Soldatenberichte des Infanterie Regiments 94 über die Schlacht bei Lutomiersk (2.-4. Dezember 1914)

Das Infanterie Regiment Großherzog von Sachsen (5. Thüringisches) Nr. 94 war vom 16. November bis 15. Dezember 1914 an der Schlacht um Lodz beteiligt. Am 2. Dezember kam der Befehl, die Höhe 181 südöstlich von Lutomiersk zu erobern. Auf dieser Höhe 181, dort wo sich auch heute noch ein Friedhof befindet, hatten sich die russischen Truppen verschanzt. Alle 12 Kompanien des IR 94 waren an dem Einsatz beteiligt.

Die Karte 18 aus Weltkrieg 7. Bd. herausgegeben vom Reichsarchiv zeigt den Frontverlauf bei Lodz Anfang Dezember 1914.
Karte von Ludomiersk und Bechcice heute. Der Anfang Dezember 1914 umkämpfte Friedhof ist eingekreist. (Quelle: openstreetmap.org)

Über die Ereignisse vom 2. bis 4. Dezember 1914 haben zahlreiche Soldaten des IR 94 Augenzeugenberichte angefertigt. Die Sortierung erfolgt aufsteigend nach den Kompanien. Zuerst kommt ein Bericht von Feldwebel Frischmann aus der Maschinengewehr-Kompanie, dann folgen die Berichte über die Kompanien 1 bis 12.

Soldatenberichte über die Eroberung von Höhe 181

Feldwebel Frischmann (MGK 94)

Sturm auf die Höhe 181 südlich Lutomiersk

Da es trotz mehrfacher, verzweifelter Anstrengungen dem Feinde nicht gelungen war, über den Ner zu gelangen, zog er sich in der Nacht vom 30.XI. zum 1.XII. zurück. Unser Regiment trat den Vormarsch an. Doch schon bald bekam unsere Spitze heftiges Feuer von einer Höhe , wo sich der Feind festungsartig verschanzt hatte. Ein Kirchhof, in deren Mitten gelegen, bildete schon von Natur aus den gegebenen Stützpunkt für die Verteidigung. Unsere Spitze nahm das Feuer auf. Indessen bot sich dem Regiment, sich in einem Wäldchen zu entwickeln, Gelegenheit. So kamen wir gedeckt und ohne Verluste ziemlich nahe an den Feind heran. Währenddem hatte die Artillerie die russische Stellung stark unter Feuer genommen und anscheinend gute Erfolge erzielt. Da kam um 20 Nm. der erneute Befehl zum Angriff. Unter dem heftigen feindlichen Feuer kamen wir nun langsam vorwärts. Jeder Schritt Bodens mußte buchstäblich dem Feinde abgerungen werden, ein Schützengraben lag hinter dem andern. Unsere Leute bedienten sich wacker des Spatens und hoben immer neue Gräben aus. Unsere geringen Verluste beweisen, daß sie um Decken und Schanzen ein gut Teil Fertigkeit erworben haben. Mein Zug M.G. hatte Befehl erhalten, sich in die Kompagnie einzuschieben, die am Friedhofe einbrechen sollte. Von hier kam ja auch das stärkste feindliche Feuer. Als wir in die Linie eingerückt waren, erhielten wir mörderisches Feuer. Es verstummte jedoch sofort, als wir unsere M.G. in Tätigkeit setzten. Durch unser M.G. Feuer wurde der Feind so niedergehalten, daß unsere eigenen Schützen ohne stärkere Verluste bis auf 100 m an den Feind sich heranarbeiten konnten. Die Infanterie machte sich zum Sturm fertig. Da erhielt ich on vorn den Befehl: „M.G. vor!“ Sofort befahl ich Stellungswechsel und war gerade dabei mich mit unseren beiden Gewehren einzurichten, da gingen die Russen zum Gegenangriff über. Gleich einer wilden Horde schreiend, schießend, stehend und um sich schlagend stürmten sie auf uns ein. Solchen Massen war unsere geringe Schar nicht gewachsen. Die Infanterie hielt den Stoß nicht aus und ging zurück. Wegen des schweren Gerätes konnten wir ihr nicht so schnell folgen. Auch war es uns nicht möglich, die Gewehre in Stellung zu bringen, da mittlerweile 1 Gewehrführer und 3 Mann verwundet waren. Ehe wir uns versahen, waren wir nun noch allein auf der Höhe, der Gegner hatte uns überrannt und drängte heftig hinter der Infanterie drein. Mit der Pistole verteidigten wir uns und unsere Gewehre so gut es ging, und retteten so unsere M.G. vor sicherem Verluste. Erst dem erneuten Vordringen der Infanterie gelang es, den vorderen Teil des Grabens und somit auch die Höhe an sich zu reißen. Der Feind trotz großer Überlegenheit war zurückgeschlagen und nun erfolgte sogleich die Neubesetzung der erreichten Höhe und Einrichten in den Schützengräben. In jede Kompanie wurden 2 Geschütze eingebaut, und jedes Bataillon erhielt ein Zug M.G. Ferner war der Scheinwerferzug aufgestellt, und die Munition der Infanterie wurde ergänzt.

Nachdem all das beendet, der letzte Spantestich getan war, drückte sich der eine oder der andere in eine Ecke, um ein wenig zu ruhen. Es war gerade Mitternacht, da kamen unsere vorgeschobenen Horchposten im Laufschritt mit dem Rufe zurück: „Die Russen kommen!“ Es bedurfte keines Kommandos, alles war am rechten Platze. Sofort setzte ein heftiges Feuer der Geschütze, M.G. und Infanterie ein. Im Lichte des Scheinwerfers konnten wir beobachten, wie der Feind in Kompaniefronten vorging und bereits bis auf 300 m an unsere Stellung heran war. Da wurde seinem Vorgehen ein Ziel gesetzt. Die Russen wurden niedergemäht, der Angriff fiel in sich selbst zusammen. Ein einzelner Russe, bekleidet, wie wir am andern Morgen feststellen konnten, mit einem deutschen Tornister, Helm und Mantel hatte sich bis auf 15 Schritt an mein linkes M.G. herangeschlichen. Noch zur rechten Zeit wurde er bemerkt, es kam nicht weiter. Gegen 50 Mgs wiederholte der Feind den Angriff; doch dies mal nicht so heftig wie in der Nacht. Auch er wurde abgeschlagen unter ziemlichen Verlusten für den Gegner. In der kommenden Nacht waren die Russen abgezogen und hatten, wie wir zählen konnten, 887 Tote zurückgelassen. Besondere Anerkennung gebührt bei dem 1. Nachtangriff einem Unteroffizier der Artillerie, der seine ganze Bedienung bis auf einen Mann an andere Geschütze, deren Bedienung abgeschossen war, abgegeben hatte und mit ausgezeichnetem Erfolge sein Geschütz während des ganzen Gefechts allein bediente. Doch wurde er leider kurz vor dem Abzuge der Russen noch schwer verwundet.

Frischmann

Feldwebel M.G.K. 94

Feldwebel Meihs 1/94

Meine Erlebnisse und Beobachtungen beim Sturm auf Höhe 181 bei Lutomiersk

Am 2. Dezember 1914 früh marschierte unser Regiment von Kazimierz ab. Kurz hinter Lutomiersk entfaltete sich unser Regiment und schob eine Schützenlinie nach vorn. Die Unterstützung folgte unter dem Schutz eines Waldstücks, welches 1 klm südl. Lutomiersk hinter dem Friedhof lag, bis dicht an die Höhe 181. Ich war zur Zeit Fahnenträger und konnte von dem Waldstück aus beobachten, wie sich unsere Leute nach vorn arbeiteten. Die Höhe 181 war sehr verschanzt und stark von Russen besetzt. Gegen Mittag erhielt das Regiment den Befehl zum Angriff. Auf Händen und Füßen, in einer Hand das Gewehr[,] in der andern den Spaten, ging es ungeachtet des heftigen feindl. Feuers immer näher an den Feind. Nachdem die feindl. Stellung durch unser heftiges Artilleriefeuer angriffsreif wurde, ging das Regiment 410 Uhr nachm. zum Sturm vor. Trotzdem der Feind uns stark überlegen war, wurde er mit dem Bajonett und Kolbenschlägen zurückgeworfen. Die Unterstützung ging nach einiger Zeit im Grunde weiter vor und die Nacht brach ein. Ich blieb bei dem Unterstab des I. Batl. und erwartete mit letzterem weitere Befehle. Das Feuer ließ auf beiden Seiten nach. Plötzlich machten die Russen einen Gegenangriff und ein heftiges Feuer überschüttete uns. Wir lagen einige 110 Meter vor der vorderen Linie zurück und befanden uns[,] da die Russen zu hoch schossen, hier direkt im Streufeuer. Etwa 1 Untffz. und 6 Mann lagen als Hüter der Fahnen neben mir. Zwei Mann wurden gleich verwundet und wir konnten nicht länger liegen bleiben. Um nun zu dem Reservezug der 4/94 zu kommen[,] mußten wir ein etwa 300 Meter breites ebenes Gelände überschreiten, in dessen Mitte ein stärkerer Bach floß. Die Dunkelheit brach an und ich verfügte zum Res. Zug der 4/94 zu gelangen. Unmittelbar vor dem Bach legte ich mich hin um auszuruhen. Beim nächsten Sprung fiel ich, da ich das Ufer des Baches verpaßt hatte, bis ans Koppelschloß ins Wasser. Der Kugelregen ließ nicht nach und ich konnte kaum an den steilen Ufern des Baches aus dem Wasser. Eine Stimme rief von dem Friedhof aus: „Hier bleiben.“ Es war der Regimentskommandeur, der von hier aus das Regiment befehligte. Trotzdem der feindl. Angriff sehr heftig war, wurde er abgeschlagen und die Höhe gehalten. Es folgte dann am Abend noch ein Angriff, der ebenfalls sehr heftig war, und gegen 500 Uhr Morgens ein dritter. Beide Angriffe wurden aber unter schweren Verlusten für die Russen abgewiesen. Das Regiment verblieb am 3.12.14 noch in seiner Stellung bis am 4.12.14 morgens die Meldung kam, daß der Feind abgezogen sei.

Meihs, Feldwebel

1. Komp. Inf. Regt. Großh. von Sachsen (5. Thür.) Nr. 94

Zeugen:               Vizefeldwebel Kühn III/94

                               Untffz. Albrecht 1/94

Uffz. Stellrecht 1/94

Meine Erlebnisse vom 2-5. Dez. bei der Stürmung der Höhe 181

Am 1. Dez. mußte meine Gruppe nach Lutomiersk, unter dem Kommando des V´Feldw. Schmidt auf Feldwache. Am andern Vormittag um 9 Uhr kam der Befehl, wir sollten zur Komp. zurück. Die Komp. war um 6 Uhr morgens von Kaschimir [Kazimierz] abgerückt, und lag hinter Lutomiersk in einem Wäldchen als Reserve, während unser II. Batln. Vorne im Gefecht lag. Nach einigem Suchen fanden wir die Komp. Als der Befehl zum Angriff kam, rückten wir vor bis zu einer Talmulde, und lagen dort bis zum Einbruch der Dunkelheit. Dann gingen wir, unter heftigem Gewehrfeuer der Russen, bis zu einem Birkenwäldchen vor. In demselben blieben wir einige Zeit liegen. Feindl. Geschosse schlugen fortgesetzt in den Bäumen ein, ohne zu treffen. Wir gruben uns dann vor dem Wäldchen ein, und blieben für die ganze Nacht. Am andern Vormittag mußte der erste Zug Patronen zur vorderen Reserve vorbringen, und blieb gleich dort als Reserve liegen. Abends gingen wir dann wieder zurück zum Birkenwäldchen, um in dem tags zuvor ausgehobenen Gruben zu übernachten. Ungefähr um 10 Uhr am andern Vormittag rückten wir vor. Die Russen hatten sich in der Nacht zurückgezogen. Wir gingen durch die Stellung unserer Artillerie vor, und wurden durch feindl. Artillerie beschossen. Wir gingen in Schützenlinien vor, sammelten hinter einem Hause, und blieben wieder als Reserve zurück. Am andern Abend lösten wir die vorderste Linie ab. Wir kamen auf Feldwache. Morgens um 1 Uhr wurde durch eine Patrouille von uns festgestellt, daß die Russen ihre Stellung verlassen hatten. Um 4 Uhr wurde unsere Feldwache von der 12. Komp. abgelöst. Ungefähr um 9 Uhr rückte alles in der Richtung Lodz vor. Wir wurden ungefähr eine halbe Stunde vor Lodz einquartiert. Dort blieben wir 2 Tage.

U´offz. Stellrecht 1. Komp

zu damaliger Zeit Gefreiter

Krug von Nidda 2/94

Abschrift

II/94 Gefechtsbericht für 2. 3. 4. 5. 6. Dezember 14

II/94 hatte am Abend des 1.12. Vorposten u. Vert. Stellg. südlich u. südöstl. Lutomiersk eingenommen. Am 2.12. 430 Vorm kam Befehl: feind steht bei Höhe 181 südlich Bechcice. 83 I.B. greift im Einklang mit 76 I.B. an, I.R. 96 von Norden über Ner, 94 von Westen, Beginn 700 vorm. Batl. gesammelt 645 Vorm. am Südosteingang Lutomiersk. 700 Vorm. Antreten, Reihenfolge 6/94 – 500m Abstand – 8, 7, 5/94. 710 Vorm. Bachlauf südöstl. Lutomiersk überschritten, 715 Vorm. Antreten auf Friedhofshöhe, 6/94 entwickelt. 720 Vorm. beginnt Feind aus Schützengräben, vom Bachgrund unsichtbar, lebhaftes Inf.u. M.G. Feuer auf 6/94. 8/94 wird rechts neben 6/94 eingesetzt. Angriff schreitet vor. Komp. I/94 verbleibt zunächst als Regtsreserve westlich des Bachlaufes. 800 Vorm. greift I.R. 96 nördlich neben 6/94 ein, aber nicht von Norden kommend, sondern gleichfalls über Lutomiersk anmarschierend.

