Alfred Krah – Soldat bei der Flugabwehr im 1. Weltkrieg – Teil 2 (Einsatz in Palästina und Kriegsgefangenschaft in Ägypten – 28. Juli 1918 bis 21. November 1919)

Von Alfred Krah sind zwei Kriegstagebücher erhalten, die ganz unterschiedliche Zeiträume abdecken. Der erste Band 1915/16 kann hier nachgelesen werden. Das zweites Kriegstagebuch umfasst seinen Einsatz in Palästina und die Zeit seiner Kriegsgefangenschaft in Ägypten (Juli 1918 bis November 1919). Allerdings wurden nicht alle Notizen in das Kriegstagebuch gemacht, sondern Krah nutze hierzu auch einzelne Zettel.

Insgesamt ist die Schrift in dem Zeitraum von Juli 1918 bis zu seiner Rückkehr nach Deutschland am 21. November 1919 nicht so gut zu lesen wie in dem anderen erhaltenen Band (1915/16).

Vom 28. Juli bis 7. August war Krah auf dem Weg Haydarpaşa nach Nazarett. Hierzu nutze er die Bahn von Haydarpaşa in Istanbul bis Konya. Von dort aus dann mit der Bagdadbahn bis Aleppo. Von Aleppo reist er anschließend weiter mit der Bahn bis Damaskus, dann weiter von Cedem nach Darʿā, wo er am 7. August 1918 morgens ankommt. Krah erwähnt dann noch die Abfahrt um 11 Uhr. Dann enden die Aufzeichnungen abrupt.

Seine Notizen während der Kriegsgefangenschaft beginnt Krah dann vom anderen Ende des Notizbuches. Hier beginnt er zunächst mit den Schilderungen der Kampfhandlungen am 19. September 1918 in Jakobsbrunn. Vermutlich handelt es sich um Bir Ya’qub, das am östlichen Rand der Stadt Nablus liegt. In der Nähe des Jordan wurde Krah am 23. September 1918 nach seinen Angaben von einer Indischen Kavallerie-Patrouille gefangen genommen. Dann beschreibt er die Reise nach und das Leben im Kriegsgefangenenlager Tel el-Kebir in Ägypten. Die Aufzeichnungen enden mit dem Datum 25. Dezember 1918.

Weitere Aufzeichnungen hat Krah auf einzelnen Zetteln angefertigt: Zum einen vom 4. Oktober 1918 bis 29. Juni 1919 Notizen zum Lagerleben. Zum anderen vom 30. Oktober bis 21. November 1919 die Rückfahrt mit dem Schiff von Ägypten nach Deutschland. Die Aufzeichnungen enden am 21. November 1919 mit dem Ankern in der Elbe.

Erhalten ist auch von Krah handgeschriebenes Lied über das Kriegsgefangenenlager Tel el-Kebir mit dem Titel „Poutpouri Tel-el-Kebir“.

28. Juli bis 7. August 1918 – Fahrt von Haydarpaşa nach Nazarett

Erste Seite des Kriegstagebuches beginnend am 28. Juli 1918

Fahrt von Haidar Pascha [Haydarpaşa] nach Nazareth

28.VII.18 ½ 10h Abfahrt on Haidar-Pascha [Haydarpaşa] nächtliche Fahrt gebirgig Sapandja [Sapanca], fruchtbar, Obst längs des Sakaria [Sakarya], wenig Wasser, zerklüftetes Gebirge. Nachts gefahren

29.VII. Morgens etwa gegen 400 Ankunft in Eskistehir [Eskişehir] größere Stadt Verpfleg.

Hier Abfahrt 900

abends gegen 700 Ankunft in Razakisat

30.VII. Morgens 700 in Konia [Konya] größere Stadt. Werden durch öde Steppen gefahren Kamelherden, abends Eugeli. Ödes Steppengebiet durchfahren immer in einer Höhe von über 1000m.

