Kriegstagebücher und Kriegserinnerungen

Texte und Kontexte

Kriegserinnerungen von Paul Schmidt aus Haspe, Reservist beim 1. Unter-Elsässischen Infanterie Regiment 132 (17. Okt. bis 6. Dez. 1914)

| Keine Kommentare

Über den Reservisten Paul Schmidt liegen mir bisher keine biographischen Informationen vor. Es ist lediglich klar, dass er aus Haspe stammt. Am 17. Oktober 1914 wurde als Reservist beim 1. Unter-Elsässischen Infanterie Regiment 132 eingezogen und dann zunächst an die Westfront nach Frankreich verlegt. Ende Oktober 1914 wurde er dann bereits nach Flandern (Belgien) verlegt, wo sein Regiment an der Schlacht von Ypern unmittelbar beteiligt war. Besonders interessant sind die Schilderungen der Fronterlebnisse, in denen Paul Schmidt auch den grausamen Tod einiger Kameraden im Detail schildert. Dramatisch schildert er auch die schlechte Versorgungslage in der vordersten Kampflinie.

Am 30. November 1914 meldete sich Paul Schmidt krank. Am 5 Dezember 1914 traf er in seiner Heimatstadt Haspe ein und ging dann am 6. Dezembner 1914 in das dortige Evangelische Krankenhaus. Hier enden seine Kriegserinnerungen. Ob er später noch einmal als Soldat an die Front kam, ist mir bisher nicht bekannt.

Rechtschreibung und Zeichensetzung folgen dem Original.

Beginn der Kriegserinnerungen von Paul Schmidt

Paul Schmidt: Meine Erlebnisse aus dem Weltkrieg 1914

Wir rückten am Sonntag, d. 17.10.14 aus von Straßburg und fuhren über Ricklingen, Metz, Diedenhofen, Suftyen (Luxemburg) Autel-Bas, Arlon, Habay, Marbeken, Mellin, Coustenmont, Longier, Kufehateau, Libramont, Charleroi, Thüre, Mons-Bergen, Quievrain, Busigne, Bohain, St. Quentin, Perniet, Lafere, Cessigny, Crepy, Bouvron bis Laol, Ankunft Dienstag Abend d. 20/10 über Nacht im Zug geblieben, 21/10 mittags zurück nach Laherie[,] wo wir ausgeladen wurden. Von dort marschierten wir nach Vendeul (6 kl)[,] kamen dort abends an und wurden den Kompanien zugeteilt. Kamen zu 6 Mann bei der 10. Komp. Inf. Reg. 132. Otto Hopp aus Vörde, Franz Merremann aus Gevelsberg, Heinr. Weide Westfalen, Karl Schaffert aus Hohenlimburg und ich.

Blieben hier über Nacht in Scheune 22/10 morgens 80 Abmarsch nach Roupy (25-30 klm.) Ankunft nachm. 230 blieben dort über Nacht bis andern Abend. 23/10 abends 80 Abmarsch nach Mesnils-Nicaise [Mesnil-Saint-Nicaise] (35 klm) Ank. Nachts 40 mußte gleich zur Sicherung. Ich kam am Ausgang, da wir Vorhut waren auf Wache (6 Mann am Eingang und 6 Mann am Ausgang des Dorfes (Doppelposten)[.]

24/10 abends abgelöst von Wache marschierten dann um 90 ab nach Villevêque, (30 klm) Ankunft nachts 40 durch naß nach 3 Stunden ruhe marschierten wir am 25/10 715 nach Nauroy (28 klm) Ank. nachm. 40

26/10 Abm. 715 nach Cambrai (30 klm) Ank. nachm. 30 über Nacht im Kloster[.]

27/10 morgen. 620 Abm. nach [Nord?] (28 klm) Ank. 230 nachm.

28/10 Abm. 630 vorm. Nach Sainghin en Melantois [Sainghin-en-Mélantois] (28 klm) Ank. 20 nachm.

