Kriegserinnerungen eines unbekannten Soldaten im Infanterie Regiment 357 (August bis September 1916)

Dieser Band von Kriegserinnerungen eines unbekannten Soldaten ist der 4. Band der Erinnerungen.  Der Band umfasst den Zeitraum von August 1916 bis September 1916. Auf der ersten Seite des Bandes hat vermutlich der Verfasser die Nummer des Bandes eingetragen, nämlich 4. Es ist davon auszugehen, dass es noch mehr Bände gab, die allerdings mir nicht vorliegen.

Der unbekannte Mann war Soldat im Infanterie Regiment 357. Vermutlich war er von Beruf Buchbinder. Er hat zeitweise an der Erstellung von Reliefkarten gearbeitet, wo er seine Fachkenntnisse einbringen konnte. Sein Einsatzgebiet war im Raum Verdun sowie im St.-Mihiel-Bogen.

Die Ortsnamen wurden der heute gültigen Schreibweise angepasst. Ansonsten wurde die Schreibweise des Verfassers übernommen.

Bei dem Band handelt es sich um Kriegserinnerungen, da sie wohl im Nachhinein bearbeitet worden sind. Die Eintragungen sind nicht durch genaue Daten voneinander abgegrenzt. Möglicherweise lagen diesen Erinnerungen Kriegstagebücher zu Grunde, die mir aber nicht vorliegen.

Erste Seite der Kriegserinnerungen

Kriegserinnerungen eines unbekannten Soldaten im IR 357 (Aug./Sep. 1916)

Nach Verdun

Also, nachdem wir, wie schon erwähnt zu guterletzt nochmals in Nonsard die preußische Disziplin zu spüren bekommen hatten, um nicht entwöhnt zu werden, marschierten wir zum Bahnhof Vigneulles, von hier ging es per Güterzug nordwärts. Ziel der Reise, wie gewöhnlich, unbekannt. Auf den Stationen, wo wir hielten, wurden die hier Dienststunden Kameraden gefragt, wo die von uns befahrene Strecke hinführte, aber da von dieser mehrere Geleise abzweigten, konnten wir keine auch nur einigermaßen sichere Zielrichtung herausbekommen. Erst als wir frühmorgens vor Billy entladen wurden, wussten wir, dass wir in der Nähe von Verdun waren, was man eigentlich mit uns vor hatte, ahnten wir natürlich immer noch nicht. Nachdem unser Bataillons-Kommandeur von der dortigen Militärbehörde das Marschziel erfahren hatte, marschierten wir los. Zuerst in der frischen Morgenluft, ließ es sich noch gehen, aber je höher die Sonne und zugleich das Thermometer stieg, desto ungemütlicher wurde es für uns.

Das kolossale Gewicht des Gepäcks, welches beinahe mein Eigengewicht ausmachte, drückte doch zu stark und alles Aufmuntern der ohne Gepäck marschierenden Offiziere (nur der Bataillonsstab nicht), nütze nichts, beinahe jede Stunde musste Halt gemacht werden. Kurz vor Mittag machten wir noch eine größere Pause, dann sollte endgültig durchmarschiert werden bis zum Endpunkt. Jedoch noch einmal, vor einer Steigung in einem kühlem Walde, machte unser Bataillon halt. Nachdem wir kurze Zeit rasteten, brachen zwei hinter uns liegende Kompanien die 3. und 4. vor uns auf und verhohnepipelten uns wegen unserer Schlappheit. Gleich darauf zogen wir weiter.
Der durch Bäume beschattete ansteigende Weg fiel uns jetzt verhältnismäßig leicht. Um so mehr erstaunten wir, dass auf halber Höhe sämtliche anderen 3 Kompanien schlapp gemacht und sich hingelegt hatten. Jetzt waren wir die Laufenden.

Kurz nach 4 Uhr kamen wir endlich im sogenannten Gerda-Waldlager an, wo wir vorläufig bleiben sollten. In langen stallartig eingerichteten Baracken wurden wir untergebracht. Längs, in der Mitte, ein breiter Gang. An beiden Seiten von einem zum anderen Ende je 2 übereinander angebrachten Lagerstätten. Diese bestanden aber nicht wie die bisher angetroffenen aus Holzpritschen, sondern aus Maschendraht, welches über stallbaumähnlich angebrachten Rundhölzern gespannt war. Jeder schlief so in einer Art Hängematte. Diese Baracken hatten jedenfalls schon manche Krieger aufgenommen. Davon zeugten schadhafte größere Löcher im Maschendraht. Auch in anderer Hinsicht waren diese Behausungen wenig zum Bewohnen geeignet, da die Dächer und Wände sehr viele undichte Stellen aufwiesen, sodass uns trotz ziemlich milden Sommernächte fror.

Gegen Abend fand noch ein Fußapell statt, welcher sich, der ungefähr 90%  wunde Füße hatten, sehr in die Länge zog. Dem Arzt schien die viele Arbeit nicht zu behagen, denn je mehr Stunden verflossen, je mehr schimpfte und fluchte er. Manche Kameraden hätten gewiss ihr Füße besser pflegen können, aber im großen ganzen hatten doch gerade wir die wenigste Schuld an der Sache.

Im allgemeinen lebten wir im herrlichen Walde ganz gut. Unsere Vorgänger hatten für alles Mögliche gesorgt. Es gab hier besondere Baracken für Kantinen, Schreibstube, Offiziersquartiere u.a.m.

Auch Lauben standen überall unter den alten, hohen Bäumen. Das das Wetter während unseres dortigen Aufenthalt sehr gut war und in den Baracken weder Tische noch Sitzgelegenheiten vorhanden waren, nahmen wir in den Lauben unsere Mahlzeiten ein und erledigten auch hier unsere Schreibereien. Die Verpflegung, welche in den letzten Monaten sehr nachgelassen hatte, ließ hier, Umständen nach, nichts zu wünschen übrig. In der Küche unseres Lagers in einem Wiesengrund zwischen großen Waldungen befand sich eine große, zu der etwas höher gelegenen Ferme, Viehtränke welche durch einen durchfließenden Bach stets mit gutem klaren Wasser versorgt wurde. Hierhin durfte wir täglich zum Baden gehen. Diese Erlaubnis wurde dann auch bei der herrschenden Hitze gründlich ausgenutzt. Der Dienst bestand hier nur in wichtigen Appells sowie Handgranaten werfen und Exerzieren mit Gasschutzmasken. Die Freizeit wurde mit Instandsetzen der Sachen, schreiben, Sport und mehr hingebracht.

Hin und wieder schenkten die Kantinen auch Bier und Schnaps aus, welche Gelegenheit leider viele Kameraden vornahmen sich gehörig zu benebeln.

Gleich am Abend unserer Ankunft gab es das erste Bier. Während die meisten Leute es trotzdem vorzogen, früh ihre Lager aufzusuchen, konnten es mehrere Kameraden, hauptsächlich Hamburger, nicht unterlassen sehr viel Alkohol zu genießen.

Kurz nach 11 Uhr wurden wir in unserer Baracke plötzlich aus tiefem Schlaf geweckt. Einer der Hamburger, Gerstenberger, hatte sich so betrunken, dass er sein auf der Etage neben meinem befindlichen Lager nicht finden konnte. Nach langem Hin- und Hersuchen, Rufen und Fragen, wodurch schließlich der letzte Schläfer gestört wurde, gelang es endlich seinen Begleitern, dieses zu finden. Fünfmal versuchte der Bekneipte hierauf zu kommen und fünfmal fiel er zurück auf das untere Lager.

Auf Kommando als Buchbinder

Bis seinen Kumpanen schließlich die Geduld riss und ihn einfach auf sein Lager warfen, oder vielmehr hatten sie es vor, denn Gerstenberger fiel sofort durch den arg zerrissenen Maschendraht hindurch auf den unter ihm liegenden Kameraden.

Hier blieb er ruhig liegen, selbst die Schläge, welche er von einigen Kameraden zur „Erziehung“ bekamen, störten ihn gar nicht.

Am 26.07 kam ich nachmittags arglos vom Baden ins Lager zurück, als mir von allen Seiten zugerufen wurde, der Feldwebel habe mich gesucht, ich sollte sofort zu ihm kommen. Erst wollte ich es gar nicht glauben, was sollte ich beim Spieß? Verbrochen hatte ich meines Wissens nichts, also musste es schon etwas besonderes sein. Nachdem es mir auch mein Korporal bestätigte, machte ich mich dann auf den Weg. Der Feldwebel empfing mich freundlich. Nun, da sind sie ja, machen sie sich schnell fertig, sie werden abkommandiert für Buchbindearbeiten, in 45 Minuten müssen sie reisefertig sein. Wenn das Packen auch wohl in 15 Minuten zu machen war, so hatte ich doch vielerlei zusammenzusuchen und zu empfangen. Nach 40 Minuten stand ich jedoch in der Schreibstube, bekam meine Papiere und freute, mich auf den Wegen durch den Wald von den alten Kameraden, von denen ich nicht wusste, ob ich sie wiederseh, verabschiedend, ab dem Orte Vaudoncourt zu, wo ich mich bei einer dort befindlichen Vermessungsabteilung melden sollte. Hier meldete ich mich bei dem im Hauptmannsrang stehenden Dirigenten der Abteilung und bezog Quartier im gegenüberliegenden Hause, wo sich auch die Druckerei, Buchbinderei und ein Zeichenzimmer befanden.

Am selben Abend und am nächsten Tage kommen noch mehrere Kameraden aus dem ganzen Regiment an. Ein jüngerer Kollege, ein Buchdrucker, welcher auch als Pappschuster durchgegangen war und drei Zeichner. Außer den Buch- und Steindruckern arbeiteten auch ein Buchbinder und  zwei Zeichnern ständig in der Abteilung. Der Buchbinderei war hauptsächlich Reliefkarten geklebt wurden und den Zeichnern, welche diese austuschten[,] stand ein Topograph (Oberleutnantsrang) bevor. Dieser war ein tüchtiger guter Mensch der uns bei unseren Arbeiten volle Schaffensfreiheit ließ, nur sah er darauf, daß die Ablieferungstermine inne gehalten wurden. Wir mussten zeitweise Umschicht arbeiten, also auch nachts, hierbei hat sich der Buchdrucker manchen Pfusch geleistet, den ich kaum wieder beseitigen konnte. Die Arbeiten an und für sich waren interessant und abwechslungsreich, da wir einmal einen kleinen, ein andermal einen großen Maßstab zu kleben hatten. Nur das Essen lies hier zu wünschen übrig, da auch aus der Heimat wegen der stetig knapper werdenden Lebensmittel auch nicht mehr viel geschickt werden konnte, musste wir oft mit hungrigem Magen zu ,,Bett“.

Bei unserem Umherstreifen nach Feierabend hatten wir Kartoffelfelder entdeckt und kamen auch zu dem Entschluß, gelegentlich einige zu holen, um wenigstens einmal wieder satt zu werden. Dreimal hatten wir, ein Zeichner (Gefreiter u. Spielmann aus der 12. Kompanie) und ich ja einen Sandsack voll geholt, wobei wir, damit es nicht auffiel, beim Auskriegen die Sträucher stehen ließen. Trotzdem mußte die Ortskommandantur dahinter gekommen sein, denn eines Abends sind wir grad wieder beim Mausen, als ein Ulanengefreiter der Ortskommandantur dem Kartoffelfelde näher kommt. In der Hoffnung, daß dieser uns in der Dämmerung bei unserem sehr vorsichtigen Vorgehen nicht gesehen, legen wir uns platt hin. Jedoch auch der Ulan war nicht aus Dummsdorf und fand uns. Er riet uns, da das Stehlen von Kartoffeln sehr schwer bestraft würde und der Kommandant unnachsichtig vorgingem, dieses zu lassen. Er schlug uns auch einen besonderen Weg vor, um dem Kommandanten nicht in die Quere zu laufen. Nach einigen Schritten meinte mein Kumpel du, der will uns anführen und den Kommandanten in die Arme führen, lass uns hier durch den Wald gehen. Gesagt getan.

Im Wald, selbst geduckt, konnten wir die Felder übersehen und auch den vorgeschlagenen Weg zum Orte, auf diesem befand sich wirklich der Ortsgewaltige. Wieder einmal Schwein gehabt, dachten wir. Kurz vor dem Orte versteckten wir die Kartoffeln, der Spielmann machte nun seinen abgenommenen Schwalbennester wieder an, ebenso wurden unseren aus der alten Form gebrachten Mützen wieder aufgesetzt und so bummelten wir langsam dem Quartier zu. Nach Dunkelwerden gingen wir mit noch mehreren Kameraden zum Versteck der Kartoffeln, holten sie hervor und brachten sie nach „Hause“.

Vor „diesem“ stand zufällig der Topograph, an ihm mussten wir vorbei. Jedoch sagte er nichts, sondern sah nur, indem er unsren Gruß erwiderte, lächelnd auf die Kartoffelsäcke.

Am nächsten Abend hatten wir uns mit fünfen zusammengetan. Einer gab einige Eier ein, anderer Speck, der Dritte Butter, der Vierte Schmalz zu, der Gefreite als Fünfter konnte, aus dem an Lebensmittel besonders armen Essen stammend, nichts dazu geben, dafür war er aber der führende Kartoffelmauser gewesen. Im Zeichensaal stand ein großer und guter Herdofen, auf diesen brieten wir dann in einer riesig großen requirierten Pfanne die seltenen Herrlichkeiten. Beim Essen überraschte uns wieder der Topograph. Na, sagte er, wie schmecken die Kartoffeln? Danke Herr Togograph. Dann laßt sie Euch nur schmecken,  ich gönne sie Euch.

Trotz aller Hindernisse wurden weiter Kartoffeln gemaust, denn Hunger tut weh, von den kleinen Rationen konnten wir wirklich nicht satt werden. In dem kleinen Orte Vaudoncourt gab es außer den täglichen Promenaden Konzerten der Kapelle des hier in Bereitschaft liegenden Regiments keine Unterhaltung. Interessant anzusehen waren jedoch die in langen Schlangenlinien den Ort passierenden Bagagen der verschiedenen Truppen. Von nach vorne gewesenen Truppenteilen kamen auch oft, leider recht spärliche Reste zurück, welche nach kurzer Rast weiter marschierten. Von diesen hörten wir, wie es vorne aussah.

Am 31.07 kam auch das im Ort liegende Regiment auf Autos in Stellung, nachdem am Tage vorher Feldgottesdienste stattgefunden hatten. An den Katholische Feldgottesdienst nahmen auch französische Zivilisten teil.

Am 6.8 erhielten wir vom Regimentskameraden Nachricht, daß in diesen Tagen die 357er  bataillonsweise zur Besetzung der Souville Nase vorrücken sollten. Am selben Abend machten wir mit einigen Kameraden einen Spaziergang nach dem 40 Minuten entfernt liegenden Spincout, wo sich ein wichtiger Verladebahnhof befand, auch Lazarette und Verbandsplätze für durchkommende Verwundetentransporte gab es hier. An der Pforte eines solchen Verbands- und Verpflegungsplatzes trafen wir zufällig einige 358er, welche uns berichteten, dass ihr Bataillon von einem der 357er abgelöst wäre und wenn es Verwundete gäbe, diese gewiss auch hier übernachteten, wir sollten man noch etwas warten, um diese Zeit kämen der Verwundetenzug.

Wir gingen jetzt der Richtung zu, wo der Zug herkommen mußte, von der Anhöhe aus verfolgen wir die Schienenstränge, welche in der Ferne in einen Tunnel verschwanden. Da wir nichts versäumten, legten wir uns ins Gras und warteten. Nach ca. 3/4 Stunde erschien dann auch auf der Tunnelöffnung ein langer Güterzug, aus deren offenstehenden Türen eigentümliche weiße Flecke hervorlugten. Im ersten Augenblicke konnten wir uns gar nicht erklären, was das bedeute, erst beim Näherkommen des Transports erkannten wir immer deutlicher, dass es verbundene Köpfe, Arme und Beide waren. Da wir alle meinten, es wäre nur leicht Verwundete, sagte einer der Kameraden, die werden sich schön freuen, daß sie dazwischen raus sind. Um diese zerschossene Kameraden, unter denen sich vielleicht Bekannte befanden, am Bahnhof empfangen zu können, gingen wir langsam dem Bahnhof zu. Hier wurden gleich darauf die zum Teil gar nicht mal leicht Verwundeten ausgeladen, einige konnten kaum gehen, trotzdem waren keine Tragbaren zur Stelle und die Verwundeten waren alle ganz auf ihre leichter beschädigten Kameraden angewiesen, von denen sie gestützt wurden. Andere wieder verzogen vor Schmerz das Gesicht, dieses hinderte aber den führenden Sanitätsgefreiten nicht, die Ärmsten immer wieder zu schnelleren Tempo anzuhalten. Auf halbem Weg brach schließlich ein junger Mensch zusammen, für den dann doch eine Trage geholt warden mußten. Meine Begleiter und ich versuchten mehrere Male mit den Verwundeten Unterhaltungen anzuknüpfen, eventuell zu helfen, wir wurden aber jedes mal barsch von dem Gefreiten zurückgewiesen. Wir begleiteten diesen traurigen Zug bis zum Verbandsplatz und gingen, da unter diesen Kameraden keine unseres Regiments waren, nach Vaudoncourt zurück.

An den drei nächsten Tagen waren einige Kameraden wieder in Spincourt, jedes mal erlebten wir wieder das selbe Trauerspiel. Den ersten Abend trafen sich 3, den zweiten 1 und am dritten 2 Kompaniekameraden, alle zum Glück nur leicht verwundet.

Viele Verwundete sagten aus, dass sie in den letzten Tagen so gut wie gar nichts gegessen und getrunken hätten. Die Essen und Kaffeeholer sind meist gar nicht vorne angekommen, weil das Vorwärtskommen auf dem schlechten Gelände bei dem dauernden Trommelfeuer unmöglich war, manche von den Essen- u. Kaffeeholern seien auch hierbei verwundet worden.

Trotz dieses Umstandes wurden die armen Kerle hier hinten wie eine Horde Vieh behandelt und zu essen gab es auch hauptsächlich Marmeladenstullen und schwarzen Kaffee.

In den folgenden Tagen arbeiteten wir an zwei großen Reliefkarten für den Divisionsstab mit Ablösung auch mussten Überstunden gemacht werden, deshalb konnten wir vorläufig nicht mehr nach Spincourt gehen. In dieser Zeit bombardierten feindliche Flieger in 4 Nächten Spincourt sowie das Gelände zwischen diesem und Vaudoncourt, wenn in Spincourt so ein Ungetüm explodierte hörte sich`s an, als ob es nahe unserer Wohnungen passiert sei. Eine schwere Bombe fiel und krepierte ca. 30 Meter von einem französischen Bauernhause, riss aber „nur“ ein 2 Meter tiefes Loch in den Boden und zertrümmerte die Fensterscheiben, die Bewohner kamen mit dem Schrecken davon.

Bei späteren Besuchen Spincourts trafen wir auch bayerische Truppen zur Verladung ein. Kaum stand die  Bagage, als auch schon Bier ausgeschenkt wurde, nach einer kurzen ½ Std. war alles, auch der Bierwagen, bereits verladen.

Die Bayern konnten nämlich keinen halben Tag ohne Bier zu, selbst während des kürzesten Aufenthaltes war dieses zur Hand. Was mochten die Menschen vorne gedurstet haben, wenn kein Gerstensaft rangeholt werden konnte.

Am 13.08 mussten 7 Kameraden zur Truppe zurück, auch die Zeit meines speziellen Freundes, des Spielmannes, war abgelaufen.

Zurück zur Truppe

So blieb ich allein bei dem ständigen Personal der Abteilung zurück. Arbeit hatten wir jedoch noch genug, deshalb bemühte sich unser Abteilungs-Chef mit allen Kräften bei dem Divisionsstab wenigstens mich noch für einige Wochen behalten zu können.

Alle Vorstellungen nützten jedoch nichts, auch ich wurde nach 6 Tagen zurück befohlen und so zog ich denn am 19.8 ab zur Truppe. Nach vielem Hin- und Herlaufen und Fragen gelangte ich dann am Abend im „Jägerlager“, ebenfalls im Walde gelegen, an, wo die Schreibstuben und Bagagen unseres Bataillons bereits eingetroffen waren. In einem Pferdestall schlief ich für die ersten beiden Nächte zwischen den Pferden, Ratten und Mäusen. Am Tage half ich in der Schreibstube und Küche.

Am 21.8 Nachmittags 5 Uhr Ankunft des Bataillons. Kaum hatten sich die Kameraden vor den Strapazen der Verdunschlacht etwas erholt, als auch schon ein gegenseitiges Erkundigen der Kompanien untereinander einsetzte. Von den kurz vor Instellunggehen noch aufgefüllten Kompanien waren 30 bis 50% gefallen, verwundet oder vermisst, auch der neue Zugführer des 3. Zuges, ein 22 jähriger Leutnant war gefallen. Um 9 Uhr Abends marschierten wir bereits weiter zurück über Billy, Vaudoncourt nach Spincourt zur Verladung, wo nachts um 12 Uhr die Abfahrt erfolgte.

Ruhe in Cesse

Am 22.8 morgens 6 Uhr Ankunft in Cesse. Nach wenigen Stunden wohlverdienten Ausruhens kam schon wieder der Befehl, so schnell als möglich Sachen instandsetzen. Da diese natürlich böse aussahen, hatten wir und die Handwerker schwer zu tun. Am nächsten Morgen fand schon wieder von 8.30 bis 11.30 Uhr exerzieren statt und nachmittags gar schon Besichtigung durch den Divisions- und Brigade-General, wozu die vielen Vorbereitungen und die kleinlichen Appells kommen. Auch in den folgenden Tagen kam man vor übermäßigem und überflüssigem Dienst kaum zur Besinnung. Auch fanden noch 2 große Felddienstübungen statt. Am 24.8 als angenehme Abwechslung baden in der Maas unterhalb der Badeanstalt des Kronprinzen.

