Florian Leister – Reserve-Infanterie-Regiment 92 (Kriegstagebuch 18. Dezember 1915 – 13. Dezember 1918)

Florian Leister wurde am 30. Januar 1877 in Herbstein geboren. Seine Eltern waren Adrian Leister (1831-1918) und Lucia Leister, geb. Sauer (1836-1918). Am 22. Oktober 1900 heiratete er Katharina Magdalena Traud (1881-?). Ihre gemeinsame Tochter Maria Katharina Staubach, geb. Traud (1901-2002) war mit dem Sattler Nikolaus Staubach (1896-1945) aus Herbstein verheiratet. Dessen Kriegstagebuch zum 1. Weltkrieg ist hier nachzulesen.

Florian Leister verstarb am 16. Februar 1948 im Alter von 79 Jahren in Herbstein.

Für die freundliche Bereitstellung der Fotos danke ich der Urenkelin Claudia Ruhl-Michler.

Florian Leister als Soldat (undatiert)
Florian Leister im Jahr 1946

Wann genau Florian Leister zum ersten Mal als Soldat gedient hat, geht aus dem vorliegenden Kriegstage nicht hervor. Auch ist unklar, in welcher Einheit er zu Beginn seiner Aufzeichnungen Soldat war. Ab dem 15. September 1916 war Leister Soldat beim Reserve-Infanterie-Regiment 92.

Sein Kriegseinsatz endete am 13. Dezember 1918 mit der Rückkehr in seine Heimat Herbstein. An dem Tag beendete er auch seine Aufzeichnungen.

Auf der rechten Seite beginnen das Kriegstagebuch am 18. Dezember 1915. Links stehen Adressen von anderen Soldaten.
Auf der linken Seite endete das Kriegstagebuch mit der Nennung des Namens sowie des Geburtsdatums. Auf der rechten Seite hat er die Todesdaten seiner Eltern vermerkt. Sein Vater Adrian Leister verstarb am 10. Juni 1918 im Altern von 87 Jahren 3 Monaten 10 Tagen. Seine Mutter Lucia Leister, geb. verstarb am 21. Dezember 1918 im Alter von 82 Jahren 5 Monaten 28 Tagen. Die Namen seiner Eltern nennt er auf dieser Seite allerdings nicht.

Florian Leister – Kriegstagebuch vom 18. Dezember 1915 bis 13. Dezember 1918

Ausmarsch 18.12.15.

am 18.12.15 wahren wir in Sedan von Sedan sind wir der Grenze entlang bis nach Grandpre [Grandpré][.] Da haben wir 1 ½ Tage gelegen dan sind wir in Arkanen [Argonnen] Wald in Reserve Stellung da haben wir 1 Tag gelegen. Dann sind wir ins Tafelland[,] da lagen wir wieder in Unterständen 3 Tage[,] da haben wir das Weihnachtsfest gefeiert. Es wahr ein drauriges[,] wir haben Holz in die Stellung schaffen müssen[,] dann sind wir ins Muther Lager da haben wir wieder 4 Tage gelegen[,] dan wahr ich bis zum 10.1.16 an der Front[,] dan bin ich hinter die Front als Pferde Fleger gekommen[,] da wahr ich vom 10.1.16 bis zum 6.4.16. Dan bin ich wieder zur Kompanie in den Argonen [Argonnen]. Daselbst hatten wir am 15.4.16 einen schweren Tag[,] am 17.4.16 hatten wir wieder einen[,] dan sind wir 5 Tag in Ruh dan 5 Tage in Reserve[,] dan 5 Tage in I. Stellung[,] am 31ten 4.16 hatten wir wieder schweren Mienentag. Am 1.5.16 hatten wir wieder einen. Am 1 Mai nachts ½ 12 Uhr fiel mein Nebenmann durch einen Granatsplitter. Thomas von Gersweit.