29/10 Abm. 60 vorm. Ank. mittags 1 ½ in Bondues auf eine Wiese biwakiert, gegessen. Dort wurde noch 1 Kuh geschlachtet[,] haben dort bis 630 abends gelegen, gegen 60 fing es an zu regnen marschierten dann nach Belgien, kamen nachts 12 ½ in Tenbrielen [Ten Brielen] an, hörte nicht auf mit regen, waren alle bis auf die Haut naß, sind dort in der Kirche gegangen 10. und 11. Komp. Haben dort auf dem Steinboden übernachtet (regnete an verschiedenen Stellen in der Kirche rein, da das Dach zerschossen war, durch naß, sehr kalt lagen wir alle auf Stühlen teils auf dem Boden, hatte mich kaum hingelegt, als ich geweckt wurde, unser Comp.Führer Oberleutnant _____________ legte sich kurzerhand dahin, habe mich da auf einen Stuhl gesetzt, 1 Cigarette angezündet, da nicht mehr eingeschlafen vor Wut, da ich meinen Mantel nicht kriegen konnte, den der Ob.Leutnant hatte sich auf meinen Tornister gelegt, war froh wie wir am 30/10 morg. 60 geweckt wurden, wir frieren alle fürchterlich, dann bekam jeder ½ Trinkbecher Tee dann ging es ins Gefecht, da wir Reserve waren blieben wir hinter einem Gehöft zurück, dort war nur 1 alte Frau von vielleicht 70-80 Jahren, die wurde von 1 Feldwebel bange gemacht, als der Kanonendonner losging, dann lief die Frau auch fort, war ja auch besser, da die feindliche Artillerie das Haus bestreichen konnte, gegen 100 vorm. rückten wir vor, uns von einem Gehöft zum andern schleichen, dort bekamen wir den ersten Eindruck des Krieges, tote Kühe, Ochsen, Schweine, abgebrannte Häuser, hier und da 1 toter, von dort kamen wir in 1 englischen Schützengraben, da pfiffen uns die Inf. Kugeln um die Ohren, dort wurde ich, da ich noch nichts mitgemacht habe, doch bisschen unruhig und aufgeregt blieben dort bis gegen nachm. liegen, hatte mich allmählich beruhigt[,] haben dort noch 1 kleines Ferkel im Schützengraben geschlachtet, gegen 40 kam der Befehl zum vorrücken, vor uns 1 kleiner Wald, wie wir dort raus kamen, wurden wir lebhaft befeuert von feindl. Inf.feuer von vorne und aus der rechten Flanke, ich drückte die Stirn vor, als wenn ich hätte sagen wollen, Ihr könnt mir doch nichts antun, waren keine 20 Schritt aus dem Wald raus, als ich plötzlich 1 Schlag am Bein spürte, vor mir lag einer in Deckung (da mir die Luft ausging, warf ich mich neben den hin, lag 1 Augenblick still, da befühlte ich mein rechtes Bein, konnte aber nichts mehr finden, bis ich direkt über meinem Stiefel 1 Loch in der Hose fand, also 1 Streifschuß, ich drehe mich rum, um meinen Kamerad, der neben mir liegt anzusprechen, als ich sehe, daß er tot ist, (Kopfschuß) ich aber aufgesprungen und war zu meiner Komp. wo wir nun hinter den andern im Graben lagen, links von uns wurde auch vorgegangen, 1 schauriger und doch wieder schöner Anblick, wie nun unsere vorlaufen sah auch zur Anhöhe und plötzlich feindliche Schrappnells dort krepierten, alles warf sich flach auf den Boden, dachte im ersten Moment, waren alle tot gewesen, aber nah einer Weile sprangen Sie auf und vor ins Gebüsch verschwunden blieben doch liegen. Gegen 70 gingen wir zurück unter Führung unseres Oberleutnants mit 200 Schritt abstand, nur einer der letzten, wie ich zurück ging, sprang ich über 1 Graben, und hatte bald auf 1 toten getreten, der im Walde lag, war schon bald dunkel. Glaubte 1 bekannter war das gewesen, ging noch mal wieder um, konnte aber in der Dunkelheit nichts erkennen, wie ich dann zurück ging, traf ich noch 1 von unserer Komp. liefen wir um unsere Comp. zu finden war aber wie vom Erdboden verschwunden, sind bis spät abends rumgelaufen, gelangten dann in einen Schützengraben, waren todmüde und sind dort eingeschlafen, beim Morgengrauen wurden wir wach und gingen, unsere Comp. zu suchen, kamen in unsere Artillerie Stellung vorbei, frugen dort nach unserer Comp. konnten uns keine Auskunft geben.

31/10 Wir gingen weiter vor, kamen an viele Tote vorbei (Deutsche, Engländer) hörten von verne Art.+ Inf.feuer, da sahen wir vor uns am Waldrande, daß sich dort Inf. einschanzt war die 11. Bayr. frugen dort nach unserer Comp. und wurden wir nach einer Tannenschonung weiter links gewiesen, auf dem Wege nach dort sah es schrecklich aus, hier  toter Engl. Dort 1 Deutscher, tote Kühe, Pferde, Schweine, die Häuser alle bis auf den Grund zerstört, kamen dann zu unserer Comp. (hatten schon gedacht, wir wären tod) blieben dort bis abends lliegen, unter viel Art.Feuer, gingen dann vor in einem von unseren Truppen gestürmten Schützengraben, abends Essen geholt, bekamen noch viel Inf.feuer, der Fähnrich unser Zugführer fiel als erster, bekam 1 Schuß durch die Schlagader, wurde dort begraben, als wir fertig waren, kam das Kommando zum vorrücken, blieben dann hinter einem Haus unter freiem Himmel liegen, holten uns Stroh und bald war alles in süßer Ruh, war sehr kalt, dazwischen das blöken der Kühe und ab und zu sausten Inf. Kugeln über uns fort, waren froh, als der Morgen anbrach.

1/11 gegen 50 morgens rückten wir weiter vor, haben uns dann eingebuddelt im Schützengraben liegen geblieben, haben  den ganzen Tag von der engl. Art. Feuer  bekommen, schlugen vor, hinter + neben uns ein, hatten aber Glück, nur 1 paar Verwundete, blieben des Nachts dort liegen, mußten des Nachts Außen Posten stehen, die Inf. Kugeln pfiffen nur so über uns fort, mußten uns öfters hinlegen, aus Posten bis 50 morgens.