Am 26.8 außergewöhnlich viel Dienst. Morgens 2,30 Uhr bereits wecken, dann zuerst Appells. Um 4 Uhr Abmarsch mit Sturmgepäck (circa 40 Pfund incl. Ausrüstung) zum großen Exerzierplatz. Parademarsch vor dem Bataillons-Kommandeur von Ofen.

Nach Rückkehr Handgranaten werfen und zum Schluss von 4-6 Uhr „Spielen“.

Am 27.8 morgens Schützengraben bauen, hierauf mehrere Appells mit Gepäck, nachmittags spielen, nochmal 2 Appells mit Gepäck usw. Nach fast jedesmaligem Wechsel mit vollem und Sturmgepäck blieb es schließlich beim vollem Gepäck. Der Tornister sollte laut Befehl für die am nächsten Tage stattfindende Besichtigung durch den Kronprinzen fertig gerollt und gepackt liegen bleiben, so mussten wir uns in der folgenden Nacht ohne die für unser Lager notwendigen Sachen, Mantel, Zeltbahn etc. behelfen.

Besichtigung durch den Kronprinzen

Am 28.8. 7 Uhr morgens Abmarsch. Nach gut zweistündigem Eilmarsch über hügeliges Gelände hatte  wir auf einer Wiese eine halbe Stunde rast. Hierauf exerzieren.

Um 10 ¾ Uhr antreten im Viereck. Um 11 Uhr Ankunft des Kronprinzen. Als dieser aus dem Auto auf uns zukam, fragten wir uns gegenseitig. Hat der Kronprinz eine Brille auf? Erst beim Näherkommen desselben sahen wir, dass es nur dunkle Ringe unter den Augen waren. Nach einigen ligèren und sehr ligèren Redensarten, womit er einige im ersten Glied stehende Kameraden „beglückte“, hielt er eine kurze Ansprache, verteilte einige Eiserne Kreuze, wünschte baldigen Sieg und Nachhausekommen zur Familie und Verabschiedete sich von uns. Wir machten uns schnell fertig und marschierten zurück. Auf der Straße hielt der Kronprinz noch in seinem Auto und nahm eine „Parade“ ab. Nach weniger Zeit überholte er uns, wobei er Hände voll Zigaretten in Schachteln unter uns warf. Auch ich erwischte eine, die Hoffnung etwas recht gutes erwischt zu haben, betrog uns aber leider. Um 2 Uhr waren wir zurück in Cesse. Nachmittags noch Gewehrreinigungen, Sachen in Ordnung bringen und Verlosung einiger kleiner Hamburger Liebesgaben, Bier, Wein, Schnaps, Zigaretten und vieles mehr, hernach noch Wettlaufen u. s. w.

Alles dieses war selbstverständlich „Dienst“, sonst hätten wir uns lieber aufs Lager gelegt und geruht, denn auch bei dem übermäßigem Dienst hatten wir wirklich kein Fett angesetzt, welches abgetrieben werden musste, aber genau das Gegenteil war der Fall, durch Strapazen, Gefahren, Kohldampf schieben u.s.w. waren die meisten Kameraden soweit, daß sie dringend der Ruhe und Pflege bedurft hätten. Bei der spät herauskommenden Parole wurde uns zum Überfluss noch verkündet: „Morgen Abfahrt zu einer anderen Stellung“. Das Gerücht lief schon seit mehreren Tagen um.

Vorher aber wollte der Kompanieführer noch einen Übungsmarsch in die Umgebung mit uns machen.

Am nächsten Morgen 29.8 morgens 7 Uhr marschierten wir dann von Cesse ab. Beim Antreten konnte man schon auf allen Gesichtern lesen, daß den Leuten dieser Ausmarsch dann doch über die Hutschnur ging. Statt der sonst meist ruhigen oder lächelnden, zu jedem Scherz aufgelegten Mienen sah man nur brummige, mürrische Gesichter. Als dann nach kurzem Marsch dann gar der kurze Befehl kam: „Singen“! war es doch mit dem Gehorsam vorbei. Immer wieder: „Singen“!

Niemand sang. Schließlich meinte der Kompanieführer, wenn wir nicht singen, ließ er stattdessen Ausmarsches auf dem am Wege liegenden Sturzackern exerzieren.

Auch dieses half nicht.

Dann das Kommando: „Linksschwenk Marsch.“ Also hinauf auf einen Sturzacker. Hier ließ der Oberleutnant jedoch erst einmal halten und hielt uns eine kurze Moralpredigt.

In dem Glauben, daß der ausnahmsweise vorne marschierende dritte Zug Schuld am Nichtsingen hatte, ließ der Oberleutnant die Kompanie Kehrt machen, so daß beim nunmehrigen Weitermarsch der 1. Zug (Liebling der Oberleutnants) wieder an der Spitze marschierte, jedoch erst nach längeren gütigen Zureden, Drohen u.s.w. der Offiziere entschlossen sich einige, ein Marschlied anzustimmen, aber nur wenige fielen nach und nach ein. Es fehlte aber von vornherein die Stimmung. Nach 2 ½ Stündigem Marsche kommen wir im Orte Pouilly an. Hier machte der Kompanieführer eine Kantine ausfindig, wo es Bier gab. Zugweise bekommen wir hier dann wieder auf Kosten der Kompaniekasse Bier, pro Mann bis zu 4 Glas. Das der erste Zug als erster rankam und der dritte als letzter, war an jenem Tage wohl selbstverständlicher denn je, so bekamen wir den schäbigen Rest, was wir jedoch von früheren Gelegenheiten gewohnt waren. Herr Oberleutnant Haffner mochte es sehr gut mit uns gemeint haben, indem er uns vor unserer Abreise noch einmal die wirklich romantische Gebirgsgegend zeigte, aber ich hätte es doch seinerseits für richtig gehalten, er hätte vorher unsere Stimmung ausgelauscht. Die Disziplin hätte dadurch nicht gelitten, aber der Kameradschaftlichkeit zwischen Führer und Untergebenen sicher genutzt. Von Pouilly aus marschierten die Züge nach dem Biertrinken einzeln zurück nach Cesse, wir naturgemäß als letzter. Wenn auch nun das Bier, das schöne Wetter und besonders die reizvolle Gegend unseren Trübsinn ein klein wenig eingedämmt hatten, so wollte das Singen doch nicht recht klappen, sodaß der Zug meistens stillschweigend Cesse zuschritt. Zu einer solchen Stille ertönte plötzlich das Kommando unseres jugendlichen Zugführers, des Vizefeldwebels Schultze: „Singen“! Wir sahen uns verständnisvoll an. Ob der sich einbildete, wir befolgen sein Kommando im Kasernenton, wo wir nicht einmal bei den verhältnismäßig gut angesehenen Oberleutnant nicht gesungen hatten.  Das musste er einsehen, wütend tippelte er neben uns her. Als unser „Ruheort“ in Sicht kam, wurde beratschlagt, mit lautem Gesang ins Dorf einzuziehen. Kurz vor dem Eingang in dieses, einigten wir uns schnell auf ein Lied und schon sollte es losgehen, als zum zweiten Mal das gebieterische Kommando erscholl: „Singen“. Im Nu verständigten wir uns –  nun gerade nicht – und ließen es.  Schon waren wir in eine Straße eingebogen, welche fast rings um den Ort lief, als es zur Abwechslung hieß: „Kehrt Marsch!“ Anstatt nun den alten Weg zurück zu gehen, wie der Vizefeldwebel es mit uns vorhatte, bogen Wehrmann, Deutschländer und ich, die wir als einzelne Leute bisher den Schluss gebildet hatten, und nun an der Spitze waren, in die Peripheriestraße ein, da die Marschrichtung des Zuges eher in diese deutete und von einer Schwenkung nicht befohlen worden war. Fast wäre unser Vizefeldwebel vor Wut geplatzt, da er uns trotz seiner vorgesetzten Würde nicht gewachsen war, sich auch nicht noch weiter blamieren wollten, ließ er uns dann doch in den Ort marschieren, konnte jedoch nicht umhin, uns vor dem Wegtreten eine gehörige Standpredigt zu halten, in welcher er mit militärischen Schlagwörtern wie „Schleifen, Schlitten fahren u.s.w.“ nur so um sich warf. Zwischendurch erschollen schon einzelne Rufe: Hummel, Hummel, Sabbel die dot!

Wie aber das Kommando kam: „Wegtretten“, da schwirrte es nur so durcheinander von: Hummel, Hummel, M…, M…, Sabbel die dot! u.m.m. und zähneknirschend ging der Vize-Feldwebel von hinnen, uns sicher zum Teufel wünschend.

Auch wir verzogen uns sofort in die Quartiere, denn es war mittlerweile 1 ¾ Uhr geworden und der Magen verlangte sein Recht. Nach dem Essen hatten wir noch unsern sämtlichen Brocken in Ordnung zu bringen, denn nicht einmal die Stiefel hatten wir wegen des Ausmarsches für den „Umzug“ bereit machen können.

Nachdem wir zu Mittag gegessen, bekam unser neuer Unteroffizier, ein alter, bereits verwundeter Krieger, welcher vor einigen Tagen mit anderem Ersatz zu uns gekommen war, den Bataillonsbefehl mit einem Gefreitem und einem Mann den Transportzug zu übernehmen, wozu auch ich mit sollte. Mit Überstürzung machten wir drei uns fertig, um 4 ¾ Uhr schon waren wir auf dem Weg zum Bahnhof Stenay,

An der alten Front

wo wir nach zweistündigem Marsche ankamen. Nicht lange brauchten wir zu warten, als auch schon unser Zug vorfuhr. Die Wagen waren schnell für die verschiedenen Kompanien, den Stab, Unterstab, Bagage u.s.w. gekennzeichnet, sodaß die nun 7 ½ Uhr eintreffenden Kompanien in die für sie bestimmten Wagen nur einzusteigen brauchten. Zugleich wurde auch die Bagage verladen, als alles verstaut war, stiegen auch wir ein. Kurz nach 8 Uhr fuhr der Zug dann aus dem Bahnhof. Um 5 Uhr des nächsten Morgens, 30.08, bemerkten wir zu unserer Verwunderung, dass der Zug in Vigneulles hielt. Sollten wir etwa in unsern alten Stellung?

Wirklich blies unser Trompeter das Signal zum Aussteigen.

Sofort Antreten und Abmarsch. In der noch forschenden, durch plötzlich einsetzendes trübes Wetter, verstärkten Dunkelheit konnten wir zuerst nicht unterscheiden, wo es hinging, bald bemerkten wir jedoch, daß wir eine andere Richtung als die früher gewohnte, einschlugen.

Um 8 Uhr landeten wir in dem Orte Xammes, 12 km östlich von Vigneuelles gelegen, wo uns nach ½ stündigem Warten im inzwischen eingetretenen Regen, ein großer Pferdestall als Quartier angewiesen wurde. Nachdem Kaffee, den es bald nach der Ankunft gab, schliefen wir einige Stunden, um dann wiederum unser Zeug und unsere Stiefel in Ordnung zu bringen, denn im Orte sollten wir nicht bleiben, sondern noch weiter vorrücken. Abends 9 Uhr marschierten wir dann auch los, quer über freies Gelände an Bouillonville und Euvezin vorbei zu dem im Bois de la Sonnard gelegenen Waldlager.

Um 12 ½ Uhr nachts kommen wir glücklich im strömenden Regen und vollständiger Dunkelheit im Lager an. Wie so oft, gab es auch hier mehrere Verletzte dadurch, daß Kameraden im Dunkeln über Baumwurzeln, Holzresten u.s.w. stürzten, oder mit dem Kopf gegen Bäume, Pfähle u.s.w stießen. Nach langem Hin- und Hersuchen und stolpern fanden wir dann schließlich einen Unterstand. In diesem hauste jedoch noch für eine Nacht das Übergabekommando des von uns abgelösten Regiments 465, weshalb einige Kameraden und ich auch dieses Mal auf Bänken schlafen mussten, am nächsten Tage jedoch rückten die Kameraden ab, nachdem sie uns über alle Sonderheiten des Lagers, der Stellung und des Feindes (Zeiten der Beschießung durch diesen u.s.w.) unterrichtet hatten. Dieses Lager lag nicht so idyllisch wie jene bei Verdun, war aber, da hier die Truppen gewöhnlich länger blieben, besser und sauberer in Ordnung gehalten.

Neben jedem Unterstand befand sich noch ein tiefer Stollen zum Schutz gegen die täglichen Beschießungen des Waldes durch den Franzmann, zum Bewohnen waren sie jedoch nicht eingerichtet. An einer besonders gedeckten Stelle war ein größerer Unterstand für 3 Küchen gebaut und zwar für eine im Walde und zwei in Stellung liegenden Kompanien, eine Kompanie hielt sich, wie üblich, in Ruheort Xammes auf. Hatten wir im Waldlager auch allerhand „neuzeitlichen Komfort“ wie Badeanstalt, elektrisches Licht, Wasserleitung u. a. m., so ließen sich doch manche Sachen, wie das Einexerzieren der jungen Offiziere und Aspiranten etc. besser im „Ruheort“ weiter hinter der Front machen, aus diesem Grunde lag die „Ruhekompanie“ in Xammes. Am selben Tage noch, also am 31.8., abends 6 Uhr rückten wir in Stellung und zwar in einen Abschnitt, welches sich ca. 4 bis 5 km links von Richecourt, unserer früheren Stellung, östlich von St. Baussant vor dem Sonnardwald befand.

St. Baussant war ein kleiner Ort abseits der Chaussee zwischen Maizerais und Lahayville.

Durch Laufgräben erreichten wir in einer knappen ½ Std. den vorderen Graben. Diesen sollten wir vorerst nicht besetzen, sondern nur erst instand setzen, da die Spuren der letzten Regenperiode noch nicht ganz beseitigt waren.

Trotz besten Willens konnten wir leider so gut wie gar nichts schaffen, da der Boden aus jenem zähen Lehm bestand, der sich am Schanzzeug gleichsam fest sog, wie er in Frankreich viel vorkommt. In der Nacht vom 1. zum 2.9. kamen wir wieder zurück ins Sonnardwaldlager, aber dieses Mal in den linken Flügel. In den nächsten Tagen half ich unsere Schreibstubenbaracke instand setzen, ferner holte ich mit unseren Kameraden im Tal hinter dem Sonnardwald gelegenen Verteilungsstelle Lebensmittel und anderer unentbehrliche Sachen.

Am Abend des 5.9. bezogen wir den rechten Grabenflügel des Abschnitts als Posten. Dieser Teil des Grabens war vollkommen ausbetoniert, auch einige Unter- und Postenstände bestanden aus bestem Eisenbeton, letztere hatten jedoch Wellblechdach, da über den Grabenrand hinausragender Beton sofort vom Franzmann zusammengeschossen worden wäre. Die Unterstände waren sehr eng und reichten längst nicht für die nur sehr knappe Besatzung aus, so daß wir uns sehr behelfen mußten. Ein Glück nur, daß de Wettergott uns einigermaßen hold war, nur selten regnete es schwach.

Das Essen holen, welches wir wegen der gedeckten Lage des einen Laufgrabens am Tage besorgen konnten, war hier wegen des gut ½ stündigen Weges zur Küche und des engen Grabens eine kleine Strapaze. Trotz der Deckung gegen feindliche Sicht wurden wir jedoch oft durch starke Feuerüberfälle überrascht, welche zum Glück für uns jedoch verhältnismäßig wenig Verluste brachten. Von unserer Seite wurde viel mit 80 Pfund Minen geworfen, welche beim Krepieren krachten wie eines der schwersten Geschosse. Schon in unserer früheren Stellung vor Richecourt hatten wir diese schauderhaften Dinger – nicht ohne Grauen – gehört. Der Franzmann antwortete gewöhnlich mit Gewehrgranaten oder leichten Feldgeschossen.

Am 10.9. mittags hatten unsere Minenwerfer wieder einige ihrer großen „Konservenbüchsen“ zum Franzmann hinüber geschickt. Wir wußten genau, wir bekommen sie heimgezahlt. Nachmittags stehe ich just in einem bis Schulterhöhe leicht gedeckten und hinten zur Hälfte offenen ca. 60cm im Quadrat umfassenden Postenstand auf Wache, als die Franzosen plötzlich an mehreren Stellen anfingen, uns mit Gewehrgranaten zu beschießen. Ein Schütze hatte es sicher auf meinen Stand abgesehen. Die ersten Granaten fielen weit links von mir, aber deutlich hörte ich jedes Mal das Aufschlagen ständig näher kommend, dann eine ganz nahe rechts, die nächste einige Meter vor mir, die dann folgende kurz hinter dem Graben.

Die nächste trifft auf das dünne Wellblechdach, dachte ich und erwog schon: Hielt das Blech auch den Fall ab, die Explosion sicher nicht. Verdrücken? Am Ende lief ich dem Verderben in die Arme. Wie ein Stück Schlachtvieh stillhalten? Nur Mut, die Sache wird schon schief gehen und sie ging schief, aber für den Franzmann. Die für den heutigen Tag letzte Granate sauste durch die Luft und – ich höre sie heute noch – fiel direkt hinter mir in den Graben.

Nichts Gutes ahnend, hatte ich den Stahlhelm, welcher damals noch nicht Allgemeingut war und nur an gefahrvollen Frontabschnitten und besonderen Postenständen benutzt wurde, über die Ohren gezogen und mich in die Ecke gehockt, als auch schon der tolle langschwänzte Vogel hinter mir krepierte. Im Nu war der enge Postenstand voll Rauch und mir war fast das Hören vergangen.

Was nun? Ich dachte wieder, wirst du getroffen, steht hier ja auch niemand und die Kompagnie ist unnütz um einen Mann ärmer.

Also, zum Zugführer, als welchen wir seit einigen Tagen einen vielleicht 30jährigen Lehrer aus dem Pommerschen Leutnant … hatten.

Dieser kratzte sich hinter den Ohren und meinte: Auf diese Art und Weise totschießen lassen? Blödsinn. Aber: Der Posten darf in der höchsten Gefahr seinen Platz nicht verlassen. Na warten wir ab, vielleicht hat „er“ sich beruhigt. Da das Schießen wirklich aufhörte, besetzte ich auch sofort wieder meinen Posten. Gleich darauf kam auch Leutnant … um den Schaden zu besehen.

Die Gewehrgranate war mitten in den Graben und mitten vor den Stand gefallen, so daß die bis zur Hälfte gehende Rückwand, hinter der ich stand, die Splitter auffing und mich schützte. Bei dieser Gelegenheit konnten wir bemerken, wie hart und fest Cement ist, denn weder auf dem Boden noch an den Seitenwänden des Grabens hatte die Granate Schaden angerichtet, kaum daß winzige Absplitterungen zu sehen waren.

In diesen Tagen wurde viel gemunkelt, die O. H. L. hätte eine große Neueinteilung der verschiedenen Truppenverbände vor, durch diese Umwälzung sollte auch unsere 2. Kompagnie herausgezogen werden und zu einem neuen zusammenstellenden Bataillon kommen. Wir waren sehr gespannt hierauf. 

In der Nacht zum 12.9. wurden wir abgelöst und kamen frühmorgens in Xammes an.

Hier wurde uns bestätigt, daß unsere Vermutungen zutrafen. Am selben Abend mußten wir wegen der Neueinteilung wieder in Stellung, eine Rekordleistung, hatten wir doch erst morgens nach 7 tägigen aufregendem Schützengrabendienst (der französische Graben lag nur 9 Meter von unserem entfernt), den fünfstündigen Marsch über schlechtes hügeliges Gelände, zurückgelegt. Nun sollten wir statt der uns zustehenden Ruhe nochmals den strapaziösen Weg machen. Das war dann doch etwas reichlich, auch hatten wir den ganzen Tag über schwer zu arbeiten, um alles Notwendige für die Stellung zu erledigen.

Hundemüde kamen wir in einen wieder etwas weiter rechts gelegenen, auch cementierten Abschnitt an. Glücklicherweise war das Wetter gut, nachts hatten wir meist leichten Frost. Mit Arbeiten und Postenstehen vergingen auch diese Tage, aber schwer hatten wir jetzt unter den französischen Gewehrgranaten zu leiden.

In der Nacht zum 18.9. wurden wir wiederum abgelöst und kamen nach Xammes. Von nun an galten wir offiziell als 9. Kompanie. Unser Kompanieführer, Oberleutnant Haffner, war zur Zeit abkommandiert und wir sollten Leutnant Gebhard, einen Hamburger Lehrer, bekommen, welcher als tüchtiger Offizier und humaner Mensch im Regiment bekannt war.

Hierzu konnten wir uns nur beglückwünschen, denn ein guter Kompanievater war jedenfalls ein großer Trost in den elendigen Frontsoldatenleben.

Am 19.9 ging es bei herrlichem Herbstwetter nachdem ca. 2 Stunden entfernten Boillonville zum einkaufen.. Da wir auch nicht sehr viel zu tragen hatten, war es für uns ein angenehmer Spaziergang. Um einen Richtweg zu gehen, mussten wir allerdings mehrere Kilometer über kahles, unbebautes, verödetes Acker und Wiesengelände zurücklegen um dann auf einem Hügelrücken zu gelangen, von wo man das gerade zur Zeit unter Hochwasser stehende Boillonville Überschwemmungsgebiet übersehen konnte. An einer Bergkante längs gehend, von Weinplantagen und von unseren Truppen bebaut gewesenen Äckern vorbei, erreichten wir das sich an den Berghang anlehnende Städtchen Boillonville.

