Das hier veröffentlichte Kriegstagebuch führte Hans Hansen als Kriegsfreiwilliger und späterer Offizier des Füsilier-Regiments „Königin“ Nr. 86. Er selbst wählte dafür die Überschrift „Kriegserlebnisse“. Die Aufzeichnungen liegen in einer abgetippten Fassung vor, die Hans Hansen vermutlich selbst angefertigt hat. Sie umspannen die gesamte Dauer des Ersten Weltkriegs – von der Mobilmachung im August 1914 bis zur Entlassung aus dem Militärdienst im März 1919 – und geben in knappen, oft stichwortartigen Einträgen ein unmittelbares Zeugnis vom Alltag eines jungen Frontsoldaten. Zum Kriegstagebuch gehört zudem ein Fotoalbum, aus dem einige Aufnahmen in diesem Blogbeitrag gezeigt werden
Der Verfasser
Hans Hansen meldete sich am 7. August 1914 freiwillig zum Kriegsdienst; zunächst wurde er abgewiesen, wenige Tage später aber bei den „86ern“ angenommen. Sein Bruder Andreas Hansen – im Tagebuch mit dem vermuteten Spitznamen „Andje“ genannt – begleitete ihn durch weite Teile des Krieges. Aus den Einträgen wird deutlich, dass Hansen aus dem nordschleswigschen Raum stammte: Der vorangestellte Geburtstagsgruß der Großeltern und Verwandten trägt den Poststempel Lügumkloster (Løgumkloster) und erreichte ihn kurz vor seinem Geburtstag am 19. Dezember 1914.
Hansens militärischer Werdegang lässt sich anhand seiner Beförderungen ablesen. Vom einfachen Füsilier stieg er über die Ränge des Gefreiten (September 1915), Unteroffiziers (April 1916) und Feldwebels (Ende 1916) bis zum Leutnant auf, zu dem er am 11. Juli 1917 ernannt wurde. Für seinen Einsatz erhielt er das Eiserne Kreuz II. Klasse (August 1916) und I. Klasse (Sommer 1918) sowie das Verwundetenabzeichen.
Kriegsverlauf und Verwundungen
Das Regiment führte Hansen zunächst nach Belgien und an die Westfront in den Raum um Coucy-le-Château, Noyon und die Aisne. Die Einträge schildern den Stellungskrieg mit seinen Wachdiensten, Schanzarbeiten und Bombardements ebenso wie kurze Momente der Verbrüderung mit gegnerischen Landwehrleuten. Im Verlauf des Krieges lag Hansen dreimal im Lazarett. Zunächst führte ihn im Juni und Juli 1915 eine Kontusion des Kopfes für rund drei Wochen aus dem Dienst; über den Jahreswechsel 1915/16 folgte ein längerer Aufenthalt wegen einer Mandelentzündung. Am schwersten wog jedoch der Granatsplitter im Oberkörper, den er sich im März 1918 zuzog und der ihn bis Ende Juli desselben Jahres außer Gefecht setzte.
Nach seiner Genesung wurde Hansen zur Fliegertruppe versetzt und legte im November 1918 die Feldpilotenprüfung ab. In den letzten Einträgen spiegeln sich die Umbrüche der Novemberrevolution: In Pritzwalk erlitt Hansen einen Revolverschuss, kam kurzzeitig in Haft und wurde schließlich am 1. März 1919 vom Bezirkskommando entlassen – „endlich wieder in Zivil“.
Zwischen den Fronteinsätzen kehrte Hansen mehrfach in die Heimat zurück. Das Tagebuch verzeichnet vier Urlaube: einen ersten im September 1915, den Weihnachtsurlaub 1916, einen weiteren Ende August bis Mitte September 1917 sowie einen letzten im August 1918. Diese Wochen fern der Front bildeten wiederkehrende Ruhepunkte in einem ansonsten von Wachdiensten, Märschen und Gefechten geprägten Alltag.
Zur Wiedergabe des Textes
Rechtschreibung, Zeichensetzung und Wortwahl folgen dem Original; sie wurden bewusst nicht an heutige Normen angepasst, um den authentischen Charakter der Aufzeichnungen zu bewahren. Eckige Klammern kennzeichnen behutsame Ergänzungen zur besseren Verständlichkeit – etwa die Auflösung von Abkürzungen wie „2.K.F.R.86“.








Geburtstagsgruß an Hans Hansen (15. Dezember 1914)
Poststempel: Lügumkloster 15./12 14 2-3N.
Lügumkloster, den 15-12-14.
Lieber Hans!
Zu deine am 19 fallende Geburtstag sendet Dich Dein Großeltern ihre herzlichsten Gratulation und Glück wünsche unsere besondern Wunsch ist die daß du Gesundt und Wohl mit Siegesfreude im Elternhaus zurükkehren möge, das ist unsere diesjährige Geburtstagswunsch an Dich. Gesundes Weihnachtsfest und frohes Wiedersehen und herzl Gruß, an Euch beide Brüder von Euren Großeltern H. Tastensen und Müller
Liebes Hansele! Zum Geburtstagstage senden Tante Liesbeth und Onkel Hans Dir die besten Glückwünsche hoffend, Dich im Jahre 1915 heil gesund und munter hier begrüßen zu können.
Die besten grüße auch an Andreas. Dein Onkel Hans.
Kriegserlebnisse von Hans Hansen
August
2. Mobilmachung.
7. Ich melde mich freiwillig. Mit Heinz bei 84 in Flensburg. Nach stundenlangem Warten abgewiesen.
12. Bei den 86ern als Freiwilliger angenommen. Fidele Ausbildungszeit auf dem M.T.V. Platz, dem Schützenhof und in Handewitt.
September
14. Schon werden wir eingekleidet in Grau.
15. Frühmorgens In die Kaserne. Patronen empfangen und mit Musik geht’s an die Bahn. Unglaubliche Begeisterung. Wir werden mit Liebesgaben überschüttet. Begeisterte Fahrt über Hamburg, Bremen, Osnabrück, Münster.
16. Wir kommen in Düsseldorf an. Abends in der Stadt in Quartier. Glänzende, begeisterte Aufnahme. Schöne Tage in der Stadt. Ausmärsche in die Umgegend über den Rhein.
23. nachts Alarm. An den Bahnhof. Endlich geht es los.
24. In Herbestal halten wir, viele Züge mit Gefangenen und auch Verwundeten kommen vorbei. Wir machen einen kleinen Marsch nach Belgien hinein. Weiter über Lüttich, Tirlemont, Löven, Brüssel
26. In Valenciennes bleibe ich beim Lebensmittelholen mit noch ein Paar Mann sitzen. Mit einem Munitionszug holen wir den Transport in Pepister wieder ein.
28. Nach endloser Fahrt, mit einigen erregenden Momenten, zum Schluss stoßen wir noch mit einem Zug zusammen, kommen wir in Coucy le Chateau an. Hier werden wir ausgeladen und marschieren in eine Schlucht bei Autreches. Dort bauen wir Zelte. Es ist lausig kalt. Tagsüber hausen wir in einer dreckigen Schlucht. Ich werde der 2. K. F. R. 86 [2. Kompanie Füsilier Regiment 86] zugeteilt. Wir bleiben noch Reserve.
Oktober
2. Wir kommen zur 2. Komp. nach vorne. In den Schützengraben. Ziemlich ruhig. Abgelöst, zurück in eine Schlucht bei Nampcell.
Schwer bepackt in einen Graben bei Moulin. Kalter Vorposten. Graben vertiefen mit kleinem Schanzzeug. Nachts kommt Essen ran. Schwere Schiffsgeschütze schiessen den 84er Graben zusammen.
Schon wieder abgelöst und belastet mit grossen Hacken und Schaufeln über Nampcel, Blerancourt, Pontoise, Noyon. Nach Chiry marschiert. Brigadeschutz. Herrliches Obst.
11. Auf Dorfwache. Abends abmarschiert nach Dreslincourt. In Kellergewölbe.
12. Durch den Wald hinauf in die Steinhöhlen zur 8. Komp. Nachts auf Horchposten.
Wir liegen an einem Waldrande, der Franzose etwa 80 m entfernt auch m Waldrande, dazwischen eine Lichtung. Wir liegen in 4 Unteroffiziersposten in Zelten, die Feldwache in einer Steinhöhle 200 m dahinter, die Komp. in einer Höhle und einem Haus 200 m hinter der Feldwache. Durch die Stellung geht eine Chaussee.
Wir liegen abwechselnd auf U. Posten und in der Höhle. Das Essenholen und Wasserholen ist ein Krampf, es dauert 4 Stunden. Der Zugführer Lübker schikaniert uns Freiwillige.
31. Hamburger Landwehr kommt als Ersatz.
November
1. Wir machen Streifen durch die ungeheure Höhle, in der sich grosse Champignonanlagen befinden.
Wir werden 400 m hinter der Linie gedrillt, zielen auf Pappscheiben!? Unterricht beim Hauptmann. Ruhe kennt man überhaupt nicht.
Wir bauen Stellung und die Höhle aus.
11. Ein blödsinniges Gewehrfeuer von den Franzosen, wir mit M.M. in unsere Feldwachstellung, in die nassen Löcher. Unser Artilleriezug, der in einer Waldecke lag, schiesst wie wild. Ob der Franzm. angreifen wollte? Wir hatten 3 Mann Verluste.
