Kriegstagebücher und Kriegserinnerungen

Texte und Kontexte

Kriegserinnerungen von Hans Schenk aus Glauchau (22. Mai 1918 bis 09. Januar 1919)

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Hans Schenk stammt ursprünglich aus Glauchau und war von Beruf Schneider. In seinem Kriegstagebuch vom 22. Mai 1918 bis 09. Januar 1919 sind kaum Angaben zu finden, die über das Kriegsgeschehen hinausgehen. Über seine Familie erfahren wir nichts. Von ihm erfahren wir lediglich, dass er am 16. November Geburtstag hatte. Das Geburtsjahr wird leider nicht genannt.

Interessant ist, dass er sowohl ein Kriegstagebuch über seinen kurzen Einsatz im 1. Weltkrieg verfasst hat, als auch über seinen Einsatz im 2. Weltkrieg von 1943 bis 1945. Zunächst wird hier nun das aus dem 1. Weltkrieg veröffentlicht.

Am 22. Mai 1918 musste er beim Bezirkskommando in Glauchau eintreffen. Bis zum 6. Oktober 1918 wurde Schenk in Zeithain zum Funker ausgebildet. Am 7. Oktober wurde er an die Westfront eingesetzt, wo er am 12. Oktober in der Gegend um Fourmies und Wignehies in Nordfrankreich eintraf. Er war beim Nachrichten Ersatz Depot 3 eingesetzt, wie er uns mit dem Eintrag vom 14. Oktober 1918 verrät. Ab 1. November trat er dann mit seiner Einheit den Rückzug nach Belgien an. Den Waffenstillstand am 11. November 1918 erlebte Schenk in Namur (Belgien). In den weiteren Eintragungen bis 9. Januar 1919 berichtet Schenk vom Rückzug bis Kesselsdorf bei Dresden. Das Tagebuch bricht mitten im Satz ab. Anscheinend ist mindestens eine Seite verloren gegangen.

Auf einigen weiteren Seiten sind Schenks Erinnerungen an eine Reise im Jahr 1925 zu lesen. Am Ende des Heftes befindet sich sein Kriegstagebuch über seinen Einsatz im 2. Weltkrieg, das hier veröffentlicht ist.

Zur besseren Lesbarkeit wurden Kommata eingefügt, welche immer mit [,] klar als Ergänzungen zu erkennen sind. Bisher konnten nicht alle Orte, von denen Schenk schreibt, lokalisiert werden. Orte, bei denen die Schreibweise nicht korrekt ist, wird die korrekte Schreibweise in eckigen Klammern ergänzt. An einer Stelle gibt es auch einen Textverlust am Seitenrand, der durch […] kenntlich gemacht ist.

Das Original-Kriegstagebuch habe ich kürzlich bei Ebay erworben. Die Rechteinhaber konnten bisher nicht ausfindig gemacht werden!

Hans Schenk: Kriegserinnerungen 1918-1919

Von meiner Ausbildung

Es war am 4. Pfingstfeiertag[,] Mittwoch den 22. Mai 1918 vormittags ½ 10 Uhr[,] wo ich mich am Bezirkskommando in Glauchau zum Eintreffen stellen mußte. Wir waren bar hundert Mann, wir wurden an einem Offizier eingeteilt und um 12 Uhr gings nach dem Bahnhof[,] von da aus fuhren wir ½ 2 Stunden nach Döbeln. ½ 6 Uhr abends kamen wir in Döbeln an wurden dort eingeteilt und bekamen als Empfangsdiné Kohlrübensauerkraut und Wurst. Ich kam zur 6. Korporalschaft des 2. Rekr. Depots 139. Wir kamen in die sogenante Baraken-Kaserne und wurden am andern Tag ½ 6 Uhr geweckt es ging gleich gut los, bekamen in Waschbeken und mußten uns im Waschsaal bis zur Brust entkleiden und mit kalten Wasser abwaschen unter Kontrolle des Unteroffiziers am Dienst. Die erste Zeit hatten wir meist Freiübungen als Dienst[,] aber das hatten wir alle tüchtig getroffen. Als wir dann so ziehmlich eingekleidet waren[,] wurden wir neu eingeteilt und ich wurde zur 9. Korporalschaft versetzt, wir mußten da von der Kaserne ausziehen und kamen ins Waffenquartier in die Muldenterrasse[,] wir dachten schon in die Kaserne war [es] schlecht[,] aber hier war gleich garnichts los das reine Zigeunerleben. Hier hielten wir uns in einer öden Turnhalle auf[,] da hatte jeder einen Nagel wo er sein ganzes Krämchen hinhängen konnte[,] in der Kaserne hatte wenigstens jeder seinen Spint und ein Bett. Hingegen hier schliefen wir auf bisschen Stroh[,] worum sich abends beim schlafen gehen noch gestritten wurde. Bis zur Kaserne hatten wir jedes mal ¼ Stunde zu laufen. Der Dienst war ja im großen ganzen nicht schlecht aber im Essen blieb sich oft viel zu wünschen übrig.

Ich lag ja hier mit mehreren Glauchauern zusammen[,] wir hatten hier im Gastzimmer des Lokals so manche schöne Stunde im Kreise der Kameraden verlebt. Die letzten Tage der Ausbildung wurden wir im Maschinengewehr ausgebildet. Hier brauchten wir dann nicht mehr den Infanteriedienst mitzumachen[,] denn da hatten wir sehr viel Unterricht und das Exerzieren war bei der Maschine viel intrisannter [interessanter][,] den da hatten wir Scharfschießen auf den Exerzierplatz in Stelle[,] wo wir 1 ½  Stunde zu laufen hatten. Dort hat es manchen Truppen Schweis gekostet[,] denn da sind wir herumgejagt worden wie die Haasen auf den bergischen Gelände. Wir waren 11 Wochen beim Militär[,] unsere Ausbildung war nach Kriegsstil vollendet[,] als bei der Dienstausgabe verlesen wurde[,] das eine Anzahl zur Artillerie und zur Nachrichten Abteilung versetzt wurde. Wir wurden den Ausgerüstet und ich wurde zur Artillerie ausgemustert[,] meldete mich aber dann zum Nachrichtenzug nach Zeithain. Wir gaben dann unsere Sachen ab und kamen am 7. August fort. Früh ½ 10 Uhr ging es nach den Bahnhof[,] dann fuhren wir über Riesa bis nach Röderau[.] Dort kamen wir vorm. ½ 12 Uhr an, wir hatten vom Bahnhof aus noch 1 Stunde zu laufen mit den Kisten und Schachteln[,] es war eine reine Schweiztour. Wir wurden hier dem Depot der Nachrichten-Abteilung zugeteilt[,] wurden eingekleidet[,] bekamen in einer Baracke Quartiere[,] hatten hier jeder einen Spint und ein Bett[,] es war hier wenigstens etwas mehr Ordnung als bei der Infanterie im Massenquartier. Hier lautete unsere Adresse: Nachrichten-Abt. 19. Rekrutendepot Abt. 3. Barake 16. Stube 4. Telegraphie[…]. In Zeithain hatten wir somit viel schöneren Dienst als bei der Infanterie, früh 2 Std. Exerzieren aber aller 14 Tage einmal sonst lauter Hören und technischer Unterricht[,] am schönsten der Betriebsdienst im freien Gelände meist im Wald versteckt[,] hatten wir da unser Zelt aufzuschlagen und unterhielten uns mit der Gegenstation durch Funkspruch. Hier übten auch die Blinker[,] Fernsprecher und Erdtelegraphisten[,] außerdem konnte man Große Infanterie Gefechte und Artillerie beobachten die in Zeithain ihre Übungen ablegten. Nachdem wir 14 Tage in Zeithain als Telegraphist waren wurden die besten Hörer herausgesucht und zur Funker-Ersatz-Komp. zugeteilt. Da in der Funker Barake kein Platz mehr war[,] mußten wir 3 Wochen in einen Speisesaal einer Kochküche im Art. Massenquartier beziehen. Hier hatten wir meistens keinen Hunger zu leiden[,] denn hier gabs immer mal ein Sätzchen worum sich ordentlich geprügelt wurde. In Zeithain hatten wir oft sehr lange Weile[,] wenn man abends 6 Uhr fertig war[,] gingen wir oft ins Kino[,] welches in einer Exerzierhalle eingerichtet war oder in die Kantine[,] meistens legten wir uns auf unsern Strohsack und lasen oder erzählten von schönen Zeiten. Sonntags gingen wir auch manchmal auf Reise[,] da hatten wir 1 ½ Std. zu laufen[,] man sah aber wenigstens einmal Zivilisten[,] was in Zeithain ein Wunder war[,] nichts als Soldaten.