Am 5.5. drangen die Franzmänner in unseren Graben ein[,] sie haben aber den Asch gewaschen bekommen. Dan hatten wir ziemlich Ruhe vom 22.6.16 bis 5.7.16 hatte ich Uhrlaub[,] wurde aber schon am 27.6.16 wieder zurückgerufen[,] am 29.6.16 sind wir verladen worden[,] am 30.6.16 wahren wir in Marville[,] da haben wir bis zum 11.7.16 in Ruh gelegen[,] von dort bin ich von dem Regiment 168 wechgekommen am 11.7.16. Dann habe ich 2 Tage in Aute [Authe] gelegen[,] dan bin ich vom 13.7.16 bis zum 13.9.16 in Brikqunäy [Briquenay] gelegen. Von da haben wir 3 Tage im Feld Rekruten Depot in Otrief [Autruche?] gelegen[,] am 15.9.16 sind wir ins Res. Ift. Reg. 92 gekommen[,] wo wir als bald in Stellung gingen[,] in welche wir am 29.6.16 verlassen haben in den Argonnen. Ich kam in die erste Kompanie. In den Arkonen [Argonnen] wahr ich dan bis zum 4.10.16. Da wurden wir abgelast[,] dan sind wir in Tagemärsche weitergerückt[,] am 5.10.16 bis nach Grandpre [Grandpré] daselbst wahren wir noch am Abend im Kino am 6.10.16 sind wir von Grandpre [Grandpré] bis nach Fosse [Fossé?] unterwegs habe ich auch mal abgemacht. Am 8.10.16 wahr ein Sontag[,] da hatten wir Ruhetag morgens hatten wir Katoliken Kirchgang[,] wo wir Alle zu den heiligen Sakramenten gewesen[,] am 9.10.16 sind wir von Fosse [Fossé?] nach Harikourt [Barricourt?][,] wo wir abends um 9 Uhr verladen wurden dan sind wir durch Belgen [sic!] gefahren und kamen am 10.10.16 abens 10 Uhr in Velu an[,] dan hatten wir noch einen Marsch bis nach Neuville[,] wo wir um 1 Uhr nachts ankamen[,] am 11.10.16 morgens bin ich dan nach Betingcourt [Béthancourt-en-Vaux?][,] von wo ich 14 Tage in Uhrlaub gefahren bin[,] am 27.10.16 bin ich wieder von zu Hause wegefahren[,] als ich dort ankam[,] wahr unßer Batalon schon von der Same [Somme] weg[,] ich bin dan nachgereist und kam am 31.10.16 Nachmittags in St. Mauricie [Saint-Maurice-sous-les-Côtes] bei der Kompanie an[,] wo auch unßer Ruhelager ist[,] von da sind wir am 1.11.16 in Stellung gegangen auf die Compleshöhe [Combreshöhe – Combres-sous-les-Côtes] da wahren wir abwechlent auf Feldwache und Postenstehn im Graben. Feldwache wahr in Longoug [Longeau] Thal zwischen La Barsche [Les Éparges] und St. Maures [Saint-Maurice-sous-les-Côtes] vom 24.11.16 bis zum 30.11.16 wahr ich in Hanville [Hannonville-sous-les-Côtes] und habe ein Kursus über Brieftauben durchgemacht.