14. Es ist wieder ruhig. Hiller schleift uns weiter.
18. Bis jetzt habe ich in der Stellung 140 Stunden Wache geschoben.
23. Wir haben jetzt einen Schützengraben für unsere Vorposten ausgehoben. Auch Unterstände bauen wir. Das Wetter ist regnerisch und kalt.
29. Mit den Franz. uns gegenüber haben wir Freundschaft geschlossen, wir tauschen Zeitungen aus. Es sind Landwehrleute. Die Posten schiessen nicht mehr. Wir kommen gut miteinander aus.
Dezember
2. Die Freundschaft ist aus. 2 Elsässer von uns sind übergelaufen, worauf uns weiterer Verkehr verboten wurde.
8. Wir schiessen 2 franz. Meldehunde ab und holen sie nachts. Unsre Stellung bauen wir noch weiter aus, es ist schon die reine Festung.
14. Ein Zug der 8. verstärkt uns, wir bekommen mehr Ruhe in der Höhle.
19. Ich schiebe Posten, erst als Andje mir am Mittag gratuliert[,] merke ich, dass mein Geburtstag ist.
20. In der Höhle ist eine Weihnachtsfeier. Wir haben die Spitze einer Tanne abgesägt und in der Höhle geschmückt. Ich bin leider auf Posten. Wüste Schiesserei.
21. Wir werden abgelöst von 163. Ein doller Marsch durch den verschlammten Wald, an dem einst so schönen, jetzt gesprengten Turm in Chiry vorbei, todmüde, während des Marsches schlafe ich – Erst als wir mit „Schleswig-Holstein“ in Noyon einmarschieren[,] wird man wieder richtig wach.
22. In Noyon in Quartiere.
23. Wir sehen uns die wunderschöne Stadt an. Abmarsch über Pontoise, Blerancourt nach St. Paul.
24. Weihnachten. Wir haben den Verhältnissen entsprechend sehr nett gefeiert.
26. Wir exercieren. Nachm. marschieren wir bis dicht an die Front, da ein Angriff kommen sollte. Es kam aber nichts.
27. Am nächsten Morgen um 10 Uhr zurück.
Abends um 8 marschieren wir über Nampcel nach Moulin sous Touvent. Es klatscht Bindfäden vom Himmel.
28. Morgens um 2 kommen wir durchnass in Moulin an, wo wir in einer grossen Steinhöhle Unterkunft finden. Nun wird geratzt.
30. Wir schleppen die ganzen Häuser von Moulin in einen Verbindungsgraben, um ihn trocken zu legen. Nachts schleppen wir Material nach vorne in die Gräben, dicke Bohlen.
Kriegserlebnisse 1915
Januar
1. O diese Neujahrsnacht! Von Abends um 9 bis Morgens um 7 mit einer dicken Bohle durch die verschlammten Gräben unterwegs. Und dann am Tage wieder Steine geschleppt. Was sagt Tietz: „Rrrromi s ok nich an een Dag buut.“ Dreckig und lehmig sind wir von oben bis unten. Wir schleppen weiter. In der Höhle ist es ganz nett.
6-8 Abends zuckeln wir los im Regen in den aufgeweichten Schützengraben. Luftbude, Überschrift: „Der Durchlecken“. Es regnet weiter, bis an die Knie im Dreck. Alles ist weich und nass, nur der Humor ist trocken. Postenschieben alle 4 Stunden. Zur Erholung dann ins Brausebad. Stundenlanges Essenholen nachts durch den verschlammten Verbindungsgraben.
15. Abgelöst durch dir 9. Mit schwerem Affen über Nampcel nach Blerancourtdelle ins Quartier. Geratzt. Baden Blerancourt, Appell mit allen Sachen, Exercieren.
25. Abends marschieren wir wieder nach Moulin in den Schützengraben. Ganz ordentlicher Unterstand. Schönes Frostwetter, kein Artilleriefeuer.
Februar
1. Immer noch im Graben. Tauschnee und Regen. Es ist mords schmierig. Die ganzen Lehmwände rutschen ein. Wir haben mächtig zu schuften. Wir buddeln einen bombensichern Unterstand. Wir bekommen noch wenig Feuer. Nur beim Essenholen im Dorf gibt es Dunst durch die Schlucht.
6. Wir ziehen in unsern Bombensichern. Postenschieben – Regenschauer.
Jetzt gibt es auch Artilleriedunst.
15. Nachts abgelöst, in der Schlucht gibt es natürlich eine Abreibung, durch das immer mehr zerschossene Moulin über Nampcel nach Blerancourtdelle ins alte Quartier.
Grosse Reinemachetage des inneren und des äusseren Menschen. Exerciert wird auch heftig weiter.
20. Schon marschieren wir wieder nach vorne in die Höhle von Moulin. Sehr nette Tage. Nachts schanzen, tagsüber Klimbim in der Höhle. Harmonika und Trommelmusik, Tanz der Füsiliere.
25. Wir rücken in die Graben. Alle 2 stunden Posten stehen. Dabei dauernder Regen. Jeden Abend um 6 beehrt uns der Franzmann mit einem ausgiebigen Artilleriesegen.
März
1. Noch in derselben Stellung bei Hagel und Schnee.
9. Wir kommen 500 m weiter links in Stellung, 600 m vom Feind ab, den man wegen eines Hügels vor der Stellung garnicht sieht. Nur ein Paar Joffreschüsse.
Wir schiessen Rebhühner im Drahtverhau und braten sie uns.
15. Man impft uns im Graben gegen Cholera.
15. Ich mache Bekanntschaft mit Läusen. Aber gleich die zünftige Sorte.
17. Abgelöst. Der Marsch nach Blerancourtdelle kostete nicht wenig Schweiss.
18. Grosse Entlausung in Blerancourt. Das übliche Scheuern und Exercieren. Schöne sonnige Tage. Wir machen Scheibenschiessen und spielen Schlagball.
27. Wir marschieren nach vorne und kommen als Arbeitsreserve in Unterstände am Hange der Moulinschlucht. „Genesungsheim“ Den ganzen Tag schleppen wir Baumaterial nach vorn in die Gräben
April
1. Noch im „Genesungsheim“. Holzhacken in der Schlucht. Ein fürchterlicher Dreck. Es regnet. Die Schlucht bekommt infamen Dunst.
11. Wir sprengen vorne einen entdeckten feindlichen Unterminierstollen, worauf der Franzose durch einen zweiten einen ganzen Zug von uns in die Luft sprengt. Riesige Trichter. Wir graben nachts noch 6 lebende und 2 Tote aus von den Verschütteten, die bald 6 Stunden lebend begraben waren. Sie sind halb irrsinnig vor Freude. 9 werden noch vermisst. Im Trichter gibt es asiges Feuer.
13. Wir lösen die 4. Komp. in den Trichtern ab. Ich stehe im grossen Trichter Posten, an dessen vorderen Rande wir uns Postenlöcher buddeln. Furchtbares Minen und Artfeuer auf den Trichter. In einer Nacht 3 Tote und 5 Verwundete. Dazu Tränengas, selbst in dem Unterstand, wo wir abgelöst unterkriechen, laufen uns die Tränen dauernd über die Backen.
16. Gott sei Dank abgelöst, im Laufschritt aus der Stellung. In der Schlucht sammeln wir uns und marschieren nach Le Fresnes.
Rache für die Sprengung.
18. Mit noch 50 Mann der Komp. marschiere ich zu einem Patrouillenunternehmen in den Graben. Wir sollen untersuchen[,] ob der Franz. von seinem 1. Graben aus noch mehr Minenstollen unter unsere Stellung getrieben hat. Wir legen uns in Unterschlüpfe in der 1. Stellung. Um 5 Uhr Nachm. beginnt unsere Art. 10,5 cm, 12 cm, 15 cm und 21 cm die hintereinander liegenden 3 Stellungen des Feindes zu bepflastern. Um 7 treten wir raus zum Sturm, da empfängt uns aus dem kaum versehrten 1. feindl. Graben ein wüstes M.G. und Gewehrfeuer. Wir zurück in unsern Graben. Unsere Art. schoss noch eine Stunde, doch das Unternehmen wurde aufgegeben. Wir marschierten noch die Nacht merkwürdigerweise ohne Revanchefeuer in die Höhle der Carrierferme bei Nampcel. Von dort 19. wieder nach Le Fresnes.
Schöne Tage. Appell.
26. Abends rücken wir wieder bei Moulin in Stellung. Ruhige Ecke. Sonnenschein.
Mai
1. Brennend heisse Tage in Graben. Die Franzosen sind ruhig, abends singen sie die Marseillaise im Graben, wir blasen ihnen etwas auf der Trompete vor.
7. Abgelöst kommen wir in die Höhle eines Steinbruches 1000 m hinter der 1. Linie. Nachts heben wir vorne Reservestellungen aus. Tagsüber hausen wir bei einer Bruthitze i Steinbruch oder bauen Unterstände in Tondern-Schlucht vor dem Steinbruch. Häufiger Fliegerbesuch.
17. Wieder in dieselbe Stellung neben den 89. Franzmann baut italienische Fahnen auf seinem Graben auf, da Italien uns den Krieg erklärt hat. Wie schiessen sie mit Gewehr runter.
25. Franz. bekommt, um seine Freude über Italiens Verrat eine Abreibung unserer 21er, Ringkanonen und 2 Z[e]tner Minen. Man dankt mit Gegenleistung.