2/11 morg. 80 kam der Befehl zum Einschieben in die vordere Schützenlinie, auf dem  Wege dorthin, beobachtet uns 1 feindlicher Flieger, wir im Laufschritt in einen Wald rein, wurden zirka 1 Stunde dort festgehalten, dann rückten wir einzeln vor,, kamen an einem Hause vorbei, was halb zusammengeschossen in der Küche lagen tote Engl. Einer hatte noch eine Kaffeetasse in der Hand mußten wohl beim Kaffeetrinken von einer Granate überrascht worden sein, andere lagen draußen, waren geflüchtet und von unseren Schrappnells überrascht worden, lagen dort in einer Stellung, die an Haufen erinnert, lagen auch viele Inf.. und Jäger wie uns. Wir rückte weiter vor und kamen in einer Tannenschonung mußten uns im Walde einschanzen, kaum waren wir ½ std. am arbeiten, als wir 1 ganz mörderisches Schrappnellfeuer bekamen, direkt über uns, das war ein fürchterliches Krachen, halbe Bäume fielen auf uns, Tannenzweige + Nadeln, dachten alle wir wären verloren gewesen, nicht tief genug in der Erde, kein Schutz, da konnten wir arbeiten daß wir 1 Topf wenigstens für den Kopf beamen, wir preßten uns förmlich in die Erde rein, habe gebetet und an meine Lieben daheim gedacht, waren fürchterliche Momente, hier stöhnte einer, dort war einer am schreien, dann wurde auch Sanitäter gerufen, das feuer wurde immer stärker, bis dann der Befehl kam zum zurückgehen mußten einzelne zurück, vielleicht 50-60 Schritt, kamen dort an neuem Graben und schanzten uns gleich ein, waren dort sicherer gegen Schrappnells, hatten 1 Toter + vielleicht 10 verwundete, gegen nachm. lies das feuer etwas nach, dann mußten wir wieder vor, gingen den Graben entlang nach rechts von dort lief 1 engl. Schützengraben nach links, dort blieben wir dann, waren noch nicht lange dort, als wir mit Granaten begrüßt wurden nach zirka ½ Std. mußten wir dann vorgehen, kamen auf einer Lichtung und von dort in Tannenwäldchen, dort bekamen wir ein mörderisches Infanterie feuer und ab und zu Art. Feuer, mitten im Wäldchen mußten wir uns wieder einschanzen, konnten keine 100 m vom Feinde sein, hörten es aus dem Feuerns, konnten nichts sehen, da die Tannen sehr klein waren, wie wir fertig mit Schanzen waren, beobachteten wir die Gegend, da sahen wir rechts von uns eine Lichtung (Acker) welcher von Wald an 3 Seiten eingeschlossen war, auf dem Acker lagen 10-15 Infanteristen von uns flach auf dem Boden, rührten sich nicht, wir führten einen Disput,, ob die Leute tod wären oder nicht, ich glaubte auf das erstere, bis 1 Sergeant mit seinem Feldstecher beobachtete, der sagte dann, Sie leben, wir wie aus einem Munde Gott sei Dank. Beobachteten dann selbst durch das Glas, sah dann, wie Sie am einschanzen waren im liegen, habe die Kerls bedauert, durften sich auch nicht auffällig bewegen, da Sie dann vom Feinde abgeschossen worden wären, mit einem mal sahen wir, wie von einem Karl Rauch aufstieg und nach ½ Std. schlugen ihm die Flammen am Leibe rauf, ein schrecklicher Anblick, daneben lagen sie zwar und durften sich kaum bewegen, geschweige denn helfen.

Abends beim dunkel werden, kommt plötzlich der Befehl, Alles fertig machen zum Sturm, plötzlich hören wir vor uns (dort lagen noch 1 Teil von unserer Comp.) wie Hurra gerufen wird, weit hinter uns auch Hurrarufe, der Tambour trommelt zum Sturm, der Hornist bläst, wir stimmen ein im Hurrarufen, erhalten aber im nächsten Moment ein ganz fürchterliches Inf. + Maschinengewehr feuer, unser Angriff kommt ins Stocken, 1 Geschrei von Verwundeten, der Feind (Engländer) feuert ununterbrochen, wir stürzen noch 20-30 Schritt vor, alles liegt voll Menschen, jeder sucht Deckung, hinter uns kommt keiner mehr vor, vor uns geht nicht, vor uns am Waldesrande sind Drähte gespannt, und davor noch Drahtverhaue, wir alle in Wassergräben rein (einer auf den anderen) die sich durch den Wald ziehen, als das Feuer etwas nach läßt, richte ich mich auf, kniete noch, als mir 1 Kugel direkt am Ohr vorbei ging, bekam 1 schrecklichen Schlag am Ohr, schon stöhnte einer hinter mir, kaum drehte ich mich um, als mir schon einer im Arm fällt, der hatte sich aufgerichtet und stand hinter mir, die Kugel, die an mir vorbei gegangen war, war ihm im Unterleib gegangen, haben ihn gleich verbunden war Emil Renfort aus Iserlohn, und dann fort getragen, waren beinah im Engl. Schützengraben gelaufen, zu allem Unglück, und doch wieder zu unserm glück schossen Sie gleich, wir im Graben rein, dann haben wir uns mal orientiert und zur Verbandstelle gebracht, haben uns dort etwas ausgeruht und sind gegen Mitternacht zurück gegangen zur Comp. haben dann (die Comp. war halb zerstreut) wieder angefangen zu schanzen bis morgens 40 und uns dann hingelegt zum schlafen.

3/11 wurden die Verluste von Bataillon festgestellt (3 Offiziere, 152 Mann) blieben den Tag im Schützengraben nachts Postenstehen (bekamen den Tag über anhaltendes Schrappnellfeuer das uns nichts anhaben konnte 1 paar Verwundete gegen Abend ging das Inf.feuer los, Engl. Befürchteten wahrscheinlich 1 Angriff von uns.

4/11 bis 110 vorm. Alles ruhig, dann bekamen wir fürchterliches Art.feuer welches bis abends anhielt, wurde von unserer Art. erwidert. Gegen 70 abends gingen wir vor, im fürchterlichen Regen, mußten uns dann lautlos einschanzen,, waren bis auf die Haut naß als wir fertig waren, kam der Befehl, daß wir wieder in unsere alte Stellung zurück mußten, die engl. Gaben öfters  Salben ab, nachts mußte ich Posten stehen, hörte nicht auf mit Regen.