Am 1.12.16 gingen wir wieder in Stellung wo ich am 5.12.16 abends um ¼ vohr sieben Uhr bei einen Sturmangriff durch eine Gewehrgranate verwundet wurde ich kam dan ins Res. Feld Laz. N. 48[,] welches in Labeuwille [La Neuville, Belgien] wahr[,] am 12.12.16 wurde durch Oberation ein Eisensplitter[,] welcher mir im rechten Unterarm stekte[,] entfernt. Im Res. Feld. Laz. habe ich gelegen vom 9.12.16 bis zum 3.1.17[,] dan kam das Lazarett nach Mars La Tur [Mars-la-Tour][,] da wahr ich vom 3.1.17 bis zum 1.2.17[,] dan kam ich ins Ersatz Depot nach Moel[,] da wahr ich bis zum 3.2.17[,] da wurde ich abkomantiert nach St. Maurice an die Bahn bis zum 10.2.17[,] von da wahr ich wieder bei der I Kompanie R. 92[,] am 15.2.17 wurden wir an der Kompres Höhe [Combres-Höhe] abgelöst[,] am 16.2.17 morgens 3 Uhr wurden wir dan auf Station Vinelles Wald verladen[,] wir kamen gegen Mittag auf Station Longong [Languyon] an[,] wo wir ausgeladen wurden[,] dan sind wir marschiert bis nach Tellangcourt [Tellancourt] [,] da wahren wir vom 16.2.17 bis zum 29.2.17 in Ruhe. Am 24.2.17 kamen wir wieder wech[,] morgens um 6 Uhr sind wir an einer Station zwischen Longwy und Longong [Longuyon] verladen worden[,] dan sind wir 12 Stunden mit der Bahn gefahren[,] abens um 8 Uhr wurden wir ausgeladen und kamen dan des Nachts nach einem schönen Marsch in ein französisches Dorf ins Quatir in Froitmont [Froidmont-Cohartille] [,] da haben wir zwei Tage gelegen[,] dan sind wir am 28ten morgens um 5 Uhr abmarschiert und kamen abens um 10 Uhr in Stellung an[,] das wahr ein bößer Marsch. Die Füße ganz durchgelaufen[.] Die Stellung nante man die Caronner Höhen [Craonne Höhen] [,] dan lagen wir vom 28.2. [bis] 7.3.17[,] dan wurden wir etwas mehr nach rechts geschoben und kamen in die Souffen Höhle[,] wo unsere Krieger schon in 1870 gelegen haben[,] da wahren wir vom 7.3.17 bis zum 9.3.17[.] Dann zogen wir in die Maiwald-Höhle[,] das sind ausgegrabene Kreiden Berge. Da wahr ich bis zum 22.3.17[,] dan kam ich zum Fahrbaren Taubenschlag 89VII[,]da sind wir dan abwechselnt mit Tauben nach Stellung[,] da wahren vom 6.4.17 zum 18.4.17 schwere Schlachten im Gange[,] die schreklichsten[,] die in diesen Kriege geführt worden sind[.] Der Franzmann hat sich aber den Kopf gehörig eingerant. Am 4.5.17 sind wir dan von Coucy les Eppes [Coucy-lès-Eppes] wech[,] fuhren dan von Liessy [Liesse-Notre-Dame] mit der Bahn nach bis nach La Gagelle[,] wo wir über Nacht blieben[,] von da wurden wir dan am 5.5.17 verladen und fuhren abens 5 Uhr nach Rußland ab und kamen am 10.5.17 Morgens 8 Uhr in Mitau an[,] da wurden wir ausgeladen[,] von Mitau bin ich dann am 11.5.17 wieder wech 30 Kilometer weiter zurük[,] da wahr dan unßere Leben Arbeitsdienst und Exiezieren[,] wir wahren auf 2 Großen Höfen untergebracht[,] die Wohnungen wahren gut. Wir lagen in der Schule auf Gut Hayden bis zum 27.5.17. An diesen Tage sind wir morgens 8 Uhr abmarschiert und kamen nach 3 Stunden Bahnfahrt und 20 Kilometer Marsch durch einen Endlosen Wald von Tannen in der Reserve Stellung zwischen Riga und Tokum [Tukum] an[,] es wahr das Sumerak Lager. Am 10.6.17 wurde ich mit der Hessischen Tapferkeits Metalie ausgezeichnet. Am 14.6.17 sind wir morgens 8 Uhr in Lager Sumerak abmarschiert und kamen abend 6 Uhr in unsern alten Quatieren auf Gut Hayden an[,] es wahr ein böser Marsch in Sommerhitze und Straßen Staub[.]