Am 29. September Mittags zur Dienstausgabe wurden wir eingeteilt als Ersatz nach Frankreich[,] es kam uns allen etwas überrascht[,] trotzdem hier fast jeden Tag welche fortkamen.

Am 30. früh 7 Uhr wurden wir eingekleidet und nachmittags 12 4 Uhr fuhren wir zum letzten Mal auf Urlaub bis Mittwoch[,] den 2. Oktober früh 8 Uhr kamen aber erst um 18 Uhr dort an. Am 3./10. wurden wir [verpast?] und Sonntag[,] den 6./10. kam der Befehl, daß es am andern Tag den 7.  Oktober ins Feld abtransportiert wurden. Bei uns allen herschte aber trotz der ernsten Lade die beste Stimmung.

 

Meine Kriegserlebnisse!

Am 30. September früh 7 Uhr wurden wir eingekleidet, am selben Tage fuhren wir das letzte mal auf Urlaub leider aber nur 1 ½ Tag.

Am 7. Oktober 1918 wurde früh ¼ 4 Uhr geweckt und 5 Uhr liefen wir vom Lager aus nach Riesa[,] von da aus ging die Fahrt von Riese über Oschatz, Wurzen nach Leipzig. In Leipzig hatten wir 5 Stunden Aufenthalt, wir gingen hier in die Stadt in verschiedene Lokale ¾ 11 gabs im Bahnhof für uns zu essen[,] unser Transportführer Wachtmeister Appelt versorgte dort Marken und es gab Krautwikeln in Fleisch für 2 M. ½ 3 Uhr ging die Fahrt weiter über Halle[,] hier wurden wir das erste mal verpflegt mit Nudeln[,] hier hatten wir[,] da hier der Transport zusammengestellt wurde[,] 14 Stunden Aufenthalt. Am 8./10. früh ging dann die Fahrt weiter Eisleben, Sangerhausen[,] hier wurden wie wieder verpflegt mit Kaffee Brot und Gewigten. Nach 1 ¾ stündigem Aufenthalt ging es dann weiter über Berga-Kelbra, Nordhausen hier sahen wir das Kiffhäuserdenkmal in Nordhausen hatten wir 1 Std. Aufenthalt und wurden vom roten Kreuz mit Suppe verpflegt. ½ 12 Uhr gings dann weiter über Bad Sachsa, Tatenborn, Scharzfeld im Harz[,] es ist dies eine sehr schöne bergisch malerische Gegend. Es ging dann weiter über Nordheim in Hanover hier hatten wir 1 Std. Aufenthalt und wurden mit Nudeln und Fleisch verpflegt. Um 3 Uhr gings weiter über Bodenfelde, Werden (Weser) Ottbergen, Bragel, Driburg, Paderborn[,] hier wurden wir mit Nudeln verpflegt. ½ 10 Uhr abends ging dann die Fahrt durch  über Lippstadt, Soest, Dortmund[,] Haagen[,] Elberfeld[,] Deutz nach Köln[,] wo wir früh 6 Uhr den deutschen Rhein überschritten[,] es war aber sehr neblich[,] auf den Bahnhof war sehr großer Betrieb. In der vergangenen Nacht ereignete sich ein kleines Unglück[:] ein Kamerad fiel in der Nacht beim schlafen aus der Zelltplane[,] welche er im Couché aufgespannt hatte[,] wurde aber trotzdem er Rückradverstauchung davongetragen hatte[,] nicht dem Latzarett übergeben. Am 9./10. früh ½ 8 Uhr gings weiter über Liblar, Weibeslist, Dorkum[,] hier wurden wir verpflegt mit Wurst und Brot. ¼ 12 Uhr vormittags gings nach 1 ½ stündigem Aufenthalt weiter über Großhüllersheim, Euskirchen, Call, Blankenheim, Schmidtheim, Dalem, Junkerrath[,] hier hatten wir 1 ¼ Std. Aufenthalt[,] da wurden wir um 4 Uhr verpflegt mit Graupen und Konservenfleisch[,] hier ist es sehr schön[,] die Gegend sehr bergisch. ¾ 9 Uhr gings weiter über Lütgenbaum. Dort fuhren wir ½ 12 Uhr nachts durch, dann gings weiter über nach verschiedene Orte nach Lüttich. Dort kamen wir früh 5 Uhr an und wurden sofort mit Graupen und Fleisch verpflegt. Nach 3 stündigem Aufenthalt gings früh 7 Uhr weiter Ouere [Ougrée?] hier fuhren wir über die Maas, dann fuhren wir weiter über Engnis [Engis?] (Maas)[,] Hormelle, Amsing, Huy, Statte[,] Bas-Oha, Java, Gilard Frevers Nameche Marche les Dames immer die Maas entlang über über Beez, nach Namur[,] von hier gings früh ¾ 9 weiter über Florfee, Framorec, Manstier, Jemopé, Auvelers, Tamines, Catupinezé, Montigny, Carleroi [Charleroi], La Lambre, Manines Zone, Landelies, Hourpes, Trine-Nord, Lobbes, Vontaine, Felmont. Diese Gegend ist sehr herlich[,] wenn man nicht mit den Bewustsein fortmachte[,] das es in den Krieg ging[,] wäre es eine herliche Erholungsreise gewesen. Hier gabs auch an der Maas verschiedene Industrie große Eisenfabriken[,] aber noch mehr Landwirtschaft kann man hier verschiedene große Weiden. Es ging nun weiter über La-Buisiere, Erquellenors, Jaumont, Maubeuge, hier wurden wir mit Bohnen verpflegt und hatten 2 Stunden Aufenthalt. Hier sehen wir schon die ersten Elende des Krieges, Familien[,] die vor dem Feinde flüchteten[,] um nicht vom Artilleriefeuer getroffen zu werden, fuhren mit einem kleinen Wagen[,] auf welchen sie ihr sämtliches Hab u. Gut hatten die Landstraße rückwärts[,] auch verwundete kamen ganze Transportzüge voll[,] es waren Bilder[,] die man so garnicht beschreiben kann. Dann fuhren wir weiter über Aulongney[,] wo wir die ganze Nacht lagen[,] die ganze Nacht rasselten da Verwundete und Munitionszüge vorbei. 8 Tage ehe wir in diesen Ort ankamen[,] waren feindliche Flieger hier und beschossen den Bahnhof mit unzählichen Bomben und trafen einen Urlauberzug und einen Zug mit Pulver und Sprengstoff. Es gingen da 160 Soldaten[,] welche nach langen Monaten ausharren nach Hause wollten[,] zu Grunde. Hier hörte man schon von weiten den Kanonendonner. Hier war die Endstation[,] um 10 Uhr wurden wir mit Marmelade u. Brot u. Suppe verpflegt.