Erste Verluste durch Strichfeuer. 1000 Vorm. sind 6 u. 8/94 über Westrand Höhe 181 nach vorn verschwunden. Meldungen u. Verkehr noch wegen starken Strichfeuers erschwert, 7/94 wird mit geringer Verlängerung nach rechts, wo auch Teile I/94 eingesetzt werden, in die Linie der 8/94 eingeschoben. Angriff kommt nicht erheblich weiter. Grund: Einklang mit 76. I.B. noch nicht hergestellt. Lage ändert sich wenig bis 130 Nachm. 130 Regts.-Bef. „130 Nachm. ist Angriff erneut vorzutragen.“ Einklang mit 76. I.B. war zwar immer noch nicht hergestellt; 83. I.B. hatte aber ohne Rücksicht herauf vorzugehen befohlen. Teile 5/94 daraufhin zur Verstärkung und Befehlsübermittlung zwischen 8. u. 6. eingesetzt. Flächenfeuer von halbrechts vorwärts. Es ergibt sich, daß russ. Stellg. Etwa 700-800 m jenseits des Westhanges Höhe 181 auf flachem, galcisartigem Plateau beiderseits des Friedhofes liegt. Vordere Linie arbeitet sich von 200-400 Nachm. von 600-700 m heran. Fd. hält trotz günstig scheinender Artillerie-Wirkung; fdl. Art. im Abschnitt II/94 nicht beobachtet. Am linken Flügel können Teile der I/94 hinter westlichen Häusern von Bechcice eingerafft werden, da rechter Flügel 96 regen Anschluss an 6/94 hat. 400 Befehl zum Sturm auf Kirchhofshöhe, 410 Nachm. ausgeführt, rechter Flügel 96 schießt sich selbständig an. Sturm gelingt, Russen flüchten mit schweren Verlusten durch Verfolg. Feuer. 5/94 nimmt im Sturm feindl. M.G. 430 Nachm. Befehl: auf Höhe 181 eingraben, nicht weiter vor, da 76 I.B. noch im Kampf um zu Businow. 500 Nachm. Ordnung u. Sammlung der vorderen Linie beendet, 1 ½ Züge 8/94 als Reserve bei westlichem Gehöft Bechcice. 530 Nachm. Gegenstoß der Russen, die sich anfänglich als Überläufer geberden [sic!] und auf 50x feuern. Mit schweren Verlusten für sie, aber nur mit äußerster Mühe abgewiesen. Feuer dauert indes den ganzen Abend mehr oder weniger an, da Fd. nur 700 m entfernt einen rückwärtigen Graben besetzt hält. Zwischen 700 und 900 Abends treffen ein und werden eingebaut: Scheinwerferzug, 1/F.A. 55, 8/94 kann aus vorderer Linie ganz in Reserve genommen werden. Anschluss rechts an I/94 (11. Komp) hergestellt. Höhe 181 von einem Gewirr alter u. neuer Schützen- u. Deckungsgräben in allen möglichen Fronten durchzogen. Schwierigkeit der Übersicht u. Feuerleitung. 1215 Nachts (2./3.12)-1245 Nachts 2. starker russ. Gegenstoß, bricht mit ungeheuren Verlusten 100 m vor der Front an alten Schützengräben zusammen, den Fd. für unsere Stellung hielt. Diesseits äußerste Erschöpfung. Hervorragendes Nutzen der Scheinwerfer und Batterien: 300 Nachts erneutes lebhaftes Gefecht, partielle Vorstöße, es droht Panik, Russen folgen aber nur unsicher, und durch Festhalten der 5. u. 6/94 an ihrer Stellung, Einsatz der 8/94 gelingt 615 Vorm. halten u. Wiederbesetzung der gesamten Front. Zwischen 1000 und 1200 Abends am 2. war Feldküchen + Verpflegungsaus. Größten Teils der vorderen Linie gelungen, ebenso Patronenergänzung durch einzelne Gruppen 8/94. Am 3.12. blieb die Lage tagsüber unverändert. Flankenfeuer aus Richtung Ziegelei zwischen Konstantijnow u. Bechcice am nördl. Ner-Ufer erschwerte die Verbindung u. machte Ablösungen der vorderen Linie unmöglich. Mittags wurde 1 Pi. Komp. als weitere Reserve zur Verfg. gestellt, bei Dunkelheit 7/94 durch 8/94 und die zeitweilig unterstellte 11/94 durch die gleichfalls eintreffende 8/71 abgelöst. Nachts 3. 4.12. kein russ. Angriff. 600 Morg. ergab sich, daß Fd. zurückgegangen war. 4.12. Vorm. einige Aufräumungsarbeiten, Verlustfeststellung ungefähr (rund 200-250 Mann Tote u. Verwundete, Stärke vor dem Angriff rund 650 Mann.) Vor der Front II/94 rund 500 tote Russen, in größerer Entfernung noch erheblich mehr. 4.12. 130 Nachm. Befehl zum weiteren Angriff gegen Höhe 192 südwestlich Jozefow. 7. 5. 8. gehen in vielen Lienen hintereinander in Richtg. Wäldchen zu Florentynow vor, 6/94 zur Verfg. d. Regts.

Feindl. Art. Feuer liegt auf ganzem Raum, Verluste unerheblich (3 l. verw). 400 Nachm. Ostrand Waldstückes erreicht, Batln gräbt sich ein, I/94 war durch Grabszyna in gleiche Höhe vorgegangen, 96 blieb um 1-1 ½ km zurück (Flankierung von Konstantynow her). Aufstellung für die Nacht: 5. 7. In vorderer Linie, linken Flügel zurückgebogen, 8. im Waldstück als Reserve. Patr. Gang Ner-∆ 192. Fd. auch hier wieder nahe dem Ostrand verschanzt. 5.12. Brig. soll 700 Vorm. angreifen. Einklang mit 76. I.B.! Untunlich, solange Konstan[t]ynow in Feindes Hand, Regt. also auch II/94 warten ab, da am weitesten vorn. Angriff durch Lage der Nachbartruppen verzögert bis zur Dunkelheit, dann von 83. I.B. aufgegeben. Nacht 5. 6.12. Patr. Gang wie .4. 5.12.. 500 Vorm. Jozefow u. 800 V. Ner-Brücke südl. Konstantynow frei vom Fd. Gemeldet. Desgl. 600 Vorm. Räumung der feindl. Stellung östlich 192 gemeldet.

gez. Krug von Nidda

F. d. R.

[Unterschrift: v. Mutius]

Reservist Hugo Tonndorf 3/94

Bericht über den Sturmangriff der 94. auf Höhe 181

Am 1. Dezember verließen wir Kasemier [Kazimierz], wo wir bereits 10 Tage unter heftigen Kranatfeuer [sic!] gelegen haben. Wir marschierten 5-6 Kilometer vor wo wir wieder auf den Feind stießen. Die Russen werden zurück geschlagen und setzen sich auf Höhe 181 fest. An 3. Dezember wurde die Höhe von der 2. und 11. Kompanie in Sturm genommen. Wir lagen in Reserve und bekamen am 4. Dez. den Befehl in die vortere [sic!] Linie einzuschwärmen. Am 5. Dez. verließen die Russen Nachts Fluchtartig ihre Stellung, worauf wir Ihnen wieder unter schweren Artilleriefeuer folgten.

Reservist Hugo Tonndorf. 3./94

Gefreiter August Bolender 5/94

Bericht!

Der heiße Kampf um Höhe 181 am 2. Dez. 1914 war gegen Abend beendet. Die Komp. schanzte sich auf derselben ein. Bald lag alles nach des Tages Last und Hitze in tiefem Schlummer, und nur die Posten waren auf ihrer Hut. Ich hatte das Glück mit einem Kameraden um Mitte der Nacht auf Horchposten zu ziehen. Kaum späten [sic!] wir eine halbe Stunde in das Dunkel der Nacht hinein, als ein dicke Masse sich gegen unseren Graben heran wälzte. Sofort erkannten wir einen Angriff der Russen und im Laufschritt ging ich zurück, alarmierte die Kompagnien sodaß der feindliche Angriff erfolgreich abgeschlagen wurde. Schon nach 2 Stunden versuchte der Feind dasselbe aber mit genau so blutigen Köpfen machten sie: Kehrt Marsch.

Gefreiter August Bolender

5./94

Zeugen: Gefr. Rifka

Gefr. Schäfer Untffz. Kaiser 5/94

Für die Glaubwürdigkeit!

[Unterschrift: Diener]

Leutnant d. R. u. Komp.-Führer

Gefr. Karl Deckert 5/94

5. Kompagnie

Inf. Regt. Grossherzog von Sachsen

(5. Thüringisches) Nr. 94

5/94

Ein Erlebnis auf Höhe 181

Im Gefecht am 2. Dezb. 14 auf Höhe 181 war es mit Schwierigkeiten verknüpft. Lebensmittel für unsre kämpfende Truppe vorne zu schaffen.

Da fast das ganze Gelände beschossen wurde, konnten wir nur auf unsern Lebensmittelwagen bis an den östlichen Ausgang von Lutomiers [Lutomiersk] fahren. Hier erhielt ich in der Nacht vom 2. zum 4. Dezb. von Herrn Vizefw. Lohfink den Befehl mit den Muskt. Gerard u Urbahn unserer Komp. jeder ein Sack Brot auf die Schulder [sic!] zu nehmen, um selbiges in die forderste [sic!] Linie zu bringen.

Kaum waren wir aus der ungefähr 500 mtr gedeckten Stellung heraus, so summten uns schon die blauen Bohnen um die Ohren. Um den Tod oder einer Verwundung aus dem Wege zu gehen, mußten wir uns Sprungweise vorarbeiten. Bald außer Adtem [sic!] gelangten wir an einem einzeln Gehöft an u wir benutzten hier die Gelegenheit um etwas zu Verschnaufen, in dem selbigen Augenblick bemerkte uns Sergt. Simon unser jetziger Komp. Feldw. er freute sich darüber[,] daß wir angelangt waren u zeichte [sic!] uns sofort den Weg nach der ungefähr 6 Minuten noch entlegenen Stellung. Mit frischem Mut liefen wir nun dem Ziel entgegen, trotzdem wir hier tüchtig beschossen wurden, verlohren wir doch die Lust nicht, aber nicht seltenes war es, viele unserer tapferen Kameraden tod auf den Erdboden zu sehen u starten Kalten Blickes auf uns. Endlich im Schützengraben angelangt, meldete ich mich bei unserm Komp. Führer Herrn Ltn. d. Reserve Rohsendorf[,] das wir Brod für die Komp. gebracht haben. Gleichzeitig übergab ich Herrn Ltn R. auch einige gut belegte Brode, welche unsere Herrn auf einige Tage hatten verschmertzen müssen.

Als wir das Brod verteilt hatten, gab mir Herr Ltn Rohsendorf den Befehl, ein Trupp Kameraden mit nach hinten zu nehmen, welche je mit 4 Kochgeschirren versehn waren, um bei der Feldküche, welche auch am östl. Ausgang von Lutomiers [Lutomiersk] stand, Essen zu holen.

Ohne von einer feindl. Kugel getroffen zu werden kehrten wir bei Herrn Vizefdw. Lohfink zurück.

[Unterschrift Karl Deckert]

Gefr. der Landw. 5./94

Zeugen Feldw. Simon

                Muskt. Gerard

                Muskt. Urbahn

Utffz. Höfer

Leutnant Brockmann 6/94

Über die Mitwirkung der M.G. auf Höhe 181

Die Verluste, die das II. Bataillon I.R. 94 während der Kämpfe um Höhe 181 hatte, stammen nur zu einem kleinen Teile von Angriff und Sturm selbst. Sie rühren der Hauptsache nach vom ersten Ansturm der Russen her, der noch am Abend des 2. Dez. verfolgte und in zweiter Linie vom dritten Angriff der Russen, am Morgen des 3. Dez.

Daß der eigentlich Sturmangriff, durch den das II. Bataillon sich in den Besitz der Kirchhofshöhe setzte, unter verhältnismäßig sehr geringen Verlusten vor sich ging, ist hauptsächlich der eifrigen Mitwirkung der Maschinengewehre zu verdanken, die den Moment sofort ergriffen und den Sturm des Bataillons durch ununterbrochenes Feuer nachhaltig unterstützte.

Von unserer linken Flanke ein Zug M.G. 96 (Offz. Lt. Oschatz), von der rechten Flanke ein Zug M.G. 94 (Fw. Frischmann) deckten mit ihrem Feuer den russischen Schützengraben zu und schossen solange, bis das geschlossene vorstürmende Bataillon an ihre Garben kam.

Brockmann

Leutnant u. Komp. Führer 6/94

Vizefeldw. d. R. Hans-Joachim Stahlschmidt 6/94

31. Juli 1915

1-2.XII 15

Bei Kriegsausbruch diente ich als Einj. Freiw. bei der 6. Comp. des Regiments und nahm an sämtlichen Gefechten bis zum 2. Dezember des vorigen Jahres teil. –

Nachdem die Comp. während der Nacht vom 1. zum 2. Dez. südöstlich Ludomiersk geschanzt hatte, rückte das Bataillon, die 6. Comp. als Spitzenkompagnie auf der Straße nach Bechcice vor. Ich befand mich beim 2. Halbzug des I. Zuges und erkannte die auf der Anhöhe vor uns im Morgenlicht schanzenden Gestalten unzweifelhaft als Russen. Durch Zuruf wurde die Spitze aufmerksam, ebenfalls erkannte uns der Gegner im nächsten Augenblick. Der 1. Halbzug wurde von Feldwebel Schmaun rechts heraus entwickelt, während der 2. Halbzug nachdem er kurze Zeit das Feuer der Russen halber sich hingelegt hatte, rechts anschließend ausschwärmte und in Stellung ging. 1 Truppen waren bei dieser Gelegenheit hinter die Schützenlinie gekommen und waren außerstande, in einer Art Graben liegend, ihrerseits auf den Gegner das Feuer zu eröffnen. Ich nahm die Gruppe neben mir an mich, nachdem der Truppenführer verwundet worden war und brachte sie beide nun in mehreren Sprüngen an die richtige Stelle, wo wir in Wirksamkeit treten konnten. Leider hatten wir wenig, meistens gar keine Deckung und waren gezwungen, uns im Liegen einzugraben, während ein Teil der beiden Gruppen schanzte. Ich hatte kaum den Spaten zur Hand genommen, als ich durch einen Gewehrschuß verwundet wurde. Als die Maschinengewehre eingesetzt wurden, erstattete ich noch einem Leutnant der 7. Comp. Bericht – die Comp. war auch bereits im Feuer – über die Lage weiter bei der 6. Comp., worauf ich bald durch einen Wald gedeckt zum Verbandplatz kam. – Nach meiner Wiederherstellung traf ich in Rawa bei meiner alten Compagnie wieder ein.