27. Wir werden abgelöst und kommen in Carriereferme bei dem wunderschönen Schloss Audignicourt. Das Quartier ist ein schauderhafter Pferdestallt, wo einem die Ratten nachts über den Kopf laufen. Als ob das den Schlaf stören könnte! Schanzen und die üblichen Appels. In der freien Zeit spiele wir Schlagball mit der M.G.K.
Juni
1. Abends nach Le Fresnes marschiert. Ganz nette Quartiere. Spielen Fussball.
3. Wir sind jede Nacht vorne und heben mit Volldampf eine Reservestellung aus. Warum wohl die Eile? Vorne auf unsern Gräben liegt dauernd schweres feindliches Art. Feuer.
5. Abends werden wir plötzlich alarmiert und marschieren bis dich vor Nampcel, wo wir in einer Waldschlucht liegen bleiben. Vorn tobt schwerer Art.Kampf. Um 12 Uhr nachts werden wir an einen Hang südlich des Steinbruches, 500 m hinter der Stellung herangezogen. Wir buddeln dort mit kleinem Schanzzeug einen kaum 1 m tiefen graden Deckungsgraben.
6. Um 6 Uhr morg. belegt die feindliche Artillerie unsere Gräben und die Schluchten am Steinbruch mit mörderlichem Vernichtungsfeuer. Wir hocken in unserm Graben Mann hinter Mann mit angezogenen Knieen. Die Beine schlafen ein, es ist kaum auszuhalten, aber raus kann man nicht. Unser Graben bekommt nur einzelne Schüsse. Das Art.Feuer dauert mit kurzen Pausen an. Um 9 flaut es mächtig ab und heftiges Gewehrfeuer setzt ein. Plötzlich kommt Befehl: Der Feind hat angegriffen, die Komp. stürmt den 1. Graben wieder. Wir pflanzen das Seitengewehr auf und vor geht’s über freies Feld. Bald zwingt uns M.G. und Art.Feuer auf dem Bauch weiter vorzukriechen. Vor uns auf einer Chaussee liegen dauernd schwere Art.Salven. Wir warten eine Salve ab und mit einem Sprung sind wir über die Chaussee , da Feuer liegt hinter uns. Wir springen in einen Verbindungsgraben und toben weiter vor. Bald sind wir in der 1. Stellung, der Feind hat sie noch nicht, nur ein unbedeutendes Sappenstück. Kaum haben wir uns auf der Rückenwehr des Grabens hingepackt, da greift der Feind zum 2. Male an. Es sind Inder, die mit ihren weissen Turbans und Hosen ein gutes Ziel bieten. Wir schiessen was aus der Knarre raus kann. Bald zwingt unser Feuer sie nieder und nur ein paar ab und zu zurückspringende weisse Gestalten bieten ein Ziel. Das nun wieder auf den 1. Graben einsetzende Art.Feuer kostet uns leider noch manchen lieben Kameraden. Jetzt macht sich der Durst bemerkbar. Unsere Tornister haben wir in der Schlucht liegen lassen. Wir hocken in den Unterschlüpfen des vollständig zerschossenen Grabens.
8. Ausser zweitweise furchtbarer Artillerieabreibungen ist nun ziemlich Ruhe.
10. Wir werden abgelöst und kommen als Reserve nach Tondern. Unsere Tornister in der Schlucht sind von hungrigen Kameraden vollständig ausgeräubert. Das halbe Regiment ist verwundet oder tot, unsere Komp. zählt kaum noch 100 Mann. Das III. Batl. ist fast ganz aufgerieben. Bis auf Art.Feuer leidliche Ruhe.
16. Schweres Feuer, teilweise aus Schiffgeschützen von hinten. Ich werde von einem Volltreffer einer schweren Granate in meinem Unterstand verschüttet. Wir ich wieder etwas zu mir komme, liege ich in einer Steinhöhle. Der Franzose hat wieder angegriffen, diesmal Weisse, 42er Krentruppen aus Belfort. Bis dicht vor den Steinbruch, wo ich liege[,] sind sie schon herangekommen, da wird der Angriff abgewiesen. Wir nehmen unsere Stellung restlos wieder und machen viele Gefangene. 5 Mann unserer Komp. nehmen 120 Franzosen im Verbindungsgraben gefangen. Von dem Lazarett im Steinbruch werde ich im Sanitätswagen nach Blerancourt und von [Ergänzung jw: dort] im Zuge nach Chauny gebracht. Contusion des Kopfes sagt der Arzt. ich habe wahnsinnige Kopfschmerzen.
18. Ich komme ins Lazarett nach Viy. Liege bald dauernd im Schlaf.
21. Mein Kopfweh nimmt ab. Sehr viel Ruhe. Gute und reichliche Kost. Schöne Tage in der Kirschenzeit.
26. Andje besucht mich.
28. Urlaub nach Chauny, wunderschöne Stadt.
Juli
1. Man will mich nach Belgien schicken, ich will zur Komp.
5. Aus dem Lazarett entlassen, über Chauny mit der Bahn nach Blerancourt zu Fuss zur Komp. nach Lombray. Reichlich Exercieren. Sonst aber sehr schöne Tage mit Butzbach zusammen. Nachts marschieren wir nach vorne zum Schanzen. Die Stellung ist noch arg zerschossen.
12. Wir rücken wieder ins Genesungsheim. Tag und Nacht schanzen wir an neuen Stellungen und Verbindungsgräben.
22. Wir lösen vorne im Graben ab. Täglich schweres Minenfeuer. Wir bauen tiefe Unterstände. In unserm Sappenkopf sind wir 4 m vom Franzmann ab, an sieht die Posten. Ein schwerer Marmeladeneimern von unsern M. Werfern zerstört seine Sappe. Jetzt liegt er bald 15 m entfernt. Die Läuseplage ist unbeschreiblich, man kann nicht schlafen vor Ungeziefer.
August
1. Abgelöst, kommen wir nach Le Mesnil in Reserve. Gründliche Entlausung. Dauerndes Arbeiten, dazu jede zweite Nacht nach vorne tippeln zum Schanzen. Der dauernde Hin- und Rückmarsch strengt mords an. Tagsüber Exercieren oder Bäumefällen.
10. Abends wieder in den Graben gerückt. ich mache mit Bönning verschiedene interessante Patrouillen in der Verlängerung unserer Sappe.
14. Franzmann sprengt unsern Sappenkopf und will den Trichterrand besetzen. Wir halten den Trichter. Dauerndes Handgranatengebolze. Wir werfen den Trichter voll Drahtigel. Der Franzose richtet den gegenüber liegenden Rand ein. Blödsinnige Gewehrknallerei.
15. Es ist wieder ruhig, wir bauen den Sappenkopf aus und fangen gleich an die französische Sappe zu unterminieren.
20. Abgelöst und in Arbeitsreserve in den Steinbruch. Materialschleppen, nachts Schanzen. Bruthitze.
29. Wieder in den Graben. Tiefe unterirdische Abreiten. Minenfeuer.
September
1. Wieder Patrouillengänge.
2. Der höchste Grad der Gemeinheit ist erreicht, ich werde Gefreiter.
8. In Reserve nach Le Mesnil marschiert.
9. Grosse Regimentsparade, die Kaiserin ist 25 Jahre Chef des regts.
10. Wir marschieren nach Camelin in Ruhe. Ich liege platt im heftigen Muskelrheumatismus.
16. Ich besucht Andje in St. Paul.
17. Der lang erwartete Urlaub ist endlich raus. Über Blérancourt, Chauny gehts durch Belgien nach Haus. 14 schöne Urlaubstage, ich mache mein Abitur mit mehreren Kameraden. Klappt blendend.
30. Der Urlaub ist zu Ende, ich fahre wieder los.
Oktober
2. In Chauny angelangt. nachm. nach Blerancourt, in den Steinbruch und in den Schützengraben. Ziemlich ruhig. Franzmann stellt dicke Schilder auf von seinen Siegen in der Champagne und bei Arras.
6. Ich bekomme die Nachricht von Vaters plötzlichem Tod. Wir bekommen keinen Urlaub, da das Korps abgelöst wird.
10. Die 84er lösen uns aus der Stellung ab. Wir marschieren über Chauny nach Tergnier, wo wir 2 Tage in Quartier liegen.
13. Wir werden auf die Bahn verladen. Man redet, wir kämen nach Serbien, aber in die Lausechampagne gehts.
15. Bei Challerange werden wir ausgeladen. Vorne tobt heftiges Art.Feuer. Nachtmarsch über Vouziers bis nach Pauvres. Ein kollosaler Marsch, man baut bald ab. In Pauvres ist alles übervoll, sodass wir uns Stroh heranschleppen müssen und unter freiem Himmel auf dem Felde schlafen müssen. Das Dorf ist wie der Name sagt „pauvre!.
16. Wir marschieren über Machault und Etienne in einen Kiefernwald, wo wir Zelte bauen. Eine furchtbar öde Gegend, das Wasser müssen wir kilometerweit herholen. Wir fangen gleich an Unterstände zu bauen und Bäume zu fällen. Es ist mächtig kalt nachts in den Zelten.
22. Wir marschieren nachts nach vorne, wo wir im Totenwäldchen in Luftbuden untergebracht werden. Tagsüber dürfen wir uns nicht sehen lassen, da der Franzmann das Wäldchen einsieht. Wir fangen nachts an Gräben zu bauen, da garkeine vorhanden sind. Wir schleifen die Toten, Zuaven, die von der Offensive massig auf dem Felde liegen in Granatlöcher zum Beerdigen. Der Feind ist nach seiner misslungenen Offensive recht still geworden.