31.VII. nachts gegen 200 Achsenbruch der einen Lokomot. Wie halten in ödem gebirgigem Steppengebiet. Die eine Lok holt auf der nächsten 50 km entf. Station Werkzeug u. kehrte gegen 8h zurück. Das Rad wird abgen. u. nach ca. 3 Std. zieht die Lok die andere fort. Unterdeßen kosten wir von Lok.-Wasser Tee [unleserliches Wort] u. finden in dem öden Gebiet eine kleine Quelle. ½ 12h mal weiter gefahren an den Taurusbergen vorbei 900 in Karabonar [wohl: Karapınar], inges. hohe Berge eingeladen in Kleinbahn. Brausebad. Erstklassig geschlafen in Liegestuhl.

1. Aug. ½ 800 Abfahrt. An tiefen Schluchten sonst vorbei. Endlose Tunnels teils im Bau. Um 1200 in Gelebek [Kelebek] umladen in Großbahn. Abgefahren ½ 400 Fahrt durch fruchtbare Ebene.

2. Aug. Morgens um 500 in dem Amano-Geb. [Amanosgebirge oder Nurgebirge] erwacht. Tunnels. Teils fruchtbare Gegend. Abend gegen 600 in Aleppo angekommen. Typisch arab. Stadt. Viel Staub. Weiße Steinhäuser. Flache Dächer. Gepäck auf Auto in die versch. Quartiere gefahren. Unser Quartier kleines Zimmer. Steinwände, Steinfußboden. Man legt sich auf den Fußboden u. schläft gut trotz Wanzen i. Flöhen.

3. Aug. 700 aufgest. [Sodatuh?] Kaffee getr. Verpflegung gefaßt. Mittag gegessen. Auto beladen.

1200 mittags abgefahren.

4. Aug. 700 morgens Station Homs. Gegen 600 Rajak [Rayak] Feldbahn 1100 abgefah. Da Holzfeuerung der Lokom. viel Funkenflug Brände der Waggons. Munition.

5. Aug. 400 Demakus [Damaskus]. Mit Auto in Quartier.

6. Aug. Stadt erleben

Abends 900 abgefahren ab Kadem [Cadem]. Schmalspurbahn. Morgens 7. Aug. 800 in Derat [Darʿā ] ¼ 1100 abgf.

19. September 1918 bis 25. Dezember 1918 Notizen während der Kriegsgefangenschaft

Erste Seite mit Notizen aus der Kriegsgefangenschaft

19. Sept.: ½ 4h-500 morgens starkes Trommelfeuer an der Front, woraus wir den Anfang der engl. Offensive erraten. Gegen 500 als wir uns eben von unserem Nachtlager erheben wollten, sehen wir ganz tiefe engl. Flieder über uns, die mit Bomben u. M.G.-Feuer allerlei Schaden anrichteten. Tagsüber ist bis auf größere feindl. Fliegertätigkeit Ruhe. Abend kommt der Befehl zum Packen der Sachen. noch abends u. Nachts fahren Wagen mit Gepäck nach Jakobsbrunn [wohl Bir Ya’qub am östlichen Rand von Nablus]

20. Sept.: ½ 7 müssen wir mit dem letzten Gepäck aus der Stellung. In J.-b. melden nochmals die Sachen sortiert 2 Ochsenwagen wurden gepackt mit Sanitätstubensachen u. Lebensmittel. Um 500 marschieren wir ab. Die Wagen folgen später. Wir kommen nicht weit, da werden wir aufs Gräßlichste von Fliegern bombardiert u. mit M.G. beschossen. Hinter Steinen u. Gebüsch suchen wir Zuflucht, ein Geschwader löst das andere ab. Es ist schrecklich, wir denken uns letztes Stündlein hat geschlagen. Gott sei Dank bricht die Nacht mit hellem Vollmondschein herein u. wir können ungestört unseres Weges ziehen mit vollem Rucksack, der das Nötigste nur enthält auf dem Rücken geht es dann tiefen Schluchten entlang, bergauf bergab, das Wasser im Sand. Oft muss man ruhen, denn als nichts gewöhnter Körper hält solche Anstrengungen nicht aus. Nach 10 Stund. Marsch gelangt man endlich an unserm heutig. Ziel, eine Wegegabelung, an. Unterdessen hat schon der 21. Sept. begonnen. [unleserliches Wort] traut man sich wieder. Beim Morgengrauen wird man durch das Rasseln einer Autokolonne geweckt. Auch wir gehen weiter. Hochplateau. Sturmtruppe formiert zunächst Engl. uns den weg abgeschnitten. Bei Besam Rebellen (Beduinen). Fliegerangriffe Nachmitt. ab mit Auto bis Besam. Schlechtes Sumpfwasser, Salzwasser Engl. Art. b. Besam ansch. Angriff. Per Auto zurück nachts Jordantal in Geb., 22. Sept., 2. Std. geschlafen. Nach 1 Std. zurück um etwas fast fad ungenießbares Wasser zu trinken. Mit Auto Mittags wieder vor ins Jordantal. Benzinmangel. Zerstörte Wagen. [unleserliches Wort] Zeit, Pferde, Kamele, Chaos. Zu Fuß weiter vor. Da eine Versammlung von über 100 Deutschen. Wir wollen dort beraten. Gegen Abend Beduinendorf noch eing. [unleserliches Wort] Sumpf. Gegen 1100 am Jordan. Feindkontakt. Sachen auf dem Kopf durch den Jordan, Kamele mit [unleserliches Wort]. Im Schilfdschungel. Das Gebirge [unleserliches Wort] Beduinendorf. Schüsse. Kurzes Gefecht.

