Kriegstagebücher und Kriegserinnerungen

Texte und Kontexte

Kriegserinnerungen des Gefreiten Theodor Schalkamp beim Landwehr Infanterie Regiment 53 (1. August – 20. Oktober 1914)

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Theodor Schalkamp sen. (*21. September 1886-†1980) stammte aus Westkirchen im Kreis Warendorf. 1910 gründete Schalkamp, von Beruf Kaufmann, mit seiner Frau Elisabeth, geb. Kissmann eine Leder- und Lederwarenhandlung in Borbeck, damals Niederstr. 32. Theodor Schalkamp verstarb 1980, sein ältester Sohn Theodor jun., der auch in seinen Kriegserinnerungen erwähnt wird, folgte im 1982.

Theodor Schalkamp sen. war Gefreiter beim Landwehr Infanterie Regiment 53 in der 6. Kompagnie. Bereits am zweiten Mobilmachungstag (Montag, 02. August 1914) musste sich Schalkamp zum Militärdienst stellen. Zunächst war seine Einheit als Bahnwache im Ruhrgebiet eingeteilt. Ab dem 19. August 1914 war Schalkamp dann mit seiner Einheit am Einmarsch nach Belgien beteiligt. Besonders eindringlich und schrecklich ist seine Schilderung der Ereignisse in Löwen am 25. August 1914. Seine Einheit war an dem Abbrennen eines Löwen Stadtteils beteiligt. Auch wurden zahlreiche Belgier erschossen. Schalkamp schreibt hierzu:

Nach längerm Halt gings in die Quatiere, sofort gings ans Waschen den wir waren durch den Staub ganz schwarz geworden! Gerade im Begriff es uns gemütlich zumachen wurden wir alamiert und schon fielen hier und dort Schüsse in der Stadt. Es war gerade Dunkel geworden, sofort maschierten wir in der Richtung der Schüsse, Gewehr Schußbereit im Arm gings durch die Straßen, draußen tobte der Kampf, wir besetzten den Eingang der Stadt am Südausgang und warteten weitere Befehle, nach ungefähr einer Stunde rückten wir zum Bahnhoff ab und bald waren wir mitten im Feuer. Aus Kellerfenstern, aus den Dächern aus den Etagen schoß man auf uns, und schon begannen wir mit der Strafe ein großes erstes Geschäftsviertel wurde in Brand gesteckt es sah schrecklich aus. Doch weiter gings hier und da lagen Uniformen von unsern braven Kameraden umher wahrscheinlich waren sie tot oder verletzt vom roten Kreuz aufgelesen und in Sicherheit gebracht um uns pfeifen die Kugeln, am Bahnhoff angekommen machten wir halt, aus der Ferne hören wir schießen, bald aber auch wieder vor uns, das Viertel der Hotels am Bahnhoff war hell erleuchtet und anscheinend leer, doch auf einmal kracht es aus allen Ecken auf uns und wir nicht blöde, wir schossen daß die Steine nur so von oben fielen, das Hôtelviertel wird umstellt und die Trommel geschlagen, einmal -zweimal – dreimal, es kommen viele Frauen und Kinder heraus, sie werden fortgeführt, und sind gerettet, aber Männer kamen nur wenige heraus die aber herauskamen werden erschossen, schrecklich – Dann wird alles angesteckt und einige Stunden später ist alles ein Feuermeer, gar mancher hat hier seinen Tod gefunden, auf kurze Zeit ruhten wir aus von der Aufregung, Truppenweise werden die Männer erschossen und allmählich wird es still! Blutigroter Himmel zeigt das Strafgericht von Löwen, sie hatten es nicht anders gewollt! Mit dem 3ten Zuge etwa 50 Mann gehen wir hinaus in die blutigrote Nacht, um Verwundete zusuchen und überall stoßen wir auf tote Pferde, brennende Häuser – schaurig, traurig […].

Seine Einheit nach dem Marsch durch Belgien in den Raum Noyon verlegt, wo Schalkamp Zeuge und Beteiligter des beginnenden Grabenkrieges wurde. Der letzte Eintrag stammt vom 20. Oktober 1914. Darunter ist zu lesen:

Noyon d. 22. XI. 14.

Theo Schalkamp

Gefr. d. L. R. 53 VII. Korps

Schalkamp selbst betitelt seine Aufzeichnungen mit Kriegserinnerungen. Anscheinend hatte er diese Aufzeichnungen dann am 22. November 1914 beendet. Die nachfolgenden Seiten des Heftes blieben leer. Ob noch weitere Hefte mit Aufzeichnungen existiert haben, ist unbekannt.

Für biographische Informationen zu Theodor Schalkamp sen. danke ich dem Kultur-Historischen Verein Bombeck e.V.!

Erste Seite der Kriegserinnerungen von Theodor Schalkamp
Letzte Seite der Kriegserinnerungen von Theodor Schalkamp mit dem Datum 22.XI.14

Kriegserinnerungen von Theodor Schalkamp (1. August bis 20. Oktober 1914)

Der Krieg 1914

An einem heißen Julitag des Jahres 1914 gingen die Gerüchte um, von der Mobilmachung des Russischen Heeres und voller Spannung erwartet das gesamte Deutschland den Befehl Sr. Majestät zur Mobilmachung der gesamten bewaffneten Macht des großen Deutsche Vaterlandes. Endlich nach tagelangen langen Stunden traf in Borbeck die Mobilmachungs-Ordre ein!