Von 9.6.17 bis 15.7.16 wahr ich in Uhrlaub. Am 12.7.17 bin ich dan abens 8 Uhr von Herbstein ab und kam am 15.7.17 nachts um 12 Uhr in Tokum [Tukum] an[,] vom 18.7.17 bis zum 12.8.17 wahr ich Fahrer beim Batalion am Pakwagen. Am 22.7. kamen wir wieder von Tokum [Tukum] wech[,] abens um 7 Uhr wurden wir verladen und kamen am 24.7.17 morgens um 2 Uhr in Soly an und kamen östlich Wilna [Vilnius] in Stellung bei Smorgon [Smarhon bzw. Smorgon], wir lagen in Pomary [Ponara?][,] am 25[.] wahren die Rußen geworfen und zogen wieder ab am 27.7.17 sind wir wieder von dort abgezogen und kamen abens bis nach Potele[,] da blieben wir bis nachts um 1 Uhr[.] Dann wurden wir am 28.7.17 morgens wieder in Soly verladen und kamen am 29.7.17 wieder nach Mitau [Jelgava][.] Da blieben wir bis zum 24.8.17. Da sind wir morgens 7 Uhr von Mitau [Jelgava] abmarschiert und kamen Abends bis nach der Oberförsterei Annenberg[.] Da blieben wir die Nacht[,] es war ein schreklich heißer Tag[,] wir hatten keinen trockenen Faden mehr an uns fohr lauter Schweis[.] Von da sind wir am 25.8.17 morgens um 6 Uhr abmarschiert und man abens nach dem Gehöft Jonsen[,] da blieben wir die Nacht[,] am 26.8.17 morgens um 5 Uhr marschierten wir wieder ab und kamen nachmittags in einen großen Wald wo wir Biwak bezogen zwei Stunden von Neu Gut[,] da blieben wir bis zum 31.8.17[,] von da sind wir dan am 31.8. wieder nach vorne[,] am 1.9.17 ging dan die Sache los um 4 Uhr morgens fing unßere Atielerie an zu schießen[,] um 9 Uhr morgens began das übersetzen über die Düna um 12 Uhr Mittag hatten wir die 3 Rußischen Stellungen überrant[,] am 2ten 9. ging es weiter immer kämpfend vohr an den wahren wir als Reserve und lagen in einem großen Wald[.] Da haben wir sein gelebt wir haben uns aus den verlaßenen Dörfern geholt[,] was wir brauchten[,] es wahr ein richtiches Ziegeuner Leben. Am 7.9. hatten wir Kaißer Parade [Anmerkung jw: Die Parade war in Riga]. Am 10.9.17 wahren wir bei Riga aus gebracht[,] morgens ½ 8 Uhr sind wir aus unßeren Lager abmarschiert zurük über die Düna und blieben in Salit [Zālīte] bis zum 11.8.17 abens[,] um 6 Uhr gings nach dem Bahnhof Gedeny[,] wo wir verladen wurden[,] am 11.9.17 erhielt ich das Eiserne Kreuz wegen tapferem verhalten beim Übergang über die Düna und die dadurch folgende Kämpfe. Unsere fahrt ging dan von Osten nach dem Westen. Am 13.9.17 fuhr unser Zug bein Einfahren in den Bahnhof auf einen Güterzug[,] da gab es aber bei uns Burzelbäume[,] es schlug Alles durch einander[,] toten hatten wir keine[,] aber ein ganzen Batilon zürka 40 leicht verwuntete und einige Verschiedene Pferde von dem Güterzug wahren 5 Wagen in Trümmer. Ich bin mit einem kleinen Schreken davongekommen. Am 17.9.17 abens um 6 Uhr wahren wir in St. Gobert[,] wo wir aus geladen wurden. Vom 17.9.17 lagen wir bis zum 21.7.17 in Rougeries, von da sind wir morgens um 10 Uhr am Bahnhof St. Gobert verladen worden und sind am 22.9.17 Morgens um 2 Uhr an einem Bahnhof in der Nähe von Gent ausgeladen und marschierten dan nach Zülte [Zulte][,] wo wir ins Qwatier kamen. Da lagen wir bis zum 24.9.17 morgens[,] um 7 Uhr marschierten wir wieder ab bis nach dem Bahnhof Waregem[.] Da lagen wir bis abens 5 Uhr[,] dan fuhren wir ab nach Menien [Menen] und kamen nach Halluin zuliegen.

Am 26.9.17 morgens um 7 Uhr gings mit Sturmgepäck los und kamen bis bei das Dorf Schellouwe [Geluwe?][.] Da lagen wir in den Büschen als Reserven[,] da gabs schon mal ziemlich Saures. 5 Mann verwundet[,] ein Mann tot verwundet[,] am 27.9.17 lagen wir auch noch da und gingen dan abens bei Maschäde in Stellung[.] Da wir die Schlagt nicht Schlagt[,] ein schlachten wahrs zu nennen am 4.10.17 began der Ankriff von neuem[.] Das englische Tromelfeuer wahr nicht zum aushalten.

