brücke benutzen, um 8 Uhr überschreiten wier den Fluß beim Orte Dinant, marschierten weiter bis um 9.30. Da mußten wier halten[,] um die 38. Brigade vorüber zu lassen, da sahen wier auch unseren alten Oberst wieder, er ritt die Front ab[,] dabei freute er sich aber und wier auch. Hier blieben wier liegen bis um 2 Uhr, da marschierten wier ins unbestimmte weiter[,] um 9 Uhr bezogen wier quatier in Arvenn [Avennes][.]

Mittwoch, d. 19/8. 14 rückten wier um 8 Uhr aus dem quatier und machten um 12 Uhr halt[,] als vor uns Kanonendonner hörbar wurde[,] unterwegs sahen wier die ersten laufgräben[,] die aber geräumt waren, nachmittags ging es wieder vorwärts als es hieß, die Battallone auseinander ziehen, das 3te und 2te Battallon war schon ausgeschwärmt[,] als der Feind in wilder flucht ausgerissen war und wier hatten das nachsehen, abends bezogen wier Biwack [in Perwez] [,] wo hier waren die Franzosen eine Stunde vorher in laufschritt durch gekommen.

Donnerstag, d. 20/8. 14. Morgens um 6 Uhr rückten wier aus[,] wier wanten uns in nördlicher richtung[,] wie sonst machten wir 10 Uhr halt[,] als der große generalstab kam[,] wobei sich auch Herzog Ernst August von Braunschweig befand, um 11 Uhr marschierten wier weiter[,] als wier um 12 Uhr wieder halt machten[,] hier blieben wier liegen bis um 5 Uhr[,] weil der Feind wieder geflüchtet war. Danach bezogen wier quatier in ______ als wier um 7 Uhr wieder abrüken mußten unser Battallon mußte auf Vorposten ziehen, hier auf Vorposten bezogen wier zusammen mit der ersten Kompanie einen großen Gutshof hatten ein schlechtes quatier [bei Cortil-Noirmont].

Freitag, d. 21/8. 14. um 8 Uhr rückten wier aus[,] heute waren wier zur bedeckung der Artillerie bestimmt, es war ein sehr schlechter marsch denn ich war beihnah krank[,] hatte furchtbar im [?dunst] zuleiden als wier endlich um 11 Uhr halt machten, um 12.15 ging es wieder los[,] aber kammen nicht weit[,] als wier wieder halt machten. Da mußte unsere Artillerie auffahren[,] mußte die gleich darauf an zu schießen mit der gestalt das schießen müssen wier nicht, um 10 Uhr kammen wier in arlarmquatier, in Veller de Same [Velaine-sur-Sambre], um 1.30 Uhr [am 22.08.1914] rückten wier aus nach Tammien [Tamines] [,] mit aufgepflanzten Bajonett marschieren wier durch den Ort[,] als wier bald am ausgange des Ortes waren[,] wurde plötzlich aus Häusern auf uns geschossen, während die Franzosen mit Schrappnell in die Stadt schossen, darauf gingen wier zurück[,] viele Verirten sich in den Gärten, darauf gings wieder in die Stadt und jedes Haus wurde in Brand gesteckt, darauf gings gegen den Berg hier war es schlecht für uns[,] wier mußten viele lassen[,] von hier gings in die Weiden[,] hier blieben wier in Reserve[,] hatten einen schlechten standt[,] denn der Feind schoß mit Granaten auf uns schoß aber zu weit und in der wiese kammen die Geschoße nicht zur Explosion[,] schließlich mußten wier uns zurück ziehen wegen unsere Attillerie[,] die das Dorf neben uns in brand schießen wollte, wier zogen uns zurück nach der Eisenbahn, hier wurden wier noch mittags noch mit Schrappnell beschossen[,] hatten aber nur 4 Verwundete und 1 toten hier[,] um 6 Uhr rükken wier wieder zurück[,] das war die Schlacht bei Tammien [Tamines], nun hatten wier hier 1-2 Stunden aufenthalt[,] darauf gings wieder fort[,] denn die Stadt sollte vernichtet werden[,] eher wier ausrükten wurden noch 260 Zivil Personen erschossen wegen ihr verhalten am morgen gegen uns [vgl. Heideregiment S. 49], um 12 Uhr [nachts] bezogen wier Biwak [an der Ferme Belle Motte bei le Roux], um 4 Uhr [am 23.08.1914] gings wieder los waren angetreten[,] da wurden wier mit 2 gruppen zum Munitionsempfang kommandiert, abends um 7 Uhr war unsere Attillerie in schwere bedrängnis, da hieß es alles was Gewehr hat nach vorne, nun schoben wier uns zwischen die Geschütze, hier gruben wier uns ein und bereiteten uns zum angriff vor[,] denn jeden augenblick konnte Feindliche Infanterie erwartet werden, wier gruben uns schließlich einen graben hier stehen die Schützen und brachten die nacht darin zu.

Montag, d. 24/8. 14.

Morgens um 4 Uhr fuhr die Battr. ab[,] da gingen wier auch zurück zu unsere Munitionskollonen die fuhr aber zu schnel und wier konnten ihr nicht folgen kam auch von den andern ab und langte mittags um 12 Uhr bei der Kompanie an[,] abends um 8 Uhr bezogen wier quatier in __________ [Fraire].

Dienstag, d. 25/8. 14.

marschierten wier wieder hinter den fliehenden Franzosen her[,] so gings es weiter bis zum 27. Da rückten wier in Frankreich ein[,] hier mußten wier etwas vorsichtiger sein, am 28. abends kammen wier vor Guisee [Guise] an[,] hier logierten wier im Chaussegraben um 4 Uhr[,] am Sonnabend den 29/8 rückten wier um 4 Uhr aus und marschierten durch Guisee [Guise][,] es herschte starker Nebel die 17. Husaren ritten voraus[,] alls sie plötzlich von allen seiten feuer bekammen und nach allen Winden aus einander stoben [,]wir wurden als rechte seiten Deckung raus[,] konnten uns nicht mehr halten und zogen uns hinter hafer zurück, von hier aus zogen wier uns zurück nach einem Gute von hier ab gingen wier wieder vor unsern Regiment sammelte sich darauf und wier lagerten uns vor der Chaussee zogen uns aber zurück im Schatten der Bäume[,] hier lagen wier bis um 6 Uhr[,] dann hieß es alles zum Angriff vorzugehen, wie ein Mann stands Regiment auf und er ging gegen den Feind an, der Feind empfing uns aber mit starken Atilleriefeuer, wärend die Feindliche Infanterie gleichzeitig zum Angriff überging, wir kammen durch die Tahlmulde bis zum Kamm der nächsten Höhe (Sie ist im Nachrichtenblatt) veröffentlicht, die Photografie ist von Ob. St. Artz v. [B…?])

Hier setzten wir uns fest und dann hieß es aus halten, hier trafen wier mit der Feindlichen Infanterie zusammen. Die unterstützt von ihre Atillerie, uns hier zurück drängen wollte, knieend, bald links bald rechts, uns was schwenkend, suchten wir uns den Feind auf 50-100 von Leibe[,] aber unsre Zahl wurde immer kleiner[,] alle Augenblicke hieß es (Ik hev minen Deel) Ich hab mein Teil. Als letzte gingen Einj. Freiw. Buhr und ich zurück 30 m rechts von uns marschierte ein Trupp von 30 Mann[,] wir sehn uns die leute genau an und sahen[,] das es Franzosen waren, wir beide wollten sie zuerst gefangen nehmen, ließen aber von unserm Vorhaben ab, und im laufschritt ging es auf unsere Linien zurück, und konnten sie hier schon, von vorne kommen, ein paar Salven und sie waren zusammen geschossen, unsere linien kam ich gerade neben Freund H. Röhrs aus Bergen zu liegen, links neben mir wurde Offz. Stellv. Stüdter von der 3. verwundet, nun wurden wir in Kompanien ein geteilt, und mußten uns ein buddeln, H. R. und Ich, waren als Pioniere ausgebildet und gruben uns so tief ein[,] das wir stehend schießen konnten, als wir diese arbeit geschafft hatten[,] gingen wir beide zu den vor unsern linien liegenden Franzosen, und nahmen denen das Brot ab, denn die hatten es nichts mehr nötig, und wir hatten Hunger. Aber unsere Feldküchen kamen auch noch raus, nun hieß es Essen hohlen, ich hin, mit den Kochgeschirren, die wurden beide gefüllt und der Kutscher mußte mir noch eine Flasche Wein geben, und ich zog wohl versorgt zu der Stellung[,] wo ich von Kamerad H. Röhrs freudig empfangen wurde. Hier lagen wir nun bis zum andern nachmittag um 3 Uhr[,] wo die ganze Division zum Angriff vorging. Dann bezogen wir Biwack vor Landifai [Landifay] und am andern morgen den 31/8. rückten wir ins Dorf, wo wir einen ruhetag hatten, hier wurde eine gründliche säuberung vorgenommen, den die Haferflöhe hatten uns im Biwack stark zu gesetzt. Am nachmittag war Feldgottesdienst und wo es möglich war wanderte Franzmanns Kuchen ins Deutsche Kochgeschirr.

1/9. ging die jagd hinter den Franzosen wiederlos immer weiter nach Frankreich hinein, gingen kampflos über die Marne, wo es ein längeres Halt gab, weil vorne die sache nicht ganz geklärt war, am 5/9. marschierten wir morgens durch Montmor [Montmort], als Spitze der Division, wir waren eben durch den Ort [Étoges], auf einmal ging eine Schießerei los, und die Husarenpferde kamen hier zurück, ein kurzer befehl und das I. Bat. stob zu beiden seiten der Chausse ausein[an]der und im kurzen anlauf war die feindliche Nachhut übern haufen gerannt. Dann wurde das Regiment zusammen gegangen und halt gemacht, denn wir mußten uns hinten an die Division anschließen, am Abend kamen wir nicht in das für uns bestimmte Quatier, sondern mußten wider zurück, und bezogen im Dunkeln in einen Schloßhof [Château de Congy] Biwak, es war soetwas wie dicke Luft da.

Am 6/9. morgens wurden wir zur Flankierung ein gesetzt, wir buddelten uns etwas ein, und harrten der Dinge[,] die kommen sollten[,] und sie kamen in Gestallt von Französischen Schrapnells aus der schlechten Kiste oder zu hoch, am abend wurden wir vorgezogen, das III. Bat. hatte die Franzosen zurück gedrängt, wir marschierten durch den Ort [Joches] aufs Feld zum Schanzen, revidierten aber zuerst die Kornstiegen nach eisernen Portionen und fanden auch ein gut teil, denn die Franzosen erleichterten ihre Tornister gerne.

7/9. wurden wir im Dunkeln zurück gezogen mußten antreten und marschierten ab, bei hell werden kamen wir an die große Straße, hiertrafen wir 77. 164. wir marschierten weiter und machten halt vor den Wald von Chalons [bisher nicht identifizierter Wald], hier wurden die Kompanien auseinander gezogen. Die Hornisten mußten das alt bekannte Angriffs Signal der Sitt nach Wort geben und gings in den Wald. Vorm Walde hatten sich die Franzosen in den Weiden , hinter den Hecken fest gesetzt, wurden aber nach kurzen, heftigen Feuergefecht, gefangen genommen, nun gings vor auf das Dorf St. Prix [Talus-Saint-Prix] und die höhen links davon. Ueber die höhen konnten wir nicht vorwärts kommen, und zogen und nach rechts aufs Dorf zurück, hier wurde eine Kompanie zusammen gestellt (unter Lt. Lerche), und nun versuchten wir rechts aus dem Dorf heraus zu umfassen, wollte aber auch noch nicht gehen, nun wollte Lt. Lerche noch weiter rechts mit uns aushohlen, da kam befehl von Major Bode [Bataillonskommandeur III. Batl. IR 77], der unterdeß ins Dorf [wohl Soizy-aux-Bois] gekommen mit dem[,] was er hatte zusammenraffe[n] können[,] sich ihm anschließen, nun gings auf der Dorfstraße vor Papa Bode voran mit seinen Klappstok die Chausse war tief eingeschnitten, und so kammen wir denn bis zur Höhe hinauf, wo ein Feldweg war, diesen besetzten wir, er war tief ausgefahren[,] wir konnten knieend schießen. Aber der Franzose bedacht uns hier ordentlich, so das wir uns, auf befehl (von Herrn Major Bode[)] aufs Dorf zurück zogen, hier machten wir eine Atempause, dann gings auf den ruf so jungs wieder los von Papa Bode wieder vor das dritte mal, blieben [Wort fehlt: wo] wir waren, es wurde schon dunkel, wier buddelten uns [im Branle Wald] ein, um 11 Uhr hieß es leise zurück ziehen, in St. Prix wurden die Kompanien etwas vormiert, und dann gings durch den Wald zurück, vorm Walde hielten die Feldküchen nun gabs Essen, und dann hieß es antreten, und nun gings den weg zurück, wo wier am Morgen hergekommen waren, aber nicht lange wärte der marsch das Frühlicht traf soeben an [am 8.9.1914] [,] da wurde halt gemacht[,] das Battl. auseinander gezogen, und wier gruben uns ein, als auch schon ein erster Gruß vom Feind eintreffen, wobei unsere Komp. 1 leicht verwundet hatte, hier lagen wir bis nachmittags um 4[,] wo wir uns in die hinter uns liegende Holzung zurück zogen, nach rechts marschierten und durch den Wiesengrund angreifen, beim vorgehen mußte ich bei einem M.G. eintreten und kam dadurch von der Komp. ab. Mitt unserm M.G. gingen wir biß zum Walde vor, hier mußten wir etwas halten, plötzlich kommt ein Zug 92. zurück, sie sind bei nächsten Straßenecke auf eine feindliche marsch kolonne gestoßen, nun mußten wir unsern zwei M.G. vorgehen. wir sollten das gelände abstreuen, wir machten die Gewehre fertig und gingen im Chaussegraben vor bis zu der betreffenden ecke, hier machten wier einen sprung über die Chausse und schoßen was die Rohre hergeben wollten, hatten dabei noch einige verwundete, und ein Gewehr mußte zurück gezogen werden, wegen Schuß defekt, kein Franzose ließ sich sehen darauf wurde das andere Gewehr auch zurück gezogen, und wir mußten auch noch eine stellung besetzen biß zum andern nachmittag den 9/9. wo wir uns um 5 Uhr zurück zogen, wir waren am weitesten nach Frankreich hinein gewesen.

Handgezeichnete Karte am Ende des Tagebuches. Die gestrichelte Linie zeichnet den Weg des Verfassers am 7./8. September 1914 nach.
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Kriegstagebuch des Leutnants Werner Rieck – Grenadier Regiment 12 (04. August 1914 – 02. Februar 1915)

Biographisches zur Werner Rieck

Die Biographie von Werner Rieck lässt sich auf Grund der doch zahlreich vorliegenden Unterlagen relativ gut rekonstruieren. So liegen in meiner Sammlungen neben dem Kriegstagebuch vom 04. August 1914 bis 02. Februar 1915 auch der Personalbogen sowie ein Konvolut von Feldpostbriefen an seinen Vater vor. In diesen Feldpostbriefen sind auch die Original-Kriegstagebücher Riecks enthalten, die er während des Krieges in Kurzschrift verfasst hatte.

Erst Hermann Werner Rieck wurde am 07. Januar 1892 in Berlin geboren. Sein Vater Hermann war zuletzt Prokursit bei der Nürnberger Lebensversicherungs-Bank. Seine Mutter hieß Anne, geb. Köhlert. Werner Rieck wurde im elterlichen Hause erzogen und besuchte das Kaiserin-Augusta-Gymnasium in Berlin-Charlottenburg und das Humboldt-Gymnasium in Berlin. Anschließend studierte acht Semester lang Rechts- und Staatswissenschaften. Im Personalbogen wird sein Zivilverhältnis, also sein Beruf, mit Rechtsreferendar angegeben. Als Wohnort wird Charlottenburg genannt.

Am 1. Oktober 1911 trat Rieck als einjähriger Freiwilliger in die 9. Kompagnie des 2. Garde-Regiments zu Fuß ein. Am 15. September 1912 wurde er zum Unteroffizier befördert undam 1. Oktober 1912 zur Reserve der Provinzial-Infanterie entlassen. Am 13. April wurde er beim Infanterie Regiment 132 zum Vizefeldwebel der Reserve befördert.

Mit Kriegsbeginn 1914 wurde Werner Rieck am 4. August 1914 zum Grenadier-Regiment 12 eingezogen. Er war dort im II. Bataillon in der 6. Kompagnie Vizefeldwebel. Zunächst war er mit seinem Regiment an der Westfront in Belgien und Frankreich eingesetzt. Am 22. Januar wurde Rieck das Eiserne Kreuz 2. Klasse verliehen, was er in seinem Kriegstagebuch allerdings nicht erwähnt. Diese Information stammt aus dem Personalbogen. Am 31. Januar 1915 erfolgte seine Beförderung zum Leutnant. Am 2. Februar 1915 erfolgte Riecks Versetzung an die Ostfront, wo er jedoch aus mir unbekannten Gründen nicht lange blieb. Vermutlich lagen gesundheitliche Gründe vor, denn er wurde bis Kriegsende nicht mehr an der Front eingesetzt. Rieck war ab dem 14. Dezember 1915, wohl bis Kriegsende 1918, Adjutant bei der Bahnhofskommandantur in Cottbus. Die Unterlagen aus dieser Zeit wurden zwar ebenfalls auf Ebay versteigert. Allerdings lag das Höchstgebot nicht bei mir.

Die zahlreichen Feldpostbriefe an seinen Vater, die ebenfalls in meiner Sammlung vorliegen und denselben Zeitraum wie das Kriegstagebuch abbilden, konnten bisher nicht ausgewertet werden.

Werner Rieck als einjähriger Freiwilliger

Bei der hier vorliegenden Version des Kriegstagebuches handelt es sich um eine Abschrift, die Werner Rieck im Februar 1916 an seinen Vater geschickt hat.

Brief von Werner Rieck an seinen Vater über die Abschrift des Kriegstagebuches.
Originalkriegstagebuch in Kurzschrift
Erste Seite der von Werner Rieck selbst angefertigten Abschrift seines Orignalkriegstagebuches

Bezug zu Schriftsteller Walter Bloem

Der Schriftsteller Werner Bloem (1868-1951) nahm als Hauptmann der Reserve, später als Major der Reserve am 1. Weltkrieg teil. Er war Kompagniechef der 2. Kompagnie des I. Bataillons des Grenadier-Regiments 12 – also dem Regiment, in dem auch Werner Rieck eingesetzt war.

Werner Bloem verarbeitete seine Eindrücke aus dem Krieg in seinem autobiographischen Buch „Vormarsch“, das in erster Auflage 1916 erschienen ist.

Interessant an Riecks Kriegstagebuch sind zwei Bemerkungen, die Werner Riecks Vater hineingeschrieben hat. So steht auf der Umschlaginnenseite: „Die Angaben im vorliegenden Kriegstagebuch stimmen auffallend mit Walter Bloems „Vormarsch“ überein. H.R.“ Als Anmerkung zum 23. August 1914 ist zu lesen: „S[iehe] auch Bericht von Walter Bloem“.

Deshalb wird es nun für mich notwendig sein, das Buch „Vormarsch“ einmal zu lesen, um dies selbst zu überprüfen. Über die Ergebnisse des Lesens werde ich später dann hier berichten.

Einband von Walter Bloems "Vormarsch" in der ersten Auflage von 1916. Das Buch ist im Verlag Grethlein & Co GmbH in Leipzig erschienen.

Kriegstagebuch von Werner Rieck (04. August 1914 - 02. Februar 1915)

4. August

3. . Mobilmachungstag – Meldung beim Regt.

8. August

517 nachm. Abfahrt von Frankfurt a. O., 100 Ankunft in Berlin-Neukölln, wo das Abendessen eingenommen wurde; gegen 110 Weiterfahrt.

9. August

Morgens 50 in Burg, hier Frühstück; Weiterfahrt über Magdeburg, Seesen, Börssum durch das Harz- und Weserland bis Lippstadt. Auf allen Bahnhöfen ein begeisterter Empfang; man überbot sich darin, den Soldaten Gutes zu erweisen.

10. August

In Wattenscheid Frühstück. Weiterfahrt über Essen, Düsseldorf, Neuß bis Elsdorf, dem Endpunkte der Fahrt. Marsch bei glühender Hitze bis Hambach. Quartier im Haus Nr. 50 bei Sperl.

11. August

Felddienstübung in der Gegend von Hambach. Dasselbe Quartier.

12. August

Marsch nach Dürwiß; hier Bürgerquartier.

13. August

Von Dürwiß nach Eilendorf. Quartier bei Bahnvorsteher Schutzeich Bahnhofstr. 1 zusammen mit den Einj. Stephan v. Altrogge.

14. August

330 Wecken. 50 Abmarsch. 60 Überschreiten der deutsch-belgischen Grenze bei Herbesthal. Weitermarsch vorbei an zerstörten Gehöften, durch zerstörte, teils noch brennende Städte und Dörfer wie Battice, Julément. 7. nachm. Überschreiten der Maas bei Wandre. 80 einstündige Rast und Essen bei Herstal; dann weiter bis zum Dorf Glous, wo wir 1130 nachts ankamen bei Regenwetter. Biwak.

16. August

Etwa um 90 wurde der Vormarsch fortgesetzt in westlicher Richtung, aber nur 15 km weit bis Berg, 2 km entfernt von Tongres. Biwak.

17. August

Marsch durch Tongres, Stadt von etwa 30000 Einwohnern, mit schöner gotischer Kathedrale, bis Looz; hier Mittagrast auf freiem Felde. Der Marsch wurde fortgesetzt bis Houppertingen, größerem Dorfe, teilweise von Einwohnern verlassen. Hier Quartier zusammen mit Lt. Thiele u. Offz. Stellv. Simon in einer Wirtschaft; freundliche Aufnahme, wenn auch nicht übermäßig sauber.

18. August

30 Abmarsch. Im Hinblick auf die zu passierenden Flüßchen und Kanäle wurde noch alles mögliche Material zum Brückenbau requiriert und auf Wagen verladen. Uns ist es leider nicht zu gute gekommen. ½ 11 erster Zusammenstoß des Regiments mit dem Feinde, der unblutig verlief, wenigstens für uns. Ich selbst war zur Fahne kommandiert, und zwar mit dem Fahnenträger bei der 7. Komp. Die Kompagnie war nur entfaltet, nicht entwickelt. Gegen 70 abends nochmals Begegnung mit dem Feinde, von dem wir allerdings nichts zu sehen bekamen. Das Dorf, in dem sich Belgier festgesetzt hatten, war von unserer Artillerie zum Teil in Brand beschossen; es war ein schauerlich schöner Anblick, wie sich die brennenden Baulichkeiten, darunter ein Mühle, von Abendhimmel abhoben.

Nachdem diese Aufgabe erledigt wart, ging es noch etliche Kilometer weiter bis —?—, wo wir gegen 110 ankamen und Ortsbiwak bezogen. Die 7. Komp. war auf einem verlassenen Gehöfte untergebracht.

19. August

Früh ging es weiter auf der großen Straße auf Löwen zu. Man merkte, daß hier Kämpfe stattgefunden haben. In den Ortschaften Häuserruinen, zum Teil noch brennende Häuser. Auffallend ist die große Anzahl von Uniformstücken, die man namentlich in der Nähe von Ortschaften zu beiden Seiten des Weges liegen sieht. Als hätten es die belgischen Soldaten vorgezogen, sich in Zivilkleidung dünn zu machen. Um 100 etwa war Vorhut wieder auf Feind gestoßen, darunter F./12.; wieder wurde nur eine Entfaltung vorgenommen; unsere Aufgabe bestand hernach lediglich darin, belgische Kavalleriepferde, die ohne ihre Reiter herangesaust kamen, einzufangen, eine willkommene Beute. Lange hielt uns dies Gefecht mit belgischer Nachhut nicht auf. Es ging weiter auf Löwen zu. Das Innere der Stadt bekamen wir nicht zu sehen; durch Vorstädte ging es zum Westrand der Stadt, wo die große Straße nach Brüssel abgeht. Auf ihr marschierten wir dann, nachdem noch in Löwen Fütterung gehalten worden war, 5 km weiter bis Leefdal. Bataillon auf Vorposten. Bataillonsstab und Fahne in einer verlassenen Wirtschaft.

20. August

Weitermarsch Richtung Brüssel. ¾ 8 erster Halt bei dem Kongo Museum in Tervuren. Dann weiter bis Anderghem 7 km von Brüssel entfernt. Der Weitermarsch geht durch die südlichen Vorstädte von Brüssel durch Ixelles, Uccles [Uccel] (rue de Waterloo), wo etwa eine Stunde lang Halt gemacht wurde, bis Ruysbroeck, etwa 7 km südöstlich Brüssel. Hier Quartier bei der 7. Komp.

21. August

Abmarsch von Ruysbroeck gegen acht Uhr. Nach einem Marsche von 8 km gingen wir bereits zur Ruhe über, und zwar in Hal, einem Städtchen von etwa 15000 Einwohnern mit prächtiger gotischer Kirche, die ein wundertätiges Marienbild enthält. Mein Quartier lag in einer kleinen vom Markt abgehenden Seitenstraße. Die Aufnahme war sehr freundlich. Konnte man doch hier endlich mal wieder seinen Körper pflegen und in schönen hölzernen Betten schlafen.

22. August

Gegen 6 Uhr Abmarsch. Vorbei an Enghien, Schloß des Herzogs v. Arenberg, bis Thoricourt. 2. Batl. auf Vorposten. Die Engländer waren gemeldet worden. Die Nacht verlief aber ohne Zwischenfall.

23. August Sonntag.

Marsch bis Baudour, wo Quartiere bezogen werden sollte. Kurz vor der Ankunft daselbst wurde bekannt, daß die Eisenbahndämme südlich B. von Engländern besetzt seien. Es war gegen 11 Uhr. Das II. Batl. entfaltete sich diesseits des Bahndammes, ging über die Bahn und entwickelte sich jenseits derselben. Kaum waren wir drüben, als uns heftiges Artilleriefeuer empfing. Überall krepierten die Schrapnells, rechts und links von mir sanken die Leute zu Boden. Immer vorwärts.. Als erster von seinem Zuge fiel Leutnant Thiele, Führer des 3. Zuges. Nachdem der Wald hinter uns lag, waren wir nicht mehr im Artilleriefeuer, aber in heftigem Infanteriefeuer. Unverletzt kam ich über die Wiesen durch zwei Bäche hindurch an den Anfang des dichten Waldes von St. Ghislain. Durch diesen gingen wir d.h. Lt. Leo, Fähnrich Steinhausen, ich und etwa dreißig Mann hindurch bis zum jenseitigen Waldrande, der etwa 100 m vom Rande der Ortschaft entfernt war. Ein Gehöft, eine Fabrik schienen namentlich stark besetzt zu sein. In diesem Waldrande mußten wir kleine Schar einstweilen Deckung nehmen, um Verstärkungen abzuwarten. Hier mußten wir tatenlos bis zum Abend verharren. Ohne Opfer ging es auch trotzdem nicht ab. Als sich Lt. Leo im Gespräch mit dem Batls. Adjutanten v. Haugwitz, der auch bald danach fiel, aus seiner liegenden Stellung aufrichten, erhielt er einen Schuß in die rechte Seite und war nach wenigen Minuten tot. Er war das einzige Kind seiner Eltern gewesen.

Mit Einbruch der Dunkelheit kamen der Hauptmann v. Freyhold, der Feldwebel Woite, die Vzw. Simon und Schneider mit kleineren Trupps an, sowie Teile der anderen 3. Komp. des Btl. Jetzt wurde der Fähnrich Steinhausen durch einen Handschuß verwundet, offenbar ein verirrtes Geschoß; der Feind schoß trotz der Dunkelheit noch.

Die Nacht verbrachte das Batl. in dem obenerwähnten Waldrand in Schwarmlinie.

Während der Nacht war die feindliche Stellung zum größten Teile geräumt worden. Mit dem Morgengrauen wurde weiter vorgegangen; bald war die Stadt unser. Wir marschierten durch die Stadt hindurch und weiter in südlicher Richtung bis Hornu. Hier tobte schon der Kampf, als das Regiment eingesetzt wurde. Die 6. Komp. nahm Stellung an einem Bahndamm und Schrapnellkugeln ergoß sich über uns. Glücklicherweise wurde nicht allzuviel Schaden angerichtet zumal es unserer Artillerie bald gelang, die feindliche niederzukämpfen. Mir hatte eine Schrapnellkugel ein Loch in den Mantel gerissen; ich selbst blieb unverletzt. Nachdem wir in dem einen von uns eroberten Hüttenwerk uns an dem Futter der Gulaschkanone gestärkt hatten, ging es hinter den sich zurückziehenden Engländern her. Wir marschierten bis Dours [Dour], wo wir um Mitternacht ankamen und Biwak bezogen.

25. August

Schon vor 5h war es mit dem Schlafe vorbei; um 6h marschierten wir ab in Richtung auf die französische Grenze. Diese wurde um ½ 2 bei Fait le Franc [Fayt-le-Franc] überschritten zwischen den beiden Festungen Valenciennes und Maubeuge. erst um ½ 12 nachts wurde in Lolymetz Halt gemacht.

26. August

8h Abmarsch. Immer hinter dem Gegner her. Keine wesentlichen Ereignisse. Gegen 10h abds. Ankunft in Esquanfourt. Ortsbiwak.

27. August

7h Abmarsch. In der Marschordnung ist Regt. 12 am Eden des Gros. Übergang zur Ruhe in Vianicourt. Ortsbiwak.

28. August

Abmarsch 7h. Verfolgung des Feindes bis gegen 2h bei glühender Sommerhitze; gefechtsbereit, da gemeldet war, der Feind sei eingekreist, seine Kavallerie versuche einen Durchbruch. Auf dem Weitermarsche ging es vorbei an Péronne, das nach kurzer Beschießung die weiße Flagge hochgezogen hatte. In Le Mésnil-Bruntel [Mesnil-Bruntel ]Alarmquartiere.