23. Sept.: M.G. Feuer. Hände [Monti?] Station. Indische Kav. Patroille. Waffenabgabe. Abgerückt durch die Ebene durch den Jordan bis zum Bauch im Wasser Marsch durch Beduinensiedlungen bis Besam. Indisch. Kavall. sehr freundlich u. zuvorkommend. Total schlapp u. wunde Füße, geschlafen wie ein Toter.

24. Sept.: Mit anderen Kranken durch Vermittl. eines [?arztes] in ein Lazarett aufgen. Leicht Essen. Kamen Nachmittags mit Autos fort.

25. Sept.: Ankunft in Tel Kebir. Noch 1 Std. weiter mit Auto in ein Gef. Lager. Gutes Essen. Abend mit ca. 500 Deutschen nach der Deutschen Kolonial Wilhelm. Viele sehr kaput nach dem langen Marsch. Geschlafen im Lager.

26. Sept.: Sämtliche Alman nach Ludd [Lod]. Nachm. Ankunft im Lager. Gutes Essen. Engl. überall zuvorkommend u. nett. Abends Untersuchung des Gepäcks nach Briefschaften und scharfen Gegenständen. Angabe des Namens und Funktion Verteilung einer Nummer. Nr. 727 trage ich. Seid Lager Ludd mit Reinhard Müller zusammen. Schlafen.

27. Sept.: Nachdem gegessen Abmarsch zum Bahnhof. Verladen gegen ½ 500 Abfahrt durch die Sandwüste. Eisenbahn herrlich in Ordnung.

28. Sept.: Morgens Ankunft auf dem Riesenbahnhof Cantara [El Qantara] am Suez-Kanal, große Lager mit Material. Ca. 1 Std. Marsch nach dem Lager. Entlausung. Lysolbad. Essenempfang. Brot, Marmelade, Tabak, Reis, Zucker, Tee.

29. Sept.: Schätzungsweise sind wir 800 Deutsche im Lager. Es soll nach Kairo weitergehen [unleserliches Wort]. Essenempfang.

30. Sept.: Wir sind immer noch im Lager. Es ist eine Quarantänestation. Das eintönige Leben fängt an langweilig zu werden. Man sitzt und liegt im Sande. Das Essen ist gut u. endlich gibt genug Brot, Zwiebel u. an frischem Gemüse mangelt es. – Es ist alles sehr [unleserliches Wort] eingerichtet.

1. Okt.: Noch immer bevölkern wir das Lager die Langeweile wird immer größer, denn man hat nichts zu tun. Abends gegen 600 Uhr fängt es etwas an zu regnen. Wir hocken zu 20 Mann in einem kleinen Spitzzelt. Nach dem Regen schläft man in seinen Mantel eingewickelt herrlich auf dem naßen Boden.

