Kriegstagebücher und Kriegserinnerungen

Texte und Kontexte

Kriegstagebuch von Diedrich Blanke (21. Juli 1870 bis Ende März 1871)

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Diedrich Georg Heinrich Blanke wurde am 29. September 1848 in Bierde geboren und verstarb am 9. September 1929 in Berlin. Am 5. August 1880 heiratete er Luise Karoline Wilhelmine, geb. Käseberg (*12. Mai 1856 – †23. September 1898) aus Gittelde am Harz. Das Ehepaar hatte insgesamt zehn Kinder: Hedwig (1881-1962), Paul (1883-1950), Georg (1884-1966), Robert (1886-1975), Mathilde (1888-1979), Erich (1889-1947), Arnold (1892-1980), Rudolf (1894-1963), Adolf (1884-1916) und Werner (1895-1991).

Sein jüngster Sohn Werner Blanke (1895-1991) schreibt in seinen Erinnerungen über seinen Vater Diedrich Blanke:

Mein Vater hatte zwei Bauernhöfe, einen Kaufmannsladen, Getreidehandlung und eine chemische Fabrik [in Ahlden]. Er war leichtlebig, leichtgläubig, freigiebig, kein Rechner und kein Kaufmann. Deshalb wurde er ausgenutzt und übers Ohr gehauen. Spekulationen brachten den Wohlstand zum Ruin. Doch ein Unglück kommt niemals allein. Meine Mutter starb in dieser Zeit [1898], die chemische Fabrik wurde in denkbar ungünstiger Weise verkauft. So stand mein Vater allein mit einer 10köpfigen Kinderschar. Die Sorge um sie war es, die ihn damals vom Selbstmord abhielt. Die Höfe waren verkauft, ein Wohnhaus und etwa 5 Morgen vom Park und Garten wurden veräußert. Dazu musste eine Anleihe gemacht werden, damit eine neue Fabrik gebaut werden konnte. Der Gläubiger verlangte Kompagnon zu sein und erhielt 50% des Verdienstes. Deshalb konnte das Terrazzo- und Kunststeinwerk, verbunden mit Zementfabrik sich nicht genügend ertragsbringend zeigen, zumal mein Vater seinen Vorteil nicht zu wahren verstand. So lebten wir nach außen im alten Glanz, aber in Wirklichkeit vielfach in bitterer Armut. In dieser Zeit führte meine Schwester [Hedwig] den Haushalt. […] Als ich 15 Jahre alt war [im Jahr 1911], wurde die Fabrik verkauft, ebenso das Heimathaus mit seinem Land. Durch gewissenlose Leute, die das Mitleid meines Vaters zu erregen wussten, sowie durch Häuserspekulation verlor mein Vater im Alter sein letztes Hab und Gut und wohnt jetzt bei meinem Bruder [Georg] in Berlin, der von uns anderen Brüdern dafür entschädigt wird.

Das Kriegstagebuch von Diedrich Blanke beginnt mit dem Datum 21. Juli 1870 und Ende mit seiner Rückkehr nach Deutschland Ende März 1871. Leider ist nicht überliefert, bei welchem Regiment Blanke eingesetzt war. Nach seinen Angaben war er an folgenden Orten in Frankreich eingesetzt: Raum Metz (30.08.-06.11.1870), Raum Thionville (Diedenhofen) (06.11.-02.12.1870), Montmédy (14.12.1870), Sedan (18.12.1870), Raum Charleville-Mézières (20.12.1870-10.01.1871) und dann zog er mit seiner Einheit von Boudreville nach Pontarlier, anschließend in die Nähe von Dijon (10.01.-28.02.1871).

Das Tagebuch wurde fast durchgehend mit Bleistift geschrieben. Insgesamt ist das Schriftbild sehr klein, aber überwiegend leserlich. Leider sind einige Seiten so verwischt, dass sie nicht komplett entziffert werden konnte. Hierzu zählt zum Beispiel auch die erste Seite, auf der er seine Fahrt Richtung Frankreich niederschreibt.

Auf dem Kriegerdenkmal in Ahlden, das von Diedrich Blankes ältestem Sohn Paul errichtet wurde, ist Diedrich Blankes Name verzeichnet als Teilnehmer des Krieges 1870/71. Dort wird sein Dienstgrad mit Musketier angegeben. Demnach war er höchstwahrscheinlich Soldat in einem Infanterie-Regiment.

Die von Diedrich Blanke gelassenen Lücken wurden übernommen und mit einem Strich _______ kenntlich gemacht. Nicht lesbare Worte wurden mit einem ? in eckigen Klammern kenntlich gemacht. Die korrekte Schreibweise der Ortsnamen wurde ebenfalls in eckigen Klammern ergänzt. Bis auf wenige Ausnahmen wurde die Schreibweise von Diedrich Blanke übernommen. Ansonsten werden Ergänzungen ebenfalls in eckigen Klammern angegeben.

Das Originaltagebuch befindet sich im Familienbesitz der Familie Blanke.

Diedrich Blanke (1848-1929)
Grabstelle von Diedrich Blanke in Berlin
Erste Seite des Kriegstagebuches von Diedrich Blanke

Kriegstagebuch von Diedrich Blanke (21. Juli 1870 bis Ende März 1871)

d. 21. Juli 1870

Celle

[?] Celle [?]

das unser Weg nach [?]

führt den Abend waren

wir in [?]

—–

d. 22

5 U. [?] Abgang

nach [?]

—–

Celle [?]

Hannover

Minden

d. 23

Hanau

Camen

Dortmund

Aachen

[W?] 1 Nacht

d. 24

Möln, hf Hilser

d. 25

Möln, 3 bis 8 Uhr

Apel

—–

d. 26. Juli

von Mölnn um 3 Uhr nach Wesel über Duisburg u. den Rhein um 12 Uhr, nach Aachen angek. um 7 Uhr, um halb 8 Uhr Apel mit Brd., wo uns unser bischen was wir bekommen abgenommen worden.

d. 27 Juli

Um 4 Uhr v. Aachen nach einen 3 Stündigen Marsch wurde ich von nun ahn marschbefreit, mußte einen Wagen der 8. C. [?] und fuhr nach Mützenich zwei Stunden dort und ging

—–

d. 27. Juli

nach Montjau [Monschau] eine Stadt bereits unmittelbaar zw. Bergen, Gewitter, und herlich bewirtet.

—–

d. 28. Juli

Gefahren von Montjau [Monschau] über Mützenich Imgenbruch [Imgenbroich] Achen [Aachen] ins Lazaret.

—–

d. 29.

—–

Nachdem die erst Nacht, die ich auf einen Strohsack und 1 Decke zum zu[de]ken verbracht hatte tagt der heutige Tag den Morgen wurde vom Artz untersucht und fand mich zieh[m]lich ernstlich krank.

Ich blieb in Aachen bis zum 5. Aug.

Den 5. Aug.

12 Uhr wurden wir p. Bahn nach Eschweiler gebracht von da p. Achse nach Jülich um wieder nicht in ein Lazaret sondern in der Citadella zukommen früher Unteroffizier Schulz wir kamen mit 6 Mann auf 1 Zimmer mein Nachbar war Hermann Norden daselbst blieb bis zum 10. Aug.

Den 10. Aug.

Kam ich in das Lazaret hieselbst Hermann war auch hier mein Nachbar hier kam auch ich bin ernstlich krank, einer hatte die Auszehrung ein anderen Brustkrankh. einen seine Krankheit konnte nicht ermittelt das Gestön und Weinen nahm kein Ende.

Den 23. Ag.

Von Jülich nach Düren zu fuß dann p. Bahn nach Cöln daselbst blieb bis z. 25. Aug. sah den Dom, Museum und Rhn. Brücke auf trafen krank u. gesunde Franzosen an. Dann ging es d. 25. Ag. 9 Uhr p. Bahn über Bonn Mehlem Rohlandsegge [Rolandseck] Neuwied Coblenz daselbst hatte der Kriegsverein, Wein, Brantwein, Brodt für die Soldaten verabreicht. Boppard St. Goar, Bingerbrück sind wir umgestiegen noch zu bemerken an Lore Ley [Loreley], p. [Mäusel?] Kreuznach.

[B? am stein?] [Staudernheim?] [Oberstein?] Kirche in Felsen

½ 10 Uhr kamen wir in Birkenfeld an wo wir die nach im Wagen schliefen um 9 Uhr d. 26. Ag. ging es weiter über St. Wendeln Neukirchen Sarbrücken [Saarbrücken] um ½ 6 Uhr angekommen den 27. Aug. fuhren wir p. Bahn von Saarbrücken um 11 Uhr über Forbach St. Avold angekom. den 28. 1 Uhr Morg.