Hans-Joachim Stahlschmidt

Vizefeldw. d. R.

[Drei Unterschriften von Zeugen]

Musketier Willy Schulze 6/94

Bericht vom 2 Dezember 1914

Als wir von 1 Dezember zum 2 Dezember, an einen Waldrande Schützengräben ausgehoben, haben kam der Befehl sofort zum Vorgehen es war früh zwischen 5 u 6 Uhr als wir den Marsch an traten, wir sind ungefähr eine ½ Stunde geschlossen gelaufen, da hieß es halt und alles in den Graben legen. Von hier aus wurde 1 Spitze vorgesant u das andre folgte ungefähr ¼ Stunde später, auch einmal hieß es Spitze halt, u erster Zug ausschwärmen, u nun ging es quer über Feld ich war Schütze ihn ersten Zuge, u da sahen wir vor uns auf der Höhe 181 welche Schanzen, u da hieß es auf eimal [sic!] es sind 96 u nun wurde de gemeldet durch die Verbindungsleute es sind eigene Truppen, u wir sind ihnen weiter for gegangen bis auf 600 hundert meter, u da sahen wir, wie uns 4 bis 5 Mann auf uns zukommen, u sie machten aber gleich wieder zurük u sobald erhielten wir lebhaftes Feuer von den Russen, u es hieß bei uns gleich Stellung u wir haben sofort das Feuer auch eröfnet. Als wir ungefähr 1 ½ Stunde in größten Feuer lagen wurde von links u rechts gemeldet das Patronen bald fehlen, u der Feldwebel Lehmann gab dem Schützen Kuch den Befehl, er soll zurück laufen, u Patronen bestellen als er ungefähr 200 hundert meter zurück gelaufen war stürzte er hin und war tot. Und die Artillerie hat aber von uns sehr gut in die Russische Schützengraben geschossen so das es uns sehr viel Spaß machte, u bald bekam ich den Befehl zurück zu laufen u Patronen zu bestellen, da der andere doch tot war, u ehe ich den Befehl erhielt bekam ich einen Schuß durch die linke Hand. Und sofort namm ich mein Gewehr u lief was ich laufen konnte zurück, u bei zurück gehen, erhielt ich 4 Schuß durch den Tornister welche ihn Schnürschuhen stecken bliebe, u zu gleicher Zeit bekam ich einen streifschuß an linken Arm u an Bein. Als ich ungefähr 400 hundert meter zurük gelaufen war, stand ein Haus u hinter den haus lagen 96 u da stand unser Hauptmann, u er fruch [sic!] was ich wollte u warum, ich in so einen Feuer zurück gelaufen war.

Da hab ich ihnen gesagt das Patronen fehlen, u da sagte er, ich sollte ins das Dorf laufen, es war ungefähr 10 Minuten zu laufen, u sollte Patronen bestellen beim Wagen, u da bin ich gelaufen so gut ich konnte, u hab Patronen bestellt.

Und Müller der den Patronenwagen führt ist sofort forgefahren. Und ich bin auf den Verbandsplatz gelaufen, wo ich Verbunden worden bin. Denselben Nachmittag sind wir noch nach der Grenze gekommen, es hat 2 Tage gedauert, ehe wir an die Grenze kammen.

Von der Grenze aus sind wir nach Augsburg in Lazaret gekommen, wo ich bis Ende Januar war, u dan bin ich nach Weimar gekommen.

Von Weimar aus sind wir nach Jena gekommen, von wo aus ich den 6 April 1915 wieder mit ins Feld gerückt bin. Und bin auch wieder bei meine alten Kompanie gekommen, worüber ich mich sehr gefreut habe, und meine Kameraden haben sich auch sehr gefreut. Damit ich wieder da bin.

Geschrieben von Musketier Willy Schulze

6/94

[Unterschrift Brockmann]

Leutnant d. R. Stier, Zugführer des 2. Zuges der 7/94

Der Kampf um die Höhe 181

Bericht von Leutnant d. Res. Stier

I.

Bei Beginn des Gefechts am 2.XII.14 war ich Zugführer des 2. Zuges der 7/94. Die Komp. führte Leutnant d. R. Höhn. Sie war zunächst in 2 Linie und folgte der 8/94, die in vorderster Linie focht, aufgelöst nach der 2. Zug innerhalb der Komp. an 2. Stelle. Durch die Verschiebung der 8/94 nach links kam der vorderste Zug 7/94 in 1. Linie. Auf den gegen Mittag gegebenen ersten Angriffsbefehl hin arbeitete ich mich mit dem Zuge gruppenweise links neben dem inzwischen auch eingesetzten Zuge Müller (Ltn. d. Res.) der 5/94 bis in die vorderste Linie vor, in dem wir uns nach jedem Sprung immer wieder rasch eingruben. Der Angriffsstreifen der beiden Züge deckte sich ungefähr mit der südwestlich-nordöstlichen Diagonale des Friedhofs. 150 m vor dem Friedhof kam die Bewegung einige Zeit zum Ruhen, weil die Linie links und rechts noch zurück war, auch die eigene Artillerie uns gefährdete. Erst kurz nach 4 Uhr Nachm., als die Dämmerung schon einsetzte, ging dann alles vor, links gegen den russ. Schützengraben 8/94 (Zug Ltn. d. Res. Reichardt), 7/94 auf den Friedhof zu, dessen Mauern auch von den Russen besetzt waren. Der Feind ging zunächst zurück. Der notwendigen energischen Verfolgung stellten sich nun folgende Umstände entgegen: die Vermischung der Verbände, herbeigeführt durch die Konzentrierung der Angriffe auf die Höhe, die Notwendigkeit für 7/94, erst durch den Friedhof zu gehen, plötzlich einsetzendes Flankenfeuer von links und die hereinbrechende Dunkelheit. Daher spielte sich in den folgenden Minuten der Kampf  so ab: die verfolgende, aus allen beteiligten Kompagnien zusammengesetzte Schützenlinie hatte schon vor der russischen Stellung IV eine große Anzahl Russen als Gefangene zusammen getrieben, als sie von Feind aus der linken Flanke und von rückwärts, wahrscheinlich von eigenen Truppen (Reg. 71?), beschossen wurden. Sie mußten deshalb zurückgehen und die Gefangenen im Stich lassen. Letztere bemächtigten sich darauf wieder der Gewehre und eröffneten ebenfalls auf unsere zurückgehende Angriffslinie ein lebhaftes Feuer, folgten aber nicht nach. Durch diese für uns günstige Unterlassung konnten unsere Truppen durch die Offiziere u. Zugführer vor den Friedhof zum stehen gebracht werden, zumal d. Feind durch die lebhaft feuernden Maschinengewehre des Regiments auch on einem Gegenstoß abgehalten wurden. Bis dahin hatte 7/94 ihre Hauptverluste erhalten, die sich aus den Berichten der Komp. ergeben werden. Auch Ltn. d. R. Höhn war beim Sturm verwundet worden.

II.

Ich übernahm die Führung der Komp. und besetzte, unterstützt von dem bei Milegti schwer verwundeten u inzwischen verstorbenen Lt. v. Wurmb, mit den Resten der 7/94, etwa 80 Gewehren, Leuten der 2. 5. u. 11. Komp. den verlassenen, von russischen Leichen und Schwerverwundeten angefüllten Schützengraben I. Teilweise mussten sich die Leute dahinter neu eingraben, weil sie im Graben neben den einzelnen Toten keinen Platz hatten. Da die verfügbaren Kräfte zu einer kampfkräftigen Besetzung nur etwa bis zum Punkt (siehe Skizze [Anmerkung: Skizze fehlt]) reichten, hatte sich der mit anwesende Führer der links anschließenden Komp. Res. 96 eben bereit erklärt, links zu verlängern, als der Befehl kam: „II/94 am Friedhof sammeln!“ Das feindliche Feuer hatte inzwischen fast ganz aufgehört. Major Krug v. Nidda versammelte die Komp. Führer u. setzte die Verteidigungslinie fest, wie sie sich aus der Skizze ergibt [Anmerkung: Skizze fehlt] 6 u. 8/94 kam in Reserve. 5 u.7/94 legten Schützengräben mit Eindeckungen an; das Material wurde aus den russ. Gräben geholt, die überhaupt abgesucht wurden. Der russische Deckungsgraben III 150 m nördl. der Front wurde nach Vereinbarung mit 5/94 durch je eine stehende Patrouille besetzt. Gegen 9 Uhr abends war alles fertig und geordnet, einen Teil der verwundeten Leute konnte Ruhe gegönnt werden. Stellung der der 7/94 zugeteilten Geschütze und der großen Scheinwerfer: siehe Skizze.

III.

Kurz nach 12 Uhr nachts kam die stehende Patrouille 7/94 durch den russischen Schützengraben II zurück mit dem Ruf: Die Russen kommen. Sofort begann der große Scheinwerfer zu leuchten. In seinem Lichte sah man den Feind (siehe Skizze) in zwei dichten Linien herankommen, die erste in gerader Front, die zweite in schräger Front, offenbar aus dem Schützengraben IV. Hinter der ersten Linie folgten Kolonnen. Die Komp eröffnete ein wohlgezieltes Feuer. Die Artillerie schoß lebhaft; reihen weise fielen die angreifenden nach manchem Schuß. So brach der Angriff etwa 100 m vor der Stellung zusammen. Der Feind ging zurück. Die Regte der vordersten feindl. Linie retteten sich in den Laufgraben III. Von dort her feuerten sie den Rest der Nacht und am 3.XII. lebhaft u. brachten der Artillerie und der 7/94 noch manchen Verlust. Die Schutzschilde der Artillerie waren vollständig durchlöchert, der Scheinwerfer konnte nicht mehr abgedreht werden, sein Spiegel wurde zerschossen.

IV.

Bei dem zweiten Versuch der Russen gegen Morgen, die Höhe wieder zu gewinne, ging gegen die Komp. kein Gegner vor. Da aber der Scheinwerfer nicht mehr wirkte, es auch inzwischen neblig geworden war, die beiden Geschütze nicht mehr schossen – es fehlten die Bedienungsmannschaften, der rechte war unbrauchbar, bei dem linken hatten Leutn. Binder die letzten 6 Schüsse alleine gefeuert – konnte nun kein klares Bild gewinnen.

Die Kompagnie hielt daher das Vorgelände bis zum anbrechenden Morgen unter lebhaften Feuer, um einem etwaigen Angriff von dieser Seite vorzubeugen. Unter denen, die bei diesem zweiten Angriff aus mir unbekannten Gründen zurückgingen, befanden sich nur einige Leute der 7/94, die links eben dem linken Geschütz gelegen hatten. Aus der Linie vor dem Friedhof, in der Komp. Führer lag, ging kein Mann zurück.

V.

Im Laufe des 3.XII. wurden durch das eigene Feuer u. durch die von Norden her flankierende Batterie Hiller die Russen im Laufgraben III zum Überlaufen gezwungen. Sie kamen teils zu 5, teils zu 7/94. Einige wurden von Leuten der 7/94 zum Ausbuddeln angestellt. Bei Eintritt der Dunkelheit wurde 7/94 durch 8/94 abgelöst.

[Unterschrift: Stier]

Leutnant u. Kom. Führer

Leutnant Reinhardt 8/94

Erinnerungen an den 2. Dezember 1914

Nach den schweren Tagen des 14. bis 19. Nov., die für uns den hervorragenden Erfolg des schnellen Vordringens über Poddembice [Poddębice] nach Süden, allerdings unter sehr großen Verlusten, besonders für unser Regiment, brachten, lagen wir 10 Tage lang den Russen am Ner unmittelbar gegenüber. Diese Ner-Linie mußte unbedingt gehalten werden u. wurde von uns auch gehalten, trotzdem die russische schwere Artillerie unter vorzüglicher Beobachtung von ihrem höher gelegenen Stützpunkt Lutomiersk auf unsern gegenüber liegenden Ort Kazimierz tagtäglich mit einer fast mathematisch genau zu beschreibenden Pünktlichkeit u. Dauer beschoß.

Wenn genügend schwere Granaten verschwendet waren, so wurde mit Schrapnells der Feldartillerie abgewechselt, die teils mit Brenn- teils mit Aufschlagzünder wirken sollten, der Erfolg war der, daß unsererseits nicht einen Schritt gerückt wurde, es wurden höchstens einige wenige Häuser, die durch Volltreffer, bei denen es naturgemäß auch Verluste gab, oder durch Einschläge in der unmittelbaren Nähe, die die Fensterscheiben bersten, unbrauchbar gemacht waren, mit dem Ausdruck des Bedauerns um das schöne Quartier verlassen, um ein benachbartes Haus oder einen Unterstand zu beziehen.

Dagegen hat die russische Artillerie die prachtvolle, neue steinerne Kirche von Kazimierz vollständig ruiniert, die mit einem für solch kleinen Ort ganz erheblichen Kostenaufwand von 60000 Rubel gebaut u. gerade fertiggestellt war. Es wurde jedenfalls ein Beobachtungsstand unserer Artillerie im Kirchturm vermutet, denn ein Geschoß nach dem andern schlug in oder neben der Kirche ein. Ich hatte Gelegenheit, den Einschlag einer Granate in das Dachgebälk des Turmes zu beobachten: Das ist kaum glaublich, mit welcher Wucht die langen, schweren Balken in weitem Umkreis herumgeschleudert wurden. Als ich mir die Kirche dann im Innern ansah, bot sie ein Bild vollständiger Verwüstung, bis auf den Hochaltar, der dank seiner Lage entgegengesetzt dem Turm vollständig erhalten war, während starke steinerne Pfeiler, die bis zur Decke gereicht hatten, vollständig geknickt waren.