29. August

Wie üblich gemäß Batls.-Befehl 5h marschbereit. Abmarsch 8 ½h. Verfolgungsmarsch über Brie bis Marchélepot. Hier mehrstündiger Halt dann wurde in dem etwa 2 km entfernten Miséry [Misery] Ortsbiwak bezogen.

30. August

515 Abmarsch. Zunächst bis Marchélepot, wo das Regiment sich sammelte. Weiter über Chaulnes, Halle, Hattencourt, Fouquescourt, Rouvroy, Bouchoir, Daméry. Südlich Chaulnes längerer Halt, weil die Vorhut auf Feind gestoßen war. Glühende Hitze. In Fresnoy Notquartier.

31. August

4h Abmarsch. Anstrengender Marsch mit kurzen Unterbrechungen über Goyencourt, Roye, Crapeaumesnil, Lassigny, Ribécourt, Bailly, Allencourt, Tracy-le-Mont bis Rue du Val bei Attichy (im Aisnetal unweit Compiègne)

1. September Gefecht bei Villers-Cotterets [Villers-Cotterêts].

3 Uhr Wecken. 730 Abmarsch. Nach etwa dreistündigem Vormarsch wurde der Feind gemeldet. Das Bataillon wurde entwickelt in der Gegend von Roy St. Nicolas und Faillefontaine. Wir gingen vor, ohne aber auf den Feind zu stoßen. Es wurde gesammelt und weitermarschiert. Gegen 2 Uhr erhielt das Bataillon den Auftrag, zwei englische Kompagnien, die abgeschnitten sein sollten, anzufangen. Sie wurden aber nicht gefunden. Wieder ging es weiter über Haramont bis in die Gegend von Largny, wo Mittagsrast gehalten wurde. Kaum hatte ich mich nach dem Essen ein wenig hingelegt und war sanft entschlafen, als der Befehl zum Schwärmen gegeben wurde. Nicht lange, so wurden wir auch schon von Artilleriefeuer empfangen, ohne daß nennenswerter Schaden bei uns angerichtet wurde. Zwei Stunden vergingen unter beiderseitigem Artilleriefeuer. Gegen 7 Uhr verstummte es. Wir marschierten weiter, zunächst unter Anwendung von Vorsichtsmaßregeln, dann in Marschkolonnen, zunächst bis Villers-Cotterets [Villers-Cotterêts], dann nach Vauciennes wo Alarmquartiere bezogen wurden; 6. Komp. in der Kirche. Ich lag mit zwei Kameraden auf den Stufen des Altars.

2. September

630 Abmarsch von Vauciennes in die Richtung Boursonne. Hier verteilte sich das Regiment am Fuße einer Höhe vor der Mauer des Schloßparks von B. und erwartete die weiter zurückliegenden Truppenteile. Gegen 12 Uhr Weitermarsch nach Ivors. Nach durchschreiten des Dorfes Verpflegungsrast. Dann weiter bis Cuvergnon. Hier mehrstündige Rast und dann Beziehen von Alarmquartieren in C., mein Zug in einer Wirtschaft.

3. September

Am frühen Morgen ging es weiter in vierstündigem Marsche über Mareuil sur Ourq bis Montigny l´Allier, wo um 9 Uhr ein kurzer Halt war. Ein herrlicher Sommermorgen; hügelige, waldreiche Gegend, über die sich himmlischer Frieden breitet. Nach Passieren von Brumetz, Gandélu, Veuilly la Poterie Mittagsrast in Marigny en Orxois. Um 2 Uhr Weitermarsch über Bézu le Guéry bis Nanteuil-sur Marne. Auf dem gegenüberliegenden Ufer der Marne Halt. Beim Anblick der herrlichen Natur vergißt man für kurze Zeit die gehabten Anstrengungen. Weitermarsch über Saacy [Saâcy-sur-Marne] bis Rongeville, wo wir gegen 10 Uhr anlangten. Während der Nacht in Gefechtsstellung.

4. September

½ 7 Aufbruch. Nach vierstündigem Marsch über Petit Villiers, Hondevillers bis Sablonnières. Hier sollte ¾ stündige Rast sein, als der Feind gemeldet wurde . Durch die Höhen zogen wir uns rechts seitwärts und bogen dann immer wieder links ein dem Feinde nach. Es war abgesessene Kavallerie gewesen, die unseren Vormarsch verzögern sollte. Gegen zwei Uhr nachm. das Batl. Halt zur Mittagsrast in Doncy. Kaum war eine halbe Stunde vergangen, als gemeldet wurde, feindliche Kavallerie sei im Anmarsch. In aller Eile wurde fertig gemacht und abgerückt. Bald stellte sich heraus, daß Eile noch gar nicht nottut, wenngleich sich feindliche Kavallerie im Vorgelände zeigte. Nachdem wir 3 km vorgerückt waren, wurde gehalten und ich entwickelte meinen Zug in der Richtung auf eine Anhöhe, an der einige vorgeschobene Gehöfte des Dorfes Barthélemy [Saint-Barthélemy] lagen, und ging in Stellung. Vereinzelt zeigten sich französische Kürassiere, wurden aber meistens abgeschossen. Wenige Meter rechts von uns war eine Batterie F.A. 54 in Stellung und gab Feuer. Plötzlich wurde sie mit einem Hagel von Granaten überschüttet. Wir zogen uns zunächst aus dem Strichfeuer der feindl. Artillerie links seitwärts, gleich darauf aber gingen wir in Richtung des Dorfes [Bruo?] [vermutlich das Dorf Grenet – vgl. Erinnerungsblätter S.28], das inzwischen bereits geräumt war. Das II. Batl. bog dann rechts vor dem Dorfe ab und ging hinter dem I. Batl. vor. Es blieb untätig, während links von uns ein Kavallerieangriff abgeschlagen wurde. Danach zogen wir durch das Dorf durch, in dem Kolonnen französischer Bagage verlassen standen, bis zum Kirchhof. Hier wurde geschanzt. Die Nacht lagen wir in Gefechtsstellung zur Bedeckung einer Batterie.

5. September Gefechte von La Chapelle Véronge und Sancy [Sancy-lès-Provins]

II./12 wieder in der Vorhut, und zwar im Vortrupp; 6. Komp. am Ende des Vortrupps. Früh gegen 6 Uhr wurde die Stellung geräumt, nachdem die Nacht ohne den geringsten Zwischenfall verlaufen war, und der Vormarsch angetreten. Schon nach etwa einer Stunde stieß die Spitzenkompagnie auf Feind, kurz vor la Chapelle Véronge, und griff an. 2 Kompagnien und eine Batterie wurden eingesetzt. Nach kurzer Dauer des Gefechts zog sich der Feind zurück und die Verfolgung wurde wieder in geschlossener Ordnung fortgesetzt. Im nächsten Dorfe ¾ stündige Rast. Gegen 11 Uhr ging es weiter. Bald nach Verlassen des Dorfes wurde abermals gehalten. Es kam die Meldung, das nächste Dorf sei von Infanterie oder abgesessener Kavallerie besetzt. Kaum hatte die Entfaltung begonnen, als wir in Artilleriefeuer kamen. Die 6. Komp. sollte als Unterstützung des Bataillons hinter der 5. Komp. folgen, und zwar die Züge hintereinander in kurzen Abständen rechts und links der Chaussee im Graben. Der erste Zug war bereits im Graben, der zweite, mein Zug, begann hineinzusteigen, als ein ganzer Regen von Schrapnells auf uns niederprasselte. Hinter der 5. Komp. die zu beiden Seiten der Chaussee in Schützenmulden lag, gingen wir im Chausseegraben weiter vor, während sich des feindliche Artilleriefeuer mehr und mehr auf die weiter rückwärts liegenden Truppenteile, namentlich auf unsere Artillerie konzentrierte. Auch bei der Gefechtsbagage waren Verluste zu verzeichnen. Nach etwa vierstündiger Dauer dieses Artillerieduells hörte die feindliche Artillerie auf, zu schießen; wir gingen gegen das Dorf – es war Sancy-les-Provins [Sancy-lès-Provins] – vor, zogen durch und machten am anderen Dorfrande längere Zeit Halt, während welcher Zeit gegessen wurde. Gegen 8 Uhr bezogen wir dann Alarmquartiere in Sancy, der Ort, in dem der Feind seine Stellung gehabt hatte. Untergebracht war die Komp. in der Schule.

6. September

Gegen 8 Uhr Abmarsch in nordöstlicher Richtung. Da der Feind auf die Seine zurückgeworfen und von Paris abgeschnitten sei, habe die I. und II. Armee (v. Kluge und v. Bülow) die Aufgabe, Paris auf der Ostseite einzuschließen und etwaige Vorstöße daraus abzuwehren. Regt. 12 marschiert im Gras vor dem Leibregiment und den 52ern. Nach etwa zweistündigem [Marsch] wurde Halt gemacht. Inzwischen tönte in unserem Rücken in der Gegend von Sancy Kanonendonner, der immer stärker wurde. Es dauerte auch nicht lange, als der Befehl kam, Regiment 12 rückt wieder auf Sancy vor. Unterwegs wurde die 6. Kompagnie zur Bedeckung der großen und Gefechtsbagage befohlen. Gegen 3 Uhr nachm. begann die Vorwärtsbewegung, die aber wegen des feindlichen Feuers wieder ins Stocken geriet. Mit Eintritt der Dunkelheit ging es dann neulich vorwärts. Als die Kompagnie bei dem Divisionsstab vorbei kam, wurde sie angehalten und blieb während der Nacht teils als Wache für den Stab, teils als Bedeckung für leichte Munitionskolonnen.

7. September

Bereits um 5 Uhr ging es weiter und zwar jetzt in der Tat der Marsch angetreten wie am Tage vorher angekündigt. Wir passierten die Ortschaft St. Mars [Saint-Mars en Brie], la Ferté Gaucher, Doucy, Bellot (wo sich die Ereignisse am 4.IX. abgespielt hatten). Gegen 4 Uhr längerer Halt. Während des Weitermarsches bogen wir in die Straße Metz-Paris ein, wo auf einem Meilenstein die Entfernung bis Paris mit 57 km angegeben war. Auf dieser Straße marschierten wir bis La Ferté sous Jouarre an der Marne, das wir um Mitternacht erreichten Alarmquartiere; mein Quartier befand sich in einer schönen, reich ausgestatteten Villa, wo ich nach langer Zeit wieder mal, wenn auch nur halb ausgekleidet in einem schönen Bette schlief.

8. September Lizy Le Plessis-Placy

Lange sollte das Vergnügen nicht dauern. Schon um 5 Uhr ging es weiter und zwar zur Unterstützung des IV. Res. Korps, das in Gemeinschaft mit dem II. und III. ? Res. Korps gegen die vor Paris liegenden französische Armee im Feuer lag. Ankunft auf dem Schlachtfelde ca. 11 Uhr. Wir griffen vorläufig noch nicht ins Gefecht ein, sondern blieben Unterstützung. Gegen ½ 1 kam das Befehl auf Vincy vorzurücken und das Dorf zu nehmen, weil es vom Feinde besetzt sein sollte. Dies stellte sich als irrtümlich heraus. Wir gingen deshalb in das Dorf Le Plessis-Placy, wo Mittag gegessen wurde. Hier blieben wir bis 7 Uhr liegen. Dann ging II./12 in die vordere Schützenlinie vor, um die Schützenlinie zu verstärken. Hier blieben wir während der Nacht in Erwartung eines feindlichen Vorstoßes. Im Morgengrauen ging die Komp. zurück; von jedem Zuge blieb eine Gruppe vorn unter meiner Führung.

9. September

Bis gegen 7 Uhr war Ruhe. Dann begann unsere Artillerie das Feuer, das von der feindlichen erwidert wurde. Zeitweise krepierten die Geschosse auch in unmittelbarer Nähe des Schützengrabens, ohne daß jemand verletzt wurde. Aber auch sie galten wohl der Artillerie, die nicht mit weit von unserem Graben in Stellung war. Gegen 2 Uhr kam der Befehl: Alles kehrt marsch! Anfänglich schloß ich mich mit meinem Häuflein der 8. Kompagnie Regts. 24 an, bei der ich noch einen Bekannten, den Vfw. Koppelow, traf, mit dem ich bei I.R. 132 geübt hatte. Bald aber trennte ich mich und stieß nach wenigen Stunden wieder zur Komp. Nunmehr folgte ein fast ununterbrochener Marsch bis in die Nacht hinein. Um ½ 1 Nachts wurde Halt gemacht, Essen ausgegeben und dann durfte man die müden Knochen etwas ruhen.

10. September

Um ¾ 3 ging es schon wieder weiter und immer weiter in ununterbrochenem Marsche bis Choicy?, südöstlich Villers-Cotterets [Villers-Cotterêts], wo wir Quartier bezogen. Die Unterkunft war gut und berechtigte zu den schönsten Hoffnungen durch den bösen Feind schmählich zerstört. Schon um 11 Uhr wurde alarmiert, kaum daß wir uns gewaschen und eine Tasse Kakao nebst etwas Gebäck zu uns genommen hatten; die schon gerupften Hühnchen wanderten unzubereitet ins Kochgeschirr. Zunächst ging das Regiment, das in der Nachhut war, (II./12 Nachtrupp) am Südrand des Dorfes in Stellung; dieser Plan wurde aber aufgegeben und es fiel dem Regt. die Aufgabe zu, für die 5. I.D. eine Aufnahmestellung einzunehmen. Südlich Corcy nahmen 5. u. 6. Komp., die wegen ihrer geringen Stärke zu einer vereinigt waren – 5. Komp. hatte bei le Plessis Placy ihre Offiziere bis auf einen Offz. Stellv. Vohran verloren – ihre Stellung ein. Dort lagen wir bis zum Einbruch der Dunkelheit. Dann kam der Befehl zum Rückmarsch. Hindurch durch Corcy und Longpont marschierten wir bis zu den Höhen von L., wo die 67. Komp. in Reserve am Fuße der Höhe zur Ruhe überging. Von 12 bis 3 Uhr lag sie im Schutze eines großen Strohschobers.

11. September

Noch im Dunkel der Nacht – es war zeitweise sternenklar – rückten wir ab in Richtung auf Soissons. Während dieses ebenfalls fast ununterbrochenen Marsches wurden Gefangene – Franzosen und Engländer, weiße und farbige – an uns vorbeigeführt. Gegen Mittag war Soissons in Sicht. Wir marschierten aber nicht durch die Stadt hindurch, sondern im Süden an der Stadt vorbei noch einige Kilometer in nordöstlicher Richtung. Auf einer Hochfläche ließ der kommandierende General das III. A.K., v. Lochow, die Truppen an sich vorbeiziehen und rief ihnen ermunternde Worte zu. In einem Waldstück wurde Halt gemacht, gegessen und dann legte man sich hin. Leider fing es an zu regnen, daß wir zum teil trotz Stroh und Zeltbahnen bis auf die Haut naß wurden. Bei Eintritt der Dunkelheit durfte das Batl. abrücken, um in einer nahe gelegenen großen Strohscheune die Nacht zu verbringen. Leider war die Freude über das Gefühl, nur von kurzer Dauer. Es mochte 10 Uhr sein, als Befehl kam: Das II. Batl. rückt sofort zum Brückenschutz nach Venizel (Aisne) ab. gegen 12 Uhr waren an der Aisnebrücke Posten aufgestellt und Patrouillen eingeteilt. Darauf legte ich mich neben der Brücke an der Uferböschung hin, um einige Stunden zu ruhen. Die Nacht verlief ohne Zwischenfall; der Marsch der Division über die Brücke vollzog sich ohne Störung.

12. September

Halb erstarrt erwachte ich am Morgen. Die Nacht war sehr kalt gewesen; es hatte auch etwas geregnet. Im nächsten Dorfe Bucy-le Long stärkten wir uns an einer Mehlsuppe, die die Feldküche für uns inzwischen bereitet hatte; als dann zogen wir unsere Straße weiter. Nach mehrstündigem Marsche wurde auf den Höhen oberhalb der Ortschaft Chivres und St. Marguérite Halt gemacht. Es wurden Zelte aufgeschlagen. Man nahm bei der Feldküche seine Portion entgegen und kroch dann ins Zelt. Der Chronometer zeigte 2 Uhr nachmittags. Inzwischen machte sich starker Kanonendonner vernehmbar. Zudem fing es an zu regnen. Bis zum Abend war es in den Zelten noch erträglich. Erst in der Nacht wurde es ungemütlich, als sich der Regen innerhalb der Zelte unangenehm bemerkbar machte. Am Abend fand sich auch der Hauptmann v. Freyhold, der am 11. früh abgekommen war, wieder zur Kompagnie mit mehreren Mann.

13. September

Es war schon hell, als wir geweckt wurden. Vom Feinde waren wir während der Nacht nicht gestört worden, wohl aber durch die Unbilden des Wetters; einmal war so heftiger Sturm, daß das Zelt fast in die Höhe gerissen wurde. Im Laufe des Vormittags zogen wir auf der Höhe mehrfach hin und her, kamen dann aber schließlich an einen Platz, wo wir mehrere Stunden liegen blieben. Als dann gegen Mittag das Artilleriefeuer zu heftig wurde, stiegen wir etwas tiefer hinab in Wald und legten uns an einer ziemlich steilen Böschung hin, um gegen das Artilleriefeuer etwas Deckung zu haben. Etwa 6 Uhr war es, als die Nachricht kam, die Feldküchen wären in unserer Nähe. Einige Mann mit Kochgeschirren wurden abgesandt, um Essen zu holen. Inzwischen hatten sich bei uns auch der Brigade-Kommandeur, Generalmajor Sontag, mit seinem Stabe und der Regimentskommandeur, Oberst v. Reuter, mit seinem Adjutanten eingefunden und hielten sich hier längere Zeit auf. Nach einer Stunde etwa kam das Essen und wurde verteilt; auch der General und der Oberst ließen sich einen Kochgeschirrdeckel mit Linsen geben. Aber als hätte der alt-böse Feind drüben geahnt, daß wir beim Götterschmaus waren, kaum hatten wir zu essen begonnen, als in unserer unmittelbaren Nähe zwei Granaten krepierten, uns über und über mit Erde bewarfen, ohne uns weiter Schaden zu tun. Aber unser schönes Linsengericht konnten wir den Göttern spenden; es war dermaßen bitter geworden, daß wir es trotz großen Hungers nicht genießen konnten.

Bei Anbruch der Dunkelheit erhielten die 6. und 8. Kompagnie den Auftrag, sich an dem etwas vor uns liegenden Waldrande einzugraben und in Bereitschaft zu bleiben. Mit meinem Kameraden Simon verbrachte ich die Nacht; im Wachen lösten wir uns gegenseitig ab.

14. September

Morgens früh wurde die Kompagnie gesammelt und das Bataillon setzte sich in Marsch auf ?, wo es die Deckung der leichten Munitionskolonne übernehmen sollte. Wir fanden aber schon ein anderes Regiment dort vor und mußten infolgedessen wieder umdrehen. Auf dem Rückmarsche wurde der Bataillonskommandeur Frhr. v. Schleinitz durch einen Gewehrschuß am Knie verwundet; die Führung des Batls. übernahm Hauptmann d. R. Gerhart, Führer der 7. Komp. Zwar nicht genau an derselben Stelle wie am Tage vorher aber doch ganz in der Nähe machten wir Halt. Zusammen mit Kamerad Simon vertilgten wir die eiserne Fleischration, nachdem wir am Tage vorher schon die seinige z uns genommen hatten. Nach einigen Stunden, es mochte 1 Uhr sein, rückten wir ab in Vereinigung mit der M.G.K., angeblich feindlicher Infanterie entgegen. nachdem wir mehrere Stunden in Stellung gelegen hatten, marschierten wir wieder zurück, ohne einen Schuß abgegeben zu haben. Wieder war der Wald und auch die Stelle, an der wir lagerten, in heftigem Artilleriefeuer, noch heftiger als am Tage vorher. Ich machte mich daran, einige Postsachen, die ich am selben Tage erhalten hatte, zu beantworten. Während ich gerade einen Brief am meine Mutter schrieb, flog mir ein Granatsplitter auf den Helm, durch den eine ungefährliche, wenn auch ziemlich stark blutende Schramme am Kopf davontrug. Vom Kameraden Simon oberflächlich verbunden, begab ich mich zum Verbandsplatz, und nachdem die Wunde gereinigt und verbunden war, wieder zur Kompagnie. Ich fand sie nicht mehr an derselben Stelle. Es war inzwischen schon die Nachricht eingetroffen, die Engländer ständen im Begriff, die Stellungen der 52er zu stürmen; II./12 sollte zur Verstärkung heran. Wir stiegen die Höhe hinan und traf[en] oben den Obersten v. Reuter mit seinem Adjutanten, Lt. Maron. Es wurde sofort über uns verfügt. Der 3. Zug, der gerade vorn war, wurde unterteilt, als einige 52er mit der Nachricht kamen, die Engländer stürmen. Sofort ging ich auf Befehl des Obersten mit meinem Zuge in die bezeichneten Richtung vor über ein Rübenfeld hin, das unter derart heftigem Granat- und Schrapnellfeuer lag, wie ich es bis dahin noch nicht erlebt hatte. Die Verluste waren aber nur sehr gering. Als wir zu dem gefährdeten Grabenstück kamen, war der Sturm der Engländer bereits abgeschlagen; die 7. Komp. war bereits vor uns an Ort und Stelle gewesen. Von meiner Kompagnie war ich getrennt, schloß ich mich hier oben den übrigen Teilen des Batls. an. Inzwischen war die Nacht hineingebrochen, die wir in den Stellungen am Waldesrande verbrachten. Aus einer Feldküche der 52er hatten wir noch Essen bekommen.

15. September

In früher Morgenstunde wurden wir von einigen Kompagnien der 52er abgelöst und gingen dann, das Bataillon unter Führung des Leutnants d. R. Thiesing, in das Fort Condé. Untergebracht wurden wir in den Kasematten. Zunächst legten wir uns noch mal aufs Ohr und schliefen bis in den späten Vormittag hinein. Dann dachte man auch an das leibliche Wohl. Leicht war es nicht, da Rat zu schaffen. Die Feldküche war nicht im Fort; und hier war an Lebensmitteln auch nichts aufzutreiben. Da bereitete dann der Einj. Altrogge aus seiner Gemüsekonserve, dem letzten Bestandteil der eisernen Ration, eine Bohnensuppe, die uns trefflich mundete.

Um ½ 5 erschien der Regts. Adjutant und alarmierte alles; es hieß, wir sollten zur Verstärkung der vorderen Schützenlinien verwendet werden. Im Artilleriefeuer rückten wir ab. Es stellte sich heraus, da0 der Befehl entgegen dem Brigadebefehl gegeben war, nach welchem II./12 zur Bedeckung der Artillerie auf dem Fort bleiben sollte. Mit Einbruch der Dunkelheit gingen wir ins Fort zurück. Kurz vorher war der Adjutant Lt. Weidner durch Schrapnell schwer verwundet worden, sodaß nunmehr von den Offizieren des Batls. nur noch drei übrig waren: Hptm. v. Freyhold, Lt. Thiesing Führer des im Fort liegenden Teils des Batls. und Lt. Steinhausen, der die Adjutantengeschäfte übernahm. Die Nacht verbrachten wir wieder in einer Kasematte des Forts, ich selbst in einer kleinen Kammer, in welcher sich ein wenig Stroh vorfand.

16. September

Bis in den Tag hinein wurde geschlafen. Nun war wieder die Sorge, war werden wir essen, war werden wir trinken. Meine beiden Entfernungsschätzer, Einj. Altrogge und Grd. Voß, bereiteten ein lukullisches Mahl: Mehlsuppe, Kartoffeln und anschließend Kaffee mit Zwieback.

Für die Nacht ward uns ein besonders ehrenvoller Auftrag zuteil. Der Zug sollte in der Nähe des Forts einen Schützengraben ausheben und während der Nacht draußen Wacht halten.

17. September

Mit dem Morgengrauen, als die Artillerie uns die Morgengrüße herübersandte, bezogen wir wieder unser altes Quartier. Zunächst wurde eine Weile geschlafen, als dann ähnlich wie am vorigen Tage gespeist. Diesmal nahm an dem mahle ein Kamerad von der 5. Komp. Vfw. d. R. Vohren gefallen bei Soissons 13.I.15 teil, der zusammen mit Altrogge auch in meine Schlafkammer übersiedelte. Das Wasser war übrigens durch Holzwolle etwas verbessert worden.

So war denn allmählich mit Essen, Schlafen und Briefeschreiben die Nacht herangekommen. Heute kam nach Einbruch der Dunkelheit auch die Feldküche ins Fort; wir aßen und legten uns zur Ruhe.

18. September

Diesmal mußte ich schon am frühen Morgen mein Lager verlassen. Wohl infolge des Liegens in dem feuchten Schützengraben bei dem naßkalten Wetter und infolge der ungenügenden Ernährung der letzten Zeit hatte ich mir einen heftigen Magen- und Darmkatarrh zugezogen, der mich endlich plagte. Unser Tagwerk unterschied ich nicht viel von dem des vergangenen Tages. Unsre Kammern wurde mit Matratzen und Kopfpolstern aus den Schlafsälen des Forts , in dem in Friedenszeiten das französische Linien-Regiment 67 lag, ausgestattet. Nachdem wir uns bei der Feldküche gestärkt hatten, sanken wir aufs Lager und schliefen bis in den Tag hinein.

19. September

Auch dieser Tag brachte keine Veränderung. Das Fort lag nach wie vor unter Artilleriefeuer, das bald schwächer, bald stärker war.

Am Abend wurde uns wiederum ein Auftrag zuteil. Dem Obersten genügte die Zahl der während der Nacht vor dem Fort postierten Leute nicht: Der Zug der 6. mußte zur Verstärkung  hinaus. Die Nacht war wiederum naßkalt.

20. September

Am nächsten Morgen um ½ 6 kam unser Fahnenträger, der auch auf dem Fort gelegen hatte, mit dem Befehl vom Hauptmann, der Zug solle wieder zur Kompagnie stoßen, die etwa eine Viertelstunde von Chivres entfernt in einem Hohlwege lag. Nach kurzem Marsche kamen wir dort an. Es wurde für den Zug ein Zelt gebaut und Stroh besorgt. Damit war unser Tagewerk für den heutigen Sonntag getan. Am Abend übergab der Hauptmann, der an der Ruhr erkrankt war, die Führung der Komp. dem Lt. Steinhausen.

21. September

Mit dem vorigen Tage begann eine Zeit, die ziemlich gleichmäßig verlief. Unsere Beschäftigung bestand in Essen, Trinken, Schlafen und etwas inneren Dienst, z.B. Abnahme von Appells, sowie mit Rücksicht auf die Enge des Raumes und die Schießerei und dergl. Mit dem Morgengrauen beginnt das Artilleriefeuer und dauert bis Einbruch der Dunkelheit. Ab und zu krepieren auch mal Geschossen in der Höhe unseres Hohlweges, ohne aber Schaden anzurichten.

Mein Darmkatarrh ist es statt besser schlechter geworden.

22. September

Morgens früh wurde eine Verbesserung der Einrichtung vorgenommen nach deren Beendigung ich mit einigen Leuten nach Chivres runterging, um Stroh zu hohlen; das Dorf wurde gerade stark beschossen, sodaß wir uns möglichst beeilten. Die englische Artillerie beobachtete sehr scharf; sobald sich eine Nasenspitze sehen ließ, kamen gleich ein paar Granaten herüber. Nach Rückkunft begann wie üblich die Sorge ums Essen; wir, d.h. der Untffz. Döring aus meinem Zuge, von Beruf Dachdecke aus dem Eichsfelde, und mein Spielmann, bereiteten Kartoffelpuffer. Ich ließ sie mir dann in Gemeinschaft mit den beiden gut schmecken. Abends stellte sich dann wie üblich die Feldküche ein. Am Nachmittag war endlich nach vielen regnerischen Tagen schön Wetter. Durch den Sonnenschein kam die Schönheit des Landschaftsbildes voll zur Geltung.

23. September

Ein Tag wie die anderen. Das Mittagessen gestaltete sich heute „üppiger“: es war eine Ziege geschlachtet worden. Am Abend kam der Hauptmann zur Komp. zurück; mit ihm kam der Major, der von seiner Wunde genesen, wieder die Führung des Batls. übernahm.

24. September

Nach sehr schlecht verbrachter Nacht meldete ich mich krank und blieb während des Tages an meinem Platze liegen begraben in einigen Bunden Stroh. Mein Essen bestand in je einem Becher Kaffee mit Opium des Morgens und des Abends, mittags etwas Bouillon; es war nämlich ein Schwein geschlachtet worden. Dieses Verhalten hatte zur Folge, daß ich mich am Abend wieder halbwegs wohl fühlte und sich der Durchfall einstellte. Auch die Nacht verbrachte ich ohne Störung.

25. September

Die Besserung im Befinden hielt an. Zum Mittag konnte ich schon wieder mit Geschmack mein Essen vom vorigen Trage zu mir nehmen. Sonst verlief der Tag wie gewöhnlich. Am Nachmittag kam die Nachricht, daß der Ersatz für das Regiment eingetroffen wäre, etwa 500 Mann. Die 6. Komp. erhielt 2 Vizefeldwebel d. R., 5 Unteroffiziere und 11 Mann. Im Bereich meines Zuges wurde für die neuen Ankömmlinge angebaut, die dann in der Dunkelheit eintrafen.