Den 28. Aug.

Remmely, Bivouak im Lehm

Den 29

Marsch nach Verdi

Den 30.

bis Ars dann Augly wo die nacht in Scheune verbracht dank den franzosen wir bekamen Milch und Pellkartoffeln die uns ausgezeichnet schmekte, bis jetzt habe ich seit den 24. mein Zeug noch nicht ab gehabt.

Den 31. Aug.

marschierten wir von Augly über Marly nach Pouilly wo wir erfuhren das das Regiment 77 seit 11 Uhr morgens allarmirt und abgerückt seien, wir fanden das Bivouak hinter Pouilly sahen das dasselbe eiligst verlassen sei, denn es lagen noch verschiedene Gegenstände so wie Fleisch, Kartoffel etc. in Unordnung, die wir sofort zubereiteten und damit unsern hungrigen Magen erquickten, Brod fehlte gänzlich, beim fleißig Essen erfuhren wir daß unsre Bagagewagen ½ Stunde hinter uns waren, nachdem uns ge[p]flegt, gingen  nach dort und schliefen ¼ satt unter freien Himmel.

Den 1 Sept 70

fuhr ein wagen nach dem Platze wo meine Comp. war, St. Ibold nennt sich der Ort 3500 Schritt von Metz wo die 6. & 7. Cop. auf Feldwache war, heute wurden wir um 3 Uhr commandirt das Gepäck aufzuhängen eine Angst überfiehl mich die nicht zutreffend um 4 Uhr konnten doch wieder abhängen, die Nacht schliefen in der Scheue um 2 Uhr

Den 2. Sept.

wurden aufgeweckt um auf Vorposten zu ziehen der Nähe war jetzt von Metz 2000 Schritt paßirte aber nichts weiter um 3 Uhr morgens.

d. 3 Sept.

wurden abgelöst und zogen in Pouilly ein den Tag war ruhe Schlaf auf Hof

Den 4. Sept.

10 Uhr Apell den Nachmittag mußten Schanzarbeiten machen, auf den hof geschlafen.

Den 5. Sept.

Um 12 Uhr zogen wir das Schutzenzeug auf feldwache vor Pouilly, wieder sollte Allarmirt 4 Uhr werden blieb aber dabei, die Nacht verblieben alles ruhig ich ging Patrolie.

d. 6. Sept. 70.

blieben wieder auf derselben Wache Nachmittags 7 Uhr heftiges Gewitter mit starken Regen u. Wind war volkommen durchnäßt, um 10 Uhr hörte der Regen auf unser Lager war fast weggetrieben.

Den 7. Sept. 70.

Um 8 Uhr morgens es fliegen Granaten über unsern Kopf fast hunder[t] Schritt hinter uns schlagen Sie ein. 9 Uhr das Schießen hat aufgehört, wir sind noch auf Wache. 12 Uhr wir sind abgelöst und wieder auf einen Hof in Poully eingerückt heut Nachmittag war alles ruhig.

d. 8. Sept.

heute morgen alles ruhig, heftiger Regen der Regen dauerte bis Abend.

d. 9. Sept. 70.

Die Nacht weniger Regen, heut Morgen Regen u. Wind, es ist kaum noch erträglich

Gott gebe Frieden, denn man verzweifelt bald noch am Leben und wenn der liebe Wilhelm nicht wäre das der mich mit seinen lieben Briefen stärkte, ich glaube ich legte bald Hand an mich selbst, der Dreck ist im Bivouak u. Umgegend kaum zu gründen.

½ 6 Uhr es wird aufgebrochen u. abmarschiert wohin unbekannt uns ahnte nichts gutes, die Reserve Patronen müssen in Brodbeutel gesteckt werden, wir stehen auf ein feld, bis an beide Ohren im Lehm

7 Uhr Abds. aus 460 schw. Kanonen blitzt Feuer auf Metz zu, Gott beschütze die Unglücklichen.

8 Uhr, das Geschützes Donner hat auf gehört, was ist das? wir sind wieder marschirt und sind in unser altes Biv[ouak]. Der Regen dauert fort.

Den 10. Sept.

Die Nacht hatt es wenig geregnet doch heute morgen beginnt es auf neue, Politisch nicht.

Heute bis Mittag ferner Kanonendonner, wie müssen 11 Uhr abmarschiren. Wir sind angekommen in ein von andern Truppentheil früher bewohntes Bivouk in Pouilly statt früher im Dreck sind wir jetzt in Lehm gerathen die Witterung ist heller u. freundlich geworden Kartoffel mußten fast ½ Stunde von hier holen

d. 11. Sept. 70

heiterer Himmel frischer Sonnenschein (Sonntag) wir marschirten um 10 Uhr zum Gottesdienst schon lang sehnte ich mich danach. Es war ein breites Stoppelfeld 10 Minuten von unsern Bivouak es war ein Tisch mit einen rothen Tuch überdeckt, welches den Altar vorstellte Musick rechts vom Altar die Sonne blickte herrlich vom Himmel.

Der Gottesdienst begann zunächst mit Gesang, worin gesagt wird, das unser Leben nur ein Pillgern sei, nach dem dort obigen [K?]

Unser Epistel war aus dem 1 Buch Moses Cap. 28, 20-22 wo auch ein wanderer p.p….

Denn der Traum mit der Leiter beglückte diesen schönen Eindruck den mir diese gemacht vergesse ich niemals.

Heute Empfingen wir verschiedene schöne Liebesgaben zum ersten mal für 16 Mann 3 Flaschen Rum 1 Fls Wein etwas Taback und ein kl. Stck. Spreck.

Den 12. Sept. 70

heute morgen 7 Uhr rückte wieder in Pouilly ein um in Cantonamons [Cantonnement] [Gu?] zu kommen, oben im Haus auf harten Fußboden und der Tornister als Kopfkissen ohne etwas Schrot, wahrlich ein hartes Locager, Almächtiger führe mich bald zu den Lieben in Hudemühlen u. Bierde zurück.

d. 13. Sept. 70.

Die Nacht verlief ruhig obgleich wieder in Schußlinien von Metz, schlecht geschlafen 3 Züge haben nun Zivilisten geholt heute morgen kaufte ½ Brod, für 17 ½ Pf.

Jetzt fehlte es am Geld heute Nacht war doch auf den Boden worauf wir schliefen, das mann im waren Sinne des Worts sagen könnte das wir ein aufeinander lagen.

d. 14. Sept.

Heute morgen 2 Uhr maschirten auf Vorposten kam bis 8 Uhr erst auf posten, wir waren den Franzosen so nahe das sie auf unser Vorposten schießen Verluste haben nicht gehabt auch sind wir nicht allarmirt aber unser lieber Vater im Himmel schickte uns nach unser Meinung schlechtes Wetter Regen u. Wind um 8 Uhr musten Laden und auf einen ander Platz rüken, ohngefähr 30 Schritt weiter, es war Hohlweg, auf den rechten Ufer war Buschwerk in die Erde gesteckt das Bischen stroh worauf wir liegen sollten war weggetrieben, ich wollte nicht im Wasserliegen, ich legte meinen Tornister in den Morast und setzte mich auf denselben, mit den Rüken an einen Baumstam saß fast bis gegen 1 Uhr, da nahm doch der Frost überhand denn ich hatte auch nasse Füße bekommen, ich konnte kaum meine Füße wieder warm laufen um 3 Uhr wurden abgelöst rückten, indas schon früher gewesene und von den franzosen vor einigen Tagen gräulich beschossene Gehöfte St. Ibold. Hier lag noch eine nicht crepirte Granate.

d. 15. Sept

wir legten uns nach Ankunft in St. Ibold in die Scheune, worin Stroh war, wie wohl u. herlich schlief ich da, heute passirte nichts.

d. 16.

Morgens 3 Uhr rückte aus nach Pouilly und halten die Fahne marschirten als dann nach Marly, so eben waren hier Kochen das Fleisch ha[l]b mürbe die Kartoffel ¾ gar und da wurde Allarmiert alles wurde umgestoßen.

d. 17.

Marly alles ruhig, in des Schußlinien, heut Nachm. 4 Uhr mußten mit 3 Mann als Fourir nach Flaeriy [Fleury].

d. 18. Sept.

Masch. nach Flory [Fleury] gehts  nach Verny die ganze Companie in ein Haus wir blieben daselbst bis zum 24. Sept. etwas besonderes ist in der Zeit nicht vorgefallen nur das wir am 22 u. 23. Sept. Allarmirt wurden als dann maschirten aus u. kamen nach ca. 4 stunden wieder heim. Wenn jetzt wieder Allarmirt wird so denkt sich kein Mensch etwas dabei, sondern man meint es sei einmal so da niemals was paßiert.