Es ist dies ein Beweis dafür, wie wenig die Russen – auch selbst im eigenen Land – hervorragende Bauwerke u. dergl. verschonen, wenn sie den Verdacht haben, daß diese in irgend einer Weise für unsere Zwecke dienstbar gemacht sein könnten. Das Gegenstück hierzu bildet die fast regelmäßige Besetzung der Friedhöfe durch die Russen, die hier in Polen meist auf den Höhen sehr schön angelegt sind. Die Friedhofsränder werden stets in die Verteidigungslinie einbezogen u. stark befestigt, hinter dem Friedhof Batterien aufgestellt, sodaß unsere Artillerie zur Beschießung u. mehr oder weniger Vernichtung der Friedhöfe direkt gezwungen wird. Erfolg: großes Geschrei u. Beschwerden bei den Neutralen über unsere unmenschliche Kriegsführung, die nicht einmal die Gräber verschont u. jeder Spur von Pietät bar ist!

Nach dieser kleinen Abschweifung, verursacht durch die Kirche von Kazimierz, bringt mich der Kirchhof wieder auf meine eigentliche Schilderung der Höhe 181, die auch mit einem Friedhof gekrönt war.

Nachdem am Abend des 30. Nov. bereits verdächtiges Rollen u. Wagenrasseln von jenseits Lutomiersk zu vernehmen gewesen war, konnte am Morgen des 1. Dezember plötzlich eine unserer Patrouillen bis auf den Marktplatz von L. vordringen u. feststellen, daß der Ort, von dem aus wir so oft u. lange – allerdings ohne Erfolg – geärgert worden waren, von den Russen vollständig geräumt war. Auch die dahinter befindlichen Höhen waren frei u. sofort vorgetriebene Kavallerie-Patrouillen brachten bald Meldung, daß der Feind nach Süden abgezogen, der Ort Wygoda Mikolajewska  [Wygoda Mikołajewska], ungefähr 4 km südl., aber noch besetzt sei.

Das II. Batl., dem ich als Komp.-Offizier der 8. Komp. angehörte – war erst am 24.11. dahin versetzt worden, u. zwar zu meinem größten Bedauern, da ich bisher den ganzen Feldzug mit seinen Freuden u. Leiden bei meiner 2. Komp. mitgemacht hatte – erhielt den Befehl, über den Ner vorzugehen, Lutomiersk zu besetzten u. jenseits desselben für die Nacht eine Verteidigungsstellung auszuheben, was auch geschah. Die Nacht verlief jedoch ruhig, da der Gegner aus begreiflichen Gründen auf einen Angriff auf Lutomiersk verzichteten.

Dagegen erfolgte am frühen Morgen des nächsten Tages der Befehl zum Vormarsch nach Südosten u. wir merkten bald, daß ein heißer Tag bevorstand. Der 2. Dezember war für unser Regiment vom Kriege 70/71 her ein Ehrentag, denn an diesem Tage hatten unsere Väter bei Loigny Poupry heldenmütig gekämpft, u. beim Vormarsch dachte ich daran, wie ich oft ehrfürchtig als junger Soldat den begeisterten Erzählungen der alten Kameraden des Regiments von anno 70 gelauscht hatte, die alle in dem einen Namen vor manchem anderen gipfelten: Poupry; ferner gedachte ich der erhebenden Feier, die ich später als junger Leutnant im Casino des Regiments zu Ehren des Tages u. der Kämpfer von Poupry mitfeiern konnte, u. mit mir wird wohl jeder von uns an diesem Morgen nur den einen Gedanken gehabt haben: „Heute wird´s den Alten gleich getan!“

Befohlen war: Regiment greift an, nimmt u. hält russische Stellung auf Höhe 181 südöstl. Lutomiersk!

Das II. Batl. war vorn, das aus dem I. u. III. vereinigte Bataillon in zweiter Linie. Unsere 6. Kompagnie war noch im Helldunkel früh bereits an der Höhe auf den Gegner gestoßen, mit kolossalem Feuer begrüßt worden u. hatte sich mit 2 Zügen gegenüber der Russenstellung links von dem bereits erwähnten Friedhofe im feindlichen Feuer eingeschanzt. Rechts davon mit Richtung u. Front auf den Teil der Höhe rechts vom Friedhof verlängerten 11. u. 12. Kompagnie.

An einem Bachübergang, ungefähr 2000 m vom Friedhof noch entfernt, wurden noch 2 Komp. des II./94 zum Angriff angesetzt, davon links meine 8. Komp., u. zwar diese zunächst mit 2 Zügen, mit Richtung auf die vorn liegende Linie der 6. Komp. bezw. Auf einzelne links davon befindliche Häuser des Dorfes Bechcice, das in halber Höhe etwas seitlich liegt. Das Nachführen von Unterstützungen beim Angriff auf russische Stellungen ist an sich schon keine sehr leichte Aufgabe, die russischen Infanteristen legen im Schützengraben das Gewehr nur unvollkommen auf, zielen ungenau u. überschießen dadurch vielfach die vordere Linie, während die Geschoßgarbe mit erheblicher Tiefenstreuung weiter rückwärts einschlägt u. unseren Unterstützungen u. oft sogar mehrere 2-3 Kilometer rückwärts befindlichen Truppenteilen ziemliche Verluste beibringen. Bei unserem Angriff war es nun ganz besonders toll, denn als der Gegner den ernstlichen Angriff erkannt hatte, schoß er ganz besonders heftig u. von da ab jedenfalls absichtlich auf die vorgehenden Verstärkungen, denn unsere vorderste Linie war später weniger im Feuer u. konnte sich den ganzen Tag über gut halten ohne große Verluste.

Dagegen fingen diese bei meinem Zuge gleich beim ersten Sprung aus einer Deckung bietende Mulde an; weit u. breit war keine Deckung auszumachen, es mußte also über das freie Feld weiter vorgegangen werden, das ging natürlich in diesem Kugelregen nur in ganz kurzen, schnellen Sprüngen, u. jeder Mann mußte sich sofort nach dem Hinlegen mit dem Spaten eine einigermaßen hinreichende Deckung aus heben. Auf diese Weise gelang es, jedoch erst nach Stunden, den Zug unter Vermeidung größerer Verluste bis hinter die ersten Häuser von Bechcice zu bringen, wo er nur noch 150 m hinter der vorderen Linie war u. vorläufig bereitstehen sollte. Später brachten dann einzelne Gruppen Munition in die vordere Linie u. dann setzte ich am frühen Nachmittags den Zug ganz ein.

Nach Verlauf von weiteren 3 Stunden waren rechts von uns die Kompagnien auch bis in unsere Höhe vorwärts gekommen, die Unterstützungen hatten sich herausgearbeitet, das Rgt. 96 hatte links von uns sich in den Besitz eines weiteren Teiles des Dorfes Bechcice gesetzt, leider nur teilweise, wie sich später herausstellte, u. nun kam gegen 5 Uhr nachm. für uns der Befehl zum Sturm, u. zwar sollte vom linken Flügel aus angetreten werden.

Das galt also mir, als dem Zugführer am weitesten links; ich nahm also einen Halbzug der 6. Komp., der noch links von meinem Zuge lag u. ohne Führer war, mit unter meinen Befehl u. trat aus dem schützenden Graben hinaus, mein Zug hinter mir. Wie durch einen Zauberspruch verlängerte sich die Linie nach rechts, u. ich kann wohl sagen, daß ich ein Gefühl freudigen Stolzes hatte, als auf „Marsch“ die ganze Linie antrat u. sich wie eine eherne Mauer vorwärts schob. Wie ein Blitz durchzuckte mich noch einmal der Gedanke an Poupry 1870, dann gab´s keine Zeit mehr für anderes, denn die Russen, die über unsere Frechheit, uns ihnen in ganzer Größe vor die Flinten zu stellen, vielleicht anfangs etwas verdutzt waren, fingen jetzt an, wieder etwas lebhafter zu schießen, sodaß in unserer Linie manche Lücke entstand, die sich aber sofort magnetisch wieder zusammenzog.

Jetzt zeigte sich nun der Erfolg einer guten u. sorgfältigen Bearbeitung der russischen Stellung durch Infanterie. Während uns unsere Artillerie bei dem Angriff für die vordere feindliche Stellung nicht unterstützten konnte, war auf diese Stellung den ganzen Tag über von uns ein wohlgezieltes sorgsames Schützenfeuer unterhalten worden, sodaß sie tatsächlich lediglich durch Infanterie „sturmreif“ gemacht worden war, denn, als wir die letzten 50 m des Sturmanlaufes mit „Marsch, marsch, Hurra!“ u. gefälltem Bajonett vor dem Einbruch zurückgelegt hatten, da waren nicht mehr sehr viele Russen da, die ernstlichen Widerstand versuchte, die meisten gaben sich gefangen oder ergriffen die Flucht, um sich in weiter rückwärts gelegene Gräben in Sicherheit zu bringen. Dies gelang aber nur ganz wenigen, den[n] ich stürmte über die genommene Stellung weiter vorwärts u. geriet mit 2 Zügen, die ich mittlerweile zusammengebracht hatte, in einen wundervollen russischen Deckungsgraben, der wie für uns ausgehoben schien u. aus dem wir die fliehenden Feinde in ein gutes Verfolgungsfeuer nehmen konnten, bis die Dämmerung dem weiteren Feuern ein Ziel setzte. Leider waren bei diesem Weiter-Vorwärts-Drängen noch Verluste entstanden durch feindl. Feuer von rückwärts, von wo wir es am wenigsten vermuteten: es kam aus den weiter links gelegenen Häusern von Bechcice, von denen wir unbedingt annehmen mußten, daß sie ebenfalls von Russen gesäubert wären, was aber bedauerlicherweise nur unvollständig geschehen war (weil angeblich russisches Artilleriefeuer daran gehindert hatte.)

Nun kam der fast noch schwierigere Teil unserer Aufgabe: Den genommenen Vorteil ausnutzen u. die Höhe halten; denn daß der Feind zum mindesten den Versuch machen würde, uns mit noch stärkeren Kräften wieder zu verdrängen, lag ziemlich nahe, darüber war sich wohl jeder klar.

Unsere neue Stellung schob sich wie ein Keil in die Russen hinein u. mußte daher nach 2 Fronten hin befestigt werden, denn vor allem die rechte Flanke war stark bedroht. Jetzt kam nun unsere Feldartillerie nach vorn u. stellte einen Teil ihrer Geschütze in unserer vorderen Linie auf, während andere weiter rückwärts hinter der Höhe, aber immer noch im Feuerbereich bei feindlichem Angriff, auffuhren. Maschinengewehre wurden in unseren schnell ausgehobenen Schützengraben eingebaut, u. wir hatten unsere so eingerichtete Stellung noch nicht lange besetzt, als richtig auch bereits der erste Ansturm des Gegners ansetzte, nachts ungefähr 12 Uhr. Der Sturm wurde mit vereinten Kräften der Infanterie u. Artillerie glänzend abgewiesen, dagegen legte sich neue feindl. Linien in naher Entfernung von wenigen Hundert Metern unserer Stellung vor u. beschossen diese die ganze Nacht; sie versuchten in dieser schweren Nacht noch zweimal, uns zu werfen, wurden aber jedesmal unter enormen Verlusten abgewiesen, sodaß das Gebiet vor uns am folgenden Morgen einem wahren Leichenfeld glich.

Weitere Versuche der Russen, um im Laufe des 3.12. durch Beschießung aus neu gebildeten Stellungen mit immer wieder verstärkten Kräften mürbe zu machen, mißlangen vollkommen, im Gegenteil konnten wir ihnen immer wieder neue Verluste beibringen, wobei uns wieder die Artillerie wacker unterstützte, die infolge der guten Beobachtung, die aus unserer vorgeschobenen Stellung möglich war, geradezu verheerende Wirkung auf die feindl. Schützengräben ausübte.

In der folgenden Nacht zogen die Gegner abermals ab, u. am 4. waren wir unangefochtene Beherrscher dieses wichtigen Punktes, dessen Besitz uns allerdings auch manchen lieben Kameraden u. treuen Freund gekostet hat, die teils oben in dem heißumstrittenen Friedhof den ewigen Schlaf schlummern, teils erst später ihren schweren Verwundungen erlegen sind.

Die sofort eingeleitete Verfolgung brachte uns weitere Kämpfe in den folgenden heißen Tagen von Lodz [Łódź], Miazga u. Rawka, deren Leistungen u. Erfolge uns wohl einige Berechtigung geben werden, uns den alten Kameraden, sollten wie sie je wiedersehen, bescheiden zur Seite zu stellen.

Reinhardt, Lt.

Leutnant und Kompanieführer Schaefer 8/94

Gefechtsbericht über Höhe 181 (2.-4. Dezember [1914])

Beim Vormarsch am 2. Dezember folgte die 9. Komp. der 6. in zweiter Linie. Als die 6. Komp. Feuer erhielt, schwärmten die beiden ersten Züge sofort aus, der 3. Zug konnte gedeckt in einer kleinen Mulde liegen bleiben. Als das feindl. Feuer, das sehr heftig eingesetzt hatte, etwas nachließ, zog ich den 3. Zug um die Höhe herum durch ein Birkenwäldchen bis hinter das westlichste Haus von Bechcice (an der Höhe). Auch der 2. Zug, der die vorderste Schützenlinie nicht erreichen konnte, sammelte hinter dem Gehöft, auch ein Zug 6/94 war inzwischen hinter dem vorderen Gehöft angekommen. Der Feind sollte vom linken Flügel beginnend angegriffen werden, doch war ein Angriff wegen des heftigen Flankenfeuers von rechts nicht möglich. Der auf 130 Uhr angesetzte gemeinsame Angriff fand gegen 3 Uhr statt, um ½ 5 Uhr folgte der Sturm und die Einnahme des Feindhofes. 8/94 blieb als Bataillonsreserve mit 2 Zügen hinter dem letzten Gehöft, den Abend und die Nacht fortwährend mit dem Vorbringen von Patronen in die Schützenlinie und den Rücktransport von Verwundeten beschäftigt, wodurch die Komp. schon manchen Verlust erlitten.

