Florian Leister – Reserve-Infanterie-Regiment 92 (Kriegstagebuch 18. Dezember 1915 – 13. Dezember 1918)

Florian Leister wurde am 30. Januar 1877 in Herbstein geboren. Seine Eltern waren Adrian Leister (1831-1918) und Lucia Leister, geb. Sauer (1836-1918). Am 22. Oktober 1900 heiratete er Katharina Magdalena Traud (1881-?). Ihre gemeinsame Tochter Maria Katharina Staubach, geb. Traud (1901-2002) war mit dem Sattler Nikolaus Staubach (1896-1945) aus Herbstein verheiratet. Dessen Kriegstagebuch zum 1. Weltkrieg ist hier nachzulesen.

Florian Leister verstarb am 16. Februar 1948 im Alter von 79 Jahren in Herbstein.

Für die freundliche Bereitstellung der Fotos danke ich der Urenkelin Claudia Ruhl-Michler.

Florian Leister als Soldat (undatiert)
Florian Leister im Jahr 1946

Wann genau Florian Leister zum ersten Mal als Soldat gedient hat, geht aus dem vorliegenden Kriegstage nicht hervor. Auch ist unklar, in welcher Einheit er zu Beginn seiner Aufzeichnungen Soldat war. Ab dem 15. September 1916 war Leister Soldat beim Reserve-Infanterie-Regiment 92.

Sein Kriegseinsatz endete am 13. Dezember 1918 mit der Rückkehr in seine Heimat Herbstein. An dem Tag beendete er auch seine Aufzeichnungen.

Auf der rechten Seite beginnen das Kriegstagebuch am 18. Dezember 1915. Links stehen Adressen von anderen Soldaten.
Auf der linken Seite endete das Kriegstagebuch mit der Nennung des Namens sowie des Geburtsdatums. Auf der rechten Seite hat er die Todesdaten seiner Eltern vermerkt. Sein Vater Adrian Leister verstarb am 10. Juni 1918 im Altern von 87 Jahren 3 Monaten 10 Tagen. Seine Mutter Lucia Leister, geb. verstarb am 21. Dezember 1918 im Alter von 82 Jahren 5 Monaten 28 Tagen. Die Namen seiner Eltern nennt er auf dieser Seite allerdings nicht.

Florian Leister – Kriegstagebuch vom 18. Dezember 1915 bis 13. Dezember 1918

Ausmarsch 18.12.15.

am 18.12.15 wahren wir in Sedan von Sedan sind wir der Grenze entlang bis nach Grandpre [Grandpré][.] Da haben wir 1 ½ Tage gelegen dan sind wir in Arkanen [Argonnen] Wald in Reserve Stellung da haben wir 1 Tag gelegen. Dann sind wir ins Tafelland[,] da lagen wir wieder in Unterständen 3 Tage[,] da haben wir das Weihnachtsfest gefeiert. Es wahr ein drauriges[,] wir haben Holz in die Stellung schaffen müssen[,] dann sind wir ins Muther Lager da haben wir wieder 4 Tage gelegen[,] dan wahr ich bis zum 10.1.16 an der Front[,] dan bin ich hinter die Front als Pferde Fleger gekommen[,] da wahr ich vom 10.1.16 bis zum 6.4.16. Dan bin ich wieder zur Kompanie in den Argonen [Argonnen]. Daselbst hatten wir am 15.4.16 einen schweren Tag[,] am 17.4.16 hatten wir wieder einen[,] dan sind wir 5 Tag in Ruh dan 5 Tage in Reserve[,] dan 5 Tage in I. Stellung[,] am 31ten 4.16 hatten wir wieder schweren Mienentag. Am 1.5.16 hatten wir wieder einen. Am 1 Mai nachts ½ 12 Uhr fiel mein Nebenmann durch einen Granatsplitter. Thomas von Gersweit.

Am 5.5. drangen die Franzmänner in unseren Graben ein[,] sie haben aber den Asch gewaschen bekommen. Dan hatten wir ziemlich Ruhe vom 22.6.16 bis 5.7.16 hatte ich Uhrlaub[,] wurde aber schon am 27.6.16 wieder zurückgerufen[,] am 29.6.16 sind wir verladen worden[,] am 30.6.16 wahren wir in Marville[,] da haben wir bis zum 11.7.16 in Ruh gelegen[,] von dort bin ich von dem Regiment 168 wechgekommen am 11.7.16. Dann habe ich 2 Tage in Aute [Authe] gelegen[,] dan bin ich vom 13.7.16 bis zum 13.9.16 in Brikqunäy [Briquenay] gelegen. Von da haben wir 3 Tage im Feld Rekruten Depot in Otrief [Autruche?] gelegen[,] am 15.9.16 sind wir ins Res. Ift. Reg. 92 gekommen[,] wo wir als bald in Stellung gingen[,] in welche wir am 29.6.16 verlassen haben in den Argonnen. Ich kam in die erste Kompanie. In den Arkonen [Argonnen] wahr ich dan bis zum 4.10.16. Da wurden wir abgelast[,] dan sind wir in Tagemärsche weitergerückt[,] am 5.10.16 bis nach Grandpre [Grandpré] daselbst wahren wir noch am Abend im Kino am 6.10.16 sind wir von Grandpre [Grandpré] bis nach Fosse [Fossé?] unterwegs habe ich auch mal abgemacht. Am 8.10.16 wahr ein Sontag[,] da hatten wir Ruhetag morgens hatten wir Katoliken Kirchgang[,] wo wir Alle zu den heiligen Sakramenten gewesen[,] am 9.10.16 sind wir von Fosse [Fossé?] nach Harikourt [Barricourt?][,] wo wir abends um 9 Uhr verladen wurden dan sind wir durch Belgen [sic!] gefahren und kamen am 10.10.16 abens 10 Uhr in Velu an[,] dan hatten wir noch einen Marsch bis nach Neuville[,] wo wir um 1 Uhr nachts ankamen[,] am 11.10.16 morgens bin ich dan nach Betingcourt [Béthancourt-en-Vaux?][,] von wo ich 14 Tage in Uhrlaub gefahren bin[,] am 27.10.16 bin ich wieder von zu Hause wegefahren[,] als ich dort ankam[,] wahr unßer Batalon schon von der Same [Somme] weg[,] ich bin dan nachgereist und kam am 31.10.16 Nachmittags in St. Mauricie [Saint-Maurice-sous-les-Côtes] bei der Kompanie an[,] wo auch unßer Ruhelager ist[,] von da sind wir am 1.11.16 in Stellung gegangen auf die Compleshöhe [Combreshöhe – Combres-sous-les-Côtes] da wahren wir abwechlent auf Feldwache und Postenstehn im Graben. Feldwache wahr in Longoug [Longeau] Thal zwischen La Barsche [Les Éparges] und St. Maures [Saint-Maurice-sous-les-Côtes] vom 24.11.16 bis zum 30.11.16 wahr ich in Hanville [Hannonville-sous-les-Côtes] und habe ein Kursus über Brieftauben durchgemacht.

Am 1.12.16 gingen wir wieder in Stellung wo ich am 5.12.16 abends um ¼ vohr sieben Uhr bei einen Sturmangriff durch eine Gewehrgranate verwundet wurde ich kam dan ins Res. Feld Laz. N. 48[,] welches in Labeuwille [La Neuville, Belgien] wahr[,] am 12.12.16 wurde durch Oberation ein Eisensplitter[,] welcher mir im rechten Unterarm stekte[,] entfernt. Im Res. Feld. Laz. habe ich gelegen vom 9.12.16 bis zum 3.1.17[,] dan kam das Lazarett nach Mars La Tur [Mars-la-Tour][,] da wahr ich vom 3.1.17 bis zum 1.2.17[,] dan kam ich ins Ersatz Depot nach Moel[,] da wahr ich bis zum 3.2.17[,] da wurde ich abkomantiert nach St. Maurice an die Bahn bis zum 10.2.17[,] von da wahr ich wieder bei der I Kompanie R. 92[,] am 15.2.17 wurden wir an der Kompres Höhe [Combres-Höhe] abgelöst[,] am 16.2.17 morgens 3 Uhr wurden wir dan auf Station Vinelles Wald verladen[,] wir kamen gegen Mittag auf Station Longong [Languyon] an[,] wo wir ausgeladen wurden[,] dan sind wir marschiert bis nach Tellangcourt [Tellancourt] [,] da wahren wir vom 16.2.17 bis zum 29.2.17 in Ruhe. Am 24.2.17 kamen wir wieder wech[,] morgens um 6 Uhr sind wir an einer Station zwischen Longwy und Longong [Longuyon] verladen worden[,] dan sind wir 12 Stunden mit der Bahn gefahren[,] abens um 8 Uhr wurden wir ausgeladen und kamen dan des Nachts nach einem schönen Marsch in ein französisches Dorf ins Quatir in Froitmont [Froidmont-Cohartille] [,] da haben wir zwei Tage gelegen[,] dan sind wir am 28ten morgens um 5 Uhr abmarschiert und kamen abens um 10 Uhr in Stellung an[,] das wahr ein bößer Marsch. Die Füße ganz durchgelaufen[.] Die Stellung nante man die Caronner Höhen [Craonne Höhen] [,] dan lagen wir vom 28.2. [bis] 7.3.17[,] dan wurden wir etwas mehr nach rechts geschoben und kamen in die Souffen Höhle[,] wo unsere Krieger schon in 1870 gelegen haben[,] da wahren wir vom 7.3.17 bis zum 9.3.17[.] Dann zogen wir in die Maiwald-Höhle[,] das sind ausgegrabene Kreiden Berge. Da wahr ich bis zum 22.3.17[,] dan kam ich zum Fahrbaren Taubenschlag 89VII[,]da sind wir dan abwechselnt mit Tauben nach Stellung[,] da wahren vom 6.4.17 zum 18.4.17 schwere Schlachten im Gange[,] die schreklichsten[,] die in diesen Kriege geführt worden sind[.] Der Franzmann hat sich aber den Kopf gehörig eingerant. Am 4.5.17 sind wir dan von Coucy les Eppes [Coucy-lès-Eppes] wech[,] fuhren dan von Liessy [Liesse-Notre-Dame] mit der Bahn nach bis nach La Gagelle[,] wo wir über Nacht blieben[,] von da wurden wir dan am 5.5.17 verladen und fuhren abens 5 Uhr nach Rußland ab und kamen am 10.5.17 Morgens 8 Uhr in Mitau an[,] da wurden wir ausgeladen[,] von Mitau bin ich dann am 11.5.17 wieder wech 30 Kilometer weiter zurük[,] da wahr dan unßere Leben Arbeitsdienst und Exiezieren[,] wir wahren auf 2 Großen Höfen untergebracht[,] die Wohnungen wahren gut. Wir lagen in der Schule auf Gut Hayden bis zum 27.5.17. An diesen Tage sind wir morgens 8 Uhr abmarschiert und kamen nach 3 Stunden Bahnfahrt und 20 Kilometer Marsch durch einen Endlosen Wald von Tannen in der Reserve Stellung zwischen Riga und Tokum [Tukum] an[,] es wahr das Sumerak Lager. Am 10.6.17 wurde ich mit der Hessischen Tapferkeits Metalie ausgezeichnet. Am 14.6.17 sind wir morgens 8 Uhr in Lager Sumerak abmarschiert und kamen abend 6 Uhr in unsern alten Quatieren auf Gut Hayden an[,] es wahr ein böser Marsch in Sommerhitze und Straßen Staub[.]

Von 9.6.17 bis 15.7.16 wahr ich in Uhrlaub. Am 12.7.17 bin ich dan abens 8 Uhr von Herbstein ab und kam am 15.7.17 nachts um 12 Uhr in Tokum [Tukum] an[,] vom 18.7.17 bis zum 12.8.17 wahr ich Fahrer beim Batalion am Pakwagen. Am 22.7. kamen wir wieder von Tokum [Tukum] wech[,] abens um 7 Uhr wurden wir verladen und kamen am 24.7.17 morgens um 2 Uhr in Soly an und kamen östlich Wilna [Vilnius] in Stellung bei Smorgon [Smarhon bzw. Smorgon], wir lagen in Pomary [Ponara?][,] am 25[.] wahren die Rußen geworfen und zogen wieder ab am 27.7.17 sind wir wieder von dort abgezogen und kamen abens bis nach Potele[,] da blieben wir bis nachts um 1 Uhr[.] Dann wurden wir am 28.7.17 morgens wieder in Soly verladen und kamen am 29.7.17 wieder nach Mitau [Jelgava][.] Da blieben wir bis zum 24.8.17. Da sind wir morgens 7 Uhr von Mitau [Jelgava] abmarschiert und kamen Abends bis nach der Oberförsterei Annenberg[.] Da blieben wir die Nacht[,] es war ein schreklich heißer Tag[,] wir hatten keinen trockenen Faden mehr an uns fohr lauter Schweis[.] Von da sind wir am 25.8.17 morgens um 6 Uhr abmarschiert und man abens nach dem Gehöft Jonsen[,] da blieben wir die Nacht[,] am 26.8.17 morgens um 5 Uhr marschierten wir wieder ab und kamen nachmittags in einen großen Wald wo wir Biwak bezogen zwei Stunden von Neu Gut[,] da blieben wir bis zum 31.8.17[,] von da sind wir dan am 31.8. wieder nach vorne[,] am 1.9.17 ging dan die Sache los um 4 Uhr morgens fing unßere Atielerie an zu schießen[,] um 9 Uhr morgens began das übersetzen über die Düna um 12 Uhr Mittag hatten wir die 3 Rußischen Stellungen überrant[,] am 2ten 9. ging es weiter immer kämpfend vohr an den wahren wir als Reserve und lagen in einem großen Wald[.] Da haben wir sein gelebt wir haben uns aus den verlaßenen Dörfern geholt[,] was wir brauchten[,] es wahr ein richtiches Ziegeuner Leben. Am 7.9. hatten wir Kaißer Parade [Anmerkung jw: Die Parade war in Riga]. Am 10.9.17 wahren wir bei Riga aus gebracht[,] morgens ½ 8 Uhr sind wir aus unßeren Lager abmarschiert zurük über die Düna und blieben in Salit [Zālīte] bis zum 11.8.17 abens[,] um 6 Uhr gings nach dem Bahnhof Gedeny[,] wo wir verladen wurden[,] am 11.9.17 erhielt ich das Eiserne Kreuz wegen tapferem verhalten beim Übergang über die Düna und die dadurch folgende Kämpfe. Unsere fahrt ging dan von Osten nach dem Westen. Am 13.9.17 fuhr unser Zug bein Einfahren in den Bahnhof auf einen Güterzug[,] da gab es aber bei uns Burzelbäume[,] es schlug Alles durch einander[,] toten hatten wir keine[,] aber ein ganzen Batilon zürka 40 leicht verwuntete und einige Verschiedene Pferde von dem Güterzug wahren 5 Wagen in Trümmer. Ich bin mit einem kleinen Schreken davongekommen. Am 17.9.17 abens um 6 Uhr wahren wir in St. Gobert[,] wo wir aus geladen wurden. Vom 17.9.17 lagen wir bis zum 21.7.17 in Rougeries, von da sind wir morgens um 10 Uhr am Bahnhof St. Gobert verladen worden und sind am 22.9.17 Morgens um 2 Uhr an einem Bahnhof in der Nähe von Gent ausgeladen und marschierten dan nach Zülte [Zulte][,] wo wir ins Qwatier kamen. Da lagen wir bis zum 24.9.17 morgens[,] um 7 Uhr marschierten wir wieder ab bis nach dem Bahnhof Waregem[.] Da lagen wir bis abens 5 Uhr[,] dan fuhren wir ab nach Menien [Menen] und kamen nach Halluin zuliegen.

Am 26.9.17 morgens um 7 Uhr gings mit Sturmgepäck los und kamen bis bei das Dorf Schellouwe [Geluwe?][.] Da lagen wir in den Büschen als Reserven[,] da gabs schon mal ziemlich Saures. 5 Mann verwundet[,] ein Mann tot verwundet[,] am 27.9.17 lagen wir auch noch da und gingen dan abens bei Maschäde in Stellung[.] Da wir die Schlagt nicht Schlagt[,] ein schlachten wahrs zu nennen am 4.10.17 began der Ankriff von neuem[.] Das englische Tromelfeuer wahr nicht zum aushalten.

Die englischen Strum Kolonnen kamen in Haufen und bei allen dem haben wir stand gehalten[.] Die Schlacht dauert von morgens 5 Uhr bis abens 8 Uhr[,] es wahr ein schreklicher Tag[,] der schlimste[,] den wir bis dahin mitgemacht haben[,] in der Nacht von 6ten zum 7.10.17 wurden wir abgelöst und kamen nach Derlik [Deerlijk][,] wo wir blieben bis zum 8.10.17[.] Da marschirten wir nachts ½ 12 Uhr ab und in eine Station in Belgien verladen und fuhren bis nach Garignan [Carignan] und gelangten dann bis nach Tetäine [Tétaigne] [,] von da fuhr ich dan am 11.0.17 abens um 8 Uhr in Uhrlaub.

Am 17.10.17 kam das Regiment von Tetäine [Tétaigne] wieder wech und kam nach Romagne und kamen dan in Stellung im Wald von Malangcourt [Malancourt] [,] am 28.10.17 Nachmittags um ½ 4 Uhr fuhr ich von Herbstein wieder ab und kam am 29.10.17 Nachmittags in Romagne wieder an und kam noch am selben Abend in Stellung im Wald von Malangcourt [Malancourt] vohr der Höhe 304[,] eine Trostlose Gegend von Wald keine Spur mehr[.] Da blieben wir bis zum 17.12.[.] Da wurden wir abgelöst und kamen am 18.12. nach Stenay in die Kaserne[.] Da wahren wir bis zum 16.1.18. Da marschierten wir morgens um 6 Uhr ab bei Sturm und Regen[,] kamen dan nach Louby [Louppy-sur-Loison ][,] fuhren mit der Kleinbahn bis nach Romagne [Romagne-sous-les-Côtes] bei Verdun und gingen dan noch 11 Kilometer bis nach Billy[,] kamen daselbst in eine große Scheune und blieben über Nacht[,] am 17.1.18 zogen wir wieder in Sturm und Regen von Billy nach Romagne [Romagne-sous-les-Côtes] zurük[,] kamen dort in eine große Barake[,] blieben die Nacht und am 18.1.18 den Tag über da liegen und gingen von da am 18.1.18 abens in Stellung in der Orneschlucht [Ornes-Schlucht][,] wo wir 1916 schon gelegen haben aber die Gegend ist nicht wieder zu erkennen[,] vom Wald ist nichts mehr zu sehen. Alles verwüstet und zerstört. Alle Dörfer in der ganzen Gegend nur noch ein Schutthaufen. Am 5.3.18 haben wier morgens früh 5 Uhr 50 Minuten einen Sturm gemacht[,] haben aber nicht viel erreicht[,] 28 Gefangene[,] das wahr die beute. Am 28.3.18 in der Nacht von Grünendonnerstag zum Charfreitag wurden wier abgelöst und marschierten am 30.3.18 morgens 2 ½ Uhr vom Lager bei Romagne ab bis nach Springcourt [Spincourt] [,] wo wir die Nacht blieben. Am 31.3.18 am ersten Ostertag marschierten wir um 7 Uhr morgens wieder ab und kamen abens nach Villieres[.] Da kamen wir in Bürgerquatier und blieben da bis zum 10.4.18. Da marschierten wier abens 7 ½ Uhr wieder ab bis nach Autun[,] wo wir abens um 10 Uhr verladen wurden und kamen am 12.4.18 morgens um 8 Uhr in Touhrout [Torhout] in Flandern an [,] wo wier ins Quatier kamen. Da blieben wir bis zum 16.4.18 morgens um 4 Uhr marschierten wier wieder von Thouraut [Torhout] wieder ab fuhren eine Strecke Wegs mit der Bahn bis nach Lichterfelde [Lichtervelde] marschierten über Staten [Staden] und blieben den Tag über im Gelände liegen[,] am abend marschierten wier wieder zurük[,] blieben dan hinter Übern [Ypern] als Reserve liegen[,] suchten uns Unterkunft so gut es ging und haben dan am 17.4. und 18.4.18 die Straße aus gebessert. Am 18.4.18 abens ging es wieder weiter bis nach Rouliers [Roeselare, frz. Roulers] [,] wo wier die Nacht blieben[,] morgens um 8 Uhr ging es wieder weiter eine Strecke Wegs zu Fuß[,] dan sind wir mit der Bahn gefahren bis nach Lendelede. Da kamen wier ins Quatier und blieben da bis zum 21.4.18. Da ging es wieder am 21.4.18 morgens um 8 Uhr los in einem Marsch bis nach Halluin[,] wo wier im September 1917 schon mal gelegen haben. Da lagen wier bis zum 24.4.18. Da sind wir morgens abmarschiert bis zur Bereitschaft Stellung[,] am 25.4.18 morgens um 4 Uhr began das Tramelfeuer um 6 ½ Uhr ging der Sturm los der Engländer wehrte sich tapfer[,] mußte aber weichen[,] wir nahmen eine Stellung nach der anderen bis über den Kemmel Berg hinaus[,] bis unßere Atilerie nicht mehr so weit schießen konnte. Dan lagen wier fest[,] wier machten 7000 Gefangene am es wahren böße Tage[,] am 1.5.18 wurden wier abgelöst und kamen nach einem langen bößen Marsch nach Kuurne ins Quatier hier blieben wier bis zum 5.5.18. Da marschierten wir mittags um 2 Uhr ab und wurden um 4 Uhr nachmittags in Halebeke [Harelbeke?] verladen[,] fuhren dan 24 Stunden mit der Bahn bis nach Juniville[,] wo wier ausgeladen wurden[,] gingen dan bis in ein Waldlager[,] wo wier blieben bis zum 9.5.18[,] am Tage Himmelfahrt gingen wier abens in Stellung am Pöhlberg in der Champagne[,] am 26.5.18 erhielt ich eine Depesche[,] daß mein guter Vater im sterben liegt am 27.5. wurde unßer Batallion mehr nach rechts verschoben näher an Reims heran. Am 29.5.18 fuhr ich in Uhrlaub[,] abens um 9 Uhr ging ich im Waldlager wech und kam nachts um ½ 1 Uhr in Juniville an[.] Der Zug fuhr morgens 6 Uhr 40 Minuten von da ab[,] am 31.5.18 um 4 Uhr nachmittags wahr ich zu Hauße. Am 10.6.18 nachmittags um 6 Uhr ging mein Vater 87 Jahr 3 Monate und 10 Tage als in die Ewigkeit. Am 16.6.18 bekam ich 14 Tage Nachuhrlaub am 17.6.18 habe ich mir den rechten Fuß verbrant. Ich habe dan zu Hauße gelegen[,] am 3.6.18 kam ich dan nach Gießen ins Lazarett. Von da wurde ich ins Lazarett nach Osnabrück überwiesen und kam am 4.7.18 abens um 6 Uhr dort an[,] ich kam ins Reserve Lazarett Harmonie Glub [Harmonieclub] Hakenstraße [.] Da blieb ich bis zum 13.7.18. Da kam ich ins erste Ersatz Batallion Ift. Regt. 78 zur 5[.] Kompanie. Von 22.8. bis 2.9.18 wahr ich in Uhrlaub. Am 10.9.18 morgens 6 Uhr ging es von Osnabrück auf den Truppenübungsplatz Munster. Am 26.9.18 Nachts 1 Uhr sind wir wieder in Munster nach dem Westen ausgerükt. Am 29.918 abens kamen wier in Crepy [Crépy] bei Laon an[,] blieben die Nacht in Crepy [Crépy] und gingen am nächsten Morgen zur ersten Kompanie R. 93. Die Schreibstube lag in Vivaise[.] Da wahr ich bis zum 11.10.18. In der Nacht vom 11. zum 12ten 10.18 haben wir uns freiwillig zurükgezogen 40 Kilometer[,] kamen am 12ten 10.18 morgens um 7 Uhr in St. Gobert an. Da sind wir im September 1917 auch schon gewesen[,] von da sind wir dan hin und her gewantert[,] wo waß los wahr kamen wir hin[,] am 4. und 5ten 11.18 hat unßere 19 R-D. den Rest bekommen von meiner Kompanie der 1 R. 92 kamen noch 16 Mann zurük[,] am 9.11.18 wurde der Rest von der Division heraus gezogen[,] am 11.11.18 morgens wurde es bekannt gemacht[,] daß um 12 Uhr mittag Waffenstillstand wahr, um ½ 12 Uhr mittags hieß es[,] alles fertig machen[,] um 12 Uhr abmarsch nach Deutschland[.] Das wahr eine große Freude[,] wir konten es nicht fassen[,] daß es auf eimal Schluß wahr[,] wir lagen an einem Hof 4 Kilometer von Thuin[,] von da ging es wieder stram weiter am 19.11.18 hatten wir Ruhetag. In der Nacht vom 21.11. zum 22.11.18 wahren wir zum letzten mal in Qutier. Unßere Marschleistung wahr Marbäx [Maubeuge] Charleroi Namur-Stavelot. Am 22.11.18 Mittags ½ 12 Uhr ginge wir über die deutsche Grenze die erste Deutsche Statd wahr Malmedy[,] am 23.11.18 hatten wir Ruhetag. Am 24.11.18 wurden wir schon um 3 Uhr morgens rausgeschmissen es wahr eine bittere kälte[.] Am 28.11.18 hatten wier in Mechernich Ruhetag[,] das wahr das erste Stätdchen in Reihnland[,] nun wahr wier endlich nach schweren Märschen aus der Eifel raus. Am 29.11.18 ging es um 3 Uhr wieder raus bis nach Roitzheim. Am 30.11.18 kamen wir bis nach Duisdorf. Am Sontag 1.12.18 morgens um 8 Uhr gingen wier durch Bonn[,] es wahr der reinste Triumpfzug[.] Die Bevölkerung überschüttet uns mit Blumen und Bändern und theilten an uns Geschenke aus[,] um 9 Uhr marschierten wir über die Reihnbrücke[.] Die Bevölkerung bildet Spalier das Grüßen und Wiken nahm kein Ende[,] so kamen wir nach Hennef. Am 2.12.18 gingen wir weiter konten aber keine Unterkunft finden wir gingen wieder nach Hennef zurük. Wir sollten in Blankenberg und Umgegend liegen bleiben als Grenzschutz bis zum Friedensschluß[.] Da gab es aber Krach im Regiment entweder die Offizieren gehen mit uns nach Osnabrück oder wir handeln selbstständig bis zum 3ten 12.18 verlangten wir Antwort[.] Da gab es bei dem Herrn dume Gesichter zur festgesetzten Zeit erklärten Sie[,] wir sollten zusammen bleiben[.] Sie gingen mit. Am 4.12.18 morgens hauten wir ab[.] Der Hauptmann macht ein dumes Gesicht an diesem Morgen sagte Er nicht guten Morgen Leute die Herrn wollten hier einen guten Winter verleben und wir wahren die dumen[.] Am 4.12.18 kamen wir bis nach Bruchhaußen [Bruchhausen]. Von da gingen wir am 6.12.18 nachmittags 5 Uhr wech und kamen abens um 10 Uhr nach Grünebach[.] Von da gingen wier am 7.12.18 nachmittags 4 Uhr von Grünebach wech und kamen nachts 1 Uhr in Osthelden an[.] Das wahr ein bößer Marsch bei Nacht und Regen. Vor Osthelden gingen wir am 9.12.18 morgens um 9 Uhr wech und kamen nachmittags um 3 Uhr nach Silberg. Von da wurde ich am 12.12.18 nach der Heimat entlaßen[,] ich ging am abend nach Welschenennest [Welschen Ennest ][,] fuhr mit der Bahn und kam am 13.12.18 morgens um 3 Uhr nach Gießen und abens um 4 Uhr nach Hauße.

Das wahr das Ende für mich von dem Feldzug 1914-18[,] geschrieben den 13.12.18

Florian Leister

geb. am 30.1.1877.

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Nikolaus Staubach – Infanterie-Regiment 116 (Kriegstagebuch 11. Oktober 1915 – 22. März 1917)

Nikolaus Johann Staubach wurde am 4. November 1896 in Herbstein geboren. Seine Eltern waren der Landwirt und Sattler Wilhelm Staubach und dessen Ehefrau Justine, geb. Leister. Er erlernte, wie bereits sein Vater, den Beruf des Sattlers.

Sein Schwiegervater war Florian Leister, dessen Kriegstagebuch hier nachzulesen ist.

Nikolaus Staubach verstarb am 20. September 1945 in Herbstein an Lungen- und Bronchialkrebs mit Herzschwäche. Er war seit 26. Januar 1926 verheiratet mit Maria Katharina Therese, geb. Leister (geb. 25. September 1901 – gest. 26. März 2002). Die Eheleute wohnten im Haus Lange Reihe 14 in Herbstein. Gemeinsam hatten sie vier Kinder.

Das ehemalige Haus der Familie Staubach (Lange Reihe 14 in Herbstein) in der Mitte des Fotos wurde 1994 abgerissen.
Hochzeitsfoto des Ehepaares Maria und Nikolaus Staubach (26. Januar 1926)

Nikolaus Staubach wurde am 11. Oktober 1915 beim Infanterie Regiment 116 in Griesheim bei Darmstadt zur Grundausbildung einberufen. Seine Ausbildung erfolgte dann beim Infanterie Regiment 168. Danach wurde er dann am 11. März 1916 an die Westfront nach Frankreich verlegt. Hier war er Soldat in der 1. Kompanie (Leibkompanie) des Infanterie Regiments 116.

Nikolaus Staubach als Soldat.

Nach seinem Militärpass hat er folgende Gefechte mitgemacht:

  • 20.-21.3.1916 im Chauffour- und Albain-Wald
  • 11.-28.4.1916 bei Forts Douaumont
  • 17.5.-8.9.1916 Stellungskampf der 25. I.D.
  • 13.-15.9.1916 bei Bouchavesnes

Am 15. September 1916 wurde Staubach durch eine Artilleriegranate am Kopf bei Bouchavesnes an der Somme verwundet. Nach langem Lazarettaufenthalt mit mehreren Operationen wurde er am 5. Oktober 1917 zur 3. Kompanie I. Ersatz Bataillon Infanterie Regiment 116 kommandiert. Am 13. November 1917 wurde er als kriegsunbrauchbar eingestuft und ihm wurde ab dem 1. Dezember 1917 eine Rente auf Grund von Kriegsbeschädigung zuerkannt. Am 11. September 1918 wurde ihm das Verwundetenabzeichen in Schwarz verliehen.

Seine Aufzeichnungen sind insgesamt nicht sehr lang. Interessant ist, dass er seine Aufzeichnungen anscheinend zeitnah zu den Ereignissen gemacht hat. Am Ende des Kriegstagebuches hat er dann angefangen, ausführlichere Erinnerungen zu verfassen. Diese decken allerdings nur den Zeitraum vom 11. Oktober 1915 bis 20. März 1916 ab. Dann enden diese, obwohl noch ausreichend Seiten im Heft zur Verfügung gestanden hätten.

Für die freundliche Bereitstellung der Fotos danke ich der Enkelin des Ehepaares Staubach, Claudia Ruhl-Michler.

Die Seiten 2 und 3

Nikolaus Staubach – Kriegstagebuch vom 11. Oktober 1915 -22. März 1917

Musketier Staubach geb. zu Herbstein am 4. Nov. 1896

(Oberhessen Kr. Lauterbach, Wohnort Herbstein Lange Reihe 14[)]

Am 11. Okt. 1915 eingerückt zum Militär bei das Inf. Reg. 116 z.Z. in Griesheim b. Darmstadt nach Bad-Orb Lager Wegscheide zu den Inf. Reg. 168 am 11. März [1916][,] ausgerückt ins Feld nach Frankreich. Die erste franz. Bahnstation war Audun le Roman [Audun-le-Roman].

In Longuyon ausgeladen. Dann marschiert nach Marville dort einquartirt in ein Schloß[.] Dort eine Explosion gehört.

Seit 20. März in St. Laurent [Saint-Laurent-sur-Othain] dem Inf. Reg. 116 zugeteilt bei der Leibkompanie. Seit 6. April in Rupt [Rupt-sur-Othain].

Seit 10. April in Stellung. Erst ins Forts Douaumont. (Ruheposten in der Brielschlucht [Brûle-Schlucht] eine Granate 1 m hinter dem Unterstand eingeschlagen.)

(ha[l]blinks v. Fr. Doautmont [sic!] das Fr. Faux)

Dort einige Tage Nachts geschanzt[.] Karwoche und an Ostern im Schützengraben in gr. Dreck, Schlamm, Regen, Feuer verlebt[.] Am 20. April Gründonnerstag gestürmt. / 25-60 m v. Franzmann entfernt. Dabei großes Glück gehabt / Regenwetter / abends

Ein Tag im Fort verw. in großem Feuer.

Am 26. April aus Stellung fast 2 Tage durch Azzan [Azannes-et-Soumazannes] marschiert bis 27. April mittags Millers [Villers-lès-Mangiennes] in Grand Faili [Grand-Failly] am 29. abends dort wegmarschiert[.] Am 30. April morgens Weißersonntag verladen in Aransie [Arrancy-sur-Crusne] über Mondmedy [Montmédy], in Sedan verpflegt, Mahon [Mohon?], Laon.

Seit 30. einquatiert in Barantont Bugny [Barenton-Bugny]. Hier einquatiert in einer Schule am Speicher[,] am 15. Mai abmarschiert nach Laniscurt [Laniscourt] durch Aulnois [Aulnois-sous-Laon][,] einquatiert in einer Schule[.] Dort in einem Fort v. Festung Laon gewesen.

Am 16. Mai abmarschiert abends, durch Mons und andere Ortschaften. An einem Bergabhang hinter der Stellung einquatiert (sehr ermüdet).

Dort das Dorf Cernay [Cerny-lès-Bucy] daselbst mit Kirche total verschossen (Viele Unterstände eingerichtet)[.]

Am 21. Mai in Stellung Schützengraben 8-90 m v. Franzm. weg.

Am 22. Mai abkomendiert zu dem Bayrisch Feldluftschifferabteilung 7 nach Laval [Laval-en-Laonnois].

Am 28. Mai in Preßles [Presles-et-Thierny ] (Kirchgang) gewesen.

am 1. Juni Cr. Himmelfahrt (1. Ballonwache)[.]

Pfingsten ohne Dienst verlebt. (am 11. Juni zum Ballon jedes mal durch Nouvon [Nouvion] gekommen.

Am 22. Juni (Frohnleichnahm) mit einen Lastauto in Laon gewesen.

Ab u. zu Feuer beim Ballon bekommen.

Am 25. Juni Ballon abgerüstet u. schwer gearbeitet[.]

Seit 26. Juni nach Festung gekommen mit Ballon. Am 13. Juli in Laon u. Aulnois [Aulnois-sous-Laon] gewesen (Sattlerwerkz. geholt. [)]

Am 17. Juli zurück zur Komp. marschiert nach Cerny [Cerny-lès-Bucy][.]

Am 22. Juli in Stellung. Ab und zu großes Minenfeuer und Artilleriefeuer[.]

Am 27. in Ruhestellung[.]

Am 1. August in Stellung. Am 3. Aug. einen 8 Uhr Ab. Feuerüberfall von uns mit Minen- und Artilleriefeuer.

105 eine Gewaltsame erkundung [sic!] eines Großes Feuer gewesen.

Am 6. Aug. aus Stellung Ruhestellung.

Am 11. Aug. in Stellung.

Am 15. Aug. morgens großes Minen- und Artl. Feuer v. uns und einen Angriff rechts von uns von unserer[sic!][.]

Am 16. Aug. in Stellung.

Um 205 Uhr Sprengung der Franzosen vor Ihren eigenen Graben in unserm (1. Z. Abschnitt) darauf Allarm und es erfolgte beiderseits Artillerie und Minenfeuer[.]

Am 26. Aug. in Ruhestellung.

Am 25. Aug. wurde der Ballon III.[,] wo ich gewesen bin[,] abgeschossen.

Am 31. Aug. in Stellung.

Am 5. Sept. in Ruhestellung.

Am 8. Sept. abgelöst v. Cerny u. abends wegmarschiert durch Bruyers [Bruyères-et-Montbérault] nach Laon[,] dort einquatiert.

Am 11. Sept. Abds. verladen. Vor Cambrai ausgeladen und hineinmarschiert einquatiert in einer Kaserne. Am 12. Sept. nachts allarmiert u. z. Front gekommen.

Schweres Artilleriefeuer ausgehalten.

Am 14. Sept. ein franz. Angriff vollständig abgeschlagen b. Buchavenes [Bouchavesnes-Bergen]. Am 15. Sept. Mittags durch einen Granatsplitter durch den Stahlhelm am Kopf schwer verwundet. Abends durch 4 Kameraden zurückgeschafft und ins Feldlaz. gekommen nach Bellicourt.

Am 24. Sept. weiter zurückgekommen in ein Kriegslaz. nach Caudry.

Am 27. Sept. opperiert.

Am 9. Ockt. verladen in ein Lazarettzug nach Deutschland.

Am 11. morgens ins Lazarett nach Witten a. d. Ruhr Evgl. Diakonissenhaus.

Am 20. Jan. [1917] nach Bedburg-Hau verlegt in Spezialbehandlung.

Am 22. März opperiert.

Vorstehende Erlebnisse ausführlicher beschrieben

Ich Musketier Staubach am 4.11.1896 zu Herbstein geboren / Oberhessen rückte am 11. Ocktober 1915 ein zum Militär[.] Zuerst war ich beim 2. Ersatz Batl. 2. Komp. Inf. 116 auf dem Truppenübungsplatz bei Darmstadt (Griesheimer Sand)[.] Dort ein strenger Hauptmann Namens Mannig[.] Am 29. Nov. 1915 kamen wir auf den Truppenübungsplatz nach Bard-Orb (genannt Lager Wegscheider) bei die 3. Komp. II. Ersatz Battl. Inf. 168[.] Dort wurden wir weiter ausgebildet bis zum 11. März 1916. Dann rückten wir aus ins Feld nach Frankreich und kamen in die Ofensive [sic!] die damals war bei Verdun. Schon an der Grenze hörten wir schon stark den Donner der Kanonen die erste französische Bahnstation war Audun le Roman [Audun-le-Roman]. Von da fuhren wir weiter bis nach Longuyon / Unterwegs sah man[,] daß Krieg war / Hier wurden wir ausgeladen. Am Bahnhof hatten wir einen kleinen halt. Hier war schon allerhand Betrieb. Truppen auf Truppen[,] Donner auf Donner und Dreck auf Dreck[.] Wir gingen dort erst in eine Kantine und tranken einen Schippen Bier. Es war Abends gegen 5 Uhr da ging es nun zu Fuß weiter, mit feldmarschmäßigem Gepäck. Wir mußten neben den Straßen marschieren auf durchweichtem Boden, da die Lastautos die Straßen benutzten[.] Wir marschierten bis etwa Mitternacht und kamen bei Marville in ein Schloß ins Quartier genant St. Schange [Saint-Jean-lès-Longuyon][.] Hier waren wir bis zum 20. März. Tagsüber wurde noch etwas exezirt. Während dieser Zeit war eines Abends eine schwere Explosion, daß alles bei uns im Quatir wackelte. Der ganze Himmel war feuer rot. Die Franzosen hatten ein Munitionslager von uns in die Luft geschossen.

Am 20. März ging es weiter, und kamen nah St. Laurent [Saint-Laurent-sur-Othain]. Hier kamen wir bei das Inf[.] Reg[.] 116[.] Ich kam in die erst Komp (genannt auch Leibkomp.)[.]

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Soldatenberichte des Infanterie Regiments 94 über die Schlacht bei Lutomiersk (2.-4. Dezember 1914)

Das Infanterie Regiment Großherzog von Sachsen (5. Thüringisches) Nr. 94 war vom 16. November bis 15. Dezember 1914 an der Schlacht um Lodz beteiligt. Am 2. Dezember kam der Befehl, die Höhe 181 südöstlich von Lutomiersk zu erobern. Auf dieser Höhe 181, dort wo sich auch heute noch ein Friedhof befindet, hatten sich die russischen Truppen verschanzt. Alle 12 Kompanien des IR 94 waren an dem Einsatz beteiligt.

Die Karte 18 aus Weltkrieg 7. Bd. herausgegeben vom Reichsarchiv zeigt den Frontverlauf bei Lodz Anfang Dezember 1914.
Karte von Ludomiersk und Bechcice heute. Der Anfang Dezember 1914 umkämpfte Friedhof ist eingekreist. (Quelle: openstreetmap.org)

Über die Ereignisse vom 2. bis 4. Dezember 1914 haben zahlreiche Soldaten des IR 94 Augenzeugenberichte angefertigt. Die Sortierung erfolgt aufsteigend nach den Kompanien. Zuerst kommt ein Bericht von Feldwebel Frischmann aus der Maschinengewehr-Kompanie, dann folgen die Berichte über die Kompanien 1 bis 12.

Soldatenberichte über die Eroberung von Höhe 181

Feldwebel Frischmann (MGK 94)

Sturm auf die Höhe 181 südlich Lutomiersk

Da es trotz mehrfacher, verzweifelter Anstrengungen dem Feinde nicht gelungen war, über den Ner zu gelangen, zog er sich in der Nacht vom 30.XI. zum 1.XII. zurück. Unser Regiment trat den Vormarsch an. Doch schon bald bekam unsere Spitze heftiges Feuer von einer Höhe , wo sich der Feind festungsartig verschanzt hatte. Ein Kirchhof, in deren Mitten gelegen, bildete schon von Natur aus den gegebenen Stützpunkt für die Verteidigung. Unsere Spitze nahm das Feuer auf. Indessen bot sich dem Regiment, sich in einem Wäldchen zu entwickeln, Gelegenheit. So kamen wir gedeckt und ohne Verluste ziemlich nahe an den Feind heran. Währenddem hatte die Artillerie die russische Stellung stark unter Feuer genommen und anscheinend gute Erfolge erzielt. Da kam um 20 Nm. der erneute Befehl zum Angriff. Unter dem heftigen feindlichen Feuer kamen wir nun langsam vorwärts. Jeder Schritt Bodens mußte buchstäblich dem Feinde abgerungen werden, ein Schützengraben lag hinter dem andern. Unsere Leute bedienten sich wacker des Spatens und hoben immer neue Gräben aus. Unsere geringen Verluste beweisen, daß sie um Decken und Schanzen ein gut Teil Fertigkeit erworben haben. Mein Zug M.G. hatte Befehl erhalten, sich in die Kompagnie einzuschieben, die am Friedhofe einbrechen sollte. Von hier kam ja auch das stärkste feindliche Feuer. Als wir in die Linie eingerückt waren, erhielten wir mörderisches Feuer. Es verstummte jedoch sofort, als wir unsere M.G. in Tätigkeit setzten. Durch unser M.G. Feuer wurde der Feind so niedergehalten, daß unsere eigenen Schützen ohne stärkere Verluste bis auf 100 m an den Feind sich heranarbeiten konnten. Die Infanterie machte sich zum Sturm fertig. Da erhielt ich on vorn den Befehl: „M.G. vor!“ Sofort befahl ich Stellungswechsel und war gerade dabei mich mit unseren beiden Gewehren einzurichten, da gingen die Russen zum Gegenangriff über. Gleich einer wilden Horde schreiend, schießend, stehend und um sich schlagend stürmten sie auf uns ein. Solchen Massen war unsere geringe Schar nicht gewachsen. Die Infanterie hielt den Stoß nicht aus und ging zurück. Wegen des schweren Gerätes konnten wir ihr nicht so schnell folgen. Auch war es uns nicht möglich, die Gewehre in Stellung zu bringen, da mittlerweile 1 Gewehrführer und 3 Mann verwundet waren. Ehe wir uns versahen, waren wir nun noch allein auf der Höhe, der Gegner hatte uns überrannt und drängte heftig hinter der Infanterie drein. Mit der Pistole verteidigten wir uns und unsere Gewehre so gut es ging, und retteten so unsere M.G. vor sicherem Verluste. Erst dem erneuten Vordringen der Infanterie gelang es, den vorderen Teil des Grabens und somit auch die Höhe an sich zu reißen. Der Feind trotz großer Überlegenheit war zurückgeschlagen und nun erfolgte sogleich die Neubesetzung der erreichten Höhe und Einrichten in den Schützengräben. In jede Kompanie wurden 2 Geschütze eingebaut, und jedes Bataillon erhielt ein Zug M.G. Ferner war der Scheinwerferzug aufgestellt, und die Munition der Infanterie wurde ergänzt.

Nachdem all das beendet, der letzte Spantestich getan war, drückte sich der eine oder der andere in eine Ecke, um ein wenig zu ruhen. Es war gerade Mitternacht, da kamen unsere vorgeschobenen Horchposten im Laufschritt mit dem Rufe zurück: „Die Russen kommen!“ Es bedurfte keines Kommandos, alles war am rechten Platze. Sofort setzte ein heftiges Feuer der Geschütze, M.G. und Infanterie ein. Im Lichte des Scheinwerfers konnten wir beobachten, wie der Feind in Kompaniefronten vorging und bereits bis auf 300 m an unsere Stellung heran war. Da wurde seinem Vorgehen ein Ziel gesetzt. Die Russen wurden niedergemäht, der Angriff fiel in sich selbst zusammen. Ein einzelner Russe, bekleidet, wie wir am andern Morgen feststellen konnten, mit einem deutschen Tornister, Helm und Mantel hatte sich bis auf 15 Schritt an mein linkes M.G. herangeschlichen. Noch zur rechten Zeit wurde er bemerkt, es kam nicht weiter. Gegen 50 Mgs wiederholte der Feind den Angriff; doch dies mal nicht so heftig wie in der Nacht. Auch er wurde abgeschlagen unter ziemlichen Verlusten für den Gegner. In der kommenden Nacht waren die Russen abgezogen und hatten, wie wir zählen konnten, 887 Tote zurückgelassen. Besondere Anerkennung gebührt bei dem 1. Nachtangriff einem Unteroffizier der Artillerie, der seine ganze Bedienung bis auf einen Mann an andere Geschütze, deren Bedienung abgeschossen war, abgegeben hatte und mit ausgezeichnetem Erfolge sein Geschütz während des ganzen Gefechts allein bediente. Doch wurde er leider kurz vor dem Abzuge der Russen noch schwer verwundet.

Frischmann

Feldwebel M.G.K. 94

Feldwebel Meihs 1/94

Meine Erlebnisse und Beobachtungen beim Sturm auf Höhe 181 bei Lutomiersk

Am 2. Dezember 1914 früh marschierte unser Regiment von Kazimierz ab. Kurz hinter Lutomiersk entfaltete sich unser Regiment und schob eine Schützenlinie nach vorn. Die Unterstützung folgte unter dem Schutz eines Waldstücks, welches 1 klm südl. Lutomiersk hinter dem Friedhof lag, bis dicht an die Höhe 181. Ich war zur Zeit Fahnenträger und konnte von dem Waldstück aus beobachten, wie sich unsere Leute nach vorn arbeiteten. Die Höhe 181 war sehr verschanzt und stark von Russen besetzt. Gegen Mittag erhielt das Regiment den Befehl zum Angriff. Auf Händen und Füßen, in einer Hand das Gewehr[,] in der andern den Spaten, ging es ungeachtet des heftigen feindl. Feuers immer näher an den Feind. Nachdem die feindl. Stellung durch unser heftiges Artilleriefeuer angriffsreif wurde, ging das Regiment 410 Uhr nachm. zum Sturm vor. Trotzdem der Feind uns stark überlegen war, wurde er mit dem Bajonett und Kolbenschlägen zurückgeworfen. Die Unterstützung ging nach einiger Zeit im Grunde weiter vor und die Nacht brach ein. Ich blieb bei dem Unterstab des I. Batl. und erwartete mit letzterem weitere Befehle. Das Feuer ließ auf beiden Seiten nach. Plötzlich machten die Russen einen Gegenangriff und ein heftiges Feuer überschüttete uns. Wir lagen einige 110 Meter vor der vorderen Linie zurück und befanden uns[,] da die Russen zu hoch schossen, hier direkt im Streufeuer. Etwa 1 Untffz. und 6 Mann lagen als Hüter der Fahnen neben mir. Zwei Mann wurden gleich verwundet und wir konnten nicht länger liegen bleiben. Um nun zu dem Reservezug der 4/94 zu kommen[,] mußten wir ein etwa 300 Meter breites ebenes Gelände überschreiten, in dessen Mitte ein stärkerer Bach floß. Die Dunkelheit brach an und ich verfügte zum Res. Zug der 4/94 zu gelangen. Unmittelbar vor dem Bach legte ich mich hin um auszuruhen. Beim nächsten Sprung fiel ich, da ich das Ufer des Baches verpaßt hatte, bis ans Koppelschloß ins Wasser. Der Kugelregen ließ nicht nach und ich konnte kaum an den steilen Ufern des Baches aus dem Wasser. Eine Stimme rief von dem Friedhof aus: „Hier bleiben.“ Es war der Regimentskommandeur, der von hier aus das Regiment befehligte. Trotzdem der feindl. Angriff sehr heftig war, wurde er abgeschlagen und die Höhe gehalten. Es folgte dann am Abend noch ein Angriff, der ebenfalls sehr heftig war, und gegen 500 Uhr Morgens ein dritter. Beide Angriffe wurden aber unter schweren Verlusten für die Russen abgewiesen. Das Regiment verblieb am 3.12.14 noch in seiner Stellung bis am 4.12.14 morgens die Meldung kam, daß der Feind abgezogen sei.

Meihs, Feldwebel

1. Komp. Inf. Regt. Großh. von Sachsen (5. Thür.) Nr. 94

Zeugen:               Vizefeldwebel Kühn III/94

                               Untffz. Albrecht 1/94

Uffz. Stellrecht 1/94

Meine Erlebnisse vom 2-5. Dez. bei der Stürmung der Höhe 181

Am 1. Dez. mußte meine Gruppe nach Lutomiersk, unter dem Kommando des V´Feldw. Schmidt auf Feldwache. Am andern Vormittag um 9 Uhr kam der Befehl, wir sollten zur Komp. zurück. Die Komp. war um 6 Uhr morgens von Kaschimir [Kazimierz] abgerückt, und lag hinter Lutomiersk in einem Wäldchen als Reserve, während unser II. Batln. Vorne im Gefecht lag. Nach einigem Suchen fanden wir die Komp. Als der Befehl zum Angriff kam, rückten wir vor bis zu einer Talmulde, und lagen dort bis zum Einbruch der Dunkelheit. Dann gingen wir, unter heftigem Gewehrfeuer der Russen, bis zu einem Birkenwäldchen vor. In demselben blieben wir einige Zeit liegen. Feindl. Geschosse schlugen fortgesetzt in den Bäumen ein, ohne zu treffen. Wir gruben uns dann vor dem Wäldchen ein, und blieben für die ganze Nacht. Am andern Vormittag mußte der erste Zug Patronen zur vorderen Reserve vorbringen, und blieb gleich dort als Reserve liegen. Abends gingen wir dann wieder zurück zum Birkenwäldchen, um in dem tags zuvor ausgehobenen Gruben zu übernachten. Ungefähr um 10 Uhr am andern Vormittag rückten wir vor. Die Russen hatten sich in der Nacht zurückgezogen. Wir gingen durch die Stellung unserer Artillerie vor, und wurden durch feindl. Artillerie beschossen. Wir gingen in Schützenlinien vor, sammelten hinter einem Hause, und blieben wieder als Reserve zurück. Am andern Abend lösten wir die vorderste Linie ab. Wir kamen auf Feldwache. Morgens um 1 Uhr wurde durch eine Patrouille von uns festgestellt, daß die Russen ihre Stellung verlassen hatten. Um 4 Uhr wurde unsere Feldwache von der 12. Komp. abgelöst. Ungefähr um 9 Uhr rückte alles in der Richtung Lodz vor. Wir wurden ungefähr eine halbe Stunde vor Lodz einquartiert. Dort blieben wir 2 Tage.

U´offz. Stellrecht 1. Komp

zu damaliger Zeit Gefreiter

Krug von Nidda 2/94

Abschrift

II/94 Gefechtsbericht für 2. 3. 4. 5. 6. Dezember 14

II/94 hatte am Abend des 1.12. Vorposten u. Vert. Stellg. südlich u. südöstl. Lutomiersk eingenommen. Am 2.12. 430 Vorm kam Befehl: feind steht bei Höhe 181 südlich Bechcice. 83 I.B. greift im Einklang mit 76 I.B. an, I.R. 96 von Norden über Ner, 94 von Westen, Beginn 700 vorm. Batl. gesammelt 645 Vorm. am Südosteingang Lutomiersk. 700 Vorm. Antreten, Reihenfolge 6/94 – 500m Abstand – 8, 7, 5/94. 710 Vorm. Bachlauf südöstl. Lutomiersk überschritten, 715 Vorm. Antreten auf Friedhofshöhe, 6/94 entwickelt. 720 Vorm. beginnt Feind aus Schützengräben, vom Bachgrund unsichtbar, lebhaftes Inf.u. M.G. Feuer auf 6/94. 8/94 wird rechts neben 6/94 eingesetzt. Angriff schreitet vor. Komp. I/94 verbleibt zunächst als Regtsreserve westlich des Bachlaufes. 800 Vorm. greift I.R. 96 nördlich neben 6/94 ein, aber nicht von Norden kommend, sondern gleichfalls über Lutomiersk anmarschierend.

Erste Verluste durch Strichfeuer. 1000 Vorm. sind 6 u. 8/94 über Westrand Höhe 181 nach vorn verschwunden. Meldungen u. Verkehr noch wegen starken Strichfeuers erschwert, 7/94 wird mit geringer Verlängerung nach rechts, wo auch Teile I/94 eingesetzt werden, in die Linie der 8/94 eingeschoben. Angriff kommt nicht erheblich weiter. Grund: Einklang mit 76. I.B. noch nicht hergestellt. Lage ändert sich wenig bis 130 Nachm. 130 Regts.-Bef. „130 Nachm. ist Angriff erneut vorzutragen.“ Einklang mit 76. I.B. war zwar immer noch nicht hergestellt; 83. I.B. hatte aber ohne Rücksicht herauf vorzugehen befohlen. Teile 5/94 daraufhin zur Verstärkung und Befehlsübermittlung zwischen 8. u. 6. eingesetzt. Flächenfeuer von halbrechts vorwärts. Es ergibt sich, daß russ. Stellg. Etwa 700-800 m jenseits des Westhanges Höhe 181 auf flachem, galcisartigem Plateau beiderseits des Friedhofes liegt. Vordere Linie arbeitet sich von 200-400 Nachm. von 600-700 m heran. Fd. hält trotz günstig scheinender Artillerie-Wirkung; fdl. Art. im Abschnitt II/94 nicht beobachtet. Am linken Flügel können Teile der I/94 hinter westlichen Häusern von Bechcice eingerafft werden, da rechter Flügel 96 regen Anschluss an 6/94 hat. 400 Befehl zum Sturm auf Kirchhofshöhe, 410 Nachm. ausgeführt, rechter Flügel 96 schießt sich selbständig an. Sturm gelingt, Russen flüchten mit schweren Verlusten durch Verfolg. Feuer. 5/94 nimmt im Sturm feindl. M.G. 430 Nachm. Befehl: auf Höhe 181 eingraben, nicht weiter vor, da 76 I.B. noch im Kampf um zu Businow. 500 Nachm. Ordnung u. Sammlung der vorderen Linie beendet, 1 ½ Züge 8/94 als Reserve bei westlichem Gehöft Bechcice. 530 Nachm. Gegenstoß der Russen, die sich anfänglich als Überläufer geberden [sic!] und auf 50x feuern. Mit schweren Verlusten für sie, aber nur mit äußerster Mühe abgewiesen. Feuer dauert indes den ganzen Abend mehr oder weniger an, da Fd. nur 700 m entfernt einen rückwärtigen Graben besetzt hält. Zwischen 700 und 900 Abends treffen ein und werden eingebaut: Scheinwerferzug, 1/F.A. 55, 8/94 kann aus vorderer Linie ganz in Reserve genommen werden. Anschluss rechts an I/94 (11. Komp) hergestellt. Höhe 181 von einem Gewirr alter u. neuer Schützen- u. Deckungsgräben in allen möglichen Fronten durchzogen. Schwierigkeit der Übersicht u. Feuerleitung. 1215 Nachts (2./3.12)-1245 Nachts 2. starker russ. Gegenstoß, bricht mit ungeheuren Verlusten 100 m vor der Front an alten Schützengräben zusammen, den Fd. für unsere Stellung hielt. Diesseits äußerste Erschöpfung. Hervorragendes Nutzen der Scheinwerfer und Batterien: 300 Nachts erneutes lebhaftes Gefecht, partielle Vorstöße, es droht Panik, Russen folgen aber nur unsicher, und durch Festhalten der 5. u. 6/94 an ihrer Stellung, Einsatz der 8/94 gelingt 615 Vorm. halten u. Wiederbesetzung der gesamten Front. Zwischen 1000 und 1200 Abends am 2. war Feldküchen + Verpflegungsaus. Größten Teils der vorderen Linie gelungen, ebenso Patronenergänzung durch einzelne Gruppen 8/94. Am 3.12. blieb die Lage tagsüber unverändert. Flankenfeuer aus Richtung Ziegelei zwischen Konstantijnow u. Bechcice am nördl. Ner-Ufer erschwerte die Verbindung u. machte Ablösungen der vorderen Linie unmöglich. Mittags wurde 1 Pi. Komp. als weitere Reserve zur Verfg. gestellt, bei Dunkelheit 7/94 durch 8/94 und die zeitweilig unterstellte 11/94 durch die gleichfalls eintreffende 8/71 abgelöst. Nachts 3. 4.12. kein russ. Angriff. 600 Morg. ergab sich, daß Fd. zurückgegangen war. 4.12. Vorm. einige Aufräumungsarbeiten, Verlustfeststellung ungefähr (rund 200-250 Mann Tote u. Verwundete, Stärke vor dem Angriff rund 650 Mann.) Vor der Front II/94 rund 500 tote Russen, in größerer Entfernung noch erheblich mehr. 4.12. 130 Nachm. Befehl zum weiteren Angriff gegen Höhe 192 südwestlich Jozefow. 7. 5. 8. gehen in vielen Lienen hintereinander in Richtg. Wäldchen zu Florentynow vor, 6/94 zur Verfg. d. Regts.

Feindl. Art. Feuer liegt auf ganzem Raum, Verluste unerheblich (3 l. verw). 400 Nachm. Ostrand Waldstückes erreicht, Batln gräbt sich ein, I/94 war durch Grabszyna in gleiche Höhe vorgegangen, 96 blieb um 1-1 ½ km zurück (Flankierung von Konstantynow her). Aufstellung für die Nacht: 5. 7. In vorderer Linie, linken Flügel zurückgebogen, 8. im Waldstück als Reserve. Patr. Gang Ner-∆ 192. Fd. auch hier wieder nahe dem Ostrand verschanzt. 5.12. Brig. soll 700 Vorm. angreifen. Einklang mit 76. I.B.! Untunlich, solange Konstan[t]ynow in Feindes Hand, Regt. also auch II/94 warten ab, da am weitesten vorn. Angriff durch Lage der Nachbartruppen verzögert bis zur Dunkelheit, dann von 83. I.B. aufgegeben. Nacht 5. 6.12. Patr. Gang wie .4. 5.12.. 500 Vorm. Jozefow u. 800 V. Ner-Brücke südl. Konstantynow frei vom Fd. Gemeldet. Desgl. 600 Vorm. Räumung der feindl. Stellung östlich 192 gemeldet.

gez. Krug von Nidda

F. d. R.

[Unterschrift: v. Mutius]

Reservist Hugo Tonndorf 3/94

Bericht über den Sturmangriff der 94. auf Höhe 181

Am 1. Dezember verließen wir Kasemier [Kazimierz], wo wir bereits 10 Tage unter heftigen Kranatfeuer [sic!] gelegen haben. Wir marschierten 5-6 Kilometer vor wo wir wieder auf den Feind stießen. Die Russen werden zurück geschlagen und setzen sich auf Höhe 181 fest. An 3. Dezember wurde die Höhe von der 2. und 11. Kompanie in Sturm genommen. Wir lagen in Reserve und bekamen am 4. Dez. den Befehl in die vortere [sic!] Linie einzuschwärmen. Am 5. Dez. verließen die Russen Nachts Fluchtartig ihre Stellung, worauf wir Ihnen wieder unter schweren Artilleriefeuer folgten.