Die englischen Strum Kolonnen kamen in Haufen und bei allen dem haben wir stand gehalten[.] Die Schlacht dauert von morgens 5 Uhr bis abens 8 Uhr[,] es wahr ein schreklicher Tag[,] der schlimste[,] den wir bis dahin mitgemacht haben[,] in der Nacht von 6ten zum 7.10.17 wurden wir abgelöst und kamen nach Derlik [Deerlijk][,] wo wir blieben bis zum 8.10.17[.] Da marschirten wir nachts ½ 12 Uhr ab und in eine Station in Belgien verladen und fuhren bis nach Garignan [Carignan] und gelangten dann bis nach Tetäine [Tétaigne] [,] von da fuhr ich dan am 11.0.17 abens um 8 Uhr in Uhrlaub.

Am 17.10.17 kam das Regiment von Tetäine [Tétaigne] wieder wech und kam nach Romagne und kamen dan in Stellung im Wald von Malangcourt [Malancourt] [,] am 28.10.17 Nachmittags um ½ 4 Uhr fuhr ich von Herbstein wieder ab und kam am 29.10.17 Nachmittags in Romagne wieder an und kam noch am selben Abend in Stellung im Wald von Malangcourt [Malancourt] vohr der Höhe 304[,] eine Trostlose Gegend von Wald keine Spur mehr[.] Da blieben wir bis zum 17.12.[.] Da wurden wir abgelöst und kamen am 18.12. nach Stenay in die Kaserne[.] Da wahren wir bis zum 16.1.18. Da marschierten wir morgens um 6 Uhr ab bei Sturm und Regen[,] kamen dan nach Louby [Louppy-sur-Loison ][,] fuhren mit der Kleinbahn bis nach Romagne [Romagne-sous-les-Côtes] bei Verdun und gingen dan noch 11 Kilometer bis nach Billy[,] kamen daselbst in eine große Scheune und blieben über Nacht[,] am 17.1.18 zogen wir wieder in Sturm und Regen von Billy nach Romagne [Romagne-sous-les-Côtes] zurük[,] kamen dort in eine große Barake[,] blieben die Nacht und am 18.1.18 den Tag über da liegen und gingen von da am 18.1.18 abens in Stellung in der Orneschlucht [Ornes-Schlucht][,] wo wir 1916 schon gelegen haben aber die Gegend ist nicht wieder zu erkennen[,] vom Wald ist nichts mehr zu sehen. Alles verwüstet und zerstört. Alle Dörfer in der ganzen Gegend nur noch ein Schutthaufen. Am 5.3.18 haben wier morgens früh 5 Uhr 50 Minuten einen Sturm gemacht[,] haben aber nicht viel erreicht[,] 28 Gefangene[,] das wahr die beute. Am 28.3.18 in der Nacht von Grünendonnerstag zum Charfreitag wurden wier abgelöst und marschierten am 30.3.18 morgens 2 ½ Uhr vom Lager bei Romagne ab bis nach Springcourt [Spincourt] [,] wo wir die Nacht blieben. Am 31.3.18 am ersten Ostertag marschierten wir um 7 Uhr morgens wieder ab und kamen abens nach Villieres[.] Da kamen wir in Bürgerquatier und blieben da bis zum 10.4.18. Da marschierten wier abens 7 ½ Uhr wieder ab bis nach Autun[,] wo wir abens um 10 Uhr verladen wurden und kamen am 12.4.18 morgens um 8 Uhr in Touhrout [Torhout] in Flandern an [,] wo wier ins Quatier kamen. Da blieben wir bis zum 16.4.18 morgens um 4 Uhr marschierten wier wieder von Thouraut [Torhout] wieder ab fuhren eine Strecke Wegs mit der Bahn bis nach Lichterfelde [Lichtervelde] marschierten über Staten [Staden] und blieben den Tag über im Gelände liegen[,] am abend marschierten wier wieder zurük[,] blieben dan hinter Übern [Ypern] als Reserve liegen[,] suchten uns