Gegen 4 Uhr morgens fluteten Truppen in der Nähe des Feindhofes zurück. Es drohte ein Zurückweichen auf der ganzen Linie, da erhielt 8/94 den Auftrag, vorzugehen und alles wieder mit sich zu reißen. Schon waren Teile bis in der Gehöft gekommen, da gelang es durch Zusammenfassen der Komp. und ihr energisches Vorgehen alles wieder mit vor zunehmen. Leider brachte dies der Komp. auch gar manchen Verlust ein, viele brave Leute sollten hierbei ihr Leben lassen. So wurde auch der von den Russen versuchte Angriff abgeschlagen und die beiden Geschütze zurückerobert, woran 8/94 ihren ruhmreichen Anteil hatte. Der Kampf dauerte während des ganzen 3. Dezember an. Die Komp., die durch den Angriff auf der ganzen Linie verteilt lag, sammelte sich am Abend links des Friedhofes, um 7/94 aus seiner Stellung abzulösen. Am Morgen des 4.12. waren die Russen abgezogen und das Gelände zum Vormarsch. Die Toten vor der Front zeigten, welche Arbeit das Regiment geleistet hate. Auch 8/94 hate sein gutes Teil zum Erfolg beigetragen.

Schaefer

Leutnant u. Komp. Führer 8/94

Offizierstellvertreter Hemmann 8/94

Bericht über das Gefecht am 2-4 Dezember bei Bechice und Höhe 181

Bei Morgengrauen verließen wir die in der Nacht vom 1 zum 2 Dezember ausgehobenen Schützengräben bei Ludomiersk [Lutomiersk] um vorzurücken. Am Ausgang von Ludomiersk versammelte sich das Bataillon die 6 Kompagnie ging in erster Linie mit Sicherung gegen Höhe 181 vor. Auf halber Höfe bekam die Spitze Feuer vom verschanzten Gegner der Rest der 6 Komp rückte in Schützenlinien vor. Die 8 Komp folgte in zweiter Linie zugweise vor. Der Gegner konnte nicht richtig erkannt werden, da wir von der linken Flanke Feuer erhielten. Im weitern vorgehen verstummte das feindliche Feuer etwas. Auf Befehl sammelte sich die Komp nach links in einem kleinen Birkenwäldchen und rückte hinter das westl. Haus von Bechcice. Die andern Komp hatten inzwischen eine Stellung südlich Bechcice vor dem besetzten Friedhofe eingenommen. Gegen Mittag kam der B B [sic!] der Friedhof soll 3 Uhr im Sturm genommen werden der erste Zug der Komp wurde hierzu mit eingesetzt.

Spätnachmittag war der Friedhof in unserm Besitz. Bei Dunkelheit wurde vom Friedhof südlich und nördlich eine Stellung eingenommen. Eine Batterie kam mit in die Schützenlinie. Gegen 12 Uhr versuchten die Russen einen Gegenstoß mit großer Übermacht wurden aber zurückgeschlagen. Ein teil der feindlichen Kräfte hatte sich beim zurückgehen vor unserer Stellung eingeschanzt. Die in Reserve befinden 2 Züge der 8 brachten Munition in die Schützengräben und schafften die aus der Schützenlinie zurückkommenden Verwundeten zur Verbandstelle. Gegen 4 Uhr früh kam ein großer Teil Mannschaften aus den Schützenlinien zurück. Jetzt kam an den 2 Zuge der Komp der Befehl vorzugehen und zurückgehende mit vorzunehmen. Die Züge verteilten sich auf der ganzen Linie, der größte Teil am gefährdeten Friedhof. Ein lebhaftes Infanterie und Artilleriefeuer setzt gegen die in Stellung befindlichen feindlichen Kräfte ein. Besonders wirksam war das Artl. Feuer, da gegen 60 Überläufer in unsern Schützengraben kamen. Am nächsten Tag am 4 ging eine Patrouille vor und stellte fest, daß der Gegner gegen Morgen abgezogen sei. Gegen 800 tote Russen vor der Front wurden im Laufe des Vormittags beerdigt.

Hemmann Offz-Stellvertreter 8/94

Reservist Gärtner 8/94

In einem Wäldchen links von Lutomiersk sammelte sich unser Regiment 94. Von da sind wir gegangen über ein klein Fluß u. dort hieß es schwärmen. Davor lagen wir in einer Multe [sic!] in Zugkolonne. Auf einmal pfiffen die Kugeln schon über und hin und ich bekam ein Gewehrschuß in mein Kochgeschirr.

Jetzt sind wir ausgeschwärmt vorgegangen und es gelang uns Kompanieweiße vor zugehn. Mein Gruppenführer Löwenstein lag neben mir und bekam ein Schuß durch den Kopf wobei er sehr schwer verwundet war und etliche Tage danach er verschied. Wir kamen jetzt vor eine Scheue um uns da längere Zeit auszuruhen. Da erhielt ich den Befehl, Unteroffizier Löwenstein mit Zerbst u. Jeier zurück zu bringen. Als wir dies vollbracht hatten sind wir wieder zurück bis an die Scheune. Vor uns lagen die fünfte sechste und siebende Komp. rechts vor uns die 96. Gegen elf Uhr hieß es die Russen kommen. Wir erhielten den Befehl Seiten-Gewehr pflanzt auf und wir mußten wieder zurück bis an das Wäldchen wo die Kugel immer an uns herum pfiffen.

Jetzt mußten wir wieder auf u. hinter die Scheune wo wir erst lagen. Jetzt kamen wir vor in den Schützengraben. Leutnant von Häßler befielt uns um Munition der Artillerie zu hohlen. Natürlich keiner erhob sich zurück zu gehen durch das Feuer. Ich bin zurück und habe zwei Körbe aufgeholt. Wobei Lohnwagner auch zwei Stück hatte vir zu schleppen. Nun gingen wir wieder in unseren Schützengraben.

Am andern Morgen d. 3. Dez. musten wir die siebende Komp. ablösen. Jetzt bekamen wir ein Stückchen Brot mit Suppe auch eine Cigarre erhielt ich die mir sehr angenehm war.

Jetzt mußte Unteroffezir Kühn mit einer Patrolje vor. Da schnarrgte [sic!] und wimmerte es in den Schützengraben es waren Russen die verwundet u. geschlafen hatten. Etliche verwuntete brachten wir zurück. Aber die Russen waren über die Höhe verschwunden. Jetzt wurden wir komandiert die Toten zu begraben.

Reservist

Gärtner

Gefreiter Schirmer 8/94

Anfang

In den 1. Morgenstunden des 2. Dezember lagen wir in einem kleinen Wäldchen östlich Lotumerts [Lutomiersk] als der Befehl kam zum Angriff auf der Höhe die vor uns lag.

Ein banges Ahnen überkam aller unserer Gemüter als sich der Himmel blutrot färbte. Die 6. u. 4. 94 gingen in 1. Linie vor während 7 u 8 94 in zweiter Linie vorgingen. Kaum hatten erstere den Anfang der Höhe erreicht, als wir von einem mörderischen Feuer überfallen wurden. Die in 1. Linie liegenden erwiederten sofort das Feuer und schanzten sich dabei ein. Da kam der Befehl an unsern Bataillonskommandeur die Höhe mußte auf alle Fälle genommen werden. Die 8/94 bekam den Befehl ausgeschwärmt vohrzugehen und die 6/94 mit fohrzureißen. Dieser Befehl wurde sofort ausgeführt und wir arbeiteten uns sprungweise vorwärts. Unter dem treffliche Schießen unserer Artillerie kamen wir vor, bis wir Mittags hinter einer Scheune uns sammelten. Da wir sehr angestrengt waren nahm jeder einen Schluck aus der Feldflasche und wurde auf ein Inbis genommen. Hier bekam ich mit Musk. Jung den Befehl einen Verwundeten der schon von Morgens da lag zurückzubringen. Unter heftigem Kugelregen brachten wir den zurück und schlossen uns nach kurzer Abwesenheit unserer Kompanie wieder an welche immer noch hinter der Scheune stand. Hier erfuhren wir erst die Verluste die wir schon erlitten hatten. Inzwischen war die Nacht herbei gekommen der III. Zug blieb zur Deckung des Herrn Major hinter der Scheune liegen. Als plötzlich der Befehl kam, die Russen wehren zwischen 94 u. 96 durchgebrochen, nahmen wir eine Aufnahmestellung in einem kleinen Wäldchen auf, kamen aber in die Geschoßgarben der Maschinengewehre und gingen wieder in unsere alte Stellung zurück. Durch Patronenvorbringen und Verwundeten zurückschaffen war es inzwischen 11 Uhr geworden als mit einem male einige von der 7/94 ankamen es ging alles zurück das energische Vorgehen der 8/94 mit aufgepflanztem Seidengewehr und dem guten Stand halten[,] der 5 u. 6/94 gelang es aber die Russen wieder zurückzuschlagen, welche einige Schützengräben und 1 Geschütze schon erogert [sic!] hatten. Die Nacht mußten wir in der eingenommenen Stellung verbringen, welches bei der großen Kälte und das Jammern der Verwundeten nicht grade angenehm war. Unter dauerntem Feuer verging die Nacht und der 3. Dezember verlief in derselben Weise. Aber große Erheiterung erhiellten aller unserer Gemüter als dauernt Überläufer zu uns rüber kamen. Da nun keiner mehr seinen Platz verlassen durfte verging der Tag in der Hoffnung, daß wir des Nachts abgelöst würden. Aber die Sache wurde anders, weil wir die 7. ablösen mußten. Wie bezogen den Schützengraben der 7. und harrten nun der dinge die noch kommen wurden. Aber auch diese verging und am Morgen warn die Russen abgerückt. Noch in der Dunkelheit untersuchten wir die Schützengräben und fanden blos noch Tode und Verwundete in den Gräben liegen. Auch rissen noch einzelne aus, die wir in der Dunkelheit nicht treffen konnten.

Am 4. des Morgens beerdigten wir die Toden.

Gefr. Schirmer 8/94

Unteroffizier Kubc 8/94

Gefecht vom 2ten Dezember 1914.

Am 2ten Dez. Morgens 4 Uhr wurde die 8te Komp. alarmiert. Die 6te Komp. war als Spitze vor dem Bataillon vorgegangen.  Ungefähr 600 Meter vor der Höhe bekam die Spitze Feuer. Die 8. Komp. erhiell [sic!] den Befehl in die 6ten Komp. einzuschieben. Ungefähr um 10 Uhr erhielt die Komp. alles einzusetzen [sic!]. Der Zugführer vom 3. Zug erhielt den Befehl die ganze Komp. sollte in die 6te Komp. einschwärmen, und zum Sturm mitreißen. Inzwischen kam der Befehl, die Komp. sollte sich eingraben. Da daß Feuer zu heftig wurde, bepfahl Feldw. Junge vom 3ten Zug links in ein kl. Wäldchen vorzugehen und hinter ein Gehöft zu sammeln. Mittags gegen 1 Uhr kam der Befehl es soll angegriffen werden. Leutnant Reichard vom 1ten Zug erhielt den Bepfehl durch die ganze Schützenlinie, alles soll zum Sturm vorgehen. Leutnant Reichard war der erste welcher in die Feindlichen Schützenlinie einbrach. Ein Teil der Russen gab sich gefangen. Als es schon dämmerte versuchten die Russen mehrere Gegenstöße wurden aber unter großen Verlusten zurückgeworfen. Der dritte Gegenstoß der Russen war so heftig, daß wir uns ein Teil zurückziehen mußten. Die Russen erbeuteten hierbei 2 Geschütze vom Rgt 55. Viele Bedienungsmannschaften von regt 55 erhielten hierbei den tot. Jetzt kam der Hauptmann vom Rgt 55 und sagte. – Wen Ihr deutsche Männer sein wollt, dan helft mir mein Geschütz wiederholen. Der Rest der 8ten Komp. welche grade wieder vorgehen wollte, probirte die 2 Geschütze, zwei Artilleristen und Musketier Stegmann der 8ten Komp. bedienten das eine Geschütz und gaben nun Schnellfeuer auf den Russen. Am 3ten Dez. blieb alles im ersten Schützengraben den Tag über liegen. Abens musten die 8te Komp. den Schützengraben der 7ten Komp. mitbesetzen. Am Morgen des 4 Dez. schickte Leutnant v. Haessler Patroillien aus. Dieselben kamen mit der Meldung zurück daß die Russen die Stellung verlassen hatten. Viele Verwundete und ein Teil welche bei den Verwundeten zurückgeblieben waren, wurden gefangen genommen. Die 8te Kom. Erbeutete ein Maschinengewehr.

Gefreiter Ernst Grimm II 8/94

Die Ereignisse am 2. Dez. auf Höhe 181

Am zweiten Dezember mittags hatte sich 8/94 hinter einem Haus vor dem Feindhof auf Höhe 181 gesammelt. Hier mußte der Unteroffizier Bechmann mit seiner Gruppe in der sechsten Kompagnie einschwärmen, weil eine Lücke entstanden war. Um 4 Uhr 20 komantirt [sic!] Herr Hauptmann Ohnesorg Seitengewehr pflanzt auf, und es ging zum Sturm vor. Mit Leichtigkeit erstürmten wir den ersten Schützengraben, die Russen rissen aus, und wir feuerten stehend freihändig, was uns großen Spas machte. Als es Dunkel wurde kamen die Russen wieder, und wollten ihren Schützengraben wieder nehmen. Wir gingen auch wieder zum Sturm vor, es waren uns aber nur sieben Mann in erster Linie, ich selber schlug mit den Kolpen [sic!] drein, so das der eine Russe tod niedersank, als die andern Russen das sahen, warfen sie ihre Gewehre hin. Halblinks kamen aber die Russen in großen Massen an und wegen starken Gewehrfeuer mußten wir paar Leute im marsch marsch zurücklaufen. Aber nicht weit, dann ging es nochmals mit Verstärkung vor, bis die Russen in ihre Schützengräben verschwanden. Wir hatten noch einige Gefangene gemacht, und dann haben sich die Kompagnien wieder gesammelt. 8/94 war in Reserve, haben aber die ganze Nacht vom 2. bis 3. im größten Gewehrfeuer Patronen vortragen müssen.