26. September

Frühbegann die Verteilung der neuen Leute. Der eine Vfw. d. R. Wittstock, der Offiziersstellvertreter war, übernahm den 3. Zug, der andere, Waßmund, gefallen als Leutnant bei Moulins-sous-Touvent Juni 1915, ein Student der Nationalökonomie aus Berlin, wurde dem 2. Zuge zugeteilt; ich wurde dadurch stellvertretender Zugführer. Von den neuen Unteroffizieren kamen zwei zum zweiten Zuge, Untffz. du Plessis. Bei der Neueinteilung kam auch der Einj. Altrogge zum 2. Zug, ebenso der Fahnenjunker Schneider. Mit Beschäftigungen für den Ersatz verging der Tag.

Gegen 6 Uhr abends wurde bekannt gegeben, II./12 solle ein Batl. der 48er ablösen. Die Ausführung dieses Befehls wurde aber noch um 24 Stunden hinausgeschoben. Wir verlebten daher noch den nächsten Tag, einen Sonntag, im Hohlweg bei Chivres.

27. September

Verlauf des Tages wie üblich. Mittags gab es reichliches Essen, da es bis zum nächsten Abend nichts mehr zu futtern gab; dann an diesem Abend kam die Feldküche nicht. Gegen ½ 8 wurden die Zelte eingerissen und um 8 Uhr der Abmarsch zu den Stellungen der 48er angetreten. Es war eine schöne Marschnacht. Der etwa einstündige Marsch führte durch bekannte Gegenden, den Platz unseres Vorgehens am Nachmittag des 14.IX. und am Fort Conde vorbei. Gegen 9 Uhr kamen wir bei den 48ern an. Der 1. Zug bezog den zur Straße Chimy-ferme – Dorf Condé flankierend angelegten Schützengraben, der 2. und 3. Zug wurde in einer Höhle untergebracht. Die Stellung des 3. Zuges wurde durch Posten in Stärke einer Gruppe belegt. Wir vier Vizefeldwebel d. R. vom 2. u. 3. Zuge quartierten uns in dieser Höhle, der Fehmarnhöhle, in einer größeren Nische ein, die etwa 2 m höher lag als der Fußpunkt der Höhle. Nachdem wir unsere Leute untergebracht hatten, machten wir uns auch unser Lager zurecht, auf dem uns schon einige Kissen und decken zurückgelassen waren.

28. September

Zunächst schlief man sich ordentlich aus; dann wurde die Magenfrage erörtert. Glücklicherweise war es in dieser Hinsicht besser als angekündigt war. In einer kleineren Nachbarhöhle wurde eine Küche eingerichtet, in der zum Mittag Essen hergerichtet wurde. Im Laufe des Vormittags begannen wir auch, uns wohnlicher einzurichten. Aus dem Dorfe wurden Tisch und Stühle geholt; abends wurde Stroh besorgt. Das Essen aus der Feldküche mußte in Kochgeschirren herangeholt werden, da die Küche nicht bis zur Höhle fahren konnte; sie fuhr abends von Nanteuil [Nanteuil-la-Fosse] aus auf der Straße nach Condé vor bis zu einem Punkte, der etwa 20 Minuten von der Höhle entfernt lag.

29. September

Die Nacht war ohne Störungen verlaufen. Am Vormittage war alles so still, daß man wähnen konnte, alles läge im tiefsten Frieden. Die Komp. beschäftigte sich mit Instandsetzen der Sachen. Im Übrigen gab es nichts besonderes. Der Dienstbetrieb wurde ähnlich eingerichtet wie in der Kaserne wenigstens was den inneren Dienst anlagt. Man richtete sich auf längeres Bleiben ein. Bei Einbruch der Dunkelheit wurde wie üblich das Essen aus der Feldküche geholt, Wasser aus Condé. Zur Ruhe legten wir uns diesen Abend nicht, da während der Nacht geschanzt wurde. Es wurde am oberen Rande eines Abhanges ein Schützengraben ausgehoben, der allerdings noch nicht fertig wurde, weil es nach Monduntergang dermaßen dunkel wurde, daß ein Weiterarbeiten unnütz war. gegen 4 Uhr morgens gingen wir in der Höhle zur Ruhe.

30. September

Geweckt wurde gegen 10 Uhr und bald darauf Kaffee getrunken. Unsere Einrichtung hatte sich inzwischen um etwas Geschirr vermehrt, Eß- und Waschgerätschaften. Von jetzt konnten wir also auch eine Reinigung des Körpers vornehmen, was wir ja lange hatten entbehren müssen. Der Vormittag verging mit Briefschreiben. Nach dem Essen nahmen wir Vorschuß auf den Nachtschlaf, weil abends die Schanzarbeit fortgesetzt werden soll. Die Essenausgabe um 8 Uhr vollzog sich in gewohnten Bahnen. Ich hatte Dienst. Dazu gehört u.a. auch die Revision der Posten der Kompagnie. Die Arbeit meines Zuges bestand darin, daß der eine Teil am Schützengraben weiter arbeitete, der andere einen Weg durch den Wald zur Stellung des 1. Zuges schlug, für den Fall, daß dieser seine Stellung räumen und sich hierher zurückziehen müßte.

Um nicht bei der Beaufsichtigung der Schanzarbeiten frieren zu müssen, machte ich meine Postenrevision nach Mitternacht zum zweiten Male, besuchte bei dieser Gelegenheit auch meinen Kameraden Simon. Um 5 Uhr wurde eingerückt, es gab Kaffee und man begab sich zur Ruhe.

1. Oktober

Bis 2 Uhr nachmittags dauerte die Ruhe. Sodann wurde gegessen und für den Rest des Nachmittags Instandsetzen der Sachen angeordnet. Heute erfuhr ich, daß ich endlich eine Offiziersstellvertreterstelle erhalten hatte. Zur Nacht wieder Schanzarbeiten.

2. Oktober

Wiederum wurde bis gegen 2 Uhr geschlafen. Verlauf bis zum Abend ohne Besonderheiten. Auch diese Nacht rückte die Komp. wieder zum Schanzen aus. Der 2. Zug bekam andere Arbeit. Ein kleinerer Teil der Leute leerte eine neue Latrine, der andere Teil holte Wasser, der Rest ging nach Condé um zu requirieren, was zur weiteren Einrichtung der Höhle notwendig erschien, Decken, Kopfpolster Stroh, für uns etwas Eßgeschirr u. dergl. Gegen 4 Uhr fand sich alles wieder in der Höhle ein; es wurde Kaffee ausgegeben; dann begann die Schlafzeit.

3.-13. Oktober

Die Zeit verging eintönig, ohne daß sich etwas besonderes ereignete. Nachts bis 3 Uhr wurde drauß0en gearbeitet. Einigemale hatte ich Runde und damit die Posten der Kompagnie zu revidieren. Einmal war ich Patrouille mit der Aufgabe, die Posten des Batls. zu revidieren, von denen ein teil, die der 5. und 8. Komp. unmittelbar am Ufer der Aisne standen. – Das Wetter ist herrlich, nur daß man den goldenen Sonnenschein zu wenig genießen kann, weil man sich am Tag draußen nicht frei genug bewegen kann, ohne das feindliche Artilleriefeuer auf die Stellung zu lenken. Dann ist der Aufenthalt in der Höhle nicht angenehm, namentlich weil es drinnen z.T. stockdunkel ist, ohne daß diese Finsternis durch Beleuchtung irgendwelcher Art gelichtet werden konnte. Es herrscht Mangel an jedwedem Beleuchtungsmaterial. Sonst ist das Leben ganz erträglich, namentlich wenn man es vergleicht mit den anstrengenden Tagen der vergangenen Wochen.

13. Oktober

Für den Abend dieses Tages wurde uns noch eine Überraschung zuteil. Gegen 7 Uhr wurde plötzlich alarmiert. Rechts (westlich) von uns, bei der 9. Brigade oder dem II. A.K. war heftiger Geschützdonner und lebhaftes Gewehrfeuer zu hören. Wir legten uns in der Nähe der Höhle in Bereitschaft hin. Nach etwa zwei Stunden wurde das Feuer schwächer und hörte bald ganz auf. Zunächst der 2., dann der 3. Zug gingen in die Höhle zum Essen. Danach legte sich wieder jeder Zug bei seiner Stellung in Bereitschaft hin. Um 12 Uhr etwa rückte alles wieder in die Höhle und legte sich dort, nachdem stärkere Postierungen ausgestellt waren, in erhöhter Gefechtsbereitschaft zur Ruhe nieder. Die Nacht verlief ohne Störung.

14.-19. Oktober

Verlauf ohne bemerkenswerte Ereignisse.

20. Oktober

Es wurde bekannt gegeben, daß wir am Abend von anderen Truppen würden abgelöst werden. Nachdem wir noch einen Teil unserer Vorräte vertilgt hatten, rückten wir gegen 10 Uhr ab, zunächst bis Nanteuil, wo sich das Batl. sammelte, dann weiter nach Laffaux, wo wir gegen 3 Uhr morgens ankamen und in einer Scheune einquartiert wurden.

21. u. 22. Oktober

Der 21. wurde in der Scheune zugebracht, ebenso der 22. Am Nachmittage dieses Tages wurde das Bataillon auf dem Hofe des Gehöftes versammelt. Der Kommandeur hielt eine kurze Ansprache und brachte ein Hoch auf die Kaiserin aus zu deren Geburtstage. Gegen 4 Uhr marschierten wir ab nach Margival. Von hier aus wurden wir mit der Bahn über Vauxaillon, Anizy-le Château, Coucy-le château, Chauny nach Noyon transportiert. Gegen 1 Uhr nachts kamen wir an und blieben bis zum nächsten Morgen in Bahnwagen.

23. Oktober

Gegen 8 Uhr marschierte das Regiment, nachdem es auf dem Bahnhof in Noyon Kaffee gegeben hatte, durch Noyon hindurch in nordwestlicher Richtung bis Ecuvilly (Oise). Es wurde Ortsunterkunft bezogen, 2. und 3. Zug auf einem großen Gehöft. Das Quartier war leidlich. Es ereignete sich nichts besonderes, ebensowenig wie am nächsten Tag.

24. Oktober

In der Nacht zum 25. kam der Befehl zum Abrücken.

25. Oktober

5 Uhr morgens marschierten wir ab und zwar zurück nach Noyon, wo wir verladen wurden. Es ging wieder über Clauny, Concy-le château nach Aziny-Pinon. Von da marschierten wir nach dem etwa 4 km entfernten Vauxaillon und bezogen Ortsunterkunft. Mein Quartier ist in einem freundlichen sauberen Häuschen bei netten Leuten, einem alten Ehepaar, namens Martin.

26. Oktober

Am frühen Morgen wurden wir zu 9 Uhr nach Pinon bestellt: Der oberste Kriegsherr wollte das Regiment sprechen. Im Park des Schlosses von Pinon, einer herrlichen Anlage, nahm das Regiment Aufstellung. Gegen 11 Uhr erschien der Kaiser, hielt eine Ansprache, nachdem er die Front abgeschritten war, und ließ dann das Regiment in Gruppenkolonnen an sich vorbeimarschieren. Am Nachmittage war Feldgottesdienst ebenfalls im Schloßpark von Pinon, der ersten, an dem wir teilnahmen. Man hätte keinen schöneren Platz hierzu wählen können. Im Anschluß an de Gottesdienst hielt der kommandierende General des III. A.K., v. Lochow, eine kurze Ansprache. Alsdann begab man sich nach Vauxaillon zurück.

27. Oktober

Der Tagesverlauf brachte nichts besonderes. Innerer Dienst.

28. Oktober

Früh morgens rückten wir ab von V. nach Pinon, wo wir für längere Zeit bleiben sollten. Die Unterkunft war gut. Mein Quartier lag in einem Hause, das bis dahin noch keine Einquartierung gehabt hate. Die Eigentümerin, Madame Kapfer, war geflohen, sodaß wir darin Alleinherrscher waren. Es wurde von Lt. Steinhausen und mir sowie unseren Burschen bewohnt. Zum ersten Mal wieder seit langer Zeit schlief man in Betten.

29. Oktober

Am Vormittag war einige Stunden Exerzieren am Kirchhof, dann innerer Dienst. Nachmittags fand in der Schule des Ortes Typhusimpfung statt. Leider sollten wir das schöne Quartier in P. nicht lange genießen. Am Abend wurde bekannt, daß es am nächsten Tage wieder mal an den Feind gehen solle.

30. Oktober

Morgens um ½ 5 Abmarsch in der Richtung auf die Aisne. Zunächst wurde gehalten bei der ferme de Colomb, dann ging es weiter in der Richtung Vailly [Vailly-sur-Aisne]. Beim Vorgehen pfiffen die Gewehrkugeln um uns. Ins Gefecht griffen wir aber vorläufig noch nicht ein, da wir Reserve waren. Bis zum Schlosse Vauxelles [Vauxcelles] gingen wir vor; hier lagen wir von 9 bis ½ 2. Mehrmals flogen Flugzeuge über uns hin, einmal auch ein englisches, das verhältnismäßig niedrig flog und Abzeichen trug, die denen unserer Flugzeuge sehr ähnlich sahen. Als es gerade über uns war, warf es Bomben, deren eine in der Nähe unserer 5. Komp. zur Erde kam und ihr auch Verluste zufügte. Bald nach diesem Ereignis ging es vorwärts, ohne daß wir auf ernstlichen Widerstand gestoßen wären. Mit geringen Verlusten kamen wir nach Vailly [Vailly-sur-Aisne] hinein. Die Stadt bot ein Bild der Zerstörung, zerschossene Häuser, brennende Gehöfte; selbst die Kirche war nicht verschont geblieben; ein Teil des Turmes lag in Trümmern. Wahrscheinlich war während des Kampfes auf ihm ein französischer Beobachter entdeckt worden. – Wir zogen durch die Stadt hindurch fast bis an die Aisne heran. Hier blieben wir bis in die späten Nachmittagsstunden liegen. Dann gingen wir wieder durch den zum Teil noch brennenden Ort und marschierten nach Jouy, wo Alarmquartiere bezogen wurden.

31. Oktober

Wir lagen hier als Korpsreserven. Dieser Zustand wurde von uns deshalb als nicht sehr angenehm empfunden, weil wir, sobald sich in vorderster Linie eine Maus rührte, zu der bedroht erscheinenden Stelle mußten oder doch wenigstens alarmiert wurden. – Schon um 5 Uhr waren wir marschbereit, ohne daß wir abrückten. Gegen 9 Uhr abends hörte man aus der Gegend von Vailly Schießerei. Es wurde alarmiert, aber nicht abmarschiert, da es bald wieder ruhig wurde.

1. November

Die Nacht sollte nicht ohne Störung vergehen. Gegen 2 Uhr nachts war wieder heftige Schießerei im Gange. In 5 Minuten war die Komp. marschbereit; das Batl. rückte ab Richtung Vailly. Als wir noch unterwegs waren, wurde schon das Feuer schwächer und hörte bald ganz auf. Am Eingang zur Stadt ein kurzer Halt, dann kam der Befehl zur Rückkehr nach Jouy. Der Tag verlief in dem sehr kümmerlichen Quartier ohne Störung.

2. November

Vormittags hörte man wieder Infanterie- und Artilleriefeuer. Es hörte jedoch bald auf. Schon eine ganze Weile war alles wieder still, als plötzlich gegen 2 Uhr der Ruf erscholl: „Alarm“! Wir rückten ab, zunächst nach Jerlaux ferme, dann nach Ostel. Unseres weiteres Vorgehen auf Chavonne war wohl von einem feindlichen Flieger der Artillerie gemeldet. Es dauerte gar nicht lange, als verschiedene Grüße in Form von Granaten und Schrapnells angeschwirrt kamen. Einige von ihnen krepierten in der Nähe unserer Kompagnie und brachten auch Verluste. Darunter war auch der Unteroffizier d. R. Carl Klanke, ein Gerichtsassessor aus Berlin, dem eine Schrapnellkugel in den Unterleib gedrungen war. Einige Tage später ist er an den Folgen der Verwundung in Ostel gestorben und dort bestattet worden.

Bei unserem weiteren Vorgehen erreichte uns schon die Nachricht, Soupir sei genommen und Chavonne vom Feinde geräumt.

Der 6. Kompagnie ward jetzt die Aufgabe zuteil, das Schlachtfeld von Toten und Verwandten zu räumen. Schauer erregende Anblicke boten sich manchmal. Gegen 3 Uhr hielten wir inne mit diesem traurigen Beginnen, um in der Nähe einer Mühle uns noch zwei Stunden Schlaf zu gönnen.

3. November

Am Fuße der Höhen, auf denen sich tags zuvor der Kampf abgespielt hatte, legten wir uns in Bereitschaft hin. Der Tag brachte nichts neues. Die Artillerie schoß hüben und drüben, Granatfeuer war nur vereinzelt vernehmbar. Wir gingen nur ein Stückchen weiter vorwärts den Hang hinan und bezogen dann Unterstände, in denen vor dieser Verschiebung der Front, 20er gelegen hatten.

4. November

Am Abend dieses Tages wurden wir durch eine Komp. Regts. 20 abgelöst und marschierten nach Jouy zurück.

5.-10 November

Ruhe sollte es in diesen letzten Tagen, in denen unser Regiment Korpsreserve war, für uns nicht geben. Einige Male marschierten wir früh nach Ostel und abends wieder zurück nach Jouy. Soupir war nämlich an die Franzosen wieder verloren gegangen und sollte von uns wieder genommen werden. Für diesen Fall sollten wir in Ostel zur Verfügung sein. Ein Angriff unsererseits unterblieb aber, möglicherweise auch deswegen, weil in diesen Tagen dichter Nebel herrschte.

Am 10. mittags verließen wir Jouy, um die Stellungen der 35 bei Soupir zu besetzen. In Froidmont wurde der Eintritt der Dunkelheit abgewartet; gegen Mitternacht erreichten wir nach mancherlei Mühsalen den uns zugewiesenen Abschnitt; er lag östlich Soupir, etwa 600 m vor unserer Stellung lag die ferme de Metz. Bei unserer Ankunft wurden wir mit Granatfeuer begrüßt, wenn auch wohn unwissentlich; ab und zu wurde die Gegend von Raketen begrüßt; die Schießerei hörte die ganze Nacht nicht auf, ohne uns allerdings ein Leid zu tun. Die Stellung, die wir vorfanden, war noch reichlich unvollständig; an einigen Stellen war der Schützengraben noch nicht so tief, daß er den Mann der Sicht entzog, Unterstände waren noch fast gar keine vorhanden. Es gab also für uns reichlich zu tun. Der 1. und 3. Zug kamen in vorderster Linie, der 2. (mein) Zug bezog einen etwa 5 m hinter dem des 3. Zuges liegenden Graben, um ihm Falle eines Angriffs sofort nach vorne zu eilen. Hier lag auch der Unterstand des Kompagnieführers.

11. November bis 4. Dezember

Viel ist über unseren Aufenthalt im Schützengraben nicht zu sagen. Angriffe erfolgten weder unsererseits noch seitens der Feinde. Die Artillerie schoß täglich, bald schwächer, bald stärker. Hie und da wurde ein Unterstand eingeschossen; manchmal kamen die Insassen mit dem Schrecken davon, ein ander Mal gab es auch Verwundungen. Unsere Hauptarbeit wurde nachts geleistet; sie bestand in der Verbesserung und Verstärkung der Stellung. Mein Zug hatte die Aufgabe, zweimal täglich das Essen für due Komp. an der Feldküche zu holen, die in der Nähe eines Steinbruches, ¾ Stunden von der Komp. entfernt, hielt. Jeden Morgen gegen 5 Uhr und jeden Abend mit Einbruch der Dunkelheit machten wir uns auf den Weg den Berg hinan bis zum Steinbruch. Es war sehr schwer passierbares Gelände, das infolge der Dunkelheit noch schlechter gangbar war. Dazu kam noch, daß fast während dieser ganzen Zeit feuchtes, regnerisches Wetter war bis auf einige Tage Frost.

Ende November verließ der Hauptmann die Kompagnie und ging nach der Heimat; die Anstrengungen hatten ihn sehr mitgenommen. Die Führung der Komp. übernahm Lt. Hering. Auch in der Führung des Batls. trat ein Wechsel ein: Major v. Schleinitz nahm die Führung wieder in die Hand, nachdem er von Anfang November an das Regiment 35 geführt hatte, während dem Hauptmann Frhr. v. Linstow (vom Leib. Gren. Regt. 8) die Führung eines Batls. Regts. 24 übertragen wurde.

Am 30. XI. gingen wir vorübergehend nach Froidmont, wo der Batls.-Stab und die Res. Komp., die 5., lag und wurden in einer großen Höhle untergebracht. Hier wurden wir zum 2. Male gegen Typhus geimpft. Am 3.XII. ging es wieder in den Schützengraben zurück. Am 4. abends wurden wir dann durch die 35er abgelöst und gingen zunächst nach Ostel.

5.-7. Dezember

In Ostel verbrachten wir zwei Tage, Sonnabend und Sonntag. Am Sonntag ward uns ein besonderer Genuß zuteil: Die Regimentsmusik spielte auf der Dorfstraße erst geistliche, dann klassische, schließlich Operettenmusik. Im Übrigen war der Aufenthalt in O. nicht übermäßig reizvoll; der Ort war sehr zerschossen und lag auch jetzt noch täglich unter Feuer, selbst Infanteriegeschosse verirrten sich dahin. Auch mein Quartier war nicht sicher, einzig daß es sich gut heizen ließ, was nach langem Aufenthalt nicht zu unterschätzen ist. Am 7. früh marschierten wir ab, um unser neues Quartier zu beziehen. Als solches war die Vaurains ferme, etwa 3 km südöstlich Pinon an der Straße Laon-Soissons gelegen, ausersehen.

7.-21. Dezember

Als wir dort ankamen, war das, was wir vorfanden, trostlos. Das Quartier in Ostel war noch schön gewesen, gegen dieses war es hervorragend. Das Gut war bereits schwach belegt mit leichter Munitionskolonne; im Gutshaus, das übrigens bis auf ein Zimmer fast vollständig ausgeräumt war, lagen einige Offiziere. Hier quartierte sich auch unser Bataillonsstab sowie die Offiziere der 6. u. 8. Komp. ein. Ich lag bei meinem Zeuge, das in einer großen massiven Scheune untergebracht war. Durch emsige und liebevolle Tätigkeit der Leute gelangten wir schließlich dahin, daß das Quartier einigermaßen wohnlich wurde. Mein Heim lag in einer Nische der Scheune, die durch Wachholderbüsche von dem Hauptraum abgeschlossen war. Die Einrichtung bildete ein roh gezimmerter Tisch und Stuhl, sowie einige Bänke, daneben ein Verschlag zum Schlafen, Koch- und Heizanlage und Wandbretter; das Glanzstück war ein Kronleuchter in Gestalt eines großen Mistelzweiges.

Am 21. wurde ich zur 7. Komp. versetzt, die mit der 5. auf der Mennejean ferme lag. Am Mittag dieses Tages meldete ich mich dort bei meinem neuen Lt. Kamlah. In meinem Quartiere fand sich schon ein Weihnachtsbaum vor. Ich teilte das Quartier mit dem Vfw. d. R. Thielicke und dem Einj. Gefr. Mynarek.

Ich überwache die Führung des 1. Zuges.

22.-25. Dezember

Das Leben hier gleicht dem auf der Vaurains ferme. Man schläft lange, ißt und trinkt, tut ein wenig Dienst und vertreibt sich die Zeit durch Skatspielen und dergl. Die allgemeine Weihnachtsfeuer fand bereits am 23. statt, für den Fall, daß wir am heiligen Abend etwa gestört werden sollten. Eine Scheune war in einen Festsaal und mit Tannenzweigen und -gewinden geschmückt; zwei mächtige Weihnachtsbäume strahlten im Lichterglanz. Die Feier begann mit Gesang; als dann las ein Kriegsfreiwilliger aus meinem Zuge cand. theol. Bölicke, das Weihnachtsevangelium und eine von ihm verfaßte Predigt. Danach wieder Gesang und Bescheerung [sic!], bei welcher ein jeder bedacht wurde wenn auch nur mit einer Kleinigkeit.

24. Dezember

Auch den heiligen Abend konnten wir im engeren Kreise festlich begehen.

25.-27. Dezember

Der 1. Feiertag sollte nicht hingehen, ohne uns eine unangenehme Überraschung zu bringen. Als wir gerade beim Mittagessen saßen, wurde plötzlich alarmiert. Wie wir erfuhren, war es dem Feinde gelungen, im Abschnitt des Leibregiments ein Stück Schützengraben zu sprengen. Wir wurden deshalb näher an den bedrohten Abschnitt des Leibregiments herangezogen, für den Fall, daß etwa der Feind dort einen Durchbruchsversuch machen wollte. Wir marschierten zunächst bis Moulin Laffaux, dann nach einigem Aufenthalt bis Laffaux und bezogen hier Alarmquartiere. In unserem Quartier, das vordem 52er inne gehabt hatten, hatte die Quartierwirtin – in Laffaux war noch Zivilbevölkerung, während sie aus den Ortschaften in vorderster Linie nach der feindliche Seite abgeschoben war – gerade das Mittagsmahl, das noch für unsere Vorgänger bereitet war, fertig. Wir ließen es uns gut schmecken. In Laffaux blieben wir bis zum Abend des 2. Feiertages, ohne daß man unserer Hilfe bedurft hätte. Wir marschierten in unser altes Quartier auf der Mennejean ferm zurück.

28. Dezember 14 bis 13. Januar 1915

Hier war unseres Bleibens nicht mehr lagen. Am 27. wurde uns bekannt, daß unser Batl. das F. Bnatl. aus den Stellungen in vorderster Linie ablösen sollte. Die 5. und 7. Kompagnie nahmen die Stellungen am Dorfe Condé ein. Die Hauptstellungen liegen hier ziemlich weiter auseinander. Unsere Vorposten standen jenseits der Aisne, während die Verteidigungsstellungen diesseits der Aisne lagen. Die 5. Komp. übernahm als erste den Wachtdienst, während die 7. als Reserve-Kompagnie im Ort. lag; untergebracht war sie in Kellern; der1. Zug lag in einem großen Keller in einem Hause gegenüber der Schule. Mein Quartier war in dem Hause neben der Schule. Ich teilte es mit dem Vizefeldwebel meines Zuges Bando. Hier hatten wir uns wohnlich eingerichtet. Das Feuer der feindlichen Artillerie war nur sehr selten derart, daß wir uns veranlaßt sahen, den etwas sichereren Keller aufzusuchen. Nachts wurden auch hier einige Stunden dem Ausbau der Stellung gewidmet. Im Übrigen vergingen die Tage ganz ruhig, bis wir am 12. Abds. alarmiert wurden. Schon am Tage hatte das Dorf unter ziemlich starkem Feuer gelegen, auch in unserer Nähe war es ziemlich laut zugegangen, woraus zu entnehmen war, daß sich vorbereitet. Zwar blieben wir vorläufig in unserer Unterkunft, aber in erhöhter Alarmbereitschaft, wir es so schön heißt. Gegen Mitternacht kam der Befehl, daß die Komp. 30 Morgens abrücken solle, zunächst nach dem Fort Condé.

13. Januar

Auf aufgeweichten Wegen stiegen wir empor zum Fort, von wo wir nach kurzem Aufenthalt zu dem Ort abrücken, an dem wir stürmen sollten. Es war die Höhe 146 östlich Vregny, die Erstürmung uns oblag. Die Truppe bestand an dieser Stelle aus Teilen des 1. Batls. und der 6. u. 7. Komp. Gren.-Regts. 12.

Es dämmerts bereits, als wir in der Sturmstellung anlangten; der allgemeine Sturm war auf 12 Uhr angesetzt. Zunächst begann die beiderseitige Artillerie ihr Konzert. Unser Graben blieb verschont, vielleicht daß man uns nicht entdeckt hatte. Punkt 12 Uhr begann der Tanz, die beiden Kompagnien I./12, die unmittelbar am Fuße der Höhe in einem Wassergraben lagen, zuerst, dann 7. und 6. Komp., die ein paar Meter weiter lagen. Es waren Alpenjäger, die uns hier gegenüberlagen. Offenbar kam ihnen unser Ansturm an dieser Stelle derart überraschend, daß sie nicht daran dachten, energischen Widerstand, zumal es ihnen auch nicht gelang, ihre Reserve, mit denen sie reichlich versehen waren und die wir teils noch ihrer Unterkunft, großen Steinhöhlen, abfingen, einzusetzen. Und dies alles, trotzdem diese waldige Höhe von Natur wie durch Menschenhand stark befestigt war. Bereits um ½ 2 war die Höhe 146 vollständig in unserem Besitz. 12er und 52er teilten sich darin; erstere lagen bei der Moncel Schlucht beginnend, wo sich ein großer Teil der feindlichen Artillerie befand, die übrigens bis zuletzt ausgehalten hatte, auf der Hochfläche nach St. Marguérite zu.

Bald nach Beginn des Sturmes hatte Regen eingesetzt, der mit großer Hartnäckigkeit bis in d e Abendstunden anhielt. Die Nacht verbrachte ich zusammen mit Lt. Kamlah u. Offz. Stellv. Südel in dem einzigen leidlich erhaltenen französischen Unterstande zitternd vor Kälte, während wir von Zeit zu Zeit abwechselnd die Stellung abliefen.

14. Januar

Am Vormittage dieses Tages, den wir noch in seiner ganzen Schönheit in dieser lehmigen Umgebung genossen, ward uns auch Atzung zuteil, was wir nach den Entbehrungen des vergangenen Tages keineswegs bedauerten. Französische Konserven, französisches Obst, französisches Brot und dazu französischen Wein war es, den wir uns gut schmecken ließen. Hierdurch trat eine Verbesserung unserer Stimmung ein, zu deren weiteren Verbesserung die Nachricht des guten Gelingens auf der ganzen Linie erheblich beitrug.

Am Abend wurden wir an dieser Stelle herausgezogen, um anderen Truppen Platz zu machen, und zogen nach Vregny, wo wir einen großen Keller bezogen, um uns etwas auszuruhen.