2. Okt.: Immer noch können wir nicht aus diesem Lager fort kommen, was unser aller größter Wunsch ist.

3. Okt. Wieder ein Tag vorbei, ereignislos wie jeder. Nach einem Gerücht soll es morgen fortgehen.

4. Okt.: Morgens gegen 800 nach dem Bahnhof. In schönen Wagen Fahrt am Suezkanal längs diesem nach Westen abzweigend bis Tel-el-Kebir, dem riesigen Gefangenen-Lager. Da es neu ist, noch nicht eingerichtet. Gegen abend kam ich erst mein Geld gegen Quittung abgegeben. Creosolbad, Durchsuchung u. Abnahme einzelner verbotener Sachen. Dann Verteilen auf die Zelte je 10 Mann, 2 Decken erhalten. Ohne Essen schlafen.

5. Okt.: 500 Wecken. Antreten. Um von den Türken los zu kommen, bauen wir uns selbst Zelte auf. Das Essen ist gut u. reichlich. Ein Tag vergeht wie der andere.

13. Okt. Heute ein Sonntag in Gefangenschaft. Es wird wie die Tage bisher etwas gearbeitet. Gesund u. munter ist man Gott sei Dank, aber etwas mehr zu essen könnte es geben. Es gibt täglich morg. Tee, Marmelade, mittags eine süße Schleimsuppe, abends Gemüsesuppe mit Fleisch. Den Tag ¾ -1 Brot. Heute ist mein 4jähr. Dienstjubiläum.

1. Nov. Bisher hat das Lagerleben seinen eintönigen gleichmäßigen Verlauf genommen. Tagsüber werden kleine Arbeiten verrichtet. Die meiste Freude bereiten einem jedem die 3 Mahlzeiten am Tage, denn Hunger hat jeder bei der nicht allzu reichlich bemessenen Kost. – In den Gesprächen bildet der Friede das Hauptthema, denn viele Gerüchte geben genug Anlaß dazu. Auch gestern endlich am 31. Okt. wurde auch bei der Nachmittagszählung offiziell bekannt gegeben „Die Feindseligkeiten zwischen der Türkei u. der Entente sind eingestellt.“ Allgemeine Freude, besonders bei den Türken, die sich wie Verrückte gebärdeten, herrschte natürlich überall.

23. Dez. 1 Tag vor dem heiligen Abend. Bisher hat ein Tag den anderen getrieben. Gerüchte tauchten auf, waren aber kaum etwas Wahres ist. Mitte Novemb. Kam es des Nachts zu einer Schlägerei mit den Arabern, wobei es Lazarettfähige gab. – Vom Frieden ist noch nichts zu spüren. Hoffentlich gibt es Weihnachten mal satt zu essen, denn Kohldampf muß man sehr schieben.

24. Dez. Grau u. düster dämmert der Tag herauf. 700 ist antreten, dann Einteilung zur Arbeit wie gewöhnlich. Bald regnet es, u. dabei ist recht kalt. Ich bleibe zu Hause als Zeltdienst. Antreten zum Empfang von Kleidungsstücken. Ich bin so glücklich und schnappe 1 Hemd u. 1 Unterhose, worüber ich glücklich wie ein kleines Kind bin. In der Küche ist heute Hochbetrieb. – Mittags werden 60/70 Brote u. gekochte Fische geliefert. – Nachmittags wird das Wetter schön, überall herrscht eine gewisse Unruhe. Es wurden allerhand Sachen geschleppt, eine große Schilfbaracke mit Decken ausgehängt. Um ½ 6 tönte der Ruf zum Essenempfang. Es gibt Goulasch mit Speck u. Pellkartoffeln. Leider alles recht kalt aber trotzdem gut. ½ 7 Empfang der Weihnachtssachen, bestehend aus 10 herrlichen Zigaretten, 1 Zigarre, 1 Schachtel Streichhölzer, 2 Apfelsinen, 2 Brote u. 2 Eier. Danach Empfang. Um 8h beginnt die Feier in der Baracke. Der Raum ist mit Decken ausgehängt. Aus Kisten ist ein erhöhter Platz gebaut auf dem ein kleines Bild steht. Rechts davon steht der Christbaum, der aus großen Palmzweigen gebunden ist. Er ist schön mit Lichtern, Sternen u. Watte geschmückt. In der Feier wechseln allgem. Gesänge, solche des Doppelquartett, Vorträge des Orchesters u. verschiedene Kameraden ab. Hervorzuheben sind ein Lied über Tel-el-Kebir und eine Schnitzelbank. Zu allgemeiner Zufriedenheit endet die Feier etwa gegen 1100. Als Gäste waren viele engl. Offiziere dabei, von denen der Major unser Lagerkommandeur zu nennen.