8/94 Gefrt. Ernst Grimm II

[Unterschrift]

Gefreiter der Reserve Wilhelm Först 8/94

Gefecht am 2. Dez. 1914.

Am 2. Dez. wurde die 8. Comp. gegen 5 ½ Uhr morg. alarmiert. Das Batailon rückte vor bis am Ausgang eines kleinen Wäldchens. Hierauf entwikelte sich der 1. und 2. Zug. Der 3. Zug blieb in Reserve zurück. Nach einiger Zeit kam der Befehl an 8/94 den 3. Zug einzusetzen und 6/94 mit vor zu reißen um die Höhe zu erstürmen und zu halten, im lebhaften Feuer ging die Comp. vor bis wir an einige einzelne Gehöfte kamen. Hier wurde die Compagnie gesammelt, nach einiger Zeit wurde der 1. Zug wieder eingesetzt, während der 2. u. 3. Zug in Reserve blieben. Des Morgens gegen 4 Uhr setzte plötzlich ein sehr lebhaftes Feuer ein, hierauf kamen auch schon Mannschaften unsers Regiments zurück mit dem Bemerken es geht alles zurück.

Der Kompagnie-Führer befahl sofort Seiten-Gewehr aufpflanzen und im fürchterlichen Feuer stürzte alles vor bis wir an einen Schützen-Graben kamen welchen wir besetzt nach einiger Zeit kamen einzelne Leute von 11/94 welche den Schützen Graben verlassen hatten wieder vor, bei Tages Grauen  sahen wir unseren Gegner etwa 80 Meter vor uns, in dieser Stellung blieben wir unterlebhaften Feuer bis durch Patrouillen der Rückzug des Gegners festgestellt wurde.

Gefreiter d. Reserve

Wilh. Först 8/94.

Gefreiter Jacob 8/94

Am 2 Dezember 1914 früh schwärmten wir aus, und gingen so sprungweise vor bis in Höhe des Gehöftes, wo sich die Kompagnie (Es kam ein Befehl noch links sammeln) sammelte. Durch das Einschwärmen waren viele abgekommen, und der Zug Gäseler war sehr schwach. Nach einer Erholungspause entwickelten wir uns rechts heraus, und mußten nach einigen Sprüngen, gezwungen durch den Befehl nicht weiter vorzugehen in unsrer Stellung, welche wir uns im feindlichen Feuer notdürftig gegraben hatten, verharren. Es war wohl 11 Uhr als ein Befehl kam 130 soll angegriffen werden. Als Einbruchsstelle wurde der Friedhof bezeichnet. Es waren mit mir noch einige Kameraden vom zweiten Zug, wir lagen links vom Friedhof etwa 350 Meter vorm feind. Es wurde 130 und alles blieb ruhig. 330 setzte alles zum Sturm ein jedoch langsam. Durch starkes Feindliches Feuer waren wir gezwungen den Laufgräben, welcher in der rechten Ecke des Friedhofs herunter ging als vorläufige Deckung zu benutzen, u. von hier aus etwas in die rechte Flanke Feuernt [sic!], den Feind zum zurück gehen zwangen. Die Dunkelheit war herein gebrochen, jetzt erst bekann [sic!] der eigentliche Sturm. Wir nahmen die Stellung rechts vom Friedhof unter Hurra; konnten aber nicht weiter, denn unsere Artillerie hatte noch dasselbe Ziel wie am Tage. Wie der Feind merkte das sie nicht weiter verfolgt wurden, unternahmen sie mit Verstärkung einen neuen Vorstoß. Gingen aber ohne Erfolg zurük, unter heißen Bajonettkampf u. Gewehrfeuer, und schweren Verlusten. In den Wirrwarr erfuhr ich das die 8 Komp. links gesammelt hatte. Mit Feldw. Gerhold ging ich u. mehre Gefangene zur Komp. zurük. Nicht lange da mußten wir Munition zur 7. Komp. vor bringen. (2 Gruppen) An der linken Ecke des Friedhofs kam ich im Schützengraben an. Als ich wieder zurük wollte, Befahl mir Herr Ltn. Stier (7 Komp) sie bleiben hier. In der Nacht vom 2. z. 3. Dez ging die 7 Komp. zurük, es war durch die Ablösung gekommen, nicht durch die Russen. Herr Ltn. Stier u ich behaupteten nach kurzer Zeit weiter unseren Platz, linke Ecke des Friedhofs. Da lag ich mit der 7 Komp. bis zum 3 Dez. Abens [sic!], und als die 8 Komp. kam zur Ablösung, mußte ich noch hier bleiben bis zum 4 Dez. morgens. Am Abend des 3 Dez. hatten wir 2 Komp von Regt. 71 als Verstärkung erhalten, worüber sich Herr Ltn. Häseler u. ein Hauptmann vom Regt 71 noch Meinungen austauschten. Aber wir freuten uns alle über die Verstärkung. Auch war ich in der Nacht trüben [sic!], rechts vom Friedhof da stand Mann an Mann weil die 71 Ersatz bekommen hatten waren die Kompagnien noch sehr stark. So lag ich vom 2 Dez bis 4 Dez früh in Gefecht ohne Ablösung.

Gefr. Jacob

Gef. Lemnitzer 10/94

Fatar, den 27. Juni 1915

10/94

Erlebnisse des Gef. Lemnitzer 10/94 in der Nacht vom 2. zum 3. Dez. 1914

Beim Sturm am 2. Dez. auf die russische Stellung gingen gleichzeitig mit der Inf. auch die M.G.K. vor. Wir richteten uns im Schützengraben ein und auch die Mannschaften des M.G. wollten ihr Gewehr einrichten. Als dieselben ihre Gewehre auf die Deckung stellten, kamen plötzlich 6 Russen auf die Deckung gerannt, in der Absicht, das M.G. zu erobern oder wenigstens unschädlich zu machen. Kurz entschlossen nahm ich mit meinen Kamerad, Reservist Unger, die Russen aufs Korn, und es gelang uns auch 5 durch wohl gezielte Schüsse kampfunfähig zu machen. Da in Eile der dritte Schuß in die Erde ging und der letzte Russe seine Absicht auch noch nicht auf gab, so sprang ich heraus und ging demselbigen mit dem Bajonett zu Leibe. Ein kurzer Kampf und er lag zu Boden, obwohl neben mir plötzlich noch ein Russe auftauchte, welcher aber durch meinen Kamerad, dasselbe Schicksal, von den ersten erreichte.

Meine Kameraden, welche Zeuge dieses Kampfes waren, sind aber in den folgenden Gefechten gefallen, so daß ich das Erlebnis nicht weiter begründen kann.

Gef. Lemnitzer 10/94

Gelesen 28.6.15

[Unterschrift Margraf]

Lt. u. Kompführer

Graf von Hennin, Hauptmann und Kompagniechef 11/94

Der Sturm, dazu Skizze 1. [Anmerkung: Skizze fehlt]         Boguslawki Male, 20.1.1915      11/94

Die Kämpfe der 11. Kompagnie I.R. Großh. v. Sachsen (5. Thür.) Nr. 94 bei Lutomierz und südlich Bechcice auf Höhe 181 am 2., 3. u. 4. Dezember 1914

Am 2.12. früh 6 Uhr war das combinierte (I. u. II.) Bataillon /94 aus Cazinierz abmarschiert, einen Flecken, den die 11. Kompagnie vom 20.11-1.12. in der Verteidigung zu halten hatte. Zwischen 7 u. 8 Uhr Vorm. erreichte das Bataillon die Walstückchen südlich Lutomierz [Lutomiersk], wo bereits schwaches feindliches Feuer von Höhe 181 sich bemerkbar machte. I.R. 94 wurde nun zum Angriff von Westen her auf Höhe 181 angesetzt, und zwar II. Bataillon in erster Linie, comb. Bataillon sollte rechts gestaffelt folgen.

Comb. Bataillon Wangenheim nahm 2. U. 12. Komp. in erste Linie, 4. u 11. Komp. in zweite Linie und folgte im Laufe des Vormittags, zunächst bis zum Friedhof, dann bis in die Waldstücke östlich des Friedhofs. Das II. Bataillon ging im allgemeinen genau in östlicher Richtung auf Höhe 181 vor, südlich sollte die 76. Brig. vorgehen, deren Einwirkung von Südwesten oder Süden her abgewartet werden sollte. Im Verlaufe des Kampfes schob sich das II. Bataillon aber etwas mehr nach Norden, so daß am rechten Flügel eine Lücke entstand, die um die Mittagszeit durch 2/94 ausgefüllt wurde.

Gegen 2 Uhr nachmittags kam der Befehl, daß die Höhe 181 und der Friedhof im Sturm genommen werden sollten. Die 11. Kompagnie ging darauf in Halbzugswellen über den Bach hinüber und schloß näher an die erste Linie heran. Gegen 3 Uhr kam der Befehl, daß erneut eine Lücke rechts entstanden sei. Die 11. Kompagnie sollte diese ausfüllen und den Sturm in erster Linie mitmachen. Die Kompagnie stürmte darauf auf die Höhe 181 vor, die sich lange von Ist nach Westen dahin streckte mit Abfall nach Süden und schwächerem (flacherem) Abfall nach Norden, und zwar zunächst rücksichtslos mit allem, obwohl durch eine glänzende Patrouille des Leutnants Freiherrn von Spessart einwandsfrei Maschinengewehre in der rechten Flanke (s. Skizze 1) festgestellt waren.

Die Kompagnie 11/94 erreichte um 415 Uhr den russischen Schützengraben und warf die Russen im Handgemenge zurück. Nun kam aber der 1. u. Teile des 2. Zuges in ein rasendes Maschinengewehrfeuer der oben erwähnten Gewehre von rechts, der sie zum Hinlegen zwang, und so konnte, da rechts niemand vorging, zunächst nicht weiter durchgestoßen und verfolgt werden. Die Russen gingen daher nur wenige 100 Meter zurück und zogen starke Reserven nördlich zu Prusinow vor (siehe Skizze 1). Inzwischen war es Nacht geworden, die Mond hell war. Gegen Morgen aber bildeten sich Nebel, die dem 1. Gegenangriff sehr zustatten kam.

Als nach dem Handgemenge die Verbände geordnet waren, erhielt die 11. Kompagnie den Befehl, die höchste Höhenlinie südwestlich und westl. Höhe 181 zu besetzen. Es wurden die russischen Schützengräben (vgl. Skizze 1) hierzu benutzt und diese mit 1 ½ Zügen besetzt. Die andere Hälfte der Kompagnie wurde in Reserve westlich des Friedhofes gelegt in einem alten Graben, den die Kompagnie in der Nacht vom 19. zum 20.11. aufgehoben hatte. Einen neuen auszuheben, war nicht möglich, da es hart gefroren war und die Höhe von den Russen dauernd mit Feuer belegt wurde. Da die Truppen links nicht über Bechcice vorgekommen waren, so wurde die 7. Kompagnie zurückgezogen und nahm genau die Front nach Osten. Da auch die Truppen rechts nicht weiter vorgekommen waren, so wagte die Kompagnie keilförmig nach dem Feind vor und hatte infolge dessen unter starkem Feuer von vorn, von rechts und später auch von links schwer zu leiden.

Für die Nacht wurde nun in die Stellung der Kompagnie zur Verstärkung eine Batterie vorgeschoben, außerdem ein Scheinwerferzug (siehe Skizze II [Anmerkung: Skizze 2 nicht vorhanden]). Hiervon wurden 2 Geschütze in den vorderen Schützengraben, später 2 Meter hinter diesem postiert. Vor Mitternacht begannen die Russen ein lebhaftes Schützenfeuer, welches sie die ganze Nacht unterhielten.

Um 1230 nachts erfolgte nun der erste Gegenangriff der Russen, der aus der Richtung a-a (siehe Skizze 2) gegen unsere Stellung geführt wurde. Unser Scheinwerferzug trat in Tätigkeit und bei der hellen Beleuchtung konnte die Infanterie und Artillerie den anstürmenden Gegner (1-2 Bataillone sibirische Schützen) gut unter Feuer nehmen, so daß der Gegenangriff 40-50 Meter vor den vordersten Schützengraben zusammenbrach.