Reservist Hugo Tonndorf. 3./94

Gefreiter August Bolender 5/94

Bericht!

Der heiße Kampf um Höhe 181 am 2. Dez. 1914 war gegen Abend beendet. Die Komp. schanzte sich auf derselben ein. Bald lag alles nach des Tages Last und Hitze in tiefem Schlummer, und nur die Posten waren auf ihrer Hut. Ich hatte das Glück mit einem Kameraden um Mitte der Nacht auf Horchposten zu ziehen. Kaum späten [sic!] wir eine halbe Stunde in das Dunkel der Nacht hinein, als ein dicke Masse sich gegen unseren Graben heran wälzte. Sofort erkannten wir einen Angriff der Russen und im Laufschritt ging ich zurück, alarmierte die Kompagnien sodaß der feindliche Angriff erfolgreich abgeschlagen wurde. Schon nach 2 Stunden versuchte der Feind dasselbe aber mit genau so blutigen Köpfen machten sie: Kehrt Marsch.

Gefreiter August Bolender

5./94

Zeugen: Gefr. Rifka

Gefr. Schäfer Untffz. Kaiser 5/94

Für die Glaubwürdigkeit!

[Unterschrift: Diener]

Leutnant d. R. u. Komp.-Führer

Gefr. Karl Deckert 5/94

5. Kompagnie

Inf. Regt. Grossherzog von Sachsen

(5. Thüringisches) Nr. 94

5/94

Ein Erlebnis auf Höhe 181

Im Gefecht am 2. Dezb. 14 auf Höhe 181 war es mit Schwierigkeiten verknüpft. Lebensmittel für unsre kämpfende Truppe vorne zu schaffen.

Da fast das ganze Gelände beschossen wurde, konnten wir nur auf unsern Lebensmittelwagen bis an den östlichen Ausgang von Lutomiers [Lutomiersk] fahren. Hier erhielt ich in der Nacht vom 2. zum 4. Dezb. von Herrn Vizefw. Lohfink den Befehl mit den Muskt. Gerard u Urbahn unserer Komp. jeder ein Sack Brot auf die Schulder [sic!] zu nehmen, um selbiges in die forderste [sic!] Linie zu bringen.

Kaum waren wir aus der ungefähr 500 mtr gedeckten Stellung heraus, so summten uns schon die blauen Bohnen um die Ohren. Um den Tod oder einer Verwundung aus dem Wege zu gehen, mußten wir uns Sprungweise vorarbeiten. Bald außer Adtem [sic!] gelangten wir an einem einzeln Gehöft an u wir benutzten hier die Gelegenheit um etwas zu Verschnaufen, in dem selbigen Augenblick bemerkte uns Sergt. Simon unser jetziger Komp. Feldw. er freute sich darüber[,] daß wir angelangt waren u zeichte [sic!] uns sofort den Weg nach der ungefähr 6 Minuten noch entlegenen Stellung. Mit frischem Mut liefen wir nun dem Ziel entgegen, trotzdem wir hier tüchtig beschossen wurden, verlohren wir doch die Lust nicht, aber nicht seltenes war es, viele unserer tapferen Kameraden tod auf den Erdboden zu sehen u starten Kalten Blickes auf uns. Endlich im Schützengraben angelangt, meldete ich mich bei unserm Komp. Führer Herrn Ltn. d. Reserve Rohsendorf[,] das wir Brod für die Komp. gebracht haben. Gleichzeitig übergab ich Herrn Ltn R. auch einige gut belegte Brode, welche unsere Herrn auf einige Tage hatten verschmertzen müssen.

Als wir das Brod verteilt hatten, gab mir Herr Ltn Rohsendorf den Befehl, ein Trupp Kameraden mit nach hinten zu nehmen, welche je mit 4 Kochgeschirren versehn waren, um bei der Feldküche, welche auch am östl. Ausgang von Lutomiers [Lutomiersk] stand, Essen zu holen.

Ohne von einer feindl. Kugel getroffen zu werden kehrten wir bei Herrn Vizefdw. Lohfink zurück.

[Unterschrift Karl Deckert]

Gefr. der Landw. 5./94

Zeugen Feldw. Simon

                Muskt. Gerard

                Muskt. Urbahn

Utffz. Höfer

Leutnant Brockmann 6/94

Über die Mitwirkung der M.G. auf Höhe 181

Die Verluste, die das II. Bataillon I.R. 94 während der Kämpfe um Höhe 181 hatte, stammen nur zu einem kleinen Teile von Angriff und Sturm selbst. Sie rühren der Hauptsache nach vom ersten Ansturm der Russen her, der noch am Abend des 2. Dez. verfolgte und in zweiter Linie vom dritten Angriff der Russen, am Morgen des 3. Dez.

Daß der eigentlich Sturmangriff, durch den das II. Bataillon sich in den Besitz der Kirchhofshöhe setzte, unter verhältnismäßig sehr geringen Verlusten vor sich ging, ist hauptsächlich der eifrigen Mitwirkung der Maschinengewehre zu verdanken, die den Moment sofort ergriffen und den Sturm des Bataillons durch ununterbrochenes Feuer nachhaltig unterstützte.

Von unserer linken Flanke ein Zug M.G. 96 (Offz. Lt. Oschatz), von der rechten Flanke ein Zug M.G. 94 (Fw. Frischmann) deckten mit ihrem Feuer den russischen Schützengraben zu und schossen solange, bis das geschlossene vorstürmende Bataillon an ihre Garben kam.

Brockmann

Leutnant u. Komp. Führer 6/94

Vizefeldw. d. R. Hans-Joachim Stahlschmidt 6/94

31. Juli 1915

1-2.XII 15

Bei Kriegsausbruch diente ich als Einj. Freiw. bei der 6. Comp. des Regiments und nahm an sämtlichen Gefechten bis zum 2. Dezember des vorigen Jahres teil. –

Nachdem die Comp. während der Nacht vom 1. zum 2. Dez. südöstlich Ludomiersk geschanzt hatte, rückte das Bataillon, die 6. Comp. als Spitzenkompagnie auf der Straße nach Bechcice vor. Ich befand mich beim 2. Halbzug des I. Zuges und erkannte die auf der Anhöhe vor uns im Morgenlicht schanzenden Gestalten unzweifelhaft als Russen. Durch Zuruf wurde die Spitze aufmerksam, ebenfalls erkannte uns der Gegner im nächsten Augenblick. Der 1. Halbzug wurde von Feldwebel Schmaun rechts heraus entwickelt, während der 2. Halbzug nachdem er kurze Zeit das Feuer der Russen halber sich hingelegt hatte, rechts anschließend ausschwärmte und in Stellung ging. 1 Truppen waren bei dieser Gelegenheit hinter die Schützenlinie gekommen und waren außerstande, in einer Art Graben liegend, ihrerseits auf den Gegner das Feuer zu eröffnen. Ich nahm die Gruppe neben mir an mich, nachdem der Truppenführer verwundet worden war und brachte sie beide nun in mehreren Sprüngen an die richtige Stelle, wo wir in Wirksamkeit treten konnten. Leider hatten wir wenig, meistens gar keine Deckung und waren gezwungen, uns im Liegen einzugraben, während ein Teil der beiden Gruppen schanzte. Ich hatte kaum den Spaten zur Hand genommen, als ich durch einen Gewehrschuß verwundet wurde. Als die Maschinengewehre eingesetzt wurden, erstattete ich noch einem Leutnant der 7. Comp. Bericht – die Comp. war auch bereits im Feuer – über die Lage weiter bei der 6. Comp., worauf ich bald durch einen Wald gedeckt zum Verbandplatz kam. – Nach meiner Wiederherstellung traf ich in Rawa bei meiner alten Compagnie wieder ein.

Hans-Joachim Stahlschmidt

Vizefeldw. d. R.

[Drei Unterschriften von Zeugen]

Musketier Willy Schulze 6/94

Bericht vom 2 Dezember 1914

Als wir von 1 Dezember zum 2 Dezember, an einen Waldrande Schützengräben ausgehoben, haben kam der Befehl sofort zum Vorgehen es war früh zwischen 5 u 6 Uhr als wir den Marsch an traten, wir sind ungefähr eine ½ Stunde geschlossen gelaufen, da hieß es halt und alles in den Graben legen. Von hier aus wurde 1 Spitze vorgesant u das andre folgte ungefähr ¼ Stunde später, auch einmal hieß es Spitze halt, u erster Zug ausschwärmen, u nun ging es quer über Feld ich war Schütze ihn ersten Zuge, u da sahen wir vor uns auf der Höhe 181 welche Schanzen, u da hieß es auf eimal [sic!] es sind 96 u nun wurde de gemeldet durch die Verbindungsleute es sind eigene Truppen, u wir sind ihnen weiter for gegangen bis auf 600 hundert meter, u da sahen wir, wie uns 4 bis 5 Mann auf uns zukommen, u sie machten aber gleich wieder zurük u sobald erhielten wir lebhaftes Feuer von den Russen, u es hieß bei uns gleich Stellung u wir haben sofort das Feuer auch eröfnet. Als wir ungefähr 1 ½ Stunde in größten Feuer lagen wurde von links u rechts gemeldet das Patronen bald fehlen, u der Feldwebel Lehmann gab dem Schützen Kuch den Befehl, er soll zurück laufen, u Patronen bestellen als er ungefähr 200 hundert meter zurück gelaufen war stürzte er hin und war tot. Und die Artillerie hat aber von uns sehr gut in die Russische Schützengraben geschossen so das es uns sehr viel Spaß machte, u bald bekam ich den Befehl zurück zu laufen u Patronen zu bestellen, da der andere doch tot war, u ehe ich den Befehl erhielt bekam ich einen Schuß durch die linke Hand. Und sofort namm ich mein Gewehr u lief was ich laufen konnte zurück, u bei zurück gehen, erhielt ich 4 Schuß durch den Tornister welche ihn Schnürschuhen stecken bliebe, u zu gleicher Zeit bekam ich einen streifschuß an linken Arm u an Bein. Als ich ungefähr 400 hundert meter zurük gelaufen war, stand ein Haus u hinter den haus lagen 96 u da stand unser Hauptmann, u er fruch [sic!] was ich wollte u warum, ich in so einen Feuer zurück gelaufen war.

Da hab ich ihnen gesagt das Patronen fehlen, u da sagte er, ich sollte ins das Dorf laufen, es war ungefähr 10 Minuten zu laufen, u sollte Patronen bestellen beim Wagen, u da bin ich gelaufen so gut ich konnte, u hab Patronen bestellt.

Und Müller der den Patronenwagen führt ist sofort forgefahren. Und ich bin auf den Verbandsplatz gelaufen, wo ich Verbunden worden bin. Denselben Nachmittag sind wir noch nach der Grenze gekommen, es hat 2 Tage gedauert, ehe wir an die Grenze kammen.

Von der Grenze aus sind wir nach Augsburg in Lazaret gekommen, wo ich bis Ende Januar war, u dan bin ich nach Weimar gekommen.

Von Weimar aus sind wir nach Jena gekommen, von wo aus ich den 6 April 1915 wieder mit ins Feld gerückt bin. Und bin auch wieder bei meine alten Kompanie gekommen, worüber ich mich sehr gefreut habe, und meine Kameraden haben sich auch sehr gefreut. Damit ich wieder da bin.

Geschrieben von Musketier Willy Schulze

6/94

[Unterschrift Brockmann]

Leutnant d. R. Stier, Zugführer des 2. Zuges der 7/94

Der Kampf um die Höhe 181

Bericht von Leutnant d. Res. Stier

I.

Bei Beginn des Gefechts am 2.XII.14 war ich Zugführer des 2. Zuges der 7/94. Die Komp. führte Leutnant d. R. Höhn. Sie war zunächst in 2 Linie und folgte der 8/94, die in vorderster Linie focht, aufgelöst nach der 2. Zug innerhalb der Komp. an 2. Stelle. Durch die Verschiebung der 8/94 nach links kam der vorderste Zug 7/94 in 1. Linie. Auf den gegen Mittag gegebenen ersten Angriffsbefehl hin arbeitete ich mich mit dem Zuge gruppenweise links neben dem inzwischen auch eingesetzten Zuge Müller (Ltn. d. Res.) der 5/94 bis in die vorderste Linie vor, in dem wir uns nach jedem Sprung immer wieder rasch eingruben. Der Angriffsstreifen der beiden Züge deckte sich ungefähr mit der südwestlich-nordöstlichen Diagonale des Friedhofs. 150 m vor dem Friedhof kam die Bewegung einige Zeit zum Ruhen, weil die Linie links und rechts noch zurück war, auch die eigene Artillerie uns gefährdete. Erst kurz nach 4 Uhr Nachm., als die Dämmerung schon einsetzte, ging dann alles vor, links gegen den russ. Schützengraben 8/94 (Zug Ltn. d. Res. Reichardt), 7/94 auf den Friedhof zu, dessen Mauern auch von den Russen besetzt waren. Der Feind ging zunächst zurück. Der notwendigen energischen Verfolgung stellten sich nun folgende Umstände entgegen: die Vermischung der Verbände, herbeigeführt durch die Konzentrierung der Angriffe auf die Höhe, die Notwendigkeit für 7/94, erst durch den Friedhof zu gehen, plötzlich einsetzendes Flankenfeuer von links und die hereinbrechende Dunkelheit. Daher spielte sich in den folgenden Minuten der Kampf  so ab: die verfolgende, aus allen beteiligten Kompagnien zusammengesetzte Schützenlinie hatte schon vor der russischen Stellung IV eine große Anzahl Russen als Gefangene zusammen getrieben, als sie von Feind aus der linken Flanke und von rückwärts, wahrscheinlich von eigenen Truppen (Reg. 71?), beschossen wurden. Sie mußten deshalb zurückgehen und die Gefangenen im Stich lassen. Letztere bemächtigten sich darauf wieder der Gewehre und eröffneten ebenfalls auf unsere zurückgehende Angriffslinie ein lebhaftes Feuer, folgten aber nicht nach. Durch diese für uns günstige Unterlassung konnten unsere Truppen durch die Offiziere u. Zugführer vor den Friedhof zum stehen gebracht werden, zumal d. Feind durch die lebhaft feuernden Maschinengewehre des Regiments auch on einem Gegenstoß abgehalten wurden. Bis dahin hatte 7/94 ihre Hauptverluste erhalten, die sich aus den Berichten der Komp. ergeben werden. Auch Ltn. d. R. Höhn war beim Sturm verwundet worden.

II.

Ich übernahm die Führung der Komp. und besetzte, unterstützt von dem bei Milegti schwer verwundeten u inzwischen verstorbenen Lt. v. Wurmb, mit den Resten der 7/94, etwa 80 Gewehren, Leuten der 2. 5. u. 11. Komp. den verlassenen, von russischen Leichen und Schwerverwundeten angefüllten Schützengraben I. Teilweise mussten sich die Leute dahinter neu eingraben, weil sie im Graben neben den einzelnen Toten keinen Platz hatten. Da die verfügbaren Kräfte zu einer kampfkräftigen Besetzung nur etwa bis zum Punkt (siehe Skizze [Anmerkung: Skizze fehlt]) reichten, hatte sich der mit anwesende Führer der links anschließenden Komp. Res. 96 eben bereit erklärt, links zu verlängern, als der Befehl kam: „II/94 am Friedhof sammeln!“ Das feindliche Feuer hatte inzwischen fast ganz aufgehört. Major Krug v. Nidda versammelte die Komp. Führer u. setzte die Verteidigungslinie fest, wie sie sich aus der Skizze ergibt [Anmerkung: Skizze fehlt] 6 u. 8/94 kam in Reserve. 5 u.7/94 legten Schützengräben mit Eindeckungen an; das Material wurde aus den russ. Gräben geholt, die überhaupt abgesucht wurden. Der russische Deckungsgraben III 150 m nördl. der Front wurde nach Vereinbarung mit 5/94 durch je eine stehende Patrouille besetzt. Gegen 9 Uhr abends war alles fertig und geordnet, einen Teil der verwundeten Leute konnte Ruhe gegönnt werden. Stellung der der 7/94 zugeteilten Geschütze und der großen Scheinwerfer: siehe Skizze.

III.

Kurz nach 12 Uhr nachts kam die stehende Patrouille 7/94 durch den russischen Schützengraben II zurück mit dem Ruf: Die Russen kommen. Sofort begann der große Scheinwerfer zu leuchten. In seinem Lichte sah man den Feind (siehe Skizze) in zwei dichten Linien herankommen, die erste in gerader Front, die zweite in schräger Front, offenbar aus dem Schützengraben IV. Hinter der ersten Linie folgten Kolonnen. Die Komp eröffnete ein wohlgezieltes Feuer. Die Artillerie schoß lebhaft; reihen weise fielen die angreifenden nach manchem Schuß. So brach der Angriff etwa 100 m vor der Stellung zusammen. Der Feind ging zurück. Die Regte der vordersten feindl. Linie retteten sich in den Laufgraben III. Von dort her feuerten sie den Rest der Nacht und am 3.XII. lebhaft u. brachten der Artillerie und der 7/94 noch manchen Verlust. Die Schutzschilde der Artillerie waren vollständig durchlöchert, der Scheinwerfer konnte nicht mehr abgedreht werden, sein Spiegel wurde zerschossen.

IV.

Bei dem zweiten Versuch der Russen gegen Morgen, die Höhe wieder zu gewinne, ging gegen die Komp. kein Gegner vor. Da aber der Scheinwerfer nicht mehr wirkte, es auch inzwischen neblig geworden war, die beiden Geschütze nicht mehr schossen – es fehlten die Bedienungsmannschaften, der rechte war unbrauchbar, bei dem linken hatten Leutn. Binder die letzten 6 Schüsse alleine gefeuert – konnte nun kein klares Bild gewinnen.

Die Kompagnie hielt daher das Vorgelände bis zum anbrechenden Morgen unter lebhaften Feuer, um einem etwaigen Angriff von dieser Seite vorzubeugen. Unter denen, die bei diesem zweiten Angriff aus mir unbekannten Gründen zurückgingen, befanden sich nur einige Leute der 7/94, die links eben dem linken Geschütz gelegen hatten. Aus der Linie vor dem Friedhof, in der Komp. Führer lag, ging kein Mann zurück.

V.

Im Laufe des 3.XII. wurden durch das eigene Feuer u. durch die von Norden her flankierende Batterie Hiller die Russen im Laufgraben III zum Überlaufen gezwungen. Sie kamen teils zu 5, teils zu 7/94. Einige wurden von Leuten der 7/94 zum Ausbuddeln angestellt. Bei Eintritt der Dunkelheit wurde 7/94 durch 8/94 abgelöst.

[Unterschrift: Stier]

Leutnant u. Kom. Führer

Leutnant Reinhardt 8/94

Erinnerungen an den 2. Dezember 1914

Nach den schweren Tagen des 14. bis 19. Nov., die für uns den hervorragenden Erfolg des schnellen Vordringens über Poddembice [Poddębice] nach Süden, allerdings unter sehr großen Verlusten, besonders für unser Regiment, brachten, lagen wir 10 Tage lang den Russen am Ner unmittelbar gegenüber. Diese Ner-Linie mußte unbedingt gehalten werden u. wurde von uns auch gehalten, trotzdem die russische schwere Artillerie unter vorzüglicher Beobachtung von ihrem höher gelegenen Stützpunkt Lutomiersk auf unsern gegenüber liegenden Ort Kazimierz tagtäglich mit einer fast mathematisch genau zu beschreibenden Pünktlichkeit u. Dauer beschoß.

Wenn genügend schwere Granaten verschwendet waren, so wurde mit Schrapnells der Feldartillerie abgewechselt, die teils mit Brenn- teils mit Aufschlagzünder wirken sollten, der Erfolg war der, daß unsererseits nicht einen Schritt gerückt wurde, es wurden höchstens einige wenige Häuser, die durch Volltreffer, bei denen es naturgemäß auch Verluste gab, oder durch Einschläge in der unmittelbaren Nähe, die die Fensterscheiben bersten, unbrauchbar gemacht waren, mit dem Ausdruck des Bedauerns um das schöne Quartier verlassen, um ein benachbartes Haus oder einen Unterstand zu beziehen.

Dagegen hat die russische Artillerie die prachtvolle, neue steinerne Kirche von Kazimierz vollständig ruiniert, die mit einem für solch kleinen Ort ganz erheblichen Kostenaufwand von 60000 Rubel gebaut u. gerade fertiggestellt war. Es wurde jedenfalls ein Beobachtungsstand unserer Artillerie im Kirchturm vermutet, denn ein Geschoß nach dem andern schlug in oder neben der Kirche ein. Ich hatte Gelegenheit, den Einschlag einer Granate in das Dachgebälk des Turmes zu beobachten: Das ist kaum glaublich, mit welcher Wucht die langen, schweren Balken in weitem Umkreis herumgeschleudert wurden. Als ich mir die Kirche dann im Innern ansah, bot sie ein Bild vollständiger Verwüstung, bis auf den Hochaltar, der dank seiner Lage entgegengesetzt dem Turm vollständig erhalten war, während starke steinerne Pfeiler, die bis zur Decke gereicht hatten, vollständig geknickt waren.

Es ist dies ein Beweis dafür, wie wenig die Russen – auch selbst im eigenen Land – hervorragende Bauwerke u. dergl. verschonen, wenn sie den Verdacht haben, daß diese in irgend einer Weise für unsere Zwecke dienstbar gemacht sein könnten. Das Gegenstück hierzu bildet die fast regelmäßige Besetzung der Friedhöfe durch die Russen, die hier in Polen meist auf den Höhen sehr schön angelegt sind. Die Friedhofsränder werden stets in die Verteidigungslinie einbezogen u. stark befestigt, hinter dem Friedhof Batterien aufgestellt, sodaß unsere Artillerie zur Beschießung u. mehr oder weniger Vernichtung der Friedhöfe direkt gezwungen wird. Erfolg: großes Geschrei u. Beschwerden bei den Neutralen über unsere unmenschliche Kriegsführung, die nicht einmal die Gräber verschont u. jeder Spur von Pietät bar ist!

Nach dieser kleinen Abschweifung, verursacht durch die Kirche von Kazimierz, bringt mich der Kirchhof wieder auf meine eigentliche Schilderung der Höhe 181, die auch mit einem Friedhof gekrönt war.

Nachdem am Abend des 30. Nov. bereits verdächtiges Rollen u. Wagenrasseln von jenseits Lutomiersk zu vernehmen gewesen war, konnte am Morgen des 1. Dezember plötzlich eine unserer Patrouillen bis auf den Marktplatz von L. vordringen u. feststellen, daß der Ort, von dem aus wir so oft u. lange – allerdings ohne Erfolg – geärgert worden waren, von den Russen vollständig geräumt war. Auch die dahinter befindlichen Höhen waren frei u. sofort vorgetriebene Kavallerie-Patrouillen brachten bald Meldung, daß der Feind nach Süden abgezogen, der Ort Wygoda Mikolajewska  [Wygoda Mikołajewska], ungefähr 4 km südl., aber noch besetzt sei.

Das II. Batl., dem ich als Komp.-Offizier der 8. Komp. angehörte – war erst am 24.11. dahin versetzt worden, u. zwar zu meinem größten Bedauern, da ich bisher den ganzen Feldzug mit seinen Freuden u. Leiden bei meiner 2. Komp. mitgemacht hatte – erhielt den Befehl, über den Ner vorzugehen, Lutomiersk zu besetzten u. jenseits desselben für die Nacht eine Verteidigungsstellung auszuheben, was auch geschah. Die Nacht verlief jedoch ruhig, da der Gegner aus begreiflichen Gründen auf einen Angriff auf Lutomiersk verzichteten.

Dagegen erfolgte am frühen Morgen des nächsten Tages der Befehl zum Vormarsch nach Südosten u. wir merkten bald, daß ein heißer Tag bevorstand. Der 2. Dezember war für unser Regiment vom Kriege 70/71 her ein Ehrentag, denn an diesem Tage hatten unsere Väter bei Loigny Poupry heldenmütig gekämpft, u. beim Vormarsch dachte ich daran, wie ich oft ehrfürchtig als junger Soldat den begeisterten Erzählungen der alten Kameraden des Regiments von anno 70 gelauscht hatte, die alle in dem einen Namen vor manchem anderen gipfelten: Poupry; ferner gedachte ich der erhebenden Feier, die ich später als junger Leutnant im Casino des Regiments zu Ehren des Tages u. der Kämpfer von Poupry mitfeiern konnte, u. mit mir wird wohl jeder von uns an diesem Morgen nur den einen Gedanken gehabt haben: „Heute wird´s den Alten gleich getan!“

Befohlen war: Regiment greift an, nimmt u. hält russische Stellung auf Höhe 181 südöstl. Lutomiersk!

Das II. Batl. war vorn, das aus dem I. u. III. vereinigte Bataillon in zweiter Linie. Unsere 6. Kompagnie war noch im Helldunkel früh bereits an der Höhe auf den Gegner gestoßen, mit kolossalem Feuer begrüßt worden u. hatte sich mit 2 Zügen gegenüber der Russenstellung links von dem bereits erwähnten Friedhofe im feindlichen Feuer eingeschanzt. Rechts davon mit Richtung u. Front auf den Teil der Höhe rechts vom Friedhof verlängerten 11. u. 12. Kompagnie.

An einem Bachübergang, ungefähr 2000 m vom Friedhof noch entfernt, wurden noch 2 Komp. des II./94 zum Angriff angesetzt, davon links meine 8. Komp., u. zwar diese zunächst mit 2 Zügen, mit Richtung auf die vorn liegende Linie der 6. Komp. bezw. Auf einzelne links davon befindliche Häuser des Dorfes Bechcice, das in halber Höhe etwas seitlich liegt. Das Nachführen von Unterstützungen beim Angriff auf russische Stellungen ist an sich schon keine sehr leichte Aufgabe, die russischen Infanteristen legen im Schützengraben das Gewehr nur unvollkommen auf, zielen ungenau u. überschießen dadurch vielfach die vordere Linie, während die Geschoßgarbe mit erheblicher Tiefenstreuung weiter rückwärts einschlägt u. unseren Unterstützungen u. oft sogar mehrere 2-3 Kilometer rückwärts befindlichen Truppenteilen ziemliche Verluste beibringen. Bei unserem Angriff war es nun ganz besonders toll, denn als der Gegner den ernstlichen Angriff erkannt hatte, schoß er ganz besonders heftig u. von da ab jedenfalls absichtlich auf die vorgehenden Verstärkungen, denn unsere vorderste Linie war später weniger im Feuer u. konnte sich den ganzen Tag über gut halten ohne große Verluste.

Dagegen fingen diese bei meinem Zuge gleich beim ersten Sprung aus einer Deckung bietende Mulde an; weit u. breit war keine Deckung auszumachen, es mußte also über das freie Feld weiter vorgegangen werden, das ging natürlich in diesem Kugelregen nur in ganz kurzen, schnellen Sprüngen, u. jeder Mann mußte sich sofort nach dem Hinlegen mit dem Spaten eine einigermaßen hinreichende Deckung aus heben. Auf diese Weise gelang es, jedoch erst nach Stunden, den Zug unter Vermeidung größerer Verluste bis hinter die ersten Häuser von Bechcice zu bringen, wo er nur noch 150 m hinter der vorderen Linie war u. vorläufig bereitstehen sollte. Später brachten dann einzelne Gruppen Munition in die vordere Linie u. dann setzte ich am frühen Nachmittags den Zug ganz ein.

Nach Verlauf von weiteren 3 Stunden waren rechts von uns die Kompagnien auch bis in unsere Höhe vorwärts gekommen, die Unterstützungen hatten sich herausgearbeitet, das Rgt. 96 hatte links von uns sich in den Besitz eines weiteren Teiles des Dorfes Bechcice gesetzt, leider nur teilweise, wie sich später herausstellte, u. nun kam gegen 5 Uhr nachm. für uns der Befehl zum Sturm, u. zwar sollte vom linken Flügel aus angetreten werden.

Das galt also mir, als dem Zugführer am weitesten links; ich nahm also einen Halbzug der 6. Komp., der noch links von meinem Zuge lag u. ohne Führer war, mit unter meinen Befehl u. trat aus dem schützenden Graben hinaus, mein Zug hinter mir. Wie durch einen Zauberspruch verlängerte sich die Linie nach rechts, u. ich kann wohl sagen, daß ich ein Gefühl freudigen Stolzes hatte, als auf „Marsch“ die ganze Linie antrat u. sich wie eine eherne Mauer vorwärts schob. Wie ein Blitz durchzuckte mich noch einmal der Gedanke an Poupry 1870, dann gab´s keine Zeit mehr für anderes, denn die Russen, die über unsere Frechheit, uns ihnen in ganzer Größe vor die Flinten zu stellen, vielleicht anfangs etwas verdutzt waren, fingen jetzt an, wieder etwas lebhafter zu schießen, sodaß in unserer Linie manche Lücke entstand, die sich aber sofort magnetisch wieder zusammenzog.

Jetzt zeigte sich nun der Erfolg einer guten u. sorgfältigen Bearbeitung der russischen Stellung durch Infanterie. Während uns unsere Artillerie bei dem Angriff für die vordere feindliche Stellung nicht unterstützten konnte, war auf diese Stellung den ganzen Tag über von uns ein wohlgezieltes sorgsames Schützenfeuer unterhalten worden, sodaß sie tatsächlich lediglich durch Infanterie „sturmreif“ gemacht worden war, denn, als wir die letzten 50 m des Sturmanlaufes mit „Marsch, marsch, Hurra!“ u. gefälltem Bajonett vor dem Einbruch zurückgelegt hatten, da waren nicht mehr sehr viele Russen da, die ernstlichen Widerstand versuchte, die meisten gaben sich gefangen oder ergriffen die Flucht, um sich in weiter rückwärts gelegene Gräben in Sicherheit zu bringen. Dies gelang aber nur ganz wenigen, den[n] ich stürmte über die genommene Stellung weiter vorwärts u. geriet mit 2 Zügen, die ich mittlerweile zusammengebracht hatte, in einen wundervollen russischen Deckungsgraben, der wie für uns ausgehoben schien u. aus dem wir die fliehenden Feinde in ein gutes Verfolgungsfeuer nehmen konnten, bis die Dämmerung dem weiteren Feuern ein Ziel setzte. Leider waren bei diesem Weiter-Vorwärts-Drängen noch Verluste entstanden durch feindl. Feuer von rückwärts, von wo wir es am wenigsten vermuteten: es kam aus den weiter links gelegenen Häusern von Bechcice, von denen wir unbedingt annehmen mußten, daß sie ebenfalls von Russen gesäubert wären, was aber bedauerlicherweise nur unvollständig geschehen war (weil angeblich russisches Artilleriefeuer daran gehindert hatte.)

Nun kam der fast noch schwierigere Teil unserer Aufgabe: Den genommenen Vorteil ausnutzen u. die Höhe halten; denn daß der Feind zum mindesten den Versuch machen würde, uns mit noch stärkeren Kräften wieder zu verdrängen, lag ziemlich nahe, darüber war sich wohl jeder klar.

Unsere neue Stellung schob sich wie ein Keil in die Russen hinein u. mußte daher nach 2 Fronten hin befestigt werden, denn vor allem die rechte Flanke war stark bedroht. Jetzt kam nun unsere Feldartillerie nach vorn u. stellte einen Teil ihrer Geschütze in unserer vorderen Linie auf, während andere weiter rückwärts hinter der Höhe, aber immer noch im Feuerbereich bei feindlichem Angriff, auffuhren. Maschinengewehre wurden in unseren schnell ausgehobenen Schützengraben eingebaut, u. wir hatten unsere so eingerichtete Stellung noch nicht lange besetzt, als richtig auch bereits der erste Ansturm des Gegners ansetzte, nachts ungefähr 12 Uhr. Der Sturm wurde mit vereinten Kräften der Infanterie u. Artillerie glänzend abgewiesen, dagegen legte sich neue feindl. Linien in naher Entfernung von wenigen Hundert Metern unserer Stellung vor u. beschossen diese die ganze Nacht; sie versuchten in dieser schweren Nacht noch zweimal, uns zu werfen, wurden aber jedesmal unter enormen Verlusten abgewiesen, sodaß das Gebiet vor uns am folgenden Morgen einem wahren Leichenfeld glich.

Weitere Versuche der Russen, um im Laufe des 3.12. durch Beschießung aus neu gebildeten Stellungen mit immer wieder verstärkten Kräften mürbe zu machen, mißlangen vollkommen, im Gegenteil konnten wir ihnen immer wieder neue Verluste beibringen, wobei uns wieder die Artillerie wacker unterstützte, die infolge der guten Beobachtung, die aus unserer vorgeschobenen Stellung möglich war, geradezu verheerende Wirkung auf die feindl. Schützengräben ausübte.

In der folgenden Nacht zogen die Gegner abermals ab, u. am 4. waren wir unangefochtene Beherrscher dieses wichtigen Punktes, dessen Besitz uns allerdings auch manchen lieben Kameraden u. treuen Freund gekostet hat, die teils oben in dem heißumstrittenen Friedhof den ewigen Schlaf schlummern, teils erst später ihren schweren Verwundungen erlegen sind.

Die sofort eingeleitete Verfolgung brachte uns weitere Kämpfe in den folgenden heißen Tagen von Lodz [Łódź], Miazga u. Rawka, deren Leistungen u. Erfolge uns wohl einige Berechtigung geben werden, uns den alten Kameraden, sollten wie sie je wiedersehen, bescheiden zur Seite zu stellen.

Reinhardt, Lt.

Leutnant und Kompanieführer Schaefer 8/94

Gefechtsbericht über Höhe 181 (2.-4. Dezember [1914])

Beim Vormarsch am 2. Dezember folgte die 9. Komp. der 6. in zweiter Linie. Als die 6. Komp. Feuer erhielt, schwärmten die beiden ersten Züge sofort aus, der 3. Zug konnte gedeckt in einer kleinen Mulde liegen bleiben. Als das feindl. Feuer, das sehr heftig eingesetzt hatte, etwas nachließ, zog ich den 3. Zug um die Höhe herum durch ein Birkenwäldchen bis hinter das westlichste Haus von Bechcice (an der Höhe). Auch der 2. Zug, der die vorderste Schützenlinie nicht erreichen konnte, sammelte hinter dem Gehöft, auch ein Zug 6/94 war inzwischen hinter dem vorderen Gehöft angekommen. Der Feind sollte vom linken Flügel beginnend angegriffen werden, doch war ein Angriff wegen des heftigen Flankenfeuers von rechts nicht möglich. Der auf 130 Uhr angesetzte gemeinsame Angriff fand gegen 3 Uhr statt, um ½ 5 Uhr folgte der Sturm und die Einnahme des Feindhofes. 8/94 blieb als Bataillonsreserve mit 2 Zügen hinter dem letzten Gehöft, den Abend und die Nacht fortwährend mit dem Vorbringen von Patronen in die Schützenlinie und den Rücktransport von Verwundeten beschäftigt, wodurch die Komp. schon manchen Verlust erlitten.

Gegen 4 Uhr morgens fluteten Truppen in der Nähe des Feindhofes zurück. Es drohte ein Zurückweichen auf der ganzen Linie, da erhielt 8/94 den Auftrag, vorzugehen und alles wieder mit sich zu reißen. Schon waren Teile bis in der Gehöft gekommen, da gelang es durch Zusammenfassen der Komp. und ihr energisches Vorgehen alles wieder mit vor zunehmen. Leider brachte dies der Komp. auch gar manchen Verlust ein, viele brave Leute sollten hierbei ihr Leben lassen. So wurde auch der von den Russen versuchte Angriff abgeschlagen und die beiden Geschütze zurückerobert, woran 8/94 ihren ruhmreichen Anteil hatte. Der Kampf dauerte während des ganzen 3. Dezember an. Die Komp., die durch den Angriff auf der ganzen Linie verteilt lag, sammelte sich am Abend links des Friedhofes, um 7/94 aus seiner Stellung abzulösen. Am Morgen des 4.12. waren die Russen abgezogen und das Gelände zum Vormarsch. Die Toten vor der Front zeigten, welche Arbeit das Regiment geleistet hate. Auch 8/94 hate sein gutes Teil zum Erfolg beigetragen.

Schaefer

Leutnant u. Komp. Führer 8/94

Offizierstellvertreter Hemmann 8/94

Bericht über das Gefecht am 2-4 Dezember bei Bechice und Höhe 181

Bei Morgengrauen verließen wir die in der Nacht vom 1 zum 2 Dezember ausgehobenen Schützengräben bei Ludomiersk [Lutomiersk] um vorzurücken. Am Ausgang von Ludomiersk versammelte sich das Bataillon die 6 Kompagnie ging in erster Linie mit Sicherung gegen Höhe 181 vor. Auf halber Höfe bekam die Spitze Feuer vom verschanzten Gegner der Rest der 6 Komp rückte in Schützenlinien vor. Die 8 Komp folgte in zweiter Linie zugweise vor. Der Gegner konnte nicht richtig erkannt werden, da wir von der linken Flanke Feuer erhielten. Im weitern vorgehen verstummte das feindliche Feuer etwas. Auf Befehl sammelte sich die Komp nach links in einem kleinen Birkenwäldchen und rückte hinter das westl. Haus von Bechcice. Die andern Komp hatten inzwischen eine Stellung südlich Bechcice vor dem besetzten Friedhofe eingenommen. Gegen Mittag kam der B B [sic!] der Friedhof soll 3 Uhr im Sturm genommen werden der erste Zug der Komp wurde hierzu mit eingesetzt.

Spätnachmittag war der Friedhof in unserm Besitz. Bei Dunkelheit wurde vom Friedhof südlich und nördlich eine Stellung eingenommen. Eine Batterie kam mit in die Schützenlinie. Gegen 12 Uhr versuchten die Russen einen Gegenstoß mit großer Übermacht wurden aber zurückgeschlagen. Ein teil der feindlichen Kräfte hatte sich beim zurückgehen vor unserer Stellung eingeschanzt. Die in Reserve befinden 2 Züge der 8 brachten Munition in die Schützengräben und schafften die aus der Schützenlinie zurückkommenden Verwundeten zur Verbandstelle. Gegen 4 Uhr früh kam ein großer Teil Mannschaften aus den Schützenlinien zurück. Jetzt kam an den 2 Zuge der Komp der Befehl vorzugehen und zurückgehende mit vorzunehmen. Die Züge verteilten sich auf der ganzen Linie, der größte Teil am gefährdeten Friedhof. Ein lebhaftes Infanterie und Artilleriefeuer setzt gegen die in Stellung befindlichen feindlichen Kräfte ein. Besonders wirksam war das Artl. Feuer, da gegen 60 Überläufer in unsern Schützengraben kamen. Am nächsten Tag am 4 ging eine Patrouille vor und stellte fest, daß der Gegner gegen Morgen abgezogen sei. Gegen 800 tote Russen vor der Front wurden im Laufe des Vormittags beerdigt.

Hemmann Offz-Stellvertreter 8/94

Reservist Gärtner 8/94

In einem Wäldchen links von Lutomiersk sammelte sich unser Regiment 94. Von da sind wir gegangen über ein klein Fluß u. dort hieß es schwärmen. Davor lagen wir in einer Multe [sic!] in Zugkolonne. Auf einmal pfiffen die Kugeln schon über und hin und ich bekam ein Gewehrschuß in mein Kochgeschirr.

Jetzt sind wir ausgeschwärmt vorgegangen und es gelang uns Kompanieweiße vor zugehn. Mein Gruppenführer Löwenstein lag neben mir und bekam ein Schuß durch den Kopf wobei er sehr schwer verwundet war und etliche Tage danach er verschied. Wir kamen jetzt vor eine Scheue um uns da längere Zeit auszuruhen. Da erhielt ich den Befehl, Unteroffizier Löwenstein mit Zerbst u. Jeier zurück zu bringen. Als wir dies vollbracht hatten sind wir wieder zurück bis an die Scheune. Vor uns lagen die fünfte sechste und siebende Komp. rechts vor uns die 96. Gegen elf Uhr hieß es die Russen kommen. Wir erhielten den Befehl Seiten-Gewehr pflanzt auf und wir mußten wieder zurück bis an das Wäldchen wo die Kugel immer an uns herum pfiffen.

Jetzt mußten wir wieder auf u. hinter die Scheune wo wir erst lagen. Jetzt kamen wir vor in den Schützengraben. Leutnant von Häßler befielt uns um Munition der Artillerie zu hohlen. Natürlich keiner erhob sich zurück zu gehen durch das Feuer. Ich bin zurück und habe zwei Körbe aufgeholt. Wobei Lohnwagner auch zwei Stück hatte vir zu schleppen. Nun gingen wir wieder in unseren Schützengraben.

Am andern Morgen d. 3. Dez. musten wir die siebende Komp. ablösen. Jetzt bekamen wir ein Stückchen Brot mit Suppe auch eine Cigarre erhielt ich die mir sehr angenehm war.

Jetzt mußte Unteroffezir Kühn mit einer Patrolje vor. Da schnarrgte [sic!] und wimmerte es in den Schützengraben es waren Russen die verwundet u. geschlafen hatten. Etliche verwuntete brachten wir zurück. Aber die Russen waren über die Höhe verschwunden. Jetzt wurden wir komandiert die Toten zu begraben.

Reservist

Gärtner

Gefreiter Schirmer 8/94

Anfang

In den 1. Morgenstunden des 2. Dezember lagen wir in einem kleinen Wäldchen östlich Lotumerts [Lutomiersk] als der Befehl kam zum Angriff auf der Höhe die vor uns lag.

Ein banges Ahnen überkam aller unserer Gemüter als sich der Himmel blutrot färbte. Die 6. u. 4. 94 gingen in 1. Linie vor während 7 u 8 94 in zweiter Linie vorgingen. Kaum hatten erstere den Anfang der Höhe erreicht, als wir von einem mörderischen Feuer überfallen wurden. Die in 1. Linie liegenden erwiederten sofort das Feuer und schanzten sich dabei ein. Da kam der Befehl an unsern Bataillonskommandeur die Höhe mußte auf alle Fälle genommen werden. Die 8/94 bekam den Befehl ausgeschwärmt vohrzugehen und die 6/94 mit fohrzureißen. Dieser Befehl wurde sofort ausgeführt und wir arbeiteten uns sprungweise vorwärts. Unter dem treffliche Schießen unserer Artillerie kamen wir vor, bis wir Mittags hinter einer Scheune uns sammelten. Da wir sehr angestrengt waren nahm jeder einen Schluck aus der Feldflasche und wurde auf ein Inbis genommen. Hier bekam ich mit Musk. Jung den Befehl einen Verwundeten der schon von Morgens da lag zurückzubringen. Unter heftigem Kugelregen brachten wir den zurück und schlossen uns nach kurzer Abwesenheit unserer Kompanie wieder an welche immer noch hinter der Scheune stand. Hier erfuhren wir erst die Verluste die wir schon erlitten hatten. Inzwischen war die Nacht herbei gekommen der III. Zug blieb zur Deckung des Herrn Major hinter der Scheune liegen. Als plötzlich der Befehl kam, die Russen wehren zwischen 94 u. 96 durchgebrochen, nahmen wir eine Aufnahmestellung in einem kleinen Wäldchen auf, kamen aber in die Geschoßgarben der Maschinengewehre und gingen wieder in unsere alte Stellung zurück. Durch Patronenvorbringen und Verwundeten zurückschaffen war es inzwischen 11 Uhr geworden als mit einem male einige von der 7/94 ankamen es ging alles zurück das energische Vorgehen der 8/94 mit aufgepflanztem Seidengewehr und dem guten Stand halten[,] der 5 u. 6/94 gelang es aber die Russen wieder zurückzuschlagen, welche einige Schützengräben und 1 Geschütze schon erogert [sic!] hatten. Die Nacht mußten wir in der eingenommenen Stellung verbringen, welches bei der großen Kälte und das Jammern der Verwundeten nicht grade angenehm war. Unter dauerntem Feuer verging die Nacht und der 3. Dezember verlief in derselben Weise. Aber große Erheiterung erhiellten aller unserer Gemüter als dauernt Überläufer zu uns rüber kamen. Da nun keiner mehr seinen Platz verlassen durfte verging der Tag in der Hoffnung, daß wir des Nachts abgelöst würden. Aber die Sache wurde anders, weil wir die 7. ablösen mußten. Wie bezogen den Schützengraben der 7. und harrten nun der dinge die noch kommen wurden. Aber auch diese verging und am Morgen warn die Russen abgerückt. Noch in der Dunkelheit untersuchten wir die Schützengräben und fanden blos noch Tode und Verwundete in den Gräben liegen. Auch rissen noch einzelne aus, die wir in der Dunkelheit nicht treffen konnten.

Am 4. des Morgens beerdigten wir die Toden.

Gefr. Schirmer 8/94

Unteroffizier Kubc 8/94

Gefecht vom 2ten Dezember 1914.

Am 2ten Dez. Morgens 4 Uhr wurde die 8te Komp. alarmiert. Die 6te Komp. war als Spitze vor dem Bataillon vorgegangen.  Ungefähr 600 Meter vor der Höhe bekam die Spitze Feuer. Die 8. Komp. erhiell [sic!] den Befehl in die 6ten Komp. einzuschieben. Ungefähr um 10 Uhr erhielt die Komp. alles einzusetzen [sic!]. Der Zugführer vom 3. Zug erhielt den Befehl die ganze Komp. sollte in die 6te Komp. einschwärmen, und zum Sturm mitreißen. Inzwischen kam der Befehl, die Komp. sollte sich eingraben. Da daß Feuer zu heftig wurde, bepfahl Feldw. Junge vom 3ten Zug links in ein kl. Wäldchen vorzugehen und hinter ein Gehöft zu sammeln. Mittags gegen 1 Uhr kam der Befehl es soll angegriffen werden. Leutnant Reichard vom 1ten Zug erhielt den Bepfehl durch die ganze Schützenlinie, alles soll zum Sturm vorgehen. Leutnant Reichard war der erste welcher in die Feindlichen Schützenlinie einbrach. Ein Teil der Russen gab sich gefangen. Als es schon dämmerte versuchten die Russen mehrere Gegenstöße wurden aber unter großen Verlusten zurückgeworfen. Der dritte Gegenstoß der Russen war so heftig, daß wir uns ein Teil zurückziehen mußten. Die Russen erbeuteten hierbei 2 Geschütze vom Rgt 55. Viele Bedienungsmannschaften von regt 55 erhielten hierbei den tot. Jetzt kam der Hauptmann vom Rgt 55 und sagte. – Wen Ihr deutsche Männer sein wollt, dan helft mir mein Geschütz wiederholen. Der Rest der 8ten Komp. welche grade wieder vorgehen wollte, probirte die 2 Geschütze, zwei Artilleristen und Musketier Stegmann der 8ten Komp. bedienten das eine Geschütz und gaben nun Schnellfeuer auf den Russen. Am 3ten Dez. blieb alles im ersten Schützengraben den Tag über liegen. Abens musten die 8te Komp. den Schützengraben der 7ten Komp. mitbesetzen. Am Morgen des 4 Dez. schickte Leutnant v. Haessler Patroillien aus. Dieselben kamen mit der Meldung zurück daß die Russen die Stellung verlassen hatten. Viele Verwundete und ein Teil welche bei den Verwundeten zurückgeblieben waren, wurden gefangen genommen. Die 8te Kom. Erbeutete ein Maschinengewehr.

Gefreiter Ernst Grimm II 8/94

Die Ereignisse am 2. Dez. auf Höhe 181

Am zweiten Dezember mittags hatte sich 8/94 hinter einem Haus vor dem Feindhof auf Höhe 181 gesammelt. Hier mußte der Unteroffizier Bechmann mit seiner Gruppe in der sechsten Kompagnie einschwärmen, weil eine Lücke entstanden war. Um 4 Uhr 20 komantirt [sic!] Herr Hauptmann Ohnesorg Seitengewehr pflanzt auf, und es ging zum Sturm vor. Mit Leichtigkeit erstürmten wir den ersten Schützengraben, die Russen rissen aus, und wir feuerten stehend freihändig, was uns großen Spas machte. Als es Dunkel wurde kamen die Russen wieder, und wollten ihren Schützengraben wieder nehmen. Wir gingen auch wieder zum Sturm vor, es waren uns aber nur sieben Mann in erster Linie, ich selber schlug mit den Kolpen [sic!] drein, so das der eine Russe tod niedersank, als die andern Russen das sahen, warfen sie ihre Gewehre hin. Halblinks kamen aber die Russen in großen Massen an und wegen starken Gewehrfeuer mußten wir paar Leute im marsch marsch zurücklaufen. Aber nicht weit, dann ging es nochmals mit Verstärkung vor, bis die Russen in ihre Schützengräben verschwanden. Wir hatten noch einige Gefangene gemacht, und dann haben sich die Kompagnien wieder gesammelt. 8/94 war in Reserve, haben aber die ganze Nacht vom 2. bis 3. im größten Gewehrfeuer Patronen vortragen müssen.

8/94 Gefrt. Ernst Grimm II

[Unterschrift]

Gefreiter der Reserve Wilhelm Först 8/94

Gefecht am 2. Dez. 1914.

Am 2. Dez. wurde die 8. Comp. gegen 5 ½ Uhr morg. alarmiert. Das Batailon rückte vor bis am Ausgang eines kleinen Wäldchens. Hierauf entwikelte sich der 1. und 2. Zug. Der 3. Zug blieb in Reserve zurück. Nach einiger Zeit kam der Befehl an 8/94 den 3. Zug einzusetzen und 6/94 mit vor zu reißen um die Höhe zu erstürmen und zu halten, im lebhaften Feuer ging die Comp. vor bis wir an einige einzelne Gehöfte kamen. Hier wurde die Compagnie gesammelt, nach einiger Zeit wurde der 1. Zug wieder eingesetzt, während der 2. u. 3. Zug in Reserve blieben. Des Morgens gegen 4 Uhr setzte plötzlich ein sehr lebhaftes Feuer ein, hierauf kamen auch schon Mannschaften unsers Regiments zurück mit dem Bemerken es geht alles zurück.

Der Kompagnie-Führer befahl sofort Seiten-Gewehr aufpflanzen und im fürchterlichen Feuer stürzte alles vor bis wir an einen Schützen-Graben kamen welchen wir besetzt nach einiger Zeit kamen einzelne Leute von 11/94 welche den Schützen Graben verlassen hatten wieder vor, bei Tages Grauen  sahen wir unseren Gegner etwa 80 Meter vor uns, in dieser Stellung blieben wir unterlebhaften Feuer bis durch Patrouillen der Rückzug des Gegners festgestellt wurde.

Gefreiter d. Reserve

Wilh. Först 8/94.

Gefreiter Jacob 8/94

Am 2 Dezember 1914 früh schwärmten wir aus, und gingen so sprungweise vor bis in Höhe des Gehöftes, wo sich die Kompagnie (Es kam ein Befehl noch links sammeln) sammelte. Durch das Einschwärmen waren viele abgekommen, und der Zug Gäseler war sehr schwach. Nach einer Erholungspause entwickelten wir uns rechts heraus, und mußten nach einigen Sprüngen, gezwungen durch den Befehl nicht weiter vorzugehen in unsrer Stellung, welche wir uns im feindlichen Feuer notdürftig gegraben hatten, verharren. Es war wohl 11 Uhr als ein Befehl kam 130 soll angegriffen werden. Als Einbruchsstelle wurde der Friedhof bezeichnet. Es waren mit mir noch einige Kameraden vom zweiten Zug, wir lagen links vom Friedhof etwa 350 Meter vorm feind. Es wurde 130 und alles blieb ruhig. 330 setzte alles zum Sturm ein jedoch langsam. Durch starkes Feindliches Feuer waren wir gezwungen den Laufgräben, welcher in der rechten Ecke des Friedhofs herunter ging als vorläufige Deckung zu benutzen, u. von hier aus etwas in die rechte Flanke Feuernt [sic!], den Feind zum zurück gehen zwangen. Die Dunkelheit war herein gebrochen, jetzt erst bekann [sic!] der eigentliche Sturm. Wir nahmen die Stellung rechts vom Friedhof unter Hurra; konnten aber nicht weiter, denn unsere Artillerie hatte noch dasselbe Ziel wie am Tage. Wie der Feind merkte das sie nicht weiter verfolgt wurden, unternahmen sie mit Verstärkung einen neuen Vorstoß. Gingen aber ohne Erfolg zurük, unter heißen Bajonettkampf u. Gewehrfeuer, und schweren Verlusten. In den Wirrwarr erfuhr ich das die 8 Komp. links gesammelt hatte. Mit Feldw. Gerhold ging ich u. mehre Gefangene zur Komp. zurük. Nicht lange da mußten wir Munition zur 7. Komp. vor bringen. (2 Gruppen) An der linken Ecke des Friedhofs kam ich im Schützengraben an. Als ich wieder zurük wollte, Befahl mir Herr Ltn. Stier (7 Komp) sie bleiben hier. In der Nacht vom 2. z. 3. Dez ging die 7 Komp. zurük, es war durch die Ablösung gekommen, nicht durch die Russen. Herr Ltn. Stier u ich behaupteten nach kurzer Zeit weiter unseren Platz, linke Ecke des Friedhofs. Da lag ich mit der 7 Komp. bis zum 3 Dez. Abens [sic!], und als die 8 Komp. kam zur Ablösung, mußte ich noch hier bleiben bis zum 4 Dez. morgens. Am Abend des 3 Dez. hatten wir 2 Komp von Regt. 71 als Verstärkung erhalten, worüber sich Herr Ltn. Häseler u. ein Hauptmann vom Regt 71 noch Meinungen austauschten. Aber wir freuten uns alle über die Verstärkung. Auch war ich in der Nacht trüben [sic!], rechts vom Friedhof da stand Mann an Mann weil die 71 Ersatz bekommen hatten waren die Kompagnien noch sehr stark. So lag ich vom 2 Dez bis 4 Dez früh in Gefecht ohne Ablösung.

Gefr. Jacob

Gef. Lemnitzer 10/94

Fatar, den 27. Juni 1915

10/94

Erlebnisse des Gef. Lemnitzer 10/94 in der Nacht vom 2. zum 3. Dez. 1914

Beim Sturm am 2. Dez. auf die russische Stellung gingen gleichzeitig mit der Inf. auch die M.G.K. vor. Wir richteten uns im Schützengraben ein und auch die Mannschaften des M.G. wollten ihr Gewehr einrichten. Als dieselben ihre Gewehre auf die Deckung stellten, kamen plötzlich 6 Russen auf die Deckung gerannt, in der Absicht, das M.G. zu erobern oder wenigstens unschädlich zu machen. Kurz entschlossen nahm ich mit meinen Kamerad, Reservist Unger, die Russen aufs Korn, und es gelang uns auch 5 durch wohl gezielte Schüsse kampfunfähig zu machen. Da in Eile der dritte Schuß in die Erde ging und der letzte Russe seine Absicht auch noch nicht auf gab, so sprang ich heraus und ging demselbigen mit dem Bajonett zu Leibe. Ein kurzer Kampf und er lag zu Boden, obwohl neben mir plötzlich noch ein Russe auftauchte, welcher aber durch meinen Kamerad, dasselbe Schicksal, von den ersten erreichte.

Meine Kameraden, welche Zeuge dieses Kampfes waren, sind aber in den folgenden Gefechten gefallen, so daß ich das Erlebnis nicht weiter begründen kann.

Gef. Lemnitzer 10/94

Gelesen 28.6.15

[Unterschrift Margraf]

Lt. u. Kompführer

Graf von Hennin, Hauptmann und Kompagniechef 11/94

Der Sturm, dazu Skizze 1. [Anmerkung: Skizze fehlt]         Boguslawki Male, 20.1.1915      11/94

Die Kämpfe der 11. Kompagnie I.R. Großh. v. Sachsen (5. Thür.) Nr. 94 bei Lutomierz und südlich Bechcice auf Höhe 181 am 2., 3. u. 4. Dezember 1914

Am 2.12. früh 6 Uhr war das combinierte (I. u. II.) Bataillon /94 aus Cazinierz abmarschiert, einen Flecken, den die 11. Kompagnie vom 20.11-1.12. in der Verteidigung zu halten hatte. Zwischen 7 u. 8 Uhr Vorm. erreichte das Bataillon die Walstückchen südlich Lutomierz [Lutomiersk], wo bereits schwaches feindliches Feuer von Höhe 181 sich bemerkbar machte. I.R. 94 wurde nun zum Angriff von Westen her auf Höhe 181 angesetzt, und zwar II. Bataillon in erster Linie, comb. Bataillon sollte rechts gestaffelt folgen.

Comb. Bataillon Wangenheim nahm 2. U. 12. Komp. in erste Linie, 4. u 11. Komp. in zweite Linie und folgte im Laufe des Vormittags, zunächst bis zum Friedhof, dann bis in die Waldstücke östlich des Friedhofs. Das II. Bataillon ging im allgemeinen genau in östlicher Richtung auf Höhe 181 vor, südlich sollte die 76. Brig. vorgehen, deren Einwirkung von Südwesten oder Süden her abgewartet werden sollte. Im Verlaufe des Kampfes schob sich das II. Bataillon aber etwas mehr nach Norden, so daß am rechten Flügel eine Lücke entstand, die um die Mittagszeit durch 2/94 ausgefüllt wurde.

Gegen 2 Uhr nachmittags kam der Befehl, daß die Höhe 181 und der Friedhof im Sturm genommen werden sollten. Die 11. Kompagnie ging darauf in Halbzugswellen über den Bach hinüber und schloß näher an die erste Linie heran. Gegen 3 Uhr kam der Befehl, daß erneut eine Lücke rechts entstanden sei. Die 11. Kompagnie sollte diese ausfüllen und den Sturm in erster Linie mitmachen. Die Kompagnie stürmte darauf auf die Höhe 181 vor, die sich lange von Ist nach Westen dahin streckte mit Abfall nach Süden und schwächerem (flacherem) Abfall nach Norden, und zwar zunächst rücksichtslos mit allem, obwohl durch eine glänzende Patrouille des Leutnants Freiherrn von Spessart einwandsfrei Maschinengewehre in der rechten Flanke (s. Skizze 1) festgestellt waren.

Die Kompagnie 11/94 erreichte um 415 Uhr den russischen Schützengraben und warf die Russen im Handgemenge zurück. Nun kam aber der 1. u. Teile des 2. Zuges in ein rasendes Maschinengewehrfeuer der oben erwähnten Gewehre von rechts, der sie zum Hinlegen zwang, und so konnte, da rechts niemand vorging, zunächst nicht weiter durchgestoßen und verfolgt werden. Die Russen gingen daher nur wenige 100 Meter zurück und zogen starke Reserven nördlich zu Prusinow vor (siehe Skizze 1). Inzwischen war es Nacht geworden, die Mond hell war. Gegen Morgen aber bildeten sich Nebel, die dem 1. Gegenangriff sehr zustatten kam.