Nachmittags 3 Uhr gings dann zu Fuß weiter über Dompiere[,] hier blieben wir von abends 6 Uhr bis morgens ½ 6 Uhr liegen dann ging die Fahrt weiter über Fourmies[,] hier wurden wir wieder ausgeladen und bekamen früh d. 12/10. ¾ 4 Uhr von unserer Verpflegungsportion jeder eine ½ Büchse Fleisch. Von hier aus liefen wir nach unseren zuständigen Depot[,] welches in Wignehies lag[,] wo wir nach 1 ½ Std. feldmarschmäßig dort ankamen. Hier wurden wir sofort verpflegt und bekamen in einen Haus[,] welches von den Bewohnern verlassen waren[,] in Quartier 6 Mann unten wohnten noch Franzosen[,] welche schon einmal von vorn flüchten mußten. Am Sonntag den 13. Oktober 1918 nachmittags spazieren in der Kraftfahrkantine[,] tranken dort Wein und kauften 1 Pfd. Käse Pfd. 3 M.

Montag d. 14/10. hatten wir denen 1. Mal Dienst früh 6 Uhr Wecken mit 2 Std. Mittag bis abend 5 Uhr. Nachmittags kamen feindliche Flieger und wurden von unseren Flack Batterien beschossen mit Schrappnels jedoch ohne Erfolg.

In Wiegnehies[Wignehies] selbst lag noch außer einen großen Autopark eine Hundestaffel hier Sanitätshunde. Eine große schöne katholische Kirche schmückte die Stadt[,] sonst war es ein Ort von ungefähr 12000 Einwohnern, sonst im großen und ganzen etwas schmutzig, und die Bauten der Häuser viel primitiver als bei uns in Deutschland. Hier hatten wir gute Verpflegung jeden Tag 50 gr. Butter[,] 1 Esslöffel voll Zucker und Marmelade oder Honig u. Zigarren u. Zigaretten. Der Dienst war im großen und ganzen wie in Zeithain. Meine Adresse lautete hier: Funker H. Schenk, Nachr. Ers. Depot 3, Deutsche Feldpost 30.

Es war am Sontag[,] den 27. Oktober, als wir nachmittags beim Antreten erfuhren, daß wir 20 Mann Ersatz zur Difunka 159 abgeben müssen[,] wo ich auch mit dabei war. Am selben Tage abends 6 Uhr mußten wir feldmarschmäßig zum Abmarsch bereit auf den Platze vorm Geschäftszimmer stellen.

Sollten eigentlich schon abmarschieren, gingen aber noch einmal in unsere Quartiere[,] um wenigstens noch einmal ordentlich zu schlafen. Am 28. Oktober früh 6 Uhr gings zu Fuß über Fourmies nach Anor[,] wo wir gegen Mittag ankamen hier wurden wir mit Graupen verpflegt. Ich war hier 3 Stunden von meinen Trupp abgekommen, wollte sie schon aufgeben[,] fand sie aber zum letzten Augenblick noch. Hier waren nachmittags 2 Uhr feindliche Flieger[,] wo ich schnell mit in den Fliegerschutzkeller des Bahnhofs flüchtete. ½ 5 Uhr gingen wir dann[,] nachdem wir uns nach dem Orte unsere Abteilung erkundigt hatten[,] den selben Weg wieder zurück nach Wiegnehies ins Quartier[,] da es schon finster war übernachten zu können[,] wir waren von den Marsch schon sehr ermüdet und es kam uns die Gelegenheit nochmal ordentlich schlafen zu können zu passe, es war blos schade, daß wir die 40 klm hin und zurück umsonst gelaufen sind.

(In Rogiegnier [Rocquigny?] hatten wir Gelegenheit einer französischen Begräbnisfeier hier zuzusehen in der Kirche.)

Dienstag den 29.10. früh ½ 9 Uhr machten wir uns zum 2. mal auf unsere Abteilung zu finden. Wir kamen erst nach Rogiegnier[Rocquigny?][,] hier blieben wir bis Mittag liegen und wurden verpflegt mit Butter Brot und Mittags Nudeln. Nach dem Essen gings weiter über La-Cappelle [La Capelle] auf diesen Weg benutzen wir ein leeres Lastauto zur Beförderung unsers Gepäcks[,] wir waren da blos 4 Mann[,] die mitfuhren[,] kurz vor der Stadt hielten wir an einem zerschossenen Haus an luden das Gepäck aus[,] um auf die Abteilung zu warten. Inzwischen kam ein General vorbeigeritten[,] wir 4 Mann saßen gerade vor der Haustür standen natürlich nicht auf[,] er sagte auch nicht, als er vielleicht 20 Schritt vorbei war[,] schrie er zurück, ob wir nicht aufstehen können[,] wenn ein General vorbei reitet, der hatte Angst es früher zu sagen[,] er dachte vielleicht er bekommt eins verwinkt. Um 4 Uhr rückten wir dann in La-Capelle ein und suchten uns für die Nacht Quartiere[,] wir lagen da in einem ganz dreckigen Spitzboden eines 3 stöckigen Hauses. Am Dienstag zum Mittwoch den 30.10. in der Nacht war ein sehr starkes Trommelfeuer von der 15 klm entfernten Front zu hören[,] man konnte kaum schlafen. Wir standen früh um 8 Uhr auf[,] gingen in ein anders Haus in eine leere Stube[,] dort blieben wir bis Mittag [,]wir wurden hier verpflegt mit Graupen, Brot u. Butter, hier schickte ich ein kleines Packet nach Hause. Wir brateten uns hier noch eine Portion Fleisch[,] welches wir uns vom Depot mitbrachten, wir trieben dort nämlich ein Kalb auf die Seite bar Mann und schlachteten es[,] wir nahmen uns da jeder eine Portion mit. Dort kam es nicht auf ein Stück Vieh an hier trieben dort die Franzosen von der Front so viel zurück, daß es auf eins garnicht ankam. Wir gingen im Depot auch sehr viel Kühe melken.