Nachdem Entlausen und durchsuchen mehrerer Kantinen nach guten billigen Lebensmitteln, zogen wir den selben Weg wieder zurück nach Xammes, wo es dann noch die üblichen Appells gab. Am nächsten Tage, außer exerzieren ebenfalls Appells. Die ´Truppenteile werden auseinandergerissen. Von nun an: 9./ III. 357 [9. Kompagnie, III. Armeekorps, Infanterieregiment 357].

Am folgenden Tage, 21.9 erschien zu unserer großen Freude wirklich Leutnant Gebhard, um die nunmehrige 9. Kompanie zu übernehmen. In kurzen Worten schilderte und lobte er das bisherige gute Verhalten der in jeder Beziehung als stramm bekannten alten Zweiten, sowie das gute Auskommen zwischen Vorgesetzten und Mannschaften und erfreue sich, dieses, dem aus der Kompanie ausgeschiedenen Herrn Oberleutnant Haffner zu verdankende Ehre übernehmen zu dürfen, er wollte sein mögliches tun, das alte schöne Verhältnis weiter zu pflegen u.s.w.

Aber: „Wat denn köm, har nich komen muß“. Denn weiter führte Leutnant Gebhard aus: Leider kann ich nicht umhin, gleich bei der Übernahme der Kompanie einen Wermutstropfen in diese zu bringen, dadurch das ich zugleich mit dem Befehl zur Übernahme der Kompanie einen solchen bekommen habe, einen Unteroffizier und 22 Mann an die neuzubildende 12. Kompanie abzugeben. Da nun der Kompanieführer der neuen 12. Kompanie von allen anderen in Frage kommenden Kompanien schon Leute bekommen hatte und diese zum Teil nicht ganz einwandfrei waren, (es befanden sich unter diesen Drückeberger und solche die den früheren Vorgesetzten vielleicht wegen ihrer Wahrheitsliebe u.s.w. nicht ganz genehm waren), wurde eine geschlossene Korporalschaft gewünscht.

Nach langem Hin und Her hätte er sich mit dem Feldwebel und den anderen Herrn entschlossen, die 10. Korporalschaft, als letzte, abzugeben. Die Auswahl sei aber nur aus rein technischen Gründen geschehen, da wegen der Zugeinteilung nur 9. Korporalschaften bleiben sollten.

Die Trennung unserer alten Zweiten vom 1. Bataillon war gewiss hart, da wir aber in der Zeit des Zusammengehörens die anderen Kompanien doch sehr selten gesehen hatten, war der „Schmerz“ doch zu überwinden, die Abtrennung unserer 10. Korporalschaft (wegen der meisten Gefreiten die „Strammste“ genannt) von der Kompanie und somit der alte Kampf-Kameraden war jedoch so ungeheuerlich, daß wir uns gar nicht darin finden konnten. Einige Kameraden, welche besonders an der alten Zweiten hingen, versuchten dann auch zu bleiben, was jedoch nur einem, (wegen bestimmter Sachkenntnissen), die der Feldwebel nicht gut entbehren mochte, gelang. Unsere Korporalschaft war wegen Abkommandierungen und Beurlaubungen nicht stark genug, so wurden denn doch 3 oder 4 Unliebsame mit abgeschoben, unser Korporalschaftsführer Unteroffizier Probernon weilte auch just im Urlaub, so hatten für ihn Unteroffizier Wollenburg das Pech mit fortzukommen.

Wir fragten uns, weshalb eigentlich dieses Auseinanderreisen der alten Kameradschaft? Wir wurden nämlich nicht alleine auseinander gerissen. Aus jeder Division wurde eine Brigade, aus dieser wieder ein Regiment, aus diesem ein Bataillon, aus diesem eine Kompanie, hier wieder ein Zug und sogar aus diesen noch Korporalschaften oder einzelne Leute herausgezogen. Sollten die Gerüchte etwa wahr sein, daß die Oberste Heeresleitung sich noch unsicher fühlte und die innere Geschlossenheit der Heeres fürchtete? Es musste wohl so sein. Eine andere Antwort konnten wir nicht finden.

Dann aber war es unseres Erachtens das Verkehrteste, was unsere Führung machen könnte, denn wir legten uns diese Verhandlung so aus: der Obersten Heeresleitung konnte es selbstverständlich nicht verborgen geblieben sein, daß die Erbitterung und Unzufriedenheit im Heere gegen das bestehende militärische System wegen der großen Ungerechtigkeiten, welche oft schikanös wirkten, stetig mehr auswuchs und sich verallgemeinerte, aber auch die kritische Lage und der Hunger mochten hier Schuld mit dran haben.

Täglich liefen Kameraden zu den Feinden über, andere blieben beim Vorgehen zurück, wieder andere übten bei den Schanzarbeiten „passive Resistenz“ u.s.w.

Wenn wohl auch ein großer Teil dieser Leute nicht im besten soldatischen Ruf standen, so mehrten sich doch die Fälle, von tüchtigen, zuverlässige und kampferprobte Unteroffiziere und Mannschaften sich aufs mancherlei Art drückten, nicht aus Feigheit, sondern weil ihnen der Kram über war.

Ja, es tauchten hier und da Gerüchte auf, daß an besonders brenzligen Stellen, ganze Kompagnien, selbst Regimenter das Stürmen und Kämpfen verweigerten, denn zu viel wurde ihnen oft zugemutet. Meiner Überzeugung nach waren diese Leute auf keinen Fall aufgewiegelt durch vaterlandslose Gesellen etc., sondern sie hatten keine Lust mehr, sich durch gänzlich unfähige junge Vorgesetzte zu allem möglichen und unmöglichen Unfug kommandieren zu lassen, weil sie als gediente und geschulte Leute dieses oft nicht verantworten, sich aber auch nicht weigern konnten. jeder ehrliche, wirkliche Soldat musste gewiss zugeben, daß es bei einer großen Organisation, wie sie ganz besonders ein Millionenheer darstellt, nicht ohne Disziplin zugeht. Wie würden sonst die zügelhaften Elemente unter uns zu Kehr gegangen sein.

Aber diesen Kadavergehorsam, Knechtschaftssinn, denn von uns älteren Leuten, meist Familienväter, durch mitunter unfähigen, jungen Offizieren verlangte, konnte den aufrechten Männern schon lange nicht mehr gefallen.

Anstatt nun allzu krasse Gegensätze zwischen Offizier und Mann, Beförderung der Tüchtigsten aktiven Unteroffizieren zu Offizieren und anderen Entgegenkommen der Unzufriedenheit einen Damm vorzusetzen und beruhigend zu wirken, riß die oberste Heeresleitung die Truppenteile auseinander, um etwaige „bolschewistische“ Verschwörungen hierdurch zu zerstören.

Dieses Auseinanderreißen alter Kameraden, welche bisher unzertrennlich Leiden und Strapazen, oft auch das letzte Stückchen Brot geteilt hatten, war unserer Meinung nach das Allerhärteste und Verkehrteste, was unserer militärische Leitung machen konnte. Die Ereignisse zeigten dann ja auch, daß die Erbitterung von diesem Zeitpunkt ab, kolossal stieg und zugleich drastisch bewies, daß die Unzufriedenheit allgemein war, und nicht, wie sich die militärische Führung immer und immer wieder zu entschuldigen versuchte, durch bolschewistische Agitationen entstanden sei.

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Heinrich Bluel – Kriegstagebuch 1870/71

Heinrich Bluel wurde am 10. März 1846 an einem bisher unbekannten Ort geboren. Sein Vater war Johannes Bluel. Er wohnte bei Langenhagen bei Duderstadt. Heinrich Bluel war von Beruf Malermeister. Das Tagebuch beginnt Bluel am 14. Oktober 1868. Auf den ersten Blättern sind Eintragungen zu verschiendenen Themen zu lesen, so zum Beispiel Aufträge, die er abgearbeitet hat. Auch finden sich dort Gedichte. Aus diesen Seiten geht hervor, dass Bluel als Malermeister gearbeitet hat.

Ab der Mobilmachung zum Deutsch-Französischen Krieg war Bluel bei der II. Kompanie des Hannoverschen Jäger-Bataillons Nr. 10 in Goslar.

Vom 16. August bis 2. November 1870 war Bluel im Raum Metz eingesetzt. Vom 6. November bis 30. Dezember 1870 war er im Lazarett. Anschließend erfolgte ein Einsatz bei Orléans. Am 12. Februar 1871 versstarb sein Vater.

Am 2. Juli 1871 kehrte Bluel dann per Bahn nach Goslar zurück.

Im Braunschweiger Adressbuch des Jahres 1886 ist Heinrich Bluel verzeichnet. Demnach wohnte er in der Langestraße in Braunschweig. Im Jahr 1915 war seine Adresse Weberstr. 9 (Arbeit) bzw. Neuerweg 15 (Wohnung).

Heinrich Bluel verstarb am 6. Mai 1931 im 86. Lebensjahr. Er wurde in Braunschweig auf dem St. Nikolai-Friedhof beerdigt.

Die Tagebucheinträge sind mehr oder weniger stichpunktartig abgefasst und deshalb bisweilen nur schwer zu verstehen. Einige Worte konnte auch leider nicht entziffert werden. Das Besondere an dem Kriegstagebuch sind die Bleistiftzeichnungen, die Bluel während des Krieges angefertigt hat. Die wichtigsten und schönsten Zeichnungen sind weiter unten zu sehen. Der Kontext mit dem Kriegstagebuch wurde beibehalten.

Außerdem liegen dem Tagebuch auch einige Originaldokumente bei. Beispielhaft wird hier ein Rechnungsbogen als Nachweis für seine Unterbringung am 11. März 1871 am Ende eingefügt.

Erste Seite des Kriegstagebuches von Heinrich Bluel

Das Kriegstagebuch wird hier in einer blatt- und zeilengenauen Abschrift wiedergegeben. Eckige Klammern markieren Ergänzungen bzw. unleserliche Worte.

Heinrich Bluel - Kriegstagebuch 1870/71

Mobilmachung am 16ten Juli 1870

 

25ten August auf Posten m. Gewehr

Maizieres b. Metz Losung: Soldaten

Freund, Soltgeschrei! Heinrich!

 

11ten Sept auf Doppelposten

22ten Sept auf Doppelposten

Blatt 19

Tagebuch v. Feldzüge 1870

per Bahn Goslar d. 30 Juli

Ab 6 Uhr über Brausch Hannv.

Minden Herfurt Bilefeld

Gütersloh [??]

mit  [?] Reda um 9 Uhr

31ten Juli Morgens in Hamm

Dortmund-Essen. Oberhausen

Diesburg a./R. Düsseldorf

a./R. in ½ 3 Uhr Nachmittag Mühlheim a./R.

a./R. Cöln a./R. Bonn a./R.

Rolandseck a./R.

Remagen Andernach

Neuwitt a./R. Bingen a./R.

Abends halb 9 Uhr mit der Bahn u. dann

Zu Fuß maschiert den 31 Juli

 

½ 12 Uhr Abend bis Rosenheim

am 11ten August einquatirt

in Rosenheim Abends ½ 7 Uhr abm.

n. Volksheim 1ten Agust

2ten August Morg. 7 Uhr abm.

Zur… Neu Brandenberg

3ten August Morgens

5 Uhr Abends zum Butter

Dinst u. … fällt aus

_______________________________

Heute den 3ten August Morgens

acht Uhr wurde All=Larm

geblasen zum Abmarsch wir

mussten deshalb gare Fleisch

vom Feuer nehmen und

Feldkessel einpacken

nach Kreuznach [?]

Eisenbahn nach Saarbrücken

Neuenkirchen

Blatt 20

v. Kreuznach nach Neukirchen

Bahn 3 mal Dounell [Tunnel]

Um 6 Uhr Sobern

Den 3ten August

Abends Stadt Düren ½ 7 Uhr

sehr freundlich bewirthet

Oberstein Oldenburg Provinz

5 Minuten 2 Dounell

gefahren 3ten  Dounell

4ten 2Ml. 1 ½ Ml. 5ten 2 Ml.

In Neuenkirchen Nachts 1 Uhr

angekommen bei starkem Regen

draußen biwacirt 4 August 1 Zug

einquartirt 5 August Morgens 5 Uhr

ausmarschirt nach Drottelbach

[??] 7 Stunden maschirt gut

1 Tag einquartirt 6 August

nach Ortweiler maschirt angekommen

Division zusammen gekomen in [?]

 

Ortweiler [Ottweiler]

Abens 11 Uhr biwakirt, und

Wachtfeuer angezündet 1tes Biwak.

7ten Morgens 3 Uhr abmaschirt

Nach St. Imbler [St. Ingbert] angek. 

um ½ 1 Uhr biwacirt

und abgekocht Sonntag den 7ten

abmaschirt nach Habkirchen

Grenze zwischen Baiern und S.

Am 8 August Nachmittag

1 Uhr die französische Grenze

überschritten bei Frauenberg

Sargemünd a./S. Biwack.

9 August 10 Abm. n. Hammbach

½ Stunde von Hammbach 9ten Ag.

Biwacirt wo wir uns Hütten

Bauten aus Holz was wir von

den Chosseebäumen abhauten,

und den Weitzen vom Felde

holten als Unterbett bei starkem

Regen im freien Felde gekocht.

Blatt 21

und gebraten. Ochsen geschl. Hasen ges.

in Hammbach einquatirt

eine prachtvolle kath. Kirche

von Hammbach abm. Morgens

6 Uhr 4Stunden maschirt in vollem

Regen da in freiem Felde biwacirt

wo wir vor Dreck kaum aus der

Stelle kommen konnten an der

Schaffen  über 50 dicke Pappeln abgeh.

und Hütten gebaut Kartf. ausgegrab.

u. gekocht überall den Hanf

vom Acker ausgeruft was als

Unterbett diente durchgeregnet

bis auf die Haut. Biwacirt

bei St. Jean=Rorbach [Saint-Jean-Rohrbach] abm.

den 11ten Morg. 6 Uhr Quatir

Am 12 Bartring [Bertrange] abm: 6 Uhr Mg.          

Nach Metz Renaut Delme 13.

biwakirt. (Weinkeller besucht)

Morgens 8 Uhr abm. d. 14ten Ag.

Sontag

 

nach Mong Chu=Burg

Quartier von hier sehen wir

Lebhaftes Kanonenfeuer in

der Richtung nach Metz.

hohe Burg: Ruinen) a/Mosel

Pont à Mousson, Burg

Position der Geschütze 15ten Aug.

abmaschirt 3 Uhr nach Pont.

                        Stadt
à Mousson Quartir gut.

Abm. Morg. 4 Uhr bis Neufaity

3 Uhr am 16ten wo wir in

Kräftigen Granatfeuer standen
eine große Schlacht. Das Gefecht

dauerte von 4 Uhr Mrg. bis Abends

8 Uhr furchtbares Granatfeuer

bei Trong Villa Schlacht

Trong=Ville [Tronville]. 16. Aug.

Blatt 22

Schlacht bei Trong Ville [Tronville]

Am 14ten Ruhetag biwakirt

Auf dem Schlachtfelde. abm. Morg.

6 Uhr den 18ten nach 3 Stunden

Wurden wir wieder mit kräftigen

Granaten begrüßt

Schlacht bei St. Làmong Cha.

St. Priwa [St. Privat]

Das Gefecht fing an um

Halb 12 Uhr und dauerte bis

Abends 10 Uhr wir kamen

Um 3 Uhr in heftiges Granatfeuer

Das Dorf St. Priwa [St. Privat] war von                                          

Den Franzosen stark besetzt u. verschanzt

Wurde aber von den Deutschen in Brand

Geschossen und mit Sturm genommen

19ten Ruhetag 20ten auch nach dem

Schlachtfelde 21ten Abmarsch nach

Metz 2 Stunden von Metz am) Sontag

Dorf Maiziers besetzt. Schanzen aufgeworfen

 

    In Maiziers
22ten August Ruhe Verschanzungen

vorgenommen 2 Stunden vor Metz.

um den Franzosen den Rückzug zu ver-

hindern nach Paris. 23ten Aug. Ruhe

24ten… 25ten Exerziert in Detail zu

Maiziers bei Metz 28 u 29. schlechtes

Wetter. am 26ten wurde ein

Französ. Spion erschossen. 31 Aug

abm. I u. II Comp. n. Thionvill

Thionvill die Bahn aufgerissen

Quatir in Ma Rickemong

________________________________

Am 31ten August rückte die IIte u III.

Comp. aus Maiziers Morg. um

2 Uhr aus Thionvill die Bahn

wurde aufgerissen bei Hittage

2 ­­­­­­Sept. Wein Brod u. Speck bekommen

zurük marschirt nach Rickmang

Abends um 10 Uhr Quatir.

am 1ten September (gut …

  1.  

Blatt 23

Quartir in Richmong furchtbares

Kanonenfeuer sumen von

hier in Richtung nach Metz [?]

Nachmitag 3 Uhr abmarschirt

nach Maizieres bei Metz am

1ten September Schlacht bei Metz

den 5ten Sept. Abend 8 Uhr wurde

All=Armirt wir mussten sofort in Position

die schöne Fleischtruppe u. Kartf. in Dreck

gießen u. hatten kaum Zeit sich fertig

zu machen es fielen einige Schüsse der

Feind nun auf Position hielt sich

aber weiter nicht gegen ½ 11 Uhr

legten wir uns schlafen den 6ten

Morgens 4 Uhr aufgest: (am 5ten krichten

wir: a. Mann, 14 Stück Ciggaren geliefert

in Tubost) am 1 Sept. regte  der Franzose einen Ausfal

zu machen die Preußen hielten ihn erst nicht kamen bis

Metz u. zogen sich erst zurück, die Franzosen wurden von

3 Seiten umzingelt u. mit Bayonetten zurückgeschoben,

Die Franzosen mußten im Laufschritt zurück.

2000 Gefangene wurden gemacht viel Verlust.

 

No10

Der Kaiser Napoleon wurde gefangen

genommen bei Sedan die Armee des Marshals

Mac=Mahon, Capitulirt- 100,000 Gefangene

100 Geschütze.) am 6ten war ein furchtbares

Gewitter mit starkem Sturm u. Regen.

Nachmittag, am 7ten Morgens gut Wetter

Nachmittag starkes Gewitter mit sehr starkem Sturm

und Regen, am 8ten Morgens sehr schlecht Wetter

kalt u. Regen am 9ten sehr schlecht

Wetter. Heute Abend 6 Uhr setzte ich Reis aufs

Feuer um zu kochen um halb sieben wurde all=arm-

mirht, ich mußte meinen Reis in Dreck gießen

u. sofort fertig machen, um Schlag 7 Uhr wurde

das Bombardumang auf Metz eröfnet alle

40 Fünder rings um Metz kamen in Tätigkeit

Der Regen kam vom Himmel gleich strömen wir

Waren durchnässt bis auf die Haut. um 10 Uhr

wurde das Feuer ruhig die furchtbare

Witterung machte es ein Ende. Es wurde ein

großes Feuer angemacht wo wir unser Zeug

trockneten u. uns schlafen legten, am 10ten

Morgens 5 Uhr Gefechts bereit. sehr schlecht Wetter

Am 11ten sehr gut Wetter. heute Morgen

wurde bei einer Recogofirungs=

Patroulien 1  Mann von uns schwer

Verwundet 2 Schuß bek./

Blatt 25 (rechts)

Fortsetzung v. No. 10

12 u 13ten gut Wetter. 14ten Regen.

15ten gut Wetter 16ten gut Wetter

auf Recognoszirungs Patroulie die II C.

abmarsch. Abends  halb acht Uhr. 11 Uhr zurück

am 18ten Abmarsch über Tallunge [Talange] nach

Moyeuvre Abends 11 Uhr

ins Quartir zur Besatzung Am

19ten Sept. machten wir eine

Partroulie 1 Abg. 10 Jäger nach

Rangdö, wir passirten einen dichten

Wald wo alle Wege verbarikadirt

Waren in Rangdö angek. kehrten

wir ein, und tranken einige

Flaschen Wein u. Bier kehrten

von da zurück auf einen Forstweg

durch einen Wald u. passirten die

Weinberge und ließen uns

den Wein gut schmecken.

22ten Sept auf …, [??]

hörte man von Metz 23ten [?]

wir nach Russelange ins Quatir.

Blatt 27

Fortsetzung von

23ten Sept. Rosselange abends im

Quartir Bett Abendb. Salat. Fürchtbares

Kanonenfeuer in Metz. Gut Quartir

die Tauben schmeckten hier sehr süß.

 Den 25ten Sept. 1 Sonntagsfeier

im Feldzug Morgens zur Kirche

Mittag 11 Uhr mußten wir ein

Sontags Partie, Partroulie nach

Rimolange u Farbeck im den

Einwohnern zu sagen: um sich von der 2 Comp

Im Walde sehn läßt oder auf ander Wegen

wird er von den Jägern erschossen bei Farbeck [Fameck]

kletterten wir einen hohen Berg hinauf

            Belle Vie

von wo man das ganze Moselthal

von Thiongvill bis Metz u mindestens

100 Dörfer sehen konnte jetz passirten

wir einen dichten Wald und kamen

indem wir große Weinberge passirten

um 5 Uhr Abends zurück, Sontags=Vergnügen

 

26ten 12 Uhr abmarsch nach

einen Recognoszirungs-Patroulie

durch die Wälder am 21ten

Abmarsch auf 5 Uhr Nachmitag

auch heute auf Posten vor

Gewehr in Rosselange

Vitire, abends 7 Uhr angekommen

Dann auf Doppelposten 28ten

In All=Larm [Alarm] Quartir in der

Scheune Nachmittag 5 Uhr abm.