Als nach dem Handgemenge die Verbände geordnet waren, erhielt die 11. Kompagnie den Befehl, die höchste Höhenlinie südwestlich und westl. Höhe 181 zu besetzen. Es wurden die russischen Schützengräben (vgl. Skizze 1) hierzu benutzt und diese mit 1 ½ Zügen besetzt. Die andere Hälfte der Kompagnie wurde in Reserve westlich des Friedhofes gelegt in einem alten Graben, den die Kompagnie in der Nacht vom 19. zum 20.11. aufgehoben hatte. Einen neuen auszuheben, war nicht möglich, da es hart gefroren war und die Höhe von den Russen dauernd mit Feuer belegt wurde. Da die Truppen links nicht über Bechcice vorgekommen waren, so wurde die 7. Kompagnie zurückgezogen und nahm genau die Front nach Osten. Da auch die Truppen rechts nicht weiter vorgekommen waren, so wagte die Kompagnie keilförmig nach dem Feind vor und hatte infolge dessen unter starkem Feuer von vorn, von rechts und später auch von links schwer zu leiden.

Für die Nacht wurde nun in die Stellung der Kompagnie zur Verstärkung eine Batterie vorgeschoben, außerdem ein Scheinwerferzug (siehe Skizze II [Anmerkung: Skizze 2 nicht vorhanden]). Hiervon wurden 2 Geschütze in den vorderen Schützengraben, später 2 Meter hinter diesem postiert. Vor Mitternacht begannen die Russen ein lebhaftes Schützenfeuer, welches sie die ganze Nacht unterhielten.

Um 1230 nachts erfolgte nun der erste Gegenangriff der Russen, der aus der Richtung a-a (siehe Skizze 2) gegen unsere Stellung geführt wurde. Unser Scheinwerferzug trat in Tätigkeit und bei der hellen Beleuchtung konnte die Infanterie und Artillerie den anstürmenden Gegner (1-2 Bataillone sibirische Schützen) gut unter Feuer nehmen, so daß der Gegenangriff 40-50 Meter vor den vordersten Schützengraben zusammenbrach.

Als dieser Angriff mißglückt war, gewann man nach Aussagen von Patrouillen und Schützen in der vorderen Linie und dadurch daß nun auch die Deckungsgräben von links direkt bestrichen werden, den Eindruck, daß sich die Russen mehr nach Osten verschoben, um mehr von dieser Seite her einen zweiten Angriff anzusetzen. Zwischen 2 u. 3 Uhr vormittags ließ daher der Kompagnie Chef, Hauptmann Graf von Hennin, den Zug (1.) des Leutnant der Res. Kögler die Front nach Osten hinter den kleinen Friedhof und südlich davon einnehmen, währen der übrige ½ 2. Zug (Offizierstellvertreter Haupt) die vordere Linie verstärkte. Trotzdem aber waren die Schützengräben zu schwach besetzt, da die Kompagnie durch das lebhafte Feuer von 3 Seiten schwere Verluste erlitten hatte. Einzelne Leute trugen auch Schwerverwundete zurück, und von halfen bei der Artillerie [sic!], die besonders die beiden vordersten Geschütze einen großen Teil ihrer Bedienungsmannschaften verloren hatten. In der Vermutung, daß ein 2. Gegner Angriff, jetzt mehr von Osten her bevorstehe, schickte der Kompagniechef daher in Anbetracht des Ernstes der Lage direkt zum Regiment mit der Bitte, 1 oder 2 Züge aus der Reserve zur Verdichtung der Schützen in den Graben heraufzusenden. Das Regiment schickt nun zu seiner Orientierung den Ordonanzoffizier des Regiments, Leutnant von Canta, auf die Höhe. Derselbe wurde aber, als er eben am Friedhof zu dem Kompagnie Chef in den Schützengraben gesprungen war, durch einen Schuß in die Brust schwer verwundet und erlag später seiner Verletzung. Das comb. Bataillon schickte zu seiner Orientierung den Adjutanten, Leutnant von Gödel, vor, der auf dem Wege zur Höhe ebenfalls einen Schuß durch die Brust erhielt. Gegen 430 traf nun auch der Adjutant des II. Bataillons beim Kompagnie Chef im Schützengraben ein, um sich zu orientieren. In diesem Augenblick erfolgte der 2. Gegenangriff und der kritische Moment des Kampfes trat ein, da immer noch keine Reserven eingetroffen waren:

Es war gegen Morgen dunkler geworden; der große Scheinwerfer usw. durchschossen und so kam es, daß die Geschütze westlich des Friedhofs in die eigenen Schützengräben vorderer Linie schossen und dort von den spärlichen Resten der schon von 3 Seiten von den Russen beschossenen Kompagnie nun auch noch von hinten mehrere Leute der Kompagnie töteten und verwundeten. Die wenigen Leute, die noch übrig waren, suchten nun dem eigenen Artilleriefeuer zu entgehen und irrten in dem Dunkel der Nacht auf der Höhe einzeln umher. So blieben einige Zeit die beiden vorderen Geschütze allein gegen den Feind verlassen stehen. Als die hinteren Geschütze nun ihr Feuer verlegten, gelang es dem heldenhaften Verhalten der Unterführer der Kompagnie und der 1. Batterie einzelne Leute wieder an die vorderen Geschütze vorzubringen und zu bedienen und so den Angriff der Russen abzuschlagen, die bereits den linken Flügel des Schützengrabens erreicht hatten. Nun trafen auch die Reserven ein uns so war auch der 2. Gegenangriff der Russen abgeschlagen.

Den ganzen 3. Dezember dauerte das Feuergefecht auf der Höhe 181 weiter an. Einen Angriff wagten die Russen indessen nicht mehr. Aber es kostete noch manchen braven Musketier und Kanonier; schwer verwundet wurde auch noch der Batteriechef der heldenhaften 1. Batterie/Art. Regt. 55, Hauptmann Krähe und zu Tode getroffen lang auch er Offizierstellvertreter Winkler neben dem Geschütz westlich des Friedhofes. Um 9 Uhr abends wurde die Kompagnie nach fast 40 stündigem Kampfe durch eine Kompagnie Inf. Regt. 71 abgelöst. Die Kompagnie sammelte sich hierauf hinter dem Haus, wo der Regimentsstab lag; es waren aber zunächst nur 1 Offizier, 2 Unteroffiziere und 67 Mann, die sich noch sammelten. Die Verluste der Kompagnie waren groß; sie betrugen ___ Tote und ___ Verwundete [Anmerkung: Zahlen fehlen], darunter tot Vizefeldwebel der Res. Müller, und Vizefeldwebel Dewitz, schwerverwundet Offizierstellvertreter Graf Medem.

Trotz der schweren Verluste wird es aber für die 7. u. 11. Kompagnie eine freudige Erinnerung sein, daß es ihnen geglückt war die Friedhofhöhe 181 zu stürmen und gegen große Übermacht (2 sibirische Regimenter) im Verein mit Teilen andere Kompagnien und der 1. u. 3. Batterie/Art. Regt. 55 zu halten.

Und dieser Ehrentag wird auch über die Kriegsdauer hinaus die 2 Kompagnien mit den 2 heldenhaften Batterien besonders kameradschaftlich verknüpfen. – Am 4.12. früh fand die Sanitätskompagnie vor den Stellungen der beiden Kompagnien am Friedhof 885 tote Russen.

Von den zahllosen heldenhaften Toten sind einzelne dem Bericht nach eigenen Angaben und Aussagen der Betreffenden nach Bestätigung durch die Unterführer angeschlossen.

Dazu 2 Skizzen [Anmerkung: nicht mehr vorhanden]

[Unterschrift Graf von Hennin]

Hauptmann u. Kompagniechef 11/94

Wehrmann Hagemann 11/94

Erlebnisse auf der Höhe 181

Abschrift

Als der I. Zug, dem ich angehörte[,] auf der Höhe hinter dem kleinen Friedhof gesammelt hatte, besetzten wir den dort befindlichen Schützengraben und wurden hier frisch mit Patronen versorgt. Als später der Feind von links vorging, mußten wir die Front dorthin nehmen und den kleinen Friedhof besetzen. In dieser Stellung lagen wir schon einige Zeit, als von rechts durch die Schützenlinie gerufen wurde: „Der III. Zug hat keine Patronen mehr und möchte möglichst schnell welche erhalten.“ Ich wußte, daß am hintersten Ende des Schützengrabens hinter uns vorhin mehrere Pakete übrig geblieben waren. Das feindliche Granatfeuer war sehr heftig, aber die Gefahr die uns drohte, wenn der III. Zug ohne Patronen lag, ließ mir keine Ruhe. Ohne Befehl rannte ich hin und fand noch die Patronen vor. Ich nahm sie und meldete dem Zugführer Leutnant Kögler mich mit den Patronen, worauf dieser mir den Befehl gab, dieselben dem III. Zug zu bringen. Da der Mond uns auf der Höhe so hell beleuchtete, war es für mich sehr gefährlich, diese Stellung zu erreichen. Ich legte daher mein Gepäck ab und lief, so schnell ich konnte, dem etwa 200 m entfernt liegenden Zuge zu. Kaum war ich jedoch hinter dem Friedhof hervorgetreten, da eröffneten die Sibirier auf mich ein mörderisches Feuer, ich hatte noch nicht die Hälfte des Weges zurückgelegt, als mir eine Kugel den rechten Arm zerbrach. Die mir entfallenen Patronen nahm ich nun in die linke Hand und stürzte weiter. Noch etwa 50 m vorm Ziele entfernt durchklatschte ein Geschoß meinen Helm. Hierbei stolperte ich und fiel zu Boden. Ich konnte mich in diesem Augenblick vor Schmerz nicht mehr erheben, ich rief daher: „Kameraden ich habe für Euch Patronen und bin verwundet, ich kann nicht weiter.“ Ich hörte die Stimme einen nur gut Deckung, wie haben sie schon. Etwa 10 Minuten lag ich als das feindl. Feuer etwas nachließ und einer vom III. Zug herüber kam, um die Patronen zu holen. Nun lief ich in den leeren Schützengraben. Aber wieder hatten die Feinde mich gesehen und wurden von den vielen Schüssen, die mir zu gute kamen, traf dies mal nur eine meinen Mantelärmel. Nachdem ich mich in dem Schützengraben etwas erholt hatte, konnte ich mich erheben, um mit dem ebenfalls verwundeten Kameraden Bosse, die Verbandsstelle in Lutomiersk aufzusuchen. Hoffentlich haben diese Patronen ihren Zweck erfüllt.

Gez. Wehrmann Hagemann

z.Zt. Reserve Laz. Kaiserhof in Alfeld a/Leine

Dem Bataillon:

Als Anfang zu den Erlebnissen auf Höhe 181 der 11/94

[Unterschrift Graf von Hennin]

Hauptmann u. Komp. Chef

Gefreiter Deist 11/94

Gefechtsbericht vom 2.-3. Dezember 1914 auf der Höhe 181 bei Bechcice

Am 3. Dezember früh kam der Befehl zum Abrücken. Unser Bataillon I. u. III./94 marschierten über Lutomiersk bis vor den Waldrand. Hier blieb das Batl. vorläufig in Reserve. Das I/94 lag vor uns und stieß nun auf den auf der Höhe 181 verschanzten Gegner. Dann zogen wir uns in das nächste Wäldchen. Hier erhielten wir starkes Gewehrfeuer. Dann zogen die 5. u. 11./94 sich in die nächste Mulde und 11/94 von da nach rechts hin. Wir schanzten uns am Abhange ein. Gegen Abend kam der Befehl zum Sturm. Wir gingen nun vor, von unser Kompagnie der III. Zug in vorder. Linie und auch am weitesten rechts. Die 12/94 lag hinter uns im nächsten Wald in Reserve. Regt. 2/12 kam jedoch nicht so rasch vorwärts und dadurch kam es, daß wir von rechts von der Straße her ein heftiges Maschinen- und Gewehrfeuer erhielten. Wir kamen eben nicht weiter vor. Inzwischen hatte der Rest der Kompagnie sich auch links weiter vorgearbeitet. Aber es dauerte gar nicht lange, so bekamen wir auch von links (vom Friedhof) her Maschinengewehrfeuer. Da hörte man fortwährend rufen, „Am Friedhof ist Regt. 96;“ aber da hatte man sich geirrt; denn es war doch Russenpack. Inzwischen waren wir schon an den vordersten Schützengräben vorn und hatten sich auch schon ein Teil von Russen ergeben und hatten ihre Waffen fortgeworfen. Auch hier wer ein Offizier hierbei. Durch die Zurufe dann es seien links von uns Russen am Friedhof, gingen einige Leute von uns zurück und sofort forderte der Offizier die Russen auf ihre Waffen wieder zu nehmen. Jedoch das merkten wir und einer meiner Kameraden nahm sein Gewehr und erschoß diesen. In diesem Moment kamen jedoch neue russische Unterstützung von rechts und uns blieb nichts über als in den ersten russischen Schützengraben Deckung zu suchen. Wir eröffnen nun gegen die an uns stürmenden Russen Schnellfeuer. Aber von rechts erhielten wir ein solches Maschinengewehrfeuer, daß an Weiterkommen nicht zu denken war. Da auf einmal ließ das Feuer nach und unser Rest der Kompagnie kam zum Sturm weiter vor. Dann ging es von Neuem weiter und hierdurch gelang es einige unserer Kameraden, welche vorher verwundet wurden und wie tot auf dem Boden lagen. Wieder in unsere Hände zu erhalten. Bei dem Bajonettkampf gab es schwere Verluste für die Russen, aber leider hatten wir auch viele Tote und Verwundete. Dann war alles ruhig und nun sammelte sich die Kompagnie wieder und nahm neue Stellung. Wie erhielten zur Verstärkung in vordere Linie 2 Geschütze FA 55. Dann rechts vom Friedhof noch 4 Geschütze. Hinter dem Friedhof lag 7 u. 5/94. Dann links Regt. 96. Gegen 10 Uhr unternahmen die Russen den ersten Vorstoß[,] wurde aber mit Hilfe der Artillerie zurückgeworfen. Hierbei leistete der hinter dem Friedhof aufgestellte Scheinwerfer große Dienste. Gegen 12 Uhr Nachts kam der zweite Sturmangriff der Russen. Jedoch diesmal erhielten diese ein solches Artilleriefeuer[,] da man jedesmal eine Lücke sah, wo das Geschoß eingeschlagen hatte; denn die Russen kamen in dichten Kolonnen anmarschiert. Die FA 5 schickte auch gleich eine Sendung und es dauerte nicht lange, so waren diese in ihre Schützengräben zurück. Die ganze Nacht durch dauerte das Gefecht. Dann ging die Infanteriemunition aus und mußten erst die Patronenwagen herangeholt werden. Auch die Artillerie hatte keine Munition mehr da, und schafften unsere Infanteristen Artillerie Munition vor. Die Bedienung der Artillerie war auch größtens verwundet und waren meistens nur die Offz. noch da. Es wurden Kol. aus Lutomiersk geholt. Der Scheinwerfer war von den Schüssen todal [sic!] zerstört. Um 4 Uhr morgens versuchten die Russen den 3. Vorstoß[,] aber auch dieser wurde zurückgewiesen. Diesmal kam der Sturm direckt von rechts und waren ziemlich an die beiden Geschütze ran, aber die Artillerie ließ sich nicht abschrecken, sondern blieb an ihrem Geschütz. Den ganzen Tag dauerte es weiter. Am Abend des 3. Dezember wurde unsere Kompagnie durch 8/71 abgelöst und kam in Regimentsreserve.

Am 4. Früh war der Rest der Russen abgerückt und es ging dann weiter. Unser gebliebenen Kameraden wurden auf dem Friedhof Bechcice beerdigt. Auf der Höhe 181 fand man jedoch ungefähr 860 Tote der Russen. Die Laufgräben waren gefüllt bis oben ran. Es war ein schweres aber schönes Gefecht und bleibt dem[,] der mitgemacht[,] eine ewige Erinnerung.

Deist

Gefreiter 11/94

Reservist Albin Möller 12/94

Gefechtstage von 2-4 Dezember 14

Der 3. Zug[,] welchen ich damals zugeteilt war, lag im Schützengraben am Abhange der Höhe 181 als Reserve. 1. und 2. Zug lagen etwa 4-500 weiter lings [sic!] vorwärts von uns ebenfalls in Schützengraben. Wir erhielten den ganzen Tag Gewehrfeuer von den Russen[.] Wir schossen auch dann und wann auf die Russische Stellung. Wir lagen da in unser Stellung bis zum 4. Dez. früh 9 Uhr. Am 3. Dez. abend machten die Russen einen Sturmangrief[,] wurden aber wieder zurück gewiesen. Am Morgen den 4. Dez. versuchten die Russen noch einmal Durchzubrechen, wurden aber trotz des Abrückens der 11. Komp. und ein Teil der 12. Komp. wieder zum stehen gebracht, weil der 3. Zug, bei welchen ich damals auch war, Stand hielt und aus seiner Stellung nicht heraus ging, die Russen wurden dann wieder zurück geworfen, hatten sehr große Verluste[,] welches wir am andern Morgen dann selber sahen. Wir wurden nämlich zur Batroille komandiert (unsere Gruppe) unter Führung des Feldwebels Gartenstein. Sollte feststellen, wie weit die Höhe, und ob die Russische Stellung frei seien. Wir gingen dann vor, und fanden die Russische Stellung alle frei, die Schützengräben lagen alle voll Tode, und wir fanden auch noch einige Verwundte[,] welche die Russen zurück mußten lassen, viele Gewehre und Munition lag ebenfalls da. Wir wurden dann wieder zurück geschickt, mit der Meldung, das alles frei wäre. Ich ging dann mit der Meldung zurück und gab diese ab. Bleiben dann noch eine ganze Zeit auf der Höhe bis zum weiteren Abmarsch.

Res.

Albin Möller

12/94

Reservist Gustav Greiner 12/94

Gefechtstage von 2.-4. Dezember [1914]

Den 3 Zug[,] welchen ich damals zugeteilt war[,] lag in Schützengraben am Abhang der Höhe 181 als Reserve. 1 und 2 Zug lagen etwa 4 bis 500 Meter weiter lings [sic!] vorwärts vor uns[,] ebenfalls im Schützengraben[.] Wir erhielten den ganzen Tag Gewehrfeuer von den Russen. Wir lagen da in unßerer Stellung bis zum 4. Dezember früh 9 Uhr. Am 3. Dezember abends machten die Russen einen Sturmangriff[,] wurden aber wieder zurückgeworfen. Am Morgen den 4 Dezember versuchten die Russen noch einmal durchzubrechen[,] wurden aber troz des Abrückens der 1. Komp. und ein Teil der 12 Komp. wieder zu stehen gebracht[,] weil der 3. Zug[,] bei welchen ich damahls auch war[,] Standt gehalten und aus seiner Stellung nicht herausging. Die Russen wurden wieder Zurückgeworfen und hatten sehr große verluste[,] welches wir am andern Morgen dan selbst sahen. Wir wurden nämlich zur Patrolie komandiert unter Führung des Feldwebels Hartenstein[,] sollten feststellen[,] wie weit die Höhe und ob die Russische Stellung frei sein[,] wir gingen dan vor und fanden dieselben frei. Die Schützengräben lagen alle voll Tode und mehrere Verwundete[,] welche die Russen zurück ließen. Von da wurde eine Meldung zurück geschickt[,] das die Stellungen frei sind. Wir gingen noch 2-300 Meter vor und fanden keine Russen[,] dan gingen wir zurück und blieben bis zum Abmarsch.

Reservist

Gustav Greiner

12/94

Gefreiter Franz 12/94

Meine Erlebnisse vom 2. und 3.12.[1914]

Am Morgen des 2.12. 630 marschierten 11. u. 12. Komp. von Kasymiersk nach Ludomiersk[,] wohselbst sich das I./94 sammelte. Nach kurzem Halt wurde in das Wäldchen bei Ludomiersk weiter und daselbst in Gefechtsformation aufmarschiert. Als wir am Waldrande angelangt[,] ertönte plötzlich von halblinks vor uns Gewehrfeuer, daraufhin ging das Battl. In Richtung auf den Friedhofvor, daselbst blieb 2. u. 4. Komp. Die 12 Komp ging vor mit 11/94. Der erste Zug zuerst durch das vor uns liegende Unterholz, übersprangen eine dazwischen liegende Lichtung[,] daselbst hatten mein Zug den ersten Verwundeten. Lagen darauf an den erreichten Waldrande, woselbst die feindl. Geschoße durchschlugen. Blieben da eine Zeit liegen, dort kam der Befehl: „Den andern Waldrand erreichen und Anschluß an I.R. 71 aufnehmen!“ Daraufhin zog sich mein Zug nach rechts. Im dichten Unterholz riß die Verbindung des einen Halbzuges mit dem andern ab, Vzfeldwebel Bosse schickte mich zurück, den abgeschnittenen Halbzug heranzuholen, ich ging mit einem Mann nach links rückwärts und führte den Halbzug vor. Von da aus ging der erste Halbzug des zweiten Zuges rüber. Nach diesem Vorgehen griff der Feind nicht wieder an, beschoß uns tagsüber schwach, auch die darauf folgende Nacht, blieb Alles im Schützengraben, und im Schutze der Nacht zog sich der Feind dann, wie wir am 4.12. beim Weitermarsch sahen[,] sehr große Verluste, dieses Anstürmen gekostet hatte, zurück.

Gefr. Franz

12/94

Reservist Vogelmann 12/94

Erlebnisse vom 2ten zum 3ten Dezem[ber] 1914

Am 2tem früh um 6 Uhr rückten wir von Kasimiersk nach Lutomiersk vor. Hinter Lutomiersk kamen wir ins Gefecht. Wir lagen rechts von der 10ten Komp., welche unseren 1ten Zug bildete, bis zum Abend und erhielten daselbst ein lebhaftes Flankenfeuer. Nachdem am Abend Regt. 96 und die 11. Komp. 94 die Höhe gestürmt hatten, rückten wir ebenfalls vor und verlängerten rechts der 11ten Kompagnie. Um 12 Uhr Nachts und 5 Uhr Morgens machten die Russen heftige Angriffe, wurden jedoch unter großen Verlusten abgewiesen, so daß sie sich in der Nacht vom 4ten zum 5ten zurückziehen mussten.

Reserv. Vogelmann

12/94

Reservist Karl Jauch 12/94

Erlebnisse des Reservisten Karl Jauch vom 2-4 Dez. 1914

Am 2 dieses Mon. rükten wir frühmorgens von Kasimiers aus, durch ein Stadtviertel von Ludomiers nach dem Friedhof von dieser Stadt, daselbst war ein kurzes Halt, jedoch es dauerte nicht lange[,] erhielt unsere Komp. den Befehl zum angreifen, wir rückten vor in diesen Nadelwald[,] wo alsbald der erste Zug[,] bei welchem ich mich befand[,] ausschwärmen mußte. Wir hatten schon beim Verlassen der Stadt Feuer bekommen, nun ging es ausgeschwärmt dem feindlichen Schützengraben sprungweise entgegen, das feindliche Feuer wurde immer stärker und wir hatten Mühe und Arbeit uns immer näher an die feindliche Stellung ranzumachen. Wir schanzten uns ein und erhielten Verstärkung vom 2. Bataillon[,] dieses ging noch weiter vor[,] während wir liegen bleiben sollten, jedoch am Abend kam der Befehl zum allgemeinen Sturm, ich ging mit der 2ten Komp vor und wir besetzten zum Teil den russischen Graben. In der Dunkelheit sammelten sich die Kompagnien und ich ging nach rechts zu meiner Komp.[,] dort schanzten wir uns auf Höhe 181 ein, und blieben in dieser Stellung. In der Nacht wollten uns die Russen stürmen [,] was ihnen aber nicht gelang[,] sie mußten wieder zurückgehen, wir hielten die Stellung den nächsten Tag und die darauf folgende Nacht, in der die Russen sich verzogen, und wir dann am 4ten die Verfolgung aufnahmen.

Musketier Keck 12/94

Meine Aufzeichnungen über unsere Gefechte von 2.-4. Dezember 1914.

Nachdem die Russen ihre Stellungen bei Ludomierzk am 1. Dezember verlassen hatten, folgten wir am 2ten morgens 6.30 Uhr. Die Russen hatten 4 km hinter Ludmierzk sich von neuen ferschanzt. Die Hauptmacht lag auf 181, wie lagen im Walde am Grunde vor der Höhe. Rechts von uns war Regiment 96, links der Höhe Regiment 71, in der Mitte Regiment 94. Der 1te und 2te Zug von 12.94 ging vor und verschanzten sich auf halber Höhe[,] der dritte Zug lag in Reserve ihm Wäldchen[,] gegen Abend kam der Befehl zum vorgehen[,] wier verschanzten uns auf der Höhe[,] die ganze Stellung bildete einen rechten Flügel[.] Der Dritte Zug[,] welcher sich jetz in der Linie mit befand, schickte eine Laufpatrolie[,] bis 12 Uhr nachts war es gans ruhig[,] von 12 bis 1 Uhr kam ich und noch 2 Man alz Batrolie for[,] gegen ½ 1 Uhr erhielten wier Feuer und die Russen kamen in Schützenlinien an[,] wier zogen uns zurük[,] alz wir in die Schützenlinie zurük kamen[,] flutete die 1te Kompanie zurük[,] doch durch unseren 3ten Zug der Linkschwenk gemacht hatte[,] um die Richtige Front zu gewinen[,] wurden sie aufgehalten und mit lauten Hura eroberten wier die bereits verlorene Stellung wieder[,] gegen Morgen versuchten die Russen noch einmal anzugreifen[,] aber ohne Erfolg. Der Tag und die Nacht von 3. bis 4ten verlief ruhig[,] früh gegen 3 Uhr schaften wier einen Verwundeten nach Ludomierzk[,] der 24 Stunden schon dort gelegen hatte und wegen des Gewehrfeuers nicht geholt werden konnte[,] alz wier wiederkamen[,] sammelten [sich] die Bataillone. Die Russen waren zurük. Es war dan gezählt[,] das in einen Schützengraben 824 tote Russen lagen[,] doch auch wier hatten vielle Kameraden[,] die verwuntet oder tot waren Ehreiches Antenken

Musk. Keck 12.94.

Unteroffizier Schwabe 12/94

Raura, d. 13.I.1915.

Gefecht auf Höhe 181 am 2.12.14.

Es war am 1. Dez. 14, wo sich die Russen aus Lutumiers [Lutomiersk] nach Höhe 181 etwa 2 Klm nordöstl. L. zurückgezogen hatten.

Am 2. Dezb. erhielt unser Regiment den Befehl zum Angriff. Um 70 Uhr früh machten wir den Vormarsch. Vor unserem II. Battl. befand sich unser II. Battl., welches schon mit dem Feinde in Berührung stand. Um 9 Uhr wurde das III. Battl. auch eingesetzt und zwar rechts vom II. B. Unsere Komp. (die 12. Komp.) kam am rechten Flügel des Regt. und nahm die Verbindung mit dem rechten regt, es war das Regt. Nr. 71, auf. Am Abend, als unser Regt. die Höhe 181 schon in ihrem Besitze hatte[,] kam auch die 12. Komp. dorthin, unser Abschnitte, den wir bisher hatten, nahm eine Komp. von dem Regt. Nr. 71 ein. Die 12. Komp. erhielt den östl. Abhange der oben genannten Höhe und verschanzte sich daselbst. Während dem Schanzen wurde ich mit noch 2 Mann als Sicherung vorgeschickt. In einer Ackerfurche arbeitete ich mich mit meinen 2 Mann etwa 400 m vor und gruben uns dann ein. Daselbst konnte ich die Russen auf etwa 400-500 m Entfernung schanzen sehen. Auch die Russen hatten eine Sicherung vorgeschickt, die sich kurz vor uns ebenfalls einschanzte. Nach zweistündiger Beobachtung wurde ich eingezogen. – Es war kurz vor 120 Uhr, wo die Meldung kam, die Russen versuchten anzugreifen, kaum paar Minuten darauf wurde links von uns das Feuer eröffnet, auch wir bemerkten vor uns Feuer und nahmen auch diesen heftig unter Feuer, die Art., die kurz hinter uns stand, fing jetzt auch an ihr Wort mit zu sprechen. Es war ein mörderisches Feuer[,] was wir, Infanterie und Artl. auf den Feind abgeben. Die Russen vermochten sich nicht mehr zu halten und verschwanden alle von der Erdfläche. Nachdem das Feuer nach gelassen hatte, hörten wir, durch das Schreien und Wimmern der Verwundeten Russen, daß unser Feuer eine fürchterliche Wirkung gehabt hat. Bei diesem Gefechte hat uns der liebe Gott sehr mit dem Mondenschein unterstützt und dank ihm dafür. Um 3 Uhr nachts schoben sich die Wolken vor den Mond und diese Dunkelheit haben die Russen ausgenützt und hatten sich bis kurz vor unserer Stellung heran geschlichen, wir sich später rausstellte. Alles hatte sich schon über diese Abwehr beruhigt und glaubten alle, einen zweiten Angriff werden die Russen wohl nicht mehr versuchen. Es war etwa 5 Uhr früh, da hörte ich mit einem mal, etwa 100 m links von mir, ein recht breites Hurra rufen („Hurrä“) [,] es begann eine schnelle[,] aber kurze Schießerei und sah daß sich links ein heftiges Bajonettkämpf entspann. Durch die Übermacht der Russen konnte die 11. Komp. nicht stand halten, und ging einige Meter und dadurch kamen die Russen dem II. Zuge der 12. Kompanie[,] von dem ich mit meiner Gruppe den l. Flügel bildete[,] in die linke Flanke. Das Feuer auf diese anflutenden Russen eröffnen, war unmöglich, sonst hatte einer dem andern erschossen. In diesem Augenblick dachte ich, du mußt eigenmächtig handeln. Ich nahm den zweiten Halbzug des II. Zuges auf meine Verantwortung etwas zurück, nahm die richtige Front ein und nahm den Feind stark unter Feuer. Der Feind bot für uns ein gutes Ziel, er kam in Haufen an. Nachdem sie mit dem Feuer meiner Mannschaften tüchtig überschüttet wurden, machte, was noch stand, reißaus. Mein Bestreben war jetzt, die zwei Geschütze, die den Russen schon in ihrem Besitze hatten, wieder zu bekommen. Ich rief meinen Leuten zu „Kerls unsere Geschütze müssen wir wieder haben.“ In diesem Moment sah ich mich um und sah[,] daß sich der übrige Teil des II. Zuges sich etwa 100 m hinter mir befand und hörte das energische Eingreifen des Herrn Hauptmanns Sorge und des Vizefeldwebels Hindermanns. Nachdem ich noch einige Mann bekommen hatte, machte ich den Vorstoß in die alte Stellung und warfen die darin steckenden Russen raus. Bei diesen Vorgehen ist mir der Landwehrmann Koch besonders aufgefallen, der sich freiwillig zum Vorgehen meldete. Das weitere Zurückfluten des Restes des II. Zuges wurde durch den Zugführer des III. Zuges noch aufgehalten. Dieses Vorgehen mit dem II. Zuge war und ist noch heute die schönste Tat[,] die ich verrichtet habe. Nachdem der 2. Zug die 12. Komp. ihre Stellung wieder besetzt hatte[,] ging auch die 11. Komp. in ihr alte Stellung.

Schwabe Untoffz.

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Alfred Krah – Soldat bei der Flugabwehr im 1. Weltkrieg – Teil 2 (Einsatz in Palästina und Kriegsgefangenschaft in Ägypten – 28. Juli 1918 bis 21. November 1919)

Von Alfred Krah sind zwei Kriegstagebücher erhalten, die ganz unterschiedliche Zeiträume abdecken. Der erste Band 1915/16 kann hier nachgelesen werden. Das zweites Kriegstagebuch umfasst seinen Einsatz in Palästina und die Zeit seiner Kriegsgefangenschaft in Ägypten (Juli 1918 bis November 1919). Allerdings wurden nicht alle Notizen in das Kriegstagebuch gemacht, sondern Krah nutze hierzu auch einzelne Zettel.

Insgesamt ist die Schrift in dem Zeitraum von Juli 1918 bis zu seiner Rückkehr nach Deutschland am 21. November 1919 nicht so gut zu lesen wie in dem anderen erhaltenen Band (1915/16).

Vom 28. Juli bis 7. August war Krah auf dem Weg Haydarpaşa nach Nazarett. Hierzu nutze er die Bahn von Haydarpaşa in Istanbul bis Konya. Von dort aus dann mit der Bagdadbahn bis Aleppo. Von Aleppo reist er anschließend weiter mit der Bahn bis Damaskus, dann weiter von Cedem nach Darʿā, wo er am 7. August 1918 morgens ankommt. Krah erwähnt dann noch die Abfahrt um 11 Uhr. Dann enden die Aufzeichnungen abrupt.

Seine Notizen während der Kriegsgefangenschaft beginnt Krah dann vom anderen Ende des Notizbuches. Hier beginnt er zunächst mit den Schilderungen der Kampfhandlungen am 19. September 1918 in Jakobsbrunn. Vermutlich handelt es sich um Bir Ya’qub, das am östlichen Rand der Stadt Nablus liegt. In der Nähe des Jordan wurde Krah am 23. September 1918 nach seinen Angaben von einer Indischen Kavallerie-Patrouille gefangen genommen. Dann beschreibt er die Reise nach und das Leben im Kriegsgefangenenlager Tel el-Kebir in Ägypten. Die Aufzeichnungen enden mit dem Datum 25. Dezember 1918.

Weitere Aufzeichnungen hat Krah auf einzelnen Zetteln angefertigt: Zum einen vom 4. Oktober 1918 bis 29. Juni 1919 Notizen zum Lagerleben. Zum anderen vom 30. Oktober bis 21. November 1919 die Rückfahrt mit dem Schiff von Ägypten nach Deutschland. Die Aufzeichnungen enden am 21. November 1919 mit dem Ankern in der Elbe.

Erhalten ist auch von Krah handgeschriebenes Lied über das Kriegsgefangenenlager Tel el-Kebir mit dem Titel „Poutpouri Tel-el-Kebir“.

28. Juli bis 7. August 1918 – Fahrt von Haydarpaşa nach Nazarett

Erste Seite des Kriegstagebuches beginnend am 28. Juli 1918

Fahrt von Haidar Pascha [Haydarpaşa] nach Nazareth

28.VII.18 ½ 10h Abfahrt on Haidar-Pascha [Haydarpaşa] nächtliche Fahrt gebirgig Sapandja [Sapanca], fruchtbar, Obst längs des Sakaria [Sakarya], wenig Wasser, zerklüftetes Gebirge. Nachts gefahren

29.VII. Morgens etwa gegen 400 Ankunft in Eskistehir [Eskişehir] größere Stadt Verpfleg.

Hier Abfahrt 900

abends gegen 700 Ankunft in Razakisat

30.VII. Morgens 700 in Konia [Konya] größere Stadt. Werden durch öde Steppen gefahren Kamelherden, abends Eugeli. Ödes Steppengebiet durchfahren immer in einer Höhe von über 1000m.

31.VII. nachts gegen 200 Achsenbruch der einen Lokomot. Wie halten in ödem gebirgigem Steppengebiet. Die eine Lok holt auf der nächsten 50 km entf. Station Werkzeug u. kehrte gegen 8h zurück. Das Rad wird abgen. u. nach ca. 3 Std. zieht die Lok die andere fort. Unterdeßen kosten wir von Lok.-Wasser Tee [unleserliches Wort] u. finden in dem öden Gebiet eine kleine Quelle. ½ 12h mal weiter gefahren an den Taurusbergen vorbei 900 in Karabonar [wohl: Karapınar], inges. hohe Berge eingeladen in Kleinbahn. Brausebad. Erstklassig geschlafen in Liegestuhl.

1. Aug. ½ 800 Abfahrt. An tiefen Schluchten sonst vorbei. Endlose Tunnels teils im Bau. Um 1200 in Gelebek [Kelebek] umladen in Großbahn. Abgefahren ½ 400 Fahrt durch fruchtbare Ebene.

2. Aug. Morgens um 500 in dem Amano-Geb. [Amanosgebirge oder Nurgebirge] erwacht. Tunnels. Teils fruchtbare Gegend. Abend gegen 600 in Aleppo angekommen. Typisch arab. Stadt. Viel Staub. Weiße Steinhäuser. Flache Dächer. Gepäck auf Auto in die versch. Quartiere gefahren. Unser Quartier kleines Zimmer. Steinwände, Steinfußboden. Man legt sich auf den Fußboden u. schläft gut trotz Wanzen i. Flöhen.

3. Aug. 700 aufgest. [Sodatuh?] Kaffee getr. Verpflegung gefaßt. Mittag gegessen. Auto beladen.

1200 mittags abgefahren.

4. Aug. 700 morgens Station Homs. Gegen 600 Rajak [Rayak] Feldbahn 1100 abgefah. Da Holzfeuerung der Lokom. viel Funkenflug Brände der Waggons. Munition.

5. Aug. 400 Demakus [Damaskus]. Mit Auto in Quartier.

6. Aug. Stadt erleben

Abends 900 abgefahren ab Kadem [Cadem]. Schmalspurbahn. Morgens 7. Aug. 800 in Derat [Darʿā ] ¼ 1100 abgf.

19. September 1918 bis 25. Dezember 1918 Notizen während der Kriegsgefangenschaft

Erste Seite mit Notizen aus der Kriegsgefangenschaft

19. Sept.: ½ 4h-500 morgens starkes Trommelfeuer an der Front, woraus wir den Anfang der engl. Offensive erraten. Gegen 500 als wir uns eben von unserem Nachtlager erheben wollten, sehen wir ganz tiefe engl. Flieder über uns, die mit Bomben u. M.G.-Feuer allerlei Schaden anrichteten. Tagsüber ist bis auf größere feindl. Fliegertätigkeit Ruhe. Abend kommt der Befehl zum Packen der Sachen. noch abends u. Nachts fahren Wagen mit Gepäck nach Jakobsbrunn [wohl Bir Ya’qub am östlichen Rand von Nablus]

20. Sept.: ½ 7 müssen wir mit dem letzten Gepäck aus der Stellung. In J.-b. melden nochmals die Sachen sortiert 2 Ochsenwagen wurden gepackt mit Sanitätstubensachen u. Lebensmittel. Um 500 marschieren wir ab. Die Wagen folgen später. Wir kommen nicht weit, da werden wir aufs Gräßlichste von Fliegern bombardiert u. mit M.G. beschossen. Hinter Steinen u. Gebüsch suchen wir Zuflucht, ein Geschwader löst das andere ab. Es ist schrecklich, wir denken uns letztes Stündlein hat geschlagen. Gott sei Dank bricht die Nacht mit hellem Vollmondschein herein u. wir können ungestört unseres Weges ziehen mit vollem Rucksack, der das Nötigste nur enthält auf dem Rücken geht es dann tiefen Schluchten entlang, bergauf bergab, das Wasser im Sand. Oft muss man ruhen, denn als nichts gewöhnter Körper hält solche Anstrengungen nicht aus. Nach 10 Stund. Marsch gelangt man endlich an unserm heutig. Ziel, eine Wegegabelung, an. Unterdessen hat schon der 21. Sept. begonnen. [unleserliches Wort] traut man sich wieder. Beim Morgengrauen wird man durch das Rasseln einer Autokolonne geweckt. Auch wir gehen weiter. Hochplateau. Sturmtruppe formiert zunächst Engl. uns den weg abgeschnitten. Bei Besam Rebellen (Beduinen). Fliegerangriffe Nachmitt. ab mit Auto bis Besam. Schlechtes Sumpfwasser, Salzwasser Engl. Art. b. Besam ansch. Angriff. Per Auto zurück nachts Jordantal in Geb., 22. Sept., 2. Std. geschlafen. Nach 1 Std. zurück um etwas fast fad ungenießbares Wasser zu trinken. Mit Auto Mittags wieder vor ins Jordantal. Benzinmangel. Zerstörte Wagen. [unleserliches Wort] Zeit, Pferde, Kamele, Chaos. Zu Fuß weiter vor. Da eine Versammlung von über 100 Deutschen. Wir wollen dort beraten. Gegen Abend Beduinendorf noch eing. [unleserliches Wort] Sumpf. Gegen 1100 am Jordan. Feindkontakt. Sachen auf dem Kopf durch den Jordan, Kamele mit [unleserliches Wort]. Im Schilfdschungel. Das Gebirge [unleserliches Wort] Beduinendorf. Schüsse. Kurzes Gefecht.

23. Sept.: M.G. Feuer. Hände [Monti?] Station. Indische Kav. Patroille. Waffenabgabe. Abgerückt durch die Ebene durch den Jordan bis zum Bauch im Wasser Marsch durch Beduinensiedlungen bis Besam. Indisch. Kavall. sehr freundlich u. zuvorkommend. Total schlapp u. wunde Füße, geschlafen wie ein Toter.

24. Sept.: Mit anderen Kranken durch Vermittl. eines [?arztes] in ein Lazarett aufgen. Leicht Essen. Kamen Nachmittags mit Autos fort.

25. Sept.: Ankunft in Tel Kebir. Noch 1 Std. weiter mit Auto in ein Gef. Lager. Gutes Essen. Abend mit ca. 500 Deutschen nach der Deutschen Kolonial Wilhelm. Viele sehr kaput nach dem langen Marsch. Geschlafen im Lager.

26. Sept.: Sämtliche Alman nach Ludd [Lod]. Nachm. Ankunft im Lager. Gutes Essen. Engl. überall zuvorkommend u. nett. Abends Untersuchung des Gepäcks nach Briefschaften und scharfen Gegenständen. Angabe des Namens und Funktion Verteilung einer Nummer. Nr. 727 trage ich. Seid Lager Ludd mit Reinhard Müller zusammen. Schlafen.

27. Sept.: Nachdem gegessen Abmarsch zum Bahnhof. Verladen gegen ½ 500 Abfahrt durch die Sandwüste. Eisenbahn herrlich in Ordnung.

28. Sept.: Morgens Ankunft auf dem Riesenbahnhof Cantara [El Qantara] am Suez-Kanal, große Lager mit Material. Ca. 1 Std. Marsch nach dem Lager. Entlausung. Lysolbad. Essenempfang. Brot, Marmelade, Tabak, Reis, Zucker, Tee.

29. Sept.: Schätzungsweise sind wir 800 Deutsche im Lager. Es soll nach Kairo weitergehen [unleserliches Wort]. Essenempfang.

30. Sept.: Wir sind immer noch im Lager. Es ist eine Quarantänestation. Das eintönige Leben fängt an langweilig zu werden. Man sitzt und liegt im Sande. Das Essen ist gut u. endlich gibt genug Brot, Zwiebel u. an frischem Gemüse mangelt es. – Es ist alles sehr [unleserliches Wort] eingerichtet.

1. Okt.: Noch immer bevölkern wir das Lager die Langeweile wird immer größer, denn man hat nichts zu tun. Abends gegen 600 Uhr fängt es etwas an zu regnen. Wir hocken zu 20 Mann in einem kleinen Spitzzelt. Nach dem Regen schläft man in seinen Mantel eingewickelt herrlich auf dem naßen Boden.

2. Okt.: Immer noch können wir nicht aus diesem Lager fort kommen, was unser aller größter Wunsch ist.

3. Okt. Wieder ein Tag vorbei, ereignislos wie jeder. Nach einem Gerücht soll es morgen fortgehen.

4. Okt.: Morgens gegen 800 nach dem Bahnhof. In schönen Wagen Fahrt am Suezkanal längs diesem nach Westen abzweigend bis Tel-el-Kebir, dem riesigen Gefangenen-Lager. Da es neu ist, noch nicht eingerichtet. Gegen abend kam ich erst mein Geld gegen Quittung abgegeben. Creosolbad, Durchsuchung u. Abnahme einzelner verbotener Sachen. Dann Verteilen auf die Zelte je 10 Mann, 2 Decken erhalten. Ohne Essen schlafen.

5. Okt.: 500 Wecken. Antreten. Um von den Türken los zu kommen, bauen wir uns selbst Zelte auf. Das Essen ist gut u. reichlich. Ein Tag vergeht wie der andere.

13. Okt. Heute ein Sonntag in Gefangenschaft. Es wird wie die Tage bisher etwas gearbeitet. Gesund u. munter ist man Gott sei Dank, aber etwas mehr zu essen könnte es geben. Es gibt täglich morg. Tee, Marmelade, mittags eine süße Schleimsuppe, abends Gemüsesuppe mit Fleisch. Den Tag ¾ -1 Brot. Heute ist mein 4jähr. Dienstjubiläum.

1. Nov. Bisher hat das Lagerleben seinen eintönigen gleichmäßigen Verlauf genommen. Tagsüber werden kleine Arbeiten verrichtet. Die meiste Freude bereiten einem jedem die 3 Mahlzeiten am Tage, denn Hunger hat jeder bei der nicht allzu reichlich bemessenen Kost. – In den Gesprächen bildet der Friede das Hauptthema, denn viele Gerüchte geben genug Anlaß dazu. Auch gestern endlich am 31. Okt. wurde auch bei der Nachmittagszählung offiziell bekannt gegeben „Die Feindseligkeiten zwischen der Türkei u. der Entente sind eingestellt.“ Allgemeine Freude, besonders bei den Türken, die sich wie Verrückte gebärdeten, herrschte natürlich überall.

23. Dez. 1 Tag vor dem heiligen Abend. Bisher hat ein Tag den anderen getrieben. Gerüchte tauchten auf, waren aber kaum etwas Wahres ist. Mitte Novemb. Kam es des Nachts zu einer Schlägerei mit den Arabern, wobei es Lazarettfähige gab. – Vom Frieden ist noch nichts zu spüren. Hoffentlich gibt es Weihnachten mal satt zu essen, denn Kohldampf muß man sehr schieben.

24. Dez. Grau u. düster dämmert der Tag herauf. 700 ist antreten, dann Einteilung zur Arbeit wie gewöhnlich. Bald regnet es, u. dabei ist recht kalt. Ich bleibe zu Hause als Zeltdienst. Antreten zum Empfang von Kleidungsstücken. Ich bin so glücklich und schnappe 1 Hemd u. 1 Unterhose, worüber ich glücklich wie ein kleines Kind bin. In der Küche ist heute Hochbetrieb. – Mittags werden 60/70 Brote u. gekochte Fische geliefert. – Nachmittags wird das Wetter schön, überall herrscht eine gewisse Unruhe. Es wurden allerhand Sachen geschleppt, eine große Schilfbaracke mit Decken ausgehängt. Um ½ 6 tönte der Ruf zum Essenempfang. Es gibt Goulasch mit Speck u. Pellkartoffeln. Leider alles recht kalt aber trotzdem gut. ½ 7 Empfang der Weihnachtssachen, bestehend aus 10 herrlichen Zigaretten, 1 Zigarre, 1 Schachtel Streichhölzer, 2 Apfelsinen, 2 Brote u. 2 Eier. Danach Empfang. Um 8h beginnt die Feier in der Baracke. Der Raum ist mit Decken ausgehängt. Aus Kisten ist ein erhöhter Platz gebaut auf dem ein kleines Bild steht. Rechts davon steht der Christbaum, der aus großen Palmzweigen gebunden ist. Er ist schön mit Lichtern, Sternen u. Watte geschmückt. In der Feier wechseln allgem. Gesänge, solche des Doppelquartett, Vorträge des Orchesters u. verschiedene Kameraden ab. Hervorzuheben sind ein Lied über Tel-el-Kebir und eine Schnitzelbank. Zu allgemeiner Zufriedenheit endet die Feier etwa gegen 1100. Als Gäste waren viele engl. Offiziere dabei, von denen der Major unser Lagerkommandeur zu nennen.

25. Dez.: [Hier enden die Aufzeichnungen]

Notizzettel vom 4. Oktober 1918 bis 29. Juni 1919

Notizzettel beginnend am 4. Oktober 1918.

4. Okt.: Abfahrt in Kantara gegen ½ 10h. Nach interess. Fahrt von ca. 2 Std gelangten wir nach einer kleinen Station. Bis Ismailia, einer größeren, herrlich in Palmen lege. Bahnstat., gings nach Suezk. längs. Dann bog d. Bahn rechts ab u. hielt bald an einer kleinen öden Wüstengegend geleg. Station Tel-el-Kebir. Hier ausladen zu unserm Erstaunen. In diesem mit Stacheldraht umgebenen Lager Halt. Ausziehen, Krosolbad [wohl: Kresolbad], Abnahme des Geldes gegen Quittung, Empfang der P.o.W. Nr. (389). Darauf Ankleiden ins Zeltlager. Einige Afrikanische Gef. waren die einzige die da waren. Während der nächsten Tage wurden Zelte in Nebenlagern errichtet, was bei der enormen Hitze eine ziemliche Anstrengung war, gutes Essen war Lohn.

Am 7. kamen wieder Deutsche, die Hemden alles war in schönster Ordnung.

Tage. Wecken um 5h. ¾ 6h antreten zum Zählen (etwa 1000 Mann mit ca. 100 Östr.). Danach Frühstück Tee Marmelade. Hierauf Arbeitsdienst in Lazarett od. andern Lagern. Dort Aufräumungsarbeiten. 11h Schluß. Unter Bewachung von Juden (Indern) zurück zum eigenen Lager. Nachm. 2-4h das Gleiche. Matten, Decken Kochgesch. angerichtet vor den Zelten wegen Verpflg. 7-9/10 gutes Weißbrot für 1 Tg.

Mittags Reis od. Linsen mit Fleisch. 3h nochm. Zählen 5h Abendbrot Tee, Mehlsuppe jeden 2. Tg. Danach Unterhaltung von ehemaligen schönen Zelten

So ein Tag wie der andere.

16. Okt. Entlausung. Große Hitze Nackte Körper einige Std. in der Sonne.

Nov. Arabienschlacht. Im Bett wie jeden anderen Tag von 7h da wir kein Licht hatten. Da um 10h etwa der Ruf „Alles raus aus den Zelten“. Wir dachten denen aber nicht sondern schliefen weiter. Nach einiger Zeit „Wollt Ihr nicht raus, wollt Ihr Euch von den Banausen den Hals abschneiden lassen?“ Raus. Große Menschenmenge. Schüße fallen alles stürmt nach einer Seite. Schlägerei mit den Arabern mit denen wir in einem Lager lagen. Es gab bei Ihnen mehre mit den Spaten Einschlagene u. Verwundete. Da Verpfl. schlecht, wird anscheinend vieles am Drahtzaun verkauft.

Ein [unleserliches Wort] war kostenfrei für mich. – Langeweile ein Buch große Wohltat gewesen. Glücklich war man wenn man einen Zigarettenstummel fand.

29. Dez.: Gerüchte werden ja dauernd gemacht. Heute wieder wie ein Lauffeuer geht’s durch Lager „Am 18. Jan. beginnt unser Abtransport in die Heimat.“ Jubel über all. Seelig war auch ich. Ich konnte es nicht fassen, das Glück.

1919

21. Jan. Die ersten Tage des neuen Jahres fielen leider nicht so aus wie wir hofften. Bei einer Besichtigung fielen wir so auf, daß wir zunächst 1 Woche Strafexerzieren hatten. Ferner fanden vormittags 2 Besichtigungen statt. Daraufhin allerhand Vorbereitungen. Jeden Sonntag war wenige Monate lang Zeltemachen. Umkleidung des wenigen Gepäcks.

Mit der Einkleidung wurde begonnen dunkelblauer Rock u. Hose sodaß alles fertig zum Abmarsch war. Gerüchte dieser Art traten auch in Massen auf.

Der 18.I. hatte uns eine große Enttäuschung gebracht.

31.I. Man wurde d. Tag zu Tag gleichgültiger. Das einzige worauf man bedacht hatte war das Essen denn Kohldampf hatte man zum Verrecken. Der Speisezettel war ein Tag wie der andere. Morgens bitteren Tee, gegen 12h Reis mit Kartoffeln u. Fleisch, abends gegen 5h Tee mit Zucker. Trotzdem stürzte man nicht täglich mit unbeschreibl. Hunger auf das Essen. Das Gleicheinige wurde einem nicht über. – kleinste Sandstürme waren wöchentlich 2-3 mal – Glücklich war der, der Latrine reinigen durfte, denn man bekam einen doppelten Betrag vom Mittagessen (was aber dem Schweinefutter gleich)

16.III. In diesen Tagen keimte Gerücht auf daß sich Ägypten in hellem Aufruhr befände. Heute bemerkten wir daß der Bahnverkehr unregelmäßig wurde. Verhaltensmaßregeln bei einem Gefangenenalarm wurden beim Zählen bekannt gegeben.

17.III. Keine Leute gingen zur Arbeit. Tolle Gerüchte.

18.III. Aufstand Tagesgespräch. Verbindung mit Cairo ist unterbrochen. Dagegen rege Fliegertätigkeit. Lebensmittel knapper.

21.III. Engländer wieder Herr der Lage. Lebensmittel eingt., endlose Truppentransporte verkehren wieder. Sprengungen waren Tauben gewesen. Krähne wurden transportiert.

April: nichts Besonderes

1. Mai Von dem Lied „Der Mai ist gekommen“ wird das Lager um 5h morg. etwas geweckt u zwar durch 4 Mann unserer Lagerkapelle. Mit Flöte, Guitarren zogen sie im Lager umher u. sangen das Lied.

12.V. Elsässer verlassen das Lager um in die Heimat zu fahren. Schwedischer Konsul betrachtet unser Lager.

29.VI. Abfahrt nach Kantara zur Arbeit in engl. Depots.

Notizzettel vom 30. Oktober bis 21. November 1919

30. Okt.: 820 Abfahrt von Rano. Gegen 200 in Alexandr. – Bevölkerung – Autofahrt Hafen Alz-Deniz.-

31. Okt. An Bordnahme von Lebensmitteln und Passagieren (P.o.W.) Geplante Abfahrt 400. Stürmisches Wetter zwingt zum Bleiben.

1. Nov. 630 mit Schlepper bis außerhalb der Mole.  Sodann Volldampf voraus Richtung Malta-Gibraltar. Stündl. ca. 10 Meilen. Auf See nichts besonderes, ruhig, sonnig. Wetter.

2. Nov. Trübes Wetter. Kein Seegang.

3. Nov. Bedeckte Himmel. Gegen 1100 Begegnung eines engl. Dampfers in nächster Nähe. Gegen 400 in großer Entfernung Dampfer sichtb. Abends schwerster Seegang.

4. Nov. Schönes sonniges Wetter ruhige See. Mittag 200 Malta in Sicht. 3 Std. lang. Herrlicher Abend Mondschein – „Mann über Bord“ gerettet. Boote, Ring (Geisteskranker).

5. Nov. Sonnig, gegen Mittag sehr starke Dünung. Kalt.

6. Nov. Trübes Wetter, gegen Mittag aufklarend, nachm. sonnig, angenehm. Vereinzelt Nordküste Afrikas sichtbar, starker Wellengang. Abends stirbt ein Kamerad.

7. Nov. Sonniges, stürmisches Wetter, Wellengang. Mittags ¾ 11 Absenkung des Toten am Heck des Schiffes. Schiff hält Ehrensalve, Ansprache, – Nordküste Afrikas dauernd sichtbar. Hin und wieder Dampfer Segler.

8. Nov. Spanien sichtbar von früh bis abends

9. Nov. Sonntag. Gibraltar. Hafen. Fort. Händler. Engl. Boot. Stadt.

10. Nov. Hafen schleppen Kohlen Wasser nachm. Abends 900 ausgeschleppt u. losgefahren

11. Nov. gutes Wetter, sonnig, portug. Küste.

12. Nov. längs der Küste, etwas Regen, sehr kalt (170) Wind kommt auf

13.Nov. Sturm, haushohe Wellen über die Brücke, Windst. 9 später 10-11 Schlängeln, Wasser im Schiff. Feuer aus, Treiben

14. Nov. Sturm unvermindert. Wir sind kaum vorwärtsgekommen. Stündl. 1 Meile weniger.

15. Nov. Sturm nimmt ab. Es geht vorwärts. [unleserliches Wort] Wasser schöpfen. Abends ziehmlich ruhig Barometer steigt.

16. Nov. Sonntag. Sonnig, fahren volle Meilenzahl (10-11) 200 Leuchtturm von Avesant [Ouessant?]. Gegen 200 erkennt engl. Küste viel Dampfer. 400 Hafen Plymouth, Wasser nehmen.

17. Nov. Kohlen den ganzen Tag. Nachts Verpflegung.

18. Nov. Lotse kommt an Bord. Ausfahrt 1000 mit eigener Kraft längs der engl. Küste ausgez. Fahrt.

19. Nov. Morgens Dover. Anker werfen warten auf Lotzen. Minenstra.

20. Nov. Nordsee Leuchtschiff Elbe 2 1000 Lotsenboot. Cuxhafen Anker bis nachm.

21. Nov. Anker auf Elbe aufwärts.

Poutpouri Tel-el-Kebir

  1. Laßt es laut erklingen, lustig wollen wir jetzt einmal besingen, hier Tel-el-Kebir
  2. Wie schön, wie schön, wie schön ist´s hier, wie schön, wie schon ist´s hier.
  3. Wir zogen einst aus deutschen Grenzen begeistert in das Türkenreich, die Welt sollt Heldensöhne scheinen uns Herz war´s uns so wonnig weich.
  4. Doch sollt es anders kommen und neulich schlugen wir mit Türken und Banausen uns in Tel-el-Kebir.
  5. Tunlich geführt zogen wir dann, Inder nach Guarkas, die gingen voran, die gingen voran, hin, hin,…
  6. Hinüber in der Wüste der Satard sprach der Isaak mit der Salah.
  7. Ach wenn das meine Mutter wüßte, wie mir´s in der Wüste geht, Schuh u. Strümpfe sind zerrissen, durch die Hose pfeift der Wind.
  8. Du hast ja goldene Pfunde, Piaster, Kantinenbons sicher noch mehr, du rauchst ja die dicksten Zigarren, sag Emil was willst du noch mehr.
  9. Das Meer glänzte weit hinaus im letzten Abendscheine.
  10. In der Nacht, i. d. N., i. d. N.
  11. In der Nacht hat doch jemand Brot mir geklaut, Brot mir geklaut, Bort mir geklaut.
  12. Doch sei nicht böse, sei wieder gut, Reis u. Linsen schmecken auch gut, dreimal Linsen u. dreimal Reis.
  13. Und am letzten Tag der Wert hat´s gemengt denn unser Koch und er denkt wenns euch schmeckt, sechsmal eßt ihr´s siebenmal auch noch.
  14. Dann ist mir´s heut ach heut noch so molig, ach so mollig, ach so mollig… ja das kommt vom …
  15. Bibabibabiba bayrisches Bier, das fehlt täglich mir jetzt hier.
  16. Hinaus mit dem Naß aus dem Faß, hinaus mit dem Naß in das Glas.
  17. Heute Mutter die Landnahme kommt.
  18. Es geht bei gedämpftem Trommelklang als Abends am Stacheldrahtzaun entlang.
  19. … Ach wenn ich doch bei meiner lieben Mutter wär, ach wenn ich doch bei meiner Mutter wäre, ach ja.
  20. Warum stehst Du denn so traurig auf dem Sande, warum mit deinem Blick so sehr nach Afrika?
  21. Teure Heimat sei gegrüßet, sei gegrüßet, usw.
  22. Ich glaube, ich glaube, dort oben fliegt…
  23. Ein Automobil von Hamburg nach…
  24. Hause, nach Hause ist unser aller Ziel.
  25. Wenn das Schifflein, Schifflein schaukelt auf blauer Flut.
  26. Kehren wir dann heim und alles ist wieder gut.
  27. Hurra – Hurra bald sind wir da…

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Alfred Krah – Soldat bei der Flugabwehr im 1. Weltkrieg – Teil 1 (Kriegstagebuch 11. Juli 1915 bis 22. Mai 1916)

Alfred Gustav Krah wurde am 20. April 1896 in Elbing (Verwaltungsbezirk Danzig) geboren. Am13. Oktober 1914 ist Krah als Einjähriger Freiwilliger in der stehende Heer bei dem 13. Rekruten Depot des Feldartillerie Regiments 48 eingetreten. So heißt es zumindest in einer von Krah angefertigten Abschrift seines Soldbuches. Er wurde am 5. Dezember 1914 vereidigt und am 22. März 1915 zur 3. Ersatz-Batterie versetzt.