Nachmittags gings dann weiter über Le-Bou-Jou nach Marly auf diesen Wege benutzten wir 2 Mann einen kleinen Wagen und fuhren ungefähr 8 klm für uns bis kurz vor Marly[,] wo wir warteten in einem Gute[,] bis unserer Trupp nach war. Am 30/10. abends ½ 7 Uhr rückten wir 20 Mann geschlossen in Marly ein, hier bekamen wir von unsrer Abteilung Quartiere angewiesen[,] ich kam mit noch einen Kamerad in ein Quartier[,] wo schon 4 ältere Leute der Abteilung lagen zusammen. Wir machten es uns beim Feuer des Kamins gemütlich und beim Lichte der Kerzen. Am andern Tag wurden wir den Abteilungsführer vorgestellt[,] wo es ziehmlich zackig zuging. Dann gingen wir in die großen Obstgärten und pflügten uns die letzten französischen Äpfel. Als wir 2 Tage hier waren erfuhren wir durch unsern Abteilungsführer, das nach langen Warten unsre Abteilung durch eine andre Difunka abgelöst wird.

Natürlich war die Freude groß, das wir solches Glück hatten wieder rückwärts zu wandern, denn dort schossen die Franzosen schon in das nächste Dorf und die Sache wurde so langsam gefährlich, auch war die Fliegergefahr hier sehr groß. Am 1. November 1918 ging es früh 11 Uhr über Autreppe [Autreppes], Juglangourt, La-Capell[La Capelle], bis Houtrove hier kamen wir nach 20 klm Marsch abends 8 Uhr an und übernachteten in einer Scheuen. Am Sonnabend den 2. November gings früh 8 Uhr weiter über Rogigny [Rocquigny?] über Wignihies [Wignehies] nach Fourmies fast den selben Weg[,] von den wir von den Depot zur Abteilung benutzten kurz hinter Fourmies machten wir Mittags rast und wurden von der Feldküche mit Graupen gespeist. Während dem Essen zogen klm lange Kolonnen von französischer Zivilbevölkerung welche vor die offensive ergreifenden Feinden flüchteten vorbei. Es ist ein sehr trauriger Anblick[,] wenn man das so sieht. An sämtliche Brücken[,] welche wir passierten[,] waren Sprenganlagen[,] auch an den Straßen und in den Wäldern waren große Bäume zur Verhinderung des Rückzuges gefällt.

Um 1 Uhr nachmittags gings weiter über Glageon nach Trelon [Trélon][,] wo wir ½ 6 Uhr ankamen 30 klm, hier kamen wir in eine Art Massenquartier. In diesen Ort lagen wir 3 Tage in einer Verlassenen Villa aber die Stube sah schon mehr aus wie ein Gänsestall 3 3fachübereinander stehende Betten? Hier half ich in der Schneiderei mit für den Wachmeister einen Mantel[,] da mußte man mindestens 1/3 Std. laufen[,] da haben wir uns gleich mit Kaffe gewaschen. Sonntag d. 3/11. gingen wir in die Kantine einer Auto Kolonne und spielten da Klavier. Dienstag den 5. November mittags 1 Uhr gings weiter von Trelon [Trélon] über Moustier[,] Eppe-Souvage [Eppe-Sauvage] der letzte französische Ort. Es war gerade abends 5 Uhr als wir die französisch belgische Grenze überschritten. Nachts ½ 2 Uhr kamen wir völlig durchnäßt in Froid-Chapelle an 25 klm[,] nachdem wir kurz vorher auf die Landstraße durch Stockung 1 ½ Stunden standen beim größten Regenwetter[,] wir fuhren auch diesen Wege immer durch Wald und zum Teil große Weiden, Felder sieht man hier überhaupt nicht. Wir kamen hier in ein Gut in Quartier 10 Mann in eine Stube, hatten hier aber keinen Ofen bei diesen durchnäßten Sachen. Wir hatten am 6./11. Ruhetag[,] da trockneten wir unsere Mantel bei den Bauer[,] dort kaufte ich mir Milch u. ½ Pfd. Butter f. 6 Mark. An 7./11. für ½ 9 Uhr gings weiter über Cerfontaine nach Chimay[,] dort machten wir ½ 2 Uhr Mittag hier gabs Reis mit Rindfleisch es schmeckte sehr gut. Ehe wir abrückten[,] verlaß der Leutnant, das das Friedenskomitie abgereist ist nach Paris zur Waffenstillstandsverhandlung. Hier in Belgien ist ein ganz andres Bild wie in Frankreich. Die Weiden und überhaupt das ganze[,] die Güter ist alles sauberer. Um 3 Uhr ging es nach der Mittagsrast weiter über Yves-Comozee [Yves-Gomezée][,] erst vorher noch die Orte Sennzeile, Villers, Jamiolle, Jamagne dann nach Comzee, gegen abend kamen wir nach 25 klm Marsch in Fraire an. Wir sahen dort noch die Verwüstungen von 1914 zerschossene und eingestürzte Häuser es ist schrecklich diese Verwüstungen. Wir kamen hier 7 Mann in ein Zimmer. Am Montag den 9. November 1918 rückten wir von Fraire über Oret nachdem wir 20 klm zurückgelegt hatten[,] machten wir Mittag. Nach 1 Stunde Rast gings weiter über Le Hanniau, St. Gerhard [Saint-Gérard], weiter über Lesves [Lesve], Bois-de Villers nach Namur dort kamen wir nach 45 klm Marsch abends 5 ½ Uhr an[.] Hier wurden wir[,] da in der Stadt Unruhen ausgebrochen waren von Soldaten[,] die sich einquartiert hatten[,] die von der Front ausgerissen waren[,] am Ende der Stadt in einen Soldatenheim in der Kirche untergebracht direkt an der Maas. Der Weg hierher war sehr schön immer die Maas entlang da giebts sehr viel Felsen ein sehr malerisches Gelände. Am Sonntag den 10. November früh ½ 8 Uhr standen wir auf um ½ 10 Uhr[,] sollte die Kirche für den Gottesdienst geräumt werden. Wir tranken gleich Kaffee[,] nachdem schrieb ich einige Karten[,] es war gerade ½ 10 Uhr[,] ich war gerade beim schönsten schreiben[,] als es auf einmal einen furchtbaren Krach gab[,] ich bekam ein Portion Glassplitter ins Gesicht und legte mich sofort hin, dann rannte ich in den Keller[,] wohin sich alles flüchtete[,] da waren schon welche verwundet[,] die gleich verbunden wurden[,] es explodierten noch mehrere Pomben und jedesmal gabs eine gewaltige Erschütterung[,] die ganzen Fenster in der Kirche und im Soldatenheim waren kaput[,] in die Portstein an der Kirche war eine eingeschlagen[,] es hatte ein ziehmlich großes Loch hineingerissen, die andere flog neben den Wagenpark[,] es wurden 1 Pferd getötet und 3 verwundet[,] auch ein Kamerad wurde schwer verwundet[,] es ist aber leider auf den Hintransport gestorben. Der Sicherheit halber rückten wir gleich wieder fort auf ein Dorf bei Namur[,] ½ 1 Uhr haben wir da Namur wieder verlassen und kamen nach 6 klm Marsch um 8 Uhr an in Champion. Wir kamen hier in ein Restaurant 15 Mann in ein Zimmer, wir holten uns bei einem Bauer Stroh fürs Lager. In der Nacht waren wieder Flieger in Namur[,] es war gut[,] das wir nicht mehr dort waren[,] den dort wurden 70 getötet und viele verwundet.