15./16. Januar

Am 15. Abds. bezogen wir eine Höhle bei Vregny, ein Aufenthalt, der wenig reizvolles an sich hatte. Am 16. Abds. verließen wir ihn, um unsere neue Stellung zu beziehen.

17. Januar – 2. Februar

Die Stellung begann für den rechten Flügel (1. Zug) am Kirchhof von Crouy und zog sich dann zu östlicher Richtung nach Bucy-le-Long hin, das von der 6. Komp. besetzt gehalten wurde.

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Kriegserinnerungen des Landsturmmannes H. Dittmer – Kriegsgefangenen-Arbeiter-Bataillon 92 (4. Kompanie) (7. Januar – 16. April 1918)

Die Kriegserinnerungen des Landsturmmannes H. Dittmer stellen den Leser vor einige Rätsel. Zum einen erfahren wir nichts über Herkunft, Familie oder Beruf Dittmers, zum anderen ist in den Erinnerungen auch nie ein Jahr erwähnt! Es werden lediglich Tages- und Monatsdaten erwähnt. Selbst Wochentage, anhand denen das Jahr bestimmt werden könnte, fehlen leider.

Klar ist, dass H. Dittmer Landsturmmann im Kriegsgefangenen-Arbeiter-Bataillon 92 in der 4. Kompanie war. Seine Aufgabe bestand in der Bewachung der russischen Kriegsgefangenen, die in Nordfrankreich südlich von Verdun zum Bau einer Bahnlinie eingesetzt waren. Die insgesamt 151 Kriegsgefangenen-Arbeiter-Bataillone wurden von der Obersten Heeresleitung seit dem 10. September 1915 aufgestellt. Die sieben Russen-Abteilungen wurden seit dem 8. Februar 1918 aufgestellt. Aus dieser Tatsache lässt sich das Kriegstagebuch eindeutig auf das Jahr 1918 datieren!

Zu den Aufgaben der Kriegsgefangenen-Arbeiter Bataillone gehörten u.a. die Errichtung von Militärbauten und die Reparatur der militärtechnischen Infrastruktur. Der Einsatz der Kriegsgefangenen in diesen Arbeiter-Bataillonen scheint bisher nicht gut erforscht zu sein, denn selbst nach intensiver Internetrecherche konnten fast keine Informationen über die Kriegsgefangenen-Arbeiter-Bataillone gefunden werden. Das Kriegstagebuch lässt sich also auf den Zeitraum vom 7. Januar bis 16. April 1918 datieren.

Nach dem Handbuch zur deutschen Militärgeschichte Band 3, Abschnitt V (S. 270) wurde die Russen-Abteilungen der Kriegsgefangenen-Arbeiter-Bataillone seit dem 8. Februar 1918 aufgestellt. Nach Dittmers Kriegstagebuch scheinen die Vorbereitungen dazu bereits im Januar 1918 getroffen worden zu sein.

Unklar bleibt auch, welche Bahnlinie die russischen Kriegsgefangenen bauen sollten. Hierzu blieben Recherchen leider bisher erfolglos. Klar ist, dass es eine Bahnlinie sein sollte, die von Sedan Richtung Süden führt – über die Dörfer Authe und Buzancy. Vielleicht ergeben sich hier noch neue Forschungsansätze, die bei der genauen Einordnung der Kriegserinnerungen in ein Kriegsjahr hilfreich sein können.

Ungewöhnlich an den Kriegserinnerungen sind auch die Gedichte zu Beginn und zu Ende. Sie umrahmen die Kriegserinnerungen, die wahrscheinlich erst mit zeitlichem Abstand zum Einsatz verfasst wurden, denn sie sind in einer sehr schönen und durchgehend sauberen Handschrift geschrieben, was eindeutig für eine spätere Erstellung spricht.

Ob Dittmer auch nach dem Ende seiner Erinnerungen weiterhin im Krieg eingesetz war, bleibt offen. Über weitere Bände seiner Kriegserinnerungen liegen mir keine Informationen vor.

Dittmers Rechtschreibung wurde so belassen. Zum besseren Verständnis wurden an einigen Stellen Satzzeichen und Buchstaben eingefügt, was durch eckige Klammern deutlich gemacht wird.

Erste Seite der Kriegserinnerungen von H. Dittmer. Oben sind der Namenseintrag und seine Einheit zu sehen. Unten beginnt das Gedicht am Anfang der Erinnerungen.

Kriegserinnerungen des Landsturmmannes H. Dittmer - Kriegsgefangenen-Arbeiter-Bataillon 92, 4. Kompanie (7. Januar - 16. April 1918)

Es war auf Frankreichs Fluren wohl im Ardennenwald als Deutsche Landsturmleute stehn wier dort, auf der Wacht. Das Auge feucht doch fest die Hand so stehn wir hier im fremden Land. Leb wohl nun Weib und Kinder mein Heimatsort leb wohl. Mit 500 Gefangenen stehn wir im Franzosenland und wehren allen Feinden allhier mit starker Hand. Der Fuß ists naß die Brust die keucht und über uns der Flieger fliegt. Leb wohl nun Weib und Kinder mein Heimatort leb wohl.

Wir bauen einen Bahndamm allhier in Feindesland. Hindurch durch Sumpf und Kot zu helfen den Kameraden wenn sie in Not und Tod.

In St. Pieremont [Saint-Pierremont] da liegen wir doch leider jetzt in Orchhiers [Oches?] hier[.] Leb wohl mein Weib und Kinder mein Heimatort leb wohl.

Und ists die Fahrt zu Ende und unsere Dienstzeit aus. Wir drücken uns die Hände und alles zieht nach Haus Die Freude und die helle luft erfüllet unsere wunde Brust[.] Leb wohl mein Weib und Kinder, mein Heimatsort leb wohl.

 

In Soltau sind wir vom Artz [sic!] untersucht und Garnisondienstfähig befunden, jetzt kam ich zum Gefangenenlager, welches mit 30000 Gefangenen belegt ist, hier in Baracken untergebracht welche mit 150 Mann belegt ist, alle schlafen wie Murmeltiere, Mann an Mann auf Strohsäcken auf die Erde.

Ganze 5 Tage so zu gebracht, ohne in eine Kompagnie eingereicht zu werden. Am 7 Januar in der 7. mobil Kompanie eingestellt. Am 12 sämtliche Sachen feldmarschmäßig bekommen. Am 13 Januar Kriegslöhnung nachbezahlt weil die Kompanie am 12 mobil geworden ist. 14 Januar einige Leute haben sich schlecht betragen, zur Strafe wird jeden Tag Diensts angesetzt, morgens 3 St. nachmittags 2 St. Am 15 Januar Apell feldmarschmäßig angetreten. Der Hauptmann giebt bekannt, das die Stunde des Ausrückens herangekommen, aber noch nicht bekannt ist. 50 Mann müßen zurük bleiben, da die Kompanie 2000 Russen mitbekomt, aber nur 1500 fertig sind, die fehlenden 500 sollen die 50 Mann nachbringen. Ich bleibe auch mit den 50 Mann hier, der Hauptmann verspricht uns zurückbleibenden einige Tage Urlaub. Abends kommt Bescheid, das die Kompanie am andern morgen mit 1500 Russen nach Frankreich in die Etappe abrückt. 16 Januar rückt die Kompanie aus. 50 Mann die hier bleiben sollen. Mit mehrere Mann melden wir uns wegen Urlaub, wird abgelehnt mit der Begründung, das wir auf jeden Tag abrücken können. 17 Januar Wir zurückgebliebenen sind beim Baracken reinigen, da kommt der Befehl Bettwäsche abliefern und um 3 Uhr feldmarschmäßig an der Schreibstube stehen, da wir heut noch nach Göttingen müßen und dort die 500 Russen in Empfang zu nehmen. 6 Uhr fährt unser Zug, mit klingendem Spiel rücken wir zum Bahnhof. 8 Uhr in Hannover hier wird übernachtet, gleich auf dem Bahnhof beim Rotenkrug[.] 18. Januar. Eine schlaflose Nacht habe ich hinter mir und dabei schon erkältet. 9 Uhr fährt unser Zug weiter. 1 Uhr sind wir in Göttingen. 22 Uhr betreten wir das Gefangenenlager hier wird gleich gesagt, das am 24 Januar keine Russen fertig sind. Auch wird gleich gesagt, Urlaub kann nicht gewährt werden. Decken und Bettwäsche wird empfangen und wir richten uns häuslich ein. Ein hartes Lager seh ich im voraus, denn die Strohsäcke sind fast ohne Holzwolle. 19. Januar. Schlechtes Lager. Diensts gibt es nicht, nur 1 Stunde Gewehr reinigen. 20 Januar Heute kein Dienst. Bei der Parole wird für den andern Tag 1 Stunde Exzezieren [sic!] und 1 Stunde Gewehrreinigen angesagt. 21 Januar. 9 Uhr wird angetreten zum Exzezieren [sic!]. 10 Uhr sind wir schon wieder in der Baracke. 22 Januar. Diensts wie am Tage vorher. 23 Januar Um 9 Uhr ausrücken zum Üben, bald kommt ein Ordonanz hinter uns her und bringt Befehl, sofort zum Lager zurück kommen und die Gefangenen in empfang nehmen. Wir werden vom Obersts begrüßt und in die 10 Abtheilungen zu je 4-5 Mann eingeteilt. Jede Abteilung bekommt 50 Russen[.] Am Vormittag nehmen wir die Russen in Empfang. Ich hab mir das Russenvolk ganz anders vorgestellt, aber die waren gleich vertraulich. Wenn mann was frug, kam die Antwort: Nicht versteh. Ich habe einen guten Eindruck von den Leuten bekommen und hab ich mir gesagt, mit den Leuten ists gut umzugehen. Den Abend vor der Reise bekam jeder ein Stück Speck und ein Brod mit auf den Weg. Vom 24-21 Januar jeden morgen Russenapell. Am 31 Januar kommt nachmittags Befehl, morgen wird abgerückt. Wir wurden am Abend entlöhnt bekommen 1 ½ Pf. Speck und ein Brod. 1. Feb morgens 8 Uhr nahmen wir die Russen in Empfang[.] Dann geht’s zum Bahnhof 11 Uhr setzt sich der Zug in Bewegung und rollen wir mit unsere Russen nach Frankreich zu. 6 Uhr ist die erste Verpflegung und zwar in Holzwiken. Es gab hier Sauerkraut mit Mettwurst die Russen taten sich hier aber war zu gute. Gleich hieß es wieder einsteigen. Nun ging der Weg weiter durchs Kohlenbecken nach Düsseldorf zu. In Düsseldorf war kurzer Aufenthalt, hier gabs warmen Kaffe. Dann gings wieder weiter und wir rollten übern Rhein, zum ersten mal in meinen Leben. Um 2 Uhr nachts hatten wier Achen [Aachen] erreicht, hier gabs wieder Verpflegung. Die Russen bekamen Kaffe Brod, und Wurst. Die Begleitmanschaft Kaffe, Brod Butter und Käse. Nach einer Stunden Aufenthalt hieß es wieder: Einsteigen. Es war schon 3 Uhr vorbei wie wir abfuhren. Von hier ab fuhr der Zug auf dem linken Gleis und ganz langsam. Hier kamen wir durch eine öde Gegend, bin darüber eingeschlafen wie ich aufwachte war es bald 1 Uhr ich merkte gleich das wir nun schon in ganzes Stück in Belgien sein mußten, denn die Gegend war doch zu unbekannt, habe felsige Berge und sehr oft kamen wir durch ein Tunel [sic!]. Nun hatte der 2 Februar schon begonnen und ich freute mich darauf, das es bald heller Tag wurde, um etwas mehr von Belgien zu sehen zu bekommen. Je weiter wir kamen, desto schöner wurde die Gegend. Belgien ein schönes Land, reich von Naturschönheiten, solche Felsenberge sind mir noch nicht begegnet. Wir kamen bald Lüttich näher auch als wir in Lüttich einfuhren, war vom Krieg nichts zu sehen, es war alles unversehrt, wir sind allerdings nicht direkt durch Lüttich gekommen, sondern durch einen neben Bahnhof von Lüttich. Von Lüttich kamen wir bald nach Namur, auch auf diesen Wege gab es nicht viel zu sehen. Die nächste Stazion [sic!] hinter Namur sollten wir verpflegt werden aber es kam anders. Von hier aus wurde und ein anderer Weg vorgeschrieben wie wir hätten fahren sollen[.] Hier machten wir eine halbe kehrtwendung und kamen dann auch bald ins Kriegsgelände. Gleich die nächste Station Trier fanden wir das erste Soldatengrab 4 Helden in einem Grab, direkt am Bahnhof. Nun fuhr der Zug langsam weiter, aber war ich da zu sehen bekam übersteigt doch weit mein vermutung. Von jetzt ab sah mann bald kein heiles Haus mehr, ab und zu sah mann auch noch Menschen zwischen den Trümmern herum laufen es war schrecklich anzusehen. Bald kamen wir an ein Fort vorbei, hier sah es noch wüster aus, aber es ist doch ein schöner Anblik, wenn mann oben auf der kleinen Festung die Deutsche Flage wehen siht. Diese Fort welches Dinant heißt, ragt direkt aus einem Bergfelsen heraus, es ist von natur aus schon eine starke Festung. Die ganze Gegend ists nur ein Felsen und eine Schlucht nebeneinander. Nun ging es immer durch verlassene Dörfer und zertrümmerte Häuser weiter. So kamen wir dann an die französische Grenze näher und gelangten dann an die kleine, aber starke Festung Giwet [Givet]. Auch dieses Fort ist ein steiler Bergfelsen und muß mann sich wundern, das es so schnell erobert wurde. Die da hinterliegen[de] Kaserne waren nur noch ein großer Trümmerhaufen. Auch hier winkte auf die Deutsche Kriegsflagge vom Felsen entgegen. Der Zug fuhr hier durch ein Tunel, direkt unter der Festung durch. Auch jetzt gab es viele zertrümmerte Dörfer. Nun wurde es dunkel und die schönste Gegend sollte jetzt noch kommen, denn wir kamen bald Sedan näher. In Sedan wurden wir endlich nach 14 Stunden ununterbrochhener [sic!] fahrt wieder warm verpflegt hier gab es Graupen mit Rindfleisch. Hinter Sedan sind wir noch gut 1 Stunde gefahren und kamen damit auf unsern Endstation an, welches Bremont [nicht identifizierter Ort] heißt. Es mochte 11 Uhr sein, als der Zug hält. Hier wurden 20 Mann als Posten ausgestellt, welche sich alle 2 Stunden ablösen mußten. Dann wir blieben hier die Nacht über liegen. Morgens 8 Uhr alle Mann aussteigen, nun ging der Marsch bald los. Dann wir mußten noch 20 klm. zu Fuß gehen. Mittags wurde Rast gemach und gab es warmen Kaffe, welches in unserer Feldküche hinter uns im Marsch gekocht war. Die Rast tut gut, besonders wenn mann mit vollem Gepäck laufen muß. 1 Uhr ging es los es wurde noch einige Mal kurze Zeit geruht, bis wir entlich gegen 4 Uhr an, u[n]ser Zeil anlangten. Unsere Russen waren bald in ihr Lager untergebracht und wir bekamen dann auch unsere Quartiere zugewiesen. Ich kam nun auch in ein Zimmer welches nicht zu heizen war und sämtliche Fenster zerbrochen waren[.] Wir schleppten uns Heu und Stroh zusammen und machen uns unser Lager für die Nacht fertig. Darnach gingen wir mit mehrere um unser Dorf in Augenschein zu nehmen. Mann sah nur niedrige Hütten, welche zur hälfte zusammen geschoßen waren, aber auch in den verschont gebliebenen Häusern gab es bald keine ganze Tür und Fenster mehr. Zum Abendessen gab es dann Kaffe mit Marmelade. Nun ging es bald zur Ruhe und kroch mir so gut es ging in mein Heulager hinein, dekke mir mit die dünnen Decke, die jeder mitbekommen hatte und mit Rock und Mantel zu. Ich schlief ziehmlich gut ein. Denn ich hatte 2 Nächte, welche wir auf der Bahn gelegen hatten, so gut wie garnicht geschlafen. Gegen morgen zwischen 3=4 Uhr wachte ich auf wohl sicher wegen der Kälte, denn ich fror am ganzen Leibe und am einschlafen war nicht mehr zu denken. Der andere Tag war dienstfrei. Nun gingen wir mit 4 Mann los und suchten uns ein anderes Quartier, welches wir auch bald fanden. In den Zimmer war wohl kein Ofen aber dafür doch ein Backofen. Jetzt ging es an der Suche nach Bettstellen und fanden wir glüklich 2 oben im Hause stehen[.] Indes war zweischläfrig, also für uns 4 Mann gerade genug. Dann suchten wir uns Tisch und Stühle, welche wir bald zusammen hatten. In den Bettstellen wurde wieder Heu gepackt, nun hatte mann doch wenigstens einen festen Kasten worin mann schlafen konnte und ich schlief die Nacht auch gut. Um es behaglich zu machen, hatten wir uns denn auch den Backofen angeheizt. Am andern morgen 7 Uhr wurde angetreten und gingen wir denn gegen ½ 8 Uhr zur Arbeitsstätte, hier sahen wir denn was geschafft werden mußte[.] Wir müßen eine Bahn bauen von Sedan ab bis zur Front eine sogenannte Verbindungsbahn von Sedan abgehend zwischen Reims und Verdun auslaufend. Diese Bahn wird eigens zum Zweck der Frühjahrsoffensive gebaut[,] sie wird über 40 klm. lang. Unsere 500 Russen fingen die Arbeit gut an, waren recht fleißig und wurden vom Hauptmann dieser Eisenbahn Companie gelobt. Nun muß sich etwas dazwischen fügen. Unsere Companie sollte mit 2000 Russen nach Frankreich hiervon sind 1500 mitte Januar abgefahren. 500 sind in Sedan ausgeladen. 1000 kamen nach St. Pierremont [Saint-Pierremont]. 500 wo ich mit zugeteilt bin, sind am 2 Febr abgerückt. Die 500 Mann die in Sedan ausgeladen sind haben auch gute Arbeit verrichtet, aber diese 1000 Russen, welche nach Pierremont [Saint-Pierremont], wo auch wir mit unsere 500 Russen hingekommen waren, haben im Anfang große Schwierigkeiten gemacht. Diese Leute haben dierekt die Arbeit verweigert, 4 Tage haben sie jede Nahrung zurück gewiesen, sie wollten einfach nicht arbeiten. Das da Gewalt angewandt werden mußte, kann sich wohl jeder denken. Am 3 Tag ist den Leuten gefragt worden, ob sie arbeiten wollten, aber kein Mann hat sich gemeldet, darauf wurde einer der größten Aufhetzer erschossen, von 12 Kugeln durchbort, fiel er tot am Boden. Aber unsere Russen glaubten immer noch nicht, das es ernst werden sollte. Am 4 Tag mußten alle antreten und wurden wieder gefragt, ob sie jetzt arbeiten wollten, nun wollten sich wohl viele melden, aber die Dolmetscher trieben sie wieder zurück. Was war zu machen, es mußte noch mal 1 Russe dran glauben und sollte nun ein Dolmetscher erschossen werden, aber es meldete sich freiwillig ein anderer und wurde dieser vor den Augen der ganzen Russen erschossen, auch dieser bekam eine Salve von 12 Kugeln, worauf auch dieser tot zusammen knickte. Hier auf wurden die Russen gefügig und alle Mann meldeten sich zur arbeit, aber es waren viele dabei die von den 4 Tagen fasten sich nicht mehr auf den Beinen halten konnten. Nun war aber Ruhe und die Rußkis gingen schön zur Arbeit. Dies hatte sich alle zugetragen, wie ich noch nicht da war. Das Dorf wo wir liegen heißt St. Piermont [Saint-Pierremont]. Die ersten 8 Tage mußten wir von hier bis zum nächsten Dorf etwa eine Stunde zur Arbeitsstelle laufen. Darnach bekamen wir es näher, etwa ½ stunde Wegs. Hier gab es ein schweres stück Arbeit zu überwinden denn hier mußte die Bahn an einer Stelle unter eine Straße geführt werden und mußte hier 7 Meter tief ausgeschachtet werden. Es war ein schweres Stück Arbeit, denn jeder Spatenstich mußte 5-6 mal mit den Fuß nachgeholfen werden, ehe der Spaten in die Erde steckte. Es arbeiteten hier an dieser Stelle, welche gut 100 Meter lang war, über 1000 Russen, aber diese Arbeit ist entlich auch geschaft worden und die Brücke nebsts Unterführung auch fertig. Überall, wo es schwere Arbeit gab, mußten unsere 500 Russen ran. Ein Tag, der Dienstfrei war habe ich hier die Gegend abgestreift. besonders da, wo sich alte Stellungen befanden. Nicht weit von St. Pirmont [Saint-Pierremont] hat ein kleines Gefecht stattgefunden, hier liegen 69 Franzosen in einem Massengrab beerdigt, aber auch mehrere Einzelgräber deutscher Helden lagen hier, alles war in den Schützengräben beerdigt worden dierekt bei Piermont [Saint-Pierremont] sind noch mehrere Gräber von deutschen Soldaten. In unser Quartir war es recht gemütlich geworden und es war abends nach dem Diensts immer eine recht fidele Stimmung unter uns 4 Kameraden, besonders ein Harburger Junge, Kamerad Laß, wußte immer viel Unsin zu erzählen. Unter Quartier hatten wir zum Backofen getauft, weil wir doch alle Tage unsern Backofen einheitzen mußten. Einmal hat unser Teichröster [sic!] doch versagt, denn die Hitze alle Tage mußt ihr doch wohl nicht gut bekommen sein, denn in einer Nacht spielte er uns einen gefährlichen Streich, morgens gegen 5 Uhr, es war der 28. Februar wachten wir auf und unser Salon war ein dichter Rauch eingefüllt, denn die Hitze muß wohl zu stark geworden sein, er war nämlich nach unten hin durchgebrannt. Vom 26. auf 27. Februar war ich auf Wache. Da unser Backofen nicht mehr zu heitzen war, mußten wir uns nach einen andern Ofen umsehen, aber Ofen sind hier ganz was seltenes, denn die Leute haben hier alle die veralteten Kamiene, wie mann sie in Deutschland in den Bauernhäusern wohl noch hat, darum war guter Rat teuer, aber wir wußten uns zu helfen, denn wir nahmen einfach einen Futterkessel, den Kessel nahmen wir aus, legten oben eine Platte über, machten mit Lehm dicht und unser Ofen war fertig. Er heitzte gut, besser wie der Backofen. Nun hatten wir unser Quatir wieder in Ordnung, auch Strohsäcke hatten wir einige Tage vorher bekommen, da hieß es auf ei[n]mal, die 4. Gefangenen Komapnie muß nach dem nächsten Dorf umquartieren. Dieses Dorf heißt Osch [Oches]. Mit Sak und Pack rückten wir nun am 1 März von St. Pirmont [Saint-Pierremont] ab[,] besehen uns dann unsere neue Arbeitsstätte, welche in einem dichten Wald lag. Am 2 März wurde dann die Arbeit frisch in Angriff genommen und ging auch hier die Arbeit schnell von statten, denn hier mußte sehr viel dike Baumstämme ausgerodet werden. Weil es dichter Wald war, wo wir arbeiten mußten, kamen unsere 500 Russen als die zuverlässten [sic!] dahin, aber wie zuverlässig das sie waren haben wir gleich 2 Tage später erfahren müßen, denn am 4 März fehlten am Abend 2 Mann. Ich war nicht mit draußen, weil ich den morgen von Wache gekommen war. Unser Komandoführer war sehr aufgeregt und mußten den Abend noch 10 Mann, wo ich nicht mit bei war, die ganze Arbeitsstelle nebsts Gehölz absuchen nach den Gefangenen, aber was soll man im stockdunkel finden. man konnte nicht die Hand vor Augen sehen und wenn nicht mehrere eine Taschenlampe bei sich gehabt hätten, wären wir wohl kaum in unser Quartier wieder angelangt, die halben [sic!] Leute haben sich mehrere mal in den Lehmboden gewälzt. Wir kamen den Abend ziehmlich abgehetzt gegen 11 Uhr wieder zu Hause an. Die andern Tage ging der Diensts wie immer und es wurde nicht mehr nach den geflohenen Russen gefragt. Wie mir nun am 6 Febr. Abends wieder kamen hatte der Feldwebel schon die Nachricht für uns, die beiden Gefangenen waren wieder ergriffen worden noch nicht 5 klm. weit waren sie gekommen, in ihrer Unkenntnis waren sie noch weiter zur Front gelaufen. Denselben Abend wurden sie noch geholt und von einem Dolmetscher verprügelt. Am andern morgen mußten sie sämmtliche Sachen abgeben, sogar einen Zivilanzug hatten die Kerls bei sich und in Arrest gebracht. Unser Quatir ist hier nicht schön, wie liegen mit 8 Mann in ein Zimmer, ein richtiges Russenlager, es sieht eher einen Stall als Zimmer ähnlich und die Ratten spazieren hier ein und aus. Schon mehrere mal haben uns die Ratten ein halbes Brod weggeholt. Aber mit den Gedanken erfüllt, das wir hier doch nicht lange bleiben, sind wir in unsern Stall geblieben. Die Arbeit ging rüstig vorwärts und waren wir schon am 8. Febr. mit dieser Strecke fertig[.] Wir hoften nun wohl einen Ruhetag zu bekommen, aber weit gefehlt, nun gab es erst recht Strapatzen, es mußte noch an einer Stelle weiter nach Sedan zu ausgeholfen werden, das war ein Tagesmarsch von 6 Stunden, 3 Stunden hin, 3 zurück. Gearbeitet wurde nur 4 Stunden. Diese Tage war es recht kalt und habe ich mich jedes mal ein schönes Feuer gemacht, was ja streng verboten ist, aber es hat gut gegangen. ich habe alle drei Tage den Weg gemacht und wußte ich aber, was ich gemacht hätte, den andern Tag kam ich auf Wache. Da nun der Unterbau fertig war, mußten die Gefangenen Schwellen mit verstopfen helfen. Diese Arbeit ist nicht so schmutzig und schwer, und freuen sich die Leute, das sie nicht mehr in den Lehm rum schwimmen brauchen. Am 13. März sind wieder 2 Russen ausgerissen, gleich morgens sie sollten in Gruppen zur Arbeit eingeteilt werden. Kein Mensch dachte daran, das wir da noch mehr solche Halunken bei hätten, ehe die Wachtmannschaft sich verstand waren 2 Russen übers Geleise ins Gehölz verschwunden, trotz sofortiger Verfolgung und sogar 2 mal auf den Ausreißer geschossen worden ist, sind sie nicht wieder eingefangen. Diesmal war ich auch nicht dabei, denn ich war wieder mal auf Wache. Das es nun keine gute Tage für uns gab, kann sich jeder leicht denken. Unser Komandoführer, Offiziersstellvertreter Strieke, war draußen aufgebracht und hat er geschimpft wie ein Rohrspatz. Der Lagerfeldwebel dagegen ist sehr ruhig, er sagt, es sind zu wenig Wachtmannschaften vorhanden. Es ist nichts seltenes, das 2 Wachtleute mehr wie 50 Gefangene bewachen müssen. Der Hauptmann kam am andern Tag von St. Pirmont [Saint-Pierremont] herüber, um den Platz, wo die Russen ausgerissen sind, in Augenschein zu nehmen. Das alles änderte nichts, die Leute waren eben verschwunden. Nun nahm der Hauptmann ein großes Verhör ab und noch ein größeres Protokoll wurde aufgesetzt aber das die Leute bestraft werden können, glaube ich nicht, denn es sind eben zu wenig Leute vorhanden. Unser Strieke blieb aber die nächsten Tage sehr aufgeregt und schnautzte uns bei jeder Gelegenheit an. So war ich am 18 März auf Wache, keine dachte daran, das Strieke uns mitten in der Nacht einen Besuch abstatten würde. Mitten in der Nacht, kurz vor ein Uhr alles alg und schlief, außer den Wachthabenden, kommt Strieke herein geschwind, einer sitzt am Tisch und schläft, diesen schreit er gleich an: Können sie nicht aufstehen, wenn ich herein komme. Dieser antwortet, ich habe den Feldwebel nicht erkannt. Darauf Strieke wieder: Mensch sie schlafen wohl mit offenen Augen. Ich lag im Stroh und schlief fest, von den schreien war ich auch gleich auf den Beinen. So ging das andauern[d] bis er sich etwas abgekühlt hatte. Er weiß nicht wie er uns Leute herum kriegen soll und er muß sich doch sagen, das er von uns nicht mehr verlangen kann.

Unsere Russen sind nun alle Tage feste am Schwellen stopfen. Die ganze Zeit wo nun hier sind, surren uns die Flieger immer so um die Köpfe herum, ist das wohl 15 bis 20 auf eimal [sic!] in der Luft sind. Auch feindliche Flieger kamen oft herüber, wurden aber immer beschossen. Es sieht von weiten sehr interssant aus, wenn die Schrappnels in der Luft platzen. Am 28 März hatten wir das Glück, zum ersten mal auf unsern neue Kriegsbahn zu fahren. Wir mußten wieder auf eine entfernte Strekke arbeiten. Wenn wir nicht mit der Bahn gefahren wären, hätten wir 3 Stunden laufen müßen. Die kleine Fahrt machte sehr viel Vergnügen, wenn es auch manchen Puff gab, was ja auch nicht zu verwundern ist, wenn man auf gewöhnliche Steinwege fährt. Selbst verständlich fuhren wir abend wieder zurück, mußten aber von dem Zuge, der uns zurück bringen sollte, Steine abladen. Es war gegen 6 Uhr, wie wir mit diese Arbeit anfingen. Die Maschine mußte los hangen [sic!] und zur Endstation Afrikur [nicht identifizierter Ort] fahren denn sie hatte kein Wasser nicht auf dem Kessel. Unterdessen hatte der Himmel seine Schleusen eröffnet und es regnete nur so in Strömen. Die Steine waren bald abgeladen und in den ströhmenden Regen warten wir auf unser Dampfroß und wir warten, 3 Stunden lang. Seit einer ½ stunde hört man die Maschiene schon tuten, aber sie kommt nicht näher. Endlich es war schon lange nach 9 Uhr, kam sie in Sicht. Wir standen im freien Felde, von jeder Ortschaft weit entfernt und stockfinster, mann konnte nicht die Hand vor Augen sehen und es regnete noch in Strömen. Ich hatte 19 Gefangene auf meinen Wagen, die hätten alle fliehen könne, ich hätte nichts dagegen machen könne, denn mann konnte tatsächlich keine halben meter sehen. Nun setzte sich der Zug, in Bewegung, mußte aber auf der Streke noch mal anhalten und einige Wagen anhängen. Nun ging das Ziel auf unsern Dorf zu. Unser Dorf bekommt eine Haltestation. Gegen 11 Uhr waren die Russen in ihre Baracken untergebracht, es fehlte kein einziger.