Am 14. August 1915 rückte er als Kanonier mit dem M Flakzug 26 ins Feld. In seinem Kriegstagebuch erwähnt er, dass die zwei Ballon-Abwehr-Kanonenzüge am 11. März 1915 abmarschbereit waren. Sein erster Einsatz erfolgte in Amelécourt nordöstlich von Nancy. Am 2. Februar 1916 erfolgte dann ein Stellungswechsel zunächst nach Straßburg. Von dort aus ging es dann nach Heiligblasien (Saint-Blaise-la-Roche) in den Vogesen. Die Einheit hatte ihre Flugabwehrstellung am Hohenlohe-Turm. Bis zum Ende des Kriegstagebuches am 22. Mai 1916 erfolgte kein Stellungswechsel mehr.

Alfred Krahs Kriegstagebuch ist anscheinend nicht vollständig überliefert. Der erste Teil, der in diesem Blogbeitrag veröffentlich wird, deckt den Zeitraum vom 11. März 1915 bis 22. Mai 1916 ab.

Der andere erhaltene Teil geht vom 28. Juli 1918 bis zum 22. November 1919. Am 23. September geriet Alfred Krah in Palästina in englische Gefangenschaft und verbrachte diese dann im Kriegsgefangenenlager Tel el-Kebir im heutigen Ägypten. Dieser Teil wird in einem gesonderten Blogbeitrag veröffentlicht.

Im zweiten Band des Kriegstagebuches findet sich Krah militärischer Werdegang, den er wohl eigenhändig verfasst hat:

Militärische Personalnotizen

3. Okt. 1914 Eintritt bei F.A.R. 48 Rekr. Dep. III.

Mitte März 1915 Versetzung in III. Ers. Batt.

14. Aug. 1915 Ausrücken ins Feld mit M Flak Zug 26

27. Okt. 1916 Verleihung des F.A.R i Br

17. März 1917 Ernennung zum überz. Gefr.

4. Juni 1917 Verleihung des E.K. II. Kl.

1.-31. Juni 1918 Kursus für Eig. Bericht der Flakgruppe 40 der IV. Armee

18. Febr.-7. März 1918 Lazarett Ahlst

22. Febr. 1918 Versetzung nach Flakea I.

11.-31. März 1918 Flakea I Frankfurt/M

31. März 1918 Versetzung zu Flakzug 96

12. April 1918 Meldung bei Flakzug 96

28. Juli 1918 Abfahrt nach N. zu Flakjunker 55

8. Aug. 1918 Versetzung zu Flakzug 177

23. Sept. 1918 Gefangennahme

Militärische Personalnotizen von Alfred Krah im zweiten Band seines Kriegstagebuches

Kriegstagebuch vom 11. März 1915 bis 22. Mai 1916

Nachdem wir, d.h. die 2 B.A.K. Züge [Ballon-Abwehr-Kanonenzüge] von Mittwoch d. 11. Juli ab marschbereit waren, konnten wir endlich die Reise ins Feindesland am Sonnabend, den 14. Juli 1915 nachm. 622 ab Verladerampe des Neust. Bahnhof in Dresden beginnen. Kurz fast zu kurz war der abschied am Sonnabend morgen ½ 5h gewesen. Nachdem wir von der Regimentskapelle zum Bahnhof gebracht worden waren und Pferde und Geschütze verladen waren ging es unter Jubel ab. Nachts gegen ½ 11h kamen wir nach Chemnitz,  wo wir vom Roten Kreuz gespeist wurden. Bald ging es weiter. Am Sonntag morgen kamen wir in Hof, also schon in Bayern, an. Am Mittag waren wir in Nürnberg. Nachmittags fuhren wir über die württembergische Grenze. Den Rhein passierten wir leider nachts, so daß wir nichts davon sahen. Wir wußten nun wenigsten, daß wir nach Lothringen kamen. Gegen 10h vorm. kamen wir an unserer Endstation Schâteau-Salin [Château-Salins], einem kleinen, hübschen aber schon echt franz. Aussehendem Städtchen an. Wir luden die 16 Pferde aus und spannten sie vor unsere 2 Geschütze und 1 Munitionskarren. Zuerst möchte ich noch die Mannschaften angeben, mit denen ich mein weiteres Feldleben verbrachte:

Hauptw. + Zugführer: Herr Hauptm. Freund

Entfernungsw. Unteroff.: Einj. Hauptm. Frey

Entfernungsw. Gehilfe: Kriegsfr. Grothusen

I. Geschützbedienung:

Gesch.Führer: Einj.Freiw. Unteroff. Lewicki

Kanon. 1: Einj. Freiw. Schiebler

Kanon. 2: Gefr. Bäuchler

Kanon. 3: Kan. Zimmermann

Kanon. 4: Kan. Hofmann

II. Geschützbedienung:

Gesch.Führer: Einj. Freiw. Unterof. Feldhauer

Kan. 1: ich

Kan. 2: Einj. Freiw. Wittlinger

Kan. 3: Einj. Freiw. Reinhard

Kan. 4: Kan. Christmann

Weiterhin haben wir 6 Fahrer:

I. Gesch: Hartmann, Förster

II. Gesch: Werkling, Andres

Mundsack, Hauschild

Nachdem Herr Hauptmann mit anderen Offizieren Stellung gesucht hatte, fuhren wir bis ins nächste Dorf, d.i. Amélécour [Amelécourt]. Hier bekamen wir aus einer Infant. Feldküche Mittagessen. Nachmittags fuhren wir in Stellung (siehe nebenst. Skizze).

Zum Schießen kamen wir nicht, denn entweder sahen wir überhaupt keine Flieger oder weit entfernt vorüber. Trotzdem hatten wir viel zu tun, denn wir mußten wie immer richtig früh unsere Unterstände ausschachten. Der kleine Unterstand ist eingerichtet, wie nachfolgende Skizze zeigt:

Während der ganzen Woche konnten wir nun Flieger in großer Entfernung sehen, also kamen wir nie zum Schuß. Ein Tag glich also dem andern auch der erste Sonntag im Feld war ein Sonntag der Arbeit. Man steht um ½ 3h auf und legt nach getaner Arbeit wieder in einen alten verlassenen, zugigen Unterstand, in dem es von Mäusen wimmelt, schlafen. So kam denn endlich der 25. Aug. der denkwürdige Tag. Morgens bekam ich die erste Feldpost, einen Brief von Hans Naumann. Es war wohl gegen 10h als uns von allen umliegenden Orten Flieger gemeldet wurden. 20 feindl. Flieger und noch mehr oft wurden gemeldet. Bald sahen wir auch welche, von denen einzelne in unser Feuerbereich kamen. Wir schossen das erste Mal. Nach etwa 80 Schüssen hörten wir den Motor nicht mehrlaufen und sahen das Schwanzende in die Höhe klappen. Der Apparat senkte sich und ging in steilem Gleitflug nieder. Wie uns bald gemeldet wurde ging er vor unserer Artillerie nieder, un[d] das er gänzlich zerschossen wurde. Also den 1. Flieger hatten wir heruntergeholt. Ein schöner Erfolg. Bei der Beschießung eines Fliegers bekam mein Geschütz leider eine Ladehemmung infolge schlecht gegurteter Patronen. – am 26. bekam ich das erste Paket, meinen Regenmantel und eine Karte von Lotte. Sonst nicht besonderes. Am 27. hatten wir überhaupt nichts zu tun. Es war ein ganz fauler Tag.

Der 28. Aug. brachte wieder Arbeit. Gegen 11h kam in Richtung Schâteau ein franz. Flieger. Ehe wir es uns versehen hatten, warf er 2 Bomben ab. Wie bald bekannt wurde explodierte nur eine Bombe. Die andere war ein Blindgänger, der im Pflaster stecken geblieben war. Die andere Bombe aber tötete 5 Personen darunter 2 Artilleristen und verwundete 2 Personen schwer. Einem Mädchen wurde der Leib aufgerissen, und der anderen Person ein Bein abgerissen. – Wir beschossen den Flieger. Leider trafen wir nicht, da er sich gleich in große Höhe begab. – Der Mittag war ruhig. Wie schliefen das erste Mal im neuen Unterstand.

Der 29. Aug. ein Sonntag, der 3. im Feld, brachte wenig Abwechslung. Während des Vormittags regnete es. Trotzdem machte sich ein Kamerad von 84en Art., die uns seit einer Woche zur Hilfe beigegeben waren, auf, um eine Eule zu fangen. Etwa 30 m von unserer Stellung befindet sich ein zerschossenes Gehöft. In diesem hausten 5 Eulen. Eine davon schoß er am Freitag vormit. und gab sie nach Straßburg zum ausstopfen. Heute brachte er nun tatsächlich eine lebende Eule an. Wir verwenden einen geräumigen Käfig, in den wir sie setzten, der Nachmittag war wieder eintönig.

Am 30. Aug. war das Wetter vorm. auch nicht viel besser als am Sonntag. Trotz des Regens und der Winde ging ich an die Quelle und wusch mich fast ganz. Ich zog der erste Mal im Felde reine Unterwäsche an, was eine Wohltat war, denn die alte Wäsche war durch Schweiß nahezu schwarz geworden. Nachmittags mußte ich mit Christmann und Reinhard nach Schâteau-Salins, um bei der Abteilung Art. 84 ein Rockgeschirr umzutauschen. Zuerst gingen wir in eine Weinstube, wo Christmann so viel trank, daß ziehmlich angeheitert daraus kam. Auch ich trank 1 ½ Fl. Dann gingen wir, aber ohne Christmann, da er Post hinauf schaffen mußte, Einkäufe machen. Unterwegs trafen wir Grothusen, der Frey Blutvergiftung durch Wespenstich im Lazarett besucht hatte. Wir gingen nun zusammen nach „Stadt Metz“ wo wir zu Abend aßen und wir einen Liter Wein tranken. Gegen 9h waren wir wieder zu Hause im neuen Unterstand.

31. Aug. Vormittags nichts besonderes. Nachmittags zogen wir in den neuen Unterstand ein. Nachts hatte ich von 9h-11h Wache. Nebenstehend unser neuer Unterstand.

1. Sept. Der Vormittag verlief eintönig. Nach dem Essen gingen Wittlinger und ich in den Wald und schossen unsere Revolver ein. Heute fasten wir auch unsere 2. Kriegslöhnung (5.30M) Abends flogen einige deutsche Flieger über uns hinweg. Feindliche bekamen wir heute nicht zu sehen.

2. Sept. Wie schon lange geplant wurden jetzt die Ruhetage eingerichtet. Wie ich wohl schon erwähnt habe, gibt es jetzt für jedes Geschütz Bedienungsmannschaften. Abwechselnd haben diese nun Dienst. So kommt es, daß die, die 48er Leute den ersten Ruhetag haben. Wir sitzen, da es ja einmal regnet, beisammen in unserm Unterstand und vertreiben uns die Zeit mit Kartenschreiben in die Heimat, Kartenspielen, Zeitungslesen (die neueste ist die vom Sonnabend). Sonst ist nichts besonderes.

3. Sept. Wieder schlechtes Wetter. Früh machte ich das Geschütz rein. Nachmittags bauten wir einen Knüppeldamm vor dem Unterstand zur Küche. Sonst nichts neues.

4. Sept. Es regnet von früh an ununterbrochen. Wenn man aus dem Unterstand in die Höhe kommt versinkt man bis an die Knöchel in den Dreck. Da hier alles Lehm- und Tonboden ist, ist nach dem wenigstens Regen eine furchtbare Schmiere. – Nachmittags gingen wir 4 Einj. nach Château Salins, um verschiedene Einkäufe zu besorgen und einige Lokale zu besuchen. Im großen und ganzen war es aber öde. Als ich abends nach Hause kam war ein Paket von Mutter, das erste, da.

5. Sept. Wieder ein Sonntag, der 4. im Felde. Morgens standen wir 48er um 5h auf, denn wir hatten heute Dienst. Vormittags holten wir Knüppel, um den Weg weiter zu bauen, Machmittags wäre auch nichts besonderes zu verzeichnen.

6. Sept. Ein sog. Dienstfreier Tag. Morgens bauten wir unsern Knüppelweg weiter. Es war ein lebhafter Fliegerbetrieb. Wir schossen aber nicht, da alle zu hoch waren. – Nachmittags gingen wir alle zus. Nach der Saline in Château-Salins, um zu baden. Es war geradezu herrlich unter den Brausen. Abends kehrten wir zusammen zurück. Abends von 11h-1h hatte ich Wache.

7. Sept. Morgens reinigte ich mein Geschütz gründlich und baute dann den Knüppelweg weiter. Nachmittags schlief ich bis 4h dann weitergebaut. Heute nachm. bekam ich 2 Pakete von Mutter. Sonst nichts besonderes.

8. Sept. Da Ruhetagerst im ½ 7h aufgestanden. Unteroff. und Hauptm. ritten bis Mittag spazieren. Wittlinger und ich bauten Orientierungstafeln. Nachm. nichts besonderes, als 84er, die Dienst hatten, beschossen feindl. Flieger. Dieser machte schleunigst kehrt.

9. Sept. Nichts besonderes.

10. Sept. Nichts besonderes.

Morgens gingen Steffen, Wittlinger und ich in die Schützengräben und Unterstände vor unserer Stellung um Bretter zu holen. Nachmittags bauten wir unseren Unterstand weiter, d.h. den Anbau.

11. Sept. Vormittags Karabiner gereinigt, da nachm. Apell. Sonst nichts neues.

12. Sept. Wieder ein Sonntag. ½ 8h gingen Unteroffz. Feldhaber, Wittlinger, Schiebler, Zimmermann und ich weg, um in Amelécourt die Kirche zu besuchen. Unten gesellten sich noch die Fahrer Andres und Förster zu uns. Die Kirche war voll. Vorn saßen Offiziere. In der Kirche waren noch all die Schmuckgegenstände einer kathol. Kirche. Die Predigt war recht nett, wenn sie auch kurz war. – Dann gingen wir wieder hinauf zu unserem Unterstand. Hier fand ich gleich Post von Naumann, Trude Hachenberger und Siekwitz vor. – Nachmittags machten Schiebler, Wittlinger und ich einen netten Spaziergang zum großen Blockhaus, das einst die Bayern bauten. Dort wurden wir auch von einem zufällig anwenden bayr. Unteroff. photographiert. Dann gingen durch den Schützengraben der längs der Straße Château-Fresnes sich hinzog. Sonst war nichts neues,

13. Sept. Wir haben wieder Dienst. Also 5h aufstehen und alles in Ordnung bringen. – Eben sind wir mit Kaffeetrinken fertig, als Alarm gepfiffen wird. Wir rennen also zu den Geschützen. Leutnant Wiedmer von 84, der gleich Dienst hat, ist eben beim Waschen. Es hat den Oberkörper entblößt und kommt so, sich noch im Laufen einen ergriffenen Mantel anziehend, zu den Geschützen gerannt.

Also nun laden. Der Hptm. ist auch zugegen. Ich bin nun auch eifrigst bemüht ein Geschoss in den Lauf zu bekommen. Aber mein Zubringer will heute keine Patrone fassen. Bis ich endlich mit dem Hammer dreinschlage. Endlich geht es das andere Geschütz hat längst gefeuert. Der Hauptmann flucht und schimpft. Der Leutnant wettert und wirft die Kommandotafel hin. Bei mir gehts jetzt. Da stockts beim andern Geschütz, also heute Pech über Pech. Die Flieger surren über uns hinweg und wir treffen nichts. Endlich wird wieder Ruhe. Wie wir später erfuhren hat ein Flieger 3 Bomben über Château-Salins abgeworfen, ohne Schaden anzurichten.

Das war im Großen und Ganzen ein großer Witz. Vom Leutnant wurden ganz dämliche Kommentare gegeben, sonst hätten wir etwas treffen müssen. – Nachm. gurteten wir sämtliche Geschoße.

14. Sept. Um 7h standen wir erst auf. Ich hatte Stubendienst. Den ganzen Morgen schleppten wir Feuerholz herbei. Nachmittags fing es an zu regnen. Wir konnten nichts anfangen. Von 9h-11h hatte ich Wache.

15. Sept. Heute wieder mal Dienst. Ich werde als Telephonist ausgebildet, da einer auf Urlaub ist. Die Franzosen beschießen heute vormittag stark Salonnes. Nachmittags Holz gehackt.

16. Sept. Vormittags Holz gehackt. Nachmittags nach Amelécourt gegangen, wo der Stabsveterinär Pferderevision über unsere Pferde abhielt. Sonst nichts besonderes.

17. Sept. Heute vormittag gefaulenzt. Von Erich die erste Karte erhalten. Nachmittags auf Flieger gewartet, die nicht kamen.

18. Sept. Vormittags Holzstämme für Feuerholz herbeigeschleppt. Nachmittags mit Feldhahn, Schiebler und Wittlinger in die Saline bei Château Salins in Wannen gebadet. Wache von 11h-1h. Herrliche Mondnacht.

19.Sept. Heute Dienst. Im Laufe des Vormitags klärt sich das Wetter auf. Wir warten auf Flieger. Wir bekommen aber nichts zu sehen, da starker Wind weht. Nachmittags gegen 4h hören wir feindliche Flieger. Wir können aber nicht schießen, da alle zu weit sind. Alle kreisen über Hampont, da dort im Walde schwere 38 cm Geschütze aufgestellt sind. Davor sind Scheinstellungen. Darüber kreisen jetzt die Franzosen. Plötzlich hören wir einen starken Kanonenschuß. Einige Zeit danach sehen wir bei der Scheinstellung eine graue Rauchwolke aufsteigen. Dies wiederholt sich gegen 40 Mal. Die französ. Batterien beschießen also über uns hinweg die Scheinstellung. Am Horizont sehen wir 2 französ. Fesselballons. – Sonst nicht besonderes. Abend weht ein kalter Wind. Es ist recht kühl.

20. Sept. Nichts besonderes zu melden. Die Franzosen beschießen wieder Scheinstellungen Hampont.

21. Sept. Vormittags sind wir bei den Geschützen. Wir sehen auch Flieger. Sie kreisen wie in den letzten Tagen immer über Hampont. Aber kein Deutscher läßt sich sehen. Wir können nicht schießen, da sie zu weit sind. 3h nachm. kam der Schimmel (Löhnung). Sonst am Tage nichts neues.

22. Sept. Vormittags nichts besonderes. Gegen ½ 11h klingelt das Telephon. Herr Hauptmann wird dem A.O.K. gewünscht. Dieses befiehlt, daß wir unsere Stellung wechseln. Wir sollen nachm. 5h auf dem Marchant dem Standplatz von B.A.K. 18 (franz. Lewy. rohrgeschütze). Das hieß es nun schnell alle Sachen zusammenpacken, denn um 2h war Abmarsch. Vor 5h waren wir da und stellten unsere Geschütze auf. Diesen Abend konnten wir nicht mehr schießen, obwohl einige Flieger kamen. Auch große deutsche Kampfflieger kamen und schoßen mit den Masch.-Gewehren.

23. Sept. Heute hat wieder 48 Dienst, gegen 11h beschießen wir mit nur 5 Schuß einen franz. FarmanDoppeldecker. Nun eine Skizze unserer neuen Stellung:

Nachm. war nichts besonderes.

24. Sept. Morgens schossen wir wieder. Unsere Schüsse lagen besser als sonst. Nachmittags gingen Unteroffz. Feldhahn, Wittlinger und ich nach Vic. Um 2h marschierten wir ab, quer auf die Straße, die von Château-Salins nach Salonnes führt. Über der Straße hinwegsteht ein größeres zerschossenes Haus, wohl früher eine Mühle. Natürlich gingen wir hin um sie zu besichtigen. Das halbe Dach fehlte. Einige Granaten hatten hinein geschlagen. Innen war es zum Teil ausgebrannt. Doch gab es auch noch leidlich erhaltene Zimmer. Wir fanden auch den in franz. Häusern typischen Raum der durch einen Lichtschacht der durch´s ganze Haus geht. Wir gingen dann weiter über Salonnes, wohin die Franzosen vor einigen Tagen hingeschossen hatten. In 1 ¼ Std. erreichten wir Vic. Ein interessantes Städtchen, getrennt durch die Seille, ein kleiner Fluß. Wir kamen zuerst in die sog. Altstadt, die z.T. sehr zerschossen war. Auch eine Brücke war versenkt, die aber durch provisorische ersetzt war. Dann kamen wir zum Quartier der 1. Bayr. Pioniere einem früheren Kloster. Sehr interessant. Dort bekamen wir auch bayr. Bier. Jetzt ist in dem Kloster Schule. Das übrige sehenswerte der Stadt war auf dem großen Platz, das Denkmal, der Jungfrau von Orléans (Pucelles d´Orléans dort genannt), das alte Tor, das Schloß, das Rathaus (l´hôtel de ville), die kath. Kirche und besonders die alte Münze am Palast Platz. 1910 wurde sie erneuert. Kaiser Wilhelm II. war bei der Einweihung sowie auch 3 Jahre später zugegen und schrieb sich auch eigenhändig in das Fremdenbuch ein, worin auch wir uns eintrugen. Auch von den Franzosen die 3 Tage in Vic waren hatten sich viele Offiziere eingetragen. Merkwürdigerweise hatten sie dort überhaupt nichts zerstört. – Riesig befriedigt von all dem Interessanten gingen wir wieder heim. Dort wurden wir nicht gerade sehr nett empfangen. Der Hauptmann schnauzte uns an, daß wir uns ohne seine Erlaubnis wohl einen Ausweis nach Vic geben ließen. Na, wir hatten ja 2 Ohren, da gings zu einem herein und zum anderen heraus. – Nachts hatte ich von 3h-5h Wache.

25. Sept. Heute trübes Wetter. Mittags wird von A.O.K. telephoniert, daß wir unsere Stellung verlassen sollen und die alte wieder beziehen sollen. Um 5h waren wir wieder hin und lebten gleich wieder so gemütlich wie zu Hause. Jetzt gehe ich auf meinem Strohsack, denn ich bin verdammt müde.

26. Sept. Wir hatten frei. Nichts besonderes während des ganzen Tages.

27. Sept. Es regnet heute. Wir können also nichts weiter beginnen.

28. Sept. Morgens Arbeitsdienst. Nachm. nichts besonderes. 9-11h Wache.

29. Sept. Es regnet von früh bis abends, also ein Vorgeschmack für den Winter- Wir konnten also nichts besonderes anfangen.

30. Sept. Heute keinen Dienst. Hauptw. zu mir und fragt, ob ich mit nach Viviers fahren will. Gern tat ich das, weil ich da ein neues Stück Land zu sehen bekam. Um 8h kam Hartmann und wir fuhren los. Wir sollten Decken, Carbid und Taschenlampenbatterien [Ergänzung jw: holen]. Wir fuhren erst nach Oriocourt. An Laneuveville vorbei waren wir in 1 Std. dort. Nonnenkloster. Decken gefaßt. Weitergefahren nach Viviers. Pferd eingestellt. Einen gekümmelt. Bei der Feldküche gegessen. Abfahrt wieder um 1h an den vielen Franzosengräbern vorbei. Furchtbar dreckig alle die Dörfer. Hier großer Dorfplatz mit Kirche. 2h waren wir wieder zu Hause. Es war nur schade, daß es so geregnet hatte. – Nachts um 3- ½ 6h Wache.

1. Okt. Bis mittags nichts besonderes. Nachm. waren deutsche und franz. Flieger zu sehen teils über den Wolken. Wir kamen nicht zum Schuß. Abends Löhnung.

2. Okt. Morgens arbeiteten wir an dem Blockhaus das für den Hauptmann am Waldesrande (wo die Küche früher war). Nachm. fuhren Zimmermann und ich mit den beiden Fahrern Clemens und Hartmann  in den Pionierpark von Château Salins, um Bretter usw zu holen. –

3. Okt. Nichts besonderes.

4. Okt. Morgens und nachm. bauten wir an dem Blockhaus. Nachts Wache 11-1h.

5. Okt. Vor- und nachm. am Blockhaus gebaut.

6. Okt. Man baute.

7. Okt. Man baute von morgens bis abends.

8. Okt. Nachmittags in der Saline baden.

9.-11. Okt. Nichts weiter als bauen, Holz hacken usw. Auf der Front ist es jetzt ziehmlich ruhig. Auch Flieger kamen kaum mehr.

12. Okt. Heute keinen Dienst. Morgens nichts besonderes. Nachmittags gingen Bickel und ich nach Château-S, in die Saline zum Waffenmeister, um meinen Karabiner machen zu lassen. Dann trafen wir Frey und Grothusen. Mit diesen in Bahnhofrestaurant. Hier tüchtig getrunken. Einen Halben hatten wir hier schon weg. Wir gingen also ins Café d´Agriculture (Ackerbaukaffe) auf der Nancy-Straße. Hier wurden wir ganz besoffen, daß wir kaum stehen konnten. Nur noch nach Hause. 8h wars um 9h mußte ich auf Wache. Wir torgelten also im Finstern nach Hause. Plötzlich lagen wir 4 im Straßengraben. Ein Wagen kam und nahm uns mit rauf. Gott sei dank, daß wir oben waren.

13. Okt. 1 Jahr Soldat. Nichts besonderes.

14.-16. Okt. Nichts besonderes. Man machte Holz zum Feuern klar. Heute am 16. gehe ich zum Waffenmeister nach Château.

17. Okt. Nichts besonderes. Abends hatten wir Mondschein. Es klingelt am Telephon. Fliegermeldung. Wir waren also alarmiert. (½ 9h abends). Da hören wir es auch schon rauschen, doch sehen können wir nichts. Wir durften aber nicht schießen, da wir nicht ganz genau wissen, daß es ein feindl. Flieger ist. Das Geräusch verliert sich in der Ferne. Da plötzlich in Richtung Puttigny ein Feuerschein. Es waren Leuchtbomben auf dem dortigen Flugplatz. Wie wir später erfuhren. Nun platzen auch am Himmel fortgesetzt Schrapnells. Ein großartiger Anblick. Der Flieger fährt wieder heim. ¾ Std. darauf kommt er wieder. Dasselbe Schauspiel wiederholt sich. Außerdem wirft er auch noch 7 Bomben, die allerdings zum Teil in einen Misthaufen fielen. Trotzdem werden einige Mann verwundet.

18.-19. Okt. Nichts besonderes.

20. Okt. Nachmitt. baden in der Saline, danach Kaffee getr. (scharf), dasselbe im Bahnhofsrestaurant mit Frey Grothusen, Wittlinger den ganzen Tag. Von 9-11 Wache.

21. Okt. Nichts besonders als Löhnung.

30. Okt. Heute schossen die Franzosen lebhaft nach den Scheinstellungen bei Hampont und dem im oberhalb davon gelegenen Walde liegenden Forsthaus Hühnerhof. Bis dahin war es noch bewohnt. Heute war überhaupt das erste Mal wieder regere Fliegertätigkeit.

31. Okt. Heute wieder mal klares Wetter, deshalb auch am Morgen rege Fliegertätigkeit. Trotzdem kamen wir nicht zum Schuß. Sämtl. Flieger wieder den Telegraphenberg, als unser Stellung. Sonst nichts besonderes.

1. Nov. heute der kath. Feiertag Aller Heiligen. Die kath. Kameraden hatten die 3 Gräber von Bayern (1 Hptm. 1 Unteroffz. 1 Jäger) hergerichtet. Abends wurden darauf Lichter angebrannt. – Die neue Wachbestimmungen treten von heute ab in Kraft. Es wird Wache von 6h abends bis 6h morgens gestanden. 2x 2 Std.

2. Nov. Sturm, Regen und dgl. Annehmlichkeiten empfingen uns als wir ½ 6h aufstanden. Den ganzen Tag im Unterstand gehockt. Abends 6h Besprechung mit Ltn. Beck über Entstehung des Krieges und über allgemeine Kriegslage. Ganz interessant.

3. Nov. Morgens dichter Nebel. Nachmittags klärt es sich auf. Gegen abend kamen Flieger. Wir beschossen einen engl. Apparat. Während des Nachmittags fing ich 12 Mäuse, dies ist oft ein Hauptvergnügen.

6. Nov. Heute nehmen Art. Reg. 84 Stellungswechsel vor. Sie wechseln die Stellung mit Art. Reg. 25, die bisher bei Delme standen. Unsere Ablösungsmannschaft von 84 müßen uns daher auch verlassen. Wir sind also für einige Tage alleine. Heute haben wir auch an dem einen Geschütz (Nr. 9) die Räder abgenommen und Stützen unter das Geschütz gemacht. Somit können wir nun die Oberlafette um 3600 drehen.

7. Nov. Waschsalon (Beteiligte Unteroffz. Gläser, Wittlinger, Reinhard und ich) vergrößert. – Abends ½ 7h hören wir die Glocken in Chateau und Fresnes läuten anläßlich der Einnahme von Nisch.

9. Nov. Heute große Fliegerbeschießung. Großer Kampfflieger mit 2 Propellern überfliegt unser Stellung in 1800 m Höhe. Schüße liegen gut. Leider beide Geschütze Ladehemmung. Sonst glatt getroffen. Elende Sauerei.

12. Nov. Furchtbarer Sturm. Fast alle Telephonleitungen sind zerstört.

13. Nov. Frey, ich und Fahrer Clemens fahren nach Habudingen [Haboudange] um Munition zu holen. Das sind von unserer Stellung bis Habud. ungefähr 19 km. Früh ½ 8h fuhren wir ab. Über Almerichshofen [Amelécourt], Château-Salins Gehöft Olimpré, wo einige 100 Russen einquartiert liegen, Hampont, Burlioncourt, wo der Flugplatz der Feldfliegerabt. Nr. 12 ist (8 große Zelte stehen dort) und Habudingen [Haboudange]. Am Bahnhof laden wir Munition. Dann Frühstück in der Schenke. Im Dorf gibt’s weiter nichts als Sardinen. Im Dorf fast keine Bewohner mehr. Russen liegen hier. Schönes Schloß (französisch) im Barockstil. Heimfahrt dichter Sturm und Regen. Wir sind durchnäßt. Im Château nehmen wir Pakete mit heim. ½ 3h zu Hause. – Wache von 6 h -8 h und 12 h -2h.

14. Nov. Nachts um 1 h kommt Befehl von Brig. Château daß Großherzog von Baden Division besichtigen will und daß so bald wie möglich Geheimbefehl geholt wird. Hauptw. Freund bestimmt mich. ¾ 6 h gehe ich. In Brig. schläft noch alles. ¼ 8 h bin ich wieder oben in der Stellung. ½ 9 h fällt der erste Schnee und zwar ziehmlich stark.

22. Nov. Bis dahin nichts besonderes. Immer kaltes z.T. Schneewetter. Heute ein wunderbar klarer Tag. Viel Fliegertätigkeit. Forsthaus Hühnerhof wird wieder beschossen.

28. Nov. Heute ist es verdammt kalt. -80, aber gutes Wetter, Fliegertätigkeit.

29. Nov. Es taut. Es werden Stellungen neben unserm Unterstand gebaut. ½ 5 h nachm. müssen wir im größten Regen Sträucher als Deckung pflanzen.

30. Nov. Es wird mächtig von einer Parkkomp. geschanzt. Art. Stellungen.

1. Dez. Es ist ein furchtbares Dreckwetter. Man versinkt bis an die Knöchel in den Dreck.

2. Dez. Es regnet durch unsern Unterstand. Nachts erwecke ich und sehr mich in er Pfütze liegen. Wir stehen bis über die Knöchel im Wasser. Tüchtig arbeiten. Schacht 2 m tief graben zum Entwässern. Unterstand abermals mit Wellblech abdecken.

3. Dez. Es tropft nur noch wenig. Sauwetter.

4. Dez. Wir sitzen wieder im Trockenen.

5. Dez. Es wird während der letzten Woche von einer deutsch. Offensive gemunkelt. Geschütze werden herangebracht. Wir bauen Knüppelweg.

18. Dez. In den letzten Tagen besseres kälteres Wetter. Fesselballon bei Vaxy. 21cm Mörser schossen öfter Franzosen antworten stark. Vielfach beschossen wir Flieger.

20. Dez. Fahre nachm. mit Clemens nach Habudingen [Haboudange] Munition holen.

21. Dez. Nach den schönen Tagen wieder furchtbares Schneewetter und Schneesturm. Ich fahre mit Werkling nach Château Wein, Rum etc. fassen. Dann nach unserer Stellung, wo verschiedenes abgeladen wird. Dann um 4 h erst gehts nach dem ca 15 km entfernten Delme zu Abt. 84 (Art). Furchtbares Wetter, 8 h wieder in der Stellung.

22. Dez. Baden in der Saline.

23. Dez. Vorbereitungen für´s Fest.

24. Dez. Morgens Ausschmückung des Unterstandes mit Tannenreißig. Um 5 h beginnt die Feier. Hptm. Freund und Ltn. Beitz sind anwesend. Ansprachen, B.A.K. Lied, Schnitzeltank beleben das Fest.

25. Dez. Wir, d.h. die Unteroffz. und einige von uns, hatten eine große Sauferei. Es war der lustigste Abend, den wir bisher im Felde hatten.

31. Dez. Nachm. dienstlich in Château. In die Gegend des Lazaretts, wohin schon einige Tage vorher (am 28. ds.) einige Schüsse gingen, kam auch wieder ein Schuß. Neujahrsfeier mit Hptm. u. Leutnant sehr lustig. –

1916.

1. Jan. Gegen Mittag schießt unser großes Geschütz (38 cm) nachdem der ganze Wald in große Rauchwolken gehüllt war. Der 1. Schuß fiel ¾ 11 h. Im Ganzen 12 Schüße nach Nancy, wo viel Schaden angerichtet sein soll. Als Erwiderung darauf beschießen die Franz. Château-S. mit mindest. 30 Schüßen. Reitpost zerstört, 2 Tote, diverse Verwundete.

2. Jan. 38 cm schießen 2 Schuß um ¾ 2 h nachm. Darauf die Franz. Etwa 15 Schuß nach Hühnerwald und 6 Schuß nach Château-S..

4. Jan. Starke Beschießung von Nancy. Nachm. starkes Schießen der Franzosen. Château-S. wird beschoßen. Fliegertätigkeit.

17. Jan. Bis dahin nichts besonderes. Frey u. Bäuchler fahren als erste 48er auf Urlaub. Heute wieder Fliegertätigkeit. Großer, franz. Farmanapparat kommt. Sehr beschossen. Kleiner deutscher Fokker kommt und nimmt den Kampf mit ihm 3 mal stürzt er habichtartig auf ihn zu, und beschießt ihn mit seinem Maschinengewehr. Im Motor getroffen muß er im Gleitflug bei Moyenvic niedergehen.

Insassen 2 engl. Unteroffz., die gefangengenommen werden.

19. Jan. Mit Lewicki und Wittlinger in Fresnes baden. – Über meinem Bett treibt eine Ratte ihr Wesen. Wirft mir Erde und sonstigen Dreck ins Gesicht.

23. Jan. Früh ½ 9 h -9 h feuert das große Geschütz 11 Schuß nach Nancy.

27. Jan.1/2 9 h morgens fahre ich mit Hauschild über Gerbécourt, Vannecourt dem gänzlich zerschossenen Dahlheim [Dalhain], Bollingen [Bellange] nach Habudingen [Haboudange]. Hier fassen von verschiedenen Dingen. Rückfahrt ebenso. ½ 3 h wieder in der Stellung.

28. Jan. Munition holen in Hédival mit Clemens.

29. Jan. Proviant fassen in Habudingen [Haboudange]. Achsenbruch.

31. Jan. Baden in dem Lazarett Château-S. Bekanntmachung des Stellungswechsels.

2. Febr. Stellungswechsel. Nachts Abmarsch nach Bahnhof Château. 9 Std Fahrt nach Straßburg. In der Art.-Werkstatt in Bischheim Geschütze auseinandergenommen und ausgebessert.

10. Febr. Heute noch in Straßburg. Jeden Tag entweder morgens oder nachm. Arbeit in Bischh. Straßburg Kamerad Wittlinger angesehen. Abend entweder im Café, Kino, einmal im Stadttheater (Mona Lisa).

15. febr. Abmarsch von Straßburg nachts 12 h.

16. Febr. Morgens 8 h Ankunft in Heiligblasien [Saint-Blaise-la-Roche] in den Vogesen. 12 km bis nach Bellemont [Belmont]. Immer Steigung. ½ Std. bis nach unserm Quartier nach dem Hochfeld. Quartier ist eine alte Restauration. Gleich Wache. Schneesturm.

17. Febr. Weitere Einrichtung. Es schneit.

19. Febr. Fouragieren mit Hauschild in Heiligblasien. Sauwetter oben Sonnenschein unten.

20 Febr. Herrliches Wetter. Allgemeines Pferdeputzen (ich 5 Stck).

8. März Bisher nichts besonders. Hauptsache Einrichtung unseres Quartiers. Es ist eine herrliche Gegend. Wir haben viel Schnee. Folgend Grundriß u.a.m. des Hauses „Morel“

16. März In den letzten Tagen schönes Wetter. Schnee schmilzt. Es war sehr warm schon. Wir schaffen auf Schlitten das zerlegte Blockhaus für Hauptm. in die Nähe des Turms, wo es aufgebaut wird. Sonst nichts neues. Offiz. Stellvertreter Sewer kam als Ersatz für Lewicki in den letzten Tagen. Man wird wie ein dummer Junge behandelt. Schreckliche Zustände. Wenn der Krieg nur alle würde.

18. März Bei herrlichem Wetter das erste Mal einen Flieger der dicht über Gehöft „Morel“ flog, mit 35 Schuß beschossen.

3. April Morgens fahren wir die Geschütze neben den Hohenlohe-Turm [Champ du Feu] in Stellung. Nun geht es täglich hinauf arbeiten. Wir haben schon herrliches Wetter.

17. April Seit einigen Tagen furchtbarer Schneesturm. Schneehöhe im allgemeinen ½-1 m. viel Wehen bis 1,50 u 2 m. – Jeden 2. Tag verbringt man 1 Nacht als Wache oben.

20. April Mein Geburtstag. Kein Mensch erfährt etwas. Es stürmt und schneit immer noch. Wie sind auch zur Wache oben in der Stellung.

22. Apr. Es fängt an zu tauen.

23. April Ostern. Dieser Tag wird ganz friedlich verlebt.

24. April Es ist wieder schönes Wetter. Deshalb wird tüchtig gearbeitet von früh bis abends an der Wachtmeisterhütte.

25. April Wetter schön warm. Der Schnee ist bald weg. Wir arbeiten tüchtig.

30. April Wir haben immer schwer zu tun.

2. Mai Die Flieger kommen nicht hoch. Wahrscheinlich Stellungswechsel. Ein heftiges Gewitter geht heute abend nieder.

6. Mai Nachdem nach dem schönen, warmen Vormittag ein starkes Gewitter nachmittags niederging, war es am spätnachm. u. Abend wieder ganz herrlich.

Deshalb unternahmen auch Kamerad „Wittlei“ u. ich einen Spatziergang nach dem ca 6 km weit entfernten Hohwald. Ca. 500 m tiefer liegt dieser herrliche Kurort. Steil war der Abstieg durch die herrlich grünen Buchenwälder an der Andlau entlang. Lang hingestreckt liegt der Ort da. Außerhalb meistens sehr sauber aussehende Bauerngüter, und dann die vielen sich der Gegend recht gut anpassenden geschmackvollen Villen reicher Städter, die jedoch jetzt während der Kriegszeit alle leer stehen.

An dem einen Ende des Ortes liegt die evang. und am andern die kath. Kirche. Ein Hotel, was z.Z. als Genesungsheim eingerichtet war, ist auch vorhanden. Frischgrüne Matten auf dem das Rindvieh weidet und die herrlichen Baumblut z.T. Apfelblut [wohl gemeint: Apfelblüte] erfreut das Auge ganz besonders. – Rückzu nahmen wir unseren Weg über den Andlauwasserfall [Cascade du Hohwald] der in 3 Teilen ca 10-15 m hoch von moosbewachsenen Felsen herunterfällt. Weiter ist zu erahnen die sog. „Stein Tanne“, d. i. eine große Fichte von ca 40-45 m Höhe und 5-6 m Umfang, dazu wunderbar schlank gewachsen. – Der Abstieg dauerte ca. 1 Std. dazu der Aufstieg 2 ½ Std.

7. Mai Sonntag. Abends ein Spatziergang nach dem zerschossenen Forsthaus Schirrgut. Von dem Hochfeldturm erreichten wir es auf herrlichen Waldwegen ca 100-150 m tiefer liegend. Schirrgut liegt an der Passstraße [sic!] Foudey [Fouday]-Weiler Schlettstadt od Straßburg usw. Das Forsthaus ist ganz u gar ausgebrannt. Es wurde von den Deutschen so arg zugerichtet, da mit die franz. Alpenjäger, die bis dahin vorgedrungen waren, darin verschanzt hatten. Die Bäume ringsum sind zerschossen. Auf der Wiese nebenan liegt 1 deutscher Offiz. von den 8. Jägern, 29 Infanteristen und 14 franz Alpenjäger vom Alpenjägerbat. Nr. 11 begraben. Zurück führt uns der Weg ganz herrliche Weg über den Edelweißfelsen nach Hof Morel.

8. Mai Leider arges Regenwetter, jedoch es klar sich nachmittags auf und ich unternehme mit Frey u. Grothusen einen Spatziergang nach Forsthaus Kreuzweg. Es liegt auch ca 200 m tiefer als unsere Stellung. Der Weg führt uns wie immer durch die frischgrünen Buchenwälder bis zur Kälberhütte [Chaume des veaux]. Das sind 5 auf einer steilen großen Waldwiese gelegene Bauerngüter. Wir gehen jetzt nicht den kurzen steilen Weg sondern einen bequemen viel sichereren Hangweg. Steil vielleicht 100 m fällt es rechts ab. Am Hang befinden sich versch. Gräber von Deutschen u. Alpenjägern. – Bald kommen wir nach Kreuzweg wiederum herrlich gelegen. Wir nehmen hier Kaffee und einen Schoppen Wein ein. Rückzu geht es den steilen Weg hoch bis Kälberhütte [Chaume des veaux] dann jedoch wie wir kamen. Was herrliches man hier sieht lassen sich mit Worten nicht ausdrücken.

9. Mai Heute einen Plan unserer Stel[l]ung:

Stellung am Hohenlohe-Turm (rechts)

14. Mai Ahrens, Wittlei und ich gehen bei starkem Nebel nach Forsthaus Kreuzweg, wo wir Vzw. Frey u. Gläser treffen. Bei einigen Karaffen Wein verging die Zeit herrlich. Man wird wieder mal richtig Mensch.

15. Mai Starker Nebel. Trotzdem machen wir 3 Ahr., Wittl. u. ich uns auf, um nach dem 1 ¼ Std. weiten Forsthaus „Rotlach“ zu laufen. Ein nettes, sauberes Häuschen mit Bauernwirtschaft. Bei „gutem“ Kaffee und einigen Litern Landwein vergeht die Zeit angenehm. Bei furchtbarem Regen u. Sturm kommen wir bis auf die Haut naß auf dem Hochfeld an. –

18. Mai Fahrer u. Pferde kommen heute weg. Der erste Mal seit Straßburg gebadet in Hohwald. Wannenbad.

20. Mai Heute endlich mal wieder geschoßen. Abends gegen ½ 8h kommt ein franz. Voisin Doppeldecker auf den wir 124 Schuß abfeuerten. Schüsse lagen gut. Flugrichtung des Fliegers Donnon [Donon]-Schlettstadt.

22. Mai Es wird von einem Stellungswechsel nach der Gegend von Markirch [Sainte-Marie-aux-Mines] gemunkelt.

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Feldpost von August Bauermeister an seine Familie in Hannover (1915-1918)

Biographische Informationen über August Bauermeister erfahren wir aus der Feldpost fast gar keine. Bekannt ist nur, dass seine Mutter Marie Klieber hieß. Sie war mit dem Zivilingenieur H. Klieber verheiratet. Ihre Wohnanschrift in Hannover war Hildesheimerstr. 17 III. Hier befand sich, einer Zeitungsanzeige im Hannover Kurier vom 10. Juni 1920, das Ingenieur-Büro Klieber & Co. Das Büro machte als Vertreter der Firma Kaiser & Co aus Kassel Werbung für Drahtseilbahnen.

Wann genau Gustav Bauermeister als Soldat im 1. Weltkrieg gedient hat, geht aus der Feldpost nicht genau hervor. Während seiner gesamten Zeit von 1915 bis mindestens Oktober 1918 diente er im Preußischen Feldartillerie Regiment 4 in der 4. Batterie. Am 13. Januar 1917 teilte er seinen Eltern mit, dass er Unteroffizier der Reserve geworden ist.

Von 1915 bis 1918 war Bauermeister die gesamte Zeit an der Westfront eingesetzt.

Im Jahr 1918 war Bauermeister mindestens zwei Mal im Lazarett. Im Mai 1918 war er wegen Rheumatismus im Kriegslazarett 686, Station 7, Saal 19 („Villa van Gulik“ in Goch) in Belgien. Im September 1918 im Lazarett in Linz am Rhein und im Oktober 1918 im Reserve-Lazarett Henriettenstift in Hannover. Die Gründen über den zweiten Aufenthalt werden in der erhaltenen Feldpost nicht genannt. Allerdings scheint er an der Schulter oder am Arm verletzt worden zu sein, wie eine Fotografie vom September 1918 nahelegt.

Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit haben auch nicht alle Briefe die Adressaten erreicht, wie aus Bauermeisters Aussagen in mehreren Briefen zu ersehen ist.

Weit über 100 Feldpostsachen von Gustav Bauermeister sind erhalten. Aber sicherlich ist die Sammlung nicht mehr vollständig, da aller Wahrscheinlichkeit nach seit 1918 Briefe verloren gegangen sind.

Von den in der Feldpost erwähnten Fotografien ist nur diese eine undatierte Fotografie erhalten:

Gustav Bauermeister auf einer undatierten Fotografie
Gruppenaufnahme in einem Lazarett? Gustav Bauermeister ist der dritte von links. Er sitzt auf dem Boden vor den Soldaten auf den Stühlen. (ohne Ortsangabe, undatiert – evtl. Mai 1918?)

Feldpost von Gustav Bauermeister an seine Familie in Hannover

Undatiert [Sommer 1915?]

Liebe Eltern!

Gestern Abend erhielt ich Eure lieben Sendung mit der Büchse Kochkäse und den lieben Brief. Ich danke Euch für das Paket herzlichst. Inzwischen habt Ihr ja meine anderen Briefe auch erhalten. Mutter fragt in dem Briefe an ob hier noch etwas zu kaufen sei. Ich glaube hier gibt es mehr als in Deutschland, denn wir beziehen unsere sämtlichen Sachen aus Belgien. Dieser Tage gab es sogar Butter natürlich das Pfund zu 3,20 M in unserer Kantine, Eier 20 Pfennig; auch alles bei andern Artikel wie Honig, Wurst und Gemüse, Erdbeeren sehr billig.

Dann haben zwei Inf. Soldatenheime hier steuerfreie Zigarren u. Zigaret., Militärlieferung zu verkaufen. Das einzige ist die Seife die mächtig teuer ist. – Heute bin ich für einen Tag hier in Lens beim Regiment als Befehlsempfänger für die verschiedenen Batterieverbände. Vergangene Nacht versuchten die Engländer einen Angriff mit vorhergegangener Ausräucherung. Sie hatten eine ziemlich starke Dosis genommen aber zu ihrem Leidwesen einen guten Teil selbst von ab gekriegt. In meinem briefschreiben bin ich unterbrochen worden vorhin und will nun bis meine Ablösung kommt den Brief an Euch vollenden.

Hoffentlich geht es Euch noch recht gut und seid Ihr noch recht hübsch gesund.

Jetzt geht es wieder los und muß ich noch schnell fertig machen, denn einen Extraritt haben sie noch auf Lager für mich heute Abend und da heißt es Beine machen, daß es nicht zu spät wird. Nun schließt mit den herzlichsten Grüßen Euer Gustav

Undatiert [1916?]

Liebe Eltern! Gestern war ich in Douai, haben ein Geschütz wiedergeholt. Bei dieser Gelegenheit habe ich diese Karten gekauft. Für jetzt will ich schließen. Heute Abend schreibe ich einen Brief; hoffentlich brauche ich nicht als Gespannführer weg.

Für Paket mit Zigarren meinen herzlichsten Dank; es kam noch am 19. an, als ob ich es das gewußt hätte. Nun seid recht herzlich gegrüßt von Euerm Lausebengel

Undatiert [März 1917?]

Liebe Eltern! Meine Karte von Charleville, die ich gestern sandte habt Ihr hoffentlich erhalten. Heute sende ich Euch noch einige Ansichtskarten. Es war sehr nett dort gestern Nachmittag. Wir sind nach dem Mittagessen hier abmarschiert und waren nach einem Marsch von 1 ¾ Stunden in Ch. Dann haben wir dort anständig und den jetzigen Umständen nach billig gespeist einige Bier verdrückt und uns nachdem zur Besichtigung der Stadt aufgemacht. Die beiden Villen, welche seine Majestät daselbst bewohnt hat haben wir in Augenschein genommen das Quartier des Großen Generalstabes, welches anbei auf der karte zu sehen ist. Gleichzeitig habe ich mir einen neuen Kneifer mit Futteral gekauft um wenn nötig besser sehen zu können. Vor allen Dingen haben wir natürlich unserm Magen gedacht und sind schnell in ein Kaffee gewandert, indem es schönen Kaffee und recht billiger Torte und Apfelkuchen gab. Da staunt der Fachmann…; ja diese Etappenonkel führen ein Leben besser als in Deutschland. Darauf haben wir uns noch verschiedene Sehenswürdigkeiten der Stadt bewundert. Dann kam das schöne Abendessen: Rinderbraten und 2. Gang Paprikafleisch, o das war ein Genuß. Dazu wieder einige feine Biers und dann machten wir uns gelassen auf den Heimweg. Leider war die Marketenderei geschlossen und konnten wir nichts kaufen.

Anfang nächsten Monats sollen wir wegkommen, es fragt sich nur, wohin?

Mit den herzlichsten Grüßen schließt Euer Euchliebender Gustav

Von Euch habe ich schon lange keine Post erhalten. Sendet mir doch bitte eine Tabelle der abgesandten Sachen, daß ich Euch ungefähr schreiben kann was ich erhalten. Ichbefürchte meine Post kommt ebenso unregelm.

Undatiert [August 1918?]

Absender:

Bauerm., Kriegsl. Missionssch. Abteil A. Hal (Belgien)

Empfänger:

Frau M. Klieber

Bad Eilsen

Haus 14

Liebe Mutter!

Einige Tage muß ich mich noch gedulden. Denn ich bin noch nicht so recht auf dem Damm. Halte Du Dich nur recht dran damit wir nachher beide zusammen gesund sind. Sei herzlich gegrüßt von Deinem Jungen

10. Oktober [ohne Jahr]

Liebe Eltern!

Heute habe ich nur eine Postkarte als Briefbogen. Hier gibt es auch schrecklich wenig Neues. Jetzt habe ich noch genügend Arbeit mich in alles Neue genauestens einzuarbeiten aber ich befürchten es wird hier mächtig langweilig. In Flandern hat es mir beinahe besser gefallen. Da gab es was zu sehen und jeden Tag fast veränderte sich die Lage dort. – Schließlich ist jedoch besser und denke ich wir können uns für diesen Winter hier heimisch machen. Das Wetter ist jetzt äußerst übel. Auch unsere Post scheint umzuziehen. Merkt Ihr das auch so stark? In den nächsten Tagen gehts vielleicht in Ruhe.

Es grüßt Euch recht herzlichst Euer Gustav

Undatiert

XIII.

Liebe Eltern! Durch ein Versehen ist der gestrige Brief an Euch abgegangen und habe ich vielleicht unzutreffende Hoffnungen hervorgerufen. Wir kommen leider nicht nach dort wie es erst bestimmt war, sondern nur unsere erste Abteilung und bleiben wir hier nach neuesten nahrichten noch einige Wochen. Es waren schon Quartiermacher eingeteilt, die den Brief mitnehmen sollten u. der hatte denselben gestern in Kasten gesteckt als Nachricht vom Nichtwegkommen kam. Mit herzlichsten Grüßen verbleibe ich Euer Gustav

Undatiertes Fragment

Nun will ich mit diesem Teile schließen und kommt jetzt die berühmte Wunschecke. Bitte sendet mir doch per Brief 10 M, ich bin mit meiner Kasse recht knapp geworden durch dies vielen Putzzeug kaufen, auch was unsere Verpflegung die eine Zeit nicht ganz auf der Höhe und gibt es bei uns jetzt allerlei schöne Sachen einiger maßen billig zu kaufen, da Militärlieferungen. Auch möchte ich Euch um Übersendung von etwas Tabak bitten, sowie Seife. Hier bezahlt man für diesen Artikel sehr viel Geld im Gegensatz zu anderen Sachen ein kleines Stück gewöhnliche Schmierseife 60 Pfennig, kl. Toilettenseife 1 M u. 1,30. Dennoch kostet eine Hemd auch 25 Pfennig zu waschen. Sendet mir nun bitte gewöhnliche Seife zu Drillzeug u. anderem Wäsche waschen. Nun muß ich schließen. Heute morgen von Munitionsfahren mit Zeug spät zurück gekommen. In d. nächsten Tagen mehr und seid recht herzlichst gegrüßt v. Euerm Gustav

2. Juli 1915

Geschrieben, de. 2. Juli 15.

Liebe Eltern! Nun komme ich endlich wieder dazu Euch einen Brief  zu schreiben. Wir liegen also jetzt in der Gegend La Bassée und der vielbekannten Ecke. Die beste Stellung der ganzen Abteilung haben wir wohl noch erwischt. Denn es geht seit dem letzten vergeblichen Bemühen der Engländer hier direkt vor uns ziemlich ruhig zu.

Vaters Photographie würde mich sehr freuen zu erhalten. Mit der Post ist es so wie ich Euch schrieb, nur erfahren wir nie bestimmte Zeit der Sperrung. Die Post v. Euch kommt deswegen doch immer pünktlich es betrifft ja nur unsere Post. Dieselbe wird nur an den Verladestellen zurückgehalten. Ichglaube einmal wird dieselbe in der nächsten noch zurückgehalten und braucht Ihr nicht in Besorgnis zu sein wenn Ihr einige Zeit keine Nachricht von mir erhaltet. Die Regelung bei Verwundungen oder dergl. ist jetzt so gut daß Ihr sofort Nachricht erhaltet und ist es bei der Artillerie nur halb so schlimm wie bei der Infanterie. Für die dünne Unterhose sowie anderen Geschenken meinen herzlichsten Dank. Über die Sache mit L. bin ich soweit hinweg und habe ich ja jetzt doch den ganzen Sachverhalt erkannt. Ich hatte ihn doch noch für ein wenig aufwändiger gehalten. Seit Rücksendung seiner Papiere schreibt er mir garnicht mehr. Ich werde ihm heute schreiben ob er meinen Brief nicht erhalten darauf muß er nun doch wohl antworten. Ob er immer noch hoffte, daß ich die Papiere unterschreiben würde.

Etwas ruhiger ist es bei der Lorettohöhe jetzt doch geworden. Die Verluste die diese Höhe gekostet hat sind ja auch riesig. Ebenfalls sind aber auch die Verluste der Russen im Monat Juli groß und werden sie doch nun bald zur Einsicht kommen. Hier werden ja schon viel Russen beschäftigt mit Harken u. dergl. Arbeit. Nun seid alle recht herzl. gegrüßt auch Großeltern von Euerm Gustav

20. Juli 1915

Geschrieben, d. 169 Juli 15.

                               20.

Liebe Eltern!

Meinen herzlichsten Dank für d. lieben Sendungen; auch für Vaters hübsche Soldatenphotographie. Vater ist ja sehr hübsch getroffen. Unter Vaters Kameraden sind sehr stramme Kerls und wird es Vater wohl sehr schwer fallen mit denselben Schritt zu halten. Ich wünsche Vater, daß er doch ein etwas besseren Posten erwischt. Mit seinen Augen u. auch sonst wird er seinen Dienst wohl nicht so gut erfüllen können.

Von L. habe ich das bewußte Paket nicht erhalten. Eine Karte habe ich aber bekommen mit der Mitteilung die in Silberpapier gewickelten Sachen nicht zu essen, da dieselben gesundheitsschädlich seien. Wegen meiner Krankheit heißt es in der Karte mußte ich Opium nehmen und habe das Paket im Opiumrausch gepackt. Hoffentlich ist das Paket nun nicht in falsche Hände geraten und dadurch jemand zu Unglück gekommen. Da macht Euch man keine Kopfschmerzen um mich, das ist alles nicht so schlimm. Der Krieg hat mich doch in allerlei Sachen abgehärtet.

Jetzt bin ich auch Dogartkutscher [Sic!] geworden. Näheres nächstens; dadurch habe ich nämlich jetzt viel Arbeit.

Ich wollte Euch nur schnell schreiben damit Mutter beruhigt ist. Mir geht es tadellos und gut und hoffe ich dasselbe von Euch.

Endlich habe ich meinen Brief so einigermaßen vollendet. Es hat ja lange genug gedauert. An Onkel Karl Westberg habe ich gleich wieder geschrieben.

Nun muß ich schließen und grüßt Euch herzlichst Euer Gustav

2. August 1915

Liebe Eltern! Ich habe gerade hier in aller Frühe eines herrlichen Tages und warte auf einen unserer Offiziere ihn nach der Bahn zu bringen. Die Engländer haben die Freundlichkeit sämtliche Straßen und Feldwege mit Schrapnells zu überstreuen, aber leider alle zu hoch. Sie sollten man wissen wie gemütlich ich hier in meinen Dogart sitze und schreibe trotz ihrer Funkerei. Na die haben manchmal einen kleinen Anfall sie werden bei dieser Gelegenheit wenigstens Munition los. Gestern habe ich eine schöne Partie gemacht nach Henin Litard von unserem Dorfe hier (Wingles)[.] Muß doch auf der Karte zu sehen sein zwischen La Bassée u. Lens, in der Mitte der beiden Schlachtorte. Von L. habe ich sonst noch nichts gehört, hat aber auch nun weiter keine Bedeutung. Onkel Karl hat wohl auch noch keinen Bescheid. Mit recht herzl. Grüßen verbleibe ich Euer Gustav

2. August 1915

Liebe Eltern! Meinen gestrigen Brief habt Ihr wohl inzwischen erhalten. Vaters Pakete sowie das Paket mit Kakao habe ich erhalten und danke Euch herzlichst dafür. Von dem Wurstpaket und Brief und was Mutter mir schrieb habe ich nichts erhalten. Ich habe augenblicklich Mutters Brief nicht hier, denn ich bin auf einer fahrt, habe Herrn W. nach unserer Abteilung gefahren. Sonst habe ich nicht mehr viel Zeit so schreibe ich Euch jetzt immer bei einem Halt wenn ich lange warten muß. Bei uns hier geht jetzt die Ernte los. In den nächsten Tagen fahre ich nach Lille mir eine Peitsche zu besorgen und verschiedenes andere. Jetzt kommen ich immer näher. Unser Hauptmann ist 14 Tage auf Urlaub kommt am 4. Aug. wieder dann gibt es noch mehr zu tun. Gestern sind wir zunächst gegen Typhus, heute alles dennoch einen dicken Besen.