25. Dez.: [Hier enden die Aufzeichnungen]

Notizzettel vom 4. Oktober 1918 bis 29. Juni 1919

Notizzettel beginnend am 4. Oktober 1918.

4. Okt.: Abfahrt in Kantara gegen ½ 10h. Nach interess. Fahrt von ca. 2 Std gelangten wir nach einer kleinen Station. Bis Ismailia, einer größeren, herrlich in Palmen lege. Bahnstat., gings nach Suezk. längs. Dann bog d. Bahn rechts ab u. hielt bald an einer kleinen öden Wüstengegend geleg. Station Tel-el-Kebir. Hier ausladen zu unserm Erstaunen. In diesem mit Stacheldraht umgebenen Lager Halt. Ausziehen, Krosolbad [wohl: Kresolbad], Abnahme des Geldes gegen Quittung, Empfang der P.o.W. Nr. (389). Darauf Ankleiden ins Zeltlager. Einige Afrikanische Gef. waren die einzige die da waren. Während der nächsten Tage wurden Zelte in Nebenlagern errichtet, was bei der enormen Hitze eine ziemliche Anstrengung war, gutes Essen war Lohn.

Am 7. kamen wieder Deutsche, die Hemden alles war in schönster Ordnung.

Tage. Wecken um 5h. ¾ 6h antreten zum Zählen (etwa 1000 Mann mit ca. 100 Östr.). Danach Frühstück Tee Marmelade. Hierauf Arbeitsdienst in Lazarett od. andern Lagern. Dort Aufräumungsarbeiten. 11h Schluß. Unter Bewachung von Juden (Indern) zurück zum eigenen Lager. Nachm. 2-4h das Gleiche. Matten, Decken Kochgesch. angerichtet vor den Zelten wegen Verpflg. 7-9/10 gutes Weißbrot für 1 Tg.

Mittags Reis od. Linsen mit Fleisch. 3h nochm. Zählen 5h Abendbrot Tee, Mehlsuppe jeden 2. Tg. Danach Unterhaltung von ehemaligen schönen Zelten

So ein Tag wie der andere.

16. Okt. Entlausung. Große Hitze Nackte Körper einige Std. in der Sonne.

Nov. Arabienschlacht. Im Bett wie jeden anderen Tag von 7h da wir kein Licht hatten. Da um 10h etwa der Ruf „Alles raus aus den Zelten“. Wir dachten denen aber nicht sondern schliefen weiter. Nach einiger Zeit „Wollt Ihr nicht raus, wollt Ihr Euch von den Banausen den Hals abschneiden lassen?“ Raus. Große Menschenmenge. Schüße fallen alles stürmt nach einer Seite. Schlägerei mit den Arabern mit denen wir in einem Lager lagen. Es gab bei Ihnen mehre mit den Spaten Einschlagene u. Verwundete. Da Verpfl. schlecht, wird anscheinend vieles am Drahtzaun verkauft.

Ein [unleserliches Wort] war kostenfrei für mich. – Langeweile ein Buch große Wohltat gewesen. Glücklich war man wenn man einen Zigarettenstummel fand.

29. Dez.: Gerüchte werden ja dauernd gemacht. Heute wieder wie ein Lauffeuer geht’s durch Lager „Am 18. Jan. beginnt unser Abtransport in die Heimat.“ Jubel über all. Seelig war auch ich. Ich konnte es nicht fassen, das Glück.

1919

21. Jan. Die ersten Tage des neuen Jahres fielen leider nicht so aus wie wir hofften. Bei einer Besichtigung fielen wir so auf, daß wir zunächst 1 Woche Strafexerzieren hatten. Ferner fanden vormittags 2 Besichtigungen statt. Daraufhin allerhand Vorbereitungen. Jeden Sonntag war wenige Monate lang Zeltemachen. Umkleidung des wenigen Gepäcks.

Mit der Einkleidung wurde begonnen dunkelblauer Rock u. Hose sodaß alles fertig zum Abmarsch war. Gerüchte dieser Art traten auch in Massen auf.

Der 18.I. hatte uns eine große Enttäuschung gebracht.