26. Wir kommen in die Sackstellung. Den Feind kann man überhaupt nicht sehen. Wir graben die vielen Toten vor unserer Stellung ein. Unterstände werden angefangen, die Stellung wird ausgebaut.
November
1. In der Nacht auf den 1. abgelöst. Wir hausen wieder in Zelten im Walde auf der Blamonthöhe. Schaurige Regentage, die Zelte halten kaum mehr dicht. Wir bauen wieder an den Unterständen und heben eine 3. Verteidigungszone aus. Bei dem harten Kreideboden eine mühsame Arbeit.
6. Schon kommen wir wieder nach vorne zur Arbeit ins Hanseatenlager. Dauernde Schanzarbeiten und Drahtziehen vor der 2. Stellung, wobei die franz. Art. uns oft vertreibt. Wieder übles Regenwetter, sogar Schnee.
16. Wir kommen in den Graben. Recht übel. Wir schlafen auf den Unterstandstreppen. Tags wird der ganze Kram rausgepackt und der Unterstand weitergebaut. Wir stehen in der Sappe auf Posten. Beim Ausbauen graben wir dauernd Tote von den Herbstkämpfen aus, die eine üble Pestluft verbreiten.
26. Abgelöst ins „Königin Dorf“ in die endlich fertig gewordenen Unterstände und Baracken.
28. Besuche Andje im Lazarett in Machault. Das Lager ist nun ausgebaut, ganz nette Baracken, Wasserleitung ist auch da, ebenfalls Kantinenbuden.
Dezember
6. Wir rücken in 2. Linie. Arbeitsdienst. Liegen in Unterständen hinter dem Bremerlager. Schanzen schwer an Verbindungsgräben, immer durchnass nach dem Lager zurück. Gott sei Dank haben wir einen Ofen.
16. In Stellung gegangen. Ich liege mit Franz Morche als Arbeitsgruppe im Windloch. Tags bauen wir Spanische Reiter und Igel, nachts schleppen wir Bauholz aus dem Bremerlager in den Graben. Da wir das Holz meistens bei den Nachbarkompanien klemmen, nicht zum Depot gehen, haben wir ganz gute Tage.
24. Weihnachten. Franz und ich feiern bei einem kleinen Tannenbaum in unserm Unterstand. Es regnet dauernd.
26. Wir werden abgelöst und marschieren ins Königin Dorf. Appells mit allen Sachen.
28. In unserer Baracke haben wir wunderschön Weihnachten gefeiert. Das Rote Kreuz in Flensburg hatte uns sehr reichlich bedacht. Unsere alte Stellung vorne bekommt fürchterliches Art.Feuer von 21 cm Kaliber und wird ganz eingedeckt.
29. Wir marschieren 2mal am Tage den langen Marsch nach vorne und schanzen auch die Nacht dort. Es ist sehr kalt. Ich hole mir eine Mandelentzündung.
30. Auf kaltem offenen Wagen fahre ich nach St. Etienne, wodurch sich mein Fieber nicht verringert. Im Auto nach Attigny, wo ich mit 41 Grad ins Lazarett komme.
Kriegserlebnisse 1916
Januar
Aus dem Lazarett Attigny kam ich in das Genesungsheim Launois. Sehr nette Tage, gut erholt.
Februar
9. Aus Launois entlassen. Über Machault St. Etienne nach „Königindorf“. Mit der Feldküche zur Komp. In das Bremer Lager. Schwer geschanzt. Als Lorenbremser Minen nach vorne gefahren.
20. Es heisst, wir sollen stürmen. Zurück ins Königin Lager, wo wir eine Übungsstellung ausheben und den Sturm üben.
26. zum 27. Mit um das Kochgeschirr gerolltem Sturmgepäck, langem Spaten und 2 Gurten Patronen rückten wir nach vorne. Im Regts.Depot im Bremer Lager erhielten wir noch jeder 4 Handgranaten, die den genügend grossen Ballast noch erhöhten. Nun quälten wir uns durch den engen Verbindungsgraben nach vorne. Jeden Augenblick hing einem ein Draht im Wege. Meine Stimmung erhöhte sich noch dadurch, dass mein Kommissbrot in den Kreidekleister fiel und demgemäss verdreckte. In K. 1 packte man uns derart dicht in die Unterstände, dass niemand sich rühren konnte. Selbst die Treppe sass bis oben hin voll. Morgens um 10 ging das Vernichtungsfeuer los. Franzmann erwiderte erst wenig, bald aber legte auch er los. Wir unten pennten, rauchten und futterten. Die Luft war derartig dick, dass die Zigarette kaum mehr glühen wollte. Unsere Artillerie trommelte immer heftiger. Um 5 Uhr 15 gingen wir, froh, aus der Stickluft herauszukommen, in den Vorpostengraben, wo die Sturmleitern standen. Franzmann schoss gemeine Schrapnells; über uns ein feindlicher Flieger. Nun legte unsere Artillerie ihr Feuer auf die hinteren Gräben. Um 5 Uhr 35 traten bei den 89ern die Flammenwerfer in Tätigkeit. Das war das Sturmantrittzeichen. „Raus“ schrie alles und schon kraxelten wir die Sturmleitern hoch. Im Nu hatten wir den 1. französischen Graben erreicht, Drahtverhau usw. kaum zuerkennen. Der Boden war fürchterlich aufgewühlt, ein Granatloch neben dem andern. „Einbuddeln“ ruft Carsten Petersen. Ich zieh den Spaten aus dem Sturmgepäck und buddel los. Schon heisst es auch: „Weiter“. Gepäck umgehängt, schon rutscht das Kochgeschirr runter. Kochgeschirr auf das Seitengewehr gehängt, Gewehr um den Hals, Spaten in der linken, Handgranaten in der rechten krabbel ich mich durch den Drahtverhau. Links die Me[c]klenburger zu 6 hintereinander. Franzmann schiesst aus Souain mit M.G. ohne Erfolg. Ich hoppe in den 3. Graben, treffe Vzfw. Skov von der 4. Wir rennen nach rechts und kommen an einen Unterstand. Skov mit Revolver runter, holt 23 Mann raus. Teils sehr ängstlich, teils mit der Zigarette noch im Munde. Ich jage sie über Bank nach hinten. jetzt gibts Dunst , ein 21 cm Geschütz von uns schiesst dau[ernd] zu kurz. Ein Volltreffer davon schleudert Lt. Hambrock zerstückelt in die Luft. Jetzt ist der Komp. ihr Abschnitt zugeteilt und alles buddelt. In unserm Abschnitt ist ein grosser franz. Tunnelunterstand, der uns Verluste erspart. Die gemeine Blitzbatterie schiesst sich auf unsern graben ein.
28. Morgens fangen wir noch einige Franzosen, die sich in einem halbverschütteten Unterstand im Laufgraben verkrümelt hatten. Tags über leidlich ruhig.
29. Morgens kommen wir nach hinten in die Scheinstellung. Abends wieder mit Drahtwalzen nach vorne zum Schanzen.
30. Tagsüber Posten gestanden und im Tunnel gehaust, wo wir Weissbrot und eiserne Portionen futtern und die Briefe und Karten der Gefangenen studierten. Nachts durch Sachsen abgelöst.
März
3. Über St. Etienne, Machault nach Dricourt in Ruhe. Ausbildungszeit. Ende März nach Etienne. von dort nach vorne zum Schanzen, jede Nacht.
29. In Stellung.
April
3. Von Patrouille zurückgekehrt, finde ich mit Hugo Unruh den französischen Fourierunterstand vor der Navarin Ferme. Beute: 450 Fleischdosen, 80 Tafeln Schokolade, Keks, Zucker, Marmelade, Kaffee, Tee, Schnaps, Säcke Patronen, Raketen usw.
5. Zurück ins Bremer Lager.
7. Zum Unteroffizier befördert. Stellung und Ruhewechsel in regelmässiger Folge.
Mai
19. Unser langvorbereiterer Gasangriff steigt endlich bei leidlich günstigem Wind. Mässiger Erfolg.
27. Patrouillenunternehmen bei der Navarin Ferme unsrerseits. Wir machen 70 Gefangene.
30. Ich werde durch regts. Befehl zur 9. Kompanie versetzt.
Juni
1.-12. Schöne Tage im „Königin“ Lager.
13. Abgelöst aus der Champagne vom Res. Regt. 6.
Wir marschieren im Regen über Vaux-Champagne, wo wir von 12-6 Nachts ruhen nach 14. [Juni] Neuvizy. 3 Tage lagen wir dort. 1 Badetag in Launois.
17. Marsch über Wassigny nach Dreize. Zum ersten Mal seit Januar ein richtiggehendes Bett.
Täglich Exercieren.
Juli
2. Besuche ich per Rad Franz Morche in Wagnong.
3. Vom Abend des 2. transportbereit. Morgens um 8 Uhr Abmarsch zum Bahnhof Montmeillant-St. Jean. Bahnfahrt über Laon, La Fere, Tergnier bis nach Ham. Ausgeladen und Fussmarsch über Hombleux nach Rouy le petit. Dort sammelt sich das ganze Regt. und liegt alarmbereit.
9. Vorgezogen nach Pertain.
10. Nachts in Stellung, von Misery an im Gänsemarsch durch die Schlucht von Berny. eben hinter der 1. Stellung bemerkt uns der Franzose und macht einen mords Feuerüberfall. Der Graben ist knietief.