Jetzt Fortsetzung v. 1. Brief.

Als erstes möchte ich Mutter bitten mir noch einmal eine Kartätsche zu besorgen, die alte ist schon vollständig alle und kann ich hier keine auftreiben. Es wäre sehr gut wenn Mutter dieses Mal eine etwas härtere und dichtere kaufen würde. Die wird länger halten und dann nimmt sie den Pferdeschmutz schneller fort; wäre also für mich auch viel bequemer. Dann habe ich nun noch eine Bitte und diese wäre an Vater; ich schrieb schon in dem anderen Briefe, daß ich nach Lille fahren werde. Da möchte ich Vater bitten doch etwas Geld an Frau D. zu senden. Dasselbe ich mir jetzt mächtig knapp geworden bei dem vielen u. weiten Fahrten. Meistens bin ich nicht zu Haus und esse u. trinke öfters unterwegs. Nun muß ich schon wieder schließen. Beim nächsten Halt wieder mehr.

Also wie aus dem vorigen Brief ersichtlich hat sich der Herr Gefreite herabgelassen den gemeinen Sauhasen zu bitten untertänigst. Schade das Vater kein Fahrer bei uns geworden ist.

Nun schrieb mir Mutter Ihr wolltet gern etwas über mein Leben als Kutscher erfahren. Um die Sache kurz zu fassen ich habe zwei Pferde, W. Hauers und mein Dogartpferd u. einen Dogart. Zu fahren habe ich nach der Bahn die Offiziere d. Wachtmeister oder alle möglichen anderen Sachen. Wenn nichts besonderes vorliegt muß ich des Nachmittags zur Post, meistenteils habe ich ja immer andre Fahrten. Ich hoffe nun wißt Ihr etwas von meinem neuen Beruf. Nun hoffe ich daß es Papa Klieber sowie Mama Karl recht gut geht, und verbleibe mit herzl. Grüßen Euer G.

3. August 1915

Liebe Eltern! Heute muß ich schleunigst die Nachricht von dem Nichtankommen d. ersehnten Würste widerrufen. Denn gestern Abend habe ich sie erhalten. Ich hatte auch gerade den nötigen Hunger seit morgens 9 Uhr nicht, zu Haus gewesen. Die Wurst schmeckt ausgezeichnet und muß ich Euch herzlichst dafür danken. So etwas feines zum Brote habe ich lange nicht gegessen, da unsere Verpflegung jetzt seit langer Zeit auf dem Nullpunkte steht und sind wir hier in einen höllisch teure Ecke geraten. Einige kleine Beispiele, 1 Pfund Magarine [Sic!] 3,20 M, 1 Ei 20 Pfennig, 1 Pfund Marmelade 2 Franc, aber etwa keine Fruchtwaren, sondern Zuckerkrams.

Dennoch ist immer noch das billigste diese Zuckersauen geblieben und leben wir außer den Sendungen von der Heimat nur von Brot und derselben Verpflegung d. Truppen in Deutschland gilt und hört man auch von Urlaubern besser als hier an der Front. Na deswegen kommen wir aber doch alle nach Haus wenn die lieben Nachbarn nicht so dumm sind und spielen mit ihre Schießgewehren.

Diesen Brief will ich beenden. Im nächsten mehr. Mit herzl. Grüßen Euer Gustav

3. August 1915

Liebe Eltern! Ich hoffe daß alles da heim bei bester Gesundheit ist. Wie aus dem vorigen Briefe schon ersichtlich hat mich die Leberwurst trotz einer kleinen Irrfahrt nun doch erreicht und mundet mir nun um so mehr. Morgen kommt unser Hauptmann vom Urlaub zurück und übermorgen fährt unser Wachtm. auf 14 Tage, einige von mir sind ja auch schon gefahren, aber nur alle die Grund hatten und sind ja noch so viele Leute die verheiratet sind noch nicht weg gewesen. Gestern unterhielt ich mich noch mit V. H. über die Zeit vor einem Jahr, er ist ja jetzt volle Freude, daß er auf Urlaub kommet. Vielleicht kommen wir bald alle auf Urlaub und ist mit der Bagage hier Schluß. Dann kann Mutter sich erst einen Schlüssel für d. Speisekammer anschaffen und sich ganz gehörig verproviantieren, denn zwei Soldaten zu füttern ist schon ein bisschen reichlich.

Ich träume schon immer von dem ersten Abend mit nachfolgendem gemütlichen Rauchabend.

11. Aug. 15 [Anmerkung jw: Poststempel vom 3. August 1915]

Aber wir schaffens noch, erst muß ich Unteroffizier [Textverlust unter der Perforation] Leutnant. Auf diese Hoffnung nehmen wir schnell auch einen [unleserliches Wort] herzl. Gruß Euer Gust.

10. August 1915

Liebe Eltern! Inzwischen habt Ihr wohl meinen Brief inbezug Urlaub erhalten. Ich muß Euch nun noch als Erklärung mitteilen, daß jetzt auch weniger dringende Fälle durch gehen, dennoch kann es glücken, daß ich den Urlaub bewilligt bekomme. Das heißt es muß schnell eingereicht werden beim Regiment, die Hauptsache ist wenn es von irgend einer Behörde unterstempelt oder befürwortet ist. Auf dem Lande ist der Ortsvorsteher schon zu ermächtigt u. nicht d. Landrat nötig wie ich im vorigen Brief schrieb! Es aber gleichgültig wenn nun ein Stempel drunter ist. Wenn Ihr keinen Stempel erhalten könnt durch eine Behörde so sendet es mit einem Schreiben v. Onkel Karl ein. Eben das mein Kommen dringend notwendig ist. All Heil, viel Glück vielleicht haben wir Glück. Mit recht herzl. Grüßen Euer Stromer

13. August 1915

Liebe Eltern! Gestern erhielt ich Euer liebes Paket. Meinen herzlichsten Dank für alles. Die Kartätsche müßte ja eigentlich von Borsten oder Pferdehaar vielmehr sein; aber es wird schon gehen. Sie sehr gut nur kann man sie mit einer Striegel zusammen nicht gebrauchen. Ich bin heute auf einer kleinen Tour mit dem Pferde zum Geldholen. Schreibe hier im Stehen und ab u. zu will mein Streitroß mit helfen. Dadurch müßt Ihr Euch die Schnörgel erklären. Ja, also mit d. Kart. wollen wir man warten vielleicht kann ich sie mir mit Euch zusammen selbst besorgen. Das Vater viel Dienst hat ist traurig, und ich bedauere ihn sehr. Hoffentlich bekommt er es bald einmal besser. An Großv. u. Onkel W. habe ich vor einigen Tagen auch geschrieben. Mit Aug. ist jedenfalls nur eine leichte Erkrankung. Mit herzl. Grüßen bis nächstens Euer Gustav

17. August 1915

Liebe Eltern! Euren lieben Brief sowie Schmalzsendung habe ich erhalten u. danke Euch herzlichst dafür. Vielleicht wird es mit meinem Urlaub. Augenblicklich vertrete ich neben meinem sonstigen Beruf unsern Batterieschreiber noch in seiner Arbeit, da er seit gestern krank. Übermorgen kommt ja Wachtmstr. Hauer wieder zurück. Euch geht es doch hoffentlich recht gut und macht Vater den Dienst nicht mehr so viel Beschwerden. Vielleicht hat er auch inzwischen einen besseren Posten erwischt. Nächstens mehr.

Mit herzl. Grüßen Euer Gustav

27. August 1915

Liebe Eltern!

Schweinefleisch, Zigaretten und die lieben Briefe habe ich erhalten und danke Euch herzlichst für dieselben. Das Vater beurlaubt ist freut mich sehr und ist ihm doch dadurch das Schützengrabenleben erspart. Auch ist die Beförderung garnicht so übel vom Infanterist zum Offiziersstellvertreter, hübsche Sache. Vielleicht hat Vater dann einen Burschenposten frei?

Das Urlaubsgesuch ist ja nun auch angelangt jedoch wird es wohl nichts werden da die Beurlaubungen laut Armeebefehl für 8 Wochen ein Ende haben. Entweder wird von uns der von feindlicher Seite eine offensive beabsichtigt. Sollte dieser Befehl wieder zurückgenommen werden würde es aber auch noch 3-4 Wochen dauern ehe ich fahren kann da vor mir schon zu viele Gesuche angelaufen sind und meist alle genehmigt werden. Na wir wollen die Hoffnung doch nicht verlieren, vielleicht komme ich diesen Herbst noch ganz nach Haus, wäre noch schöner. Zwar ist die Hoffnung darauf noch nicht so groß. Von L. erhielt ich bis jetzt nur eine Karte, Brief erhalten. Wie war es auf Urlaub. Schluß und Punkt. Ich weiß von einem Urlaub überhaupt nichts.

Meines Schreiberamtes bin ich durch Genesung des Schreibers wieder enthoben, aber seit einigen Tragen habe ich noch ein Pferd zubekommen.

Heute wieder großes Glockengeläut Brest-Litowsk gefallen. Nun muß doch wohl bald Schluß sein mit dem Russenvolk. Hauptsache ist daß wieder endlich etwas geschafft wird.

Hier herrscht jetzt eine unnötige Hitze und ist hier das beste Erntewetter. Mutter schreibt W. H. hätte das Eiserne Kreuz wohl noch nicht. Der hat es doch schon lange und muß ich Euch das auch geschrieben haben oder ist der Brief verloren gegangen.

Mit den herzl. Grüßen schließt Euer Gustav

12. September 1915

Liebe Eltern! Meinen herzlichsten Dank für die Pakete mit Wurst sowie Schmalz. Leider muß ich Euch die traurige Mitteilung machen, daß es meinen Urlaub leider noch nichts wird und war es Versehen des Herrn Wachtmeisters. Ich bin ja auch noch lange nicht an der Reihe, denn es sind noch 10-15 Mann mit ihren Urlaubsgesuch früher gekommen als ich. Es  tut mir ja sehr leid, daß ich Euch unnütze Hoffnung gemacht habe, für mich selbst ist es das selbe und habe ich mich mächtig darüber geärgert.

Heute oder morgen mehr, ich habe jetzt leider keine Zeit mehr.

Mit recht herzlichen Grüßen verbleibe ich Euer Gustav

14. September 1915

Liebe Eltern! Inzwischen habt Ihr wohl meinen Brief erhalten und Euch darüber gewundert. Erst hatte mir Herr Wachtmeister den Mund wässrig gemacht indem er sagte: Sie können fahren wenn Herrn Haupt. Bursche wieder zurück kommt. Ich war ja noch nicht an der Reihe sondern sind immer noch unsere Kameraden vor mir. Bis jetzt habe ich Herrn Wachtmeister über die Sache noch nicht sprechen können. Ich werde bei der nächsten Gelegenheit um Auskunft bitten wenigstens um Angabe der ungefähren Zeit. Ich habe mich ja sehr darüber geärgert Euch geschrieben zu haben da sich die Sache hier zu leicht ändert doch meinte Herr Wachtmeister bestimmt, daß ich am 11. fahren konnte. Nun müßen wir uns noch eine Weile vertrösten. Hoffentlich bleibt Vater noch recht lange zu Haus. Mit den herzlichsten Grüßen verbleibe ich Euer Gustav

15. Oktober 1915

Liebe Eltern! Ich danke Euch recht herzlichst für die lieben Pakete mit Wurst sowie mit Rauchwaren. Ich werde mir alles gut schmecken lassen. Wie haben jetzt gehörig was zu tun. Gestern rückte die Batterie wenigstens ein Zug in Feuerstellung. Heute Morgen sind wir erst wieder zurück und eine prächtige Stellungen haben wir wieder. Noch nicht gebaut und ausgeschachtet u. so haben wir wieder viel Arbeit. Heute Abend vier Wagen mit Holz und so geht das jetzt fortlauernd. D. 2. Zug rückt nächste Nacht auch in Stellung und haben wir noch einmal das Vergnügen. Unsere Stellung ist eine neue vorgeschoben zwischen Loos u. Souchez, in einem Zipfel. Ja, ich muß nun schließen und verbleibe ich mit herzl. Grüßen Euer G.

28. November 1915

Liebe Eltern! Paket No 10 mit Mutters lieben Brief habe ich erhalten und dank Euch herzlichst dafür. Leider ist nun mein Brief zu früh angelangt. Ich hatte mir so schön ausgemacht daß er gerade am Geburtstagstage morgens meinem Mamachen überreicht würde.

Für die Wurst meinen besten Dank u. werde ich mir dieselbe gut munden lassen. Über kleine Weihnachtswünsche schreibe ich Dir in den nächsten Tagen denn es hat ja noch Zeit; es sind ja nur einige Lichter und etwas Watte. Ich schreibe Euch dann noch näheres. Vorläufig meinen herzlichsten Dank und die dicksten Grüße u. Küsse von Euerm großen Jungen der Euch gern noch selbst einen dicken Schmatz geben möchte

7. Dezember 1915

7. Dez. 1915.

Liebe Eltern! Wir sind gerade von unserer Feuerstellung zurück und lohnt es sich nicht sich noch einmal hier zu liegen. So will ich Euch in aller Frühe einen Brief schreiben. Zuerst für das ff. Gänseschmalz meinen herzlichsten Dank. Ich habe eben zwei Stullen verdrückt. Gestern Abend ist es wohlbehalten hier angelangt. Um 12 Uhr hieß es heute Nacht Munitionhochbringen. Um 10 Uhr war der erste Transport hochgekommen. Gestern haben wir nämlich einen kleinen Angriff gemacht, jedes Geschütz rund 100 Schuß abgegeben. Nun werde ich noch eine Stulle m. Gänseschmalz essen u. dann meine Zeitung durchlesen ob noch nichts vom Frieden darin steht.

Dann ist es auch soweit zum Kaffee holen. Um 7 Uhr jetzt muß Kaffee geholt sein, sonst gibts nichts.

Nun seid recht herzlich gegrüßt u. bedankt von Euerm Gustav

9. Dezember 1915

Liebe Eltern! Mutters lieben Brief vom 4.12.15. habe ich erhalten und muß ich ihn doch gleich beantworten. Ders. enthält eine sehr traurige Nachricht. Ich habe ja immer eine kleine Ahnung gehabt nur glaubte ich Vater sei zu stark mit Arbeit überhäuft. Da habt Ihr eine schwere Zeit hinter Euch, ich wünsche Vater eine recht gute u. schnelle Besserung. Habe leider nicht viel Zeit. Heute Pferderevision.

Meine anderen Briefe habt Ihr doch inzwischen erhalten. Ich und wir alle sind ja mächtig gespannt was es mit Griechenland wird. Über Urlaub habe ich leider noch nichts gehört, vielleicht komme ich auch nicht. Vater recht viel Besserung wünschend und Euch alle herzlichst grüßen schließt Euer Gustav

14. Dezember 1915

Liebe Eltern! Gestern erhielt ich Euer liebes Paket No 19. Meine Karte habt Ihr wohl auch erhalten, und habe Euch doch den Empfang der vorigen beiden Pakete bestätigt. Ich dank Euch für alle Pakete recht herzlichst. Bitte schickt mir bei nächster Gelegenheit etwas Schreibpapier mit, nur nicht so viel denn ich verschmutze es höchstens wenn es mit auf Reisen muß. In 10 Tagen ist ja nun schon Weihnachten und verlebt Ihr es hoffentlich recht vergnügt und bei bester Gesundheit. Gestern Abend haben wir unter uns eine kleine Übungsstunde mit Ziehharmonikamusik gehabt. Bitten möchte ich Euch noch um einige M zum Weihnachtsbier und grüßt Euch herzl. Euer Gust.

18. Dezember 1915

Liebe Eltern! Die große Wurst ist glücklich angelangt; auch die drei Weihnachtspakete habe ich bekommen jedoch Mutters Bitte gemäß noch nicht berührt. Alle Weihnachtssachen kommen zusammen in ein Paket u. werden aufbewahrt bis zum Feste. Auch den Empfang d. Käses u. des Fisches habe ich noch nicht bestätigt. Vor allen Dingen dank ich Euch für die schönen, reichlichen Geschenke herzlichst u. verzeiht bitte daß ich in d. letzten Zeit wenig geschrieben. Wir haben jetzt sehr wenig Zeit da sehr viel geschossen wird u. wir jetzt eine neue Stellung bezogen haben. Also die Sachen, ich meine die beiden letzten schmecken sehr gut u. ist wieder etwas anderes. D. Zigarettenetui habe ich auch erhalten u. wird sich mein Kamerad sehr freuen. Der Tabak, den Ihr mir zuletzt gesandt habt schmeckt tipp-topp.

Vater ist also doch viel ernster erkrankt gewesen als Mutter mir zuerst schrieb u. tut es mir sehr leid. Hoffentlich sind Vaters dumme Schmerzen bald weg, daß Ihr Weihnachten recht schön feiern könnt. Da denke ich eben an einen dummen Gedanken von mir. Nach Mutters Geburtstag hat ich immer das Gefühl als ob jemand krank ist zu Haus, ich vermutete erst es sei Mutter die erkrankt sei. So fällt wohl Vaters Krankheit gerade auf diese Zeit.

Mutter schreibt die Briefe wären im mit Bleistift [Sic!] geschrieben meine sind es ja auch immer. Ich freue mich doch von Euch Nachricht zu erhalten.

Mir geht es sonst noch sehr gut. Nächstens mehr. Ich wünsche Vater recht gute Besserung und hoffe doch im nächsten Jahr auf Urlaub zu kommen.

Mit herzl. Grüßen schließt Euer Gustav

20. Dezember 1915

Liebe Eltern! Heute morgen habe ich mich um 5 Uhr aus den Federn gewickelt. Ich konnte nicht mehr liegen; dauernd sausen mir die schönsten Urlaubsträume im Kopfe umher. Hoffentlich ist Vater zu Weihnachten wieder vollständig hergestellt und könnt Ihr Weihnachten recht vergnügt verleben. Mir geht es soweit sehr gut und haben wir immer unsere Beschäftigung. Die Sache bleibt immer dieselbe wir sehen uns vor einen Angriff feindlicherseits vermutend und befürchten einen von uns. Nun wünsche ich Euch ein recht fröhliches Weihnachtsfest und hoffe ich daß Ihr es im gemütlichen Beisammensein fröhlich verleben könnt. Mit herzl. Grüßen v. hier Euer Gustav

21. Dezember 1915

Liebe Eltern! Gestern Abend habe ich die beiden Zigarrenpakete und das ff. Mittagsbrot erhalten; ich danke Euch herzlichst dafür, auch für Vaters liebe Zeilen. Ich habe mich endlich gefreut wie ich auf einmal eine Karte von Vater geschrieben vorfand. Das ist ja sehr traurig, daß Vater nicht aufstehen kann zum Fest; aber wenn es geht ist doch der Stuhl hoffentlich zur Zeit angebracht. Mutter geht es wohl noch gut. V. Großv habe ich lange nichts gehört, ist er krank. Nun seid recht herzlichst gegrüßt und frohe Feiertage von Euerm dank. G.

21. Dezember 1915

21.12.15.

Liebe Eltern! Wie geht es Vater? Hoffentlich doch viel besser und vielleicht hat er den neuen Stuhl bei Erhalt des Briefes schon einmal eingeweiht. Ich möchte Vater so gern ein bisschen Gesellschaft leisten in den schlechten Tagen, aber leider geht es nicht. – Euer liebes Paket vom 14. mit Butter usw. (No 23) habe ich gestern Abend erhalten und dank Euch herzlichst dafür. Wir werden uns das alles recht gut munden lassen. Die Herzchen haben wir gleich auf frischer Tat verzehrt. Genau so wie es Euch geht geht es mir auch und muß ich oft an Euch denken, aber hier heißt es etwas anderes und darf man sich nicht von der Stimmung unterkriegen lassen, immer tüchtig hoffen. Wenn jetzt d. Krieg nicht gekommen wäre dann war alle vergangene Zeit vorbei und wäre alles wieder gut geworden. Aber lange dauerts nicht mehr dann müssen unsere lieben Nachbarn links u. rechts sich doch fügen und dann wird aber ein feines Wiedersehen mit einem dicken Friedenskuß gefeiert. Dann machen wir zusammen eine schöne Biertour zu Hause an unserm kleinen Tischchen mit der lange Piepe. Die Zeiten kommen alle wieder drum Kopf hoch der große Stromer kommt noch früh genug um Mutter die Speisekammer auszuräubern. Ich habe mir vorgenommen, daß Ihr zu jeden Feiertag einen Brief erhaltet, wenn nun die Feldpost fungioniert [Sic!] dann muß es stimmen. Nun bleibt recht gesund u. munter bis der alte Bengel wieder kommt und seid recht herzlich gegrüßt von Euerm Gustav

22. Dezember 1915

Liebe Eltern! Heute am 22. Früh um ½ 6 Uhr sitzt der Bengel bei einem schönen Feuer und schreibt. Ich konnte nicht mehr schlafen, da habe ich mich hochgemacht einen Feuer angezündet u. erhaltet Ihr dadurch bald wieder einen Brief. Wir haben heute Besichtigung im Fußdienst durch unseren Regimentskommandeur.

Gestern erhielt ich Euer liebes Paket vom 16. mit Biergeld, Zig. u. Pfefferminz, meinen herzl. Dank dafür. Die drei Pak. No 16, 17 u. 18 habe ich erhalten u. habe ich wohl eins vorgestern zu bestätigen. Gestern eine große Portion Weihnachtspakete angelangt u. wird Bengel seins wohl bei sein. Im nächsten Briefe mehr u. grüßt Euch Herzlichst Euer dan[k]b. Gustav

9. Januar 1916

Liebe Eltern! Bin glücklich in H. angelangt. Heute habe ich gleich eine Pferderevision mitgemacht und jetzt komme ich vom Munitionsfahren. Nun habe ich wenigstens meine Arbeit gleich am ersten Tage hinter mir. Nun solltet Ihr doch schnell noch einen Brief haben und dieser geht morgen früh um 8 Uhr mit der Post fort. Hoffentlich geht es Vater recht gut und ist Mutter gut nach Hause gekommen. Nun seid recht herzlichst gegrüßt von Euerm Gustav

8.1.15. [Anmerkung jw: Poststempel 9.1.16]

12. Januar 1916

Liebe Eltern! Jetzt bin ich ja glücklich wieder im alten Gleise. Gestern haben wir eine kleine Fahrübung gehabt. Für Vaters liebe Karte meinen herzlichsten Dank, sehe ich doch auch daraus daß Mutter gut nach Hause gekommen ist. – Angeblich sollen wir jetzt Engländer vor uns haben; die Schießerei ist ja auch eine verrückte. In meiner Abwesenheit haben sie wieder einen großen Teil von Lenz [Lens] zerschossen. Sonst geht es mir ja wieder gut und hoffe ich daß auch Vater jeden Tag kräftiger wird. Ich hatte nur noch keine rechte Zeit sonst hätte ich schon mehr geschrieben aber die ersten Tage ist alles mögliche. Nun möchte ich Vater noch den guten Rat auf Mutter aufzupassen daß sie nicht zu viel schnäpst; u. Mutter daß Vater nicht soviel raucht. Bleibt recht schön gesund und übt Euch schon langsam im Trinken ein auf einen herzhaften Schluck zum baldigen Friedensschluß. Joffre hat mir im Vertrauen gesagt er habe keine Lust mehr. Nun seid alle recht herzlichst gegrüßt von Eurem Gustav

13. Januar 1916

Liebe Eltern! Meine Briefe u. Karten habt Ihr wohl inzwischen erhalten und habt daraus gesehen daß das alte Sprichwort: Unkraut vergeht nicht sich bewahrheitet, denn der Lausebengel ist immer noch im Gange. Hoffentlich ist Vater auch wieder recht gut auf den Beinen und geht es Mutter gut. Damit Mutter nun kein böses Gesicht mehr macht schreibe ich jetzt recht oft. Wenn Vater sich nun  garnicht mehr zu helfen weiß, wo er nun allein ist so werde ich ihm brieflich ein bisschen helfen; vor Kummer über ihre beiden Jungen nimmt dann Mutter schnell wieder son kleinen Alten [Sic!]. Nun Schluß mit herzlichen Grüßen von Euerm Gustav

Lieber Vater! Vergiß das Trommelfeuer nicht; ich glaube es hilft. Die Engländer verziehen dann doch etwas schneller. Wieviel würden die Lehrkosten einer kurzen Lehrzeit bei dir betragen: Bitte um baldigen Bescheid möglichst mit Lehrvertrag.

Mit Gruß u. Kuß von Blanche

Euer Gustav

18. Januar 1916

Liebe Eltern!

Endlich ist einmal wieder anständiges Wetter bei uns. Natürlich sind die Flieger gleich mächtig am Gange. Mit und durch meine Brille habe ich ja jetzt ein klares Bild der allgemeinen Kriegslage. Leider hat sich dieselbe noch nicht viel geändert. Lenz haben sie immer noch kräftig unter Feuer; jetzt eben sind sie gerade wieder dabei und belegen es wieder mit schweren Geschossen. Im Nächsten Briefe und grüßt Euch herzlich Euer Gustav

18. Januar 1916

Liebe Eltern! Soeben haben wir unser Sonntagsmahl beendet und war das selbe heute sehr gut, denn wir haben selbst gekocht. Heute Morgen waren wir zur Kirche. Unser Hauptmann ist nun auch abgedampft bis zum 2. Feb. auf Heimatsurlaub.

Heute schicke ich die Blechdose ab mit diesem Brief.

Wie steht es denn mit Vaters Befinden, ich hoffe, daß er schon einen kleinen Parademarsch durch halb Hannover machen kann. Mutter Karl hat sich hoffentlich auch wieder erholt nach dem vielen Ärger. Ich muß bei jeden Brief, den ich schreibe immer an das Wort Vaters „Mutter mach den Finger gerade“ denken. Herzlichste Grüße von Euerem Gustav

19. Januar 1916

Liebe Eltern! Heute geht der Tag schon wieder früh los. Ein Fahrer von uns, der schon immer fahren sollte ist heute morgen um 4 Uhr weg gefahren. Der Mittelreiter bringt ihn und noch einen zur Bahn und noch einen zur Bahn und stehe ich dafür solange Posten v. 4-6 Uhr. Lieber wäre ich ja schon mit nach Deutschland gefahren, aber ich glaube da wäre Mutter gar nicht recht mit einverstanden wenn der Stromer wieder 12 Tage zum Dummheiten machen kommt. Jetzt wird auch erst mal Dienst gemacht und aufgepaßt, daß die Fr. u. Engl. nicht in Mutters Speisekammer geraten. Das besorgt nachher der Gustav mit seinem großen Magen. Hoffentlich geht es euch noch recht gut und habe ich an Petrus schon eine Note geschrieben u. wird das Wetter wohl bald besser werden in Deutschland. Nun seid recht herzlichst gegrüßt von Eurem Gustav

26. Januar 1916

Liebe Eltern! Meine herzlichsten Dank für Paket 34 u. 35. Es schmeckt schon großartig. In einem Brief morgen oder übermorgen mehr. Jetzt haben wir sehr viel zu fahren und nebenbei Gespannführer. Jeden Tag muß ich mit meinen Pferden raus. Sonst geht es mir noch tadellos und wie ich aus Euren lieben Briefen sehe Euch auch. Bleibt man immer so recht schön gesund und seid recht herzlich begrüßt von Eurem Gustav.

Zeit ist Geld. (Arbeiten – Geldverdienen)

28. Januar 1916

Liebe Eltern! Für heute nur einen kurzen Kartengruß. Ich hoffe, daß noch alles im besten Zuge ist zu Haus. Bei uns ist jetzt auch wieder ein wenig Leben. Hoffentlich seid Ihr auch so gesund wie ich und grüßt Euch herzlichst Euer Gustav

1. Februar 1916

Liebe Eltern! Gestern Abend fand ich Eure liebe Post vor und zwar das Paket m. Mockturtel und Mutters Brief v. 27.1. Für alles meinen herzl. Dank. Ich schreibe ich Euch heute wieder in Kürze; vielleicht morgen mehr. Wir sind gerade von Stellung gekommen und es ist schon reichlich spät. Mein Rauchvorrat ist jetzt zur Neige gegangen, außer der Tabak; da hätte ich ja gern wieder eine kleine eiserne Bestandsauffrischung. Auf den Selleriesalat bin ich auch schon mächtig gespannt.

Nun muß ich erst mal in mein Bette gehen, es ist die zweite Nach. Morgen mehr. Mit herzl. Grüßen E. G.

3. Februar 1916

Liebe Eltern! Paket m. H. gestern in tipptopp Zustande angelangt; schmecken großartig und werden heute alle. Dose sende ich dann zurück mehr im Brief.

Mit herzl. Grüßen verbleibe ich Euer Gustav

4. Februar 1916

Liebe Eltern! Ganz großartig hat d. Abendbrot gestern Abend geschmeckt und noch mal so schön habe ich geschlafen gestern. Geträumt habe ich von allem möglichen schönen, natürlich hatte ich den Schweinsbraten u. Sal. zu Hause verzehrt. Also alle guten Gaben kommen diesmal nicht von oben sondern von Han., denn heute Abend kam schon wieder eine Dose Salat an. Diese Dose habe ich ganz bescheiden in zwei Teile gemacht heute u. morgen Abend. Mutter schreibt: Da gab sie… da meint Mutter wohl ihr Fräulein. Unangenehm auffallen tut eine Ctr. od. F. sendung nicht denn sehr viele vom Lande bekommen reichlich geschickt davon. Im nächsten Briefe mehr. Mit recht herzlichen Grüßen von Euerm Gust.

4. Februar 1916

Liebe Eltern! Wie ich schon im vorigen Briefe schrieb liegt der Grund nicht an der Unannehmlichkeit sondern ist es lediglich der Grund sparsam zu sein, welches uns junge Kerls leichter wird als den Familien in Deutschland.

Mutter ist jetzt wieder viel allein und wird sie sich manches Mal recht einsam fühlen. Aber immer den Kopf hoch meine Offensive schmeißt die Kiste, wenn sie man erst los ginge. Die Hauptsache ist, daß Trommeln immer gut fungioniert [Sic!], dann bleiben wir auch lebst gesund. – Bei uns ist auch mäßiges Wetter; wir haben jetzt auch die großen Gasschutzmasken bekommen und kann es los gehen. Ich hoffe doch, daß es Euch allen recht gut geht, Vater sich auch nicht wieder krank arbeitet, und seid herzlichst gegrüßt v. Euerm G.

4.1.16 (II). [Anmerkung jw: Muss laut Poststempel 4.2.1916 sein]

21. Februar 1916

Liebe Eltern! Meinen Brief von gestern habt Ihr wohl schon erhalten. War ja nur ein Wunschbrief. Jetzt wird es hoffentlich wieder etwas besser. Unsere Batteriestellung wird ja auch umgebaut. Da heißt es fleißig Kies und Sand, Zement und Eisen fahren.

Etwas weniger Munition haben wir ja jetzt zu fahren, denn darin nimmt uns die Feldbahn einen Teil ab. Nur dadurch daß wir selbst bauen gibt es soviel zu tun. Hoffentlich geht es Euch noch recht gut und ist alles noch bei bester Gesundheit. Euch alle herzlichst grüßend verbleibe ich Euer Bengel Gustav

21.2.16.

23. Februar 1916

23.2.16.              6.

Liebe Eltern!

Butter, Wurst u. Mittagsmahl war gut angekommen; auch der Schweiz. Emmenthaler hat keinen Schaden gelitten. Für alle Sendungen dank ich Euch herzlichst. Wie geht es Euch denn noch; hoffentlich recht gut geht. Über mein Befinden und Appetit kann ich ja auch gerade nicht klagen. Für gute Verdauung sorgt das tägliche Flachrennen. Nachher geht’s wieder los ¾ 3 bis 415 Beine raus, Knie durchdrücken. Vater weiß ja Bescheid.

Ist Großvaters Befinden schon wieder besser. Mit herzlichen Grüßen schließt Euer Gustav

5. März 1916

Liebe Eltern! Leider mußte ich gestern Abend fort und heute Abend auch. Da will ich Euch schnell eine Karte schreiben und muß ich Euch mit dem angekündigten Brief auf morgen vertrösten. Mit den herzlichsten Grüßen verbleibe ich Euer Gustav

19. März 1916

Liebe Eltern! Für die übersandten Pakete meinen herzlichsten Dank; Morgen Abend schreibe ich Euch einen Brief, bis dahin nur diese kurzen Grüße. Hoffentlich ist alles noch wohlauf. Mir geht es auch gut und grüßt Euch herzlichst Euer Gustav

21. April 1916

21.IV.16.             22.

Liebe Eltern! Vorm verderben u. umkommen ist der Inhalt des Paketes No 87 glücklich bewahrt, denn er ruht schon in unergründlichen Tiefen . Nun kann ich doch aber behaupten das Mutters Kochkünste immer noch dieselben sind und ich garnicht so abgeneigt bin wenn ich jetzt nach Hause könnte um Mutters Speisenkammer zu räubern.  Meinen herzlichsten Dank für die liebe Sendung und der liebe Brief von Vater. – Mir geht es wie Ihr seht noch tadellos und wünsche ich, daß auch Ihr so gesund und munter seid. Nun seid recht herzlichst gegrüßt u. bedenkt von euerm Jungen

22. April 1916

Geschrieben, den 22.April 1916.

Liebe Eltern!

Meinen Brief von gestern habt Ihr hoffentlich bei bestem Wohlsein erhalten. Ich wünsche Euch was ich ganz vergessen ein recht fröhliches Osterwetter als wie hier augenblicklich ist. Heute dachte ich zu meinem Schrecken erst daran daß morgen schon Ostern ist darum in Eile eine Karte. Es grüßt Euch und Großvater Euer Gustav

23. April 1916

23.IV.16.             22

Liebe Eltern! Der Himmel hat doch Einsehen gehabt und uns mit einem schönen Osterwetter beglückt. Hoffentlich habt Ihr in Deutschland auch so schönen Sonnenschein. Meine Karte ist doch wohl zu spät gekommen, man kommt hier ganz aus der Zeitrechnung. Großvater und Onkel habe ich keine Karten gesandt, da wir doch unsere Post die so schon genug zu tun hat nicht noch unnötig Arbeit aufbürden dürfen. Habt Ihr d. Feiertage recht schön verlebt, bei uns ist es nicht allzu viel Unterschied da die Arbeit doch nicht liegen bleiben darf; aber etwas weniger Dienst gibt es heute doch. Nun lebt recht wohl u. seid herzlichst gegrüßt v. Euerm Sohn

30. April 1916

30.IV.16.             25.

Liebe Eltern! Habt Ihr meinen Brief No 24 erhalten, denselben habe ich abgestempelt sofort nach d. Post getragen. Nun will ich heute Eure lieben Briefen, die schon einen kleine Haufen bilden beantworten. Wir waren jetzt voll Freude, daß unsere kleine Festung bald fertig; jetzt müssen wir schon wieder raus und eine neue Stellung bauen. So beginnt der Sport von neuem. Diese Woche bin ich doch um einige Pfund leichter geworden. 4 Nächte habe ich mich draußen rum getrieben, es war ja wunderschönes Wetter und machte es Spaß des Nachts. Jetzt ist die Sommerzeit bei uns, 5 Uhr raus aus den Federn bis abends 8 Uhr Dienst. Darum seid Ihr auch in der letzten Woche etwas zu kurz gekommen.

Also Eier u. Butter auch der Kuchen waren ein feines Festtagsessen und habe ich sie mit d. größtem Wohlgefallen verdrückt. Das Kraftfleisch hat mir in dieser Woche auch vorzüglich geholfen die Keks haben mir auch sehr gut geschmeckt. Wie mir der Sellerie geschmeckt unterliegt ja keiner Frage und auch der Braten war tipp-topp. Nur dürft Ihr davon keinen wieder schicken. Die Pakete sind 5 Tage unterwegs und ist schon eine anständige Hitze, ich glaube da könnte es leicht einmal 1 Flucht denken. Dafür könnt Ihr aber irgend welchen Fisch nur möglichst nicht in der roten Sauce, ich komme augenblicklich nicht auf den Namen der Frucht, senden. Den langersehnten Tabak habe ich natürlich auch erhalten. Für alles nochmals meinen herzlichsten Dank, aber das dicke Ende kommt erst, der große Wunschzettel. Mutter möchte ich bitten auch Zeug für Fußlappen zu kaufen u. zurecht zuschneiden. Strümpfe reiße ich bei diesem Wetter alle Tage und sind Fußlappen auch angenehmer am Fuße. Umsäumt brauchen dieselben nicht zu sein nur einfache Lappen. Dann muß ich zum zweiten Male in diesem Kriege um ein Taschenmesser bitten denn meins ist mitten durch gebogen. In den nächsten Briefen oder Paketen möchte ich Mutter auch um Beilage einiger Mark bitten zu meinem Geburtstage, sodaß ich zusammen 15-20 M hier habe.

[Rest fehlt!]

1. Mai 1916

24.

Liebe Eltern!

Heute wieder nur einen so kurzen Brief, aber ich komme jetzt garnicht dazu Euch immer sofort zu antworten da man mich zwecks Entfettungskur jetzt ordentlich bewegt. Paket mit Tabak, Eier, Kuchen, Braten u. Sellerie habe ich erhalten und dank Euch recht herzlich dafür. Sobald ich Zeit habe schreibe ich Euch einen ausführlichen Brief, hoffentlich morgen u. beantworte Euch alle die lieben Briefe. Bis dahin nehmt meinen herzlichsten Dank gnädig an. Ich hoffe, daß es Euch recht gut geht. Bei diesem schönen Wetter lebt man wieder ordentlich auf. Nun grüßt Euch alle herzlichst Euer Gustav

3. Mai 1916

3.V.16.                  26

Liebe Eltern! Unsere liebe Feldpost beglückt mich jetzt recht oft mit Nachrichten aus der Heimat! Gestern erhielt ich Sendung No 95 und heute No 96, sowie einen Brief von Großvater, und die Marmeladensendung ist auch glücklich angelangt. Für alle Pakete sowie die lieben Briefe meinen herzlichsten Dank. Heute Abend sitze ich her auf Wache und kann den Abend und die schöne Nacht so herrlich genießen. Augenblicklich geht es recht lebhaft zu und ist es ein hübscher Anblick von hier. Etwas dunkel ist es schon und vorn blitzen die Leuchtkugeln und Einschläge, auch Abschüsse in kurzen Abständen auf. Bei solch klarem Wetter hört man jeden Infanterieschuß in weiter Entfernung. Mir fehlt das Talent die Eindrücke in Worte zu kleiden um Euch eine solche schöne Maiennacht zu beschreiben. Es kamen einem da so komische Gefühle. Einerseits bedauere ich die schönen verlorenen Tage auf fremden Boden, andererseits fühle ich mich doch stolz auch mit helfen zu dürfen an dem großen Werk der Verteidigung unserer lieben Heimat vor allem alle Lieben zu hause vor dem Greuel eines solchen Krieges zu bewahren. Das Donnern der Geschütze heimelt einem jetzt orndlich [Sic!] und prickelt es in allen zehn Fingern in Erwartung der kommenden Dinge, wenn dieser Monat ist doch Anfang des großen Sommerkrieges. Wollen wir hoffen, daß wir uns nachdem allen glücklich und zufrieden bei Muttern wiedersehen.

Vaters süßen Grüße habe ich also erhalten und hat es mir nur noch an Zeit gemangelt Vater ob seines Riesenhungers zu bedauern. Ich bezweifle aber noch sehr stark daß unsere liebe Küchenmutter einen von uns verhungern läßt. Die Grüße waren aber auch in Wirklichkeit sehr süß denn etwas flüssige Marmelade hatte doch ein Bächlein gefunden und sich an Vaters Karte rangemacht. – Schön im nächsten Briefe muß ich wieder von Vaters großen Appetit lesen, ich glaube Vater will das Versäumte nachholen; aber tüchtig essen und Schießübungen erhält Leib und Seel und sind daran wohl noch keine Menschen krank geworden. Mutter kann nur von Glück sagen, daß ich Schreihals nicht auch noch zu Haus bin. – Zwei der Eier werde ich morgen nach überstandener Nachtwache verdrücken und mich dadurch sofort wieder erholen.

Als Wachhabender hat man jetzt nämlich die schönen Aussichten wenn alles gut klappen soll mit Wecken und Bestellen des Nachts, auf zu bleiben. Das heißt bei diesem herrlichen Wetter ist das ein Vergnügen immer schöne Gelegenheit alle lieben Sendungen zu beantworten. Mit dem Backen der Eier wird natürlich nichts, sondern die Butter wird zu Brot gegessen und die Eier ebenfalls gesondert. Mit solchen raren Artikeln darf man doch nicht so verschwenderisch verfahren. Bei meinem furchtbaren Magenleiden fand ich es angebracht daß eine starke Dosis von Magenpulver nötig ist um Beschwerden gründlich für eine Zeit zu entfernen und habe ich dasselbe schon so eines nach dem anderen verputzt, nun hat die liebe Seele wenigstens Ruhe  und ist die Zuckertasche leer. Das Pfeifchen schmeckt immer noch recht gut und ist das wohl ein Zeichen das meine Gesundheit durch das zeitweilig auftretende Magenleiden nicht gelitten hat. Nu ist aber Schluß sonst kommt Mutter überhaupt nicht zum Kaffeetrinken. Recht herzliche Grüße sendet Euch Euer Sohn Gustav

9. Mai 1916

9.V.16. 28.

Liebe Eltern! Jetzt haben wir hier seit einigen Tagen kühleres Wetter verbunden mit etwas Regen. Mit unserer Arbeit hat es ja nun etwas nachgelassen. Unsere neue Stellung liegt an der Kleinbahnstrecke da erspart uns dieselbe sehr viel Fahrerei. – Etwas lebhafter ist bei uns schon geworden, aber abgesehen von Trichtergefechten oder Patrouillengeplänkel haben unsere Feinde noch nichts rechtes gewagt. Die feindliche Heeresleitung sieht in diesem Jahre so schwankend und unschlüssig aus, sie wollen noch nicht ran an Speck. Nun seid herzlichst gegrüßt von Euerm Lausebengel

20. Mai 1916

20.V.16.

Liebe Eltern! Heute gibt es zur Abwechslung einen Kartenbrief. Hier ist immer noch das schönste Sommerwetter und hört das Gesumme in der Luft überhaupt nicht mehr auf. Gestern Abend hatten wir noch ein schönes Schauspiel in der Luft, ein feindlicher Flieger hatte sich reichlich weit nach hier gewagt und fast mitten im Artilleriefeuer, aber er gewandte Führer wußte immer wieder auszubiegen. Plötzlich schoß aus einer Wolke ein Flieger von uns auf den feindlichen herunter wie ein Habicht. D. f. Fl. machte sich dann auch sofort dünne leider ist er wohl doch noch entkommen. Heute habe ich zwei Pakete abgeschickt. Nun schließt mi d. herzl. Grüßen Euer Gust.

30. Mai 1916

Liebe Eltern! Alle Eure lieben Pakete habe ich erhalten und danke Euch recht herzlichst dafür. Ich kann Euch leider heute nur einen kurzen Kartenbrief schreiben bin in diesen Tagen noch garnicht zur Ruhe gekommen. Vergangene Nacht gefahren und zum Geburtstagstage gerade Pferderevision, dann morgen um 8 Uhr große Geschirrbesichtigung feldmarschmäßig u. Übungsfahren, übermorgen Abteilungsübung. Morgen hoffe ich jedoch einige Zeit abknappsen zu können, ich muß mich ja ordentlich schonen von allen Seiten und vor allen Dingen von Euch so reichlich beschenkt und dann einmal bedanken dafür. Also morgen ausführlicher, vorläufig einen herzlichsten Dank auch für die lieben Briefe und Geburtstagswünsche, ebenfalls die Einlage von Vater. In den nächsten Tagen wenn es einmal Bier gibt wird auch eins genommen. Bei uns ist das Bier jetzt noch viel sparsamer und ist das ja keine Schande. Nun muß ich schließen mein Geschirr in tadellose Verfassung versetzen damit der alte Krieger nicht auffällt. Seid recht herzlichst gegrüßt von Euerm Gustav

7. Juni 1916

Liebe Eltern! Heute brachte mir die Feldpost Euren lieben Brief und Paket No 17 mit einer feinen Mettwurst. Für beides meinen herzlichsten Dank mein Bauch hat ordentlich gelacht als er so etwas seltenes sah.

Ja, das glaube ich das bei solch großen Erfolgen unsererseits jeder in der Heimat an einen baldigen Frieden glaubt. Jedoch ganz so schnell wird es doch nicht gehen. Unser Seesieg ist ein großartiger Erfolg und mehr wert als eine große genommene Landschlacht denn hierbei haben doch nur die lieben Nachbarn und Seebeherrscher eins aufs Dach gekriegt. Das macht unsern lieben Kameraden zur See soleicht [Sic!] keiner nach und müssen wir beinahe neidisch auf sie herabsehen. Hier im Westen haben sie auch gerade eins auf ihr großes Maul bekommen und sagt der Heeresbericht auf gut Deutsch sie rückten schon bevor unsere Infanterie ankam aus.

Wir üben uns schon zur Friedens- oder Einzugsparade. Jeden Tag wie in der Garnison Fahrübung und die anderen Fahrern dann noch nebenbei. Hoffentlich dauerts nicht zu lange und findet die Besichtigung bald statt, dann gibt es wieder gibt’s nachricht [Sic!]. Morgen mehr und mehr Ruhe.

Seid herzlichst gegrüßt u. bedankt von Euerm G.

Nun hat Wunschmacher wieder Wünsche und zwar möchte ich um ein Putzzeug bitten. Eine scharfe Striegel, ähnlich des vorigen nur größer und eine Kartätsche, auch wie die damalige aber auch größer und dichter. Letztere wird wohl teuer sein jetzt 4 M ungefähr, aber mit meinem Brett bekommen nichts mehr runter und neue [Rest fehlt!]

16. Juni 1916

Liebe Eltern! Jetzt ist endlich der Tag der großen Besichtigung heraus, also Montag ist der berühmte Tag. Vater wird ja derartige Tage auch etwas kennen und wird wissen mit welchem Mordsaufruhr diese Tage vorbereitet werden u. mit einer halben Stunde ist die ganze Geschichte beendet.

Hoffentlich fällt alles gut aus und ist es bald vorüber.

Im Hause Klieber ist doch noch alles in bester Ordnung und seid Ihr alle munter und gesund wie ich.

Für heute muß ich Schluß machen, nach der Besichtigung wird das Versäumte wieder nachgeholt. Mit herzl. Grüßen Euer G.

19. Juni 1916

Liebe Eltern! Endlich ist die große Besichtigung vorüber und hat das Fahrerkomitee der 4. Batterie mit einem glänzenden Lob abgeschnitten. Eure lieben Pakete habe ich erhalten, Putzzeug und auch Schweinefleisch; für alle meinen herzlichsten Dank. In einigen Tagen wenn es geht morgen schreibe ich Euch näheres.

Heute meinen herzlichsten Dank für die lieben Briefe u. Pakete.

Gestern erhielt ich von der Redaktion d. Hannov. Tageblatts eine Rechnung über Juni u. Juli. Ist dies noch nicht bezahlt oder ist es ein Irrtum d. Redakt.

Nun seid recht herzlichst begrüßt u. bedankt von Euerm Gustav

Das Putzzeug ist sehr gut, Mutter hat fein eingekauft.

19.6.16.

25. Juni 1916

43.         24.6.16.

Liebe Eltern!

Vorgestern habe ich Büchsen mit Braten und Rhabarber erhalten u. danke Euch recht herzlich dafür. Meinen kurzen Brief von vorg. habt Ihr wohl auch inzwischen bekommen. – Ich vermisse nach Euren Briefen Kuchenpaket sowie das mit dem Pfingstbraten, dieses Mal habe ich versäumt nach der No zu sehen. Wie ich schon schrieb erhielt ich von Han. Tageblatt eine Rechnung über Juni u. Juli, seit drei Tagen erhalte ich sie täglich doppelt, da scheint auch keine rechte Ordnung zu herrschen. – Einige Photographien des abgestürzten Flugzeuges Immelmann sende ich in den nächsten Tagen; augenblicklich sind sie alle vergriffen. Heute ist unser Stangenreiter vom Hochzeitsurlaub wieder gekommen und gibt es jetzt wieder weniger Arbeit. 2 od. 3 Paar alte Strümpfe sendet mir bitte, bei diesem Wetter muß ich öfters wechseln. Also bis morgen oder übermorgen; jetzt schreibt der Lausebengel wieder fleißiger. Mit recht herzlichen Grüßen schließt Euer Junge

26. Juni 1916

44.

Liebe Eltern!

Heute ist ein etwas ruhigerer Sonntag als der vorige, auch scheint das Wetter heute schön zu bleiben. Der Sonnenschein ist aber auch sehr nötig, man merkte garnicht das es schon Sommer ist. Gestern Abend erhielt ich Euer liebes Paket mit rauchigem Inhalt und habt herzlichsten Dank für dasselbe, sowie den lieben Brief. In meinem Briefe bat ich um Tabak und kaum war er fort da hatte ich das Gewünschte in der Hand. Die dom. Zig. Ist eine sehr preiswerte angenehm u. gut schmeckende Zigarret. Bald wird nun das Rauchige im Preise anständig steigen und muß man sich auch darin etwas mehr einschränken. Großv. u. Tante habe ich gestern geschrieben. Im nächsten Briefe hoffe ich euch die versprochenen Photographien senden zu können. Für heute die herzlichsten Sonntagsgrüße von Euerm Gustav

28. Juni 1916

45.

Liebe Eltern!

Jetzt ist Sonntag bei uns langsam in Bewegung gekommen. Die Fliegerei ist außerordentlich rege meistens kommen sie in Geschwadern. So mancher geht ja hops durch unsere Fokker; das Neuste sind jetzt Brandbomben mit einer gemein scharfen Flüssigkeit, auch die Artillerie scheint wieder frischen Nachschub erhalten zu haben zum Teil eine sehr tolle Marke, 30 Schuß, 6 explodiert. Wenn die Herren Engländer hier in der Nähe einmal angreifen sollten können sie sich aber doch mal vorsehen; so wie im Herbst können sie es aber nicht wieder machen. Vorgestern glaube ich haben sie erst ihren Allerwertesten vollgekriegt, ebenfalls heute Nacht.

Nun Schluß für heute und seid herzlichst gegrüßt von Euerm Gustav

5. Juli 1916

5.7.16. 60 [Anmerkung jw: Nummerierung des Briefes nicht schlüssig!]

Liebe Eltern!

Gestern Abend habe ich Euer liebes Paket mit Kuchen und Mutters lieben Brief erhalten, ich danke Euch herzlichst dafür. Im allgemeinen hat sich hier recht wenig geändert. Dauernd ohne Unterbrechung erfolgt Angriff u. Gegenangriff. Gestern und vergangene Nacht waren zwei recht starke Angriffe, aber sind im allgemeinen gut abgeschlagen.

Das Wetter ist ja immer einigermaßen und wollen wir wünschen daß es noch recht lange so bleibt, damit unsere Ernte gut ins trockene kommt. Morgen oder über Morgen wieder mehr, wenn es auch nur wenig ist aber doch wenigstens jeden Tag etwas.

Nun seid recht herzlichst gegrüßt von Euerm Gustav

7. Juli 1916

48.

Liebe Eltern! Wie schon auf der Karte schrieb habe ich heute Pak. No. 37 erhalten. – Es könnte jetzt der Fall sein, daß wir Post des öfters gesperrt würde oder wir keine Zeit bekommen zu schreiben so macht Euch keine unnötige Sorge, denn sollte etwas passieren so erhaltet Ihr doch sofort Nachricht. Mit solchen Gedanken braucht man sich ja aber nicht abzugeben denn es hat bis hierher gut gegangen und wird schon weiter gut gehen. Also näheres kann und darf ich ja auch nicht schreiben. – Um Tante Lenis Hund ist es ja recht schade, aber besser töten als lange quälen. Der Mißerfolg an allen Fronten der Österreicher ist ja recht traurig u. verdirbt das unsere ganzen Anstrengungen. Nun will ich schließen für heute, morgen ist Übungsanspannen der gesamten Batterie u. Bagage. Nun seid recht herzlich gegrüßt v. Euerm Jungen

8. Juli 1916

8.7.16.                 49.

Liebe Eltern!

Schon seit einigen Tagen habe ich nichts von Euch gehört und geht es Euch vielleicht ebenfalls so mit meinen Briefsachen. Es ist eben mal wieder Krieg und will jetzt vorm Winter noch etwas erreichen.  Bis jetzt haben die Engländer und Franzosen bei uns ja noch gerade keine ihren Anstrengungen entsprechende Vorteile erreicht nicht einmal das was die Russen erreichen konnten. Ich glaube es liegt doch an der Truppe die feststeht oder nicht, denn da können die Russen mit ihrer Munition und Mannschaftsverschwendung doch nicht dran tippen an 5 tägiges Artilleriefeuer hier im Westen. Vielleicht gucken wir uns bald den Sport auch wieder an. Hoffentlich geht es Euch noch recht gut was ich auch in jeder Beziehung noch von mir behaupten kann und seid recht herzlich gegrüßt v. Euerm Gustav

23. Juli 1916

23.7.16.

Liebe Eltern!

Gestern habe ich Eure lieben Pakete erhalten mit Bohnensalat u. Roulade, ich danke für das Übersandte und die lieben Briefe herzlichst.

Wo wir uns aufhalten habt Ihr wohl aus dem Deutschen Heeresbericht v. 19. d. M. erfahren. Es geht hier immer noch recht lebhaft zu, aber hat sich nun doch wenigstens das Wetter gebessert und hoffentlich hält es an. Mir geht es ja noch den Verhältnissen entsprechend gut und hoffe ich, daß auch Ihr bei recht guter Gesundheit seid. Wie geht es Großvater.

Bitte grüßt ihn von mir. – Ein klein wenig hatte sich an dem letzten Tage das Feuer gemildert aber heute geht es mit frischen Kräften dran und wird die zweite große Schlacht dieses Tages erwartet.

Allem Anschein nach bekommen sie dieses Mal schwächliche Ziele. Nun schließt mit herzlichsten Grüßen Euer Junge

26. Juli 1916

26.7.16.              60

Liebe Eltern!

Birnencompot und Braten tadellos angekommen, ich danke recht herzlichst für die übersandten Pakete und Mutters Brief. Die Birnen haben großartig geschmeckt da hat das Fleisch auch keinen Schaden gelitten. Natürlich mußt ich solchen schönen Braten schnellstens verdrücken; denn hier ist das beste Hochsommerwetter, regnen tut es äußerst wenig da ist das Einfahren jetzt von früh morgens bis abends im besten Gange. – Die Ballerei rechts von und ist wieder im vollsten Betrieb; wie lagen diese Schlacht eigentlich noch andauern soll möchte ich einmal wissen und was dann werden soll. Für heute will ich schließen und grüßt Euch hoffend daß Ihr noch recht hübsch gesund seid, herzlichst Euer Junge

29. Juli 1916

Liebe Eltern! Meinen Brief von gestern habt Ihr doch hoffentlich inzwischen erhalten u kommt auch hoffe ich dieser zur rechten Zeit. Wir erhalten jetzt wegen voraussichtlich Abmarsch keine Post, und es würde mich recht ärgern wenn meine Glückwünsche zu spät kämen. Mir geht es noch recht gut u. die Gerüchte über unsern Verbleib sind noch so grundverschieden daß man nichts darüber sagen kann. Vorläufig greifen die Feinde noch recht tapfer an. Gestern Nacht haben wir glücklich noch bis ½ 2 Uhr hinter der Batterie in einer wenig beneidenswerten Lage gehalten aber sie wollten uns sicher nicht treffen sondern nur bange machen. Heute Nachmittag heißt es Munition fahren u. bleiben wir voraussichtlich zur Reserve hier. Nun wünsche ich, daß es Euch recht gut geht, ihr bei bester Gesundheit seid nun meine Schweinerei entziffern könnt.

Meinem lieben Vater wünsche ich nun zu seinem Geburtstage eine recht lange und gute Gesundheit und recht langes Leben, daß wir alle nach einem glücklichen Ende in Lust u. Freude vereint im Hause Klieber bei Muttern recht lange u. viele Jahre verbringen können.

Weiter kann ich ja meinen lieben Vater nichts zu seinem Geburtstage senden aber dies wenige kommt ebenso von Herzen ebenso wie alle Geschenke.

Nun seid herzlichst gegrüßt i. einen dicken Geburtstagskuß für Vater von Eurem Jungen

1. August 1916

1.7.16. [Anmerkung: Poststempel 3.8.16]            67

Liebe Eltern!

Morgen werden es nun zwei Jahr, daß wir uns zu der großen Reise vorbereitet haben und abmarschierten und immer noch kann man nicht sagen wann es ein Ende nimmt. Man kann ja unmöglich glauben, daß es noch länger dauert, denn dieses ist doch ein Ringen wie es die Welt noch nicht gesehen hat; auch sind diese Verluste an Menschenleben in Jahrzehnten nicht wieder ersetzt. Uns jagen die Engländer auch an einem Platz auf den andern, einmal sind es die Flieger mir ihrem Eierlegen (Enfanterie [Sic!] ist garnichts dagegen) und das andere Mal bepulvern sie uns mit einer schweren Sorte Granaten. Gestern haben wir leider auch wieder 4 Mann und 5 Pferde Verluste gehabt, und waren nun gezwungen gestern Abend ein neues Biwak zu beziehen. Die Verluste im Schützengraben sind jetzt nicht mehr ganz so arg wie im Anfang und kommen wir glaube ich bald hier aus dieser windigen Ecke. Sonst geht es mir wie Ihr sehr noch ganz gut und grüße ich Euch recht herzlichst Euer Gustav

5. August 1916 [Poststempel]

2.7.16. 58 [Anmerkung jw: Datum und Briefnummer nicht schlüssig]

Liebe Eltern!

Seit dem 24. haben wir schon keine Post erhalten, unsere Feldpost hat uns vollständig verlassen, sie liegt hinten an der belgischen Grenze. Heute hoffen wir nun stark, daß wir einige Nachrichten von zu hause erhalten.

Bis jetzt haben uns die Engländer in Ruhe gelassen, nur die Flieger schwirren dauernd hin und her über uns. Unsere Flieger haben doch mächtig versagt bei dieser Offensive, viele kamen nicht über den Graben, dafür sind die feindlichen desto frecher.

Das Wetter ist recht passen für die Ernte, bei Euch in Deutschland ist es wohl das gleiche sonnige u. trockene Wetter und muß das Korn jetzt wohl mit Gewalt reif werden. Für heute will ich schließen und mich noch ein bisschen ausstrecken, heute Nacht war ich oben in Feuerstellung und bin dadurch um meinen schönen Schlaf gekommen. Nun grüßt Euch alle recht herzlichst Euer Gustav

10. August 1916

10.8.16.              69

Liebe Eltern!

Heute Abend (9.) ist die Dose ff. Wurst eingetroffen die ist aber großartig und habe ich gleich ein paar Stullen mehr verdrückt. Gestern Abend erhielt ich die Dose mit Heringen und Vaters liebe Karte aus Magdeburg. Für alles danke ich Euch recht herzlich. Mutters lieben Brief beantworte ich in den nächsten Tagen aus führlicher. Wir müssen jetzt die paar schönen Tage wahrnehmen und da sind wir von morgens 8 – abends 9 Uhr auf dem Acker und unser Licht ist uns hier vollständig aus gegangen, gibt auch rein gar nichts zu kaufen. Das heißt wir kömmen voraussichtlich doch bald in andere Gegenden mitte dieses Monats treten wir allen Anschein nach eine größere Reise an. Nun seid recht herzlichst gegrüßt von Euerm Gustav

11. August 1916

Liebe Eltern!