Am andern morgen hatten wir etwas länger Ruhe, wir brauchten erst 9 Uhr mit unsern Russen ausrücken. Sonsts wird jeden Tag 6 Uhr angetreten, 5 Uhr wird aufgestanden. So ist der eine Tag wie der andere abwechslung giebt es nicht. Seit einiger Zeit dürfen wir kein mehr mit den Russen sprechen, auch dürfen wir uns tagsüber nicht hinsetzen, was sonsts erlaubt war, wenn man dabei ertappt wird, dann kann man 14 Tage in Arrest fahren. Am 25 März haben wir hier ein Battl. Infanterie in Quartier bekommen. Diese werden aber bald Reservestellungen beziehen, denn es deutes [sic!] alles darauf hin, das wir bald die Offensiehve ergreiffen. Vom 1 April ab sollen Truppen, Munition und Kriegsmaterial mit der Bahn befördert werden. Es ist noch manche Stelle , wo gestampft werden muß. Es war herliches Wetter und die Rückfahrt machte jetzt mehr Vergnügen wie das erste mal. Vorläufig müßen wir jeden Tag mit der Bahn fahren, denn es muß längere Zeit auf der Stelle gearbeitet werden. Jetzt heißt es, jeden morgen 4 Uhr aufstehen, denn um 5 Uhr muß alles fertig stehn. Der erste Zug fährt im 6 Uhr. Es ists aber kein Personenzug, sondern vorläufig fahren noch immer Steinzüge. Personenzüge werden auf dieser Strecke wohl überhaupt nicht eingeführt, denn es ists eben eine Kriegsbahn. Von 2. zum 3 April war ich auf Wache, den Tag wo mann von Wache kommt, braucht man nicht viel Diensts machen. Kartoffeln schälen und Begleitdienst machen ist das einzige was gemacht werden muß. ich mußte diesmal die Küche mit begleiten, das war ein marsch von über 2 Stunden. Auf dem Rückwege wurden gefahren, und zwar habe ich gefahren. Am 1. April ist die 1. und 2. Kompanie verlegt nach Briekuni [Briquenay], etwa 3 klm. vor Harikur [Harricourt]. Unsere Kompanie bleibt für unbestimte Zeit noch in ihr altes Quartier. Den Kanonendonner den mann hier sehr deutlich hört, wird oft recht heftig geführt. In der Gegend von Verdun ist er oft besonders heftig. Am 5 April muß da die reine Hölle los gewesen sein, besonders Abends, zwischen 9-10 Uhr war das Feuer so stark, das mann die einzelnen Schüsse nicht unterscheiden konnte. Am 7 April sind einige kranke Russen zurück nach Deutschland befördert worden. Heute am 8 April arbeiteten wir bei dem Dorfe Busancie [Buzancy]. Hier befindet sich auch ein Proviantlager, auch führt hier eine Feldbahn bis zu Front. Es war heute morgen recht kühl und windig. Ich hatte mir meine Zeltbahn aufgeschlagen und hatte mich etwas hingesetzt. Dies hatte der Unteroffizier Kreuter gesehen und kommt auch gleich auf mich zu und schnautzt mich an. Ob ich nicht wüßte, das das hinsetzen verboten wär und ob es denn so kalt wär. Das sitzen ists nämlich streng verboten. Ich mußt also wieder stehn und auch mein Zeltlager mußte ich wieder einrollen. Die Tage vergehen jetzt immer eintönig. Wir fahren jeden Tag mit unseren Russen nach Aute [Authe] und Luzanli [nicht identifizierter Ort] zur Arbeit. Die Bahn ist für den Betrieb fertig. Es wird jetzt schon jeden Tag Proviant, Munition und Truppen auf unsern Kriegsbahn befördert. Am 12 April fuhr der erste Lazarettzug von der Front kommend nach Sedan zu. Nun ist die Bahn wohl fertig, aber wir bleiben mit unseren Russen noch hier, denn die Schwellen drücken sich stellenweise noch zu tief ein, dies muß dann immer wieder von neuem gehoben und gestopft werden. Seit dem 11. April darf im Lager kein Licht mehr brennen. Sonsts würde jedes Gefangenenlager trotz der hohen Drahteinzeunung [sic!] hell erleuchtet. Auch mußt jedes Fenster hinter welchen Licht brennt verhangen werden. Dis sind alle Maßregel wegen Fliegerangriffe und wird dies auch wohl alles mit der Beforstehenden Offensieve im zusammenhang stehen. Die Posten beim Lager sind in der Nacht auch mit einer Taschenlampe versehen. Die Einteilung der Russen bei der Arbeit geschieht jetzt anders als sonsts. Jetzt bekommt jeder von uns 20 Russen zur beaufsichtigung, für diese Leute ists mann verantwortlich und muß mann sie Abends wieder vollzählig abliefern. Sonst gehörte unsere Kompanie zum 16. Armeekor [Armeekorps] jetzt zur Millitär Eisenbahn Direktion 2 Frankreich. Wir fahren noch alle Tage mit einen Steinzug nach unsere Arbeitsstelle. Manchmal hatte ich in der Richtung auf Verdun Fesselballons gesehen. Am 16 April konnte ich mehrere Ballons in der Richtung auf Reims zu beobachten. Die Flieger surren uns bei klarem Wetter nur immer so um die Köpfe rum. Unsere Arbeit ist hier bald erledigt und hat es den Anschein, das wir nun bald verlegt werden, denn in den nächsten Tagen sollen unsere Russen entlaust werden.

 

Auf Frankreichs weiten Feldern davor der Festung Reims. Da stand ein junger Krieger auf sein Gewehr gestützt. Der junge Krieger auf der Wacht was schaust du in die dunkle Nacht. Ich steh für dich mein Vaterland, mein Vaterland lebt wohl. Und steh ich so in dunkel, auf einsam stiller Wacht, und alle Sternlein funkeln in finster dunkler Nacht. Denkt ich der trauen Braut daheim. Den lieben teuren Eltern mein. Ich steh für dich mein Vaterland leb wohl. Und sollt ich nicht erleben, mein Land befreit zu sehn. So soll mein Grabeshügel auf Frankreichs Erde stehn. Da kracht ein Schuß der kostet viel ihm klingts so süß wie Harfenspeil. Ich sterb für dich mein Vaterland. Mein Vaterland leb wohl.

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Kriegstagebuch von Franz Legler – Feldlazarett 2 im X. Armeekorps (10. August 1914 – 31. Mai 1915)

Über den Tagebuchschreiber Franz Leger lassen sich aus seinem Kriegstagebuch kaum biographische Informationen entnehmen. Legler war eingesetzt beim Feldlazarett 2 des X. Armeekorps. Eventuell stammte er aus Lindau. An einer Stelle seines Tagebuches erwähnt er, dass er mehrere Lindauer gesehen habe, was diesen Verdacht stützt. Ansonsten gibt er keinerleite persönliche Informationen über sich preis: Weder etwas über seine Familie, noch über seine Beruf.

Auffallend an seinem Kriegstagebuch ist die sehr fehlerhafte Rechtschreibung. Vermutlich hatte der Schreibe zumindest eine Schreibschwäche.

Das Kriegtagebuch umfasst den Zeitraum vom 10. August 1914 bis 31. Mai 1915. Nicht immer wird die Chronologie eingehalten. So springt der Verfasser gerade im Monat September zwischen den Daten. Einzelne Seiten des Tagebuches sind locker. Zumindest ein einer Stelle besteht der Verdacht, dass eventuelle Seite verloren gegangen sind. Vom zweiten Weihnachtstag 1914 bis 1. Februar 1915 sind keine Einträge vorhanden. Und die Seite vom 1. Februar liegt lose im Tagebuch. Es ist möglich, dass dort eine oder mehrere Seiten verloren gegangen sind.

Mit dem Eintrag vom 31. Mai 1915 bricht das Tagebuch ab. Die weiteren Seiten bleiben, bis auf einige wenige Einträge am Ende über u.a. Adressen, Geld- und Paketsendungen, leer.

Umschlaginnenseite mit Namenseintrag von Franz Legler
Erste Seite mit Tagebucheintragungen. Auf den drei Seiten vorher finden sich französische Wörter mit deutschen Übersetzungen.

Kriegstagebuch von Franz Legler - Feldlazarett 2 im X. Armeekorps (10. August 1914 - 31. Mai 1915)

1914

10-13 August auf Truppenübungsplatz Elsenborn. Da lagen Artillerie u. Infanterie u 1-4te Feldlazarett.

Am 15 August 10 ½ Uhr Abmarsch von Elsenborn nach Spa in Belgien großer Badeort.

Am 15 Augst Ognev [wohl Ogné]

Die ersten in Brand geschossenen Dörfer. In der einen Ortschaft hatten 2 Belgier einen Hauptmann erschossen, die sind Standrecht beide erschossen.

  1. August

300 Belgische Gefangene gefahren von 20 Mann 73 Infanterie bewacht.

Am Abend 22 August in Pontelu [Pont-de-Loup] 500 Verwundete untergebracht, die ganze Nacht von Hauptverbandsplatz nur Verwundete gefahren u. auf Bahren getragen.

Am 1 Sept Abmarsch in Pontelu [Pont-de-Loup] auf der Landstraße fiele Einwohner gesehen auf Wagen u. Esel ihr Hab u. Gut. Kinder u. Frauen, alte Männer ein trostloses Bield[.]

Am 2 Sept die französische Grenze ½ 10 Uhr morgens überschritten.

Des Abends Qutier Avesnes [Avesnes-sur-Helpe]. In der Herberge 2 Mann ein Bett. Am Sonntag 12 Sept. morgens 7 Uhr Abmarsch von Passankur [wohl Bazancourt], da haben wir den Abend 1000 Gefangene Franzosen u. Engländer gesehen. Die erste Nachricht v. d. Heimat erhalten. Nach Reims marschiert den 11 Sept. morgens 5 Uhr morgens, lagen wir auf der Straße um die Cathedrale schändlich gefroren[.] Die Nacht durch marschiert in Regen.

Von Passackur [wohl Bazancourt] nach Tagnon[.]

Sonntag mittag um 1 Uhr hier angekommen, den Wein aus einen Keller in Eimer geholt.

—–

Den Sonnabend 5 Sptb wo wir Ruhetag hatten habe ich mit 2 Kammera[d]en Laon angesehen u. hatten uns die Chattedrale einwendig angeschaut. v. 4 Uhr b. 8 Uhr Abends, dann zogen wir 3 Mann auf Wache, den Sonntag ging es um 7 Uhr morgens Abmarsch, durch Laon ein schöne Stadt, wir lagen nämlich eine Stunde davor.

Donnerstag 3 Septb. Marschierten wir um 6 Uhr von Avennes [Avesnes-sur-Helpe] nach Fonteine [Fontaine-lès-Vervins] wo wir die Nacht in der Scheune schliefen, unterwegs den Rückmarsch der Einwohner immer das selbe Elend.

Freitg. 4 Sptb. Rückten wir 6 Uhr von Fonteine [Fontaine-lès-Vervins] ab um 4 ¼ Uhr nachmittags in Chambry an.

Sonnabd. 5 Sptb. Ruhetag 8 Uhr morgens standen wir auf u. hatten Appell Nachmittags Gewehr reinigen u. Apell.

Sonntag 6 Sptb. Um 6 Uhr morgens rückten wir von Chambry ab nach Firmes [Fismes] wo wir die Nacht blieben, unterwegs trafen wir Kriegsgefangene Franzosen Engländer Turkos.

Montg. 7 Sptb. Rückten wir um 6 Uhr wieder von Firmes [Fismes] ab. um nach Reims zu gehen, die richtung wurde geändert wir kamen nach Port d Bison [Port-à-Binson] wo wir um 4 Uhr ankamen. Gewehr reinigen.

Dienstg. 8 Sptb. Um 7 Uhr abmarsch v. Port-Bison [Port-à-Binson] nach Montmort [wohl Montmort-Lucy] wo wir um 4 Uhr ankamen. In Montmort kamen viele leicht Verwundete, die wir die Nacht noch unterbrachten.

Mittwoch 9 Sptb. wurde von Montmort um 9 ½ Uhr morgens ab nach Bringy-Vand [wohl Brugny-Vaudancourt] wo wir Biwack machten um 5 Uhr abends Abgekocht. Donstg. 10 Spbt. Um 210 Uhr nachts verließen wir das Biwack um Sillery zu marschieren wo wir um 4 Uhr nachmittags Biwack machten, die Nacht marschierten wir um 11 Uhr Abend ab nach Reims zu.

Sonnabd 12 Sptb. kamen wir in eine Vorstadt v. Reims in Qutir auf einen großen Fabrikhof. Da kam der Rückzug von Reims nach Tagnon.

Sonntag 13 Sptb kamen wir um 1 Uhr mittags in Tagnon an lagen hier eine Woche u. hatten jeden Tag v. 7 Uhr Dienst in Sachen reinigen Gewehr Geografie Völkerrech[t]en Franzsch [Französisch] nachmittags um 5 Uhr Apell bis auf weitres

Sonntag 20 Sptb v. Tagnon 8 ½ Uhr abmarsch auf Roizi auf den Marsche begegnete uns ein Transport Verwundete Deutsche u. Französen. Hier in der Kirche lagen viele Verwundete Deutsche. Wir kochten ab auf einen freien Platz.

Montag 21 Sptb. Die Verwundeten Deutschen Franzosen haben wir den morgen auf Wagen geladen und zur Bahn befördert ein Elendes Bild. Heute mittag große Wäsche gehabt Unterhose u. Hemd.

Roizy Mittwoch 23 Sptb. nachmitags 4 Uhr hatte ein Französischer Flieger 4 Stk Bomben in eine Furback [Fuhrpark] Kolonne geworfen. 10 Mann schwer verletzt 5 Pferde tot. De Verwundeten hatten wir gleich hohlen müßen, Notverband dann kamen sie gleich weiter. 4 km [unleserliches, verwischtes Wort].

Sonnabend 26 Sptb. Von Roizy nach Asfeld 6 Klm. Hier konnten wir Wein kaufen 40 ch die Flasche. Von einer Furbark [Fuhrpark] Kolonne wurde ein Faß Amerikanisches Schmalz verteilt.

Sonntg 27 Sptb. Vormittags von 9-10 Uhr Feldgottesdienst in Asfeld. Dann wurde um 12 Uhr mittag gegessen. Um 3 Uhr nachmittags abmarschiert. Asfeld nach Bourgogne 15 Klm. Abend 6 Uhr dann zog ich auf Wache. Hier lagen 20 Artl. Garde Pioniere Husaren Maschinengewehrk.

Dienstag 29 Sptb. morgens abmarsch von Bourgonge [Bourgogne] nach Asfeld zurück. Am Abend vor Abmarsch war großes Geschütz Feuer 3 Klm von Bourgonge [Bourgogne].

Mittwoch 30 Sptb 2 Stunden ekzazieren [exerzieren] Kriegsspiele von 2-4 Uhr.

Freitag 16. Sptb. Abmarsch um Asfeld 12 Klm. 8 ½ Uhr abmarsch um ½ 12 Uhr wieder ankunft in Asfeld. Der Wirt hier wo wir liegen hat müßen 200 M strafe zahlen weil er 2 Deutsche Soldaten beleidigt hatte.

Sonnabend 17. Septb wurden mehre Ladungen Liebesgaben von Bahnhof abgefahren.

Neufschattel [Neufchâtel-sur-Aisne] 21. Oktob. abends 5 Uhr abmarsch von Asfeld nach hier abends um ¼ 8 Uhr hier an, kam gleich auf Parkwache die Nacht, am Mittag wurde hier die Ortskrankenstube von uns übernommen, nachmittags um 5 Uhr spielte hier Reg. Musik v. 77.

Neufschattel

Freitag 23 Oktb. nachmittags wurde an Mannschaften u. Unteroffz. das eiserne Kreuz verteilt v. General Kommando die Musik spielte Deutschland über alles Regmt. N. 77.

Sonnabd. 24 wurde ein Artillerist begraben auf den Friedhof in Neufschattel [Neufchâtel-sur-Aisne] mit Regm. Musik. Der war beim Karabiner reing. v. s. Kam. aus unforsichtichkeit erschossen. Landwehrmann Vater v. 3 Kind.

Sonntag 25 Oktb. Liebesgaben verteilt an Mannschaften u. Unteroffz. Den Abend Kranken Wache.

Montag 26 Oktb. Bein Fliegeroffz. auf Wache kommandiert.

Freitag 13. Nov. wurde derselbe geheilt entlassen.

Sonnabend 21 Novb. 12 Uhr mittags Kranke nach Laon gebracht per Bahn von Neufschattel [Neufchâtel-sur-Aisne]. Den Abend auf den Bahnhof v. Laon. Die Nacht geschlafen[,] um 8 Uhr morgens nach Neufschatel [Neufchâtel-sur-Aisne].

Dienstag 24 Novb. nachmittags 2 Uhr v. Neufschattel [Neufchâtel-sur-Aisne] nach Le Thour 15 Klm.

Sonnabend d. 28 Novb. Alarm sämmtliche Truppen im Orte darnach ein Übungsmarsch bis mittag wieder zurück.

Le-Thour, den 24 Novb. auf Nachtwache beim Brücken-Train.

26 abed. auf Nachtwache.

2ten Weihnachtstag Strafwache.

[Möglicherweise fehlten einige Seiten]

Montag, den 1. Febr. [1915] 9 Uhr morgens von Le-Thour nach St. Germont [Saint-Germainmont] 4 km, da wurden unser Ortsquart. zu recht gemacht.

Mittwoch den 24 März Marsch von St. Germainmont [Saint-Germainmont] nach Bassancourt [Bazancourt] dort Abfahrt 9 Uhr 50 vor den Verladen der Wagen Fuhrt über große Orte Rethel Hirson 3 Uhr nachmittags Verpflegung ein genommen, Fuormies [Fourmies] Sains [Sains-du-Nord][.] Mehre gespannte Talbrücken, wieder von unsern Pionieren hergestellt. Wiesen u. Wühler. Avesnis [Avesnes-sur-Helpe] unser früher Quartier Aulnoye [Aulnoye-Aymeries] Hautmont (Injustrigegen) [Industriegegend] Glas Tonwerke Einhartguswerk Leveau Mons Mormau [unleserliches Wort] Chlen

Sonntag, den 11 April Abmarsch von Brags [Brages] Belgien ¾ 4 Uhr vormittags nach den Bahnhof Turbriz [Turbize] um 5 ½ Uhr hier angekommen bis 7 Uhr Verladen der Wagen u. Pferde. Größte Bahn Station Ath Ligne Chapelle-a-Wattimes [Chapelle-à-Wattines]. Tournai Lille Mittagessen Karte bekommen. Lieberkur [Libercourt] Dunane [Douai] St.-Quetin [St. Quentin] Laon Sedan. Verpflegung bekommen Nacht i. d. Festung Montmedy [Montmédy] Ausgeladen am 12 April vormittags 10 ½ in Conflanz [vermutlich Conflans-en-Jarnisy] Frankreich dich[t] bei Verdun. Mittags 12 ½ Abmarsch nach Lorry [Lorry-lès-Metz] dich[t] bei Metz um ½ 3 Uhr die deutsche Grenze Marschiert in Deutschland hinein.

Am Sonnabend den 17 April 10 Uhr Abends Nachtübung bis 12 Uhr zurück. Wurde den Abend zur Nachtwache verurteilt, welche den Sonntag aabend wieder aufgehoben wurde, da ich den Befehl weiter gegeben hatte, ein Zeuge hatte das bestätig[t].

Sonnabend, 23 April um 1 Uhr mittags abmarsch von Lorry nach Vinoville [Vionville] 22 Klm. über Gravelotte die fielen Gräbern von 16.8.70 hier auch die Wohnhäuser v. K. W. I u. Mol[t]ke u. Bismar[c]k gesehen, durch das Dorf marschiert. In Gravilotte [Gravelotte] machten wir1/2 Std. halt, da traf ich einen Lindauer. Hier bei Vinoville [Vionville] ist das große Reiter Gefecht gewesen v. 70. Marslatur [Mars-la-Tour] liegt 4 Klm. von unser Quartier. Am 13 Mai ½ 8 Uhr Abmarsch von Vionville nach Lorry um 1 ¼ Uhr nacht angekm. gleich auf Wache. Gartenarbeit gemacht b. Regierungsrat.

Am 17. Mai Abmarsch v. Lorry 2 ¾ Uhr nachmittags nach Metz. Bahnhof Verladen um 7 ½ Uhr Abfahrt v. Metz nach Cambrey [Cambrai] Ankunft 18 Mai 10 Uhr vormittags. Abgeladen, dann Abmarsch nach Epinoy wurden in ein Saal einquartiert.

Am 31 Mai morgens 2 Uhr Abmarsch von Epinoy nach Corselles 26 Klm. morgens 8 Uhr ankunpft haben dorten ein Lazarett übernommen von 4 Armekor [Armeekorps].

"Rezept" für den magenkranken Fliegerunteroffizier Cassel über die Verschreibung von mehreren Flaschen Fachingen-Mineralwasser.
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Kriegstagebuch von Heinrich Fehr, Unteroffizier der Reserve im Infanterie-Regiment 99 (25. August bis 2. November 1914)

Über den Kriegstagebuchschreiber Heinrich Fehr ist leider bisher wenig bekann. Fehr war Soldat im Infanterie-Regiment 99, das zur 60. Infanterie-Brigade in der 30. Division gehörte. Im Kriegstagebuch erfahren wir wenig über seine Biographie. Wahrscheinlich war er zum Zeitpunkt des Schreibens noch nicht verheiratet, da er nie eine Ehefrau erwähnt. Er erwähnt allerdings seine „Liebste“, wobei ihr Name nicht eindeutig identifiziert werden kann. Über seine Familie erfahren wir keine substanziellen Informationen. Auch erfahren wir nicht sein Alter, seinen Beruf und auch nicht seinen Heimatort.

In seinem Kriegstagebuch erwähnt Fehr, dass er Unteroffizier der Reserve ist. Diese Beförderung wurde ihm am 30. August 1914 mitgeteilt.

Das Kriegstagebuch beginnt unvermittelt mit dem Eintrag vom 25. August 1914. Zu dem Zeitpunkt befand sich Heinrich Fehr bereits an der Front in Frankreich im Raum Raon-l’Étape in den Vogesen. Am 8. September 1914 wird das IR 99 nach Tirlemont (Belgien) verlegt. Am 14. September erfolgte bereits die Rückverlegung nach Frankreich, zunächst nach Laon (17. September 1914), dann weiter in den Raum Craonne nördlich der Aisne. In diesem Raum verbleibt Fehr dann, bis das Tagebuch am 2. November 1914 endet.

Ob Fehr sein Kriegstagebuch noch über den 2. November 1914 hinaus geführt hat, ist nicht bekannt. Weitere Bände liegen in meiner Sammlung nicht vor und werden auch in dem vorliegenden Band nicht erwähnt.

Erste Doppelseite des Kriegstagebuches von Heinrich Fehr

Kriegstagebuch von Heinrich Fehr (25. August bis 2. November 1914)

Dienstag, 25. August 1914

Marsch zum Regiment durch einen großen Wald, alles mit Soldaten und Wagen beladen. Abends dann Halt in einem Tannenwald. Hier ganz nahe heftigen Kanonendonner bis spät zum Abend. Nach Eintritt der Dunkelheit Lager im Wald auf den Tannennadeln, nur Zeltbahnen. Kleine Regenschauer, nicht zu essen, nur einige Wurzeln die ich vom Morgen noch hatte. Auch etwas Brot und Wurst von Trude. Eine Flasche Wein, die einer vom Wagen geholt hatte, schmeckte ganz gut. In der Nacht schlecht geschlafen, dann kühl, dann zu hart, alles unbequem. Morgens früh weckte uns der Kanonendonner. Wieder nichts essen, kein Kaffee bis zum Ausgang marschiert.

Mittwoch, 26. August 1914

Viele Flüchtlinge. Am Rande des Waldes auf der einen Seite schwere Artillerie, auf der andern leichte. Das war ein Donnern und Krachen, wie ich es nie gehört habe. Hier bekamen wir Mittagessen früh morgens um 7 Uhr aus der Feldküche. Kein Wasser. Weiter in die Stadt Raon l´Etappe [Raon-l’Étape]. Dort bis zum Marktplatz. Die Kirche ausgebrannt. Auf dem Platz großer Brunnen. Wasser getrunken. Wein verteilt. Hundekuchen. Dann kam die erste Granate; darum der Platz geräumt. Am andern Platz exerziert, weil einige in die Häuser waren. Andere hatten ganze Ladungen geraubt: Pflaumen, Wein, Gemüse, Konserven. Brennend Häuser, auch nach hier kamen die Granaten, darum zurück bis zum Waldsaum; dort der kommandierende General. Da zurück ausgeschwärmt durch die Felder. Kam an den Fluß; dadurch bis an die Hüften. Einige Granaten schlugen dicht neben uns ein. Zwei Blindgänger. Man hörte sie so schön sausen. Steinbruch gelagert. Stiefel ausgezogen. Fußbekleidung ausgewrungen. Längere Pause. Nachmittags Verteilung auf die Batallione, ich zum dritten. Einer an den Baum gebunden weil er gestohlen hatte. Abends fing es an zu regnen und zwar sehr heftig. Ich noch auf Wache oben in den Steinbruch. In den Schuppen geschlafen vor den Pferden.

Donnerstag, 27. August 1914

Zur 10. Kompagnie eingeteilt. Wieder Essen von der Maschinengewehr-Kompagnie. Dann Abmarsch des ganzen Batallions unter strömendem Regen durch schlammige Wege in einen Tannenwald. Lauter Erltannen bis zu 20m hoch, sehr steiler Berg, beschwerlich, oben Schützengraben. Zwei Regimenter lagen vor uns. Wir vorläufig in Reserve. Anfangs hieß es, der Feind werde versuchen durchzubrechen, kurz darauf jedoch Divisionsbefehl, daß der Feind in fluchtartigem Rückzug räume, von unsere Artillerie beschossen werde. Im Wald lagen wir so in Deckung in unsere Zelten. Dann Abstieg. Langschwieriger Abstieg, weil wir einzeln bergab. Viele tote Franzosen, viel Kleidungsstücke. Dann durch ein Dorf. Über die Bahn an einem Elektrizitätswerk vorbei. Auf eine Wiese, dort kurze Rast. Dann zurück in den Waldsaum, heftiges Artilleriefeuer von unserer Seite, auf der feindliche Seite schwieg alles. Dann an einer Villa vorbei im Tannenwald. Viel zerstört. In der Dunkelheit kamen wir nach Etivalles [Étival-Clairefontaine] . Stand zum Teil in Brand. An der Kirche vorbei in ein Haus mit der ganzen Kompagnie. Ich lag schon auf der Matratze. Da wurden wir umquartiert. Einige Wurzeln dienten mir als Nahrung; überhaupt den ganzen Tag der ins Stroh. ziemlich anstrengend gewesen war. Sehr hungrich. Kamen auf die Dele oder oben ins Stroh. Da kam die Küche. Wieder aufstehen, essen, auch noch Zwieback empfangen.

Freitag, 28. August 1914

Morgens ziemlich lange geschlafen. Erst Kaffee holen, dann wieder hingesetzt. Andere hatten Hühner und Kaninchen geschlachtet und waren fleißig am Kochen. Auch selbst ziemlich eingenommen, da ich zum 1. Zug als Gruppenführer kommandiert war gegen 11 Uhr Aufbruch. Es war trübes ganz unklares Wetter, weshalb auch wohl so spät. Das Dorf hinauf, ging dann über die Wiese in einem schmalen Waldsaum. Dann wieder zurück nach der andern Seite des Dorfes und hinaus nach Pajalles [Pajaille ]. Dort wieder heftiges feindliches Feuer, aber weiter über zwei kleine Bäche worüber Bretter gelegt waren. Unten am Rande lagen wir nun lange Zeit, verschiedene Regimenter stark. Endlich ging es vor auf die Höhe. Auch mit meiner Gruppe gehörte Zug zwei, Halbzug des 1. Zuges. Als wir auf die Höhe kamen, sausten zuerst unsere eigenen Artilleriegeschosse über uns. Kurz darauf kamen auch Kugeln angesaust. Eine schlug dicht neben mir ein. Es wurde in mir doch ein wenig sonderbar und unwillkürlich duckte man sich zusammen. Bis auf den Berg[,] wo die Kühe lose herumliefen[,] ging es vor. Heftiger Kanonendonner von drüben kam dicht über uns. Als es dunkel wurde, mußten wir uns eingraben. Da lag man nun, auch hatten wir etwas Heu hineingelegt, und starrten in den Himmel, in die Sterne, auch die Venus war zu sehen. Im Hintergrunde rechts ein brennendes Dorf. Da kam der Artilleriehauptmann und bestimmte die feindliche Batterie. Endlich gegen 10 Uhr wurden wir abgelöst. In der Dunkelheit ging es zurück nach dem Platz der vorigen Nacht. Es wurde mir sehr kalt auf dem Stroh. Morgens schickte ich meine Karte ab. Dann lagen wir marschfertig.