Als dieser Angriff mißglückt war, gewann man nach Aussagen von Patrouillen und Schützen in der vorderen Linie und dadurch daß nun auch die Deckungsgräben von links direkt bestrichen werden, den Eindruck, daß sich die Russen mehr nach Osten verschoben, um mehr von dieser Seite her einen zweiten Angriff anzusetzen. Zwischen 2 u. 3 Uhr vormittags ließ daher der Kompagnie Chef, Hauptmann Graf von Hennin, den Zug (1.) des Leutnant der Res. Kögler die Front nach Osten hinter den kleinen Friedhof und südlich davon einnehmen, währen der übrige ½ 2. Zug (Offizierstellvertreter Haupt) die vordere Linie verstärkte. Trotzdem aber waren die Schützengräben zu schwach besetzt, da die Kompagnie durch das lebhafte Feuer von 3 Seiten schwere Verluste erlitten hatte. Einzelne Leute trugen auch Schwerverwundete zurück, und von halfen bei der Artillerie [sic!], die besonders die beiden vordersten Geschütze einen großen Teil ihrer Bedienungsmannschaften verloren hatten. In der Vermutung, daß ein 2. Gegner Angriff, jetzt mehr von Osten her bevorstehe, schickte der Kompagniechef daher in Anbetracht des Ernstes der Lage direkt zum Regiment mit der Bitte, 1 oder 2 Züge aus der Reserve zur Verdichtung der Schützen in den Graben heraufzusenden. Das Regiment schickt nun zu seiner Orientierung den Ordonanzoffizier des Regiments, Leutnant von Canta, auf die Höhe. Derselbe wurde aber, als er eben am Friedhof zu dem Kompagnie Chef in den Schützengraben gesprungen war, durch einen Schuß in die Brust schwer verwundet und erlag später seiner Verletzung. Das comb. Bataillon schickte zu seiner Orientierung den Adjutanten, Leutnant von Gödel, vor, der auf dem Wege zur Höhe ebenfalls einen Schuß durch die Brust erhielt. Gegen 430 traf nun auch der Adjutant des II. Bataillons beim Kompagnie Chef im Schützengraben ein, um sich zu orientieren. In diesem Augenblick erfolgte der 2. Gegenangriff und der kritische Moment des Kampfes trat ein, da immer noch keine Reserven eingetroffen waren:

Es war gegen Morgen dunkler geworden; der große Scheinwerfer usw. durchschossen und so kam es, daß die Geschütze westlich des Friedhofs in die eigenen Schützengräben vorderer Linie schossen und dort von den spärlichen Resten der schon von 3 Seiten von den Russen beschossenen Kompagnie nun auch noch von hinten mehrere Leute der Kompagnie töteten und verwundeten. Die wenigen Leute, die noch übrig waren, suchten nun dem eigenen Artilleriefeuer zu entgehen und irrten in dem Dunkel der Nacht auf der Höhe einzeln umher. So blieben einige Zeit die beiden vorderen Geschütze allein gegen den Feind verlassen stehen. Als die hinteren Geschütze nun ihr Feuer verlegten, gelang es dem heldenhaften Verhalten der Unterführer der Kompagnie und der 1. Batterie einzelne Leute wieder an die vorderen Geschütze vorzubringen und zu bedienen und so den Angriff der Russen abzuschlagen, die bereits den linken Flügel des Schützengrabens erreicht hatten. Nun trafen auch die Reserven ein uns so war auch der 2. Gegenangriff der Russen abgeschlagen.

Den ganzen 3. Dezember dauerte das Feuergefecht auf der Höhe 181 weiter an. Einen Angriff wagten die Russen indessen nicht mehr. Aber es kostete noch manchen braven Musketier und Kanonier; schwer verwundet wurde auch noch der Batteriechef der heldenhaften 1. Batterie/Art. Regt. 55, Hauptmann Krähe und zu Tode getroffen lang auch er Offizierstellvertreter Winkler neben dem Geschütz westlich des Friedhofes. Um 9 Uhr abends wurde die Kompagnie nach fast 40 stündigem Kampfe durch eine Kompagnie Inf. Regt. 71 abgelöst. Die Kompagnie sammelte sich hierauf hinter dem Haus, wo der Regimentsstab lag; es waren aber zunächst nur 1 Offizier, 2 Unteroffiziere und 67 Mann, die sich noch sammelten. Die Verluste der Kompagnie waren groß; sie betrugen ___ Tote und ___ Verwundete [Anmerkung: Zahlen fehlen], darunter tot Vizefeldwebel der Res. Müller, und Vizefeldwebel Dewitz, schwerverwundet Offizierstellvertreter Graf Medem.

Trotz der schweren Verluste wird es aber für die 7. u. 11. Kompagnie eine freudige Erinnerung sein, daß es ihnen geglückt war die Friedhofhöhe 181 zu stürmen und gegen große Übermacht (2 sibirische Regimenter) im Verein mit Teilen andere Kompagnien und der 1. u. 3. Batterie/Art. Regt. 55 zu halten.

Und dieser Ehrentag wird auch über die Kriegsdauer hinaus die 2 Kompagnien mit den 2 heldenhaften Batterien besonders kameradschaftlich verknüpfen. – Am 4.12. früh fand die Sanitätskompagnie vor den Stellungen der beiden Kompagnien am Friedhof 885 tote Russen.

Von den zahllosen heldenhaften Toten sind einzelne dem Bericht nach eigenen Angaben und Aussagen der Betreffenden nach Bestätigung durch die Unterführer angeschlossen.

Dazu 2 Skizzen [Anmerkung: nicht mehr vorhanden]

[Unterschrift Graf von Hennin]

Hauptmann u. Kompagniechef 11/94

Wehrmann Hagemann 11/94

Erlebnisse auf der Höhe 181

Abschrift

Als der I. Zug, dem ich angehörte[,] auf der Höhe hinter dem kleinen Friedhof gesammelt hatte, besetzten wir den dort befindlichen Schützengraben und wurden hier frisch mit Patronen versorgt. Als später der Feind von links vorging, mußten wir die Front dorthin nehmen und den kleinen Friedhof besetzen. In dieser Stellung lagen wir schon einige Zeit, als von rechts durch die Schützenlinie gerufen wurde: „Der III. Zug hat keine Patronen mehr und möchte möglichst schnell welche erhalten.“ Ich wußte, daß am hintersten Ende des Schützengrabens hinter uns vorhin mehrere Pakete übrig geblieben waren. Das feindliche Granatfeuer war sehr heftig, aber die Gefahr die uns drohte, wenn der III. Zug ohne Patronen lag, ließ mir keine Ruhe. Ohne Befehl rannte ich hin und fand noch die Patronen vor. Ich nahm sie und meldete dem Zugführer Leutnant Kögler mich mit den Patronen, worauf dieser mir den Befehl gab, dieselben dem III. Zug zu bringen. Da der Mond uns auf der Höhe so hell beleuchtete, war es für mich sehr gefährlich, diese Stellung zu erreichen. Ich legte daher mein Gepäck ab und lief, so schnell ich konnte, dem etwa 200 m entfernt liegenden Zuge zu. Kaum war ich jedoch hinter dem Friedhof hervorgetreten, da eröffneten die Sibirier auf mich ein mörderisches Feuer, ich hatte noch nicht die Hälfte des Weges zurückgelegt, als mir eine Kugel den rechten Arm zerbrach. Die mir entfallenen Patronen nahm ich nun in die linke Hand und stürzte weiter. Noch etwa 50 m vorm Ziele entfernt durchklatschte ein Geschoß meinen Helm. Hierbei stolperte ich und fiel zu Boden. Ich konnte mich in diesem Augenblick vor Schmerz nicht mehr erheben, ich rief daher: „Kameraden ich habe für Euch Patronen und bin verwundet, ich kann nicht weiter.“ Ich hörte die Stimme einen nur gut Deckung, wie haben sie schon. Etwa 10 Minuten lag ich als das feindl. Feuer etwas nachließ und einer vom III. Zug herüber kam, um die Patronen zu holen. Nun lief ich in den leeren Schützengraben. Aber wieder hatten die Feinde mich gesehen und wurden von den vielen Schüssen, die mir zu gute kamen, traf dies mal nur eine meinen Mantelärmel. Nachdem ich mich in dem Schützengraben etwas erholt hatte, konnte ich mich erheben, um mit dem ebenfalls verwundeten Kameraden Bosse, die Verbandsstelle in Lutomiersk aufzusuchen. Hoffentlich haben diese Patronen ihren Zweck erfüllt.

Gez. Wehrmann Hagemann

z.Zt. Reserve Laz. Kaiserhof in Alfeld a/Leine

Dem Bataillon:

Als Anfang zu den Erlebnissen auf Höhe 181 der 11/94

[Unterschrift Graf von Hennin]

Hauptmann u. Komp. Chef

Gefreiter Deist 11/94

Gefechtsbericht vom 2.-3. Dezember 1914 auf der Höhe 181 bei Bechcice

Am 3. Dezember früh kam der Befehl zum Abrücken. Unser Bataillon I. u. III./94 marschierten über Lutomiersk bis vor den Waldrand. Hier blieb das Batl. vorläufig in Reserve. Das I/94 lag vor uns und stieß nun auf den auf der Höhe 181 verschanzten Gegner. Dann zogen wir uns in das nächste Wäldchen. Hier erhielten wir starkes Gewehrfeuer. Dann zogen die 5. u. 11./94 sich in die nächste Mulde und 11/94 von da nach rechts hin. Wir schanzten uns am Abhange ein. Gegen Abend kam der Befehl zum Sturm. Wir gingen nun vor, von unser Kompagnie der III. Zug in vorder. Linie und auch am weitesten rechts. Die 12/94 lag hinter uns im nächsten Wald in Reserve. Regt. 2/12 kam jedoch nicht so rasch vorwärts und dadurch kam es, daß wir von rechts von der Straße her ein heftiges Maschinen- und Gewehrfeuer erhielten. Wir kamen eben nicht weiter vor. Inzwischen hatte der Rest der Kompagnie sich auch links weiter vorgearbeitet. Aber es dauerte gar nicht lange, so bekamen wir auch von links (vom Friedhof) her Maschinengewehrfeuer. Da hörte man fortwährend rufen, „Am Friedhof ist Regt. 96;“ aber da hatte man sich geirrt; denn es war doch Russenpack. Inzwischen waren wir schon an den vordersten Schützengräben vorn und hatten sich auch schon ein Teil von Russen ergeben und hatten ihre Waffen fortgeworfen. Auch hier wer ein Offizier hierbei. Durch die Zurufe dann es seien links von uns Russen am Friedhof, gingen einige Leute von uns zurück und sofort forderte der Offizier die Russen auf ihre Waffen wieder zu nehmen. Jedoch das merkten wir und einer meiner Kameraden nahm sein Gewehr und erschoß diesen. In diesem Moment kamen jedoch neue russische Unterstützung von rechts und uns blieb nichts über als in den ersten russischen Schützengraben Deckung zu suchen. Wir eröffnen nun gegen die an uns stürmenden Russen Schnellfeuer. Aber von rechts erhielten wir ein solches Maschinengewehrfeuer, daß an Weiterkommen nicht zu denken war. Da auf einmal ließ das Feuer nach und unser Rest der Kompagnie kam zum Sturm weiter vor. Dann ging es von Neuem weiter und hierdurch gelang es einige unserer Kameraden, welche vorher verwundet wurden und wie tot auf dem Boden lagen. Wieder in unsere Hände zu erhalten. Bei dem Bajonettkampf gab es schwere Verluste für die Russen, aber leider hatten wir auch viele Tote und Verwundete. Dann war alles ruhig und nun sammelte sich die Kompagnie wieder und nahm neue Stellung. Wie erhielten zur Verstärkung in vordere Linie 2 Geschütze FA 55. Dann rechts vom Friedhof noch 4 Geschütze. Hinter dem Friedhof lag 7 u. 5/94. Dann links Regt. 96. Gegen 10 Uhr unternahmen die Russen den ersten Vorstoß[,] wurde aber mit Hilfe der Artillerie zurückgeworfen. Hierbei leistete der hinter dem Friedhof aufgestellte Scheinwerfer große Dienste. Gegen 12 Uhr Nachts kam der zweite Sturmangriff der Russen. Jedoch diesmal erhielten diese ein solches Artilleriefeuer[,] da man jedesmal eine Lücke sah, wo das Geschoß eingeschlagen hatte; denn die Russen kamen in dichten Kolonnen anmarschiert. Die FA 5 schickte auch gleich eine Sendung und es dauerte nicht lange, so waren diese in ihre Schützengräben zurück. Die ganze Nacht durch dauerte das Gefecht. Dann ging die Infanteriemunition aus und mußten erst die Patronenwagen herangeholt werden. Auch die Artillerie hatte keine Munition mehr da, und schafften unsere Infanteristen Artillerie Munition vor. Die Bedienung der Artillerie war auch größtens verwundet und waren meistens nur die Offz. noch da. Es wurden Kol. aus Lutomiersk geholt. Der Scheinwerfer war von den Schüssen todal [sic!] zerstört. Um 4 Uhr morgens versuchten die Russen den 3. Vorstoß[,] aber auch dieser wurde zurückgewiesen. Diesmal kam der Sturm direckt von rechts und waren ziemlich an die beiden Geschütze ran, aber die Artillerie ließ sich nicht abschrecken, sondern blieb an ihrem Geschütz. Den ganzen Tag dauerte es weiter. Am Abend des 3. Dezember wurde unsere Kompagnie durch 8/71 abgelöst und kam in Regimentsreserve.

Am 4. Früh war der Rest der Russen abgerückt und es ging dann weiter. Unser gebliebenen Kameraden wurden auf dem Friedhof Bechcice beerdigt. Auf der Höhe 181 fand man jedoch ungefähr 860 Tote der Russen. Die Laufgräben waren gefüllt bis oben ran. Es war ein schweres aber schönes Gefecht und bleibt dem[,] der mitgemacht[,] eine ewige Erinnerung.

Deist

Gefreiter 11/94

Reservist Albin Möller 12/94

Gefechtstage von 2-4 Dezember 14

Der 3. Zug[,] welchen ich damals zugeteilt war, lag im Schützengraben am Abhange der Höhe 181 als Reserve. 1. und 2. Zug lagen etwa 4-500 weiter lings [sic!] vorwärts von uns ebenfalls in Schützengraben. Wir erhielten den ganzen Tag Gewehrfeuer von den Russen[.] Wir schossen auch dann und wann auf die Russische Stellung. Wir lagen da in unser Stellung bis zum 4. Dez. früh 9 Uhr. Am 3. Dez. abend machten die Russen einen Sturmangrief[,] wurden aber wieder zurück gewiesen. Am Morgen den 4. Dez. versuchten die Russen noch einmal Durchzubrechen, wurden aber trotz des Abrückens der 11. Komp. und ein Teil der 12. Komp. wieder zum stehen gebracht, weil der 3. Zug, bei welchen ich damals auch war, Stand hielt und aus seiner Stellung nicht heraus ging, die Russen wurden dann wieder zurück geworfen, hatten sehr große Verluste[,] welches wir am andern Morgen dann selber sahen. Wir wurden nämlich zur Batroille komandiert (unsere Gruppe) unter Führung des Feldwebels Gartenstein. Sollte feststellen, wie weit die Höhe, und ob die Russische Stellung frei seien. Wir gingen dann vor, und fanden die Russische Stellung alle frei, die Schützengräben lagen alle voll Tode, und wir fanden auch noch einige Verwundte[,] welche die Russen zurück mußten lassen, viele Gewehre und Munition lag ebenfalls da. Wir wurden dann wieder zurück geschickt, mit der Meldung, das alles frei wäre. Ich ging dann mit der Meldung zurück und gab diese ab. Bleiben dann noch eine ganze Zeit auf der Höhe bis zum weiteren Abmarsch.