31.I. Man wurde d. Tag zu Tag gleichgültiger. Das einzige worauf man bedacht hatte war das Essen denn Kohldampf hatte man zum Verrecken. Der Speisezettel war ein Tag wie der andere. Morgens bitteren Tee, gegen 12h Reis mit Kartoffeln u. Fleisch, abends gegen 5h Tee mit Zucker. Trotzdem stürzte man nicht täglich mit unbeschreibl. Hunger auf das Essen. Das Gleicheinige wurde einem nicht über. – kleinste Sandstürme waren wöchentlich 2-3 mal – Glücklich war der, der Latrine reinigen durfte, denn man bekam einen doppelten Betrag vom Mittagessen (was aber dem Schweinefutter gleich)

16.III. In diesen Tagen keimte Gerücht auf daß sich Ägypten in hellem Aufruhr befände. Heute bemerkten wir daß der Bahnverkehr unregelmäßig wurde. Verhaltensmaßregeln bei einem Gefangenenalarm wurden beim Zählen bekannt gegeben.

17.III. Keine Leute gingen zur Arbeit. Tolle Gerüchte.

18.III. Aufstand Tagesgespräch. Verbindung mit Cairo ist unterbrochen. Dagegen rege Fliegertätigkeit. Lebensmittel knapper.

21.III. Engländer wieder Herr der Lage. Lebensmittel eingt., endlose Truppentransporte verkehren wieder. Sprengungen waren Tauben gewesen. Krähne wurden transportiert.

April: nichts Besonderes

1. Mai Von dem Lied „Der Mai ist gekommen“ wird das Lager um 5h morg. etwas geweckt u zwar durch 4 Mann unserer Lagerkapelle. Mit Flöte, Guitarren zogen sie im Lager umher u. sangen das Lied.

12.V. Elsässer verlassen das Lager um in die Heimat zu fahren. Schwedischer Konsul betrachtet unser Lager.

29.VI. Abfahrt nach Kantara zur Arbeit in engl. Depots.

Notizzettel vom 30. Oktober bis 21. November 1919

30. Okt.: 820 Abfahrt von Rano. Gegen 200 in Alexandr. – Bevölkerung – Autofahrt Hafen Alz-Deniz.-

31. Okt. An Bordnahme von Lebensmitteln und Passagieren (P.o.W.) Geplante Abfahrt 400. Stürmisches Wetter zwingt zum Bleiben.

1. Nov. 630 mit Schlepper bis außerhalb der Mole.  Sodann Volldampf voraus Richtung Malta-Gibraltar. Stündl. ca. 10 Meilen. Auf See nichts besonderes, ruhig, sonnig. Wetter.

2. Nov. Trübes Wetter. Kein Seegang.

3. Nov. Bedeckte Himmel. Gegen 1100 Begegnung eines engl. Dampfers in nächster Nähe. Gegen 400 in großer Entfernung Dampfer sichtb. Abends schwerster Seegang.

4. Nov. Schönes sonniges Wetter ruhige See. Mittag 200 Malta in Sicht. 3 Std. lang. Herrlicher Abend Mondschein – „Mann über Bord“ gerettet. Boote, Ring (Geisteskranker).

5. Nov. Sonnig, gegen Mittag sehr starke Dünung. Kalt.

6. Nov. Trübes Wetter, gegen Mittag aufklarend, nachm. sonnig, angenehm. Vereinzelt Nordküste Afrikas sichtbar, starker Wellengang. Abends stirbt ein Kamerad.

7. Nov. Sonniges, stürmisches Wetter, Wellengang. Mittags ¾ 11 Absenkung des Toten am Heck des Schiffes. Schiff hält Ehrensalve, Ansprache, – Nordküste Afrikas dauernd sichtbar. Hin und wieder Dampfer Segler.