5/11 bekamen wir viel Art.feuer und schärferes Inf.feuer, konnten nirgends Wasser holen zum Trinken (auf dem Körper hatten wir genug Wasser) abends gingen wir zurück, dachten wären in einer Scheue gekommen, aber Essig, mußten wieder Erdarbeiter spielen, konnten aber schlafen.

6/11 gingen wir zurück kamen nah einem anderen Flügel, mußten uns wieder einschanzen, da kamen die Granaten schon geflogen, das war der Morgenkaffee, bis 10 mittags dort geblieben, ohne 11 paar Tote und verwundete ging ging es wieder nicht ab, dann gingen wir vor in Stellung, die vom Inf. Reeg. 126 erobert war, als wir auf der Höhe ankamen, hätten wir halten müssen, unsre Comp. führer läuft aber weiter mit uns, schon war die Bescherung da, es war schon dunkel geworden, da ruft einer aus dem Wald raus, Halt wer da, niemand gibt Antwort, noch einmal, halt wer da, da ruft einer von unserer Comp. gut freund, da hören wir Legt an. Schützenfeuer, wir aber von der Straße runter, wurden von unsere eigenen Truppen ( I.R. 126) beschossen, zum Glück keiner verletzt, im Strudel vom Comp. führer gut freund kann jeder sagen, und dann war die Gegend frisch erobert, wir mußten zirka 100 Schritt zurück und legten uns neben einem abgebrannten Hause nieder zum schlafen, nachdem wir essen geholt hatten.

7/11 bei dem abgebrannten Haus eingebuddelt, vormittags viel Inf.feuer nachm. bis dunkel werden fürchterliches Artillerie feuer (waren oft gefährdet) abends gingen wir vor, bekamen viel Inf.feuer, mußten uns geschlossen auf der  Straße hinlegen, als es allmählich stiller wurde gingen wir vor und wurden uns stellen zum einschanzen angewiesen, nachts mußte alles an die Gewehre bleiben, da befürchtet wurde, daß der Feind ein Angriff machte, blieb aber ruhig, ab + zu viel 1 Schuß.

8/11 morgens konnten wir das Schlachtfeld übersehen, wo man hinblickte[,] lagen Tote (Deutsche, Franzosen, viele Engländer und Schottländer + Belgier) bekamen den ganzen Tag über Artillerie + Infanteriefeuer gegen Abend viel Infanteriefeuer (Schnellfeuer) sobald es dunkel wird, fangen die Engl. An zu schießen, befürchten wahrscheinlich 1 Angriff von uns, oder es ist Angst) wir stören uns aber nicht daran und bleiben ruhig liegen, nur wenn es zu toll wird, kommt mal ab und zu 1 Befehl Alles an die Gewehre, hat aber meistens nichts auf sich.

9/11 hab ich mich krank gemeldet mit noch einen, gingen morgens zum Arzt,, fühlte mich so elend, konnte kaum auf den Füßen stehen, der Arzt schrieb uns Felddienst fähig, sagte zu uns, sollten 1 paar Stunden dort bleiben und wärmen, sollten uns Kaffee geben lassen und Erbsen-Suppe haben wir uns gekocht, blieben bis nachm. 40 dort, dann schickte uns der Arzt  fort, waren kaum 10 Minuten unterwegs, kamen an einer Waldesecke, krepierten in unserer Nähe 1 paar Schrappnells, wir gleich Deckung gesucht, hörte aber bald auf, gingen dann wieder vor, kamen durch 1 Hohlweg, alles vor Tote (Deutsche 126er) war ganz fürchterlich lagen oft ganze Haufen aufeinander, verschiedene standen da, die Hände in die Hecke ausgestreckt, dann stand einer dort den Kopf in der Hecke rein, war ganz schrecklich, wir waren ganz trübselig, auf einmal schreckte und die Granate wieder auf zum glück waren in dem Hohlweg Unterstände gemacht, wir aber dort rein, da pfiffen Sie über uns fort, und so dicht, daß die Bäume, die vor uns waren, bedenklich an zu Schaukeln fingen, dann kam mal 1 Ast geflogen, dann mal Schrappnellfeuer auf unsere Deckung, die Granaten schlugen in unserer Nähe ein, eine höchstens 10 Schritt hinter uns, alles  stank nach Gase und Pulver, wir stecken ganz in der Ecke, dachten jeden Moment, jetzt kommt eine hier rein, gegen 60 hörte das Art.feuer aus, da fing die Inf. wieder an, wir krochen aus dem Unterstande raus und gingen weiter vor, tragen dann von unserer Comp. welche, die zeigten uns dann den Weg, blieben über Nacht im selben Schützengraben. Die  Comp. hatte schon 2 Tage nichts zu Essen bekommen, mußten nachts Posten stehn.

10/11 blieben wir im Schützengraben, bekamen Liebesgaben 2 Cigaretten + 1 Zigarre tagsüber viel Art.feuer, hatten schrecklichen Durst, war aber nirgens Wasser zu haben, und konnten auch, wenn wirklich Wasser da war, doch nicht raus kamen gegen Abend Inf. feuer nachts Posten.