Jetzt wird sich unsere Hoffnung die ich im letzten Briefe äußerte erfüllen. Dadurch stockt die Post wieder etwas, aber morgen hoffen wir regelmäßig Post wieder zu erhalten. Für heute nur diese kurzen Kartengrüße, in den nächsten Tagen mehr. Hoffend, daß Ihr bei bester Gesundheit seid grüßt Euch herzlichst Euer Gustav

28. August 1916

28.8.16                65

Liebe Eltern!

Soeben erhalte ich Euer liebes Paket vom 23. mit Zigaretten und einer Dose Schmalz. Nun habt Ihr glücklich einmal etwas Schmalz erwischt da müßt Ihr es natürlich gleich Euerm undankbaren Lausebengel schicken anstatt es selbst zu essen. Das macht ja nicht wieder, denn ich kann es schon eher verschmerzen, junges Gemüse kommt doch durch. Also meinen herzlichsten Dank für Euern lieben Brief und Paket. Mit dem Frieden wird wohl nichts Rechtes werden in diesem Jahre; aber auf Urlaub möchte ich doch gern einmal kommen. Wenn man  andere Kameraden fahren sieht, dann kommt doch so ab und zu das böse Heimweh wieder, welches aber beim alten Krieger mit einem herzhaften Ruck verschwinden muß.

Der Fettfleck ist vom neugelieferten tollen [unleserliches Wort]

Jetzt haben wir seit 3 Tagen Regenwetter und pflügen fleißig nebenbei Dünger fahren. Die Seife von Tante habe ich erhalten und schrieb doch vor längerer Zeit einen Brief. Hat Tante dies nicht erhalten?

Hoffentlich geht es Euch noch recht gut und seid hübsch gesund. Nun muß ich schließen mit den herzlichsten Grüßen von Euerm faulen Jungen

5. September 1916

5.9.16. 68.

Liebe Eltern!

Gestern Abend erhielt ich Euer liebes Paket mit Eiern und Brief sie sind sehr gut angekommen und ich dank Euch für beides recht herzl. Das Wetter ist bei uns trübselig wie in Deutschland und steht der größte Teil unserer Ernte auch noch auf dem Felde.

Daß muß aber hübsch sein wenn Vater einmal zu Haus ist und Familie Klieber zusammen.

Etwas gedrückte Stimmung herrscht ja immer noch bei uns und ist es schließlich nicht anders bei solchen Ereignissen zu erwarten; aber es wird schon bald wieder besser werden.

Nun seid alle recht herzlichst gegrüßt von Euerm Gustav

12. September 1916

12.9.16.              70

Liebe Eltern!

Euer lieber Brief vom 8. d. M. hat mich gestern Abend erreicht, auch der Inhalt dazu. Ich danke Euch für beides recht herzlich. Im vorigen Brief habe ich Euch, glaube ich, den Empfang des Geldes nicht bestätigt, auch dasselbe habe ich bekommen. Von unserer Wanderlust habt Ihr wohl Kenntnis genommen, wohin? Da gibt es wieder Gerüchte und stimmen tut wohl keins richtig.

Der Erfolg in Rumänien ist sehr schön, hoffentlich folgen dem bald noch recht viel. Die Bulgaren und Türken sind überhaupt bessere Soldaten als die Österreicher, bei denen vergeht jetzt kein Tag, andem sie nicht aus strategischen Gründen ein Stück aufgegeben haben.

Nun seid herzlichst gegrüßt von Eurem Gustav

17. September 1916

17.9.16.

Liebe Eltern!

Mutters lieben Brief v. 12. habe ich gestern erhalten; auch den Inhalt von 1 M. Ich danke Euch herzlichst dafür. Wir sind heute auf dem Marsch nach dem Punkte, andem [Sic!] wir vor 4 Wochen waren; heute Abend geht es schon in Stellung. Unsre Post fungioniert [Sic!] natürlich wieder nicht mehr und gebe ich den Brief einem Kameraden von einem andern Truppenteil damit Ihr wenigstens fürs erste etwas habt. Mit dem Gelde macht es nur so, daß Vater u. Onkl [Sic!] hat doch einen besseren Überblick als ich über derartige Sachen. Es geht heute recht in Eile und muß ich mit diesen wenigen Zeilen schließen; bleib hübsch gesund in den nächsten Tagen wird der Bengel wohl nicht schreiben können und seid herzlichst gegrüßt von Euerm Gustav.

Bitte lieber ab u. zu einen Brief denn der kommt eher als Pakete an.

22. September 1916

22.8.16.

Liebe Eltern!

Eure liebe Rauchsendung mit Brief habe ich gestern Abend erhalten und dank herzlichst dafür. Dieses Mal geht unsere Post noch recht regelmäßig und bleibt es auch hoffentlich. Unsere Wanderschaft ist schon seit mehreren Tagen beendigt und sind wir glücklich an einer recht lustigen Ecke angelangt.

Eingezogen wird scheinbar jetzt alles bis auf den letzten Mann, ich bekam erst einen Schreck, ich glaubte schon Vater sei auch weg. Dieses wollen wir natürlich nicht hoffen. Mir geht es den Umständen entsprechend noch recht gut und wünsche ich auch daß Ihr allzeit recht hübsch gesund bleibt. Euch alle herzlichst grüßend verbleibe ich Euer dankbarer Gustav

25. September 1916

25.9.16.

Liebe Eltern!

Mutters lieber Brief langte gestern bei mir an und danke ich Euch herzlichst dafür. Heute ist hier wieder eine Mordsschießerei und der Erdboden kommt überhaupt nicht wieder in seine ruhige Lage, einige Angriffe der Engländer sind glücklich abgeschlagen; aber die kommenden Tage bringen noch heiße Kämpfe für die Trümmer von Courabett durch welches wir beim letzten Hiersein gefahren sind hat wie Ihr aus der Zeitung ersehen habt der Engländer im Besitz. – Die Ansicht eines Friedens vorm Winter ist lachhaft, man scheint in Deutschland garnicht zu bedenken das wir auch verlieren können. Viele Hunde sind des Hasen Tod; immer von zwei Seiten muß man die Sache ansehen.

Heute ist nun die Hölle los auf der Erde und der Luft, 15 km hinter der Front dröhnen einem die Ohren. Die ganze Kunst und Wissenschaft wird jetzt angewandt, und kein Soldat kennt alle Waffen die gegeneinander angewendet werden, 38. und 42. Ist jetzt Losung, und die ganze Front voll Marinegeschütze schwerste und weittragenste [Sic!]. Hier wünschte ich den großschnäuzigen Herrn Meyer nur 2 Tag her, ich glaube er würde andere Gedanken bekommen. Der Kampf in der Luft ist jetzt auch schlimmer geworden und stürtzen [Sic!] täglich mehrere Flieger  an in unserm Bezirk, leider natürlich auch welche von uns. Nun genug hiervon; also sollen sie Onkel jetzt als Höchstkommandierenden eines Schipperkolonne rausbefördern. Dieses ist der schlechteste Posten noch lange nicht und kommen diese Soldaten durchschnittlich nicht weit nach vorn.

Nun gibst den Schluß gesund und munter seid und bleibt Ihr, hoffe und wünsche ich, darüber kann ich ja dank eines guten Morgens und der vorzüglichen Ventilation nicht klagen.

Nun grüßt Euch herzlichst Euer Gustav

28. September 1916

28.9.196.            75.

Liebe Eltern!

Vaters lieben Brief habe ich erhalten und mich sehr darüber gefreut. Ich weiß daß Vater sehr viel zu tun hat und keine Zeit zu Privatsachen, darum danke ich ihm doppelt für seinen lieben Brief. Gleichzeitig erhielt ich auch den lästigen SM Schein, der mir übrigens nicht im Geringsten zur Last liegt. – Ja eine Weihnachtsfeier zu Haus nach beendigtem Kriege wäre herrlich, aber mit diesem Gedanken darf man sich hier noch nicht unnötig beschweren, denn bis jetzt ist noch keine Aussicht vorhanden, daß wir dieses erleben werden. – Unsern Einsatz hier ist recht gemischt und haben leider die wenigen Tage unseres Hierseins viel Opfer gekostet, jedoch meist Verwundete. – Die Schlacht hat jetzt ihren Höhepunkt erreicht und die Massen an [Rest fehlt!]

30. September 1916

30.0.1916.         76.

Liebe Eltern!

Honig und Vaters Zeilen habe ich erhalten  und danke herzlichst dafür. Dieses Mal ist der Honig tadellos angekommen. Ich habe jetzt oft die Ehre von Vater selbst zu hören und freut mich dieses immer doppelt! – Ist Mutter der Hindenburgtrick gelungen und hat sie recht viele Gefangene hinüberfördern können. Mit Schreiben haberts [Sic!]  bei mir immer noch ab und zu, aber da ist recht oft auch die dösige Stimmung daran schuld und mit solchen Briefen plage ich Euch auch nicht gerne. Jetzt hat es ja aber immer noch gegangen u. arbeitet die Feldpost einigermaßen. Nun schließt mit recht herzlichen Grüßen und Dank Euer Gustav

4. Oktober 1916

4.10.16.              18.

Liebe Eltern!

Seit zwei Tagen ist wieder eine kleine Postsperre, die aber bald wieder zu Ende sein wird. Meine Briefe erhaltet Ihr doch deswegen immer noch pünktlich. – Das Wetter ist inzwischen auch ungeschlagen und gebietet dieses wenn es noch länger so bei bleibt schon Schluß der großen Offensive, denn bei diesem Matsch hat Artillerie wenig Wirkung am Aufschlaggeschossen im Graben und kann sich die Infanterie auch nicht halten.

So langsam fangen wir wieder an auf Ablösung zu warten. Ersatz haben wir nun glücklich zum 3. Male erhalten bei diesem Hiersein und sind es jetzt rund 25 Mann. Beim vorigen Male sind wir doch etwas besser weggekommen. Daß Ihr bei bester Gesundheit hoffe ich immer und grüßt Euch herzlichst Euer Gustav

6. Oktober 1916

Liebe Eltern! Meinen Brief von gestern habt Ihr wohl bekommen und hat sich unsere allgemeine Kriegslage hier noch nicht verändert. Es wird uns wohl weiter nichts übrig bleiben als nochmals die selbe Zeit abzudienen hier, aber auch dieser Schreck geht vorüber. Familie Kl. erfreut sich doch noch der besten Gesundheit und geht es auch dem einbeinigen Rinderschwarm gut. Wir bekommen hier bald Kähne geliefert und dann wird hier Krieg zu Wasser geführt. [unleserliches Wort] als bis auf die Haut gehts ja doch nicht. Nun seid recht herzlichst gegrüßt von Euerm Gustav

Herzl. Grüße u. besten Dank für alles Gute

Hauer

Wachtm.

21. Oktober 1916

Liebe Eltern! Gestern Abend erhielt ich Eure lieben Sendungen (2 Büchsen) und danke Euch herzlichst für dieselben. Habe sie natürlich gleich heute in Angriff genommen und gefunden, daß Mutters Küche immer noch ausgezeichnete Fabrikate liefert. Heute nur diese kurze Karte meine Briefe v. g. u. vg. Habt Ihr wohl erhalten. In der Hoffnung daß zu Haus noch alles bei bester Gesundheit ist grüßt Euch herzlichst Euer Gustav

29. Oktober 1916

29.10.16.            86.

Liebe Eltern!

Grützleberwurst, Tabak, Zigarren, Kochkäse, Kognak ebenfalls heute Gurken habe ich alles erhalten und danke Euch recht herzlichst dafür. Schmeckt mir alles recht gut. Heute ist der Befehl heraus gekommen, 4. Batt. arbeitet vorläufig in ihrer Stellung, heute ist die letzte Batterie unserer Abteilung abgerückt, recht erfreuliche Aussichten bei Verdun auch wieder eine recht dumme Geschichte für uns, eine ziemliche Anzahl Material und Mannschaften sind wieder in Feindeshand gefallen. Ich glaube diesen Winter gibt es überhaupt keine Ruhe denn hier ist immer noch keine Stillstand eingetreten. – Beim Erhalt meines Briefes ist Vater wohl wieder gesund und munter zurückgekehrt und geht es Mutter auch gut.

Mir geht es, nach den Umständen noch recht gut und grüßt Euch herzlichst mit bestem Dank Euer Gustav

30. Oktober 1916

30.10.16.            87.

Liebe Eltern!

Meinen Brief, in welchem ich den Empfang Eurer lieben Pakete bestätigte, habt Ihr doch, nun erhalten und muß ich heute noch hinzusetzen das die Gurken 1a geschmeckt haben. Da hat Mutter wieder recht ihre Kunst von Neuem bewiesen und muß ich wieder sagen daß es bei Muttern doch am besten ist. Mutter frug vor einigen Tagen an was ich gern möchte. Da kann ich nur darauf antworten es ist bei den jetzigen Zeiten ganz gleichgültig ob es Fisch oder Grützwurst, die übrigens auch sehr gut schmeckte ist, oder irgend etwas anderes. Die Honigsache ist nur, daß es etwas zum Brote ist. Heute gab es hier bei einer neu angekommenen Kantine ja wieder allerlei, auch Kunsthonig in Paketen und sogar Lebkuchen. Von diesen Sachen gibt es dann meistens nur 1 Paket pro Person zu kaufen, aber mit Hilfe einigen Tricks kommt man auch oft zu 2 oder 3. Es ist ja blos alles zu teuer; trotz alledem haut sich hier beinahe alles darum und werden oft Wege nach weit weggeliegenden [Sic!] Kantinen unternommen. Hier ist aber die Verpflegung immer noch ganz gut gegen ruhigere Stellungen. Vor Arras bekamen wir Brotbelag für 1 oder höchsten 2 Stullen dabei wurde uns oft von der zustehenden Brotration etwas abgezogen. Die bessere Verpflegung ist der Beste der Sommeschlacht. Gestern waren es glücklich 6 Wochen, zuerst in Stellung gekommen und zuletzt wieder raus. Das schlimmste ist hier der eingestellte Urlaub.

Nun seid recht herzlich gegrüßt von Euerm Sohn Gustav

7. November 1916

7.11.16.              90.

Liebe Eltern!

Nach langer Zeit ist wieder eine große Stille um uns; hier fällt fast kein Schuß, auch hört man hier sehr selten das Surren u. Brummen in der Luft. – Der große Plan hat sich wieder geändert und heißt es wir bleiben 3 Wochen hier. Das geht in diesem Jahre immer hin und her an keiner Stelle lange Ruhe. Ich glaube, daß macht unser Hindenburg, der zieht immer hin und her mit seinen Truppen. Euch geht es doch wohl wieder gut. Ich kann jetzt auch nicht klagen, meine Erkältung ist vollständig geheilt, auch komm ich mich jetzt wieder ruhig ausschlafen denn jetzt zwicken mich doch die alten Viechters [Sic!] nicht mehr.

Seid recht herzlich gegrüßt und grüß Großvater von mir, Euer Gustav

9. November 1916

9.11.16.              91.

Liebe Eltern!

Gestern Abend erhielt ich Euren lieben Sendungen Sauerkraut, Kognak, Tabak, Hustenbonbon und dann noch etwas später Vaters lieben Brief. Da könnt Ihr wieder was der gestrige Tag für ein schöner Tag für mich war [Sic!]. Vom Felde zu Haus gekommen war der halbe Tisch voll Sachen für mich. Ich danke Euch für das Übersandte recht herzlich. Den Kognak haben wir uns gemeinschaftlich beim Rübenfahren heute zu Gemüt gezogen u. das Sauerkraut mit Schweinefleisch habe ich heute nach getaner Arbeit verdrückt, dann noch eine kräftige Marmeladenstulle, eine Tasse Tee und eine Liebesgabenzigarette und schon hat der hungrige Magen seine Befriedigung.

Daß Vater wenig Zeit hat weiß ich ja genau und bin ich für seine Zeilen doppelt dankbar. Wir verstehen uns darin schon und freue mich wenn ich eine Nachricht von Euch erhalte daß Ihr hübsch gesund seid. Daß will ich auch weiter hoffen und grüßt Euch herzlichst Euer Gustav

Schickt blos keinen Selleriesalat, das Zeug mag ich doch nicht. – zwei Tage vorher hat mir Vater schon den Mund wäßrig gemacht.

12. November 1916

8.            12.11.1916.

Liebe Eltern!

Mit der Postverbindung ist noch keine Besserung eingetreten. Beefsteak erhielt ich glücklich vorgestern in schlechtem Zustand natürlich. Paket v. 2. Ist noch nicht gelandet.

Ich weiß garnicht woran gerade die Verzögerung der Hannoverschen Post leidet. – In Italien hat es ja nach dem gestrigen Bericht eine kleine Schlappe gegeben. Über Rußland liest man nichts, demnach scheint sich die mißliche Lage wieder mehr ausgeglichen zu haben. bei uns gibt es jetzt von oben herab sehr viel zu tun. Seid recht herzlichst gegrüßt von Eurem Gustav

14. November 1916

14.11.16.            92.

Liebe Eltern!

Gestern Abend habe ich Euer liebes Paket mit der schönen Wurst erhalten und vor zwei Tagen erhielt ich Euern lieben Brief, einliegend 5 M. Ich danke Euch für die lieben Gaben recht herzlich und auch nicht weniger für die schöne Wurst. Mit der Seife meinte ich ganz richtig Gesichtsseife und ist es sehr lieb von Tante wenn Sie mir wieder welche sendet. Handschuhe hätte ich gern möglichst dauerhafte, warmhaltende Fingerhandschuhe, welche sich bei der Arbeit nicht so leicht durchscheuern od. zerreißen; vielleicht gefütterte Lederh.

Bei uns war jetzt hier ein Mordbetrieb Einstellung von neuem Geschirr neuen Sachen, Pferderevision, Wagen und alles möglich, dazu noch sehr viel Fahren u. Ackern. Vor zwei Tagen war hier plötzlich aus sicherer Quelle ein Gerücht über Waffenstillstand in Rußland rund und allgemein große Freude. Wir warten ja täglich auf ein Wegkommen und ist jetzt alles ein unbestimmtes unruhiges Spannen, wohin? Nun muß ich schließen morgen mehr, bis dahin seid recht herzlichst gegrüßt von Euerm Gustav

16. November 1916

16.11.16.            93.

Liebe Eltern!

Jetzt ist es für einige Tage Winter bei uns geworden und ganz schön kalt. Trotz alledem geht es jeden Tag wieder lustig weiter im Bebauen des französ. Ackers. Besser war es schon wir bauten und säten zu Haus. – Jetzt sind wir immer noch am alten Platze aber auf recht unbestimmte Zeit und wohin es geht: Da munkelt man schon wieder alles mögliche. Jedenfalls steht fest daß wir hier nicht bleiben denn ein Regiment wird schon abgelöst. Nun möchte ich Euch bitten mit möglichst bald 10 M zu senden, bei mir ist nämlich höllisch mauer Bestand in meiner Geldbörse und ich habe mir hier eine kleinen Vorrat an Marmelade für eine Woche gekauft, denn d. Marmelade ist hier auch recht rar. Und wir wissen noch nicht wo wir hinkommen. Mit den herzlichsten Grüßen bleibe ich Euer Gustav

19. November 1916

19.11.16.

Liebe Mutter!

Zu Deinem Geburtstage sende ich Dir herzlichste Glückwünsche. Ich wollte Dir zu gern meine Wünsche selbst überbringen und hoffte noch bis heute es möglich zu machen, aber es geht nicht. Also bin ich doch gezwungen die Feldpost zu Hilfe zu nehmen. – Möge Dich der liebe Gott munter in unserer Mitte lassen und hoffe ich, daß Du Deinen Geburtstag in bester Gesundheit verleben mögest. – Jetzt sind wir wieder auf Wanderschaft; hoffentlich es mir dieses Mal die Feldpost behilflich, daß mein liebes Mütterchen meinen Brief noch zur rechten Zeit bekommt.

Euch recht herzlichst grüßend verbleibe ich Euer Bengel Gustav.

Übrigens wir sind auf d. Marsch nach einer ruhigen Stelle

21. November 1916

21.11.16.            95.

Liebe Eltern!

Heute hat unser liebes Mütterchen Geburtstag und wünsche ich, daß er recht fröhlich und bei bester Gesundheit verläuft. Ich hatte mir es schon so schön ausgemalt heute Mutter mir einem zarten Kriegerkuß persönlich ins Haus zu schneien, aber erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Es liegen augenblicklich zuviel dringende Urlaubsgesuche v. Kameraden vor daß es nicht möglich ist meine Bitte zu berücksichtigen.

In Gedanken bin ich bei Euch und hoffe, daß wenn ich auch in diesem Jahr nicht mit zu Hause sein kann uns der liebe Gott doch noch recht viele Geburtstage von Mutter u. Vater zusammen verleben läßt. – Wir sind jetzt in unserm neuen Quartier angelangt und ist es die Ecke in welcher wir die vorige Septemberoffensive mitgemacht haben, nur etwas rechts.

Euren lieben Brief mit 5 Inhalt habe ich erhalten und danke recht herzlich und seid herzlichst gegrüßt von Euerem Gustav

25. November 1916

25.11.16.            97.

Liebe Eltern!

Hurra, Selleriesalat mit Gänsefeines ist das; das wahr aber ein feines Abendbrot, den ganzen Nachmittag hatte schon nichts gegessen da ich draußen am Arbeiten gewesen und da habe ich schleunigst alles mit Stumpf und Stiel verdrückt. Ich danke Euch recht herzlich für das Übersandte und vor allem Mutter, unserer lieben Kochkünstlerin. – Mein Brief No. 91 ging hier am 9. dieses Monats ab und müßtet ihr denselben lange erhalten haben, Sellerie u. Wurzeln habe ich erhalten und erinnere mich noch genau wie fein es mir geschmeckt hat. Ich glaubte erst es seien Schwarzwurzeln und war offen gestanden etwas enttäuscht da ich doch kein großer Freund davon bin; aber als ich öffnete war ich doppelt erfreut. Mit dem Frieden stimmen wohl die ganzen Gerüchte nicht und geht die alte Leier lustig weiter. Nun seid recht herzlichst gegrüßt mit d. herzl. für Großv. von Eurem Gustav

9. Dezember 1916

Liebe Eltern! Von einer kleinen Spazierfahrt zurückkehrend fand ich Eure liebe Zigarrensendung vor. Nach einem kleinen Nachtmahl haben wir uns in Ruhe mein Stangenritter und ich eine von der kleinen Feinen angesteckt. Nun könnte ich es doch nicht übers Herz bringen mich ohne Dank an Euch ins Federbette mit Sprungfedernmatratze zu legen. Schnell habe ich mir noch eine von den Zigaretten angesteckt und muß sagen schmeckt alles großartig. – Also hat jetzt Mutter viel zu tun, hoffentlich geht es Euch trotz allem recht gut. Vater ist ja auch dauernd unterwegs und wird es ihm doch wohl nicht zu viel. Euch alle herzlichst grüßend verbleibe ich Euer dankbarer Gustav

Gute Nacht. Könnt Ihr mir nicht einmal ein solch schönes Frauchen in Natura schicken wie auf der Zigarkiste.

16. Dezember 1916

16.12.16.

Liebe Eltern!

Das ich gut angekommen und mir die Reise dieses Mal gut bekommen hat, schrieb ich Euch schon. Nun möchte ich Euch weiter mitteilen, daß die Kur bei Muttern doch recht viel genützt hat denn man kannte mich hier bald nicht wieder und waren alle über mein gutes Aussehen erstaunt. – An die kleine [Weppens?] habe ich heute auch eine Karte gesandt. – Hier ist es jetzt Frostwetter geworden und fühle ich mich in Vaters feiner Weste und den Strümpfen von Mutter recht mollig. Wachtmeister H. kommt am 19. d. M. wieder zurück voraussichtlich. Unser früherer Batterieführer ist schon an der Somme mit seine Abteilung. Bis jetzt haben wir noch keinen neuen wieder und geht es jetzt einigermaßen gemütlich her. Nun wünsche ich Euch, liebe Eltern beste Gesundheit und seid herzlichst gegrüßt von Euerm Jungen

17. Dezember 1916

17.12.16.

Liebe Eltern!

Heute zum Sonntag gibt es wieder einen Brief. Jetzt habe ich mich schon wieder einigermaßen eingewöhnt in allen Sachen hier. Heute haben wir auch einen neuen Stangenreiter bekommen. – Von dem abgegebenen Ersatz schrieb ich Euch schon, wie verlautet müssen wir im Januar nochmals 10 Mann abgeben. Jetzt 6 Fahrer mit Pferden zur Maschinengew. Abteilung da bin ich ja doch nicht bei. Nach unserer Ersatzabteilung zu wandern wäre ich nicht abgeneigt, vielleicht habe ich da auch mehr Glück.

Nun wüßte ich weiter nichts Neues und muß ich darum schon schließen. Mit den herzlichsten Grüßen bin ich Euer Gustav

26. November 1916

26.11.16.

Liebe Eltern!

Heute zum Sonntag die herzlichsten Grüße von Eurem Lausebengel. Heute ist hier das schönste Sonntagswetter und wenn man der Dauerurlaub schon da wäre könnten wir noch in Hannover die Georgstraße runter schlendern; aber nächsten Monat hoffe ich bestimmt mit an die Reihe zu kommen. Sonst werde ich mich bei meinen Landser Hindenburg beschweren. Ich hoffe aber es geht im guten und sie haben Einsicht mit einem alten Krieger. Nun grüßt Euch herzlichst Euer Gustav.

Im zweiten Brief schicke ich Euch die Auslese aus meinem Brief.

15. Dezember 1916

15.12.

Liebe Eltern!

Bin gut hier in meinem Heim angelangt und gleich mit allerhand erfreuliche u unerfreulichen Nachrichten empfangen. Erstens ist unsere liebe Batterie früher zum Abteilungskommandeur befördert nach Deutschland gekommen. Wachtmstr. H. seit vorgestern in Magdeburg zum Weihnachtseinkauf und hätte ich ohne Unannehmlichkeiten zu haben ruhig noch 1-2 Tage länger bleiben können. Also wieder zu genau gewesen, aber schaden kann es auch nicht, besser ist schon pünktlich sein. Mannschaften hat unsere Batterie schon abgegeben und ist das Urlaubfahren eingestellt denn die Leute sind mächtig knapp, werden wir vor 20. Januar keinen Ersatz bekommen. Ich habe etwas schnell geschmiert, d. Brief sollte aber noch mit der Nahmittagspost fort. Nun seid recht herzlichst gegrüßt von Eurem dankbaren Jungen

19. Dezember 1916

19.12.16.

Liebe Eltern!

Vor einigen Tagen habe ich mich aufnehmen lassen, es ist wir ich eben sehe ja einigermaßen geraten und will ich Euch den alten Krieger in Lebensgröße vorführen.

Wie geht es Euch, seid Ihr auch noch hübsch gesund. Ich habe mich jetzt schon in allem wieder fein eingewöhnt, auch schmeckt die altgewohnte Suppe schon wieder recht schön.. Heute hat sich bei uns der Winter mal wieder gemeldet und sieht es recht feierlich weiß aus, aber es ist doch nicht von langer Dauer. Heute Abend kommt voraussichtlich W. H. wieder und ich morgen die feinsten Feiertagsmine aufsetzen und mich bei mich melden.

Nun seid recht herzlichst gegrüßt von Euerm Jungen

23. Dezember 1916

23.12.16.

Liebe Eltern! Gestern Abend war ich bei W. H. und habe mit ihm die ganze Sache besprochen. Wie ich Euch schon schrieb müssen wir im Januar zwei Unteroffiziere und 10 Mann abgeben. Von einem Wegmelden nach einer neugebildeten Batterie riet mir Herr W. vollständig ab, denn meinte er sei jetzt für mich hier der günstigste Moment da Herr Haupt. weg ist und wir einen sehr netten Leutnant als Batterieführer haben. Er versprach mir sobald als möglich mit dem Leutnant Rücksprache zu halten und hoffte mich im Januar für einen der abzugebenden Unteroffiziere als Geschützführer einschieben zu können. Nur da jetzt die Fahrer sehr knapp seien mußte er mich bis Anfang Januar unten behalten. In einigen Tragen wird unser neuer Batterieführer zurück kommen von Deutschland und hofft Herr W. dann daß er es durchsetzen kann. Vorläufig würde ich natürlich erst Gefreiter bleiben um den ganzen Betrieb kennen zu lernen. Bestimmt ist natürlich alles noch nicht, denn es hängt doch schließlich noch von mehr Menschen ab und darum braucht es ja auch noch weiter keiner zu wissen als wie wir.

Wachtmeister K. soll wie mir W. H. erzählte auch Offiziersst. werden.

Nun wünsche ich, daß Ihr Weihnachten recht gesund und fröhlich erlebt oder verlebt habt. Mit unserer Angreiferei hat wohl das Wetter nicht einverstanden sein wollen und ist es dennoch noch verschoben. Es ist ja auch besser zu Weihnachten.

Grüßt bitte Großvater und Onkl [Sic!] von mir und seid rechtherzlich gegrüßt mit einem dicken Weihachtskuß von Euerm Euchlieb. Gustav

25. Dezember 1916

25.12.16.

Liebe Eltern!

Eure lieben Briefe vom 19. u. 21. habe ich erhalten und danke Euch recht herzlich dafür. Die Paketsperre was hier schon seit einiger Zeit bekommt, nur tut es mir leid, daß das Aalpaket verloren gegangen ist. Dasselbe habe ich noch jeden Tag erwartet aber nun wird es doch wohl einen anderen Empfänger gefunden haben. Mein Paket vom Urlaub hilft mir ja immer noch schön über die Festtage hinweg und brauche ich keine Not zu leiden.

Über meinen Brief inbezug des Wegmeldens hat sich Mutter recht geängstigt, so schlimm ist es aber noch nicht. Sowas überlege ich mir nun doch reichlich und wie Ihr wohl aus meinen Brief inzwischen gesehen habe ich garnicht die Absicht mich wegzumelden, trotzdem haben sich bei uns sämtliche alten Leute fortgemeldet.

Die Gänsebeine habe ich schön Heim gekriegt und bin garnicht abgeneigt wieder einmal so eine zähe Madame in Empfang zu nehmen. Marmelade ist glücklich angelangt. Nun Schluß und seid herzlichst gegrüßt von Eurem Gustav

26. Dezember 1916

26.12.16.

Liebe Eltern!

Heute habe ich Vaters liebe Weihnachtsgrüße erhalten und danke herzlichst dafür. Daß Euch mein Bild Freude bereitet hat freut mich auch recht und habe ich Euch doch eine kleine Freude zu Weihnachten bereitet. Bei uns ist ja die Weihnachtsfeier nicht so berühmt ausgefallen; daß ist ja schließlich auch klar, der Krieg dauert zu lange und die Kameraden passen auch alle nicht so zusammen..

Ich hoffe, daß Ihr Weihnachten recht gemütlich und vergnügt verlebt habt. Ja hoffen wollen wir, daß es bald besser wird und vielleicht kommt es doch noch zu Verhandlungen. Neuformationen sind heftig im Gange, den neusten Gerüchten nach werden wir auch noch umformiert.

Nun will ich schließen, liebe Eltern und seid recht herzlichst gegrüßt von Eurem Jungen

28. Dezember 1916

Bild der 100. Jahrfeier    28.12.16

Liebe Eltern!

Endlich nach langem schweren Leiden und anscheinend recht beschwerlicher Reise ist der schöne Aal gelandet. Ich habe jetzt ein Stück intus und kann sagen, daß ich sowie mein Bäuchlein recht zufrieden damit gewesen sind. Meinen herzlichsten Dank für denselben und auch für Euren lieben Brief indem Ihr mir auch den Empfang der Karte aus Lille bestätigt. Da habt Ihr doch wenigstens meine erste Nachricht aus Feindesland gut erlangt.

Nun grüßt Euch recht herzlich Euer Euchliebender Gustav

31. Dezember 1916

Liebe Eltern!

Euren lieben Brief vom 27.12. habe ich erhalten und danke Euch herzlichst dafür. Also in diesen Tagen will ich meine Pferde abgeben und werde ehrsamer Kanonier. In den nächsten Tagen wird unsere Division rausgezogen nach rückwärts in Ruhe od. um anderweitig verwandt zu werden wir aber bis Ende Januar dort hinten bleiben um sämtliche Mannschaften erst einzuexerzieren. Ich hoffe, daß es da hinten noch verschiedenes zu kaufen gibt.

Der Aal ist ja nun alle und ich habe immer bedauert, daß er nicht nachwächst.

Nun seid recht herzlichst gegrüßt von Eurem Gustav

5. Januar 1917

5.1.17.

Liebe Eltern!

Lagen Zeit habt Ihr nun keine Nachricht von mir erhalten. Inzwischen hat sich einiges geändert. Seit Anfang des neuen Jahres habe ich keine Pferde mehr. Mit Wachtmeister Köppen bin ich jetzt seit einigen Tagen schon hier hinten zum Quartiermachen. Wird sind hier heraus gezogen und noch an die belgische Grenze gekommen um 3 Wochen tüchtig zu bimsen [Sic!] und dann soll wir, glaube ich[,] ganz aus unserem vorigen Verbande ausscheiden. Morgen schreibe ich Euch mehr, ich hatte diese Tage auch keine Verbindung die Post wegzubefördern. Seid also recht herzlichst gegrüßt von Eurem Gustav

6. Januar 1917

Liebe Eltern!

In der letzten Zeit habt Ihr recht wenig gehört von mir. Wir haben recht viel zu tun gehabt. Jetzt gibt es hier nur Exerzieren und Fahren und werde ich gleich Gelegenheit haben mich in meinen Geschützexerzieren einzuarbeiten. Da möchte ich Vater bitten mir Geld zu schicken. Erstens gibt es hier schon etwas zu kaufen und dann habe ich allerhand ausgegeben in letzter Zeit. Ich glaube doch Vaters Grundsatz immer gute Mine zum bösen Spiel den Vorgesetzten gegenüber ist sehr gut. Darum seid mir bitte nicht böse, daß ich in dieser Zeit etwas viel verbraucht habe. Ich war wie ich schon schrieb zum Quartiermachen hier.  – Durch Abgabe von zwei Unteroffizieren habe ich wie mir einige Wachtm. erzählten jetzt mehr Aussicht auf Geschützführerposten und hoffe am Eden unserer Ausbildungszeit auch weiter zu kommen.

Näheres schreibe ich morgen. Ich wollte nur gerne, daß Ihr jetzt schnell etwas mit der Post bekommt. Unsere Post liegt 10 km von hier und geht die Briefpost zum ersten Male fort. Also bitte denkt nicht Gustav ist jetzt leichtsinnig geworden; aber Ihr glaubt nicht wie sehr ich mich freue endlich etwas lernen zu dürfen und Euch zeigen kann, daß Ihr auch einen Sohn habt der etwas erreichen kann. – Euer liebes Paket mit Eiern brachten mir gestern meine Kameraden mit und dank ich Euch recht herzlichst dafür. Für Vaters liebe Neujahrs- und Weihnachtsglückw. danke ich Vater auch recht herzl. Ich habe die ganze Zeit schon daran gedacht und tut mir recht leid daß ich nicht früher antworten konnte. Jetzt wird es besser.

Nun seid recht herzlichst gegrüßt von Eurem Gustav

8. Januar 1917

8.1.17.                 2.

Liebe Eltern!

So ungefähr ist jetzt heraus wo wir hin verschwinden werden nämlich nach dem Lande der jetzigen Offensive. – Seit heute mache ich regelrecht Unteroffizier und lerne jetzt fleißig in meinen Büchern, die ich mir damals mitgenommen hatte. Habe jetzt also mit Handarbeit nichts mehr zu tun sondern nur noch mit dem Kopfe. In d. nächsten Tagen hoffe ich Euch ein freudiges Ereignis mitteilen zu können und möchte Euch doch bitten von mir ein Guthaben 100 M abzuheben zu einer kleinen Eintaufungs- und Abschiedsfeier. Vielleicht könnt Ihr mir auch einige gute Zigarren u. Zigaretten senden. Es wird wohl gleich die Abschiedsfeuer von Frankreich.

Nun seid recht herzlichst gegrüßt von Eurem Euchliebenden Jungen

10. Januar 1917

10.1.17.

Liebe Eltern!

Die Ausbildung geht immer lustig vor sich und jeden Tag macht es mehr Spaß, denn mit jedem Tage arbeite ich mich auch besser ein. Heute gibt es nun sogar einen Brief mit Tinte geschrieben, die Feder ist ja ein bisschen verschoben aber sie geht doch. Augenblicklich haben wir recht mäßiges Wetter und sehen unsere Geschütze und Pferde noch einer Fachübung immer recht böse aus. Ist es bei Euch auch in solch mäßiges Wetter und geht es Euch denn noch gut. Seit einigen Tagen habe ich nichts von Euch gehört unsere Post scheint wieder nicht zu wollen. Nun schließe ich mit den herzlichsten Grüßen Euer Gustav

13. Januar 1917

13.1.17.

Liebe Eltern!

Unteroffizier der Res. erlaubt sich hiermit vorzustellen. Ja, das geht schnell. Wir sind jetzt noch eine tolle Gegend in die Nähe eines Schießplatzes geraten und wollen noch einige Tage bimsen. Morgen will ich Eure lieben Briefe aus fröhlich beantworten. Ich wollte Euch nur das Neueste schnell mitteilen. Brief vom 5. Inhalt vom 6.1. habe ich erhalten, ebenfalls Paket mit Strümpfe, Bratwürste und Kaffeegebäck habe ich erhalten und danke Euch herzlichst dafür. Also meine schönen langen Stiefel bin ich nun doch nicht los geworden. Die Wurst war großartig, nun möchte ich Euch noch um Rauchwaren bitten und nun erklärt sich auch meine Geldbitte, ich wollte doch nicht vor Abschluß meiner Beförderung Euch davon berichten.

Hier kriegen wir ja nun eine berühmte Etappenverpflegung, mächtig mau darum möchte ich eine kleine Auffrischung für meine Speisekammer und ab und zu böse bitten. Bis zur neuen Offensive werden wir jedenfalls hier gedrillt. Mit recht herzlichsten Grüßen schließt Euer Euchliebender Junge

17. Januar 1917

Liebe Eltern!

Heute sende ich Euch in Eile einige Grüße mit einem Urlauber. Bei uns ist das reinste Alpenwetter und jeden Tag eine Besichtigung.

Unsere Adresse hat sich jetzt geändert.

Preußisches Feldart. Reg. No. 4 4. Batt.

Bitte benachrichtigt alle von dem Wechsel der Adresse.

Mit herzlichsten Grüßen von Eurem Gustav

18. Januar 1917

Liebe Eltern!

Gestern Abend habe ich Vaters schwerwiegenden Brief erhalten und dank Euch recht herzlichst dafür. Inzwischen habt Ihr auch erfahren, zu welchem Zwecke ich das Geld benötigte. Nun möchte ich noch um Zusendung der Schießvorschrift für Feldart. bitten nebst Anhang od. Auszug.

Für heute Schluß haben Übung in Eile. Mit herzlichsten Grüßen Euch Euer dankb. Gustav [Sic!]

20. Januar 1917

20.1.17.

Liebe Eltern!

Gestern haben wir ein großes Übungsscharfschießen auf dem Schießplatz gehabt. Nachts 3 Uhr Abmarsch und Abend kehrten wir wieder zurück. Es war sehr schön und interessant wie mächtig kalt. – Unsere Post arbeitet jetzt recht schlecht und habe ich in den letzten Tagen nichts von Euch gehört. Im übrigen geht es uns recht gut, den Empfang des Geldes hatte ich bestätigt. Hoffentlich erhaltet ihr meine Briefe recht regelmäßig. Hier ist es wie in den Alpen, Berg an Berg und dauernd Schnee. Im übrigen haben wir fast jeden Tag Besichtigung zur Übung. Unsere 3. Abteilung ist auch angelangt und zwar mit Feldkanonen. Grüßt bitte Großvater und Onkel von mir, ich habe jetzt zu wenig Zeit. Wenn Vater die Stiefel und Gamaschen nicht gebrauchen sollt, so wäre ich Euch sehr dankbar wenn Vater mir dieselben schenken würde. Bei dieser Nässe können meine Stiefel sonst garnicht recht zum Austrocknen und ich habe immer nasse Füße. Ihr könntet dieselben in einen großen Pakete senden, denn dieselben sind jetzt in 14 Tagen bis 3 Wochen hier. Natürlich nur wenn Vater sie nicht braucht. Als Unteroff. habe ich auch die Berechtigung eine kleine Holzkiste mitzuführen und kann sich so meine Sachen besser unterbringen. Dann möchte ich noch um Tabak bitte, da Zigarrenrauchen doch für immer  zu teuer ist. Ja, der Bengel hat Wünsche, das ist toll. Jetzt ist aber auch Schluß und nehme mir eine kurze Pause. Nun grüßt Euch recht herzlichst Euer Euch immer dankb. Gustav

1. Februar 1917

1.2.17.

Liebe Eltern!

In diesen Tagen habe ich doch eine Masse schöne Sachen von Euch erhalten. Zuerst erhielt ich Eure lieben Pakete vom 17. mit Fisch u. Tabak u. das mit der feinen Sülze und Zigaretten, weiter gestern Abend die feine Mettwurst und Vaters lieben Brief vom 28. Jetzt habe ich erst die Sülze in Angriff genommen, dieselbe schmeckt ausgezeichnet. Für alle Pakete und Briefe meinen herzlichsten Dank. Von dem Fleisch könnt Ihr ruhig einige Dose kaufen denn etwas anderes gibt es beinahe nicht mehr. Ganz so schlimm ist es doch nicht hier, wir haben hier eine einigermaßen anständiges Bett und können uns des Nachts recht schön ausruhen.

Für Vaters liebe Glückwunschk. meinen herzlichsten Dank. Ein Zusammentreffen von Vater und Sohn unter den genannten Umständen wollen wir nicht erhoffen denn es ist doch für uns alle besser wenn alles so bleibt wie es ist. Ein guter Vorgesetzter bin ich immer bestrebt meinen Leuten zu sein und weiß ich ja aus meiner eigenen Dienstzeit wie es mir ergangen hat.

In den nächsten Tagen denken wir wegzukommen, wohin natürlich unbestimmt; aber aller Wahrscheinlichkeit nach weg von hier. Sonst geht es mir noch recht gut und hoffe ich vor allen Dingen, daß auch Ihr alle wohlauf seid. Die Kälte hält bei uns ja immer noch gleichmäßig an.

Bitte grüßt Onkel u. Tante von mir und ich wünsche recht baldige Besserung, werde heute oder morgen selbst schreiben.

Nun seid recht herzlichst gegrüßt von Eurem Euchliebenden [Sic!] Jungen

3. Februar 1917

3.2.17.

Liebe Eltern!

Unsere Geschütze und Mannschaften sind zurück gekehrt vom Schießplatz und haben mit einem Lob abgeschnitten. Hat also alles fein geklappt. Es wird jetzt immer noch kälter, anstatt wärmer und werden wir wohl vorläufig noch zu keiner Aktion verwendet werden.

Wie geht es Euch? Die Verbindung ist leider immer noch nicht geregelt. Bitte sagt auch dem Zeitungsfritzen Bescheid, daß meine Adresse umgeändert.

Für heute nur diese wenigen Zielen, hoffe ich daß meine Post etwas regelmäßig ankommt.

Mit den herzlichsten Grüßen verbleibe ich Euer Junge

28. Februar 1917

28.II.17.              XII.

Liebe Eltern! In wenigen Tagen kommen wir vielleicht nach Deutschland und zwar in die Nähe Magdeburgs. Sollten wir nach Deutschland kommen so telegraphiere ich wenn möglich sofort von meinem Quartierort nach Euch; denn voraussichtlich werden wir nur einige Tage dort bleiben. Es kann auch sein, daß es 14 Tage werden es ist alles noch unbestimmt.

Hoffentlich können wir uns dort wiedersehen. Ihr könnt dann sobald wie möglich nach dort kommen und nach mir fragen.

Mit recht herzlichsten Grü0e Euer Gustav.

Nur noch keinem etwas sagen da unbestimmt und auch möglichst geheim zu halten.

13. März 1917

13.3.17 XVI

Liebe Eltern!

Gestern erhielt ich Euer liebes Paket v. 1. mit Tabak, Zigar. u. Süßheiten. Ich danke für dasselbe sowie Euren lieben Brief herzlichst. Wie ich schon schrieb[,] sind wir jetzt in Stellung und zwar bin ich in der Beobachtung. Haben jetzt sehr viel zu tun da wir uns genau in das Gelände einarbeiten müssen und einrichten in unserem Felsenkeller aber ohne Limoausschank. Von Grete W. erhielt ich vor einigen Tagen ein Paket mit Tabak und einer kleinen Wurst. Bitte dankt Ihnen einmal, ich werde natürlich sehen, daß ich heute zum Schreiben kommen [sic!]. Für Großvaters Brief auch h. Dank u. grüßt bitte alle von mir. Mit den herzlichsten Grüßen verbleibe ich Euer Gustav

14. März 1917

14.III.17 XVII

Liebe Eltern!

Heute morgen habe ich Euer liebes Paket und Brief vom 5.III. erhalten, ich danke Euch herzlichst dafür. Brief vom 17. und 23. kann ich jetzt leider nicht schreiben ob ich erhalten. Habt Ihr sämtliche Nummern erhalten. Habe ich selbige Briefe erhalten so ist der Empfang darin bestätigt.

So einen ähnlichen Posten wie Onkel oder denselben habe ich auch. Bin jetzt auch Beobachter in unserer Hauptbeobachtung. Ein sehr abwechslungsreicher aber auch recht verantwortungsvoller Posten. Wir sitzen hier mit Ablösung Tag und Nacht am Scherenfernrohr und beobachten die feindlichen Gräben und Ettappen [Sic!]. Unsere Beobachtung hier ist großartig und bei guter Sicht können wir bis 25 km hinter den feindlichen Graben sehen. Unser größter Feind ist hier ein feindliches Fort. Im übrigen ist es hier noch einigermaßen ruhig und ist nicht allzu starkes Artilleriefeuer. Meine Arbeit ist nun den feindlichen Schützengraben, etwaige Erarbeiten, Batteriestellungen, Zugangswege und anderes im Auge zu behalten oder aufzusuchen. Zwei feindl. Batt. haben wir gestern schon entdeckt und mit Hilfe von Messinstrumenten genaue Stellung gefunden. Hier bekomme ich erst richtigen Einblick in sämtliche Hilfsmittel und Verteidigungsarten dieses Krieges und lerne ich hier recht viel Neues kennen.

Nach Mutters Brief zu urteilen ist Vatters Arbeitszeit jetzt anders reguliert und ist es für Vater recht gut. So kommt Ich doch beide mehr und öfters frische Luft zu schnappen.

Sollte ich in den nächsten Tagen einmal in Protzenstellung kommen, was ich aber nicht glaube, da wir hier nicht ablösen, will ich versuchen Kaffee zu bekommen. Leider waren wir schon fort von der Charlevilles [Charleville] Gegend als ich den Brief von Mutter bekam.

Jetzt sind wir schon besser eingerichtet und habe ich wieder mehr Zeit und werde wieder öfter schreiben.

Seid recht herzlichst gegrüßt von Eurem dankb. Sohn Gustav

15. März 1917

15.III.18.

Liebe Eltern!

Wie geht es Euch? Ich wünsche und hoffe, daß es Euch recht gut geht. Ich habe jetzt gerade 1. Nummer meiner Nachtwache. Es ist äußerst ruhig warm u. nicht viel zu sehen. Des Nachts bei ruhiger Gefechtslage sitzen wir hier oben zur Beobachtung und haben gleichzeitig den Fernsprecher unter uns. Da bleibt aber immer noch Zeit um einen Brief an die lieben Eltern zu schreiben. In einer Stunde ungefähr kommt der Wagen von der Protzenstellung und kann er gleich meinen Brief an daheim mitnehmen. An Onkel Willy und Großvater habe ich gestern geschrieben. – Unsere I. Abteilung steckt ja noch kreuzfidel in Altengrabow. Na, hier ist es ja auch nicht so übel; aber wir hätten uns einmal schön wiedersehen können. Die Aussichten zu einem Kriegsschluß in diesem Jahre sind anscheinend recht günstig. Wir wollen das Beste hoffen.

Nun seid recht herzlichst gegrüßt von Eurem Gustav

17. März 1917

17.III.17.

18

Liebe Eltern! Vorgestern kam Euer liebes Paket vom 1.III. nebst Brief an. Ich danke Euch herzlichst für die schönen Eier und die frischen Himbeeren. Ja, mit dem schönen Wiedersehen war Essig; vielleicht paßt es noch mal, daß auch wir nach Deutschland kommen können. – Bei uns schwirren in diesen Tagen recht viele Gerüchte umher in Bezug auf Rußland. Ein Aufstand in Petersburg soll ja tatsächlich andem [Sic!] sein und ist es sicher ein gutes Zeichen für die unzufriedene Volksstimmung dort. Das wäre unser größtes Glück wenn dieser Aufstand im Laufe der Zeit mehr um sich greifen würde. Eine Erledigung Rußlands bedeutet doch schließlich einen Friedensschluß unter guten Bedingungen für uns.

Hier ist das Wetter jetzt recht schön und bekommen die Flieger wieder Arbeit. Durch uns wird die Front hier rechtunruhig, da die viele nun hinzugekommene Artillerie den ganzen Tag ballert. Der Franzose ist sich noch nicht echt im Klaren was dies alles bedeutet. – Ich lege ein kleines Bild von unseren früheren Art. Zug und zwar Geschützpark bei [Anmerkung: Foto nicht mehr vorhanden]. Mit den herzlichsten Grüßen Euer Gustav

11. April 1917

30.         11.IV.17.

Liebe Eltern!

Gestern hat es die Feldpost recht gut mit mir gemeint, denn ich erhielt Eure lieben Briefe vom 1., 4., Pak. u. Br. v. 5. und Karte vom 7.4. Für alles meinen herzlichsten Dank. Der Osterkuchen und die Eier schmecken großartig. Mutters Patenstelle ist großartig u. vielleicht auch ganz gewinnbringend. Ich kann Euch heute nur in Kürze für alles danken, dann wir sind heute Nacht nach vorn gekommen.

Inhalt habe ich auch erhalten u. bitte Großvater herzlich zu danken. Vater hat Recht in der Gegend sind wir und werdet Ihr inzwischen auch wohl Näheres aus meinen Briefen ersehen haben. Ich schicke jetzt Karten, daraus könnt Ihr bei Ende einer Reise immer sehen wo das Ziel ist.

Die Verwüstungen hier sind furchtbar und sind die Zeitungsberichte wohl in keinem Falle übertrieben.

Dadurch wird dem Feinde ein Nachkommen sehr schwer gemacht.

Heute muß ich nun schließen. Bin hier auf der Gruppe abkommandiert für einige Tage.

Seid recht herzlichst gegrüßt von Eurem Jungen

14. April 1917

14.IV.17.

Liebe Eltern!

Eure liebe Karte vom 9. habe ich erhalten und danke Euch herzlichst dafür. Bei Euch scheint recht schönes Wetter zu sein, daß Ihr öfters wieder einen Ausflug ins Freie machen könnt. Seit zwei Tagen gefriert es hier nicht mehr und ist auch ganz angenehmes Wetter. Jetzt machen wir hier eine Art Bewegungskrieg, und haben wir die  Trümmer eines Dorfes, morgen die Engländer. – Von Onkel Willy habe ich gestern einen Brief bekommen. Einen schönen Anblick bot uns gestern der brennende Absturz eines feindlichen Fesselballons. Ich bin jetzt auf der Gruppe als Meldereiter und habe meine schöne Arbeit dabei. Die Beobachtern [Sic!] macht ja jetzt mehr Spaß, denn hier gibt es doch allerhand zu sehen.

Bitte grüßt Großvater recht schön von mir und seid herzlichst gegrüßt von Eurem Gustav

18. April 1917

33.         18.IV.17.

Liebe Eltern!

Hause seit gestern Abend wieder hier oben als Befehlsempfänger. Wir haben hier wieder das schlechteste Wetter der Welt; heute Morgen als ich aufstand war alles weiß und dabei sind wir Mitte April. Es scheint der liebe Gott will in diesem Jahre mit Gewalt ein Ende des Krieges herbeiführen.

Ich schreibe heute zur Abwechslung mit Tinte um nicht ganz aus der Gewohnheit zu kommen.

Vorgestern war ich unterw., Befehle abgeliefert, dabei traf ich Wachtmeister Hauer welcher einen Gruß bestellte und mir mitteilte es habe eine Sendung von Euch erhalten.

Bitte grüßt Großvater von mir und seid recht herzlichst gegrüßt von Eurem Gustav

24. April 1917

Geschrieben, den 24.,4.17.

Liebe Eltern!

Heute habe ich zwei Pakete vom 2. erhalten; es scheint doch noch alles zu kommen. Die offene Büchse war noch gut und die geschlossene kann wohl nicht schlecht geworden sein. Seid recht herzlichst gegrüßt von Eurem Gustav

22. Mai 1917

46          22.5.17.

Liebe Eltern!

Heute geht es wieder in den Krieg. Um 6 Uhr fährt der alte Krieger in Stellung. Nachher werde ich mir noch die Neueste Kölnische zulegen. Vielleicht kann ich gleich unten bleiben, das inzwischen Frieden gemacht worden ist. Na es ist schon besser da bin ich selbst mit dabei und winke dann noch den Engländern rüber. Heute habe ich Großvater geschrieben, auch Onkel Willy schrieb ich vor einigen Tagen.

Sollte ich in den nächsten beiden Tagen nicht zum Schreiben kommen so wünsche ich Euch heute schon recht vergnügte Pfingstfeiertage und den schönsten Sonnenschein, dazu beste Gesundheit.

Seid recht herzlichst gegrüßt von Eurem Jungen

4. Juni 1917

52           4.6.17.

Liebe Eltern!

Aus Bad Eilsen erhielt ich Eure liebe Karte, die Ihr am Schlußtage von Eurem hoffentlich recht schönen Ausflug mir sandtet. Das scheint ein hübsches Haus zu sein und wünsche ich Mutter recht gute und baldige Besserung. Hat Mutter denn immer noch mit der Hand zu tun? Hoffentlich bekomme ich heute einen Brief von Euch über die schöne Pfingstfahrt. Mit bestem Dank grüßt Euch herzlichst Euer Gustav

9. Juni 1917

9.6.1917

Lieber Vater!

Heute erhielt ich Deine Geldsendung und danke Dir recht herzlich dafür; auch für deine lieben Zeilen. Sehe ich doch daraus, daß es Dir gut geht. Heute sende ich mein Eisernes Kreuz ab und eine Brieftaube. Telegrammhülfe mit dem 1. Telegramm von unserem Schießen mit Brieftaubenverbindung. Jetzt gibt es reichlich Dienst hier, welcher morgens um 5 Uhr beginnt und sich an den Übungsabenden für Blinken bis 12 Uhr hinzieht. Zwischendurch eine 2-3 stündige Mittagsruhe. Sei recht herzlichst gegrüßt und bleibe hübsch gesund, lieber Vater von Deinem Gustav

14. Juni 1917

14.6.1917.

Liebe Eltern!

Die herzlichsten Grüße sende ich Euch heute wieder von oben. Verg. Nacht sind wir hochgewandert. Morgen schreibe ich mehr. Bis dahin seid herzlichst gegrüßt von Eurem Gustav

29. Juni 1917

29.6.17.

Liebe Eltern!

Hier regnet es tüchtig weiter und ich glaube, daß auch doch kein schönes Wetter zum Wandern ins Freie ist. Jedoch ist dieser herrliche, warme Regen für die Landwirtschaft von großem Wert. Ich hoffe, daß es unser Mutter in allem anderen recht gut geht und grüßt Euch herzlichst Euer Gustav

3. Juli 1917

3.7.17.

Liebe Mutter!

Jetzt leucht die Sonne wieder und wünsche ich, daß auch Du so schönes Wetter hast fort. Die lange Regenzeit muß doch recht langweilig gewesen sein. Morgen kommt Brief von mir geht heute auch ab. Sei recht herzlichst gegrüßt und lasse es Dir gut gehen von Deinem Gustav

7. Juli 1917

7.7.1917.

Liebe Eltern!

Heute erhielt ich Mutters Paket vom 29. Ich danke Euch herzlichst dafür. Wie geht es Euch? Ist bei Euch auch das herrliche Wetter. Heute Abend oder morgen schreibe wieder ausführlicher. Ich wünsche Dir, liebe Mutter weiterrecht gute Besserung und grüßt Euch herzlichst Euer Gustav.

Für Karte v. Arensburg besten Dank.

26. August 1917

16.8.1917.

Liebe Mutter! Für Deinen lieben Brief vom 21.8. danke ich Dir recht herzlichst. Morgen schreibe ich Brief. Vaters Paket ist unten gelandet wie ich heute hörte gesehen habe ich es noch nicht. Das ist ganz recht, daß Du mit Bleistift im Freien schreibst. Ich kann so auch recht gut lesen und du mußt Dich immer hübsch pflegen. Dein Befinden bessert sich jetzt zusehends. Darob große Freude und wünsche ich Dir weiter recht gute Besserung. Seid recht herzlichst gegrüßt von Eurem Gustav

7. September 1917

Liebe Mutter!

Jetzt ist es sicher auch schönes Wetter bei Dir. Genieße diese Tage nur noch recht schön. Es wird nicht mehr lange dauern dann wird´s wieder kalt werden. Morgen schreibe mir. Sei recht herzlich gegrüßt von Deinem Gustav

Herzl. Grüße an Großvater.

8. September 1917

Ansichtskarte von Reims

8.9.1917

Liebe Eltern!

Wie geht es Euch? Kennt Ihr diesen Ort wieder nach einigen Bildern, welche ich Euch zugesandt habe früher. In der Mitte der große jetzt zerstörte Prachtbau. Ich wünsche Euch bestes Wohlergehen und grüßt Euch herzlichst Euer Gustav

8. September 1917

Liebe Eltern!

Auf dem Baume, da sitzt ein (Pl. wie ein Artillerist) [Sic!]. Also soweit ist noch recht lustig hier. Ich wünsche, daß es auch Euch recht gut geht und Mutter inzwischen wieder 1 Pfund Zunahme melden kann. So seid recht herzlichst gegrüßt von Eurem Jungen

9. September 1917

9.9.1917

Liebe Eltern!

Noch immer ist uns Petrus mit seinem schönen Wetter hold. Auch geht hier noch alles seinen alten Gang. Dennoch gibt es herzlich wenig Neues zu berichten. Ich wünsche Euch auch recht schönes Wetter und noch viele vergnügte Tage. Es grüßt Euch recht herzlichst Euer Gustav

23. September 1917

Geschrieben, den 23.9.1917.

Liebe Eltern!

Ein Wunder im Westen: Ende September gutes Sommerwetter. Diese schöne Zeit muß Mutter in Hannover aber noch wahrnehmen und tüchtig spazieren gehen. So kommt doch hoffentlich wieder jede Woche ein neues Pfund dazu. Vater hoffe ich geht es auch recht gut. Morgen schreibe ich aus führlicher [Sic!]; mir geht es noch recht gut und grüßt Euch herzlichst Euer Gustav

21. September 1917

Geschrieben, den 21.Sept. 1917.

Liebe Mutter!