8. Nov. Spanien sichtbar von früh bis abends

9. Nov. Sonntag. Gibraltar. Hafen. Fort. Händler. Engl. Boot. Stadt.

10. Nov. Hafen schleppen Kohlen Wasser nachm. Abends 900 ausgeschleppt u. losgefahren

11. Nov. gutes Wetter, sonnig, portug. Küste.

12. Nov. längs der Küste, etwas Regen, sehr kalt (170) Wind kommt auf

13.Nov. Sturm, haushohe Wellen über die Brücke, Windst. 9 später 10-11 Schlängeln, Wasser im Schiff. Feuer aus, Treiben

14. Nov. Sturm unvermindert. Wir sind kaum vorwärtsgekommen. Stündl. 1 Meile weniger.

15. Nov. Sturm nimmt ab. Es geht vorwärts. [unleserliches Wort] Wasser schöpfen. Abends ziehmlich ruhig Barometer steigt.

16. Nov. Sonntag. Sonnig, fahren volle Meilenzahl (10-11) 200 Leuchtturm von Avesant [Ouessant?]. Gegen 200 erkennt engl. Küste viel Dampfer. 400 Hafen Plymouth, Wasser nehmen.

17. Nov. Kohlen den ganzen Tag. Nachts Verpflegung.

18. Nov. Lotse kommt an Bord. Ausfahrt 1000 mit eigener Kraft längs der engl. Küste ausgez. Fahrt.

19. Nov. Morgens Dover. Anker werfen warten auf Lotzen. Minenstra.

20. Nov. Nordsee Leuchtschiff Elbe 2 1000 Lotsenboot. Cuxhafen Anker bis nachm.

21. Nov. Anker auf Elbe aufwärts.

Poutpouri Tel-el-Kebir

  1. Laßt es laut erklingen, lustig wollen wir jetzt einmal besingen, hier Tel-el-Kebir
  2. Wie schön, wie schön, wie schön ist´s hier, wie schön, wie schon ist´s hier.
  3. Wir zogen einst aus deutschen Grenzen begeistert in das Türkenreich, die Welt sollt Heldensöhne scheinen uns Herz war´s uns so wonnig weich.
  4. Doch sollt es anders kommen und neulich schlugen wir mit Türken und Banausen uns in Tel-el-Kebir.
  5. Tunlich geführt zogen wir dann, Inder nach Guarkas, die gingen voran, die gingen voran, hin, hin,…
  6. Hinüber in der Wüste der Satard sprach der Isaak mit der Salah.
  7. Ach wenn das meine Mutter wüßte, wie mir´s in der Wüste geht, Schuh u. Strümpfe sind zerrissen, durch die Hose pfeift der Wind.
  8. Du hast ja goldene Pfunde, Piaster, Kantinenbons sicher noch mehr, du rauchst ja die dicksten Zigarren, sag Emil was willst du noch mehr.
  9. Das Meer glänzte weit hinaus im letzten Abendscheine.
  10. In der Nacht, i. d. N., i. d. N.
  11. In der Nacht hat doch jemand Brot mir geklaut, Brot mir geklaut, Bort mir geklaut.
  12. Doch sei nicht böse, sei wieder gut, Reis u. Linsen schmecken auch gut, dreimal Linsen u. dreimal Reis.
  13. Und am letzten Tag der Wert hat´s gemengt denn unser Koch und er denkt wenns euch schmeckt, sechsmal eßt ihr´s siebenmal auch noch.
  14. Dann ist mir´s heut ach heut noch so molig, ach so mollig, ach so mollig… ja das kommt vom …
  15. Bibabibabiba bayrisches Bier, das fehlt täglich mir jetzt hier.
  16. Hinaus mit dem Naß aus dem Faß, hinaus mit dem Naß in das Glas.
  17. Heute Mutter die Landnahme kommt.
  18. Es geht bei gedämpftem Trommelklang als Abends am Stacheldrahtzaun entlang.
  19. … Ach wenn ich doch bei meiner lieben Mutter wär, ach wenn ich doch bei meiner Mutter wäre, ach ja.
  20. Warum stehst Du denn so traurig auf dem Sande, warum mit deinem Blick so sehr nach Afrika?
  21. Teure Heimat sei gegrüßet, sei gegrüßet, usw.
  22. Ich glaube, ich glaube, dort oben fliegt…
  23. Ein Automobil von Hamburg nach…
  24. Hause, nach Hause ist unser aller Ziel.
  25. Wenn das Schifflein, Schifflein schaukelt auf blauer Flut.
  26. Kehren wir dann heim und alles ist wieder gut.
  27. Hurra – Hurra bald sind wir da…

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