11/11 morgens früh bekamen wir viel Art.feuer, ununterbrochen wurde gefeuert, gegen mittag viel Inf.feuer gingen 10 kam der Befehl. „Alles fertig machen“ (wahrscheinlich zum Sturm) vor uns die Bahn, halb links am Bahndamm lagen 2 Züge von unserer Comp. und 11. Comp. vor uns übern Bahndamm lagen die Franzosen, konnten direkt in die Flanke schießen, bekamen aber selbst Art.feuer aus der Flanke, wir sollten vorgehen bis zum Bahndamm konnten aber nicht, und war auch keine Führung da, und daß auch zu unserm Glück. Gegen 2 ½ machten die 126 übern Bahndamm 1 Angriff wir hatten in  die Franzosen gefeuert gingen laufen, konnten jeden einzelnen abschießen, mußten aber aufhören, da wir unsere Truppen noch weit hinter die Franzosen bemerkten, ein Glück, daß sie Mäntel anhatten, sonst hätten wir Sie nicht bemerkt und konnten leider nicht mehr schießen,  kaum hatten unsere den französischen Graben besetzt, als wir schrecklich Art.feuer bekamen, und einer vor uns am Bahndamm wo wir vorgehen sollten, die andern am Bahndamm konnten sich nicht halten, hatten viele Verluste, alles volltreffer, gegen 40 bekamen wir auf einmal Art.feuer der erste Schuß war ein Treffer (bekamen nämlich aus der Flanke Art.feuer). Sergeant Eppmeyer fiel als erster, die Granaten kamen bedenklich näher, immer in Richtung unseres Grabens, rechts von uns gingen Sie schon laufen, kamen aber nicht weit, wurden von Schrappnells überrascht, fielen gleichen verschiedene (ist ein alter Trick bei den Engländern, 1 Granate dann 6-8 Schrappnells gleich hinterher) wir blieben noch drin, bis Sie auf 10 Meter von uns waren, wir waren zu 3 und links von uns noch 2 Landw. Leute, die meisten ließen alles im Stich, wir hingen uns die Tornister um, warteten noch 1 Moment bis in paar Schrappnells kamen, dann nichts wie raus, den Berg rauf, auf halber Höhe blieb Franz Merremann (Gevelsberg) hinter 1 Hecke liegen, August Graf (Gevelsberg) und ich legten und auch dahinter, kaum lagen wir dort, als direkt in unserer Richtung ungefähr 8-10 m vor uns 1 Granate krepierte, ich aber auf, die andern hinterher und weiter gelaufen, zum Glück blieben die Schrappnells aus, sonst…

Waren ganz kopflos, liefen selbst im Verderben rein, ging aber alles gut, auf der Höhe angekommen, krochen wir in Deckung, (die wir paar Tage vorher gemacht hatten..) lagen kaum ¼ Std. dort (war gerade als wenn die Bande uns gesehen hätte)  als es über uns losging S-.stt.. 1 Schrappnell hintern andern ab und zu 1 Granate, blieben aber liegen, war uns ganz egal, glaube, daß wir nicht mehr ganz zurechnungsfähig waren, ab und zu flog 1 Granat oder Schrappnell Splitter auf unsere Deckung, waren in einer Aufregung, legten uns hin und waren bald eingeschlafen, (waren tod müde) wurden später aus dem Schlaff gestört, regnete uns im Gesicht, war schon halb dunkel, ich ging (wir 3 lösten uns immer ab) die Feldküche  suchen, um Essen zu holen, traf auf der Straße noch 1 von unserer Comp. wollte auch Essen holen, wir also los auf der Straße, wenn man das Ding so nennen kann, alles voll Granatlöcher und Schlamm, warenungefähr 10 min. gelaufen, kamen durch 1 Hohlweg als wir fürchterlich Inf.feuer bekamen, warteten 1 Augenblick bis es etwas nach lies, dann wir weiter, können noch zirka ½ Std. gellaufen sein, als wir bei den Küchen ankamen, im Moment fing es aber schrecklich an zu regnen, war uns natürlich (da wir heißhunger hatten) egal, alles drängte sich um die Küche rum, haben auch glücklich waß bekommen, 1 Kochgeschirr voll Bohnen Suppe, 2 Feldflaschen voll Tee mit Rum, glaube nämlich, daß es so waß ähnliches war, und 2 Brode unterm Arm für 3 Mann dann zogen wir los, daß Wasser kam uns aus dem Stiefelschaft raus, war kolosal angenehm, hatten uns lange nicht gewaschen, kamen wieder heil an, kroch in Deckung, dann aber nichts wie gelöffelt, legten uns dann hin zum schlafen, der Zeug klebte mir am Leib fest, war noch unangenehmer, die andern beiden hatten nicht so viel abgekriegt, wollten und noch verschiedentlich raus holen, 1 Offizier suchte unser Bataillon, bekam aber nur ein paar Männeken zusammen, waren in allen Richtungen zerstreut,, ging aber gut, habe ganz geschlafen.