Es war Samstagabend, gar bald fühlten sich die Straßen mit Menschen und bis spät in die Nacht dauerten die begeisterten Kundgebungen.

I. Tag

Schon in der Frühe des Sonntages strömten die Deutschen in großen Scharen zur Kirche zum stillen Gebet für sich selbst und für die Lieben die das Kaisers Befehl traf, einzustehen mit Blut für Deutschlands Ehre und Größe, auch ich ging mit meiner lieben Gattin zum Tisch des Herrn und beteten recht einig zum Lenker der Schlachten daß er mich beschützen möge und uns glücklich nach dem Krieg wieder vereinen möchte am heimatlichen Herd, bei unsern lieben Kindern! Noch manches Geschäftliche mußte erledigt werden und so rüstete man sich allgemein zum Abschied. Den Nachmittag besuchten wir zum letzten Male unsere Schwager und Schwägerin in Rellinghausen um Abschied zu nehmen; gar viele der Thränen haben wir des Abends im stillen Kämmerlein geweint, doch wir mußten uns schicken und setzten all unsere Hoffnung auf den Herrn und seiner Hl. Mutter.

II. Tag

Nach einer ruhigen Nacht brach er an der Tag der uns trennen sollte, wer weiß wie lange, man tröstet sich gegenseitig damit es könne nicht lange dauern, dies Menschenwerden und so brach gar bald die Stunde an wo wir uns zum letzten Mal herzen und küßen durften vor meinen Fortgang, den schon früh um 1030 vormittags mußte ich mich in Essen, Alfredstraße stellen so lautete mein Gestellungsbefehl! Meine liebe Gattin hatte sorgfältig meine Koffer gepackt und noch mancherlei schöne Sachen hinein gethan um mein Herz zuerfreuen und leichter zumachen! Noch ein letzter Kuß ein Blick in ihre schönen braunen Augen, ein Händedruck und fort riß es mir, das Schicksal weiß wie lange! Schweigend, die Zähne fest zusammen gebissen die Thränen fortgemacht bestieg ich die Elektr. Bahn und erreichte frühzeitig den Gestellungsplatz. Nachdem wir alle verlesen traten wir eine Gruppenkolonne bildend den Marsch z. Bahnhoff an, unterwegs stellte ich schon fest daß sich sehr viele Borbecker bei mir befanden z.T. sogar Bekannte. Von den Spalier bildenden Publikum stumm begrüßt welches mit Tränen in den Augen unsern Abmarsch sah und noch ein letztes Lebewohl und kehrt glücklich wieder, und fort gings nach Wesel zum einkleiden!

Nach langer Fahrt trafen wir endlich dort ein und erwarteten weitere Einteilungen ich wurde zur 6. Comp. Regt. 53 L.I.R geschrieben und erhielten als Quatier die höhere Töchterschule, wo wir uns auf Stroh so bequem machten als es ging! Geschlafen haben wir wohl wenig, aber an die Lieben gedacht um so mehr. Endlich brach der Tag an!

III. Tag

Es wurde angetreten und eingeteilt und schon gings am empfangen der Ausrüstung! Gegen Mittag war auch dies zum größten Teile erledigt ein jeder versuchte sich als Feldgrüner zu verkleiden! Am Abend fuhr ich zum Quatier nehmen nach Oberhausen, nachdem uns die freudige Nachricht zu teil geworden, daß wir bis zum 16./8 zum Schutze des Bahnnetzes im Industriebezirk bleiben würden!

Freudigen Herzens warteten wir 4 Stunden am Bahnhof in Wesel bis endlich 11 Uhr uns ein Zug nach O. brachte. Dort brauchten wir die Nacht bei den Eltern unseres Interesse zu und am andern Morgen gingen wir zu Fuß nach Lipperheidebaum.

4. Tag

In Dellwig meine l. Heimatsort so nah gelegenen Ort sollte ich Quatier machen, welche Freude da ich jetzt sicher war noch öfters die Lieben Daheim von Angesicht zu Angesicht sehn zu dürfen! Als Quatier wurde uns die Wirtschaft Göllner angewiesen, doch ein Beamter vom Bürgermeister-Amt klärt uns dahin auf daß wir auf der Höhe beim Wirt Tiefhaus in Quatier kömen, gesagt gethan und mit großer Freude wurden wir von Herrn Wirth empfangen und in kurzer Zeit war unser Quatier fertig und es gab für mich einen Augenblick Zeit, da unsere Compagnie noch nicht zu sehen war, wo ich es nicht wiederstehen konnte und mir ein Rad lieh und zu Hause fahren war das Werk einiger Minuten.

Die Freude kann sich jeder denken der ähnliches mit machen mußte! Nachdem ich mich tüchtig gestärkt hatte und meine Lieben geherzt und geküßt mußte ich fort zum Quatier ab [da] die Compagnie schon da war. Ich warte vergebens endlich trifft die Nachricht ein, Quatier ist bei Göllner und so mußte ich, wenn auch nicht gern wieder umziehen.