Den 24. Sept.

Angekommen in Floiry [Fleury] heute Ruhe es thut uns ziemlich noth, da wir in Verny stram mit Gepäck exerzieren mußten und dann noch allarmirt es ist zum verzweifeln aber die lieben Briefe von Hudemühlen erquik. mich und erfreuen mein müdes Herz. Herr erhalte mich den treuen Wilhelm

ich komme auf Wache das fehlt noch um verrückt zu werden.

d. 25. Sept.

Gestern hatte einen thüchtigen Brand heute etwas Jammer hat leider Geld gekostet jetzt will ich aber spaaren. Ich bin nun Wache es ist Kirche auf freien Felde. Ade lieber Wilhelm ich will noch für dich u. mich beten. Die Kirche ist zu Ende dank dem Allerhöchsten ich bin gestärkt es wurde gepredigt über [?] v. 15 Sontg. nach Trinitatis u. Gesang gesungen Sollt ich meinen Gott nicht singen. Tiefer Eindruck jetzt will ich lieber Wilhelm ein par Worte schreiben.

d. 26. Sept. 70.

Heute nichts besonders. Exerzirt.

d. 27. Sept.

Heute morgen wurde wie gewöhnlich Exerzirt jedoch hörten wir um halb 9 Uhr heftige Kannonade. 9 Uhr wurden allarmirt, die Kanonade wurde heftiger, wir maschirten bis vor Pouilly, die Granaten schlagen rund um uns ein jedoch ohne uns zu schaden ein vor uns liegendes Höfte wurde in Brand geschoßen, um 2 Uhr rückten ohne geschoßen zu haben in Floiry [Fleury] wieder ein.

28. Sept.

Exerzirt, sonst alles ruhig.

d. 29. Sept.

Guten Morgen du lieber Wilhelm u. Schwester, liebe Eltern u. Brüder, die Sonne scheint herlich, und der Tag fängt an gut zu werden, mein Koch College, Chaliot weckte mich mit Gratulation, auch hatte er schon Caffe gekocht, nachher überraschten mich die Gratulationen der Unteroffiziere so wie mehrere der Cammeraden. Mittag halb 1 Uhr, ich habe eine prachtvolle Suppe gekocht und setzten uns zu Tisch, das heist lagen auf der Erde. Gesegnete Mahlzeit. Ihr werdet gewiß auch so eben gespeist haben, das wird Euch nicht besser geschmeckt haben wie mir, der Wein fehlte nicht und doch fehlte etwas.

Halb 4 Uhr die Franzosen schießen wieder mit Granaten, 10 Minuten wieder, so eben kommt der Befehl das wir alle im Quartiren bleiben hollten 1 Botteile 5.7.8. Cammeraden Alle u. wir blieben zurück, heute Abend kochten wir feine Chocolade in Milch.

d. 30. Septemb.

2 Uhr rückten auf Vorposten aber verdammte Nase, ich mit Chaliot erhielten Wachposten heute Morgen lebhaftes feuer unsere Vorposten das feuern geht den ganzen Tag unterbrochen fort. 8 Uhr Abends, so eben kommen wohlbehalten aus den verdammten Vorposten Gefecht eine Comp. der Franz. hatte sich hervor gewagt wir waren nur mir 1 ½ Zügen wir schwärmten an der Waldlinie aus und feuerten lebhaftig, unserer Deckung war brilant, unser Verlust soll sich nur auf 1 Todten 2 verwundete belaufen. Die Franzosen zogen sich mit mehreren Verlust zurück.

d. 1. October 70.

Die Nacht verlief für uns ruhig es wurde allenthalben um uns geschoßen ich kam jedoch nicht der Lage meine Patronen anzubringen jedoch die 4 Comp. sandte 1 Patrollie v. 20 Mann in das Dorf Peltre die dasselbe um 12 Uhr vollends in Brand steckten es lag grade vor uns ein herlich u. schön leuchtendes Feuer, heute morgen 8 Uhr der Brand dauerte fort, daß Schießen ist fast eingestellt nur noch einzelne Schüße das Wetter jetzt gut schöner Sonnenschein, heute Nacht war es recht kalt, auch habe ich so lange wir jetzt auf Feldwache nicht warmes auch nichts naßes geholt, da Wasser nicht zu finden ist, Gottlob endlich ist Wasser endtdeckt, aber da diese Feldwache so gefährlich sogar im Bereiche des Gewehrfeuers liegt soll für je 18 Mann aus 1 Kochgeschirr voll gekocht werden, gesegnete Mahlzeit es ist wie ein Tropfen auf einen heißen Stein, jedoch ein wahrer Göttertrank. Lieber Wilhelm, du hörst nicht das Knallen der Gewehre war inzwischen wieder begonnen, daß Schießen dauert fort um 8 Uhr wir sind abgerückt nach einem etwa 5 stündg. Marsch gelangten an ein Bivouak, es hieß bei den Gewehren Schlafen, Hungrig u. Durstig und eine Kälte nicht auszusprechen. Gott sei mir gnädig.

d. 2 Octob.

Morgens 10 ½ Uhr soeben angekommen in der Dorf Arslaqanexy [Ars-Laquenexy] wir hatten wieder seit 3 Uhr maschirt müde u. todthungrig angekommen, Abends 9 Uhr heute überraschten mich Briefe u. Packet von Hudemühlen, Hamburg, Hannover

d. 3. Octob.

Heute maschirte ich als Fourier nach Canency [Coincy?] das Wetter ist seitlangen sehr schön Abends, heute verlief alles ruhig.

d. 4. Octb.

Die Nacht verlief ruhig. Wetter wie immer schön, Abends 8 Uhr heute hörten mehrere Granatschüße sonst noch alles ruhig..

d. 5 Octb.

Die Nacht ruhig, mein Befinden, wovon noch nichts bemerk[t] war seit einigen schlecht u. ich habe jetzt die allgemeine Soldatenkrankheit Diare [Diarrhoe]. Mittags 12 Uhr wir ziehen auf Dorfwache, ich bekomme den Posten als Patrollie.

d. 6. Oct.

Befinden schlecht, Wetter schön, auch Patrollie nichts besd. zugestoßen um 12 Uhr wurden abgelöst.

d. 7. Octobre

Befinden noch schlecht. Morgens 3 Uhr wir maschieren wieder auf Feldwache, dieser Tag sollte aber ein Andenken für mein ganzes Leben bilden. Ein Andenken wofür ich dem Allmächtigen mein ganzes Leben dankbar sein muß.

Challiot ich u. 2 Mann wurden den morgen gegen halb 4 also sofort nach Ankunft in einen Schützengraben fast 250-300 Schritt vor der Vorpostenkette postirt, es war zwischen uns u. Ketten freies Terrein, 500 Schritt vor uns Feindliche Feldwache, halb 7 Uhr bestiegen dieselben Bäume und daß Schießen began auf uns, rechts u. links an meiner Mütze streiften die Kugeln, ich vermag es nicht so schwarz zu schreiben wir es war, das ich ohne Schaden davon gekommen kann ich und den guten Gott danken zu dem wir herzlich beteten, meine theuer Geliebten in der lieben Heimat ich hatte Abschied von Euch genommen u. dich geliebter Wilhelm befahl ich dem Schutze Gottes

Gottlob ich bin gesund geblieben um 7 Uhr Abends wurden abgelöst, nachdem das Feuern c. 2 Stunden aufgehört, in dieser Zeit habe nichts gegessen noch getrunken, weder Stuhlgang gethan mein Zustand war fast aufs äußerste gekom. 2 Patrollien muste noch wachen als dann brach ich zusammen. Um 4 Uhr wurden abgelöst, ich schlenderte der Comp. nach.

d. 8. Oct.

Wetter schlecht, Regen

Angekommen im Schloß Auybingy [Aubigny] wo in eine Scheune quartierten fiel ich wieder um u. schlief einen erquikenden Schlaf, doch war ich herzlich krank der Tag verging ruhig.

d. 9. Octb.

Regen. Herzlich krank sonst alles ruhig.

d. 10. Octb.

Regenwetter. Befinden etwas besser gehen als Fourier nach Mont [Haut Montoy?] am selben Tage wurde als Schreiber, keine Feldwache.

d. 11. Octb.

Befinden etwas besser, Wetter Regen. Alles ruhig.

12. Octb.

Befinden ziemlich gut. Das Wetter Regen.