Am 11. November 1918 erfuhren wir[,] das der Waffenstillstand zustande gekommen ist, es war eine große Freude unter uns, abends wurde dann gleich der Arbeitersoldatenrat gewählt, es ging da ziehmlich laut her[,] es wurden 1 Unteroffizier und 2 Mann dazu gewählt und außerdem 10 Offiziere[,] die die ganze Sache leiten mußten. Von hier aus sahn wir nun endlose Kolonnen Artillerie Infanterie u.s.w. vorbei marschieren[,] auch Flieger flogen Geschwaderweise ganz endlich der Heimat entgegen und wir mußten warten bis zuletzt. Am Mittwoch den 13. November bekamen wir noch Liebesgaben. Eine Brieftasche[,] 1 Esslöffel[,] 15 Zigaretten[,] 1 Paket Tabak u.s.w. Den 14./11. fuhren wir wieder nach Namur zurück[,] da dort unsere Division zum Rückmarsch sammelte und unsre Abteilung mußte die Festungsfunkstation auf Namur zur Übergabe[,] die am 16./11. stattfinden sollte[,] übernehmen. Wir kamen gegen Mittag dort oben auf der Citadelle an, wir kamen in die Mannschaftswohnungen[,] da waren gleich die Betten mit drin. Nachmittags es war gerade schönes Wetter ging ich einmal stück hier oben spazieren auf den Gipfel der Festung hat man einen wunderbaren Anblick. Die Maas schlängelten sich durch die Felsen[,] auf der Maas spielt sich ein ziehmlich reges Schiffahrtsverkehr ab[,] man nennt dort auch die Gegend die belgische Schweiz.

Nachdem sah ich mir die Einrichtung auf der Festungsfunkstation an[,] da habe ich gestaunt über die unzähligen kostbaren Apparate. Hier sahen wir auch die Einschläge der 42. Granaten von Anno 1914. In der Stadt selbst war ein reger Verkehr[,] da liefen Gefangene[,] die bei uns immer hinter der Front gearbeitet hatten[,] unsre deutsche Soldaten bewachten die Lebensmittellager mit roten Binden erkenntlich. In den Fleischerläden sieht es hier noch wie im Frieden [aus,] Würste hängen in den Fenster u.s.w. und alles tüchtig teuer.

Am andern Tage d. 15/11. ging ich einmal auf der Festung überall herum. In einen Raum waren elektrische Sachen z.B. Telefone[,] ganze Kisten elektrische Lampe[,]Funkergeräte[,] Kappel[,] Kupferdraht, ein ganze Rolle Linolium[,] wenn man sich da so manches mitnehmen konnte[,] wäre man reich daran geworden.

Am 16. November 1918 es war Sonnabends war ein großer Betrieb an der Maas[,] es waren da ganze Kähne voll Schnapps[,] die die Soldaten mit der Zivilbevölkerung blünderten, die ganze halbe Stadt war betrunken. In einen andern Kahn waren Stiefel u. Seife die Soldaten Gefangene und die Zivilbevölkerung standen dort zu hunderten[,] um von den Soldaten die empfangenen Stiefel abzukaufen. Ich selbst mußte mit einen Gefreiten für die Abteilung gegen einen Ausweis Stiefel u. Sohlen fassen, wir bekamen 30 Paar Stiefel u. 20 paar Sohlen. Es war reiner Mord Totschlägerei alle wollten auf Kahn[,] um sich selbst welche zu holen[,] was Abends[,] nachdem ich nochmal dort war[,] auch geschah. Da am andern Tag Namur so wie so geräumt sein musste[,] wurden zuletzt die Schiffe sich selbst überlassen mit den ganzen Vorräten[,] die sich noch in sich hatten. Auch in den Proviantämtern waren noch große Vorräte Mehl, Zucker, Seife, Kakao, wir holten uns von allen etwas in unsere Quartiere. Nachmittags bekam jeder 2 Pfd. Zucker[,] 3 Handtücher[,] 1 paar Stiefel[,] 1 Betttuch[,] einige Fleischbüchsen[,] das hatten wir alles übergefaßt in den Proviantämtern. Um 4 Uhr gabs dann in der Küche Kakao und Gewigtes[,] was wir eben gemacht hatten wir hatten da nämlich erst einen Ochsen geschlachtet. Da verlebte ich auf der Festung Namur einen ganz schönen Geburtstag.

Am Sonntag[,] den 17. November vormittags 11 Uhr[,] nachdem wir die Funkstation an die belgische Zivilbehörde übergeben hatten[,] ging es fort die ganze Division ging geschlossen als letzte aus Namur mit den schneidigen Klängen der 33er Infanterie Kappele. Die Ganze Stadt war mit belgischen Siegesfahnen geflagt. Wir waren alle in guter Stimmung[,] wir hatten kurz vorher noch aus einem Kahn einen Korb Schnapps für die Abteilung geholt[,] da jeder mal ordentlich geleckt.

Wir fuhren über Lives[,] wo wir ½ 2 Uhr nachmittags gegessen haben. ½ 3 Uhr gings weiter über Brumagne immer die Maas entlang[,] es ist hier sehr schön gute Marschstraßen. Dann passierten wir Maizert, Goyet, Strud, nach Haltinne dort kamen wir nach 35 klm Marsch abends ½ 9 Uhr an und bezogen in einen Schloß Quartier[,] welches die Soldaten vollständig vernichtet hatten[,] was immer die Einrichtung anbetrifft[,] warscheinlich waren das durchziehende Truppen[,] welche zuviel Alkohol genossen hatten. Am Montag den 18. schliefen wir bis früh ½ 9 Uhr und nachmittags 4 Uhr gings dann weiter nach Jamangne[,] wo wir erst nachts 1 Uhr ankamen nach 18 klm Marsch ankamen wir wurden hier bei einen Bauer auf den Heuboden einquartiert. Am 19/11. gings früh ½ 9 Uhr weiter über Ramelot, Seny über Warzee [Warzée] nach Temme[,] wo wir abend ½ 6 Uhr nach 20 klm Marsch ankamen[,] hier kamen wir bei Zivilleute 3 Mann ins Quartier[,] das war sehr schön[,] dort konnte man sich wieder einmal richtig waschen. Am Donnerstag d. 21/11. gings früh ½ 10 Uhr weiter über Oufett, Hamoir, Filot nach Feriers [Ferrières][,] sehr steile bergische Straßen[,] kaum das wir mit den Pferden drüberkamen. Dort kamen wir nach 35 klm Marsch nachm. ½ 6 Uhr an und bezogen Quartier in einen Bauernhaus[,] da standen noch sämtliche Möbels drin[,] auch sehr viele Heiligenbilder waren hier angebracht[,] wahrscheinlich waren die Leute khatolisch. Am 22/11. war Ruhetag hier gabs wieder gewigtes von unsern frisch geschlachteten Rind und Kakao mit Zwibak.