Die Wachen wurden eingeteilt und Posten ausgestellt. Ich blieb zurück z. Verfügung der Hauptwache und so hab ich dann jeden Morgen, jeden Abend den Posten Essen besorgen müssen, welches vom Quatiergeber gestellt wurde. Die ersten Male fuhr ich mit einer Lokomotive von einem Posten zum anderen und fuhr so daß erste Mal auf so ein Ding, wo ich, wenn der Krieg nicht ausgebrochen wäre, wohl in meinem Leben nicht drauf gekommen wäre. So vergingen denn die Tage vom 5.-8. August in fröhlichster Stimmung, auch an jeden Tage ging ich zu meinen Lieben und am – 9. August es war Sonntag besuchte mir meine liebe Frau und mein kl. Theo und freudig erregt nehmen wir Abschied bis Morgen.

10. August

Nachdem ich erwacht und den Wachen den Kaffee gerade bringen wollte erreicht mir eine traurige Botschaft mein Mieter Herr Riegel bringt mir das Attest des Artztes daß meine l. Frau gestern nach so munter war, plötzlich erkrankt sei! Da ich sofort Urlaub erhielt brachte mir die Straßenbahn an ihr Krankenlager, Gott [sei] Dank war es nicht so schlimm als ich mich vorgestellt und so bin ich dan bei ihr geblieben bis es wieder der Artzt erlaubte aufzustehen, so hatte ich dann die schönste Zeit um ein Geschäft gut auf zu passen, obwohl ich des Morgens früh, Mittags und Abends einige Stunden fort mußte, sorgend, daß die Wachen Essen bekamen, so war ich doch wieder schnell daheim.

Doch kaum hatte meine l. Frau die Tage überstanden als ein heftiges Unwohlsein und Fieber mich am

13. August

zu Bette warf und der Arzt eine starke Erkältung festgestellt hatte! Herr Feldwebel Kehsler, sehr besorgt um mich besuchte mich am selbigen Abend und war froh daß ich Aussicht hatte in einigen Tagen wieder hergestellt zu sein. Der sorgsamen Pflege meiner l. Gattin, gelang es dann auch mir in 3 Tagen wieder Dienstfähig herzustellen und so konnte ich am

16. August

meinen Dienst wieder versehen!

Da am Montag, den

17. August

der Abmarsch nach Oberhausen und von dort Fahrt nach Gelsenkirchen, nachdem ich herzlichst von meinen Lieben Abschied genommen so fuhren wir vergnügt den neuen Ziele entgegen! In Gelsenkirchen wurden wir mit 2 Compagnien in Kath. Gesellenhause einquatiert, es gab warme Erbsensuppe und Butterbrot nebst ein Stück Fhisch! Am Morgen des

18. August

standen wir schon früh auf da wir sehr schlecht geschlafen hatten tranken unsern Becher mit Kaffee nebst 2 Brötchen und fort gings zur Bahn unserm neuen Ziele Aachen entgegen! Überall wo nur immer der Zug hielt wurde uns von roten Kreuzdamen Butterbrote und Kaffee gereicht und bald waren wir in dem schönen Aachen angekommen. Nach kurzer Rast am Bahnhoff maschierten wir singend zur Stadt wo ich direkt neben dem alten ehrwürdigen Dom einquatiert wurde bei Geschwister ____________ in der Kleinmaschierstraße hatten herrliche Betten und wurden östlich bewirtet! Am andern Morgen den

19. August

war früher Abmarsch mußten deshalb schon früh aufstehen nachdem wir überreichlich gegessen hatten, erhielten wir von unsern lieben Quatierdamen noch jeder 2 Eier und Kuchen und Butterbrot eingepakt und fort gings mit den besten Wünschen auf glückliche Heimkehr. – Jetzt wendet sich das Bild aber schnell in 2 Stunden erreichten wir die feindliche belgische Grenze und hier und dort machten sich Anzeichen des Krieges bemerkbar, dort lag ein kaputer Wagen in Graben dort wieder ein Automobil. So kamen wir dann schon bald an zerschossenen Häusern ein Zeichen daß hier schon die Einwohner auf unser Heer geschossen hatten, viele waren verlassen, andre leer oder abgebrannt! Gegen Mittag kamen wir in Henry-Cappelle [Henri-Chapelle] ins Quatier in einem großen Gehöft in Ställe und Scheunen, da es sehr heiß war an diesem Tage waren wir froh uns tüchtig waschen zu können, was einen noch so langen Marsch besser thut als Essen oder trinken und so legten wir uns dann in der warmen Sonne wieder bis es Abend wurde wo wir unser Mittagessen einnahmen. Am andern Morgen