Den morgen rückten aus wieder rechts von Coincy also dann wurde, wie ich hörte, in das französische Lager welches vor der Schanze aufgeschlagen mit Kanonen beschoßen jedoch glaube, das nichts getroffen ist, wir waren als [?]deckung der Kanonen, wie selbige aufgehört mit schießen rückten wir wieder in unser Quartir.

d. 13. Octb.

Befinden ziehmlich Wetter Regenerig sonst ruhig.

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d. 14. Octb.

Befinden ziehmlich. Wetter Regenich, sonst ruhig

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d. 15. Octb.

Befinden besser. Wetter regnich, sonst ruhig

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d. 16. Oct.

Dasselbe

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18. 17. Octb.

Dasselbe

19. Octb.

Dasselbe

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20. Octb.

Befinden gut also wieder hergestellt. Wir gingen als Fourier nach Ars-Laquenexy, um 2 Uhr follgte die Comp. Den Tag alles ruhig, Wetter regnich.

d. 21.

Wetter Renerich. Heute machte eine böse Erfahrung denn in der Comp. war die Krätze ausgebrochen, sofort war ärztliche revizion und wirklich waren einige der artige Kranken dabei, ich dahin gegen sitze voll Läuse, meine Unterjacke voll, Hemd habe ich weggeschmissen, und neue gekauft.

22.

Wetter ziehmlich. Gewehrfeuer hört man fast immer hin, Nachmittag 2 Uhr wurden allarmirt maschirten zum Allarmplatz, 3 Uhr waren wieder ein gerückt, das Feuer hat aufgehört, die Langsamgänger schienen sich aus dem Staube gemacht zu haben.

d. 23.

Wetter Regnich. Heute morgen hatte 6 Uhr quatirten in den Baracken, Strohgeld, die immer nicht ganz frei von Läuse sind und Wind u. Regen durchsaust, das Stroh, welches als Unterlage dienen sollte war der reine Mist, ich muste jedoch Schreiben und bekam ein anderes Quartir.

d. 24. Oct.

Regnich u. Wind, noch dasselbe man hört einige Kanonenschüße sonst alles ruhig.

d. 26. Octb.

Heute Morgen 3 Uhr daß Wetter ziehmlich trocken, wir maschirten auf Vorposten auch ich muste wieder mit, ich kam, wie das mal vorher auf einen detarchirten Unteroffzposten beim Sergeanten Rettig, den Morgen macht 2. Patrollien ohne das etwas vorkam, der Tag verlief ruhig bis Nachmittag sich wieder einige Kanonenschüße hören ließen auch verirten sich 2 Gewehrkugel nach unsern Stand. Abends 6 ½ Uhr sollt reconnoncirt werden was sich vom Feinde in Grigy befand, jedoch kann unsere Patrollie nichts erfahren da dieselbe vorher auf stärkeren Wiederstand stieß. Unser stand war rechts von La grang [La Grange au Bois] wo am 14. Aug. das Gefecht gewesen, ohne irgend Schutz in tiefsten Dreck standen wir da mit Gepäck, den Mittag aßen wir Erbsenwurst und Abends Caffee, den wir in einen großen Grapen kochten, wovon 43 Mann genießen mußten.

d. 26. Octbr.

Morgen 4 Uhr. Das Wetter wir[d] trüber, schon fängt es an etwas zu regnen wir werden abgelößt kommen aber wieder in Baracken, aber richtige Schweinestalle, man muß an den Boden hier Denken und man kann sich eine kleinen Begriff machen wie schmutzig man war, jedoch wir freuten uns etwas Ruhen zu können denn es regnete fortwährend, so waren wir alle bis zum umfallen müde, eben war das Gepäck abgeschmißen so hieß es wieder umhängen und Schützengraben besetzen, da ein Ausfall vermuthet wurde um 2 Uhr Mittags bezogen wir wieder unsere Ställe ohne das was vorgefallen war.

d. 27.

Regen. Endlich sind wir wieder unter heilem Dach und auf trockener Erde in Ars Laquenexy, man spricht fast von einer Übergabe v. Metz.

Den 28. Octb.

Wetter trocken. Die Übergabe von Metz wurde bekannt und bewieß sich auch als wahr, denn schon wurden anordnungen dazu getroffen, aber diese Freude auf den Gesichtern ist groß, nun war sollte sich nicht freuen, das Gott endlich unser Bitten erhört hatt, jedoch man muß sich nicht zu früh freuen, denn es heißt in denn Befehl das morgen die Gefechtsstellung eingenommen werden solle.

d. 29. Octb.

Wetter Regnich. Gefechtsstellung wurde um 11 Uhr eingenommen, um 12 Uhr trafen Gefangene, der ganze Weg von Ars Laquenexy bis Metz war von unsere Leute besetzt. Und an uns vorbei maschirten die Gefangenen in allerlei uniformen der Zug dauerte bis 5 Uhr.

d. 30.

Wetter Regen. Ebenfals Gefangenentransp. Wir blieben indes in unsre Wohnung.

d. 31.

Regen. 30000 Gefangene kamen wieder an und sollten Bivoak wo die andern gewesen, in den furchtb. Dreck, ja es ist bedauernswerth wenn man es sich ansieht wie die armen Leute leiden das wandern der [Bevölkerung?] raus u. nach Metz ist großartig.

d. 1. Novb.

Regen. Die Comp. ist auf Wache b. den Gefangenen, ich im Quartir, ich war heute hin zum Lager. Diesen Anblick will ich vergessen und nicht notieren.

Derselbe Anblick wird erhalten sich bis zum 5. Novemb. wo wir den Ort Laquenenxy verließen.

d. 5. November

Sonnaben[d] Wetter klar. Mittags 3 Uhr ankunft in Montoi [Montoy], dieses Dorf liegt ziehmlich nah an einer feindlichen Schanze jedoch etwas in ein Thal recht romantisch nur sieht man das auch hier die Granaten gewütet haben.

d. 6. Novemb.

Sonntag Frost. Halb 12 Uhr abmarsch über Puche nach Collingny [Colligny] 2 Uhr Aklunft daselbst, auch ein recht freundlicher Ort, 3 Häuser waren fast nieder gebrannt.

d. 7. November

Montag, Frost, ziehmlich stark, man spricht von einer 25 tägigen Waffenruhe, jedoch Niete.

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8. November

Ebenfals Frost. Nichts neues.

9. November

Abmarsch von Callingny [Calligny] über St. Barbe, Vigy [Sanry-lès-Vigy], Antillye [Antilly] nach Ay, um halb 7 Uhr früh maschirten ab und um 2 Uhr waren da, müde und abgespannt, dann noch mit den Gedanken u. leider weiß ich es zu gut, das unser Weg von einer Belagerung zur andern führt, nämlich nach Thyonville [Thionville].

Gott steh mir bei, du mein geliebter und theuerster Wilhelm! leb wohl ich empfehle Euch alle Ihr Theuersten Eltern Brüder und liebe Freundin C.N. in den Schutz des lieben Gottes, obgleich mir manchmal der Tod bitter schon angeschaut, dennoch mit Gottes Hülfe gut davon gekommen, so danke und hoffe ich wird derselbe Gott der mich bis hieher gelotst hat auch ferner führen.

Sollte indes mir ein tödliche Stück aus dieser Welt forthohlen und dieses Buch in Eure Hände kommen so bewarht es als das letzte Andenken von mir. Ich habe mein neben Mann die Adrß. gegeben, und er mir die seinige, die hinten in der Lasche steckt, Challiol ist sein Name, der wird wenn irgend möglich Sorge tragen.

10. Novemb.

Ay ein sehr gutes Quartir, hier sah ich den ersten Ofen, einen Kanonenofen, denn bis hieher hatten die Leute nur Camine vom Gutsbesitzer bis zum Bettler, die Leute sehr zuvorkommend.

11. Novemb.

Um 12 Uhr geht es weiter und zwar nur 1 ¼ Stunde weit nach Bletange [Blettange]. Das Quatir war nicht so sehr einladend, jedoch die Frau (La Fam) spricht deutsch, das man sich der doch kund geben kann. Ich muß aber fast ¼ Stunde weit gehen ganz allein, um Befehle zu empfangen jedoch das schadet ebenso viel nicht wenn die Befehle nur immer zur rechten Zeit dawären, indes man muß manchmal Stundenlang warten.

Den 12. Novb. 1870.