Das pikante Frühstück habe ich so ziemlich intus. Ich danke Dir für dasselbe sowie Deine lieben Zeilen herzlichst. Ich glaube Du siehst schon in H. und habe meinen letzten Brief nach dort gesandt. Da muß der Brief verloren gegangen sein. Karten habe ich mitgeschickt. Grüße Vater von mir und sei herzlichst gegrüßt v. D. Jungen

23. September 1917

Liebe Eltern!

Gestern habe ich Mutters Brief herhalten, auch Dein Mutter wieder in H.

Mit geht es noch recht gut. Seid recht herzlichst gegrüßt von Eurem Jungen

30. September 1917

Liebe Eltern!

Für Mutters Brief vom 24.9. meinen herzlichsten Dank. Unsere Ablösung ist da. Heute oder morgen dampft d. 234 Div. [Anmerkung jw: 234. Infanterie-Division] ab. Also ist der Rummel für uns vorüber. Morgen schreibe mehr. Muß heute Nachmittag kleine Fahrt nach den Gräbern der Gefallenen von uns machen, zwecks Photographieren. Seid recht herzlichst gegrüßt von Eurem Jungen

30. September 1917

30.9.1917.

Liebe Eltern!

Man höre und staune in 3 Tagen ein Paket beim Jungen. Paket vom 26. mit Schinken und Keks ist gelandet. Danke Euch recht herzlich für die lieben Zeilen von Mutter und Inhalt. Keks habe ich zum Kaffee verzehrt und beim Schinken habe ich zum Frühstück angefangen. Ich habe immer Angst es wird schlecht!! – Aus meinem Brief habt Ihr gehört, daß Ablösung in nächster Nähe ist und dauert es nicht mehr lange und wir verschwinden. Jetzt ist es hier recht ruhig geworden.

Es grüßt Euch recht herzlichst Euer Gustav

18. Oktober 1917

18.10.1917.

Liebe Eltern!

Gestern habe Euch Honigkuchen und Zigarillos erhalten. Ich danke Euch für beides recht herzlichst.

Vielleicht fahre ich übermorgen nach Lille. Dort wird eine nette Oper gegeben. – Jetzt habe ich hier eine Marketenderei ausgekundschaftet. In 4-6 Tagen bekommen sie wieder Zucker, Kakao, Schokolade. Da kann ich 20-25 Pfund von Ersterem bekommen, unter der Hand natürlich. Ich schicke Euch dann denselben bei nächster Gelegenheit mit. Habt Ihr meinen Koffer erhalten? Im Brief schickt bitte kein Geld wieder, Brief ist nicht da. Seid recht herzlichst gegrüßt v. E. Gustav

19. Oktober 1917

19.10.1917.

Liebe Eltern! Heute ist hier Mutters Brief vom 16. eingetroffen. Meinen herzlichsten Dank dafür. Das rückständige Paket und ein Brief mit Inhalt ist nicht angekommen. Sendet auch bitte nichts mehr im Briefe. Es wisse hier auch schon zu viele, daß ich ab und zu Geld im Brief geschickt bekommen und hier und da ist doch jemand darunter, der es auch gut gebrauchen kann. Mit meiner Theaterreise wird es nichts, ich muß wieder in Stellung da ein Kamerad abkommandiert ist. Fahre vielleicht in 8 Tagen bei meiner Rückkehr einmal nach dort. – Bin heute Nachmittag bei den Logarithmen angekommen. Schon lieber wäre es mir wenn ich mit Vaters Hilfe weiter arbeiten könnte. Wenn wir doch wenigstens Rußland zu einem Frieden zwingen könnten. Mit den anderen Mächten ist nicht viel zu bestehen. In Rußland gibt jetzt von Zeit zu Zeit immer eine Überraschung.

Es grüßt Euch recht herzlichst Euer Gustav

Ist d. Koffer noch nicht angekommen?

20. Oktober 1917

10.20.1917

Liebe Eltern!

Bin wie ich Euch schon geschrieben beim Berechnen von Logarithmen. Mein Buch kommt hier immer auf die eine Buch von Schlömilch zurück: Fünfstellige Logarithmen und trigonometrische Tafeln, heraus gegeben von Dr. Schlömilch, Vieweg & Sohn, Braunschweig. Da möchte ich Euch bitten mir doch dasselbe, falls Vater nicht etwas besseres hat, zu besorgen. Ich werde solange an die Gleichungen mit zwei Unbekannten gehen. Anfang Dezember hoffe ich auf Urlaub zu kommen und kann ich dann mit Vater noch eingehend über alles sprechen.

Seid recht herzlichst gegrüßt von Eurem Gustav

9. November 1917

7.            9.11.1917

Liebe Eltern! Gestern war die Post so freundlich mir wieder einen Brief von Euch zu bringen und zwar vom 5. Ich danke Euch für denselben herzlichst. Also die Hoffnung auf Beefsteak und Sellerie und auch die vielen ausgebliebenen Briefe kann ich ruhig begraben. Die Post von hier nach Euch scheint doch wenigstens etwas besser zu arbeiten. – Zu dem Hasen wünsche ich Euch recht guten Appetit. An die schöne Kriegsgans denke ich schon noch, aber geschmeckt hat sie mir doch. Ich hoffe meinen Urlaub zu Weihnachten oder Neujahr schieben zu können. Ich greife natürlich zu wenn es paßt.

Vater wünsche ich recht gute Besserung und grüßt Euch recht herzlichst Euer Gustav

10. November 1917

10.11.1918.

Liebe Eltern! Heute habe ich den Bericht vom 8. bekommen: 250000 Gefangene, 2300 Geschütze. Das ist ganz schön; eigentlich müßte in Italien das Volk bald zur Vernunft kommen. Bei uns wurde gestern alles Möglich gemunkelt. Es kann es nur noch nicht recht glauben, denn es war nicht amtlich. Vielleicht bewahrheitet sich Mutters Voraussage auf meine letzten Urlaub. Ich kann es mir noch garnicht recht vorstellen, das wird Mordsfest geben.

Heute Abend hoffe ich von Euch Nachricht zu erhalten. Seid herzlichst gegrüßt von Eurem Gustav

13. November 1917

13.11.1917.

Liebe Eltern! Die Hannoversche Post ausgerechnet scheint eine Sperre eingeführt zu haben. Letzte Nachricht von Euch ist vom 5. Das ist doch bald nicht mehr schön. Ich verstehe nicht, daß fast alle Post sogar die Briefe nicht ankommen. Sonst gibt es ja recht wenig Neues. Unsere höheren Vorgesetzten lassen jetzt Stöße von Meldungen los und heißt es dauernd machen, schreiben im Gelände rum laufen und neu einschießen. Ich hoffe, es geht Euch recht gut und grüßt Euch recht herzlichst Euer Gustav

14. November 1917

10.         14.11.1917.

Liebe Eltern! Heute hat mir endlich nach langen Warten die Feldpost wieder die ersten Zeilen zukommen lassen. Ich habe Paket vom 7. mit Rauchartikeln und Keks bekommen, danke Euch für dasselbe recht herzlichst.

Das ist rein haarsträubend was jetzt alles bei mir an Post ausbleibt. Mit dem Dauerurlaub wird es ja noch nichts; aber vielleicht wird irgend ein feindliches Land noch vernünftig in diesen Jahre. Unsere neuen Geschütze sind schon gelandet; in einigen Tagen  werden wir sie hoch bekommen. Jeden Tag gibt es jetzt bei und von oben herab einen Berg Befehle, ein Haufen Arbeit. Seid recht herzlichst gegrüßt von Eurem Gustav

16. November 1917

16.11.1917.

Liebe Eltern! Das war aber eine Freude, gleich zwei Briefe von Vater und von Mutter, meinen herzlichsten Dank dafür. Ganz so eilig geht es meiner Meinung nach mit dem Frieden nun doch nicht. Der Engländer bemüht sich mit allen ihm zur Verfügung stehenden Kräften einen Erfolg in Flandern zu erringen. Das ist mir immer recht auffallend, denn es ist doch furchtbar sinnlos wenn er bis zum nächsten Jahr aushalten könnte.

Ohne einen aufständigen Kater allerseits darf es natürlich nicht abgehen. Bei der vielen Arbeit jetzt kann ich nicht von hier weg; meinen Junker bekomme ich jedoch bestimmt. Seid recht herzlich gegrüßt von Eurem Jungen

20. November 1917

20.11.1917.

Liebe Eltern!

Jetzt haben mich aber doch zwei Fleischklöße richtig gehend und in gutem Zustand erreicht. Ich danke für das Paket recht herzlichst. Bei uns geht alles einen alltäglichen Gang. Heute hatten wir vom frühen Morgen bis jetzt Befehlsübung, eine schöne Arbeit wieder. Fast die ganze Stellung hatte d. Rind. Es ist aber inzwischen dank unserer allgemeinen Tüchtigkeit wieder raus geworfen. Ich denke ja jetzt schon eifrig an die kommenden Urlaubstage.

In nächster Zeit soll wieder ein kleines Unternehmen von uns gemacht werden.

Morgen schreibe mehr, Brief soll noch mit. Seid recht herzlichst gegrüßt  von Eurem Gustav

27. November 1917

27.XI.1917.

Liebe Eltern!

Regen und ununterbrochen Regen, das schöne Herbstwetter. Mir geht es soweit noch recht gut und hoffe ich, daß es Euch hervorragend geht. Meinen Kursus ist zur Abwechslung wieder verschoben oder vielleicht auch gänzlich weggefallen. Jetzt ist wieder eine Zeit der Vermutungen und Erwartungen.

In den nächsten Tagen mehr.

Seid recht herzlichst gegrüßt von Eurem Gustav

5. Dezember 1917

5.12.1917.

Liebe Eltern! Mutters Brief vom 1. ist gestern gelandet, für die lieben Zeilen herzlichen Dank. Und erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Mit der Ruhe war nichts, mit dem Besorgen von Zucker auch nicht, denn ich hätte auch nicht gewußt wie ich ihn transportieren sollte. Mit meine Urlaub wird dennoch auch vorläufig nichts und werde ich noch verschiedene Wochen zu warten haben. Frieden wird es im Westen ohne Kämpfe nicht geben und geht es hoffentlich bald ran an den Speck. – So muß ich leider auch vorschlagen mit der 2. Gans nicht zu lange zu warten; da ich in diesem Jahr in Anfang nächsten auf keine Urlaub rechnen kann. Ich glaube in einigen Tagen darf wieder ein ganz minimaler Satz abreisen. Ich hoffe aber für Anfang nächsten Jahres auf einen baldigen Dauerurlaub wenigstens Frieden.

Nun seid recht herzlich gegrüßt von Eurem Jungen

7. Dezember 1917

7.12.1917.

Liebe Eltern!

Eure Sendung Geld habe ich erhalten, ich danke Euch recht herzlichst dafür. Wir sind schon wieder auf Reisen und daher wenig Zeit. Hoffe morgen mehr schreiben zu können. Mir geht noch gut und hoffe, daß es meinen lieben Eltern auch recht gut geht. Seid recht herzlichst gegrüßt von Eurem Gustav

15. Dezember 1917

15.12.1917

Liebe Eltern!

In Eile einige Zeilen. Für Eurer Paket und Vaters liebe Zeilen herzl. Dank. Mir geht es so lala und freut es mich auch von Euch zu hören, daß Ihr Euch wohlauf befindet.

Das Weihnachtsfest rückt immer näher und noch hat sich nichts geändert.

Seid recht herzlichst gegrüßt von Eurem Gustav

23. Dezember 1917

23.12.1917

Liebe Eltern! Morgen ist schon d. hohe Festtag, auf welchen man sich so sehr freut. Ich wünsche, daß Ihr es recht fröhlich habt und vergnügt gefeiert habt. Morgen Abend werden ich Euer gedenken und mich auf das kommende Fest freuen, daß doch endlich im Frieden gefeiert werden muß. All zu lange kann der Krieg doch nun nicht mehr anhalten und wird uns dann ein recht sonniges Zusammensein beschert sein. Bleibt hübsch gesund und lustig liebe Eltern und seid recht herzlichst gegrüßt von Eurem Jungen

25. Dezember 1917

25.12.1917.

Liebe Eltern! Zum allgemeinen Entsetzen ist der Witterungsumschlag doch schon da. Heute Morgen begrüßte uns die Natur gleich mit dem in solchem Gelände von hier üblichen Morast. Für manchen Menschen in Deutschland ist die milde Temperatur besser, denn die Kohlen sind doch wohl recht knapp. 50 Kälte im ungeheizten Zimmer ist auch keine verlockende Aussicht. Darum hat dieses Wetter auch sein gutes. Vielleicht ist morgen die Post so gütig und bringt mir Nachricht von der Haus. Einen herzlichen Weihnachtsgruß von Eurem Gustav

3. Januar 1918

3.1.1918

Liebe Eltern!

Schinken ist angekommen; auch der Nachtisch lag oben darauf. Das ist aber wieder was für den Schlot.

Ich danke Euch herzlichst mit einer Träne im Auge.

Rein fürstlich lebt der Krieger jetzt. Etwas scheint sich unsere Post zu bessern. Vielleicht gehen die Briefe auch noch der Heimat etwas schneller.

Seid recht herzlichst gegrüßt von Euerm dankb. Jungen

4. Januar 1918

4.1.1918.

Liebe Eltern!

Gestern sind die Eier bei mir gelandet. Trotzdem die Kiste entzwei war, war keins derselben kaputt. Für das Paket und die lieben Seiten herzlichsten Dank.

Hier heult jetzt die ganze Welt und ist es wieder garnicht dreckig. Die schönen Alarmgerüchte haben sich leider noch nicht bewahrheitet, aber was nicht ist das kann noch werden.

Einen herzlichen Gruß von Euerm Jungen

7. Januar 1918

7.1.1918.

Liebe Eltern!

Mein Handtuch geht seinem Verfall entgegen und bin ich zu dem Entschluß bei Muttern anzufragen wegen Ersatz des alten. Es soll auch nur ein älteres sein aber möglichst eines wo ich nicht immer mit meinen ganzen Kopf durchrutsche.

Der Engländer vergnügt sich heute Nachmittag damit, daß er in den vorliegenden Grund schießt in dem Glauben eine Batt. Stellung ausräuchern zu können. Früher hat einmal dort etwas gestanden, 70 Schuß habe ich schon gezählt. Seid recht herzlichst gegrüßt von Eurem Jungen

8. Januar 1918

Liebe Eltern! Recht lange habt Ihr nichts von mir erhalten. Einige Zeit hatte ich recht wenig geschrieben; aber so lange war der Unterschied denn doch nicht. Mutters Brief vom 3. habe ich gestern erhalten. In Russischer Sache hat es eine Meinungsverschiedenheit gegeben. Wir befinden uns in vollem Recht und hat es keinen zweck derartige Forderungen zu bewilligen. Vielleicht wird der Russe doch vernünftig, sonst ist auch der Haupthalt der Bolschewikis fort. Mutters dumme Hand streikt also doch schon wieder, das ist recht betrübend. – Da läuft mir das Wasser im Munde zusammen bei den feinen Klößen.

Ich wünsche Euch beste Gesundheit und grüßt herzlichst Euer Gustav

9. Januar 1918

Liebe Eltern! Leider sind die Verhältnisse mit Rußland noch nicht geklärt. Ein direkten Abbruch der Verhandlungen kann ich mir nicht recht vorstellen. Jetzt ist wieder eine kritische Zeit in welcher man gespannt auf jede Nachricht wartet. Haltet mir die Daumen steif ich komme vielleicht doch noch früher mit Urlaub an die Reihe, Anfang nächsten Monats.

Mit den herzlichsten Grüßen Euer Gustav

10. Januar 1918

Liebe Eltern! Heute habe ich Mutters Brief vom 4.1. erhalten. Für alles meinen herzlichsten Dank. An unsere gemütliche Eck bei Vater, sowie hinten habe ich recht oft gedacht. Ich hoffe doch, daß nun bald der endgültige Schlag kommt. Dann wollen wir die Tage recht zufrieden und froh zusammen verleben.

An Paketen habe ich Schinken, Eier u. Rauchpaket bekommen, Selleriepaket fehlt noch ebenfalls Tante l. Paket. Wird aber noch kommen, da noch recht viele Sachen bei Kameraden fehlen. Rußland ist doch wieder angetanzt gekommen, nur noch reichlich Unklarheit herrscht dort.

Euch, liebe Eltern gute Gesundheit wünschend, grüßt  herzl. Euer Junge

17. Januar 1918

17.1.1918.

Liebe Eltern! Mutters Brief vom 13. und das Paket mit Marmelade ist angekommen. Ich danke für beides recht herzlichst. Mein Urlaub wird wenn alles gut geht Anfang Februar, günstigenfalls auch Ende d. M. kommen. Da muß ich Vaters Geldbeutel noch einmal zur Last fallen. Dieses Mal gedenke ich eine anständige Portion Zigarren mitzubringen, die ich hier in einigermaßen anständiger Verfassung und so viel wie ich will erhalten kann. Meine 100 M sind noch nicht alle aber recht viel bekommt man heute nicht mehr dafür. – Die Rede von Hoffmann in Brest-L. hat mir recht gut gefallen, das würde zu toll mit den Russen. Nun wünsche ich uns, daß der Urlaub nicht wieder gesperrt wird.

Mit recht herzlichen Grüßen verbleibe ich Euer Gustav

20. Januar 1918

Liebe Eltern! Zum allgemeinen Ärgernis ist der Urlaub schon wieder auf 2% Prozent herabgesetzt. Das verschiebt meinen Urlaub nahezu um einen Monat. Ja, das ist zum Steinerweichen. Wenn nicht d. Befürchtung eines gänzlichen Schlusses da wäre ginge es ja. Jedoch in diesem Jahre ist es richtig unsicher. Nun noch 14 Tage brauchten die Brüder zu warten dann wär ich an der Reihe. Die Heringe habe ich gutem Zustand erhalten, die Dose hat sehr gut geschlossen. Ich wünsche nun, daß es meinen lieben Eltern recht gut geht und grüßt Euch herzlichst Euer Junge

17. Januar 1918

Liebe Eltern! Mutters Brief vom 13. und das Paket mit Marmelade ist angekommen. Ich dank für beides recht herzlichst. Mein Urlaub wird wenn alles gut geht Anfang Februar, günstigenfalls auch Ende d. M. kommen. Da muß ich Vaters Geldbeutel noch einmal zur Last fallen. Dieses Mal gedenke ich eine anständige Portion Zigarren mitzubringen, die ich hier in einigermaßen anständiger Verfassung und so viel wie ich will erhalten kann. Meine 100 M sind noch nicht alle aber recht viel bekommt man heute nicht mehr dafür. – Die Rede von Hoffmann in Brest-L. hat mir recht gut gefallen, das würde zu toll mit den Russen. Nun wünsche ich uns, daß der Urlaub nicht wieder gesperrt wird. Mit recht herzlichen Grüßen verbleibe ich Euer Gustav

Kriegslazarett 686, Station 7, Saal 19 („Villa van Gulik“ in Goch)

19. Mai 1918

Liebe Eltern!

Jetzt bin ich hier in Mons angekommen gestern Abend zwei einhalb Tag haben wir in [Arbux?] auf der Sammelstelle gelegen und waren wir von jeder Postverbindung abgeschnitten. Hoffentlich habt Ihr Euch nicht zu arg beunruhigt. Besser ist meine Krankheit gerade noch nicht und hat mir auch hier der Stabsarzt Bettruhe verordnet. Es ist aber doch alles keine wirksame Kur zum Rheumatismus raustreiben. Hier habe ich aber wenigstens anständig borden können und liege in einem weißen Bett. Ich werde mich diese Tage noch dem Namen des Stabsarztes erkundigen, der uns behandelt. Es ist hier recht schwer fort zu kommen, werde aber mein Möglichstes tun. Hier ist ein bayer. Kriegslaz. und augenblicklich ganz voll. Ist Mutter wieder in Eilsen und wie geht es meinen lieben Eltern. Der Zug, der uns gestern Abend nach hier brachte ist heute weiter nach Aachen gefahren. Wäre mächtig gern mitgefahren mußten aber alle raus. Vielleicht glückt es noch einmal.

Seid ihr herzlichst gegrüßt von Eurem Gustav

20. Mai 1918

20.5.1918

Lieber Vater!

Heute kann ich Dir den Namen des Arztes welcher mich behandelt schreiben. Er heißt Stabsarzt Molitor. Also, lieber Vater wenn sich irgend etwas machen läßt ich würde mich riesig freuen.

Wir liegen hier zu 100 Mann in einem großen Saal und kann man beim Durchgang herzlich wenig sagen.

Der Brief soll noch schnell fort. Es grüßt Dich und Mutter herzlichst Dein Junge

Adresse für Arzt genügt Kriegslaz. 686, Stat. 7, Deutsche Feldpost 35.

21. Mai 1918

Liebe Eltern!

Seit 2 Tagen ist hier im Garten des Abends Musik und ist dies eine recht nette Abwechslung. Sehr lagen ist es schon her gewesen, daß ich keine Musik gehört. Ein Kamerad von meiner Batt. liegt auch hier. Soweit ist es ganz nett. Nur unsere Schwester taugt absolut nichts. Von Freundlichkeit keine Spur, den ganzen Tag der Feldwebelton.

Schreibt mir bitte sofort was Vater in der Sache getan hat. Hier wird bei Rheumatismus und ähnlichen Krankheiten lediglich nach dem Fieber geurteilt und merkwürdigerweise geht es gerade hier bei mir runter, trotzdem ich noch immer Rheumatismus habe. Wenn es denn hier nicht möglich si versuche ich von der Genesungskomp. meinen Urlaub zu bekommen. Ich wünsche Euch bestes Wohlergehen und grüßt Euch herzlichst Euer Junge

21. Mai 1918

21.5.1918

Liebe Eltern!

Da mein Fieber seit heute aufgehört hat glaube ich kaum, daß Vaters Bemühungen etwas nützen werden. Ich habe mich allerwärts eingehend erkundigt und erfahren, daß ich eventuell von der Genesungsabteilung aus Urlaub bekommen kann. Von hier aus komme ich voraussichtlich 14 Tage nach dort. Bei dem jetzigen Trubel könnt Ihr Euch denken daß hier Schnellkuren an der Mode sind. Es läßt sich ja allerwärts etwas machen und ich habe die feste Absicht mein Möglichstes zu tun. Nun möchte ich Vater noch einmal wieder um Geld bitten; aber damit kommt man immer am weitesten. Ich will es versuchen. In der Gen. Abt. gibt es allerhand schöne Abkommandierungen, z.B. Transporte nach Deutschl., Ukraine und Posten im Lazarett usw. Vielleicht ist es mir dann auf diese Art möglich. Seid recht herzlichst grüßt von Eurem Jungen

22. Mai 1918

Liebe Mutter!

Heute habe ich erst Deinen lieben Brief erhalten indem Du mir Deinen neuen Aufenthaltsort mitteilst. Durch die Umherzieherei ist die Adresse beständig eine andere. Jetzt ist jedoch kein Grund zur Beunruhigung da, vorläufig bin ich noch hier im Lazarett und dann geht es erst zur Genesungsabteilung. Außerdem schreibe ich auch vorher. Hier ist es ganz nett. Vor allen Dingen liege ich hier sauber u. nicht so traurig in einem Holzbett wie in Palluel.

Nun wünsche ich Dir, liebe Mutter bestes Wohlergehen und recht gute Erholung. Nimm recht gut zu, vielleicht komme auch ich doch noch einmal nach Deutschland.

Sie recht herzlichst gegrüßt von Deinem Jungen

23. Mai 1918

23.5.1918

Liebe Mutter!

Dein Brief aus dem neune Heim habe ich heute erhalten. Nun weißt Du ja auch schon, daß ich in Mons liege. So einfach mit dem Wunsch äußern ist das nicht, schließlich will jeder krank nach Deutschland. Die Ärzte haben aber doch Befehl möglichst viel zur Front zurück zu senden. Gerade mein Leiden kommt häufig vor und gibt sich oder wenigstens wird besser noch einige Tagen im warmen Bett bei guter Verpflegung. Natürlich darf man die Hoffnung nicht aufgeben, vielleicht glückt es dennoch. Lazarettzüge gehen von hier jeden Tag nach Deutschland. Die 50 M habe ich erhalten und habe dies auch sofort bestätigt, auch glaube ich sämtliche mir angekündigte Pakete erhalten zu haben. Jedes erhaltene Parket habe ich aber auch bestätigt. Da müssen Briefe von mir verloren gegangen sein. Ich schrieb vom Feldlaz. aus sehr oft und hoffe ich, daß Ihr die rückständige Post noch erhaltet.

Meiner lieben Mutter wünsche ich recht gute Erholung und Dir reichliche Zunahme am Körper.

Bitte grüßt Vater und sei auch herzlichst gegrüßt v. Deinen Gustav

20. Juli 1918

Am 20. Juli 1917 abgesandte Ansichtskarte

Liebe Mutter!

Umstehend eine Ansicht einiger vornehmer Behausungen. Durch diesen Hohlweg bin ich schon des öfteren streift, nur etwas bunter siehts dort aus.

Hoffend, daß noch alles frisch u. munter grüßt Dich herzl. D. Gustav

3. August 1918

3.8.1918.

Liebe Mutter!

Das erst Paket ist auf der Bestimmungsstation gelandet. Ich dank Dir herzlich für die süßen Grüße und Zigaretten. Hier hat d. neue Jahr mit Regen begonnen und sieht wenig erfreulich aus. Man munkelt heute von einem Friedensgedankenaustausch zwischen Hertling u. Wilson. Nur scheint mir dieses Gerücht wenig glaubhaft. Hoffentlich ist dort die Witterung etwas günstiger. Dir gute Besserung wünschend, grüßt Dich herzlichst Dein dich liebender Junge

Lazarett in Linz am Rhein (September 1918)

Widmung des Fotos

Linz a/Rh. 28/9.18

Zur freundlichen Erinnerung an unsere Leidenstage im schönen Linz a/Rh.

Dein Kam. Rainer

+ Frau Hbg. 12. Grindelallee 102 I

Reserve-Lazarett Henriettenstift (Hannover)

17. Oktober 1918

Liebe Mutter!

Wat mocket Sei denn! Immer noch lustig und fidel. Wir haben auch gestern einen vergnügten Tag verlebt bei Onkel. Natürlich mit riesig viel Kaffee u. Kuchen wurden wir versehen, sodaß ich ernstlich bange um meinen hoch wohllöblichen Bauch war. Eigentlich solltest Du in einer Gummiblase eine Portion zu 2,50 M haben, aber Gummi ist knapp. Nun erscheinst Du auch bald im schönen Hannover, schreibe Deinen Bengel inzwischen einmal. Iß Dir inzwischen noch einen kleinen Schmerbauch am und bleib hübsch munter.

Es grüßt Dich herzlichst Dein Junge

19. Oktober 1918

Liebe Mutter!

Nun hast Du´s aber bald erreicht. Um einen Tag hat sich Deine Ankunft verschoben, aber Vater kann ja auch nicht. Jetzt ist bei ihm wieder Hochkonjunktur, ein Mordsbetrieb. Großmutter ist immer in Angst, daß Kaffee oder Essen kalt wird wenn Vater wieder das Essen bei der vielen Arbeit vergessen. – Gestern habe ich Tante Leni begrüßt, sieht trotz ihrer überstandenen Krankheit großartig aus und kommt es mir vor als ob sie noch dicker geworden.

Vergnüge Dich noch recht schön, auf frohes Wiedersehen. Es grüßt Dich herzlichst Dein Junge

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Feldpostbriefe von Karl Paelecke aus Schneflingen (1940-1944)

Karl Paelecke wurde am 9. November 1911 in Emmerstedt (Kreis Helmstedt) geboren. Er heiratete Erna, geb. Wolf aus Schneflingen zu einem bisher unbekannten Zeitpunkt. Erna Paelecke (1913-1987) war die einzige Tochter von Heinrich Wolf und Martha, geb. Klopp (1888-1954). Heinrich Wolf (1886-vermisst 1914) wurde im September 1914 während seines Einsatzes an der französischen Front als vermisst gemeldet. Erna Wolf war die Erbin der Hofstelle in Schneflingen.

Karl Paelecke und seine Ehefrau Erna hatten einen gemeinsamen Sohn, Heinrich Paelecke (1933-2023).

Karl Paelecke wurde am 1. März 1940 eingezogen und wurden nach seiner Ausbildung bei der Infanterie-Divisions-Kolonne 123 eingesetzt. Im November 1943 erfolgte die Versetzung zum Grenadierregiment 418.

Besonders zu erwähnen ist sein 14-monatiger Einsatz während der Kesselschlacht von Demjansk.

Für seinen Kriegseinsatz erhielt Paelecke folgende Auszeichnungen:

  • Ostmedaille (Winterschlacht im Osten 1941/42)
  • Demjanskschild
  • Kriegsverdienstkreuz 2. Klasse mit Schwertern

In den Unterlagen der Familie Paelecke gibt es ein Schriftstück über Karl Paeleckes Einsatz im Zweiten Weltkrieg. Vermutlich wurdes dieses von seiner Ehefrau angefertigt.

Karl Paeleckes Einsatz im 2. Weltkrieg

Karl wurde eingezogen am 1. März 1940[,] war 4 Wochen in Hannover am Welfenpl. zur Ausbildung bei der Fahrkolonne, kam dann nach der Eifel, rückte als der Westfeldzug begann ins Feld. War daselbst bis September, kam dann nach Landsberg (in der Nordmark) bis März 1941. Dann begann die Fahrt mit Pferd u. Wagen durch Postpreußen hinauf bis Gumbinen. Überschritt die russische Grenze am 22. Juni [1941] als der Ostfeldzug begann. Der Vormarsch ging bis zum Ilmensee[,] wo er mit seinen Kameraden 14 Monate eingeschlossen war. Der Kessel wurde geräumt[,] im Februar 1943 kam [er] zurück bis Veliskije Luki[,] von wo er nach 30 Monaten in Urlaub fahren konnte. Im September ging die Fahrt zum Süden der Ostfront. Am 10. November wurde er zur Infanterie gerufen[,] wo er am 24.11.[1943] zum Einsatz kam bei Saboronje. Nach schweren Wochen kurz vor seinem Urlaub ist er am 29.I.44 bei Jelenovka (Südwestlich Dnjepropetrowsk) gefallen u. in Nowi-Wassiljewka zur letzten Ruhe gebettet. Sein Alter beträgt 32 Jahre 2 Monate 20 Tage.

Feldpost von Karl Paelecke an seine Familie in Schneflingen

Die überlieferten Feldpostbriefe von Karl Paelecke an seine Familie in Schneflingen sind nur lückenhaft erhalten. Den letzten Brief schicke Paelecke im Januar 1944 ab, jedoch ist nur der Briefumschlag überliefert. Der Inhalt fehlt.

Wie in Feldpostbriefen üblich, wird auf Grund der Zensur nicht viel über Kriegsereignisse und das Leben an der Front berichtet.

Um so erstaunlicher ist, dass er in einem Feldpostbrief vom 1. Mai 1943 über die Tötung von 100 Partisanen durch seine Einheit schreibt.

Die Rechtschreibung und Zeichensetzung wurde vom Original übernommen.

Feldpost von und an Karl Paelecke

18. Juli 1940 – Erna Paelecke an ihren Mann Karl Paelecke

Schneflingen d 18.7.40.

Lieber Karl!

Zum dritten Mal will ich jetzt deinen Brief beantworten es heißt doch alle gute Dinge sind drei. Hoffentlich werden wir Morgen dann Post erhalten. Es sind dann wieder vierzehn Tage her vom vorigen Schreiben u. beklommen wartet man doch wieder auf Post. Ob meine Post ebenso langweilig ist? Du wirst doch sicher inzwischen schon etwas näher gekommen sein oder seid Ihr nicht alle Tage auf Fahrt? Bei Euch wird sicher noch beständiges Wetter sein. Hier hat es gestern den ganzen Tag geregnet, den wir aber auch noch schön gebrauchen können für die Kartoffeln kommt er grad günstig sie stehen so furchtbar voll in diesem Jahr da wird auch sicher die Frucht nicht ausbleiben. Die ersten stiegen stehen bereits schon im Feld Bammels haben vorgestern schon gemäht hier vor Schulzen Hof. Herr Bammel hat aber auch selber mithelfen müssen, daß hab ich noch nie gesehn daß der schon mal eine Sense in der Hand gehabt hat. Aber die Arbeit ist ja auch nicht nur für die kleinen Leute sie sollen doch alle mithelfen das die Volksernährung sicher gestellt wird. Nun Lieber Karl, Du schreibst mir das, so lange Ihr nach Feindesland seid, an Urlaub nicht zu denken sei daß ist sehr schade, ich hatte bestimmt damit gerechnet daß du wohl zur Ernte hier sein würdest hast Du von dem Urlaubsgesuch wieder nichts vernommen? Herr Schröder meinte jetzt ich sollte doch mal Reklamieren. Das hab ich nun getan, ich hab es mir aufsetzen lassen u der Ortsbauernführer hat es unterstempelt so ist es nun an die Kreisbauernschaft weitergeleitet, hoffentlich wird es überall genehmigt u dann nicht verworfen, wie all deine Urlaubsgesuche, wir haben doch bis jetzt von keins etwas zu hören u zu sehen bekommen u Du doch auch nicht, wo wir von der Kreisbauernschaft immer Nachricht erhielten daß es genehmigt u an die zuständige Stelle weitergegeben sei; Sollte auch dieses Entlassungsgesuch wieder nicht zur Entscheidung kommen, werde ich noch ein Urlaubsgesuch abschicken u dann an Dich persöhnlich daß du es selbst vorlegen kannst u wir dann uns doch wenigstens im klaren sind ob, oder aus welchem Grunde dir kein Urlaub gewährt werden kann. (33 Morgen, 5 Kühe, 25 Schweine, Arbeitskräfte Mutter und ich)

Vater wurde vermißt am 14. September 1914 bei Laon, wenn Du einmal gefragt werden solltest. Wir wollen hoffen es dieses Mal seinen Zweck erreichen wird ich habe mein möglichstes versucht war auch wohl meine Pflicht war für dich zu tun Lieber Mann. Hoffentlich bist du wieder hergestellt u kannst diene Fahrt fortsetzen. Heinrich Jagemann liegt augenblicklich auch im Lazarett in Hamburg wegen seine Polypen. Vielleicht auch noch ein Grund zur Entlassung. Er kam von hier nach Oldenburg u dann zurück nach Hamburg, wobei er richtig angesetzt ist kann ich dir nicht schreiben auf dem Flugplatz ist er ob als Bodenpersonal, sicherlich.

Lieber Karl!  Hier die Krieger schreiben auch alle daß sie auf Rückreise wären u auch teilweise damit rechnen daß sie entlassen werden. Den guten Wein in Frankreich werden wohl die meisten probiert haben. Fritz Götje schrieb auch davon. Dann wirst du aber ziemlich schlank geworden sein wenn du deinen Koppel noch enger geschnallt hast. Wirst sicher schon mein Gewicht errechnet haben 99 Pf. Na wenn du einmal wieder zu Hause bist sollst du dich aber gründlich erholen, oder muß ich jetzt noch Päckchen schicken ½ Pf. ist nicht viel aber vielleicht könnt Ihres Euch besser kaufen. Nun sei vielmals gegrüßt von Deine Erna u alle im Hause. Schreib bald wieder

 

26. August 1940 – Karl an seine Mutter

Frankreich d. 26.8.40.

Meine Lieben da zu Hause!

Auch heute ist auch mal wieder Sonntag und ein wunder schönes Wetter, jetzst wird es ist wohl [?] wetter werden und da müßt Ihr jetzst schwer arbeiten müßen. Ich stand diese Nacht wider Wache Sonabend zum Sonntag es war ganz schön frisch stand von 1 ¼ Uhr bis um 4 Uhr in und wenn so geht die Nacht und die andern so schön schlafen ist doch son anderes gefühl und es ist ja doch immer noch Feindesland aber es war ja heute nun Sonntag u hatte frei habe mir so recht aus schlafen können sonst geht es mir ganz gut und hoffe von Euch dasselbe Liebe Mutter habe das letzste Stückschinken diese letzsten tage auf gegessen u heute nachmittag habe ich die erste dunkle Dose L Wurst auf gemacht das ist doch die schöne Heimatwurst schmeckt doch ganz anders als die wir ihn kriegen da ist doch kein fett mit rin gekommen bischen wurde Ich mir noch davon halten bischen Butter bekommen wir jetzst auch können uns auch Milch holen von der Molkerei ist hier auch im Dorf auch schuh Laden u einen Frisör ist auch da u noch manch andre Läden Bäcker usw ist auch alles zu hause liegen auch priefat steht die Frau auch so allein die ihr Mann hat sich mich schon 5Mal nicht gemeldet hat zwei kleine Kinder und da schläft unsere grupe oben im zweiten Stock haben auch neue Betten bekommen zwei überein andern.

Liebe Mutter hier giebt es recht viel Obst die Pflaum Bäume hengen hier so voll das welche zweige sind zum teil abgebrochen oder müssen so was unter gestellt werden so ist es mit den Äpfeln auch Tomaten giebt es hier 3 st bestimt 1 Pfund gewaltige Dinger sind es. Mutter habt Ihr den meine Bilder erhalten oder meine andern Briefe hoffe doch das es so wohl ehr gehen wird den Mutter hat mann doch eher zeit zum schreiben als damals im Vormarsch u ist ja doch nicht mehr so weit auch Mutter unsere Kolone hat Zucker bekommen jeder kriegt 10 Pfund wird noch etwas beuch euch ankommen.

Nun Meine Mutter

ist mir nun wider Dunkel geworden und werde schließen Meine andern Kameraden liegen auf den Bette u so singen fangen das Lied an nach meiner Heimat ziehts mich wider

Mutter jeder möchte wohl nach Hause

Nun Mutter bleibt Alle recht Gesund u Munter

Vielen Grüßen Papa!

Hofflich paßen die Strümpfe.

 

3. Oktober 1940 – Karl nach Scheflingen

Polen, den 3.X.40

Ihr Lieben Alle!

Auch heute noch mal schnell einen Brief denn es dauert jetzst nicht mehr lange denn wird wohl mal wieder eine pause zwischen sein wo es denn erst herkommt muß ich noch nicht haben wieder 2 Tage Bahnfahrt es wird schon eine ganze eke wieder sein schicke mir nun erst mal nichts mehr an pakete bis ich erst mal wider meinen festen sitz haben werde werde Ich sofort schreiben Meine Lieben habe wieder viel gesehn wenn es auch Polnischewirtschaft muß doch auch mal an gesehen werden die hauptsach das wir Alle gesund sind und das schreibe Ich von mir

Ich habe es sehr eilig es ist Mittag und da geht es sehr schnell in der halben stunde schnel so ein fertig machen von urlaub noch nichts gehört

Meine Lieben wie mag es auf den unseren neuen stelle sein hoffendlich braucht mann da nicht so lange auf den urlaub zu warten also nächste Woche ist denn das Ich wegkomme Erna hast Du Behne schon einmal gefragt das Ich nur 14 Tage haben sol sonst müßt Ihr noch mal eine reklamation einschicken Oberkomando der Wehrmacht ob ich mein urlaub kriege weiß ich nicht von hier. Erna auch unseren schaden ersatz werden wier auch noch ein reichen habt Ihr Euch schon mal drum kümmert Es sind viel die haben schon was bekommen Auch heute ist mal wieder schlechtes Wetter Es ist des Morgens schon ganz friesch Mantel habe ich noch nicht angehabt Morgenabend ist schon Abschiedfeier

Nun noch mal viele Grüße von Euren Papa!

hoffe das wir uns bald wieder sehn.

Aufwiedersehen!

 

 

Feldpost während der Kesselschlacht von Demjansk (8. Januar 1942 bis 2. März 1943)

11. Mai 1942 – Karl an Mutter und Großmutter

Losten, den 11.5.42.

Liebe Mutter u Großmutter!

Heute ist der Montag ich bin heute beim Pferde Weiden es steht ja nicht viel aber Heu u Stroh gibs doch hier nicht mehr so suchen sie sich das trocken Gras so habe ich ebend grade mein Mietag aus gegessen es gab Eintopf Reis gestern waren Erich u Ich fahren Nun Mutter u Großmutter, so hatten wir heute früh schon unter suchung es doch immer noch welche gebraucht zur Infanterie Da muß ich nun schreiben das der Erich nun mir verläßt wann weiß man ja noch nicht die sind doch zwei aus ein Dorf alle beide sind sie angenohmen

Da freue ich mich doch das bei den Pferden bleiben kann ich bin ja das gewöhnt über Mir waren sie ja nicht über die Füße zu frieden ob sie zu groß waren oder wegen den starken Senkfuß also Platfüße da bin ich doch zu frieden das mann da nicht mit braucht den fahren geht doch besser als zu Fuß Nicht wahr! Heute ist es wider mit das Wetter so schlecht es ziehen immer mer den schauern u auch diese Hagel sind noch so dick aber es wird sich bald aus gehagelt haben Wie geht’s es Euch noch Alle: Hoffendlich seid Ihr Alle doch noch gesund so ichs auch von Mir schreibe Wie weit ist die arbeit fertig, geht den Grosmutter auch noch öfters mit raus zum Keller son bischen neu gierig nicht mehr! Mutter wie das mit das Holz was wir damals da von dem alt Bau dahin gefahren haben liegt das noch da das kann auch kaput gesägt werden das wierd doch faul da es dauert doch zu lange dachte so ist da am Keller noch ein schützen anzuhängen da wird dann auch noch mal wat werden. Ach! Mutter! es geht wie so oft viel durch den Kopf die Wand sollte doch auch Maddif werden da am Rinderstall u Keller es belibt doch vielles durch den Krieg so nach aber es wird nach her mal werden wenn wir Alle wider zusammen sind u das hoffendlich gesund.

Wie ziehen den die Kühe kriegen doch gar kein Kraftfutter wie weit sind die Schweine habt ihr schon mal wider zu gekauft noch Zucht im gange

heute sehe ich wie die Russen die Kartoffeln

Die machen sich nicht so viel Arbeit mit den Acker, mein die sind noch über 100 Jahr zurück es ist wirklich ein dreckliches Volk die haben kein Lokus u die Häuser kaput Die machen nichts heil Wir haben jetzst so vielle diese [Minnken?] in der Stube hatten wir [läßsten?] bisher ja nicht bekommen alles saß voll aber ich hatte meines in son kleines Glas wie Semmb Glas groß u konnte es zuschrauben in der Kiste waren sie auch schon heute giebs auch wider was. Ja an Päckchen Mutter ist nun noch nichts ran ob es noch kommt Ich weiß es ja auch nicht u kann keiner etwas dafür da sicher was anders befördert was nötiger tuht! Aber auch gaben kann manns auch noch nicht ist doch nichts zurück gekommen, habt ihr den Brief nicht bekommen mit den Flugmarken schreibst die mal wie lange die gehen nicht wahr!

Und vielleicht hat Erich das Geld auch schon überreicht u kommt Euch gut zu paß das grade was bezahlt ist.

Der Lehnert Fritz aus Eischot ist auch bei Mir da habe ich ja doch noch gesellschaft

Der möchte auch gerne in Urlaub u wandert auch so viel umher sehen uns alle Tage wollen doch beide wider zusammen in Urlaub aber der Sommer wird einmal wider vergehn bloß dan Winter hier wider durch so geht mann doch zu lätzst vor die Hunde.

Nun werde ich schließen

Was macht der Junge alle tage ist der Ostern mit den andern in Schule mit gekommen oder is er sitzen geblieben aber in seine letzsten Brief kann er gut schreiben u das Singen geht auch gut wenn ich den mal komme da werden wir die Mama doch unter kriegen mit singen

Nicht wahr! Heinrich

Es grüßt doch Euch Allen

Der Liebe Papa!

 

12. Juli 1942 Karl-Heinrich Paelecke an seinen Vater Karl Paelecke [Rückseite Feldpostbrief von Karl Paelecke vom 23. Juli 1942]

Sontag, d. 12.7.42.

Lieber Papa!

Deinen Geburtstagbrief mit Bilder habe ich erhalten, vielen Dank. Nun will ich Dir auch schreiben war ich noch aller erhalten habe: ein Sporthemd. Teller und Sammeltasse Halter und Bleistift, Pralinen und eine Karte von Europa, darauf habe ich schon gefunden wo Du bist.

Am 8. Juli haben wir Ferien bekommen bis zum 7. August; deshalb habe ich heute Zeit zu schreiben, zumal,  da es schlechtes Wetter ist heute. und beim spielen auf der Straße nicht schön ist.

Viele Grüße aus der Heimat sendet Dir Dein lieber Sohn Karl-Heinrich.

Schreib bald wieder.

 

23. Juli 1942 – Karl an seinen Sohn Heinrich Paelecke

Im Felde, den 23.7.42.

Lieber Heinrich!

Diesen brief habe ich gestern erhalten habe mich aber doch sehr gefreut, da hat es ja doch wider etwas zum Geburtstag geschaft, da hast dir der Kaffee aber doch sicher gut geschmeckt. Die karte von Europa kann ich die nicht gebrauchen ist der Ilmsee mit drauf, seit drei Tagen haben wier wider Regenwetter, da ist das Heu fahren erst mal wider vorbei, Ihr Lieben Alle, Daheim will euch noch schreiben das Fritz Lehnert, Eischot in Urlaub ist ich habe einen Gruß mit geschickt wenn er durch Brechtorf käme ist am 21. abgefahren auf 21 Tage, einmal käme er immer mal durch Brecht. durch.

Ann ich an der reihe bin weiß ich nicht, es geht nach Kinderzahl denke der letzste werde ich nicht, ich weiß ja nicht ob du diesen zu der zeit erfüllt das er schon wider weg ist wenn du Nähres wissen wilst setzst Dir im Zug nach Brecht. u von da nach Eischott fährt Christel noch mit rüber. Hoffendlich erhälst den noch zur der zeit, aber nun wirst Du in der viellen arbeit sein beim Roggen mähen vielleicht kann gar noch mit einfahren helfen aber versprechen tuhe ich noch nichts.

Das ihr mir nicht sagt ich will mich davon drücken habe noch gesagt zu Ihm wollen zusammen fahren wie das letzste mal, aber nun kann ich auch nichts dran ändern sonst geht es Mir noch gut hoffe es auch von Euch Allen. Nun bin ich von Heinrichs Brief ab gekommen das währe ja für mich auch was neues allerdings für mich auch so hat mann doch auch mal hoffnung das es mal wider Juli ist ja bald wider hin aber ich habe ja doch arbeit wenn mal kommen sollte es wird eine überraschung sein weil ichs nicht schreiben kann, so hoffe Wir nun das beste u Grüße Euch Allen auf ein baldiges Widersehn, noch mals Der Papa!

 

8. Dezember 1942 – Karl nach Schneflingen

Russland, den 8.12.42.

Ihr Lieben Alle, Daheim!

Dachte ja heute einen Brief zu kriegen aber es war diese Tage nichts dabei, so werde ich si ein paar Grüße schreiben vor allen Dingen, bin ich noch gesund, Ihr Lieben, das ich doch nun von Euch auch hoffen tuhe! es war diese Woche mal wider sehr eilig da kommt mann gar nicht mal zur bestimmung

Wir haben nun alle Tage Schnee bekommen so liegt er schon ebend so hoch wie im vorigen Jahr aber es ist doch lange nicht kalt, meine dicken Handschuhe habe ich noch nicht gebraucht. Ich schreibe nun heute Abend ich bin grade ebend von die Wache gekommen, es ist 8 Uhr u Golla der hat mir abgelößt 2 Stunden muß jeder stehn. Eich hat Stallwache der muß die Pferde anbinden die sich Nacht über los reißen und wenn so 2 Stunden draußen gestanden hat u dan so in den schönen warmen Bunker das ist doch angenehm nicht wahr! wenn ich das nun so schreibe zu Euch, da schütelt Ihr selber über haupt, wenn son gewaltiger Schneesturm ist, heute bin ich das erste mal mit den Schlitten gefahren hatte Heu geladen bin nicht mal umgekipt. Was macht Ihr nun so alle Tage wie sieht es aus im Stall habt Ihr schon geschlachtet oder wohlt ihr erst was machen Die Kühe wie viel giebt die neue Kuh, Erna! Habe ich das kleine Rind noch immer soll nun mal wider gedroschen werden müßen. Doch nun auch so viel hin bringen, das die Schrotmühle, frei wird.

Was giebts so ist neues zu Hause.

Heinrich, hast Du schon gezählt die Tage bis Weih., was hast Du gutes bestellt u schreibst Mir mal was Ihr Alle zu Hause bekommen habt.

Noch mals viele Gesunde Grüße von dem lieben Papa!

Erhaltener Zeitungsartikel über die Kesselschlacht von Demjansk (Zeitung und Datum unbekannt)

Einsatz an der Ostfront nach der Kesselschlacht von Demjansk

 

Ostern 25. April 1943 – Karl nach Schneflingen

Ostern, den 25.IV.43.

Liebe Familie!

Werde doch heute nachmitag auch noch die fortz [sic!] von heute morgen weiter schreiben, jetzst habe ich wohl mal ein Mietagsschläfchen gehalten habe sehr gut geschlafen, so hoffe ich auch von Euch, dasselbe oder habt ihr dort Besuch, bekommen, es ist ja ein herliches Wetter, aber es nun zu Abend doch Wolkig zu werden den es ist windig geworden, Lieber Heinrich! Wie Soter Eier hast du den heue gefunden vielleicht schreibst dus mir doch mal, hat den Mama, auch die beiden Omas, auch welche gefunden aber für mich hat er wohl keine mehr gelegt den ich steh ja schon in Russland mit auf der Karte, aber Ihr Lieben, vielleicht erlaubt es auch die zeit u schreibt zu Mir! Da bin ich ja gut zufrieden. Jetzst die andern schon mit Kaffee Und was es giebt, wohl mal 13 Bonbons, 3 Eier, stückchen Magarine u ein Eslöfel Apfelmus da mit feiner wie Ostern es wird auch wider vorüber gehen da habe Ich doch mal abloesen müßen, nun hat das Wetter doch schon geändert wir haben jetzst ein Gewitter wie furchtbarer Sturm u auch Reggen also in einer stunde ist schon alles geändert u da wird es morgen schon wider besser sein. Wie weit ist die Wirtschaft seit Ihr so weit mit der arbeit der Monat April wird so vergehn vielleicht ist der Mai so gut das ich in Urlaub kann, wollens abwarten aber nächsten Monat wird nicht so viel arbeit sein am besten zur Heuernte Ich weiß nicht u kann es nicht sagen wann wieder zu steht, sonst ist alles noch hier Lehmans, auch Backeberg, Pärschke, wir bleiben wohl hier Post habe ich die letzst zeit nicht bekommen denk das heute abend noch etwas kommt Da schreibe ich heute abend mal weiter. muß wieder paar Tage weg

Gruß der Papa

 

1. Mai 1943 – Karl nach Schneflingen

Ihr Liebe Alle! Daheim!

Endlich komm ich heute doch mal wider an Euch paar zeilen zu schreiben wo ich ja weiß, das Ihr so auf Post wider wartet aber Ihr Lieben, nehmt es nicht von übel ich habe am ersten Ostertage noch so schön geschrieben u hatte es Mir auch ein bischen bequem gemacht aber es ist mal alles wider nicht so gekommen als ich doch dachte, so habe ich die beiden Briefe nur mein Namen unten geschrieben u weg Liebe Erna, ich bin seit den Ostern nicht mehr bei der Einheit gewesen es ging so schnell wie möglichst von da ab u war drei Mann wir mußten uns doch eine stelle melden aber mit Pferde u habe ein anders Reitpferd bekommen, da sind wir 60 Mann alles auf Pferd gehen jetzst die Partisanen auf den Leibe gestern haben wir davon 100 erledigt es ging aber doll hier wir hatten nur ein Verwundeten es waren viele Frauen dabei da bleibt nichts von über so 30 waren Gefangen aber ich schreibe nun heute Gesund u hoffe doch das Ihr Euch auch Gesund befindet so habe ich die letzste Nacht Wache geschoben u gehe heute Abend wider los wie es mit Urlaub wird weiß ich nicht aber die Urlaubskarten gehen ja aber ganz lange kann es nicht mehr dauern denke das ich bald wider zurück mache ich bin nun die ganze zeit ohne Post habe noch nicht mal Deinen Ostergruß bekommen den du doch sicher an Mir geschrieben hast ich muß Mir wider beeilen es geht schon wider 6 Uhr los u so hoffe ich Ihr Lieben, das es Euch Alle gesundheitlich gut geht das eine kann ich Euch auch von Mir schreiben Und grüßt Euch aus herzlichste also ich treibe ebend Partisanen Jagd hoffe das alles gut geht und rechne doch auch auf ein baldiges Wiedersehen!

Es grüßt Euch Allen der Papa!

 

10. Mai 1943 – Karl nach Schneflingen

Osten den 10.5.43.

Liebe Mama!

Deine schönen Päckchen auch Dosen habe ich gestern abend bei  Abendessen erhalten es schmeckte Mir ganz ausgezeichnet denn ich hatte mir, mal wider Bradtkartof. Gemacht u so gar noch 3 Eier rüber. Das war sehr gut aber anschließend mußte ich doch das Päckchen untersuchen was darin war so gab es gestern mal schönen Bonen Kaffee u habe Deine Kuchen doch mal Probirt.

Liebe Mama! Das schmeckt nach mehr, hoffentlich kannst Du mir zu Pfingsten wenn ich daheim bin, bei Euch hoffentlich gelingt es mit den Urlaub also heute sind 3 Mann weg gemacht, auch muß sagen es steht nun so dicht vor der Tür das mann immer mit rechnen kann da sind die Tage doch lang da hat mann so ein richtigen Urlaubskoller hoffentlich bleibt es so.

Dein Päckchen hatest du am 18.4 ab geschickt u die Dose am 2 Ostertag also hat die Dose doch schneller gewolt, Heinrich muß mir den wohl abhohlen vom Bahnhof u hat er mein Rad auch im Schwunk u hat den Sattel recht so hoch raus gezogen u ich selber nicht mehr rauf kommen kann,

Nach Schule gehst du wohl zu Fuß.

So schließe ich heute abend wider Gesund u hoffe demnächst u auf frohes Widersehn

Die lieben Grüße sende Papa!

 

2. Juli 1943 – Karl nach Schneflingen

Russland, den 2.7.43.

Liebe Mutter!

Heute abend werde ich doch mal an Dich schreiben, dran beteiligen tut, Ihr ja Euch, Alle an die Briefe die ich schreiben werde, Liebe Mutter! heute ist Freitag u ich war mal wider über Land, wir mußten Holz fahren für die Knüpeldämme die Weg sind schon wider so kaput gefahren als wie im Herbst oder Frühjahr, da hoffe ich doch Mutter, das Ihr da besser Wetter habt, heute hat es gar nicht mal aufgehört, Da bin ich durch bis aufs Fell weiter ging es ja nun nicht, hoffentlich läuft nun die Post auch so regelmäßig ein, so habe ich all um andern Tag geschrieben nach dem Urlaub wenn mir sonst nichts dazwischen kommt Ihr Lieben, bleibe ich so da bei. Ich weiß ja wie es ist keine Post kommt. Und Heinrich macht nicht so unnütze Wege, bis lang ist bei mir noch keine Post von Euch ein getroffen aber die wird schon kommen paar sein ja doch schon unter Wegs von Euch.

Ihr Lieben! So kann ich Euch Allen, bei beste gesundheit grüßen, Kamerad Lehnert liegt noch im Rievier, am Magen, Wie habt ihr das Heu nun noch laden können ist das auch etwas verbleicht oder hat das nichts von Regen ab gekriegt. Habt ihrs geschaft auf drei Wagen,

es ist jetzt 7 Uhr, die Nacht muß ich wider auf Wache, ziehen. Heute sind auch wider Urlauber zurück gekommen den Schuster da von der Altmark, Verchau da hinter Brome, ebend ist noch bischen vorrat da für das Essen es doch schön Mutter, so wie der Alte Onkel aus Einbeck immer sagte über den Daumen Messen, Nicht mehr, da bin ich immer zu Hause. Wenn nun sollte der Otto Pärschke in Urlaub kommen die Leine ist schon fertig die schickt sie ab von zu Hause aber aus Leder u auch die selben Knebel dran am Eden seines Urlaub sollst Du da ein Paket für mich hin schicken er bringt es schon mit, denn packe mann wider ordentlich ein da gebe ich ihm eine Dose ab es kostet ja Ihm auch nur die Arbeit eben für uns ists doch auch gut er schreibt auch dabei noch ein Brief er rechnet Juli August. Es grüßt Papa!

 

6. Juli 1943 – Karl an seine Mutter

Russland, den 6.7.43.

Liebe Mutter!

Endlich, endlich bekomme ich heute von Euch Lieben Daheim die schönsten Grüße, den Du doch am 25. Juni geschrieben hattest, u sage hiermit vielen Dank.

Wenn mann doch drauf wartet so dauert doch die zeit so lange aber wie och schon lese habe ihr doch wehnigstens den von der grenze den Gruß erhalten, u jetzst sicher noch mehr. Ich wollte gestern u auf Heinrichs Geburtstag schon schreiben aber die zeit war sehr knapp, Ich bin alle Tage unter Wegs, u mus fahren sehr schlecht das Wetter hier, ist ja als wenn es schon Herbst sei. Der Roggen liegt alle am Boden durch den Regen ist schöner Roggen hier wie viel wird davon wohl um kommen währ will das alle mähen die Bevölkerung ist doch alle weg, dieses Dorfe soll an 200 Morgen R haben. Es freut mich ja sehr das Heinrich, auch wider besser ist, u jetzst wieder zur Schule kann, und wie ist es mit Grosmutter, hoffendlich ist sie nun auch Erkältung wider los.

Ihr Lieben Alle! Ich schreibe und Grüße bei bester Gesundheit, gestern am 5. Juli mußte Fritz Götze auch seine Reise wider antreten so geht die zeit hin, ganz viel gutes Wetter hat er auch nicht gehabt. Was hat den Heinrich alles gutes bekommen zum Geburtstag ja es auch Kuchen hätte ja gerne ein probe gehabt.

Fritz Lehnert ist noch nicht besser hat immer hohe Fieber, gestern abend habe ich Ihm doch mal Besucht, auch Ich habe wider ein Spritze bekommen. Dieses alle Imfen die Brust wird gar nicht heil. Tag 8 giebt schon wider eine. Wie ich sehe in Deinem hast Du noch Spargel bekommen in Boitzen ladest mich ja nun zum Essen Mutter aber es bleibt einem doch nichts übrig, ich muß doch an meiner Gulaschkanone halten, so will ich für heute schließen es ist so weit Dunkel u wünsche Euch Allen ein gute Nacht. letzste Nacht hatte ich doch Wache die ganze drei Stunden lang im Regen gestanden aber eine Pferdedecke u die Zeltbahn drüber weg war ich ganz trocken geblieben heute steht der Sattler

noch mals grüßt der liebe Papa!

 

17. Juli 1943 – Karl an Heinrich

Russland, den 17.7.43.

Lieber Heinrich!

Für Deinen lieben Brief, den Du Mir heute geschrieben hast, Dank ich Dir auch Herzlichst, es war für mich eine große Freude, uns sehe doch das Du nun wider gesund bist! U meinen Geburtstagsgruß hast Du ja auch erhalten, so ebend hast Du ja eine schöne zeit da die großen Ferien sind, da kannst Du doch die Mama, u Ohma schön mit helfen, aber zu Deinem Geb. hat es ja doch „1mal“ geschafft, den Schlafanzug ziehe mann nicht an zur Schule da schläfst Du ja ein, die beiden Trinkgläser die könnte ich ha heute abend schon gebrauchen, da wir pro Mann ein Dreiviertel Liter Wein kriegen u wen den Teller kann man da alles von Essen, oder blos Eierkuchen u Salat.