Nach Richemong All=Larm

 Quartir den 29ten Sept Morgens

8 Uhr abm. nach Haiange [Hayange].

[Regeuiations?] Commando gutes Frühstük

Wofür ich 1 Frank zahlte hunderte von Menschen

Die mit der Mannschaft beschäftigt waren

u. uns die süßen Trauben bodten

die wir uns gut schmecken ließen.

Denn der Marsch war nicht sehr

warm.

Blatt 28

gut Wetter

Abends Quartir in Russelange

Am 30ten machte ich mir ein

Vergnügen um die Trauben mit

zu schneiden im Weinberge und ließ

mir die Trauben gut schmecken

indem ich mir die besten aussuchte

am 1ten Oktober Morgens 5 Uhr

fürchterliches Gewehrfeuer und Kanonen

bei Metz. Am 1ten Okt. eine

Patrulie nach Essange [Erzange?] die angeb.

Wurde gut gefespert. Bord, Wein, [?]

Speck, saur Gurken gegessen. zurück

Über Rangoxise [Ranguevaux] 10 Uhr in Rousselonge      

2ten Okt. Morgens furchtbares

Gewehrfeuer bei Metz das 1te

Arm=Corps wurde vom 10ten

abgelößt am 3ten Okt. Patroulie

Durch die Wälder nach Hayange

Abm. 2 Uhr Nachm. Abends 9 Uhr zurück

am 4ten war ich Kniekrank

___________________________________

Bis zum 7ten gut Wetter

 

Kniegeschwür am 6ten wurden

im Dienst. sehr gutes Herbst Wetter

heute auf Doppelposten heute

Nachmittag Uhr abmarsch

Den 7ten Morgens 8 Uhr nach

Cemeair ins Biwak den 1 ten

u 2ten Zug auf Vorposten nach

Belle=wü, abm. hatten wir nachm.

Abzukochen, aber das

Essen verlassen, weil der

Feind bei Belle wü unsere

Vorposten angriff und zu

einem großen Gefecht wurde

wir unsere Posicion während

die beiden Züge unserer Comp. mit

der Landwehr zurückgewesen

wurde, die Franzosen …

aber nachdem von unseren

heftigen Gewehrfeuer.

Blatt 29

In Sedan 1300 Mann Verlust

Mit Mühe zurückgeworfen unsere

Comp. hatte Verlust 1 Offizier d. 30.

1 Obg.[Obergefreiter] 35 Mann Todt u. Verwundet

Abends 8 Uhr wurden wir noch mit

heftigen Granatfeuer beschossen

9 Uhr wir[d] der Kampf beendet

Wir blieben in der Posicion

Den Morg. den 8 ten auf Vor=

posten bei Belle wü 400 Schritt

vor den feindlichen Posten sehr

schlechtes Wetter. Nachts auf

Posten u. Patroule am 9ten

Okt. am Vorposten abgelößt dann

ins Biwak bei schlechtem Wetter

In Biwacken, ähnlich dem [Schweine-

stall] wo wir darin ruheten am

10ten kamen wir nach Maiziers [Maizières ]

Wird unser Lager von Platt

Will aus mit Granaten beschossen

 

wurden den 11ten in Maiziers                                                          

12 ziemlich kalt 13ten schlecht W.

14ten auf Vorposten. Bellewü [Bellevue]

15 -″- Vorposten Santiny

Abend in Maizieres 16ten Regen                                         

17ten heute ist kein Kanonenschuß

gefallen sehr was seltens, 18ten

gut Wetter heute scheint die

Kanonade zu beginnen

20 schlecht W. 21 ruhig, heute auf Wache

Haupt W. in Maizieres 22ten Morgens

9 Uhr abmarschirt nach Antylli [Antilly] den

24ten Sontag Morgen 10 Uhr zur Kirche

Kirchaufsicht v. Dragoner Nachmittag 1 Uhr

auf Wache. 25ten Regen 26ten

Antilly. 27ten auf Wache Ant.

26ten Abend wurde am Horizont ein

Nordlicht bemerkt. 24. Regen

Blatt 30

Am 28ten Okt. 1870

Capitulirte die Stadt und

Festung Metz und 150,000 Gefangene

Nachmittag 1 Uhr verlißen die

Franzosen Metz auf  nach Deutschland

transpotiert] 29 u. 30, 31 Regen

am 1ten November kamen unsere

Gefangenes aus Metz zurück am

2ten Morgens 7 Uhr marschirten

Wir (inclusif) des 10 Armee Corps nach

Metz [Pont a. Musson] Abends

In Corni [Corny], auf einem Heuboden       

Am dritten Morg. 7 Uhr abm.

üb. Pont a. Musson  auf Loisy [Loisy a. Mosel]

ins Quartir Morgens den 4ten Nov.

Loisy nach Tremblecourt am 5ten

Novemb. Ruhetag den 6ten Morgens

8 Uhr auf Toul frühen Mittag

kam ich ins Lazareth am 28ten

Nov. 10 Einahme v. Orleangs [Orléans ] 10,000 Gefangene 45 Gesch.     

 

aus Toul
Den 30ten Mittag 1 Uhr

abmaschirt per Bahn.

nach Orleangs zur Armee.

Über Chalon, Witry, Aperoll
Epernie Quartir vor Kälte

habe ich nicht schlafen können.

31ten Morgens per Bah.

weiter nach Nogent Lartand [Nogent-l’Artaud]

a./ Marne, die Neujahrsnacht

im Eisenbahn Wagen 1870

geschlafen aber sehr kalt.

Heute den 1ten Januar 1871

Weiter nach Esbliy Quartir

im Eisenbahnwagen 2ten Jan.

Morg. nach Langny . schlechtes

Quartir den 3ten  Morgens

Thürau u. Süßboden aufgebrandt.

Neuesjahr

Blatt 31

Abends in Brie Kannte=Robert [Brie-Comte-Robert]

schlechtes Quartir gutes Heu

aber nichts drin 4ten auf

Corbeil [Corbeilles], Quartir in einer           

Kirche Altar wurde als

Esstisch benutzt d. 5ten Ruhetag

abend ins Quartir, gute Betten

d. 6ten Abens auf Arpogon [Arpajon]

ins Quartir d. 7ten Ja. Morg. 8 Uhr

Abm. n. Etampes [Étampes] Quartir [?]                                                      

d. 8ten abm. n. Angerville Quartir

den 9ten abm. n. Thury [Toury] Quartir d. 10ten

abm. Chevilly Quart. 11ten Januar

nach Orleangs [Orleans]. Quartir ziemlich                                      

gut. 12ten Ruhetag in Orleangs.

13ten abm. n. Blois Quartir 16ten

Morg. 8 Uhr abm. n. Vengdom [Vendôme] 32=     

Kilometer) in 2 Tagen.

 

17ten 18ten 19ten nach
            bei einem Schuster, Cordangö
Vangdöm. Quartir aber nichts

zu leben, 20 u. 21 Januar Ruhetage

heute besseres Quartir, rothe Rüben zu Mittag

bei einem Maler, Pendre. 22ten Sontag

23ten Allarm=Quartir, nich _ _ _

27ten auf Wache: zu Vendome. 29ten

Allarm-Quatier. Es wird ein Über-

fall befürchtet. nicht. 30ten

Wache. 31ten Januar Mittags

12 Uhr die Capitulacion von

Paris. Alles runter entwaffnet, bis auf

Die Nacional=Garde. von

30ten bis 19ten Februar

Waffenstillstand. 21ten Februar

Licht=Mess [Lichtmesse]: sehr schönes Wetter

letzten Tag in Vengdome. schönster

Tag. – 3ten Morg. 8 Uhr abm.

n. Le Mans. 1 Uhr ins Quartir

zu Montoire. -Morg. Weiter n.

Ponce ins Quartir sehr gut

Blatt 32

in einem frzschen Schloß

große Papoer Fabrik de Pappiè

den 5ten Feb. Sontag. Ruhetag in

Ponce (gut Plesier) auf dem Wasser

gegondelt. Sehr gutes Bett. 6ten abm.

n. Marçon Quartir sehr

gut. Cohu du Wong. tré bien                        

Mageè 7ter Morg. abm.

nach Chathu=du Loirs [Château du Loir] Quartir

in Chattue [Château] du Loir den 8ten

Morg. 8 Uhr zurück über)

nach) einen halben Schweinekopf

gekauft.(nach Tauleè et Pire [Neuillé-Pont-Pierre]

Abends ins Quartir. Hühnersüpchen

Den 9ten Feb. heute Nachmittag

4 Uhr glücklich in Tours angekommen

Ins Quartir. Belt=Etape parterre

gut möbilirtes Zimmer gut Essen

und Trinken den 11ten Feb. war

ich im französischen Theater.

Am 11ten erhalten 7 Thaler.

 

Hotel de France 12ten Kirchgang

14ten auf Wache. Tours a./Loirs

Am 12ten erhielt ich die Nachricht

das mein Vater gestorben war

am 18ten Januar 1871.

Tours, den 12/2. 71 in Frankreich.

Am 18ten Feb. große Parade

in Tours. Waffenstillstand

verlängert bis zum 26ten

Mitternacht. 23. Feb. Morgens

8 Uhr abm. aus Tours 20. Kilom.

9Uhr Quartir Péanè [Pernay] schön  

Wetter. mit 15 Mann. 24ten

gut Wetter. Nachmittag abm.

5 Kilometer weiter mit 10 Mann

ins Quartir eigenen Haus 25 ten

Ruhetag. Ambiyou [Ambillou] schlechtes Quartier

26ten Februar heute letzter Tag d. Waffen-

ruhr. Morgens schönes Wetter. Im Mittag

windig. Sontag.-

Le pain griese

Blatt 33

26ten Feb der Waffenstillstand

ist zum 3ten mal verlängert

aus zum 12ten März [um=

quartirt 28ten März.

schlechtes Quartir 2ten März

einquartirt abm. Morg. 9 Uhr

nach Clèrè [Clère] Quartir eigen Haus

du Goia. Gut Quartir den

5ten Morg. 6 Uhr ab. 28ten              

n. Thurs [Tours?] am 3ten März

der  Friede.

Quartir in Tours 6ten abmarsch. Morg. 7 Uhr nach

Amboise 24 Kilom. 4ten

Morg. 7 Uhr abm. nach Les Montirs [Les Montils]

28 Kilom. 8/3ten Morg. 7 Uhr abm.

Blois n. Suevres [Suèvre] 28 Kilom.

schlecht Quartir auf platten

Boden geschlafen.

 

Der 9 März n. Meun [Meung] 28 Kilom.

Quartir ziemlich den 10ten

mein 25 jähriger Geburtstag.

Ruhetag hier Meun [Meung]

Heute Morgen 9 Uhr zur Kirche

Kirchmusik heute schlecht Wetter

11ten März n. Orleangs [Orleans]

bei einem Schlachter 18 K.

Rue des petitst souliers [Rue de petit souliers]

No 22. Champio [Rue de Champion] Lebihan

Ce bien logement.

Den 12/3ten Morg. 7 Uhr abm.

von Orleans nach Chateu neuf

..:, Loiars 24K. 13ten Ruhetag                                                         

den 14/3ten Morg. 7 Uhr abm. n. Lorris

24K. 2 Uhr ins Quartir 15ten März

Abm. Mrg. 7 Uhr nach Montarge

Prachtvolle Kirche (26 Kilometer

Montargé

Blatt 34

16ten 7 Uhr abm. n. Chatourenare [Château Renard]

            18 Kilometer

Heute viel Schnee. Durchgeregnet

bis auf die Haut 17ten heute

Ruhetag gut Wetter ! 18ten Morgens

7 Uhr abm. n. Forté*                                                            

32 Kilom. Morg. 7 Uhr abm.

n. den 19 Feb. 24 Kilometer

Quartir in Joigny

a./d. Ynne [Joigny a.d. Yonne] 20ten 7 Uhr abm. n.

St. Florentin ziemlich schlecht Quartir                                            

28 Kilom. 21ten Ruhetag Appel, [?]

22tenKönigs Geburgtstag St. Florentin

abend 21/3 großer Zapfenstreich durch

die Stadt 22ten große Parade 5 Kilom.

m. 16 K. Quartir in la=Chapelle

Fonnare 14 K. Quartir 24 May 8 Uhr

abm. Angentenay an 16 K. Quartir

mit 9 Mann. 25ten Ruhetag für

26ten Morgens abmarsch nach
Laigpes Quartir 20 K. 27ten

in Chattellon [Chatillon s. S.]

2ten März 1871 - Unteroffizier Döcks Selbstmörder

Blatt 35

27ten nach Chattillon [Chatillon] 16 K.

3 gutes Quartir Läuse genug

28ten Morg. 7 Uhr abm. …

nach Gevrolles Quartir bon

logement 24K. 29ten

März n. Chaumont Nachmittag

3 Uhr in Chaumont 37 K.

Quartir 6 Mann am 30ten auf

Wache. den 2ten April heute

Palmsontag, ou churdouh bon

rekurirt 4ten April bei starkem

Regen Exacirt durchgeregnet

… Donnerstag Morgen Exercirt

Charfreitag [Karfreitag] keinen Dienst z. Kirche

Sonnabend Abendmahl, Osterfest

2ten Ostertag auf Wache.

13ten April geschlafen 25ten April

… 26ten auf Wache d. Maizi.

3ten Mai gearbeitet Magezin de la [?]

schönes Mai Wetter d. 10ten Mai auf

Wache Bahnhof. Schaumont [Chaumont]

[?] n. d. Natur H. Bluel 19/1 71.
Rosselange südlich gesehen n. d. Natur
Ohne Beschriftung!

Blatt 38 oben links

den 13ten abends großer Zapfenstreich

Chaumont Paris capitulirt zum

zweiten mal. Der Frieden ist abgeschlossen.

festen Frieden heute Friedensfest.

den 14ten Sontag 1871. 19ten

Bagache Wache.

Eine Zwillingszwetsche gefunden zu Maiziers b. Metz den 17ten September 1870 Frankreich

Blatt 41

Sollte dieses Buch

Jemand finden, so bitte

ich den ehrlichen

Finder, es doch nach

meinem Vater zu schicken

Herrn Johannes Bluel

in Langenhagen

bei Duderstadt

Post Hannover

H. Bluel.

Mourang bei Metz. Lagadu Mildrie im August 1870 bei Metz n. d. Natur H. Bluel
Se mecur, bei Metz n. d. Natur
St. Prive = la Mong Cha n. d. Natur Schachtfeld am 18ten Aug. 1870
n. d. Natur Burg bei Pont a Mouson. Quartier der II.=III. C. d. 10. Jäger Bataillon Am 14ten August 1870
Capelle [?]
Veröffentlicht unter Deutsch-Französischer Krieg 1870/71 | Schreib einen Kommentar

Oskar Volkmann – Offizier beim 3. Oberelsässischen Feldartillerie-Regiment Nr. 80 (Teil 1/3)

In meiner Sammlung liegt ein Band des Kriegstagebuches des Offiziers Oskar Volkmann vor, der Oberleutnant beim 3. Oberelsässischen Feldartillerie-Regiment Nr. 80 war. In diesem Band hat zwei Teile seines Kriegstagebuches niedergeschrieben. Zum einen über die Zeit vom 1. August bis 6. September 1914. Zum anderen die Zeit von Januar 1917 bis November 1917. Volkmann bezeichnet diesen Band als „Kriegstagebuch I“. Nach einem Eintrag auf der ersten Seite des Tagebuches gab es noch weiter Bände, nämlich einen vom 6. September bis 31.Dezember 1914, der mir aber leider nicht vorliegt. Die Jahre 1915 und 1916 waren in einem weiteren gelb gebundenen Heft, welches aber Volkmann abhanden gekommen war, wie er selbst anmerkt.

Aufgeschrieben hat er den ersten Teil im Winter 1914/15 „in der kalten Villa in Halluin“, wie Volkmann auf der ersten Seite schreibt. Beendet hat er seine Aufzeichnungen am 18. November 1918 in Hoppenstedt, ist auf der letzten Seite zu lesen.

Dem vorliegenden Band der Kriegserinnerungen liegen vier Fotos da. Vermutlich ist Oskar Volkmann auf einem dieser Bilder zu sehen.

Auf dem Foto ist wohl Oskar Volkmann zu sehen. Auf der Rückseite ist ein Stempel zu sehen. Dort steht: Oskar Volkmann, Halle a. d. Saale, Kaiserplatz 1. Dort hat Volkmann also einmal gewohnt.

Desweitern liegen dem Band auch zwei doppelseitig beschriebene linierte Blätter bei, auf denen Volkmann seine Kriegsteilnahme kurz darstellt. Leider fehlt mindestens eine Seite, so dass sein Werdegang nicht vollständig nachvollzogen werden kann. Hier nun der Wortlaut:

Kurze Übersicht meiner Kriegsteilnahme 1914 – 1918

Von der Kaserne meines Regiments in Kolmar, wo ich mich meinem Gestellungsbefehl folgend Anfang August 1914 meldete, rückte mein Regiment unmittelbar in die Schlacht. Der Franzose war sogleich mit Kriegsausbruch mit einer kleineren Gruppe über die Vogesen vorgestossen. Das XV., elsässer, und das XIV, badische Korps rückten ihm entgegen und in dem Gefecht bei Seunheim, wo meine Division die Feuertaufe erhielt, wurde das französische Seitendetachement zurückgedrückt. Von da ging das Korps nordwärts, bei Schirmeck wieder über die Vogesen und focht bei Raon l`Etappe. Auch bei diesen Kämpfen war es nichts mit der gehofften Einschliessung; wir drückten den Gegner nur zurück. Sekundierten dann kurz einem bayr. Reservekorps etwas südlicher u. wurden nach einigen Ruhetagen in Schirmeck abtransportiert um über Belgien in eine in der Front entstandene Lücke [Ab hier fehlt anscheinend mindestens eine Seite Text!]

Vom Zuge aus das Gefecht bei Löwen. Auf dem Plateau von Craonne kämpften die beiden Divisionen bis Mitte Oktober. Von da Marsch durch Nordfrankreich nach Flandern. Südöstlich von Ypern bei Zandvoorde stiess die Division am 24. X gegen die Engländer, eroberten Zandvoorde (und hätte Ypern bekommen, wenn – ) rannte sich aber in den folgenden Kampftagen hier ebenso fest wie anderswo und andere – und es begann Stellungskrieg, der das Korps 14 Monate an diesem Fleck festhielt. Silvester 1915 wurden wir zunächst nach rückwärts in Ruhe verlegt um Ende Januar 16 zu dem Generalsturm auf Verdun eingesetzt zu werden. Das Regiment kämpfte in den Wäldern nördlich Etain, ging mit den übrigen im ersten Angriff – und blieb mit den übrigen stecken. Sieben Monate lagen wir anschliessend an dieser Stelle der Woevre, zuerst im Syrielager, nachher kurz in Fléville, und in der Zeit der ersten kalten Nächte (30.10.16) kamen wir weg, an die Somme. Nach kurzer Rast in Avesnes le Sec rückten die Truppen der Division einzeln in den Hexenkessel bei Sailly-Saillisel. In 19 Tagen war die aufgefrischte Division abgekämpft. Wir wurden herausgezogen und sollten in ruhige Stellungen kommen. In die Gegend südlich von Stenay brachte uns die Bahn. Dort lagen wir in einsamen Etappendörfchen ein paar Wochen und wurden dann Mitte Dezember, über die Maaß gezogen und bei Flabas, Louvement eingesetzt. Kaum waren wir in Stellung, da begann die schwere Beschiessung, der Nivelles Angriff auf diese Front vom 13. 21. Dec. An der Nordfront Verduns folgte. Die Division wurde erneut so schwer mitgenommen, dass sie sogleich wieder herausgezogen wurde. Diesmal gings in eine wirklich ruhige Stelle, bei Cirey, am Kanonenberg. Während wir hier lagen, meine Kolonne im Lager nördlich Mouron, wurden die Kolonnen von den Feldartillerie Regimentern losgelöst und wir blieben bis Ende Mai 1917 in dieser Einsamkeit. Zur Sommerfrische nach _______ bei Aubenton verschickt, wurden wir schon nach einer Woche wieder eingeladen und in die nicht unbekannte Ecke nordöstl. Verdun verfrachtet. Dort lag die Kolonne beschauliche Sommermonate in Waldlagern, bis der Franzmann uns herausschoss, und wir in wechselnden Quartieren, (bzw. Nicht-Quartieren) bei regnerischem Herbstwetter und scharfem Munitionieren bald mit den Pferden sehr herunterkamen. Die Verlegung von St. Laurent in einen morastigen Waldzipfel, den wir erst zum Lager ausbauen sollten, gab den unterernährten Pferden den Rest; sie versagten, soweit sie nicht eingingen. Mit Mühe nur konnte ich die Kolonne in das weit rückwärts gelegene Mercy le Bas bringen. Dort erreichte mich Ende Nov., nicht ohne mein Zutun, die Kommandierung zur Doltmetscherschule nach Berlin, und anschliessend habe ich, vom 1.2.18 ab bei der Landesaufnahme in Berlin als Ordonanzoffizier eine interessante und bewegte Zeit durchgemacht – die aber kein Krieg mehr war. —

Kriegstagebuch vom 1. August bis 6. September 1914

Hier nun die buchstabengetreue Abschrift der Kriegserinnerungen. Anmerkungen von mir werden in eckigen Klammern wiedergegeben. An einigen Stellen hat Volkmann Ergänzungen auf leeren Seiten oder am Rand geschrieben. Wenn diese eindeutig in den Text eingeordnet werden konnten, dann wurde das stillschweigend gemacht. An Stellen, an denen ein eindeutiges Einfügen in den Textfluss nicht möglich war, wurde die Ergänzungen in eckigen Klammern eingefügt.