11. Ich hocke in meinem Loch. Mittags und Nachmittags heftige Schiesserei. Unsere Artillerie hilft unsern Graben ebnen. Kräftig gebuddelt.
12. und 13. Einigermassen Ruhe.
14. Minenfeuer.
15. Sehr klares Wetter. Franzmann schiesst mit schwerer. Wahnsinniges Minenfeuer aus Belloy, immer 10 gleichzeitig, noch zu weit. Ich zähle die Stunden. Die erwartete Ablösung kommt nicht.
16. Ziemlich ruhig Vormittags. Von 3-5 Uhr heftiges Minen. und Artfeuer immer näher. Abends löst die 12. ab. Im Marsch Marsch nach Berny. Verlaufen. Wir finden Unterstände in der Schlucht.
17. Tagsüber schweres Artilleriefeuer. Abends in die befohlenen Unterstände auf freiem Felde. Kaffee und Wasser holen. Ohne Essen.
18. In dem Unterstand gepennt. Gasschüsse in die Nähe. Abends zum schanzen nach vorne. Unter M.G. Feuer eingegraben. Bis 1 Uhr dicke Luft.
19. Tagsüber in den Unterständen dau[ernd] die Gasmaske auf. Die ganze Schlucht von Berny voll Gas. Essenholder mit Gasmaske Essen geholt. Abends sollen wir wieder am Verbindungsgraben schanzen, dickes Minenfeuer liegt draussen auf dem Graben. Zurück, alarmbereit.
20. Vorne Trommelfeuer hauptsächlich Minen. um 9.30 höchste Alarmbereitschaft. Um 10 raus zum Gegenstoss. An der Römerstrasse schon treffen wir auf die Franzosen. Gefangene gemacht, hinter der Chaussee Seitengewehr aufgepflanzt und im Marsch Marsch weiter. Alles heil durch das Sperrfeuer. In den 1. Graben, Franz. büxt aus. Nach Belloy reingeknallt, Gefangene über Deckung gejagt. Viele verwundete Gefangene in unserm Graben. Es wird Nacht, wir warten auf Ablösung. Es wird schon hell und grad fordert der Franzmann Sperrfeuer an. Da löst 12. 31 ab. Wir im Galopp nach hinten.
21. Nach Schloss Misery in die Quast Stellung. Bis Abends geschlafen.
22. Um 12.30 bis nach Croix getippelt. Ansprache des Grafen Kielmannsegg. Mit dem Ersatz kommt Andje. Ruhe bis zum 26.
26. Kilometermarsch über St. Quentin, Guise nach Villers les Guise.
27. Weiter nach La Neuville les Doreng. Nettes Quartier, reichlich Butter, Käse und Milch. Ruhe und Ausbildung.
August
3. Bekomme ich das E.K. II. Bis zum 15. Ruhe und Erholungszeit.
15. Wir wollen wieder an die Somme. Abmarsch über Guise, Orignon nach Neuvillette. Dort Nachtquartier.
16. Weitermarsch über St. Quentin nach Quivieres. Nächste Nacht sollen wir in Stellung, da bekomme ich den Bescheid: Zum Offz. Asp. Kurus nach Deutschland kommandiert.
17. Mit Bubi Weiss, Franz Morche und Eugen Commichau hauen wir freudestrahlend nach St. Quentin ab.
Bahnfahrt bis Flensburg zum E. 86. Urlaubstage.
Vom 1. September bis Dezember 1916 war ich beim Offz. Asp. Kurus im Sennelager. 11. Komp. Sonntagsausflüge nach Cassel, Teutoburger Wald, Lippe Detmold, Bielefeld, Porta Westphalica, Paderborn und Lippspringe. Weihnachtsurlaub nach Haus. Zum Vizefeldwebel befördert.
September, Oktober, November, Dezember Kursuszeit im Sennelager.
Kriegserlebnisse 1917
Januar
24. Nach beendetem Kurus Abfahrt an die Front. Langweilige, kalte Bahnfahrt über Hamburg, Münster, Opladen bis 27. Cambrai. Kürassierkaserne.
28. nach Escaudoevres zum Rekr. Depot.
29 über St. Leger nach Sapignie. Tadellose Aufnahme, bei den Feldwebeln gefeiert.
30. zur 9. Komp. nach Achiet le petit in die R. 1 Stellung.
Februar
2. Nachts in den Grandcourt Riegel, böse Ecke, im Granatloch mit 13 Mann.
4. Nachts bei feindlichem Gasdunst den Unterstand angezündet, im Laufschritt durch Grandcourt nach Bihucourt. Kalter vollgequalmter Stall.
5. Nachts nach Miraumont in Bereitschaftstellung. Kaum im Unterstand, los zum Drahtschleppen durch die Granatschlucht nach vorne. Kaum zurück, rote Leuchtkugel, alarmiert und den Miraumontriegel besetzt. Kaum eingerichtet werden wir nach vorn in die 1. Stellung gezogen.
6. Warmer Unterstand aber eng voll und Luftbude.
11. Schwere Artillerie mit Verz. 4. Zug verschüttet ohne Verluste.
11. bis 16. Tage Ruhe und jeden Abend Alarm.
16. Abds. Überläufer bei den I.P.R. erzählte Tommy will morgens angreifen.
Morgens 3 Uhr Ablösung 9.365. Ich als Nachtrupp dageblieben.
Von 6 Uhr Artillerievorbereitung.
Um 7 kommt Tommy massig an[,] nimmt die Moulin Ruine und 11.395 gefangen. 70 m vor uns buddelt er sich ein. Mein Unterstand eingeschossen. Um 12 Uhr abgelöst[,] durch wahnsinniges Sperrfeuer gerannt[.] Kollosales Schwein 4 Mann verwundet.
17. Von Achiet mit Auto nach Sapignie – Gefechtsbericht bei Hauptm. v. Knobelsdorf. Um 5 Uhr kommt Befehl III. 86 stürmt die Mühle wieder.
Todmüde bis Achiet geschleppt, wo Befehl „Gruppe wünscht keine Gegenunternehmung“. 2 Stunden in Achiet gepennt, dann nach Sapignie zurück. Dort Ruhe bis 1 Uhr 30. Dann nach St. Leger marschiert, wo um 6 Uhr verladen nach Cambrai. Sofort entlaust und gebadet.
18. Morgens nach Escaudoevres. Gutes Quartier. Ausbildungszeit.
22. Morgens aus dem Bett geholt, um als Quartiermacher nach Ecoust St. Mein. Überfülltes Dorf. Ganz nette Schanztage an der Siegfriedstellung bei Bullecourt. Hugo Unruhs Grab in Cagnicourt ausgesucht.
März
2. als Quartiermacher nach Epinoy. Mit Spirka nach Cambrai.
7. Im offenen Kohlenwagen bei Hundekälte nach vorn. Nach Gomiecourt durch tiefen Schlick. Sofort in die R2 Stellung zum Quartier machen.
8. In die R2 Stellung am Logeastwalde gerückt. Gute Unterstände.
12. Nachts vorne die . Komp. abgelöst. ich mit Komp. Führer Jensen als M.G. Zugführer in 2. Linie.
Bis 18. alles vorbereitet zum Rückzug.
19. Rückzug durch den Morast des Waldes über das brennende Gomiecourt. Links und rechts die brennenden Dörfer als Rückzugsfackeln. Marsch bis Lagniercourt.
20. nach Fressies, Mairie.
22. nach Lourches, tadelloses Quartier.
27 nach Bryai bei Valenciennes, wo ich M.G. Trupps ausbilde.
April
8. als Quartiermacher nach Marchiennes-Villes.
9. 2. Ostertag, Kirche. Ich per Rad nach Laläng. Bei Gegenwind übe Fahrt. Eben dort Quartier gemacht, kommt Befehl §Regt. schon im Marsch, bezieht Alarmquartier in Douai“. Wir nach Douai geradelt, dort Quartier gemacht. Regt. bleibt jedoch auf der Strasse in Douai liegen. Während der Naht Lebensmittel empfangen, Regen.
10. Morgens zum Bahnhof. Ich als Quartiermacher mit 1. Transport. Dolle Fahrt, oft gehalten. Flieger beschiesst den Zug mit M.G., zerstört die Gleise durch Bomben. Um 3 Uhr kommen wir in Vitry en Artois an. Auf einem Boden Quartier gemacht. Da Bahn zerstört kommt Komp. erst später an. Bis 1 Uhr Ruhe. Nach Patronen und Handgranatenempfang Abmarsch nach Fesnes. Vor dem Dorf einen Graben ausgehoben. heftiges Schneegestöber. 6 volle Stunden, dann in das Dorf. Kartoffeln besorgt, dann bis 4 Uhr gepennt. Plötzlich raus und einen Bahndamm am Dorf besetzt. Dort bis 5 gelegen, dann weiter nach Biaches. Dort im zerschossenen Kaff bis 8 Uhr nach einem heilen Haus gesucht. Gepennt. Nachmittags Alarm. Das Batl. entfaltet sich links des Bahndammes nach Arras. Im Scarpegrund in Komp. Kolonne gelegen. Vorn grosser Tumult, aus Plouvain kommen unter dem Hagel der englischen Schrapnells die französischen Dorfbewohner, ihre Habe auf Karren oder in der Hand angerannt. Gegen 4 ziehen wir uns an den Bahnkörper ran. Vor uns fährt eine Batterie 15 cm Haubitzen auf und fängt sofort an zu feuern. Wieder heftiges Schneegestöber. Wir ziehen in Maschinenhäuser. 31 hat vorne gestürmt, wir lösen ab. Ich nach vorne Stellung übernehmen bei Reux [Rœux]. Längs dem Bahndamm nach Reux [Rœux]. Über Deckung nach vorn. Tommy schiesst mit Gewehr, Untffz. Päsler tot. Mit dem Rest durchnass zurück. Am Lagerfeuer getrocknet und die Stiefel verbrannt. Im Eisenbahnwagen gepennt.