Dieser Ort liegt direkt auf dem Berge sehr herliche Gegend unten im Tale fließt ein reisender Gebirgsfluß entlang[,] in welche es viele Wildenten gibt. Den 23/11. gings früh 7 Uhr hier auf diesem Wege[,] wie schon auf den vorhergehenden Märschen[,] sehen wir auf der Landstraße viel liegen gebliebenes Kriegsmaterial z.B. Wagen[,] welche zum Teil vernichtet waren[,] Autos, Kraftwagen in großer Anzahl, Flinten lagen im Cousseygraben [Chausseegraben], auch viele tote Pferde lagen hier an den steilen Straßen[,] welche dort durch die großen Anstrengungen zu Grunde gegangen sind. Wir kamen durch Stoumont nach La-Glaze wo wir abends ½ 5 Uhr nach 30 klm Marsch ankamen. Hier lagen wir in einen Caffe 12 Mann in einer kleinen Stube, es war ein ganz verlassenes Dorf. Am Sonntag den 24./11. früh ½ 9 Uhr fuhr ich mit 2 Mann und den Küchensergeanten Proviant fassen[,] war es sehr schön[,] doch war es gerade sehr kalt, als wir jedoch um 11 Uhr dort [,] nachdem wir auf der Landstraße viel Aufenthalt hatten[,] ankamen[,] war der Zug schon weg[,] da welchen wir unser Proviant zu fassen hatten. Wir bekamen nur noch einen Sack Seifenthuler und Kriegs-Seife[,] welche wir aber liegen ließen[,] ich nahm mir nur 2 Päckchen mit. Wir gingen dann in das Bahnhofskaffe und warteten, bis unsre Abteilung nachkam, von hier aus konnten wir die Kolonnen[,] die nach der Heimat zogen[,] schön beobachten, die Wagen waren alle schön mit Tannenreisig geschmückt[,] ebenso die Pferde, Infanterie zog mit den klingenden Spiele Ihrer Kappelle vorbei der nahen deutschen Grenze zu. Es war um ½ 4 Uhr[,] als unsre Division kam[,] unsre Abteilung marschierte da am Ende der Division. Als wir hier durchmarschierten sah ich einen Glauchauer, Geithner Otto[,] der staunte nicht schlecht[,] als ich ihn vom Bocke aus rief, ich stieg gleich ab und begrüßte ihn. Es war gerade zum Totensonntag abends um 6 Uhr[,] als wir mit großer Freude die deutsch-belgische Grenze überschritten, hier wurden unzählige Leuchtkugeln abgeschossen das reine Feuerwerk. Da wir wieder große Stockungen auf der Landstraße hatten[,] kamen wir nach 20 klm Marsch abends ½ 10 Uhr an in Schogen[,] hier wurden wir in einer Scheune untergebracht[,] wir waren völlig durchnässt[,] denn es hatte den ganzen Tag geregnet. Am 25./11. gings weiter nach Rogelieser einen kleinen Ort hier kamen wir ebenfals nach 20 klm Marsch in eine Scheune in Quartier.

Am 26. November gings früh 10 Uhr weiter über Faymonville Weismes weiter über verschiedene kleine Orte nach Müllingen[,] hier kamen wir abends 7 Uhr[,] nachdem wir 23 klm zurückgelegt hatten[,] an und kamen auch hier wieder in eine Scheune in Quartier. Am Mittwoch d. 27./11. gings früh 9 Uhr weiter bei Regenwetter über Riescheid[,] alles liegt in der Eifel, dann weiter nach Hellenthal, Blumental sehr schön nach Reiferscheid[,] hier kamen wir nach 25 klm Marsch abends 6 Uhr an. Hier kamen wir in ein großes Gut 10 Mann in eine Stube[,] es war aber alles durch die vielen durchgezogenen Truppen beschmutzt. Am 28. hatten wir einen Ruhetag. Hier wurde das Gepäck untersucht[,] es durfte niemand mehr haben als 1 Paar Stiefel, außer die die er an hatte.

Den 29. November gings weiter über Euskirchen nach Antweiler[,] durch Euskirchen war alles voller Girlanden und die Häuser waren geflagt[,] es sah sich schon an[,] wenn man so durchmarschierte, mußte dich hier die Einwohner sich gefaßt machen[,] da wir die letzte Division waren[,] die sich noch auf der linken Rheinseite befand. Es war schon Mitternacht vorbei als wir ½ 2 Uhr nach 35 klm Marsch in Antweiler ankamen. Wir wurden hier in den Kellerflur einer gräflichen Villa einquartiert mit elektrisch Licht und Dampfheizung. Am Sonnabend u. Sonntag d. 1 Dezember war Ruhetag. Hier hatte ich in den ½ Stunde entfernt gelegene Gute des Grafen Pferdewache. Blieb aber im Kuhstall und melkte eine Kuh[,] von welche ich mir 1 Trinkbecher voll Milch gutschmecken lies. Montag den 2./12. gings weiter über Rheder, Stotzheim, Kastenholz, Euskirchen bis nach Ludendorf. Dort kamen wir nach 17 klm Marsch mittags 12 Uhr an und bezogen in der Schule Quartier. Hier wurden[,] ehe wir abrückten den andern Tag[,] vom Abteilungsführer noch an verschiedene ältere Leute der Abteilung eiserne Kreuze verteilt.

Am 3. Dezember 1918 gings früh ½ 8 Uhr weiter über Duisdorf nach Messdorf[,] hier kamen wir nach 18 klm Marsch Mittags ½ 2 Uhr an[,] blieben hier aber nur 5-6 Stunden liegen, wir bezogen bei gemütlichen Leuten 5 Mann Quartier in der guten Stube. Abends 9 Uhr rückten wir hier wieder ab[,] da wir bis spätestens am 4. früh 6 Uhr die Rheinbrücke überschritten haben mußten[,] wenn wir nicht als Gefangene hier bleiben wollten. Im Fackelzug zog unsre Division dem Rhein entgegen[,] es war ein rührender Anblick als wir um 12 Uhr Nachts in Brun einrückten als die letzten heimkehrenden[,] wir wurden in der geschmückten Stadt von den Einwohnern aufs herzlichste begrüßt und mit Zigaretten, Äpfeln[,] Blumen[,] Bisquitts beschenkt so ein Bild bekommt man im Leben nicht gleich wieder zu sehen.

Es war gerade ½ 1 Uhr früh Mittwochs d. 4. Dezember als wir mit großen Jubel den deutschen Rhein überschritten.