Und die Schokolade die will ich Dir gerne schenken aber die Torte die Ihr da zum Kaffee gegessen habt da muß ich ja viel dran denken, da läuft mir ja das Wasser im Mund zusammen. Hoffendlich hat es Euch Allen gut geschmeckt

Ich habe dafür ein Dose im Angriff genohmen, Ich dachte für Dich mal Fisch ab zuschicken, aber wir empfangen ebend gar keine als Verpflegung so ist heute der Sonnabend Ich bin heute beim Heu Mähen, u habe ebend Mietag gegessen es gab süße Nudeln, aber es regned jetzt schon wider, da wird es wohl für heute schluß sein, so haben wir zu Abend wider Kino, da gehen wir da hon.

Lade Euch auch Alle dazu ein, Sonst geht es mir gut, Pärschke ist noch hier, und wie sieht es sonst auf dem Felde aus unser Roggen liegt wohl nicht, was habt ihr da ein gesäht wo doch der Ingernatklee [Anmerkung jw: Inkarnat-Klee] stand, ach die Erbsen noch, die ersten stehen wohl gut. Erna sind wohl genug drauf das hat ja auch Mama selbergemacht. Die Kartoffeln sind auch grün auch die bei Schafkule. Morgen der schöne Sonntag Ich wünsche Euch Allen, alles gute und nochmals vielen Dank Heinrich. Es grüßt Euch Papa!

 

18. Juli 1943 – Karl an Erna Paelecke

Russland, den 18.7.1943.

Ihr Lieben Alle Daheim!

Den schönsten Sonntagsgruß werd ich Euch heute senden, Und kann bei Gesundheit schreiben und habe heute auch mal was vom Sonntag gehabt vor allem ist heute mal gutes Wetter es trocknet sehr gut da werden wir den Klee noch kriegen den ich gemäht habe, u auch den Roggen wird es jetzst helfen u wird bald reif werden, da ist es schade das ich nicht bei Euch sein kann, u Dir viele Arbeit  abnehmen kann, bin eigendlich doch zu früh im Urlaub gefahren, meint Ihr es nicht auch, aber es ist nun nicht zu ändern, Ihr Lieben! hoffe das Ihr jetzst Alle gesund seit, u denke dieses Jahr noch was zu schaffen, vor allen wen ich nun erst mal wider in Urlaub, und denke wenn der Heinrich ordentlich Post bringt wird die Arbeit ein halb so schweres sein, die letzste Nacht hatte ich Wache es war sehr still, hatte nur ein bischen geselschaft durch ein Igel der lief mir oft mals über die Füße, dürfte mir aber nicht rühren den rollt er sich gleich zusammen, aber der hat mir die zeit so schnell hin gebracht machte ordentlich spaß wenn er tanzste. Gestern ist Wachtm. Otto auch wider gekommen, es hat Ihm auch sehr gut gefallen zu Hause mit seiner jungen Frau, den Urlaub so richtig zu verleben, im letzsten hätte er ja zu viel zu laufen gehabt da her er doch die Hochzeit gehabt. Fritz Lehnert ist doch jetzst gesund, und haben uns beide zusammen gebadet in der Sauna, da hat er mich gleich ein geladen zum Kaffee trinken so haben wir uns wo sein Quartier ist unter ein Baum nieder gelassen an Tisch u Bank, er hatte nehmlich zu Mietag Post erhalten ein Br. U zwei Päckchen eins zu 4 Pfund. Das andere mit Kuchen u lebten wie zu Hause bei Willi. Das mit 4 Pfd. Da hatte seine Frau 2 Marken drauf geklebt. so eins mach mir auch mal zu recht nur Speck vielleicht hängt das andere noch wo ich das letzste von runter gehauen habe. Der Urlaub geht sein gang weiter. Pärschke wird noch 14 Tage Zeit haben.

Liebe Mama, so bin ich heute abend fleißig am schreiben das kannst du ja schonsehen, Nicht wahr, heute haben wir aller hand erhalten erstens 100 Ziegaretten, ein Päckchen Tabak, pro Mann, ein Liter Bier, u gestern nun doch ein dreiviertel Liter, Wein, also so leben wir, mein Kochgeschirr mit Bier habe ich bei mir stehn und schmiere oft mal, wenn der Bleistift nichts weiß. Backeberg hat Tageswache heute früh habe ich nur ein Fuder Klee geholt habe aber zu schwer geladen das die Rungen gebrochen sind Iusujemat,, aber es hat mir doch den gefallen getan, u hielt sich bis zum Stall. Mußte ebend mal abbrechen die Waschfrau kam ebend, da mußte ich meine Wäsche raus suchen die können das auch nicht alle wissen weihl sie Waschen für die ganze Kolone, hat sehr gut gewaschen, ich habe sie nur ein Trinkbecher Bier abgegeben da mit ist sie den abgefunden. Die werden ja Verflegt von der Kolone und kriegen Ihre Sachen von da.

es gleich halb neun, mit gedanken ganz zu Hause, was möget Ihr ebend so machen, bald geht es zum Federnball, auch ihr werdet so denken, habt ihr heute auch Besuch gehabt. Wie mit ist den das Haus nun voll geworden mit Heu. zu Dreschen braucht ihr sicher auch nicht gleich so viel alles Stroh, wenn ja auch das im Stall ist alles in Ordnung sitzst das Kalb noch drin im Schweinestallt, Mutter seht doch mal zu ob ihr den Boden noch mit legen könnt über der Schweineküche. Bretter sind doch noch genug da. Der alte Stacke Boitzenhagen geht doch noch zum Platzse währe doch zum Winter sehr schön. Wie ist das eigendlich mit der Mädel Erna, das ihr angemeldet habt, kommt die noch ran zur Ernte hoffentlich. So werde ich schließen noch den rst vom Bier aus trinken u da will ich mier doch mal von ihnen besehn, der letzsten Brief das war Heinrich seiner, vielleicht hast Du auch schon ein unter Wegs Mama, den ich diese Tage erhalten werde.

 

14. August 1943 – Karl nach Schneflingen

Rußland, den 14.8.43.

Ihr lieben Alle! Daheim!

Heute muß ich doch mal wider an Euch einen Gruß schreiben. Ich schreibe heut mal wider, die Tageswache oben auf dem Dach es ist ja heute mal bischen Windig aber die Sinne scheint auch dabei, so habe ich ebend 2 stunden abgerissen nun kann ich wieder 4 stunden schlafen, aber jetzst werde ich doch erst mal ein bischen Schreiben sonst wird mann schließlich zu faul in der vorigen runde habe ich meine Strümpfe u Drilligjacke gewaschen da bin ich morgen dan wider frisch, Wier sind nun auch schon mit den Roggen Dreschen im gange es wird alles draußen auf dem Felde gemacht seit gestern ist die Maschine hier, es ist die selbe die Wir haben eine Ködel u Böhm da komm ich ja nun nicht aus der gewohnheit durch wie Zucker geblieben ordentlich trocken ist ja der Roggen nicht was nicht raus geht bleibt ebend sitzen lohnen thut der Ro. gut er ist aber lange noch nicht ab gemäht die bleibt so lange hier bis alles fertig ist auch Heu wird noch heute, mit ein gefahren es geht alles mit hoch Druck jetzst, aber es sind doch hier viele Hände die auch der arbeit bald ein ende machen, Und wir weit seit Ihr nun mit euren Stroh, müßt ihr auch bald Dreschen, der halbe August ist ja nun auch schon hon, auch der Urlaub geht noch sein gang u Ich habe immer die hoffnung das es zum Herbst mit meinem U noch mal werden kann, Ich kann Euch Allen! bei guter Gesundheit schreiben, und hoffe ja von Euch, dasselbe, Post ist diese Tage nicht recht ran gekommen u doch weiß ich nicht, ob wider ein Zug gestern gehengt worden ist, Backeberg ist heute auch schon eine Woche zu Hause auch Pärschke, hoffendlich hast Du Erna, nun alles erhalten was ich Dir mit gegeben habe ich lauer ja auch sehnsüchtig auf Deinen lieben Brief was Dir der unbekannte Soldat P wohl doch geschrieben hat, auch von Tante Gertrud habe ich wider ein Brief, mit ein schönes Buch drin zum lesen bekommen sie schreib das sie während Ferien in Einbeck sei u da Ihre guten Tage verbringen wird, Wie weit seit ihr nun dort mit der Arbeit ist schon alles um gesteckt u wider besucht von Gründung wie weit ist das stück in der In ger nahtklee [Anmerkung jw: Inkarnat-Klee] wo die jetziegen Erbsen u wie ist das Kartoffelngeschäft nimmt Mayer noch nicht ab. Wachtmeister Otto ist krank der hat auch mit dem Magen zu tuhn. Mit Lehnert das geht jetzst wider gut, da er jetzst doch dicht vorm Urlaub steht, da tritt dem die freude allein u geht alle Tage mit Roggen mähen hat auch zwei Russen Mädchens die ihm was Binden morgens um 5 Uhr sind sie schon am mähen also der Tauh, macht nichts.

Wie geht es nun Mutter mit der Hand war doch sicher schon aus arbeit gegen die andern Jahre, u Grosmutter schläft sie noch so viel, Heinrich geht jetzst wider feste zur Schule da ist er ja nun wider mit schreiben im gange u Ich werde dan auch bald mal wider mit nehmen können Was giebt es sonst neues im Dorf, Ist Willy Schulze, Nachbar schon ran mit sein Urlaub. Und Heinrich, sich schon mal wider gemeldet von Zizilien. Da bin Ich doch immer noch in einem guten ecke, hier hört man nichts von Krieg wier machen ja Landwirtschaft. und ist man ja doch gewöhnt, es müßte bald ein ende haben da währe es zu Hause doch besser bei, so will ich nun heute mit diesem schließen und hoffe das Ihr diesen Alle, mit Gesundheit lesen könnt morgen Mietag soll es neue Kartofffeln mit Gulasch geben die ersten schönen Pellkartoffeln zu abend auch Heinrich mag die nun auch so gern aber nur mit Öl dann wird er sich bald recht erhollen

Morgen ist sonst Sonntag aber wier müssen ja doch Arbeiten wie schön hatte mann zu Hause seine ruhe u wünsche Euch hier mit die schönsten Grüße euer lieber Papa!

 

22. August 1943 – Karl nach Schneflingen

Rußland den 22.8.43.

Ihr Lieben Alle! Daheim.

Doch muß ich heute abend noch einen Brief an Euch schreiben mann hat doch gar keine zeit, wir sind abends gewaltig im Einsatz, wir müßen 14 Stunden arbeiten da von ist nur eine ganze stunde die Mietagspause u den jeden zweiten Abend ist mann mit der Wache dran, da kannst Du Dir denken, das mann da sehr müde ist, um 4 Uhr ist früh schon Wecken den trinkt mann Kaffee den bis Mietag durch 11 Uhr u vor 12 Uhr bis 7 Uhr ist den noch der Stalldienst dan Waschen u Essen da muß mann sich schon Licht machen, so kann ich sagen, ist mann wirklich froh, wenn mann sich ein bischen legen kann. Da schläft mann gleich ein. Nun heute ist es nun der Sonnabend abend bin fertig mit den Essen u sitze so allein in meiner Russen Donze alles anderen sind zur Wache, weihl ich gestern mal wider ein Gruß los wird Liebe Mama! hast Du mir aber eine große Freude gemacht, hast dich gar nicht mal geschrieben das Du ein Päckchen mit Kuchen unter Wegs hattest, u das ist ja ein so schönes großes 4 Pfd. und es ist noch alles so schön ganz geblieben, es ist doch mal ein schöner Leckerbissen, so habe ich es doch heute abend noch probirt sonst könnte ich Dir ja nicht schreiben wie es schmeckt, Ausgezeichnet ist der geraten hat Heinrich den auch probirt!! Der hat sicher da nichts nach gefragt, deshalb habe ich den gekriegt aber ich muß Euch Allen da für reicht herzlich danken, so denkt an Morgen Sonntag Kaffee mit Kuchen, was das heißt in Rußland, nun hoffe Ich doch, das Ihr diesen Brief auch bei Gesundheit erhalten werdet Auch schreibe ich heute bei guter gesundheit, nun warte ich auf Deinen lieben Brief, und was der Pärschke Dir da über die Bühne für ein gedicht geschrieben hat, heute in 14 Tagen sind sie wider ran hoffendlich gefällt die Euch, aber mal so lange hält die doch als die jetzigen Strickleihern ist doch nichts mehr dran. Heute war ich auch wider den ganze Tag unter Wegs habe für den Trecker der hier drescht u flügt neus zu saufen geholt! Es war sonst herliches Wetter ich als Beihfahrer u ein Russe als fahrer, aber wenn mann doch nicht selbst die Leine in der Hand hat, schläft mann dreckt auf den Wagen ein. Der Roggen ist nun Gott sei Dank ab, nur noch dreschen, Wie weit seit Ihr nun dort mit der ganzen Rabotik. Heute sind auch zwei in Urlaub gefahren auch am Mietwoch noch mal 4. Ob es so bleibt, September durch, es wird schon wider gemunkelt von sperre hoffe doch das beste, für Heinrich habe ich jetzst auch ein schönes Paket ob ichs abschicke oder warte noch ein bischen vielleicht kommt Lehnert doch noch zum fahren, zwei große Büchsen Fisch habe ich für Dich, Heinrich, auch viele Dropse auch Tabak Zigaretten u Zigarren wenn doch mal Besuch ost da kannst du doch mal ein spendieren, so muß ich nun doch mal auf hören, mir fallen schon die Augen zu was für manche Nächte hat mann draußen gestanden u wie lange noch, abend ist es ganz doll.

So Dank ich Euch Allen, doch noch mal, u hoffe und wünsche Euch alles gute Gesundheit

So schreibe ich auch von Mir

es grüßt Euch Allen, der liebe Papa!

 

9. September 1943 – Karl nach Schneflingen

Den 9.9.43.

Ihr Lieben Alle daheim!

Heute abend kann ich noch mal einen Gruß an Euch schreiben. Ich kann immer noch bei Gesundheit schreiben, Und hoffe es doch von Euch Allen, hier ist ebend sehr gutes Wetter, und die Krähen zogen heute auch sehr stark, da wird die schöne zeit auch bald wieder vorbei sein. Ich habe ja schon mal geschrieben das wir auf fahrt sind ob Fritz Lehnert auch wohl gut im Urlaub gekommen ist, auch ich das Paket schon bekommen. Gestern erhielt ich Post von Chrissel u die Suderwittingen auch beide stellen ist alles noch Gesund, aber Chrissel schreib mir, das Wilhelm in Berlin durch den letzten Fliegerangriff gelitten habe, hat es Wilhelm noch nicht geschrieben an Euch, denke doch das seine Frau schon länger aus Berlin u. Ihrem Wohnsitz in Warmenau haben wird, Nun teilte mir Bruder Chrissel, noch mit das sie am 18. September die Silbernehochzeit feihern können, ist ja schade das nichts zu kriegen ist zu kaufen, u. zweitens sind Wir ja nicht zu Hause. Euch hat sich auch wieder an seine Truppen gewöhnt schrieb letztens ein Karte Otto Pärschke ist auch am schreiben er schreibt an seine Brigitte da ist er auf Urlaub gewesen, u hat sie nicht mal besucht u sie hat Ihm ja viel eingeladen, nun stichel ich immer, das er angst habe für die Weiber, aber das will er auch nicht hören, und das nächste mal, u meinst er fährt bald mal wieder, Backeberg, ist draußen auf den Hof u singt mit den Hilfswilligen er versteht sich da ganz gut mit, Und was macht nun die viele Arbeit seit ihr nun schon bei den Kartoffeln in Urlaub sind auch wider zwei gefahren hoffentlich bleibt es so, aber ich glaube es nicht, denn wir sind doch auf fahrt, noch 10 Mann sind noch vor Mir nun ist mann doch gehsp. [Anmerkung jw: „gespannt“?] mit wie lange es sich hin schieben wird (Weihnachten) Was giebt es sonst neues zu Hause über die Beiden schönen Paketen habe ich mich sehr gefreut u nun ist mann wohl mal wider für eine Zeit geholfen, Ich Danke noch mals Euch Allen, das Kuchen Paket habe ich heute morgen mal probirt, da, ab u zu son kleines Stückchen des morgens zu Kaffee, habt Ihr das Geld noch nicht bekommen 150 M. Wenn ich nun wider schreibe ist unbestimmt.

Und hoffe nun von Euch Allen, das Ihr gesund seit das ich heute Abend auch von Mir schreiben kann.

so grüßt Euch Allen, der liebe Papa!

ging eilig.

Und nun recht schöne guten Nacht!

 

19. Oktober 1943 – Karl nach Schneflingen

Oktober, den 19.X.43.

Liebe Mama!

Deinen lieben Brief von 3.X. habe ich gestern erhalten, es war doch mal wider eine große Freude für mich. auch Fritz Götje hatte mir doch, gestern auch mal wider geschrieben so wie er schreibt geht’s ihm auch ganz gut, so werde ich nun doch heute Abend noch gleich wider Antwort zurückgeben.

Doch noch mal vielen Dank liebe Mama! Ich schreibe immer noch bei gesundheit, abend bin ich alle Tage im Dorfe u habe mir paar Zivilisten geholt die hier ein bischen arbeiten müßen da stehe ich nun den ganzen Tag über dabei es ist nämlich Erdarbeit, u bin nun schon paar Tage damit im gange da stehn meine beiden Kameraden mal im Stahll es gefällt sie gut den Hafer kriegen sie so viel sie mögen, es giebt ja hier genug, so bin ich nun heute abend mal allein in mein Heim u es stört mir keiner alles andere ist nich mit Gespann unter Wegs wenn sie zurück kommen kann es noch Nacht werden, es jetzst 6 Uhr so kann ich doch schon früh schlafen gehen, u bin aber nun auch fertig mit Abendbrot essen.

allerdings hatte ich kalte Küche am Sonntag hatten Backeberg u ich dich Enten geschlachtet die haben uns gut geschmeckt, da von haben wir noch 6 sitzen so auch noch etliche Hüner, du mußt denken wo haben wir die her, es ist doch eine Deutsche Kolonie gewesen u die Leute sind alle weg gekommen. Die haben uns diese alle versprochen haben auch was dafür bezahlt. Und für diese sind nun Russenzivilisten gekommen u Wirtschaften munter. Hoffentlich, liebe Mama! seit Ihr Alle gesund u es freut mich doch das ihr jetzst mit der grobsten Arbeit so weit fertig seit. Leider kann ich doch euch den gefallen nicht tuhn u zum Dreschen mit helfen, es geht ebend mal nicht mit dem Urlaub, aber wenn es mal wider los geht bin ich bald vorne mit dran wenn es den mann doch zu Weihn. Würde. Nun wirst Du ja doch schon wissen in welcher ecke ich bin. Auch heute brichte die Zeitungen

Mit den Terrorangriff Hannover muß es ja doch furchtbar gewesen sein da bei uns nur noch alles hell, u bist mal wider ausgerissen aus den Schlafzimmer sind sie da bei uns auch geflogen so wie Ich lese haben Schröders unser mit den Trecker geflügt hat den Onkel Ernst , keine zeit. Auch Kartoffeln habt ihr nun doch noch liefern können das war ja ein schönes Fuder 67 Ctr. u 200 Ctr ist das Kontingent. Auch für Schweine habt ihr Gerste bekommen u fünf sollen wir liefern noch, vier tuht, auch schon wenn aber liebe Mama! Da hast Du mir aber doch beleidigt, u meinst soll die Dreschmaschine besser einstellen. Da hast du sicher wider von einer andern Fierma bezogen, doch Diestellblumen habe ich doch nicht gedroschen, war da wirklich so viel zwischen, das reicht doch alle mit. Euch Brennecke hat mor noch nicht ein mal geschrieben er kam doch damals weg u ist wohl jetzst mit im einsatz Das ist wohl wider böse her gegangen ob der Russe nun welche gefangen genohmen hat. Muß ich mal an seine Frau schreiben ob sie Post von Ihm bekommt, werde aber noch bischen warten mit den schreiben weil es erst jetzst gewesen ist, den ist auch der Golla dabei gewesen, habt ihr nun das Paket was Mutter verteilen sollte bekommen da wird er mal wider gelacht haben der Heinrich, aber so habe ich gestern ein Liter Weinbrand Verschnitt bekommen, wenn doch der Urlaub nicht so weit währ erst mal hege ich die Pflasche doch mal auf bis zun mein Geburtstag, wann wird doch schon alle Tage älter u Heinrich hat seine Jahre zur Schule gehen auch bald hin wo ich wirklich erst wenig von seine Schulgang gesehen habe. So hofft mann von ein Tag zum andern u immer vergebens

nun müßen wir den Winter erst mal den Winter hinter uns haben ich mach noch garnich dran denken die Kälte wider schicke doch mal paar Fausthandschuhe mit.

So will ich für heute mal wider schließen

Liebe Mama! So grüße Ich Euch Allen.

Der Papa! Gesund u munter!

 

4. November 1943 – Karl nach Schneflingen

Russland, den 4.11.43.

Ihr lieben Alle! Daheim!

Endlich kamm ich doch mal wider zum schreiben, es war eine eilige Zeit für uns, mann liegt doch dauernd auf der Landstraße, von früh bis in die Nächte hin ein, aber ich kann noch heute Abend noch bei guter Gesundheit schreiben u hoffe das gleiche von Euch Allen.

Liebe Erna! Da hatten wir nun nicht die zeit zum schreiben, u zweitens war auch die Postsperre so müßt ihr Euch da mit abfinden ich tuhe schon mein möglichstes, aber es war doch die Hölle los, da bin ich noch gut davon gekommen sind doch alle im einsatz viele sind zur Infantrie gekommen u ich kann da noch mit Pferden fahren, wie Kamerad meiner Gruppe ist Verwundet u viele andere die ich so kenne ab morgen soll nun wider Post abgehen so muß ich nun heute das möglichste tuhn mit dem schreiben. vor 8 Tagen habe ich noch mal Post bekommen vom 17.X. 24.X. habe mich sehr gefreut und sage mein herzlichsten Dank. Doch besonders auf die schöne Geburtstagskarte, wider muß ich hier in Feindesland mein Geburtstag feiern, das feine ist zu viel gesagt, aber so hofft mann doch wider ein Jahr, das mann doch von alles verschont bleibt.

Heute ist ja doch erst der 4. November, aber denke doch das ich den Tag frei haben werde.

Wir haben noch alle Tage offenes u trockenes Wetter der Wind ist ja schon bischen scharf ist ja bis so lange noch gut gegangen es war sehr schönes Herbstwetter u es freut mich ja das ihr ja auch mit der Arbeit so weit fertig seit, auch an Zeitungen ist diese Zeit nichts gekommen. Lehnert geht es auch noch gut. Von Erich Brennecke kann ich nicht mitteilen der ist Verwundet schade das ich den Tag nicht mit war beim fahren. Da hätte ich Ihm getroffen ob er ein Armschuß hat oder Schulterschuß aber er sollte noch guten muht gehabt haben wie er nun ist weiß ich nicht in Latzarett.

Nun das traurige von den Nachbarn Schulzen von den lieben Ernst so werden die jungen blühten raus geholt u wie viele was giebt es sonst neues so da Otto Meinecke hat sich die kleine Stammhalter bestelt auf den Kahrens ist doch ein zeichen das sie viel in Urlaub waren, Was macht nun unser Heinrich! Denke doch das er von seiner Krankheit her nichts behalten hat u wie sich nun gut gebessert haben auf zu genohmmen jetzst muß er wohl feste heran in der Schule u Grosmutter wird doch die Schule jetzst auch schon wider heitzen. Wie du schreibst müßt ihr auch Dreschen ist ja schade das mann doch im Kopf wider nicht los bekommen kann, u wir sieht es aus im Stall

Alles noch in ordnung

ist das Geld was ich zu letzst ab geschickt habe, auch schon da es sind 100 M. so habe ich wider paar Marken mit hin ein gelegt hast du eine gefunden wo ich bin immer näher kommt das schwarze Meer, nun will ich schließen u Ich grüße Euch Allen bei Gesundheit.

Und hoffe das ich in mein neues Lebensjahr gesund bleibe

Es grüßt herzlichst

Euer Papa!

 

9. November 1943 – Karl nach Schneflingen

Russland, den 9.11.43.

Ihr lieben Alle! zu Hause!

Doch kann ich heute abend noch bei guter Gesundheit an Euch Daheim einen Brief schreiben, du das nach auf meinem Geburtstag es kommt auch augenblicklich sehr wenig Post, u das ist nu die Flugpost, so habe Ich auch heute dich mal wider gefreut, liebe Mutter, u erhielt heute zur Feier des Tages Dein lieben Brief, vom 31.X. vielen Dank liebe Mutter. Das Geburtstagsfeiern ist nun hier mal so ich hatte mir nun mal 1 Ltr. Schnaps über gespart, u kam einer und der andere zum Gratulieren mann freut sich ja doch wenn da etliche daran denken, so habe ich nun auch hier mit nun ein Gläschen Schnaps zum besten gegeben u auch noch eine Zigarette an geboten so weit es in meinen Kräften stand, bin nun abend gerade vom Rundfunk zurück es war doch die übertragung noch mal von der Führerrede habt Ihr die vielleicht auch selber gehört. Oder geht unser Radio nicht mehr aber Heinrich versteht ja doch das Antennenlegen gut dort im Apfelbaum Ich bin ja heute ganz zu Hause mit den Gedanken, u sitz allein in mein Quartier alles anderen Wache so feier ich nun mein Geburtstag im stillen

Ich weiß Ihr Lieben das auch eure Gedanken heute sehr bei mich sind, u wollen hoffen das mich doch der liebe Gott so beschützst wie ers bis lang getan hat, so geht es nun auf das neue Lebensjahr. hoffentlich den nächsten zu Hause feiern zu können denn nur bekleinen [sic!] giebts doch bald graue Haare es ist nicht mehr schön nur noch diese Donnern von Kanonen u noch kein ende ist zu sehn, von früh bis spät ist mann auf den Beinen. Und jetzst wird wohl zur Infanterie gesucht, ob ich schon da bei bin weiß ich nicht. Ich tuhe meine flicht u hoffe immer das beste, doch über mir ist einer der uns beschützt. Nun werde ich noch mehr aus Deinen Brief antwort geben.

Nun Ihr lieben Alle. Ich weiß ja wie ist wenn keine Post kommt, u Mutter, schreibt auch das wider eine Woche vergangen sei ohne Post von Mir zu haben. Aber das ist für uns auch nicht so leicht von früh bis in Nacht u dazu wohl die nötige Verflehgung da liegt mann wie so Brett es geht mir nicht allein so auch andere das könnt ihr sehn an der Frau Backberg. Da bekam ich gestern ein Brief von, frägt an wie es Ihren Mann geht, so wie Mutter schon schreibt hat sie auch schon an Euch geschrieben, da war es denn mit dieser Post schwere es ging doch nur Flugpost ab. u vor dem hatte ich meine Marken zu Hause geschickt da erst mein schreiben bis 14 Tage verschoben. Nun geht’s schon wider so und werde nun hier auch mit schließen Ich freue mich das euch Ihr alle gesund u munter seit so sich heute auch von Mir schreiben kann. Der Urlaub läuft auch allmählich ob es wohl noch wird vor Weihnachten weiß ich nicht.

Wie ich lese habt ihr schon gedroschen auch die Gräben auf der Wiese auf gemacht. Das war ja doch das Heinrich Schulze es nicht ganz geschafft hat zur Beerdigung des guten Ernst, mußte sich schon so früh verabschieden habt Ihr ihn auch noch mal gesehen, auch Heinrich schade das ich nicht da war, das Wetter hatt sich geändert seit gestern Regen u es giebt viel Dreck

So schließe ich heute Abend u Danke Euch Allen für die guten Geburtstaggrüße.

Herzlichst euer Papa!

 

Versetzung zum Grenadierregiment 418

14. November 1943 – Karl nach Scheflingen

Russland, den 14.11.43.

Ihr lieben Alle! Daheim!

Doch endlich kamm ich mal wider zum, u muß Euch nun doch mitteilen das ich nicht mehr bei der Kolone bin, wir wahren unser 8 Mann, die da weg kamen, aller Diengs ist Fritz Lehnert noch nicht mit Mir gekommen auch so der Backeberg der ist ja auch Kinderreich, mein Geburtstag habe ich noch dort feiern können, so werde ich jetzst als Infanterist gehen, so kann ich aber heute Abend noch bei guter Gesundheit schreiben hoffe es ja nun auch von Euch Allen, werde nun erst ausgebildet wie lange weiß ich ja nicht, habe viel zu tuhn so bleibt das ganze schreiben ebend ein bischen nach so ebend müßt auch Ihr das schreiben einstellen da ich keine richtige Feld.N. habe ganz lange wird es mit den Fritz L. auch nicht dauern den er ist auch Jahrgang 11, ihm hat es gedauert das er mit mir nicht mit konnte, Nun hoffen wir doch das aller beste das mann gesund da bei bleibt. Auch bekomme ich ebend keine Post, die Ihr noch geschrieben habt die geht zur Kolone u weiter zu Mir.

Otto Pärschke wohlte auch noch schreiben an Euch das ich da weg kam er wird ja nun wohl bei der Kolone bleiben weihl er doch Sattler ist. Heute ist nun der schöne Sonntag gewesen aber ich habe nicht viel davon bemerkt. Dienst. Hoffendlich seit Ihr doch Alle gesund, das auch von Mir, ihr werdet ja schön auf Post warten, ich weiß es aber es ist einmal nun so jetzst geht’s noch zum kalten W.

So will ich schließen so bald ich seit habe schreibe ich mehr. Und mich geht es gut. So die schönsten Sonntagsgrüße von den Lieben Papa!

 

22. November 1943 – Karl nach Schneflingen

Liebe Mama! u. Heinrich!

u die beiden Ohmas!

Doch heute kommt man doch mal zur besinnung das ich dann mal wieder an Euch, die herzlichsten Grüße aus dem Osten, senden kann, bin nun schon 14 Tage von meiner Fahrkolone [sic!] weg, u bin nun grade ein mal zu schreiben, gekommen, ich weiß eure Sehnsucht nach mein Brief so groß ist, aber ihr müßt doch mal bedenken, mein Dienst geht von morgens 4.30 bis abends 20 Uhr. Dann habe ich Feierabend. Dann muß ich schon sorgen für den nächsten Tag das ich alles in ordnung habe den es geht doch beim Infanterist anders zu als vorher, werde ebend noch ausgebildet aber es kann diese Woche vielleicht von [Textverlust] muß man weiter sehn. so Ihr Lieben Alle, geht es mir noch gesundheitlich gut. Hoffe es doch auch von Euch Allen noch dasselbe. Wir haben ebend noch gutes Wetter das meine größte freude jetzst immer noch war, den wenn es hier Regen giebt da klebt es ganz gewaltig mann hat den gleich mal so breite Füße. U den noch bei dieser Übung hin legen da würden wir aussehen wie die Schweine von Lehnert habe ich noch nichts gehört dachte Ihm immer mal zu treffen denn die Kolone fährt öfters hier durch mein Ort durch, den Pärschke habe ich letzten Zigarren mitgeschickt da er die gerne Raucht der wird uns doch schon schön vermißt haben der Otto!

Nun Wie geht es Euch sonst noch, was macht die viele Arbeit, ist sonst noch alles im Stall gesund heute Nacht wird es schon mal ein bischen frieren habt ihr die Diemen schon versorgt = Keller. auch Post habe ich nun so lange Ich hier bin nicht bekommen als nur die Zeitungen u habe es noch gelesen von den Ernst Schulze glaubst ja nicht wie das ist, habe es drei, vier mal über gelesen u was machen nun die andern Krieger alle, Ich habe schon gesagt, liebe Erna, mann ist doch entweder 20 Jahr zu früh oder zu spät aber möchten das beste hoffen. Das wir uns bald einmal Wider sehn  mit den Urlaub fählt es wohl erst mal wider flach, ist Fritz Götje schon mal wider gewesen, ich habe ja ebend keine richtige Feldposte, so schnell es noch an der alten No 41110 es kömmt die schon an bis hier. Die wissen ja wo ich bin. So die schönsten Gesundheitsgrüße sendet der Papa! Liebe Erna, Heinrich, Mutter u. Großmutter, guten Nacht!

Kein Lebenszeichen Dezember 1943

Anscheinend hatte sich Karl Paelecke im Dezember 1943 nicht mehr bei seiner Familie gemeldet, so dass Erna Paelecke an Karls Kameraden Otto Pärschke mit der Bitte um Hilfe geschrieben hat. Otto Pärschkes Antwort ist erhalten:

18. Januar 1944 – Otto Pärschke an Erna Paelecke
18.1.1944.

Liebe Frau Paelicke.

Schon eine ganze Zeit, hatte ich schon den Gedanken gehabt, an Sie zu schreiben. Nur es geht ja bei uns Lanzern nicht immer so, wie man es gern möchte. Vorallem in den letzten Tagen. Wo wir mal wieder solch kleinen Marsch gemacht haben. Dabei wurde ich die Gedanken von Ihren Mann nicht los. Wie er mög diesen Marsch überstanden haben. Wie es hier zwar aussah, ist wohl die Infantrie mit Autos befördert worden. Obwohl er mir das versprechen beim Abschied gegeben hatte, sich zu melden, und mir somit seine No. mitzuteilen, habe ich bislang noch keine Nachricht von ihm erhalten.

Nun am Sontag den 16.1. erhielt ich Ihre lieben Zeilen vom 19.12. Sage Sie dafür meinen aller besten Dank. Doch wie ich leider daraus ersehen muß, geht es Ihnen nicht besser, als mir. Nur daß Sie doch seine neue Anschrift wissen. Wo diese mir auch noch unbekannt ist. Nun liebe Frau Paelecke, inzwischen werden Sie doch wohl schon ein Lebenszeichen von Ihren Mann erhalten haben. Sollte es Ihnen nichts ausmachen, und Sie einige Minuten Zeit aufbringen können, möchte ich Sie doch herzlichst bitten, mir diese mal mitzuschicken. Auch ich verspreche Ihnen, sollte ich was hören bei welchem Regiment sich Ihr Mann befindet, teile ich es Sie sofort mit. Da es schon des öfteren nach vorhandenen Fahrer einige alten Kameraden sprechen konnten. Warum solte dies nicht auch mal der Fall mit Ihren Mann sein.

Wie Sie liebe Frau Paelecke aus diesen meinen Zeilen ersehen werden, konnte ich Sie leider auch keine genaue Mitteilung geben. Sondern gänzlich im Dunkeln bin. Alles., was ich zu berichten wuste, habe ich bestimmt getan.

Und muß nun somit leider schließen. Ich hätte Sie liebe Frau Paelicke ehr gern genaue Auskunft erteilt, wenn ich nur ein klein wenig wüste.

In der Hoffnung, daß Sie diese meine Zeilen in der besten Gesundheit, und recht bald erhalten.

Auch in der Zwischenzeit von Ihnen Wenn Nachricht bekommen haben,

Grüßt Sie Allen

hiermit vielmals

Otto Pärschke

Brief von Karl Paelecke (Januar 1944)

Im Januar 1944 schicke Karl Paelecke noch einen Brief nach Schneflingen. Das genaue Datum lässt sich auf Grund einer Beschädigung nicht mehr feststellen. Der leere Briefumschlag ist im Gegensatz zum Inhalt erhalten.

Beschädigter Poststempel vom Januar 1944. Der Inhalt ist nicht erhalten.

Undatierte Korrespondenz zwischen Vater und Sohn

Heinrich Paelecke, Karls Sohn, hatte seinem Vater ein Zeitungsfoto mit der Frage Bist Du das, Papa?

Karl Paelecke schickte das Foto mit folgender Anmerkung an seinen Sohn zurück:

So ähnlich sieht es aus auch jetzst fahr ich so ein paar schwarze Pferde.

Wie sie heißen Olaf und Quinten

leider bin ichs doch nicht!

Zeitungsfoto mit der Frage des Sohnes und der Antwort des Vaters (undatiert)

Gedenken an Karl Paelecke

Todesanzeige für Karl Paelecke
Gedenkstein für Karl Paelecke auf dem Ehrenmal auf dem Schneflinger Friedhof

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Brief über die Folgen der Luftangriffe in Berlin nach Schneflingen bei Wittingen (18. März 1943)

Auf Berlin gingen während des Zweiten Weltkrieges mehr Bomben nieder als auf jede andere deutsche Stadt. Das erste Mal wurde Berlin in der Nacht vom 7. auf den 8. Juni 1940 von französischen Marinefliegern als Vergeltungsaktion angegriffen. Zahlreiche weitere Angriffe folgten dann bis Anfang 1943. Am dem 16. Januar 1943 bombardierte die britische Royal Air Force Berlin erneut und bis zum 30. März 1943 wurden u.a. weite Teil des Bezirks Tempelhof, die Deutschlandhalle, die St. Hedwigs-Kathedrale sowie das Deutsche Opernhaus getroffen. Bei diesen Angriffen entstanden über 600 größere Brände und Schäden an mehr als 20.000 Häusern. Es wurden ganze Stadtteile zerstört und mehrere hundert Menschen starben. Während dieser Zeit der intensiven Luftangriffe wurde der unten stehende Brief von Berlin nach Schneflingen geschickt.

Am 18. März 1943 verfassten Wilhelm, Elisabeth und Kläuschen einen Brief nach Schneflingen bei Wittingen. Darin schildern die Verfasser die Bombenangriffe sowie die Folgen sehr deutlich.

Wer genau die Empfänger waren und wo sie in Berlin wohnten, lässt sich nicht mehr klären. Der dazugehörige Briefumschlag mit Absendernamen und Adresse ist nicht mehr erhalten. Gefunden wurde dieser Brief auf der Haushaltsauflösung des Hofes Wolf/Paelecke in dem kleinen Dorf Schneflingen südlich von Wittingen. 

Berlin, d. 18.III.43.

Ihr Lieben alle!

Da Ihr mich und unseren kl. Liebling noch nicht kennt und auch in dieser ernsten Zeit keine Meinung habt uns zu besuchen, wollen wir uns doch wenigstens im Bild mal vorstellen. Der Kleine ist jetzt recht drollig, ein richtiger kl. Wildfang. So ganz wie ein Junge sein muß und so wie ich ihn mir immer gewünscht habe. Aber trotzdem ist er sehr artig dabei, verwöhnt habe ich ihn nicht. Bei diesem schönen Wetter ist er von 12-7 Uhr draußen. Weinen tut er selten, er wie genau, daß er nichts damit erziehlt. Ein Kindchen bringt dich unendlich viel Freude. Vor 4 Wochen war Rieckchen 3 Tage hier. Sie kann froh sein, daß sie den Angriff hier nicht miterlebt hat. Der war zu furchtbar. Mir steckt der Schreck noch in den Gliedern. Beim geringsten Geräusch zucke ich zusammen und denke es ist Allarm. Das letzte mal wird es auch nicht gewesen sein. Es waren nachdem schon wieder Aufklärer hier und warfen am hellen Tage Bomben. Also müßen wir auf alles gefaßt sein. Wenn es Abend wird, ist einem schon angst und bange und vorher war ich immer so gleichgültig und war immer froh wenn Wilhelm nichts sagte, daß wir in den Keller wollten. Und jetzt zittere ich an allen Gliedern, wenn die Sirene geht. Es war aber auch zu furchtbar. Beschreiben kann ich es gar nicht. Um uns herum sieht es böse aus. Wir sind wie durch ein Wunder verschont geblieben. Sonst immer und Außenfenster alle zertrümmert. Aber wir haben doch unser Heim noch. 56000 haben es nicht mehr. Davon fallen auf Steglitz allein 20000 Obdachlose. Wir sollten auch welche aufnehmen. Als man sich jedoch überzeugt hatte, das alle Fenster raus waren, nahm man Abstand. Sonst hätten wir es gern getan, denn die armen Menschen tun einem so leid, wenn sie vor einem Nichts stehen. Und wer weiß ob es nicht uns das nächste Mal trifft. Wir haben im Keller gesessen und sahen den Todt nur jeden Augenblick vor Augen. Wir hörten wie die Bomben einschlugen und dazu das Geballter der schweren Flack. Es hat auch Niemand geglaubt, daß wir das Tageslicht wieder erblickten. In unserem Hinterhaus ist eine Wand eingestürzt. Als der Kellerfenster zerschlug und Staub und Mörtel hereinflogen war es bei den meisten mit der Fassung aus. Einer sah dem Andern entsetzt an und Jeder hatte nur ein Gebet auf den Lippen.

Und als wir denn raus kamen, nein dieser Anblick war zu schrecklich. Ich werde es in meinem ganzen Leben nicht vergessen. Als ob die Hölle los wär. Wo man auch hinsah überall Schutt und Scherben. Feuer an allen Ecken und Enden und dazu der fürchterliche Sturm. Es war ein entsetzliches Chaos, und hatte den Anschein als ob ganz Berlin in Flammen aufgehen sollte. Die Feuerwehr war jedenfalls nicht wo sie hin sollte. In unser ganzen Umgebung war jedenfalls keine. Uns schräg gegenüber und hinter uns brannte fast die ganze Straße aus. Von oben bis zum Erdgeschoß. Die Menschen hatten Last wenigstens die noch nicht brennenden Häuser zu schützen. In unserer Wohnung sind die Decken gerißen und ein Türschloß rausgerißen. Der Wind heulte nur so durch die Wohnung. Ich war die Nacht und am andern Tag mit dem Kleinen bei den Leuten unter uns. Die hatten wenigsten im Wohnzimmer heile Fenster.  Alle Fenster wurden mit Pappe vernagelt. Wer weiß wenn sie noch gemacht werden. Die Glaser sind ja schon aus aller Welt eingesetzt. Aber es ist ja auch unendlich viel kaputt. Zu beiden Seiten der Straße lag ein Wall von Scherben. Am nächsten Tag waren wir wie von aller Welt abgeschlossen. Es kam keine Post und keine Zeitung, ging kein Telefon, fuhr keine S- und Straßenbahn. Die Feuerwehr rasselte andauernd, Sicherheits- und Hilfsdienst, Rettungswagen und Volksgenossen mit ihrem letzten Hab und Gut auf Wagen, Karren oder im Bündel belebten das Straßenbild. Überall vergrämte Gesichter. Diese eine Nacht hat die Menschen um vieles ernster gemacht. Wie hoch die Zahl der Opfer ist wird gar nicht bekannt gegeben. In der ersten Woche waren es 486 Tote und 377 Schwerverletzte. An manchen Stellen arbeiteten Bagger um Verschüttete zu bergen. Aus einem Keller wurden 45 Leichen geborgen; Sie sollen sich in ihrer Todesangst alle aneinander geklammert haben. 40 Soldaten, welche Aufräumungsarbeiten machten, wurden von einem einstürzenden Haus verschüttet und zerschmettert. Auf einem Friedhof in unserer Nähe wurden an einem Tag 100 beerdigt. 2 Tage nach dem Angriff brach in unserer Nebenstraße nochmal Feuer aus, Phosfor war trocken geworden und hatte sich wieder entzündet. Es ist nur gut, daß das Wetter jetzt so schön ist, sonst würde der Schaden immer noch größer. Als es natürlich regnete kam es bei uns auch schon durch. Ich wüßte noch vieles mehr, kann es aber nicht alles auf Papier bringen.

In der Hoffnung daß es Euch allen gut geht grüßen Euch Wilhelm, Elisabeth u. Kläuschen.

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Adolf Blanke – gefallen am 13. Oktober 1916 bei St. Mihiel

Adolf Blanke wurde am 7. Mai 1894 geboren. Sein Zwillingsbruder war Rudolf (1894-1963). Sie waren Söhne des Fabrikbesitzers Diedrich Blanke (1848-1929)und dessen Ehefrau Luise, geb. Käseberg (1856-1898). Diedrich Blankes  Kriegstagebuch von 1870/71 ist hier zu lesen. 

Sein jüngerer Bruder Werner Blanke (1896-1991) schreibt in seinen Erinnerungen über seinen Bruder Adolf:

Der Erste, der aus dem Leben scheiden musste, war Adolf. Er war der Zwillingsbruder von Rudolf. Beide wurden am 7. Mai 1894 in Ahlden geboren. […] Sie waren unzertrennlich, obgleich sie sehr unterschiedlich waren. Rudolf war klein und hatte fast schwarze Augen, Adolf war groß und blauäugig. Beide hatten weißblonde Haare. Rudolf war das schwarze Schaf der Familie. Adolf war ein sehr artiges, folgsames Kind, das keinen Streit leiden konnte. […]

Rudolfs Zwillingsbruder Adolf hat nur ein sehr kurzes Dasein erlebt. Auf der Schule war er ein Musterschüler, gewissenhaft, fleißig und ausdauernd. Nach der Konfirmation ging er mit Rudolf nach Verden und zwar in eine Weingroßhandlung. Man hätte ihn nach den Lehrjahren gern dort behalten, aber dann wäre er allein in Verden gewesen. Vater war bereits in Berlin, Rudolf zog nach Frankfurt. Deswegen nahm Adolf Stellung bei den Hackethal-Kabelwerken in Hannover, wo er an Robert und Hedwig verwandtschaftlichen Halt fand. […]

Adolf war mein Lieblingsbruder. In den Ferien waren wir oft zusammen. Hatte er frei, so wanderten wir.

Adolf lernte den kaufmännischen Beruf in einer Weingroßhandlung Verdens. Nachdem er ausgelernt hatte, ließ man ihn nur ungern nach Hannover ziehen, wo er in den Hackethalwerken sich bald eine Vertrauensstellung erwarb. Sein Aufstieg wurde durch den frühen Tod als Kriegsfreiwilliger verhindert. […]

Dann brach der (erste) Weltkrieg aus. Adolf und ich traten als Kriegsfreiwillige in das Heer, Adolf wurde als Telefonist ausgebildet. Er trug als Soldat eine Rolle Draht auf dem Rücken, die sich beim Gehen abrollte. Ein anderer Soldat hängte den Draht seitwärts an Gebüsch usw. auf. Bei dieser Tätigkeit blieb er meistens in der zweiten Linie, die nur durch Artillerie beschossen wurde. Nur da, wo der inzwischen eingetretene Stellungskrieg in Angriffskrieg sich wandelte, war Adolf allen Waffen ausgesetzt.

Für mich war schon der Krieg vorbei. Zum 2. Male verwundet, war ich als dienstunfähig entlassen und war schon Lehrer in Hankensbüttel, als ich die mir unbegreifliche Nachricht bekam, dass Adolf am 19. Oktober 1916 in der Nähe von St. Mihiel bei Verdun gefallen sei. […]

Er hatte das fürchterlichste Trommelfeuer in der Champagne hinter sich. Sie lagen bei St. Mihiel „in Ruhe“. Da wurde er zur Schreibstube gerufen und bekam einen Urlaubsschein. Er telegrafierte die freudige Nachricht an Vater in Berlin. Sein Zug aber fuhr erst am nächsten Morgen. So ging Adolf mit anderen Urlaubern in einen Unterstand. Sie sangen, lachten, scherzten und freuten sich auf morgen. Im Tagesanbruch eilten sie zur Bahn. Zwei Wege führten zum Ziel, ein weiter, sicherer und ein kurzer, gefahrvoller und deswegen verbotener Weg. Er wurde vom Feind immer wieder heftig beschossen. Trotzdem wählten die Urlauber diesen. Schon waren sie fast aus der Gefahrzone, da schlug eine Granate zwischen sie. Adolf trug ein schwarz-rot-goldenes 10 cm breites Band in der Brusttasche, das ihm ein böhmischer Offizier bei Kriegsausbruch in Aussig geschenkt hatte. Ich habe es zurückbekommen. Es war zusammengefaltet 1 dm² groß. Darin sind allein 4 Einschläge von Granatsplittern. In einem mir zurückgesandten Bilde zähle ich sogar 9 Einschüsse. Ein Bild, das ihn zeigt, hat zwar nur 3 Treffer, aber einer ist 16 cm² groß. Eine Skizze zeigt die Stelle, wo er verblutete.

Adolf Blanke Telegraphist bei der Fernsprechabteilung des 18. Armeekorps (Fernsprechabteilung 18). Gefallen ist er am 13. Oktober 1916 während Kämpfe auf den Maashöhen bei St. Mihiel, an denen das 18. Armeekorps vom 09.10.1916 bis 12.11.1916 teilnahm. 

Karte aus der Brusttasche von Adolf Blanke. Die Schäden durch den Granattreffer sind deutlich zu erkennen. Adolf Blanke steht links hinter dem Schild in feldgrauer Uniform. Die Aufnahme entstand im Festungslazarett Germersheim (1915).
Skizze des Ortes, wo Adolf Blanke am 13. Oktober 1916 gefallen ist. Das rote Kreuz rechts markiert den genauen Ort östlich von St. Mihiel.
Skizze der Lage des Grabes auf dem deutschen Soldatenfriedhof in St. Mihiel
Das ursprüngliches Grab auf dem deutschen Soldatenfriedhof in St. Mihiel

Deutscher Soldatenfriedhof St. Mihiel

Der in St. Mihiel in der heutigen Rue de la Porte à Metz gelegene deutsche Soldatenfriedhof wurde in den 1920er Jahren aufgelöst und die 600 bis 700 Gefallenen – die Angaben widersprechen sich –  wurden auf die Kriegsgräberstätte Troyon und die Kriegsgräberstätte St. Mihiel im Gobessart-Wald umgebettet.

Noch heute ist die Einfriedungsmauer des ehemaligen Friedhofs St. Mihiel vollständig erhalten. Gut zu erkennen ist hier noch der ehemalige Eingang zum Friedhof, in dessen Nähe die Gräber von Adolf Blanke und Franz Burg lagen.

Im Hintergrund auf dem Foto der beiden Gräber ist das Haus Rue de la Porte à Metz 20 zu sehen. Das Aussehen des Hauses heute sieht dem auf dem Foto des ursprünglichen Grabes äußerst ähnlich und die Lage stimmt mit der obigen Skizze überein. Gegenüber dem Haus befand sich der Eingang zum Soldatenfriedhof – heute Rue Porte à Metz 27. 

In den Namenslisten der Kriegsgräberstätte Troyon findet sich der Name Adolf Blanke nicht, dafür aber ein Andreas Blanke mit gleichem Sterbedatum wie Adolf Blanke. Vermutlich handelt es sich dabei um Adolf Blanke. Vielleicht war der Name bei der Umbettung nicht mehr genau zu entziffern und aus dem eigentlichen Namen Adolf wurde dann fälschlicherweise Andreas.

Foto eines deutschen Fotografen des Soldatenfriedhofs St. Mihiel (vor Kriegsende 1918). Rot markiert ist die mutmaßliche Lage der Gräber von Adolf Blanke und Franz Burg. Die Friedhofsmauer ist heute noch fast vollständig erhalten.

Feldpost von Adolf Blanke an seine Schwester Hedwig, seine Schwager Albert und seine Nichte Ruth Velten

Insgesamt sind sieben Feldpostkarten und -briefe vollständig erhalten sowie ein Fragment, bei dem mindestens die erste Seite fehlt. Die sieben vollständigen Dokumente werden hier im Wortlaut wiedergegeben:

Undatiert

Meine liebe süsse Maus!

Sei Deinem Onkel bitte nicht böse, dass er Dir zu Deinem Geburtstag nicht geschrieben hat. Ich hatte es tatsächlich vergessen, wie ich Vater 4 Wochen zu früh schrieb. Wenn meine Glückwünsche auch verspätet kommen, so sind sie aber noch eben so herzlich gemeint. Anbei meine Aufnahme aus dem Schützengraben, wirst Du mich erkennen.

Für heute recht herzliche Grüsse

Dein Onkel Adolf 

Undatierte Feldpostkarte mit Foto von Adolf Blanke an seine Nichte Ruth Velten

31. März 1915

Meiner süssen Maus herzliche Grüsse. Dieses ist eine Aufnahme aus unserer Ruhezeit, ich kam s. Zt. fort und bekomme daher erst jetzt die Aufnahme. Die mit x beschrieben sind meine Kameraden, mit denen ich jetzt immer zusammen bin. Herzlichste Grüsse Onkel Adolf

Feldpostkarte vom 31. März 1915 an seine Nichte Ruth Velten
Bearbeitetes Gruppenfoto - Das Kreuz ganz rechts markiert Adolf Blanke

1. April 1915

Meine lieben Hannoveraner,

habt recht herzlichen Dank für Eu[e]r liebes Päckchen, habe auch über alles sehr gefreut. Auch für Deinen lieben Brief, liebe Tille, danke ich Dir herzlichst. Weshalb ich nicht schrieb und wo ich ste[c]kte, kann ich Euch leider nicht schreiben, hier ist für uns Briefsperre, es können nur Karten geschrieben werden, die dann vom Kommandeur durchgelesen und gestempelt werden. Vielleicht kann ich Euch später ja mal darüber ausführlicher schreiben. Es wird Euch ja vorläufig genügen, wenn ich Euch schreibe, dass es mir noch immer vorzüglich geht. Die Briefsperre hat seine strategischen Gründe, und ich weiss nicht, wie lange sie noch dauert. Ihr könnt nun aber Briefe weiter schreiben. Ich habe innerhalb 14 Tagen bis 3 Wochen knapp 3 Briefe im Ganzen bekommen. Da kannst Du Dir denken, liebe Tille, worüber ich mich gefreut habe, als Dein Brief ankam. Ich hoffe, dass es Euch allen auch sehr gut geht und wünsche Euch allen recht fröhliches Osterfest.

Euer Adolf

13. Mai 1915

Roye, den 13. Mai 15.

Liebe Hete!

Ich habe in meinem Briefe vergessen, zu fragen, wozu der Zettel von der Sparkasse der Kapital: Versich. Anstalt, den Ihr mir in einem Brief gesandt habt, sein soll? Muss der evtl. ausgefüllt werden?

Recht herzlichen Gruss

Dein Adolf

14. Mai 1915

Roye, den 14. Mai 1915.

Mein lieber Albert!

Dein l. Paket mit Zigarren habe ich bekommen und mich riesig darüber gefreut. Hab herzlichen Dank. Meinen Brief habt Ihr wohl schon bekommen? Mir geht es gut.

Euch allen recht herzl. Grüsse von Eurem Adolf.

18. Juni 1915

Winterlager, den 18.6.15.

Mein lieber Albert!

Habe herzlichen Dank für Deine Pastillen gegen den Durst, habe mich sehr darüber gefreut. In den nächsten Tagen schreibe ich mal wieder ausführlicher. Ist Werner schon in Hannover angekommen? Mir geht es noch immer gut. Gestern haben wir schwer Feuer gekriegt.

Allen herzliche Grüsse, besonders Dir Dein Adolf.

25. Oktober 1915

Poststempel 25.10.15. 1-2N Kais. Feldpost-Station Nr. 45 C

Liebe Hete und lieber Albert!

Nehmt es mir bitte nicht übel, dass ich Euren Hochzeitstag ganz vergessen hatte, aber trotzdem sind meine Glückwünsche noch eben so herzlich gemeint. Das wäre mal wieder solch eine schöne Gelegenheit gewesen, sich bei Euch mal durchzufüttern, da ist mir mal wieder etwas aus der Nase gegangen. Dass Mausi so krank war, tat mir aber leid, die lüttje Süsse, nur gut, dass sie wieder besser ist. Mir geht es noch immer, wie ich besser garnicht verlangen kann. Seid für heute recht herzlich gegrüsst

Von Eurem Adolf.

Feldpost im Andenken an Adolf Blanke

Zwei Feldpostbriefe sind im Andenken an Adolf Blanke überliefert. Über die beiden Verfasser liegen keine weiteren Informationen vor.

Brief an Albert Velten (Schwager von Adolf Blanke) von Sergeant Lömcker vom 26. Dezember 1916

Sehr geehrter Herr Velten!

Aus Ihren Zeilen v. 8.12. habe ich ersehen, daß mein Brief u. die Aufnahme des Grabes in Ihrem Besitz sind. Es ist mir eine große Freude, daß meine Zeilen Ihnen wenn auch nur kleiner Trost waren. Wie sehr haben auch wir unseren lieben Blanke besonders jetzt in den Weihnachtstagen vermißt. Er war ja auch jedem ans Herz gewachsen. Am heilig Abend haben wir seiner besonders gedacht und Ihren, mir übersandten guten Wein getrunken, wofür ich im Namen aller vielmals danke. Auch für Ihre l. Zeilen Ihnen sehr dankbar gestatte ich mir, Ihnen ein fröhl. u. zufriedenes Neujahr zu wünschen. Mit deutschem Gruß Ihr ergebener Fz. Lömcker.

Brief von Karl Röttjer an Hedwig Velten (Adolf Blankes Schwester) vom 25. Juni 1918

Liebe Hedwig!

Hoffentlich ist die Zeichnung gut wieder in Deine Hände gelangt und Du hast gesehen, daß ich Adolf´s Grab gefunden habe. Nun habe ich ihm gestern für die mir gesandten 5 M, einen sehr schönen Kranz aufs Grab gelegt und hoffe, so bald die Comp. wieder aus Stellung kommt, daß unser [unleserliches Wort], wenn er Farbe bekennt, nun die Schrift erneuert. Mit den besten Grüßen für Dich und Deine lieben Angehörigen Dein Karl Röttjer.

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Mitteilung über den Tod des Unteroffiziers Gustav Ermert vom 3. November 1944 (Panzergrenadier Regiment 5)

In einem Brief vom 3. November 1944 wurde Karl Ermert aus Kirchen/Sieg der Tod seines Sohnes Gustav Ermert mitgeteilt. Dem Schreiben nach ist Gustav Ermert am 29. Oktober 1944 bei Abwehrkämpfen bei Augt in Kurland, dem heutigen Lettland, durch Granatsplitter gefallen. 

Laut der Seite des Volksbundes ist er bei Mugt gefallen. Sein Grab befindet sich heute auf der Kriegsgräberstätte Saldus (Frauenburg) – Block D Reihe 27 Grab 840. 

Den genauen Ort seines Todes konnte ich bisher nicht verifizieren.

Die Feldpostnummer 24680 B, unter der die Todesmitteilung abgeschickt wurde, gehört zur 5. Kompanie des Panzergrenadier Regiments 5. Dieses war im Jahr 1944 der 12. Panzer-Division unterstellt, welche 1944 bei der Heeresgruppe Nord eingesetzt war. Aus Geheimhaltungsgründen wurde nur die Feldpostnummer angegeben, aber nicht die genaue Einheit.

In der Kesselschlacht von Kurland wurde die deutsche Heeresgruppe Nord ab Oktober 1944 eingeschlossen. In der Zweite Kurlandschlacht am 27. Oktober 1944 traten sowjetische Divisionen gegen die deutschen Stellungen an. Die sowjetischen Truppen konnten zwar mehrere Einbrüche in die deutschen Linien erzielen, aber der herangeführten deutschen Reserve gelang es, zahlreiche Panzer abzuschießen, allerdings zum Preis hoher eigener Verluste. Das X. Armeekorps verzeichnete fast 50% Ausfälle. Die Heeresgruppe Nord verlor über 68.000 Mann an Gefallenen und Verwundeten.

Gustav Ermert war einer der Gefallenen dieser Zweiten Kurlandschlacht. 

Der Briefumschlag mit der Todesmitteilung trägt den Feldpoststempel mit Datum vom 16.12.44. Der Brief mit der Todesmitteilung datiert auf den 3.11.1944.
Originalbrief der Todesmitteilung
Beglaubigte Abschrift vom 14. Mai 1946.
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