12/11 morgens früh kamen  wir zum Vorschein, machten uns fertig und gingen auf der Straße trafen noch verschiedene von unserm Bataillon, kurz drauf kam 1 Offizier, schnauzte uns an, wo wir gewesen waren, hatte ja in verschiedenen Beziehungen recht, hatten den Tag davor keine Führung, kein Offizier, noch nicht mal 1 Untffz. konnte uns niemand verdenken, man geht auch nicht gern in 1 andere Kompagnie, der Offizier nahm uns mit  nach vorne, haben uns dort auf 1 Wiese vor 1 zerschossenes Haus eingeschanzt, lagen Franz. ungefähr 200 m gegenüber, unsere Artillerie beschoß den Schützengraben feste gegen 10 mittags machten wir 1 Sturm, kamen auch ziemlich heil im Franz. Schützengraben an, da die Franzmänner laufen gingen, nahmen verschiedene gefangen und 1 paar Maschinengewehre, gegen nachm. beschoß die Engl. Artillerie unsere Schützengraben, hätten uns auch bald wieder raus geworfen, zum Glück hatten wir keinen Volltreffer, bekamen sehr viel Inf.feuer aus allen Richtungen (Resultat 1 paar Verwundete) blieben dort bis Abends, kriegten 1 Befehl, rechts vor uns das Dorf zu besetzen, waren nur zirka 8-10 Häuser, beim vorrücken müssen und die Feinde wohl bemerkt haben, bekamen plötzlich 1 paar mörderische Feuer,, haben faßt 1 Std. auf der Straße gelegen, feuer lies dann nach, wir krochen vor und fingen an zu schanzen, später mußte ich mit auf Horchpatrouille, haben verschiedene feindl. Schützengraben und Unterstände abgeleuchtet, fanden aber nichts als 1 Kaninchen, beim zurück gehen meinten wir etwas zu sehen, gingen mit Schußbereitem Gewehr drauf zu, und sehen 1 Kopf aus der Erde rausgucken, wir rufen halt, regt sich aber nichts, warteten noch 1 Moment gingen wir beide drauf zu, Finger am Abzugsbügel, rufen noch mal, nur stockdunkel, dann läßt der Gefreite die Taschenlampe spielen, waß sehen wir da, 1 toter Engländer ganz verschüttet nur der Kopf steckt raus aus der Erde, das Gesicht ganz kaputt und Blutüberströmt, bekamen doch 1 Grusseln, dann zogen wir zurück in unser Loch. Die Nacht wie gewöhnlich.. 1 Std. schlafen, 1 Std. Postenstehen bis morgens, ab und zu blaue Bohnen.

13/11 morgens 6o geht das Art.feuer los bis Abends, haben kein Brod, kein Wasser, nichts zu Essen ist fürchterlich, gegen nachm. brachte 1 Freiw. Brod von den Franz. hatte es im Strohhaufeen gefunden, bekamen 1 Stück ab, war ganz vertrocknet, schmeckte aber wie Zucker, hatten nichts zu rauchen, Tags vorher sollten Liebesgaben verteilt werden, die Kerls waren wegen Granatfeuer ausgerissen und die Cig.. liegen geblieben. 1 Mann ging Sie holen waren aber alle kaput und durch naß. Gegen Abend bekamen wir Granatfeuer, hatten verschiedentlich Volltreffer,, mehrere Tote und Verwundete, gegen 80 holten wir Essen, bekamen auf einmal Inf.feuer, wurden verschiedene verwundet zurück hatten wir auch viel unterm Inf.feuer zu leiden, kamen nur langsam vorwärts, im Hohlweg blieben wir liegen, überall lagen Tote rum, oder standen noch mit dem Kopf in die Hecke, waren alles 126er, als es ruhiger wurde, gingen wir weiter und kamen auch glücklich im Schützengraben an, nachts wie gewöhnlich 1 Std. wachen 1 Std. schlafen.

14/11 morgens früh fing die Art. von beiden seiten wieder an zu schießen, liegen in vorderster Linie, franzosen liegen uns ungefähr auf 200-250 m gegenüber, rechts dann Engländer, Franzosen sind feste am Schanzen, gegen Mittag befeuert unsere Art. den franz. Schützengraben, man sieht allerhand Sachen in der Luft rum fliegen, Tornister, Erde, Menschen, Arme, Beine, Erde u.s.w. ist ganz fürchterlich, Franzosen gehen laufen, so bald sich einer zeigt, wird er abgeknallt, mir direkt gegenüber zwischen zwei Häuser befand sich eine Anhöhe, da liefen Sie alle durch, waren zu 8 Mann in einem Graben, wir beide haben manch einen abgeknallt, so bald wir 1 Gesicht sahen, legten wir an, dann kam der Krieger zum Vorschein, wir Schnellfeuer drauf, manch einen sahen wir im Todeskampfe in die Höhe springen, ist ja traurig, aber machte uns doch spaß, wir waren fast ganz aus der Deckung raus, machten uns nichts daraus, daß die Engländer auf uns feuerten. Nachm. gegen 50 kam der Befehl das vor uns liegende zu stürmen in allen Häusern waren Franzosen die uns beschossen, die ersten von uns die raussprangen, bekamen gleich 1 Kugel, manch einer war am schreien, wir konnten aber nicht helfen, war zu gefährlich, der erste, der den Kopf raus streckte, bekam direkt verschiedene Kugeln. Da ruft schon wieder einer, zum Sturm vorgehen, rechts von mir lag unser Zugführer, der rief wieder, können nicht vorgehen, ein Zug bleibt hier, ging wirklich nicht, der Feind schoß andauernd auf uns, und unsere Artillerie beschoß das Dorf, wir wären direkt in unser Art.feuer gelaufen, mittlerweile hörte unsere Art. auf mit schießen, da wir raus, und nach die Häuser, von rechts Inf.feuer, und aus den Häusern Inf.feuer, blieben hinter den ersten Häuserrn liegen, und  die außen Mauern standen noch, alles war am brennen, wir sahen uns um, verschiedene waren noch im Schützengraben, da saußte eine Granate an uns vorbei, direkt neben unsern Schützengraben in 1 Haus, das fiel gleich mit einem Krach zusammen, dahinter standen 1 Pionier Offizier und verschiedene Minenwerfer bei sich blieben aber alle heil, wir froren fürchterlich, waren durch naß, hatte schon 2 Tage geregnet, nichts warmes im Leib, wir blieben dort bis zum Dunkelwerden liegen, dann gingen wir wieder zurück in unsern Schützengraben, machten uns gleich fertig zum Essen holen, waren ungefähr 10 minuten gegangen, hielt uns 1 Offizier an, fragte nach Regiment, konnten passieren, waren noch nicht weit gekommen, rief einer hinter uns, Regiment 132 zurück kommen, wir gingen weiter, da kommt 1 hinter uns hergelaufen, brüllt uns an, der Führer bekommt einen Anschnautzer, wir mußten zurück, war der Regiments-Adjutant, das kam der Oberst, der brüllt uns ganz  erbärmlich an, wir sollten machen, daß wir in die Schützengräbern kämen, wir die Franzosen drin wären, kriegten die ersten 8 Tage überhaupt nichts zu fressen (wir konnten doch nichts dafür, daß wir nicht stürmen konnten, das muß bei den  Herren alles am schnürchen gehen) na, wir wieder zurück, waren nicht in rosiger Stimmung hatten alle keine Lust mehr. Unser Leutnant hat ein Rüffel bekommen vom Oberst, wir legten uns alle hin zum schlafen, nach 1 Std. wurden wir alle rausgeschmissen, wollte uns übern Haufen schießen, der Herr Leutnant wollte die Wut an uns auslassen, haute verschiedene an die Ohren, verschiedene hat er ins Gesicht getreten, zu unserm Zugführer sagte er „Sie Lümmel“, kurz und gut, wir mußten alle raus, Spaten mitbringen, mußten nach rechts vorgehen und uns einschanzen. Das wurde ja heiter, bekommt nichts zu Essen, durch naß, und des Nachts schanzen, da haben wir bis andern morgen (Sonntag) gearbeitet, es war noch dunkel, da kam der Leutnant, wir hatten uns hingesetzt, waren todmüde, Franz Merremann, August Grafe und ich hatten uns 1 Loch gemacht, wie der Leutnant uns da sitzen sieht, haut er Grafe gleich ein paar runter, wir sprangen aus der Deckung raus, und schnautzte uns ganz schrecklich an, Schweine und Säue und weiß der Himmel waß wir alles waren, Franz Merremann bekam eine Wut, er nahm das Gewehr und wollte ihn übern Haufen schießen.