Unterkunft so gut es ging und haben dan am 17.4. und 18.4.18 die Straße aus gebessert. Am 18.4.18 abens ging es wieder weiter bis nach Rouliers [Roeselare, frz. Roulers] [,] wo wier die Nacht blieben[,] morgens um 8 Uhr ging es wieder weiter eine Strecke Wegs zu Fuß[,] dan sind wir mit der Bahn gefahren bis nach Lendelede. Da kamen wier ins Quatier und blieben da bis zum 21.4.18. Da ging es wieder am 21.4.18 morgens um 8 Uhr los in einem Marsch bis nach Halluin[,] wo wier im September 1917 schon mal gelegen haben. Da lagen wier bis zum 24.4.18. Da sind wir morgens abmarschiert bis zur Bereitschaft Stellung[,] am 25.4.18 morgens um 4 Uhr began das Tramelfeuer um 6 ½ Uhr ging der Sturm los der Engländer wehrte sich tapfer[,] mußte aber weichen[,] wir nahmen eine Stellung nach der anderen bis über den Kemmel Berg hinaus[,] bis unßere Atilerie nicht mehr so weit schießen konnte. Dan lagen wier fest[,] wier machten 7000 Gefangene am es wahren böße Tage[,] am 1.5.18 wurden wier abgelöst und kamen nach einem langen bößen Marsch nach Kuurne ins Quatier hier blieben wier bis zum 5.5.18. Da marschierten wir mittags um 2 Uhr ab und wurden um 4 Uhr nachmittags in Halebeke [Harelbeke?] verladen[,] fuhren dan 24 Stunden mit der Bahn bis nach Juniville[,] wo wier ausgeladen wurden[,] gingen dan bis in ein Waldlager[,] wo wier blieben bis zum 9.5.18[,] am Tage Himmelfahrt gingen wier abens in Stellung am Pöhlberg in der Champagne[,] am 26.5.18 erhielt ich eine Depesche[,] daß mein guter Vater im sterben liegt am 27.5. wurde unßer Batallion mehr nach rechts verschoben näher an Reims heran. Am 29.5.18 fuhr ich in Uhrlaub[,] abens um 9 Uhr ging ich im Waldlager wech und kam nachts um ½ 1 Uhr in Juniville an[.] Der Zug fuhr morgens 6 Uhr 40 Minuten von da ab[,] am 31.5.18 um 4 Uhr nachmittags wahr ich zu Hauße. Am 10.6.18 nachmittags um 6 Uhr ging mein Vater 87 Jahr 3 Monate und 10 Tage als in die Ewigkeit. Am 16.6.18 bekam ich 14 Tage Nachuhrlaub am 17.6.18 habe ich mir den rechten Fuß verbrant. Ich habe dan zu Hauße gelegen[,] am 3.6.18 kam ich dan nach Gießen ins Lazarett. Von da wurde ich ins Lazarett nach Osnabrück überwiesen und kam am 4.7.18 abens um 6 Uhr dort an[,] ich kam ins Reserve Lazarett Harmonie Glub [Harmonieclub] Hakenstraße [.] Da blieb ich bis zum 13.7.18. Da kam ich ins erste Ersatz Batallion Ift. Regt. 78 zur 5[.] Kompanie. Von 22.8. bis 2.9.18 wahr ich in Uhrlaub. Am 10.9.18 morgens 6 Uhr ging es von Osnabrück auf den Truppenübungsplatz Munster. Am 26.9.18 Nachts 1 Uhr sind wir wieder in Munster nach dem Westen ausgerükt. Am 29.918 abens kamen wier in Crepy [Crépy] bei Laon an[,] blieben die Nacht in Crepy [Crépy] und gingen am nächsten Morgen zur ersten Kompanie R. 93. Die Schreibstube lag in Vivaise[.] Da wahr ich bis zum 11.10.18. In der Nacht vom 11. zum 12ten 10.18 haben wir uns freiwillig zurükgezogen 40 Kilometer[,] kamen am 12ten 10.18 morgens um 7 Uhr in St. Gobert an. Da sind wir im September 1917 auch schon gewesen[,] von da sind wir dan hin und her gewantert[,] wo waß los wahr