Noch in Bletange [Blettange]. Das Wetter hatt sich statt Frost wieder in Wind u. Regen verwandelt. Der Tag ist ohne das auch nur das Geringste vorgefallen vergangen, heute Abend jedoch mußte ich zum Befehlempfang um 8 Uhr in Bousse sein, und kehrte erst um halb 3 Uhr heim, da der Befehl so spät kam.

Den 13. Novb.

Abmarsch von Bletange [Blettange] 8 ½ Uhr nach Illange. Ankunft daselbst 11 Uhr.

Wetter gelinder Frost. Die Compagnie kam auf Vorposten, der Feldwebel ich pp. blieben daselbst in Quartir, nach Immeldange mußte täglich 3 Mal zum Büreaux jedoch mit den Schreiber der 7. Comp. Der Ort war fast ¾ Std. rückwärts. Merklich ist es das bei Metz alle Orte ly endeten, hier vor Thionville alle auf ange.

Den 14. Novb.

In Illange. Wetter gelinder Frost. Heute hörte den 1. Kanonenschuß v. Thionville sonst nichts neues.

Den 15. Novemb.

Wetter ruhig und gut. Wir marschir. nach Imeldange.

16. Novemb.

Wetter ruhig und gut noch in Imeldange. Das Quatir sehr gut, schlafen auf Strohsack.

17. Novb.

Wetter ziehmlich gut, noch in Imeldange. Kanonendonner hört man z.Z. Rollen.

18. Novb.

Wetter ziehmlich gut noch in Imeldange wie oben.

19. Novb.

Wetter sehr gut noch in Imeldange, soeben kehrte ich von Illange zurück, woselbst ich Befehle empfangen habe, ich ging so ruhig meinen Weg und sah wie ein Stern nach dem andern sich entwickelte auch den großen Himmelswagen sah ich, der Gedanke an Dich mein Theurer Wilhelm in der ferne überraschte mich und dachte ich ob Dein treuen Augen auch wohl oft an den schönen Punkt hängten wie du mir gesagt, auf der Chausee nach Eikeloh [Eickeloh]. Herr Gottvater führe mich bald wieder hin nach der süßen Heimat darum bitte ich Dich, Amen.

d. 20. November

Imeldange. Warten bis 21. wo in des bis dahin nicht das geringste vorfiel.

Den 21. Novembre.

Heute nichts vorgefallen.

d. 22 Novbr.

Bombardement von Thyonville [Thioville], 96 Geschütze waren von uns aufgefahren und kehrten unaufhörlich in die Festung, ein sehr _________

d. 23 Novb.

Dasselbe dauert fort. Meine hie gehabten Erlebnisse halte ich am

d. 24. Novb.

Halb 10 Uhr steckte die Festen die Fahne aus um 2 Uhr Nachts wurde die Capitulation bekannt gemacht. Das 1te mal in ein Bett geschlafen.

d. 25.

Heute 12 Uhr musten die Franzosen vor uns die Waffen abgeben.

d. 26. N.

in Ilange.

Den 2. Decber 70.

[?] [?]. Marsch über Thyonville [Thioville] nach Elange

Den 5 Decbr.

Über Hayange nach St. Suplett [Saint-Supplet] von morgens 7 bis Abends 8 Uhr. Der marsch sehr anstrengend hinter der Bagage Schnee 4“ hoch.

Den 6 Decb.

nach Grd. Faily [Grand-Failly].

Den 7. December

nach Remoiville

Den 8. Decemb.

nach Quincy [Quincy-Landzécourt] Quartir bei Schulmeist. 2 wunderschöne Töchter.

Den 9. Dcber.

Die Compagnie zieht nach Viguet.

 

Andenken an Quincy [Quincy-Landzécourt]

Ernestine Busson

Iustine

Quincy [Quincy-Landzécourt]

D. Blanke.

—–

Den 12. Decb.

begann das [?]

Den 13. Decb.

Abmarsch von dem [?] Quince [Quincy-Landzécourt]  abend 10 ½ Uhr nach Luppé [Louppy-sur-Loison].

Luppy [Louppy-sur-Loison] d. 14. Decb.

Ankunft hieselbst Nachts 1 Uhr nachmittags 3 17“ Uhr Abmarsch nach Balan [Baâlon], Montmedy [Montmédy] hab auf heute [Capihatel?] ankunft hieselbst 8 Uhr

Balon [Baâlon] d. 15. Decbr.

Algemeiner Ruhe. Ablon den 16. Decb.

Marsch über Stenay, Martincourt nach Inor.

Inor d. 17. Decb.

Marsch von halb 7 Uhr bis 4 Uhr über Moulins, Mouzon, Douzy, Barzeilles [Bazeilles], letzteres ist die Stadt welche von den Bayern in Brand gesteckt ist, weil die Einwohner auf dieselben geschoßen haben und jetzt noch eine Ruine zunennen, auch sah man deutlich wie die Gewehrkugel an den Häusern geschlagen waren,, rechts u. lings von der Chausee, Gräber gefallener Helden. Dann trafen da[s] Städtchen Balan [Baâlon], wo auch noch Spuren des Gefechtes zu sehen. Danach kamen in das berühmte Sedan.

Sedan d. 18. Decb.

Marsch über Flieze [Flize] nach Boutancourt, hinter Sedan sah man mehrfach Gräber, auch kamen an dem Schloß Bellevue vorbei, wo Napol. den Degen abgegeben, sahn auf die Berge wo unsre Geschütz sind aufgepflanst [?].

Boutancourt d. 19. Decb.

Marsch über Flieser [Flize] morgens 3 ½ Uhr nach Les Ayvelles Ankunft 6 Uhr, mußten aber auf die Straße bis 9 Uhr stehen da die 19 ner die Quartiere noch nicht geräumt hatten. Quartir ziehmlich gut.

Les Ayvelles d. 20. Decb. 1870

heute maschirten über Franchwill [La Francheville], wo wir 2 ¼ Stunde auf die 5 & 8 Compagnie warteten, aber vergeblich, da dieselben waren schon fort, hinter der Bagage ein schnecken u. trauer Marsch ist es zu einen denn hinter Francheville [La Francheville] mußten einen Berg erklimmen der über 2 Stunden Zeitverlust ging, 8 Pferde vor 1 Wagen und doch konnten dieselben keinen der wagen das machte der Lehm der über 2 Fuß tief war, um 4 Uhr kamen in St. Marceu [Saint-Marceau] an, um 7 Uhr Abmarsch nach Clavy wo wir dann auch um 10 Uhr ein ganz anständiges Quartir bezogen.

Clavy, d. 21. Decembr.

Dieser Tag war ein Ruhetag und sieht auch nichts besonderes vor. Nur die Nachricht wurde uns theil das wir am morgen der Lage einen Streifzug gegen Franktireur machen sollten und wirklich es geschah darum schritt auch zum Bef.

Clavy den 22. Decb.

Um 1 Uhr Nachts wurde aufgebrochen, hinter Clavy wurde geladen und marschirten Bergauf Bergab durch Wald und herein nach Les Schatle [Le Châtelet-sur-Sormonne] wo nach 1 Stunde gesund und wurde daraus sagten das in Rimonge gestern noch 2 Wachen von Franktireur gewesen sind sofort in die Stadt [?] die 6. Comp. war als Bedeckung der Attl. die 5.7.8. waren die Schützenzüge so wie auch die der 6. Comp. waren ausgeschwärmt, und bekamen die [?] die rechts nach [?] und waren Feuer auch wurde 1 Mann schwer verwundet, unser Standpunkt war [?] auf einen Berg wo wir immer mitten in die Stadt sahen konnte unsere Attl. feuerte sofort in die Stadt genau sah man die Wirkung der Granaten, nach ungefähr 1 Stunde Gefecht wurde avansirt und in einen nu rückten wir und waren mitten in die Stadt 4 Häuser waren in Brand geschoßen 3 angezündet und ca. 500 Frankt. gefangen genommen. Ich habe 17 Schuß gethan nach dem die Stadt genommen wurde durch maschirt und [?] Requarirt [?] maschirte noch bis Tournes wo wir um 2 Uhr ankamen und ein ziehmlich gut Quatir erhielten.

Tournes d. 23.

Der Tag verlief ruhig. Befinden schlecht. Abends 7 Uhr Abmarsch um auf Replic zu ziehen, ich ging um 8 Uhr mit den Befehl nach. Jedoch campirten nicht unter freien Himmel sondern in einer Scheune, auf empfing einen Brief von heiß geliebten W. der mir manches über einen [?] schreiben [?] ich bin unschuldig.

Replic d. 24. Debc.