Die Straßen waren so voll Leute[,] das fast kein Apfel zur Erde ging, wir marschierten in doppelter Marschkolonne. Wir marschierten dann weiter über Siegburg nach Grißbach bei Honef. Da wir bis zum Rhein schon 35 klm zurückgelegt hatten[,] legte ich mich[,] nachdem wir aus Bonn waren[,] vor Müdigkeit auf den Wagen und schlief ein. Nach 15 klm Marsch kamen wir dann entlich Früh ½ 5 Uhr an. Wie schliefen bis Mittag[,] dann aßen wir und gingen Nachmittags nach Honnef was 20 Minuten entfernt war[.] Dort gingen wir in die Konditorei u.s.w. In Grißbach hatten wir 2 Tage Ruhe. Am Freitag den 6. Dezember früh ½ 8 gings weiter über Honnef, Dondorf, Stein, Harmonie, nach Eitorf dort kamen wir nach 20 klm Marsch gegen Mittag an.

Hier kamen wir 10 Mann zu einer alten Frau in eine kleine Stube, ich schlief mit noch einen in einer leeren Bettstelle[,] wo wir uns Stroh hinein legten. Auf dem Wege hierher gingen wir immer im Tale der Sieg entlang, es war eine sehr romantische Tour. Sonnabend den 7./12. gings früh 6 Uhr weiter über Hawert, Stoßbach nach Römershagen[,] wo wir nach 25 klm Marsch Nachmittags 3 Uhr ankamen[,] hier hatten wir einen sehr schlechten Weg nahmendlich für die Pferde[,] da hier es in die Räder greifen. Hier kamen wir wieder in ein Massenquartier 20 Mann. Nach 35 klm Marsch kamen wir dort an.

Am Sonntag den 8. gings weiter nach Herchen, Hoppengarten, Dattenfeld, Schladen, Waldbröl, Boxxberg nach Heiden[,] hier kamen wir nach 35 klm Marsch ¼ 4 Uhr an. Auch das war ein schöner Marsch hierher sehr steile Berge. Wir kamen hier zu hübschen Leuten ins Quartier 8 Mann[,] abends bekamen wir Bratkartoffeln mit Butter und Buttermilchsuppe mit Backobst[,] wir waren mit diesem Quartier sehr zu frieden. Hier hatten wir 2 Ruhetage.

Am Mittwoch den 11. Dezember gings weiter über Oberholzklau, Clafeld, Weidenau nach Frohnhausen, wo wir wieder nach 25 klm Marsch in ein kleines Dorf einquartiert wurden. Die Wagen standen hier ½ Std. vom Quartier auf der Landstraße. Da hatte ich gerade Wache[,] das war nichts zum Lachen[,] während der Nacht beim ablösen auf den völlig unbekannten Wege durch den bergigen Wald krapeln[,] überall waren Wassergraben[,] diese Gegend ist sehr reich bewässert. Donnerstag den 12./12. gings weiter über Niedernepten, Eschenbach eine herliche Gegend nicht zu beschreiben es wird das Rothaargebirge genannt, dann weiter über Affolderbach, Lützel nach Amtshausen[.] Dort kamen wir nach 32 klm Marsch nachmittags 4 Uhr an und bezogen Quartier bei einen kleinen Bauer 4 Mann hier wars auch schön. Am 13./12. hatten wir Ruhetag[,] wir ließen uns abends grüne Klöße machen mit Büchsenfleisch[,] schmeckte tadellos.

Sonnabend 14/12. gings weiter über verschiedene kleine Gebirgsdörfer nach Richstein i./W. hier war die ganze Gegend alles ein Schiefergebirge[,] sehr herlich[,] wir kamen hier 20 Mann in ein Quartier[,] es ging sehr eng zu. Sonntag d. 15./12 war Ruhetag. Am Montag den 16./12 früh 7 Uhr gings weiter über Hatzfeld (Stadt)[,] Holzhausen, Battenberg, Battenfeld, Allendorf nach Rennertehausen[,] wo wir nach 20 klm Marsch nachmittags ½ 3 Uhr ankamen[,] bezogen hier Quartier in einen Gute 28 Mann[,] hier hatten wir keinen Ofen[,] da haben wir tüchtig gefroren, es hatte den ganzen Tag geregnet. Wir bekamen aber wenigstens bar Bratkartoffeln zu essen. Am 17/12. Ruhetag.

Am 18. Dezember von dort nach ½ Std in Bärenmühle einen ziehmlich entlegenen Grund genannt der Langelgrund nach die Bach „Lange“ welche durchfließt. In diesen Grund waren 5-6 Mühlen hintereinander[,] eine sehr schöne wildromantische Gegend. Hier kamen wir nachmittags 4 Uhr[,] nachdem wir auf der Landstraße Mittagsrast gehalten hatten[,] nach 20 klm Marsch an. Hier sollten wie verladen werden[,] es wurde aber nichts draus. Am 23. fuhren wir mit den Geschirr nach Frankenberg[.] Dort gaben [wir] alte Ausrüstungsstücke ab von den am 21/12 von der Abteilung entlassenen alten Leuten bis Jahrgang 1895.

Es war da ein ganz große Scheune[,] dort legten wir die Sachen ab, auch gaben wir verschiedene Wagen ab. Auch sollten wir hier entlaust werden, es wurde aber nichts daraus, wir haben bereut, daß wir mitfuhren[,] denn es schneite und regnete was herunter konnte. Am selben Tage hatten wir Schlachtfest bei unsern Quartierleuten. Wir bekamen Kartoffel mit Wellfleisch und Wurstsuppe. Hier hatte ich verschiedene Male Wache da habe ich meine Ablösung gleich vom Lager aus geweckt. Durchfall

Am 24. abends 6 Uhr war Weihnachtsfeier mit den Coral Stille Nacht wurde die Feier eröffnet, dann hielt der Abteilungsführer eine Ansprache sehr rührend. Dann wurden die Verschiedenen Geschenke verteilt. 1 Hemd, 1 Unterhose, 2 paar Strümpfe, 2 Sack Zwieback, 1 frischgebackenes Brot, 20 Zigaretten, 6 Zigarren, 1 Paket Tabak. Nachdem händigte der Abteilungsführer verschiedene Eiserne Kreuze unter den brennenten Baume aus.