12. nachts mit Komp. in Stellung. Mein Zug rechts Strasse Reux [Rœux]-Fampoux. Knietiefer Graben, ich in einem Loch mit Jensen. Graben vertieft. Schwerste Artillerievorbereitung. Mein Abschnitt ist ohne Feuer. Beim Tommy den ganzen Tag grosse Ansammlungen. Um 4 Uhr gehen von hinterer Höhe dichte Schützenlinien vor. Unsere Artillerie schiesst tadelloses Sperrfeuer, wir mit Gewehr und M.G. Visier 1400 dazwischengehalten. 4 Uhr 30 bekommt mein Abschnitt rasendes Schrappnellfeuer aus Grabengeschützen. Mein Putzer neben mir tot. Jetzt tritt der Tommy aus dem vordersten Graben an. Wir schiessen wir wild. Die Linie wird zusehends dünner. Auf 50 m baut Tommy ab. Seine Verluste sind unglaublich. Wir etwas ein Drittel der Komp. Gegen Abend flaut das Artilleriefeuer ab. Tommy trägt Verwundete[,] die auf dem Vorfeld jammern. Nachts einigermassen ruhig. Wir buddeln uns tiefer.
13. Tagsüber nur schweres Feuer aus Reux [Rœux]. Fliegertätigkeit. 2 Engländer abgeschossen. Unsere Artillerieverstärkung schiesst sich ein. Abends ruhig, links Tumult.
14. Vormittags viele englische Flieger. Unsere Artillerie schiesst lebhaft, Tommy ist anständig. Nachmittags sehr schwere Brummer auf den 2. Zug, ohne Verluste. Abends von derselben Sorte noch einige Beunruhigungsschüsse. Um 12 löst uns die 5. Komp. ab. Gelände gewonnen bis Plouvain. Gepennt in ganz netter Bude.
16. 17. 18. Im Dorf gelegen. Kartoffeln gefuttert. Tommy schiesst in unsern Garten. Tagsüber herrliche Luftkämpfe der Staffel Richthofen als 100 m Höhe über unserm Dorf.
18. Abends beziehe ich mit meinem Zug Ortsverteidigung. Gasgranaten.
19. Nachts über den Bahndamm nach R1 gerückt hinter Reulx [Rœux] Regt. „Olga“ abgelöst.
21. Abends nach vorne an die Scarpe um vom 1. Graben einen Verbindungsgraben zu buddeln. Unsere M.G. Patrouille schiesst vom linken Ufer der Scarpe Tommy in den Rücken. Gegen Morgen lassen wir eine Gruppe im Graben, wir mit dem Rest in die Schlossgartenunterstände.
22. Trommelfeuer. Nachmittags kommt die Gruppe plötzlich zurück, Tommy hinterher. Ich unter grossem Krampf bis zu 1. Kapelle an der Scarpe wiedergestürmt, 2 M.G. wiedererobert. Am Waldrand eingebuddelt, die Leute sind kaum zu halten. Links die Scarpe, rechts keinen Anschluss. Wie soll das werden.
23. Um 5 Uhr lösen uns 161er ab. Gott sei Dank. Durch Gasgranaten über Reulx [Rœux] nach Plouvain über Biaches, Vitry nach Brebières. Kaum gewaschen, muss ich zum Quartiermachen nach Douai. Quartier gemacht und eben zur Ruhe gelegt, kommt Radfahrer von der Komp., ich soll sofort zurückradeln, die Komp. wird wieder eingesetzt und kein Zugführer da.
24. Ich losgeeist, an der Scarpe verfahren, endlich zur Schreibstube. Von dort zu Fuss nachvorne, Komp. liegt bei Biaches. Als ich ankomme, ist die Komp. schon weg, zurück nach Brebieres.
25. Komp. kommt raus nach Corbehem.
26. Nach Matignie marschiert, von dort per Bahn nach Caudry. In Fabrik untergebracht. Nachmittags mache ich Quartiere, herrliches Bett.
27.-1. Mai Schöne Frühlingstage im Dorf.
Mai
1. Zum M.W. Kurus nach Asch, Belgien kdt. Fahrt über Brüssel, Hasselt nach Asch. 4 Wochen M.W. Ausbildung in der herr[lichen] Gegend am Limburger Zipfel.
Juni
Regt. ist inzwischen eingesetzt bei Cambrai. Havrincourt.
Am Pfingstsonntag Abfahrt nach Cambrai. Mit den Minenwerfern nach Noyelles. Schönes Quartier, gute Ruhetage.
3. Nach Havrincourt in Stellung. Abschnitt Nord. Schmidt und ich im Dorf im Heldenkeller. Schöner Garten, wenig Dunst. Stellung ganz gut. Noch wenig Feuer. 20 Tage in Stellung 10 Tage in Noyelles Ruhe.
Juli
Abwechselnd in Nord und Süd in Stellung. Immer noch leidlich ruhig.
21. Minenwerfer in Trichter Wally and am Parkteich eingeschossen für Patrouillenunternehmen. Abends aus jedem Werfer 100 Schuss Feuervorbereitung, ein doller Lärm. Unternehmen leider wenig geglückt.
Zum Offizier befördert. A.K.O. v. 11.7.
26. Zum Einkleiden von Cambrai nach Lüttich.
27. Tongres, Brüssel.
28. Brüssel, Valenciennes.
29. Zurück nach Cambrai.
30. Als M.W. Offizier im Abschnitt Nord.
August
3. Nach Noyelles. Als Adjt. und Grabenoffizier bei Graf Blücher. Wir sollen in die Flandernschlacht. Wieder in Stellung. Regentage.
16. Abgelöst nach Noyelles in Ruhe. Nette Tage beim Grafen. Übung im Bourlon Wald. Ritt nach Cambrai.
24. Die 84er lösen unser Regt. ab. Das III: Batl. marschiert über Cambrai nach Rieux in Quartier.
25. Das Regt. wird nach Flandern verladen. Ich fahre auf 14tägigen Urlaub. Schöne Urlaubstage bis zum 13. 9:
September
14. Verlebe einen netten Tag bei Frl. Seute in Elberfeld.
15. Über Aachen im übervollen Zug weiter nach Brügge. Nachm. zum Regt. in Oostkamp. Wunderschöner Ort. Das Regiment ist noch nicht eingesetzt.
16. Morgens um 6 schon verladen, mit der Bahn nach vorne. Bin grade zur rechten Zeit gekommen, wir werden eingesetzt. Ausgeladen in Geit St. Joseph. Wir marschieren nach Hooge-Schuer, wo ein Teil Zelte baut, ein Teil in Scheune unterkommt.
17. Vormittags gehe ich durch den Houthulster Wald nach vorne in die Stellung, um mich zu orientieren. Er ist noch garnicht mal so schlimm, wie ich dachte. Abends mit den Werfern in Stellung gerückt beim K.I.K. Ein riesiger Betonmunterstand.
18. Ich baue meine Werfer in eine alte Artilleriebetonstellung weiter vorne bei Draaibank ein und ziehe dort in einen kleinen Betonunterst. Schiesse die Werfer auf Sperrfeuer ein.
Links von uns ist dauernd heftige Schiesserei, bunte Leuchtkugeln. Wir bekommen nur einige schwere mit Verz.[,] dass der M.e.b.u. schaukelt.
24. Abgelöst, feldmarschmässig nach hinten geritten. In Quartiere in Hooge Schuer.
Dauernde Alarmbereitschaft, wir werden jeden Morgen in den Nebelstunden als Eingreifreserve an den Houthulster Wald herangezogen.
27. Den ganzen Tag im H.H. Wald, da vorne Angriff. Schiessen einen Amerikaner Flieger mit M.G. ab.
29. Schmidt geht mit den Werfern in Stellung, ich bleibe bei den Reservebedienungen in Stadenreke. Jeden Abend mit Munition und Essen nach vorne. Das Feuer unterwegs wird immer übler.
Oktober
4. Übles Regenwetter setzt ein. Es wird entsetzlich dreckig.
8. Wütendes Art.Feuer auf unsern Stellungen, die Essenträger können kaum mehr nach vorne kommen. Wir sollen am 9. abgelöst werden, um bei Poelkapelle eingesetzt zu werden. Ich warte auf den abgelösten Trupp. Der Feind, diesmal auch die Franzosen[,] haben grade während der Ablösung angegriffen, nur ein Teil unserer abgelösten Leute ist nach hinten gekommen. Schmidt ist verwundet, unsre Minenwerfer gesprengt in Feindeshand gefallen. Ich marschiere mit dem Rest nach Vuilpan. Kaum dort angekommen, bringt ein Meldereiter mir den Befehl: Lage vorne unklar, sofort neue Linie vor dem Corverbach am H.H.Wald bilden. Ich marschiere also mit meinen todmüden Leuten wieder los, in Stampcot empfangen wir Handgranaten und nun schleichen wir uns ganz von Norden um den H.H.Wald und kommen daher auch gar ohne blutige Verluste bis ans Melaene Wirtshaus und von dort an den Corverbach. Hier bilde ich eine Linie, wir verteilen uns auf die Granatlöcher am Bach entlang. Es gibt schweren Dunst und die Löcher sind voll Wasser. Das I. Batl. macht einen gelungenen Gegenstoss. Der K.T.K. ist noch in unsrer Hand, aber 1. Linie.