20. August

gings weiter ca. 18 km nach „Herve“ [Herve], unterwegs lagen tote Pferde, zerschossene Häuser und ganz abgebrannte Dörfer erinnerten uns an den Krieg so war daß Dorf Radike vollständig abgebrannt, unterwegs nahmen wir noch einige 20 Stück Kühe Schlachtvieh von den Weiden mit, wozu auch ich kommandiert wurde, der Besitzer bekam einen „Bon“ zahlbar nach Schluß des Krieges und Wohl oder Übel mußte er sein letztes Vieh hergeben. Doch es war in dieser Gegend an Vieh kein Mangel, da es hier nur Weiden und gar kein Ackerland gibt, so langten wir nach beschwerlichen Marsche mit unsern Viehtransport bald in Herve an, sogleich wurde abgekocht und gegessen und es schmeckte, als ein Festtagsbraten daheim! Auch Herve hatte schwer gelitten fast die Hälfte war abgebrannt und verlassen von den Einwohner; hier habe ich auch wieder Kühe melken gelernt war ich schon lange nicht mehr gethan hatte und die Milch schmeckte uns köstlich.Wir schliefen des Nachts bei unseren Kühen und rückten am

21. August

früh Morgens wieder ab nach Wandrey [Wandre] unweit Lüttich! Unsere Kühe, welche am ersten Tage nicht gerne mitgehen wollten, (ab und zu warfen sie uns im Chausseegraben oder versuchten ganz fortzulaufen) gingen heute schon viel besser und nicht lange dauerte es da leuchtete vor uns auf einem Hügel die deutsche Fahne es war was erste Forts vor Lüttich, hier lagen die Waffen und Anzüge aller Art der belgischen Truppen umher und große Massengräber erinnerten uns an die schweren Kämpfe welche hier von unserm tapferen 25+53 aktiven ausgefochten waren wie wir nachher hörten sollen von ihr allein 1200 vor Lüttich gefallen sein!

Ehre sei ihrem Andenken!

So langten wir dann am Nachmittage in Wandrey [Wandre] an. Wandrey [Wandre] ist eine größere Stadt an der Maaß und liegt tief im Thale, es war vom Kriege ganz verschont geblieben, ein Zeichen daß die Einwohner sich brav verhalten hatten!

Wir lieferten hier unser Vieh an die Etappen-Kommandantur ab und gingen wieder zur Kompagnie, in unserm Quatier hatten wir Halle, Belgien das Glück nach ein Bett zu finden, welches ich für mich belegte! Nach guten Schlafe gings am

22. August

weiter nach St. [?] wo wir nach langen Marsche über 30 km in ein Bauernscheune einquatiert wurden hier hörten wir die ersten Kanonen donnern aus der Ferne, es war bei Namur. Da heute Sonntag war, hofften wir Morgen einen Ruhetag zu haben, doch vergebens in der Frühe des Sonntags es war am

23. August

gings quer feldein nach St. Troud [Sint-Truiden] wo wir vollständig erschöpft gegen Mittag eintrafen! Unterwegs hörten wir das brüllen unserer Geschütze vor Namur und wir dachten schon bald an den Feind zu kommen, welches sich aber nicht erfüllte! In der Stadt St. Troud [Sint-Truiden] angekommen kamen wir in ein halbfertiges Haus zuliegen, da aber die Einwohner sehr freundlich waren suchte ich mich ein Quatier welches ich bald gefunden hatte. Bei einer Witwe mit 4 hüpschen Mädels im Alter von 15-22 Jahren wurde ich mit noch 3 Gefreiten aufgenommen als Freunde und wirklich die Leute waren gut, gaben uns zu essen und sorgten für uns so gut sie es nur vermochten, sogar unsere Stiefel welche noch nie geputzt waren, haben sie uns blitzeblank geputzt obwohl wir es nicht dulden wollten, auch zum Abendessen hatten sie alles war nur in ihren Kräften stand, aufgetischt sogar Bier und Obst und bis in später Nacht saßen wir in lautrer Sommernacht alle zusammen draußen und da die Leute holländisch sprachen konnte ich mich ganz nett verstehen mit ihnen! Sogar ihre eigenen Betten haben sie uns überlassen und selbst sich beholfen,so gut es ging. Zu Bett brachten sie uns alle und weil wir am 20./8 geimpft waren war mein Arm ganz dick angeschwollen, sofort sollte unsere liebenswürdige Wirtin eine Wundsalbe und die kl. Mädels haben mit zarter Hand mein wunden Arm gepudert, das steht besonders gut. Ein herrliches gut Nacht und wir schlafen wie im Himmelbett! Leider mußten wir schon früh am andern Tage am

24. Auguste

Abschiednehmen, nachdem wir ihr versprochen, falls wir zurück kamen ihr zu besuchen oder zu schreiben und die folgende Adresse notiert hatten ________________ gingen wir schweren Herzens von den guten Leuten fort, sie währen gern Deutsch sagten sie uns noch und ich glaube es ihnen gern, auch schenken sie uns jeder eine geweihte Medaille von Lurdes [Lourdes]! Noch ein Händedruck und fort gings! Bald kamen wir an eine gesprengte Brücke, ein Zeichen daß der Feind, er kurz abgezogen war und tathsächlich war er erst 2 Tage von hier fort! Wir kamen nach Gondelak wo wir zunächst ohne Quatier waren und uns auf einen Stoppelfelde einquatierten, auch zu essen hatten wir nichts und so mußten wir uns denn selbst was besorgen, indem wir auf die Bauernhöfe gingen, andere besorgten Wasser, welches sehr knapp war und Kartoffeln, welche man hier ab und zu schon wieder antraf in Ostbelgien gibts keine Kartoffeln, und so kochten wir uns Hühnersuppe welche, halb gar ganz gut schmeckte! Gegen Abend zogen wir eine halbe Stunde seitwärts auf einen Bauernhoff wo wir es uns im Stroh gemütlich machten! Hier gibt es viele weiße Eierpflaumen welche uns reichlich von Leuten gebracht wurden und sie schmeckten so herrlich! Nach ruhiger Nacht erwarteten wir am Morgen des