Res.

Albin Möller

12/94

Reservist Gustav Greiner 12/94

Gefechtstage von 2.-4. Dezember [1914]

Den 3 Zug[,] welchen ich damals zugeteilt war[,] lag in Schützengraben am Abhang der Höhe 181 als Reserve. 1 und 2 Zug lagen etwa 4 bis 500 Meter weiter lings [sic!] vorwärts vor uns[,] ebenfalls im Schützengraben[.] Wir erhielten den ganzen Tag Gewehrfeuer von den Russen. Wir lagen da in unßerer Stellung bis zum 4. Dezember früh 9 Uhr. Am 3. Dezember abends machten die Russen einen Sturmangriff[,] wurden aber wieder zurückgeworfen. Am Morgen den 4 Dezember versuchten die Russen noch einmal durchzubrechen[,] wurden aber troz des Abrückens der 1. Komp. und ein Teil der 12 Komp. wieder zu stehen gebracht[,] weil der 3. Zug[,] bei welchen ich damahls auch war[,] Standt gehalten und aus seiner Stellung nicht herausging. Die Russen wurden wieder Zurückgeworfen und hatten sehr große verluste[,] welches wir am andern Morgen dan selbst sahen. Wir wurden nämlich zur Patrolie komandiert unter Führung des Feldwebels Hartenstein[,] sollten feststellen[,] wie weit die Höhe und ob die Russische Stellung frei sein[,] wir gingen dan vor und fanden dieselben frei. Die Schützengräben lagen alle voll Tode und mehrere Verwundete[,] welche die Russen zurück ließen. Von da wurde eine Meldung zurück geschickt[,] das die Stellungen frei sind. Wir gingen noch 2-300 Meter vor und fanden keine Russen[,] dan gingen wir zurück und blieben bis zum Abmarsch.

Reservist

Gustav Greiner

12/94

Gefreiter Franz 12/94

Meine Erlebnisse vom 2. und 3.12.[1914]

Am Morgen des 2.12. 630 marschierten 11. u. 12. Komp. von Kasymiersk nach Ludomiersk[,] wohselbst sich das I./94 sammelte. Nach kurzem Halt wurde in das Wäldchen bei Ludomiersk weiter und daselbst in Gefechtsformation aufmarschiert. Als wir am Waldrande angelangt[,] ertönte plötzlich von halblinks vor uns Gewehrfeuer, daraufhin ging das Battl. In Richtung auf den Friedhofvor, daselbst blieb 2. u. 4. Komp. Die 12 Komp ging vor mit 11/94. Der erste Zug zuerst durch das vor uns liegende Unterholz, übersprangen eine dazwischen liegende Lichtung[,] daselbst hatten mein Zug den ersten Verwundeten. Lagen darauf an den erreichten Waldrande, woselbst die feindl. Geschoße durchschlugen. Blieben da eine Zeit liegen, dort kam der Befehl: „Den andern Waldrand erreichen und Anschluß an I.R. 71 aufnehmen!“ Daraufhin zog sich mein Zug nach rechts. Im dichten Unterholz riß die Verbindung des einen Halbzuges mit dem andern ab, Vzfeldwebel Bosse schickte mich zurück, den abgeschnittenen Halbzug heranzuholen, ich ging mit einem Mann nach links rückwärts und führte den Halbzug vor. Von da aus ging der erste Halbzug des zweiten Zuges rüber. Nach diesem Vorgehen griff der Feind nicht wieder an, beschoß uns tagsüber schwach, auch die darauf folgende Nacht, blieb Alles im Schützengraben, und im Schutze der Nacht zog sich der Feind dann, wie wir am 4.12. beim Weitermarsch sahen[,] sehr große Verluste, dieses Anstürmen gekostet hatte, zurück.

Gefr. Franz

12/94

Reservist Vogelmann 12/94

Erlebnisse vom 2ten zum 3ten Dezem[ber] 1914

Am 2tem früh um 6 Uhr rückten wir von Kasimiersk nach Lutomiersk vor. Hinter Lutomiersk kamen wir ins Gefecht. Wir lagen rechts von der 10ten Komp., welche unseren 1ten Zug bildete, bis zum Abend und erhielten daselbst ein lebhaftes Flankenfeuer. Nachdem am Abend Regt. 96 und die 11. Komp. 94 die Höhe gestürmt hatten, rückten wir ebenfalls vor und verlängerten rechts der 11ten Kompagnie. Um 12 Uhr Nachts und 5 Uhr Morgens machten die Russen heftige Angriffe, wurden jedoch unter großen Verlusten abgewiesen, so daß sie sich in der Nacht vom 4ten zum 5ten zurückziehen mussten.

Reserv. Vogelmann

12/94

Reservist Karl Jauch 12/94

Erlebnisse des Reservisten Karl Jauch vom 2-4 Dez. 1914

Am 2 dieses Mon. rükten wir frühmorgens von Kasimiers aus, durch ein Stadtviertel von Ludomiers nach dem Friedhof von dieser Stadt, daselbst war ein kurzes Halt, jedoch es dauerte nicht lange[,] erhielt unsere Komp. den Befehl zum angreifen, wir rückten vor in diesen Nadelwald[,] wo alsbald der erste Zug[,] bei welchem ich mich befand[,] ausschwärmen mußte. Wir hatten schon beim Verlassen der Stadt Feuer bekommen, nun ging es ausgeschwärmt dem feindlichen Schützengraben sprungweise entgegen, das feindliche Feuer wurde immer stärker und wir hatten Mühe und Arbeit uns immer näher an die feindliche Stellung ranzumachen. Wir schanzten uns ein und erhielten Verstärkung vom 2. Bataillon[,] dieses ging noch weiter vor[,] während wir liegen bleiben sollten, jedoch am Abend kam der Befehl zum allgemeinen Sturm, ich ging mit der 2ten Komp vor und wir besetzten zum Teil den russischen Graben. In der Dunkelheit sammelten sich die Kompagnien und ich ging nach rechts zu meiner Komp.[,] dort schanzten wir uns auf Höhe 181 ein, und blieben in dieser Stellung. In der Nacht wollten uns die Russen stürmen [,] was ihnen aber nicht gelang[,] sie mußten wieder zurückgehen, wir hielten die Stellung den nächsten Tag und die darauf folgende Nacht, in der die Russen sich verzogen, und wir dann am 4ten die Verfolgung aufnahmen.

Musketier Keck 12/94

Meine Aufzeichnungen über unsere Gefechte von 2.-4. Dezember 1914.

Nachdem die Russen ihre Stellungen bei Ludomierzk am 1. Dezember verlassen hatten, folgten wir am 2ten morgens 6.30 Uhr. Die Russen hatten 4 km hinter Ludmierzk sich von neuen ferschanzt. Die Hauptmacht lag auf 181, wie lagen im Walde am Grunde vor der Höhe. Rechts von uns war Regiment 96, links der Höhe Regiment 71, in der Mitte Regiment 94. Der 1te und 2te Zug von 12.94 ging vor und verschanzten sich auf halber Höhe[,] der dritte Zug lag in Reserve ihm Wäldchen[,] gegen Abend kam der Befehl zum vorgehen[,] wier verschanzten uns auf der Höhe[,] die ganze Stellung bildete einen rechten Flügel[.] Der Dritte Zug[,] welcher sich jetz in der Linie mit befand, schickte eine Laufpatrolie[,] bis 12 Uhr nachts war es gans ruhig[,] von 12 bis 1 Uhr kam ich und noch 2 Man alz Batrolie for[,] gegen ½ 1 Uhr erhielten wier Feuer und die Russen kamen in Schützenlinien an[,] wier zogen uns zurük[,] alz wir in die Schützenlinie zurük kamen[,] flutete die 1te Kompanie zurük[,] doch durch unseren 3ten Zug der Linkschwenk gemacht hatte[,] um die Richtige Front zu gewinen[,] wurden sie aufgehalten und mit lauten Hura eroberten wier die bereits verlorene Stellung wieder[,] gegen Morgen versuchten die Russen noch einmal anzugreifen[,] aber ohne Erfolg. Der Tag und die Nacht von 3. bis 4ten verlief ruhig[,] früh gegen 3 Uhr schaften wier einen Verwundeten nach Ludomierzk[,] der 24 Stunden schon dort gelegen hatte und wegen des Gewehrfeuers nicht geholt werden konnte[,] alz wier wiederkamen[,] sammelten [sich] die Bataillone. Die Russen waren zurük. Es war dan gezählt[,] das in einen Schützengraben 824 tote Russen lagen[,] doch auch wier hatten vielle Kameraden[,] die verwuntet oder tot waren Ehreiches Antenken

Musk. Keck 12.94.

Unteroffizier Schwabe 12/94

Raura, d. 13.I.1915.

Gefecht auf Höhe 181 am 2.12.14.

Es war am 1. Dez. 14, wo sich die Russen aus Lutumiers [Lutomiersk] nach Höhe 181 etwa 2 Klm nordöstl. L. zurückgezogen hatten.

Am 2. Dezb. erhielt unser Regiment den Befehl zum Angriff. Um 70 Uhr früh machten wir den Vormarsch. Vor unserem II. Battl. befand sich unser II. Battl., welches schon mit dem Feinde in Berührung stand. Um 9 Uhr wurde das III. Battl. auch eingesetzt und zwar rechts vom II. B. Unsere Komp. (die 12. Komp.) kam am rechten Flügel des Regt. und nahm die Verbindung mit dem rechten regt, es war das Regt. Nr. 71, auf. Am Abend, als unser Regt. die Höhe 181 schon in ihrem Besitze hatte[,] kam auch die 12. Komp. dorthin, unser Abschnitte, den wir bisher hatten, nahm eine Komp. von dem Regt. Nr. 71 ein. Die 12. Komp. erhielt den östl. Abhange der oben genannten Höhe und verschanzte sich daselbst. Während dem Schanzen wurde ich mit noch 2 Mann als Sicherung vorgeschickt. In einer Ackerfurche arbeitete ich mich mit meinen 2 Mann etwa 400 m vor und gruben uns dann ein. Daselbst konnte ich die Russen auf etwa 400-500 m Entfernung schanzen sehen. Auch die Russen hatten eine Sicherung vorgeschickt, die sich kurz vor uns ebenfalls einschanzte. Nach zweistündiger Beobachtung wurde ich eingezogen. – Es war kurz vor 120 Uhr, wo die Meldung kam, die Russen versuchten anzugreifen, kaum paar Minuten darauf wurde links von uns das Feuer eröffnet, auch wir bemerkten vor uns Feuer und nahmen auch diesen heftig unter Feuer, die Art., die kurz hinter uns stand, fing jetzt auch an ihr Wort mit zu sprechen. Es war ein mörderisches Feuer[,] was wir, Infanterie und Artl. auf den Feind abgeben. Die Russen vermochten sich nicht mehr zu halten und verschwanden alle von der Erdfläche. Nachdem das Feuer nach gelassen hatte, hörten wir, durch das Schreien und Wimmern der Verwundeten Russen, daß unser Feuer eine fürchterliche Wirkung gehabt hat. Bei diesem Gefechte hat uns der liebe Gott sehr mit dem Mondenschein unterstützt und dank ihm dafür. Um 3 Uhr nachts schoben sich die Wolken vor den Mond und diese Dunkelheit haben die Russen ausgenützt und hatten sich bis kurz vor unserer Stellung heran geschlichen, wir sich später rausstellte. Alles hatte sich schon über diese Abwehr beruhigt und glaubten alle, einen zweiten Angriff werden die Russen wohl nicht mehr versuchen. Es war etwa 5 Uhr früh, da hörte ich mit einem mal, etwa 100 m links von mir, ein recht breites Hurra rufen („Hurrä“) [,] es begann eine schnelle[,] aber kurze Schießerei und sah daß sich links ein heftiges Bajonettkämpf entspann. Durch die Übermacht der Russen konnte die 11. Komp. nicht stand halten, und ging einige Meter und dadurch kamen die Russen dem II. Zuge der 12. Kompanie[,] von dem ich mit meiner Gruppe den l. Flügel bildete[,] in die linke Flanke. Das Feuer auf diese anflutenden Russen eröffnen, war unmöglich, sonst hatte einer dem andern erschossen. In diesem Augenblick dachte ich, du mußt eigenmächtig handeln. Ich nahm den zweiten Halbzug des II. Zuges auf meine Verantwortung etwas zurück, nahm die richtige Front ein und nahm den Feind stark unter Feuer. Der Feind bot für uns ein gutes Ziel, er kam in Haufen an. Nachdem sie mit dem Feuer meiner Mannschaften tüchtig überschüttet wurden, machte, was noch stand, reißaus. Mein Bestreben war jetzt, die zwei Geschütze, die den Russen schon in ihrem Besitze hatten, wieder zu bekommen. Ich rief meinen Leuten zu „Kerls unsere Geschütze müssen wir wieder haben.“ In diesem Moment sah ich mich um und sah[,] daß sich der übrige Teil des II. Zuges sich etwa 100 m hinter mir befand und hörte das energische Eingreifen des Herrn Hauptmanns Sorge und des Vizefeldwebels Hindermanns. Nachdem ich noch einige Mann bekommen hatte, machte ich den Vorstoß in die alte Stellung und warfen die darin steckenden Russen raus. Bei diesen Vorgehen ist mir der Landwehrmann Koch besonders aufgefallen, der sich freiwillig zum Vorgehen meldete. Das weitere Zurückfluten des Restes des II. Zuges wurde durch den Zugführer des III. Zuges noch aufgehalten. Dieses Vorgehen mit dem II. Zuge war und ist noch heute die schönste Tat[,] die ich verrichtet habe. Nachdem der 2. Zug die 12. Komp. ihre Stellung wieder besetzt hatte[,] ging auch die 11. Komp. in ihr alte Stellung.

Schwabe Untoffz.

12/94

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