11. ich mache eine Patrouille in das Papegut. Eine furchtbare regnerische Nacht, gemeine Art.Überfälle unterwegs. Bis an den Bauch in den von Granaten noch vertieften Corverbach. Papegut ist vom Feinde frei. Vollkommen eingeschossen. Voll von unsern Verwundeten, 3mal soll der Franzm. dagewesen sein, hat ihnen die Uhren p.p. abgenommen. Ich lasse die Schwertverwundeten mitnehmen. Eine furchtbar qualvolle T[o]ur.
12. Es wird schon hell, als wir am Melaenewirtshaus ankommen, wo wir gleich wieder in einen Artillerieschauer geraten. Ins Försterhaus mit den Verwundeten. Das III. Batl. ist schon wieder vorgezogen und liegt im Walde, ich schlage mich zu ihm. Wir bleiben als Bereitschaft beim B.T.K. liegen.
13. Abgelöst durch Württemberger. Unsre Art. gibt dem Tommy grade ein Gelb und Grünkreuzfest, als ich mit Ernst aus dem H.H.Wald tose. Mit einigen Schrecksalven nach hinten. Wir sammeln in Vuilpan. Ich fahre als Quartiermacher von Lichtervelde nach Gent.
14. Ohne Karte in der Dunkelheit nach Kerkbrügge. Beim Gemeindevertreter netter Quartier.
15. Endlich kommt das Batl. an. Ernst und ich nach Gent, ein herrlicher Tag.
17. Auf die Bahn verladen. Es geht nach Russland! Durch Belgien.
18. durch Aachen,
19. durch Hamburg, Lübeck, Me[c]klenburg, Pommern
20. West- und Ostpreussen.
21. Bei Wirrballen [Wirballen; Virbalis] über die Grenze.
22. In Wilna in Quartier. Wilkomirstr. 3. Herrliche Tage in der Stadt. Ausbildungszeit.
November
1. Grosse Batls.Übung in den Bergen. Herrliche Casinotage „Berta“! und „Katharineum“.
20. Grosse Parade vor Eichhorn.
21. Fliegeruntersuchung. Plötzlich Befehl: Fertigmachen zum Transport. Wir werden wieder auf die Bahn verladen. Richtung Cambrai, wo die Tankoffensive entbrannt ist. 5 tägige Reise über Warschau, durch Schlesien, Sachsen, nach Frankfurt a.M. Dort werden wir abgelenkt nach Süden, bei Mülheim gehts über den Rhein nach Mühlhausen. Dort 25. in Riedisheim in Quartier. Hier bleiben wir als Eingreifdivision liegen. Abends gleich in die Stadt.
Dezember
4. Als Nachkommando in Zillesheim.
Arbeits und Exerciertag in Zill. Ich wohne in einem Predigerseminar am Rhein-Rhone Kanal. Ab und zu machen wir einen schönen Ritt oder Wagenfahrt nach Mühlhausen. Sonst grosse Übungen in der schöne Umgegend. Arbeite vorne bei Gaslingen an Betonunterständen der Wotan St. Orientierung der Anmarschwege nach Bernweiler.
8. Vorne in Ammerzweiler die 1. Stellg. angesehen. Es fällt kein Schuss. Es wird Winter.
19. Wieder zurück in Quartier Riedish. Geburtstag gefeiert. Winterfreuden, Schlittenfahrten im Mühlhauser Zoo.
24. Wunderschönes Weihnachtsfest mit der Kompanie und dann im Casino gefeiert. Weitere schöne Ruhetage.
Kriegserlebnisse 1918
Januar
1. Wir liegen noch in Mühlhausen. Neujahrsnacht im Zoo durchgetanzt bis Morgens um 8 Uhr.
2.-10- werde ich zum M.W. Kurus nach Kandern kommandiert. Herrliche Tage im Schwarzwald. Abstecher nach Freiburg.
12. Zurück zum Batl., das in Zillesheim als Nahtkommando liegt. Quartier im Predigerseminar.
Nette Tage. Schanzen und Übungen der Durchbruchschlacht. Stellung besucht bei Ammerzweiler. Hochstadt. Ruhetage in Riedisheim bei Mühlhausen.
Februar
10. Mit Petersen auf Urlaub über Freiburg, Frankfurt a.M., Hamburg nach Flensburg.
26. Wieder an die Front. In Cöln ein fürchterliches Gedränge auf dem Bahnhof, da alles bis 28. Februar wieder bei der Truppe sein soll.
27. Über Brüssel nach Cambrai.
28. Mit der Bahn nach Caudry. von dort nach Walincourt, da das Batl. aus der Stellung bei Villers Guislain rauskommt, fahre ich gleich wieder nach Caudry und gehe nach Inchy-Beaumont. Leidliches Quartier. Besuche Detemeier.
März
1. Mein M.W. Trupp kommt aus Stellung.
2. Kaltes Schneewetter.
3. Besprechung beim M.W.O. Neuregelung der M.W. Wir werden wahrscheinlich Stossdivision.
4. Vormittags den ersten Dienst. Sauwetter. ich werde bestimmt mit zwei Flachbahn M.W.s den Sturm mitzumachen.
5. Willing den 1. Hasselmann den 2. Ich den 3. Zug. Ende des Monats wirds wohl losgehen.
6. Wir bekommen neue Werfer, Bruch!
7. Morgens grosse Durchbruchsübung. Wir kommen mit den schweren Werfern nicht mit. Die in Aussicht gestellten Flachbahnlaffetten, Pferde, Protzen, nichts ist bisher geliefert. Bruch!
8. Fortsetzung der Übung. Heilloser Krampf.
9. Wieder eine Übung, 2 Werfer durch das Gelände geschleift. Ob wir bis zur Offensive die Sachen noch bekommen.
10. Sonntag. Mit Willing einen herrlichen Geländeritt gemacht. Tolle Jagd. Nachmittags nach Le Cateau. Blendendes Essen und Wein im Casino. Abends Wettfahrt in der Gig nach Inchy.
11. Mit den Pferden vor den Werfern durch das Gelände getobt. Herrliche Sonne.
12. Übung vor Exzellenz v. Kathen. Bis Mittag endlich zurück. Wir sollen die Quartiere räumen.
13. Morgens abmarschiert nach Troisvilles. Ganz gutes Quartier. Essen beim I. glänzend. Herrliches Wetter. Was ich von der Offensive weiss: Unsere Div. macht den Durchbruch in vorderster Linie. Gegend bei Le Catele südlich Cambrai. Durchbruch zwischen den Dörfern Ronsoi-Hargicourt. Rechts an 85 links an 31 angelehnt. Über 50 Flüg-M.W. sind in unserm Abschnitt auf den 1. englischen Graben angesetzt. 400 m. I. Batl. in 1. Linie, II. in 2., III. als Div. Reserve dahinter. Ich mit 2 Werfern beim I. Am 20. denke ich, gehts los.
14. Morgens exercieren. Nachmittags marschieren wir nach Bertry.
15. Exercieren. Nachmittags ritt ich zur Besprechung zum I.
16. Morgens um 3 eine Nachtübung mit dem I. 42 cm Mörser fahren in Stellung. Abends um 7.30 marschieren wir recht fidel nach Malincourt. Schauriges Quartier.
17. Oh Sonntag, diese Bude. Den ganzen Tag herumgekrampft[,] um meine Fahrzeuge heranzubekommen. Ungeheure Munitionsmengen liegen im Dorf. Bagage füllt die Strassen. Wir rücken in den Versammlungsraum um 10.30 nach Beaurevoir. Netter Nachtmarsch. Englische Flieger im Scheine von 6 Scheinwerfern über uns. Das Quartier war leidlich[,] aber wir waren auf Biwak gefasst.
18. Herrlicher Morgen, früh heraus, um die Fahrzeuge heranzubekommen. Im laufe des Tages kommt endlich der Rest der Sachen, Pferde und Geschirr. Oh weh! Papierstrikke. Morgen früh muss ich nach vorne zum Erkunden. Morgen Abend versammeln wir uns, übermorgen Nachtstellen wir uns zum Sturm bereit. Nachts Jutestricke geklaut.
19. Es regnet gemein. Morgens mit dem Rade nachvorne über Gouy, St. Martin im 3. Riegel Quartier gemacht. Anmarsch bis an die Quennemont Ferme erkundet. Von oben bis unten verdreckt in Beaurevoir wieder an. Gepennt. Um 5 Uhr alles besehen. Um 9 Uhr ziehen wir unter dauerndem Halten und Stocken los. Es regnet Bindfäden. In Gouy empfangen wir Munition. Weitergekrampft bis zur Martinferme, wo ich die Fahrzeuge lasse. Bei strömendem Regen die Leute in die Unterstände der 3. Stellung geführt. Endlich durchnass selbst zur Ruhe.
20. Die Vorbereitungen sind getroffen. 21er Werfer, 15 cm Langrohr gehen in Stellung. Der Regen begünstigt es. In der Martinferme stehen 2 42er und eine Batterie 38er in Stellung. Munition liegt haufenweise vorne. Morgen 9.40 sollen wir stürmen. Es regnet weiter, ein furchtbarer Matsch im Gelände. 5 Stunden Art.Vorbereitung. 2 Stunden vorher sollen wir schon bereit liegen. Das wird das Schwerste werden.