 Sonnabend 29. August 1914

Den ganzen Tag blieben wir liegen. Als wir abends abkochen wollten, denn es war ein Schwein geschlachtet und verteilt, da feuerte plötzlich die Artillerie und das Fleisch wurde nicht gar. Ich habe noch etwas so gegessen. Am Sonntag morgen früh 2 Uhr wurde alamiert. Der Feind schoß wieder heftig auf uns.

Sonntag, 30. August 1914

Um 4 Uhr rückten wir ab. Völlige Dunkelheit. Starker Nebel wie überhaupt fast täglich morgens. Das ganze Regiment rückte aus, zurück über Raon l´Etappe [Raon-l’Étape] und noch ein Stück weiter. Beschwerlicher Marsch. Gegen 9 Uhr Ankunft in dem Dorf. Vor allem liegen bleiben. Der ganze erste Zug lag in einem Hause. Ich mit meiner Gruppe oben auf dem Boden[,] wo Holz war. Um 10 Uhr Appell. Dann 12 Uhr ein recht fettes Mittagessen. Dabei mußte ich mir den Magen verdorben haben. Auch noch ein Zahngeschwür. Es war mir recht eigen zu Mute. Da kam die Nachricht über meine Beförderung zum Unteroffizier nicht gerade sehr erfreut. Nachmittags 4 Uhr Löhnungs-Appell, 6 Uhr nochmals, dauerte ziemlich lange. Am Abend kam Heinrich Becker zu mir, und wir gingen zusammen hinter dem Hause auf die Anhöhe und tauschten Heimaterlebnisse und Grüße an unsere Lieben aus. Der Abendstern schien so goldig.

Montag, 31. August 1914

In der Nacht ziemlich geschlafen mit der Zeltbahn. 6.30 Uhr ging es dann zum Schanzen durch das Dorf über die Chaussee nach Baccarat zu. Auf der Straße Gepäck abhängen und an den Bahndamm und dahinter schanzen. Ich brauchte nicht viel zu tun. Vor uns lag ein Tal, sumpfig, dahinter der Wald. Von rechts er ertönte die Regiments-Musik aus Baccarat. Ab und zu kam ein Flieger. Ein deutscher Flieger wurde geschossen, ließ aber sofort Leuchtkugeln fallen und stieg wieder. Bei dem französischen [sic!] nachher fielen Schüsse, die aber zu kurz gingen. Gegen 6 Uhr essen, Reis mit Gulasch. Ich verwahrte mir noch eine zweite Portion bis zum Abend. Nachmittags wieder Appell. 6.30 Uhr Abmarsch zum Kirchgang. Unser Regiment und Artillerie 84 kamen zusammen vor dem Dorf auf dem Schlachtfelde. Der Feldprediger sprach sehr schön: „Ihr gedacht es böse zu machen, aber Gott gedachte es gut zu machen.[“] Am Abend ich wieder oben auf dem Ufer und spähte hinaus in die feindliche Welt. Da leuchtete der Mond so friedlich, da lenkte der Abendstern mit sehr wundervoller Klarheit meine Gedanken wieder der fernen Heimat zu, der liebsten. Dazu spielte unten im Dorf die Regiments-Musik. [„]Das Niederländische Dankgebet“ und dann „Ich bete an die Macht der Liebe.“

Dienstag, 1. September 1914

Morgens exerzieren auf dem Felde. Das erste Mal kommandierte ich eine Gruppe. Der Major kam zur Besichtigung, In der Ferne wieder heftiger Donner. Am Nachmittag kam ich zur Feldwebelstube, wo wir 15 Flaschen verzehrten. Ich zahlte 2 M dafür, dann auch zum Abend eben dort. Es war recht gemütlich in der Küche der Franzosen. Dann nahm mich Feldwebel Marquard mit zum schlafen und so quartierte ich am andern Morgen ganz um.

Mittwoch, 2 September 1914

Um 7 ½ Uhr sprach der Hauptmann die Unteroffiziere. Dann zum Exerzieren nach Rücker. Es waren 70 Reservisten zum Ersatz von Göttingen angekommen. 10 bekam ich in meine Korporalschaft. Um 4 Uhr sprach der Brigade-Kommandeur zu uns und hielt eine begeisterte Ansprache, worin er auch lebend die Verdienste der Brigade erwähnte. Da hatten wir uns einen kleinen Kuchen backen lassen., den wir mit großem Appettit [sic!] verzehrten. Am Abend war ich mit Heinrich Becker im Dorf zur Jagd auf Tabak. Zwei Cigarren bekam ich, das Stück für 20 Pf. Karten abgeschickt nach Trude, zu Hause und Tiefendorf. Man sprach schon von Alarm. Der Feldwebel lag schon zu Bett, als ich Becker meine letzte Cigarette gab. Dann lagen wir noch etwas draußen. Ein wundervoller Abend. Der Mond und der Abendstern in nächster Nähe und doch so fern.

Donnerstag, 3. September 1914

Morgens früh 5 Uhr wurden wir plötzlich geweckt. Die Kompanie stand schon draußen. Wir hatten nichts gepackt. Auch die Fußbekleidung noch aus, doch es ging noch. Um 6 Uhr Abmarsch zurück auf die Straßen nach Raon l’Etappe [Raon-l’Étape]. Dann seitwärts links über eine Wiese zu dem alleinstehenden Gehöft. Dort lagen wir im Garten. Poin [sic!] sollte ein heftiges Gefecht sein und wir waren zur Reserve zurückgeblieben. Dort lagen wir von 7 Uhr bis ¼ vor 3 Uhr. Dann Eilmarsch wieder über Raon l’Etappe [Raon-l’Étape], dann rechts seitwärts über Ht. Neufvillage [wohl: La Haute Neufville]. Viele Verwundete begegneten uns. Sehr heiß. Einige machten schlapp. Mir wurde es auch sehr sauer, ebenso Hildburg und Brackelmann. Oben vor einem Wald halt. Wasser aus einem Bach getrunken, war sehr kühl. Dann wieder zurück rechts in den Wald. Lange und beschwerlich ging es auf und ab, durch schmale Waldwege und quer durch die Berge, sehr schöne hohe Tannen. Endlich wieder herunter auf einer breiten Straße sammelten wir uns. Da kam ein feindlicher Flieger. Nun ging’s wieder weiter nach rechts an dem Haus vorbei[,] wo der Oberst stand, durch Sumpf und Morast bis vorn in den Wald. Es war schon dunkel. Der Mond leuchtete so friedlich. Heftiges Gewehrfeuer, besonders zu unserer Lausche [sic!]. Wir lagen still. Dann wieder zurück in den Wald. Sehr kühl. 12 Uhr Alarm und weiter ging’s zurück über die Chaussee in ein Dorf[,] wo wir vor einem Hause noch etwas herum lagen. Dann Kiefern holen zur Deckung der Artillerie.

Freitag 4. September 1914

Kam unsere Kompagnie allein vor. Wir brachten sie erst nach vorn und gingen dann zum Waldessaum zurück. Dann aber mußte unser Zug wieder vor zur Besatzung der Höhe vor dem Pro[t]zen, zum Schutz vor Flanken Angriff. ½ 7 Uhr kamen wir unten an. Was für ein heißer Tag! Wir hatten die Hoffnung auf ein schönes Leben. Dichter Nebel lag vor uns im Tal. Plötzlich gegen ½ 8 Uhr fallen die ersten Schüsse. Wir mussten natürlich vor. Aber da ging es los. Wir feuerten und sahen doch nichts. Als es heller wurde klärte sich die ganze Stellung. Vor uns lag noch eine andere Linie. Die Franzosen auf dem jenseitigen Berg in Schützenlinien verschanzt. Unsere Artillerie arbeitete vorzüglich huhuhusssssbum! Dann die Flintenschüsse Pink, Pink! So den ganzen Tag über sahen wir dieses Manöver an. Wir konnten nicht mehr schießen da wir zur Bedeckung liegen bleiben mussten und vor uns deutsche Truppen lagen. Als Unsere auf einige Entfernung an den Graben kamen, gingen sie los „Heidi!“ [.] Dann wurden die Dörfer und der gegenüberliegende Wald befeuert, bis endlich alles still wurde. Den ganzen Tag über hörte man feindliche Artillerie, ein solches Feuer hatte ich noch nicht erlebt. Einer wurde verwundet durch Schuss in den Oberschenkel. Gegen Abend wurde es ruhig. Wir zogen uns zurück und machten uns ein Lager von Haferstroh vom Felde. Die Nacht so gut geschlafen wie lange nicht.

Sonnabend 5. September 1914

Des Morgens aufgewacht. Keine Wache. Dann ging es zum Wasser holen über die Höhe an zerstörten Häusern und Schützengräben vorbei. Einige Äpfel mitgenommen. Etwas Kaffee bei der Artillerie bekommen. Dann noch 1/3 Brot. Dann wieder sammeln zur Kompagnie, die die bis zum Mittag wieder zum Schutz der Artillerie zurück musste. Zwei Doppelposten in den Kieferwald. Postsachen verteilt. Ich wieder gar nichts dabei, sonst aber recht gemütlich. Abends gab es dann das erste Mal ein Festessen: warme Würstchen. Dann auch noch Essen wie am Mittag. Dann musste ich auf Wache ziehen, da meine 3 Leute etwas zu spät kamen. Am Abend stand und lag ich dann am Hügel und schaute in dem Mond und nach dem Abendsternen aus, zunächst verdunkelt, dann sehr schön hell. Heimatgedanken 12 Uhr Ablösung. Ich gleich ins Zelt zum Hildburg.

Sonntag der 6. September 1914

Am Morgen früh Kaffee empfangen. Ich blieb im Zelt liegen. Nachher bekam ich doch noch etwas. Dann wieder zwei Würstchen. Marschbereit halten. Dann ging es wieder zurück. Unsere Kompanie war an der Spitze. Es ging dann von Lasalle [bisher nicht identifizierter Ort] über Wiesen und Felder nach Etipal [Étival-Clairefontaine?], St. Blase [Saint-Blaise], auf den Weg den wir genau vor 8 Tagen gemacht haben, über Raon l’Etappe [Raon-l’Étape] an den kommandierenden General vorbei. Es war sehr heiß. Vor Bertrichames [Bertrichamps] wieder Rast. Wasser geholt und dann Hause am Waldrand, wo der Hauptmann in der Küche war. Dann Mittagessen. Es gab blauen Heinrich, schmeckte aber sehr gut. Dann wurden auch noch Cigaretten verteilt, jeder bekam 2 Stück. Da war große Freude. Dann lagen wir noch einige Zeit. Gegen ½ 4 Uhr wieder nach Baccarat. Dort auch viel Militär einquartiert. Die Häuser noch ziemlich unversehrt. Schön gelegenes Garnisonsstädtchen. Aber getäuschte Hoffnung. Es ging nämlich weiter Berg auf. Sehr staubig. Wir waren fast alle schwarz. Endlich rast auf staubiegen Feld. Nochmals Cigaretten bekommen. Dann wieder bis nach Montigny, dort Biwack, war sehr kalt die Nacht. Morgens ganz durchgefroren und durchnäßt. Ich hatte mir zwar ein trockenes Hemd angezogen. Um ½ 6 Uhr weiter. Wohin?

Montag 7. September 1914

Durch Montigny bergauf und ab, es war sehr kühl. Durch ein Dorf[,] das vollständig niedergeschossen war. Von den etwa 100 Häusern habe ich nur 3-4 heil gesehen. Da wurde es heiß. Viele machten schlapp. Durch verschiedene Dörfer, immer weiter. Endlich auf dem Feld vor Aprikurt [Avricourt?]. Da leuchteten die Berge des Vaterlands und ein warmes Gefühl der Liebe wurde wach. In Aprikurt [Avricourt?] großer Wassermangel. Lagen in dem Hofe. Mein Hemd gewaschen. Stiefel nach 4-5 Tagen tragen das erste Mal ausgezogen. Einiges Obst gegessen. Nachmittags Gewähr reinigen. Dann Apell. Brief an Trude. Abends viel Arbeit mit empfangen der Sachen: Schokolade, Cigarren, Cigaretten, Strümpfe, Fußlappen. Warmes Abendessen bekamen wir noch; dann ging es zurück ins Zelt. Sehr gut geschlafen nach der Anstrengung. 6 Uhr aufstehen, etwas experimentieren auf dem Feld. Dann wieder Ruhe; in Stand setzten der Sachen. Mittags schmeckte mir sehr gut, Äpfel gebraten und Kaffee gekocht; nachher auch ein Stück Fleisch. Meine Pfeife bekam mir nicht gut. Um 5 Uhr Appell, das klappte nicht, darum unter Aufsicht reinigen. Heinrich Becker besuchte mich. Er war allein von seiner Gruppe zurückgeblieben. Dann wieder Appell. Etwas früh das Abendessen, dann etwas auf Stroh geschlafen, während die anderen am Wachfeuer begeistert sangen. Der Abendstern leuchtete wieder so herrlich. Es war gerade 9 Uhr. ½ 11 Uhr wurde ich aufgeweckt aus meinem schönen Traum, in dem ich bei meinem Lieb war. Dann Abmarsch zum Weinhof Aprikurt [Avricourt?]. Überführt dort gegen 1 Uhr. Auf der Bank geschlafen. Morgens um 6 Uhr war ich wieder wach.

Dienstag, 8. September 1914

Wir waren ganz in deutschem Lande. Ein wesentliches Gefühl der Ruhe. Überall wieder begeistert aufgenommen. Auf dem Bahnhof gut versorgt. Der ganze Eindruck geordneter. Das erste Mal ein Stück Wurst, in Saarbrücken wegen der guten Speise den Magen verdorben, daß ich den Sanitäter in Anspruch nahm.

Mittwoch, 9. September 1914

Auf der Bank schlecht geschlafen. 11 Uhr stiegen wir plötzlich aus in Tirlemont, 18 km von Löwen. Auf der Straße Obst gekauft. Dann Marsch. Plötzlich auf der Chaussee Schrapnellfeuer, nachdem vorher eine feindliche Bataillon gemeldet war. Unsere Kompagnie besetzte wieder den Wald vorn. Ich mit meiner Gruppe von linken Flügel. Da sollten wir vorgehen, aber heftiges Maschinengewehrfeuer hielt uns zurück. Völlige Deckung. Die Kugeln pfiffen nur so. Da kam ich von meiner Kompanie ab. Das Gefecht verzögerte sich bis zum Abend. Da sollten wir das Dorf Felsenberg besetzen, ganz langsam vorgerückt. Plötzlich mitten im Dorf Feuer. Alles war Blitzschnell nieder, keiner wollte mehr vor. Langsam weiter. Als wir die letzten Häuser erreicht hatten, ganz heftiges Feuer, wussten nicht woher. Dann ging’s sofort, den Waldrand, die Straße u.s.w. abwechselnd beschießen. Endlich gegen 2 Uhr zur Ruhe gekommen. Morgens früh wieder vor gegen den Feind. Ein Haus durchsucht, mit dem altem Vater der so viel Wein hatte. Nur Wasser, kein Kaffee mehr. Lagen dann vor ein Runkelfeld, als unsere Kavallerie zur Aufklärung herbeikam. Kühles Wasser und trübe.

Donnerstag, 10. September 1914

Ich hatte in einer alten Kalkgrube etwas geschlafen. Gegen 11 Uhr zogen wir uns zurück und sollten dann Quartier beziehen. Hatten uns auch ganz gemütlich eingerichtet in der Backstube und Schmiede, als plötzlich der Befehl zum Ausmarsch kam. In strömendem Regen. Wir sollten den Feind angreifen. Ich hatte einen Mantel eines belgischen Radfahrers mit, um mich gegen Regen zu schützen. Nach endlosem hin und her, da wir den Feind nicht finden konnten, kamen wir auf die Hauptstraße Löwen-Tirlemont, meinten, wir würden verladen, ging dann quer über die Bahn, endlich wieder zurück nach Löwen zu. War spät abends. Vor Löwen 1 Stunde etwa sollten wir wieder kehrt machen kehrt machen und lagen ganz durchnäßt in der kühlen Nacht auf der Straße und froren. Ich hatte mir ein Bund Stroh von dem Hause geholt. Dann ging es doch nah Löwen zu. Aber endlich bahnte sich der Weg. Der ganze Stadtteil war zerstört. Als wir schließlich in die finstere öde Stadt eingezogen, hofften wir, wir würden dann verladen, doch es kam anders. Wir mussten auf der Gartenstraße bleiben und schlafen. Gegen 1 Uhr lag ich unter meinen an die Mauer gestellten Ofenschirm.

Sonnabend, 12. September 1914

Um 4 Uhr geweckt mit dem Rufe: Brot empfangen! Dann schnell Kaffee holen und nun ging es durch Löwen weiter. Sehr ermüdet. In der Ferne donnerten schon die Kanonen. Langsam vor, über Gräben, die Eisenbahn, dann über einen Fluss und die Chaussee entlang, wo fast alle Häuser in Brand standen. Hier waren die Leute des Lehrbataillon vor uns. Diese hatten schweren Stand gehabt. Viele Verluste, aber sie hatten 2 Geschütze und 2 Maschinengewehre erbeutet und waren stolz darauf. Wir gingen jetzt vor, oft durch heftiges Gewehrfeuer in die Gräben geschreckt. Dann an der Bahnlinie entlang und eine andere Chaussee hinter dem Garten zurück. Auf einmal Granatfeuer. Verschiedene Schüsse ganz nahe, sogar an unserem Hause, so dass die Ziegel flogen. Das Nebenhaus brannte. Wir waren hungrig, blieben aber doch ruhig liegen, weil das stark ermüdet. Hier lagen wir etwas längere Zeit. Die Stimmung war nicht sehr vorzüglich. Auch sehr schmutzig. Gegen Abend quartierten wir ein in ein Schweinestall mit 4 Mann, aber ordentlich Stroh. Doch nicht lange werte die Freude, so mussten wir umquartieren in eine andere Scheune als Vorposten – Reserve. Da sehr gut geschlafen bis gegen 7 Uhr.

Sonntag, 13. September 1914

Es war Sonntag, doch man spürte nicht viel davon. Trotz des Regens ging es los. Endlich kamen wir vor ein Dorf aus dem der Feind gemeldet war. Wir blieben vor dem Dorf an der Seite der Chaussee in Deckung. Da bekommen ein Feuer[,] wie ich es noch nicht erlebt hatte. Die Splitter flogen nur so. Ein dicker Baum war vollständig zerschossen. Die Stellung war recht verraten worden. 3 bis 4 Stunden mussten wir in diesem Feuer liegen bleiben und duckten uns mit jedem Schuss ängstlich aneinander. Als das Feuer nachließ, machten wir es und bequemer. 2 Uhr rückten wir ins Dorf. Die Kirche zerschossen. Die schwarz – gelb – rote Fahne zerschossen.

Montag, 14. September 1914

Langsam vorgerückt, weil die Häuser durchsucht werden mussten. Wir kamen auf ein Feld hinter der Schule. Hier Schützengraben auswerfen. Beutel voll Zucker. Nachher schön geschlachtet und gebraten. Meine Leute und ich 2 Hühner und Bratkartoffeln, eine Flasche Bier, ein Becher mit Milch, außerdem sehr viel gellen. Ich ein Honigglas gefüllt. So vorzüglich gespeist, wie lange vorher nicht mehr. Abends 8 Uhr abrücken nach Löwen zurück, wo wir gegen 10 Uhr ankamen. Wieder auf dem Straßenpflaster um das Feuer herum. Da kam Wein und Zigaretten. Ich selbst mit in das herrschaftliche Haus, wo wir einige Flaschen Wein mitnahmen. Da bis zum Boden hinauf, oben nahm ich eine Unterhose mit. In der Nacht wenig geschlafen. Morgens 10 Uhr Abfahrt. Es ging sehr langsam vorwärts, immer lange Aufenthalt. Wir lebten vorzüglich, hatte mit 3 Unteroffizieren 5 Flaschen Wein, Glas mit Gellen, frische Konserven. Abends kamen wir in Brüssel an. Hier kauften wir Schokolade. Andere Bier usw. Dabei blieben wir die Nacht liegen, auf dem Bahnhof auf der Bank geschlafen. Morgens noch auf 3 Stationen von Brüssel halt gemacht. Eine Tasse Kaffee und Kuchen verteilt. Auch schöne Cigaretten und Karten, auch den Blaustift womit ich jetzt schreibe. Viele Karten geschrieben. Wir hatten im Wagen – Abteil Löhnung bekommen. Es war wieder besseres Wetter und gefiel uns ganz gut. Wir durchfuhren ein ganz ebenes Gelände mit reichen Pappelbeständen, viele Wiesen mit schönem Vieh. Die Ortschaften waren zum größten Teil noch recht lebhaft, nur das viele Männer herumlungerten. Ich kaufte mir auch ½ Pfund gute Butter, wir lebten ganz vorzüglich, auch an Bier und Zigaretten fehlte es nicht. Abends stand ich auf der Plattform und suchte unsere Sterne, konnte aber wegen des trüben Wetters keine entdecken. Wir sangen dann auch: „Sah ein Knab ein Rößlein stehn´“ In der Nacht lagen wir wieder stille. Ich träumte so schön und lag in den Armen meines Lieb. Doch das Erwachen…

Mittwoch, 16. September 1914

Gleich in dem Graben neben der Bahn gewaschen. Sehr erfrischend, dann gefrühstückt, Gellee genug, aber kein Kaffee. Erst gegen 9 Uhr fuhren wir weiter. Mittag in Mons und dort essen. Hier sah ich die Munition der 42 cm Kanone. 1,58 m lang und Gewicht von 16,86 kg. Auch viele erbeutet Geschütze standen hier. Längerer Aufenthalt bis zum Abend kamen wir an die französische [Wort fehlt, vermutlich: Grenze]. Am Abend ausgestiegen, in die Stadt gegangen, Zigaretten gekauft, meist freundliche Leute, wie überhaupt das ganze Wesen einen gemütlichen, freundlichen Eindruck machte.

Donnerstag, 17. September 1914

In der Nacht lagen wir in Valentin [Valenciennes?], ein Städtchen mit lauter kleinen, ärmlichen Häusern. Überhaupt ist der Unterschied zwischen den Ländern ziemlich groß. Belgien sauber, hier alles mehr verkommen, sonst aber große Kornfelder. War trübes, regnerisches Wetter. Wir freuten und sehr, dass wir beschützt waren und dachten mit Grauen an das Aussteigen. In St. Quentin etwas zu Mittag gegessen. Ich ein Stück Brot empfangen. Immer noch heftiger Regen. Auf der Weiterfahrt sahen wir dann eine am Tage vorher gesprengte Brücke[,] die aber bereits wieder fertig gestellt war. Es hieß, die Franzosen befänden sich in fluchtartigem Rückzuge. Falls sie diese Schlacht verlören, müssten sie Frieden schließen. England sei von Amerika angegriffen worden. Das gab uns wider frischen Mut. Doch immer scheuten wir noch in das Wetter hinaus zugehen und hofften noch eine Nacht in den Wagen zu bringen zu könne. Ob sich unsere Hoffnung erfüllt? Ha! Am Abend sprach ich mit dem Militärfahrer und einen Diakonus und wir blieben noch im Wagen. Morgens früh ½ 5 Uhr aussteigen. Auf dem Kasernenhof der Artillerie tranken wir erst Kaffee. Dann kamen wir nach La Fere [La Fère]. Von dort nach Laon waren 24 km, wo wir dann gegen 11 Uhr eintrafen, aber sehr ermüdet. Die Landschaft war anfangs ziemlich eben, wurde dann aber gebirgiger. Fruchtbar. Viel Getreide und Zuckerrüben. In der Ferne die Kirchen von Laon hoch auf dem Berge. Laon ein schönes Städtchen mit schönem Friedhof vor dem Berge. Oben eine mächtige Feuersäule, da gerade Pulver verbrannt wurde. 2 – stündige Rast dann weiter, nach 3 Stunden größerer Anstrengungen hinter dem Dorf wieder Rast. Sehr müde. Wund gescheuert. Viele schlapp. Ins Dorf zurück zum Biwaksplatz in der Allee unter hohen Bäumen. Um 7 Uhr schön ins Zelt gekrochen. 4 Mann unter einem. Aber sehr schön waren. Das Gefühl der Geborgenheit noch vergrößert, als es in der Nacht heftig regnete.

Sonnabend, 19. September 1914

Höchst unangenehm sind wir schon um halb vier geweckt worden. Strömender Regen. Da war man Krieg doppelt leid. Trotzdem ging es wieder los von Seriena [bisher nicht identifizierter Ort] nach St. Croix [Sainte-Croix] bis vor den Waldrand zur Artilleriedeckung. Nachher ließ der Regen nach. Aber höchst ungemütlich, da man tüchtig fror. Als Mittagessen gab es 4 oder 5x hintereinander Reis. Doch weil es etwas Warmes war, tat es schon gut. Vorn ein heftiges Artilleriefeuer. Die Franzosen sollten sich auf ihrem Exerzierplatz fest verschanzt haben. Am Nachmittag gingen wir vor in das nächste Dorf und von dort durch schlammige Wege, erreichten wir den Wald hinter dem Kloster, das eine große Mauer umgab. Kaum waren wir dahinter, so ging die Artillerie wieder los und befeuerte den Wald, wobei die anderen Compagnien mehrere Verwundete hatten. Hier auf unser Wachtlager. Keine Küche. Vor uns spielte die Schlacht von Craon [Craonne], wo bereits seit 5 Tagen gekämpft wurde.

Sonntag, der 20. September 1914

Sonntag! Zu der Zeit, der ich diese Zeilen schreibe, sitze ich am Mittag 2 Uhr auf meinem Tornister, meinem Mantel, der fast durchnäßt ist und mein Zelt um gehangen. Seit heute Morgen liegen wir hier im Walde und decken die Ufer für das heftige Granatfeuer, das den ganzen Wald absucht, o, wie war es früher daheim doch so schön, wie sehr schleicht sich da die Sehnsucht ins Herz, meine Lieben sitzen nun nach dem Mittagessen und unterhalten sich über das letzte Lebenszeichen ihrer Lieben oder sonst über den Krieg. Und meine Braut, was mag sie beginnen? Ach, armer Schatz! Wie gerne wäre ich bei dir! Bei diesem Wetter wird man den Krieg doppelt leid. Heute hat er unseren Feldwebel Sioland gefordert. Heute morgen 4 Uhr hinter der Schlossmauer hervorgekrochen. Dann durch sehr sumpfige Waldwege, wo man bis an den Knöchel in den Kot stand. 6 Uhr gedachte ich meiner Lieben. Gegen 7 Uhr waren wir an unserem Platz in der Kaserne, kein Essen mehr, kein Kaffee und sehr kalt. Um ½ 11 Uhr gedachte ich wieder meiner Lieben, die nun in der Kirche sitzen und für ihre Lieben beten. O, wäre ich doch erst mit dabei. Dann um 12 Uhr ein Stück sehr altes Brot aus dem Sack und ein Stückchen Speck gefuttert, schmeckte tadellos. Da kamen die Granaten und wir mussten die Stellung ändern. Doch auch hier ging es weite. Wie lange noch? Wie ängstlich duckt sich jeder, sobald man die Granaten heranpfeifen hört. Genau der Unterschied, ob sie nah ist oder weiter entfernt. An diesem Tage war ich sehr leid. Gegen Abend kam der Hauptmann zu uns und tröstete uns, daß es auf dem rechten Flügel von uns hier gut sehr gut stände. Aber wir hatten 4 Verwundete, die anderen Kompagnien unseres Batles. [Bataillons] sogar 4 und 8 Tote. Dann machten wir uns ein Nachtlager zurecht. Wie ganz anders könnte es sein, wenn man zuhause wäre. In der Nacht sehr schlecht geschlafen, es war zu kalt. Auch spürte ich in den Knien sehr heftige Schmerzen, wahrscheinlich Gicht. Früh in der Dunkelheit wieder heraus. Bis auf die Waldhöhe. Dort wieder lange Zeit gelegen. Es gab endlich ein halbes Brot, aber nichts warmes, kein Fleisch, es war erbärmlich.

Montag, den 21. Sept. 1914

Wieder wie den vorigen Tag sehr heftiges Granatfeuer. Die franz. Artl. [französische Artillerie] schießt gut. Zu Mittag ein Stücken Brot und etwas Zucker, O, wie kümmerlich, und doch hätte man gern noch mehr davon gegessen, wenn man genug hätte. Das Wetter hatte sich ziemlich gehalten und so trocknete auch mein Belgier etwas, dann eine kleine Verschanzung gebaut, und darin schlief ich ein wenig. In der Nacht waren Jäger und ein anders Regiment gekommen. Gleich Morgens ein Haufe[n] von 35 Mann Gefangener. Noch mittags setzte unsere Artillerie dabei auch scharf ein, schoß leider zu kurz, und so kamen viel unserer Truppen zurück, da sie sonst in eigenes Feuer geraten wären. Der ganze Berg dröhnte oft unter den Schüssen und Explosionen, aber man wir ruhig dabei. Man ist sehr gleichgültig. Nun bedrückte mich auch so sehr, daß ich nunmehr als 4 Wochen keine Nachricht mehr hatte von Trude und von zu Hause. Seit 4 Tagen nicht mehr gewaschen. Keine Wäsche auch seit 14 Tagen nicht mehr. Gestern gerade die Fußlappen gewechselt. Die 2 Karten an Trude und Zuhause vom Samstag konnte ich bisher noch nicht absenden, hoffentlich bald.