25. August

den Befehl zum Abmarsch. Da dieser nicht kam, schickte unser Compagnieführer eine Ordonnanz hin welche zu unserm Erstaunen die Meldung brachte Regiment ist schon abmarschiert Richtung Löwen! Da es sehr heiß war folgten wir um 9 Uhr nach! Gegen 3 Uhr etwa 1 Stunde vor Löwen stießen wir zu unserm Regiment und marschierten dann stolz in die schöne Stadt ein. Nach längerm Halt gings in die Quatiere, sofort gings ans Waschen den wir waren durch den Staub ganz schwarz geworden! Gerade im Begriff es uns gemütlich zumachen wurden wir alamiert und schon fielen hier und dort Schüsse in der Stadt. Es war gerade Dunkel geworden, sofort maschierten wir in der Richtung der Schüsse, Gewehr Schußbereit im Arm gings durch die Straßen, draußen tobte der Kampf, wir besetzten den Eingang der Stadt am Südausgang und warteten weitere Befehle, nach ungefähr einer Stunde rückten wir zum Bahnhoff ab und bald waren wir mitten im Feuer. Aus Kellerfenstern, aus den Dächern aus den Etagen schoß man auf uns, und schon begannen wir mit der Strafe ein großes erstes Geschäftsviertel wurde in Brand gesteckt es sah schrecklich aus. Doch weiter gings hier und da lagen Uniformen von unsern braven Kameraden umher wahrscheinlich waren sie tot oder verletzt vom roten Kreuz aufgelesen und in Sicherheit gebracht um uns pfeifen die Kugeln, am Bahnhoff angekommen machten wir halt, aus der Ferne hören wir schießen, bald aber auch wieder vor uns, das Viertel der Hotels am Bahnhoff war hell erleuchtet und anscheinend leer, doch auf einmal kracht es aus allen Ecken auf uns und wir nicht blöde, wir schossen daß die Steine nur so von oben fielen, das Hôtelviertel wird umstellt und die Trommel geschlagen, einmal -zweimal – dreimal, es kommen viele Frauen und Kinder heraus, sie werden fortgeführt, und sind gerettet, aber Männer kamen nur wenige heraus die aber herauskamen werden erschossen, schrecklich – Dann wird alles angesteckt und einige Stunden später ist alles ein Feuermeer, gar mancher hat hier seinen Tod gefunden, auf kurze Zeit ruhten wir aus von der Aufregung, Truppenweise werden die Männer erschossen und allmählich wird es still! Blutigroter Himmel zeigt das Strafgericht von Löwen, sie hatten es nicht anders gewollt! Mit dem 3ten Zuge etwa 50 Mann gehen wir hinaus in die blutigrote Nacht, um Verwundete zusuchen und überall stoßen wir auf tote Pferde, brennende Häuser – schaurig, traurig, doch weiter gehts draußen weit vor der Stadt soll unsere Divisionsbagage überfallen sein und tatsächlich sie hatte stark gelitten wir fanden sie und die freuten sich, jetzt Infanterie zu ihrem Schutz bei sich zu haben; jetzt machte sich auch der Hunger bemerkbar wir hatten seit 9 Uhr morgens fast nichts gehabt, wir bekamen von den Train Brot und Wein und bald schliefen wir, im Angesicht der brennenden Stadt auf bloßer Wiese den Schlaf der Gerechten! Gegen 5 Uhr wurden wir wach und da wir kalt waren steckten wir noch eine alte Scheune und eine herrliche Villa in Brand vorher hatten wir viele hundert Flaschen Wein darin gefunden da aber aus ihr geschossen war mußten sie bestraft werden.

26. August

Weiter gings mit leerem Magen nach Brüssel 25 km dort suchten wir unser Regiment fanden es nicht kamen dort gegen 6 Uhr Abends todtmüde an,wir quatierten uns in der Kaserne ein, und hofften essen zu können,aber wir hatten nichts und so gings mit leerem Magen auf Strohsäcke. Schlecht geschlafen. Morgens

27. August

ein Stück Brot und 1 Dose Fleischkonserve und weiter gings Richtung Antwerpen dort hatten unsere Truppen ein Gefecht, südlich von Mecheln doch als wir kamen waren die Engländer und Belgier schon laufen gegangen, und so machten wir in „Perk“ [Perk] halt und bezogen auf einem Acker Biwack.

Endlich konnten wir abkochen und uns satt essen, wir hatten also seit 3 Tagen fast nichts gehabt!

28. August

1. Ruhetag bis Mittags 2 Uhr und dann gings zur Bahnwache nach Nassechem [Nossegem] angeblich auf längere Zeit, doch kaum hatten wir Posten bezogen, kamen 36er Landsturmleute aus Hamburg und lösten uns ab und so zogen wir zum Bahnhoff in ein Wärterhäuschen wo wir die Nacht mit 10 Mann drin schliefen, auf der bloßen Erde!