15/11 wie es an fing, hell zu werden mußten wir alle in Deckung, da die Engl. + Franz. so ungefähr so ungefähr 20-30 m vor uns in Häusern steckten, Merremann und ich standen im Graben und guckten uns die Häuser an, auf einmal kommt 1 Schuß uns direkt am Ohr vorbei, nahmen alle beide die Helme ab,, dachten wir hätten einen weggehabt, hatte aber gut gegangen, konnten nichts mehr hören, waren ganz taub, und so ein summen im Ohr, wir gleich den Kopf runter. ¼ Std. darnach, (es war sehr kalt) will sich Merremann den Mantel anziehen, steht auf, ist im Begriff den Mantel anzuziehen, sprechen noch zusammen, wie er vorne den Haken zu machen will, fällt er zusammen, und war sofort ohne einen Laut von sich zu geben, tot, konnten gar keinen Schuß sehen, und auch nicht glauben, daß er tot war, wir setzten ihn mal in die Höhe, da kam das Hirn und Blut auch schon hinten aus den Kopf raus, der Schuß war unterm Kopf[?] mitten im Kopf reingegangen und hinten unten wieder raus, haben ihn neben uns gesetzt, ab und zu faß wir ihn an die Hand, wurde immer kälter, daß Gesicht wurde allmählich blaß, konnten kein Wort sagen, tat uns sehr leid, es war fürchterlich kalt, fing auch einen Augenblick darnach an zu schneien, der erste Schnee, ich konnte nicht mehr auf den Füßen stehen, war wie abgestorben, der rechte Fuß war mir schon seid 2 Tage angeschwollen, konnte die Stiefel nicht mehr ausbekommen, waß das noch geben soll, man wollte bald, daß man tot wäre, so schrecklich kalt, nichts zu Essen und keine warme Kleidung, 3 Wochen hatten wir uns nicht mehr gewaschen, und seid 17ten Oktober die Kleider nicht mehr vom Leibe gehabt. Der Artilleriekampf geht wieder los, dazwischen Inf.feuer, und der Wind fegt durch den Schützengraben. Dazu schneit es feste, abends bekamen wir viel Inf.feuer, wieder kein Abend Essen. 1 Std. wachen 1 Std. schlaffen wie gewöhnlich, auf einmal heißt es, wir werden abgelöst, da verging uns der Hunger.

16/11 40 morgens wurden wir abgelöst durch Inf. Reg. 78 wir gingen zurück, daß ganze Regiment wurde gesammelt, wir waren 29 Mann, daß war die ganze 10te Comp. bekamen Essen, war feste am regnen, kamen mittags 10 in Werwick [Wervik] an, durch naß, kamen auf Speicher, mußte auf die nackten Bretter schlafen, wir waren schon froh, daß wir unter Dach kamen, bekam den Tag die erste Post von Hedwig und Paketchen, waren alle sehr glücklich, daß man waß von den Lieben daheim bekam, da haben wir schnell die trüben Stunden vergessen, haben uns dann gewaschen, rasieren lassen, jetzt erst konnte man sich als Mensch sehen lassen.

17/11 morgens 100 Gewehr-Appell, 1215 antreten Feldmarschmäßig, 10 Feldgottesdienst in Werwick [Wervik] (14000 Einwohner) nach dem Gottesdienst haben wir auf dem Kirchplatz gelegen, warteten auf Befehl zum abrücken, abends gegen 80 kam der General per Auto an, fragte uns, waß wir da machten, dann mußte der Oberst zu ihm kommen, auf einmal kam der Befehl, alles in die Quartiere abrücken, wer war froher als wir.