Dienstag, der 22. Sept. 1914

Stellung wie am Tage vorher. Vor uns die Schlacht bei Craon [Craonne]. Morgens früh als ich meine Wache zu Ende hatte, in der Dunkelheit antreten. Einen Zug nach vorn ausfüllen. Es waren 3 Schützenlinien. Ich ging mit 9 Mann hin. Um Essen zu bringen. Kam jedoch nur bis zum 2. Graben. Neben mir ein toter Franzose. Ich dennoch gefrühstückt. Wie gleichgültig man wird! Die Granaten pfiffen, daß mir alles gleichgültig wurde. Rechts, links, vorn, hinten. Dann aber wieder zurück mit den Fleischkonserven zum Walde. Dort gegraben. Tief hinein. Am Abend sollte Essen geholt werden, aber am folgenden Morgen war es kalt.

Mittwoch, der 23. September 1914

Da ich diese Zeilen schreibe sitze ich in meiner Indianerhöhle, während die Granaten sausen, daß einem bald Hören und Sehen vergeht. Diesen Morgen etwas länger geschlafen, unsere Artillerie feuert lebhaft, aber die französische antwortet. Es ist fast betrübend, man muß nervös werden. Ein Bote ging ins Dorf der nahm meine 2 Karten mit und sollte Post holen. Das am Abend geholte Essen war ganz kalt und säuerlich und ungenießbar. Vom vielen Graben und Hocken war ich sehr müde. Alle Glieder Schmerzen, dazu der leere Magen. Ach, wenn das (doch) alles meine Lieben wüssten; doch wie gut, daß man stark sein kann und alles für sich behalten. Hoffentlich dauert es aber nicht lange mehr, sonst muß man doch zugrunde gehen. Ich vertraue jedoch immer auf meinen Gott, den Vater im Himmel, er wird mich schützen. Dann wurde ein Bote, der Radfahrer abgeschickt, um an der Küche mal nach Postsachen zu fragen. Wie gespannt erwarte ich ihn! Werde ich endlich nach 31 Tagen mal wieder etwas von meinen Lieben hören? Er nahm auch meine Feldflasche mit. O, wie grausam ist doch der Durst. Wie gern würde man nun bei Wasser und Brot verbringen, hätte man ja nur davon. Gegen 10 Uhr morgens sausten einige Granaten dicht neben meiner Höhle vorbei. Eine 5 mtr. entfernt durchschlug einen 40 ctmer. dicken Baum und traf einen Mann, der auch in Deckung lag, daß er den halben Kopf verlor. Kurz dabei rief und schrie noch ein anderer, der auch verletzt war. Ja, wie hartherzig man wird. Und wie so willenlos, die Nerven sind zu abgespannt durch das schwere Feuer. Jeden Augenblick ein Schuß. Wird er treffen und wen? Wohin geht er? Es ist schon nach 1, nichts zu essen. Nur ein paar Zwiebäckchen. Ich muss Wasser holen. Hoffentlich kommt der Bote bald zurück und bringt mir alles, Wasser und gute Nachricht. Das erstere kam bald. Ha, wie labend der frische Trunk Wasser war. Unter den Postsachen befanden sich dann für mich wirklich 3 Paketchen; 2 mit Zigarren und eins mit Schokolade. Alles bis zum 7. September abgesandt. Nachmittags kam der Oberleutnant Ernst als Führer unserer Kompagnie. Wie köstlich schmeckte mir die Schokolade, wie wohl bekam mir die erste Zigarre. Leider kein Brief, keine Karte und doch schon die Aufschrift, schon Ihre Schrift, wie sehr beruhigte sie mich, war es doch ein Lebenszeichen von „Ihr“. Das Feuer blieb wieder den ganzen Tag über. Am Abend ging es dann hinunter zum Essen holen. Unsere Komp. und ein Teil der 12.ten marschierte mit dichter Fühlung hintereinander in Reihe durch den finsteren Wald, über Wiesen, Gräben, ein Haferfeld, am Kloster vorbei nach Bukneville [Bouconville-Vauclair?]. Da gab es dann nach 4 ½ Tagen das erste warme Essen. Auch Kaffee bekam ich und von dem Bäumen Äpfel. Dann empfingen wir auch noch Fleisch und Brot, und so waren wir wieder recht mit Mundvorrat versehen. Gegen 12 Uhr auf dem Heimweg. Dabei verloren wir den Anschluss an die 12., und so irrten wir wohl 2 Stunden lang umher und kamen schließlich gegen 3 Uhr wieder an, aber ich hatte mich einmal wieder recht satt getrunken und genug gegessen, Nachtruhe war natürlich kurz.

Donnerstag, der 24. Sept. 1914

Führung unserer Kompagnie übernahm Oberleutnant Ernst als 4. Führer. Auch der Oberst war gefallen. 6 Uhr früh aufstehen. Die Portionen wurden verteilt. Dann wieder etwas geschlafen. Von unserer Seite heftiges Artilleriefeuer, es hieß, die österreichischen Motorkanonen wären angekommen. Nachdem ich mir dann mit meinem Mann die Konserven über einer Kerze angewärmt hatte, frühstückte ich sehr gut. Dann hatte mein Kamerad noch schönes Essen vom Abend vorher von der Artillerie. Das angewärmte schmeckte ganz vorzüglich. Nachmittags wie gewöhnlich. Abends Essen holen. Tüchtig Fleisch. Auch etwas Wein. Sternklarer Himmel, besonders leuchtete „unsere“ Venus. Auf der rechten Seite von uns blitzten die Kanonen auf, auch das Dorf war bezogen. Einzelne verirrte Gewehrkugeln kamen 12 Uhr zur Ruhe.

Freitag, den 25. Sept. 1914

Morgens ziemlich ruhig. Ich baute ein Unterstand für Versprengte. Mittags Fleisch, tüchtig gegessen, Schokolade und eine Zigarre. Dann mal seit 8 Tagen das erste bisschen Wasser aus dem Kochgeschirr und etwas abgekühlt. Abends nicht zum Essen holen, sondern schön geträumt, ich war in der Heimat, wie so oft!

Samstag, der 26. Sept. 1914

Früh morgens alarmiert. Heftiger Kanonendonner weckte mich schon. Dann in den Graben an der Straße. Dort wieder eingeschanzt. Starkes Feuer. Ich habe mich zwischen 2 Gräben eingebuddelt. Kommis[s]brot und ein Stück Zucker gegessen. Es war ein schöner, klarere Tag, man sah in die wundervolle Landschaft vor uns. Oben im Walde schien ein Institut zu sein. Links, der Fesselballon zum Beobachten für die Artil.. Man sah so deutlich das Einschlagen der Geschosse. Am Abend dann zum Essenholen ins Dorf. Ich erbittete mir 2 Fleischbissen als Geschenk. Auch wieder tüchtig Äpfel. Bei Rückkehr heftiges Feuer.

Sonntag, d. 27. Sept. 1914

Wieder ein Sonntag. Früh 5 Uhr, wieder in Stellung am Wege. Dann wieder tiefer eingraben. Am Abend hatte ich die erste Post von Trude, den Brief vom 5. Karte von Schwiegermutter, Fritz Godman nun ein Päckchen Tabak von zu Hause erhalte. Ich freute mich sehr. Bis etwa gegen 10 Uhr arbeitete ich, holte Baumstämme u.s.w.. Meine Gedanken waren immer in der Heimat, wo ich vor 8 Wochen auf der Orgelbank saß und das niederländische Dankgebet spielte. Mittags schrieb ich ein Briefchen an Trude. Dann speiste ich Schweinefleisch uns der Büchse mit Kommis[s]brot, Schokolade und zwei Äpfeln. Heftiges euer. Dem Unteroffizier Arndt beide Beine abgeschossen und noch 2 andere verletzt. Hinter uns auf dem Felde in der Nähe der alten Mühle eine Scharfherde. Erinnerte mich immer an die Jungfrau Orleans. [Randbemerkung: Brief an Trude, Karte noch heute.]

Montag, der 28. Sept. 1914

Wie tags vorher an der Straße im Schützengraben. Sonst wie gewöhnlich Abends sollten wir in die vorderste Schützenlinie. Mit Baumstämmen und Schanzzeug reichlich versehen, zum Abrücken bereit, da ein heftiges Feuer, und wir gingen wieder in die Deckung zurück. Dann aber vor in 2 Zügen. Ich mit dem 1. Teil unter Führung des Oberleutnants Ernst. Der Mond war ziemlich verdunkelt und so kamen wir glücklich hinein. Breiter Graben, vor und hinter mit Leichen umgeben. Auch in dem Graben waren Leichen verscharrt. Am Kopf guckte am anderen Morgen hervor. Mit Erde zugedeckt. Da arbeiteten wir und machten eine Oberdeckung aus den Bäumen. Aber dann fiel die ganze Erde herunter und wir mußten von vorn anfangen. Gegen Morgen etwas geschlafen. In der Nacht heftiges Feuer. Doch etwas unangenehm.

[Randbemerkung: Geschrieben an Karl Stein, Alex und Fritz Sosmann.]

Dienstag, d. 29. Sept. 1914

Erwachte im Schützengraben 300 mtr. vor dem Feinde. Da haben wir köstlich gelebt. Fleischkonserven angewärmt nach dem Vorbild des Oberleutnants mit Rotwein, schmeckte vorzüglich. Auch warmen Cognac getrunken dann geschlafen. Nachmittags Kaffee heiß gemacht und gar Karten gespielt. Am Morgen hörte ich gar eine Lerche singen, trotz des Kanonendonners. Das klang mir so feierlich, so heimatlich doch so wenig passend zu den Zeiten. Gegen Abend wurde es dann recht kühl. Hoffentlich abgelöst, leider eine enttäuschte Hoffnung, dann die 9. Kompagnie kam nur zur Verstärkung, da die Franzosen einen Angriff oder Durchbruch versuchen wollten. So entstand auch die ganze Nacht hindurch ein sehr heftiges Infanterie- und zähes Artilleriefeuer. Von unserer Seite mit Leuchtkugeln abgesucht.

Mittwoch, d. 30. Sept. 1914

Noch im Schützengraben. Wenig zu trinken. Sehr kalt. Von unserem linken Flügel donnerten die schweren Geschütze herüber, selbst die Erde erdröhnte. Auch der Schützengraben wurde teilweise unter Feuer genommen. Die Franzosen verschwenden andauernd viel Munition, schießen fortgesetzt. Einer unserer Leute Schuß durch den Kopf. Am Morgen sang wieder die Lerche zwischen den Granaten. Der Feind soll sich teilweise zurückziehen. Am Abend dann abgelöst durch 11. Kompagnie. Auf dem Rückweg wollte keiner die Fleischbüchsen mitnehmen. Dafür sollten die von mir bestimmen 4 Mann 1 Stunde an den Baum gebunden werden, es ist ihnen aber erlassen.

Donnerstag, den 1. Oktober 1914

Die Nacht verbrachte ich in meiner Deckung an der Landstraße, die aber schon von 3 Leuten von der Kompagnie besetzt war. Ich lag sehr warm. Ein wunderschöner, heller warmer Tag. Wie wohl tat die Sonne, in der man sich so wollig ausstreckte. Leider bekam ich am Morgen garkeine Postsachen. Doch am Abend eine Karte von Klara vom 20./9.. Unsere schwere Artillerie, die dicht vor uns am Waldrande stand[,] feuerte heftig, während der Feind fast ganz schwieg. Am Abend sollten wir auf 2 Tage abgelöst werden. So geschah es dann auch. Wir rücken durch den Wald nach Buecksoville [Bouconville-Vauclair?]. Dort zu Abend gegessen. Es schmeckte köstlich, war es doch nach 4 Tagen das erste warme Essen. Dann bezogen wir ein Lager in dem Bauernhof am Ausgang des Dorfes. Unser Zug in einen Stall. Aber es war schön warm und man schlief, trotzdem man dicht gedrängt lag.

Freitag, den 2. Oktober, 1914

Am Morgen erst nach 8 Uhr aufgewacht. Kaffee holen. Gewehrreinigen und Appell. Da endlich mal nach 15 Tagen das erste Mal richtig gewaschen, ein neues Hemd angezogen, o, wie wohl tat einem das! Auch das Taschentuch gewaschen und die Halsbinde. Es war aber trübes Wetter und trocknete schlecht. Nachmittags fing es gar an zu regnen. Mittags 2 Deckel voll gegessen. Es waren Maggie-Erbsen. Auch einen Becher Wein bekamen wir nachher. An Klara eine Karte geschrieben, um eine Halsbinde [Wort fehlt, vermutlich: gebeten]. Dann wurden Kartoffeln gebraten von Hinischen. Am Abend das 2.x warmes Essen, Erbsensuppe, hochfein. Um ½ 8 Uhr schlafen gelegt. In der Nacht schön geträumt, meiner Braut einen unendlichen Kuss beim Wiedersehen. Dann saß ich auf der Orgelbank u.s.w. O, dann wieder das nüchterne Erwachen.

Samstag, den 3. Okt. 1914

Morgens trübes Wetter. Löhnungsappell, 26.60 M. 20 Mark nach Hause geschickt. Wieder nichts bei der Post. Mittagessen schmeckte wieder fein. Am Nachmittag kam die Bagage. Wurde richtig überfallen. Fuhr dann auf unseren Hof, wo ich für die Korporalschaft 16 Mann, für 23M. Tabak kaufte. Morgens 11 Uhr Gottesdienst in der kapellischen [sic!] Kirche, die vollständig zerstört war. Vorher hatte der General des Korps eine kurze Ansprache gehalten, worin er die Verdienste des Regiments rühmlich anerkannte. Ein Band gewaschen in warmen Wässern aus der Küche des Hofes. Am Abend rückten wir in die neue Stellung ein. Gegen ½ 11 Uhr führte uns ein Feldwebel-Leutnant. Es ging dann weiter nach dem rechten Flügel zu. In einer Schlucht lag die Artillerie in Deckung an einem steilen Berg. Ebenso oben auch die Infanterie. Wir mußten mit 2 Zügen gleich in den Schützengraben zwischen den Kanonen, die nur einige Meter vom Walde entfernt waren. Der Graben mit weißgelbem Sand nicht sehr tief, schlechte Deckung, Gegen 1 Uhr dann heftiges Feuer.

Sonntag, den 4. Oktober

Dann wieder ruhig, am Morgen abgelöst in den Wald zurück. Dort bessere Deutung. Das Ganze glich einem Indianerlager. Wir hatten 7 Bretter verzimmert und viel Zweige. Der ganze Waldhang war kahl und mit Sandhaufen angefüllt. War uns eine wunderschöne Landschaft im Sonntagsschmuck. Viel[e] kleine Städte. Aber wechselnde Bevölkerung. Während der Kirchzeit wanderten die Gedanken wieder in die heimatliche Kirche, wo ich vor 9 Wochen auf der Orgelbank saß. Schon 9 Wochen und noch kein Ende abzusehen. Die Franzosen schießen zeitweise arg, aber unsere können es auch ganz gut. Gutes Mittagsschläfchen. Dann eine Fleischbüchse gegessen. Daran mehrere Butterbrote gestrichen. Am Abend wieder in die Stellung. Warme Bohnensuppe und Kaffee, gut geschlafen.

Montag, den 5. Oktober 1914.

Morgens 7 Uhr abgelöst. Wieder in den Wald zurück. Bei dem Granatfeuer wurde ein Mann (Simon) durch Granate in 5 Teile zerrissen. Einer schwer verwundet vorn am Denkmal. Am Tage vorher hatte er noch geäußert, es sei ihm gleich, ob er getroffen würde. Er war 3 Wochen verheiratet. Das lenkt die Gedanken doch auf ernste Dinge. Ach, mein schönes, reines Glück darf doch nicht zerrissen werden.- Dann gab es wieder Kaffee und ein Stück Speck. Gegen 11 Uhr schwere Geschosse schlugen in unsere Stellung. Viele Splitter kamen nach vielen Sekunden erst wieder. Liebesgaben wurden geteilt, Zigarren 30 Stück und Zigaretten. Während des Feuers sang wieder die Lerche, aber es schien, als habe sie ihren alten Klang doch verloren, so einförmig klagend tönte ihr Lied. Am Tag meist in der Deckung verblieben. Am Abend in der Deckung beim Oberleutnant, ein Glas Wein, Stellung des Feldwebels dazu. Gegen 10 Uhr abgelöst von 105. Marsch nach dem Schloß. Geschwitzt, dann war es kühl. Man fror. Warmes Essen. Weiter nach Quraney [bisher nicht identifizierter Ort] dort Quartier.

Dienstag, d. 6. Oktober 1914.

In einer offenen Scheune, aber gut geschlafen. 2 Packetchen von Frau Lappe und Rübke. Gleich dafür gedankt, man bekam hier mal wieder Karten. Ein sehr armes, ausgeraubtes Dorf. Hatte fast nichts mehr zu essen. Kein Obst. Aber die Vögel sangen hier noch schön. Man freute sich, daß man den Donner der Granaten nur aus der Ferne dröhnen hörte. Ein paar Wurzeln genommen, Kartoffeln mit Salz gekocht. Im Schulgarten, auf der Höhe, eine Aster gebrochen. Keine Nachrichten von der Heimat. An Hause auch ein Kärtchen geschrieben. Das Läuten der Abendglocken, das Brüllen der Kühe weckten wieder Heimatsgefühle. Früh zur Ruhe gelegt. Doch ich fror etwas.

Mittwoch, den 7. Oktober, 1914.

Ruhetag, schönes warmes Wetter. Klarer Sonnenschein. Wie einem das wohl tat. Der Kamerad ließ meine Unterhose waschen. Am Nachmittag schrieb ich ein Brief an Trude. Morgens Kärtchen an Hause, Rübke und Frau Lappe. 3 Flieger gegen Abend. Der Fesselballon ganz nahe auf der Höhe. Am Abend umquartiert in eine andere Falle. Doch wärmer. Beim Biwackfeuer Brief abgeben an Trude an den Briefträger. Gleich hinterher hieß es die Korporalschaftsführer Postsachen empfangen. Im Keller bekam ich ein Briefchen von Trude. Sehr erfreut. Gleich gelesen vom 14./9. Und einen Brief für den Kameraden in unserem letzten Loch. Dabei folgende Verslein gewechselt: „Ihr Sachsen, willkommen in unserem Bau, 99 hat ihn verlassen; gebt den Franzosen mächtige Haue, doch nicht den Kaffee kalt werden lassen!“ Darauf erwiderte ich: „Euch grüßend, eingezogen in den Bau, die Franzosen werden bald hinken, wir werden sie schlagen grün und blau, wie westfälische Schinken!“

Donnerstag, den 8. Okt. 1914.

Gut geschlafen bis um 8 Uhr. Kaffee gekocht, dann Bratkartoffeln gemacht mit etwas Fleisch aus der eisernen Portion. Hochfein. Karte an Trude und Schwiegermutter. In der Nacht war heftiger Kanonendonner gewesen. Gestern Abend hieß es auch, Antwerpen sei gefallen. Am Abend in der Schule residiert und Schreibpapier besorgt. O, wie wüst sah es doch in der Schule aus! Keine Spur mehr von der heiligen Ordnung. Warme Decken wurden verteilt für jede Korporalschaft 4 Stück. Ich hatte in der Nacht eine und schlief so ausgezeichnet. Nur 3x in der Nacht aufstehen und mein Bedürfnis machen, ebenso wie die Anderen. Sehr heftiges Feuer in der Nacht.

Freitag, den 9. Oktober 1914

Noch einen 4. Ruhetag. Wie fühlt man sich so wohl, so sicher dabei. Herzliche Bratkartoffeln gemacht, gekocht aus Pellkartoffeln und etwas Fett. Ein sonniger Herbsttag. Jetzt in der l. Heimat sein, die Fluren durchstreifen oder mit der Liebsten eine Ferien-Tour machen können. Ach, wie müßte das schön sein. Doch hier Not und Elend unter den Bewohnern. Kein Essen, kein Streichholz, nichts, nur Frauen, Kinder, Greise und Krüppel sieht man auf der Straße, bald wird es wohl wieder in den Kampf gehen. Am Abend wurde sehr häufig das Lied gesungen „Sah ein Knab ein Röslein stehen.“ Sehr schön mehrstimmig.

Sonnabend, den 10. Oktober 1914.

Zum Frühstück Bratkartoffeln. Mittag aus der Küche. Nachmittags hieß es ging am Abend fort. Da hatten wir uns mit 2 Mann ein Hühnchen gekocht. Für M.: 1,90. Vorzügliches Süppchen. Nachmittags Bratkartoffeln aus dem Fett vom Mittag. Und es ging doch nicht los. Große Freude, daß wir einmal einen Sonntag haben sollten. An diesem Tag bekam ich Post von Hause, Trude, Schulte-Elsey, und Alex. Geschrieben an Trude und Hause. Ich hatte mich einmal so voll gegessen, daß ich den Knopf vorn nicht zumachen konnte. Wieder gut geschlafen.

Sonntag, den 11. Oktober 1914.

Ein Sonntag herrlich und schön. Gleich geht es zum Gottesdienst. Ich freue mich darauf. Fand statt dicht vor dem Schosse im Park. Nachher Bataillon und die Artillerie durch Feldprediger unter Begleitung unserer Militärkapelle. Die Predigt sehr erholend und feierlich. Wir sollen der gefallenen Brüder gedenken auf ewig, und sie sollen uns zurufen, es ihnen gleich zu machen, wenigstens aufzuhalten für unser geliebtes Vaterland. Zum Schluß ging es dann mit heiterer Musik wieder heim. Mittagessen schön, das 4. oder 5.x Reis mit Rindfleisch. Nachmittag bereithalten zum Abmarsch. Nochmals Bratkartoffeln, aus der Küche wieder Reis. Um 6 Uhr antreten. Wie mich der Blaue (Feldwebel) anschnauzte wegen meines schwarzen Mantels. Dann am Schloß vorbei und die Straße hin auf! Jetzt hört man die Schüsse schon wieder deutlicher. Wie schwer drückte der Tornister, hatte man ihn doch schon seit 6 Tagen nicht mehr aufgehabt. Schon während wir noch auf der Straße standen, kamen die Granaten. Die Gruppenführer noch vorn in die Stellung. Auch mit meiner Gruppe etwas 100 mtr. weiter nach links von der alten Stellung. Jeder ein Loch. Lange Laufgräben. Die Nacht war kühl. Franzosen versuchten rechts von uns zu stürmen, hatten aber kein Glück, sondern viel viel Tote und 120 gefangene Turkos. Sehr kalt.

Montag, den 12. Oktober 1914.

4.15 ein Mann zum Kaffee holen. Wegen heftigen Feuers, wobei Einer verwundet war, kam er gegen 8 ½ Uhr mit ganz kaltem Kaffee wieder an. Ich hatte meine Deckung mit Stroh und Mantel etwas in Ordnung gebracht. Schlafen konnte ich nicht. Es wurde mir so sehr einsam, und die Gendanken nahmen eine Richtung, die wenig freundlich war. Mittags gegen 2 Uhr dann doch warmes Essen, aber Reis. Auch schien die Sonne schon. Das Feuer, daß den ganzen Morgen über angehalten, ließ nach. Keine Post dabei. Am Abend kam die Nachricht, daß in der vergangener Nacht die Franzosen auf dem rechten Flügel einen Sturm versucht hatten, der bei 120 Tote und ebensoviele Gefangenen. Für den folgenden Morgen wurde wieder ein Sturm erwartet. Starke Wachen aufgestellt. Schon gegen ½ 9 Uhr, ich hatte mich gerade hingelegt, nachdem ich bis 8 Uhr gewacht und „unsere“ Venus betrachtet hatte, begann das Infanteriefeuer. Leuchtkugeln. Die Franzosen schrien. „Hurra“, mußten aber doch zurück. Wieder ruhig. Verstärkung ka[m] an. Gegen 3 Uhr morgens ein erneuter Angriff, wieder abgeschlagen.

Dienstag, den 13. Oktober 1914.

Von 5 Uhr morgens ab war war alles bereit, aber wer nicht kam, waren die Franzosen. Fast garkein Feuer, auch die Artillerie schwieg, nur unsere arbeiteten weiter. Am Abend kam dann auch wieder eiserne Portion, natürlich der schweren Granaten, rrrunubum, immer etwas höher pfeifend.

Mittwoch, den 14. Oktober 1914.

Tags über ziemlich ruhig. Man lebt von Reis und Brot. Ich schreibe meinen Bericht an Trude über „Ein Tag in Stellung vor den Feind!“ Besuch von Unteroffizier Hartmann. In der Nacht regnete es.

Donnerstag, den 15. Oktober 1914.

Die Nacht gut geschlafen, nur einmal Posten revidiert. Am Morgen Post bekommen. Brief von meiner Schwiegermutter vom 1. Oktober und Karte von Rübke vom 6. Alle haben sie lange nichts von mir gehört, obwohl ich ständig geschrieben habe. Sofort an Briefchen an Trude und nach Hause. Bei der Feldküche abgeben lassen. Sonst viel an den Bericht für Trude geschrieben. Wieder neue Siegesnachrichten waren angekommen. 11000 Russen gefangen, 28000 Belgier entwaffnet in Holland, darunter 2000 Engländer Auf unseren rechten Flügel sind sie soweit, daß sie drücken. Aus geheimer Quelle erfuhr ich, daß unsere Pioniere einen unterirdischen Gang bis nach Kraon [Craonne] gruben und so unterminierten[,] um dieses dann nachher in die Luft zu sprängen. In der Nacht soll umgeschnallt geschlafen werden. Also ganz bereit sein. Auch an diesem Morgen fing recht dunkel wieder an.

Freitag, den 16. Oktober 1914

Die Nacht ruhig, gut geschlafen. Am Morgen mußten meine Leute an den Unterstand für Vorposten arbeiten. Der Oberleutnant selbst dabei. Wie er sich mühte mit Hacke und Schaufel, ein sonderbares Bild. Ich legte noch ein Bündel Fußschlingen. Mittagessen, dann Suppe, wenig Fleisch. Das trockene Kommis[s]brot ekelt mich fast an. Abends gegen 8 Uhr versuchter Angriff. Gegen 12 Uhr nochmals.

Sonnabend, den 17. Oktober 1914

Trübes Wetter, wenig gegessen, weil das Brot nicht mehr schmeckte. Der Kollege Döpper von der 9. Kompanie besuchte mich, ebenso Brinkmann aus Halden. Sehr enttäuscht und mißgestimmt, weil garkeine Post. Dazu die Nachricht, daß Emil Brenne aus Ergste gefallen sei.

Sonntag, den 18. Oktober 1914 Ein Sonntag trübe und kühl. Keine Post. Ziemlich bedrückte Stimmung. Am Nachmittag besuchten mich 2 – sonst recht traurig, weil garkeine Post.

Montag, den 19. Oktober 1914.

Wir sollten am Abend abgelößt werden, Brief an Peters und an Trude ein Kärtchen geschrieben. Die Ablösung kam am Abend nicht. Das bange Gefühl der Ungewissheit, wohin wird es nun gehen?

Dienstag, den 20. Oktober 1914.

Bis nach 8 Uhr geschlafen. Ablösung noch nicht da. Dann traf ich 99.er Nach 3 Nächten wieder mal geschlafen. 1.11.14. Aller-Heiligen, ein Sonntag. Am Morgen wurde das Regiment rangiert. Vom Bataillon 2 Kompagnien. Der Oberleutnant verwundet, Bataillons-Adjutant, der Kommandör, Regiments-Kommandör und General verwundet. Erst hinter einem kleinen Waldstücken auf der Wiese gelegen, kein Brot, nur etwas gesundes. Aber Fleisch und Tabak. Dann wieder langsam vor. Wir waren erst zur Reserve. Über die Gräben, dann durch den Wald bis an den Ausgang. Dort gelegen bis 4 Uhr. Meine Gedanken während der Kirchzeit. Erst am Abend Essen und dann die Post. Viel Briefe und 4 Packetchen, 3 von der Liebsten. 1 von Frühauf. In der Nacht 3 Uhr mußte ich alle Leute wecken.

2.11.14 Brief an Trude und Karte nach Hause. Heftiges Feuer. Wahrscheinlich werden wir wieder angegriffen.

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Kriegstagebuch von Gottfried Leidich aus Grüningen (August 1914 bis Oktober 1915)

Gottfried Leidich wurde am 18. Januar 1884 in Grüningen geboren. Seine Eltern waren der Schmied Karl Leidich (verstorben am 5. August 1936 im Alter von 79 Jahren) und Katharina Leidich, geb. Marsteller.

Am 13. Oktober 1904 trat Gottfried Leidich als zweijähriger Freiwilliger in den Militärdienst ein. Im Jahr 1911 erbaute er ein Haus in Grüningen und betrieb Landwirtschaft. Am 6. April 1913 heiratete der Frieda Eleonora Ernstine Joheim, Tochter des Landwirts Christian August Joheim und seiner Ehefrau Maria Elisabeth, geb. Engel aus Grüningen.

Am 2. August 1914 wurde die gemeinsame Tochter Frieda geboren. Gottfrieds Ehefrau Frieda verstarb allerdings einen Monat später, am 2. September 1914, am Kindsfieber. Dies erfuhr Leidich erst am 16. September 1914 durch einen Brief seines Paten.

Am 9. Juli 1921 heiratete Leidich seine zweite Frau Luise Euler, mit der er dann noch vier gemeinsame Kinder hatte.

Gottfried Leidich verstarb im Alter von 90 Jahren am 17. November 1974 in Grüningen.

Während des 1. Weltkrieges war Gottfried Leidich von Kriegsbeginn an bis November 1916 bei der 5. Artillerie-Munitions-Kolonne im XVIII. Armee-Korps eingesetzt. Von Deember 1916 bis Dezember 1918 war er beim Staffelstab 86 im XVIII. Armeekorps.

Das vorliegende Kriegstagebuch begann Leidich am 8. August 1914 und endet am 9.Oktober 1915. Während er bis Anfang 1915 noch relativ detailliert schrieb, sind die Eintragen von Ende Januar bis Oktober 1915 nur noch sporadisch erfolgt. Die weiteren Seiten des Kriegstagebuches sind, bis auf die Rede Kaisers Wilhelms II. vom 6. August an das deutsche Militär und ein kurzes Zitat von Bismarck am Ende des Kriegstagebuches, unbeschrieben.