29. August

Wache in Nassechem [Nossegem]!

30. August Sonntag

Großer Marsch sehr früh nach „Hall“ [Halle] über Brüssel nach Frankreich zu. In einer Schule auf Stroh geschlafen, aber zu essen gab es genug!

31. August

Marsch von Hall [Halle] nach Nass (unsere Kompagnie hatten wir in Perk am 27. wiedergefunden). Dritter Zug Straßenwache wegen Rufen von Schimpfwörtern. Ich blieb verschont davon und hatte ein schönes Quatier mit voller Verpflegung und „Bett“ seit langer Zeit mal wieder! Mit frischen Kräften gings am andern Tag weiter nach Mons.

1. September

Die ganze Nacht über donnerte unsere schweren Brummer vor Maubeuge die franz. Festung südöstlich Mons. Auch heute ist der Donner der schw. Geschütze deutlich zu hören. Frohes Mutes gings nach Mons, einer ziemlich großen belg. Grenzstadt. Dort wurden wir in der Jägerkaserne einquatiert. Verpflegung mußte die Stadt stellen war aber recht mäßig!

2. September

Abmarsch nach Je-Mappes [Jemeppe-sur-Sambre] von dort p. Bahn nach Frankreich. Der Bahnhoff war zerstört durch Feuer und Geschosse. Ein Zug mit Engländern und Franzosen ging nach Deutschland ab. Gegen 4 Uhr wurden wir verladen und fort gings nach Frankreich hinein und um 8 Uhr passierten wir die Grenze singend! Die Wacht am Rhein. Deutschland über Alles! Die Nacht blieben wir in Valenciennes, im Zuge geschlafen II. Kl.

3. September

Zurück gefahren bis „Bouchren“ [Bouchain] von dort nach Duai [Douai] maschiert. Eilmarsch. In Cirkus einquatiert.

4. September

I. Ruhetag.

5. September

Benzin, Mehl, Zucker, Korn requiriert in der Stadt und Umgebung! Große Mengen Pulver ins Wasser geworfen, Kanonen unbrauchbar gemacht. 10 Wagen mit Waffen aller Art nach Chambre [Cambrai] gebracht, von Duai [Douai] um ½ 6 Abends abgefahren als Begleitung und Bewachung der Waffen um 1 Uhr Nachts in Chambre [Cambrai] angekommen, in der Kürasier-Kaserne geschlafen.

6. September Sonntag

Zurück nach Duai [Douai], Ankunft 8 Uhr Abends. Entfernung 26 klm.

7. September

Marsch nach Henri de Court Quatier mit 12 Mann mit Verpflegung natürlich auf Stroh geschlafen!

8. September

Marsch nach Ba-Paume [Bapaume] Wache gehabt, stille Nacht. Nachricht erhalten vom Fall von Maubeuge 40000 Gefangene! Hurra!

9. September

Marsch nach Albert schöne Stadt!

10. September

Abmarsch nach Amien [Amiens]. Sehr heiß und weit, sehr müde. Quatier Artillerie-Kaserne. Ankunft spät Nachmittags. Viel Wein getrunken! Gut geschlafen.

11. September

10 Uhr Abmarsch nach Dunat Sur la Luce [Domart-sur-la-Luce], schreckliches Regenwetter durch und durch naß, aber voller Humor. Ohne Feuer ein Quatier. Naß geschlafen, naß abmaschiert am

12. September

nach Roye wo wir ermüdet gegen Mittag ankamen. Wir an englische Lagerstellen vorbei, es lagen noch halbe Pferde umher, wahrscheinlich waren dieselben verzehrt! Da heut Samstag hofften wir für Morgen einen Ruhetag zu haben, und richtig gingen wir ohne Parole für den nächsten Sonntagmorgen zur Ruhe. Gegen 5 Uhr am Morgen des

13. September weckte uns der Alarm auf und eine Stunde später marschierten wir in der Richtung Noyon etwa 24 km ab. Kurz nach dem Abmarsch erfahren wir, vor uns liege das 9. Korps im Gefecht und wir sollen miteingreifen, so zogen wir den mutig dem Kampf entgegen! Es wärte nicht lange das hörten wir schon Kanonendonner aus der Ferne und kurz vor Noyon machten wir längere Rast, dann maschierten wir weiter nach Süden, der Kanonendonner wurde immer lauter und ohn Rast gings vorwärts durch einen steilen Bergwald querfeldein, da gingen wir in Schlachtordnung oder Gefechtsstellung. Fast totmüde kamen wir nur langsam vorwärts es war auch sehr heiß, unsere Feldflaschen waren, ach, schon lange leer und nirgends gab es Wasser; so legten wir uns am Waldrand in eine Thalmulde nieder, bereit dem Feinde jeden Augenblick anzugreifen, doch hatte er uns kommen sehen und jetzt schlugen die Schrappnels bei uns ein, über neben und hinter uns, es waren die ersten in meinem Leben und eine Melodie sangen sie schaurig schön. In diesen Augenblick erhielten wir die schon längst erwartete eigne Artillerie Unterstützung. Im selben Augenblick hörte die feindliche Artillerie auf zu schießen denn unsere hatte seine Stellung erkannt und brannte ihm gründlich welche aufs Fell, unserer Rettung. Wir gingen jetzt zum Angriff über und warfen die Franzosen ins Dorf zurück! Unsere Verluste waren gering. Jetzt brach die Nacht herein, im Sturm nahmen die 55. welche rechts von uns standen das Dorf und es wurde allmählig ruhig! Wir hofften jetzt rückwärts ins Dorf im Quatier zukommen, doch vergebens; nach stundelangen umherziehen im Dunkel der Nacht 12 Uhr kamen wir in die Nähe eines großen verlassenen Gutes, es war aber schon von unseren andren Truppe belegt und da wir totmüde waren, dazu – ohne essen und trinken seit 5 Uhr auf die Beine, legten wir uns im Felde auf bloßer Erde hin und schlafen, aber ohne Wasser war es mir unmöglich einzuschlafen und so ging ich zum Gehöft um Wasser zu holen, aber nichts war mehr zu haben die Brunnen leer, aber in der Pferdetränke war noch etwas und begierig, wie feinstes Bier trank ichs herunter, Hafer und Häcksel wieder ausspuckend. So legte ich mich zu den anderen Kameraden und dankte Gott für mein Leben und empfahl mich dem Schutze unserer lieben Mutter Gottes.