Am 1. Feiertag bekamen wir früh Kuchen und mittags machten wir uns grüne Klöße mit Büchsenfleisch. Am 2. Feiertag gabs Magaronie mit Backobst, die Feiertage über war eine sehr schöne Weihnachtsstimmung in der Gegend, Felder, Walder und Berge waren mit einer Schneedecke überzogen. Das Rad der Mühlen förderte das Wasser des reißenden Gebirgsstromes über das langsam drehende gewaltige Rad. Sonntag d. 29/12. mußte ich früh Befehlsempfangen in Viermünden, es war 1 ½ Std. zu laufen[,] aber ein sehr schöner Weg immer durch Wald und den Bach entlang hüben und drüben hohe Berge und tüchtig schmutzig war der Weg. Früh 9 Uhr kam ich im Geschäftszimmer des Fuß Artillerie Regiments No. 6 an[,] von dort aus wurde mir ein Quartier angewiesen wo ich wohnen mußte[,] bis Befehle kamen. Ich kam gerade beim Kaffeetrinken und wurde sofort eingeladen mitzuessen[,] was ich mir nicht 2 mal sagen las. Es gab Weißbrot mit Butter u. weißen Kaffee sehr gut. Nachmittags gabs erst Suppe, dann Merrettichsouce und Salzkartoffeln und rote Rüben[,] da habe ich ordentlich hineingeleuchtet. Und um 4 Uhr gabs Streuselkuchen u. Apfelkuchen soviel man essen konnte[,] hier wär ich gern noch par Tage geblieben[,] mußte aber leider[,] da ich den Befehl des Abmarschs bekam[,] bereits abends ½ 7 Uhr weg[,] es war ein sehr schlechter Weg[,] wo man keinen genauen Weg weiß[,] in der Finsternis laufen[,] mir hats manchmal bald die Stiefel ausgezogen vor Dreck. Abends 8 Uhr kam ich wieder im Quartier an und brachte die Kunde[,] das es morgen früh weiter geht.

Montag 30. Dezember 1918 gings nach 12 tägiger Ruhe wieder weiter über Ederbringhausen der Eder entlang, Schmidtlotheim, Kirchlotheim, Herzhausen, Corbach, Berndorf nach Hemscheid[,] dort kamen wir nachmittags ½ 5 Uhr nach 35 klm Marsch an[,] bezogen bei einen Bauer Quartier 2 Mann[,] sehr hübsche Leute[,] abends bekamen wir gebratene Leber mit Salzkartoffel[,] dann gabs noch Kuchen konntens nicht besser treffen. In unsre Zimmer war elektrisch Licht.

Am 31. Dezember 1918 hatten wir Ruhetag[,] gingen aber zur Silvesternacht schon ½ 10Uhr schlafen.

Am Mittwoch den 1. Januar 1919 gings früh ½ 9 Uhr bei prächtigen Wetter[,] nachdem wir erst noch Apfelkuchen und feinen Kaffee getrunken hatten[,] wieder weiter über Fechtorf, Wirminghausen, Adorf, Bredelar nach Beringhausen[,] wo wir nachmittags 4 Uhr nach 20 klm Marsch ankamen.

Hier sollen wir nun endlich verladen werden. Wir kamen hier zu einen Müller in Quartier. Wir bekamen hier Speckkartoffel[,] nachdem gingen wir in den Dorfgasthof und feierten das neue Jahr bei einen Glas Bier und einen guten Steinhäger.

Den 2. Januar war Ruhetag und am Freitag den 3. Januar 1919 früh 10 Uhr wurden wir in Bredelar ½ Stunde von dem Ort[,] wo wir lagen[,] verladen mit der 8. Batterie der 6. schlesischen Fuß-Artillerie. Das Verladen ging ziehmlich schnell vor sich. Nachmittags 2 Uhr gings nachdem der Zug zusammengestellt war, die Fahrt über Marsberg, Westheim, Scherfede[,] Warburg (Westf.) Altenbegen [Altenbeken], Abends schlief ich im Gepäcknetz. Während der Nacht fuhren wir über Broitz nach Braunschweig[,] wo wir früh 9 Uhr ankamen[,] hier hatten wir einige Std. Aufenthalt. In Braunschweig sitzt auf dem Herzoglichen Trone zur Zeit ein Schneider[,] welcher im Auto mit Maschinengewehr durch die Stadt fuhr.

Dann gings weiter über Grüner Jäger, Frellstedt nach Magdeburg[,] wo wir abends ¾ 8 Uhr ankamen. Dann gings über Werminghoff die Nacht hindurch früh 9 Uhr d. 5/1. kamen wir Ufhyst in Schlesien an[,] wir waren nicht schlecht erstaunt[,] das wir uns in Schlesien befanden[,] dachten wir doch über Halle nach Dresden zu fahren[,] wir fuhren dann noch weiter bis Kohlfurth[,] dort hingen wir uns ab und wurden nach 6 Stündigen Aufenthalt einen Güterzug angehängt. Nachmittags ½ 3 Uhr gings weiter über Hennersdorf, Morys nach Görlitz. Von dort aus gings um 5 Uhr über Löbau, Bautzen, Jübock, Amtsberg, Radeberg nach Dresden[,] hier kamen wir ½ 12 Uhr nachts auf den Neustädterbahnhof an. Wir blieben noch bis früh in den Wagen liegen und zum Hohenjahr d. 6/1. früh 9 Uhr luden wir aus. Um 10 Uhr zogen wir mit Karabinern durch die Stadt in die Funker Kaserne nach Dresden-[Cadite?]. Mußten aber hier[,] da kein Platz war[,] wieder weg und zwar nach Constappel 2 ½ Std. von Dresden. Gegen abend kamen wir dort an bezogen Quartier bei einen Bauer 6 Mann, der war aber sehr geizig[,] der rückte kaum bischen Feuerung heraus. Am Abend gingen wir in den Gesthof wo wir ein kleines Tanzvergnügen veranstalteten es war sehr schön. Am 8/1. früh 6 Uhr fuhren wir nach Dresden[,] wo wir die Wagen und die Geräte abgaben, nachdem ritten wir mit den Pferden[,] die erst am andern Tag abgegeben wurden[,] nach Dresden Reick zur Entlausung[,] abends 8 Uhr waren wir nach Monaten endlich die Läuseplage los.

Wir ritten dann wieder nach Constappel in die Quartiere[,] wo wir nach 3 stündigen Ritt abends 11 Uhr ankamen.

Den 9. Januar abends 8 Uhr feierten wir Abschied, da am 10/1. die Abteilung aufgelöst wurde[,] wir tanzten tüchtig und das Bier und der Wein wurde reichlich in Anspruch genommen. Früh ½ 5 Uhr war die Feier zu Ende. Am Mittag kochte die Feldküche das letzte Mal Graupen mit Büchsenfleisch[,] wo aber fast ¾ Teil weggeschmissen wurde. Nachmittags 2 Uhr wurde aufgelöst Jahrgang 96 u. 97. wurde entlassen[,] einige bekamen Urlaub und die andern[,] die erst im Oktober ins Feld sind 98 u. 99.[,] wurden nach Kesselsdorf überwiesen zur Ersatz Abteilung[,] von wo aus sie dann Urlaub bekamen. Wir verabschiedeten uns vom Wachtmeister und vom Abteilungsführer nachdem wir unsre Pässe hatten, faßten dann noch den Überschuß an Lebensmitteln der Feldküche einige Fleischbüchsen u.s.w. dann pakte ich im Quartier meinen Tournister und um ½ 4 Uhr wanderte ich von Constappel nach Coswig[,] von wo aus ich um ¾ 5 Uhr nach Dresden Hauptbahnhof fuhr. Dort kam ich ¾ 6 Uhr an erkundige mich nach den Zug nach [Rest des Textes fehlt!]

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Kriegserinnerungen von Hans Schenk aus Glauchau (22. Mai 1918 bis 09. Januar 1919)