Ohne große [?] löste die 4. Comp. uns um 1 Uhr Mittags ab und traten um 2 Uhr in Houldezy [Houldizy] an, heute abend wird uns für morgen, also am 1. Weihnachtstag eine traurige Aufgabe gestellt, Gott sei mir so wie allen Gnädig. Welch ein Unterschied zwischen Weihnachten 69 und 70. Wie mögen die Gedanken sein in H. u. B. Allmächtiger lasse mich bald dahin.

d. 25. Decebr

also am 1. Weihnachtstag, heute Nacht habe ziehmlich gut geschlafen, aber es ist sehr kalt, und doch stehen wir zum Gefecht bereit, sollte heute meinem Leben ein Ende gemacht werden, in den Schutze des Almächtigen habe ich liebster Wilh. sowie Euch ihr lieben Eltern, Schwester u. Brüder empfohlen.

Nachdem das Tagewerk vollbracht ergreife ich dieses Buch um es wiederum mit einem Jammerbild zu versehen.

Heute morgen 6 Uhr standen zum Abmarsch in Houldezy [Houldizy], von da ging es über Doumouzy [Damouzy] links auf einer Höhe Etion [Étion]. Sogleich fuhr unsre Feldartillerie grade vor uns auf und feuerte in Bel-air, wir bekommen, d.h. Führbo. und 3. Comp. v. 2. Btl. denn das 1. Btl war in der seiten Richtung von Bel-Air abgerückt auch ca. 9 Ctr. Granaten doch ohne zu schaden. Danach maschirten zu nächst in aufgelöster Schützenlinie dem 1. Batl. nach, die Führbo. zogen nach rechts in der Richtung v. Wark [Warcq] wir bekamen auch bald in unsern rechten Flanken Feuer, eroberten das Schloß Bel-Air und behaupteten es auch blieben drinnen gleich als Replic der Feldwache, Feldwache selbst wurde im [?] Bel-Air gestellt, mehre Granatenschüße bekamen wir noch doch ohne zu schaden um 2 Uhr ging als Begleitung mit dem Herrn Mayor Bresler nach Etion [Étion] um auch zugleich auf Befehle mit zurück zubringen um 9 ½ Uhr kam in Bel-Air wieder an, wohlbehalten. Das war der erste Weihnachtstag.

Den 26. Decb.

Im Schloß Bel-air bis um hal[b] 4 Nachmittag blieb alles ruhig, dann weckten uns mehre Granatschüße die dicht neben uns einschlugen und das Gefecht nahm seinen Anfang aufs neue 2 mal wurde aus dem Dorfe geschlagen 2 mal war es genommen und um 7 Uhr hatten wir vollkommen unsre vorige Stellung wieder verhältnismäßig wenig Verlust.

Am ersten Tag war unsre Speise gefrorenes troken Brod, heute haben noch Kartoffelbrei von gefrorenen Kartoffel gehabt. Das war der 2. Weihnachtstag.

Den 27. Decb.

Bel-Air um 7 Uhr morgens wurde abgelöst und maschirten nach Tournes wo wir um 12 Uhr ankamen der Tag verlief ruhig.

Tournes 28. Decb.

Bei uns alles ruhig waren, jedoch hörte man mehre Schüße auch schrieb heute einen Brief an H.

Den 28. Decb. 1870.

Tournes. Heute morgen 3 ½ Uhr standen wieder zum Weitermarsch, d.h. um auf Vorposten zu ziehen u. zwar nach Belair um 7 Uhr hatten abgelöst und helle wurde es auch um sich unseren Standpunkt anzusehen aber welch Erstaunen 200 Schritt vor uns in gedeckter Stellung, das heißt in einem Hause, war der Feind und sandten uns recht anständig blaue Bohnen, dieselben schoßen bis Abend ohne jemand zu verwunden unsrer seits fielen 4 Schuß die Nacht ruhig.

Vorposten Bel-air

Den 29. Decb.

Bei Beginn des Tages beginnt auch das unkluge Schießen der Franzosen mit wenig Abbrechung dauert es fort, um 6 Uhr Abends, wir werden abgelöst, und maschiren wieder nach Tournes wo wir um 10 Uhr Abends ankamen.

Tournes de. 30. Decb.

Noch immer kalt, heute morgen noch etwas Schnee heute alles ruhig.

Tournes d. 31. Decb.

Heute morgen Frost um 7 ½ Uhr beginnt das Bombardement auf Mesieres [Mézières]. Um 6 Uhr  waren 2 Comp. nach Scharlovill [Charleville] vorgerückt und nach dem dieselben Feuer bekamen wurde auf Scharlovill [Charleville] bombardirt, auf unsre Seite waren und Feldartillerie aufgepflanzt, vis à vis, aber die Schweren mit den 3 Schuß sah man das Feuer in Mesiere [Mézières] aufsteigen, in der Nacht von 12 bis 1 Uhr, Übergang vom alten zum neuen Jahr, wurde Schnellfeuier gegeben, dieses war kein Schießen mehr sondern nur ein Gebrüll.

Ende 1870.

Tournes den 1. Jan. 1871

Prosit Neujahr, Ihr Geliebten alle in der Heimath, o lieber Wilhelm könnt ich bei dir sein.

Heute um 10 ¼ Uhr morgens hörte das Bombardement auf, man spricht von Unterhandlungen, um 11 ½ Uhr man sagt das Meszieres [Mézières] capitulirt hat. 3 ½ Nachmittags wir maschiren nach Bel-air um das Replic zu besetzen, die Capitulation muß doch gegründet sein denn die Artillerie will die Geschütze fort haben, 6 ½ Uhr Abends angekommen im Schloß Bel-air so recht sieht man von hier das Flammenmehr in Mezieres [Mézières] u. Scharlovill [Charleville].

Bel-air den 2. Jan. 1871.

Heute morgen 6 Uhr rückten 5.7.8. Compagnien nach Scharlovil [Charleville] ab, wir musten hier zur Deckung des Rückens bleiben, in dem wir eine andere Front annehmen, Franktours sollen nämlich in den Walde hinter uns sein. Morgens 8 Uhr Fähnrich Krause nahm 20 Mann woran auch ich mich Schloß um Franktours zu fangen auch nahmen wir 43 Mann gefangen ohne verluste unserseits, 3 Franktr. hatten wir angeschoßen und kamen um 4 Uhr Nachmittags wieder in Bel air an.

Bel air d. 3. Jan.

Wir rückten in Quartir. Der Tag verlief ruhig, es bestätigte sich das Mezieres [Mézières] capitulirt hat.

Bell air 4. Jan.

Um 12 ½ Uhr werden abgelöst und maschirten nach Charloville [Charleville], sonst alles ruhig.

Charloville [Charleville] d. 5. Jan.

Der heutige Tag war voller Mühe. Morgens 1 Uhr maschirten über __________ nach Gr. ____________ ½ Stunde von Roeray wo unser Zug auf Vorposten. Tag um 1 ½ Uhr begann das Bombardement mit Feldgeschützen, obgleich es neblich war, gelang es dannach der Artillerie die Festung auf mehren Stellen in Brand zu schießen, um 5 Uhr capitulirte die Festung wir zogen dannach erfreut zu Hause, 2 ½ Uhr schlug die Uhr von Charloville [Charleville] [als] wir wieder eintrafen also 26 ½ Stunden auf den Beinen todtmüde kamen wir in unser, in der Nacht verlassenen Gut an, noch hab ich vergessen zu bemerken, das wir von Dorfe ______________ zurück gerufen wurden nach _______________ da wir vollkommen mit Granaten überschattet wurden kein Wort konnte man verstehen denn es war ein fortwärendes Gefühl der Granaten über uns, so etwas habe [ich] noch nie erlebt, Gott bewahre mich hier das 2 mal.

Lieber Wilhelm konnte ich bei dir sein, wie ruhig vergeht der Tag Euch und wir sind als Vieh täglich dem Tode ausgesetzt, ereilte er mich doch bald.

Charlovill [Charleville] d. 6. Jan.

Müde, matt und kaputte Füße von gestern, schlecht geschlafen weil ich zu übermüdet war, heute alles ruhig.

Charloville [Charleville] d. 7. Jan.

Allem Anschein nach kommen wir nach Paris, doch nicht, wir müssen nach Chattilon sur Seine [Châtillon-sur-Seine], gegen Garibaldy, der Allmächtige Gott der mich bisher geleitet rufe ich an mich ferner zu behüten und mich bald wieder in den Armen meines Wilhelms zurückführen.

Den 8. Jan.

Charloville [Charleville], alles ruhig.

Den 9. Ja.

Charloville [Charleville] alles ruhig und eisig kalt.