Niedergeschrieben Winter 14/15 in der kalten Villa in Halluin.

1 Aug.1914

Das also ist der Krieg! Wie oft hatten wir uns, auf Spaziergängen, dies ungeheure Werden einer Mobilmachung vorgestellt, also modus irrealis natürlich, aber – sehen möchte man`s schliesslich doch einmal, wie all das in einander greift, wozu man auf allen Gebietendes Lebens immer wieder die Vorbereitungen traf, ein weitverzweigtes Netz, dessen Fäden an alle Punkte des wirtschaftlichen Daseins angeknüpft waren. Würde es halten, wenn ein Ruck es anzöge um dies sämmtliche Beziehungen, alles Schaffen neu einzurichten? Es musste ein Ungeheures sein. Nun lag der lähmende Druck auf uns, den neue Nachrichten alle paar Stunden verschärften! Der Kriegszustand war erklärt, und die Truppen der Garnison Graudenz, die bis zum 30 Juli auf dem Schussplatz waren, kehrten plötzlich nachts zurück. Am anderen Morgen sah ich sie schon in neuem gelben Schuhzeug und Rock, der berühmten, auf der Kammern so sorglich gehüteten und erneuerten Kriegsgarnitur. Vor der Kommandantur stauten sich Neugierige, sonst merkte man auf den Strassen nicht viel von der inneren Erregung, die in diesen Stunden die ganze politische Welt erzittern liess. Meine Arbeiter schafften auf dem Neubau wie sonst, und doch wurden allerlei Gerüchte hin und hergetragen, während ich mit dem Techniker über die wippenden Bretter des Gerüstes ging. Die Gerüchte eilten den gedruckten Bekanntmachungen voraus, aber mittags stand doch ein roter Anschlag am Kommandanturgebäude. Gegen Abend liess ich alle Maurer und Handlanger im Hof des Rohbaues, der seit zwei Wochen so sichtlich emporgewachsen war, zusammentreten und sprach ein paar Worte.

[Anmerkung von der nachfolgenden Seite: Einer unserer Geheimräte im Ministerium [Reg. Baumeister Hahne] hatte das Extrablatt mit der Kriegserklärung durch den Boten in den Kanzleien herumgeschickt, und bliebt noch eine Weile an seinem Schreibtisch sitzen, den Kopf voll wirbelnder Gedanken. Wie verschiebt doch dies Blatt Papier alle Perspektiven, die ein Jeder vor sich sieht, auf die hin er arbeitet. Da klopfts, und durch die Tür schiebt sich tritt, mit seinem unnachahmlichen Bückling, einer der geheimen Kanzleiräte. „Verzeihung, ich wollte Herr Geheimrat nur eben ein sehr dringliches Aktenstück vorlegen: Anfrage der Regierung in Lüneburg, ob der Teppich im Esszimmer der Dienstwohnung des Präsidenten erneuert werden kann“. Ja, diesen Geist, den vielverlachten Geist des Wagner der, froh ist, wenn er Würmer findet; über den wir uns beim Requirieren als Offiziere der Truppe, wenn wir ihn bei Etappen- und Ortskommandanten trafen, oft ärgerten – wir hatten auch ihn so nötig, um diesen Krieg zu führen.]

Unsere Wohnung wollten wir schliessen, und zusammen übermorgen reisen; aber wie abends das Fahren und Abreisen zunahm; wie die erwartete Mobilmachung noch am gleichen Abend bekanntgegeben wurde, da entschlossen wir uns, schon am andern Morgen zu reisen. Mit Frau und Jungen, mit Handgepäck und Dienstmädchen zog ich aus der Wohnung, vergeblich auf den bestellten Wagen wartend. Da pakte  ich die Meinen, trotz Protestes meiner Frau, trotz Zögerns der Federhutgeschmückten Donna, in ein vorbeitrottendes Gemüsekärrchen. Rappelnd sauste der gebrechliche Wagen, dessen Pferdchen ich unerbittlich zum Galopp peitschte, über das Pflaster, den weiten Weg zum Bahnhof, noch grade recht, um den einzigen Zug, der mit guten Anschlüssen nach Westen fuhr, zu erreichen. Quer durchs deutsche Vaterland, durch das beginnende Erbrausen des Sturmes ging die Reise nach Weimar und von da zum Rhein. Die Züge fuhren im Osten pünktlich und waren leer, da sie ja der Mobilisierungsrichtung entgegen liefen. In Berlin am Anhalter Bahnhof wimmelte es von Offizieren, Reservekavalleristen besonders, die ihren süddeutschen Garnisonen zufuhren. Ein alter Studienfreund; „Halloh!“ Er wendet sich zu einer jungen Gestalt durchs Fenster, die unter ihrem Rosenhut die tränen nassen Augen zu bergen sucht. „Vor 14 Tagen hab ich geheiratet“, erzählt er mir, als der Zug aus der Halle herausgerollt ist. Wie viel Bekanntschaften macht man auf jeder Strecke, eigentlich ist Jeder ein Bekannter, mit dem man Nachrichten tauscht. „Haben Sie von dem Kriegsschatz gehört, der in Autos nach Russland durch geschmuggelt wird?“ „Im ganzen Land ist ein Netz von Spionen dabei, alle Eisenbahnen zu zerstören in Kochem [Cochem] ist ein Gastwirt festgenommen, der im Begriff war, mit seinem Sohn den grossen Tunnel zu sprengen.“

Das einförmige Rattern der Axen wird zum lebendigen Pulsschlag, es giebt nur noch ein Wollen. Und es teilens alle da draussen. In Flecken und Dörfern stauen sich Kinder und Frauen an der Bahnschranke und ihr lärmender Jubel schwillt an, so oft eine Soldatenmütze an ein Fenster tritt. Die machtvollste Steigerung aber fand die Teilnahme der Bevölkerung im westlichen Industrierevier. Aus hundert Fenstern einer Fabrik schauten dreihundert Mädchenköpfe, auf Dämmen und Strassenübergängen dicht gekeilte Kinderscharen. Von Hagen bis Elberfeld war die Bahnstrecke eine Triumpfstrasse.

[Anmerkung von der folgenden Seite: Als Bruder Ernst erwähnte, dass das VII Corps gegen Lüttich rücke, schüttelte Prof Rothert, der alte Freund der Eltern, Professor der Geschichte und grosser Stratege, den Kopf. „Lüttich? da irren Sie `Belgien ist doch neutral“.]

Unser Schnellzug überholte schon einige Militärzüge. Halberstädter Kürassiere, traben auf einem Bahnsteig in knarrenden gelben Stiefeln mit Segeltucheimern zum Wandbrunnen, um schnell ihren Pferden Wasser zu holen. „Wohin?“ „Wissen wir nicht, wahrscheinlich nach Aachen“. In Düsseldorf herzliches Wiedersehen mit den Eltern und mit Bruder Ernst, der seine Ausstattung wie zu einer Afrikareise vervollständigte. Beim Abschiedsessen am Elterntisch ertönen krach, krach Kanonenschüsse in der Stadt. Oben am Sommerhimmel zeigten sich zwei drei weisse Wölkchen; platzende Schrapnels, wie wir sie vom Schiessplatz her kannten. „Halte ich für ausgeschlossen“ erklärte Vater „es sind Kumuluswölkchen, wie sie vorkommen“. Wir aber konstatierten stolz, die Luftschlacht bei Düsseldorf, „Beginn des Weltkrieges.“ Irgend eine gedruckte Bestätigung war vorläufig nicht zu bekommen, denn die Zeitungen durften ja nicht mehr Alles bringen.

Abends fuhr ich, meinem Gestellungsbefehl entsprechend, nach Colmar ab. „Am Schluss des dritten Mobilmachungstages tritt der Friedensfahrplan ausser Kraft;“ das wusste man ja von jeder Kontrollversammlung; die Züge den Rhein rauf hatten bereits mehrere Stunden Verspätung, und ich war erst in Mainz, als es Mitternacht wurde, und damit – ganz prompt,- jeder Weiterverkehr stockte. Auf Lokalzügen mit vielfachem Umsteigen schlängelte ich mich dann einen Tag lang bis Strassburg. Hier war die kriegerische Arbeit im vollen Gange. Über den Kleberplatz trabte eine lange lange Reihe schwerer Karrenpferde, von Fussartilleristen geführt, Reserveleute eilten von Geschäft zu Geschäft, um das fehlende Feldgrau zu beschaffen. Im Restaurant des „Roten Hahns“ sassen elegante junge Offiziere – nur bescheiden die Abzeichen der stolzen, sonst so bunten Reiterregimenter an der feldgrauen Montur. Am dritten Mobilmachungstag, den vierten August treffe ich endlich in Colmar. Zwei Soldaten, die in einem Auto am Bahnhof eben vorfuhren, teilten mir auf eine Frage nach einem Wagen mit, dass jeder Soldat jegliches Fuhrwerk benutzen könne nach seinem Belieben; alle seien zum den Dienst der Heeresverwaltung verpflichtet. Sie schienen sich selbst schon ganz an diesen Punkt des modernen Krieges gewöhnt zu haben, denn sie sassen sogleich wieder mit auf, als ich den Chauffeur bat, mich zur Artilleriekaserne zu fahren. Wir rasten durch die Stadt; wo die Häuser aufhörten stand ein Doppelposten der Jäger zu Pferde, die den Wagen mit vorgehaltenen Karabinern zum Stehen brachten. Hundert Schritt weiter lag die neu erbaute Kaserne einer Abteilung des Feldartillerie-Regiments 80, die ich in dieser ernsten Stunde zum ersten Mal sah. Ich meldete mich beim  Kommandeur, begrüsste einige Bekannte, die schnell vorbeigingen und brachte mich ins Bild. „Volkmann, Sie werden die Grosse Bagage führen“ teilte mir Bader mit. „Wie macht man das?“ „Weiss ich auch nicht, aber das wird sich alle finden.“ Schön, kann ich irgendwo helfen?“ „Danke es geht schon.“  Aus der Kammer liess ich mir einen Anzug geben, suchte mir (Quartier) eine Stube in einem Mannschaftshaus. Einige Batterien waren schon weg, als Grenzschutz in die nahen Vogesenpässe aufgestellt. Die zweite Abteilung wurde in ihrem Standort, dem Truppenlager bei Oberhofen, mobil gemacht; sie sollte in zwei Tagen anrücken. Da ich der Letzte war (fand ich) hatte das für mich bestimmte Reitpferd schon einen anderen Liebhaber gefunden. Der Regimentsadjudant liess darauf von jeder Abteilung, ein zum Reiten geeignetes Pferd anfordern, von den ich eins mir aussuchen sollte. Ich konnte ja annehmen, dass die übelsten Schinder gestellt würden. Ich entschied mich für einen Braunen, der an dem Tage erst eingeliefert war. In der ganzen Zeit… habe ich in steigendem Maße erfahren, ein wie zuverlässiges Pferdchen ich an meiner „irischen“ Stute hatte, die im Sattel, beim Hürdensprung wie im leichten Wagen gleich ausdauernd ging. Sie hatte, als sie eigezogen wurde Kummtspuren im Nacken und das mag beigetragen haben, dass man sie bei der Musterung aus dem Kasernenhof nicht erst als Reitpferd prüfte.

5-7/8[.1918]

Die ersten Tagen, bis die zweite Abteilung kam, gingen hin mit Vervollständigung der Ausstattung. Zunächst bekam ich vom Zahlmeister eine hübsche Summe blaue funkelnagelneue Lappen aufgezählt, die ich am anderen Tag gleich wieder in der Reichsbank deponierte. Meine Koffer waren in Berlin nicht auf anderen Bahnhof befördert worden. Die völlige Stockung des Gepäckverkehrs war eine der natürlichungen Folgen dieser Mobilmachung, die in die Som Haupt-Reisezeit fiel und daher ein ungeheures Zurückfluten aller Sommerfrischler noch zu dem ungeheuren Schwellen des Verkehrs durch den Krieg brachte. In Berlin hatten Gebirge von Gepäckstücken in allen Bahnhofshallen bis über die schützenden Glasdächer hinaus gelagert. Nun sah die Bahnhofsverwaltung, wohl in Folge der vielfachen telegrafischen Reclamationen, die Dringlichkeit einer vorzugsweisen Beförderung von Offizierskoffern ein, und ich fand bei einer der nächsten Visitationen am Bahnhof meine beiden Koffer heraus. (Ebenso) Auch gelang es mir noch einen neuen Armeerevolver zu bekommen, da für den Regimentsstab eine bestellte Sendung noch rechtzeitig eintraf. In Geschäften war gänzlicher Mangel an leidlichen Pistolen. –Imn unserem neuen Casino versammelte sich geg zum Essen noch eine lebhafte Gesellschaft und der Betrieb wurde wie in Friedenszeiten aufrecht erhalten; nur der Hauptweinvorrat war freilich nach Neubreisach in Sicherheit gebracht ebenso wie die Restbestände aus unseren Kammern fortgeschafft wurden, da man mit der Möglichkeit eines Einfalles rechnete. Da der Restbestand zu Neige ging, beauftragte der Graf mich, im Auto von dem Bestand noch etwas zu holen. Auto bekam man vom Kommandanten zur Verfügung gestellt.

Beim Abendessen hielt der Graf eine seiner drastischen Ansprachen: Zwei Dinge verlange ich: Behandeln Sie Ihre Untergebenen als Gentleman und: wer jeut [sic!], den lasse ich bei der nächsten Schlacht zu Haus.

Beim Kommandanten, in der Infanteriekaserne, die auf Gängen, Stuben und im Hofe von halb und ganz uniformierten Menschen wimmelte, holte ich mir einen Passierschein und liess mir ein Auto zur Verfügung stellen. Auto bekam man vom Kommandanten zur Verfügung gestellt. Durch die sommerlich prangende Ebene sauste der Wagen der kleinen Festung zu. Es war wirklich kein sehr kriegsmäßiges Geschäft, aber es war lustig, wie die ganze Mobilmachung bisher. Als wir uns der Neubreisach näherten, sah ich hunderte von Arbeitern beschäftigt, das Vorgelände in Kriegszustand zu setzen. Dutzende herrlicher alter Platanen und Pappeln lagen gefällt am Boden. Dünne Stämme, die vor dem Glacis ein Dickicht gebildet hatten, waren 1 meter über dem Boden abgehackt, und die Stumpfe wurden durch Stacheldraht verbunden. Ein Kabel wurde längs der Strasse in die Erde gebettet. Im Städtchen herrschte die gleiche Emsigkeit des Rüstungsgeschäftes. Unser Regiment stellte hier seine Ersatzabteilung auf; Koppeln von Pferden, ein Gedränge von Reservisten um eine Feldküche füllte den Hof der alten Kaserne, wo ich da nach kurzem Aufenthalt meinen Auftrag ausführte, Photografien. verschiedenen Hin- und Herfragen erst den Raum, wo der Weinkisten standen und dann den Kammergefreiten, der den Schlüssel dazu hatte, auftrieb. Als ich heimkam, wurde mir ein böses Gerücht zugeflüstert: „von R. [Anmerkung auf der gegenüberliegenden Seite: Frh. Röder von Diersburg] hat sich oben im Grenzschutz eine Kugel in den Kopf gejagt.“ Der hübsche blonde von R. den ich bei meiner Übung als fröhlichen jüngsten Regimentskameraden kennen gelernt hatte, war mit dem ersten Kriegstage als Zugführer in eine der ausgesuchten Stellungen in den Vogesen gerückt; da sollte er heut ins Gebüsch gegangen sein und die Geschützbedienung habe einen Knall gehört, habe ihn dort gefunden und bei ihm einen Zettel: Die Verantwortung sei ihm zu gross gewesen…… -Das war ja ein hübscher Auftakt für einen stolzen, wills Gott ruhmreichen Feldzug. Gedrückt ging man umher und weiter wurde geflüstert: „Auch England hat uns den Krieg erklärt – aber sagen Sies den Mannschaften nicht so gleich…

Abends sagte der Regimentskommandeur mit Betonung: „Freiherr von R. ist beim Revolverladen verunglückt….“

 

Am 9 August rückte das Regiment aus, wir wussten dass französische Truppen von Belfort her eindrangen und dass unser XV Korps vielleicht von der Kaserne aus in die Schlacht rücken würde – aber abends wurde die Abteilung nochmals in die Kaserne zurück geführt. Wir, die Bagagen, waren unter dess in nord östlicher Richtung eine Stunde weit marschiert; hatten dort Stundenlang gelegen bis nachmittags der Befehl zum Einrücken kam. So lernten wir gleich die Haupt Beschäftigung der Bagagen, zigeunerhaftes Herumliegen, kennen    Bei der grossen Hitze war das Wannenbad im neuen Offizierskasino mir eine besondere Erfrischung

Am 10  gings wieder heraus in nord östliche, Richtung, wieder stundenlanges Warten nachdem wir uns mit den Bagagen der andern Regimenter vereinigt hatten, aber dies mal rückten wir nicht wieder in die Kaserne, sondern es ging nach Süden weiter also wars vorwärtsgegangen da unten!

Gegen Abend näherten wir uns Rufach, das erste Donnern ferner Kanonen wurde vernehmbar und gespannt blickte man nach Süden, wo Mühlhausen liegen musste, aber von einer Schlacht vorläufig nichts zu beobachten. Da, drüben vom Hang auf der Strasse heransausend, ein Auto mit der Flagge der Roten Kreuzes. „Rechts ran!“ Es fährt mit verkürzter Geschwindigkeit an der Kolonne entlang und einen Augenblick sehe ich zwei Gestalten halb liegend schwarzblaue Röcke, wachsbleiche Gesichter weisse Verbände; die ersten Franzosen, verwundet, gefangen.- Wieder stockt die Kolonne. Ein Meldegänger radelt vorbei: „Wie lange wird die Rast dauern?“ „Der Reitmeister kanns nicht sagen.“ Der Befehl zu Weitermarsch konnte jeder Zeit kommen, aber da man nicht immerzu in Bereitschaft bleiben kann, fängt Alles an zu essen. Der Mond ist glänzend aufgegangen, hie und da flackert ein Lagerfeuer auf, die meisten aber essen ein essen eine Fleischkonserve kalt und Brot dazu. Wein ist noch in allen Feldflaschen vorhanden. Dann betten wir uns am Chausseegraben, in der lauen Nacht genügt der Umhang zum Zudecken. In der Frühe [Anmerkung am Rand: 11] ist wieder die Frage: soll man Kaffee kochen? Niemand wagts recht, weils ja jederzeit weiter gehen kann. Aber am Bach im Grund kann man ganz kriegsmäßig Morgenwäsche machen; ich benutze sogar das Rasiermesser, das ich im Schwammbeutel mitführe. Dann aufs Pferd, um sich weiter vorn mal umzuhören. Ich trabe an der Colonne entlang. Der Rittmeister? „Ist im Dorf!“ Da vorn Die In der Strasse von Rufach, mit hübschen alten Portalen, mit Bauernhöfen in denen Munitionswagen hielten, sah ich ein kleines Café, wos frisches Gebäck und Cafe mit köstlich mundender frischen Milch gab. Als ich raus trat, war mein Pferd verschwunden. Ich suchte die Strasse ab, fuhr mit einem Rade an ein paar Kolonnen entlang, wohin der Pferdehalter es irrtümlich gebracht haben konnte, und fand es, nach einer Stunde zurückkehrend, friedlich bei meiner Bagage, (zu) der ein anderer Fahrer es zugeführt hatte.