13. September

In der Frühe weckte man und wir waren ganz naß vom Regen hatte es aber nicht gefühlt wir waren ja zu müde, und weiter gings, erst wollten wir abkochen im Felde da es aber unaufhörlich regnete gingen wir weiter rückwärts an eine Stunde in Dorf in ein Gehöft,es war eine wundervolle Geflügel-Züchterei, wo ich meine Freude dran hatte! Schnell wurde etwas gekocht, zuvor hatten wir die Wasserleitung fast leer getrunken und nach 2 Stunden gings schon wieder den Feind entgegen, kamen aber nicht ins Gefecht, sondern bezogen gegen Abend einen Bauernhoff wo wir im Stroh uns ausruhen wollten.

Kaum hatten wir abgelegt, als es auch schon wieder weiterging doch diesmal einen angenehmen Befehl, wir kamen zum Stabe der 18. Divisions auf ein Schloß als Wache. Hier waren wir wohl Wind und Regen ausgesetzt aber nicht so sehr dem feindlichen Feuer. So gingen wir früh in unser Zelt schlafen, zwar hatten wir etwas gegessen, viel gab es nicht das Meiste mußten wir uns stehlen gar manches Huhn hat hier zum letzten Mal gekräht.

15. September

Gegen 2 Uhr Morgens erfolgte plötzlich wie auf Kommando ein Angriff unserer Truppen und es setzte eine Kanonade ein als sollte die Welt untergehen weit und breit war der Himmel blutigrot, ab und zu schlugen auch feindliche Granaten in unserer Nähe ein. Gegen 5 Uhr verstummte das Feuer ganz. 6 Uhr setzte es wieder ein bis gegen Abend.

16. August [sic!]

Schloß Wache bei Vassens beim Stabe der 18. Division! Morgens 615 setzte das Gefecht wieder ein! Bis in die Nacht hinein!

17. September

Schloß Wache. Heftiger Artilleriekampf.

18. September

Schloß-Wache. Ab und zu schlagen Granaten ein ohne Schaden zu thun.

19. September

Schloß Wache. Der Kampf dauert unverändert an.

20. September

Abmarsch ins Gefecht, es war sehr nasses Wetter und bald gings im Sturm vor über uns pfeifen die Granaten aber vorwärts geth es fallen die ersten Kameraden, es stöhnen die Verletzten, bald haben wir einen Wald gestürmt, viele Franzosen bedecken das ganze Gelände, aber auch von uns ist so mancher geblieben im Felde der Ehre! Weiter gings hier und dort werden Gefangene gemacht, bald sind wir zu weit vorgekommen und jetzt beschießt uns auch unsere eigene Artillerie wir gingen schnell im Walde zurück, bald wieder vor bis Abend 10 Uhr, da verstummte das Gebrülle der Kanonen und die Kugeln pfeifen nicht mehr, nur noch das Schreien der Verw. dringte in die dunkle Nacht! Nachdem wir ca. 1 Stunde zurück gegangen sind kommen Feldküchen und bringen uns für heute daß erste Essen! Dann geths ans Schützengraben auswerfen und bald ist es Mitternacht.

21. September

Mein Geburtstag den ich im ganzen Leben nicht vergessen werde! Wir arbeiten weiter an unseren Gruben und totmüde bricht der Morgen langsam an, wir erwarten in unseren Höhlen, was da kommen soll! Der Feind hat uns bald entdeckt durch Flieger und um 11 Uhr sausten die Granaten in unsere Nähe. Aber aushalten mußten wir, es regnete tüchtig!

22. September

Daßselbe! Wir sind durchnaß.

23. September

Viele französische Gefallene beerdigt unter feindlichen Feuer, es schlagen fortwährend Granaten ein.

24. September

Im Schützengraben am Rande eines Waldes in Reserve aber im Feuer des Feindes.

25. September

Tag und Nacht das Waldbefestg halten, wir hatten keine Verluste, essen und trinken wurde uns in der Nacht gebracht.

