Nikolaus Staubach – Infanterie-Regiment 116 (Kriegstagebuch 11. Oktober 1915 – 22. März 1917)

Nikolaus Johann Staubach wurde am 4. November 1896 in Herbstein geboren. Seine Eltern waren der Landwirt und Sattler Wilhelm Staubach und dessen Ehefrau Justine, geb. Traut. Er erlernte, wie bereits sein Vater, den Beruf des Sattlers.

Nikolaus Staubach verstarb am 20. September 1945 in Herbstein an Lungen- und Bronchialkrebs mit Herzschwäche. Er war verheiratet seit 26. Januar 1926 dem mit Maria Katharina Therese, geb. Leister (geb. 25. September 1901 – gest. 26. März 2002). Die Eheleute wohnten im Haus Lange Reihe 14 in Herbstein.

Nikolaus Staubach wurde am 11. Oktober 1915 beim Infanterie Regiment 116 in Griesheim bei Darmstadt zur Grundausbildung einberufen. Seine Ausbildung erfolgte dann beim Infanterie Regiment 168. Danach wurde er dann am 11. März 1916 an die Westfront nach Frankreich verlegt. Hier war er Soldat in der 1. Kompanie (Leibkompanie) des Infanterie Regiments 116.

Nach seinem Militärpass hat er folgende Gefechte mitgemacht:

  • 20.-21.3.1916 im Chauffour- und Albain-Wald
  • 11.-28.4.1916 bei Forts Douaumont
  • 17.5.-8.9.1916 Stellungskampf der 25. I.D.
  • 13.-15.9.1916 bei Bouchavesnes

Am 15. September wurde Staubach durch eine Artilleriegranate am Kopf bei Bouchavesnes an der Somme verwundet. Nach langem Lazarettaufenthalt mit mehreren Operationen wurde er am 5. Oktober 1917 zur 3. Kompanie I. Ersatz Bataillon Infanterie Regiment 116 kommandiert. Am 13. November 1917 wurde er als kriegsunbrauchbar eingestuft und ihm wurde ab dem 1. Dezember 1917 eine Rente auf Grund von Kriegsbeschädigung zuerkannt.

Seine Aufzeichnungen sind insgesamt nicht sehr lang. Interessant ist, dass er seine Aufzeichnungen anscheinend zeitnah zu den Ereignissen gemacht hat. Am Ende des Kriegstagebuches hat er dann angefangen, ausführlichere Erinnerungen zu verfassen. Diese decken allerdings nur den Zeitraum vom 11. Oktober 1915 bis 20. März 1916 ab. Dann enden diese, obwohl noch ausreichend Seiten im Heft zur Verfügung gestanden hätten.

Nikolaus Staubach – Kriegstagebuch vom 11. Oktober 1915 -22. März 1916

Musketier Staubach geb. zu Herbstein am 4. Nov. 1896

(Oberhessen Kr. Lauterbach, Wohnort Herbstein Lange Reihe 14[)]

Am 11. Okt. 1915 eingerückt zum Militär bei das Inf. Reg. 116 z.Z. in Griesheim b. Darmstadt nach Bad-Orb Lager Wegscheide zu den Inf. Reg. 168 am 11. März [1916][,] ausgerückt ins Feld nach Frankreich. Die erste franz. Bahnstation war Audun le Roman [Audun-le-Roman].

In Longuyon ausgeladen. Dann marschiert nach Marville dort einquartirt in ein Schloß[.] Dort eine Explosion gehört.

Seit 20. März in St. Laurent [Saint-Laurent-sur-Othain] dem Inf. Reg. 116 zugeteilt bei der Leibkompanie. Seit 6. April in Rupt [Rupt-sur-Othain].

Seit 10. April in Stellung. Erst ins Forts Douaumont. (Ruheposten in der Brielschlucht [Brûle-Schlucht] eine Granate 1 m hinter dem Unterstand eingeschlagen.)

(ha[l]blinks v. Fr. Doautmont [sic!] das Fr. Faux)

Dort einige Tage Nachts geschanzt[.] Karwoche und an Ostern im Schützengraben in gr. Dreck, Schlamm, Regen, Feuer verlebt[.] Am 20. April Gründonnerstag gestürmt. / 25-60 m v. Franzmann entfernt. Dabei großes Glück gehabt / Regenwetter / abends

Ein Tag im Fort verw. in großem Feuer.

Am 26. April aus Stellung fast 2 Tage durch Azzan [Azannes-et-Soumazannes] marschiert bis 27. April mittags Millers [Villers-lès-Mangiennes] in Grand Faili [Grand-Failly] am 29. abends dort wegmarschiert[.] Am 30. April morgens Weißersonntag verladen in Aransie [Arrancy-sur-Crusne] über Mondmedy [Montmédy], in Sedan verpflegt, Mahon [Mohon?], Laon.

Seit 30. einquatiert in Barantont Bugny [Barenton-Bugny]. Hier einquatiert in einer Schule am Speicher[,] am 15. Mai abmarschiert nach Laniscurt [Laniscourt] durch Aulnois [Aulnois-sous-Laon][,] einquatiert in einer Schule[.] Dort in einem Fort v. Festung Laon gewesen.

Am 16. Mai abmarschiert abends, durch Mons und andere Ortschaften. An einem Bergabhang hinter der Stellung einquatiert (sehr ermüdet).

Dort das Dorf Cernay [Cerny-lès-Bucy] daselbst mit Kirche total verschossen (Viele Unterstände eingerichtet)[.]

Am 21. Mai in Stellung Schützengraben 8-90 m v. Franzm. weg.

Am 22. Mai abkomendiert zu dem Bayrisch Feldluftschifferabteilung 7 nach Laval [Laval-en-Laonnois].