kamen wir hin[,] am 4. und 5ten 11.18 hat unßere 19 R-D. den Rest bekommen von meiner Kompanie der 1 R. 92 kamen noch 16 Mann zurük[,] am 9.11.18 wurde der Rest von der Division heraus gezogen[,] am 11.11.18 morgens wurde es bekannt gemacht[,] daß um 12 Uhr mittag Waffenstillstand wahr, um ½ 12 Uhr mittags hieß es[,] alles fertig machen[,] um 12 Uhr abmarsch nach Deutschland[.] Das wahr eine große Freude[,] wir konten es nicht fassen[,] daß es auf eimal Schluß wahr[,] wir lagen an einem Hof 4 Kilometer von Thuin[,] von da ging es wieder stram weiter am 19.11.18 hatten wir Ruhetag. In der Nacht vom 21.11. zum 22.11.18 wahren wir zum letzten mal in Qutier. Unßere Marschleistung wahr Marbäx [Maubeuge] Charleroi Namur-Stavelot. Am 22.11.18 Mittags ½ 12 Uhr ginge wir über die deutsche Grenze die erste Deutsche Statd wahr Malmedy[,] am 23.11.18 hatten wir Ruhetag. Am 24.11.18 wurden wir schon um 3 Uhr morgens rausgeschmissen es wahr eine bittere kälte[.] Am 28.11.18 hatten wier in Mechernich Ruhetag[,] das wahr das erste Stätdchen in Reihnland[,] nun wahr wier endlich nach schweren Märschen aus der Eifel raus. Am 29.11.18 ging es um 3 Uhr wieder raus bis nach Roitzheim. Am 30.11.18 kamen wir bis nach Duisdorf. Am Sontag 1.12.18 morgens um 8 Uhr gingen wier durch Bonn[,] es wahr der reinste Triumpfzug[.] Die Bevölkerung überschüttet uns mit Blumen und Bändern und theilten an uns Geschenke aus[,] um 9 Uhr marschierten wir über die Reihnbrücke[.] Die Bevölkerung bildet Spalier das Grüßen und Wiken nahm kein Ende[,] so kamen wir nach Hennef. Am 2.12.18 gingen wir weiter konten aber keine Unterkunft finden wir gingen wieder nach Hennef zurük. Wir sollten in Blankenberg und Umgegend liegen bleiben als Grenzschutz bis zum Friedensschluß[.] Da gab es aber Krach im Regiment entweder die Offizieren gehen mit uns nach Osnabrück oder wir handeln selbstständig bis zum 3ten 12.18 verlangten wir Antwort[.] Da gab es bei dem Herrn dume Gesichter zur festgesetzten Zeit erklärten Sie[,] wir sollten zusammen bleiben[.] Sie gingen mit. Am 4.12.18 morgens hauten wir ab[.] Der Hauptmann macht ein dumes Gesicht an diesem Morgen sagte Er nicht guten Morgen Leute die Herrn wollten hier einen guten Winter verleben und wir wahren die dumen[.] Am 4.12.18 kamen wir bis nach Bruchhaußen [Bruchhausen]. Von da gingen wir am 6.12.18 nachmittags 5 Uhr wech und kamen abens um 10 Uhr nach Grünebach[.] Von da gingen wier am 7.12.18 nachmittags 4 Uhr von Grünebach wech und kamen nachts 1 Uhr in Osthelden an[.] Das wahr ein bößer Marsch bei Nacht und Regen. Vor Osthelden gingen wir am 9.12.18 morgens um 9 Uhr wech und kamen nachmittags um 3 Uhr nach Silberg. Von da wurde ich am 12.12.18 nach der Heimat entlaßen[,] ich ging am abend nach Welschenennest [Welschen Ennest ][,] fuhr mit der Bahn und kam am 13.12.18 morgens um 3 Uhr nach Gießen und abens um 4 Uhr nach Hauße.

Das wahr das Ende für mich von dem Feldzug 1914-18[,] geschrieben den 13.12.18

Florian Leister

geb. am 30.1.1877.

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