Endlich kommt der Ruf: „Fertigmachen!“ und kurz vor Mittag rollt die Wagenreihe rasselnd durch Rufach. An einem Kloster werden den Soldaten Teller mit heisser Graupensuppe gereicht und ich bin vergnügt auch einen mit einem grossen Klumpen Suppenfleisch zu erhaschen, den ich im Sattel in der nächsten Seitenstrasse mir einverleibe. In den Dörfern, durch die wir kamen, wurden uns von Frauen und Kindern auf allen Gassen Erfrischungen geboten und gierig schlickte man ich durcheinander kalten Kaffee, Mirabellen, küns[t]liche Limonade. Dabei ärgerte ich mich über ein grosses Lastautomobil, das in der Kolonne vor uns fuhr. Von einer Strassburger Brauerei war es requiriert für das Musikkorps des einen Infanterieregiments und diese Blechspucker hielten an jeder einladenden Kneipe, und während sie einen hoben der Wirt volle Biergläser in die ausgestreckten Hände verteilte, kam die ganze Kolonne dahinter ins Stocken. Dann fuhr, in einer Wolke von Benzoldampf und Gestank, das schwere Auto wieder an, rasselte beschleunigt hinter den vorgerückten Wagen her und wir konnten sehen, wie wir aufkamen. Die Sonne brennt erschlaffend und nach mittags sehen wir links von der Strasse die ersten Spuren des Schlachtfeldes; zerfahrene Äcker, die auseinanderziehenden Wagenspuren deuten auf das erste Auffahren der Artillerie, und gleichzeitig sehen wir über die Höhe weg in der Ferne wo Mühlhausen liegt, Rauchwolken der brennenden Stadt. Vor Uffholz giebts wieder längeren Halt, wir hören dass das Dorf gestern gestürmt ist. Die Neugier treibt mich wieder an die Spitze der endlosen Kolonne. Die anderen Offiziere sitzend rauchend am Wegrand, die Strasse sperrt ein Doppelposten, zwei 126er, und der eine erzählt bereitwillig wie sie durch den Weinberg vormussten da oben und wie er auf den ersten Franzosen zielte. „Aber die Kerls konnten uns nichts machen, schossen alles drüber weg. Nur nachher, wie die 132er von der Seite angriffen, haben sie auf die Unsern geschossen, und die konnten besser Zielen.“ Mich packte ein leichtes Entsetzen. Ich ritt herüber ins Dorf, nach Zeichen der Schlacht aussehend. Da stand ein Karren mit Monturstücken, zwischen unsern braunen Felltornistern Ranzen lagen schwarze Wachstuchtornister, aha, Seitengewehre aus Metall, Geschosskörbe. Auf dem kleinen Dorfkirchhof gruben acht Männer ein grosses Grab; daneben lagen verhüllte lange Gegenstände. Ob das Leichen wagren? Und dann um die Ecke, stosse ich auf einen breiten Karren, auf dem etwa zwanzig tote Soldaten lagen, feldgraue und dunkelblaue Freund und Feind durcheinander, eine verkrampfte gelbe Hand mit schmutzigen Nägeln, ein Fetzen eines erbsengrauen Waffenrockes hing herunter, über und über bedeckt mit verdächtigen nass braunen Flecken. Ich bekam das Schlucken und wandte mich ab. Der Brunnenstock gegenüber strömte das klarste Wasser aus; von dem hatte vielleicht Einer getrunken, der da jetzt lag. Ein junger Dragoner, der auch herangeritten war, sah mich entgeistert an und murmelte: Entsetzlich! So, unvermittelt packte uns der Krieg an, und schlimmere Bilder habe ich seitdem nicht wieder gesehen. Niemand, der das Begräbnis leitete, kein Unteroffizier, der für Ordnung sorgte. Ein (anderer) Soldat schnallte einen im Dreck liegenden französischen Wachstuchtornister aus und entnahm ihm eine blaue Conservenbüchse – erste Kriegsbeute.

(Als ich zurückritt, waren am Chausseerand Feuer angesteckt und die Erbsensuppe brodelte im Kochtopf. „Das ist ja für 50 Mann“ sagte ich wir habens aber zu sieben aufgegessen.) Aus der Wiese quoll neben der Strasse eine Wasserader. „Vergiftet!!“ stand auf einem Papierblatt, das an einen Stock daneben geheftet war. „Auch in Uffholz sollen haben sie die Brunnen vergiftet!“ „Kann man denn Quellen überhaupt vergiften?“ „Gewiss, mit Bacillen zum Beispiel – ich möchte jedenfalls nicht davon trinken!“ Ein Trupp flüchtender Landleute kam die Strasse, im Sonntagsstaat, mit schiefsitzenden Kapotthüten, Kinderwagen schiebend, hochbepackt mit ihrer Habe. Dann ein paar junge Kerls. „Dürfen denn die überhaupt hier durch?“ fragte mich einer der Kameraden, der nach hinten ritt. „S´ sind französische Soldaten, die sich in Uffholz Civil angezogen haben,“ sagte meinte ein Unteroffizier. „Da oben steckt noch alles voll von Franzosen“ er deutet auf den Berg. Von Uffholz her fielen zwei Schüsse. Auf einem Fussweg drüben ging wieder eine Gruppe von Frauen ein halbwüchsiger Bengel und Kinder. „In den Packen, die sie tragen, sind sicher auch Civilkleider für Soldaten, die sich versteckt halten.“ „Feldwebel, nehmen sie die Leute fest“ rief ein Bagageführer. Der schwärmte mit drei Mann über die Wiese und rief die Bauersfrau an. Wortwechsel, Untersuchung, dann schwank kam der ganze Zug, lamentierende Weiber, unerbittlicher Feldwebel, schwankender Kinderwagen durch die sumpfige Wiese herüber. „Herr Leutnant hier das habe ich gefunden bei der Frau versteckt,“ der Soldat zog eine rote Kreuzbinde aus ihrem Korb. Im Nu hatte sich ein dichter Kranz um die wimmernden Frauen und mich gebildet. „Man sollte kurzen Process machen mit dem Pack“ sagte der dicke rote Musikmeister das sind hier alles Ver[r]äter. „Was ist denn Verdächtiges gefunden? fragte ich den Feldwebel scharf bestimmt „Ich weiss nicht, aber… er sah die andern an.

 „Na hören Sie, wir führen doch keinen Krieg mit Frauen und Kindern –“ „Hat denn der Kerl einen Pass?“ Der junge Mensch zog eifrig aus seiner Brusttasche ein fettiges Papier mit unkenntlichem Bildchen.- Mein Beruhigungsversuch wirkte nicht lange; in die Reservisten war eine Aufregung gekommen, die die unsinnigsten Gerüchte nährten. „Gewehre nach vorn!“ hiess es plötzlich. Von jedemr Regimentsbagage traten zwanzig bis dreissig Schützen zusammen; ein Unteroffizier von den Jägern liess seinen Zug seitlich ausschwärmen. Vorn begann es wie wild zu knattern. Aber das Schiessen hörte bald auf, die Leute kamen zurück. Was war denn los vorne? Niemand wusste es recht, und der Rittmeister, zu dem ich ritt, sagte in Seelenruhe „Da vorne soll wohl so ‘n Kerl geseh`n sein.“ – Das kann ja eine hübsche Nacht werden“ dachte ich und suchte mir als es dunkelte am Wiesenrand eine passende und noch nicht verdreckte Stelle zum Schlafen aus; nachdem ich meinen Leuten noch eingeschärft, nicht ohne meinen Befehl zu schiessen. Nach der Bergseite wurden zwei Doppelposten aufgestellt, den Pferden die Gurte gelockert. Sie blieben aber, wie die vorige Nacht, im Geschiss stehen. [Anmerkung am Rand: 11] Um Mitternacht kam wieder das Kommando „Fertigmachen!“ Ich stülpte den Helm auf, liess meinen Wäschesack aufladen und ritt an der Kolonne entlang. Als ich mich überzeugt hatte, dass alle Wagen marschbereit waren, liess ich anfahren. Vor uns war eine Lücke, da die anderen früher losgefahren waren, aber schon nach einem Kilometer holte ich die stockende Kolonne auf. Langsam gings weiter, stockte, ging wieder vorwärts. Auf den Wagen schliefen, zusammengesunken, die Kanoniere, auf den Pferden schaukelten schlafend die Fahrer. mit aller Mühe suchte ich mich des Schlafes zu erwehren, den entsicherten Revolver steckte ich bald wieder weg und suchte auf und abreitend die Kerls wachzuschreien, denn wenn einer W der schlafenden Wagen stehen blieb, ging der Anschluss verloren und später dann fing ein wildes Traben an. Waren es Stunden, die wir so vorrückten? Es begann zu dämmern, als wir nach Sennheim kamen. Um die Ecke biegend erkannte ich den Giebel der Kirche. Die Doppeltür stand weit offen und drin,- Mysterium,- bewegten sich bei Lichterschein lautlos viele Gestalten hin und her. Dann begriff ich: Verwundete pflegte man; sah erwachend die Kirchenbänke auf der Strasse gestapelt und sah sie drin im Halbdunkel in dichten Reihen liegen, die ersten stillen Helden dieses Feldzugs. Am Ausgang von Sennheim gabs wieder einen Halt, der bis Mittag dauerte. Unterdess hatten wir in einer Wirtschaft Erfrischungen bekommen; er gab Bier, Kaffee später auch warmes Essen. Mit der Hitze des Nachmittags kam wieder der trockene zehrende Durst, den ich schon tags zuvor vergebens mit den vielen Limonaden zu stillen versucht hatte, die in allen Dörfern bereitwillig in Kübeln und Gläsern den durchreitenden Soldaten geboten wurden.

Der Tanzsaal der gegenüberliegenden Kneipe war ebenfalls Verbandplatz, drin lagen auf Stroh dreissig Stöhnende zerschossene Soldaten, furchtbarer Geruch von Karbol und Schweiss, in der Mitte operierte der Arzt mit aufgekrempelten Hemdärmeln  In den kleinen unsaubern Hof hatte man, wohl um Platz zu machen, zwei Sterbende auf ihren Bahren aus Ästen gelegt. Dem einen, einem französischen Artilleriekapitän, war der Rock übers Gesicht gedeckt. Seine schwarzes g Käppi mit Silberschnüren, das er sich frisch in Lyon gekauft hatte, lag in einer Ecke. Ich steckte es zu mir. Der andere war ein deutscher Soldat, dessen Brust sich noch schwer hob und senkte. Mit stumpfsinniger Neugier drängten ein paar Reservisten in das Höfchen. Herrgott ist das ein Graus! Drüben vor dem grossen neuen Gebäude, dem Krankenhaus, hielten in der vollen Sonne immer wieder Wagen, Bahren wurden ein und ausgeladen.

Gegen abend kamen Befehlsempfänger von den Regimentern, um die Bagagen zu den Truppen vorzuholen. Ich bekam einen Zettel der Regimentsadjudanten und rückte mit meinen Wagen nach Niedermichelbach. Kein Soldat zu sehen; rechts und links ausgehobene Gräben, eine Artilleriestellung, und in dem ausgestorbenen Dorf ein brennendes Gehöft. Also weiter nach ________michelbach; zwei Berittene auf verschiedenen Wegen vorgeschickt. Links auf dem Acker sah ich Lagerfeuer brennen, eine Abteilung biwakierte vor dem Dorf, der Regimentsstab habe sich drin einquartiert. Das Dorf; in das ich mit dem Stabspackwagen suchend einritt, war gespenstig erhellt von schwelenden Brandstellen: ausgebrannte Gehöfte zeugten davon dass von Einwohnern oder hinterhältig aus ihnen auf durchmarschierende Truppen geschossen sei. Später hörte ich dass auch eine unserer Batterien gezwungen wurde im Dorf abzuprotzen und die Strasse hinunter zu schiessen. Das Auffinden des Regimentsstabs in diesem Durcheinander war nicht einfach; aber schliesslich landete ich am Pfarrhause, wo der Oberst war und natürlich – fest schlief. Schlaf war sicher nötiger wie Essen, Koffer, und was unser Wagen sonst brachte – so liess ich die Herren schlafen – obwohl mir mitgeteilt wurde, dass ich in drei Stunden wieder abrücken müsse, und die Bagage sich vor nach Sennheim bei Tagesgrauen zurückziehen müsse. Im Pfarrhaus wurde mir von der Haushälterin noch ein Imbiss geboten, dann dann wies man mir das Zimmer mit dem sauberen Bett, aus dem ich mich seufzend bald darauf wieder erhob. Die schlaftrunkene Bagage hatte sich auf der Strasse gesammelt; müde gings im Schritt wieder nordwärts. Die schwarzen Umrisse der hochbepackten Wagen mit den schlafenden Fahrern schaukelten mir vor den Augen; ich ging zu Fuss und führte mein Pferd, um mich besser munter zu halten. Da stolpere ich und falle auf einen Pferdekadaver nun hält der Ekel einen wenigstens eine Strecke wach. Vor Sennheim Halt – es ist uns jetzt schon Gewohnheit, dass wir die Stunde nutzend uns an die Wegböschung zum Schlummer legen, wo uns die Morgensonne bald aufweckt. [Anmerkung am Rand: 13.8] Dann kam der Befehl zur Truppe wieder vorzurücken und zwar lag mein Regiment in Michelbach. Die Kochgeschirre und Eimer wurden angeschnallt und wir fuhren im flotten Tempo durch Oberasbach und dann die Höhe herauf, wo ich die Wagen den einzelnen Batterien zuschickte. Ich selbst ging zum Gefechtsstand der II Abteilung und machte Major Meyer Meldung. Die Offiziere sassen in einer ausgegrabenen Erdstellung auf der südlichen Höhe und man musste das letzte Stück geduckt anschleichen. Die Kanonen standen etwas rückwärts. Der Major trug ein kleines Pflaster auf der Stirn – Schrapnellkugel sagte er wegwerfend. „Kann man feindliche Stellungen sehen?“ Nein. „Und wir?“ Bleiben hier in Bereitschaft. Was sollen wir weiterrücken gegen die Kanonen von Belfort.

Später suchte ich am Bach eine saubere und genügend breite Stelle zum Baden. Überall plätscherten Soldaten im Wasser oder kühlten ihre Pferde. Als ich aufwärts eine Stelle gefunden und mich ganz ausgezogen, kam ein Offizier in der Nähe vorbei  Wissen Sie nicht dass Alarm ist? Sie wollen wohl sitzen?“

„Nein doch, sehen Sie die Haubitzbatterien dort zurückfahren?“ Die wurden allerdings aus den tiefausgegrabenen Stellungen herausgezogen. Ich zog mich an und ging zum Bauernhaus, in dem wir lagen. Ja Alarm is, aber wofür, das weiss man nicht recht. Jedenfalls müssen Sie weg.“ Ich bekam Befehl, am Bahnhof Wittelsheim Lebensmittel und Futter einzunehmen. An diesem Bahnhof kam ich mit der Bagage mitternacht an. Eine lange Reihe von Laternen zeigte von weitem schon den Weg durch die Nacht. Auch zu dieser Stunde arbeitete die deutsche Organisation. Aus einem Proviantzuge wurde alles Notwendige von einer langen Kriegsrampe ausgeladen. Ich wollte meinen Unteroffizieren zur Aufmunterung einen Schoppen vorsetzen, aber das Bahnhofsalkoholverbot liess es nicht. zu. Wo sollten wir für den Rest der Nacht bleiben? Ich liess die Wagen auf einen trockenen Acker im Viereck auffahren, Stallleinen spannen und bald war das Biwack fertig. Am anderen Morgen, als wir nach Sennheim rückten, begegnete uns ein grosser Gefangenentransport. Schon aus grosser Entfernung sahen wir überrascht die dunkelroten Fleckchen in langen Reihen, wo man sonst immer nur das fast unsichtbare Feldgrau unserer Reihen Truppen wahrnahm. Dann rief einer freudig: Franzosen Herr Leutnant! Die vordersten zogen ein Feldgeschütz, weiss gestrichen mit einer Richtvorrichtung aus blinkender Bronze.

Von Sennheim zog ich meinen Trupp auf die grosse Strasse nach Rufach wo schon andere Wagenkarawanen lagerten. Links von der Strasse hatte eine Feldfliegerabteilung sich aufgebaut und ich bewunderte wie durchdacht alles für ein flinke Anlage eines Flugplatzes war. Lastautos waren als Reparaturwerkstatt, andere zum Befördern der Hülfsmannschaft eigerichtet; Anhängewagen nahmen die Zelte auf, die stets da unten auf der Wiese aufgeschlagen standen. Ein Flieger, der eben dem sauber gestrichenen Doppeldecker entstiegen war, meldete: „Auf Belfort werden starke Truppen zusammengezogen.“

[Anmerkung am Rand: 14.8] Bis zum Nachmittag lagen wir, wie fahrendes Volk, wieder an der Strasse, kochten Essen und hielten Mittagsruhe: der ständige Aufenthalt in der frischen Sommerluft schuf Hunger und Müdigkeit. Am anderen Morgen rückt die ganze Bagage der Division geschlossen nach Norden; auf der grossen Strasse, die ohne Dörfer zu berühren, Sennheim mit Rufach verbindet. Wohin? Warum? weiss niemand. Die Feldpost, deren Wagen mit in unserem langen Zug fahren, giebt schon die ersten Grüsse von Angehörigen aus; unsere Briefe aber werden vorläufig noch zurückgehalten. Bei Bollweiler soll unser Regiment verladen werden in die Eisenbahn. Die Bagage trifft mit den Batterien zusammen, und nachts um 10 Uhr fahren wir am Bahnhof Bollweiler, in einem hohen Kornfeld, auf um bis zur Abfahrt des Zuges zu parkieren. Die Pferde werden ausgeschirrt, die Fläche einigermaßen eingeteilt, da kommt der Befehl, weiterzurücken. Die Eisenbahn konnte vielleicht die Beförderung aller Truppen nicht leisten; Pferde und Wagen wurden aus dem niedergetretenen reifen Korn wieder herausgebracht und im Trabe gings nun weiter durch die dunstige Sommer Nacht. Am frühen Morgen kamen wir nach Rufach wo die Batterien am Bahnhof wieder zum Biwack aufgefahren waren. Hier hatten wir einen willkommenen Rasttag; die Märsche wurden deshalb auf die Nachtstunden verlegt, um feindlichen Flieger die Beobachtung unserer Truppen nicht zu gestatten. Ich klingelte an einem nahegelegenen Gärtnerhaus, erbat mir ein Zimmer, wo ich aus einem Sofa fürstlich schlief, später badete ich im Bache, in dem sich in der heissen Mittagsstunde auch viele Mannschaften u. unterhalb Pferde tummelten. Nachmittags ging es im Verband der Divisionsbagage weiter nach Colmar, die Batterien waren vorausgerückt. In der Nacht Nach Eintritt der Dunkelheit, da der Marsch fortgesetzt wurde verloren sich bei der Verschlafenheit der müden Fahrer die Verbände; ich entdeckte, dass vor uns die Landstrasse leer, ein grosses Loch war und auch die Regimentsbagage, die hinter uns folgte, war verschwunden. Ein Teil unserer Wagen, der bei einer Wegegabelung aus in eine falsche Strasse eingebogen war, rasselte im Trabe wieder herbei. Da beschloss ich auf eigene Faust mit meinen Bagagen kurze Rast zu machen; wir legten uns an den Strassenrand, aber die Schnaken machten sich so zahllos über uns, dass wir nach einer Stunde wieder aufbrachen. Durch Colmar waren die Spuren der voraufgefahrenen Teile der Bagage zu verfolgen; sie waren im Bogen um das Innere der Stadt gefahren. (Die Batterien waren einige Stunden früher eingerückt und hatten einen begeisterten Empfang durch die Colmarer Bürger als „Sieger von Sennheim“ erfahren.) Auf der Strasse, die von Colmar nordwärts nach Hausen führt glaubte ich ganz fern das Stampfen und Rasseln unserer Kolonne zu hören und galoppierte eine halbe Stunde voraus.

Vor Hausen traf ich kampierende Bagage der Division und liess daher meine Wagen gleichfalls zur Nachtruhe auf einem Stoppelacker auffahren. Am anderen Morgen Meldung beim Rittmeister; meine Bagage rückte soll selbstständig über Ostheim Schlettstadt weiterrücken. Es ist wieder Nacht, als wir uns Benfeld nähern, wo wir ins Quartier kommen sollten. Quartier konnte mans freilich nicht nennen, wenn jedes Haus, an das man klopfte, schon bis auf den Eingangsflur mit Soldatenbelegt war, jede Scheune und Einfahrt gedrängt voll von Pferden stand. Als ich ein paar Wagen dirigiert und den andern zugerufen hatte: „Helft Euch selbst, zupfte mich der langer Meyer am Ärmel und fragte listig: Wollen Herr Leutnant Quartier? Ich hab hier im Ort Verwandte.“ Er führte mich zu einem stattlichen Haus, wo ein Metzger, von gleicher Confession, wohnte, und wo ich sehr gut aufgenommen wurde. Am anderen Morgen ging es über Erstein weiter; die grosse Landstrasse wurde für die in gleicher Richtung marschierenden Truppen frei gehalten. Bei Erstein hörten wir einen Knall; die Schleuse wurde gesprengt, um die Niederung unter Wasser zu setzen. Weiterhin sahen wir an verschiedenen Stellen Erddämme aufwerfen in den Wasserläufen um sie zu stauen: die Festung Strassburg wurde im weiten Umkreis in Verteidigungszustand gesetzt. Von Fegersheim, wo wir uns mit den Batterien vereinigten, rückten wir nach Geispolzheim und über Breusch-Wickersheim nach Fessenheim. Unterwegs sahen wir weitere Vorbereitungen: Ein ganzes Wäldchen auf einer Höhe war umgelegt; die Strasse von Schützen gräben eingefasst.

In Fessenheim bezog der Regimentsstab Quartier in einem grossen Bauernhof – die Annehmlichkeit, dass für den Stab die besten Quartiere belegt werden, habe ich im Lauf der ersten Feldzugsmonate oft empfunden. Ausser uns lagen Jäger und Infanterie in dem wohlhabenden Dorf. Abends ritt ich nach dem benachbarten Hürdenheim, wo der Divisionsstab lag, holte dort die Post ab, die schon in vielen Säcken angekommen war, und den Tagesbefehl für morgen: „Alles da? Fragte der Generalstabsoffizier uns in die Schulklasse eigetretene Offiziere und Radler, scharf musternd, ob kein fremdes Gesicht dazwischen sei und begann dann in klarem Befehlston zu diktieren.“ „Die Division rückt vor über Marlenheim, Wasselnheim…“  Man wusste dass wir in den Vogesen mit feindlichen Kräften zusammenstossen würden. Demgemäß sammelten sich die Bagagen am anderen Tag wieder für sich, und lagen, nachdem die Truppen vormarschiert waren, bis zum Abend an der Landstrasse, die von Fessenheim nach Norden führt. Ein Flieger, dessen Abzeichen nicht zu erkennen waren, wurde aus hunderten von Gewehren beschossen, das war das einzige kriegerische Ereignis. Die Gr. Bagage der ersten Abteilung, die in den Vogesen gefochten gestanden hatte, traf ein, und mit Eintritt der Dunkelheit flammten an der langen Wagenreihe hin, die mit Strohhütten, kleinen Zelten malerisch durchsetzt war, die Kochfeuer auf. Ich ritt nochmals nach Fessenheim und liess mir in dem bisherigen Quartier ein Essen auftischen. Auch wechselten mir die Leutchen bereitwillig ein paar französische Goldstücke die sie hatten gegen mein deutsches Papier – man konnte ja in Feindesland nicht wissen….