Am 28. Mai in Preßles [Presles-et-Thierny ] (Kirchgang) gewesen.

am 1. Juni Cr. Himmelfahrt (1. Ballonwache)[.]

Pfingsten ohne Dienst verlebt. (am 11. Juni zum Ballon jedes mal durch Nouvon [Nouvion] gekommen.

Am 22. Juni (Frohnleichnahm) mit einen Lastauto in Laon gewesen.

Ab u. zu Feuer beim Ballon bekommen.

Am 25. Juni Ballon abgerüstet u. schwer gearbeitet[.]

Seit 26. Juni nach Festung gekommen mit Ballon. Am 13. Juli in Laon u. Aulnois [Aulnois-sous-Laon] gewesen (Sattlerwerkz. geholt. [)]

Am 17. Juli zurück zur Komp. marschiert nach Cerny [Cerny-lès-Bucy][.]

Am 22. Juli in Stellung. Ab und zu großes Minenfeuer und Artilleriefeuer[.]

Am 27. in Ruhestellung[.]

Am 1. August in Stellung. Am 3. Aug. einen 8 Uhr Ab. Feuerüberfall von uns mit Minen- und Artilleriefeuer.

105 eine Gewaltsame erkundung [sic!] eines Großes Feuer gewesen.

Am 6. Aug. aus Stellung Ruhestellung.

Am 11. Aug. in Stellung.

Am 15. Aug. morgens großes Minen- und Artl. Feuer v. uns und einen Angriff rechts von uns von unserer[sic!][.]

Am 16. Aug. in Stellung.

Um 205 Uhr Sprengung der Franzosen vor Ihren eigenen Graben in unserm (1. Z. Abschnitt) darauf Allarm und es erfolgte beiderseits Artillerie und Minenfeuer[.]

Am 26. Aug. in Ruhestellung.

Am 25. Aug. wurde der Ballon III.[,] wo ich gewesen bin[,] abgeschossen.

Am 31. Aug. in Stellung.

Am 5. Sept. in Ruhestellung.

Am 8. Sept. abgelöst v. Cerny u. abends wegmarschiert durch Bruyers [Bruyères-et-Montbérault] nach Laon[,] dort einquatiert.

Am 11. Sept. Abds. verladen. Vor Cambrai ausgeladen und hineinmarschiert einquatiert in einer Kaserne. Am 12. Sept. nachts allarmiert u. z. Front gekommen.

Schweres Artilleriefeuer ausgehalten.

Am 14. Sept. ein franz. Angriff vollständig abgeschlagen b. Buchavenes [Bouchavesnes-Bergen]. Am 15. Sept. Mittags durch einen Granatsplitter durch den Stahlhelm am Kopf schwer verwundet. Abends durch 4 Kameraden zurückgeschafft und ins Feldlaz. gekommen nach Bellicourt.

Am 24. Sept. weiter zurückgekommen in ein Kriegslaz. nach Caudry.

Am 27. Sept. opperiert.

Am 9. Ockt. verladen in ein Lazarettzug nach Deutschland.

Am 11. morgens ins Lazarett nach Witten a. d. Ruhr Evgl. Diakonissenhaus.

Am 20. Jan. [1917] nach Bedburg-Hau verlegt in Spezialbehandlung.

Am 22. März opperiert.

Vorstehende Erlebnisse ausführlicher beschrieben

Ich Musketier Staubach am 4.11.1896 zu Herbstein geboren / Oberhessen rückte am 11. Ocktober 1915 ein zum Militär[.] Zuerst war ich beim 2. Ersatz Batl. 2. Komp. Inf. 116 auf dem Truppenübungsplatz bei Darmstadt (Griesheimer Sand)[.] Dort ein strenger Hauptmann Namens Mannig[.] Am 29. Nov. 1915 kamen wir auf den Truppenübungsplatz nach Bard-Orb (genannt Lager Wegscheider) bei die 3. Komp. II. Ersatz Battl. Inf. 168[.] Dort wurden wir weiter ausgebildet bis zum 11. März 1916. Dann rückten wir aus ins Feld nach Frankreich und kamen in die Ofensive [sic!] die damals war bei Verdun. Schon an der Grenze hörten wir schon stark den Donner der Kanonen die erste französische Bahnstation war Audun le Roman [Audun-le-Roman]. Von da fuhren wir weiter bis nach Longuyon / Unterwegs sah man[,] daß Krieg war / Hier wurden wir ausgeladen. Am Bahnhof hatten wir einen kleinen halt. Hier war schon allerhand Betrieb. Truppen auf Truppen[,] Donner auf Donner und Dreck auf Dreck[.] Wir gingen dort erst in eine Kantine und tranken einen Schippen Bier. Es war Abends gegen 5 Uhr da ging es nun zu Fuß weiter, mit feldmarschmäßigem Gepäck. Wir mußten neben den Straßen marschieren auf durchweichtem Boden, da die Lastautos die Straßen benutzten[.] Wir marschierten bis etwa Mitternacht und kamen bei Marville in ein Schloß ins Quartier genant St. Schange [Saint-Jean-lès-Longuyon][.] Hier waren wir bis zum 20. März. Tagsüber wurde noch etwas exezirt. Während dieser Zeit war eines Abends eine schwere Explosion, daß alles bei uns im Quatir wackelte. Der ganze Himmel war feuer rot. Die Franzosen hatten ein Munitionslager von uns in die Luft geschossen.

Am 20. März ging es weiter, und kamen nah St. Laurent [Saint-Laurent-sur-Othain]. Hier kamen wir bei das Inf[.] Reg[.] 116[.] Ich kam in die erst Komp (genannt auch Leibkomp.)[.]

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