Den 10. Januar

Charloville [Charleville] um 6 Uhr morgens rückten aus über Lafronschville [La Francheville] nach Boulcecourt [Boulzicourt] wo wir auf die Bahn kommen um ___ Uhr Abfahrt über Rethel durch einen ziehmlich langen Tunnel nach Reims wo es Boulan u. Fbf. gab. Um 3 fuhren von Reims über ____________ nach Chamont [Chaumont] wo wir um 7 Uhr Morgens ankamen hier gab es verbrannte Erbsen und ein kleines Stück Speck, glü[ck]licher Weise erwischte noch 1 Glaß Glühwein um 8 Uhr am 11. Januar fuhren weiter über __________ nach Veuxhaules [Veuxhaulles-sur-Aube] wo wir um 1 Uhr ankamen nach Boudreville Ankunft 2 ½ Uhr NMitt.

Boudreville d. 12. Jan.

Heute Nacht nur zeitlich geschlafen, weil zu kalt, und zu müde war, der Tag verlief ruhig. Abends 6 Uhr, soeben kömmt der Befehl, das wir wieder maschiren sollen, u.z. nach Dancevoire [Dancevoir], flöthe frei weg maschirten durch obigen Ort, und wiederum befinden uns in einer Mühle auf Vorposten, ich habe dann auch das Glück auf Posten zu stehen u.z. 4 lange Stunden hinter einander.

Vorposten d. 13. Jan.

Die Nacht verlief ruhig um 10 Uhr wurde in den vor uns liegenden Dorfe ________ 1 Kuh, Brodt u. Wein requirirt, dieses alles wurde sofort vertheilt und jeder trug sein Fleisch im Kochgeschirr fort, erwartete mit Sehnsucht die Ablösung, um sich dann eine Suppe zubereiten zu können.

Um 2 Uhr wurden abgelöst und maschirten weiter so das wir um 3 ¼ in unsern Orte Dancevoire [Dancevoir], um 4 Uhr bezogen dann endlich die Quartire. Sofort wurde die Suppe resp. Fleisch zum Braten aufs Feuer gebracht, jedoch essen sollten wir nichts, denn um 5 Uhr musten schon wieder fort und maschirten nach Aubepiere [Aubepierre-sur-Aube] wo wir um 6 ½ Uhr ankamen. Dank unsern dummen Fourirer, denn erst um 9 Uhr konnten erst Quartire beziehen um 12 Uhr nachts muste ich zum Batl. Büreau um Befehle zu empfangen jedoch der Befehl ließ lange auf sich warten. Dan 6 ½ Uhr morgens kam der Befehl.

Aubepiere [Aubepierre-sur-Aube] d. 14. Jan.

Was der Befehl in sich hat, wird nachstehend. lehren, denn um 10 ½ Uhr muste das Batl. (eigen[t]lich die Divs.) zum weitermarsch stehen. Der König habe im Befehl gesagt das unsere Aufgabe eine sehr schwere sei. Gott sei mit uns. Wir maschirten über Arc-en-bois [Arc-en-Barrois] durch Berg und Thäler bis wir links ein Dorf trafen dieses war aber mit ca. 50 Mann Mobil-Garde besetzt, welche sich sofort verzogen, wie sie uns erblickten mit noch einigen Unterbrechungen maschirten wir vorwärts bis gegen 7 Uhr Abends, unsre Compag. sollte im Dorfe Marac die Feldwache beziehen. Das Dörfchen sollte noch mit ca. 40 Mann besetzt sein. Ein dichter Nebel umschwebte uns und so marschirten ohne Ahnung von irgend etwas forwärts bis ca. 20 Schritt vor das Dorf, welches wir aber nicht bemerkt haben bis uns dann mehre Salben [Salven] entgegenflogen. Der Schrecken war kein kleiner. Mit Sturm wurde das Dorf gesäubert und 4 Gefang. und 1 Fahne wurde erobert jedoch wie wir nach Beendigung des Gefechts um 1 Uhr Nachts uns betrachteten, beklagten leider

1 Vicefeldwebel Ramler

1 Unteroffizier Rölle

1 Gemeiner

als Tode 4 Mann Verwundet, und hatte unsre Compag. gegen 1. Batail. Garde-Mobil gekämpft, wir zogen auf Replic, und verblieb alles die Nacht über ruhig.

Maro [Marac] den 15. Jan.

Um 7 Uhr maschirten weiter über mehre Dörfer nach Courcelles [Courcelles-en-Montagne] ohne auf den Feindt zu stoßen, jedoch das Quat. war sehr überfüllt, des nachts um 1 ½ Uhr kam leider erst vom Büreau, bekam also wieder wenig oder gar kein Schlaf.

Courcell [Courcelles-en-Montagne] d. 16. Jan.

Abmarsch um 7 Uhr maschirten direct auf eine vor Langres liegende Schanze zu bis in der Nähe von ca. 4000 Schritt davor so wurde halt gemacht, wir erschreken aufs heftigste, aber es schien als ob der Feindt keine Kanonen hat, denn nachdem wir fast ¾ Stunden wie auf einen Teller gestanden fiel endtlich 1 Schuß wir zogen uns zurük verschiedene Schüße sandten sie uns noch nach jedoch ohne zu schaden, nur das der Feindt unsre Bagage angriff und einige Mann verwundet wurden sonst gelangten ruhig um 3 Uhr Nachmittg. in Noidant-Chatonois [Noidant-Chatenoy] um 7 Uhr muste zum Befehlsempfang nach Cohan kehrte leider am andern morgen 7 Uhr nach Noidant-Chatonois [Noidant-Chatenoy] zurück, also wiederum nicht geschlafen.

Noidant-Chatonois [Noidant-Chatenoy] d. 17. Jan.

Um 10 Uhr ging es weiter nach Torsney [Torcenay], wo wir um 2 ½ Uhr eintrafen, woselbst 9 Gefangene, ohne Verluste, gemacht wurden. Heute Abend muste ein anderer für mich zum Befehlsempfang.

Torsnay [Torcenay], d. 18. Januar

Abmarsch von hier um 7 ½ Uhr, ohne Caffee ging es weiter ohne auf den Feind zu stoßen nach Genevrieres [Genevrières] wo wir um 2 Uhr ohne Schaden ankamen, durch die Orten wo wir kamen waren die Feinde erst vor einigen Stunden geflohen höchstwarscheinlich stoßen wir bald auf denselben. Gott sei uns gnädig. Generieres [Genevrières] d. 19. Jan. 1871.

Abmarsch von hier morgens 8 ½ Uhr nach St. Fauntayn. Ankunft daselbst Abends 9 ½ Uhr, hieselbst wurde Qtir in 2 ärmlichen Wohnungen genommen heute hatten nur noch wenig Brod gehabt doch das Elend sollte noch größer werden denn hier fanden nur 1 Brod vor, Caffe war auch alle geworden. Nur den hunger stillen endlich fand sich noch 1 Sack mit Mehl, sofort wurde Mehlbrei und Klöze zum Abend u. morgentisch gemacht. Volon 20 Sze.

St. Fauntain d. 20. Jan.

Hungrich und durstig ging es morgens um 9 ¼ Uhr weiter welch ein Leiden, Stiefel sind das Sohlen entzwei, die Füße sind dick u. angeschwollen, der Magen leer, Wann wird dieses jämmerliche Leben aufhören, Gott der Herr gebe doch bald den Frieden. Unter vielen Schmerzen gelangten endlich Abends in Chambonnnay [Champtonnay] um 7 Uhr an, endlich! endlich giebt es etwas für den hungrh. Magen. Aber die Füße. Auch hatten wir Gefechtsstellung eingenommen, und erwarteten den Angriff.

Chambonnay [Champtonnay] d. 22. Jan.

Heute hatten doch mal einen Ruhetag, doch muste ich obgleich ich so schlechte Füße hatte zum Battl.-Büreau um 1 Uhr Mittags kehrte um halb 9 Uhr Abends zurück.

Chambonnay [Champtonnay] d. 23. Jan.

Abmarsch 8 Uhr morgens ohne auf den Feind zu stoßen gelangten in Boismury [Boismurie] um 2 ½ Uhr nachmittags an, um 4 Uhr hörten aus nicht ganz weiter Endtfernung den Donner der Kanonen indes es blieb alles ruhig um 7 ½ Uhr verstärkt der Donner, wir sind indes nicht in Bouismury [Boismurie] sondern in Pouillyfrançais [Pouilley-Français]

Pouillyfrançais [Pouilley-Français] d. 24. Jan.