26. September

Daßselbe! Im Walde bei Vassens.

27.,28., 29., 30. immer hier im Walde wir schlafen in Laubhütten, hatten also Laubhüttenfest.

1. Oktober

Abgelöst und 1 Stunde zurück in ein Dorf einquatiert, es hieß Ou dien Court [Audignicourt]. Zum ersten Male mal wieder gewaschen seid 8 Tagen.

2. Oktober

Abmarsch nach Epagni [Épagny]. Dort ein Quatier, haben die erste Nacht draußen geschlafen es war erbärmlich kalt! Sonst hatten wir es hier ganz gut in der Reserve!

Am 3. 4. 5. daßselbe!

6. Oktober

Abmarsch nach Vezaponin [Vézaponin] daßselbe wie in Epagni [Épagny].

7. Oktober

Abmarsch nach Labroy [Larbroye] bei Noyon, ein schrecklicher Eilmarsch; Ankunft Nachts. Quatier in Scheune.

8. Oktober

Abend 6 Uhr Abmarsch in die Schützengräben bei Tieskorte [Thiescourt] ungefähr in 200 mt Entfernung vor den Feind!

9. Oktober

Ständig im Graben stehn und liegen, Wetter schön, die Franzosen beschießen und unaufhörlich zwecklos! Abends französischer Angriff abgeschlagen; kolosales Feuergefecht, eine Granate schlägt meine Brustwehr durch sonst keine Verletzten! Endlich wird es still, Angriff abgeschlagen. 10 Uhr essen holen, großer Hunger, die Nacht ist still, ständig Wachen.

10. Oktober

Heute bleibt alles ruhig ab und zu schießen die Franzosen mit Granaten ohne Erfolg.

11. Oktober

Es bleibt alles wie gestern bis gegen ½ 6 Uhr plötzlich starkes Feuer einsetzt wir stehen vor den Schießscharten erwarten der Angriffe. Die Granaten schlagen ein eine platz[t] neben mir ein Stück fliegt mit an den Kopf, leicht verletzt, es blutet mäßig und sehr angeschwollen, ich verbinde mich und allmählich wurde es still. Gegen 9 Uhr gehe ich zurück mit den Leuten wo Essen holen und komme ins Revier, 2 Tage Ruhe sagt der Artzt.

12. Oktober

Im Graben passiert wenig anderes wie die Tage vorher, ich wasche und pflege mich so gut es geht. Mache Kreuze für die gefallenen Kameraden vom 11./10. ein Gefreiter aus Essen und Kompagnieführer Herr Benz aus Essen beide von einer Granate tot.

13. Oktober

Pflege mich so gut es geth. Kopf tuht sehr wehe. Abend muß ich wieder in Graben, da ein Angriff erwartet wird, welcher aber nicht stattfindet, außer einige Schießen!

14. Oktober

Ständig wachen, beim Schießen haben wir wieder einige Verluste und 2 Tote!

15. Oktober

Daßselbe, ständig wachen. Tag + Nacht.

16. Oktober

Viele sind krank vor Ermattung, aber keine Ablösung ist vorhanden.

17. Oktober

Wir sollen abgelöst werde. Gott sei Dank leider bleibt die Ablösung aus!

18. Oktober

Früh um 6 Uhr es wird schon hell, kommt die lang ersehnte Ablösung Gott sei wenig Dank. Wir hatten 10 Nächte und 9 Tage 200 meter vor dem Feind gelegen und hatten 5 Tote und 12 Verletzte. Wir waschen uns und legen uns zum schlafen in eine alte Scheune! Der Artzt stellt fest daß die ganze Compagnie erkrankt ist, zum Teil schwer z. Teil leicht also bekommen wir Schonung! Wir essen und trinken seit 10 Tagen wieder warm und regelmäßig.

19. Oktober

Wir erhalten Liebesgaben Cigg. Taback. Ciggaretten und alle möglichen Sachen und um 6 Uhr abends maschierten wir nach Noyon in Quatier! Ankunft spät Abends in einem Stall übernachtet.

20. Oktober

Wir finden eine schöne Villa verlassen und quatieren uns schnell um. Machen es uns so gemütlich als möglich und wechselten unsere Wäsche und halten große Wäsche ab.

Von jetzt ab beginnt ein schönes Leben für uns welches wir nicht erwartet hatten es treffen alle Tage fast Liebesgaben ein, Cigg. in Menge und Schnaps,Wein, und andre schöne Sachen, wir schreiben fleißig nach den Lieben in der Heimat.

Morgens haben wir ein bis 2 Stunden Dienst und dann mal ein Appell und gehen in die verlassene Stadt spazieren und ab und zu ziehen wir auf Wache. Requirieren Lebensmittel und machen Arbeitsdienst, so haben wir in einer Nacht von 10-1 Uhr 17 große Geschütze abgeladen und so fort. Wir sind durch 63 Mann Ersatz verstärkt und erwarten weitere Befehle!

 

Noyon d. 22. XI. 14.

Theo Schalkamp

Gefr. d. L. R. 53 VII. Korps

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Kriegserinnerungen des Gefreiten Theodor Schalkamp beim Landwehr Infanterie Regiment 53 (1. August – 20. Oktober 1914)