Morgens gehe ich mit Willing nach vorn. Es ist noch neblig. Wir gehen bis von den Vorpostengraben. Auf dem Rückweg klart es etwas auf. Wir schicken die Werfer voraus nach dem Quennemontkreuz. Sie kommen nur bis zur S. Stellung, es wird zu hell. Um 7.30 futtern uns die Feldküchen ab. Das Wetter ist gegen Abend gut geworden. Um 11.15 rücken wir nah vorn ab. Ob Tommy etwas merkt. Er schiesst nur wenig nach hinten. An der S. Stellung holen wir unsere Werfer ab. Ohne einen feindlichen Schuss kommen wir an den Stellungen der Flügelminenwerfer vorbei an unsern Bereitstellungsgraben. Tommy schweigt sich aus. Wir stellen die Werfer vor den Graben und buddeln uns ein. In der Nähe ein zerschossener Stollen.
21. Um 4.40 setzt schlagartig das Artilleriefeuer ein. Der Stollen zittert von der Masse der Abschüsse. Während unsere Art. noch nach hinten schiesst, knattert Tommy mit M.G. und verwundet 2 Mann. Die englische Artillerie schiesst wenig. Alle Augenblicke muss man die Gasmaske aufsetzen. Ich setze mich in den Stollen und rauche eine Zigarre. Die Zeit vergeht recht schnell und wir freuen uns, dass diesmal der Tommy der leidtragende ist. Um 9.20 gehe ich raus und hole meine Leute zusammen. Es ist ein Rauch, Gas, Nebel und Qualm, dass man keine 2 m weit sieht, wir gehen an die Werfer. Um 9.40 treten wir den Sturm an. Die Augen tränen. Gasmaske aus. Nun sehen wir garnichts. Gasmaske runter, Einsatz in den Mund. Die Träger und Pferde sind nicht da. Es ist gewaltig schwer die Werfer durch das aufgewühlte Grabengewirr zu ziehen. Ich gehe nach dem Kompass stur nach Westen. Nach 2 Stunden sind wir an der Spinne. Ist überhaupt eine Linie vor uns? Infanterie beschiesst uns und man sieht nicht woher. Ob der Tommy vielleicht die ersten gefangengenommen hat. ich lasse die schweren Werfer stehen und gehe als Infanterie vor. Pistole in der einen, Handstock in der andern, führe ich durch einen langen Verbindungsgraben in einen Hohlweg. Dort nehmen wir mehrere Tommys gefangen. Aus dem Hohlweg weiter nach Westen. Ich lasse ausschwärmen. „Marsch“ An 2 Unterständen verkriechen sich dicke Haufen unserer Leute hinter den Aufwürfen. Ich schimpfe, will sie vorwärts jagen, da knattert ein M.G. Wir werden beschossen. Ich hole mir ein M.G. auf den Kalkaufwurf und schieße wieder, da steigt der Nebel etwas. Wir liegen im Gefecht mit eigenen Leuten. Ich hebe meinen Stahlhelm hoch, worauf das Feuer eingestellt wird. Jetzt reisse ich die Leute mit vor und lasse wieder ausschwärmen und mit Bruno B. gehts durch das Toinewäldchen. Plötzlich Handgranaten und Schüsse. 2 englische Stützpunkte. Den ersten nehmen wir sofort ohne Verluste. Ich stürtze hinein nehme ein Levisgewehr und beschiesse den zweiten. Dann hinaus, hinter mir in einem Graben eine ganze Komp. 85er mit vorgerissen. Am Steinbruch Templeux vorbei in eine engl. Stellung. Brix und ich treten zum Sturm an, da gibts M.G. „Hinlegen Drüben fahren in einem Hohlweg 3 Tanks auf. Ich schicke Meldung zur Begleitartillerie sofort auffahren Tanks beschiessen. 2 Geschütze fahren auf und schiessen bald die Tanks zusammen. Ich renne zu Knobel, der mit seinem ganzen Stab im Granatloch liegt, um näheren Bescheid zu holen. Tommy schiesst mit Granaten, wir wollen uns zerstreuen. Ich sause los, – da bekomme ich einen Schlag in die Seite. Ich falle in den Graben hinein – verwundet. Denkert verbindet mich. Ich wanke zurück. In der Templeux Schlucht bekomme ich M.G. Feuer. Ruhig weiter. Die Schmerzen werden unerträglich. Bald kann ich nicht mehr, in jedem zweiten Granatloch mache ich Halt. Schwere Art. geht nach vorne. Ein Arzt einer Batterie gibt mir eine Tetanusspritze. Endlich an einer Verbandstelle. Im Wagen nach Bony. Von Bony mit dem Sanitätsauto über Malincourt nach Elincourt. Res. Feldlaz. 110. Noch in derselben Nacht operiert.
22. Erwache ohne grosse Schmerzen. Bekomme nichts zu trinken. Unter wahnsinnigen Schmerzen 2 Kochsalzeinläufe.
23. Zuletzt etwas geschlafen. Bekomme schon ein paar Tropfen zu trinken.
24. Es wird schon besser. Wenig geschlafen. Bekomme schon Milch, Kakao, Keks und Ei. Verlegt in ein andres Quartier.
25. Befinden leidlich. Schmerzen in der Lunge. Huste viel.
26. Frisch verbunden, oh Schmerz.
27. Hustenschmerzen. Abends Morphium.
28. Befinden ganz nett.
29. Verbunden.
30. Wieder verbunden. Das Feldlaz. rückt weiter vor. Mittags soll ich verladen werden. Bis Abends gewartet. Dann bei strömendem Regen im Auto los. Kalt und nass. Nach Le Cateau. Auf dem Hofe des Kriegslaz. 10 gelegen. Alles voll. Endlich schleppen mich Tommys 3 Treppen hoch in einen Fabriksaal, wo 120 Mann liegen. Schlechtes, hartes Lager. Erst Morphium bringt mich in Schlaf.
31. Üble Stiche in der Seite. Keine Behandlung. Morphium.
1. Stiche und Husten. Ich warte auf den L.Zug.
April
1. Endlich werde ich runtergeschafft und mit dem Auto zur Bahn. Gegen Abend fährt der Zug glücklich ab.
2. Ich liege unten, ganz gut. Tags gelesen. Nachts unter Morphium geschlafen.
3. In Halle will ich raus, muss aber bis Dessau durchhalten. Nach 4 Stunden Warten ins Kreiskrankenhaus. Herrliche Aufnahme. Abends verbunden. Meine Wunde ist geplatzt. Alles vereitert.
4. Es geht schon besser. Keine Schmerzen.
6. Nach oben verlegt zu Schwester Lydia.
7. u. 8. Schlecht geschlafen, die Wunde eitert fürchterlich.
9. Vorm. kommt unerwartet Andje.
10. u.11. bleibt Andje noch bei mir. Ich freue mich, da ich doch Abwechslung habe.
12. Fange ich an mich zu erholen.
13. Es wird langweilig im Bett.
15. Hauptmann Kessler geht fort.
16. Lt. feine wird mein Stubenkamerad. Nachm. auf dem Dach gelegen.
21. Um 9 Uhr kommt Mutter. Grosse Freude. Der überreichliche Genuss macht sich bestraft. Mutter bleibt bis zum 24.
24. Die Wunde von der Sonne beschienen.
25. Ich werde geröngt. Mein Splitter sitzt noch im Leib. 2,5 cm ist er lang.
Bis 30. Bald dauernd draussen gelegen. Der Splitter wird nicht rausgeholt.
Mai
Ich lerne Schach bei Guttowsky.
16. Ich stehe auf. Es geht ganz gut.
20. Isi King und Dora Besendahl besuchen mich.
Ich lerne Gretel Textor und Ille kennen. Herrliche Tage. Morgens mit Gutto Billard, Ausflüge mit den Mädels.
Juni
Herrliche Zeit in Dessau.
17. werde ich nach Flensburg verlegt.
Mein Splitter wird rausgeholt.
Schöne Tage auf Privat I der Diakonissenanstalt.
Juli
Liege noch in der Anstalt. Schöne Segelfahrten.
30. Geheilt zur 3. E.M.G.K. entlassen.
Urlaub bis Ende August. E.K. I. Klasse erh.
Ich bin zu den Fliegern versetzt.
September
2. Über Hamburg, Berlin nach Schneidemühl zur Fea 2 [Fliegerersatzabteilung 2]
10. Nach Bromberg zur Nachuntersuchung. Netter Tag mit Gretel und Ille.
14. Zur Fliegerschule Albatros. Herrliche Wohnung. Gutes Essen. Bald jeden Tag geflogen.
Oktober
Feste weitergeschult. Ich mache bald meine Pilotenflug. Weitere Bedingungsflüge.
November
2. Ich mache die Feldpilotenprüfung.
4 zur Fea zurück.
7. Die Revolution geht los. sturmtage in Schneidemühl.
12. Ich haue mit der Bahn ab.
14. In Pritzwalk bekomme ich einen Revolverschuss in die Backe.
15. Im Perleberger Stadtgefängnis.
17. Nach Flensburg. In die Anstalt.
Dezember [1918] und Januar [1919]
An wiederoperierter Bauchwunde gelegen.
16. Aufgestanden.
20. Zur E.M.G.K. entlassen.
21.-28. in Schneidemühl meine Sachen geholt.
Am 1. März vom Bezirkskommando entlassen. Endlich wieder in Zivil.