Am anderen Tag gehts auch für uns weiter über Wasselnheim Romansweiler (und hinauf durch die herrliche Vogesenstrasse)[.] Hinter Wasselnheim wieder längerer Halt den die Unternehmenden zum Abkochen benutzten. Ich reite ins Städtchen zurück, wo mir in einem Gasthof das letzte Schnitzel gebraten wird. Zwei Häuser sind zu Lazaretten eingerichtet, die Leichtverwundeten, die vor den Häusern sitzen und zum Teil jetzt erst zurückkommen. Eine Kiste Cigarren, die ich nach auftreibe, wird dankbar angenommen und einer hilft dem andern, der mit dem Arm in der Binde dich kein Streichholz anstechen kann. Sie erzählen von den harten Kämpfen, ein Jäger schildert besonders die Erstürmung des hoch gelegenen S. Leon. Inzwischen benachrichtigt mich ein Berittener, dass das Signal zum Fertigmachen für die Bagage gegeben ist, und ich trabe vor. Wir rücken keine halbe Stunde weit, das stockt der Tross wieder. Der Führer der Bagagen hat angefangen, die Wagen auf einem Acker vor Romansweiler auffahren zu lassen.

Aber für alle Regimentsbagagen ist kein Platz dort und da mir auch der Boden zu weich erscheint für unsere schweren Wagen, erreichen wir als es, dass die Bagagen der Artillerie da oben wo sie grade steht, übernachten kann. Ställe werden durch Spannen der langen Leinen hergerichtet, wobei uns ein starker Regen überrascht, dann beginnt das abendliche Lagerleben. Ein Soldat bringt mir zwei kleine Browningpistolen, die er auf dem Acker fand, [die Abendsuppe wird gekocht] Büchsenfleisch wird gekocht und dann der Kaffee, der unsern Soldaten schon das unentbehrlichste Genuss mittel geworden ist – obwohl sie zugeben, im Frieden niemals soviel Kaffee zu trinken. Am nächsten Morgen reite ich früh nach Romansweiler ein und mache in einem Hause wo man mir einen Eimer Wasser und Handtuch stellt, grosse Morgenwäsche. Die Frau erzählt von ihrer Tochter, die in Nancy in Pension war

Über dem Dorf surrte, in grosser Höhe, ein Zeppelin durch die klare Morgenlust. Es war das erst und letzte das ich im Feldzug gesehen habe – später hörte ich, dass es am gleichen Abend zerknickt auf den Tannen des Donon gelegen habe. Von hier ging der Marsch weiter, die herrlichen Vogesen hinau. In grossen Schleifen stieg die Strasse, für die Zugpferde eine gehörige Anstrengung. Es dunkelte schon, als – auf der Passhöhe – wieder einer von den endlosen Halten kam, bei denen Keiner wusste, für wie lange, und die Hauptursache meist des Rittmeisters Ratlosigkeit war. Fern im Grund sah man einige Lichtchen, sie gehörten den vorderen Wagen unserer Kolonne. Spät in der Nacht,- wir hatten Dachsburg grade hinter uns, aber das merkte ich erst am andern Morgen,- gabs wieder Halt und ein Berittener meldete von vorn, dass hier parkiert würde. Die Leute richteten sich also am Strassengraben zum Schlafen; ich ging ins nächste Haus zurück. Die Frau, die mir aufmachte, erklärte, sie habe sechs verwundete Offiziere da, aber sie wies mir die gute Stube an, wo ich auf einem Sopha leidlich schlief. Das Haus schien eine Art von Fremdenvilla, am andern Morgen sah ich welch herrlichen Blick auf die Höhen es hatte. Dann wurde wieder „fertiggemacht“ wir fuhren über Schäferhof, Forsthaus Rehtal und von da südlich in ein Quertal, das deutliche Spuren des Kampfes zeigte. Stämme waren umgelegt und zu Verhauen geordnet, Schützengräben etagenförmig am Hang hinauf gebaut und ich sah hier die Gewandtheit der Franzosen in der Auswahl von Verteidigungsstellungen. Der westliche von ihnen verteidigte Hang war bewaldet, der östliche, den unsere Truppen herabstürmten mussten war nur mit Weide bedeckt, konnte also völlig unter Feuer genommen werden, der Bach, der im Tal von Nord nach Süd floss, bildete durch ein starkes Wasser auch ein ziemliches Hindernis. Wir kamen nach Wallscheid, einem ärmlichen langgezogenen Dorf, wo es wieder Halt gab. Am Ausgang sahen wir alle Spuren des Kampfes; Uniformstücke und Lederriemen trieben im Bach, zerbrochene Gewehre und Kartuschen lagen auf einem grossen Haufen. Die Strasse stieg in grossen Schlingen nach S. Leon hinauf, den steilen Berg, den die achten Jäger in einem glänzenden Sturm Tags zuvor genommen hatten. Ein französischer Hauptmann soll gesagt haben: Wenn die Deutschen S. Leon nehmen, so ist mein Vaterland verloren. Auf halber Höhe gabs wieder Stockung der Kolonne, stundenlang. Im Mittagslicht des prächtigen Herbsttages suchte ich mir eine behagliche Stelle zum Schlafen; man überblickte von da das Tal hinauf und die beiden bewaldeten Höhen, die den erbitterten Kampf gesehen hatten und heute wieder si friedlich dalagen. Auf einer Wiese da unten sah ich noch ein paar tote Franzosen liegen. Unsere Soldaten hatten sie auch schon bemerkt und stapfen durch den Grund hinüber – nicht etwa um sie zu beerdigen, sondern aus platter Neugier und in der Hoffnung etwas Brauchbares im Tornister der Gefallenen zu finden. Da zwei Infanteristen aus einer andern Richtung, die sie auch gesehen hatten, heraneilten, begann ein grotteskes Wettrennen. Gegen abend ging ich zur Kirche, die natürlich in ein Lazareth verwandelt war. Zwei Leute der Bagage hatten sich krankgemeldet und ich stellte sie dem dort arbeitenden Arzt vor. Es war ein famoser schneidiger Herr, der in diesen Zagen Enormes leisten musste. Das Kircheninnere bot den traurigen Anblick eines improvisierten Feldlazareths; zwischen den Säulen lagen auf Stroh und Decken die Verletzten, Deutsche und Franzosen durcheinander, mit blassen Gesichtern, der Eingangsraum war an einer Seite durch segeltuchbahnen abgetrennt als Operationssaal. Ich äusserte mein Staunen, dass hier im Dorf und auf dem Schlachtfeld nicht Truppen zum Aufräumen zurückgelassen seien. Er zuckte die Achseln: man muss doch den letzten Mann mit nach vorn nehmen. Übrigens sind zum Begraben der gefallenen Franzosen Dorfbewohner angestellt, aber sie haben nicht viel geschafft. Sie haben bei den Toten Geld gefunden und nun haben sie sich da oben in einer Kneipe besoffen. Ich bot ihm ein paar Leute zu Hülfe an. „Mit ein paar ist mir nicht gedient, ich müsste wenigstens fünfzig haben. Aber eins erzählen Sie ihren Kameraden: ich habe hier mehrere Verwundete Deutsche, die von hinten mit dem Bajonett in den hintern gestochen. Die Därme sind mit dem scharfkantigen französischen Bajonet völlig zerstochen und Rettung ist kaum möglich“. Wir einigten uns mit ein paar Kraftausdrücken über die Schamlosigkeit dieser Barbarei. Später erwähnte ich dem Grafen davon mit gleicher Empörung. Da meinte er: „Stellen Sie sich doch einmal vor diesen höchsten Elan, mit dem ein Soldat stürmt; da rast er, ist Bestie und Sticht auf alles was sich vor ihm nur regt.“ Bewusste Grausamkeit ist damit noch nicht bewiesen.

Gegen Abend brachen wir wieder auf, hielten, als meine Bagagen auf eben über die Höhe waren, für anderthalb Stunden, rückten weiter um zwei Stunden Kilometer drauf endgültig stehen zu bleiben. Die Nacht war dunstig und schon empfindlich kalt; ich fand eine leidliche Schlafstelle in einem halbleeren Futterwagen, auf ein paar Hafersäcken und von einem duftenden Woilach zugedeckt schlief ich ausreichend. In der Frühe erbat ich in ein paar dürftigen Häusern, an denen wir vorbeikamen Kaffee für mich und die Mannschaften und die Leute brachten das Bischen braune Brühe, das sie grad hatten, in Tassen auf die Strasse und reichten es den Vorbeireitenden in den  Sattel. Die Verbindung mit den anderen Regimentsbagagen war gelockert, aber ich wusste, dass sich das bei den massenhaften Halten schon ausgleichen würde. Es ging in Kehren wieder bergan und dann hinab nach S. Quirin, einem Dorf; das nach den Aufschriften der Häuser schon ganz französisch wirkte. Wir wussten, dass wir uns der Grenze näherten und freuten uns auf den Augenblick. Aber als wir durch den Wald und einen Tannengrund soweit gekommen waren, konnte ich die eigentliche Grenze, die ich meine Bagage mit Hurrah überschreiten lassen wollte, nichts sehen. Die eisernen Grenzpfosten waren umgestossen – in einem Graben sah ich irgendwo ein paar Brocken Gusseisen liegen. Weiter gings zunächst durch einen schönen Buchenwald, in dem herumliegende tote Pferde auf das Einschlagen von Granaten deuteten. Es gab wieder den üblichen Halt, bei dem wir an der Kolonne entlang zur Spitze trabten, um dort die Befehle für die Quartiere der einzelnen Regimenter entgegen zu nehmen; dann aß ich bei den Begleitmannschaften des Regimentstab die inzwischen fertiggemachte Erbsen suppe mit Büchsenfleisch – wir lebten damals fast ausschliesslich von Büchsen, da die eisernen Portionen wiederholt angegriffen und wieder aufgefüllt wurden. Mancher Bagagekutscher verdrückte damals in dessen eine Fleischbüchse so „nebenbei“ zum Frühstück und briet sich dann abends im Quartier erst seine Hauptmahlzeit.

Nachmittags kamen wir durch Cirey, das erste französische Dorf. Die Bewohner hatten wohl schon soviel fremde Soldaten gesehen in diesen Tagen, dass sie unbekümmert an ihrer Hausarbeit blieben. Die Mairie, in Sandstein gebaut, die gediegen gebaute Markthalle, waren die (ersten) charakteristischen Zeichen der französischen Dorfbaues Communal-Verwaltung. Südlich von Cirey sahen wir auf allen Hängen Biwacks; unser Regimentsstab hatte eine kleine Sägerei vor Petitmont als Quartier. Als ich mit dem Wagen heranritt, sah ich schon von weitem an einem selbstgefertigten langen Tisch im Freien unsere Herren sitzen, dampfendes Mittagessen in einigen Blechschüsseln vor sich, ausserdem Rotwein, den jeder aus seinem Blechbecher trank. Alle waren gutgelaunt und unrasiert und freuten sich der von mir angebrachten Post. In dem grossen Arbeitsraum dar Sägerei suchte ich mir eine Ecke, die ich durch Aufschrift: Hotel Volkmann als mein Quartier für die Nacht belegte. Dann ging ich in das Dorf Petitment, über ein paar Granatenlöcher, die die Wiese aufgerissen hatte, springend. Dort waren einige Bauernhäuser noch bewohnt, andere verlassen. In diese hatten sich unsere Truppen einquartiert, durchsuchten Zimmer und Möbel, und ich sah zum ersten Mal den ekelhaften Anblick solcher durchwühlten Stuben.- Am andern Morgen rückte der Regimentsstab nach Süden weiter. Ich suchte, da meine Nachtruhe auf den zusammengeschobenen Hobelspänen sehr dürftig gewesen war, in einem kleinen Privathaus, aus dem ich einen Unteroffizier herauskommen sah, noch etwas zu schlafen. Aus den Scheunen an der Dorfstrasse schleppten unsere Kerls grosse Mengen von Stroh für ihre Pferde, eine lange Munitionskolonne hielt auf der Strasse, und eine unserer Batterien suchte beschleunigt an ihr vorbeizukommen. Ich ging aus Neugier noch in ein anderes der verlassenen Häuser und beobachtete, wie eine ganz eigenartige Grundrissform, die an den altrömischen Hausgrundriss erinnert, ganz allgemein und unverwischt wiederkehrte erhalten war. An einer Strassenecke hatten sich vor einer kleinen geschlossenen Tür Soldaten gesammelt: „Herr Leutnant, die Leute haben noch Wein, und wollen ihn nicht herausgeben, obwohl wir bezahlen wollen.“ Ich wandte mich an die Frauen, die mich mit einem Wortschwall übergossen, aus dem ich nur: „pour ma mère malade“ und „pour les pauvres blesséss verstand. Ich erklärte, wir wollten uns von ihren Beständen überzeugen, stieg mit zwei Musketieren hinab, und fünfzehn Flaschen von ihrem Rotwein und ihrer Citronenlimonade wurden ihr gelassen, den Rest musste sie an unsere wirklich durstigen Soldaten verkaufen. Sie waren mir anscheinend noch dankbar, denn man lud mich zu Kafe und Kirsch ein.

Die Bagage sammelte sich nachmittags um am Südausgang des Dorfes zu parkieren. Wir liessen die Wagen auf verschiedenen Äckern zu beiden Seiten der Strasse auffahren, schnell entwickelten sich wieder die Callotschen Lagerbilder, die Fahrer ritten ihre Pferde zum Tränken wieder ins Dorf zurück und schleppten neue Strohmassen an. Das Wetter, das uns bisher ununterbrochen begünstigt hatte, war auch jetzt trocken und sonnig. Auch ich ritt zurück ins Dorf und erlebte jene Gastlichkeit die ich sooft seitdem im Feindesland erfahren habe und die so himmelweit verschieden ist von dem was unsere Zeitungen über Verhalten der Bevölkerung vorbringen. Vor einem etwas saubereren Hause hielt ich und brachte dem älteren Ehepaar, das erschien, meine Bitte vor. Gewiss, ich könne zu essen bekommen, auch schlafen, sie hätten das Zimmer, in dem gestern ein Major gelegen wieder frisch gemacht. Der Mann öffnet das Scheunentor und zieht mein Pferd ein, ich nehme im Schlafzimmer eine erfrischende Waschung vor, dann wird mir inder Esszimm Küche, dem Haupt-Wohnraum der französischen Hauses, das Essen aufgetischt. Sie entschuldigten sich, dass Fleisch fehlt, und bringen eine Suppe, prachtvollen Salat mit Rührei, dazu die so rar gewordene Butter, hinterher einen dampfenden Kaffee, einen Kirsch. Die junge Frau, die auftischt, ist die Tochter, verheiratet an einen Bäcker in Cirey, der bei der Fahne ist. Sie hat von ihrem Mann seit Ende Juli nichts gehört. Er sei fünf Tage vor Kriegsausbruch zu einer „Übung“ einberufen.-

Für die Nacht ritt ich wieder zu meinen Bagagen heraus, aber am andern Morgen kam ich nochmals zum Frühstück zu den Leuten.

Da unsere sechste Batterie seitlich detachiert war, führte ich ihre Wagen das Tal hinunter nach S. Sauveur zu, wo wir eine Stunde vergeblich auf einen Boten warteten, uns in einer Mühle Wein von der allein zurückgebliebenen alten Frau geben liessen, um dann zurück zu fahren. Die Bagage sammelte sich und stellte sich auf der Strasse nach Raon l`Etappe zu auf – was aber keineswegs bedeutete, das wir schon abrückten.

In den ersten Kriegstagen wunderte ich mich wie schnell die Verrohung des Soldaten geht, gegenüber den kürzlich Gefallenen; jetzt beachtet man es nicht gross, dass an einem Soldatengrab von zwei Jägern zu Pferde das Kreuzlein aus Ästen behängt ist mit den ausgewaschenen Taschentüchern eines Bagagesoldaten.

Endlich rücken wir vorwärts, durch einen Wald, in welchem rechts und links Spuren französischer Biwacks sind und ein paar Pferdekadaver liegen. Die französische Truppe bevorzugt anscheinend den Wald zum Biwak; (sehr geschickt) werden Laubhütten durch Zusammen gebu binden junger Bäumchen und belaubter Äste geschaffen. Das Fehlen von Zeltbahnen erlaubt ihnen nicht auf Stoppelfeldern zu kampieren – der Forstbeamte wird hinter her wenig erfreut sein. Auch die Kochlöcher sind etwas anders gegraben, kleiner wie die von unseren Kerls und dann erkannten wir, dass ein Biwack ein französisches gewesen war, daran, dass die runden Blechkonservenbüchsen blau oder braun gestrichen waren. 

Am Ausgang des Waldes wird Halt gemacht wieder gehalten, die Stunden rinnen und wir schlafen unter freiem Himmel. Vorher giebts wieder eine kleine Aufregung; hervorgerufen durch ein paar Schüsse im Walde. Wir schickten ein paar Patrouillen herein, die ihrerseits natürlich zu schiessen anfingen, wieder beschossen wurden, sodass sich beinahe die Kerls wieder gegenseitig über den Haufen geknallt hätten. Die ersten Schüsse waren gefallenen, da zwei herumstrolchende Infanteristen bei einem verlassenen Hof eine Kuh gefunden hatten, die auch ihrerseits verwildert war, sodass die beiden Helden ihr nur so beikommen zu können glaubten. Am 27. August ging ich auf die nahe Anhöhe, von der man weit ins Land sehen konnte, nach Fort Mannonviller zu, das in diesen Tagen von unseren fabelhaften Geschützen zusammengeschossen war. Später ritt ich nach Parux das jämmerlich zerstört war. Von der Kirche standen ein paar geschwärzte Granaten Mauerreste, die Bauernhöfe waren fast alle ausgebrannt und zerstört, die noch heilen Stuben durchsucht. Auf einem Tisch standen ein paar halb ausgegessene Marmeladetöpfe. Ich eilte übers Feld zurück; die unsere endlose Wagenreihe machte noch keine Miene, aufzubrechen. So legte ich mich hinter einem Busch in die Mittagssonne, schlenderte dann zum Regimentspackwagen, wo die Burschen inzwischen die übliche grosse Essportion gekocht hatten. Auch nachmittags kam kein Befehl; nur Voss, der von vorn geritten kam, um eine Munitionskolonne zu suchen, erzählte kurz, wie es stände. Ein klares Bild gab er nicht – es bestand immer wieder die Hoffnung, dass die beiden das durch die Mittelvogesen vorstossende XV. AK. in Verbindung mit südlich kämpfenden bayrischen Reserve Truppen ein französisches Contingent im Raum Raon l`Etappe St. Die` einkesseln solle – einzelne Zurückkehrende sprachen schon von riesigen Gefangenenzahlen – aber Deimling trieb seine Infanterie vorwärts (die 30 I. D. war vorn, die 39. Reserve) sodass der Franzmann aus dem Kessel herausgedrückt wurde.

[Mittags legten wir uns ich mich in die Sonne und] Gegen Abend ritten Pelzer und ich nach Bremesnil voraus, da sich die Mär verbreitete, dass dort ein Keller mit Bier entdeckt sei. Unterwegs begegneten uns Soldaten mit Fässern auf Handkarren und Wägelchen; wir trabten in das Dorf, das ebenso zerschossen war wie die andern. Wir Gingen durch auf ein Tor zu, vor dem mehrere Soldatenpferde angebunden standen, über noch heissen verkohlten Schutt eine schmale halsbrecherische Treppe hinab in ein Kellergewölbe das infolge der Brandzerstörung einzustürzen drohte. Ein paar Soldaten, die überlaut redeten, tranken aus ihren Blechbechern das helles schäumendes Bier. Den Zugang zum eigentlichen Fasskeller aber bewachte ein bayrischer Unteroffizier, der uns auf besondere Anweisung Fässer ausgab. Wir tranken hastig ein dargebotenes Glas – auf den Spürsinn des bayrischen Landwehrmannes, der diese Fährte gewittert hatte, und ritten zurück. Ein jämmerlich verwilderter, magerer Hund schlich über die Strasse; im Graben, grade da wo die Wagen der Divisionspost die anderthalb Tage hielten, lag ein Pferdekadaver der zu riechen begann. Es half nicht viel, dass man ihn oberflächlich mit Erde bewarf.