Neben dem eigentlichen Kriegstagebuch liegen dem Konvolut noch zwei Fotos bei, bei denen allerdings nicht klar ist, ob Gottfried Leidich darauf zu sehen ist. Außerdem gehört Leidichs Militärpass mit zum Konvolut, ebenso wie die Sterbeurkunde seines Vaters Karl Leidich.

Für einige Informationen danke ich Reinhold Hahn vom Heimatverein Grüningen!

Dem Kriegstagebuch beiliegendes Foto. Ob Gottfried Leidich darauf zu sehen ist, ist unklar.
Ein weiteres Foto, das dem Kriegstagebuch beiliegt. Möglicherweise zeigt es Gottfried Leidich.
Postkarte einer Artillerie-Munitions-Kolonne im Biwak. So oder so ähnlich können wir uns auch das Leben von Gottfried Leidich im Biwak vorstellen.
Der Beginn des Kriegstagebuches von Gottfried Leidich. In der ersten Zeile links oben ist zu erkennen, dass er seine Aufzeichnungen am 8. August 1914 begonnen hat.

Kriegstagebuch von Gottfried Leidich aus Grüningen (1. August 1914 bis 9. Oktober 1915)

Darmstadt am 8. August

Am 1. August 1914 machte unser oberster Kriegsherr S. M. Kaiser Wilhelm II. die gesammten deutschen Streitkräfte mobil. Erster Mobilmachungstag 2. August. Ich stellte mich am 5. Tage den 6. August Bezirkskommando Gießen. Wir fuhren per Bahn nach Darmstadt an allen Stationen wurden wir bewirtet von Frauen und Jungfrauen besonders in Bonames [Stadtteil von Frankfurt]. Ich mußte fort von meiner lieben Frau und einem kleinen Kind, welches erst 3 Tage alt war. In Darmstadt angekommen bezogen wir Bürgerquartier in Bessungen bei einem Oberhessen Pfarrer Münch in P. Am 7. August wurden wir eingekleidet und eingeteilt[,] ich wurde zur 5. Art. M. Kolonne eingeteilt und wurde Pferdebursche bei Herrn Rittmeister d. L. Selzam. 8. August Arbeitsdienst Sachen ve[r]paßt für die Pferde.

Sonntag den 9. August wurden wir geimpft[,] nachmittags 4 Uhr war Ausrücken der Kolonne und Besichtigung derselben. 11. August wurden wir eingeladen[,] 1.15 ging es mit der Bahn von hier weg. Die Fahrt ging über Mainz Kreuznach durch die Pfalz[,] überall wurden wir beschenkt mit Essen und trinken[,] um 4 ½ Uhr morgens 12. August wurden wir in Saarburg Rheinprovinz ausgeladen. Dann hatten wir einige Stunden Rast. Dann ging die Fahrt der Saar entlang durch schöne Weinberge und wurden in Tawern Rheinprovinz an der Grenze von Luxemburg einquartiert. Donnerstag den 13. lagen wir in Tawern in Bereitschaft[,] wurden aber nicht allarmiert. Freitag den 14. hatten wir Übungsmarsch Samstag den 15. Arbeitsdienst. Sonntag den 16. Ruhetag.

Montag den 17. August Ausrücken. Dienstag den 18. 7 Uhr abrücken von Tawern letzte deutsche Stadt Wingringen [Wincheringen] [,] von da über die Moselbrücke nach Luxemburg Biwak bezogen in Lindgen [Lintgen]. Am 19. Abmarsch nach Mersch ein schönes Städtchen mit Villas. Am 21. Durch 10 Ortschaften nach Nachem [Nocher?] Ankunft 7 Uhr nachmittags Biwak bezogen, nachts feucht und kalt Pferde leiden sehr an Mangel. Gestern sind unterwegs 4 und heute 2 Pferde zusammen gebrochen. Am 22. Die Grenze zwischen Luxemburg und Belgien überschritten bei der letzten Stadt in Luxemburg ein großes Schieferbergwerk Wilhelmschacht 15 km über der Grenzen Biwak bezogen, nachts 1 Uhr alarmiert. Sonntag 23. Sofort nach Alarm abgerückt, wir kamen durch viele Ortschaften die zusammengeschossen und abgebrannt waren, die Leute hatten auf durchmarschierende Truppen geschossen und wurden deshalb auf diese Weise bestraft wir kamen durch ein Dorf das vollständig niedergebrannt war. Wir fahren in raschem Zug weiter bei Bertrix fand seit Freitag Abend die erste Schlacht statt, unsere hessische Division hatte hier schwer zu leiden[,] als wir gegen 12 Uhr in Libramont (Biwak) ankamen, sahen wir die ersten Gefangenen Franzosen[,] dann kamen die Verwundeten[,] die Leichtverwundeten zu Fuß[,] die schwerverwundeten zu wagen darunter Wilh. [Wilhelm] Marsteller.

Hier bekamen wir den ersten Wein[,] welchen wir bei einem Pfarrer holten[,] welcher ungefähr 2000 Flaschen im Keller hatte. Nachts wurde auf unser Biwak geschossen[,] sofort treffen unsere Kanoniere in die Gewehre[,] ein heftiges Gewehrfeuer entstand und ein 2 Schuss krachte über unser Zelt[,] drin gab es Rufe. Die Franzosen hatten sich die Nacht in die Ardennen zurück gezogen[,] werden schon heute den ganzen Tag mit schweren Geschützen beschossen. Am 24. sind wir weiter vorgerückt haben das ganze Schlachtfeld durchquert. Alle Gräben[,] Hecken und Felder sind gesät mit Toten[,] im Tannendickicht liegen 28 französische Geschütze mit Mannschaften und Pferden. Mit Ross und Mann hat sich der Herr geschlagen. Wir fuhren weiter und kamen durch einen Ort Herbmont [Herbeumont?]. Dort bot sich ein Bild[,] das nicht beschrieben werden kann, fast alle Häuser stehen in hellen Flammen. Das Vieh lief schreiend auf der Straße umher[,] die Häuser[,] welche noch nicht brannten[,] wurden auf Befehl der Gen. Kom. angesteckt. Hier wurde bei einem Pfarrer wieder der Wein geholt[,] unzählige Flaschen[,] nach 9 Uhr bekamen wir Befehl 15km weiter vorzurücken[,] um 12 Uhr nachts kamen wir an einen Ort Cecile[,] an legten uns zur kurzen Ruhe nieder ohne Zelt. Am 25. Nachts 2 Uhr mussten einige Wagen mit Mun. [Munition] in die Feuerstellung[,] wo gerade die Schlacht um Sedan tobte[,] die Wagen kamen gegen Morgen wieder zurück[,] Herr Rittmeister macht die letzten siegreichen Schlachten bekannt und liest den Dank des Kaisers für die tapferen Kriegervor lauter Hurraschall aus allen Kehlen[,] es kommt wieder Befehl zum Vormarsch heftige Kanonendonner macht den Weg nach Sedan frei. Chaisepiere [Chassepierre] bezogen wir wieder Biwak[,] von hier sehen wir unsere Artillerie im Feuer von Sedan[,] am Abend rötete sich der Himmel man sah ein brennendes Dorf. Am 26 morgens bis spät abends donnerte der Artilleriekampf bis endlich die Franzosen aus der festen Stellung bis über die Maas geschlagen den ersten Regen im Feldzug Biwack. Am 27 morgens entdeckten wir in Chasiepiere [Chassepierre] ein Waffenlager u. Mun. welches vernichtet wurde[,] nachmittags 4 Uhr erhielten wir Befehl zum Weitermarsch[,] nach kurzem Marsch kamen wir auf französischen Boden[,] bezogen Biwak bei Pouru aux Bois Am 28. August mittags Abzug in manchem Tage durch viele brennende Dörfer über die neue deutsche Maasbrücke[,] hier sahen wir zum ersten Mal den Großherzog[,] die unseren hatten schwere Verluste[,] wir mussten 5 Wagen mit Manschaften u. Pferd abgeben. Biwack bei Autre curet [vermutlich Autrecourt-et-Pourron]. Am 29 bleiben wir liegen die Kirche war zum Lazarett/ viele Verwundete … und gefangene Franzosen an uns vorüber. Am 30 Sonntagnachmittag kamen wir nach Remilly [Remilly-Aillicourt] [,] bezogen Biwak vor dem Dorf[,] durchsuchten das Dorf und fanden guten Wein auch sahen wir hier eine Bäuerin etwas seltenes in Frankreich.

Am Sonntag[,] den 30 August[,] wurde Herr Rittmeister Führer der Gefechtsstaffel[,] nachmittags 6 Uhr rückten wir von Remilly ab und kamen gegen 10 Uhr abends nach Audrekur [vermutlich Autrecourt-et-Pourron] [,] wo wir nachts auf der Straße schliefen auf einer Treppe vor einem Hause. Am 31 August morgens gegen 5 Uhr brachen wir auf und kamen gegen Mittags nach Stromes [Stonne?] [,] wo unsere Truppen in Feuer standen[,] gegen die Franzosen leisteten heftigen Widerstand[,] flohen jedoch gegen nachmittag[,] wir bezogen Biwak und zählten zur 4 Infanterie Mu. Kolonne [Infanterie Munitionskolonne] waren wir die erste Halbkollonne[,] war Führer Offiziers-Stellvertreter Schutt vom Hofgut Stetheim Oberhessen. Am 1. September gegen Mittag brachen wir im Biwak auf und kamen über die Schlachtfelder[,] abends bezogen wir Biwak. Am 2. September wurde Herr Rittmeister wieder als Staffelführer abgelöst und wir gingen mit dem Stab der II. Abteilung weiter[,] bis wir unsere Kolonne wiedertrafen. Am 8. September bei Villes Deseh [nicht identifizierbarer Ort] Wir lagen hier schon seit Sonntagabend[,] hier hatte seit Sonntagmorgen ein heißer Kampf getobt[,] die fliehenden Franzosen hatten sich in Challon [Châlons-en-Champagne] u. am Marne Kanal fest gesetzt[,] der Kampf dauerte die Nacht durch[,] uns. [unser] Großherzog hatte hier Quartier bezogen. Am 7 morgens früh hörten wir heftiges Gewehrfeuer[,] später setzte der Kanonendonner wieder ein[,] gegen nachmittag verhielten unsere Kolonnen bis auf 100m Schrapnellfeuer[,] sogar unser Herr Rittmeister beobachtete ein Schrapnell auf 10 m. Wir zogen 200m zurück und bezogen Biwak ohne Zelte mit beschirrten Pferden[,] am morgen 8 [September] trafen wir wieder unsere Kolonne[,] welche in der Nacht mit Munition angekommen war[,] als die Munition an die leichte Kollone abgeliefert war [,]gingen wir zurück[,] um neue Sendung zu sehen[,] jetzt mussten Autos die Munition an das Schlachtfeld heranbringen, weil es mit den Fahrwerken zu lang dauerte[,] da wegen der furchtbaren Schlacht die Munition fast aufgebraucht war. Wir kamen nach Herapont [Herpont?] [,] um Munition zu empfangen[,] dieselbe war aber all weg und wir bezogen dort Biwak da Pferde u. Mannschaft sehr erschöpft. Ein französischer Flieger warf hier eine Pompe[,] traf jedoch niemand. Am 9. Morgens warteten wir auf Munition[,] war aber noch keine da und es konnten wir uns wieder erholen[,] wir blieben noch über Nacht da. Am 10. morgens um 4 Uhr brachen wir auf, luden Munition[,] dann ging es weiter nach dem Schlachtfeld zu[,] um 3 Uhr nachmittags trafen wir in Heiltzlemaurupt [Heiltz-le-Maurupt] ein[,] wo wir abkochten und die Pferde fütterten[,] des morgen[,] als wir aufbrachen[,] hatten wir einen starken Gewitterregen[,] als wir hier ankamen hörten wir heftigen Kanonendonner[,] Verwundete kamen in Massen an, sie erzählten[,] dass sie in der Nacht einen Sturmangriff gemacht hatten auf die feindliche [Wort fehlt. Vermutlich: Linie][,] sie hatten Befehl alles mit dem Bajonett niederzustechen[,] sie erbeuten mehrere englische Geschütze und Munitionswagen[,] die Angreifer waren unsere Hessen. Das 18 Armeekorps wurde hier so stark mitgenommen[,] dass es durch das 8 abgelöst werden musste. Wir bekamen den Befehl zum Rückmarsch und wurden nachts um 3 Uhr im Biwak allarmiert. Am 11. September gingen wir wieder ungefähr 50 km bis Herpont zurück. Unterwegs fuhren wir 2 Mal auf zum Biwak[,] mussten aber nach kurzem Aufenthalt immer wieder zurück und kamen nach Herpont[,] bezogen wir dort Biwak[,] das Wetter wurde schlechter[,] heftiger Regen setzte ein, wir flüchteten in eine Scheune. Am 12 morgens 7 Uhr kam wieder Befehl zum weiteren Rückmarsch[,] Wind und Regen setzte heftig ein[,] in Challerange in den Ardennen kamen wir abends 8 Uhr durchnässt an, wir bezogen Notquartier[,] ich schlief mit Herrn Rittmeister bei Pferden. Am 13. Sonntag gingen wir noch 35 km zurück und kamen bei Sturm und Regen abends 10 Uhr in Sommaute [Sommauthe] an. Das Dorf war von Militär belegt[.] Die Pferde mussten wir im Freien lassen[,] wir schliefen in einer Scheune. Am 14. September 11 vormittags rücken wir ab und gingen wieder 20 km vor bis Boult aux Bois Ankunft 4 ½ Nachm. es war immer noch schlechtes Wetter[,] wir bezogen Notquartier[,] am 15 mussten wir nachts um 2 Uhr aufstehen und abmarschieren über Vouziers Sugny[,] wo wir 8 Uhr Vormittags ankamen[.] Wir bekamen Quartier in einem sehr großen Bauernhof[,] wo alle Mannschaft und Pferde unterkamen. Am 16. September rückten wir bei sehr schlechten Wetter um 6 Uhr morgens ab und marschierten 30km nordwestlich zum Sammelplatz der Kolonne bei Rethel[,] hier lagen wir den ganzen Tag auf der Landstraße und warteten auf Befehl zum Weitermarsch, der erst abends 6 ½ abends eintraf. Wir mussten nun noch 17km weiter und kamen erst 10 Uhr abends in Avancon [Avançon] an[,] wo wir Biwak bezogen.

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Der 16. September war für mich ein sehr trauriger Tag[,] um 4 Uhr nachmittags wurde die Post verteilt, ich erhielt einen Brief von meinem Paten, dass meine liebe Frau am 2. September verstorben sei. Am 2. August gebar sie ein Mädchen[,] an diesen Folgen und Sorgen über mich wegen dem Feldzug mag wohl die Ursache ein.

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Am 17. lagen wir bei sehr schlechtem Wetter Wind und starkem Regen bis nachmittags 5 Uhr im Biwak[,] dann mussten wir abrücken[,] unterwegs trag uns ein starker Regen, wir kamen abends um 10 Uhr durchnässt in Pignicourt An und wurden in einem großen Gehöft untergebracht[,] die Kanonen donnerten fürchterlich, sodass man kaum Schlafen konnte. Am 18. 6:30 wurde angespannt[,] wir warteten auf Befehl zum Weitermarsch[,] lagen aber hier den ganzen Tag ohne weiter zu gehen. Abends bezogen wir wieder Quartier. Am Tage wurden viele deutsche Verwundete und französische Gefangene an uns vorbeigeführt. Es hier am Marnekanal ungefähr 15 Armeekorps Franzosen gegen uns[,] sie sehr gut befestigt und eingegraben sind besonders die Artillerie, die sogar mit englischen Schiffgeschützen ausgerüstet sind. Es ist ein heftiger Artilleriekampf[,] der wohl noch einige Tage in Anspruch nehmen wird. Am 19 blieben wir noch im Quartier. Am 20 morgens 7 Uhr rückten wir in nördlicher Richtung zum Sammelplatz der Kollone bei Briene [Brienne-sur-Aisne] [,] wir hielten einige Stunden bei starkem Wind und rückten ab nach Asfeld bezogen[,] dort Quartier am 21 und 22 blieben wir noch[,] da die Leute[,] wo wir lagen[,] waren sehr gut[,] der Mann hatte nur einen Arm[,] die Frau war lahm[,] die Kinder von 9 und 6 Jahren halfen fest mit an der Arbeit die Pferde ungefähr 30 standen in der Scheuertenne[,] die längste[,] die ich bisher gesehen habe[,] die Pferde standen an einem Stock Kleeheu und ließen es sich schmecken. Am 23. rückten wir um 7:30 Uhr ab und kamen nachmittags um 5 Uhr in Liesse an. Wir bezogen Quartier in einer großen Terme [Ferme?] [,] welche den Fürsten von Mouver gehörte[,] die der Neuzeit entsprechend eingerichtet war. Am 24 morgens 7:30 Uhr rückten wir ab und kamen nach 9 stündigem Marsch in Chevresis [Chevresis-Monceau] an bezogen Quartier. Am 25 morgens wurden wir um 4 Uhr allamiert[,] wir kamen durch mehrere Dörfer zum Sammelplatz der Kolonne bei Juzzy um 1Uhr marschiert[,] wir mussten unterwegs eine zersprengte Brücke über Kanäle passieren[,] die von unseren Pionieren wieder hergerichtet waren auch ging bis hierher schon die deutsche Eisenbahn[,] gegen Abend bezogen wir in flavny le Mintel [Flavy-le-Martel] Quartier. Am 26. Blieben wir bis abends 9 Uhr dort liegen bekamen dann Befehl zum Weitermarsch[,] um 2 Uhr nachts kamen wir in Liebermont [Libermont] an[,] wir bezogen Biwak[,] ich suchte einen Bretterschuppen[,] wo ich Herr Rittmeister[,] Wachtm. Lauber u. noch einige Kameraden bei den Pferden schliefen. Am Sonntag[,] den 27 blieben wir hier liegen[,] um Munition an die leichte Kolonne abzugeben. Am Nachmittag kam auch S. [Exz.?] zum Munitionsempfang am Abend bekamen wir Befehl Pferde in die Stäbe zu ziehen. Am 28. musste die Kolonne nach Ham zum Empfang von Munition[,] Herr Rittmeister[,] ich[,] ein Sergeant und 2 Melder weiter ritten nach dem Schlachtfeld das erste Dorf Ercheu[,] das wir passierten[,] lag das General Kommando und unser Großherzog. Herr Rittmeister begrüßte S. Königliche Hoheit[,] welche uns über die allgemeine Lage aufklärte[,] am morgen 6 Uhr hatten die Franzosen einen Sturmangriff auf eine kleine deutsche Abteilung gemacht[,] die Franzosen erhielten Flankenfeuer und musste fast alles auf dem Schlachtfeld lassen[,] als wir ein Dorf weiter kamen[,] sahen wir die Toten[,] die am Tage zuvor gefallen waren[,] Deutsche wie Franzosen[,] als wir noch eine Stunde geritten hatten[,] kamen wir in die Feuerstellung von unserem 25 Regiment[,] wir wollten zur 1 Batt. [Batterie] [,] konnten aber nicht heran[,] weil 100-200 m hinter der Feuerstellung die feindlichen Granaten einschlugen[,] wir ritten links ab hinter eine Scheune und beobachteten von da aus das Gefecht[,] als das Feuer etwas nachlies[,] wollten wir durch das Dorf[,] konnten der nicht durch, weil inzwischen ein heftiges Gewehrfeuer eingesetzt hatte[,] die Kugeln kamen über unsere Köpfe. Wir ritten wieder zurück[,] unterwegs fanden wir noch viele Tode vor[,] wir kamen an eine Stelle[,] wo ungefähr 20 Franzosen lagen, eine Granate war zwischen sie gefahren und alle auf der Stelle tot geschlagen[,] darunter lagen 15 Zuaven[,] wir ritten nach Ham und suchten unsere Kolonne[,] welche inzwischen abgerückt war und Quartier bezogen hatte in Verlaines. Am 29 mittags gingen wir nach Ham zum empfang von Munition und lieferten dieselbe wieder ab an die leichtere Kolonne. Am 30. September blieben wir in Verlaines im Quartier. Am 1. Oktober morgens 3 Uhr ritten wir von Verlaines ab nach St. Quentin wir fuhren nach dem Bahnhof[,] um Munition zu empfangen[,] wurden aber in Kasernen geschickt[,] um dort Munition in Empfang zu nehmen, hier in der Kaserne fanden wir ganze Haufen Civilkleider von französischen Reservisten[,] welche beim Einkleiden von unseren Truppen gefangen wurden. Die Kaserne war belegt mit deutschen Soldaten[,] welche die Wache in der Stadt zu halten hatten. Wir kochten vor der Stadt ab und fuhren zurück nach Verlaines in unser altes Quartier Ankunft abends 9 Uhr . Am 2. Oktober morgens 3:30 Uhr rückten wir ab zum Stammplatz der Gefechtsstaffel bei Öschöl [Erscheu?] u. lieferten Munition an die leichte Kolonne ab. Am Abend bezogen wir Quartier auf einer Farm bei Liebramont [Libermont] Am 3. Oktober rückten wir morgens 5 Uhr ab und gingen nahe an die Gefechtslinie heran bei Schampien [Champien] [,] machten wir Halt und lagen hier bis abends 7 Uhr[,] hier haben furchtbare Schlachten stattgefunden[,] fast die ganzen Dörfer in der Umgebung sind zusammengeschossen[,] hinter Mauern Hecken und auf den Feldern lagen die Toten Franzosen[,] auf unserer Seite hat es viele Leute getroffen. Die Franzosen hatten hier gute Stellungen Kellerartig ausgegraben mit Wellblech und Brettern bedeckt[,] viele Matratzen und Bettzeug lag umher[,] worauf die Franzosen geschlafen hatten[,] wir bezogen Quartier in Rethon Villers [Rethonvillers] hier waren wir schon am 28. September als die Schlacht noch tobte. Am Sonntag den 4 rückten um 5 Uhr morgens nach Nesle ab zum Empfang von Munition[,] wir lagen den ganzen Tag am Bahnhof[,] gegen Mittag kam ein Zug an mit Militär aus der Heimat sowie mehrere Autos und Waggonladungen voll Liebesgaben von ihrer K[öniglichen] H[oheit] der Großherzog gegen 4 Uhr wurde der erste Feldgottesdienst für unsere Kolonne, sodann wurde Munition empfangen[,] dann rückten wir wieder ab in unser altes Quartier. Am 5 Oktober morgens 6 Uhr rückten wir wieder ab zum Sammelplatz der Gefechtstaffel bei Schampier [Champien][.] Am Nachmittag erhielten wir die Liebesgaben. Hemden[,] Unterzeug[,] gestrickte Strümpfe[,] Zigarren[,] Tabak u. d. gl. [,] ich erhielt 2 paar Strümpfe[,] 1 paar Pulswärmer[,] 9 Cigarren[,] 2 Schachtel Streichholz[,] 1 Päckchen Tabak u. mehrere Zigaretten. Am Abend 8 Uhr rückten wir ab nach Liebramont [Libermont]. Am 6 Okt. blieben wir liegen und warteten weitere Befehle ab.

Am 7 Oktober vormittags 7 Uhr rückten wir ab nach Cressy[,] wo wir gegen 10 Uhr vorm. ankamen. Am 8 Oktober um 6 Uhr morgens rückten wir in Cressy ab zum Sammelplatz der Gefechtsstaffel bei Roye. Diese Stadt wurde noch fest von den Franzosen beschossen gegen 5 Uhr nachmittags warf ein französischer Flieger eine Bompe vor das Zelt unseres Stabes[,] wobei mehrere Pferde des Stabes getötet und ein Mann von uns verwundet wurde[,] abends rückten wir ab und bezogen Quartier in _____________. Am 9 Oktober vormittags 6 Uhr rückten wir wieder ab zum Sammelplatz der Gefechtstaffel bei Roye[,] gegen Mittag ritten wir Herr Rittmeister[,] ich und 2 Meldereiter vor zur Gefechtslinie 1 Stunde von unserem Sammelplatz entfernt. Hier war alles gut verschanzt an einem Dorfe traf ich Ad. Euler[,] welcher bei den Geschützprotzen in Deckung war[,] als wir zurückritten[,] kamen wir durch Roye[,] abends 9 Uhr kamen wir nach Etallon [Étalon] in Quartier. Am 10 Okt. morgens 7 Uhr rückten wir ab nach Nesle zum Empfang von Munition[,] bekamen keine und bezogen Quartier in Langquession [Languevoisin] [,] wo wir weiteren Befehlen abwarteten. Am 11 Oktober Sonntag die erste Sonntagsruhe seit dem abrücken von Tawern[,] hier lagen wir bis 23.10.14[.] Am 18 Oktober Sonntag zum 2mal Sonntagsruhe[,] am 19 Munition Empfang zurück ins Quartier[.] Am 23 nachmittags 3 Uhr rückten wir ab nach Cressy[,] bezogen dort Quartier. – 5 [St.?][.]

Am 24[.] ritten wir zur Feuerstellung Herr Rittmeister Serg. Koch[,] Neu[,] Ysterburg u. ich. Wir hielten mit den Pferden an einem Kruzifix[,] welches mit Linden eingepflanzt war[.] Herr Rittmeister ging zur 4/25. Die Franzosen müssen uns gemerkt haben[,] wir erhielten einige Granaten als Morgengruß[,] sie gingen aber über uns weg, wir gingen mit den Pferden hinter eine dichte Hecke[,] da näherte sich ein deutscher Flieger[,] die Franzosen sanden auch ihm einen Morgengruß[,] die Geschosse platzten über unseren Köpfen zwei Geschoßböden fielen vor uns nieder. Wir ritten dann wieder zurück. Am 25 Sonntag nachmittags 4 Uhr Feldgottesdienst. Bis Freitag den 30 Vorrücken zur Gefechtslinie. Am Freitag dann vormittags 6:45 Uhr abrücken der Kolonne zum Sammelplatz der Gefechtsstaffel bei Gruny[,] Munitionsausgabe nachmittags[,] Einrücken ins Quartier nach Cressy. Samstag den 31 Okt. Reiten durch das Gelände um Nesle. Am 4. November von morgens 8 bis abends 8 Uhr in Gruny zur Gefechtsstaffel[.] Am 5. November abrücken von Cressy morg. 9 Uhr nach der Term [Ferme?] Hamele b. Seraugourt [Seraucourt-le-Grand]. Ankunft nachmittags 2:30 Uhr eingeteilt zur 2 Staffel Führer 5-30 Rittmeister Frh. v Rechenberg[.] Am 30 November vormittags 10 Abmarsch nach Villers St. Christoph [Villers-Saint-Christophe] zur 1. Staffel Major v[.] Rosenlicht[.] Am 2[.] Dezember vormittags 10 Uhr Abmarsch nach Büny [Buny]. Am 14[.] Dezember ritten wir nach Fresnoy [Fresnoy-lès-Roye] [,] wo 25 M. von unserer Kolonne Geschütznieschen aushuben. In Büny [Buny] hatte ich das erste Bett in Frankreich. Am 22[.] Abmarsch nach Seraugourt [Seraucourt-le-Grand] Quartier schönes Zimmer mit Bett[.] Am 24[.] heiligen Abend Weihnachtsfeier mit Bescherung[.] 25. 1[.] Feiertag Gottesdienst 26. 2. Feiertag Übungsmarsch[.] Am 6. Januar 1915. Abmarsch nach Happencourt Quartier. Am 15 Januar 1915 Abmarsch nach Germaine.

Vom 6[.] März [1915] 14 Tage Urlaub in der Heimat. Am 5[.] März 3.45 Abfahrt St. Quentin über Lüttich[,] Herbesthal[,] Aachen[,] Köln[,] Betzdorf[,] Gießen Ankft. 6.3. nachmittags. 3.45 in Gießen[.] Abf. in Gießen am 18.3. vormittag 8.10 in Gießen Ankunft in Herbesthal 3.17 nachmittag. In Herbesthal letzte Deutsche Stadt Grenzstation liegt an der belgischen Stadt Welkenrad [Welkenrath] rechts der Straße deutsch[,] links belgisch[,] die Grenze wurde nach der Mobilmachung mit Draht abgesperrt am Ausgang von Herbesthal am „Weißen Haus“ genannt grenzen Deutschland[,] Belgien[,] Holland und Frankreich aneinander[,] bei Ausbruch des Krieges waren die Bewohner hier in großer Not[,] die Belgier hatten die Brücke über die Bahn gesprengt, welches den Deutschen ein großes Hindernis war. Am 19. März nachts 1:50 Abfahrt in Herbesthal über Namur[,] Mobeuge [Maubeuge] [,] St. Quentin[.] Ankunft nachmittags 1:47 nach Germaine. Am 24. Abmarsch nach Quieveres [Quivières] Quartier[.] Am 31 März Abmarsch nach Happencourt Quartier bis 3 April Abmarsch nach Seraucourt le Grand[,] am 5 April Ostermontag Gottesdienst in der Kirche Seraucourt bis 21. April[.] Am 21 April Quartier Lanchy bis 31. Mai. Am 15. Mai wurde Herr Rittmeister versetzt in 8. Fuß. Art. Mun. Koll.[,] ich blieb in der Kolonne[,] bekam 2 Vorderpferde am Zug[,] am 31 Mai [1915] kam ich in den 9[.] Zug[,] welcher mit der 2[.] Halbkollonne in Ugny [Ugny-le-Gay] lag[,] bekam dort 2 [Schwarzepferde?]. Vom 24[.] September bis 7[.] Oktober im Urlaub[,] am 9[.] Oktober [1915] Quartierwechsel nach Fayet b. St. Quentin.

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