Abmarsch von hier um 6 Uhr morgens über St. Vit nach den Doubs, eine ½ Stunde hinter St. Vit wurden in eine Pionier-Fähre übergesetzt wir langten alle wohlbehalten auf den diesseitigen Ufer an und kamen um 1 Uhr in Salons [Salans] an.

Noch zu bemerken am 19.1. passirten 6 Schiffbrücke der Sannes.

Der Tag verlief ruhig auch schlief ich diese Nacht in ein Bett.

Salons [Salans] den 25. Jan.

Abmarsch von hier um 8 ½ Uhr über Fresans [Fraisans], wo wir mit Musik durchmaschirten dann wieder über eine Pontonbrücke über den Doubs nach Dampiere [Dampierre] wo wir 10 ½ Uhr morgens ankamen.

Dampiere [Dampierre] den 26. Jan.

Heute Ruhe. Des Nachts z. Befehlsempf.

Dampiere [Dampierre] d. 27. Jan.

Abmarsch von hier über den Doubs, (Schwebebrücke) nach Fresan [Fraisans] weiter über die ___________ nach Porry [Paroy] wo wir um 11 ½ Nachts ankamen muste ich daselbst bleiben um Befehle zu erwarten, die Comp. maschirte weiter nach Chay. um 6 ½ Morgens kam der Befehl um 7 ¼ Uhr kam ich in Chay an.

Chay den 28. Jan.

Abmarsch 8 Uhr morgens nach Pouitvillers wo Rondesvous war, wir sollten den Feindt aus 3 Dörfer vertreiben indes maschirten durch herliche Berge, Klippen und Ansichten waren herlich, leider wurden schließlich zu müde denn allenhalben lag hier noch Schnee wir machten schließlich noch ziehmlich Gefangen ohne einen Schuß abzuschießen, matt u. müde kamen wir um 6 Uhr Abds. in Desert-Villers [Déservillers] 29 Jan.

Abmarsch um 9 Uhr vor dem Dorfe sammelte sich die Division, um 12 Uhr maschirten von dort ab durch den Schnee, denn von Chay ab haben wir in den Bergen maschirt wo Schnee bis ½-¾ Fuß hoch lag. Ohne auf etwas Feindliches zu stoßen gelangten äußerst Matt und Müde bis ungefähr 4000 Schritt vor Chaffois an wo wir als denn wieder mit Feuer empfangen wurden nach einer 2 ½ – 3 Stündigen harten Treffen gelang es uns an das Dorf zu kommen. Mitten im Sturm hörten mit einen mal das Waffenstillstand sei, Gefangene wurden sofort endtlassen unserseits wurden 4 Geschütze ca. 1500 Mann gefangen genommen. Wir bezogen für die Comp. 3 Häuser. Diese Freude als der Wassernstillst. groß war läßt sich denken.

Chaffois d. 30. Jan. 1871.

Heute soll eine Ortsveränderung stattfinden jedoch eben unterwegs so kam denn das Paris capitulirt indes für die Süd-Armee noch nichts beschlossen sei, wir kehrten in den alten Quatiren zurück unser Vorposten können den Feindlichen mit Steinen schmeißen keiner weiß daraus klug zu werden.

Chaffois den 31. Januar

Es geht wieder weiter um 12 Uhr wird abmasch. Schnee vielen Stellen 2 Fuß hoch. Heute wurden uns vom Feinde 3 Dörfer willig geräumt und gelangten wohlbehalten um 3 Uhr in Vuillecin an.

Vuillecin d. 1. Febr.

Heute ordnen sich alle 3 Corps zum Angriff. Heute wird die Endtscheidg. sein um 9 Uhr Morgens nahmen Aufstellung angesichts des Feindes gegen Pontalvil [Pontarlier]. Unsre Divs. hatte die Reserve wir standen bis Abends 6 Uhr hörte indes den ganzen Tag heftige Kanonendonner und Gewehrfeuer. Der Erfolg blieb uns unbekannt, wir maschirt. nach Bannas [Bannans] wo wir um 7 ½ Uhr ankamen.

Bannas [Bannans], den 2. Febr.

Abmarsch von hier um 9 Uhr über Arbois. Dieses Städtchen liegt unmittelbar am Fuße eines hohen Berges und war es wirklich Prachtvoll wie wir fast rund um rum maschirten und dieses Städtchen zu unsern Füßen. Um 12 ½ Uhr kamen wir in Viellette [Villette-lès-Arbois] an, ½ Stunde von Arbois.

Villette den 5. Febr.

Heute Ruhetag. Nachmittags war ich nach Arbois.

Viellette d. 6 Febr.

Abmarsch von hier nach Ounans des 7. Febr.

Marsch nach Dole. Dieser Marsch war äußerst anstrengend, die Füße sind endzwei, o welch ein Leiden, kömmt dennoch nicht bald der erwünschte Frieden. Trotzt meiner großen Müdigkeit muß heute Nacht noch zum Befehlsempfang.

Dole den 8. Febr.

Abmarsch um 8 ½ Uhr. Ankunft in Esbarres. 4 Uhr.

Esbarres d. 9. Febr.

Abmarsch 9 Uhr. Ankunft 3 ½ in Ovillars [Auvillars-sur-Saône]

Ovillars [Auvillars-sur-Saône] 10. Febr.

Abmarsch um 9 Uhr. Ankunft in Comblanchien um 3 ½ Uhr.

Dieses ist so recht das Land des Weins rechts umlieg. Weinberge, hier ist der Wein vorzüglich gut.

Comblancien [Comblanchien] 11. Febr.

Ruhe für die Mannschaften. Doch ich mußte den ganzen Tag schreiben.

Comblancien [Comblanchien] d. 12. Febr.

Ruhe doch nicht für mich. Ich mußte nach Nuits [Nuits-Saint-Georges] um einzukaufen.

Comblanchien den 13. Febr.

Unsre Ruhe ist wider alle wir maschiren weiter. Abmarsch um 9 Uhr. Ankunft 5 ½ Uhr in Blingny [Bligny-sur-Ouche]. Wir wohnen beim Kaufmann.

Blingny [Bligny-sur-Ouche] den 14. Febr.

Abmarsch um 8 Uhr. Ankunft um 1 ½ Uhr in Maconge Heute Abend 8 ¼ Uhr wurde uns der Befehl das der Waffenstillstand auch für uns sei [gegeben].

Maconge

Alhier verlebten die Zeit des Waffenstillstandes auch war uns das Wetter recht günstig, denn es war wie im Frühling, je nahe der 19. Febr. heranrückte als Endtziel der Ruhe je gespannter war der Aufenth. Endtlich am 18.ten Abends kam der Befehl das derselbe bis zum 24. Mittags verlängert sei, auch der 24. kam und wieder Verlängerung bis 26. Mitternacht, um auf alle Fälle vorbereitet zu sein wurde unser seits am 26. die neue Vorpostenstellung eingenommen. Wir maschirten um 11 ½ Uhr vor Maconge ab und trafen um 3 ½ Uhr in Veilly an, wir nahmen Quatir beim Maire. Das Weib war ein richtiger Drache nichts hatte sie.

d. 27.

Ich schmeichelte ihr ein bischen ums Maul dafür bekam ich wie ich im Zimmer allein war 1 Glaß Wein, nun war sie aber verrathen, nachdem Fähnrich K. wieder gekommen erzälte ich den Vorfall, und sofort wurde nach gesucht, es fanden sich 9 ½ Brod 2 Fäßer Wein, Speck u. Schmalz. Der Abend brachte uns den Frieden. So wurde einer geblasen nachdem eine Fakelzug im Dorfe gemacht und den Compagnien Cheffs ein Ständchen gebracht. O Dank dem Herrn und seh ich Dich geliebten Wilhelm bald wieder.

d. 28. Febr.

Abmarsch nach Blingy [Bligny-sur-Ouche]

Oremaux

Nuits

Dijon

Selongcy

Epinal 19 März

Nancy d. 23. [?]

Abfahrt 6 ½ Uhr Morgens

Arrikurt 9 Uhr 10 Minuten

Saarburg 9 ¾ Uhr

Savern (Cabern) 10.20

Straßbourg 1 Uhr

Zug vergisst Münster, [Gallen?]

Kleve Bombardements

Abfahrt von hier 5.40.

Kehl Apenbeier [Appenweier] – N.

Rastadt

Carlsruhe 9 ½ Uhr Abds.

Abfahrt 12 Uhr 55 M.

Heidelberg

Darmstadt 5 U.

Frankfurt d. 7 Uhr

[Gott danken?]

Frankfurt Abfahrt 9 ½ U. M.

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Kriegstagebuch von Diedrich Blanke (21. Juli 1870 bis Ende März 1871)