  1. Aug

In der Nacht, nachdem ich mich wieder in einem Futterwagen unter die Zeltplane gebettet hatte, wurden wir durch den Befehl zum Aufbruch geweckt und rückten vor bis Pexonne, wo der Halt so lange dauerte, dass ich an die Spitze ritt, um zu hören, dass der Rittmeister vorauf geritten sei ins Schloss, sich Quartier zu suchen. Trieb mich die Neugier auch zu dem Schloss; ich trat in eine weisse Diele, mit Hirschgeweihen geschmückt, in einem Erdgeschosszimmer lagen Ordonanzen und Telegrafisten auf Decken und Matrazen, einer arbeitete noch am Hörer, während ein anderer gähnend erklärte, oben schliefen die Herren der Division und das Haus wäre übervoll. Ich erbat darauf vom Rittmeister die Erlaubnis auch meine Pferde und Leute im Dorf unterzuziehen;

  1. Aug

wir öffneten, nachdem ich zurückgeritten war und den Quartiermeistern schnell die nötigen Anweisungen gegeben, die Scheunentore rechts und links an der Strasse und konnten wenigsten einen Teil der Pferde unter Dach bringen. Für mich suchte ich darauf Quartier in dem Haus,- in dem ich den langen Meyer hatte verschwinden sehen – und fand ein Zimmer mit Bett – es waren freilich schon vor uns Soldaten gewesen und die Räume waren unsauber und ziemlich unordentlich.- Die Leute waren indess gefällig, die Soldaten brieten an ihrem Herd am anderen Morgen ihre Mahlzeit und ich gab meine Wäsche zum Waschen. Als wir sie grade zum Trocknen in der Stube aufgehangen hatten, kam – der Aufbruch. Diesmal ging es rückwärts – besorgte Gemüter zeigten schon etwas verstörte Mienen, obwohl der einzige Grund der war, dass die Grossen Bagagen der Schwesterdivision, die vor uns auf der gleichen Strasse marschiern der Feuerlinie zu nahe gekommen war. Deshalb mussten wir Raum geben und wurden gleich das ganze Stück bis zu unserm früheren Halteplatz zurückgeschickt.

Am 30./8. 1914 kam der Befehl wieder vorzurücken und wir fuhren nun bei Tage nochmals durch Badonviller und kamen nachmittags nach Neufmaison, einem Dorf in einer Talmulde, das von verschiedenen Truppen und einem Lazarett belegt war. Unterwegs hatte ich mir bei Schloss Pexonne zwei Flaschen Sekt gegen Bezahlung und vier Flaschen Burgunder gegen einen Gutschein geben lassen. In Neufmaison hatte der Graf einen prachtvollen Malaga aufgetan, und diese üppigen Weinzustände waren die Einleitung zu den Voräten von Raon d`Etappe, wo unsere Soldaten in den Tagen, wo wir vor dem Städtchen lagen, aus den Kellern leerstehender Häuser ungezählte Flaschen Sekt und Südwein entführten. Trotz der Überfüllung des Dorfes fand ich ein famoses Zimmer in einem Haus, das -wie überall die besten Quartiere, vom Feldlazareth belegt war. Der Oberstabsarzt stellte mich zwar wegen zur Rede – aber erst am anderen Morgen, nachdem ich ausgiebig geschlafen und meine Koffer benützt hatte (und niemand mir das Genossene rauben konnte)

Samstag 31/8 rückten die Batterien aus Neufmaison nach Süden ab, um drei Uhr sammelte ich die Bagagen. Aber als wir zehn Minuten weit in den Wald marschiert waren, trafen wir auf die letzte Kolonne des Regiments, welches in seiner ganzen Länge auf der Waldstrasse hielt. Hielt den Nachmittag hindurch und bis der Mond über den Tannen aufging. Wir sollten eigentlich in ein Ruhequartier nach Celles kommen – aber die taktische Lage machte doch wieder ein Bereitbleiben unseres Regiments nötig. Dass die Kämpfe um Raon l`Etappe beendet waren, wussten wir, aber in welchem Rahmen die ganze Schlacht sich abgespielt hatte, das war (nicht bekannt) uns damals nicht klar. Von Cirey bis Neuf-Maisons hatte die Strasse am Rand der Vogesen entlang geführt, von Neuf-Maison nach Raon l`Etappe schnitt sie wieder in das Waldgebirge hinein. Aus dem (Charakter der unteren Vogesen) Gebirgscharakter ergab sich, dass die eine Schlacht sich mehr in Einzelgefechte in jedem Tal gliedern musste, begleitet von Zusammenstössen in den Bergwäldern, die von uns durch Jägerkompagnien, von den Franzosen durch Jäger und Gebirgsgeschütze ausgefochten wurden. In Celles trafen wir auf Spuren des Kampfes, der sich im Plainetal gleichzeitig mit unserem, Gefecht entwickelte hatte.

1.9

Morgens kam bei Dunkelheit der Befehl zum Abrücken, nachdem ich wieder ein paar Stunden im Wagen geschlafen hatte. Da die Bagage erst den Batterien folgte, hatte ich Zeit, nach Raon l`Etappe hereinzureiten. Das blühende Städtchen war durch Kanonade grauenhaft zerstört, zerfleischt. Die Granaten hatten die ganzen Fassaden dreistöckiger Geschäftshäuser eingeschlagen; aus Steinhaufen ragten verbogene Eisenträger und zerfetzte Reklameschilder, deren Aufschriften zu dem Graus in zynischen Gegensatz standen wie „a la perfection“.

In der grossen Markthalle standen noch einige Säulen aus roten Sandstein, die Kirche hatte ein paar wagengrosse Löcher. Im Laden eines Bäckers liess ich mir Kaffee geben und ritt zurück. Der Weg nach Celles führte ein entzückendes Waldtal, im morgenschein glänzten die Wiesen und eine Ruhequartier hätte man dem Regiment kein hübscheres friedlicheres Dörfchen zuweisen können. Für mich und zwei Kameraden war Quartier gemacht bei einer jungen Wittwe, die sich einen „jeune officier“ ausgebeten haben sollte. Es gab sogar eine Art Badezimmer. Das Essen nahm der Regimentsstab gemeinsam in dem gegenüberliegenden Hotel, wo von unseren Köchen mit den von uns gelieferten Speisen bereitet. In Celles entwickelte sich schnell das friedliche Bild (des Quartierlebens eines Mannöverquartiers); auf der Strasse dampften die Feldküchen und die Soldaten traten dahinter zum Stiefelapell an; jeden Jemand hatte ein Weinlager entdeckt und der Inhaber kroch besorgt zwischen seinen Fässern herum, um alle Bons zu sammeln, die ihm in die Hand gegeben wurden. Auch ein Krämerladen, gestopft voll mit Conserven, Schnäpsen Compotts, wurde so überlaufen, dass er zeitweise schliessen musste. Die Soldaten bezahlten baar, wir Offiziere mit Gutscheinen, die der Verkäufer glatt annahm. Einer unserer Kameraden, der, in der Freude über die länger entbehrten Dinge, einen Einkauf von vierhundert Mark für seine Batterie gemacht und baar bezahlt hatte, überbrachte schrieb später einen Schein und liess sich das Geld wieder geben. Der Graf beauftragte uns, zum Maire zu gehen, um fünfzig Flaschen ausgereiften Bordeaux „für seinen kranken Magen“ beizutreiben. So kam ich zu einer stattlichen Villa am oberen Ende des Dorfes, die neben der Fabrik den Wohlstand des Besitzers bekundete. Die Rote-Kreuz Fahne zeigte, dass der Besitzer sein Haus den Verwundeten zur Verfügung gestellt hatte. Durch den Eingangsflur sah ich auf dem spiegelnden Parkett ein paar schwerverwundete Franzosen liegen; ein deutscher Militärarzt gab einem mit dem Tode Ringenden eine Einspritzung und drei junge Mädchen aus dem Dorfe, mit Schwesternhäubchen, bemühten sich um den Soldaten, während die Dame des Hauses, in vornehmem weissen Haar, mit dem Arzt sprach. An der Wand hingen ein paar grosse alte Kupferstiche mit Schiffen. Im Garten trafen wir den Hausherrn, Maire wohl nur im Nebenamt, dem P. in  stockendem, wohl nicht nur wegen seines Französisch, den Auftrag übermittelte; er möge vielleicht einigen Bürgern Anweisung geben, uns Wein zu liefern. Er meinte: „ Ca ne vant pas la peine“, und liess den Wein aus seinem Keller holen. Auf dem Rasen waren neben einer Palme hastig ein paar Soldatengräber ausgehoben und feldgraue Helme lagen drauf neben schwarzblauen Käppis-

Später beteiligte ich mich an einem Revolverschiessen, spazierte in den Tannenwald hinein, requirierte mit Forster ein paar Hühner und dann badeten wir gemeinsam in dem klaren Bergbach. Im Grunde dieses Baches sahen wir massenhaft Gewehrpatronen; vielfach waren ganze Rahmen weggeworfen – wahrscheinlich waren unserer Infanterie soviele zugestopft worden, das sie sich ihrer beim schnellen Vorgehen entledigte.

Am 1. IX ? brach das Regiment auf und rückte wieder die Strasse herab. Nachtquartier machten wir in La Trouche, der Regiments- und Abteilungsstab ging in eine Villa, die im einer Art Jugendstil modernen Pariser Maccaronistil erbaut war. Im Innern ein wildes Durcheinander; indess konnten wir, da nich die Einrichtung nicht zerstört war, uns einigermaßen einrichten. Von den Batterien kampierten mehrere im Freien. Die Bagagen sammelten sich am andern Morgen am Ausgang des Dorfes, während die Regimenter vorrückten. Gegen Mittag kam der Befehl, dass die Bagage von Artillerie 80 und einem Infanterieregiment auf des Nordufer des Baches rücken sollten und dort selbstständig lagern; die betreffenden Regimenter seien als besonderes Contingent südlich detachiert worden. Ich liess meinen Wagenzug herüberfahren und baute ihn neben einem Bauernhof auf. Im Hof richteten wir uns auf einem runden Tisch ein üppiges kaltes Abendessen, wozu sich ein paar Flaschen Sekt gefunden hatten. Besuch des naheliegenden Schlosses von Baron Türkheim das vom Besitzer verlassen war wie hier herum eigentlich alle Häuser. Der alte Diener führte uns durch die mit Altertümern vollgestopfte Zimmerflucht, das schönste indess war der Garten mit seinem farbenleuchtenden Blumenparterre.

  1. IX

Freitag mittag rücken Saal und ich ab; durch Raon l`Etappe, von da die Vogesen hinauf und bis Sales, wo wir abends gegen neun Uhr einen Zipfel deutschen Bodens betreten. Unterwegs treffen wir Kolonnen, Munitions- und Lazarethtransporte. Unsere Regimenter haben den Auftrag bekommen, ein bei Fouchiful, Coinches fechtendes bayrisches Reservekorps zu unterstützen. Nachts um 1 Uhr kamen wir in Bertrimoutier an. Da von über unsern Truppen nichts zu erfragen war, suchten wir uns Biwackplätze und parkierten. Ich schlief mit Köhne und einem Dutzend Fahrer in einem Heuboden. Später sagte mir einer, er habe, als wir mit unsern Wagen auffuhren, in der Entfernung die Stimme seines Wachtmeisters gehört, die Batterie müsse da grad abgerückt sein. Nun wars zu spät, nochmals Verbindung aufzusuchen. Ich ritt darauf am andern Morgen, auf Grund von sehr unklaren Beschreibungen, die mir ein paar bayrische Artillerieoffiziere gaben, nach Fouchiful vor. Traf unsere beiden Munitionskolonnen und fand so auf einem steilen Berg liegende Dorf, wo der Graf, mit ein paar fremden Offizieren hinter einer Scheune Kriegsrat hielt. Ich meldete mich und nahm am Sattelfrühstück teil. Unsere Batterien hatten enorm geschossen, keine Verluste, anscheinend gute Wirkung. Die bayrische Infanterie war, wie Rittberg sagte, nicht zum Vorwärtsgehen zu bringen. Dann ritt ich zurück. Das Gastspiel unsers Regiments bei der „Division Benzino“ war kurz. Sonntag kam der Regimentsstab zurück, abends auch die Batterien und ich erfuhr, dass wir auf einen andern Kriegsschauplatz abtransportiert werden sollen. Wohin – das wusste natürlich niemand.

IX

In der Kirche wurde die Messe gelesen; zwischen den Landleuten standen bayrische Soldaten und bewegten die Lippen, während die Hand die Mütze mit der grossen weissblauen Kokarde drehte. In den Seitenschiffen lagen Verwundete, da die Kirche aus als Lazareth diente, und während das feierliche Schellchen klingelte, wickelten sie einem Schwerverwundeten den Verband vom Bein. Ich teilte Cigaretten unter die Leichtverwundete, sah und hörte, dass die Verluste recht gross waren. Wie wertvoll für uns ist es doch, dass wir nicht hier in den Vogesen, durch Lothringen oder das Elsass, unsern Hauptstoss angesetzt haben. Die blutigen Verluste bei diesen kleineren Operationen zeigen genug, wie sorglich die Franzosen im Gebirge alles vorbereitet (hatten) und sich selbst auf die Verteidigung dieses unübersichtlichen Geländes gedrillt hatten. Bei unsern Stäben kursierte ein Heft, das einen französischen Artillerieoffizier abgenommen sein sollte. Darin waren von dieser Gegend nicht nur genaue Kartenskizzen, sondern auch Ansichten mit sorglicher Eintragung aller für beide Teile möglichen Artilleriestellungen mit Entsprechungen.

Mein Quartier für die letzten Nächte war ein kleines Schwesternkloster, wo Forster und ich wenigstens je ein Bett fanden; das gemeinsame Essen des Rgtsstabs war im Garten der Doktorsvilla.

Am 6. IX 14 rückte das Regiment in langer Kolonne herauf nach Sales wo wir erbeutete Geschütze verladen sahen, und weiter nach dem entzückend gelegenen Schirmeck.

Weiter im andern Band (Kriegstagebuch II)

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Kriegstagebuch Friedrich Lisberger 1859-1860

Das Kriegstagebuch von Friedrich Lisberger über seinen Einsatz im Sardinischen Krieg 1859

Das Kriegstagebuch von Friedrich Lisberger, der Pionier im 1. Pionierbataillon in Klosterneuburg war, umfasst den Zeitraum vom 22. April 1859 bis 4. Januar 1860. Das Heft hat ein Format von 11 x 16,8 cm und umfasst insgesamt 22 Seiten, von denen 10 Seiten mit den Erlebnissen 1859/60 beschrieben sind.

Einen Namenseintrag gibt es vorn nicht. Allerdings befindet sich auf einer Seite ein Such-Rapport vom 5. August 1860, der mit Friedr. Lisberger, Wachkommandant, unterzeichnet ist. Aus diesem Report geht auch hervor, dass er beim 1. Pionierbataillon in der 2. Kompagnie diente.

Dem Buch liegt auch ein Zeitungsartikel über den verstorbenen ehemaligen Grenzoberwächter Mathias Lisberger bei, der am 29. Mai 1892 im Alter von 92 Jahren in Seekirchen verstorben ist. Bei ihm handelt es sich vermutlich um den Vater Friedrich Lisbergers, jedoch nicht um den Kriegstagebuchschreiber selbst.

Anmerkung zur Abschrift des Kriegstagebuches

Das Kriegstagebuch wurde buchstabengetreu abgeschrieben. Wenige Worte konnten nicht eindeutig gelesen werden. Diese sind dann mit eckingen Klammern und Fragezeichen markiert. Einige Ortsnamen konnten nicht eindeutig eintziffert werden. Sie sind dann mit eckigen Klammern und Fragezeichen gekennzeichnet. Die korrekte heutige Schreibweise der Ortsnamen wurden zum leichteren Verständnis in eckigen Klammern angefügt.

Erste Seite des Kriegstagebuches von Friedrich Lisberger

Kriegstagebuch von Friedrich Lisberger 1859/60

Beshreibung

Ich bin am 22ten April 1859 von Salzburg Weg zu Fuß nach Linz den 28ten in Linz Rasttag den 29ten von dort nach Wien auf den Eisenbahn, den 30ten nach Klosterneuburg zum Batailon [1. Pionierbataillon] eingerückt und zu den 2ten Feld-Kompagnie in Stande gebracht.

Aldort verblieb ich bis 8ten Mai, aldort ausmarschiert und angekommen in Wien am 9ten in Gratz, am 10ten Marburg und Zilli und Leibach den 11ten bis Nabresina mit der Eisenbahn, und dann zu Fuß bis Duino an den Ateratischen Meer in Kistenland. Den 12ten über Monfolguna nach Palma die erste Festung in Ithalien den 13 Codroigo den 14ten Transporthaus in Portonone, dann von hier mit der Eisenbahn nach Verona von dort nach Biskera [Brescia] und Bergamo. Den 15ten in [Bokolia?] sind 2 Locomadife zusamen zusamen gestoßen und hat 6 Wagons zerschmetert wovon 30 Mann verwundet u. 10 Todt gefuden wurden von Rgmt. Raishau.

Am 16ten kamen wier in Mailand an den 17ten von dort weg nach Witschewano [Vigewano] den 18ten Mordara [Mortara] aldort wurde abgekocht, und dann wiederum abmarschiert nach Calaska [Garlasco], den 19ten in Pawia angekommen, aldort verblieben und dort eine Kriegs-Brücke und 2 Nothbrücken gebaut. Am 28ten von dort weg nach Messana [vermutlich Mezzana Corti] hier eine Strasse untergraben, und eine Brücke zersprengt wo wier an die feindlichen Vorposten angestoßen und einen Tag u. eine Nacht ohne Schlaf ohne Mönage u. ohne allen in größter Wachsamkeit zubrachten, am 30ten wiederum zurük, nach Pavia daselbst mit meinem Bruder zusammen gekommen und verblieben bis3ten Juni, aldort weg nach [Pelona?] und Macenta [Magenta] vor die Schlacht.

Hier war keine Zeit zum Mönarschieren und musten mit unser 8 Kriegsbrücken Equipagen zurück nach Pavia. Am 8ten von Pavia weg nach Vizikatona [Pizzighettone] und Cremona, um 9 Uhr Abends wiederum weg zurück nach Vizikatona, dort nun Brücke geschlagen über den Fluß Ada [Adda], wo 3 Armme-Corps drüber marschierten, und dort mehrere bekante von 15ten Jägger-Baon [Jäger-Bataillon] antraf. Am 9ten Cortolona [vielleicht Corteolona] 10ten [Pistolenko?] am 11 nach [Gawa?] den 12ten nach Verolanowa [Verolanuova] wo das 4 Baon [Bataillone] von August E. H. Rainer war, und dort zu frohe viele bekannte kam. Am 13ten nach Assollo [Asola]. Den 14 Goito den 15ten Vilafranka [Villafranca di Verona]. Von dort bei der nacht mit 2 Equipagen nach Valegio und wiederum retur nach Vilafranka. am 16ten nach Verona. Von dort weg nach Zewio, am 17. aldort verblieben bis 23ten.

Am 24ten von dort weg nach Verona dort am Abend weg nach Valegio wo die Hauptschlacht war. Am 25ten zurükung nach Barona [Parona] 1 ½ Stunde von Verona entfernet, eine Eisenbahn Brücke angeschottert unfahrbar gemacht und mehrere Schiffe um Schiffmüller vernichtet, und wieder retur nach Verona. Am 26ten auser der Stadt Bäume umgehauen, am 28ten die Tornister abgegeben am 29ten Pi u. Pi frei den 1 Tag.

Am 1 July von Verona nach [Bassina?] eine Brücke geschlagen über die Etch und Schanze gebaut, aldort verblieben in Laager bis 15ten. Am 16ten weg von dort nach Montorio aldort verblieben bis 14ten August. Von dort weg nach St. Bonavatio
Den 15 Rasttag

Den 16 Vizenza

Den 17 Cittatella
Den 18 Castelfranka

Den 19 Rasttag

Den 20 Treviso
Den 21 Conegliano

Den 22 Portenone
Den 23 Rasttag
Den 24 Cotroipo
Den 25 Palma
Den 26 Romans
Den 27 Rasttag
Den 28 Görz
Den 29 Heidenschaft
Den 30 Pröwald [Prevole]
Den 31 Rasttag
September
Den 1 Planina
Den 2 Oberleibach [Vrhnika]
Den 3 Leibach u. [Cermatz?]
Den 4 Rasttag
Den 5 Treblec ein sehr hoher Berg wo wier 2 Tage u. Nächte unter freiem Himmel bei Regen u. Wind zubrachten.
Den 7ten angekomen in St. Martin dort geblieben bis 13ten dan nach [Rodoppendorf?]
Den 14 Rasttag
Den 15 Großlup [Grosuplie]
Den 16 Leibach zum 2ten mal. Und [Stasze?].
Dor verblieben wir etwa bis 10. November.
Den 10 November nach [?]
Den 11 November [?] {Windisch
Den 12 November Zilli
Den 13 November Rasttag
Den 14 November [Ganowitz?]
Den 15 November [Windisch Veistritz?]
Den 16 November Marburg
Den 17 November Rasttag Sturmisch
Den 18 November [Straß?]
Den 19 November Gnas
Den 20 November Feldbach nach Regensburg
Den 21 November Rasttag
Den 22 November Ilz
Den 23 November Hartberg
Den 24 November Grafendorf
Den 25 November Rasttag
Den 26 November Friedberg
Österreich
Den 27 November Aspan
Den 28 November Seebenstein
Den 29 November Rasttag
Den 30 November Wienerneustadt
Den 1 Dezember Mödling
Den 2 Dezember Wien
Den 3 Dezember Klosterneuenburg
Alda verblieben bis 26ten Dezember von dort nach Wien auf Waffenbereitschaft wo wier in die Reitter Casernen in der Leopoldstadt bequartiert wurden und dort auf bloßen Boden liegen mußten um bei der größten Kälte hinaus auf den Donau Arm um dort den Eis einen [?] zu machen damit es keinen Schaden macht. Am 1ten Jänner zurück nach Klosterneunburg alda verblieben bis 29ten August von dort nach Wien ins Tranzportshaus. Von dort am 31ten weg auf der Eisenbahn nach Linz und verblieben bis 3ten dort weg nach Salzburg am 4ten weg.

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