18/11 keiner darf das Quartier verlassen, müssen Marschbereit sein, dürfen noch nicht mal abschnallen, Liebesgaben empfangen, Cig.  Und Cigaretten in Hülle.

19/11 morgens Gewehr und Anzug-Appell, habe die erste Butter gegessen 1 Pfund 2 M.

20/11 nachm. Von 145 bis 315 Exerzieren. Appell – Feldmarschmäßig.

21/11 nachm. 145-315 Exerzieren. Appell-Feldmarschmäßig, ist sehr kalt, alles gefroren. Abends wird ½ Pfund Gehacktes gebraten, wird jeden Abend gemacht 1 Pfund 1 M.

22/11 (Sonntag) 100 Kirchgang, dann haben wir den ganzen Tag im Wirtshaus hinterm Ofen gesessen.

23/11 vorm. 945 antreten im Ordonanzanzug (neuer Major als Oberst stellt sich dem Regiment vor) abends 50 ausrücken, ist lausig kalt, kamen in 3ter Linie, nachts Posten stehen. Inf. und Art.feuer, nachts Laufgraben auswerfen bis in 1er Linie, ungefähr 1200 m lang.

24/11 Art.feuer, in der Nähe von uns, vorm. wieder am schanzen,

werden andauernd beschossen beim Laufgraben machen. Nachts wie gewöhnlich, Posten stehen und 3 Std. schanzen.

25/11 ganzen vorm. schanzen viel Art.feuer, verschiedene Schrappnells kreppieren bei uns, abends und nachts schanzen und Posten stehen.

26/11 vorm. Schanzen (sehr nebelig) viel Art.feuer nachts Inf.feuer + Art.feuer, nicht zu Essen, nacht verläuft wie gewöhnlich.

27/11 morgens seid langer Zeit Sonnenschein, viel Schrappnellfeuer, es regnet förmlich Sprengstücken auf unserer Deckung, keiner kann sich raus wagen, abends hört Art.feuer auf nachts schanzen wie gewöhnlich.

28/11 unsere Art. schießt ununterbrochen bis 40 nachm., dann schreckliches Art.feuer vom Feind, schießen in Stellung unserer Artillerie, die gänzlich schweigt, feindl. Art. feuert ununterbrochen bis Abends 70 wie wir später hörten, haben Sie 1 Geschütz von uns kaputgeschossen. Gegen 80 abrücken in Quartiere nach Ten-Brielen [Ten Brielen], Ankunft 100 bekamen Quartier im zusammen geschossenen Haus hatten aber Stroh.

29/11 Ruhetag, Appell im Gewehr + Seitengewehr, habe dort Emil Loschieski aus Hagen und Heinrich Turick aus Hohenlimburg getroffen, sind beide Sanitäter, habe die ersten Pfanne Bratkartoffeln gegessen.

30/11 morgens 930 – 110 Exerzieren, nachm. 30 Löhnungsappell, habe mich krank gemeldet, konnte kaum auf den Füßen stehen, (hatte mir schon in Werwick [Wervik] nachts die Stiefel aufgeschnitten, da ich es nicht mehr aushalten konnte) der Artzt sagte, die Füße sind etwas geschwollen und haben etwas Plattfuß, wenn Sie in Zivil kommen, lassen sie sich einlagen im Schuh machen, im übrigen können Sie sich im Schützengraben auf dem Bauch oder Rücken legen, brauchen nicht mehr zu laufen, und gestürmt wird auch nicht mehr. Fertig? Um 30 sollte Appell in Gewehr, Seitengewehr, Kochgeschirr und Stiefel sein, fiel aber aus, da wir vielleicht ausrücken, hatten Appell in Fleischkonserven, hatten Sie aber faßt alle aufgegessen, der Hauptmann machte 1 fürchterlichen Krach , sagte, wir wären Vielfraße, dabei bekommt man faßt nichts zu essen. Um 50 kam der Befehl zum abrücken im Schützengraben 1ter Linie, bin bis nach Zanforte [Zandvoorde] (sprich Sanforte) mitgekommen, konnte nicht mehr vorw., bin am Weg liegen geblieben, bis Artillerie kam, die haben mich mit zurück genommen, bin des Nachts in Ten-Brielen [Ten Brielen] im Haus geblieben und

1/12 mittags nach Werwick [Wervik] mit noch 3 Mann, per Krankenwagen gefahren, sind dort zum Artzt, stellte erfrorene Füße und Bronchiakatarrh bei mir fest und sollte zuerst nach Turkoing [Tourcoing] in Zahnbehandlung kam dort im Revier, 1 großen Saal mit Stroh.

2/12 mittags 30 fuhren wir mit der Bahn los, hatten keinen Führer bei uns, sind dann aber nach Haus gefahren, kam Freitag morgen 100 in Haspe an, den 5/12 bin dann den 6ten im Evangel. Krankenhaus in Haspe gekommen.

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.


REPUBLISHING TERMS

You may republish this article online or in print under our Creative Commons license. You may not edit or shorten the text, you must attribute the article to Kriegstagebücher und Kriegserinnerungen and you must include the author’s name in your republication.

If you have any questions, please email jahreszeit@gmx.de

License

Creative Commons License Attribution-NoDerivsCreative Commons Attribution-NoDerivs
Kriegserinnerungen von Paul Schmidt aus Haspe, Reservist beim 1. Unter-Elsässischen Infanterie Regiment 132 (17. Okt. bis 6. Dez. 1914)